Gemeinsam gegen Krebs - UniversitätsSpital Zürich

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Tumorzentrum UniversitätsSpital Zürich:
Gemeinsam
gegen Krebs
Die beste
Behandlung
anbieten
Seite 03
Mit dem
Willen, gesund
zu werden
Seite 15
Umfassende Krebsbehandlung
unter einem Dach
Inhaltsübersicht
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser
Moderne Krebstherapie:
Das Tumorzentrum
03
Diagnose: Prostatakrebs
05
Forschung:
Neue Medikamente gegen Hautkrebs
06
Diagnose: Hirntumor
08
Diagnose von Tumoren:
Bilder aus dem Körperinnern
09
Diagnose von Tumoren:
Gewebeproben und Erbgut
10
Pflege: Ganz nah am Menschen
11
Bewährte und neue Krebstherapien:
Bestrahlung, Immuntherapie,
Transplantation, Chemotherapie
12
Diagnose: Lungenkrebs
15
Die Organzentren des Tumorzentrums
16
Diagnose: Brustkrebs
20
Psychoonkologie:
Seelische und soziale Beratung
Jeden Tag sehen sich Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Bis heute wurde noch kein
Wundermittel dagegen gefunden. Vielmehr beginnt mit der Diagnose ein Kampf, den die Patienten
oft gewinnen, manchmal aber auch verlieren.
Für die Behandlung von Krebs stehen viele bewährte und neue Therapien zur Verfügung, diese umfassen Chirurgie, Bestrahlung, Chemotherapie und Antikörpertherapien. Je nach Erkrankung durchlaufen Krebspatienten verschiedene Stationen in einem Spital. Sie profitieren davon, wenn
Spezialisten sich austauschen und abstimmen, bevor über weitere Behandlungsschritte entschieden wird. Anlässlich regelmässiger Sitzungen, sogenannter Tumorboards, kommen die
verschiedenen Fachärzte zusammen, um die beste Therapie für jeden einzelnen Patienten zu finden.
So garantieren sie eine optimale und individuell ausgerichtete Behandlung, die auch die soziale
und emotionale Situation des Patienten oder der Patientin berücksichtigt.
Diese bestmögliche Behandlung wollen wir mit dem neuen Tumorzentrum am UniversitätsSpital
Zürich gewährleisten. Dafür stärken wir unsere onkologische Kompetenz, bauen sie laufend zielgerichtet aus und vernetzen uns mit externen Partnern. Unsere Patienten erhalten dadurch Zugang
zur umfassenden Expertise von Spezialisten, zu den neuesten Behandlungsmöglichkeiten und zur
modernsten technischen Infrastruktur.
Das Tumorzentrum am UniversitätsSpital Zürich ist das erste umfassende Tumorzentrum in der
Schweiz, das nach international akzeptierten Richtlinien arbeitet. Mit der Zertifizierung durch die
Deutsche Krebsgesellschaft belegen wir zudem den qualitativen und kontrollierten Mehrwert einer
Behandlung in unserem Zentrum. Unter einem Dach verfügen wir über eine gebündelte onkologische Kompetenz und setzen Innovationen aus der universitären Forschung und den verschiedenen Fachdisziplinen optimal ein. So unterstützen wir unsere Patienten in ihrem Kampf gegen den
Krebs.
In der vorliegenden Sonderbeilage stellen wir Ihnen das Tumorzentrum unseres Spitals, seine
Exponenten, seine Leistungen und sein Angebot vor.
21
Wir wünschen Ihnen eine informative Lektüre.
02
Palliative Betreuung:
Wenn Heilung nicht mehr möglich ist
22
Allgemeine Informationen
und Kontaktadressen
23
Rita Ziegler, lic. oec. HSG
Vorsitzende der Spitaldirektion
Prof. Jürg Hodler, Stellvertretender
Vorsitzender der Spitaldirektion
und Ärztlicher Direktor
Moderne Krebstherapie: Das Tumorzentrum
Prof. Tullio Sulser, Prof. Walter Weder (von links nach rechts)
Die beste Behandlung für
jeden einzelnen Kranken
Das UniversitätsSpital Zürich baut ein Tumorzentrum auf. Es verbessert die
Zusammenarbeit der Spezialisten und steigert die Qualität der Therapie von
Krebspatienten.
Jeden Tag erkranken in der Schweiz 100 Menschen neu an Krebs. Besonders häufig mit rund
16 Neuerkrankungen täglich sind Prostatakarzinome bei Männern und Brustkrebs bei Frauen.
Gesundheitsexperten rechnen damit, dass die
Zahlen künftig noch ansteigen werden, weil die
Menschen immer älter werden und damit das
Risiko für eine Krebserkrankung zunimmt.
Gleichzeitig sind heute viel bessere Therapien
möglich.
Am häufigsten sterben Patienten mit Lungenkrebs. In vielen Fällen bedeutet Krebs jedoch
kein Todesurteil mehr. Auch wenn eine Heilung
meist nicht möglich ist, leben die Betroffenen
oft viele Jahre mit ihrer Erkrankung. Daraus ergeben sich neue Anforderungen: Therapien, die
auf dem neusten wissenschaftlichen Stand sind,
regelmässig angepasst und in ihren Nebenwir-
kungen kontrolliert werden, aber auch Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung
sowie psychologische und soziale Begleitung
des Krebskranken und seiner Familie.
Krebs ist eine komplexe Erkrankung. Vor diesem
Hintergrund baut das UniversitätsSpital Zürich
ein Tumorzentrum auf, das für jede Krebspatientin und jeden Krebspatienten die bestmögliche Betreuung bieten möchte. «Elementar für
eine moderne Krebsbehandlung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit», sagt Prof. Walter
Weder, Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie
und spezialisiert auf Lungenkrebs.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Vorbei sind die Zeiten, wo der Chirurg lediglich
seine Möglichkeiten gesehen und als Therapie
nur eine Operation angeboten hat, der Radio-
Onkologe nur bestrahlt und der Onkologe stets
eine Chemotherapie verordnet hat. Moderne
Krebstherapie schliesst neue Behandlungsmöglichkeiten ein und kombiniert die verschiedenen
Varianten. Hinweise, was im Einzelfall zu tun ist,
liefert häufig bereits die Diagnose. So können
die Pathologen heute immer öfter sagen, welches
Medikament wirkt oder eben nicht, nachdem sie
die genetischen Anlagen untersucht haben.
Modernste bildgebende Verfahren machen die
Dimension einer Krebserkrankung sichtbar und
liefern ebenfalls Hinweise für Behandlung und
Prognose. Entdecken die Radiologen und Nuklearmediziner Metastasen, bedeutet das häufig,
dass eine Operation nicht mehr sinnvoll ist.
Dann kann womöglich eine Chemotherapie oder
eine Bestrahlung oder eine Kombination von
beidem helfen. Auch die Chirurgie arbeitet heute
Prof. Christoph Renner, Prof. Michael Weller (von links nach rechts)
03
«Wir wollen eine Struktur bieten, die ein umfassendes
Angebot für jeden Patienten ermöglicht.»
Prof. Christoph Renner
anders: «Bei Lungenkrebs entfernen wir oft
nicht mehr den gesamten Lungenlappen, sondern kleinere Segmente, und wir machen sogar
Rekonstruktionen», sagt Lungenchirurg Weder.
Ist eine Operation nicht möglich, weil der
Patient geschwächt ist, kann eventuell eine Bestrahlung weiterhelfen. Auch diese Therapieform ist heute viel präziser und effizienter als
noch vor wenigen Jahren.
Alle zur Verfügung stehenden Varianten erlauben eine immer besser auf den einzelnen Patienten abgestimmte, individualisierte Therapie.
Um sämtliche Möglichkeiten bewährter und
neuer Behandlungen auszuloten, treffen sich die
Spezialisten in sogenannten Tumorboards. Im
Prostatakarzinomzentrum etwa spricht der Urologe mit dem Onkologen, dem Radiologen, dem
Radio-Onkologen, dem Pathologen, dem Nuklearmediziner, dem Psychoonkologen und dem
Sozialdienst. Gemeinsam entscheiden sie über
die für den Patienten beste Behandlung und Begleitung. «In den Tumorboards lernen auch die
jungen Kollegen, wie man interdisziplinär zusammenarbeitet und Entscheidungen trifft»,
sagt Prof. Tullio Sulser, Leiter des Prostatakarzinomzentrums.
Lebensqualität verbessern
Die Tumorboards sind nicht nur der Ort für die
Aus- und Weiterbildung am Universitätsspital,
sondern sie stehen auch niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinern aus anderen Kliniken offen. «Wir wollen eine Struktur
bieten, die ein umfassendes Angebot für jeden
Patienten ermöglicht», sagt Prof. Christoph
Renner, der das Tumorzentrum leitet. Interne
wie externe Mediziner sollen sich an international akzeptierten Leitlinien orientieren können,
die Empfehlungen für die Diagnostik und Behandlung einzelner Tumorarten aussprechen.
Der Aufbau des Tumorzentrums erfolgt in mehreren Schritten und beginnt mit einzelnen
Organzentren. Bereits zertifiziert am Universitätsspital sind die Zentren für Prostata, Lunge
und Haut, weitere stehen kurz davor. Die Patientinnen und Patienten profitieren unmittelbar
vom organisatorischen und finanziellen Kraftakt. «Selbst wenn wir nicht heilen können,
können wir meist die Lebensqualität verbessern», sagt Krebsspezialist Renner.
Neue Medikamente
Sämtliche Behandlungsempfehlungen, die ein
Tumorzentrum vorschlägt, basieren auf hohen
Fallzahlen – das ist eine weitere Vorgabe für
die Zertifizierung. So muss ein Lungenkrebszentrum pro Jahr mindestens 200 neue
Patienten behandeln, ein Prostatakarzinomzentrum mindestens 100. Die Daten für alle Patienten müssen kontinuierlich und umfassend
dokumentiert werden. «Wir können auf Knopfdruck die Überlebensraten unserer Patienten
abrufen», sagt Christoph Renner. Aus den hohen
Fallzahlen und der sauberen Dokumentation ergibt sich ein weiterer Vorteil für die Patienten:
«Wir können dadurch viel leichter neue Wirkstoffe testen», sagt Prof. Michael Weller, der
eine Vielzahl an Studien durchführt und das
Hirntumorzentrum leiten wird. Über die Teilnahme an Studien profitieren die Patienten
unmittelbar von Fortschritten in der Krebsforschung.
Weil die Wissenschaftler immer genauer verstehen, wie Krebs zustande kommt, sind sie in
der Lage, neue Wirkstoffe zu entwickeln. So gibt
es nach 20 Jahren Stillstand inzwischen erste
neue Medikamente für die Behandlung von Patienten mit schwarzem Hautkrebs, und es gibt
Impfstoffe für bestimmte Arten von Lungen- und
Nierenkrebs. Die Zukunft der personalisierten
Krebstherapie hat erst begonnen, ist Michael
Weller überzeugt: «In zehn Jahren wird man
für viele Mutationen einen speziellen Wirkstoff
anbieten können.»
Prof. Dr. med. Walter Weder, 58, leitet die
Klinik für Thoraxchirurgie. Mit dem Onkologen
Prof. Rolf Stahel leitet er gemeinsam das Zentrum für Lungen- und Thoraxonkologie. Prof.
Weder ist Facharzt für Chirurgie und zählt zu
den Pionieren der Lungentransplantation. In der
Forschung beschäftigt er sich unter anderem
mit bösartigen Lungentumoren und Brustfellkrebs. Seit 2012 ist Prof. Weder als Ärztlicher
Co-Direktor des Universitätsspitals Mitglied der
Spitaldirektion.
Prof. Dr. med. Michael Weller, 50, ist Direktor
der Klinik für Neurologie und designierter
Leiter des Hirntumorzentrums. Er ist Facharzt
für Neurologie und spezialisiert auf dem Fachgebiet der Neuroonkologie. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Entwicklung neuer
Therapieverfahren für Hirntumoren. Er sucht
nach Impfkonzepten und erforscht, wie man
mit neuartigen Wirkstoffen die Blutversorgung
von Tumoren unterbinden kann.
Prof. Dr. med. Christoph Renner, 45, ist Leiter
des Medizinbereichs Innere Medizin-Onkologie
und Leiter des Tumorzentrums. Er ist Facharzt
für Innere Medizin mit einer Zusatzausbildung
in Hämatologie-Onkologie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der
Tumorimmunologie und hier insbesondere auf
der Entwicklung neuartiger Antikörper zur
Therapie bösartiger Erkrankungen.
Prof. Dr. med. Tullio Sulser, 56, ist Direktor
der Klinik für Urologie und Leiter des Prostatakarzinomzentrums. Prof. Sulser ist Facharzt für
Urologie. Seine klinischen Schwerpunkte sind
minimalinvasive, roboterassistierte Eingriffe und
die wiederherstellende Urologie, insbesondere
der Harnröhre. In der Forschung beschäftigt er
sich unter anderem mit der Frage, wie Tumoren
und auf welchem Weg Metastasen entstehen.
Tumorzentrum: Qualitätsgarantie durch Zertifizierung
Ziel eines Tumorzentrums ist es, «die bestmögliche Qualität bei Diagnose und Therapie für alle Krebspatienten in der Region anzubieten», schreibt
die Deutsche Krebsgesellschaft, nach deren Vorgaben die Zertifizierungen der Organzentren am UniversitätsSpital Zürich erfolgen. Nachgewiesen
werden muss etwa, dass die Betreuung der Patienten interdisziplinär erfolgt, dass Qualitätskriterien eingehalten werden, dass Patienten Zugang
zu klinischen Studien erhalten und dass bei der Nachsorge alle Beteiligten einbezogen werden, Patienten und Angehörige sowie Selbsthilfegruppen in der Region. Die Einhaltung der Vorgaben wird jährlich stichprobenartig durch Fachexperten vor Ort überprüft; alle drei Jahre muss die
Zertifizierung erneuert werden.
04
Diagnose: Prostatakrebs
«Gut, habe ich mich schnell für
eine Operation entschieden»
Als bei Carlo Canova Krebszellen in der Prostata gefunden werden, wartet
er nicht lange, bis er einer Operation zustimmt.
Entscheidungen endlos hinauszuzögern – das
ist nicht seine Sache. Als Carlo Canova erfährt,
dass in seiner Prostata Krebszellen gefunden
wurden, will er schnell operiert werden. Sein
Hausarzt rät ihm, sich bei Prof. Tullio Sulser,
Leiter des Prostatakarzinomzentrums am UniversitätsSpital Zürich, vorzustellen, weil der Urologe über eine grosse Operationserfahrung
verfüge. «Der Professor hat sogar seine Mittagspause geopfert, um mit mir zu sprechen»,
freut sich der Allgemeinversicherte noch heute.
Sechs Wochen nach der Diagnose, im Mai 2012,
operiert ihn der Spezialist. Er nutzt dafür den
Operationsroboter Da Vinci, mit dem er minimalinvasiv operieren kann. Für den Patienten ist
dies deutlich weniger belastend als eine
offene Operation. Canova, selbst Ingenieur, findet die Technik «spannend». In der ETH-Bibliothek entdeckt er einen Videofilm über Da Vinci,
der für die Ausbildung angehender Mediziner
gedacht ist, und schaut ihn sich an. «Ich war optimal vorbereitet», sagt er.
Der Eingriff verläuft problemlos, die beiden Operateure entfernen die etwa kastaniengrosse
Drüse vollständig. Proben davon schicken sie
zur weiteren Untersuchung in die Pathologie.
Nur drei Tage nach der Operation kann der Patient wieder nach Hause. Weil er sich anfänglich unsicher fühlt, übernachtet Canova noch
zwei Mal im Universitätsspital – «das war wie
im Hotel», lobt er nicht nur die Flexibilität der
Klinik, sondern auch deren Speisekarte.
Dass der Tumor überhaupt entdeckt wurde, verdankt Carlo Canova regelmässigen Kontrollen.
Ein Mal im Jahr geht der 53-Jährige für einen
Check-up zum Hausarzt. Für ihn ist das eine
Selbstverständlichkeit: «Ich bringe das Auto ja
auch jährlich in die Garage.»
Im Februar 2012 ergibt die Laboruntersuchung
einen leicht erhöhten PSA-Wert. Ein erhöhter
Wert des prostataspezifischen Antigens gilt als
Indiz für eine Veränderung der Prostata; er
kann sowohl bei einer gut- wie einer bösartigen
Prostatavergrösserung ansteigen. Um Klarheit
zu bekommen, überweist der Hausarzt seinen
Patienten für eine Biopsie an ein regionales
Spital. Von sechs Gewebeproben enthält eine
Krebszellen. Die Aggressivität des Tumors stu-
fen die Pathologen mit dem Wert 6 ein – der
Höchstwert liegt bei 10.
Von der Operation bleiben sechs kleine Narben
im Unterbauch zurück. Die Heilung verläuft gut.
Beschwerden wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen, die nach einer Prostataoperation
möglich sind, treten nicht auf. Sechs Wochen
nach Entfernung der Prostata liegt der PSA-Wert
bei 0. Doch dann kommt das Ergebnis von der
Pathologie: Der Tumor erweist sich mit einem
Wert von 9 als aggressiver als gedacht. Der Befund ist für Canova «die schlechte Nachricht des
Jahres». Prof. Sulser rät seinem Patienten, das
Operationsgebiet bestrahlen zu lassen – die
ersten Sitzungen finden Mitte August statt,
nachdem die Narben vollständig verheilt sind.
«Wenn man zuerst operiert, kann man anschliessend immer noch bestrahlen», sagt Carlo
Canova über die Behandlungsstrategie. Doch
besonders froh ist er darüber, dass er sich
schnell entschieden und «nicht monatelang hin
und her überlegt» hat.
Carlo Canova hat sich gut auf den Eingriff vorbereitet.
05
Forschung: Neue Medikamente gegen Hautkrebs
«Chemotherapie ist
heute die Ausnahme»
Schwarzen Hautkrebs behandeln die Dermatologen immer häufiger mit
Medikamenten, die auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sind. Nach 20
Jahren Stillstand in der Forschung sei nun der Damm gebrochen, sagen die
Hautkrebsspezialisten Reinhard Dummer und Ralph Braun.
Der seltenste Hautkrebs, das Melanom, ist
zugleich der gefährlichste?
Prof. Reinhard Dummer: Ja, das Melanom ist
für die meisten durch Hautkrebs verursachten
Todesfälle verantwortlich. Grund dafür ist, dass
es besonders schnell zur Bildung von Tochtergeschwüren, sogenannten Metastasen, kommt.
Pro Jahr treten in der Schweiz rund
1900 neue Fälle auf, mit seit Jahren stark
steigender Tendenz. Waren denn alle Informationskampagnen über den schwarzen
Hautkrebs erfolglos?
Prof. Ralph Braun: Nein, überhaupt nicht. Die
Menschen kennen heute die Risikofaktoren und
wissen genauer, wie sie sich vor zu viel UV-Licht
schützen können. Die Tumoren, die wir heute
diagnostizieren, gehen ja auf «Sünden» von vor
10, 15 Jahren zurück.
Hier hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. Gehen die Leute denn auch häufiger
und früher zum Arzt, um verdächtige Pigmentflecken kontrollieren zu lassen?
«Wir suchen nach Veränderungen im Erbgut der
Tumoren. Heute wissen
wir, dass nicht jedes
Melanom durch dieselbe
Mutation ausgelöst
wird.»
Prof. Reinhard Dummer
06
Braun: Das ist eindeutig so. Wir sehen heute
viel häufiger Patienten mit einer geringeren Tumordicke. Das liegt auch daran, dass wir Hautkrebs dank neuer Verfahren viel besser
diagnostizieren und damit früher erkennen,
behandeln und in den meisten Fällen heilen
können.
Dummer: Was wir nach wie vor nicht früh
genug entdecken, sind Tumoren, die in die Tiefe
wachsen und deshalb von aussen kaum sichtbar sind, und die schnell wachsenden Tumoren.
Bei Letzteren ist die Sterblichkeit immer noch
hoch.
Dabei gibt es doch gerade in der Therapie
des Melanoms grosse Fortschritte …
Dummer: Wir können heute viel genauer unterscheiden, welche Therapien für welche Patienten in Frage kommen. Dafür schauen wir
verschiedene Ebenen an. Auf der klinischen
Ebene wissen wir, dass Patienten mit einem
ulzerierten Tumor, also mit einer Wunde, von
einer Behandlung mit Interferon profitieren. Wir
können damit deutlich mehr Patienten heilen,
Prof. Dr. med. Ralph Braun, 43, ist Leitender
Arzt an der Dermatologischen Klinik und
Koordinator des Hauttumorzentrums, wo er
für die Hautkrebsfrüherkennung zuständig
ist. Ralph Braun hat an der Universität in
Homburg Medizin studiert. Er ist Facharzt
für Dermatologie und Venerologie. Prof. Braun
forscht über neue Methoden zur Diagnose
von Hautkrebs.
als wenn wir nur operieren. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Metastasen noch sehr
klein sind.
Wie gehen Sie vor, wenn die Melanomerkrankung fortgeschritten ist?
Dummer: Wir suchen nach Veränderungen im
Erbgut der Tumoren. Heute wissen wir, dass
nicht jedes Melanom durch dieselbe Mutation
ausgelöst wird. Derzeit können wir vier Melanom-Krebsgene, die zum Tumorwachstum beitragen, unterscheiden. Je nachdem, was wir
finden, können wir unterschiedliche Medikamente einsetzen, die gezielt das Tumorwachstum blockieren. Weitere Gene und weitere
Wirkstoffe werden dazukommen.
Was können Sie derzeit zusätzlich anbieten?
Dummer: Wir schauen auch die immunologische Ebene an, um zu sehen, wie das Immunsystem den Tumor bekämpft und wie wir diese
Antwort verstärken können. Mit dem Wirkstoff
Ipilimumab, der am UniversitätsSpital Zürich in
klinischen Studien getestet wurde, steht uns ein
Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, 52, ist
stellvertretender Direktor der Dermatologischen Klinik und leitet das Hauttumorzentrum. Reinhard Dummer hat an der Universität Würzburg Medizin studiert. Er ist
Facharzt für Dermatologie, für Allergologie
und für klinische Immunologie. Prof. Dummer
ist spezialisiert auf Laser- und Strahlentherapie sowie auf die medikamentöse Behandlung von fortgeschrittenen Hauttumoren. In
der Forschung sucht er nach neuen Ansätzen
für die Therapien von Melanomen.
sehr wirksames Immuntherapeutikum zur Verfügung.
Das klingt so, als könnten Sie aus all den Informationen die für den Patienten optimale
Therapie zusammenstellen. Wie weit sind
Sie im Klinikalltag mit der personalisierten
Medizin?
Braun: Wir sind inzwischen meilenweit von der
Situation entfernt, in der jeder Patient die gleiche
Chemotherapie erhalten hat …
Dummer: Chemotherapie ist schon fast die
Ausnahme.
Seit wann ist das so?
Braun: Das hat sich in den letzten zwei, drei
Jahren drastisch geändert.
Dummer: Es ging wirklich extrem schnell. 2002
hat man das erste Melanom-Krebsgen entdeckt,
2006 hatte man mit Vemurafenib den ersten
Wirkstoff, um es zu blockieren. Bereits 2010 war
das Medikament zugelassen. Inzwischen gibt es
weitere Wirkstoffe. Weil sie zunächst an universitären Zentren getestet werden, stehen sie unseren Patienten besonders früh zur Verfügung.
Wie viele Ihrer Patienten nehmen an klinischen Studien teil?
Dummer: Bei den Patienten mit einem fortgeschrittenen Melanom nehmen zwei von drei an
klinischen Studien teil. Aktuell laufen etwa 18
Studien mit unterschiedlichen Kombinationen
von Medikamenten.
anderem an den Studienprotokollen, für die wir
eine Fülle an Faktoren untersuchen und dokumentieren müssen.
Können Sie denn die verschiedenen Wirkstoffe miteinander kombinieren?
Dummer: Ja, und das Erstaunliche ist, dass
sich die Medikamente in ihrer Wirkung verstärken. Gleichzeitig sind die Nebenwirkungen geringer als bei einer Behandlung mit nur einem
Medikament.
Wie erklären Sie den enormen Fortschritt bei
der Behandlung von schwarzem Hautkrebs?
Dummer: Nach 20 Jahren Stillstand hatten wir
grossen Nachholbedarf – jetzt ist der Damm
gebrochen.
Was bedeutet das für die Patienten?
Dummer: Unsere Untersuchungen und die anderer Zentren zeigen, dass die durchschnittliche
Überlebenszeit um fünf Monate verlängert ist.
Das heisst, dass mehr Patienten die Erkrankung überleben?
Dummer: Das wird so kommen. Zudem haben
wir dadurch, dass die Patienten länger leben
und mit den nebenwirkungsärmeren Medikamenten auch in einem besseren Allgemeinzustand bleiben, mehr Zeit, neue Medikamente
anzuwenden. Statt maximal zwei Behandlungsversuche wie früher machen wir heute meist
drei oder sogar vier.
Braun: Es ist generell so, dass Patienten, die an
klinischen Studien teilnehmen, länger leben,
weil sie intensiver betreut sind. Das liegt unter
«Wir können Hautkrebs
dank neuer Verfahren
viel besser diagnostizieren und damit früher erkennen, behandeln und
in den meisten Fällen
heilen.»
Prof. Ralph Braun
Prof. Ralph Braun, Prof. Reinhard Dummer (von links nach rechts)
07
Diagnose von Tumoren: Bilder aus dem Körperinneren
Zuerst das Bild,
dann die Therapie
Ganz links eine Übersicht der Verteilung des Zuckermarkers im Körper eines Patienten mit Lymphdrüsenkrebs. Die drei Bilder rechts davon zeigen die
Wirbelsäule des Patienten in der CT, in der PET und als
farbkodierte Fusion der beiden. Die PET-CT
(ganz rechts) erlaubt die genaue Zuordnung des
Lymphombefalls.
Bildgebende Verfahren ermöglichen die Früherkennung von Tumoren, sie
präzisieren die Diagnose und erleichtern die Verlaufskontrolle von Tumorerkrankungen.
Ertastet eine Frau einen Knoten in der Brust, folgt
zunächst meist eine Mammografie. Die spezielle Röntgenaufnahme gilt als wichtigste Methode für die Früherkennung von Brustkrebs bei
Frauen. Oft ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung nötig, um Zysten von solidem Gewebe
unterscheiden zu können – dabei ist auch die
Entnahme von Gewebeproben möglich. Gelegentlich erfolgt eine weitere Abklärung über
eine Magnetresonanztomografie (MR). Sie liefert ein detailliertes räumliches Bild des Tumors
und wird auch genutzt, um Metastasen in
Tumornähe aufzuspüren.
«Wir setzen für fast jedes Organgebiet und jede
Fragestellung ein anderes Verfahren ein», sagt
Prof. Jürg Hodler, Direktor des Instituts für
Diagnostische und Interventionelle Radiologie.
«Brusttumoren erkennt man gut über eine
Mammografie, Lebertumoren sieht man sehr
gut über Ultraschall, und für Tumoren in den
Knochen eignet sich die Magnetresonanztomografie am besten.» Aktuelle Forschungsergebnisse, die laufend in die Diagnostik einfliessen,
tragen laut Prof. Hodler dazu bei, dass die Verfahren ständig optimiert werden. So sei es gelungen, die bereits geringe Strahlendosis in der
Computertomografie weiter zu senken. In der
Magnetresonanztomografie würden neue Bildtypen dabei helfen, Lebertumoren aufzuspüren
und gute und bösartige Befunde sicherer zu unterscheiden.
Hat die Gewebeprobe ergeben, dass es sich um
einen bösartigen Tumor handelt, ist die nächste
wichtige Frage, die es zu klären gilt, in welchem
Stadium die Krebserkrankung ist. Konkret geht
es darum, herauszufinden, ob der Tumor lokal
begrenzt ist, ob die Lymphknoten Krebszellen
enthalten und ob sich bereits Metastasen gebildet haben.
Das «beste Verfahren», um diese Frage zu beantworten, ist meist die PET-CT, sagt Prof.
Gustav von Schulthess, Direktor der Klinik
für Nuklearmedizin. Beim PET-CT werden
Schichtbilder aus dem Positronen-EmissionsTomograf (PET) mit den Bildern aus einer
Computertomografie (CT), einer Röntgenuntersuchung, kombiniert. PET nutzt die Tatsache,
dass die Stoffwechselaktivität der meisten bösartigen Tumoren erhöht ist, und macht dies über
radioaktiv markierten Zucker sichtbar. Doch der
Zuckermarker versagt in verschiedenen Situationen, zum Beispiel im Gehirn oder in der
Prostata. Inzwischen stehen neue Marker zur
Verfügung, die spezifisch eingesetzt werden
können. Die Spezialisten, die in Tumorboards für
jeden Krebspatienten nach der passenden Behandlung suchen, sind auf gute Bilder ange-
wiesen. «Die moderne Bildgebung liefert die rationale Grundlage für die Wahl der Therapie»,
sagt von Schulthess. Findet er mit seinen Methoden heraus, dass der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, ist eine Operation nicht mehr
sinnvoll. «Dann muss man darüber diskutieren,
ob man nun eine Chemotherapie macht oder
eine Bestrahlung oder beides.»
Ob eine Therapie anschlägt oder nicht, verraten
ebenfalls bildgebende Verfahren. PET-CT sei
auch für die Verlaufskontrolle «phantastisch»,
sagt Gustav von Schulthess. Der Nuklearmediziner kann über das Bild eine erste Prognose
abgeben: «Sehe ich dort, wo vorher der Tumor
Zucker aufnahm, nichts mehr, ist das ein günstiges Zeichen.»
«Wir setzen für fast
jedes Organgebiet und
jede Fragestellung ein
anderes Verfahren ein.»
Prof. Jürg Hodler
09
Diagnose von Tumoren: Gewebeproben und Erbgut
Prof. Holger Moch
«Die Patienten verlangen
zunehmend, dass die Behandlung
auf sie abgestimmt ist»
Neue Untersuchungen ermöglichen neue, zielgerichtete Therapien. Damit
steigen auch die Ansprüche an die Diagnostik, sagt Prof. Dr. Holger Moch,
Direktor des Instituts für Klinische Pathologie.
Heute kann man bestimmte Formen von
Brust-, Haut-, Lungen- oder Darmkrebs mit
gezielten Therapien behandeln. Worin besteht der Beitrag der Pathologie?
Prof. Holger Moch: Wir stellen die Krebsdiagnose über Gewebeproben. Dafür sehen wir uns
die Krebszellen unter dem Mikroskop an.
Worin unterscheidet sich eine Krebszelle von
einer gesunden Zelle?
Krebszellen sind häufig grösser, sie haben grössere und unregelmässige Zellkerne, und sie
lassen sich anders anfärben. Aufgrund dieser
Eigenschaften können wir mit grosser Sicherheit sagen, ob es sich um einen bösartigen
Tumor handelt.
Jetzt gehen Ihre Untersuchungen ja längst
weiter ...
Ja, genau. Wir untersuchen heute auch das Erbgut von Tumorzellen. So können wir herausfinden, wie aggressiv der Tumor ist. Und wir
können aufgrund genetischer Untersuchungen
auch sagen, ob ein Tumor auf eine neue, sogenannt zielgerichtete Therapie anspricht oder
nicht. Immer mehr dieser Tests führen wir routinemässig durch.
Was bedeutet das für den Patienten?
Ganz konkret bedeutet das, dass ihm ein bestimmtes Medikament nur dann verordnet wird,
wenn die entsprechende genetische Veränderung nachgewiesen wurde. Dazu muss man
10
wissen, dass diese neuen Therapien auch
schwere Nebenwirkungen haben können, so
dass es auch für den Patienten wichtig ist, zu
erfahren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist,
dass die Behandlung wirkt. Ausserdem spart
das Kosten.
Trotz der aufwändigen Tests?
Die Therapie mit den neuen Medikamenten
kann im halben Jahr zwischen 30’000 und
50’000 Franken kosten. Im Vergleich dazu ist
der Preis für einen Test mit 800 bis 1000 Franken
pro Patient gering, so dass es sich für das Gesundheitswesen unter dem Strich rechnet. Denn
die Patienten, bei denen diese Medikamente
nicht wirken können, erhalten sie erst gar nicht.
Für die betroffenen Patienten ist das frustrierend …
Ja, genau damit sind wir in den Tumorboards
konfrontiert. Von den Klinikern wissen wir, dass
die Patienten nach einer Therapie fragen, die
auf sie abgestimmt ist. Wenn ein Medikament
nicht funktioniert, möchten sie, dass wir nach
anderen genetischen Veränderungen suchen, so
dass möglicherweise andere Medikamente in
Frage kommen. Das tun wir auch. Oft klären wir
mit den Klinikern bereits frühzeitig verschiedene Behandlungsvarianten und die erforderlichen diagnostischen Tests ab.
Ist das die personalisierte Medizin der Zukunft?
Es geht eindeutig in diese Richtung. Durch die
genetischen Untersuchungen wissen wir immer
mehr über die Eigenschaften von Tumoren. Das
gibt uns Hinweise, wie wir noch zielgerichteter
arbeiten können.
Heisst das, es braucht künftig noch mehr
Tests?
Nein, im Gegenteil. Mit den neuen Technologien
können wir theoretisch das gesamte Genom
analysieren. Es gibt heute derart viele Medikamente, dass es sich fast schon lohnt, in ersten
Untersuchungen das gesamte genomische Profil eines Patienten zu erstellen. Das ist günstiger,
als wenn man drei, vier Untersuchungen nacheinander macht.
Tumorboard
In den verschiedenen Organzentren finden
regelmässig sogenannte Tumorboards
statt. Dort treffen sich die Spezialisten unterschiedlichster Disziplinen, um komplexe
Krankheitsbilder zu besprechen. Je nach
Tumor diskutieren Experten für Haut-, Lungen- oder Prostatakrebs mit Chirurgen,
Radiologen, Nuklearmedizinern, Strahlentherapeuten, Onkologen, Pathologen, Psychoonkologen und weiteren Fachleuten.
Ziel ist, die für den jeweiligen Patienten
optimale Behandlung und Betreuung zu
finden. Die Pathologen sind bei allen
Tumorboards dabei.
Pflege: Ganz nah am Menschen
Kompetente
Begleitung
Pflegende in der Onkologie verfügen über spezielles Wissen über Krebs und
kennen die verschiedenen Therapien und deren Nebenwirkungen. Sie informieren, betreuen und unterstützen Krebspatienten.
Ob stationär oder ambulant, für Krebskranke
sind die Pflegefachpersonen in der Regel die
erste Ansprechstation bei Fragen oder Problemen. «Niemand kommt den Patienten näher, sie
sind 365 Tage im Jahr da, 24 Stunden am Tag»,
sagt Esther Linka, Leiterin des Pflegedienstes
der Kliniken für Onkologie, Hämatologie und
Radio-Onkologie. Pflegende beantworten die
Fragen der Patienten, sie «übersetzen» die
Fachsprache der Ärzte, sie beobachten, wie es
dem Krebskranken geht, begleiten ihn durch
den Krankheitsprozess, und sie nehmen sich die
Zeit zum Zuhören.
«Wir sind Ansprech- und Vertrauensperson zugleich», sagt Onkologie-Pflegeexpertin Anja
Kröner. Das bedeute eine hohe Verantwortung,
sorge aber gleichzeitig für Zufriedenheit. Tatsächlich erfordert die Pflegearbeit in der Onkologie Expertenwissen, über die Erkrankung
selbst und ganz besonders über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten, die laufend erweitert werden. «Jedes Jahr kommen fünf bis
zehn neue Medikamente auf den Markt, zusätzlich werden neue Wirkstoffe im Rahmen von
Studien getestet», sagt Anja Kröner. Eine der
Aufgaben der Pflegeexpertin ist es, die Fach-
literatur zu lesen, sich über Wirkung und Nebenwirkungen zu informieren und ihr Wissen an die
Pflegefachkräfte auf der Station weiterzugeben.
«Als hochspezialisiertes Zentrum und universitäres Spital legen wir grossen Wert auf regelmässige Schulungen und Weiterbildungen»,
sagt Esther Linka.
Stichworte liefern wie Schlaf, äusseres Erscheinungsbild, Essen, Ernährung, trockene, juckende Haut, Kribbeln in Händen und Füssen,
kommen sie «sehr schnell zum Ziel». Hinzu
kommen Beobachtungen der Angehörigen, die
möglichst von Anfang an in die Pflege einbezogen werden.
Vieles von dem, was früher galt, stimmt heute
so nicht mehr. Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall sind nicht mehr die wichtigsten Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. Dafür
haben die neuen Wirkstoffe andere Folgen.
Tyrosinkinasehemmer etwa, die bei verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt werden,
können Rötungen oder Ausschläge der Haut
auslösen, die Haare teilweise entfärben und das
unkontrollierte Wachstum von Wimpern fördern.
«Wir lernen ständig dazu, was wir an Hilfestellungen anbieten können», sagt Anja Kröner, die
nicht nur akademisch ausgebildet ist, sondern
auch selbst in der Pflege arbeitet.
Ein Thema, das früher oder später meistens
kommt, ist die Auseinandersetzung mit der
eigenen Sterblichkeit. Oft begleiten die Pflegefachleute «ihre» Patienten über lange Zeiträume, und nicht selten von der Diagnose bis
zum Sterben. «Wir unterstützen den Krebskranken im Nachdenken, was er mit seiner verbleibenden Zeit noch machen möchte», sagt Anja
Kröner. Stirbt ein Mensch, zu dem eine Pflegefachperson eine enge Bindung aufgebaut hat,
ist eine weitere Kompetenz gefordert, so Pflegeleiterin Esther Linka: «Anteil nehmen, aber
nicht mitleiden.»
Nicht immer können die Krebskranken spontan
sagen, was sie plagt oder beschäftigt. «Damit
wir nichts übersehen, fragen wir uns heran»,
sagt Anja Kröner. Indem die Pflegefachleute
Anja Kröner und Esther Linka (von links nach rechts)
11
Bewährte und neue Krebstherapien
Bestrahlung, Immuntherapie,
Transplantation, Chemotherapie
Präzis, effizient und schnell
Neuste Bestrahlungsgeräte ermöglichen eine höhere Strahlendosis und
Bestrahlt auf Zehntelmillimeter genau: True Beam
halbieren dadurch die Therapiedauer.
Das Ziel moderner Strahlentherapie ist leicht
formuliert: Die Strahlung soll den Tumor in möglichst wenigen, kurzen Behandlungen effizient
zerstören. Und sie soll krankes Gewebe treffen
und gesundes schonen. Neuste Bestrahlungsgeräte sind besonders präzis: Sie finden Tumoren, auch wenn diese ihren Ort immer wieder
leicht ändern, etwa Prostatatumoren, die sich
abhängig vom Füllungsgrad der Blase um
wenige Zentimeter verschieben. Künftig sollen
sie sogar Lungentumoren folgen können,
die sich mit der Atmung ständig bewegen –
entsprechende Konzepte werden an der Klinik
für Radio-Onkologie weiterentwickelt.
«Wenn man mir vor 30 Jahren gesagt hätte,
dass es einmal Bestrahlungsgeräte geben wird,
die mit ihrem Strahl den Tumor verfolgen, hätte
ich das nicht geglaubt», sagt Prof. Urs Lütolf,
Direktor der Klinik. Das Universitätsspital hat im
Jahr 2010 eine Maschine gekauft, mit der
das möglich ist: den Linearbeschleuniger True
Beam. Das sieben Tonnen schwere, elegante
Gerät kann dank intelligenter Technik und einer
hochauflösenden Bildgebung dem Tumor mit
einer Genauigkeit von Zehntelmillimetern fol-
«Am meisten profitieren
Patienten, bei denen es
um eine Linderung ihrer
Erkrankung geht.»
Prof. Urs Lütolf
12
gen. Weil er so genau trifft, ist eine viel höhere
Strahlendosis möglich, drei statt früher zwei
Gray pro Sitzung. Studien zeigen, dass die höhere Dosis die Tumorzellen bei einigen Karzinomen effizienter zerstört. Dadurch halbiert sich
die Gesamttherapiedauer – bei einem Patienten
mit einem Prostatakarzinom genügen vier Wochen mit jeweils fünf Sitzungen. Aus Untersuchungen weiss man, dass die Bestrahlung von
Prostatatumoren gleich gute Ergebnisse bringt
wie die Operation.
Eingesetzt wird True Beam derzeit vor allem bei
Tumoren im Kopf- oder Halsbereich, etwa im Innenohr, bei Tumoren in Prostata und Lunge oder
im Gehirn, wo die Bestrahlung besonders präzis
sein muss. «Am meisten profitieren aber Patienten, bei denen es um eine Linderung ihrer
Erkrankung geht», sagt Radio-Onkologe Lütolf.
Schwer kranken Patienten erspart das Hightechgerät die möglichen Komplikationen einer Operation. Bei vielen Lungentumoren könnte die
moderne Strahlentherapie chirurgische Eingriffe
schon bald ganz ersetzen. Lütolf ist überzeugt,
dass das nicht mehr lange dauert: «In fünf
Jahren ist es so weit.»
«Selbst wenn es nicht gelingt, den Tumor ganz zu
zerstören, können wir in
vielen Fällen wenigstens
ein stabiles Gleichgewicht erreichen.»
Neue Magnetresonanztomografen (MRI) liefern bessere
Bilder und die Untersuchung ist angenehmer.
Prof. Alexander Knuth
Immunkontrolle bei Krebserkrankungen
Der Körper wehrt sich gegen Krebszellen – dabei kann man ihn unterstützen: mit Impfstoffen, Bestrahlung oder Chemotherapie.
Unser Immunsystem kann Krebszellen erkennen und sie zerstören. Doch die Immunabwehr
funktioniert nicht immer perfekt. Bei vielen Patienten breitet sich der Krebs nach einer erfolgreichen Behandlung erneut aus. Offenbar finden
die Krebszellen Strategien, mit denen sie das
Immunsystem austricksen. Hier setzt die Impfung gegen Krebs an. Ihr Ziel ist es, die natürliche Abwehrreaktion des Körpers zu verstärken.
Die Impfung ist jedoch nicht die einzige Behandlungsform, die den Körper zu einer stärkeren Immunantwort anregen kann. Neueste
Ergebnisse zeigen, dass auch Bestrahlung und
Chemotherapie die Immunantwort gegen Krebs
stärken und zudem Krebszellen besser sichtbar
für Immunzellen machen. «Früher hat man
genau das Gegenteil gedacht», sagt Onkologe
Knuth.
Seit kurzem werden Antikörper mit immunregulatorischer Wirkung eingesetzt. Erste ermutigende Ergebnisse liegen bereits vor beim
Melanom, beim nicht-kleinzelligen Bronchuskarzinom und beim Nierenzellkarzinom. «Patientinnen und Patienten, die bereits eine
messbare Immunantwort gegen ihren Tumor
zeigen, reagieren besonders gut auf eine Behandlung mit diesen Antikörpern», sagt Prof.
Alexander Knuth, Direktor der Klinik für Onkologie.
Künftige Untersuchungen sollen zeigen, wie
sich die verschiedenen Behandlungen kombinieren lassen. Das Ziel ist jeweils dasselbe, so
Knuth: «Selbst wenn es nicht gelingt, den Tumor
ganz zu zerstören, können wir in vielen Fällen
wenigstens ein stabiles Gleichgewicht erreichen.» Für den Patienten bedeutet das, dass er
zwar krebskrank ist, aber mit dem Tumor leben
kann.
Erst ganz genau abklären, dann behandeln
Wenn ältere Menschen an einer akuten Leukämie erkranken, klären die
Hämatologen die Heilungschancen sorgfältig ab, indem sie das genetische
Profil der Erkrankung untersuchen.
Heute noch fit und munter, vier Wochen später
schlapp und todkrank. Die akute myeloische
Leukämie (AML), eine Form von Blutkrebs, tritt
plötzlich auf und führt schnell zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands. Betroffen sind überwiegend ältere Personen; das
Risiko, an AML zu erkranken, steigt mit über 60
Jahren dramatisch an und erreicht mit etwa 80
Jahren einen Höhepunkt. Menschen dieses
Alters haben häufig bereits Vorerkrankungen
und sind in einem schlechteren Allgemeinzustand als ein junger Leukämiepatient.
Den behandelnden Arzt stellt das vor die Frage,
welche Therapie dem Kranken zuzumuten ist.
Eine Chemotherapie, um die entarteten Zellen
weitestgehend zu zerstören? Eventuell gefolgt
von einer Blutstammzell-Transplantation und
der erhöhten Chance auf Heilung? «Jede dieser
Therapien bedeutet zunächst eine zusätzliche
13
«Die Suche nach den Mutationen dauert zwischen drei
und fünf Tagen – so viel Zeit haben wir.»
Prof. Markus Manz
Gefahr für die gesunden Organe», sagt Prof.
Markus Manz, Direktor der Klinik für Hämatologie.
Während bei jungen Leukämiekranken sofort
mit der Behandlung begonnen und wenn notwendig eine Blutstammzell-Transplantation gemacht wird, nehmen sich die Hämatologen bei
älteren Patienten mehr Zeit für weitere Abklärungen. In den entarteten Blutzellen, die sich
krankhaft vermehren und nicht richtig reifen,
suchen sie nach den genetischen Veränderungen, die die Erkrankung ausgelöst haben. Bekannt sind heute mehr als 50 dieser Mutationen
– doch nicht alle sind gleich gravierend. Während der eine Patient eine gute Chance auf Heilung hat, kann der Gentest bei einem anderen
ergeben, dass das Risiko eines Rückfalls be-
sonders hoch ist. Die Suche nach den Mutationen dauert zwischen drei und fünf Tagen – «so
viel Zeit haben wir», sagt Manz.
Sobald er das Ergebnis hat, kann er den Patienten informieren, was mögliche Therapiewege und ihre Erfolgschancen sind – «in
solchen Fällen informieren wir besonders
gründlich», betont Manz. Oft dauerten die Gespräche zwei Stunden. Am Schluss stehe eine
ärztliche Empfehlung, die «dem Patienten in seiner Gesamtsituation gerecht» werde. Letztlich
entscheidet der Patient. Nur eines ist von vornherein klar: Die schlechteste Variante ist der
vollständige Verzicht auf eine Behandlung.
Chemotherapie auch für ältere Patienten
Hirntumoren werden zunächst operiert. Ein Gentest hilft bei der Wahl der
Nachbehandlung.
Jeder zweite Patient mit einem bösartigen Hirntumor, einem Glioblastom, ist älter als 65
Jahre. Bislang wurden solche Patienten zunächst operiert und anschliessend bestrahlt.
Weil das Gehirn gegenüber Strahlen empfindlicher ist, wird diese Therapie nicht zusätzlich
mit Chemotherapie kombiniert. Die mittlere
Überlebenszeit nach dieser Standardtherapie
liegt bei weniger als einem Jahr.
Jüngere Patienten erhalten dagegen eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie.
Dies, weil Studien gezeigt haben, dass die Kombinationstherapie bei dieser Patientengruppe
wirksamer ist. Ältere Patienten waren bislang
von den meisten Studien ausgeschlossen. «Man
war davon ausgegangen, dass eine intensivere
Therapie mit schweren Nebenwirkungen verbunden sei und wenig Nutzen bringen würde»,
sagt Prof. Michael Weller, Direktor der Klinik
für Neurologie.
Die Laborantin führt Untersuchungen vor einer
Blutstammzell-Transplantation durch.
Als noch bedeutsamer wertet er einen Nebenbefund der Studie. Mit Hilfe eines Gentests, der
klärt, ob die Tumorzellen gegen Temozolomid
resistent sind, konnten die Wissenschaftler vorhersagen, ob die Patienten überhaupt auf eine
Chemotherapie ansprechen. Für Hirntumorspezialist Weller ist das die entscheidende
Information: «Den anderen ersparen wir eine
wirkungslose Behandlung.»
«Jeder zweite Patient mit einem bösartigen Hirntumor
ist älter als 65 Jahre.»
Prof. Michael Weller
14
Die Annahme erwies sich als falsch. Eine neuere
Studie hat gezeigt, dass auch ältere Patienten
mit bösartigen Hirntumoren von einer Chemotherapie mit dem Wirkstoff Temozolomid
profitieren. «Das erweitert unsere Behandlungsoptionen erheblich», sagt Weller.
Diagnose: Lungenkrebs
Der «Schatten» auf der Lunge von Cornelia Himmler erwies sich als Tumor.
Mit dem Willen,
gesund zu werden
Die Chemotherapie war für Cornelia Himmler schlimmer als die beiden
Operationen. Doch sie erträgt die Übelkeit und den Verlust des Geschmackssinns, und die Metastasen in der Lunge schrumpfen.
Müdigkeit, Schlaflosigkeit, nächtliche Schweissausbrüche – wenn eine Frau über 50 solche
Symptome bei sich beobachtet, denkt sie zuerst
an Wechseljahrbeschwerden. Das war auch die
erste Idee von Cornelia Himmler. Sie geht zu
ihrem Hausarzt, der neben anderen Untersuchungen eine Röntgenaufnahme von der Lunge
machen lässt. Noch am selben Abend ruft der
Arzt seine Patientin an und rät ihr zu einer
Computertomografie (CT).
Das Schichtbild zeigt, wie zuvor schon die Röntgenaufnahme, einen «Schatten» auf der Lunge.
«Vor zehn Jahren hatte ich mal eine Lungenentzündung», sagt Cornelia Himmler. Die Ärzte
meinen, das könnte nun erneut der Fall sein und
verordnen Antibiotika. Drei Monate später hat
sich der Schatten vergrössert. «Von da an habe
ich mit allem gerechnet, mein Onkel hatte Lungenkrebs», sagt Cornelia Himmler, die nie geraucht hat. Sie bespricht sich mit ihrem Mann
und ihren drei Töchtern und stimmt einer Operation zu, die Klarheit bringen soll.
Am 4. Juni 2008 entnimmt Prof. Walter Weder,
Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie, bei der
damals 51-Jährigen in einem minimalinvasiven
Eingriff das verdächtige Gewebe. Noch im Operationssaal findet der Pathologe Krebszellen.
Weder, der seine Patientin zuvor über den möglichen Verlauf des Eingriffs aufgeklärt hatte,
entfernt daraufhin den tumorinfizierten Lungenlappen. Adenokarzinom lautet die endgültige
Diagnose.
Fünf Wochen nach dem Eingriff kann Cornelia
Himmler ihre Arbeit bei der Spitex wieder aufnehmen. Sie benötigt keine Therapie, muss aber
alle drei Monte ein CT machen lassen. Knapp
zwei Jahre geht alles gut. Dann sind in beiden
Lungenflügeln erneut Schatten zu sehen. Ein
PET-CT, mit dem die Stoffwechselaktivität von
Tumoren gemessen werden kann, gibt den Ausschlag für eine zweite Operation.
Dieses Mal operiert Prof. Weder offen, das
heisst über einen Schnitt im linken Brustraum.
Der Chirurg entfernt die sichtbaren Metastasen
und mehrere Lymphknoten, um die Ausdehnung
der Tumorerkrankung abklären zu können. «Ich
wusste, dass das nun keine heilende Operation
mehr war», sagt Cornelia Himmler. Als sich be-
stätigt, dass das entfernte Gewebe im linken
Lungenflügel wie auch die Lymphknoten Krebszellen enthalten, ist ihr klar, dass sie nun «ein
Fall für die Onkologie» ist. Schon vor der Operation hat sie mit ihrer Familie ihre letzten Angelegenheiten geregelt.
Die Chemotherapie, die sie danach beginnt, erfordert ihre ganze Kraft. «Mir war ständig übel,
ich hatte keinen Appetit und habe auch nichts
mehr geschmeckt», erzählt sie. Was ihr hilft, ist
ihr Wille, gesund zu werden. Obwohl alles
«wahnsinnig langsam» geht, erledigt sie den
Haushalt, kocht und zwingt sich zum Essen.
Nach drei langen Monaten ist die Plagerei vorbei – und sie hat sich gelohnt. Ein neues CT
zeigt, dass die vor der Chemotherapie aufgetretenen Metastasen kleiner geworden sind; inzwischen sind sie gar nicht mehr sichtbar.
Cornelia Himmler geht es gut. Um einen Rückfall zu verhindern, erhält sie nun alle drei
Wochen eine Infusion mit einem Chemotherapeutikum, das sie gut verträgt. Geplante Dauer
dieser Therapie: «lebenslang».
15
Organzentren
Organzentren
unter einem Dach
Das UniversitätsSpital Zürich bündelt im Tumorzentrum seine Kompetenzen
in der Behandlung und Erforschung von Krebskrankheiten. Das Zentrum
führt Experten in einem Verbund zusammen und vernetzt beteiligte
Kliniken. Dadurch werden auch Forschung, Lehre und klinische Bereiche
gefördert.
Tumorzentrum
Administration
Qualitätsmanagement
Vorstand
PR, Kooperationen,
Patientenbeteiligung
Tumordokumentation
Pflegemanagement
• Histologie
Onkologie
• Medikamentöse Tumortherapie
Radio-Onkologie
Prostatakarzinomzentrum
Institut für Pathologie
Lungen- und Thoraxonkologiezentrum
• Bildgebung
Hirntumorzentrum
Institut für diagn. und interventionelle Radiologie
Brustzentrum
• Bildgebung
Hauttumorzentrum
Nuklearmedizin
Gynäkologisches Tumorzentrum
Anästhesie, Intensivmedizin, OP-Management
Zentrum für Knochen- und Weichteiltumoren
Leitungsteam
• Strahlentherapie
Psychoonkologie
16
Sozialdienst
Ünterstützende Bereiche
Externe
Kooperationspartner
Prostatakarzinomzentrum
• Das Prostatakarzinomzentrum ist das erste zertifizierte Organzentrum
des UniversitätsSpitals Zürich und das erste Prostatakarzinomzentrum in der Schweiz. Die Zertifizierung nach den Richtlinien der
Deutschen Krebsgesellschaft erfolgte im Jahr 2009.
• Prostatakrebs ist wegen seines unterschiedlichen biologischen
Verhaltens schwer zu therapieren – häufig ist der Verlauf zum Zeitpunkt der Diagnose nicht vorhersagbar. Der Tumor kann wenig
aggressiv und damit nicht behandlungsbedürftig sein. Er kann lokal
begrenzt oder fortgeschritten sein, er kann sich aber auch aggressiv
verhalten und Metastasen bilden.
• Aktuell umfasst das Behandlungsspektrum für Prostatakrebs viele
Optionen, die in Abhängigkeit von der Ausdehnung und der Aggressivität des Tumors gewählt werden.
• Bei lokal begrenzten Tumoren sind dies:
– Radikale Prostatektomie – der Eingriff, bei dem die gesamte
Prostata entfernt wird, erfolgt fast ausschliesslich mit dem
Operationsroboter Da Vinci.
– Konventionelle Bestrahlung – die Behandlung erfolgt ambulant in
täglichen Sitzungen über einen Zeitraum von drei bis sieben
Wochen.
– Interstitielle Brachytherapie – bei dieser Form von Bestrahlung
wird die Strahlenquelle einmalig in der Prostata platziert.
– Aktive Überwachung mit regelmässigen Kontrollen bei wenig
aggressiven und kleinen Tumoren.
• Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren:
– Bestrahlung, konventionell oder interstitiell
– Hormontherapie
• Bei metastasierenden Tumoren:
– Hormontherapie
– Chemotherapie bei Hormonresistenz
• Wöchentlich findet eine Tumorkonferenz für alle Patienten mit der
Diagnose Prostatakrebs statt. Dabei sind die Vertreter der an der
Behandlung beteiligten Disziplinen: Urologie, Radio-Onkologie,
Onkologie, Nuklearmedizin, Radiologie, Pathologie, Psycho-Onkologie
und Sozialdienst.
Tumoroperationen
Da-Vinci-Prostatektomien
Brachytherapien
Anzahl Eingriffe 2011
157
11
Veränderung gegenüber 2010
+ 20 %
-8%
Hauttumorzentrum
• Die Hautkrebsvorsorge ist einer der Schwerpunkte des Hauttumorzentrums. Denn je früher insbesondere das Melanom (schwarzer
Hautkrebs) erkannt wird, desto besser lässt es sich behandeln. Eine
Spezialsprechstunde widmet sich den Personen, die ein erhöhtes
Erkrankungsrisiko haben: Menschen, die bereits einmal an Hautkrebs
erkrankt sind, in deren Familie Hautkrebs aufgetreten ist, Menschen
mit sehr vielen Muttermalen oder besonders Hellhäutige. Eine
Methode zur Früherkennung bei Risikopatienten sind Übersichtsaufnahmen der gesamten Hautoberfläche eines Patienten. Mit ihrer Hilfe
kann der Dermatologe, aber auch der Patient selbst sehen, ob sich
Muttermale verändert haben oder ob welche neu aufgetreten sind.
• Neben dem Melanom deckt das Hauttumorzentrum zwei weitere
Bereiche ab, den weissen Hautkrebs (Basalzellkarzinom) und Hautlymphome. Das Basalzellkarzinom ist der häufigste Hautkrebs; er
bildet keine Tochtergeschwüre und gilt als gut behandelbar. Hautlymphome, eine Sonderform von Lymphdrüsenkrebs, beschränken
sich meist auf die Haut, selten sind Lymphknoten oder andere Organe
ebenfalls betroffen.
• Zur Diagnose setzt das Hauttumorzentrum neben etablierten Verfahren wie der Auflichtmikroskopie die neue Technik der konfokalen
Mikroskopie ein. Damit können einzelne Zellen angeschaut werden,
ohne dass dafür Gewebeproben nötig wären.
• Die Behandlung nutzt alle Möglichkeiten. Räumlich begrenzte
Tumoren werden chirurgisch entfernt oder mit Laser, Röntgenstrahlen, UV-Licht oder Kälte behandelt. Sind die Hauttumoren ausgedehnt oder haben sich bereits Tochtergeschwüre gebildet, kommen
entweder milde Chemotherapien, Immuntherapien oder Wachstumshemmer zum Einsatz.
• Bei fortgeschrittenen und heute nicht heilbaren Krebsstadien von
Melanomen, Hautlymphomen, Basaliomen, Merkelzellkarzinomen
oder Plattenepithelkarzinomen haben Patienten im Rahmen von
Studien Zugang zu neuen Medikamenten.
• Komplexe Krankheitsbilder werden im Rahmen einer Tumorkonferenz
von einem Spezialistenteam verschiedener Disziplinen – Neurochirurgie, plastische Chirurgie, Radio-Onkologie, Medizinische
Onkologie, Immunologie – besprochen.
Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen in der Schweiz
Krebsart
Erläuterung
Aktinische Keratose
Vorstufe von Hautkrebs
Basalzellkarzinom
Heller Hautkrebs (bildet keine Metastasen)
Spinalzellkarzinom
Heller Hautkrebs (kann Metastasen bilden)
Malignes Melanom
Schwarzer Hautkrebs (bildet häufig Metastasen)
Häufigkeit des Auftretens
250:100’000 / Jahr
200:100’000 / Jahr
25:100’000 / Jahr
24:100’000 / Jahr
17
Zentrum für Lungen- und Thoraxonkologie
• Die Klinik für Thoraxchirurgie hat im Jahr 2011 erfolgreich als
einziges derartiges Zentrum der Schweiz die Zertifizierung des
Lungen- und Thoraxonkologiezentrums abgeschlossen.
• Das Angebot umfasst die Behandlung von bösartigen Tumoren der
Lunge und des Brustraums, vor allem Lungenkrebs (Bronchuskarzinom), Krebs des Brustfells (Mesotheliom) und Tumoren der
Wachstumsdrüse (Thymus).
• Lungenkrebs ist der zweithäufigste Tumor beim Mann; bei den
Frauen steht er an dritter Stelle. Er ist die am häufigsten tödlich
verlaufende Krebserkrankung beim Mann, bei Frauen ist er nach
Brustkrebs die Krebsart mit der grössten Sterblichkeit.
• Unterschieden wird zwischen den seltenen kleinzelligen und den
viel häufigeren nichtkleinzelligen Tumoren.
• Kleinzellige Karzinome werden primär mit einer Chemotherapie und
Bestrahlung behandelt, die meist zu einer deutlichen Verkleinerung
des Tumors führt. Aufgrund der hohen Rückfallrate ist die Prognose
jedoch ungünstig; die mittlere Überlebenszeit liegt bei 4 bis 12
Monaten. Aktuell laufen verschiedene Studien, unter anderem mit
einer Immuntherapie, die die Prognose verbessern könnten.
• Bei nichtkleinzelligen Bronchuskarzinomen ist das primäre Ziel die
Tumorentfernung durch Operation, die in etwa 30 Prozent der Fälle
möglich ist. Häufig ist eine Kombinationstherapie mit Chemotherapie
und Radiotherapie nötig, gelegentlich vor der Operation zur Verkleinerung des Tumors oder nachher zur Verbesserung der Prognose.
• Alle Patienten werden in einer interdisziplinären Tumorkonferenz
vorgestellt; involvierte Fachdisziplinen sind neben der Thoraxchirurgie
die Onkologie, die Pneumologie, die Radio-Onkologie sowie die
Nuklearmedizin, die Radiologie und die Pathologie. Das Gremium von
Spezialisten erarbeitet individuelle Behandlungsempfehlungen.
• Besonderen Wert legt das Zentrum auf die individuell optimierte
Behandlung der Patientinnen und Patienten und auf die Einbindung
ihres sozialen und medizinischen Umfelds.
Tumoroperationen
Bronchuskarzinom
Mesotheliom
Häufigkeit des Auftretens 2011
215
52
Veränderung gegenüber 2010
+ 18 %
-3%
Im Tumorboard besprechen die Spezialisten der unterschiedlichen Disziplinen komplexe Krankheitsbilder.
18
«Mit dem Tumorzentrum stärken wir unsere
onkologische Kompetenz und bauen sie laufend aus.»
Prof. Jürg Hodler
Hirntumorzentrum
• Hirntumoren sind eher seltene Erkrankungen, die bei Kindern unter
12 wie bei Erwachsenen über 50 Jahren gehäuft auftreten. Bezüglich
Diagnose, Vielfalt, Verlauf und Behandlung sind sie eines der
komplexesten Gebiete innerhalb der Onkologie. Die interdisziplinäre
Zusammenarbeit ist deshalb elementar. Involviert sind verschiedenste
Fachrichtungen und Kliniken, unter anderem auch die Kinderklinik.
• Das Zentrum verfügt über eine breite Erfahrung. Behandelt werden
Patientinnen und Patienten aus der Schweiz wie aus den angrenzenden
Ländern.
• Diagnose und Therapie von Hirntumoren erfolgen nach Leitlinien, die
in Zürich entwickelt wurden.
• Das Hirntumorzentrum führt eine Vielzahl von Therapiestudien durch,
die darauf abzielen, die Behandlung von Hirntumoren weiter zu
verbessern. Im Labor für Molekulare Neuroonkologie der Klinik für
Neurologie werden neue Ansätze der Immuntherapie erforscht.
Brustzentrum
• Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Ziel des Brustzentrums ist, Tumoren schnell, schonend und zuverlässig zu
diagnostizieren. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit können
die bildgebende und die histologische Diagnostik im Rahmen einer
Sitzung erfolgen.
• Die Behandlungsplanung erfolgt individuell und unter Anwendung
modernster Behandlungskonzepte, die sich abhängig von Tumortyp
und -stadium unterscheiden. Die Resultate der durchgeführten
Untersuchungen werden an wöchentlichen Spezialistentreffen, den
Tumorboards, besprochen.
• Angeboten werden sämtliche Behandlungsvarianten, inklusive
plastischer und rekonstruktiver Eingriffe, Bestrahlung und Chemotherapien, Hormontherapien oder Antikörpertherapien.
Gynäkologisches Tumorzentrum
• Gynäkologische Krebserkrankungen gehören zu den häufigeren
bösartigen Tumoren der Frau. Je früher diese Krebserkrankungen
diagnostiziert und therapiert werden, desto grösser sind die
Heilungschancen. Daten zu Überlebensraten zeigen, dass es bei
gynäkologischen Tumoren grosse Unterschiede hinsichtlich der Überlebenschancen gibt, je nachdem, wie diese operiert werden. Insbesondere zeigt sich dies beim Eierstockkrebs. Mit einem hochspezialisierten Eingriff kann sich das 5-Jahres-Überleben der Frauen von
ca. 25 auf ca. 60 Prozent erhöhen.
• Die Klinik für Gynäkologie bietet eine von Kaderärztinnen und
Kaderärzten geführte spezielle Sprechstunde für gynäkologische
Krebserkrankungen an. Therapieentscheide werden im interdisziplinären Tumorboard besprochen, wo neben Gynäkologen und Gynäkologischen Onkologen Vertreter aller Spezialfächer (Pathologie, RadioOnkologie, Medizinische Onkologie, Radiologie) anwesend sind. Falls
nötig, werden weitere Spezialisten zugezogen, dies beispielsweise
aus der Wiederherstellungschirurgie, der Viszeralchirurgie oder der
Urologie.
• In der Tagesklinik werden alle modernen Chemotherapien
durchgeführt.
Zentrum für Knochen- und Weichteiltumoren
• Sarkome sind bösartige Knochen- und Weichteiltumoren und machen
circa 1 Prozent aller bösartigen Tumoren aus. Vielfach sind Kinder
und Jugendliche betroffen.
• Mit den heute gängigen Behandlungsmethoden wie Chirurgie, Radiound Chemotherapie kann eine lokale Tumorkontrolle erreicht werden.
Bildet der Tumor jedoch Metastasen, ist eine erfolgreiche Therapie
meist nicht möglich. Hier setzt die hochspezialisierte Medizin an, die
neue Erkenntnisse über die Genetik von Tumoren nutzt. Die Behandlungschancen sind dadurch deutlich verbessert.
• Die komplexe Abklärung und Behandlung erfordert die Zusammenarbeit vieler Disziplinen. Deshalb werden alle Patientenfälle im Sarkomboard Zürich besprochen. Das Spezialistenteam setzt sich aus acht
Disziplinen zusammen: Orthopädische Onkologie, Radiologie, Pathologie, Radio-Onkologie, Medizinische und Pädiatrische Onkologie,
Protonentherapie, Thoraxchirurgie und Viszeralchirurgie.
• Um den Patientinnen und Patienten die grösstmögliche Unterstützung
bieten zu können, kooperieren im Zentrum für Knochen- und Weichteiltumoren das UniversitätsSpital Zürich und die Uniklinik Balgrist.
19
Diagnose: Brustkrebs
Früherkennung durch
Mammografie
Bei einer Routineuntersuchung entdeckten die Ärzte ein Karzinom in der
Brust. Weil der Tumor noch klein war und sich nicht ausgebreitet hatte, sind
die Heilungschancen für die Patientin gut.
Im Alter von 50 Jahren empfehle es sich, mal
eine Mammografie zu machen, rät die Frauenärztin ihrer Patientin. U.S., gerade erst 50 geworden, findet das eine gute Idee. Den Sinn von
Prävention muss man der Sozialarbeiterin, die
sich beruflich um kranke Menschen kümmert,
nicht extra erklären. Als sie Ende Februar 2012
die Röntgenaufnahmen machen lässt, entdeckt
die Röntgenologin einen «verdächtigen Herd» in
der linken Brust. Die Frauenärztin schaut sich
die Stelle im Ultraschall an und überweist dann
ihre Patientin zur weiteren Abklärung ans Brustzentrum des UniversitätsSpitals Zürich.
Die weiteren Untersuchungen erfolgen rasch
und mit minimalinvasiven Methoden. Die Ärzte
entnehmen aus der verdächtigen Stelle Gewebe, das anschliessend unter dem Mikroskop
untersucht wird. Der Verdacht bestätigt sich:
Mamma-Karzinom. Für U.S., die gerade in Graubünden ihren Urlaub verbringt, als ihre Frauenärztin anruft, ist das ein Schock. Sie bricht den
Urlaub ab und besorgt sich einen Termin bei
Prof. Daniel Fink, Direktor der Klinik für Gynäkologie. Nur fünf Tage nach der Stanzbiopsie
wird U.S. operiert.
Prof. Fink entfernt den sieben Millimeter grossen Tumor und angrenzendes Gewebe, und er
entnimmt die beiden Lymphknoten in der Achselhöhle, die dem Tumor am nächsten liegen.
Noch im Operationssaal prüft der Histologe, ob
er Krebszellen in den sogenannten WächterLymphknoten findet. Wäre das der Fall, wäre die
Wahrscheinlichkeit höher, dass sich im Körper
bereits Metastasen gebildet haben. U.S. hat
Glück, ihre Wächter-Lymphknoten sind frei von
Tumorzellen.
Obwohl sie darauf vorbereitet war, dass die
Haare ausfallen würden, hat sie darunter gelitten. «Ich habe mich schrittweise getrennt, das
hat’s erträglicher gemacht», sagt sie. Um sich
und ihr Umfeld an das veränderte Aussehen zu
gewöhnen, hat sie ihre Haare noch vor der Chemotherapie auf wenige Zentimeter Länge kürzen lassen. Als sie büschelweise ausfielen, liess
sie sich kahl rasieren. Inzwischen wachsen die
Haare wieder, heller als früher, doch die erste
Haarfarbe ist schon gekauft.
Die Operation übersteht sie gut, auch mit dem
kosmetischen Ergebnis des brusterhaltenden
Eingriffs ist sie zufrieden: «Es sieht gut aus und
alle BHs passen noch.» Gekauft hat sie sich
aber einen neuen Badeanzug, weil der die mehrere Zentimeter lange Narbe verdeckt. Erweitert
hat sie auch ihr Sortiment an Hüten, Mützen und
Schals, denn seit der ersten Chemotherapie ist
sie kahl. Ausgefallen sind nicht nur die Haare
auf dem Kopf, sondern auch fast alle Körperhaare, nur die Augenbrauen und Wimpern sind
nicht ganz verschwunden.
Auf die erste Chemotherapie folgte eine zweite,
die mit einer Antikörpertherapie kombiniert
wurde. Abschliessend sollen mehrwöchige Bestrahlungen dafür sorgen, dass der Krebs nicht
zurückkommt. «Meine Prognose ist gut», sagt
U.S. Aus den Gesprächen mit Prof. Fink weiss
sie, dass die Behandlung so intensiv ist, weil die
internationalen Richtlinien dies für jüngere Patientinnen so empfehlen. Ende Jahr, wenn alles
überstanden ist, will sie ihre Arbeit wieder aufnehmen. «Ich freu mich darauf», sagt sie. «Und
ich bin sehr froh, wie alles gelaufen ist.»
Look Good ... feel better
Der zweistündige Workshop richtet sich an
Frauen mit Krebserkrankungen. Um diese
äusserlichen Veränderungen zu reduzieren,
erfahren die Frauen unter Anleitung von
professionellen Kosmetikerinnen alles Nötige über Hautpflege und Schminken. Sie
lernen, wie sie mit minimalem Einsatz von
Produkten das Aussehen optimieren können. Die Teilnehmerinnen führen alles selber aus, damit sie die Schritte auch zu
Hause ohne Hilfe ausführen können.
Weitere Informationen zu diesem Angebot:
www.onkologie.usz
www.lookgoodfeelbetter.ch
20
Psychoonkologie: Seelische und soziale Beratung
Arbeiten eng zusammen: Rolf Huck und Prof. Ulrich Schnyder (von links nach rechts)
Unterstützung in einer
schwierigen Zeit
Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und die Krebsliga Zürich
begleiten gemeinsam Krebspatienten und deren Angehörige – die Dienste
ergänzen sich ideal.
Die Diagnose Krebs löst bei den meisten Menschen starke Emotionen aus: Sie reichen von
normalen Gefühlen der Verletzlichkeit, Traurigkeit und Unsicherheit bis hin zu schweren Problemen wie Depression, Angststörung und
Panik. Viele machen sich zudem Sorgen um ihre
Familie, ihren Arbeitsplatz und die Kosten ihrer
Erkrankung. Ist die Krebserkrankung fortgeschritten, kommt die Auseinandersetzung mit
der eigenen Sterblichkeit hinzu, häufig verknüpft mit spirituellen oder religiösen Fragen
und der Frage nach dem «Sinn» des Lebens.
Sind die Patientinnen und Patienten stationär
am Universitätsspital, erfragen Ärzte und Pflegefachleute deren seelische Befindlichkeit über
ein «Belastungsthermometer». Das ist eine
einfache, von 0 bis 10 reichende Skala, über
die der Grad der individuellen Belastung eingeschätzt werden kann. Geben die Betroffenen
einen Wert über 5 an, erhalten sie das Angebot
für eine professionelle psychologische Unterstützung. Unabhängig davon können Patientinnen und Patienten auch von sich aus eine
psychologische Unterstützung anfordern.
«In einem ersten diagnostischen Gespräch
machen wir uns ein Bild von den aktuellen Belastungen und Ressourcen. Anschliessend entscheiden wir gemeinsam mit der betroffenen
Person, welche Art von Betreuung erforderlich
ist», sagt Prof. Ulrich Schnyder, Direktor der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Manchmal genügten ein bis zwei Beratungs-gespräche, in anderen Fällen brauche es
eine intensive Psychotherapie, die mit einer
kurzzeitigen medikamentösen Behandlung
kombiniert werden könne. «Wünschen die Betroffenen das, begleiten wir sie über die stationäre Behandlung hinaus weiter oder überweisen an einen niedergelassenen Psychoonkologen», sagt Schnyder.
Tatsächlich steigt der Bedarf an psychoonkologischer Begleitung. Abdecken soll ihn künftig
wenigstens zu einem Teil die Krebsliga Zürich.
Der Verein und die Klinik arbeiten bereits seit
längerem eng zusammen. Neu bilden die Psychoonkologen des Universitätsspitals Mitarbeitende der Krebsliga aus, so dass diese bald
ebenfalls Therapien anbieten kann. «Ein besserer Austausch kommt nicht nur uns, sondern vor
allem den Patienten zugute», sagt Rolf Huck,
Geschäftsführer der Krebsliga Zürich.
In vielen Fragen kann die Krebsliga schon heute
sehr gut weiterhelfen, so bei ganz praktischen
Fragen, etwa zur Pflege, zur Übernahme von
Kosten, zur Arbeitssituation, oder auch mit Fahrdiensten. Allein im vergangenen Jahr legten die
sieben Fahrzeuge der Krebsliga 300’000 Kilometer zurück. Mehr als 400’000 Franken gab
der Verein als Unterstützung an Krebskranke
weiter.
«Wir versuchen, die Menschen ausserhalb des
Spitals abzuholen», sagt Rolf Huck. Damit meint
er explizit nicht nur die Krebskranken selbst,
sondern vor allem auch deren Familienangehörige und Freunde. «Sie leiden oft viel stärker
unter der Situation, werden aber häufig vergessen», sagt Ulrich Schnyder.
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Palliative Betreuung: Wenn Heilung nicht mehr möglich ist
«Wir wollen die Lebensqualität der Patienten verbessern.»
Othmar Immoos und Dr. Stefan Obrist (von links nach rechts)
Linderung bieten,
Lebensqualität verbessern
Die Behandlung geht weiter, auch wenn der Krebs nicht besiegt werden kann
– das Kompetenzzentrum Palliative Care und das Hospiz Zürcher Lighthouse
kümmern sich um unheilbar Kranke.
Die Wände im Flur und in den Zimmern sind in
zarten Ockerfarben gestrichen, verziert sind sie
mit grossformatigen Fotos von Blüten und Landschaften. Die Zimmer sind geräumig, mit wenigen Ausnahmen verfügen sie über einen Balkon
und bieten einen schönen Blick in den Park.
Symptome einer Krebserkrankung zu behandeln;
besonders häufig sind Schmerzen, Übelkeit und
Atemnot. Entscheidend ist, was dem Patienten
guttut. Will er gegen die Schmerzen kein Morphium, weil er bei klarem Verstand bleiben
möchte, wird auch das respektiert.
Das Kompetenzzentrum Palliative Care unterscheidet sich nicht nur optisch von anderen Stationen des Universitätsspitals. Hier entscheidet
der Patient noch stärker mit, welche Behandlung
er möchte. Auch die Stationsregeln sind lockerer:
Essen gibt es dann, wenn der Kranke es wünscht,
und nicht zu einem fixen Zeitpunkt, Angehörige
können im Zimmer übernachten, als Besucher
sind auch Hund und Katze willkommen.
«Die individuellen Bedürfnisse des Menschen
stehen für uns im Vordergrund», sagt Othmar
Immoos, Abteilungsleiter Pflege des Kompetenzzentrums. Kann sich der Patient selbst nicht mehr
äussern, wissen meist die Angehörigen, was
dieser sich gewünscht hätte. Sämtliche Informationen werden in einem Team von Ärzten, Pflegefachpersonen, Psychoonkologen, Physio- und
Ergotherapeuten ausgetauscht und im Sinne des
Patienten umgesetzt. Oft geht es nicht nur darum,
Linderung zu bieten, sondern dabei zu helfen,
letzte Angelegenheiten zu regeln und psychologischen oder seelsorgerischen Beistand zu bieten.
«Wenn Menschen palliativ behandelt werden,
heisst das nicht, dass sie bald sterben müssen»,
räumt Othmar Immoos mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf. Nicht selten lebten die Patienten
noch Monate bis Jahre. Das Kompetenzzentrum
Die vier Einzel- und zwei Doppelzimmer sind für
Menschen reserviert, bei denen der Kampf gegen
die Krankheit aussichtslos geworden ist. «Unser
Ziel ist nicht mehr, den Krebs zu bekämpfen, sondern die Lebensqualität der Patienten zu verbessern», sagt Stefan Obrist, Ärztlicher Leiter des
Kompetenzzentrums. Die Ärzte nutzen das gesamte Therapiespektrum, um die störendsten
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Palliative Care ist jedoch kein Ort, wo ein langer
Aufenthalt möglich ist. «Wir bereiten unsere
Patienten auf die Zeit nach dem Austritt vor und
suchen nach einer optimalen Anschlusssituation»,
sagt Immoos.
Etwa die Hälfte der Patienten verlässt die Station
wieder und kann anschliessend entweder zu
Hause betreut werden oder in einem Pflegeheim
oder Hospiz. Seit 2008 arbeitet das UniversitätsSpital Zürich eng mit dem Zürcher Lighthouse zusammen. Auch dort werden die Bewohner in allen
Belangen versorgt, seien sie medizinischer,
sozialer, psychischer oder spiritueller Natur. Anders als am Universitätsspital, wo kein Daueraufenthalt vorgesehen ist, können sie im Hospiz
bleiben bis zum Lebensende. Und noch mehr, als
dies am Universitätsspital möglich ist, sorgen eine
freundliche Gestaltung und insbesondere der
familiäre Rahmen dafür, dass die maximal 14 Bewohner sich dort wohl fühlen können. Für Hospizleiterin Erika Hüsler ist das der Kern ihrer
Aufgabe: «Wir wollen den Menschen auf ihrer
allerletzten Etappe ein Daheim bieten.»
Allgemeine Informationen
Tumorzentrum
Tumorzentrum
Leiter: Prof. Dr. Christoph Renner
[email protected]
www.tumorzentrum.usz.zh
2
3
Brustzentrum
Leiter: Prof. Dr. Daniel Fink
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 42 37 / 51 50
Fax +41 (0)44 255 87 86
[email protected]
5
Hirntumorzentrum
Leiter: Prof. Dr. Michael Weller
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 55 00
Fax +41 (0)44 255 45 07
[email protected]
6
Lungen- und Thoraxonkologiezentrum
Leitung:
Prof. Dr. Walter Weder
Prof. Dr. Rolf Stahel
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 88 04
Fax +41 (0)44 255 50 96
[email protected]
Gynäkologisches Tumorzentrum
Leiter: Prof. Dr. Daniel Fink
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 51 50
Fax +41 (0)44 255 44 05
[email protected]
Hauttumorzentrum
Leitung: Prof. Dr. Reinhard Dummer
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 91 30
Fax +41 (0)44 629 35 86
[email protected]
Prostatakarzinomzentrum
Leiter: Prof. Dr. Tullio Sulser
Information und Anmeldung
Tel. +41 (0)44 255 54 41
Fax +41 (0)44 629 45 55
[email protected]
Zentrum für Knochen- und Weichteiltumoren
Leiter: Prof. Dr. Bruno Fuchs
Information und Anmeldung (in Kooperation mit der Uniklinik Balgrist)
Tel. +41 (0)44 386 30 95
Fax +41 (0)44 386 16 66
[email protected]
1
4
6
2
2 Std.
2 Std.
1 Std.
2 Std.
5
1 Std.
1
4
3
2 Std.
2 Std.
2 Std
.
2 Std
.
23
Tumorzentrum UniversitätsSpital Zürich
«Kompetenz und Qualität
in der Krebsbehandlung»
Öffentliche Veranstaltung im UniversitätsSpital Zürich
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 10–12 Uhr
Grosser Hörsaal NORD
Frauenklinikstrasse 10
Mehr Informationen:
www.tumorzentrum.usz.ch
Impressum
Herausgeber:
UniversitätsSpital Zürich,
Oktober 2012
Gesamtleitung: Unternehmenskommunikation
Autorin:
Helga Kessler
Fotos:
Patrick Stumm
Art Direction: schroederpartners.com
Druck:
Tamedia AG, Zürich
Auflage:
217’000 Exemplare
UniversitätsSpital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
www.usz.ch
[email protected]
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