Ein Finne klopft an - NZ-Kultur - nordbayern.de

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Ein Finne klopft an - NZ-Kultur - nordbayern.de
02/10/2014 00:01
Ein Finne klopft an
Symphoniker - 29.09.2014 18:21 Uhr
Uraufführung in der Meistersingerhalle: Zum ersten Sonntagskonzert der Saison brachten die
Nürnberger Symphoniker das Konzert für Orchester und umfangreiches Schlagzeugarsenal
des Finnen Kalevi Aho zu Gehör.
In der Sprache der Samen bedeutet „Sieidi“ Opferstein. Noch heute findet man in Lappland
Monolithen, in deren Schatten einst namenlose Kulte und Riten stattgefunden hatten. Da ist die
Assoziation nicht weit zum „Sacre du Printemps“, zum Frühlingsopfer, mit dem Igor Strawinsky vor
100 Jahren die Musikwelt aus den Angeln gehoben hatte.
Nun also ein Herbstopfer zur Tag- und Nacht-Gleiche? Wie Strawinsky komponiert auch Aho betont
rhythmisch, doch spielt bei ihm der Schlagzeuger die Hauptrolle. Neben dem umfangreichen
Arsenal des Orchesters (drei Trommler für Pauken, Trommeln, Kastagnetten, Becken, Handglocken
und Triangel) bedient der Star-Perkussionist Colin Currie (für den Aho dieses Konzert extra
komponiert hat) eine Reihe exotischer Instrumente.
Anstatt sich aber hinter Schlagzeugbatterien zu verschanzen, spaziert Currie im Verlauf des
einsätzigen
Konzerts von einer Perkussionsstation zur nächsten. Beginnend mit
Paukenschlägen und Wirbeln auf der Djembe-Handtrommel, tastet sich Currie über die Darabuka
vor zum Schlagzeug und zum Marimbaphon.
Das Orchester entwickelt zunächst keine Melodien, Bläser und Streicher werfen lediglich orchestrale
Ausrufe in den Raum, die Stimmung heizt sich merklich auf. Auf dem Marimbaphon verwendet
Currie im schnellen Wechsel Schlegel mit verschiedenartiger Ummantelung, fein nuancierte
Klangtupfer – von metallisch hart bis gedämpft oder zart intim – lösen einander ab, während das
Orchester seine Motive repetiert.
Der Weg der Perkussion führt den Trommler vom Holz zum Metall, wobei das Tamtam den Gipfelund Umkehrpunkt darstellt. Hier entlockt Currie dem Gong Kratzgeräusche wie feurigen Hall. Nun
folgt die größte Überraschung, gläserne Klänge aus dem Vibraphon, die Currie noch verfeinert,
indem er mit dem Geigenbogen über die Plättchen streicht.
Umrahmt war dieses nicht leicht fassliche, aber stets fesselnde Konzert von zwei spätromantischen
Gassenhauern: „Finlandia“ von Jean Sibelius und Rimski-Korsakows „Scheherazade“, wobei Dirigent
Alexander Shelley die Klippen des Schwelgerischen diszipliniert umschiffte. Starker Beifall und
erstaunte Mienen.
Reinhard Kalb
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