Berricht - ETA Hoffmann

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„Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume“
-Unbekannt
Für mich wurde dieses Sprichwort am 8. August 2007 wahr. Mein Kindheitstraum, ein
Schuljahr in einem anderen Land zu verbringen, wurde Wirklichkeit als der Flieger mit
ungefähr 160 aufgeregten AFS- Austauschschülern in eine neue Welt aufbrach. O Hare
Airport in Chicago, USA war unser Ziel, denn Chicago sollte für das folgende Jahr meine
zweite Heimat werden.
Ein Großteil des Aufenthaltes ist nun schon vorbei und mein Traum hat sich wirklich
großartig gelebt. Ich habe eine sagenhafte Zeit und ich bin mir sicher es wird weiter so gehen
bis es dann Anfang Juli wieder Zeit wird Koffer zu packen…aber das ist jetzt erstmal eine
andere Geschichte.
Ich habe eine großartige Gastfamilie, die mich mit offenen Armen aufgenommen hat. Ich bin
so dankbar, dass ich Teil dieser Familie bin, denn eine bessere hätte ich mir nicht wünschen
können. Mein Gastvater Gary arbeitet als Mechaniker für Volkswagen und er ist super lustig.
Er bringt mich so ziemlich jeden Tag durch seine Kommentare zum Lachen. Meine
Gastmutter arbeitet in einem Büro und organisiert verschiedene Veranstaltungen. Sie ist
wirklich sehr gebildet und kann mir immer eine Menge über Amerika oder auch Chicago
erzählen. Ja und dann gibt es noch meinen Gastbruder Mike. Einen besseren Gastbruder hätte
ich mir nicht wünschen können. Ich bin wirklich dankbar, dass wir zwei uns so gut verstehen.
Er ist ein Jahr älter als ich, aber wir haben zusammen immer super viel Spaß. Ich habe auch
noch zwei ältere Gastschwestern, aber da Candace auf’s College geht und Courtney ihre
eigene Wohnung hat und schon arbeitet, sehe ich sie nicht so oft. Doch da jetzt die
Sommerferien anfangen wird Candace wieder öfters zu Hause sein.
Meine Schule ist die Chicago Christian High School, eine Privatschule im Süden von
Chicago. Es ist eine relativ kleine Schule mit nur 450 Schülern. Aber da es in einer
Amerikanischen High School nur die Klassen 9 bis 12 gibt, nicht wie in unserem Gymnasium
5 bis 13, haben die Jahrgangstufen ungefähr dieselbe Größe. Dadurch, dass die Schule so
klein ist, ist es mir nicht schwer gefallen neue Freunde zu finden. Mich und die anderen zwei
Austauschschüler kennt fast schon die ganze Schule.
Wie der Name der Schule schon sagt, ist es eine Christliche Schule, d.h. im Gegensatz zu
Public Schools wird an unsere Schule Religionsunterricht unterrichtet und wir haben auch
zwei Mal die Woche zwanzigminütig „Chapel“. Für „Chapel“ versammelt sich die ganze
Schule im Auditorium und dann wird zusammen gebetet und gesungen. Manchmal haben wir
auch Gastsprecher, die uns über ihre spirituelle Reise erzählen oder wir sehen
Videoausschnitte, die mit dem jeweiligen Thema zu tun haben.
Schule hier ist generell ziemlich anders als bei uns in Deutschland. Jeder Schüler wählt seine
eigenen Fächer und alle haben deswegen ihren individuellen Stundenplan. Deswegen ist man
jedes Fach mit neuen Leuten in einer Klasse. Man lernt dadurch viel mehr Leute kennen aber
dafür kennt man sich untereinander nicht so gut. Die meisten von euch haben bestimmt auch
schon gehört, dass in Amerika die Lehrer ihr Klassenzimmer haben und die Schüler deswegen
wechseln.
Ein anderer Unterschied ist ebenfalls der Stundenplan. Man hat jeden Tag die gleichen Fächer
bis das erste Semester vorbei ist. Für das zweite Semester ändert sich der Stundenplan dann.
Den neuen Stundenplan hat man dann jeden Tag bis das zweite Semester vorbei ist. Für
jemanden wie mich ist das natürlich eine große Hilfe, denn in Deutschland konnte ich mir nie
meinen Stundenplan merken und habe deswegen immer meine Banknachbarn mit der Frage,
welches Fach wir als nächstes haben, genervt.
Mein Stundenplan im ersten Semester fingt jeden Tag mit „History of Chicago“ an. Das war
eine meiner Lieblingsklassen, denn man lernt eine Menge über Chicago, das man ansonsten
nie herausgefunden hätte. Außerdem sind wir auch auf fünf interessante Ausflüge gegangen.
Die meisten waren ins Stadtzentrum, Down Town genannt. Dort stehen die ganzen
interessanten Hochhäuser und Museen. Im zweiten Semester habe ich dann ein etwas mehr
creatives Fach gewählt, „Drawing“. Jeder in meiner Klasse war wirklich super begabt und wir
hatten alle so viel Spaß mit den verschiedenen Materialien zu zeichnen.
Mein nächstes Fach in beiden Semestern war „Chor“. Ja, das ist ein Schulfach in Amerika und
man wird auch benotet.
Unser Chor ist wirklich sehr gut und wir hatten viele Konzerte dieses Jahr. Vor Ende des
Schuljahres sind wir auf Choir Tour nach New York gegangen. Es war so viel Spaß sich mit
so einer großen Gruppe New York anzusehen und dann Konzerte in z.B. der UN zu singen.
Mein drittes Fach für beide Semester war „American History”. Angefangen bei den Indianern
und den ersten Weißen über den Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien und dann vom
Civil War über den ersten Weltkrieg sind wir dann zu den 20er Jahren, der Depression und
dann am Ende zum 2.Weltkrieg gekommen. Es ist wirklich eine interessante Klasse, da man
Geschichte nun aus dem Blickwinkel von Amerika lernt. Außerdem ist unser Lehrer sehr
lustig. Er ist eigentlich aus Kanada, aber ist nach Amerika ausgewandert und unterrichtet nun
Amerikanische Geschichte. Deswegen fügt er auch ab und zu seine kanadische Blickweise
mit ein.
Das letzte Fach vor der Mittagspause ist dann „Current Issues” im ersten und „Sociology“ im
zweiten Semester. Beide Klassen sind mehr Diskussionsklassen. Wir müssen auch manchmal
alleine oder in Gruppen kurze Präsentationen halten. Unsere Themen in „Current Issues“ sind
eigentlich alles, was gerade aktuell ist. Unsere Themen waren die Geschehnisse in Dafur, aber
auch generell in Afrika, der Mittlere Osten und natürlich die amerikanische
Präsidentschaftswahl. In „ Sociology“ dagegen dreht sich alles um die Gesellschaft und wie
Menschen miteinander umgehen. Es war eine wirklich interessante Klasse aber auch eine sehr
lustige.
Dann hatten wir erstmal Mittagspause und danach ging es weiter mit „American Literature“ in
beiden Semestern. In dieser Klasse lesen wir meistens verschieden Bücher oder
Kurzgeschichten und Gedichte von amerikanischen Autoren. Dazu besprechen wir meistens
die verschiedenen Epochen der jeweiligen Autoren.
Meine vorletzte Klasse ist dann „Bible“ im ersten Semester. Wir besprechen hauptsächlich die
Geschichte der Kirche. Unsere Themen waren vor allem Luther und die Reformation. Der
Großteil meiner Schule ist Christian Reformed und nur sehr wenige sind katholisch.
Deswegen ist es sehr interessant, die ganze Reformation aus einem nicht-katholischen
Blickwinkel zu sehen. Im zweiten Semester habe ich mir dann noch eine Kunstklasse gewählt.
„Painting“ war eine menge Spaß. Ich habe gelernt viel mit verschiedenen Farben und
Techniken zu experimentieren.
Mein Tag endete jeden Tag mit „Pre-Calculus“, Mathe. Und da wir das meiste schon in
Deutschland gelernt haben, ist ein Großteil für mich einfaches Wiederholen.
Im Allgemeinen ist es in Amerika einfacher, gute Noten zu schreiben. Jedoch muss man mehr
machen. Hausaufgaben sind z.B. Pflicht und werden deswegen benotet. Es ist also keine gute
Idee sie einfach mal zu vergessen. Außerdem schreibt man „Quize“ und Tests fast jede
Woche. Diese Tests und „Quize“ sind nicht besonders schwer, man muss nur jede Woche ein
bisschen Zeit aufwenden und sich die Hefteinträge anschauen.
Mein Schultag fängt jeden Tag um 8:25 Uhr an und endet um 15:15 Uhr. Aber das heißt noch
lange nicht, dass damit mein Aufenthalt in der Schule vorbei ist und ich nach Hause gehen
kann. In Amerika spielt sich im Allgemeinen das soziale Leben in der Schule ab. Man trifft
hier seine Freunde, man treibt dort Sport und man macht andere Dinge, die einen
interessieren. Ich kam eigentlich keinen Tag vor 18 Uhr nach Hause.
Am Montag war ich in dem Club, der unseren Jahresbericht gestaltet. In Amerika übernehmen
das die Schüler nämlich selbst und der Jahresbericht ist viel dicker und aufwendiger und auch
in Farbe. Am Dienstag und Donnerstag hatte ich „Mock Trial“. Das macht wirklich super viel
Spaß. „Mock Trial“ ist so etwas wie ein Scheinprozess. D.h. jeder Mock Trial Club in Illinois
bekommt die Zeugenaussagen für einen Fall und von den Aussagen müssen wir uns dann den
Prozess erarbeiten. In diesem Jahr war es ein Armbruch, der durch Mobbing verursacht
wurde. Ich war eine der Zeugen. Andere aus unserem Team waren z.B. die Anwälte oder
ebenfalls Zeugen. Nun ja und nach einer bestimmten Zeit geht es dann auch auf Turniere und
man versucht die Jury von seiner Seite zu überzeugen.
Am Mittwoch hatte ich dann „Art Club“. Das macht immer super Spaß, denn wir können
machen was wir wollen. Wir können mit Ölfarben, Acrylfarben, Kohle, Ton und vieles mehr
arbeiten. Freitag ist dann der einzige Tag an dem ich nichts nach der Schule habe. Im Frühling
war das dann aber anders, ich habe nämlich beschlossen für unsere Schule Fußball zu spielen.
Die Saison hat im März angefangen und wir hatten unsere letzten Spiele Anfang Mai. Es war
eine Menge Spaß mit meiner Mannschaft, obwohl ich eigentlich nicht besonders viel Ahnung
von Fußball hatte. Wir hatten viel gute Spiele und einige mehr oder weniger gute aber wir
hatten die ganze Saison super viel Spaß. Das einzige was mich persönlich etwas genervt hat
war, dass wir jeden Tag Training hatten und ich deswegen weniger Zeit hatte etwas mit
meinen Freunden zu machen. Das tägliche Training hat sich dann aber ausgezahlt, denn ich
hab nämlich auch ein Tor geschossen.
Sport wird in Amerika generell sehr groß geschrieben. Jede Schule hat ihre eigenen
Schulmannschaften, die dann gegen andere Schulmannschaften antreten. So etwas wie
Vereine oder Sportgemeinschaften sind in Amerika eher selten. Schoolspirit ist ebenfalls
super wichtig. Die meisten Schüler gehen zu den Football-, Volleyball- und
Basketballspielen. Und da unsere Schule in Volleyball dieses Jahr so gut war, dass es als eines
der besten Teams von ganz Illinois ins Finale geschafft hat, hat unsere Schule den Freitag frei
bekommen um sich die State Finals anzusehen.
Da mein Gastbruder im Guys Fußball Team ist, habe ich auch die meisten seiner Spiele
gesehen. Die Fußball Saison der Jungen ist immer im Herbst und die Mädchen spielen dann
im Frühling.
Unser Football Team war dieses Jahr auch super gut, sie haben es beinahe in die Finals
geschafft. Das wichtigste Footballspiel ist aber immer noch das Homecoming Spiel. Es ist das
erste Homegame in der Saison und die ganze Schule ist in den Schulfarben gekleidet und
feuert unser Team an. Am selben Wochenende ist dann auch noch der Homecoming Dance.
Das ist wie unser Schneeball am E.T.A. eine Tanzveranstaltung. Der Unterschied ist, dass
man normalerweise davor ganz viele Bilder macht und dann mit einer Gruppe von Freunden
Essen geht, dann zum Tanz und danach gibt es dann meistens eine Afterparty mit
Übernachtung.
Dann am Ende des Schuljahres war dann noch der Abschlussball für die Seniors (12. Klässer).
Das war wirklich viel Spaß. Der Ball und das Essen war in einem Hotel Downtown und alles
war wirklich schick und ausgefallen.
Nun ja und mit dem Ende des Schuljahres kam nicht nur Prom aber Gratuation. Meine ganze
Klasse (120 Schüler) waren in den blauen Roben und hatten die quadratischen Hüte auf dem
Kopf. Und nachdem der Schuleiter und einige andere ihre Worte an uns gerichtet haben,
wurden wir dann einzeln aufgerufen um unser Diploma zu erhalten. Es war wirklich eine
interessante Erfahrung.
Da jetzt hier für mich die Sommerferien angefangen haben, werde ich noch einige
interessante und erlebnisreiche Wochen in den USA haben.
Das ganze ist nur ein kleiner Einblick in mein Leben hier als Austauschschüler und es gibt
wahrscheinlich noch so viel mehr zu erzählen.
Generell lohnt es sich auf jeden Fall diesen Schritt zu machen und für ein Jahr in einem
anderen Land zu leben. Man lernt nicht nur viel über eine neue Kultur, man lernt vor allem
viel über seine eigene und sich selbst.
Aus diesem Grund möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Oppelt und Harry und Eleanor
Hetz und auch meinen Eltern bedanken, die es mir möglich gemacht haben diesen Traum zu
leben und mein Austauschjahr somit zu einer der besten Erfahrungen in meinem Leben
wurde. Vielen Dank!
Ganz liebe Grüße aus der Ferne
Elena Michel
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