Lexikologie

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Lexikologie
Aus dem griech. „ lexikos“ + „ logos“
sich auf das Wort beziehend
die Lehre
- ist eine relativ junge Disziplin der Sprachwissenschaft. Seit dem Jahre 1960 ist die
Lexikologie eine selbständige Universitätsdisziplin.
Lexikologie
-
ist Lehre vom Wortschatz
ist eine sprachwissenschaftliche Disziplin, die den Wortschatz einer Sprache
betrachtet ( früher wurde sie Wortkunde genannt )
untersucht und beschreibt die Struktur, Bildung, Funktion der Elemente der Sprache
untersucht auch die Beziehung zwischen Sprache und Denken, die Grundfunktion aller
Worte  Benennungsfunktion. Das Wort dient als sprachliche Repräsentation von
Begriffen
Lexikologie steht im Schnittpunkt weiterer Wissenschaften, sie ist eng mit anderen
Disziplinen verbunden.
Beziehungswissenschaften der Lexikologie:
Philosophie
Logik
Lexikologie
Lexikologie
Psycholinguistik
Textlinguistik
Psychologie
Kommunikationswissenschaft
Literaturwissenschaft
Soziolinguistik
Lexem
-
Beziehungseinheit der Lexikologie, alle Elemente der Lexik, die als Beziehungs- und
Bedeutungseinheiten in festen strukturellen Beziehungen stehen, als Ganzes im
Bewusstsein gespeichert und reproduziert werden.
Zu den Lexemen gehören:
-
Einzelwörter ( Autosemantika )
Wortpaare z.B.: fix und fertig
Funktionsverbgefüge z.B.: in Beziehung stehen
Phraseologismen z.B.: bessere Hälfte
1
Lexeme haben kognitive (Sprache als Mittel zum Denken) und kommunikative Funktion.
Erst werden sie im Gehirn gespeichert und dann reproduziert.
Lexikon = gesamte Bezeichnung für den Wortschatz einer Sprache.
- das strukturierte Inventar der Lexeme  Lexeme sind die Einheiten des Systems
Funktion der Lexeme:
-
-
bezeichnen das Einzelne und den konkreten Begriff
sind Mittel der Übernahme und der Aneignung von gesellschaftlichem Wissen 
Urteile, Wertungen
gleichzeitig sind sie Medien der Kommunikation und sollen unsere Sprachintentionen,
Wünsche, Aufforderungen ausdrücken
sie sind die wichtigsten Mittel, sie teilen etwas über die soziale Einstellung des
Sprechers mit
haben sog. Indizfunktion, können jemanden ganz deutlich bezeichnen, dh. geben
Auskunft über ihren Nutzer  aus welcher sozialen Schicht er kommt, welche
Ausbildung er hat, charakterisieren den Menschen, seinen Intellekt  tragen
Merkmale der Zeit, des Alters, der Herkunft, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe...
wir können den Sprecher oder den Schreiber identifizieren
sie helfen die stilistische Ebene zu identifizieren:
Hochdeutsch
 in bestimmter Situation
Slang
 benutzt man bestimmte
Umgangssprache Lexeme ( Wörter )
Wortschatz
-
strukturiertes Inventar der Lexeme, eine integrative Komponente des Sprachsystems
( man kann mit Worten ohne Grammatik „sprechen“, aber ohne Lexik kann man nicht
kommunizieren )
(mit dem Wort lernen wir gleichzeitig die Aussprache, syntaktische Regel, wie das
Wort grammatisch geformt wird, mit welchen Wörtern kann ich das Wort verbinden,
wann und wie man das Wort benutzen soll)
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Teildisziplinen der Lexikologie:
1. Semasiologie ( Semantik ) = Bedeutungslehre
- fragt, welche Bedeutung ein Wort im bestimmten Kontext oder in der
bestimmter Situation hat
- untersucht die Beziehungen der Bedeutungen
- die Bedeutungsbeziehungen spielen eine wichtige Rolle in der Stilistik und in der
Textlinguistik
2. Onomasiologie = Bezeichnungslehre
- aus dem griech. „ onoma“  Name
- fragt danach, wie man bestimmte Sachen bezeichnen kann
- die Ergebnisse werden dann in Sachwörterbüchern benutzt
3. Etymologie = die Lehre von der Herkunft der Wörter
- aus dem griech. „etymos“  ursprünglich Urform des Wortes
- untersucht, wo kommt ein Wort her, seine Entwicklung, Verwandtschaft mit den
anderen Wörtern  zeigt die Kulturgeschichte eines Volkes
4. Lexikographie
- beschäftigt sich mit der theoretischen und praktischen Bearbeitung der Wörterbücher
- ist besonders eng mit der Lexikologie verbunden
- die Ergebnisse werden in Lernwörterbüchern benutzt, z.B.: DaF -Wörterbuch
5. Wortbildungslehre
- untersucht die Bildung neuer Wörter, beschreibt bestimmte Muster und Modelle,
Regeln, nach denen neue Wörter entstehen
- steht im Mittelpunkt zwischen Syntax und Morphologie
- der Bildungsprozess hat etwas mit dem Bedeutungsprozess zu tun  Veränderung
der Bedeutung bei der Bildung neuer Wörter
6. Phraseologie = Lehre von den festen Wortgruppen ( Idiomen )
- das jüngste Teilgebiet der Lexikologie
- sie beschäftigt sich mit idiomatischen Wortgruppen ( festen Wortverbindungen )
- Phraseologismen sind syntaktische Fügungen, ihre Wortverbindung hat eine völlig
andere Bedeutung, werden auch nach syntaktischen Regeln gebildet. Sind
Sache des Wortschatzes (Elemente, die die Sprache bunt machen) , weil sie wie
Einzelwörter behandelt werden
7. Onomastik = die Namenkunde
- beschäftigt sich mit der Erforschung der Eigennamen ( Nomina Propria ) dh.:
Personennamen, Ortsnamen, Ländernamen usw. und ihrer
Bedeutung, Entstehung und räumlichen Verbreitung
- sie braucht immer die Ergebnisse der Lexikologie, ohne Thesen der Lexikologie
könnte sie nicht existieren
- die Eigennamen sind auch Zeugnisse über die Menschen, man erkennt an ihnen die
kulturelle Entwicklung und die Veränderungen eines Landes
3
Nachbardisziplinen der Lexikologie:
a) Phonologie
s Phonem = die kleinste Einheit der Sprache, die einzelnen Phoneme dienen dazu,
sprachliche Zeichen zu unterschieden
- ein distinktiver Merkmale
- Trubeckoj hat sich damit beschäftigt
b) Grammatik
Die Wörter treten im Kontext auf werden nach den grammatischen Regeln gefügt
c) Syntax
- Syntaktisch freie WG und auch Phraseologismen z.B. , denn sie werden trotz ihrer
neuen Bedeutung nach syntaktischen Regeln gefügt
d) Stilistik
- die stilistischen Ebenen sind zu unterscheiden, man muss wissen, welche Lexeme
kann man in bestimmten Situation benutzen  Synonyme, Homonyme usw.
Lexikologie = fragt nach dem Wesen der lexikalischen Einheiten, nach ihren Funktionen im
Erkenntnis und Kommunikationsprozess, nach den Eigenschaften, sie beschäftigt sich damit,
welche Triebskräfte, Ursachen und Bedingungen es für Veränderungen im Lexikon gibt.
Lexikographie = beschäftigt sich mit der Praxis und Theorie der Erarbeitung der
Wörterbücher
Lexikon = aus dem griech. „biblion“ = Wörterbuch
- erfasst Nachschlagewörter, die nach bestimmten Prinzipien angeordnet und
alphabetisch geordnet sind
Lexika = dienen vorrangig der Sprachinformation, sind nach verschiedenen Gebieten
geordnet
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Historische Entwicklung der Wörterbücher
• Seit dem 8.Jh. ⇒ lateinischer Glossare
• 15.Jh. ⇒ Übersetzungswörterbücher, deutsch ↔ lateinisch, deutsch ↔ griechisch
( lateinisch und griechisch gehören unter die klassische alten Sprachen )
• 1536 ⇒ Dictionarium latino – germanicum
• 17. Jh. ⇒ gab es mehr wissenschaftliche Einsätze, es entstanden die etymologische
Wörterbücher
• 1741 ⇒ das erste deutsche historische Wörterbuch, die Erklärungen sind aber auf lateinisch
Das erste deutsche synchrone Darstellung des Wortschatzes - Adelung
- es geht um ein fünfbändiges Wörterbuch, man bezeichnet es als ein
Beispiel für die historischen Wörterbücher
• 19. Jh. ⇒ in dieser Zeit entwickelt sich die historisch -vergleichende Methode,
so genannte Sprachwissenschaft. Man will mehr über die Bedeutung und Herkunft
der Wörter wissen
wissen
Das bedeutendste Wörterbuch :
Deutsches Wörterbuch - Jacob und Wilhelm Grimm
- erste Lieferung im Jahre 1852, beendet im Jahre 1961. Umfasst
Quellangaben, etymologische Angaben, grammatische Angaben, wird
als Vorbild des Wörterbuches bezeichnet
Wörterbücher der Gegenwartssprache
Im 20. Jh. erschienen viele Wörterbücher, die entweder einbändig oder mehrbändig sind.
Großes Wörterbuch - Wahrig, 1968
Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache - Klappenbach, Steinitz
- gibt stilistische Angaben, grammatische Merkmale, Mustersätze…
Großes Wörterbuch - DUDEN ,Mannheim , 1976 – 1981
- hat 6 Bände
Handwörterbuch der deutschen Gegenwartssprache - Kempcke, 1984
- hat 2 Bände
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Arten von Wörterbüchern
Sprachwörterbücher
ein-
zwei-
Sachwörterbücher
mehrsprachig
FachWB
Enzyklopädien
diachron synchron
1.Diachrone Wörterbücher
a) Historische Wörterbücher = verfolgen Entwicklung eines Lexems vom Anfang bis
heute, auf den verschiedenen Stufen der Sprache
Z.B.: Deutsches Wörterbuch - J. und W. Grimm – umfasst den Wortschatz vom
8.Jh.bis heute
Deutsches Wörterbuch - Herman Paul, Halle, 1897 – 1993
- einbändig, umfasst den Wortgebrauch, Änderung der Lautgestalt, Entwicklung
des Wortes. Der Nachteil dieses WBs – kommt vor allem aus der
Literatursprache.
b) Etymologische Wörterbücher = verfolgen Herkunft, Geschichte, Verwandtschaft zu
den anderen Wörtern
Z.B.: Etymologisches Wörterbuch – Kluge/ Götze
Kleines etymologisches Wörterbuch
Das Herkunftswörterbuch - DUDEN, Mannheim 1989 - umfasst deutsche
Wörter und auch die Fremdwörter, hier werden auch die Wortfamilien gezeigt
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2.Synchrone Wörterbücher
Untersuchen den Wortschatz der Sprache in einem bestimmten Zeitabschnitt.
Synchrone Wörterbücher
Bedeutungswörterbücher
Frühere Sprachgebiete
Gegenwart
NormativeWB
Ortograph.WB
StilistischeWB
Ortoep.WB
A: Bedeutungswörterbücher
- durch die Definitionen, Synonyme und Umschreibungen erklärt man die Bedeutung
der Wörter.
Z.B.: Wörterbuch von Klappenbach, Steinitz – umfasst die Bedeutung, Stilistik,
Grammatik, Musterbeispiele den Sätzen mit diesen Wörtern
Handwörterbuch – hat 2 Bände, mit 60 000Stichwörtern, umfasst den Wortschatz
der letzten 30 Jahre
Deutsches Wörterbuch - Wahrig, Gütersloh 1986 ( zweite Ausgabe ) – einbändig,
bei jedem Lexem ist die Rechtschreibung, Silbentrennung, Ausspracheformen
DUDEN – hat 10 Bände = es ist Standard der deutschen Sprache.
1. Rechtschreibung
2. Stilistisches Wörterbuch
3. Bildungswörterbuch
4. Grammatik (aber ist nicht die modernste. Helbig / Buscha ist moderner )
5. Fremdwörter
6. Aussprachewörterbuch
7. Etymologisches Wörterbuch
8. Sinn- und sachverwandte Wörter
9. Richtiges und gutes Deutsch
10. Bedeutungswörterbuch
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B: Wörterbücher, die die Vergangenheit untersuchen
Z.B.: Althochdeutsches Wörterbuch - Gasterstädt, Fring
Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch - Lexer
C: Wörterbücher unter bestimmten Teilaspekt
1.Stilistischer und semiologischer Aspekt:
Das Stillwörterbuch - Henrik Becker – zu jedem Wort sind hier verschiedene Anwendungen
Wörter und Verwendungen - Agricola – 8000 Wörter, zu jedem Lexem sind hier viele
Verwendungen
Synonymwörterbuch
Wörter und Gegenwörter - Agricola,C./ Agricola, Leipzig 1979 – Antonyme
Gleich gesprochen verschieden geschriben, 1988 – Homonyme
2.Grammatisch - semantischer Aspekt:
- spielen eine große Rolle bei den sogenannten Valenzwörterbüchern. Die
bekanntesten sind von Helbig, Sommerfeld und Schreiber. Diese WB sind sehr
praxisorientiert. Sie haben den Wortschatz auf der Ebene der „parole“ ( Text,
Kommunikation ) erforscht, mit statistischen Methoden zusammengetragen und
danach qualitativ untersucht. Es werden die syntaktischen und die semantischen
Umgebungen von Substantiven, Verben und Adjektiven untersucht =
Verknüpfungsmöglichkeiten – was kann man womit verwenden.
Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben – Helbig, Schenkel
Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Adjektive- Sommerfeldt, Schreiber
Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Substantive- Sommerfeldt, Schreiber
Hilfsmittel für Studenten der Germanistik sind auch sog. „ kleinere Ausgaben“
Das Lexikon deutscher Präpositionen – Schrüder
Das Lexikon deutschen Konjunktionen
Das Lexikon zum Artikelgebrauch- Grimm ( nicht mit Gebrüder Grimm zu tun )
- die „Bibel“ der Germanistikstudenten
3. Soziolinguistischer Aspekt:
- gibt die geographische Herkunft
Z.B.: Berlinisch – 1986, Schild – gibt eine Einführung in die Entstehung der Berliner Mundart
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Mundartwörterbücher = die sozialen Status, soziale Zugehörigkeit zu einer bestimmten
sozialen Gruppe zeigen - auch das findet seine Widerspiegelung in WBn.
Dadurch entsteht nämlich ein bestimmter Wortschatz, ein sogenannter Gruppenspezifischer
Wortschatz z.B.: Gsw, der Bauern, der Handler, der Sportler, der Jugendlichen – besonders
dieser hat ziemlich phantasievolle Bezeichnungen. usw.
Es gibt auch ein Wörterbuch des Rotwelsch – es ist die deutsche Gaunersprache – die
Sprache der Verbrecher- Sie haben ihre eigene Ausdrucksweise für verschiedene Dinge.
Der Begriff Individualwörterbuch – der Wortschatz von Einzelpersönlichkeiten wird
untersucht. Es gibt beispielweise Wörterbücher, die den Wortschatz von Goethe, Kleist oder
Lessing untersucht haben.
4. Fremdwörterbücher:
– sie geben Auskunft über die Bedeutung, Rechtschreibung, Aussprache und Herkunft von
Fremdwörtern in verschiedener Weise.
Z.B.: Großes Deutsches Fremdwörterbuch – Hans Schulz, Berlin 1988
- die Wortklassen werden dargestellt, Angaben zur Herkunft, Etymologie und
zum Zeitpunkt der Aufnahme des Wortes in den Wortschatz (wann wurde das Wort in
den Wortschatz übernommen?)
- besonders wertvoll sind Angaben zum syntaktischen und syntagmatischen Gebrauch
( Verknüpfungsmöglichkeiten )
Es gibt auch sogenannte rückläufige Wörterbücher - die Stichwörter sind nach dem letzten
Buchstaben angeordnet ( gut für Dichter, die Reime bilden )
Mater – 1983 – 140 000 Stichwörter hat er untersucht, gibt keine grammatischen und
semantischen Angaben. Orientiert sich nur auf die Darstellung nach dem letzten
Buchstaben. Ein solches WB ist besonders bei Untersuchungen im Bereich der
Wortbildung sehr wichtig (es gibt z.B.: 9000 verschiedene Belege und Endungen
Auf - nne )
5.Andere Aspekte:
Wörterbücher, die den öffentlichen Sprachgebrauch beschreiben und kritisieren:
Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist ( brisant = explosiv ) – es wird dort der
Wortschatz aufgeführt, den die Politiker verwenden
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Abkürzungen – Komprimierung der Sprache
Das große Abkürzungswörterbuch von Koblischke – 33 000 Abkürzungen, Kurzwörter,
Zeichen und Symbole aus allen wichtigen Gebieten des Lebens ( Abkürzungen gewinnen
mehr und mehr der Bedeutung )
Wörterbuch der Sprachschwierigkeiten – Untertitel : Zweifelsfälle, Normen und
Varianten- Kempcke, Druckert, Leipzig 1984 ( nach der Wende ist neu verlegt worden )
- ein kleines Werk, umfasst spezielle Fälle, welche den Ausländern Schwierigkeiten
machen – orthographische, grammatische uns stilistische Sicht.
Normative Wörterbücher – legen Normen fest, nach denen man sich richten muss.
Z.B.: die orthographischen Wörterbücher ( DUDEN u.a.)
die orthoepischen Wörterbücher – Aussprachenwörterbücher – legen die
Aussprachennormen fest, die man lernen muss, damit man in einer Sprachgemeinschaft
verstanden wird.
Wort und Wortschatz, die Sprache als Zeichensystem
Wenn man sich mit der Sprache beschäftigt, spielt die Beziehung zwischen der Sprache und
der objektiven Realität eine große Rolle. Die Menschen sind gesellschaftliche Wesen, sie
brauchen die Sprache. Bei der Erfüllung von gemeinsamen Aufgaben benötigen sie unter
anderem die Sprache.
Die Sprache hat zwei Hauptfunktionen :
1. kognitive Funktion = Erkenntnisfunktion
Sprache als Mittel für die Formulierung und den Ausdruck von Gedanken im
Erkenntnisprozess
2. kommunikative Funktion
Sprache als Mittel zur Verständigung in der Gesellschaft.
Instrument zum Austausch von Informationen zwischen Sprecher ↔Hörer,
Schreiber ↔Leser
Wenn die Sprache diese zwei Funktionen erfüllen will, braucht sie ein sprachliches System.
Das System muss so beschaffen sein, dass man damit eine große Menge von Informationen,
Äußerungen machen kann, die beliebig erweitert werden können, die wiederholt werden
können.
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Unser Sprachsystem besteht aus invarianten Elmenten und Regeln - als funktionale
Einheiten betrachtet. Diese funktionalen Einheiten sind :
- eine Zuordnung von Lautkörper ( Formativ ) und Bedeutung im Bewusstsein des
Menschen gespeichert.( Lexeme )
Ferdinand de Saussure
- bezeichnet die sprachlichen Zeichen als bilaterale Einheiten, die in der Zuordnung von
Lautkörper zu Bedeutung im Bewusstsein gespeichert werden.
( Bilaterale =Zuordnung der Lautfolge zur Bedeutung )
Diese Zuordnung kann historisch gewachsen sein, aber auch konventionell festgelegt werden.
( z.B.: Terminologien der Wissenschaften. )
Die menschliche Sprache = primäres Zeichensystem, sie besteht aus Zeichen, die nach
den grammatischen Regeln, nach kommunikativen Bedingungen für uns verwirklicht
sind.
Das Wort = eine sprachliche Einheit, ei sprachliches Zeichen, eine Grundeinheit der
Sprache.
Das Wort kann man auf verschiedener Ebenen untersuchen, uns interessiert besonders die
lexikalisch - semantische Ebene.
Das Wort ist eine Invariante, aber in der Kommunikation wird das Wort grammatisch geformt
und es wird benutzt in Varianten → als phonemisch – graphemische Variante oder als
lexikalisch – semantische Variante.
Wenn man das Wort untersuchen will, dann muss man davon ausgehen, dass sich das Wort im
Schnittpunkt verschiedenen Ebenen befindet. Einmal ist das Wort eine phonologische Einheit
und besteht aus zwei oder mehreren Phonemen. Auf der graphemischen Ebene ( geschrieben )
kann man das Wort formal definieren als eine Zeichenfolge zwischen zwei Leerstellen.
Die morphologische Gestalt eines Wortes ist zu erfassen durch die Gliederung der
Morpheme.
Das Morphem = ist das kleinste bedeutungstragende sprachliche Zeichen.
Die Morpheme unterschiedet man je nach der Funktion und Bedeutung.
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Allgemein teilen wir die Morpheme in drei Gruppen ein:
1. Wortbildungsmorpheme = Präfixe, Suffixe
- sie dienen zur Bildung neuer Wörter
- der Bestand der WbM ändert sich ständig – mit den verschiedenen Strukturen in der
Gesellschaft.
( - heit, - keit, - lich, - ig....)
2. Flexionsmorpheme ( 63 im Deutschen )
- können vollständig aufgezählt werden, bilden keine neuen Wörter, verändern nur die
grammatischen Formen des Wortes.
- sind polyfunktionell  können verschiedene grammatische Bedeutung haben, sie
bestimmen z.B.: Pluralbildung, Tempusformen, Komparation...
3. Grund- und Basismorpheme ( besonders wichtig )
- sie geben die lexikalische Bedeutung eines Wortstammes an :
a) freie Morpheme : Mann, Haus, schön...
b) gebundene Morpheme – sind die Basis der Wortbildung = Wortbildungsmorpheme
und Flektionsmorpheme : männlich, behausen, Schönheit...
Morpheme = kleinste Einheiten von Formativ und Bedeutung, sie wirken wortbildend oder
wortformbildend.
Wörter = stabile Einheiten, sind in unserem Bewusstsein gespeichert (Als Einheiten von
Formativ und Bedeutung, als Grundeinheiten = Lexeme) und wieder reproduziert (abgerufen )
aus dem Bewusstsein.
Sätze = werden dagegen nicht reproduziert, sondern immer neu in der Kommunikation
gebildet. Und zwar mit diesen reproduzierbaren Einheiten  Wörtern ( Einheiten von
Formativ und Bedeutung )
Das ist nicht nur eine grammatische Einheit, sondern auch eine semantische Einheit
( Bedeutung )
Wörter haben benennende = normative = bezeichnende Funktion  sie bezeichnen immer
nicht nur einen einzelnen Gegenstand ( Sachverhalt ) , sondern auch gleichzeitig eine ganze
Klasse eines bestimmten Gegenstandes. Diese Funktion haben nicht alle Wörter.
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Wir können zwei Gruppen unterschieden :
1.Autosemantika ( Sg. Autosemantikum )
- haben eigene Bedeutung, sind relativ selbständig ( Substantive, Adjektive, Verben )
2. Synsemantika ( Sg. Synsemantikum )
- haben keine eigene Bedeutung, sie sind Funktionswörter, die die Rede organisieren
und die Autosemantika in richtige Zusammenhänge bringen – haben Hilfsfunktion
(Präpositionen, Konjunktionen, Artikel…)
Wörter existieren als Elemente des Systems = Lexikonwörter ( Ebene der langue ),
auch als Textwörter ( Ebene der parole ).
Systemwörter = Lexikonwörter
- finden wir im Wörterbuch, wo alle mögliche Bedeutungen eines Wortes aufgeführt
sind, alle potentiellen Bedeutungen. Einige von diesen potentiellen Bedeutungen
werden in der Rede realisiert, materialisiert, ausgewählt aus der Vielzahl der
potentiellen Bedeutungen = aktuelle Bedeutung
Die Autosemantika sind alle polysem = mehrdeutig. Sie stehen als Systemwort im
Wörterbuch und in der Kommunikation werden sie monosemiert  nur eine bestimmte
Bedeutung in einer bestimmten kommunikativen Situation wird verwendet.
Die Wörter, besonders ihre Bedeutung, haben ihre Struktur = Bedeutungsstruktur.
Die Bedeutungen der Wörter stehen nie allein, sie stehen immer in Beziehungen zu
anderen Wörtern  Bedeutungsbeziehungen.
Bedeutungsbeziehungen:
a) paradigmatische Bedeutungsbeziehungen:
- stehen zwischen Wörtern, die aufgrund gleicher semantischer Merkmale denselben
Platz in einer Redekette einnehmen können.
 Identitätsbeziehungen ( Synonyme )
 Hierarchiebeziehungen ( Lebewesen  Tier  Haustier )
 Polaritätsbeziehungen ( Antonyme )
b) syntagmatische Bedeutungsbeziehungen :
- Fähigkeit eines Wortes, sich mit anderen Wörtern zu verbinden  Valenz spielt eine
wichtige Rolle
Manche Wörter können aufgrund ihrer semantischen Struktur mit sehr vielen Wörtern
verbunden werden  sie sind wenig eingeschränkt ( z.B.: laufen )
Einige Wörter können nur mit wenigen Wörtern verbunden werden – sie sind stark
eingeschränkt durch die semantische Struktur. Ihre Kompatibilität ist gering.
(Z.B.: blond – blondes Haar, ein kühles Blondes = Bier  Phraseologismus
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Man kann das auch mit einem Koordinatensystem darstellen, den Zusammenhang von
paradigmatischen und syntagmatischen Beziehungen auf den Achsen x und y
y
Der Mann ist dick
korpulent
fett
unförmig
fast alle menschlichen
Lebewesen
( Mann, Frau, Kind...)
x
Der Wortschatz ist ein offenes dynamisches System, es verändert sich ständig:
a) Neue Wörter kommen in den Wortschatz = Neologismen
b) Die veralteten Wörter gehen hinaus aus dem Wortsschatz = Archaismen
Das Zentrum des Wortschatzes bildet der Allgemeinwortschatz. Dieses Wortschatz hat
ca. 500 000 Wörter und ihn verstehen die meisten Mitglieder einer Sprachgemeinschaft.
Peripher gruppieren sich um diesen Allgemeinwortschatz sg.:
1. periphere Sichten = die verschiedenen Fachwortsätze aus einzelnen Fachdisziplinen
( z.B.: medizinischer...)
2. geographisch – gebundene ( territoriale ) Lexik
3. Lexik bestimmter Altersgruppen ( z.B.: Jugendsprache )
4. Lexik sozialer Klassen ( z.B.: Bettlersprache )
Das Wort ist eine komplexe Einheit und man kann den Wortschatz nach unterschiedlichen
Gesichtspunkten untersuchen:




historische Untersuchungen
geographische Untersuchungen
soziale Untersuchungen
Kommunikationsbereiche, in denen sich die Fachleute bei der Erfüllung gemeinsamer
Aufgaben unterhalten
 onomasiologische Untersuchungen
 Bedeutungsbeziehungen
 Herkunft der Wörter
 grammatische Einteilung
 morphematische Struktur
 Arten der Wortbildung
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Ferdinand de Saussure:
- langue = Sprachsystem
- parole = Kommunikation, Text, sprachliche Handlung
Textwort = ist die Realisierung einer Bedeutung des Systemwortes aus der langue auf
der Ebene der parole, in der Kommunikation.
Wörter sind Elemente eines Sprachsystems, sie werden gespeichert als Ganzheit, als
Zuordnung von Formativ und Bedeutung und sie werden als diese Ganzheit wieder abgerufen
aus dem Bewusstsein, dh.: sie werden reproduziert.
Lexeme sind sprachliche Einheiten, die als Ganzes, als Einheit von Formativ und Bedeutung
im Bewusstsein gespeichert werden. Alle Wörter sind Lexeme, aber nicht alle Lexeme sind
Wörter. (z.B.: idiomatische Wendungen, Phraseologismen werden genauso als feste
Wendung, als Ganzheit, als Einheit von Formativ und Bedeutung im Bewusstsein gespeichert
und genauso wieder abgerufen)
Wörter sind Mittel ( Instrument ) der Erkenntnis und Kommunikation, haben eine
kognitive und kommunikative Funktion.
Dienen dem Erkenntnisprozess, untrennbarer Zusammenhang zwischen Sprache und
Denken. Ohne Sprache ist es nicht möglich zu denken.
Sprache ist ein Medium der kognitiven Tätigkeit, sie vermittelt zwischen dem
Individuum und der Gesellschaft, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft 
sprachliche Zeichen sind historisch und regional geprägt = Elemente als Zeichensystems
Sprache ist ein primäres System.
Wörter sind reproduzierbare Einheiten aus Formativ und Bedeutung. Sie werden als solche
fixiert, gespeichert und für die Bildung von Sätzen und Texten reproduziert. Mit der
Bedeutung des Wortes werden auch die Regeln der Verwendung gespeichert.
Im Systemwort sind alle möglichen potentiellen Bedeutungen gespeichert.
Im Textwort werden einzelne potentielle Bedeutungen realisiert und aktualisiert = aktuelle
Bedeutung
Lexeme sind benennende und verallgemeinernde Wortschatzelemente. Einheiten von
Formativ und Bedeutung. Es können einzelne Wörter und feste Wortgruppen und
Wortverbindungen sein.
Lexembegriff  Wortbegriff
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Wortbildung
- auf dem Gebiet der Lexikologie und Morphologie behandelt
- sprachliche Prozesse, bei denen die neuen Wörter entstehen
- geschieht nach bestimmten Wortbildungsmodellen
Mittel der Wortbildung = Affixe:
 Präfixe
wortbildende Affixe
 Suffixe
Modelle
produktive Modelle
aktive Suffixe
unproduktive Modelle
produktive Suffixe
Suffixe
Präfix
produktive Modelle = werden benutzt zur Bildung neuer Wörter
 aktive Suffixe = entstehen von ihnen keine neuen Wörter, man kann sie verstehen
und benutzen
- tum, - nis, -icht ( Reichtum, Ergebnis, Ansicht )
 produktive Suffixe
- er, - in, - bar, - ung, heit, - keit ( Lehrer, Lehrerin, haltbar, Umgebung…)
unproduktive Modelle = nach denen Muster entstehen heute keine neuen Wörter
 Suffixe:
- s ( Klaps, Kniks )
- t ( Fahnt )
 Präfix : mi - ( Mißbrauch )
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Methoden zur Wortbildung ( Wortbildungsanalyse )
= sind Methoden, mit denen man bestimmte semantische Beziehungen zwischen den
Morphemen feststellen kann.
1. Paraphrasierung ( Umschreibung )
- Bedeutungselemente werden verbalisiert, es wird Grad der Lexikalisierung
festgestellt.
- Art der semantischen Beziehungen
z.B.: Honig  Lindenhonig, Bienenhonig
Grenzenlos Vertrauen
2. Transformationsanalyse ( Transformation = Umformung, Umwandlung )
Durch Transformation eines Morphemkonstruktion kann man ebenfalls die semantischen
Beziehungen sichtbar machen
= dient vor allem, um den Grad der Idiomatisierung festzustellen
-
sichtbare Erfolge = Erfolge, die man sehen kann
wunderbare Erfolge = ist schon idiomatisiert eine Transf. Ist nicht möglich
3. Konstituentenanalyse
- Darstellung der hierarchischen Struktur einer Wortbildungskonstruktion
- Analyse nach den unmittelbaren Konstituenten
Ergebnislosigkeit
Ergebnislos
Ergebnis
Ergeb
Er
igkeit
los
ig
nis
geb
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keit
Sachlichkeit
Derivation ( Ableitung )
Grundmorphem
Sach
Derivationsmorphem
lich
keit
4. Opposition ( Gegenüberstellung )
- man kann aus der Gesamtbedeutung des Wortes die Bedeutung von Affixen feststellen
z.B.: Organisierung  Organisation
Delegierung  Delegation
Informierung  Information
- durch die Gegenüberstellung der Suffixe in einem konkreten Kontext stellt man fest,
Dass z.B.: das Suffix – ierung immer einen Prozess darstellt und das Suffix – ation immer
das Resultat bezeichnet.
 - ierung  drückt Prozess aus
 - ation  Ergebnis
Arten der Wortbildung:
1. Komposition ( Zusammensetzung )
2. Derivation ( Ableitung )
3. Präfixbildung
4. Kurzwortbildung
5. besondere Arten der Wortbildung
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1. Komposition ( Zusammensetzung )
Prozess + Ergebnis = Kompositum = Morphemkomposition
- neugebildetes Wort – mindestens aus zwei Wörtern entstanden
Komposition
Komposition
Determinativ kompositum
endozentrisch
Kopulativkompositum
Zusammenrückung
exozentrisch
A: Determinativkomposita
bestehen aus dem Grundwort ( bestimmt das Genus ) und dem Bestimmungswort
( determiniert das Grundwort )
- zwischen dem Grundwort und Bestimmungswort gibt es vielfältige semantische
Beziehung
z.B.: Topf  Aluminiumtopf = ein Topf aus Aluminium
Blumentopf = ein Topf für Blumen
Schutz  Sonnenschutz = ein Schutz vor der Sonne
Arbeitsschutz = ein Schutz vor Unfällen bei der Arbeit
a) endozentrisch = Bildungen, bei denen die Gesamtbedeutung innerhalb des
Kompositum ist ( Haustür = die Tür des Hauses )
( bildschön = schön wie ein Bild )
b) exozentrisch = Bedeutung des Kompositums ist nicht von einzelnen
Komponenten erkennbar, Kompositum ist idiomatisch = hat völlig neue
Bedeutung
z.B.: Dickkopf , Schafskopf, Milchgesicht, Lästermaul
Bedeutung entspricht nicht den Teilen der Komposita
Drei- vier-glieder Komposita sind normal
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B: Kopulativkomposita = Possessivkomposita
- bestehen nicht aus Grundwort und Bestimmungswort, sie stehen allein, müssen der
gleichen Wortarten gehören
- beide Komponente stehen gleichberechtigt nebeneinander
z.B.: Strumpfhose, weirot, gelbschwarz, taubstumm, dummfrech, Mannweib
-
alle Wörter in den Komposita sind selbstständig
- geographische Namen : Mecklenburg- Vorpommern
Komposita werden immer länger und immer größer. Manchmal
kann man nicht unterscheiden, wo ist die Grenze zwischen den einzelnen Konstituenten.
Als Hilfsmittel ist heute schon gestattet , zwischen den Konstituenten einen Bindestrich
zu machen. Drei- bis vier- gliedrige Komposita sind durchaus noch typisch:
z.B.: Non-stop-video-fest-show, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
C: Zusammenrückung
- substantivierte Wortgruppen, imperativische Sätze
z.B.: Er ist ein Taugenichts
Rendevourz, Nimmesatt, Vergimeinnicht, Mannweib, Rührmichnichtan
Arten von Zusammenrückung:




Adverbien ( infolge, zugernsten, vorher )
zusammenrückte Verben
( kennenlernen , sitzenbleiben )
imperativische Satznamen ( Vergimeinnicht, Rührmichnichtan )
Wortgruppen ( wie Taugenichts, Gernegroß, Nimmersatt )
Kompositionsfuge = Fugeelemente
- Stelle, wo zwei Gliedern des Kompositums zusammengehen
 - es ( Tageslicht )
 - s ( Arbeitsmantel )
 - en ( Frauenkirche )
 - ens ( Schmerzensgeld )
 - e ( Schweinefleisch )
 - er ( Rinderbraten )
 - i ( Bräutigam, Nachtigall )  nur zwei in der d. Sprache
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2.Derivation ( Ableitung )
Derivation
explizite Ableitung
implizite Ableitung
Normale impl.
Ableitung
innere impl.
Ableitung
Konversion
1. explizite Ableitung = „Ableitung mit Hilfe von Auen“
- mit Hilfe von Suffixe + Präfixe = Affixe
- Ergebnis der expl. Der. ist eine Morphemkonstruktion, die aus einen freien
Morphem und einem gebundenen Morphem besteht
 Zusammenbildung = besondere Art von expliziter Ableitung einer Wortgruppe.
z.B.: alle Seiten  allseitig
zwei Spuren zweispurig
2. implizite Ableitung = neuen Wörter werden entstehen
- Veränderung innerhalb des Wortes
- ohne Suffixe, ist ohne Änderung
 normale impl. Ableitung: - laufen  Lauf
 innere impl. Ableitung : trinken  r Trank
 Konversion : rennen  s Rennen
Halbaffixe ( Präfixe + suffixe )
-
bestimmte Kompositumglieder
verlieren mit der Zeit ihre Selbständigkeit - eigene Bedeutung - und werden zu sog.
Halbpräfixen und Halbsuffixen , dh. Sie sind auf dem Weg zu einem Präfixe bzw.
Suffixe
Vier Kriterien :
1. Weise : z.B.: interessanterweise, freundlicherweise
2. Bedeutung der zwei Komponente stärker verallgemeinert und konkretisiert ist
z.B.: fähig  heiratsfähig, betriebsfähig
( Bedeutung wurde reduziert)
21
3. Bedeutungsverhältnis
- wenn es im Bedeutungsverhältnis zur Verschiebung kommt
z.B.: Werk  Lautwerk, Uhrwerk...
( Bedeutung liegt auf dem ersten Wort )
4. Ableitungssuffixe
- wenn ein Ableitungssuffix und gleichlautendes freies Morphem vorkommt  Suffix
z.B.: Zeug  Badezeug, Waschzeug, Fahrzeug
Halbpräfixe
z.B.: ein Bomben/erfolg, hoch/modern, Super/angebot
Derivation
Derivation
Morphemkonstruktion mit einem Wortbildungsmorphem als zwei UK?
JA
NEIN
Explizite Ableitung
1UK
freies Morphem
oder Morphemkonstruktion
einfache explizite Ableitung
implizite Ableitung
1UK
Wortgruppe
Zusammenbildung
implizite Ableitung
Basis-freies Morphem
Mit Verlust des alten
Wortartzeichens
Einfache implizite Ableitung
laufen  r Lauf
Basis-freies Morphem
mit Wechsel des
Stammvokals
Innere Ableitung
trinken  r Trank
22
Basis-freies Morphem
ohne morphol. – phon.
Veränderungen
Konversion
laufen  s Laufen
3. Präfixbildung
Präfix = ist ein gebundenes Morphem, was reihenbildend ist
z.B.: treten  betreten, vertreten, wegtreten, auftreten
Es existieren zwei Arten von Präfixen:
 untrennbare Präfixe
be- , ge-, ent-, empf-, er-, ver-,
 trennbare Präfixe
ab-, an-, bei-, über-, nach-, ...
Unterschiede zwischen Präfix und Suffix
1. ein neugebildenes Wort, welches mit einen Präfix neugebildet wird, kann nicht in eine
andere Wortart eingeordnet werden. Beim Suffix ist es möglich.
z.B.: fahren + be  befahren ( Verb → neues Verb )
fahren + Rad Fahrrad ( Verb → Substantivum )
2. während die Suffixe in den meisten Fällen für Substantive, Adjektive und Verben
unterschiedlich sind, ist es bei den Präfixen nicht so
z.B.: übersetzen, r Übermensch, mißhandeln unterschiedliche Wortarten, aber immer
dasselbe Präfix
3. ein Suffix kann niemals die Hauptbetonung eines Wortes tragen, aber Präfixe können
die Hauptbetonung übernehmen.
z.B.: interessant → uninteressant ( Präfix übernimmt die Betonung )
alt → uralt
Es gibt nicht nur Präfix- und Suffixbildungen, sondern beides zusammen:
Präfix-Suffix-Bildungen = an einem Wortstamm wird gleichzeitig ein Suffix und ein
Präfix angehängt:
z.B.: r Berg → s Ge/birg/e
dreifach → ver/drei/fach/en
schön → be/schön/igen
23
4. Kurzwortbildung
-
ganz produktive Art des deutschen Sprache, Tendenz zur Sprachökonomie
Kurzwortbildung
Initialwörter
Silbenwörter
-Anfangsbuchstaben
CDU, BRD, DAAD
- Anfangsilben
Eigentliche Kurzwörter
- aus den zusammenhängenden
Wörter
STASI, DEFA, KRIPO
Kurzwörter
Kopfwörter
Schwanzwörter
- das erste Teil
wird benutzt
Foto, Uni
- das letzte Teil
wird benutzt
Bus
Klammerwörter
( Kopfschwanzwörter )
- das erste und letzte
werden benutzt
O-Bus, Motel, Eurovision
 es gibt immer mehr Abkürzungswörter
5. Besondere Arten
Besondere
Artender
derWortbildung
Wortbildung
Besondere Arten
Reduplikationsbildungen
Einfache Doppelungen
Reimbildungen
24
Wortmischung
Ablautbildungen
1. Reduplikationsbildung = es geht um doppelte Benutzung von Morphem, Silben
 einfache Doppelungen = typische Lautkomplexe aus kindlicher Sprache, bestimmte
Laute werden zweimal ausgesprochen
z.B. Kindersprache: Papa, Mama
 Reimbildung = Anfangskonsonanten variieren
z.B.: Picknick, Safari, Hokus Pokus, Kuddel Muddel...
 Ablautbildung = Wechsel zwischen „a“ und „i“ , Vokalvariationen
z.B.: Wir war, Zig zag, Wischi waschi, Misch masch ...
2. Wortmischung = Kontamination = Verschmelzung von Teilen zweier oder mehrer
Wörter zu einem neuen Wort, was eigentlich gar nicht logisch ist.
z.B.: er antelefoniert = telefoniert + ruft an
Kurlaub = Kur + Urlaub
Wortbedeutung
-es geht um den Abbildcharakter. Die Bedeutung hat Charakter eines Abbildes der objektiven
Realität im Bewusstsein der Menschen.
Mit Wortbedeutung beschäftigt sich die Semasiologie
Die Wortbedeutung kann ein Element des Sprachsystems sein, eine mögliche Bedeutung
sein. Deshalb spricht man von der Bedeutung auf der Ebene der parole – in der
Kommunikation spricht man von der aktuellen Bedeutung. Die Bedeutung im System nennt
man die potentielle Bedeutung.
Bedeutung = das sind Bewusstseinbilder, Abbilder oder objektiven Realität im menschlichen
Bewusstsein, die bestimmten Lautzeichen zugeordnet sind. Diese Elemente, welche also
Merkmale von Gegenständen – Prozessen – Beziehungen – bezeichnen, werden als denotativ
bestimmte Merkmale bezeichnet .
• Denotativ bestimmte Merkmale = bilden etwas im Bewusstsein eines Menschen von
Gegenständen, Prozessen, Beziehungen ab
• Konstituierende Merkmale = s Semem, s Sem
der Bedeutung von Hund = Lebewesen
} Bedeutungsvarianten
= Haustier
25
! das Semem = eine Menge von semantischen Merkmalen ( Semen ), die einem
Zeichenkörper zugeordnet sind = eine Bedeutungsvariante
! Sem = kleinstes semantisches Merkmal
! Denotat = Objekt, die Klasse von Objekten, die man mit einem Wort bezeichnet
Denotative Bedeutungen = Resultate der Bewusstseinstätigkeit des Menschen, der
Kommunikationstätigkeit. Produkte der Erkenntnistätigkeit der Menschen
Man unterscheidet die Wortbedeutung im System ( langue ) und eine Wortbedeutung in
der Kommunikation, im Text ( parole )
• denutative Bedeutung = die Bedeutung, in der alle semantischen Merkmale drin sind, die
für die Kommunikation relevant sind
• konnotative Bedeutungskomponeneten = die Bedeutung, in der auch bestimmte
emotionelle Einstellungen eines Sprechers erhalten sind
Wortbedeutung:
• potentielle Wortbedeutung = z.B.: im Wörterbuch ( drückt Möglichkeit aus )
• aktuelle Wortbedeutung = ist nur einen bestimmten Moment aktuell
( Situation, Kontext usw.) ( drückt Wirklichkeit aus )
Die Bedeutungsstruktur :
Die Wortbedeutung setzt sich aus ganz kleinen Elementen zusammen.
Diese Elemente nennt man Seme
Seme = Ergebnisse des menschlichen Denkens, der menschlichen Erkenntnistätigkeit
- die Bestandteile der Abbilder der Bedeutung im menschlichen Bewusstsein
- Abbilder der objektiven Realität
- sie bilden Sememe
Sememe = sind Bedeutungsvarianten eines Wortes
z.B.: Wort Frau hat die Seme : Mensch, weiblich, erwachsen
Wort fahren hat die Seme : sich fortbewegen, mit einem Fahrrad, auf dem Boden
26
Die Seme kann man auch durch den Vergleich von Wörtern ermitteln.
z.B.: die Wörter klettern und kriechen  beide sind Verben der Fortbewegung , aber haben
unterschiedliche Semstrukturen !
klettern : eine Fortbewegung vertikal
kriechen : eine Fortbewegung horizontal
! Man kann nicht sagen : er kriecht die Felswand hinauf, das Kind klettert auf dem Fußboden
herum.
! Es geht nur: Der Bergsteiger klettert die Felswand hinauf, das Kind kriecht auf dem Boden
herum
Das Wort rennen : Sem 1  schnell
Sem 2  mit den Füßen
Sem 3  Fortbewegung auf dem Boden
Man kann nicht sagen: Klaus rennt langsam in die Schule .
Klaus rennt im Auto zum Flughafen .
Klaus rennt in der Luft .
 das alles ist Unsinn, weil das Wort rennen eine andere Semstruktur hat .
Die Wortbedeutung ist immer hierarchisch strukturiert. Es gibt eine Abfolge bei Semen vom
Einzelnen zum Allgemeinen , vom Konkreten zum Abstrakten.
In der Semstruktur eines Wortes sind allgemeine abstrakte Sememe enthalten , die
manchmal nicht nur in einer Sprache auftreten, sondern auch in verschiedenen Sprachen .
In diesem Fall spricht man von übereinzelsprachlichen oder universellen Semen.
z.B.: Mensch, temporal, lokal , horizontal , Fortbewegung, Lebewesen ... diese Wörter
finden wir fast in jeder Sprache.
Anderseits gibt es Sememe, die nur für eine Sprache charakteristisch sind.
Vergleiche durch die Bedeutungsanalyse:
1. Intralinguale Bedeutungsanalyse:
- wenn man Wortbedeutungen in einer Sprache vergleicht
2. Interlinguale Bedeutungsanalyse :
- wenn man mehrere Sprachen vergleicht
z.B.: im Deutschen gibt es zwei Wörter, aber in dem Tschechischen gibt es nur ein Wort :
měnit se = sich ändern  der Mensch ändert sich  innerlich -sein Charakter
= sich verändern  der Mensch verändert sich  äußerlich – sein Aussehen
přinést = holen  holen Sie mir die Zeitung  die beiden Partner sitzen am Tisch
und der eine bittet den anderen vom Regal die Zeitung zu holen
= bringen  bringen Sie mir die Zeitung  ein Partner sitzt etwas entfernt von
dem anderen
Die hierarchische Struktur von Semen ist gleichzeitig die Struktur eines lexikalisches
Systems.
27
Die Arten der Darstellung der Semstrukturen :
- mit beiden kann man vergleichen, wie eine Bedeutung aufgebaut ist.
1. Stammbaum
a) das Wort gehen – zentrale Seme : 1 ) mit den Füßen
2 ) auf dem Boden
3 ) Fortbewegung
aber es gibt noch mehrere: schnell, langsam, schwerfällig
gehen
schnell
rennen
langsam
bequem
schwerfällig
würdig
spazieren
angestrengt
schreiten
stapfen
stampfen
b) das Wort Pferd - Seme : Lebewesen –Tier- Haustier
es gibt verschiedene Unterschiede: z.B.: nach der Farbe, nach dm Geschlecht
Pferd
Farbe
Geschlecht
weiß
schwarz
rotbraun
männlich
weiblich
Schimmel
Rappe
Fuchs
Hengst
Stute
Wallach (kastriert )
28
Alter
jung
Fohlen
aufgewachs.
2. Matrix
- man ordnet intuitiv verschiedene Seme zu.
z.B.: Gewässer – unterschiedliche Semstruktur: Fluss, Bach  natürlich, fließend
Teich, See
Meer
Wort
Fluss
Strom
Bach
Rinnsal
Meer
See
Tümpel
Teich
Pfütze
Kanal
Graben
Sem
fließend stehend






















natürlich künstlich sehr
groß

































groß
klein






















sehr
klein











Die denotative und konnotative Bedeutung:
Denotative und konnotative semantische Merkmale gehören zur Struktur der Bedeutung.
1. Denotative Bedeutung = die Bedeutung , in der alle semantischen Merkmale drin
sind, die für Kommunikation relevant sind ( Erkenntnisse der menschlichen
Denktätigkeit , die objektiven Dinge )
2. Konnotative Bedeutung = die Bedeutung, in der auch subjektive emotionelle
Einstellungen eines Sprechers enthalten sind ( negative oder positive emotionelle
Dinge, Werte, Einschätzungen werden durch konnotativen Bedeutungselementen
ausgedrückt )
29
z.B.: das Wort Pferd
Pferd
s Ro
r Gaul
r Klepper
e Mähre
ein Ritter hatte ein Ro
- ein gehobener Stil - positiv
Du hast einen alten Gaul
- abwertende konnotative
Bedeutungselemente
Die konnotativen Bedeutungselemente können :
 1. die Einstellung eines Sprechers zu einem bestimmten Objekt oder zu einem anderen
Sprecher zeigen, hier spielt auch Ironie eine Rolle ( scherzhafte Ausdrücke )
 2. die Zugehörigkeit eines Sprechers zu einer bestimmten sozialen Klasse zeigen
z.B.: Jugendsprache..
 3. eine Stilebene widerspiegeln
z.B.: statt essen kann man speisen benutzen
 4. Funktionsbereiche darstellen
z.B.: das Wort Briefmarke  das sagen normale Leute
Postwertzeichen  so bezeichnen es die Postbeamten
das Wort Brötchen : hat regionale Unterscheidungen:
die Schrippe  sagen die Berliner
die Semmel  sagen andere
Konnotative Bedeutungselemente können auch subjektiv und individuell unterschiedlich sein.
Sie können aber auch mit der denotative Bedeutung zusammenschmelzen.
z.B.: das Wort die Birne hat drei denotative Bedeutungen:
= die Frucht
= die Blühbirne
= der Kopf eines Menschen  hier sind schon konnotative
Bedeutungskomponenten
z.B.: Du hast eine weiche Birne
30
Motivation der Bedeutung :
Die Bedeutung ist motiviert. Zwischen der lautlichen und inhaltlichen Seite eines
Sprachzeichens besteht eine konventionelle Beziehung. Das sprachliche Zeichnen hat einen
arbiträren ( willkürlichen ) Charakter.
z.B.: die Wörter schreiben und Tisch sind unmotiviert – ihre Bedeutung ist nicht erschließbar
aus der Bedeutung der einzelnen Bestandteile .
Das Wort Schreibtisch ist motiviert, und zwar durch die Bedeutung der beiden Bestandteile .
Arten der Motivation :
1. Phonetisch- morphologische Motivation
- die Wörter, die keine direkte Beziehung zwischen dem Lautkomplex und ihre Bedeutung
haben = Onomatopoetika = Schallnachahmende Wörter  wir kennen sie aus der
Kindersprache: kuckuck, wau wau , kikeriki
2. Morphologische Motivation
-
es geht um die morphologische Zerlegbarkeit eines Wortes
die Bedeutung erkennt man aus der Bedeutung einzelnen Bestandteile
Drei Arten:
a) Wörter, bei denen die Bedeutung ganz eindeutig aus der Morphembedeutung
erkennbar ist
b) Wörter, denen Bedeutung nicht leicht zu erkennen ist, wie die Wortstruktur
durchschauen
z.B.: Handtuch – ist nicht nur für Hände geeignet
c) Wörter, deren Bezeichnungsmotive man absolut nicht erkennt
z.B.: Stiefmutter , heute
31
3. Semantische Motivation
- Übertragungen, Bedeutungsübertragungen
a) metaphorische
b) metonymische
z.B.: Fuchs  Er ist ein Fuchs = schlau
= Rotkopf
Das Wort bezeichnet nicht nur einen Gegenstand, sondern die gesamte Klasse = Detonat
eines Lexems
Detonat = Bedeutung, die wir als Kenntnis beschreiben wollen
Fast ale autosemantischen Wörter haben mehrere Bedeutungen, sind polysem.
z.B.: Post
1. Briefe, Pakete...
2. Institution
3. Gebäude
4. persönliche Korrespondenz
Jugend
1. Jugendzeit, Jugendalter
2. junge Menschen
3. Jugendlichkeit
Aufsicht
1. Handlung
2. Institution
3. Person
Bedeutungsbeziehungen im Wortschatz
Es sind lexikalisch – semantische Beziehungen.
Die Bedeutungen der verschiedenen Semene eines Lexems stehen niemals isoliert in der
Redekette, sie sind immer irgendwie in Beziehung mit anderen Bedeutungen.
Es gibt zwei Arten der Bedeutungsbeziehungen:
A. Paradigmatische Beziehungen
- bestehen zwischen den Einheiten eines Wortschatzes, die aufgrund semantischer
Merkmale die gleichen Positionen in der Redekette einnehmen können
-
z. B.: Das Kind geht
zur Schule
läuft
Paradigma
rennt
(paradigm. Gruppe)
B. Syntagmatische Beziehungen
- Beziehungen zwischen den Bedeutungen der Einheiten, die untereinander zu einer
Redekette geführt werden können
-
z. B.: Hund + bellen, Mensch + denken
32
A. Paradigmatische Beziehungen
1. Hierarchiebeziehungen
Es handelt sich um eine Unter- und Überordnung der Wörter.
Hyperonym = Oberbegriff = Gattungsbegriff
Hyponym = Artbegriff – ist dem Oberbegriff untergeordnet
a) Gattungs- und Arthierarchie
z. B.: Oberbegriff: Blume
Unterbegriff: Nelke, Löwenzahn, Rose
b) Teil- und Ganzes Verhältnis
z. B.: Oberbegriff (das Ganze): Pflanze
Unterbegriff (der Teil): Wurzel, Blätter
2. Identitätsbeziehungen – das ganze Gebiet der Synonyme
Synonyme = Wörter mit unterschiedlicher Form, aber mit gleicher, ähnlicher Bedeutung
Es gibt 2 Kriterien zur Bestimmung der Synonyme:
a) Ist das Wort in allen Kontexten austauschbar?
b) die Übereinstimmung in der Semstruktur
z. B.: bedeutungsgleich: beginnen - anfangen
bedeutungsähnlich: Bewohner - Einwohner
Bewohner, Einwohner eines Ortes
Bewohner eines Hauses
Aber nie: Einwohner eines Hauses
Stilistische Synonyme
- sind von der Stilebene, der Kommunikation, der Situation, dem Kontext
abhängig
- sie unterscheiden sich in ihren konnotativen Bedeutungselementen
z. B.: Kopf – Haut - Birne
rennen – eilen- rasen
Ehemann – Gemahl – Gatte – Ehekrüppel
Territoriale Dubletten – sind keine Synonyme
- Wörter, die nur in einem bestimmten geographischen Gebieten auftreten
z. B.: Treppe – Stiege
Sonnabend - Samstag
Fleischer – Metzger- Fleischhauer
Schnitte – Stulle – Bemme
33
Synonyme stehen eigentlich im Widerspruch zur Sprachökonomie, aber sie bereichern
die Sprache, sie machen die Sprache bunt und tragen zur Verbesserung des Ausdrucks bei.
3. Polaritätsbeziehungen
- die Problematik der Antonyme im weitesten Sinn
z. B.: schnell x langsam
alt x jung
In diesem Wörtern spiegeln sich objektive Gegensätze der Realität wider. Sie sind
durch die Polarität, die Gegensätzlichkeit der Merkmale bestimmt.
Es gibt 3 Typen der Gegensätzlichkeit:
a) Antonymie im eigentlichen Sinn
b) Komplementarität
c) Konversität
a) Antonymie
- die Relation zwischen extremen Gegensätzen, aber zwischen den Endpolen eines
semantischen Abstandes.
- Gibt Übergänge – man kann graduieren
- für die Antonymie gilt deshalb nur eine einseitige Implikation
z. B.: Hans ist gut.
impliziert Hans ist nicht schlecht.
Hans ist nicht gut. impliziert nicht Hans ist schlecht.
- die Antonyme sind graduierbar, man kann mit Gradadverbien arbeiten
z. B.: schön – sehr schön – recht schön – schöner
b) Komplementarität
- die polaren Wörter schließen einander aus, es gibt keine Zwischenstufe, es gilt
eine zweiseitige Implikation – Entweder – Oder – Beziehung
z. B.: Hans ist verheiratet. impliziert Hans ist nicht alleinstehend.
Hans ist alleinstehend.
impliziert Hans ist nicht verheiratet.
- es geht um absolute Gegenpole, keine Gradadverbien können gebraucht werden
c) Konversität
- Beziehung zwischen 2 Wörtern, von denen ein Wort die semantische Umkehrung
des anderen ist, oder eine oder dieselbe Handlung wird von 2 verschiedenen
Gesichtspunkten betrachtet
z. B.: kaufen – verkaufen (A kauft von B etwas; B verkauft A etwas)
mieten – vermieten
geben – nehmen
34
4. Wortfeld
- lexikalisch – semantisches Paradigma, es wird durch gemeinsame semantische
Merkmale der Wörter zusammengehalten
- die Lexeme in einem Wortfeld bilden mit diesen sem. Merkmalen ein Netz von sem.
Beziehungen
z. B.: Verben der Fortbewegung – die einzelnen Mitglieder können weiter differenziert
werden.
(durch andere Seme)
fliegen
F. in der Luft
schwimmen
F. im Wasser
gehen. Laufen
F. mit den Beinen
kriechen, krabbeln
F. auf allen Vieren
- viele andere Merkmale:
fahren – mit Fahrzeug (womit)
kommen x gehen (Sprecherstandort)
Heute ist ein Wortfeld ein gutes Mittel zur Beschreibung des lexikalischen Teilsystems.
Es ist eine Voraussetzung für die Semanalyse. Wortfelder machen die sem. Beziehungen
zwischen Wörtern deutlich.
B. Syntagmatische Beziehungen
- die semantische Verträglichkeit oder Unverträglichkeit (Kompatibilität – sem.
Konkurrenz, oder Inkompatibilität von Wörtern)
- Aspekte der Valenz spielen hier auch eine Rolle
z. B.: Inkompatibilität: ein kluger Trottel, der Baum ist auf das Dach geflogen
= Unsinn! Man kann die Wörter nicht zusammensetzen, weil sie unterschiedliche
Semene enthalten, die einander ausschließen.
Kompatilibität: blond + Haar, bellen + Hund
Die gegenseitige Kompatibilität oder Inkompatibilität von Wörtern hängt nicht nur von den
denotativen Bedeutungen ab, sondern auch von den konnotativen Bedeutungskomponenten.
Eine große Rolle spielen die Kommunikationsabsichten eines Sprechers und die Einstellung
zum Kommunikationspartner.
35
Übertragene Wortbedeutung
- Wortverbindungen, deren Wörter nicht immer übereinstimmen
z. B.: Der Wein hat einen trockenen Geschmack. Übergang vom taktilen Bereich in
dem Sinnesbereich des Geschmacks
Im Raum herrschte hartes Licht. Übergang vom takt. Bereich zum optischen
Bereich
Schreiende Farben  akustischer B. – virtuellen B.
- wenn die neue Bedeutung usuell geworden ist (zur Gewohnheit geworden ist)
- das Wort kann im Laufe der Zeit den Charakter einer Metapher verlieren
z. B.: Er ist ein Fuchs.
= klug. listig
Er reitet einen Fuchs. = schnelles Pferd
Süße Stimme
= angenehm oder auch unangenehm
Entstehung der Polysemie:
1. durch Bedeutungsexistension = ein Lexem wird auf weitere Denotate angewandt.
Sein Bedeutungsumfang erweitert sich
2. durch Bedeutungsdifferenzierung = bereits vorhandene Bedeutung werden weiter
aufgegliedert
Reguläre Mehrdeutigkeit
(Theorie von Apresjan – 1974):
= Benennungen von Handlungen und Prozesse benennen gleichzeitig die Resultate.
z.B.: Pflanze  Frucht  Pflaume, Kirsche, Apfel
Räume  Inhalt  Schule, Post
Reguläre Mehrdeutigkeit ist mit metaphorischen und metonymischen
Bedeutungsverschiebung eng verbunden.
Metaphorische Beziehungen
= entstehen auf der Grundlage konstatierter Ähnlichkeitsbeziehungen und sollen
Ähnlichkeitsassoziationen auslösen.
Tertium comparatinis = Vergleichsobjekt
36
Lexikalische Metapher
= wenn die neue Bedeutung usuel geworden ist
- das Wort kann im Laufe der Zeit den Charakter einer Metapher verlieren
z.B.: Er ist ein Fuchs = er ist klug, Süße Stimme = angenehme Stimme
Polysemie
Reguläre Mehrdeutigkeit (Apresjan – 1974):
Die Polysemie gehört zu den Grundtatsachen der Sprache.
Sie entsteht:
a) durch Bedeutungsextension
ein Lexem wird auf weitere Denotate angewandt- sein Bedeutungsumfang erweitert sich
b) durch Bedeutungsdifferenzierung
die Bedeutungen gliedern sich weiter auf
Reguläre Mehrdeutigkeit – wenn die Mediastrukturen von Wörtern der gleichen
onomasiologischen oder funktionalen Gruppe sich auf gleiche Weise entfalten
z. B. Benennungen von Pflanzen benennen auch deren Früchte: Apfel, Kirsche,...
Metaphorische Beziehungen zwischen Sememen als Ausdruck der regulären
Mehrdeutigkeit
Metaphorische Beziehungen entstehen auf der Grundlage konstatierter
Ähnlichkeitsbeziehungen und sollen Ähnlichkeitsassoziationen auslösen. Metaphern können
verblassen, Vergleichsmerkmale gehen verloren, und es entstehen Homonyme.
Metaphorische Sememe existieren sowohl im nominalen als auch im verbalen Bereich.
z. B.:
der Wind singt  melodisches Geräusch

 Synästhesie !
mit süßer Stimme  Wirkung wie Süßes : angenehm 
Die Verteilung der Metaphern im Wortschatz ist unterschiedlich.
Mit Hilfe metaphorischer Übertragungen kann das Neue , noch nicht begrifflich Gefasste oder
noch Unbekannte dem bereits bestehenden Begriffssystem zugeordnet werden (das zeigen
Benennungen geistiger Handlungen: sich etwas vorstellen, in Gedanken etwas ausmalen).
Man benutzt metaphorisch seit langem die Benennungen von Tieren oder Körperteilen der
Tiere:
37
 Zur Benennung von Gegenständen: Katzenauge  Rücklicht am Fahrrad
Eidechse  Fahrzeug
Fuchsschwanz  Säge
 Zur Benennung von Tieren: Eule  Falter
Fuchs  Schmetterling
 Als Schimpfwörter für Menschen: Affe, Esel, Fuchs
 Als Benennungen für Pflanzen: Löwenzahn, Hahnenfuß, Fledermaus
 Zur Benennung der Sternbilder: Löwe, Stier, großer und kleiner Bär
 Als Krankheitsbezeichnungen und zur Benennung von Körperteilen:
Wolf, Krebs, Schnecke (im Ohr)
 Die Übertragung von Körperteilbenennungen auf Gegenstände:
Kopf (des Briefes), Arm (des Hebels)
 Umgekehrt treten Sachbezeichnungen als Körperteilbezeichnungen auf:
Adamsapfel, Brustkorb, Herzkranz, Ellenbogen
Metonymische Beziehungen als Ausdruck regulärer Mehrdeutigkeit
M. B. bestehen zwischen:
 Benennungen des Stoffs und von Produkten aus diesem Stoff:
Eisen  Bügeleisen, Fangeisen
 Benennung der Handlung, des Orts und des Subjekts:
Aufsicht  Aufsicht haben, zur Aufsicht gehen
 Benennung der Handlung und des Resultats:
Ernte  während der Ernte, die Ernte einbringen
 Benennung des Ganzen und des Teiles:
Kopf  den Kopf schütteln, aber : ein kluger Kopf
 Hierher gehören auch die Fälle der Polysemie von Verben, bei denen ein Semem
durch Objektvertauschung oder Subjektvertauschung entstanden ist:
Die Decke abwaschen  den Schmutz abwaschen
 oder auch bei Adjektiven: die warme Hand  der warme Mantel
Hyperonymnische Beziehungen als Ausdruck der regulären Mehrdeutigkeit
Hyperonymnische Beziehungen bestehen als Abbild der Beziehungen von Kollektiv und
Einzelnem: Holz – Ins Holz fahren, Holz schlagen, Holzeinschlag
von Gattung und Individuum: Mann – der Mann unterscheidet sich von der Frau
von Gattung und Spezies: Holz – mit Holz bauen, edle Hölzer nutzen
38
Ursachen der Polysemie
Die häufigste Ursache der Polysemie ist die Verwendung eines Lexems für Objekte, die
bisher nicht durch dessen Bedeutungsextension erfasst wurden. Ein Lexem tritt in neue
Kontexte, in neue Umgebungen. So entstehen neue Sememe durch metonymische
Verschiebungen und metaphorische Übertragungen.
Bedeutungswandel
= Mittel zur Bereicherung einer Sprache
- viele Wörter wandeln im Lauf der Geschichte ihre Bedeutung
- die Veränderungen sind aber oft unmerklich für den Benutzer einer Sprache
- diese Veränderungen in der Sprache können zu Beschränkungen oder zu
Erweiterungen eines Wortes führen
= Veränderung unter historischen Aspekten:
d.h. diese Veränderungen bestehen oft in den veränderten Beziehungen zwischen den
sprachlichen Zeichen und der außersprachlichen Wirklichkeit
= Prozess der Anpassung an neue Bedürfnisse, die sich aus der Kommunikation und aus
der Erkenntnistätigkeit der Menschen ergeben (wir passen die Wortbedeutung an, als ein
ideelles Abbild der objektiven Realität im Bewusstsein der Menschen, diese neuen Abbilder
kommen in neuen Merkmalkombinationen zum Äußern)
Bedeutungswandel entsteht durch drei große Gebiete:
1. durch das Aufkommen neuer Elemente
2. durch die Umstrukturierung der Bedeutungselemente
3. durch die Entstehung neuer Sememe
Ursachen des Bedeutungswandels:
a) außersprachliche
b) innersprachliche
39
a) Außersprachliche Ursachen
= die lexikalisch-semantischen Systeme einer Sprache müssen sich immer an die
Veränderungen in der Gesellschaft anpassen (an politisches, kulturelles, ökonomisches,
soziales Leben)
1. Veränderungen in der gesellschaftlichen Basis fordern neue Bezeichnungen für neue
Prozesse, neue Dinge, neue Sachverhalte
z. B. die Datenbank, die Mondlandung…
2. Fortschreitende menschliche Erkenntnisse
z.B. Hexe, Engel, Teufel  früher nur eine religiöse Bedeutung, heute auf andere
Bereiche übertragen  der blonde Engel, der schwarze Teufel
3. Einfluss der sozialen Bedingungen, es entstehen neue Normen, neue Auffassungen
z.B. die Arbeit  früher etwas mühsames, unangenehmes lästiges – seit der
Reformationszeit hat sich die Bedeutung verändert – heute ist es eine nützliche,
zweckmäßige Tätigkeit
weihen = weih = heilige  nur religiös (Weihnachten, Weihrauch) – heute tägliches
Leben z. B. Einweihung eines Hauses
4. Veränderung der emotionalen Wirkungen führt auch zum BW
z.B. schrecklich netter Mensch
alte Schlange
süße kleine Hexe
5. Euphemismus = rücksichtsvolle Umschreibung
z.B. statt sterben = einschlafen, einschlummern die Augen für immer schließen
statt dick = vollschlank
statt Altersheim = Seniorenclub
6. Ironischer Wortgebrauch (führt zum BW, wenn die Gesellschaft diese Verwendung
akzeptiert)
z.B. ein feiner Herr
nette Geschichte
schöne Bescherung
40
Innersprachliche Ursachen
= Feldgliederungswandel –
a) Einfluss der Lautform auf den BW
b) Einfluss der kommunikativen Ebene
= Wörter treten nie isoliert auf, immer als Glieder eines Wortfeldes in einer bestimmten
Beziehung zu anderen Wörtern
a) Bedeutung des Wortes wird der Lautform angeglichen
z.B. frouve – mhd. = adelige, verheiratete, weibliche Person
Frau = nicht adelige
Weib = hat eine pejorative Bedeutung
b) Wechsel der kommunikativen Ebene – dabei verändert sich die Bedeutung des Wortes
aus der Gemeinsprache in die Fachsprache und umgekehrt
Gs  Fs: z.B. Zyllinder
Fs  Gs: z.B. schalten, fördern, bohren
Arten des Bedeutungswandels:
Nach ULLMANN 1967:
1)infolge sprachlichen Konservatismus
2)infolge sprachlicher Neuerungen
1) ein bestimmtes Wort in der alten Form wird in der neuen Bedeutung verwendet
z. B. Bleistift, Truhe, Scheibe
2) metaphorische und metonymische Übertragungen (durch andere Widerspiegelung der
objektiven Realität entsteht eine zweite Benennung, die zur Hauptform der Bezeichnung wird
bzw. werden kann )
- Metaphorische BÜ zwischen den Ähnlichkeitsbeziehungen der Denotate:
- Ähnlichkeit der Form  der Flaschenhals
Ähnlichkeit der Farbe  kühles Blondes
Ähnlichkeit der Lage  der Fuß des Berges
Ähnlichkeit des Verhaltens  Angsthase
- Synästhesie  die Uhr geht, die Sonne lächelt
- Bedeutungsveränderungen können zur Hauptbedeutung der Wörter werden,
übertragene neue Bedeutung
- Tierbezeichnung  ein Fuchs (pejorative)
z.B. schildern = nur bemalen – auch erzählen
41
- Metonymische BÜ = logische Beziehungen sachlicher Ähnlichkeit
z.B. Beispiele Seite 164 - Schippan
3) Verkürzung des Wortes – z.B. Fahrrad  Rad, Halskette  Kette,
4) Verkürzung der ganzen Wortgruppe
z.B. Er hat keinen Geschmack. (Er hat einen schlechten Geschmack)
Er hat Geschmack. (Er hat einen guten Geschmack)
5) BW durch Festlegung = einem Wort wird durch Vereinbarung eine neue Bedeutung
zugeordnet, oft in der Fachsprache
z.B. Gemeinsprache  Terminologie
Lampe (ganzes Gegenstand) – (ein Teil) – die Leuchte
Terminologie ist international festgelegt
Chemie –Sauerstoff
Technik – Kugellager, Gleichstrom
Ergebnisse des Bedeutungswandels
Es geht um die Beziehung zwischen der alten und der neuen Bedeutung eines Wortes. Wir
fassen die Bedeutung eines Wortes als Bündel von Semen auf. (das geht auf die Prager
Schule auf Trubeckoj zurück, der ein Phonem als Bündel distinktiver Merkmale
bezeichnet).Das wurde in die Lexikologie übernommen und wir können sagen: auch die
Bedeutung eines Wortes ist Bündel von Semen und die Seme sind hier auch distinktive
Merkmale.
Wenn man sagen kann, dass die Bedeutung eines Wortes ein Bündel von Semen ist, dann
können wir auch die Beziehung zwischen der alten und der neuen Bedeutung eines Wortes
folgendermaβen charakterisieren :
1.Bedeutungseinengung (es kommt zum Schwund von Semen)
2.Bedeutungserweiterung (Hinzufügen von Semen)
3.Umstrukturierung des Sembestandes
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1.Bedeutungseinnengung
• MHD vrowe -Seme: adlig, erwachsen, menschlich, weiblich
• FNHD
• MHD herre
-Seme: adlig - ist zurückgegangen
-Seme: adlig, erwachsen, menschlich, männlich
Im Laufe der Zeit verschwindet Sem „adlig“
auch MHD „hochgezit“ – heute Hochzeit, aber bis 17. Jh. jedes hohe Fest
„der Onkel“ und „der Oheim“ im 17. Jh. die gleichen denotativen Sememe und Seme,
nämlich = Bruder des Vaters – ein Unterschied: beim Wort „Oheim“ war das nicht
vorhanden, was beim Wort „Onkel“ war, und zwar ein konnotatives Sem gehobenes Stils.
Durch die Veränderung des Wortes „Oheim“ durch das Wort „Onkel“, hat dann das Wort
„Onkel“ dieses konnotative Sem verloren.
2.Bedeutungserweiterung
• MHD „vaz“ „Faβ“ -urspr. Seme: jede Art von Gefäβ – heute neue Seme, die die Gröβe
+ Form eines Fasses kennzeichnen z.B. rund, gewölbt
• MHD „vielen“ „fällen“ -bezieht sich auf alle Objekte, die man nach unten senken kann
- heute noch im Militärwesen: mit gefälltem Bajonett
- heute ein neues Sem: nur in Verbindung mit Bäumen , die abgesägt werden
3.Umstrukturierung des gesamten Sembestandes
Oft kommt es dazu, dass ein Bedeutungswandel zur Veränderung der gesamten Semstruktur
führt.
• MHD „Geselle“ - früher: zur Bezeichnung der Denotatsklasse
Gefährte – Freund – junger Mann
- heute: Seme: menschlich, männlich = bleiben konstant
• MHD „Schelm“ - früher: Aas, oder toter Körper
- später: Schimpfwort: Dieb
- heute: Spaβvogel
• MHD „List“
- früher: Synonym zu Kunst
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Es gab eine sozio-linguistische Differenzierung:
Kunst = Tätigkeit am Hof der Fürsten
List
= Fähigkeiten, die mit dem Hof nichts zu tun hatten
Im Laufe der Zeit eine Handlung, die moralisch verurteilt wurde .
Bedeutungsabwertung listiger Mensch  kann auch positiv gemeint werden, aber meistens
ist es heute pejoratives Wort
Entstehung von negativen Semen (z.B. List) wird als Bedeutungsabwertung eines Wortes
bezeichnet. Umstrukturierung des gesamten Bestandes von denotativen und konnotativen
Semen kann zu einer Bedeutungsabwertung führen (z.B. Schelm).
Die Beziehungen also zwischen der alten und der neuen Bedeutung eines Wortes, die auch
dazu führen können, dass bei einem polysemen Wort eine seiner Bedeutungen verschwindet
und eine andere hinzukommt.
Schwund von Bedeutungen :
z.B. „Stein“ – im Mittelalter: Fels, felsiger Berg, Gewicht
Neue Bedeutung: „Stein“ heute = beliebige Größe
z.B. „hell“ - MHD: laut und hoch klingelnd
heute: ein heller Ton, helles Licht, helle Farbe – früher nicht möglich zu sagen
Bedeutungsentlehnung:
- spielt groβe Rolle beim Bedeutungswandel
„Pionier“ - 2 Seme: Wegbereiter, Soldat
- durch Entlehnung aus der russischen Sprache: ein neues Semem = Mitglied der
Pionierorganisation
Die Entlehnung aus Fremdspachen
Man unterscheidet die Bestandteile des Wortschatzes, die fremder Herkunft sind, in:
1. Lehnwörter
2. Fremdwörter
1. Lehnwörter
- haben sich vollkommen an das Deutsche assimiliert (in der Betonung, Lautgestalt, Flexion)
- man erkennt sie nicht mehr
- sie entstehen durch Beziehungen zwischen Feldern
- vor allem Substantive
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2.Fremdwörter
- sie haben ihren fremden Charakter beibehalten
- ein groβer Teil findet man in anderen Sprachen (in mindestens 3 Senem übereinstimmen) =
Internationalismen
- aus Bereich der Kultur, Kunst, Ökonomie, Technik, Medizin…..
In der deutschen Sprache gibt es Einfluss aus dem :
1. Lateinischen :
- die Germanen übernahmen von den Römern Kultur und auch Bezeichnungen für bestimmte
Dinge
- aus dem Militärswesen: campus  Kampf
palus  Pfahl
- aus dem Bauwesen: fenestra  Fenster
- Hausausrüstungen: discus  Tisch
patina  Pfanne
- aus dem Handel: fructus  Frucht
vinum  Wein
petrosilium  Petersillie
ficus  Feige
- aus der Verwaltung: cesar Kaiser
- Christentum: claustrum  Kloster
monacus  Mönch
- juristische Terminologie: Advokat, Alimente, Kaution, Arrest, Amnestie, Hypothek
- aus dem Schulwesen: Abitur, Auditorium, Magister, Professor
- aus der Wirtschaft: Definition, Philosoph, Logik, Mathematik
- aus dem Naturwissenschaften : multiplizieren, addieren, Geometrie, Apotheke, Tinktur,
Planet, dividieren
2.Griechischen :
- Arithmetik, Musik, Bibliothek, Methaphysik
3.Althebräischen :
- Halleluja, Hoisijana, Satan
4.Altägyptischen :
- Gummi, Oase
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5.Französischen :
1. Welle (11. – 12. Jh.): höfische, ritterliche Kultur wurde nachgeahmt: Palast, Abenteuer
2. Welle (17. – 18. Jh.): König der Sonne: Ludwig XIV. herrschte
Madame, Oheim, Mume, Mademoiselle, Hasard, Illumination, Ball,
Ballett, brav, frivol, duellieren
- zum Aussehen: Friseur, Perücke, Parfüm, Toilette, Mode, elegant
- zu den Mahlzeiten: Omelette, Gelee, Limonade, Kotelett, Bouillon
- zur Wohnung: Balkon, Loge, Galerie, Gardine, Hotel,
- zur Musik: Theater, Musik, Flöte, Chanson, Variete, Festival
- zur Diplomatie: Majorität, Minorität
3.Welle (2. Hälfte des 10. – 1. Hälfte des 19. Jh.): Revolution, Republik, Demokrat, Klasse,
Sozialismus, Konstitution
6. Italienischen :
- aus dem Handel: r Dank, r Bankrott, r Kredit, s Konto
- aus der Musik: r Sopran, s Cello, e Oper, e Operette, r Tenor, e Violine
- aus der Architektur: e Galerie, e Fassade
- aus dem Militärwesen: r Soldat, r Panzer, e Granate, e Kanone, r Alarm
- aus der Seefahrt: r Kompass, e Flotte, e Fregatte (heute auch bunt geschminkte Frau)
7. Spanischen , Portugiesischen :
e Schokolade, e Mantille, e Familie, e Zigarre, e Serenade
8. Englischen :
s Konzert, r Export, r Import, r Scheck, s Prozent
- aus der Seefahrt: s Boot, r Steward, r Kutter
- aus der Politik: s Meeting, s Interview, s Parlament, r Reporter, r Boykott
- aus dem Sport: r Start, s Finish, s Hockey, s Match, r Champion, r Trainer, s Handicap
- aus der Mode: r Pullover, r Sweater, e Shorts, r Smoking
- aus der Gastronomie: r Roastbeef, s Beefsteak, s Sandwich, r Pudding, r Grog, r Drink, r
Whisky
Amerikanismen: s Musical, s Camping, r Bestseller, r Job
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9.aus den slawischen Sprachen :
Russisch: r Wodka, r Zobel, e Steppe (nach 1917: r Kolchos, r Sputnik, r Kosmonaut)
Tschechisch: r Kren, e Graupen, r Schöps, e Peitsche, e Baude, r Prahm
Polnisch: e Gurke, r Quark, r Dolmetscher, e Droschke
10.Arabischen : r Admiral, s Arsenal, r Alkohol, r Sultan, r Talisman
11.Türkischen : r Kiosk, e Tulpe
12.Iranischen: e Karawane, r Pascha, s Paradies, s Karussell
13. Indischen : e Banane, e Kobra, r/e Dschungel, r Hangar, super
14. Chinesischen : r Bonze, e Soja, r Tee, r Taifun
15. Japanischen : e Geisha, s Judo, r Kimono
16. aus Australienen : s Känguru, r Bumerang
Phraseologismen
- Mittel zur Bereicherung der Sprache
- bestimmte, syntaktisch freie Wortgruppen werden idiomatisiert (werden zu den festen
Wortgruppen)
- nicht mehr Bestandteile der Syntax, sondern des Wortschatzes = Lexeme
- unterschiedliche semantische und syntaktische Struktur:
 syntaktische Struktur – welche Rolle Adjektive o. Substantive spielen, ob ein Verb oder
eine bestimmte Personalform feste Bestandteile einer Wortgruppe sind usw.
semantische Struktur - ob Bedeutung der gesamten Wortgruppe und Bedeutungen den
einzelnen Wörter übereinstimmen
- einige Phras. wenig oder mehr umgangssprachlich, Verwendung in einigen Situationen
ist nicht möglich
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Verbindungen:
1. Adjektiv + Substantiv:
das leibliche Wohl  gutes Essen
ein kalter Kaffee  etwas, was alt bekannt ist
in Hülle und Fülle  in Überfluss, große Menge
2. ein Verb als fester Bestandteil:
die Flucht ergreifen  fliehen
sauer reagieren  etwas ablehnen
etw. unter die Lupe nehmen  ganz genau prüfen
3. Sätze mit festen Bestandteilen:
Mir fehlt ein Stück Film.  etwas vergessen
Ihn sticht den Hafer. Er ist übermütig.
4. adverbiale und andere Verbindungen
auf Anhieb verstanden  beim ersten Mal begreifen
gang und gäbe  üblich
gut gepolstert  ziemlich dick oder reich
frei von der Leberweg sprechen  ohne Barriere sprechen
- relativ junge linguistische Disziplin
- Einheit des Wortschatzes, Oberbegriff für Phras. – Lexem, Mehrwortlexem
- für die Bezeichnungen verschiedene Ausdrücke – chaotische Zustände,
terminologische Vielfalt
-
international verbreitet:
griech.-lat. „phrasis“
Phraseologie
Phraseologismus
lat. „idioma“
Idiomatik
Idiomatismus
- weitere Ausdrücke: idiomatische Wendung, festes Syntagma, Wortgruppenlexem,
Paralexem, feste Wortgruppe usw.
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Phraseologie
zwei Bedeutungen:
1. eine sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erforschung der Phraseologismen
beschäftigt
2. das gesamte Inventar aller Phras. in der Sprache
- bestehen aus mehreren Wörtern, eine determinierende und eine determinierte
Komponente, mehr oder wenig fester Grad der festen Verbindung
-
Sprichwörter: werden allgemein nicht zu den Phras. gerechnet, haben Satzstruktur,
jedoch eine gewisse Festigkeit
- „geflügelte Wörter“: werden zu den Phras. nicht gerechnet
- terminologische Wortgruppen in der Fachsprache – auch nicht Eigennamen – die
Grenze ist nicht fest (es gibt große Probleme mit der exakten Zuordnung, aber
vielleicht auch nicht)
Idiomatizität
-
Bedeutung eines Phrs. lässt sich nicht aus den Bedeutungen der einzelnen
Komponenten erklären
a) vollidiomatisierte Wendungen:
ein alter Hase
eine lahme Ente
aus der Haut fahren  sich ärgern
Kohldampf schieben  Hunger haben
etwas übers Knie brechen  voreilig handeln
bei jmdm. einen Stein im Brett haben  bei jmdm. beliebt sein
ein hohes Tier  hochstehende Persönlichkeit
b) neben vollidiomatisierten Wendungen gibt es noch einen unterschiedlichen Grad
der Idiomatizität:
id. Wendungen, die in der direkten Bedeutung auch als syntaktisch freie Wortgruppen
vorkommen:
jmdm. Den Kopf waschen  jmdn. tadeln
zur Kasse gebeten werden  bezahlen müssen
die Weichen stellen  wichtigen Entschluss fassen
öffentliches Haus  ein Bordell
eine kalte Dusche  eine Dämpfung, eine Ernüchterung
ein freundliches Ereignis  Geburt eines Kindes
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c) id. Wendungen, die in direkter Bedeutung durch ein Bild, eine Metapher verbunden
werden, dieser Metaphorisierungsprozess ist als einzelner ohne etymolog.
Kenntnisse nicht mehr zu bestimmen:
ins Fettnäpfchen treten  etwas machen, was jmdm. nicht gefällt
das Heft in der Hand fest haben  Macht haben
d) andere Verbindungen, die in der Alltagssprache häufig sind, die aber in
Sammlungen von Redensarten kaum zu sehen sind und große Probleme den
Ausländern machen:
jmdn. auf andere Gedanken bringen
gar nichts darauf geben
e) teilidiomatisierte Wendungen – nur ein Teil der Komponente ist gebunden:
eine faule Ausrede  eine wenig überzeugende Ausrede
eine Schraube ohne Ende  eine Angelegenheit ohne Ende
diebische Elster  diebische Frau
Blut und Wasser schwitzen  sehr schwitzen
Eine Fahrt ins Blaue  eine (Vergnügungs-) Fahrt mit unbekanntem Ziel
Nichtidiomatische Konstruktionen
(phrasenhafte Stereotypen oder Nominationsstereotypen)
- entstehen sehr oft im Stil der Massenmedien
- haben oft die Funktion von Benennungseinheiten
1. sie sind oft so konstruiert, dass ein Muttersprachler beim Hören der ersten Komponente
sofort auch die zweite erwartet und die zweite auch schon kennt .
Nichtidiomatisierte Wortpaare. Sie haben ihre ursprüngliche Bedeutung behalten , gehören
aber durch ihre feste Reihenfolge zu den Phraseologismen.
z.B.: Gelegenheit benutzen: in Hülle und Fülle (in großer Menge)
Freud und Leid (Glück u. Unglück des Lebens)
bei Tag und Nacht
Zu diesen nichtidiomatischen Wortgruppen gehören auch solche, die einen gewissen
internationalen Charakter haben. Die haben in mehreren Sprachen die gleiche Bedeutung und
werden meistens nach denselben syntaktischen Strukturen gebildet.
z.B.: gesammelte Werke, herrschende Klasse; bewaffnete Organe; historisches Ereignis;
öffentliche Meinung
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2. Klischees der Massenmedien.
z.B.: die Reserven erschließen; auf der Tagesordnung stehen;
eine schöpferische Initiative entwickeln; das materielle und kulturelle Niveau erhöhen
3. Verbindungen vom Typ Attribut (bzw. Adjektiv) + Substantiv
= in denen die Attribute eigentlich keine neuen Informationen geben. Sie dienen zur
Verstärkung des Inhaltes, Stabilität!
z.B.: das blaue Meer; die grüne Heide; der gesunde Menschenverstand
Konstruktionen aus Märchen: der böse Wolf; die böse Stiefmutter; der schlaue Fuchs;
der tiefe Wald
Lexikalisierung und Reduzierbarkeit:
Phraseologismen werden wie ein Wort im Gedächtnis gespeichert und auch wieder wie ein
Wort reproduziert, während die freien Wortgruppen jedesmal aufs Neue im Prozess der Rede
nach bestimmten syntaktischen Modellen neu gebildet werden. Deshalb sind sie nicht
reproduzierbar. Die Wissenschaftler bemühen sich, eine Klassifizierung der Phraseologismen
vorzunehmen.
Klassifizierung der Phraseologismen:
Moderne semantische Klassifizierungen basieren auf der Einteilung des russischen
Sprachwissenschaftlers Vinogradov. Seine Einteilung wird im Wesentlichen von Černyševa,
Fleischer, Schippan u.a. übernommen.
1. Phraseologische Ganzheiten:
- Phraseologismen im engeren Sinn , sog. Umdeutungen einer ganzen Wortgruppe, die
manchmal auch als syntaktisch freie Wortgruppe möglich ist, aber durch die Umdeutung kann
man die Bedeutung der Wortgruppe nicht aus der Bedeutung der einzelnen Komponenten
erschließen.
z.B.: j-m den Stuhl vor Tür setzen (hinauswerfen); j-m einen Korb geben (ablehnen); ein
blinder Passagier (ohne Fahrkarte); auf die lange Bank schieben (warten); Mund halten
(schweigen)
- sprichwörtliche Redensarten bilden Ausdrücke, die aus einem anderen Sinnbereich
übertragen werden; wir finden sie im etymologischen Wörterbuch
z.B.: wie auf Kohlen sitzen (in Unruhe sein); auf der Bärenhaut liegen (faulenzen); für j-n die
Hand ins Feuer legen (an j-n. glauben)
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sR treten in verschiedenen Formen auf:
a) Wortgruppen mit verbalem Kern
z.B.: etw. für bare Münze nehmen (ganz genau glauben)
die Augen zum Boden schlagen
ein Haus in Schutt und Asche legen (zerstören)
b) Wortpaare
2 Adjektive: kurz und gut (kurz gesagt)
samt und klanglos (spurlos verschwinden)
2 Substantive: mit Kind und Kegel (alle)
Hals über Kopf rennen/laufen (schnell)
auf Schritt und Tritt (überall)
c) Wortgruppen mit nominalem Kern
Adj. + Subst. : dicke Luft (eine angespannte Atmosphäre)
ein Wunder Punkt (schwache Stelle)
Subst. + Präposition. + Adj. : ein Schlossim Mond (Produkt der Phantasie)
ein Ding mit Pfiff (Risiko eingehen)
d) Phraseologische Ellipsen
- kurze Sätze, in denen ein wichtiges Satzglied fehlt:
z.B.: Ach, du meine Güte! Ach, du grüne Neune! (passiert ganz unerwartet)
Gott sei dank!
Schwamm drüber! (Alles ist vergessen)
2. Phraseologische Verbindungen:
- Wortgruppen, in denen eine Komponente in der Ursprungsbedeutung vorkommt, und die
andere Komponente phraseologisch gebunden , idiomatisiert ist.
Nach der syntaktischen Struktur unterscheidet man:
a) verbale Verbindungen: er ist in Aufregung geraten; er hat Abschied genommen; sich
einer Prüfung unterziehen; derselben Meinung sein
b) nominale Verbindungen: warme Küche, treu wie Gold, ein Mann von Ehre, Blut und
Wasser schwitzen, eine Fahrt in Blaue, eine faule Ausrede
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3. Modellierte Bildungen :
- Konstruktionen mit einer wertenden Bedeutung, einschätzenden Bedeutung:
z.B.: es ist die Harmlosigkeit in Person (ironisch); ein fauler Zauber
a) feste analytische Verbalverbindungen
z.B.: in Eile sein
- Funktionsverbgefüge (Streckformen) , eine besondere Art der Phraseoschablonen,
entsprechen einem Vollverb
z.B.: etw. unter Kontrolle nehmen (kontrollieren); etw. zum Halten bringen (anhalten)
Diese Wendungen sind an der Grenze, weil sie auf keinen Fall idiomatisch sind, aber
trotzdem eine gewisse Festigkeit haben. Ihre Hauptfunktion ist das Ausdrücken der
Aktionsart (Durativa, Nichtdurativa, Kausativa).
Die Hauptfunktion der Phraseologismen ist ihre expressive Bedeutung. Deshalb werden
sie einer bestimmten stilistischen Ebene zugeordnet. Eine solche Zuordnung zu einer
bestimmten Ebene nennt man pragmatischer Aspekt. Man muss die Wirkung der
Phraseologismen auf einen Kommunikationspartner gut einschätzen können; wenn man
das nicht kann, kann es passieren, dass auch peinlich Situationen entstehen.
Stabilität
Phras. sind relativ stabil, Abwandlung ist nur begrenzt möglich.
Austauschbarkeit mit z. B. einem Synonym ist nicht möglich.
z. B.
territoriale Dubletten – Rahm + Sahne
Phraseol : den Rahm abschöpfen – nur für sich das Beste haben
nicht möglich : Sahne abschöpfen
Unikale Komponenten – Wörter, die außerhalb eines bestimmten, konkreten Phras.
heute nicht mehr vorkommen.
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Substantive als U. K.:
Fersengeld geben  schnell fliehen
auf dem Holzweg sein  sich irren
am Hungertuch nagen  hungern
etwas auf dem Kerbholz haben  schuld an etwas sein
jmdm. den Laufpass geben  sich von jmdm. trennen
Adjektive / Adverbien als U. K.:
fehl am Platz sein  nicht erwünscht sein
jmdn./etw. ausfindig machen  nach längerem Suchen finden
gang und gäbe sein  üblich sein
ein gordischer Knoten  eine schwer lösbare Aufgabe
Verben als U. K.:
die Ohren steif halten  den Mut nicht verlieren, gesund bleiben
eine Scharte auswetzen  etw. wieder gut machen
jmdn. über den Löffel balbieren  jmdn. betrügen
sich nicht lumpen lassen  nicht geizig sein
Phras. können von der Norm, von den Regeln abweichen, es zeigt die Stabilität.
Z. B. bleibt ein attributives Adjektiv bei einem Substantiv unflektiert:
frei Haus liefern  zusätzlich ohne Bezahlung in die Wohnung liefern
auf gut Glück etw. machen  etw. mit Risiko machen
Weitere Phraseologismen :
- auf des Messers Schneide  ganz hart an der Grenze stehen
- aus aller Herren Länder  aus allen möglichen Teilen der Welt
- jmdm. auf den Wecker gehen  jmdn. langweilen
- sich in die Nesseln sitzen  sich im Ton vergreifen, in eine unangenehme Situation
kommen
- jmdn. an der Nase herumführen  jmdn. belügen
- jmdm. ein X für ein U vormachen  jmdn. belügen
- ein offenes Ohr haben für ...  interessiert sein für
- nicht auf den Mund gefallen sein  im richtigen Moment das Richtige sagen
- im gleichen Boot sitzen  die gleichen Aufgaben erfüllen
- nur Bahnhof verstehen  nichts verstehen
- sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen  sich nicht betrügen lassen
- mit jmdm. einen guten Faden spinnen  sich mit jmdm. gut vertragen
- den Nagel auf den Kopf treffen  das Wesentliche erfassen und ausdrücken
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- Sportlexik : Termini : Abseits, zweite Halbzeit
- Fachjargonismen : er wurde gefoult
4. territoriale Lexik bestimmter Altersgruppen
Frauensprache - große Diskussionen
- beschäftigt sich im Bereich der Soziolekte
- Sprache und Sexus
- z. B. sexistisch heißt frauenfeindlich – diese „Diskriminisierung“
widerspiegelt sich in der Sprache , und viele feministische Bewegungen
protestieren gegen das produktive Suffix – „in “, sie sagen, dass es eine
Abhängigkeit der Frau vom Mann bedeutet
ad 2) Gliederung des Wortschatzes nach der Herkunft:
a) heimischer
b) fremder
ad b)
fremdes Wortgut - Entlehnungen aus anderen Sprachen, sie sind in
unterschiedlichem Grad in der Lexik in die Sprache integriert, assimiliert.
Nach dem Grad der Anpassung an die graphische oder phonematische Gestalt
unterscheidet man Fremdwörter und Lehnwörter.
Sonderwortschatz
Kaufleute
Jäger Pechvogel
Bergleute
Seeleute  einen Abstecher machen = ein kleiner Ausflug zu einem Ort, der abseits der
Reiseroute liegt
aufgetakelt – auftakeln = ein Segelschiff mit Ausrüstung versehen
Bauern  auf den Hund kommen
Handwerker  sticheln
Eisenbahnleute Kondukteur
Zimmerleute und Tischler  schnurgerade
Bäcker  hausbacken
Fischer
Jargonismen
3 Arten:
1. Gruppenjargon (Soldaten, Musiker, Studenten,...)
Soldaten: das Gewehr  Knarre
Speisen Erbsensuppe  Schrapnellsuppe
Studenten: blechen  bezahlen
Seemannssprache: der blaue Peter  Fahne
Sportler: das Tor  der Kasten, der Laden
Fahrrad  alte Karre, Drahtesel, Gummiziege
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Rotwelsch = Gauner = Bettler = Verbrechersprache:
(viele Wörter aus dem Hebräischen und aus der Zigeunersprache)
Geld  Heu, Lappen
Gefängnis  Käfig, Kitzchen, Knast
Polizist  Greifer, Spürhund
etw. feststellen  ausbaldowern
2. Klassenjargon
3. Geheimjargon
Dialektismen
In Deutschland gibt es viele Dialektismen, es entstehen neue Synonyme.
(Synonyme X territoriale Dubletten)
Schlagsahne  Schlagobers
ND:
Zwiebel  Bolle
betrunken  dun
OD:
Hafer  Haber
ein bisschen Regen  ein Husch Regen
sich ein bisschen unterhalten  klönen
Wiener Dialekt
Süddeutschösterreichische (Bayrischösterreichische) Basis
Alte Tschechen haben österreichisches Deutsch gesprochen.
( Geschlechts )Unterschiede der Arten
Deutsch :
das Kataster
der Postlersamt
Fabrikarbeiter
Tageblatt
Gänsebraten
Mädchen
Rechtsanwalt
in Zukunft
Schulfach
Lehrmittel
Bahnsteig
Fleischer
österreichisches Deutsch:
der Kataster
der Postler
Fabriksarbeiter
Tagsblatt
Gansbraten
Dirndl
Advokat
in Hinkunft
Gegenstand
Lehrbehelf
Peron
Fleischhauer
Es gibt eine horizontale Schichtung der Fachsprachen
Gemeinsprache (Gesamtsprache)
Fachsprache 1 FS2 FS3 FS4 FS5 FSn
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Fremdwörter haben die fremde graphische, phonematische, morphologische Form bewahrt
z. B. Café, Computer
Lehnwörter haben sich dem deutschen Sprachsystem angeeignet
z. B. Wein, Dame, Fenster
Die Anpassung an das deutsche Sprachsystem verlauft bei diesen Entlehnungen allmählich ,
unterschiedlich
z. B. Büro – deutsche Schreibung und Betonung, aber fremde Endung –„ o “
Ingenieur, Restaurant – fremde Schreibung und fremde Aussprache
Der Grad der Eindeutschung verläuft unterschiedlich – morphologische Anpassung im Genus
bei entlehnten Wörtern beruht darauf, dass deutsche Wörter als Ausgangsbasis genommen
werden
z. B. bogka – der Schnaps – der Wodka
Internationalismen = Wörter, die in vielen Sprachen in gleicher Bedeutung auftreten, vor
allem Wörter aus der Wissenschaft, Technik, Politik
z. B. Television, Realismus, Kultur, Tennis, Text, Minister, Präsident, Taxi
Bei den Fremdwörtern gibt es die Problematik der sog. „ falschen Freunde “ – bei
bestimmten ähnlich klingelnden Wörtern entstehen unterschiedliche (auch morphologische)
Wörter:
z. B.
tschechisch: Parlament – deutsch das Parlament
tsch. parlamentár (Mitglied des Parlaments) – der Parlamentarier
tsch. parlamentár (jemand, der verhandelt) – Der Parlamentär
Formen der Entlehnung: direkte Übername:
1) Fremdwörter
2) Lehnwörter
Lehnprägung = Neubildung des fremden Inhaltes mit deutschen Sprachmitteln
1.Lehnbedeutung = wenn für ein heimisches Wort die Bedeutung eines fremden Wortes
übernommen wird,
z. B.: Pionier – Wegbereiter eines neuen Gebietes – Soldat, im Sozialismus kam ein drittes
Semem dazu – Angehöriger einer Kinderorganisation.
Viele germanische Wörter haben unter dem Einfluss des Christentums Bedeutungen der
lateinischen oder griechischen Ausdrücke übernommen.
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2) Lehnbildung – Neubildung aus heimischen Sprachmitteln nach dem Vorbild eines
fremden Wortes:
a) Lehnschöpfung – das Wort ist fast unabhängig (Waffenstillstand, Zartgefühl)
b) Lehnformung – wenn sich die neue Bildung in der Morphemstruktur an das fremde
Wort anlehnt:
I. Lehnübersetzung - eine Glied-Für-Glied-Übersetzung eines
fremden Wortes
z. B.: brain washing – Gehirnwäsche
II. Lehnübertragung - freiere Bildung nach dem fremden Vorbild:
z. B.: Erdölleitung – aus dem Englischen pipeline
Solche Formen findet man in fast jeder Sprachperiode.
Überblick der Formen der Entlehnung:
I. direkte
Fremdwörter
II. Lehnprägung
Lehnwörter
Lehnbildung
Lehnschöpfung
Lehnübersetzung
Lehnformung
Lehnübertragung
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Lehnbedeutung
Soziale Gliederung des Wortschatzes
Berufs- und Fachwortschatz:
Die soziale Gliederung des Wortschatzes ist bestimmt durch die Art der
gesellschaftlichen Verhältnisse, durch die Stellung der Menschen im Prozess der
Produktion, durch die Beziehungen der Menschen in den verschiedensten
Gemeinschaften, aber auch durch die sozialen Verhältnisse in den Gruppen mit gleichen
Interessen.
Gruppen von Wortschatzvarianten:
1) Varianten, die sich aus der Kommunikation im Beruf im Fach oder in der
Wissenschaft in der Sphäre der Zusammenarbeit, auf praktischem und theoretischem
Gebiet des Berufslebens ergeben. Das sind die Professionalismen im weitesten Sinn.
2) Varianten, die in der Kommunikation verschiedenster Gruppen vorkommen.
Jeder gehört im Verlaufe seines Lebens zu mehreren solchen Gruppen. Jeder besitzt in
unterschiedlichem Maße eine fachsprachliche Kompetenz.
Die fachliche Spezialisierung führt zur Herausbildung des Wortschatzes, welchen man
für die präzise wissenschaftliche Arbeit, für die theoretische Arbeit in bestimmten
Fächern und Wissenschaften benötigt. Es entwickeln sich die Terminologien
(Bestandteile der Fachsprache).
Mit Termini arbeiten nicht nur die Fachleute, sondern auch Praktiker. In den
verschiedenen beruflichen Einrichtungen bilden sich aber auch Varianten der
wissenschaftlichen, beruflichen Kommunikation heraus – Umgangssprache eines
Fachgebietes. Es handelt sich nicht um die genau definierten Termine, sondern um
bestimmte Wörter, die man zur Verständigung in einem Gebiet braucht.
In einer Fachsprache gibt es auch umgangssprachliche Elemente, fachspezifische Lexik,
Nomenklaturzeichen und „Halbtermini“.
Versuche, Fachwortschatz zu klassifizieren :
z. B. Filipec
I. allgemeiner Wortschatz
II. Sonderwortschatz:
1. Professionalismen
- nichtschriftsprachliche
- schriftsprachliche
2. Termini
- eigentliche
- spezifische - T. mit gnoseologischem Charakter
- Fachausdrücke, Nomenklatur
- T. mehrerer Wissenschaften
- Quasiternini (ungenaue, Halbtermini)
59
z. B. Wilhelm Schmidt
Fachwortschatz - Termini
- standardisierte
- nicht standardisierte
- Halbtermini
- Fachjargonisme
Termini:
- nur ein Bestandteil der Fachsprache, sie bilden den Kern der
Wissenschaftsterminologie
- genau definierte fachsprachliche Lexik, zeichnen sich durch Eindeutigkeit,
Bestimmtheit und Genauigkeit aus
Fachsprache
- besteht aus umgangssprachlichen Elementen, Halbtermini, Jargonismen, Wörter der
Gemeinsprache
Terminologie
- das System der Termini einer Wissenschafts - oder Fachsprache
Terminologiewissenschaft
- seit den 30er Jahren des 20. Jahrhundert
- heute internationale Zusammenarbeit
- Terminologienormung – bei diesem Prozess erhält ein gemeinsprachliches Wort durch
die Bestimmung den Charakter einer Terminus und wird dadurch terminologisiert
(gemeinsprachliche Wörter können terminologisiert werden, in diesem Augenblick
erhalten sie eine genaue Definition).
Merkmale von Teminologien:
Termini = im Rahmen einer Theorie begrifflich definierte Fachwörter
Mit dem Gebrauch von Termini erreichen die Fachleute auf ihrem Gebiet ein
Höchstmaß an Genauigkeit in der Kommunikation an begrifflicher Übereinstimmung.
Bei gleichen Termini ist es überhaupt kein Problem, im verschiedenen Sprachen zu
sprechen.
Termini = Elemente eines terminologischen Systems. Dieses System folgt nicht dem
Sprachsystem, sondern dem System der Wissenschaft des Fachgebietes.
Kriterien für einen Terminus: Eindeutigkeit, Genauigkeit, ein festgelegter Platz in der
Hierarchie des Terminologiesystems.
Die Definition eines Terminus erfolgt meistens durch einen spezifischen Kontext. Diese
Definitionen erfolgen als „Kopula-Sätze“ und der Terminus selbst ist immer das Subjekt
(z. B. „die Kette“ – lineare Folge von sprachlichen Elementen oder linguistischen
Kategorien – alle Sprachwissenschaftler verstehen unter diesem Wort dasselbe).
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Die Bedeutung eines Terminus kann sich auch verändern. Neue Erkenntnisse in der
Wissenschaft, Verifizierung oder Falsifizierung von Hypothesen – das wirkt sich auch
auf terminologische Systeme und auf ihre Elemente aus.
Trotzdem sind Termini stilistisch neutral – ohne Emotionen, ohne konnotative
Bedeutungskomponenten.
Unterschiede: naturwissenschaftliche und technische Terminologie
geisteswissenschaftliche und philosophische Terminologie
Die Unterschiede ergeben sich aus den verschiedenen Denotaten der
Terminologie und aus den unterschiedlichen Kommunikationsabsichten und
Kommunikationszielen der einzelnen Arten der Terminologie.
NTW – naturwissenschaftliche Termine
TT – technische Termine
Die NWT und TT brauchen keine Öffentlichkeit – die Fachleute kommunizieren in
ihren Bereichen die PT und GWT brauchen die Öffentlichkeit – z. B. Politiker – der
Charakter dieser Terminologien ist anders und es kommt leicht zu Polysemie – oder
Homonymiebildung (nicht so eindeutig).
z. B. Demokratie , Freiheit, Menschenrechte, Unabhängigkeit u.a.
In den NWT und TT zeigt sich eine andere Tendenz – Tendenz zur
Internationalisierung. Deshalb entstehen die meisten Internationalismen auf dem Gebiet
der Technik und Naturwissenschaft.
Schichten der Fachsprachen
1.fachinterne Kommunikation
- Wissenschaftssprache, fachliche Umgangssprache eines Fachgebietes
(„Werkstattsslang“, „Betriebsslang“)
3. interfachliche K.
- Kommunikation zwischen den Fächern
4. fachexterne K.
- Verkauf, Werbung – „Verbreitungssprache“...
Neben den genau definierten Terminen gibt es in den Fachsprachen noch andere Fachwörter:
1) allgemeine Termine, die ein Wissenschaftsgebiet übergreifen – benennen allgemeine
wissenschaftliche Merkmale
z. B. positiv, negativ, lokal, aktiv, Synthese, Funktion
2) Fachwörter, die keine feste Definition haben und z. B. bei der Arbeit entstehen
z. B. systematisieren, kategorisieren, Membrane usw.
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Quelle der Enstehung Fachsprachlicher Lexeme:
Ein großer Teil des Fachwortschatzes enthält gemeinsprachiges Wortgut, welches durch eine
Definition terminologisiert wird. Diese Termine, die dabei entstehen, sind entweder motiviert
oder unmotiviert.
Motivierte Termine können metaphorische oder metonymische Übertragungen aus der
Gemeinsprache sein. Sie entstehen aber auf dem Weg der Wortbildung.
Als motiviert sind solche Termine zu betrachten, derer Bedeutung im Kern mit der
ursprünglichen gemeinsprachigen Bedeutung übereinstimmt.
z. B. das Feld – motivierter Terminus: magnetisches Feld usw.
! aber: Gefahr von falschen Interpretationen:
z. B. der Markt – terminologische Bedeutung in der Ökonomie
die Arbeit und die Kraft – in der Physik
In die Fachwortschätze tritt immer mehr fremdes Wortgut ein. Es handelt sich um die
Internationalismen, um Neubildungen aus griechischen und lateinischen Morphemen und
Lexemen (z. B. Archaismus, positiv, Distribution, Transformation ...).
Es werden auch zahlreiche Synonyme gebildet:
z. B. Patienten der Ärzte: Diabetes – Quasiterminus „cukrovka“
Interessant ist, dass es zu völlig neuen oder etwas veralteten und neuaufgenommenen
Wortbildungskonstruktionen zu speziellen fachsprachigen Wortbildungsmodellen und
Wortbildungskonstruktionen kommt.
z. B. die Bildung deverbaler Substantive, ung-Derivate mit dem produktiven Suffix –ung
oder Konversion bei der Bildung deverbaler Substantive, Kompositabildung und auch
Kurzwortbildung. Typisch ist die Bildung fachsprachlicher Verben mit Modellen, die in der
Gemeinsprache wenig
benutzt werden – z. B.:
Modelle
Verb + Verb (ziehen + schleifen = Ziehschleif)
Adjektiv + Verb (kalt + schweißen = kaltschweißen)
Konversion Verb zu Nomen: kaltschweißen – das Kaltschweißen
Über die verschiedenen Wortbildungsmodelle, Arten der Suffigierung und der
Präfigierung dringen auch so genannte Fremdpräfixe in die Fachsprache ein.
z. B. neo-, anti-, hyper-, super- - das alles sind Merkmale moderner
Fachsprache
Nicht nur gemeinsprachige Wörter kommen in die verschiedenen Fachwortschätze.
Dieser Prozess kann auch umgekehrt verlaufen. Die Lexik kommt also aus
verschiedenen Fachsprachen in die Gemeinsprache zurück. Einmal geschieht dieser
Prozess durch die Übernahme der Lexik und zum anderen entstehen zahlreiche
Parallelbildungen für das gleiche Denotat.
Wenn der Übergang eines gemeinsprachigen Wortes in eine Fachsprache mit der
Terminologisierung des Wortes verbunden ist, kommt es bei umgekehrtem Weg zu einer
Endterminologisierung und der ehemalige Termin hat jetzt wieder die Merkmale, die
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typisch für ein gemeinsprachiges Wort sind (Polysemie, Homonymie, Expressivität,
konnotative Bedeutungskomponenten ...).
z. B. „Kettenreaktion“, „Altlast“ = ehemalige Termine aus dem Gebiet der
Kernphysik, heute sind sie längst in andere Bereiche übernommen.
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