Mai 2008

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PICUM-Rundbrief
Mai 2008
Fertiggestellt am 13 Mai 2008
Der Schwerpunkt dieses Rundbriefes liegt auf Nachrichten und politischen Entwicklungen hinsichtlich der
sozialen Grundrechte von Menschen ohne Papiere. Auf der PICUM-Webseite www.picum.org steht er in
folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Deutsch, Niederländisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und
Portugiesisch. Wir laden Sie dazu ein, diesen Rundbrief weiter zu verbreiten.
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Inhaltsübersicht:
1. Tod an der Grenze
2. Nachrichten aus den EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und den USA
3. Entwicklungen in der Europapolitik
4. Kinder ohne Papiere
5. Veranstaltungskalender
6. Veröffentlichungen
7. PICUM-Nachrichten
8. Verschiedenes
1. Tod an der Grenze

Laut Zeugen, die von der UNHCR befragt wurden, ertranken vier Männer, nachdem eine
Gruppe von 18 Menschen von der türkischen Polizei am 23. April 2008 gezwungen worden
war, an der Südostgrenze der Türkei mit Irak einen Fluss zu überqueren. Die Augenzeugen
gaben an, dass die türkischen Behörden zuvor versucht hatten, 60 Menschen verschiedener
Nationalitäten über die offizielle Grenze in den Irak zwangsabzuschieben. Als die irakischen
Grenzbehörden sich weigerten, 18 syirsche Staatsangehörige einreisen zu lassen, brachte die
türkische Polizei diese Menschen an einen Ort, wo ein Fluss die Grenze zwischen beiden
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Ländern bildet, und zwang sie, ihn schwimmend zu überqueren. Vier Menschen wurden von
der starken Strömung mitgerissen und ertranken. Ihre Körper konnten nicht mehr geborgen
werden. Die überlebenden Flüchtlinge sind von ihrer Erfahrung schwer traumatisiert,
berichteten Mitarbeiter/innen des UNHCR. http://www.unhcr.org/news/NEWS/4811e23c4.html

Die algerische Küstenwache barg am 10. April die Leichen von 13 Migrant/inn/en, die vom
Strand von Mers the Hedjadj an der Küste von Oran nach Spanien Segel gesetzt hatten. An
Bord waren 16 Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren. Drei von ihnen werden nach dem
Schiffbruch noch immer vermisst.
http://www.elpais.com/articulo/espana/argelinos/ahogan/travesia/Espana/elpepuesp/20080410
elpepinac_23/Tes

Mindestens 26 Migrant/inn/en sind laut Berichten im März an den Grenzen Europas gestorben,
Dutzende könnten im selben Monat auf See vermisst sein, Opfer verschiedener Schiffbrüche
vor der Westsahara, der Türkei, Spanien und Algerien.
http://fortresseurope.blogspot.com/2008/01/march-2008.html

Ein Experte hat berechnet, dass von drei Booten eines auf der Überfahrt zwischen den
subsaharischen Küsten und der Straße von Gibraltar oder den Kanarischen Inseln Schiffbruch
erleidet. Diese Daten werden in einer Studie über “Subsaharische Emigration: Marokko als
Transitraum” von Mohamed Khachani, Rechtsprofessor und Präsident des Marokkanischen
Vereins für Studien und Untersuchungen zur Migration, gesammelt.
http://www.diariosur.es/prensa/20070406/ceuta/ceuta-admite-muerteirregulares_20070406.html

Die spanische Organisation APDHA veröffentlichte ihren Jahresbericht 2007 über
Migrationsflüsse und Menschenrechtsverletzungen an der spanischen Südgrenze (siehe
PICUM Newsletter April 2008). Laut den 2007 vom Innenministerium vorgelegten Daten
wurden 55.938 Migrant/inn/en repatriiert (6% mehr als 2006), während die Ankünfte von
Migrant/inn/en zu Wasser bei 18.057 standen (53,8% weniger als 2006). Laut APDHA benutzt
die Regierung diese Daten, um die Migrationsdebatte als ein – gelöstes – Problem von Recht
und Ordnung, und Migrant/inn/en als Sicherheitsproblem darzustellen. Diese Daten
verschweigen allerdings die inakzeptable hohe Zahl von Leben, die auf dem Weg nach
Spanien verloren gehen. Durch diesen Bericht versucht APDHA, die spanische Erfahrung auf
europäischem Niveau zu analysieren, uns sie mit Italien und Malta zu vergleichen, um einen
umfassenden Überblick zu schaffen. http://www.apdha.org/media/frontierSud2007.pdf

Menschen aus Burma wurden durch Verfolgung, Konflikte, staatlich sanktionierte Gewalt und
schreckliche Armut in benachbarte Länder vertrieben. Mehr als eine Million Menschen leben
allein in Thailand und Malaysien. Da eine große Zahl von ihnen keinen offiziellen rechtlichen
Status erlangen konnte – ob als Wanderarbeiter/in oder Flüchtling – sehen sie sich in ihrem
Leben und Arbeiten als undokumentierte Bevölkerung enormen Risiken ausgesetzt. Während
ihre Arbeit die Wirtschaft von Thailand und Malaysien stärkt, werden sie wegen ihres
irregulären Status oft als Bedrohung der nationalen Sicherheit gesehen. Sie sind daher ständig
von Verhaftung, Haft, und Deportation bedroht. Um zu überleben sind sie gezwungen,
informelle Reisewege und Arbeitssuche zu beschreiten. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit,
dass sie ausgebeutet werden. In Thailand erstickten am 10. April 2008 54 Menschen aus
Burma, während sie in einem Lastwagen nach Phuket zur Arbeit geschmuggelt wurden.
Informationen aus der Gemeinschaft lassen vermuten, dass sie an der Grenze zu Thailand an
Menschenschmuggler übergeben und gezwungen. worden waren, für ihre Befreiung zu
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bezahlen. Presseerklärung des Migrant Forum in Asia: www.mfasia.org; siehe auch:
http://www.time.com/time/world/article/0,8599,1729598,00.html?xid=rss-topstories
2. Nachrichten aus UN, EU, Schweiz + U.S.A.
Frankreich

Festnahmen undokumentierter Migrant/inn/en nehmen in den französischen Präfekturen
zu. Es wird riskant, eine Auskunft über den Status seiner Akten zu erfragen, da
Festnahmen von Ausländer/inne/n in oder in der Nähe von Präfekturen zunehmen.
Undokumentierte Migrant/inn/en, die sich am Schalter von Präfekturen vorstellen, müssen
zunächst ihren Reisepass abgeben, danach werden sie hinter dem Schalter
festgenommen, um Aufsehen zu vermeiden, erklärte Nicole Garci von der kommunistischen
Partei (PCF) in Hauts-de-Seine. Die Präfektur von Hauts-de-Seine bestätigte, dass seit
Anfang 2008 14 Ausländer/innen auf dem Gelände festgenommen worden seien.
http://www.liberation.fr/actualite/societe/319430.FR.php

In seinem Bericht 2007 notiert das französische Büro für den Schutz von Flüchtlingen und
Staatenlosen (OFPRA), dass im dritten aufeinanderfolgenden Jahr die Zahl der Asylanträge
sinkt, von 59.221 2005 über 39.332 2006 auf 35.520 2007. Auf EU-Ebene gab es eine
leichte Steigerung der Antragszahlen, diese konzentrieren sich jedoch in den 12 neuen
Mitgliedsstaaten. Die französische NGO ‘France Terre d’Asile’ berichtete, dass die
Spannungen, denen heute Länder wie Griechenland, Polen oder Malta unterliegen, die
Abwesenheit der europäischen Solidarität unterstreichen, was durch das Dublin-System
verstärkt wird, das den Schutz der Flüchtlinge auf die neuen Mitgliedsstaaten im Süden und
Osten verschiebt. http://www.hns-info.net/article.php3?id_article=13898

Etwa 300 undokumentierte Arbeiter/innen, die meisten von ihnen aus Afrika, die für 20
verschiedene Firmen in der Region von Paris arbeiten, traten am 15. April 2008 in Streik,
um ihre Regularisierung zu verlangen. Die Streikenden verlangen die Anwendung der
Regierungsmaßname vom 7. Januar 2008, die die Regularisierung von undokumentierten
Arbeiter/inne/n in Sektoren erlaubt, die Schwierigkeiten haben, Personal zu finden, und die
laut den Streikenden noch nicht angewandt wird.
http://www.romandie.com/infos/news2/080415190113.mm9k3qy7.asp

Die Gewerkschaft CGT und die Organisation Droit Devant! verlangten Verhandlungen mit
dem Arbeitsministerium bezüglich der Regularisierung von 150 Berufen mit
Personalmangel, besonders Gastronomie und Baugewerbe, wie im Zirkular vom Januar
2008 vorgesehen. Die Gastronomiegewerkschaft (Union des metiers et de industries de
l’hôtellerie, UMIH) bestand auf der Regularisierung von 50.000 bis 100.00 Angestellten.
http://fr.reuters.com/article/topNews/idFRMAL13228020080421

Geschäftsleute wollen eine Lobby zur Regularisierung ihrer Angestellten gründen. Sie
haben vor kurzem festgestellt, dass einige ihrer besten Angestellten keine
Aufenhaltsgenehmigung haben, sie wurden mit gefälschten Identitätspapieren angestellt.
Seit 1. Juli 2007 müssen Manager die Präfektur fragen, wenn sie eine/n Ausländer/in
anstellen wollen, um die Autentizität ihrer Aufenhaltspapiere zu bestätigen. Die Maßnahme
gegen die Anstellung von undokumentierten Migrant/inn/en schadet einigen Unternehmen.
Jean-Luc Quipert, dessen Reinigungsfirma OUI 10 ihrer 14 Angestellten verlor, weil sie
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undokumentiert waren, war entsetzt, weil er ihnen Verträge verweigern musste. Yohann le
Goff, Eigentümer von Konex, versucht, Firmeneigentümer zusammen zu bringen, um Druck
auf die Präfekturen auszuüben, damit diese ihre Angestellten regularisieren. Der
Innenminister Brice Hortefeux schloss jedoch am 5. Mai 2007 jede allgemeine
Regularisierung aus, und will die Regularisierung auf einige Hundert der Tausenden
Anträge, die während des Streiks gestellt wurden, limitieren.
http://www.lemonde.fr/economie/article/2008/04/15/des-patrons-veulent-un-lobby-pourregulariser-leurs-employes_1034335_3234.html?xtor=RSS-823353 und
http://www.lemonde.fr/societe/article/2008/05/05/les-regularisations-de-travailleurs-sanspapiers-limitees-a-quelques-centaines-pour-bricehortefeux_1041460_3224.html#ens_id=1031066

“Es wird keine massive Regularisierungsmaßnahme” von irregulären Angestellten geben,
stellte der französiche Einwanderungsminister Brice Hortefeux am 24. April fest. Er wies
darauf hin, dass “es nur eine Entscheidung von Fall zu Fall geben kann, nach Bestehen
eines Arbeitsvertrags, der Art der Anstellung und der geographischen Lage.“ Er fügte hinzu,
dass die Regierung ihre Politik der “Strenge, Ausgewogenheit und Gerechtigkeit” fortsetzen
werde. NGOs und Gewerkschaften, die die Streikbewegung der undokumentierten
Arbeiter/innen unterstützen, haben Hunderte von Anträgen auf Regularisierung eingereicht.
http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/social/20080424.OBS1029/hortefeux__aucune_r
egularisation_massive_des_salaries_s.html

Die Organisation GISTI hat eine umfassende “Richtline über Einreise und Aufenthalt von
Ausländer/inne/n und Asylrecht” (Ceseda) vorgelegt, die sowohl die Gesetzeslage als auch
die Regularisierungsgesetze dieses französischen Gesetzes zusammenfasst.
http://www.gisti.org/IMG/pdf/ceseda_modif.pdf

Die letzte Ausgabe des Magazins ‘Plein Droit’ von GISTI untersucht die Politik des
französischen Innenministeriums unter Brice Hortefeux in Bezug auf
Familienzusammenführung, Integration, Wanderarbeiter/innen, Asylverfahren etc. Es
enthält auch einen Appell an Präsident Sarkozy bezüglich irakischer Flüchtlinge, einen
Aufruf bezüglich Haftzentren, eine Analyse der Kinderschutzreform und eine Untersuchung
der Regularisierungsverfahren. http://www.gisti.org/spip.php?article1113

Die französische NGO Cimade legte ihren Jahresbericht 2007 vor, der sich auf die Situation
in Anhaltezentren konzentriert, und die Konsequenzen der Ausweisungsquoten, die
Sarkozy festgelegt hat, scharf verurteilt. Die sich verschlechternden Bedingungen in
Anhaltezentren haben zu Selbstverletzungen, Selbstmordversuchen, Brandstiftungen,
Hungerstreiks etc. geführt, die teils gewaltsam von der Polizei unterdrückt wurden, wie in
der Nacht vom 11. auf den 12. Februar in Vincennes. Laut Cimade führte der Druck der
Quoten auf die Behörden zu einer Verschlechterung der Grundrechte von Migrant/inn/en
und sie sollten daher abgeschafft werden. http://www.cimade.org/publications/16
Spanien

Die Beraterin der “Social Action and Citizenship of Cataluna”, Carme Capdeville, kündigte am 8.
April an, sie werde die Regierung auffordern, zwei Änderungen am Einwanderungsgesetz
vorzunehmen: die Migrant/inn/en, die im Rahmen des Familiennachzugs einreisen, können eine
Arbeitsgenehmigungen erhalten, und zwar, um die spanische Nationalität zu erwerben: das
Erfordernis des rechtmäßigen Aufenthalts wird von 10 auf 5 Jahre gesenkt. Weiter sagte
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Capdeville, es sei wichtig, dass die Kinder der umgruppierten Familien Zugang zum Arbeitsmarkt
bekommen, auch wenn sie aus dem Herkunftsland zugezogen sind, da der Bedarf an
ausländischen Arbeiter/inne/n weiterhin Realität sei.
http://www.tribunalatina.com/es/viewer.php?IDN=10198

Am 12. April marschierten 2.000 Menschen unter dem Motto “Nein zu Haftzentren für
Migrant/inn/en, lasst uns unser Guantanamo schliessen”. Der Marsch endete vor dem Haftzentrum
Aluche (Madrid), wo zahlreiche Migrant/inn/en einen Hungerstreik begonnen hatten, um auf die von
ihnen zu erduldenden harten Bedingungen aufmerksam zu machen.
http://estrecho.indymedia.org/malaga/newswire/display/73520/index.php

Fast 100 NGOs haben am 15. April dem Bezirksstaatsanwalt eine Forderung nach einer
Untersuchung der angeblichen „schweren Menschenrechtsverletzungen” an im Haftzentrum Alucha
(Madrid) festgehaltenen Migrant/inn/en überreicht. Sie forderten von der Staatsanwaltschaft
Maßnahmen „dringenden” Schutzes. In der an die Bezirksstaatsanwaltschaft gerichteten formellen
Anklage halten die Unterzeichner die Staatsanwaltschaft für „verantwortlich für jeden Schaden” an
den hier festgehaltenen Menschen, besonders für die fünf, die sich seit dem 10. April im
Hungerstreik befinden. http://www.publico.es/071350/inmigrantes

Am 18. April sagte der Vizepräsident des Unterkomitees für die Verhinderung von Folter, Hans
Draminsky, während einer von der Fakultät für medizinische Versorgung in der Baskenregion (UPVEHU) organisierten Konferenz, dass Ausbildung und Qualität der Arbeit der in spanischen
Haftzentren für die Aufdeckung von Folter arbeitenden Ärzte/Ärztinnen ungenügend sei.
http://www.ecodiario.es/sociedad/noticias/486006/04/08/El-subcomite-de-la-ONU-para-laprevencion-de-la-tortura-dice-que-la-prevencion-en-las-carceles-espanolas-es-insuficiente.html

Die Immigranten-Arbeiter-Gewerkschaft (SOI) hat einen „Aufstand der Armen” gefordert, einen
Generalstreik in ganz Europa vom 1.– 3. Mai, um die „schweren Menschenrechtsverletzungen”
unter denen diese Menschen leiden, zu beenden. Der Sprecher der Gewerkschaft, Juan Noble,
sagte, die Idee eines Generalstreiks sei „bereits vor zwei Jahren” entstanden, und während dieser
Zeit habe SOI Netzwerke mit Gewerkschaften und Einwanderervertreter/inne/n in den USA und
Europa geschaffen, die zur Vorbereitung des Streiks beigetragen haben.
http://www.tribunalatina.com/es/notices/convocan_a_una_huelga_general_de_inmigrantes_en_toda
_europa_10135.php

Italien

Silvio Berlusconi hat am 15. April, seinem ersten Amtstag nach dem Gewinn der Wahl in Italien,
undokumentierte Migrant/inn/en als eine „Armee des Bösen” gebrandmarkt. Berlusconi, der für
seine dritte Amtszeit als Ministerpräsident wiedergewälhlt wurde, sagte, er wolle eine
„Nachbarschaftspolizei” einsetzen, die eine Armee des Guten sein könne, die sich zwischen das
italienische Volk und die „Armee des Bösen” stellen würde. Er gelobte, Bürger/innen der EU, die
keine Arbeit und Wohnung haben und die zum Überleben in die Kriminalität gedrängt werden,
abzuschieben. Seine Worte werden seine Verbündeten, die „Postfaschisten” und die Lega Nord
gefreut haben, die vor vier Jahren erklärten, Einwanderer sollten in ihren Booten erschossen
werden. http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2008/04/16/witaly116.xml
Griechenland
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
Ärzte sagten bei einem Besuch in der Nähe des Hafens Patras, hunderte von afghanischen
Migrant/inn/en, die in dem Lager lebten, litten an ansteckenden Hautkrankheiten und
Atembeschwerden. Wie die Ärzte sagten, sind die Beschwerden durch die schmutzigen
Bedingungen im Lager entstanden oder verschlimmert worden. Während das
Gesundheitsministerium die Eröffnung von drei Herbergen zur Unterbringung von einigen hundert
Migrant/inn/en im Lager ankündigte, ist noch unklar, ob die Behörden diesen Migrant/inn/en bei
ihrem Asylgesuch in Griechenland helfen werden, oder ob die Migrant/inn/en einfach nur
vorübergehend dort für die Abschiebung festgehalten werden.
http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_politics_2_11/04/2008_95408

Nach Medienberichten über lokale Obstbauern, die hunderte von Migrant/inn/en unter schlechten
Bedingungen beschäftigen, haben staatliche Arbeitsinspektor/inn/en auf mehreren
landwirtschaftlichen Betrieben im südlichen Peloponnes eine Razzia durchgeführt. Nach einem
Artikel in der Wochenzeitung Epsilon haben ca. 2.500 Migrant/inn/en für einen Hungerlohn als
Erdbeerpflücker/innen gearbeitet und mussten noch Miete für das Leben in Hütten bezahlen. Nach
der Razia wurden drei Bauern verhaftet.
http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_politics_2_11/04/2008_95408

Griechenland erlebt einen wachsenden Druck wegen der Art und Weise, wie es Asylsuchende nach
der Ankunft auf seinem Staatsgebiet behandelt. Eine Gruppe von 63 Flüchtlingshilfeorganisationen
fordert alle EU-Hauptstädte auf, keine Überstellungen nach Griechenland mehr vorzunehmen. Am
3. April hat ECRE, der europäische Flüchtlingsrat, offene Briefe an die EU-Regierungen gerichtet
und rotes Licht gefordert, bis sich Griechenland an die europäischen und internationalen Gesetze
hält. Der Brief zitiert als Gründe für das Vorgehen die “unannehmbaren Bedingungen für
Asylsuchende in Griechenland, die Hindernisse beim Zugang zu einem fairen
Anerkennunsgprozess und die Gefahr von anderen schweren Menschenrechtsverletzungen.”
http://euobserver.com/9/25910/?rk=1

“Kontrolle von Migration in Griechenland: Politik, Probleme und Chancen” von Anna
Triandafyllidou, “Hellenic Foundation for European and Foreign Policy and Democritus” der
Universität Thrace (Griechenland) ist eine Schrift über die Entwicklung der griechischen
Migrationspolitik in Verbindung mit Migrationskontrolle. Sie beschreibt die aktuellen Mängel und
zeigt sich besorgt über Menschenrechtsverletzungen bei Kontrollen sowohl im Innern als auch an
den Grenzen und bei Rückführungsabkommen. Die Schrift zeigt mögliche Wege der Behandlung
von Migration auf und fordert eine positivere Einstellung, damit Migration wirksamer behandelt wird,
u. a. durch Öffnung rechtlicher Wege für Arbeitsmigration.
http://www.realinstitutoelcano.org/wps/portal/rielcano_eng/Content?WCM_GLOBAL_CONTEXT=/El
cano_in/Zonas_in/ARI35-2008
Malta

Die maltesische Regierung hat die Bemerkungen in einem Bericht der Europäischen Kommission
gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) des Europarates strengstens zurückgewiesen. Die
Mitglieder der Kommission haben Malta im Juli besucht und einen Bericht an die Regierung
gerichtet. Die Kommission sagt in ihrem Bericht, die maltesische Lagerpolitik habe negative Folgen
nicht nur für die Rechte der betroffenen Menschen, sondern auch in Bezug auf die Wahrnehmung
dieser Menschen als Kriminelle und für den Grad des Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit in
der allgemeinen Bevölkerung.
PICUM Rundbrief Mai 2008
http://www.timesofmalta.com/articles/view/20080423/local/government-disappointed-by-coe-reporton-racism-intolerence
Vereinigtes Königreich

Ana Sumani, eine 39 Jahre alte Frau aus Ghana, die im Januar 2008 trotz nötiger
medischer Versorgung im Vereinigten Königreich nach Ghana abgeschoben wurde, starb
am 19. März 2008. Obwohl Frau Sumani dank der 5000-Dollar-Spende einer
niederländischen Frau ihre Behandlung in Ghana während drei Monaten hätte fortsetzen
können, waren lebenswichtige und -verlängernde Medikamente nicht in Ghana erhältlich.
Sie starb nur zwei Stunden bevor ein Freund sie informieren konnte, dass genug für sie
gesammelt worden war, um in Südafrika behandelt zu werden und dass ein britischer Arzt
gefunden worden war, der ihr die nötige medizinische Versorgung geben konnte. (Migration
Fact Sheet, April 2008, Seite 5)

Die Behandlung von Asylsuchenden im Vereinigten Königreich ist laut einem vor kurzem
veröffentlichten Bericht der Unabhängigen Asylkommission (“Independent Asylum
Commission “) „ernsthaft unter” den Standards einer zivilisierten Gesellschaft. Die
Kommission sagt, das System verweigere Zuflucht an einige, die sie benötigten, und würde
andere nicht abschieben, die gehen sollten. Sie stelle fest, dass die Behandlung einiger
Asylsuchender eine peinliche Blamage des internationalen Ansehens des Vereinigten
Königreiches sei. Die Grenz- und Einwanderungsbehörde (“Border and Immigration
Agency”) hat den Bericht zurückgewiesen und gibt an, sie führe ein „strenges aber
menschliches” System. Der Bericht lobt die Beamten der Immigrationsbehörde für die vor
kurzem eingeführten Reformen zur Art und Weise der Abwicklung von Asylanträgen – aber
er warnt davor, dass eine „Kultur voll Misstrauen” zu „perversen und ungerechten
Entscheidungen” führen würde. Die Kommissionsmitglieder waren auch beunruhigt über
Haft von Asylsuchenden, einschließlich Kindern, und die „hoffnungslos verworrene”
öffentliche Meinung zu Asyl und seinem Platz im Immigrationssystem.
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/7314710.stm

Laut einer Entscheidung des obersten Gerichtshofs hat die Regierung des Vereinigten
Königreichs widerrechtlich die Einwanderungsregeln für hoch ausgebildete
Arbeitnehmer/innen, die im Vereinigten Königreich bleiben wollten, verändert. 2006 wurde
ein neues „Punktesystem”, das sich auf Ausbildung, früheres Einkommen und Alter bezieht,
eingeführt. Dadurch wurden die Kriterien für die Fortsetzung des Aufenthalts im Land
verändert. Gegner/innen geben an, dass 44.000 Menschen, die sich nach den alten Regeln
aufhalten, das Land verlassen muss – laut Innenministerium geht es um 1.370 Menschen.
Richter Sir George Newman entschied, dass das alte System gewahrt werden sollte. Die
Regierung erwägt Beruf gegen die Entscheidung. Das Programmforum hochqualifizierter
Migrant/inn/en (“Highly Skilled Migrants Programme Forum”) hatte die Regierung mit dem
Argument geklagt, das neue System sei „sehr unfair” und „ein klarer Fall von
Vertrauensbruch”. geklagt http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/7336360.stm

Das Zentrum für gleiche Chancen und gegen Rassismus (“Centre pour l'égalité des
chances et la lutte contre le racisme”, CECLR) hat seinen Jahresbericht zu Migration,
einschließlich Informationen über irreguläre Migration, Auffanglagerpolitik, gezwungene
Abschiebung und Regularisierung in Belgien veröffentlicht. Bericht auf Französisch:
Belgien
PICUM Rundbrief Mai 2008
http://www.diversite.be/diversiteit/files/File/publications/rapport_annuel/Migration%20Rappo
rt%202007.pdf und Niederländisch:
http://www.diversite.be/diversiteit/files/File/publications/rapport_annuel/Jaarverslag%20migr
atie%202007_NL_def.pdf



Ungefähr 100 Abschiebehäftlinge bei Liège haben am 2. März 2008 einen Hungerstreik
begonnen. Damit protestieren sie gegen die Bedingungen ihrer Gefangenschaft und bitten
um ihre Freilassung. (Quelle: Migration News Sheet, April 2008, Seite 6)
Der politische Plan der neuen Ministerin für Arbeit Milquet enthält einige wichtige
Bestimmungen. Es wurde festgehalten, dass eine neue einmalige Regularisierung für
undokumentierte Migrant/inn/en mit festen legalen Arbeitsaussichten in den kommenden
Monaten eingeführt wird. Sie gilt für Personen die beweisen können, dass sie sich seit 31.
März 2007 im Land aufhalten. Dies wird durch das Regierungsabkommen von Ende März
bestätigt. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Spannungsfeld Migrationskontrolle und
Arbeitsschutz in Fällen von Menschenhandel und Ausbeutung gewidmet. Belgien wird sich
auch besonders den Arbeitsrechten für Wanderarbeitnehmer/innen in den EU-Diskussionen
zu neuen und angepassten europaweiten Migrationsmaßnahmen widmen.
http://www.dekamer.be/FLWB/pdf/52/0995/52K0995017.pdf
Laut politischem Plan zur Regularisierung von Ministerin Turtelboom, die für
Migrationspolitik zuständig ist, wird es keine allgemeine Begnadigung und Regularisierung
geben. Für die Einzelanfragen für Regularisierung aufgrund besonderer Umstände und aus
medizinischen Gründen folgt die Ministerin ihrem Vorgänger. Das bedeutet, dass es drei
Wege der Legalisierung gibt: ein sehr langes Verfahren, medizinische Gründe oder
humanitäre Umstände. Es wird einen Brief in Übereinstimmung mit dem
Regierungsabkommen geben, in dem die genauen Umstände beschrieben werden. Quelle:
Nieuwsbrief vluchtelingenteam 25/04/2008 Nr. 07/2008 [email protected] Was
die Auffang- und Abschiebelager betrifft, wird die Ministerin aktiv daran mitarbeiten, mehr
Leute zurück zu schicken. Die geschlossenen Auffanglager werden bleiben, aber
„humanisiert” werden. Im Prinzip geht die Praxis der Haft von Familien mit Kindern weiter.
Die Ministerin legt dar, dass, solange Familien sich weiterhin gegen ihr Rückkehr
widersetzen, die Haft nötig ist. Allerdings will die Ministerin spezielle Zentren für Familien
und Kinder errichten. Quelle: Juridische nieuwsbrief Foyer No 170 www.foyer.be.
Deutschland

Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat entschieden, dass eine abgewiesene kurdische
Familie, die letztes Jahr aus Deutschland ausgewiesen wurde, zurückkommen darf. Die
Familie Kazan wurde im Februar 2007 in die Türkei ausgewiesen, nachdem sie 14 Jahre in
Deutschland gelebt hatte. Das Gericht hielt die sechs integrierten Kinder (fünf davon
wurden in Deutschland geboren) als faktische Inländer, auch wenn sie kein Bleiberecht
bekommen hatten. Das Gericht bezog sich auf Artikel 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention, der das Privat- und Familienleben schützt. Die Kinder in die
Türkei zu schicken war nicht zumutbar, da das Land für sie fremd und unbekannt war.
Aufgrund des grundrechtlichen Schutzes der Familie kam das Gericht zum Schluss, dass
die Mutter ebenfalls eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten müsse, um nicht von ihren
Kindern getrennt zu werden. Der Vater hat Vorstrafen in Deutschland, ist mittlerweile aber
von der Familie getrennt. (Migration News Sheet, April 2008, Seite 9-10)
PICUM Rundbrief Mai 2008

In den letzten Monaten wurden mehrere Taxifahrer aus Schleswig-Holstein wegen Mithilfe
und Begünstigung von Migrant/inn/en, die illegal nach Dänemark einreisen wollten,
verurteilt. Ein weiterer Taxifahrer sitzt in Schweden in Untersuchungshaft. Laut der
deutschen Bundesregierung müssen Taxifahrer sich vergewissern, dass sie keine Strafe
riskieren, wenn sie jemanden über die Grenze bringen. Taxiunternehmen sollten so wie
Fluggesellschaften vorgehen und sich von den Passagieren die Reisedokumente vor der
Abfahrt zeigen lassen, lässt die Regierung verlauten.
http://www.proasyl.de/de/archiv/newsletter-ausgaben/nl-2006/newsletter-nr-133

Die Antirassistische Initiative Berlin (ARI) hat die 15. Ausgabe ihres Berichts
"Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen” veröffentlicht. Darin werden
fast 5.000 Einzelfälle von Regierungs- und gesellschaftlichem Rassismus geschildert. Seit
1993 sind 370 Flüchtlinge durch Maßnahmen der Bundesrepublik gestorben, weitere 81
starben durch rassistische Angriffe und Feuer in Auffanglagern. 2007 starben fünf
Menschen beim Versuch, die bevorstehende Abschiebung zu vermeiden und zwei nach der
Abschiebung. http://www.ari-berlin.org/PE_english_15.pdf

Mitte Februar präsentierten der Kommissar für Integration des Berliner Senats und das
Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes der Öffentlichkeit ihre Studie zur
Einführung des Bleiberechtes (für Migrant/inn/en mit zeitlichem Bleiberecht wegen
Ausführung eines Abschiebebefehls). Die Studie geht unter anderem über die großen
Unterschiede in den einzelnen Bundesländern bei der Einführung der Regulierungen im
November 2006 und bietet eine Liste „guter Praxis”.
http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-integrationmigration/themen/fluechtlinge/expertise_imk_beschluss.pdf

Es ist vorauszusehen, dass es nur einigen wenigen Menschen, die mit befristetem
Bleiberecht wegen Ausführung eines Abschiebebefehls seit vielen Jahren im Land leben,
gestattet werden wird, dauerhaft im Land zu bleiben. Die meisten Bewerber/innen erhalten
die Aufenthaltsgenehmigung nur auf Probe. Das Bleiberecht wird an strenge Bedingungen
geknüpft, die bis jetzt nur wenige Bewerber/innen erfüllen können. Scheinbar füllen viele
potentielle Bewerber/innen die Anfrage selbst nicht aus, weil sie keine wirkliche Chance
sehen, die Bedingung einen bezahlten Job zu haben, zu erfüllen. Siehe Migration und
Bevölkerung, Ausgabe 3, April 2008, http://www.migrationinfo.de/migration_und_bevoelkerung/artikel/080305.htm
Schweden

Die schwedische Regierung und die Grüne Partei haben am 27. März 2008 einen
gemeinsamen Vorschlag zu Drittstaatenangehörigen veröffentlicht. Drittstaatenangehörige,
die sich bereits in Schweden befinden und ein konkretes Jobangebot haben, sollen sich so
für eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung qualifizieren können und wären dadurch auch
vor Abschiebung geschützt. Auch potentiell abgewiesene Asylsuchende würden unter diese
Regelung fallen, wenn sie ein Jobangebot vorweisen könnten. Die Arbeitsbewilligung würde
für zwei Jahre gelten und wäre jeweils um weitere zwei Jahre verlängerbar, sofern die
Person weiter angestellt ist. Nach vier Jahren würde diese Personengruppe berechtigt, eine
dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. (Migration Fact Sheet, April 2008, Seite 4)
Polen
PICUM Rundbrief Mai 2008

Der polnische Präsident Lech Kaczyński hat am 8. Mai 2008 das neue Schutzgesetz für
Ausländer/innen unterzeichnet. Dieses führt aus, welche Rechte Ausländer/innen auf
polnischem Territorium haben. Das Ziel dieses Vorhabens ist die Einbettung zweier EUDirektiven zum Asylwesen in die polnische Gesetzgebung. Dabei handelt es sich erstens
um die so genannte Qualifikationsdirektive. Diese hält die Kriterien fest, unter welchen
Asylsuchende in EU-Mitgliedsstaaten der Flüchtlingsstatus gewährt wird. Die zweite
Direktive definiert die minimalen Standards für die Anwendung der Kriterien. Das nun in
Polen neu verabschiedete Gesetz setzt Verbesserungen beim Gesetz zum Schutz von
Ausländer/innen vom 13. Juli 2003 in Kraft. Dort werden neue Formen von zusätzlichem
Schutz für Ausländer/innen eingeführt, denen bei einer Rückkehr ins Herkunftsland große
Gefahr droht. Dies beispielsweise wegen Todesurteilen, möglicher Folter oder anderer
unmenschlicher Behandlung, aber auch, wenn sie wegen gewaltsamer Konflikte persönlich
in Gefahr sind. Eines der Ziele des neuen Gesetzes ist auch die Verhinderung von
mehrfachen Asylanträgen mit dem Ziel, einen besseren Zugang zum Sozialsystem zu
erhalten. Migrant/inn/en, die die oben genannten Kriterien erfüllen, werden den gleichen
Zugang zu Integrationsprogrammen haben wie die derzeitigen Asylsuchenden. Zusätzlich
sollen auf Grundlage dieses Gesetzes alle Ausländer/innen, deren Aufenthalt geduldet
wird, automatisch denselben Schutz erhalten. Quelle: Migration Bulletin (Biuletyn
Migracyjny), Nummer 17, März - April 2008, Centre for European Migration Research,
University of Warsaw, and Centre for International Relations (CSM), Seite 1.
http://www.biuletynmigracyjny.uw.edu.pl/BiuletynMigracyjny17.pdf, Ausländerbüro Polen
(Urząd do Spraw Cudzoziemców)
http://www.udsc.gov.pl/Prezydent,podpisal,ustawe,670.html.

Die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtete, dass Anfang Februar 2008
vietnamesische Sicherheitsbeamt/innen des Departments A18 mehrere dutzend
vietnamesische Staatsangehörige in Polen verhört haben. Möglich wurde dies aufgrund
eines von der polnischen Regierung mit Vietnam geschlossenen Übereinkommens zu
gegenseitiger Auslieferung. Die vietnamesischen Sicherheitsbeamt/inn/en kamen offiziell
als „Expertendelegation” nach Polen. Alle von der Einheit A18 verhörten Personen wurden
nach Vietnam abgeschoben. Das Vorgehen war äußerst schnell. Es schien, als ginge es
darum, Zeugen loszuwerden, sagte Robert Krzysztoń, ein Verteidiger der vietnamesischen
Gemeinschaft in Polen. Die Aktivitäten der A18 in Polen haben das Interesse des
Abgeordneten der Bürgerplattform (PO) Dariusz Lipiński geweckt, der eine Anfrage an den
Innenminister Piotr Stachańczyk schrieb. Im Antwortbrief hieß es, dass Warschaus
Kooperation mit den vietnamesischen Sicherheitskräften die Flüchtlinge keiner Gefahr
ausgesetzt habe. Die polnische Regierung hätte den vietnamesischen Behörden keine
Auskünfte darüber erteilt, ob die betroffenen Personen sich um politisches Asyl in Polen
beworben hätten und welchen Asylstatus sie besäßen. Das Verfahren sei innerhalb der
geltenden Gesetze verlaufen und die Würde der Personen eingehalten worden. Einziger
Grund für die Aktivitäten sei die Einhaltung der Gesetze gewesen. Der Abgeordnete
Lipiński fragte auch, ob der Eindruck der vietnamesischen Flüchtlinge richtig sei, dass das
Auslieferungsabkommen zwischen Polen und Vietnam von der vietnamesischen Regierung
dazu benutzt werde, die politische Opposition zu unterdrücken. Außerdem fragte er auch
an, ob die polnische Regierung die Hilfe der vietnamesischen Sicherheitsbeamten/innen
auf eigenem Territorium wirklich annehmen muss. Auf diese Fragen antwortete das
Innenminisiterium bisher nicht. Quelle: "Vietnam Says, Poland Deports", Gazeta
Wyborcza,28-04-2008, http://wyborcza.pl/1,86871,5161493.html. (Der ganze Artikel ist in
PICUM Rundbrief Mai 2008
Englisch verfügbar.) Amnesty International Polen hat zu den Vorkommnissen am 1. Mai
2008 eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin äußert es tiefes Bedauern über die
Menschenrechtsverletzung gegenüber den Vietnamesischen Migrant/inn/en und deren
Abschiebung nach Vietnam. Vietnam vollziehe nach dem Amnesty International Bericht
2007 noch immer die Todesstrafe, unterdrücke die freie Meinungsäußerung und verbiete
soziale Bewegungen. Quelle: Amnesty International Polska,
http://amnesty.org.pl/archiwum/aktualnosci-stronaartykulu/article/6018/214.html?cHash=8d9b6a5027.
USA

Beamt/innen der Bundeseinwanderungsbehörden haben am 16. April 2008 bei
“Pilgrim's Pride” (ein Geflügelverarbeitungsunternehmen) in fünf Bundesstaaten
Fabriken durchsucht. Das scharfe Vorgehen sollte die Versorgung von
undokumentierten Migrant/inn/en mit falschen Ausweisen bekämpfen. Mehr als 100
Personen wurden nach den größten Razzien bei Geflügelproduzent/inn/en als
verdächtig eingestuft. Die Razzien waren Teil einer langfristigen Untersuchung und die
größte Aktion verschiedener Aktivitäten zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze
an diesem Tag. In Houston waren Beamt/inn/en vor Morgengrauen in eine DoughnutFabrik eingedrungen und verhafteten fast 30 arbeitende Personen, die des illegalen
Aufenthalts in den USA verdächtigt wurden. In Buffalo haben die Bundesbehörden die
Verhaftung eines lokalen Geschäftsmannes und neun Mitarbeiter/inne/n bekannt
gegeben. Alle werden beschuldigt, undokumentierte mexikanische Migrant/inn/en in
sieben Restaurants (in vier Bundesstaaten) angestellt zu haben. Weitere 45
undokumentierte Migrant/inn/en wurden bei Razzien am frühen Morgen in New York,
Bradford, Pennsylvania, Mentor, Ohio, Wheeling und New Martinsville, West Virginia,
und Georgia verhaftet. http://www.nelp.org/

Im Januar 2008 trat in Arizona ein kontrovers diskutiertes Staatsgesetz in Kraft, das die
150 000 Geschäfte hart bestrafen wird, die undokumentierte Migant/inn/en anstellen.
Bei erstmaligem Verstoß wird die Geschäftslizenz für zehn Tage entzogen, beim
zweiten Mal kann den Beschuldigten die Lizenz endgültig entzogen werden. Das
Gesetz wurde heftig kritisiert. Am 4. April 2008 hat der Bürgermeister von Phoenix, Phil
Gordon, das US-Justizdepartement darum gebeten, zu untersuchen, ob durch dieses
Gesetz nicht bürgerliche Freiheiten verletzt würden. Viele undokumentierte
Migrant/inn/en verlassen die Stadt und ziehen in andere Staaten oder zurück über die
Grenze. Während verlässliche Statistiken fehlen, beginnen lokale Geschäfte den
Mangel an Arbeitskräften zu spüren. Beide Seiten in der Diskussion um Änderungen im
Einwanderungsbereich sehen das Gesetz in Arizona als Testfall. Julie Pace, eine
Anwältin verschiedener Geschäftsgruppen, sagt, das Gesetz motiviere die Geschäfte
dazu, eine unverlässliche Bundesdatenbank namens “E-Verify” zu verwenden. Diese
definiere oft undokumentierte Migrant/inn/en als arbeitsberechtigt, während viele
Personen mit legalem Status gesperrt würden. Der Urheber des Gesetzes, Russel
Pearce (Repräsentant des Bundesstaates) sagte, das System sei genau und die Kritik
am Gesetz ungerechtfertigt. http://www.newsweek.com/id/132231/page/2

Die AFL-CIO und Enlace (ein Netzwerk von amerikanischen und mexikanischen
Gewerkschaften) sind eine wichtige neue Partnerschaft eingegangen, um soziale und
wirtschaftliche Gerechtigkeit in beiden Ländern zu fördern. “Enlace” heißt auf Deutsch
„Verbinden” und ist ein Netzwerk von 21 Arbeitszentren, Gewerkschaften und anderen
PICUM Rundbrief Mai 2008
organisierten Gruppen in den USA und Mexiko. Das Netzwerk repräsentiert circa 300
000 Arbeiter/innen mit tiefem Einkommen. www.aflcio.org

Am 1. Mai dieses Jahres sind Migrant/inn/en und ihre Unterstützer/innen durch die
Straßen von Oakland und San Francisco marschiert. Die Demonstration richtete sich
gegen die wachsende Zahl von Razzien und Abschiebungen. Weiter wurden auch die
Anstrengungen der Bundesbehörden kritisiert, die Arbeitgeber/innen aufgrund
fehlender Visa dazu zwingen sollen, Arbeiter/innen zu kündigen. Die
Demonstrant/inn/en forderten Straffreiheit und dauerhafte Aufenthaltsbewilligungen, die
den undokumentierten Migrant/inn/en die Rechte des legalen Status und die
dazugehörigen Rechte gäben. So könnten sie als gleichwertige und nicht mehr
zweitklassige Arbeitskräfte leben. http://dbacon.igc.org
3. Entwicklungen in der Europapolitik
Allgemein

2008 werden die Frontex-Einsätze länger andauern als 2007. Das Frontex-Budget beläuft
sich dieses Jahr auf 70 Millionen Euro. Vier Einsätze werden organisiert: Hera (Kanarische
Inseln), Hermes (Mittelmeerraum), Nautilus (Malta) und Poseidon (Balkanregion).
Insbesondere der Nautilus III-Einsatz wird der bisher längste Einsatz auf der
Mittelmeerroute sein. Er wird etwa 23 Wochen dauern und ist mit einem Budget von 8
Millionen Euro ausgestattet. Der Einsatz im letzten Jahr dauerte nur 2 Monate und wurde
während der Hochsaison im August unterbrochen. Weitere Informationen:
http://medios.mugak.eu/noticias/fuente/27 und
http://www.timesofmalta.com/articles/view/20080427/local/eu-patrols-on-hold-as-statesgrapple-over-destination-of-rescued-illegal-immigrants/
Europäische Kommission

Die europäische Kommission bereitet ein Strategiepapier zum Migrationsmanagement vor. Das
Papier wurde dem Arbeitsplan der Kommission im Februar hinzugefügt. Frankreich hat bereits
signalisiert, dass es sich des Themas während seiner Ratspräsidentschaft ab Juli annehmen
will. Die Diskussionen der Kommission mit externen Expert/inn/en haben Konzepte aufgezeigt,
wie zum Beispiel die Schaffung eines Integrationsvertrages, der die Rechte und Pflichten für
angehende Migrant/inn/en festlegt, die in die EU kommen. Die Schaffung von „europäischen
Modulen“ für die Integration von Migrant/inn/en ist ebenfalls Teil des aktuellen Entwurfs. Diese
würden etwa Unterricht für Migrant/inn/en zu für die Integration als wichtig erachteten Themen,
z.B. die Sprache des Gastlandes, beinhalten. Eine weitere Idee ist die Verknüpfung von
Integration und Sicherheit. Die Kommission hat außerdem Wert darauf gelegt, die Meinung von
Expert/inn/en zu der Frage einzuholen, was getan werden kann, um Mitgliedsstaaten von der
Notwendigkeit zu überzeugen, Maßnahmen der Arbeitspolitik auf EU-Level umzusetzen. Der
Vorschlag der Kommission vom Oktober 2007, eine EU-Blue Card für hoch qualifizierte
Migrant/inn/en einzuführen, ist bei einigen Mitgliedsstaaten auf starken Widerspruch gestoßen,
nicht zuletzt in Deutschland und Österreich. Der Sprecher des Büros von Jacques Barrot, dem
amtierenden Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit, ließ verlauten, dass die Gespräche
zu der Debatte beitragen sollen, die Frankreich während seiner Präsidentschaft über die
Zukunft der Migrationspolitik führen will, und die, wie Sarkozy hofft, zu einem europäischen
PICUM Rundbrief Mai 2008
Pakt zu Asyl und Immigration führen wird. Der Pakt wurde von Sarkozy als ein Fundament für
eine gemeinsame europäische Einwanderungspolitik angepriesen, die er als eine notwendige
Ergänzung für die Bewegungsfreiheit im Schengenraum ansieht. Quelle:
http://www.europeanvoice.com/current/article.asp?id=30139
Europäisches Parlament

Das europäische Parlament führte am 23. April in Straßburg eine Debatte zum Thema „illegale
Einwanderung und die außenpolitischen Maßnahmen der EU“ und zu der Rolle von
FRONTEX. MEPs drückten ihre Bedenken im Zusammenhang mit den Todeszahlen auf See,
dem Einsatzbereich des FRONTEX-Mandates und dem aktuellen Niveau der geteilten
Verantwortung zwischen Mitgliedsstaaten aus. ALDE-Sprecherin zur Einwanderungspolitik,
MEP Jeanine Hennis-Plasschaert (NL), betonte, dass FRONTEX kein Allheilmittel sei für alle
Probleme, die die irreguläre Migration verursacht. Anstatt alle Kräfte darauf zu konzentrieren,
Menschen abzuwehren, brauchen sie eine radikale und verantwortungsbewußte
Migrationspolitik, sagte sie. MEPs aus allen politischen Gruppen forderten die Mitgliedsstaaten
dazu auf, FRONTEX mit genügend Ressourcen auszustatten, um seinen Auftrag erfüllen zu
können. Der amtierende Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit, Jacques Barrot, sagte
dass echtes Grenzmanagement genauso notwendig sei wie eine gestärkte Solidarität:
Menschenrechte müssen im Umgang mit irregulären Migrant/inn/en respektiert werden,
ergänzte er. Quellen: ECRAN Weekly Update 25 April www.ecre.org und
http://www.alde.eu/index.php?id=42&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=9472

Die slowenische Präsidentschaft hat verlauten lassen, dass während des politischen Trialogs
am 23. April in Straßburg ein Kompromiss mit dem europäischen Parlament für den Text der
Rückkehrrichtlinie gefunden wurde. An den Trialog-Diskussionen über einen Kompromisstext
waren der slowenische Innenminister Dragutin Mate, der Berichterstatter des europäischen
Parlamentes für die Verordnung, Manfred Weber (EPP, Deutschland), sowie MEPs als
Repräsentant/inn/en für die anderen politischen Gruppen und Repräsentant/inn/en der
europäischen Kommission beteiligt. Obwohl der Berichterstatter Manfred Weber seine
Zufriedenheit ausdrückte, stimmte die sozialistische Gruppe dem Kompromiss während des
Straßburg-Treffens nicht zu. Die Grünen drückten ihre Enttäuschung über die Ergebnisse der
Diskussionen aus, vermutlich werden sie den Vorschlag bei der Plenarabstimmung im Juni
nicht unterstützen. ALDE unterstützt das Übereinkommen. Eine politische Einigung würde
durch das Co-Entscheidungs-Verfahren einen Abschluss für die Rückkehrrichtlinie bei der
ersten Lesung erlauben. Der Text müsste dann formell vom Rat der EU angenommen werden
und vom EU Parlament in einer Plenarabstimmung, die für Juni geplant ist, bestätigt werden.
Quellen: ECRAN Weekly Update 25 April www.ecre.org und
http://www.eu2008.si/en/News_and_Documents/Press_Releases/April/0423MNZepII.html Die
Verfahren, die in dieser Richtlinie festgelegt werden, ermöglichen einen Zeitraum der
„freiwilligen Rückkehr“ von bis zu vier Wochen. Wenn die/der undokumentierte Migrant/in nicht
innerhalb dieses Zeitraumes freiwillig in sein Heimatland zurückkehrt, können die nationalen
Behörden einen „Ausweisungsbefehl“ ausstellen. So ein Ausweisungsbefehl beinhaltet ein
Rückkehrverbot von bis zu fünf Jahren. Wenn es ernsthafte Gründe gibt anzunehmen, dass
die/der undokumentierte Migrant/in untertauchen würde, haben sich die EU-Staaten auf eine
Maßnahme der vorübergehenden Festnahme geeinigt. So eine Inhaftierung soll nicht länger als
sechs Monate dauern, heißt es in der Skizze für die Richtlinie.
http://www.enar-eu.org/Page_Generale.asp?DocID=15291&langue=EN
PICUM Rundbrief Mai 2008

Eine Delegation des Ausschusses für die Freiheiten und Rechte der Bürger, Justiz und innere
Angelegenheiten (LIBE) des europäischen Parlamentes führt momentan eine Reihe von
Besuchen in Internierungslagern in Mitgliedsstaaten durch, um zu evaluieren, ob gemeinsame
Standards eingehalten werden. Die Delegation, geführt von MEP Panayiotis Demetriou (EPPED, CY), hat am 11. April geschlossene Zentren für Asylsuchende und Einwanderer in
Dänemark besucht. Demetriou sagte, die Lebensbedingungen in den Zentren seien im
Vergleich mit anderen EU-Mitgliedsstaaten grundsätzlich zufrieden stellend, er zeigte sich aber
sehr besorgt wegen der Dauer, für die Asylsuchende dort festgehalten werden: Es wurde
festgestellt, dass manche mehr als acht (!) Jahre im Sandholm-Zentrum geblieben waren. Die
MEPs drückten besondere Bedenken im Zusammenhang mit den psychologischen
Auswirkungen, die die langen Internierungszeiträume für die Kinder der Internierten haben
können, aus. Letztes Jahr gab es 466 Kinder in Asylzentren in Dänemark. Im Durchschnitt
müssen sie 2,4 Jahre warten, bis ihre Fälle entschieden werden. Die Delegation wird ihre
Besuchsreihe im Mai mit einem Besuch in Zypern beenden. Quelle: ECRAN Weekly Update 18
April 2008 www.ecre.org und http://www.europarl.europa.eu/news/expert/infopress_page/00825983-102-04-15-901-20080407IPR25982-11-04-2008-2008-false/default_en.htm

Die GUE/NGL (Vereinigte Europäische Linke/Nordische Grüne Linke) hat „Towards a Europe of
mixed identities“(Zu einem Europa der gemischten Identitäten) veröffentlicht. Die Publikation
besteht aus ihren Vorschlägen gegen die EU-Heucheleien bei der Immigration. Nach
unterschiedlichen Bereichen geordnet und ergänzt durch die Beiträge externer Expert/inn/en
und der GUE/NGL-MEPs (Parlamentsmitglieder) bietet die Broschüre einen Überblick zu der
EU-Gesetzgebung in diesem Gebiet und hebt die Widersprüchlichkeiten und die Heucheleien
der aktuellen EU-Migrationspolitik hervor. Die Veröffentlichung von "Towards a Europe of mixed
identities" fand zur selben Zeit statt wie die Demonstration gegen die so genannte "Return
directive" (Rückkehrrichtlinie) im Rahmen der Kampagne "No to the outrageous Directive!"
(Nein zu der skandalösen Richtlinie!) in Brüssel am 7. Mai 2008.
http://www.guengl.eu/showPage.jsp
Rat der europäischen Union

Der Rat für Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres hat den Vorschlag, die
Langzeitaufenthaltsdirektive (Long Term Residence (LTR) Directive) zu novellieren, um ihren
Wirkungsbereich auf Flüchtlinge und von subsidiärem Schutz Begünstigte auszudehnen,
diskutiert, ist jedoch zu keiner Einigung über die Angelegenheit gekommen. Die Meinungen der
Mitgliedsstaaten gingen insbesondere zur Reichweite des Vorschlages auseinander. Während
die meisten Mitgliedsstaaten sowohl Flüchtlinge als auch von subsidiärem Schutz Begünstigte
unterstützen, wollen Italien, Spanien, Österreich und die Tschechische Republik die Ausweitung
der Reichweite der LTR-Direktive nur auf Flüchtlinge und nicht auf Begünstigte von subsidiärem
Schutz begrenzen. Das Präsidium wird einen Bericht auf Grundlage der Diskussionen
vorbereiten, da der Vorschlag Gegenstand einer Einstimmigkeitsabstimmung im Rat ist.
Quellen: ECRAN Weekly Update 25. April www.ecre.org und
http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/en/jha/99991.pdf
Europarat

Um die Einwanderung aus dem subsaharischen Afrika nach Europa besser zu kontrollieren, hat
die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) die europäischen Regierungen zu
PICUM Rundbrief Mai 2008
mehr und besserer Information darüber, wie subsaharische Migrationsströme funktionieren,
humaneren und sichereren Abschiebungen, verbesserten Angeboten für Studierende mit
Migrationshintergrund, mehr Harmonisierung der europäischen Legalisierung und besseren
Verbindungen zu den afrikanischen Staaten, einschließlich Entwicklungszusammenarbeit,
aufgerufen. Die europäischen Staaten wurden daran erinnert, das subsaharische Migrant/inn/en
die gleichen Rechte und Pflichten haben wie alle Anderen, und dass sie das Recht haben,
menschenwürdig behandelt zu werden, sagte Jean-Guy Branger (Frankreich, PPE/DC), der
Verfasser des übernommenen Textes. Quelle: http://assembly.coe.int/default.asp
4. Kinder ohne Papiere

Kinderarmut und Wohlergehen in der EU: Aktuelle Situation und Fortschritte. Dieser
vom EU Ausschuss für Sozialschutz verfasste Bericht identifiziert, unter Verwendung
weithin anerkannter Indikatoren, vorherrschende Faktoren, die Einfluss auf die
Kinderarmut in den einzelnen Staaten der EU haben. Der Bericht untersucht außerdem
die nationalen Überwachungs- und Evaluierungssysteme und gibt 15 Empfehlungen
ab, um die Kinderarmut und die multiplen Dimensionen des Kindeswohls in der
gesamten EU besser einzuschätzen und zu überwachen.
http://ec.europa.eu/employment_social/spsi/docs/social_inclusion/2008/child_poverty_e
n.pdf

Die Christlichdemokratische Volkspartei (PDC) der Schweiz hat in einem Gesuch auf
dem Grand Conseil am 9. April vorgeschlagen, Ausbildungsplätze auch für
undokumentierte Kinder zugänglich zu machen. Diese Maßnahme würde nur
undokumentierte Kinder betreffen, die in Genf die Schule besucht haben. „Besonders
jene 15- oder 16-Jährigen, die bereits einen Ausbilder gefunden haben und wegen
ihres Status blockiert sind”, sagte Parlamentsmitglied Anne-Marie von Arx und
erinnerte gleichzeitig daran, dass die undokumentierten Kinder auf der anderen Seite
bereits Zugang zur Berufsschule haben.
http://www.lecourrier.ch/index.php?name=NewsPaper&file=article&sid=439167

La Chasse aux enfants (Die Jagd auf Kinder) ist eine Veröffentlichung des Réseau
Éducation Sans Frontières (RESF), verfasst von Miguel Benasayag und Angélique del
Rey. Diese Veröffentlichung, das Ergebnis nationaler Untersuchungen mit zahlreichen
Zeug/inn/en, zeigt, dass diskriminierende Politik gegenüber undokumentierten Familien
mit Kindern, die in Frankreich die Schule besuchen, traumatische Auswirkungen auf die
gesamte französische Gesellschaft und insbesondere auf Kinder hat.
http://www.educationsansfrontieres.org/spip.php?article12800

Eine Gruppe von Müttern, die im Yarl's Wood Auffanglager festgehalten werden, hat
gegen die andauernde Internierung von Kindern protestiert. Sie argumentieren, dass
das Einsperren von Minderjährigen grausam sei und sagen, dass das Halten in
strenger Haft zu Ausbrüchen von Viren geführt hat. Viele der Frauen, die seit Monaten
auf ihre Abschiebung aus dem Auffanglager Bedford warten, standen nackt auf einem
Korridor und sind in Hungerstreik getreten, um ihren Forderungen Gehör zu
verschaffen. http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/mothers-detained-inimmigration-centre-hold-naked-protest-807802.html
PICUM Rundbrief Mai 2008

„Einige der so genannten Probleme bei der schulischen Ausbildung von Schüler/inne/n mit
Migrationshintergrund sind in der Tat Probleme der Schule im Allgemeinen”. Dies ist eines
der Ergebnisse einer Untersuchung der Universität von Granada, die von der Zeitschrift für
Bildung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft veröffentlicht wurde. Diese
Publikation, die sich seit 1940 der Forschung im Bildungssystem widmet, hat den
Schwerpunkt ihrer letzten Ausgabe auf eine monographische Studie über
Migrant/inn/enkinder im Bildungssystem gesetzt. Sie bietet einen gründlichen Überblick
über die Integration von Schüler/inne/n mit Migrationshintergrund, die Evolution der Politik
in Bildungseinrichtungen und das Verhalten von Schülern, Eltern und Lehrern gegenüber
den neuen Gegebenheiten.
http://www.tribunalatina.com/es/notices/las_escuelas_ya_tenian_problemas_antes_de_los_
inmigrantes_10172.php

In einigen Einzelfällen ist es undokumentierten Kindern möglich, in Belgien zu bleiben, um
das Schuljahr zu beenden. Dies wurde bereits vor Jahren angekündigt, aber erst jetzt
geklärt. Die Regel gilt für Kinder unter 18 Jahren, die an Grundschulen oder
weiterführenden Schulen eingeschrieben sind und die aufgefordert wurden, Belgien im
laufenden Kalenderjahr zu verlassen. Quelle: ODICE Nieuwsbrief nr. 4 – Jg. 8 April 2008
www.odice.be.

Reinhard Grindel, Mitglied des CDU/CSU Innenausschusses, sagte auf der jährlichen
Konferenz zur „Illegalität“ Anfang März, dass die CDU/CSU Fraktion im Deutschen
Bundestag beschlossen hat, eine Änderung in der Verpflichtung der Schulen
voranzutreiben, die Behörden über den undokumentierten Status ihrer Schüler zu
informieren. Neue Verordnungen müssten sicherstellen, dass undokumentierte Eltern ihre
Kinder nicht länger aus Angst vor Entdeckung zu Hause behalten. Er fügte hinzu, dass sich
für diese Kinder sogar eine Perspektive für einen dauerhaften Aufenthalt entwickeln könnte.
Grindels Ankündigung stellt einen bezeichnenden Richtungswechsel von der umstrittenen
Position, dass die Unterstützung undokumentierter Migrant/inn/en niemals im Einklang mit
dem Gesetz ist, dar. http://www.migrationinfo.de/migration_und_bevoelkerung/artikel/080308.htm
5. Veranstaltungskalender

Die französische Bauerngewerkschaft (Confédération Paysanne) wird vom 23.-24. Mai
2008 in Paris eine Fortbildung zum Thema “Saisonarbeiter/innen in der Landwirtschaft:
Evaluation in Europa und Mittel zur Organisation der Verteidigung” abhalten.
http://www.confederationpaysanne.fr/_travaille_saisonnie_en_agriculture_etat
s_lie_19.php&actualite_id=1254

Der Nationale Französische Verband der Sozialarbeiter/innen (ANAS), GISTI und die
Zeitung für Jugendrechte werden am 28. Mai 2008 in Paris einen Gedenktag zum
Thema “Sozialarbeit und Einwanderungskontrolle” veranstalten. Im Kampf der
Regierung gegen irreguläre Migration wird der soziale Sektor vermehrt von den
Behörden als ein Instrument eingesetzt. Sozialarbeiter/innen sind besorgt und fragen
sich, was ihre Verpflichtungen sind, ihre legalen Möglichkeiten des Widerstands, und
wie sie sicherstellen können, dass nicht gegen sie selbst gerichtliche Schritte
unternommen werden. http://www.gisti.org/spip.php?article1130
PICUM Rundbrief Mai 2008

Argos (Zentrum für Kunst und Medien) wird vom 15. April 2008 bis 21. Juni 2008 in
Brüssel eine Ausstellung zum Thema Migration mit dem Titel “Kein Ort – Wie Zuhause:
Perspektiven der Migration in Europa” veranstalten. Die Ausstellung beinhaltet Werke
von 18 belgischen und internationalen Künstler/inne/n. http://www.argosarts.org

Die EIUC Summer School wird vom 21. August – 10. September 2008 in Venedig die
vierte Veranstaltung zum Thema Kino und Menschenrechte abhalten. Vorrangiges Ziel
ist es, Kino als ein Instrument zu entdecken, um das Bewusstsein für Menschenrechte
zu stärken. www.cinemahumanrights.org

SOLIDAR eröffnet den Aufruf für Nominierungen für die 2008 Silver Rose Awards.
Zweck dieser Auszeichnungen, die es seit acht Jahren gibt, ist es, die Beiträge, die
Menschen oder Organisationen im Kampf für soziale Gerechtigkeit machen,
anzuerkennen. In diesem Jahr sind zwei Preiskategorien für Nominierungen geöffnet –
eine für eine Organisation oder ein Individuum, die innerhalb der 27 EU
Mitgliedsstaaten arbeiten und einer für eine Organisation oder ein Individuum, die in
einem Land außerhalb der Europäischen Union arbeiten. Für weitere Informationen
kontaktieren Sie bitte: [email protected] oder www.solidar.org.

Das Dritte Weltsozialforum für Migration (FSMM) wird vom 11.-13. September 2008 in
Madrid stattfinden. Unter dem Motto “Unsere Stimmen, unsere Rechte. Für eine Welt
ohne Mauern“ werden sich Repräsentanten von sozialen Bewegungen und
Migrant/inn/enverbänden versammeln, um die Regierungen aufzufordern, die Rechte
von Migrant/inn/en weltweit nicht länger zu verletzen. www.fsmm2008.org
6. Veröffentlichungen

Fabrizio Gatti, Journalist bei der italienischen Tageszeitung L’Espresso, begleitete
undokumentierte Migrant/inn/en von Senegal bis nach Italien und schreibt darüber in seinem
letzten Buch Bilal. Darin erzählt er von der Reise durch die Hölle entlang des so genannten
„Sklavenweges“. Er reiste als Kurde namens Bilal von Dakar nach Italien über Mali, Niger,
Libyen und Tunesien und wird in Lampedusa, im Süden Italiens, schließlich festgenommen.
http://ipsinternational.org/fr/_note.asp?idnews=4036

Die Kirchen-Kommission für Migrant/inn/en in Europa (CCME) hat eine Studie herausgegeben
mit dem Titel „Migration in Europa und Antworten der Kirchen“. Die Studie informiert über die
aktuelle Immigration und Emigration in 47 Europäischen Ländern und die zeigt die Vielfältigkeit
der christlichen Präsenz auf. www.ccme.be

Das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) veröffentlichte eine
Studie zu „Grenzkontrollen auf hoher See: Erfordernisse gemäß den Internationalen
Menschenrechten und dem Flüchtlingsrecht“.
http://www.proasyl.de/fileadmin/proasyl/fm_redakteure/Europa/Frontex/Pro_Asyl__ai__FMR___
Border_Controls_at_Sea_Requirements_under_International_Human_Rights_and_Refugee_Law.pdf
7. PICUM-Nachrichten
PICUM Rundbrief Mai 2008

Die Organisation Migrants Rights International (MRI) hat ihre erste Ausgabe des
Informationsblattes veröffentlicht. Es handelt sich um eine Nicht-Regierungs-Organisation
(NRO) und um einen Zusammenschluss von Gruppierungen von Migrant/inn/en, sowie von
Gewerkschaften und religiösen Gruppen aus unterschiedlichen Regionen der Welt, die sich für
das Einhalten von Menschenrechte für Migrant/inn/en einsetzen. PICUM ist Teil des Vorstands
von MRI. Die erste Ausgabe des Newsletters behandelt das Globale Forum über Migration und
Entwicklung (GFMD), ein wichtiges neues Forum, auf dem Regierungen unterschiedliche
Themen über Migration und Entwicklung diskutieren. Das Informationsblatt liefert
Hintergrundberichte über das Forum, Kritik von Seiten der Zivilgesellschaft, bisherige Formen
des Engagements, sowie Diskussionen über und Vorbereitungen zum Forum für 2008, das im
Oktober in Manila/Philippinen abgehalten wird. http://www.migrantwatch.org Um das
Mitteilungsblatt zu erhalten, mailen Sie an [email protected]
8. Verschiedenes

D’un mur l’Autre (Von einer Mauer, der andere) ist ein neuer Dokumentarfilm von Patric Jean.
Dieses Road-Movie führt uns quer durch Europa, von der Berliner Mauer zum neuen Zaun bei
Ceuta, auf afrikanischem Boden. Von Norden nach Süden reisend, zeigt uns Jean Patric in
diesem Film mit Humor und Fingerspitzengefühl Männer und Frauen, die aus verschiedenen
Ecken der Welt emigriert sind und charakterisiert diese neue Gesellschaft, an der er mit Energie
und Großzügigkeit teilnimmt. http://www.dunmurlautre.net/

„Country of Return Information“ (CRI) ist ein Europäisches NRO Netzwerk, das ausgefeilte und
praktische Information an Menschen vergibt, die in ihr Herkunftsland zurückkehren wollen. Auf
der Internetseite (www.cri-project.eu) gibt es Länderstudien und Beratungsstellen für bestimmte
Länder. Für weitere Information, kontaktiere: [email protected]
Besonderer Dank gilt Brita Pohl, Margret Müller, Andrea Grossmann, Marc Goldoni, Susann Huscke,
Birte Homann, Caroline Ausserer und Katja Schatte für die Übersetzung des Rundbriefs ins Deutsche
und Brita Pohl für das Korrekturlesen.
Zum Abonnieren des PICUM-Newsletters bitte eine E-Mail an [email protected] mit
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