Magen - Petra Peschel

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2012/1
naturheilkunde
Sanfte Heilung für den
Magen
Woher Beschwerden kommen und was man
dagegen tun kann. Mit den wichtigsten Selbsthilfetipps
G
astralgie – klingt geheimnisvoll.
Doch es ist ganz einfach der
medizinische Fachausdruck für
Magenschmerzen. Die können
mitunter äußerst qualvoll sein: stechend oder
krampfartig, ziehend, brennend oder drückend. Meist ist dann auch die Stimmung am
Boden. Das liegt daran, dass Bauch und Gemüt eine untrennbare Einheit sind. Umhüllen
doch Millionen von Nervenzellen als so genanntes Bauchhirn den gesamten Verdauungstrakt.
Umgekehrt kann aber auch stetige Trübsal
auf den Magen schlagen. Denn Nervenbahnen sind keine Einbahnstraße, sie senden Signale in beide Richtungen. „Stress und Hektik
sind häufig an Magenproblemen Schuld“, erklärt Dr. med. Irmtraud Kauschat, Fachärztin
für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und
Traditionelle Chinesische Medizin in Darmstadt. Das Risiko für Magenschmerzen ist
umso größer, je weniger Erholungsphasen
die körperliche und seelische Alltagsbelastung kompensieren. Statistisch betrachtet ist
dieses Verhältnis bei nahezu jedem Zweiten
mit Magenbeschwerden in deutlicher Schieflage. Dazu Dr. Kauschat: „Ähnlich wie üppige
Mahlzeiten sind auch zu viele Informationen
nur schwer verdaulich.“
Wie Stress den
Magen umdreht
Der Magen kann also verrückt spielen, ohne
dass eine organische Ursache vorliegt. Dr.
med. Volker Schmiedel, Chefarzt der Inneren
Abteilung der Habichtswaldklinik Kassel, erklärt dies so: „Wir sprechen von funktionellen
Magenschmerzen,
Völlegefühl oder
Sodbrennen – kaum
einer, der nicht schon
einmal davon betroffen
war. Alles über die
Ursachen und wirksame
Mittel und Methoden der
Naturheilkunde
Dr. med. Irmtraud
Kauschat, Fachärztin
für Allgemeinmedizin,
Naturheilverfahren und
Traditionelle Chinesische
Medizin empfiehlt Kräuter
und Gewürze, um den
Magen zu beruhigen
VON PETRA PESCHEL
Beschwerden, dem so genannten Reizmagen. In diesen Fällen muss die Lebensweise
individuell betrachtet und korrigiert werden,
da meist mehrere Faktoren zusammen spielen.“ Dass das Immunsystem unter permanentem Stress leidet, ist vielfach bekannt. Doch
auch das Verdauungssystem ist betroffen. Der
Magen reagiert zunächst oft mit Übelkeit
und Krämpfen, bis schließlich eine akute,
dann chronische Magenschleimhautentzündung, die Gastritis, auftritt.
Biologisch läuft das so ab: Stehen wir unter Stress, schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol aus, die
sich auf unser autonom arbeitendes vegeta-
Dr. med. Volker
Schmiedel, Facharzt
für Physikalische und
Rehabilitative Medizin,
rät bei Magenschleimhautentzündungen und
Magengeschwüren zur
Kamillenrollkur
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Eine Wärmflasche auf dem
Bauch wirkt entspannend auf
die Verdauungsorgane
Magen mit Darmschlingen. Magenschmerzen
sind eher unter dem linken Rippenbogen,
Sodbrennen dagegen direkt hinter dem
Brustbein wahrnehmbar
tives Nervensystem negativ auswirken. In der
Folge produziert der Magen mehr Säure als
zur Nahrungsverwertung benötigt wird. Zu
allem Übel funktioniert der Sphinkter, das ist
der Schließmuskel zwischen Magen und
Speiseröhre, nicht mehr optimal. Folge: Sodbrennen.
Beim Reizmagen muss deshalb dafür gesorgt werden, dass sich das vegetative Nervensystem entspannt. „Denn was harmlos beginnt, kann auch lebensgefährlich werden,
wenn die auslösenden Ursachen bestehen
bleiben“, erläutert Dr. med. Volker Schmiedel.
Entspannungsübungen
können den Reizmagen
besänftigen
Geeignet sind Yoga, Meditation, Qi Gong
oder Autogenes Training. „Man kann nicht
sagen, dass es für bestimmte Beschwerden
bestimmte Übungen gibt“, erklärt Dr. med.
Irmtraud Kauschat. „Es ist vielmehr das ganzheitliche Üben, das dem Magen hilft, sich
selbst zu regulieren.“
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Autogenes
Training
beispielsweise nutzt dazu die konzentrative
Selbstentspannung. Mit
Hilfe bestimmter Formeln werden Körperregionen und Organe gezielt gelockert. Schwere, Ruhe und Wärmeempfindungen sorgen
für eine bessere Durchblutung. Autogenes
Training hat den Vorteil, dass es mit zwei- bis
dreiminütigen Übungen jederzeit in den Alltag integriert werden kann.
Bei Magen- und Oberbauchschmerzen ist
die Sonnengeflechtübung besonders gut geeignet. Das Sonnengeflecht sitzt als autonomes Geflecht verschiedener Nervenfasern zwischen Brustbein und Nabel. Man kennt es
auch unter dem Begriff Solarplexus, das in der
chinesischen Medizin als Energiezentrum gilt.
Vor der Sonnengeflechtübung sollte man
1,5 bis 2 Stunden nichts essen, da ein voller
Bauch das Üben erschwert. Nehmen Sie eine
entspannte Ausgangsposition sitzend oder in
Rückenlage ein und schließen Sie die Augen.
Atmen Sie einige Male tief ein und aus. Konzentrieren Sie sich nun auf das Sonnengeflecht. Sie können als Hilfsmittel eine Wärmflasche auf diese Region legen. Spüren Sie genau dort hin, und lassen Sie ein Gefühl von
Geborgenheit entstehen, während Sie innerlich eine der folgenden Formeln wiederholen:
1. Mein Sonnengeflecht ist
strömend und warm.
2. Die Wärme meines Sonnengeflechts
strahlt wohltuend in meinen
Bauch und meinen Magen.
3. Eine angenehme wärmende Energie
breitet sich in meinem Oberbauch aus.
Sie bestimmen, wie lange Sie üben. Aufgrund der tiefen Entspannung ist die Sonnengeflechtübung übrigens auch eine ideale
Einschlafhilfe.
Wenn Magenerkrankungen
lebensbedrohlich
werden
Sowohl Reizmagen als auch Gastritis bekommt man bei rechtzeitiger Behandlung gut
in den Griff. Wandert die Entzündung jedoch
in tiefere Wandschichten des Magens, steigt
die Gefahr für ein Magengeschwür. Etwa
40.000 Menschen erkranken in Deutschland
jährlich daran.
Das Risiko für ein Magengeschwür steigt
mit den Lebensjahren. Die meisten Betroffenen sind über 50 Jahre alt. Erreicht das Geschwür Blutgefäße, kann es zu lebensgefähr-
naturheilkunde
Rheumamittel
stören den Magen
Nichtsteroidale Antirheumatika, kurz
NSAR, sind schmerzlindernde und
entzündungshemmende Mittel. Zu den
häufigsten Nebenwirkungen zählen
Magenschmerzen. Weiterhin Nierenfunktionsstörungen und erhöhter Blutdruck.
Mögliche Komplikation ist ein Magengeschwür. Patienten mit bereits bestehenden
Magenproblemen sollten deswegen NSAR
nach Möglichkeit meiden. Das betrifft die
Substanzen Acetylsalicylsäure (ASS),
Diclofenac, Indometacin, Acemetacin,
Ibuprofen, Ketoprofen, Naproxen und
Piroxicam.
Substanzen der neuesten NSAR-Generation – der so genannten COX 2-Hemmer
sind: Meloxicam, Celecoxib und Etoricoxib.
Nach Angaben des Bundesverbandes der
Deutschen Rheumaliga e.V., Bonn, lösen die
neuen Substanzen weniger Nebenwirkungen am Magen aus, sind aber
vergleichsweise teurer. Grundsätzlich gilt:
Bei NSAR-Einnahme – vor allem bei frei
verkäuflichen und eigenständig eingenommenen Präparaten – und gleichzeitigem
Auftreten von Magenschmerzen sollte
dringend ein Arzt aufgesucht werden.
Der englische Fußballspieler
Paul Gascoigne erlitt einen
Magendurchbruch. In letzter
Minute wurde er gerettet
lichen Blutungen kommen. Im Extremfall
kommt es zum Durchbruch der gesamten
Wand des Magendarmtraktes. Dann
können sich Magen- oder Darminhalt in
die Bauchhöhle ergießen und eine lebensbedrohliche Bauchhöhlenentzündung ist die Folge.
Einen Magendurchbruch erlitt vor fünf
Jahren, an seinem 40. Geburtstag, der
frühere englische Fußballnationalspieler
Paul Gascoigne. Vielleicht erinnern Sie
sich noch an die Weltmeisterschaft 1990,
als der Kicker beim Halbfinalaus gegen
Deutschland weinte und damit die Zuschauerherzen eroberte. 2007 fiel Gascoigne während seiner Geburtstagsfeier
schmerzgekrümmt vom Stuhl.
Dem Durchbruch war ein Magengeschwür vorausgegangen. Der ehemalige
Fußballprofi hatte über Jahre nicht nur
wegen seiner Pöbeleien auf dem Fußballplatz, sondern vor allem mit schweren Alkoholexzessen auf sich aufmerksam
gemacht. Mit Hilfe einer Notoperation
wurde er an seinem Geburtstag buchstäblich wiedergeboren.
Ursachenforschung –
oft eine Detektivarbeit
Wenn für Magenschmerzen weder das
Organ selbst noch Stress oder andere Lebensstilfaktoren verantwortlich gemacht
werden können, wird’s für den Laien kompliziert. Ganzheitsmediziner Dr. Volker
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Eine chiropraktische
Behandlung kann
Fehlstellungen an der
Wirbelsäule auf sanfte
Weise korrigieren
Foto: Ackermann Institut, Stockholm
Schmiedel: „Nicht immer können Patienten
zuordnen, woher ihre Oberbauchbeschwerden kommen. So können beispielsweise Probleme der Brustwirbelsäule in die Magengegend ausstrahlen und dort Beschwerden verursachen.“
Fakt ist, dass die korrekte Statik der Wirbelsäule großen Einfluss auf die Nerven hat, die
bei der Regulierung der Magenfunktion eine
Rolle spielen. Das Hauptsegment, das mit
Magenbeschwerden in Zusammenhang gebracht wird, liegt beim sechsten Brustwirbel.
Es bedarf allerdings weiterer wissenschaftlicher Studien, um genau zu belegen, wie Störungen einzelner Wirbel innere Krankheiten
verursachen.
Klar ist jedoch: Seine regulierende Funktion
kann das Nervensystem nur dann ungestört
ausüben, wenn es buchstäblich freie Bahn
hat. Fazit: Schmerzt der Magen immer wieder
und stellt sich durch eine orthopädische beziehungsweise Röntgenuntersuchung eine
Fehlstellung der Brustwirbelsäule heraus,
kann die Lösung eine chiropraktische Behandlung sein. Dabei werden fehlgestellte
oder blockierte Wirbel sanft gelöst und
wieder in Position gebracht.
Alles, was den Magen unmittelbar umgibt,
kann an chronischen Schmerzprozessen mit
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beteiligt sein. „Man muss auch an das Herz
denken“, erklärt Dr. Volker Schmiedel. „Es sind
schon Herzinfarkte als Magenbeschwerden
fehl gedeutet worden. Als Patient kann man
aber zumindest grob differenzieren, indem
man selber mit den Fingern in die Magengegend hineindrückt. Wer dabei keinerlei Beschwerden hat, kann von anderen Ursachen
ausgehen, die dann ärztlich abgeklärt werden sollten.“
Tipp: So tasten Sie den Magen ab: Mit
den Fingerkuppen mittig unterhalb des Brustbeins vorsichtig in die Magenregion drücken.
Tut das weh, ist ein Problem am Magen
wahrscheinlich. Wenn beim Hineindrücken
aber eher Schmerzen in der Nabelgegend
spürbar werden, ist möglicherweise der Darm
der Verursacher.
Magenspiegelung:
Muss das sein?
Eine Frage ist noch offen: Wann ist eine Magenspiegelung, die Gastroskopie, unumgänglich? Hand aufs Herz, als Patient fürchtet
man sich davor und möchte die Spiegelung
möglichst vermeiden. Dazu Dr. Schmiedel:
„Wenn sich quälende Beschwerden im Oberbauch über zwei Wochen und länger nicht
Eine Magenspiegelung lässt sich
problemlos ambulant durchführen
Foto: Emma-Klinik für operative Medizin GmbH &
Co. KG, Seligenstadt
bessern, sollte man eine Gastroskopie durchführen. Vor allem bei zusätzlicher Übelkeit.“
Die Spiegelung kann eine entzündete Magenschleimhaut sichtbar machen, außerdem
Polypen oder ein Magengeschwür. In der Regel wird gleichzeitig eine Gewebeprobe –
Biopsie genannt – entnommen, die man auf
bösartige Zellen und Bakterien untersucht.
Hinter chronischen Magenbeschwerden
kann sich durchaus ein Magenkrebs verbergen, das lässt sich mithilfe der Spiegelung
ausschließen. Nach Angaben der Deutschen
Krebsgesellschaft werden jährlich zwischen
fünfzehn- und zwanzigtausend Neuerkrankungen an Magenkrebs entdeckt.
Helicobacter pylori –
Feind oder Freund?
Mit der Gastroskopie kann außerdem das
viel zitierte Bakterium Helicobacter pylori aufgespürt werden. Es wurde 1982 erstmals
durch die australischen Wissenschaftler Robin
Warren und Barry Marshall nachgewiesen.
Experten nennen es Hp-Bakterium: „Es wird
naturheilkunde
Infiltrationstherapie – wenn
nichts mehr hilft
„Injektionen mit einem örtlichem
Betäubungsmittel an den Reflexzonen
des Magens (schmerzhafte Reizpunkte
am Oberbauch) ist eine bewährte
Methode, die zur schnellen Schmerzlinderung und funktionellen Beruhigung bei Magenschleimhautentzündung führen kann“, erklärt Chefarzt
Dr. Martin Krumbeck vom Schmerztherapiezentrum der Schmerzklinik
Bad Mergentheim. „Der Einsatz dieser
therapeutischen Lokalanästhesie kann
bei jeder Art von Oberbauchschmerzen erfolgen, unabhängig von der
genauen Krankheitsursache beziehungsweise Krankheitsgeschichte.“
Dr. Martin Krumbeck, Leitender Arzt für
Anästhesie an der Schmerzklinik Bad
Mergentheim, setzt bei Patienten mit
heftigen Oberbauchbeschwerden auf
therapeutische Lokalanästhesie an den
Reflexzonen des Magens. Für eine erste,
schnelle Linderung der Schmerzen
im Wesentlichen von Mensch zu
Mensch übertragen. So zum Beispiel
beim Küssen“, erklärt Dr. med. Steffen
Stempfhuber, Allgemeinmediziner
aus Augsburg. Lebensmittel dagegen
sind als Infektionsquelle laut dem
Nationalen Referenzzentrum für Helicobacter pylori der Universität Freiburg bis heute nicht identifiziert.
Statistiken zufolge wird bei Mitteleuropäern im Alter über 47 Jahre zu
47 Prozent Helicobacter pylori nachgewiesen. Hierzulande sind es rund
20 bis 30 Millionen. Der Nachweis
lässt sich heute völlig unkompliziert
mittels Atem- oder Stuhltest führen.
Interessant ist, dass viele Betroffene
trotz Infektion keinerlei Beschwerden
haben. Dazu Dr. Stempfhuber: „Nicht
jeder mit einer Infektion bekommt
gleichzeitig Gastritis oder ein Magengeschwür. Man kann also nicht
einfach behaupten, dass Helicobacter pylori für alle schwerwiegenden
Magenerkrankungen verantwortlich
ist. Beim Magengeschwür spielt
beispielsweise auch die genetische
Veranlagung eine maßgebliche Rolle.“ Paradoxerweise hält der Helicobacter pylori in bestimmten Fällen
sogar gesund, nämlich bei Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden. Man hat in Studien gese-
Vorteilhaft ist der rasche Effekt vor
allem in Notsituationen, wenn die
Qual in der Magengegend nicht mehr
auszuhalten ist. „In der Regel erfolgt
eine Behandlungsserie von insgesamt
fünf bis zehn Injektionen an
aufeinander folgenden Tagen. Neben
klassischen örtlichen Betäubungsmitteln wie zum Beispiel Lidocain können
bei den Spritzen auch individuell
naturheilkundliche Medikamente oder
Homöopathika eingesetzt werden.“
Dazu gehören der Wirkstoff Magaldrat, der überschüssige Magensäure
bindet oder auch das homöopathische
Arzneimittel metabiarex®S, das unter
anderem Echinazin aus dem roten
Sonnenhut enthält.
Dr. med. Steffen Stempfhuber ist
niedergelassener Allgemeinarzt
in Augsburg. Seine Erkenntnis:
„Der Helicobacter pylori muss
nicht zwingend antibiotisch
behandelt werden, wenn keine
Beschwerden vorliegen“
5
So sieht es aus, das viel
zitierte Magenbakterium
Helicobacter pylori. Es ist
spiralförmig gekrümmt und
bewegt sich mittels so
genannter Geißeln fort
Foto: Helmholtz Zentrum für
Umweltforschung Leipzig
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naturheilkunde
Buchstäblich auf
den Magen schlagen
können Nikotin,
Koffein oder Alkohol
hen, dass Patienten mit einer Hp-Infektion
vermehrt eine Refluxkrankheit entwickelten, wenn sie antibiotisch behandelt wurden. Die Patienten hatten dann zwar keine
Infektion mehr, aber plötzlich Sodbrennen.“
Bei der Refluxkrankheit fließt die Magensäure nicht nur in die Speiseröhre, sondern
bis in den Mundraum zurück und kann dort
Zähne und Zahnfleisch angreifen und weitere Folgekrankheiten auslösen. Experte Dr.
Steffen Stempfhuber: „Meine Empfehlung:
Wer trotz nachgewiesener Hp-Infektion keinerlei Beschwerden hat, sollte nicht antibiotisch behandelt werden. Auch bei einer Magenschleimhautentzündung wäre das übers
Ziel hinaus geschossen. Liegt jedoch ein
Magengeschwür, Zwölffingerdarmgeschwür
oder Magenkrebs und gleichzeitig eine HpInfektion vor, dann muss das Bakterium bekämpft werden.“
Sodbrennen –
eine Volkskrankheit
Das so genannte Sodbrennen wird ausgelöst
durch sauren Mageninhalt, der in die Speiseröhre zurückfließt. 30 Prozent der Deutschen
sind mindestens einmal in der Woche von
diesem brennenden Schmerz betroffen, zehn
Prozent sogar täglich. Oft begleitet von Übelkeit und Druckschmerzen. Sodbrennen gehört damit in die Kategorie Volkskrankheiten.
Dabei ist der Magen eigentlich so gebaut,
dass kein Säurerückfluss möglich ist. Der
ringförmige Muskel am Mageneingang verschließt diesen nämlich derart, dass die
Speiseröhre die Nahrung ausschließlich in
Richtung Magen befördert. Doch dieser
Schließmuskel kann, beispielsweise durch
Stress, geschwächt werden. Weitere Ursachen können sein:
l üppiges und falsches Essen (zu viel, zu
hastig, zu spät),
l sehr fettreiche Lebensmittel und Fastfood,
l ein Übermaß an Alkohol, Kaffee und
Nikotin,
l zuckerreiche Lebensmittel und Süßigkeiten,
l sehr scharf gewürzte Speisen,
l kohlensäurehaltige Getränke,
l bestimmte Medikamente (Blutdrucksenker,
Schmerzmittel, Eisenpräparate, Hormonpräparate, Kortison),
l Übergewicht,
l eine Schwäche der Zwerchfellmuskulatur
und
l nachlassende Funktionskraft des Schließmuskels ab dem 40. Lebensjahr.
Professor Dr. med. Heinrich-Josef Lübke,
Chefarzt für Gastroenterologie am Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin, erklärt dazu:
Sodbrennen ist mehr als
saures Aufstoßen. Quälende
Schmerzen in Höhe des
Brustbeins und Übelkeit
können damit einhergehen
Foto: www.iberogast.de
Prof. Dr. med.
Heinrich-Josef
Lübke ist Chefarzt
der Gastroenterologie am Helios
Klinikum Emil von
Behring in Berlin
Foto: Helios Kliniken
„Besonders nach dem Essen oder im Liegen
kann es zu Sodbrennen kommen. Magensäure ist mit einem pH-Wert von 0,9 bis 1,5
aggressiv, das Gewebe der Speiseröhre
demgegenüber äußerst empfindlich. Je häufiger der Magensaft auf das Gewebe der
Speiseröhre trifft, desto schlimmer ist eine
darauf folgende Entzündung. Medizinisch
spricht man von einer Ösophagitis.“
Wird die Entzündung der Speiseröhre
chronisch, kann es zu einer Striktur kommen,
einer Verengung der Speiseröhre durch zunehmendes Narbengewebe. Bei zehn Prozent aller Ösophagitispatienten kommt es
darüber hinaus zu einer Schleimhautmetaplasie, einer Krebsvorstufe. Wiederum zehn
Prozent entwickeln daraufhin einen Speiseröhrenkrebs.
Was kaum jemand weiß: Sodbrennen mit
Reflux ist bei Kindern für zwei Drittel der Asthma-Erkrankungen mit verantwortlich. Diese
Angaben macht die Deutsche Gesellschaft
für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP). Man nimmt an, dass beim Reflux feinste Magensäuretröpfchen eingeatmet werden, die zu spastischen Verkrampfungen der
Bronchien führen können. Gleichzeitig greift
die Magensäure die schützenden Schleimhäute der Atemwege an und legt Nervenenden frei.
Säureblocker sind
keine Dauerlösung
Gelegentliches Sodbrennen wird meist mit
modernen Antazida, zu Deutsch Säureblockern, behandelt. Sie sind als Kautabletten
oder flüssige Suspensionen frei verkäuflich in
Apotheken erhältlich. Die Säureblocker basieren häufig auf Kombinationen aus Kalzium- und Magnesiumkarbonat, die die Ma-
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naturheilkunde
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4. Mandeln kauen. Mandeln sind
ebenfalls Basenbildner. Nehmen Sie einen
Teelöffel gemahlene Mandeln in den
Mund, gut zerkauen und erst dann den
Mandelbrei hinunterschlucken.
5. Kaugummi kauen. Vermehrt den
Speichelfluss. Dieser hilft, die Speiseröhre
zu spülen. Vorbeugend ist Kaugummikauen in der ersten Stunde nach einer
Mahlzeit ideal.
6. Magenwickel bei akutem Schmerz.
Ein feuchtwarmes Leinentuch um den
Magenbereich besänftigt ihn. Tauchen Sie
So genannte Säureblocker sind
in Apotheken frei verkäuflich.
Viele Ärzte warnen jedoch vor
einer dauerhaften Einnahme
gensäure bereits im Magen neutralisieren.
Das heißt, dass dort innerhalb weniger Minuten der pH-Wert ansteigt. Das bedeutet aber
auch, dass Säureblocker empfindlich in die
körpereigene Selbstregeneration eingreifen.
Dr. Volker Schmiedel empfiehlt daher:
„Säureblocker sollten keine Dauerlösung sein
und nur für wenige Tage, zum Beispiel in extremen Stressphasen, eingesetzt werden.
Denn die Blocker können Nebenwirkungen
verursachen. Bei langfristiger Einnahme zum
Beispiel in Form eines Vitamin-B12-Mangels oder der Osteoporose, dem Knochenschwund.“
Der unnatürlich erhöhte pH-Wert im Magen sorgt nämlich dafür, dass die Kalziumaufnahme aus der Nahrung gestört ist. In
Folge dessen kann es zum Verlust von Knochendichte kommen. Dies belegen unter anderem wissenschaftliche Studien des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), die 2009 im
Wissenschaftsjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht wurden.
Den Kalziumverlust aus der Nahrung kann
übrigens auch das Kalziumkarbonat aus
dem Säureblocker nicht auffangen: Es wird
nämlich aufgrund der unmittelbaren Neutralisierung im Magen ebenfalls nicht vom Körper aufgenommen. Rat der Wissenschaftler:
Bei einem Osteoporoserisiko sollten Patienten, die Säureblocker einnehmen, ergänzend
ein Kalziumpräparat auf Basis von Kalziumglukonat bekommen, das magensäureunabhängig vom Körper aufgenommen wird.
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Die besten Selbsthilfetipps
gegen Sodbrennen
B
ei magensäurebedingten Beschwerden
können natürliche Mittel Abhilfe schaffen:
1. Kartoffelpresssaft. Kartoffelstärke im Saft
roher Kartoffeln kann überschüssige Säure
binden. Frischen Kartoffelpresssaft kann man
im Entsafter zubereiten: Ein bis zwei Kartoffeln pressen und mit lauwarmem Wasser im
Verhältnis 1:2 verdünnen. Zur Beschwerdelinderung eine kleine Tasse, zirka 100 ml, in
kleinen Schlucken trinken. Kartoffelpresssaft
gibt es auch als Fertigprodukt in Reformhäusern.
2. Sellerie- oder frisch gepresster Möhrensaft. Gemüse zählen wie die Kartoffel zu
den basischen, also Säure neutralisierenden
Lebensmitteln. Gemüsesäfte nach dem Essen
getrunken können überschüssige Magensäure abpuffern helfen.
3. Stilles Wasser oder Milch trinken. Gleich
nach dem sauren Aufstoßen getrunken spült
Wasser die Speiseröhre und beseitigt den
unangenehm sauren Geschmack. Milch als
Basenspender hilft beim Neutralisieren der
Magensäure.
Weitere bewährte
Hausmittel gegen
Sodbrennen: Frischer
Kartoffelpresssaft, Mandelund Kaugummikauen
naturheilkunde
das Tuch in heißes Wasser und wringen Sie
es gut aus. Das Tuch legen Sie links auf den
Oberbauch am Ende der Rippen. Darauf
wird ein zweites, trockenes Leinentuch, zum
Schluss ein Frotteehandtuch oder eine Decke
gelegt. In diesem Wickel 10 bis 15 Minuten
liegen bleiben, bis das Tuch abkühlt. Der
Wickel kann unabhängig von Sodbrennen
auch bei Magenschmerzen eingesetzt
werden.
7. Schlafen mit erhöhtem Kopfende.
Hochlagern in einem Winkel von zirka 10 bis
15 Grad hilft bei nächtlichen Beschwerden,
da saurer Mageninhalt so weniger leicht in
die Speiseröhre zurückfließen kann.
Häufig verordnet:
Protonenpumpenhemmer
Bei Entzündungen und Magengeschwüren
nutzt die moderne Medizin ebenfalls Säureblocker. Und zwar die mit den stärksten Wirkstoffen, die es gibt: die Protonenpumpen-
naturheilkunde
hemmer. Klingt nach Hightech. Eine Protonenpumpe hat allerdings nichts mit Technik oder
einer Pumpe im eigentlichen Sinne zu tun.
Gemeint ist die chemische Reaktionskette, die
im Magen für die Herstellung und Abgabe –
das Hineinpumpen – von Magensäure ins
Mageninnere zuständig ist. Unter Protonenpumpenhemmern, kurz PPIs, produziert der
Magen so gut wie keine Säure mehr.
Dr. med. Steffen Stempfhuber erklärt: „PPIs
werden je nach Erkrankungsgrad in unterschiedlicher Dosierung verabreicht. Die beiden verbreitetsten Wirkstoffe sind Omeprazol
und Pantoprazol.“
Für Anwendungsgebiete wie Magengeschwüre sind diese Substanzen verschreibungspflichtig. Aber Achtung: Geringere Dosierungen sind rezeptfrei erhältlich, sollten
aber ebenso wie andere Säureblocker nicht
bedenkenlos über längere Zeit eingenommen werden. Unter Umständen kann es
durch PPIs vorübergehend zu Verstopfung
oder Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und gelegentlich Schlafstörungen, Schwindel und
Kopfschmerzen kommen.
Wie die Naturheilkunde
dem Magen helfen kann
Z
ur Therapie akuter und chronischer Magenschmerzen hat auch die Apotheke
der Natur bewährte Mittel und Methoden
gegen die Qual im Oberbauch parat. Unser
Magen will ganzheitlich gepflegt und liebevoll behandelt werden, wenn er optimal funktionieren soll. Dass dazu eine ausgewogene
Ernährung, ausreichend Bewegung und Entspannung gehören, ist wohl selbstverständlich. Hier einige Maßnahmen aus dem
Schatzkästchen der Naturheilkunde.
Sanfte Regeneration
mit der Kamillenrollkur
„Eine Gastritis kann man durchaus auch mit
einer Kamillenrollkur gut behandeln“, weiß
Dr. Volker Schmiedel. „Etwas Geduld sollte
man allerdings schon aufbringen.“ Empfohlen wird eine vierwöchige Kur, die täglich
zweimal rund 30 bis 45 Minuten Zeit in An-
spruch nimmt. Aber: „Die Kamille als natürliches Heilmittel hat den Vorteil, dass sie sanft
gegen die Entzündung wirkt. Die Magenschleimhaut kann sich allmählich regenerieren. Mit Geduld und Konsequenz lässt sich
mit pflanzlichen Maßnahmen auch ein Geschwür zum Abheilen bringen. Dabei gilt
aber: Die Beschwerden sollten nicht zu stark
sein, und es sollten keine Komplikationen wie
Blutungen vorliegen. Nach spätestens vier
Wochen müssen sich die Beschwerden deutlich gebessert haben.“
Kamillenblüten enthalten vor allem ätherische Öle mit entzündungshemmender und
krampflösender Wirkung. Für eine Kamillenrollkur bereitet man einen starken Kamillentee: Zwei bis drei Teelöffel Kamillenblüten (in
der Apotheke erhältlich) werden mit einer
Tasse kochendem Wasser überbrüht. Nach
rund fünf bis sechs Minuten abseihen und in
kleinen Schlucken trinken. Fertige Teebeutel
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Ein Tee aus Ingwerwurzel
kann bei Übelkeit und
Magenschmerzen kleine
Wunder bewirken
Kamillentee wirkt beruhigend
und regenerieren auf die
Magenschleimhaut. Übrigens:
Kamillenblüten aus
deutschem Anbau gelten als
besonders wirkstoffreich
sind weniger geeignet, da in ihnen die Konzentration der wirksamen Inhaltsstoffe in der
Regel zu gering ist.
Alternativ können fertige Kamillelösungen
verwendet werden, zum Beispiel Chamo® S
Bürger Lösung, Eukamillat® Lösung oder Kamille Spitzner®N Lösung. Nach dem Trinken
legt man sich fünf bis zehn Minuten auf den
Rücken, anschließend auf die linke, dann die
rechte Seite und zum Schluss auf den Bauch.
Das Rollen gewährleistet, dass die gesamte
Magenschleimhaut gleichmäßig mit der heilenden Kamille gespült wird. Die Kur wird verstärkt, wenn man gleichzeitig meditiert, positive Dinge visualisiert oder Entspannungsmusik hört.
Tipp: Zusätzlich über den Tag verteilt Kräutertees trinken unterstützt den Heilungsprozess. Geeignet sind neben Kamille auch Pfefferminze, Fenchelsamen, Kümmelfrüchte und
Enzianwurzel.
Erfolgreich mit
chinesischen Heilpflanzen
Paart sich Schmerz mit Übelkeit, empfiehlt
Dr. Irmtraud Kauschat Ingwerwurzel: „Nehmen Sie ein zirka zwei bis drei Zentimeter
langes Stückchen Ingwer für einen Liter
Wasser. In Scheiben schneiden und fünf bis
zehn Minuten in Wasser köcheln. Dann abseihen und das Ingwerwasser über den Tag
verteilt trinken.“
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Die Phytotherapie mit chinesischen
Kräutern kann man sich ähnlich einer homöopathischen Behandlung vorstellen:
„Die Kräuter werden gezielt für den betreffenden Patienten ausgewählt und in
der Regel als Abkochung zubereitet.
Angelikawurzel löst
Magenkrämpfe
Die Ärztin setzt in ihrer Praxis noch auf
zahlreiche andere chinesische Heilkräuter:
„Mit einer individuell zusammengestellten Rezeptur chinesischer Kräuter hatte sie sogar
bei einem hartnäckigen Magengeschwür Erfolg. Der Patient war bereits anderweitig in
schulmedizinischer Behandlung und wartete
gerade auf seine nächste Magenspiegelung.
Dann sollte über weitere Maßnahmen und
gegebenenfalls eine Operation entschieden
werden.
„Wir haben drei Wochen mit chinesischen
Kräutern behandelt. Danach zeigte die Magenspiegelung, dass das Magengeschwür
bereits abheilte. Eine Operation war nicht
mehr erforderlich.“
Einzelne Kräuter können auch als Tee genutzt werden, zum Beispiel die Angelikawurzel. Wir kennen sie aus pflanzlichen
Fertigarzneimitteln für den Magen, in denen sie häufig mit der bitteren Schleifenblume (Iberis amara), Kamillenblüten, Kümmel,
Mariendistelfrüchten, Pfefferminz und weiteren Kräutern kombiniert wird.
Angelikawurzeltee hat sich bei Magenkrämpfen sehr gut bewährt. Der Tee enthält
ätherischen Öle, Bitterstoffe und Kumarine,
welche die Magensäfte regulieren. Für eine
Tasse Tee nimmt man einen Teelöffel Angelikawurzel, übergießt sie mit rund 150 ml heißem
Wasser und lässt den Tee zehn Minuten ziehen. Abseihen und täglich bei Bedarf bis zu
zwei Tassen von dem Tee trinken. Höhere Dosierungen sollten ärztlich besprochen werden,
da die Inhaltsstoffe der Angelikawurzel zu erhöhter Lichtempfindlichkeit führen können.
naturheilkunde
naturheilkunde
Kräuter aus der Traditionellen Chinesischen Medizin lindern
Magenschmerzen und kräftigen die Magenfunktion. Dazu gehören
abgeschabte Bambusrinde (oben quer), Lilienwurzel, Weißdornfrüchte
und Helmkrautwurzel (unten von links nach rechts) Foto: Dr. Irmtraut Kauschat
Auszüge aus Iberis amara, der bitteren Schleifenblume und
aus der Wurzel der Angelika (unten) finden sich häufig in
pflanzlichen Kombinationspräparaten gegen Reizmagen
Fotos: www.iberogast.de
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naturheilkunde
Schmerzstillende und entgiftende
Magenkräuter aus der TCM
Harmonisierende und
entkrampfende Magenkräuter
l Chinesische Angelikawurzel/ Engelwurz
l Bambusrinde (Bambusrohrstreifen; chine-
(chinesisch: Dang gui)
l Chinesischer Löwenzahn (chinesisch: Pu gong ying)
l Helmkrautwurzel (Baikal-Helmkraut; chinesisch:
Huang qin)
l Nelken (chinesisch: Ding xiang)
l Süßholzwurzel (chinesisch: Gan cao)
sisch: Zhu Ru)
l Baumkürbis (chinesisch: Mu gua)
l Chinesische Weißdornfrucht (chinesisch:
Shan zha)
l Mitsommerpflanzenknolle
(chinesisch: Ban xia)
15 häufige Magenbeschwerden
und mögliche Ursachen
Beschwerdebild
mögliche/ häufige Ursachen
Magenschmerzen und/ oder Übelkeit nach dem
Essen, beim Anblick von Essen, eventuell mit
Brechreiz oder Erbrechen
zu fettes Essen, verdorbene Lebensmittel;
akute Magenschleimhautentzündung (eventuell
Schwangerschaft)
Übelkeit, starke Schmerzen in der Magengegend,
Sodbrennen, Aufstoßen, Erbrechen, belegte Zunge,
körperliche Schwäche bis hin zu Kopfschmerzen,
möglicherweise Völlegefühl
unverträgliches Essen; Reizmagen, akute
Magenschleimhautentzündung; möglicherweise
Fehlstellung der Brustwirbelsäule. Bei Fortdauer
der Beschwerden ärztlich abklären lassen
Übelkeit, Erbrechen, drückender Schmerz in der
Magengegend, Appetitlosigkeit, Blässe, Müdigkeit,
gegebenenfalls Leistungsverlust
chronische Magenschleimhautentzündung
Häufige bis regelmäßige dumpfe, brennende
Magenschmerzen, mahlzeitenabhängig zirka zwei
Stunden nach dem Essen mit Sodbrennen, Übelkeit,
Erbrechen und Appetitlosigkeit, möglicherweise
ausstrahlende Schmerzen in den Unterbauch und
Rücken
Magengeschwür: dringend ärztlich
untersuchen lassen
Heftige Magenschmerzen mit kaffeesatzartigem
Erbrechen, stark erhöhtem Puls und kaltem
Schweiß
Durchbruch eines Magengeschwürs:
absoluter Notfall (sofort Notarzt bzw.
Rettungswagen rufen)
Schmerzen im Oberbauch, die in den ganzen
Bauchraum und den Rücken ausstrahlen, Erbrechen
von Magensaft und stark erhöhter Puls
Entzündung der Bauchspeicheldrüse: dringend
ärztlich untersuchen lassen
Oberbauchschmerzen mit hartem, aufgeblähten
Bauch, Völlegefühl, eventuell abwechselnd Durchfall
und Verstopfung
Reizmagen. Bei Fortdauer der Beschwerden
ärztlich abklären lassen
Saures Aufstoßen nach dem Essen und/ oder auch
unabhängig davon, mit Sodbrennen und eventuell
Schmerzen hinter dem Brustbein
Magenübersäuerung, Speiseröhrenerkrankung,
Zwerchfellbruch. Bei Fortdauer der
Beschwerden ärztlich abklären lassen
Magen- und Bauchschmerzen, verbunden mit
Übelkeit, Erbrechen und Ekel vor Fleisch,
Appetitmangel, Gewichtsabnahme
Psychische Belastung, möglicherweise
Magenkrebs. Dringend ärztlich
untersuchen lassen
Übelkeit und Erbrechen von Blut oder
kaffeesatzartigem Mageninhalt, Beschwerden treten
eher bei nüchternem Magen auf
Zwölffingerdarmgeschwür, Leberzirrhose
(Schrumpfleber). Dringend ärztlich
untersuchen lassen
Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen nach
fettem Essen
Gallensteine, Gallenblasenentzündung:
dringend ärztlich untersuchen lassen
Starke Übelkeit, krampfartiges Erbrechen, kalter
Schweiß, Atemnot, eventuell zusätzlich
Herzschmerzen
Achtung: Verdacht auf Herzinfarkt.
Absoluter Notfall! Sofort Notarzt bzw.
Rettungswagen rufen
Galliges oder kothaltiges Erbrochenes, verbunden
mit plötzlichen, starken Krämpfen
Achtung: Darmverschluss: absoluter Notfall,
sofort Notarzt bzw. Rettungswagen rufen
Quellen: „Das tut dem Magen gut“ von Katrin Koelle; Ackermann
Institut/ Ackermann College of Chiropraktik, Stockholm; Medical
Guide Klinikum Bremen Mitte gGmbH
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2012/1
Funktionskräftigende
Magenkräuter
l Knotenständelkraut
(chinesisch: Shi hu)
l Lilienwurzel (Schlangenbartwur-
zel; chinesisch: Mai Dong)
l Stinkeschenfrucht (chinesisch:
Wu zhu yu)
Diese Magenkräuter sind bei uns
heute in vielen naturheilkundlich
orientierten Apotheken erhältlich.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass nicht in allen Fällen alternativ medizinische Maßnahmen
ein Magengeschwür ausheilen können. Auch moderne Protonenpumpenhemmer leisten das nicht immer.
Dass bei ausbleibender Besserung
ein Teil des Magens operativ entfernt werden muss, kann dann erforderlich werden, um keinen Magendurchbruch zu riskieren.
Buchtipps
& Infos
· Katrin Koelle: „Das tut dem
Magen gut – Natürlich vorbeugen
und sanft behandeln“, BLV
Buchverlag, ISBN 978-3-8354-03888, € 12,95 · Karin Gruber/Michael
Gschwantler/Werner Weiss:
„Schluss mit Sodbrennen: Reflux,
Gastritis, Magengeschwüre,
Reizmagen“, Verlagshaus der Ärzte,
ISBN 978-3-9025-5235-8, € 14,90
· Dr. med. Volker Schmiedel:
„Verdauung! – 99 verblüffende
Tatsachen“, Trias-Verlag, ISBN 9783-8304-3428-3, € 14,95
(Alle Bücher unter www.ritter24.de)
Internet
· Die Internetseite
www.sodbrennen.de gibt Informationen zu säurebedingten Beschwerden und Magenschmerzen sowie
vorbeugenden Maßnahmen.
· Auf der Internetseite www.magengeschwuer.de findet man eine
Übersicht zur Behandlung des
Magengeschwürs. Unter anderem
auch eine Liste homöopathischer
Rezepturen.
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