Interventionsprojekt - Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie

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Interventions- und Entwicklungsprojekt
Fachstelle für Angehörige
Fachstelle für Angehörige
von psychisch Kranken
Auftraggeber:
Projektleitung:
Projektcoach PDAG:
Politische Unterstützung:
Zeitraum:
Projektbericht
Psychiatrische Dienste Aargau AG (PDAG)
Susanne Wipf
Dr. med. Roman Vogt
Nationalrat Geri Müller
5. Januar 2009 bis 7. November 2009
Susanne Wipf
07.11.2009
Abstract
Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie der Stellenwert der Angehörigenarbeit durch
die Fachstelle für Angehörige für psychisch Kranke in den Psychiatrischen Diensten des
Kantons Aargau (PDAG) gefördert und gestärkt werden kann.
Aufbauend auf dieser Fragestellung ist im vorliegenden Interventionsprojekt ein Konzept zur
Gründung einer Fachstelle für Angehörige von psychisch Kranken entwickelt worden.
Das Angebot dieser künftigen Fachstelle soll sich an Angehörige aus allen Bereichen der
PDAG, sei es der Kinder- und Jugendpsychiatrische (KJPD), der interne, stationäre (PKF)
oder der externe, ambulante Dienst (EPD), richten.
Durch eine fundierte Situationsanalyse und gezielten Recherchen in Fachliteratur über
Angehörigenarbeit in der Psychiatrie, zeigt dieses Interventionsprojekt den Stellenwert und
Wichtigkeit der Förderung der Angehörigenarbeit der Psychiatrischen Dienste im Kanton
Aarau.
Die vorliegende Arbeit stellt ein Konzept für eine Angehörigenarbeit vor, um die Fachstelle
für Angehörige von psychisch Kranken in den PDAG etablieren zu können.
Projektbericht
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1.
2.
EINLEITUNG
3
AUSGANGSLAGE
4
2.1. Aktuelle Situation
2.2. Handlungsbedarf
2.3 Ziele
2.4 Zielgruppe und Nutzniesser
4
5
5
7
3.
PROJEKTORGANISATION
7
4.
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
8
4.1 Definition von Angehörigenarbeit
4.2 Wie wir Angehörigen besser helfen können
4.3 „Un-gehörige“ oder Co-Therapeuten
4.4 Die Auswirkungen von Angehörigenarbeit
8
8
9
10
5.
METHODISCHES VORGEHEN UND ERGEBNISSE
5.1 Leitfadeninterviews
5.2 Networking
5.3 Fachrecherchen
5.4 Projekt-Präsentationen
5.5 Konzeptarbeit
5.6 Finanzierung
5.7 Politische Unterstützung
6.
11
11
13
14
15
16
16
17
SCHLUSSFOLGERUNGEN UND PERSPEKTIVEN
6.1. Nachhaltigkeit
6.2. Abschliessende Schlussfolgerungen
17
17
18
7.
QUELLENVERZEICHNIS
19
8.
ANHANG
19
8.1. Leitbild PDAG
8.2. Zusammenfassung Leitfadeninterviews
8.3. Konzept
8.4. Zusammenfassung Konzept
Projektbericht
Susanne Wipf
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23
26
38
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1.
EINLEITUNG
Angehörige von Menschen mit psychischen Störungen sind vor und nach einer psychischen
Erkrankung eines Familienmitgliedes extremen Belastungen und massivem Stress
ausgesetzt. Viele von ihnen leiden dadurch an gravierenden Symptomen von Überlastung,
Übermüdung und Erschöpfung.
Medizinisches und therapeutisches Personal beziehen Angehörige oft nur zur situativen
Unterstützung bei. Das geht am Bedürfnis von aktiven Angehörigen vorbei. Sie wollen eine
kompetente und sinnvolle Rolle einnehmen können. Die Anforderungen eines individuellen
Behandlungsplans und dieses Bedürfnis fügen sich im Klinikalltag nicht zusammen, zumal
die Behandlungsdauer der Patienten sinkt.
In den Psychiatrischen Diensten AG Aargau (PDAG) soll die bestehende Angehörigenarbeit
und die damit verbundene Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit koordiniert, gezielt
erweitert und in den Berufsalltag integriert werden.
Als Kontakt-, Förderungs- und Koordinationsstelle der Angehörigenarbeit in den PDAG wird
aus diesem Grunde eine Fachstelle für Angehörige von psychisch Kranken eingerichtet.
Dieser Fachstelle käme für Angehörige von psychisch Kranken noch zusätzlich eine wichtige
Rolle der Unterstützung und Synergiennutzung zu, da der Fortbestand des Vereins
Angehöriger Schizophrenie / Psychisch Kranker (VASK) Kanton Aargau derzeit unsicher
scheint.
Das vorliegende Projekt war bereits länger geplant und wurde vom Chefarzt Herrn Dr. med.
Roman Vogt zur Erstellung eines Konzeptes auf Grundlage der bereits bestehenden
Fachstellen in den Kantonen Sankt Gallen und Bern an mich delegiert. Er stellte sich als
Projektcoach und somit auch als Bindeglied zwischen der Geschäftsleitung und mir als
Projektleiterin zur Verfügung.
Für mich als langjährige Psychiatriepflegefachfrau und nun Sozialarbeiterin in Ausbildung der
PDAG ist das Thema Angehörigenarbeit von hohem Interesse. Zusätzlich haben Projekte,
die nicht nur wissenschaftlich fundiert sondern auch die Möglichkeit bieten kreativ und
innovativ Neues zu konstruieren, mich immer schon angesprochen.
Mein Projektbericht stellt dar, wie und in welcher Form es möglich ist, die Fachstelle für
Angehörigenarbeit in der PDAG zu gründen. Es handelt sich dabei um eine
Machbarkeitsstudie, die anhand folgender Vorgehensweise aufgebaut ist:
Um die Motivation und die Erfahrungen von Fachpersonen der Angehörigenarbeit, aber auch
von direkt betroffenen Angehörigen innerhalb und ausserhalb der PDAG zu eruieren, führte
ich strukturierte Leitfadeninterviews durch. Die Auswertung der Interviews ergab für mich
wichtige Kriterien, die für das weitere Vorgehen der Projektrealisierung relevant waren. Ziel
war es, durch den Einbezug der Schlüsselpersonen ihre Neugier und Mitspracherecht für die
Konzeptierung der Fachstelle zu wecken und damit eine wichtige Verbindung zwischen
Theorie und Praxis zu erstellen.
Dies gelang mir auch in Form von Präsentationen in der Geschäftsleitung oder an
Fortbildungsveranstaltungen, an denen ich direkt den aktuellen Stand des Projekts, aber
auch über deren Sinn und Nutzen, berichtete.
Durch die Kontaktierung mit dem Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie (NAP) und den
Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der bereits bestehenden Fachstellen, gelang es mir, vom
bereits vorhandenen Erfahrungswissen zu profitieren.
Dafür nahm ich an den Fachveranstaltungen für Angehörigenarbeit der NAP oder an der
Generalversammlung der VASK Aargau teil.
Wichtige Literaturrecherchen für die Konzepterstellung entnahm ich aus Fachbüchern über
Angehörigenarbeit oder der Homepage des Vereins Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie
(NAP), www.angehoerigenarbeit.ch.
Projektbericht
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Herr Nationalrat Geri Müller hat für das Projekt eine beratende Funktion, um wichtige
Grundlagen für die Projektrealisierung gegenüber dem Departement Gesundheit und
Soziales des Kantons Aargau nicht zu übersehen.
Mein Projektbericht ist folgendermassen aufgebaut: Im ersten Teil erörtere ich die aktuelle
Situation anhand der Leitfadeninterviews und Literaturrecherchen. Danach zeige ich die
Ziele auf, die durch Fachstellenarbeit erreicht werden sollen und werde anhand des
theoretischen Bezugsrahmens aus Fachliteratur über Angehörigenarbeit, mein Vorgehen
und Ergebnisse der Projektarbeit aufzeigen.
2.
AUSGANGSLAGE
Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) umfassen die folgenden drei, zur engen
Zusammenarbeit verpflichteten, psychiatrischen Institutionen:



Psychiatrische Klinik Königsfelden (PKF)
Externer Psychiatrischer Dienst (EPD)
Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst (KJPD)
Der Leistungsauftrag der Psychiatrischen Dienste Aargau AG umfasst die Untersuchung,
Behandlung und Betreuung psychisch Kranker. Die Aufgaben erstrecken sich auf den
stationären, teilstationären, ambulanten, konsiliarischen und forensischen Bereich. Sie
gewährleisten – soweit keine andere angemessene ärztliche Betreuung verfügbar ist – die
psychiatrische Krankenbetreuung, den Notfalldienst und die Krisenintervention für die
Kantonsbevölkerung.
2.1. Aktuelle Situation
Durch die verkürzten stationären Aufenthaltszeiten und den teilweise raschen
Personalwechsel aufgrund Aus-, Fort-, und Weiterbildung im stationären und ambulanten
Bereich fehlen für Angehörige konstante Bezugspersonen als Ansprechspartner /
Ansprechspartnerin.
In den PDAG wird die Angehörigenarbeit fallbezogen und in den verschiedenen Abteilungen
mit unterschiedlicher Intensität wahrgenommen. Bisher bestehen aber insgesamt keine
bereichsübergreifenden und nachhaltigen Konzepte.
Um in oft jahrelangen Stresssituation während der Betreuung ihrer Angehörigen nicht
selber krank zu werden, brauchen Angehörige psychisch Kranker professionelle
Unterstützung.
Sie haben Fragen zu den Krankheitsbildern, Medikamenten und zum praktischen Umgang
mit ihren kranken Eltern, Kindern, Partner / Partnerinnen oder Freund / Freundinnen.
In den PDAG werden keine Stellenprozente explizit für Angehörigenarbeit /
Angehörigengruppen zur Verfügung gestellt. Wichtige Angebote, wie die
Angehörigenarbeit, werden auf Grund des mangelnden Zeitfaktors in der Behandlung von
psychisch Kranken zu wenig berücksichtigt. Die zusätzliche Angehörigenbetreuung
bedeutet besonders im Klinikalltag eine weitere Belastung für das Personal und gefährdet
damit vermeintlich die Kontinuität in der Patientenversorgung.
Zudem benötigt die spezielle Belastung der Kinder und Jugendlichen von psychisch
kranken Eltern mehr Aufmerksamkeit in der Behandlung in den PDAG.
Jedem einzelnen Kind oder Jugendlichen könnte durch ein grösseres Bewusstsein der
Fachleute über das kindliche Erleben der psychischen Erkrankung ihrer Eltern viel
persönliches, oft ein ganzes Leben lang nachwirkendes Leid erspart werden. Aktuell
werden psychisch Kranke in den PDAG selten nach dem Befinden ihrer Kinder befragt.
Projektbericht
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Die Kinder psychisch kranker Eltern gehören nach wie vor zu einer vergessenen Gruppe
von Angehörigen.
2.2. Handlungsbedarf
Angehörige, die einen Behandlungsprozess unterstützen, verbessern die Prognose von
langzeiterkrankten Patienten und Patientinnen deutlich. Dies zeigt auch das PsychoseInformations-Projekt, genannt Münchner PIP-Studie. (Werner Binder & Wolfram Bender,
Angehörigenarbeit in der Psychiatrie, 1998).
Häufig sind es nicht die gesundheitlichen, sondern die sozialen Folgen, die solche Patienten
und Patientinnen am meisten fürchten müssen. Überforderte Angehörige hingegen
gefährden die Prognose des Patienten / der Patientinnen, ihre eigene Gesundheit oder ihre
familiären Beziehungen. Es lohnt sich daher, in eine gute Angehörigenarbeit zu investieren.
Deshalb benötigt erfolgreiche Angehörigenarbeit Organisation und mehr als nur guten
Willen.
Innerhalb einer klinischen Einrichtung bedarf es einer eigenen Fachstelle für
Angehörigenarbeit. Die Anforderungen eines individuellen Behandlungsplans und dieses
Bedürfnis fügen sich im Klinikalltag nicht zusammen, zumal die Behandlungsdauer der
Patienten / Patientinnen sinkt. Eine Fachstelle für Angehörigenarbeit kann Angehörige
unterstützen ihre Rolle so einzunehmen, dass mehr als Unterstützung auf Abruf möglich ist.
2.3 Ziele
Die Ziele der Projektarbeit wurden in Systemziele und Vorgehensziele (Petra Benz, 2008)
unterteilt.
Systemziele
Vision/langfristiges Ziel
 Im Jahr 2010 wird in den PDAG eine Fachstelle für Angehörige von psychisch
Kranken eingerichtet. Sie übernimmt die Koordination und Förderung der
Angehörigenarbeit in den Bereichen PKF, EPD und KJPD. Primär ist sie Kontaktstelle
für Angehörige
 Erhöhung des Stellenwertes der Angehörigenarbeit in der psychiatrischen
Versorgung / Behandlung im ganzen Kanton Aargau
 Verbesserung der Beziehung zwischen Angehörigen und Behandelnden
 Vom «nice to have» zum «must have» (zukünftig keine psychiatrische Behandlung
ohne Einbezug der Angehörigen)
 Förderung der Entstigmatisierung von psychiatrischen Krankheiten
Kurzfristiges Ziel bis Projektabschluss
 Die PDAG verfügen bis zum 2. November 2009 über ein einheitliches Konzept der
Angehörigenarbeit, das wegbereitend ist für die Finanzierung und Entwicklung der
zukünftigen Fachstelle für Angehörige von psychisch Kranken
Projektbericht
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Vorgehensziele analog der Projektphasen
1. Phase





Recherchen, Vernetzung und
Finanzierungssicherung
Vernetzung mit den bereits bestehenden Fachstellen in den
Kantonen St. Gallen und Bern mit dem Ziel zu erkennen, wie
bestehende Fachstellen funktionieren und was sie
auszeichnet
Recherchen in Fachliteratur und im Internet mit dem Ziel
herauszufinden, wieso braucht es dieses Projekt und auf
welchem wissenschaftlichen Hintergrund basiert es
Interviews mit Schlüsselpersonen und Betroffenen mit dem
Ziel von Erfahrungswissen der Angehörigenarbeit profitieren
und für die Projektrealisierung zu relevanten Personen eine
erste Beziehung knüpfen zu können
Budgetierung der Fachstelle im Globalbudget der PDAG, mit
dem Ziel der Finanzierungssicherung des Projekts
Vernetzung mit der Kommunikationsstelle der PDAG
2. Phase
Kick-Off-Sitzung im Leitungsgremium PDAG
 Kick-Off-Meeting mit Auftraggeber in Form einer PowerpointPräsentation in der Geschäftsleitungssitzung der PDAG mit
dem Ziel der Auftrags-, Erwartungs- und
Zusammenarbeitsklärung
3. Phase
Konzeption
 Konzepterarbeitung über Angehörigenarbeit in den PDAG mit
dem Ziel ein Instrumentarium zu erstellen, dass wegbereitend
ist für die Realisierung der zukünftigen Fachstelle
4. Phase
Politische Vernetzung
 Politische Unterstützung durch Beratung von Herrn
Nationalrat Geri Müller, Grüne Partei, mit dem Ziel, das
Projektteam zu coachen, welches Vorgehen für den
Finanzierungsantrag beim Departement Gesundheit und
Soziales zu wählen ist. Zusätzlich wichtiger Brückenbauer
zwischen Projektteam und Frau Regierungsrätin Susanne
Hochuli
5. Phase Eingabe Antrag Fachstelle an Departement Gesundheit
und Soziales (GDS) und Abschluss Projektarbeit
 Antragsstellung Fachstelle für Angehörige von psychisch
Kranke an das DGS mit dem Ziel, die Finanzierung des
Projekts im Globalbudget zu sichern
 Gespräch mit Herrn Max Neuhaus, Leiter
Gesundheitsversorgung im Departement Gesundheit und
Soziales, am 26. Oktober 2009. Ziel ist es, das Projekt direkt
vorzustellen. Die Realisierbarkeit einer Fachstelle für
psychisch Kranke im Jahr 2010 oder später wird nach der
gemeinsamen Sitzung entschieden
Januar/Februar/März
2009
April
2009
Juni bis September
2009
Juni bis November
2009
Meine Projektarbeit wird durch die Abgabe des Projektberichts
abgeschlossen sein.
Projektbericht
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2.4 Zielgruppe und Nutzniesser
Als primäre Zielgruppe wird die Gruppe der Angehörigen von psychisch Kranken bezeichnet,
die in den PDAG behandelt werden. Der Verein Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie
(NAP) definiert Angehörige folgendermassen (Cornelia Christen, 2007):
„Angehörige sind Eltern, Kinder, Geschwister, Partner / Partnerinnen und Freunde /
Freundinnen, teilweise auch Amtspersonen wie Beistände / Beiständinnen, Vormünder oder
Wohnheimbetreuer / Wohnbetreuerinnen, in speziellen Situationen Nahestehende wie
Nachbarn / Nachbarinnen und Arbeitgeber / Arbeitgeberinnen.“
Als sekundäre Gruppe werden die behandelnden Fachpersonen bezeichnet, die für die
PDAG arbeiten. Zur sekundären Gruppe gehören auch externe Fachpersonen und
Interessierte der Angehörigenarbeit von psychisch kranken Menschen.
Nutzniesser dieses Projekts sind die psychisch kranken Bürger und Bürgerinnen mit ihren
Angehörigen im Kanton Aargau, damit diese einen behandlungsförderlichen Umgang mit der
Krankheit finden können.
Die Aargauer Bevölkerung wird von der erhofften Entstigmatisierung gegenüber psychisch
Kranken profitieren, die aus der optimierten Angehörigenarbeit hervorgehen soll und dadurch
ein positiveres Bild der Psychiatrie gegenüber der Öffentlichkeit präsentiert.
3.
PROJEKTORGANISATION
In hierarchisch gegliederten Institutionen stellen Projekte einen Fremdkörper dar.
Entsprechend braucht es eine Einbindung der Projektstruktur in die Organisationsstruktur.
Das Projekt „Fachstelle für Angehörige von psychisch Kranken“ war institutionell nicht beim
Auftraggeber, den Psychiatrischen Diensten Aargau AG, verankert. Die Verantwortung für
das Projekt blieb beim Projektcoach, Herrn Dr. med. Roman Vogt und mir in der Funktion der
Projektleiterin.
Die Einbindung der Projektstruktur in die Organisationsstruktur wird EinflussProjektorganisation genannt.
Vorteile der Einfluss-Projektorganisation sind, dass keine personellen und organisatorischen
Veränderungen erforderlich sind. Es entstehen aber dennoch neue Kommunikations- und
Austauschformen zwischen den Mitarbeitenden der einzelnen Bereiche sowie der
Geschäftsleitung. Auch können die Mitarbeitenden flexibel je nach Projekterfordernissen
eingesetzt werden. Diese Projektorganisation weist aber auch Nachteile auf. Es kann leicht
die Situation entstehen, dass sich niemand für das Projekt verantwortlich fühlt und sich daher
auch nicht dafür einsetzt. Zudem besteht die Gefahr, dass die Projektarbeit von den
Mitarbeitenden nicht ernst genommen wird. Bei dieser Organisationsform werden
Linieninteressen häufig als wichtiger angesehen als Projektinteressen. (Christiane
Schiersmann & Heinz-Ulrich Thiel, 2000, S. 87-89)
Um dieser Gefahr vorzubeugen, hat sich Herr Dr. med. Roman Vogt als Projektcoach zur
Verfügung gestellt. In dieser Funktion stellt er ein wichtiges Bindeglied zwischen der
Geschäftsleitung und Projektleitung dar. Als Chefarzt ist er zudem Mitglied der
Geschäftsleitung und konnte dadurch wichtige Projektinteressen direkt vertreten oder sich
dafür einsetzen.
Da meine Studienkollegin nach dem Entwurf des Projektdesigns einen Auslandaufenthalt
plante, führte ich das Projekt alleine durch. Aufgaben und Funktionsverteilungen, das
Ernennen von Spielregeln und Prozessen in der Teambildung waren dadurch während der
einzelnen Projektphasen nicht relevant. Um den fehlenden Austausch und die Reflexion
dennoch zu gewährleisten, nutzte ich die monatlichen Sitzungen und den Kontakt per E-Mail
Projektbericht
Susanne Wipf
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oder Telefonat mit meinem Projektcoach. Als Projektleiterin hatte ich im institutionellen
Rahmen der PDAG eine hohe Selbstkompetenz um Planung und Entscheidungen
eigenständig durchzuführen. Dies geschah aber nicht ohne Rücksprache mit dem
Projektcoach, um Unsicherheiten und Verantwortlichkeiten klären zu können.
4.
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
4.1 Definition von Angehörigenarbeit
Gemäss dem Verein Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie (NAP) wird die
Angehörigenarbeit folgendermassen definiert (Cornelia Christen, 2007):
„Angehörigenarbeit bezeichnet den Austausch, allgemein den Raum, indem Fachpersonen
direkten Kontakt mit den Angehörigen ihrer behandelten Patienten und Patientinnen
pflegen.“
Eigentlich sollte es meiner Ansicht nach Angehörigenkontakt oder
Angehörigenzusammenarbeit heissen, da der Begriff Arbeit eher mit „mühsam“ und
„anstrengend“ assoziiert werden kann und dies nicht auf die Beziehung zwischen Fachleuten
und Angehörigen zutreffen sollte.
Angehörigenarbeit beinhaltet auch fall- und patientenunabhängige Beratung und
Informationsvermittlung an Angehörige.
Qualitativ gute Angehörigenarbeit gelingt erst dann in der Psychiatrie, wenn Fachleuten
bewusst ist, dass informierte und vernetzte Angehörige das ganze Familiensystem
stabilisieren und somit einen wesentlichen Beitrag zur Rezidivprophylaxe leisten.
4.2 Wie wir Angehörigen besser helfen können
Die Rolle der Angehörigen in der Psychiatrie hat sich gemäss Werner Binder und Wolfram
Bender (1998, Die dritte Dimension in der Psychiatrie, S. 22) in den letzten 20 Jahren
erheblich gewandelt. Ausgrenzungen und Schuldzuweisungen sind deutlich in den
Hintergrund getreten, im Vordergrund steht ein zunehmendes Bemühen, Angehörige in die
Therapie einzubeziehen und zu unterstützen.
Diese Änderung in der Haltung ist jedoch nicht selten von Schwierigkeiten in der Umsetzung
begleitet. Das Bemühen der Therapeuten stösst an Grenzen und Widerstände. Auch
Angehörige fühlen sich nicht verstanden. Trotz vielen modernen Erkenntnissen und neuen
wissenschaftlichen Studien liegen oft Barrieren zwischen dem, was Therapeuten vermitteln
möchten, und dem, was Angehörige wünschen und erwarten.
Um das Verhalten der Angehörigen, ihre grosse Besorgnis und intensiven Emotionen besser
zu verstehen, müssen wir uns vor Augen halten, dass sie vor der stationären Aufnahme in
der Regel seit mehreren Jahren Dinge erlebt haben, die sie zutiefst verunsichert und
erschüttert haben.
Die therapeutische Arbeit mit Angehörigen soll Angehörige entlasten, ihnen Hilfe bieten, sie
jedoch auch befähigen, die Patienten und Patientinnen besser zu unterstützen. Dies
geschieht durch die folgenden Angebote:
-
-
Projektbericht
Therapeutische Angehörigengruppen
Dabei handelt es sich um Angehörigengruppen, welche von einem oder zwei
professionellen Leitern geführt werden und welche sich in bestimmten
Abständen treffen.
Angehörigen Selbsthilfegruppen
Sie entwickeln sich nicht selten aus therapeutischen Angehörigengruppen, oft
auf Initiative einiger aktiver Angehöriger. Diese Rolle ist unbedingt
einzuhalten, um die Selbsthilfepotentiale der Angehörigen nicht zu reduzieren.
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-
-
Verhaltenstherapeutisch orientierte Zusammenarbeit mit Angehörigen
Dabei handelt es sich um die Förderung der Angehörigen als Mitbewältigende
(Vermittlung von Krankheitsverständnis, Sensibilisierung für
krankheitsbedingte Beeinträchtigungen, Stärkung der eigenen Position)
Beteiligung der Angehörigen an der Rezidivprophylaxe
Orientierung über Behandlungs- und Präventionsprophylaxe, Information über
Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten
Der emotionale Rückhalt hat wichtige stabilisierende Funktionen. Denn blosse Information
über die Erkrankung ist wichtig, aber nicht ausreichend. Neben der emotionalen Entlastung
und dem Aufbau eines angemessenen Krankheitsverständnisses geht es um den Aufbau
von Bewältigungskompetenzen bei Patienten, Patientinnen und Angehörigen. Die
Unterstützung der Angehörigen durch die Therapeuten ist damit eine wichtige Säule für die
langfristige Lebensbewältigung der Patienten (S. 23-32).
4.3 „Un-gehörige“ oder Co-Therapeuten
Werner Binder und Wolfram Bender zitieren in ihrem Buch „Die dritte Dimension in der
Psychiatrie“ (1998, S. 54) die Aufzählungen:
„Angehörige, die dritte Säule der Psychiatrie“, „Angehörige die Co-Therapeuten“,
„Angehörige aus der Behandlung ausklammern wäre ein Kunstfehler!“, „Angehörige, der
Motor der psychiatrischen Entwicklung.“
Das bedeutet sicherlich Musik in den Ohren von manchen Angehörigen. Hiess es doch vor
gar nicht langer Zeit, Familien seien Brutstätten für Psychosen und man müsse die Patienten
von den Familien trennen, ja sie vor ihnen schützen, wenn sie gesund werden sollen. Heute
nennt man die Familien die Quelle der unentdeckten Ressourcen.
Waren die Angehörigen früher die Störfaktoren, die Un-gehörigen, so wird das heute in
offiziellen Statements von Professionellen in der Psychiatrie weit von sich gewiesen.
Wo aber ist der Platz der Angehörigen im Alltag? Wie begegnet man ihnen auf Stationen, in
den ambulanten Tageskliniken oder in den Ambulatorien des Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienstes? Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Theorie und
Praxis, zwischen progressiven Psychiatern und Psychiaterinnen auf Kongressen und ihren
im Alltagsgeschehen eingespannten Kollegen und Kolleginnen.
Der Trialog (Gespräch zwischen Patienten und Patientinnen, Angehörigen und
Behandelnden) ist in der Entwicklung zu einer „demokratischen Psychiatrie“ eine relativ neue
Variante der Zusammenarbeit. Er wird von vielen Beteiligten als der Königsweg der
Kooperation angesehen. Richtig ist, dass er am ehesten das partnerschaftliche „Gespräch
auf gleicher Augenhöhe“ möglich macht. (S. 55–56)
Dieses Bestreben ist auch aus dem aktuellen Leitbild der PDAG ersichtlich (2009), dass die
Angehörigenarbeit zu einem Qualitätsmerkmal ihrer Institution erklärt:
„Wir gehen von einem Menschenbild aus, das die Würde, den respektvollen Umgang, die
Privatsphäre, die Lebensweise, die Bedürfnisse und die Entwicklungsmöglichkeiten unserer
Patienten und Patientinnen sowie ihrer Familien und Nahestehenden im Zentrum hat.“
Im Grunde aber gibt es den Trialog oft eher als den Dialog. Bis anhin wurde den
Angehörigen schon immer als Antwort auf den Wunsch nach einem Informationsgespräch
ein Termin zu Dritt angeboten. Das wird von Angehörigen gerne angenommen, aber nicht als
ausreichend empfunden. Verzweifelte, verunsicherte und ausgebrannte Familien benötigen
hin und wieder eine Unterredung mit dem Behandelnden für sich ganz allein. Die meisten
Wünsche nach einem Zweiergespräch werden von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten
mit dem Hinweis auf die Loyalität zum Patienten / zur Patientin, auf Vertrauensbruch und die
Schweigepflicht abgelehnt (S. 55).
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4.4 Die Auswirkungen von Angehörigenarbeit
Zu Beginn der 90er Jahre wurde an drei Münchner Kliniken die Münchner PIP-Studie mit
Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie ins Leben gerufen
(Josef Bäuml, Gabi Pitschel-Walz & Werner Kissling, 1997, S. 142–168, zit. in Werner Binder
/ Wolfram Bender, 1998).
Untersucht wurde, inwieweit durch ein zeitlich eng umschriebenes und in die Klinikroutine
integrierbares Therapieprogramm die Compliance signifikant verbessert werden kann, um
dadurch die stationären Wiederaufnahme in den Folgejahren zu reduzieren. Während des
Rekrutierungszeitraumes von 1990 bis1992 wurden alle Patienten und Patientinnen mit einer
schizophrenen Symptomatik in den Screeningprozess einbezogen. Die Alterspanne reichte
von 18 bis 65 Jahren. Nach schriftlicher Zustimmung der Patientengruppe, dass auch die
Angehörigen mit einbezogen werden, erfolgte die Zuteilung der Patienten und Patientinnen
in das psychoedukative Kurzzeitinterventionsprogramm oder in die Kontrollgruppe mit den
üblichen Routinebehandlungen.
Der Krankheitsverlauf wurde über einen Verlauf von zwei Jahren lückenlos dokumentiert.
Besonderes Augenmerk wurde hierbei vor allem auf die Compliance, auf Nebenwirkungen
der Medikation und besonders auf stationäre Wiederaufnahme gelegt.
Das Durchschnittsalter der Angehörigen betrug in beiden Gruppen 49 Jahre. Von den
Angehörigen der Interventionsgruppe waren 59% Eltern, in der Kontrollgruppe betrug diese
Rate 54%. Partner und Partnerinnen nahmen zu 27% aus der Interventions- und 25% aus
der Kontrollgruppe teil. Die verbleibenden 14% der Interventions- und 21% der
Kontrollgruppe teilten sich auf in Geschwister, Kinder oder Freunde.
58% Patienten und Patientinnen der Kontrollgruppe, 62% der Patienten und Patientinnen der
Interventionsgruppe, lebten mit ihren Angehörigen im gleichen Haushalt zusammen.
Besonderes Augenmerk im Laufe der Gruppensitzungen wurde der Rolle der Angehörigen
als „Co-Therapeuten und Therapeutinnen“ beigemessen. Wenn Angehörige es verstehen,
Frühwarnzeichen richtig zu deuten, die Patienten und Patientinnen dann entsprechend zu
beraten und im Falle einer drohenden Reexazerbation sich taktisch klug zu verhalten, kann
damit ein sehr wesentlicher Beitrag zur besseren Krisenbewältigung geleistet werden.
Die konkreten Resultate nach einer 1-, 2- und 7-jährigen Stichprobe der Münchner PIPStudie, erste Studie 1996, Nachkontrolle 2003, können der folgenden Tabelle entnommen
werden:
Nach 1 Jahr n=163
Anz.
Krankenstationärer haustage
Aufenthalte
0.3
17
Interventionsgruppe
Kontrollgruppe
0.6
Differenz Anz. Tage
Kostenersparnis
3`250 EUR
pro Patient (D: 250
EUR pro Kliniktag)
30
13
Nach 2 Jahren n=153
Anz.
Krankenstationärer haustage
Aufenthalte
0.6
39
Nach 7 Jahren n=48
Anz.
Krankenstationärer haustage
Aufenthalte
1.5
75
1.1
2.9
78
39
9`750 EUR
225
150
37`500
EUR
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die stationären Aufenthalte der Interventionsgruppe,
unter Einbezug der Angehörigen, sich gegenüber der Kontrollgruppe um die Hälfte reduziert
haben. Durch Minderung des stationären Klinikaufenthalts war eine relevante
Kostenersparnis pro Patient möglich.
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5.
METHODISCHES VORGEHEN UND ERGEBNISSE
5.1 Leitfadeninterviews
Zu Beginn der Projektarbeit vom Januar bis März 2009 führte ich strukturierte
Leitfadeninterviews mit 13 Schlüsselpersonen durch. Diese zeichneten sich durch
Expertentum in Angehörigenarbeit aus.
Im Skript Kurzbeschrieb von Leitfadeninterviews von Prof. Jürgen Stremlow (2005), wird
diese Art der Leitfadeninterviews als Experteninterviews (Meuser & Nagel 2002: S. 71-94;
Mayer 2004: S. 36-56) bezeichnet. Diese Experteninterviews eignen sich sehr gut,
Fachpersonen oder Vertreter / Vertreterinnen einer bestimmten Gruppe, in meinem Fall
handelt es sich um Experten und Expertinnen der Angehörigenarbeit aus den PDAG und
anderen sozialen Institutionen, zu einem bestimmten Sachverhalt zu befragen.
Im Kontext der Projektarbeit bestand das Ziel der Leitfadeninterviews darin,
bereichsspezifische und objektbezogene Aussagen zu erzeugen (Scholl 2003: S. 67).
Gleichzeitig war Ziel der Befragung, den Experten/Expertinnen eine persönliche
Positionierung anhand von projektbezogenen Fragen zu ermöglichen und durch direkten
Bezug zum Projekt Identifikation und Beziehung herzustellen.
Folgende Schlüsselpersonen der PDAG stellten sich für mein Interview zur Verfügung:
Interne Interviewpartner/-partnerinnen: (Funktionen beziehen sich auf die Zeit des
Interviews)
 PD Dr. med. Urs Hepp, stellvertretender Chefarzt EPD
 Dr. med. Roman Vogt, Chefarzt EPD
 Frau Regula Kiechle, Pflegedirektorin PKF
 Frau Madlain Rytz, Pflegeexpertin PKF
 Herr Dr. med. Fritz Ramseier, stellvertretender Chefarzt PKF
 Herr Dr. med. Heiner Meng, Chefarzt KJPD
 Herr Christoph Ziörjen, CEO PDAG
 Frau Sybille Kloser, Kommunikationsbeauftragte PDAG
 Herr Uwe Wollny, Leiter Qualitätsmanagement PDAG
Externe Interviewpartner/-partnerinnen:





Frau Vreni Vogelsanger, Geschäftsleiterin Koordination Selbsthilfe Schweiz (KOSCH)
Frau Rita Neuburger, Vorstandsmitglied Verein Angehörige von Schizophrenie/Psychisch-Kranken Kt. Aargau
Frau Dr. med. Ursula Davatz, Expertin in Angehörigenarbeit von SchizophrenieKranken in eigener Praxis in Baden
Frau Angela Föllmi, Vereinsmitglied schweizerisches Netzwerk Angehörigenarbeit
Psychiatrie, Erwachsenenbildnerin
Frau Andrea Raschle, langjährige Mitarbeiterin und Frau Edith Scherrer, neue
Stellenleiterin der Fachstelle für Angehörige in Wil
Methodik:
Uwe Flick; Ernst von Kardoff & Ines Steinke (2000) beschreiben in ihrem Handbuch über
qualitative Forschung, dass gemäss Christiane Schmidt (S. 447 ff) bei der Analyse von
Leitfadeninterviews mit dem Bestimmen von Auswertungskategorien begonnen wird, indem
man die (transkribierten) Leitfadeninterviews genau liest. Ziel ist, zu jedem einzelnen
Interviewtranskript die vorkommenden Themen und Aspekte, die im weitesten Sinn mit der
Fragestellung zusammenhängen, zu notieren.
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Susanne Wipf
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Meine Fragestellung orientierte sich primär am Ziel, Experten-/ Expertinnenwissen von den
Interviewpartner / Interviewpartnerinnen zu erfahren. Mit den Fragen nach der Meinung der
Experten und Expertinnen zur Positionierung, Stellenbemessung und Standort der
Fachstelle, erhoffte ich mir, eine Identifikation und Beziehung zur zukünftigen Fachstelle
herstellen zu können.
In der Zusammenfassung der transkribierten Interviews, erstellte ich meine
Auswertungskategorien anhand der einzelnen Fragen.
Ziel der Zusammenfassung war es, durch aufzeigen der Gemeinsamkeiten, Unterschiede
und Festlegung von Kernaussagen, eine Übersicht zu den einzelnen Aussagen der Experten
und Expertinnen zu schaffen. Jeder einzelne Interviewpartner / Interviewpartnerin erhielt
danach eine zusammenfassende Auswertung und hatte dadurch zusätzlich einen Überblick
über Kernaussagen seiner Interviewkollegen / Interviewkolleginnen.
Diese übersichtliche Darstellung, bestehend aus Häufigkeitsangaben zu den einzelnen
Auswertungskategorien, trug zur Transparenz der qualitativen Studie bei.
Ergebnis:
Die jeweiligen Ergebnisse aus den Leitfadeninterviews stellte ich wie folgt unter dem Punkt
„Fazit der Projektleiterin“ dar:
Feedback zum Projektdesign:
Interne: Keine Interviewpartner/-partnerin hat sich negativ zum Auftragsprojekt geäussert, im
Gegenteil, alle internen Beteiligten bekundeten eine grosse Zustimmung.
Externe: Alle Interviewpartner/-partnerinnen begrüssen die Projektlancierung und werten
das Bestreben der PDAG als Signal in Richtung Angehörigenarbeit neue Wege zu gehen.
Erwartungen an das Projekt:
Interne: Interviewpartner/-partnerinnen erwarten durch die Gründung der Fachstelle eine
allgemeine Qualitätsverbesserung der Angehörigenarbeit in den PDAG und eine
Verbesserung in der Beziehung zu den Angehörigen ihrer Patienten und Patientinnen in den
PDAG.
Externe: Bei den Externen steht nebst der Verbesserung der Beziehung zu Angehörigen,
das Ernstnehmen ihrer Bedürfnisse und der Miteinbezug in die Behandlung im Vordergrund.
Erfahrungen in der Angehörigenarbeit:
Interne: Fachpersonen erlebten die Angehörigenarbeit in ihrer Arbeit in anderen Kantonen
als fester Bestandteil der Behandlung und erkannten, dass dies in den PDAG
verbesserungswürdig ist. Angehörigenarbeit wird grösstenteils als Bereicherung, aber oft
auch als Belastung gesehen.
Externe: Externe weisen nach ihren Erfahrungen auf Enttäuschungen und fehlende
Anerkennung durch Angehörige hin. Dies belastet die Beziehungen zu den behandelnden
Fachpersonen, die Angehörigen ziehen sich resigniert zurück und sind verunsichert.
Chancen und Gefahren:
Interne: Als Chancen werden die Vermittlung eines positiveren Bildes der Psychiatrie
gegenüber der Öffentlichkeit, eine Qualitätsverbesserung der Angehörigenarbeit und eine
verbesserte Position der Angehörigen innerhalb und ausserhalb der PDAG gesehen.
Als Gefahren werden die Kompetenzüberschreitung der Fachstelle und die Auslagerung von
Angehörigenarbeit aus dem Behandlungskonzept gesehen.
Externe: Die Externen begrüssen grundsätzlich das Projekt sehr, sind aber aus Erfahrung
oder aufgrund von Vorurteilen auch misstrauisch und äussern Bedenken. Der Aufbau der
Fachstelle bewirkt die Verbesserung der Beziehung zwischen Angehörigen nicht von Anfang
an. Erst durch Beziehungsaufbau, Anerkennung und Wertschätzung kann das Verhältnis
zwischen Behandelnden und Angehörigen längerfristig helfen negative Erfahrungen
abzubauen. Dadurch könnten zusätzliche Energien freigesetzt werden für eine konstruktive
Zusammenarbeit.
Projektbericht
Susanne Wipf
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Positionierung, Stellenbemessung, Standort
Interne: Alle Interviewpartner/-partnerinnen wünschen einen Standort im Klinikareal.
Als Stellenbemessung wird als Minimum 100% angegeben. Als Maximum wird ein Team von
3 Personen genannt, keine Stelle soll unter 50% sein.
Die Positionierung der Fachstelle innerhalb den PDAG wird von allen Personen als sehr
wichtig erkannt. Die Position der Fachstelle soll eine hierarchische Unabhängigkeit
gewährleisten.
Externe: Der Standort der Fachstelle wird von den Externen ganz klar im Klinikareal
gesehen. Aus der Erfahrung von Betroffenen wird der Ort der Klinik nicht als hemmend
empfunden sich Hilfe zu holen. Die Stellenbemessung liegt im Minimum etwas höher als die
der Angaben der Fachpersonen der PDAG. Bei der Frage der Positionierung gibt es klare
Bedingungen: Die Fachstelle soll möglichst unabhängig sein und freie
Handlungskompetenzen haben.
Ergebnis Beziehungsaufbau und Identifikation:
Alle Interviewpartner/-partnerinnen waren gut vorbereitet, indem sie sich mit den vor Beginn
des Interviews vorgelegten Fragen auseinandergesetzt und das Projektdesign gelesen
hatten. Im weiteren Verlauf der Projektarbeit erkundigten sie sich nach dem aktuellen Stand
und boten ihre Unterstützung an.
5.2 Networking
Eine Methode zur Vernetzung und um Kontakte zu knüpfen zu Experten und Expertinnen der
Angehörigenarbeit waren die Leitfadeninterviews.
Als weitere Methode wählte ich die Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon sowie das
persönliche Gespräch mit Fachleuten der drei bereits bestehenden Fachstellen für
Angehörige von psychisch Kranken in den Kantonen St. Gallen und Bern und dem Verein
VASK Aargau.
Das Ziel war es vom bereits bestehenden Erfahrungs- und Fachwissen profitieren zu können
und Unterstützung in der Projektarbeit zu finden.
Vernetzung mit der Zielgruppe VASK Aargau:
Als Aufgabe mit der obersten Priorität setzte ich mir die Vernetzung und den
Beziehungsaufbau mit der VASK Aargau zum Ziel. In persönlichen Gesprächen mit den
Vorstandsmitgliedern, Herrn Dieter Suter und Frau Dora Heggli, stellte ich das Projekt vor
und erfuhr gleichzeitig von den Aktivitäten und Organisationsstrukturen der VASK Aargau.
Als besonders bereichernd erlebte ich den direkten Kontakt mit Angehörigen und hörte von
ihren Erfahrungen mit erkrankten Angehörigen und behandelnden Fachpersonen.
Zu Beginn der Vernetzung begegnete ich aber auch Misstrauen gegenüber dem Projekt. Die
Vorstandsmitglieder äusserten anfänglich Bedenken, dass die Angehörigenarbeit verfachlicht
werden würde. Sie fürchteten zusätzlich Konkurrenz und den Ersatz der Freiwilligenarbeit mit
Angehörigen durch bezahlte Facharbeit. Durch regelmässigen Austausch und
Beziehungspflege konnten die Bedenken seitens der VASK Aargau aber beigelegt werden.
Ergebnis:
Anhand des folgenden E-Mail, das ich am 4. April 2009 von Herrn Suter erhalten habe, zeigt
sich der Erfolg der Vernetzungsarbeit:
„Besten Dank nochmals für das Gespräch von gestern. Ihre Erläuterungen haben uns
geholfen, das Projekt noch besser zu verstehen und uns damit zu identifizieren. Lassen Sie
mich die für uns wesentlichen Punkte zusammenfassen:
1. VASK Aargau befürwortet und unterstützt die Schaffung einer Fachstelle für Angehörige
2. Wir begrüssen und unterstützen eine organisatorische Eingliederung dieser Fachstelle,
welche ihr eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit innerhalb den PDAG gewährleistet.
Projektbericht
Susanne Wipf
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Eine Unterstützung durch einen gemischten "Beirat" erscheint uns sinnvoll und sollte im
Rahmen der Projektarbeit geprüft werden.
3. VASK Aargau ist offen und interessiert, bisher von ihr erbrachte Tätigkeiten in die
Fachstelle einzubringen, was in Zusammenarbeit im Projekt konkretisiert werden soll.
4. Für VASK Aargau stellt sich die Frage, welche Tätigkeiten / Leistungen sie in Zukunft als
Freiwilligen-Organisation weiterhin erbringen will und kann, und wo eine Unterstützung durch
die Fachstelle besonders hilfreich wäre.“
Vernetzung mit der Zielgruppe bestehende Fachstellen
Im Februar 2009 besuchte ich die Fachstelle der Psychiatrischen Klinik Nord in Wil und hatte
nebst dem Gespräch mit den Stellenleiterinnen, Frau Bettina Raschle und Edith Scherrer, die
Möglichkeit mit dem Verwaltungsdirektor, Herrn Hans Lüthard, über die Finanzierung der
Fachstelle zu sprechen.
Ergebnis:
Die aus dem Erfahrungswissen resultierenden und für das Projekt der PDAG relevanten
Aspekte, zum Beispiel über die Finanzierungsmöglichkeiten der Fachstelle, konnte ich für
meine Präsentation in der Kick-Off Veranstaltung im Leitungsgremium der PDAG im Mai
2009 verwenden.
Vernetzung mit der Zielgruppe Verein NAP
Mit der Stellenleiterin der Fachstelle der psychiatrischen Klinik in Bern, Frau Sybille Glauser,
führte ich mehrere Telefonate. Als Vizepräsidentin des Vereins NAP erfuhr ich vom
nationalen Netzwerk der Angehörigenarbeit Schweiz.
Ergebnis:
Für die Erstellung des Konzepts konnte ich der Internetseite www.angehoerige.ch
projektrelevante Daten entnehmen, wie zum Beispiel die Definitionen der Angehörigen oder
Angehörigenarbeit.
Vernetzung mit der Präsidentin NAP
Als Schlüsselperson Expertinnenwissen von Angehörigenarbeit in der Schweiz erwies sich
Frau Cornelia Christen, Bereichsleiterin Wohnheime psychisch Behinderte Heimstätten Wil
und Präsidentin NAP, die als Pionierin die erste Fachstelle für Angehörige in Wil aufbaute.
Ergebnis:
Sie stellte sich während der gesamten Projektzeit als Ansprechpartnerin zur Verfügung und
unterstützte mich in einer beratenden Funktion in fachlichen und strategischen Fragen der
Projektrealisierung.
5.3 Fachrecherchen
Methodik:
Für den theoretischen Bezugsrahmen griff ich vor allen Dingen auf die beiden Fachbücher
„Angehörigenarbeit in der Psychiatrie: Standortbestimmung und Ausblick“ sowie „Die Dritte
Dimension in der Psychiatrie: Angehörige, Betroffene und Professionelle auf einem
gemeinsamen Weg“ von Werner Binder und Wolfram Bender zurück.
Besonders die Ergebnisse des Münchner Psychosen-Informationsprojekt, PIP-Studie, die
von Josef Bäuml; Gabi Pitschel Walz & Werner Kissling beschrieben werden, ergaben für
mich interessante Erkenntnisse über den aktuellen Stand von psychoedukativen
Interventionen im deutschsprachigen Raum, die ich für die Konzepterarbeitung, Erstellung
von Präsentationen und in Verhandlungsgesprächen verwenden konnte.
Trotz ausführlichen Recherchen und Rücksprachen mit den Vereinsmitgliedern des NAP
konnte ich keine Fachliteratur oder andere wissenschaftliche Studien über Angehörigenarbeit
Psychiatrie in der Schweiz finden.
Ziel war es den Wert der Angehörigenarbeit in der Psychiatrie für den Verlauf von
Erkrankungen fachlich nachzuweisen und wissenschaftlich zu untermauern.
Projektbericht
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Ergebnis:
Aus dem Feedback der Zielgruppe, beschrieben im folgenden Kapitel 5.4, entnahm ich, dass
die Resultate meiner Fachrecherchen ihre Frage über Sinn, Zweck und Nutzen von
Angehörigenarbeit, zufrieden stellend zu beantworten vermochten.
5.4 Projekt-Präsentationen
Erstmals präsentierte ich das Projekt an der Geschäftsleitungssitzung vom 4. Mai 2009.
Zielgruppe:
Anwesend waren die Mitglieder der Geschäftsleitung (GL) der PDAG (CEO, Chefarzt KJPD,
PKF, EPD und Pflegedienstdirektorin).
Ziel war es die Geschäftsleitungsmitglieder zu informieren und sie von der Notwendigkeit
einer Gründung der Fachstelle zu überzeugen.
Methodik:
Die Vorbereitung benötigte viel Zeit, da mir im vornherein bewusst war, dass dies der
wichtigste Anlass für die Projektrealisierung sein wird. Projektcoach, Projektbegleiter HSLU
und Präsidentin NAP zog ich zur Unterstützung und zur Überprüfung der Qualität hinzu und
konnte von den verschiedenen Blickwinkeln profitieren.
Mein Referat habe ich nach folgenden Aspekten aufgebaut:
Ich erläuterte den Kontext, beschrieb die Problematik, die Wirkung von Angehörigenarbeit
und das angestrebte Ziel. Technisch unterstütze ich mein Referat in Form von PowerPoint
Folien.
Um auch die emotionale Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, nutzte ich einen
Erfahrungsbericht von Vreni Diserens, Präsidentin der Zürcher (VASK), den ich ihrem
Referat in der Klinik Breitenau (1989) entnahm.
Danach berichtete ich über den aktuellen Stand der Angehörigenarbeit (geleitete
Angehörigengruppen, Trialog-Gespräche und Selbsthilfegruppen in den PDAG) und stellte
sie in Bezug zur Quantität der behandelten Patienten/Patientinnen und ihren potentiellen
Angehörigen. Die Daten entnahm ich aus dem Jahresbericht 2007. In diesem Jahr wurden
rund 5`000 Patienten und Patientinnen in den PDAG behandelt. Die Zahl der Angehörigen ist
dabei nicht genau berechenbar, doch zeigte sich, dass das bestehende Angebot in
Angehörigenarbeit im Vergleich zur Anzahl Patienten und Patientinnen mit ihren
Angehörigen als zu gering zu erachten ist und die Notwendigkeit einer Fachstelle zur
Erweiterung des Angehörigenangebots gegeben ist.
Aus den recherchierten Daten aus der Fachliteratur und Aussagen der Leitfadeninterviews
verwies ich auf die Hindernisse, die die psychiatrische Angehörigenarbeit erschweren.
Anhand der PIP-Studie machte ich anschliessend auf den wirtschaftlichen Aspekt der
Angehörigenarbeit aufmerksam und beendete die Präsentation mit der Vision der Eröffnung
der Fachstelle im Januar 2010.
Ergebnis:
Das Zielpublikum (GL-Mitglieder) stellte bereits während des Referates Fragen und beteiligte
sich aktiv an der anschliessenden Diskussion. Alle GL-Mitglieder bekundeten am Ende der
Präsentation, dass sie der Gründung einer Fachstelle zustimmen und das Projekt
unterstützen.
Die zweite Präsentation fand an der Fortbildungsveranstaltung der Kadermitarbeitenden der
PKF am 01.09.2009 zum Thema Angehörigenarbeit in der psychiatrischen Klinik
Königsfelden statt.
Zielgruppe:
Zum Kader der Klinik gehören der Chefarzt, die Pflegedienstdirektorin bzw. deren
Stellvertreter und Führungspersonen der dualen Leitung Oberarzt/Oberärztin und
bereichsleitenden Pflegefachpersonen, ferner die Leitung Therapien sowie Sozialarbeit.
Schwerpunkt der Fortbildungsveranstaltung war die Haltung gegenüber der Angehörigen zu
Projektbericht
Susanne Wipf
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reflektieren. Nach mehreren Berichten aus den einzelnen Stationen der Klinik hatte ich ca.
45 Minuten Zeit das Projekt vorzustellen.
Methodik:
Diesmal legte ich den Schwerpunkt der Präsentation auf die Vorstellung des Konzeptes der
Angehörigenarbeit. In Form einer Powerpoint-Präsentation stellte ich konkret die einzelnen
Funktionen der geplanten Fachstelle und der rechechierten Daten der bereits bestehenden
Fachstellen vor.
Ziel war es den Kadermitarbeitenden der psychiatrischen Klinik Königsfelden den Nutzen der
Fachstellenarbeit näher zu bringen.
Ergebnis:
Das Zielpublikum beteiligte sich aktiv an der Diskussion. Sie stellten zum Teil auch kritische
Fragen zur Notwendigkeit, zur Positionierung innerhalb den PDAG und zur Konkurrenz
gegenüber der bereits bestehenden Angehörigenarbeit. Gerade auch diese kritischen
Einwände, zeigten mir als Projektleiterin die Bereitschaft sich aktiv mit dem Projekt
auseinanderzusetzen.
5.5 Konzeptarbeit
Ziel war es mit der Konzepterarbeitung über Angehörigenarbeit in den PDAG ein
Instrumentarium zu erstellen, das wegbereitend ist für die finanzielle und ideelle Realisierung
der zukünftigen Fachstelle sein soll. Dieses Ziel entstand aus der Erkenntnis der aktuellen
Situation, Kapitel 2.1, die besagt, dass in den PDAG die Angehörigenarbeit fallbezogen und
in den verschiedenen Abteilungen mit unterschiedlicher Intensität umgesetzt wird und bis
heute keine bereichsübergreifenden und nachhaltigen Konzepte bestehen.
Zielgruppe:
Behandelnde Fachpersonen in den PDAG.
Methodik:
Für die Konzepterarbeitung kontaktierte ich Frau Cornelia Christen, die bereits Konzepte
über Angehörigenarbeit für mehrere Psychiatrische Kliniken verfasst hatte. Ich fragte sie, ob
ich für das Konzept ihr Dokument als Vorlage verwenden dürfe. Mit ihrer Erlaubnis
verwendete ich das Konzept, das sie für die Psychiatrische Klinik Waldau geschrieben hat,
paraphrasierte die einzelnen Kapitel und passte sie den Normen der PDAG an.
Ergebnis:
Entstanden ist ein ca. 10-Seitiger Konzeptentwurf, dessen Inhalt ich für meine
Projektpräsentationen, als Basis in Verhandlungsdiskussionen und für den
Finanzierungsantrag an das DGS verwenden konnte.
5.6 Finanzierung
Im April 2009 hat der Projektcoach, Herr Dr. med. Roman Vogt, für den Budgetprozess der
PDAG zur Finanzierung der Fachstelle im Jahre 2010 den Betrag in Höhe von150`000 SFr.
eingegeben.
Ziel ist es der Erhalt eines Leistungsauftrages vom Departement Gesundheit und Soziales
(DGS) des Kantons Aargau über vier Jahre.
Methodik:
Zur Beantragung der Finanzierung der Fachstelle bedarf es des Notwendigkeitsnachweises
dieser Stelle, die ich anhand des Konzepts über Angehörigenarbeit, Fachliteratur und
Experten-/ Expertinnenbefragung erarbeitet habe. Erfahrungswissen der bestehenden
Fachstellen und Vernetzung mit dem Verein Angehörige von Schizophrenie / Psychisch
Kranken (VASK) Kanton Aargau, dem Verein Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie (NAP)
und der Stiftung Koordination Selbsthilfe Schweiz (KOSCH) bilden eine wichtige Basis für die
Argumentation in Verhandlungen mit dem DGS.
Aus diesen Daten konnte ich die Zielsetzung der Projektidee und die Zielgruppen bestimmen
sowie das Angebot der Dienstleistung der Fachstelle ermitteln.
Projektbericht
Susanne Wipf
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Ob die Finanzierung der zukünftigen Fachstelle gewährleistet wird, entscheidet
schlussendlich der Markt. Niemand kann heute davon ausgehen, dass man für Projekte
Mittel erhält, um die Ziele seiner Organisation zu verwirklichen (Markus Kopp, 2008).
Ergebnis:
Herr Max Neuhaus, Leiter Gesundheitsversorgung Departement Gesundheit und Soziales
hat den Projektcoach und mich eingeladen, das Projekt am 26.10.2009 vorzustellen.
Hinweis: Aus personellen Gründen (plötzlicher Abgang Hr. Neuhaus) wurde diese
Besprechung von Seiten DGS kurzfristig auf einen späteren Zeitpunkt mit einer neuen, noch
nicht bestimmten Ansprechperson verschoben.
5.7 Politische Unterstützung
Herr Geri Müller, Nationalrat (NR) Grüne Partei sowie ehemaliger Psychiatriepfleger mit
Ausbildung in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden, unterstützte das Interventionsprojekt
in einer beratenden Funktion, um wichtige Grundlagen für die Projektrealisierung gegenüber
dem Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau nicht zu übersehen.
Nach dem Bedarfsnachweis einer Fachstelle für Angehörige von psychisch Kranken im
Kanton Aargau, war die schrittweise Erarbeitung eines Arbeits- und Finanzierungskonzeptes
zur Vorlage beim DGS mit dem Ziel der Sicherung der Finanzierung der Fachstelle, als
nächstes kurzfristiges Ziel geplant.
Methodik:
Der schrittweise Kontaktaufbau zur Entscheidungsträgerin in der Politik, konkret zu Frau
Regierungsrätin (RR) Susanne Hochuli, erfolgte über Herrn Nationalrat Geri Müller. Der
Kontaktaufbau zum CEO PDAG lief über den Projektcoach als Mitglied der Geschäftsleitung
PDAG.
Ergebnis:
Erstes Ergebnis waren die vorbereitenden Treffen und Austausch mit Herrn NR Geri Müller
und dem Projektcoach.
Am 14.08.2009 fand die gemeinsame Sitzung mit CEO, Herrn Christoph Ziörjen, statt.
Folgende Vereinbarungen wurden getroffen:
-
CEO sichert die Finanzierung der Infrastruktur durch die PDAG zu.
(Büroräumlichkeiten, PC, Telefon usw.)
Projektleiterin in Zusammenarbeit mit dem Projektcoach fasst das Konzept
auf ca. 2 Seiten zusammen für den Antrag an das DGS
Herr NR Geri Müller kontaktiert Frau RR Hochuli zur Empfehlung des Projekts
Ende August erwähnte der Projektcoach das geplante Projekt bei einem gemeinsamen
Treffen mit RR Frau Hochuli und Herrn Neuhaus, worauf sich Frau RR Hochuli für die
Konzeptunterlagen des Projekts interessierte und Herr Neuhaus die Möglichkeit einer
Sonderfinanzierung in Betracht zog.
Nach Erhalt der Unterlagen erfolgte seitens des DGS eine Einladung für den Projektcoach
und die Projektleiterin.
6.
SCHLUSSFOLGERUNGEN UND PERSPEKTIVEN
6.1. Nachhaltigkeit
Nach einem Jahr intensiver Projektarbeit ergeben sich wichtige Fragen: „Was bleibt vom
Projekt, wenn die Fachstelle aus finanziellen Gründen (noch) nicht gegründet werden kann?
Projektbericht
Susanne Wipf
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Was kommt, wenn die Fachstelle ihre Türen im Jahr 2010 öffnen kann? Wer profitiert in
Zukunft von diesem Projekt?“
Mögliche Antworten könnten sein:
Keine Fachstelle PDAG
Fachstelle PDAG ab 2010
Der Konzeptentwurf über
Angehörigenarbeit, basierend auf dem
Erfahrungswissen der bestehenden
Fachstellen, ist eine Grundlage für weitere
Konzeptentwicklungen in Richtung
Angehörigenarbeit.
Der Konzeptentwurf über
Angehörigenarbeit, basierend auf dem
Erfahrungswissen der bestehenden
Fachstellen, ist die Grundlage für
Konzeptentwicklungen und den Aufbau der
Fachstelle.
Vernetzung mit VASK, NAP und
bestehenden Fachstellen wurden hergestellt,
vertieft oder erneuert. Beziehungen können
bei weiteren Themen der Angehörigenarbeit
wiederhergestellt werden.
Wissenschaftliche Bezüge aus der
Projektarbeit vermitteln neue Erkenntnisse in
der Angehörigenarbeit oder rücken bereits
bestehendes Fachwissen ins Bewusstsein.
Resultate aus den Leitfadeninterviews
sind Dokumente über den aktuellen Stand
der Angehörigenarbeit in den PDAG im Jahr
2009.
Vernetzung mit VASK, NAP und
bestehenden Fachstellen wurden hergestellt,
vertieft oder erneuert. Beziehungen können
bei Eröffnung der Fachstelle intensiviert,
erweitert und vertieft werden.
Wissenschaftliche Bezüge sind Grundlage
des Handlungsbedarfs der Fachstelle und
sind wegleitend im Umgang mit Angehörigen.
Politische Unterstützung kann durch den
entstandenen Beziehungsaufbau evt. für
andere Projekte fortgesetzt und genutzt
werden.
Politische Unterstützung kann durch den
entstandenen Beziehungsaufbau für die
Fachstellenarbeit genutzt und evt. Für
weitere Projekte fortgesetzt werden.
Resultate aus den Leitfadeninterviews sind
wichtige Meilensteine für die Entwicklung der
Fachstelle und dienen der Überprüfung, ob
die Erwartungen oder Befürchtungen
eingetroffen sind.
6.2. Abschliessende Schlussfolgerungen
Die Qualitätsmerkmale einer Klinik und einer ambulanten Einrichtung bestehen heute auch
darin, wie mit Angehörigen umgegangen wird. Dass ihr Einbezug nicht nur auf dem Papier
oder in schönen Worten bestehen kann, versteht sich von selbst. Sichtbare Zeichen für ein
gutes Verhältnis einer Institution zu den Angehörigen sind zum Beispiel der Hinweis auf die
örtliche Angehörigen-Selbsthilfe, die Auslage der Angehörigen-Programme, Verfügbarkeit
eines Raumes für Sprechstunden von Angehörigen für Angehörige und die regelmässige
Einladung einer Angehörigenvertreterin oder eines Angehörigenvertreters zur
Hauskonferenz. Diese Auflistung zeigt nur einige Aufgaben einer Fachstelle für Angehörige
von psychisch Kranken auf.
Und schliesslich sollte der Mythos des schwierigen Angehörigen, der alle Angehörigen über
einen Kamm schert, ebenso der Vergangenheit angehören wie der, der alle Psychiater und
Psychiaterinnen als nicht kooperationswillig hinstellt.
Ich hoffe, dass meine Projektarbeit nicht mit schönen Worten auf dem Papier bleibt, sondern
durch eine gesicherte Finanzierung realisiert werden kann.
Projektbericht
Susanne Wipf
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7.
QUELLENVERZEICHNIS
Uwe Flick; Ernst von Kardoff & Ines Steinke (2009). Qualitative Forschung, Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg:
Rowohlt Taschenbuch Verlag.
Binder Werner, Bender Wolfram (1998). Angehörigenarbeit in der Psychiatrie –Standortbestimmung und Ausblick.
Köln: Claus Richter Verlag.
Binder Werner, Bender Wolfram (2003). Die dritte Dimension in der Psychiatrie: Angehörige, Betroffene und
Professionelle auf einem gemeinsamen Weg. Köln: Claus Richter Verlag.
Benz, Petra (2008). Unterrichtsmaterial Projektmethodik. Luzern: HSLU.
Schiersmann, Christiane; Thiel, Heinz-Ulrich (2000). Projektmanagement als organisationales Lernen. Obladen:
Leske + Budrich.
Christen, Cornelia (2007). Konzept Angehörigenarbeit. Wil: Unveröffentlichtes Skript der Präsidentin Verein
Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie.
Stremlow, Jürgen (2000). Kurzbeschrieb Leitfadeninterviews. Luzern: HSLU.
Diserens, Vreni (1989). Referat: Wünsche der Angehörigen an die Psychiatrie. Schaffhausen: Unveröffentlichtes
Skript der Präsidentin VASK Zürich.
Kopp, Markus (2008). Unterrichtsmaterial Projektmethodik. Luzern: HSLU.
Modulführer (2008). Modul 101 Praxisprojekt Sozialarbeit.Luzern: HSLU.
Recherchen im Internet
Psychiatrische Dienste Kanton Aargau AG. Homepage der Psychiatrischen Dienste Kanton Aargau AG.
Organigramm PDAG. Gefunden am 20. März 2009 unter www.pdag.ch
Psychiatrische Dienste Kanton Aargau AG. Homepage der Psychiatrischen Dienste Kanton Aargau AG.
Leitbild PDAG. Gefunden am 20. März 2009 unter www.pdag.ch
Angehörigenarbeit Psychiatrie (NAP). Homepage NAP. Gefunden am 12. Februar 2009 unter
http://www.angehoerige.ch/netzwerk/netzwerk.htm
8.
ANHANG
8.1. Leitbild PDAG
8.2. Zusammenfassung Leitfadeninterviews
8.3. Konzept
8.4. Zusammenfassung Konzept
Projektbericht
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8.1. Leitbild PDAG
Projektbericht
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8.2. Zusammenfassung
Leitfadeninterviews
Projektbericht
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07.11.2009
8.3. Konzept
Projektbericht
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8.4. Zusammenfassung Konzept
Projektbericht
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