Dezember 2007

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PICUM-Rundbrief
Dezember 2007
Fertiggestellt am 30. November 2007
Der Schwerpunkt dieses Rundbriefes liegt auf Nachrichten und politischen Entwicklungen hinsichtlich der
sozialen Grundlrechte von Menschen ohne Papiere. Auf der PICUM-Webseite www.picum.org steht er in
folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Deutsch, Niederländisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und
Portugiesisch. Wir laden Sie dazu ein, diesen Rundbrief weiter zu verbreiten.
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Inhaltsübersicht:
1. Tod an der Grenze
2. Nachrichten aus den EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und den USA
3. Entwicklungen in der Europapolitik
4. Kinder ohne Papiere
5. Veranstaltungskalender
6. Veröffentlichungen
7. PICUM-Nachrichten
8. Verschiedenes
1. Tod an der Grenze

Ein junger subsaharischer Migrant starb am 15. Oktober kurz nach seiner Einlieferung in ein
Krankenhaus in Teneriffa. Er gehörte zu einer Gruppe von etwa 90 Migrant/inn/en, die zwei Tage
zuvor 25 Kilometer südlich der Kanareninsel gerettet worden waren. Fünf weitere Migrant/inn/en
vom gleichen Boot befinden sich weiter in einem ernsten Zustand. Der Tod dieses
undokumentierten Migranten hat die offizielle Anzahl von Todesfällen auf oder vor den Kanarischen
Inseln in diesem Jahr auf bisher 119 erhöht. (Quelle: Migration Policy Group Migration News Sheet,
November 2007, e-mail: [email protected])
PICUM Rundbrief Dezember 2007

Ein spanisches Fischerboot rettete vor den Kapverdischen Inseln einen undokumentierten
Migranten. Er wurde in der Nacht des 24. Oktober gefunden und war der einzige Überlebende einer
Gruppe von 56 Menschen, die mehrheitlich aus Mali und Guinea stammten und umkamen, als das
Boot, auf dem sie sich eingeschifft hatte, kein Benzin mehr hatte und auf dem Meer trieb. Der
Überlebende gab an, dass einige sterbende Migrant/inn/en im Schlaf über Bord geworfen wurden,
als Lebensmittel und Wasser knapp wurden, während weitere, mindestens 10 Malis, ins Meer
sprangen und so Selbstmord begingen. (Quelle: Migration Policy Group Migration News Sheet,
November 2007, e-mail: [email protected])

Die Leichen von 7 ertrunkenen Migrant/inn/en wurden am 28. Oktober vor der Küste von Kalabrien
gefunden, nachdem ihr Boot gesunken war. Etwa 100 Überlebende schafften es, an Land zu
schwimmen. Das Boot war das Vierzehnte, das seit Anfang des Jahres irreguläre Migrant/inn/en an
die Küste von Kalabrien gebracht hat. (Quelle: Migration Policy Group Migration News Sheet,
November 2007, e-mail: [email protected])

Ein junger irregulärer Einwanderer, der wahrscheinlich aus dem Senegal stammte, warf sich aus
dem dritten Stock seines Wohnhauses in Südfrankreich, als am 6. November die Polizei eintraf, um
unbezahlte Miete einzutreiben. Der junge Mann erlitt multiple Frakturen, wird sich aber erholen. Die
Polizei war gerufen worden, um dem Eigentümer des Gebäudes dabei zu helfen, ausstehende
Mieten von Dutzenden von Mieter/inne/n zu kassieren, als der Mann aus Angst, dass die Polizei
nach seinen Aufenthaltspapieren fragen könnte, sprang. Dies schließt an die ähnlichen Fälle einer
51jährigen Chinesin, die Ende September starb, nachdem sie aus dem ersten Stock ihres
Wohnhauses in Paris gesprungen war, um vor der Polizei zu fliehen, und eines 12jährigen
russischen Jungen, der schwer verletzt wurde, nachdem er vom Balkon im vierten Stock eines
Gebäudes in der nordfranzösischen Stadt Amiens fiel, als die Polizei wegen der Befragung seiner
Familie, die undokumentiert in Frankreich lebte, auftauchte..
http://www.expatica.com/actual/article.asp?subchannel_id=58&story_id=45712

Die spanische Polizei bestätigte, dass mindestens 50 Afrikaner/innen beim Versuch, die
Kanarischen Inseln von Senegal aus auf dem Seeweg zu erreichen, umgekommen waren. In einer
Stellungnahme vom 6. November berichtet die Polizei, dass auf dem Boot, auf dem ursprünglich
150 Passagiere waren, Menschen zu sterben begannen, als Nahrung und Wasser ausgegangen
waren, und über Bord geworfen wurden. http://fr.news.yahoo.com/ap/20071106/twl-espagneimmigration-clandestine-0ef7422_2.html
 Fortress Europe stellt fest, dass mindestens 296 Migrant/inn/en und Flüchtlinge im Oktober 2007
beim Versuch, die Europäische Union zu erreichen, gestorben sind. Mehr als 200 Menschen
wurden vor den Kanarischen Inseln als vermisst gemeldet, 51 Opfer wurden in der Straße von
Sizilien und Kalabrien (im Süden von Italien) gezählt, und 33 ertranken in der Ägäis zwischen der
Türkei und Griechenland. Mindestens 1.343 Migrant/inn/en sind seit Anfang des Jahres bereits
umgekommen. http://fortresseurope.blogspot.com
2. Nachrichten aus den EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und den USA
Allgemein

Das Euro-Mediterranean Human Rights Network (EMHRN – Europäisch-mediterranes Netzwerk für
Menschenrechte) hat sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass in der Vorbereitungsphase für die
Euromed-Ministerkonferenz über Migrationsfragen, die am 18. und 19. November stattgefunden
hat, keine einzige Konsultation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen gesucht wurde. Das
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Ersuchen von EMHRN, bei der Ministerkonferenz assoziiert zu werden, blieb unbeantwortet. Die
EMHRN hat ihre Besorgnis geäußert, dass die Rechte von Migrant/innen in den Diskussionen auf
der Ebene der Euromed keinerlei Priorität genießen. Es gab auch keinen Bezug auf die Konvention
über die Rechte aller Wanderarbeiter/innen und ihrer Familienmitglieder oder auf die Genfer
Flüchtlingskonvention. http://www.euromedrights.net/usr/00000022/00000051/00001820.pdf

Maßnahmen gegen den Terrorismus betreffen in vielen Teilen der Welt Einwanderer
überproportional, wie ein unabhängiger Menschenrechtsexperte der Vereinten Nationen am 29.
Oktober in New York feststellte. Migrant/inn/en mit einer begründeten Angst vor Verfolgung könnten
die größte Gruppe der Welt sein, die ernstlich und negativ durch die Welle neuer Anti-TerrorMaßnahmen nach 2001 betroffen sind, berichtete der UN-Spezialberichterstatter für die Förderung
und den Schutz der Menschenrechte in Bezug auf Antiterrormaßnahmen Martin Sheinin dem
Komitee der Generalversammlung, das sich mit sozialen, humanitären und kulturellen Fragen
beschäftigt. http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=24464&Cr=asylum&Cr1
Frankreich

Als Reaktion auf Regierungserlasse wie das Circulaire Hortefeux, das von Arbeitsagenturen und
Arbeitgebern die Prüfung der arbeitsrechtlichen Situation von Ausländer/inne/n vor Registrierung
oder Anstellung fordert, haben mehrere öffentliche Bedienstete von Institutionen, wie der
nationalen Arbeitsagentur (Agence nationale pour l’emploi) und Departementsdirektorat für Arbeit,
Beschäftigung und Ausbildung (Direction départementale du travail, de l’emploi et de la formation
professionelle), erklärt, sie lehnten eine Zusammenarbeit “bei der Jagd nach Ausländern “ ab. Sie
gründeten ein solidarisches Netzwerk für alle von der neuen Gesetzgebung Betroffenen,
einschließlich Arbeitgeber/innen in der Verwaltung, auf die bezüglich der Wahrnehmung dieser
neuen Aufgaben Druck ausgeübt werden könnte. Für weitere Informationen s. http://refi.overblog.org/ Ihre Petition kann unter http://www.mesopinions.com/Reseau-Emploi-Formation-Insertionpetition-petitions-b89f925422f2cfe7edfa28c73c81cad0.html unterzeichnet werden.
Spanien

Am 1. Dezember hat das Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) mehrere Artikel des im Jahr
2000 von der “Partido Popular “ (Volkspartei) in Kraft gesetzte “Ley de Extranjería”
(Ausländer/innengesetz) für verfassungswidrig erklärt. Das Gericht stellt fest, dass das Gesetz,
einige grundlegende Menschenrechte von undokumentierten Migrant/inn/en in Spanien verletzt.
Das Gericht vertritt die Ansicht, dass einige Artikel, die das Recht auf Versammlungs- und
Vereinigungsfreiheit beschränken, verfassungswidrig sind. Weiters erklärt es, dass die Artikel, die (i)
undokumentierten Migrant/inn/en das Recht auf unbezahlte Rechtshilfe verweigern und (ii)
undokumentierte Kinder an der Fortsetzung ihrer nicht schulpflichtigen Ausbildung hindern (über
das Alter von 16 Jahren hinaus), verfassungswidrig sind.
http://www2.elplural.com/politica/detail.php?id=15346
Italien

LDU (Lega Italiana di Diritti dell’ Uomo – Italienische Menschenrechtsliga) und die Europäische
Menschenrechtsvereinigung EAHR, bei der die LDU Mitglied ist, haben eine Erklärung bezüglich
ihrer Position zum “Disput” über Migrant/inn/en, insbesondere den in Italien lebenden EUBürger/inne/n, veröffentlicht. LDU und EAHR sind der Meinung, dass gesetzgeberische
Maßnahmen nicht in emotionalen Situaitonen erfolgen sollten, wobei mit der Sicherheit der
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Bürger/innen gespielt werde, da dies nur zu blinder Rache führen und fremdenfeindliche
Tendenzen aufrechterhalten und anheizen kann.
http://www.euractiv.com/29/images/communique%20LIDU%20AEDH%2015%2011%202007_ENG
_tcm29-168475.pdf
Griechenland

In einer Grundsatzentscheidung hat der Oberste Gerichtshof geurteilt, dass undokumentierte
Wanderarbeiter/innen, die nicht den Mindestlohn erhalten oder fair für Überstunden entlohnt
werden, Arbeitgeber/innen unter den griechischen Arbeitsgesetzen verklagen können, und das trotz
des Einwanderungsgesetzes, das Arbeitgeber/inne/n die Anstellung verbietet, wenn keine gültige
Aufenthaltserlaubnis vorliegt. (Athens News 16. November)

Ein griechischer Grenzschützer erschoss einen Migranten, der die Grenze nach NordwestGriecheland überschreiten wollte. Dies fällt in eine Regierungsuntersuchung über Vorwürfe von
Polizeibrutalität und Folter von undokumentierten Migrant/inn/en. Das Opfer, das am 8. November
das Land betreten hatte und vor den Beamten, die ihn aufhalten wollten, wegzulaufen versuchte,
war ,ot eomer Gruppe von weitern 10 Personen entweder aus Mazedonien oder Albanien
gekommen, sagten die Beamten. Die Zahl der undokumentierten Migrant/inn/en, die dieses Jahr zu
Fuß über die Landesgrenzen oder mit Booten von der Türkei aus über die Ägäis nach Griechenland
einzureisen versuchten, ist angestiegen. Die Polizei erklärte, der Vorfall werde untersucht, der
Grenzschützer sei verhaftet und seine Waffe beschlagnahmt worden.
http://www.reuters.com/article/latestCrisis/idUSL08280518

”Die Wahrheit mag bitter sein, muss aber ausgesprochen werden” ist der Titel eines Berichtes, der
von der deutschen Flüchtlings-NGO Pro Asyl zusammen mit der griechischen Anwaltsvereinigung
für die Rechte der Flüchtlinge und Einwanderung angefertigt wurde. Der Bericht spricht von
unhygienischen Zuständen und dem Fehlen besonderer Fürsorge für Minderjährige in Haftzentren.
Er spricht außerdem von der sofortigen Definition der Einreise von Flüchtlingen als illegal. Die
Hafenbehörden informierten die Flüchtlinge häufig nicht über ihre verfassungsmäßigen Rechte und
praktizierten tatsächlich die Methode des “refoulement”, indem sie sie zwingen, in einem anderen
Land Asyl zu suchen, oder sie in den meisten Fällen in die Türkei zurückschieben.
http://www.proasyl.de/

Nach Herausgabe des Berichtes von Pro Asyl hat die Außenministerin Dora Bakoyannis mehr
europäische Unerstützung gefordert, und das damit argumentiert, dass Griechenland keine
Einwanderer mehr aufnehmen könne. Sie forderte eine Koordination zwischen den inländischen
Behörden und der Europäischen Union und EU-Gelder für eine gemeinsame Küstenwache.
(Eleutherotipia, Niki, Ethnos, Avgi, 30. Oktober / Express, Avriani, Nautemporiki, 31. Oktober, Epohi
27. Oktober, Pontiki 1. November)
http://www.setimes.com/cocoon/setimes/xhtml/en_GB/newsbriefs/setimes/newsbriefs/2007/10/31/n
b-10
Großbritannien

In einem massiven Einsatz stürmten am 11.Oktober Einwanderungsbeamte und Polizei die
Chinatown von London und nahm mehr als 30 Personen in Untersuchungshaft, von denen man
annahm, sie seien undokumentierte Migrant/inn/en oder ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt. Der
Einsatz wurde von der Chinatown Chinese Assotiation (LCCA) strengstens verurteilt. “Am Tag der
Razzia kam die Polizei nach Chinatown als ob Krieg wäre oder ein Terrorangriff stattgefunden
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hätte”, sagte ein Sprecher der Chines/inn/en (Quelle: Migration Policy Group, Migration News
Sheet, November 2007, e-mail [email protected])

Der Einwanderungsminister Liam Byrne teilte am 22. Oktober mit, man werde abgeelehnten
Asylsuchenden für die freiwillige Ausreise mehr finanzielle Anreize bieten. “Wir werden nicht
zögern, Zwangsrückführungen anzuwenden, aber wenn wir den britischen Steuerzahlern die
11.000 Pfund ersparen können, die sie heute kosten, werden wir das tun”. (Quelle: Migation Policy
Group Migration News Sheet, November 2007, e-mail [email protected])

Ein Ingenieur, der während seines Urlaubs in Nordirland fälschlicherweise als einen
undokumentierten Migranten angeklagt worden war, wurde einzig aufgrund seiner Rasse verhaftet
und inhaftiert, berichtete die Equality Commission (Gleichheitskommission) am 28. Oktober. Der
Fall zeigt den Grad der rassistischen Haltung gegenüber Fremden in der nordirischen Bürokratie,
sagte das einzige Minderheitenmitglied der Stormont Assembly. Anna Lo sagte, sie kenne viele
ähnliche Fälle, in denen Menschen, die Nordilrland legal besucht hatten, inhaftiert oder
abgeschoben worden seien.
http://www.guardian.co.uk/immigration/story/0,,2200939,00.html
Irland

Das Zentrum für Migrantenrechte (Migrant Rights Centre) fordert, dass das
Einwandereraufenthalts- und Schutzgesetz ein Überbrückungsvisum für eingewanderte
Arbeitskräfte, die beweisen können, dass sie ausgebeutet wurden oder ohne ihre Schuld
undokumentiert wurden, vorsehen soll; ein Auszug aus dem EDV-Fallmanagementsystem des
MRCI zeigte, dass von 378 Personen 171 wegen Ausbeutung am Arbeitsplatz undokumentiert
geworden sind. Dieses Visum würde Wanderarbeitnehmer/inne/n zugestehen, innerhalb einer
bestimmten Frist die Arbeit zu wechseln oder eine neue zu suchen. Der/die Arbeitnehmer/in wird
legal und ist dadurch in der Lage, eine offizielle Beschwerde einzureichen und eine neue
Beschäftigung zu suchen. http://www.mrci.ie/policy_work/IrregMigrant_UndocuMigrant.htm

Der Irische Gewerkschaftskongress (Irish Congress of Trade Unions) hat die Regierung aufgerufen,
einen “fairen und transparenten Regularisierungsprozess einzuleiten, um tausenden
undokumentierten Arbeitnehmer/inne/n in Irland Zugang zu legaler Beschäftigung zu geben”. In
ihrer Broschüre Ein fairer Weg (“A Fair Way In”) beurteilt der ICTU es als unklug und unfair, diese
Situationen nicht zu vermeiden und argumentiert, dass so ein Programm sowohl dokumentierten als
nicht dokumentierten Arbeitnehmer/inne/n zugute kommen würde und zum effektiven Funktionieren
des Arbeitsmarktes und zur Entwicklung einer gerechten irischen Gesellschaft führen würde.
http://www.ictu.ie/html/publications/ictu/Undocumented%20Workers.pdf
Belgien

Zum 18. Jahrestag der Konvention der Kinderrechte haben verschieden Organisationen (unter
anderem Amnesty Flanders, 11.11.11 und Vluchtelingenwerk Vlaanderen) hervorgehoben, dass
2006 fast 700 Kinder interniert wurden, einschließlich Kinder, die in Belgien geboren wurden. Diese
Nichtregierungsorganisationen drängten die belgische Regierung, die der Internierung von Kindern
wegen abgewiesener Asylanträge ihrer Eltern zu stoppen. (Quelle: Nieuwsbrief Beweging voor
Kinderen Zonder Papieren, 20 November 2007)

Ungefähr fünfzig undokumentierte Migrant/inn/en haben am 19. November vor dem ‘Dienst
Vreemdelingenzaken’ (Ausländerbehörde) in Brüssel demonstriert. Dieselbe Gruppe hatte in der
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Woche zuvor einen Hungerstreik abgehalten. Die Gruppe händigte dem Innenminister und der
Polizei einen Brief aus, in dem sie darauf hinwies, dass sie bereits zweieinhalb Jahre ohne
Ergebnis friedlich protestiert hätten. Sie baten um ein Treffen mit dem Minister am 26. November
2007.

Die Organisation Foyer hat eine Broschüre herausgegeben, um undokumentierten Migrant/inn/en
zu helfen, ihre Rechte und Möglichkeiten in Belgien zu kennen. Die Broschüre beschäftigt sich mit
Unterkunft, Bildung, Gesundheitsversorgung, Legalisierung, Rückkehr usw. Die Broschüre (auf
Niederländisch) kann auf www.foyer.be unter “Veröffentlichungen” heruntergeladen werden, oder
unter diesem Link.
Niederlande

In Zusammenarbeit mit Terp 10 Communication, hat der Flüchtlingsrat Friesland das Brettspiel “Die
Belagerung der Festung Europa“ (De bestorming van Fort Europa) entwickelt. Ziel des Spieles ist,
Menschen erfahren zu lassen, was Migrant/inn/en durchmachen. Mehr Info:
http://www.vluchtelingenwerk.nl/1576-Speel_het_spel_De_bestorming_van_Fort_Europa_.html

WODC, das wissenschaftliche Forschungs- und Dokumentationsinstitut des Justizministeriums, hat
ein Sonderheft über Menschenhandel herausgegeben. Einer der Gründe für diese Publikation ist
die Aufnahme von Ausbeutung in anderen Sektoren als Prostitution in das niederländische
Strafgesetzbuch. Neue Sektoren sind Handel, Gastronomie, Treibhäuser und Gartenbau. Download
der : www.wodc.nl/images/JV0707

Der veränderte Artikel 3.48 der Ausländerverordnung (Vreemdelingenbesluit) lässt zu, dass Opfer
von Menschenhandel, die keine Anzeige erstatten, aber auf andere Weise bei Fahndung und
Strafverfolgung helfen, wie z.B. eine Erklärung abgeben oder als Zeuge erscheinen, für eine
Aufenthaltsgenehmigung in Betracht gezogen werden können. (kamerstuk 19637: 1174, 18.10.07)

Fast 50 % der Menschen, die unter den Gnadenerlass fallen (der letzten Juni für Asylbewerber, die
unter das alte Ausländergesetz fielen, in Kraft trat) benötigen medizinische Hilfe. Über zwei Drittel
brauchen psychologische Unterstützung. Weitere Informationen:
www.pharos.nl/uploads/_site_1/Pdf/Documenten/20071023%20%20Factsheet%20Pardonregeling%20en%20Gezondheid2.pdf

Ein Zentrum für Obdachlose in Rotterdam muss einen schwerkranken undokumentierten Mann
aufnehmen, hat ein Gericht in Rotterdam am 7. November 2007 entschieden. Der Stadtrat darf die
Unterkunft nicht ablehnen, da dies unmenschliche Behandlung und gegen die Prinzipien der
Menschenrechte wäre. Die Entscheidung hat bestätigt, dass Stadträte für die Bereitstellung von
Pflege verantwortlich sind.

Am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember, erhielt der Utrechter Stadtrat den Clara Meijer
Wichmann-Preis für seine speziellen Anstrengungen für undokumentierte Migrant/inn/en in der
Stadt. Weitere Informationen auf: http://www.ligarechtenvandemens.nl

Staatssekretär Albayrak verspricht, die Schubhaftschiffe so schnell wie möglich zu schließen. Das
erfolgte nach einem der vielen Proteste gegen die schlechten Lebensumstände in diesen
Asylantenzentren. Die Zentren „passen nicht zur aktuellen Abschiebungspolitik“, sagte Albayrak.
Quelle: NRC, 29.11.2007 http://www.nrc.nl
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Deutschland

Das Katholische Forum „Leben in der Illegalität“ hat das Fehlen einer politischer Debatte im
Anschluss an die Publikation eines Berichts über die Situation von undokumentierten Migrant/inn/en
in Deutschland kritisiert, der den regierenden Parteien CDU/CSU und SPD seit Monaten zugänglich
war. Bischof Dr. Joseph Voss, Direktor des Forums, hat davor gewarnt, dass die Probleme, die die
irregulärer Migration verursache, nicht dadurch gelöst würden, dass man sie ignoriere. Das Forum
kritisierte besonders Vorschläge des Innenministeriums, die Pflicht öffentlicher Einrichtungen
verstärken zu wollen, undokumentierte Migrant/inn/en anzuzeigen. Voss zufolge hindert dies
undokumentierte Migrant/inn/en daran, medizinische Versorgung zu suchen oder die Schule zu
besuchen, oder hindert sie daran, ihr Recht auf Lohn durchzusetzen – das heißt Rechte, die nach
deutschem Recht allen Menschen zustehen. Weitere Informationen: http://www.forumillegalitaet.de/
Ungarn

Die ungarische Regierung muss mehr für die Stärkung von Strukturen tun, die die Rassentrennung
in Schulen überwachen und Null Toleranz durchsetzen, sagte der Bürgerbeauftragte für
Minderheiten, Erno Kallai, vergangene Woche. Er rief das Büro des öffentlichen Dienstes sowie das
Bildungsministerium dazu auf, die Zusammenarbeit mit dem Bürgerbeauftragten zu stärken, um
Bemühungen zu unterstützen, die Rassentrennung auszurotten, von der größtenteils Sinti und
Roma in Ungarn betroffen sind. Kallai sagte, dass der Staat bei der Intervention eine viel größere
Rolle spielen müsse, und die lokalen Regierungen für eine Auseinandersetzung mit diesen
Problemen schlecht eingerichtet seinen.
http://www.budapesttimes.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=1949&Itemid=159
Malta

Berichten zufolge, die Amnesty International erhalten hat, sind zwischen dem 30. September und 3.
Oktober 2002 bis zu 223 Eritreer mit Gewalt aus Malta deportiert worden. Die Eritreer sollen sofort
nach ihrer Ankunft in Asmara verhaftet worden, in ein Militärkamp gebracht und dort festgehalten
worden sein. Die eritreischen Behörden haben die Festnahmen weder bestätigt, noch den Familien
oder der Öffentlichkeit ihren Aufenthaltsort verraten. Weitere Deportationen werden befürchtet.
Amnesty International hat unterstrichen, dass die maltesische Regierung sicherstellen muss, dass
alle Rückführungen unter sicheren und menschenwürdigen Bedingungen stattfinden, und dass die
rückgeführten Menschen in ihrem Herkunftsland keine Opfer von Menschenrechtsverletzungen
werden. http://www.amnesty.org.uk/news_details.asp?NewsID=13608
Schweiz

Am 3. Oktober wurde in der Schweiz ein Gesetz zur Anwendung von Gewalt bei Rückführungen
angenommen. Der Polizei werden Methoden wie das Zusammenbinden der Füße an den Knöcheln
und der Einsatz von Hunden erlaubt sein. Dieses Gesetz gilt auch für Kinder. (Quelle: Migration
Policy Group Migration News Sheet, November 2007, e-mail: [email protected])
USA

Die Stadträte von San Francisco haben am 13. November dafür gestimmt, den Einwohnern der
Stadt städtische Personalausweise auszustellen – ungeachtet ihres legalen Status. Ratsherr Tom
Ammiano, der Urheber dieses Gesetzes, sagte, das Programm sei eine kluge öffentliche
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Sicherheitsmaßnahme, da es Einwohner/innen, die in den sozialen Außenbezirken San Franciscos
lebten, ermutigen würde, polizeiliche Hilfe zu suchen und ihnen den Zugang zu Bankleistungen
erleichtern würde. „Die Leute haben Angst, Verbrechen anzuzeigen“, sagte Ammiano, und bezog
sich dabei auf undokumentierte Migrant/inn/en, die aus Angst, von Bundeseinwanderungsbeamten
verhaftet oder ausgewiesen zu werden, die lokalen Vollzugsbehörden meiden.
http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2007/11/14/BAB9TBP5H.DTL

Hausbedienstete, die in den Vereinigten Staaten von ausländischen Diplomaten ausgebeutet und
missbraucht worden sind, sandten am 15. November eine Petition an eine internationale
Kommission, weil amerikanische Gesetze ihnen ihre Rechte und den Zugang zur Justiz verweigern.
Die Bittschrift berichtet, dass jedes Jahr um die 3.000 Hausangestellte in die Vereinigten Staaten
einwandern, um in den Residenzen von ausländischen Diplomaten zu arbeiten. Sie reisen mit
speziellen Visa zum Zweck der Arbeit für fremde Regierungsbeamte, und ihr Einwanderungsstatus
ist nur solange legal, wie sie von einem diplomatischen Arbeitgeber angestellt bleiben.
Hausbedienstete von ausländischen Regierungsbeamten sind sehr stark der Ausbeutung
ausgesetzt. Sie arbeiten in relativer Isolation in privaten Häusern, außerhalb des öffentlichen Blicks
und von Regulierungen, stammen oft aus sehr armen Verhältnissen, haben keine Bildung, kennen
ihre Rechte nicht und sprechen oft kein Englisch. Obendrein sind Hausangestellte vom Schutz
grundlegender Gesetze und dem Bundesarbeitsrecht ausgeschlossen. Die Petition folgt auf die
Ausweisung eines kuwaitischen Diplomaten und seiner Frau durch das Außenministerium,
nachdem sie ihre drei indischen Hausbediensteten missbraucht hatten.
http://www.aclu.org/womensrights/employ/32783prs20071115.html

Mit hölzernen Kreuzen in einer Hand und Blumen in der anderen ist eine Gruppe von 50 Personen
am 3. November durch die Strassen von Tucson, Arizona, gelaufen, um der über 200 Flüchtlinge zu
gedenken, die in den vergangenen 12 Monaten an der Grenze zwischen Arizona und dem
mexikanischen Staat Sonora ihr Leben verloren haben. Zahlen der Coalition of the Human Rights of
Arizona zufolge, der Organisation, die diese Pilgerreise seit 9 Jahren organisiert, sind zwischen
Oktober 2006 und September 2007 ganze 237 Flüchtlinge bei dem Versuch die Wüste von Arizona
zu durchqueren ums Leben gekommen. http://mx.news.yahoo.com/s/04112007/38/nacionalrecuerdan-peregrinaci-n-inmigrantes-muertos-frontera.html
3. Entwicklungen in der Europapolitik
Allgemein

Gewerkschaften versuchen EU-Minister/innen zu ermutigen, den Widerstand Großbritanniens
bezüglich eines Vorschlags der Europäischen Kommission über Arbeitsrechte zu überwinden.
Dieser sieht vor, dass Zeitarbeitskräfte nach sechs Wochen alle Arbeitsrechte erhalten würden, die
britischen Arbeitgeber wollen aber ein Minimum von sechs Monaten bis zur besseren Ausstattung
mit Rechten. Die Aktivitäten der Gewerkschaften sollen einem entscheidenden Treffen von
Arbeitsminister/inne/n der EU am 5. Dezember zuvorkommen. Die portugiesische EUPräsidentschaft hat hingegen Großbritannien angeboten, dauerhaft bei der wöchentlichen
Höchstarbeitszeit keine Grenzen setzen zu müssen. Dieses Entgegenkommen soll die britische
Regierung unter Druck setzen, damit sie zu einer Diskussion über die Situation von temporären und
vermittelten Arbeitskräften bereit ist. Die Regierung ist zwar ausdrücklich gegen einen solchen
Kompromiss, kann aber kein Veto einlegen und riskiert auch, keine Sperrminorität um sich scharen
zu können. Quelle: http://www.ft.com/cms/s/0/263e3766-9b57-11dc-8aad0000779fd2ac,dwp_uuid=70662e7c-3027-11da-ba9f-00000e2511c8.html
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Europäische Kommission

Die Kommission unterstützt Malta, Italien, Griechenland, Schweden und Spanien bei der Aufnahme
illegaler Einwanderer, die auf dem Seeweg kommen, sowie bei der Ankunft irakischer
Asylsuchender. Sie hat jetzt Projekte, die im Rahmen der Aufforderung zur Einreichung von
Vorschlägen unter dem Titel "Unterstützung bei der Aufnahme von Einwanderern" gefördert werden
sollen, ausgewählt. Die neue Haushaltsrichtlinie für 2007 wurde im Dezember 2006 vom
Europäischen Parlament gebilligt. Finanziert werden eine Reihe von Maßnahmen im Bereich der
Migration, die das allgemeine Rahmenprogramm "Solidarität und Steuerung der Migrationsströme"
für den Zeitraum 2007-2013 ergänzen und dazu beitragen sollen, die durch die Migrationsströme
verursachten Probleme in den Griff zu bekommen. Für diese Aufforderung steht ein Richtbetrag in
Höhe von 7 Mio. Euro zur Verfügung.
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/1691&format=HTML&aged=0&lang
uage=DE&guiLanguage=en

Die Europäische Kommission schlägt bei der Erstellung von EU-Pässen (und nationalen
Ausweispapieren) vor, dass die Fingerabdrücke aller Kinder über sechs Jahre genommen werden
sollen. Der einzige Grund für diese Altersgrenze sind die ungenügenden technischen
Kontrollmöglichkeiten bei Kindern unter sechs Jahren. Quelle : Statewatch News Online, 6.
November 2007 (24/07) http://www.statewatch.org/news/2007/nov/eu-com-passport-reg.pdf

Am 7. November 2007 veranstaltete die EU-Kommission ein öffentliches Hearing zur Zukunft des
gemeinsamen europäischen Asylsystems (CEAS). Dieses Ereignis markiert das Ende der
öffentlichen Konsultationen die mit der Veröffentlichung des “Grünen Papiers” im Juni 2007
begonnen worden waren. Die Kommission wird im Juli des nächsten Jahres eine “Roadmap 2008 –
2010” herausgeben, die die Aktionen und rechtlichen Initiativen bis zum Ende des CEAS 2010
beinhalten wird. Dieses Dokument wird unter anderem Änderungen bei Eurodac, der DublinVerordnung und den Direktiven zu den Aufnahmebedingungen enthalten. Ebenso sind neue
rechtliche Instrumente, die Implementierung des europäischen Flüchtlingsfonds und
Handlungsempfehlungen bei Operationen auf See Teil der Roadmap. In den nächsten Monaten
sollen auch Evaluationen der Prozesse veröffentlicht werden. Quelle:
http://www.ecre.org/topics/intro_to_topics ECRAN Weekly Update of 9. November,2007

Die EU-Kommission hat einen Bericht über die Änderungen und Umsetzung der Aufnahmedirektive
vom 26. November 2007 veröffentlicht. Dieser konstatiert, dass die Mitgliedsstaaten ihre vorherigen
Betreuungsstandards bei der Aufnahme von Asylsuchenden nicht gesenkt hätten. Der große
Ermessensspielraum untergräbt aber eine Harmonisierung der Betreuungsbedingungen in vielen
Bereichen. Dazu gehört neben dem Gesundheitsbereich und der Höhe und Art der materiellen
Unterstützung auch die Gestaltung der Bewegungsfreiheit. Ein weiterer wichtiger Mangel bei der
Umsetzung betrifft die Behandlung von besonders verletzlichen Gruppen, allen voran von
minderjährigen Personen. Die meisten Mitgliedsstaaten schließen die Abschiebung von behinderten
Personen und auch (unbegleiteten) Minderjährigen nicht aus. Franco Frattini, der Kommissar für
Freiheit, Sicherheit und Recht, stellte klar, dass eine Angleichung der Lebensbedingungen von
Flüchtlingen für die Kommission eine Priorität sei. Außerdem beabsichtige die Kommission einen
Vorschlag zur Reduzierung der Ermessensspielräume in folgenden Bereichen: Höhe und Form der
materiellen Unterstützung, Zugang zum Arbeitsmarkt, Angebote im Gesundheitsbereich,
Bewegungsfreiheit und Identifizierung und Unterstützung von besonders verletzlichen Personen.
Die Änderungsvorschläge werden im Juli 2008 als Teil des Kommissionsplans für die zweite Phase
des gemeinsamen europäischen Asylsystems präsentiert. Quelle: http://www.ecre.org/topics/
intro_to_topics
PICUM Rundbrief Dezember 2007
Europäisches Parlament

Die Mitgliedsstaaten verhandeln mit der Kommission über ihren Vorschlag, den Geltungsbereich
der Direktive über langfristigen Aufenthalt auf Nutznießer/innen internationaler
Schutzbestimmungen auszudehnen, wie ein Vertreter der Kommission während eines Treffens des
Subkomitees für Menschenrechte des Europäischen Parlaments am 5. November bestätigte. Einige
Mitgliedsstaaten wollen die Ausdehnung des Geltungsbereiches der Direktive nur auf Flüchtlinge
beschränken und nicht, wie von der Kommission vorgeschlagen, auch auf Nutznießer/innen
ergänzender Schutzbestimmungen (die gemeinsam mit Flüchtlingen als ‘Nutznießer/innen
internationaler Schutzbestimmungen’ bezeichnet werden). Ein weiterer Streitpunkt im Rat ist, ob die
Dauer des Asylverfahrens bei der Voraussetzung der Aufenthaltsdauer (die im Vorschlag fünf Jahre
beträgt) einbezogen werden soll oder nicht. Das Parlament wird bei diesem Prozess nur konsultiert,
und der Rat muss die endgültige Entscheidung einstimming treffen.
Quelle: http://www.ecre.org/ ECRAN Weekly Update vom 9. November 2007

Die Bedingungen in Schubhaftzentren in Großbritannien sind im allgemeinen gut, aber die Kinder
von Asylsuchenden sollten nicht in Haft genommen werden, stellten die MEPs des Komitees des
Europäischen Parlaments über Bürgerrechte, Justiz und Inneres (LIBE) nach ihrem Besuch in drei
britischen Schubhaftzentren zwischen 21. und 23. November fest. Die MEPs drückten auch ihre
Besorgnis über die Dauer der Schubhaft und über die Internierung von Unschuldigen neben
Kriminellen aus: Das sei immer problematisch, aber im Fall von Kindern sei es unmenschlich. Die
Delegation besuchte die Zentran Yarl’s Wood in Bedfordshire, Oakington in Cambridgeshire und
Harmondsworth in der Nähe von Heathrow.
Quellen: http://www.ecre. org/topics/ intro_to_topics

Das Europäische Parlament hatte am 26. und 27. November ein gemeinsames Treffen mit
Abgeordneten nationaler Parlamente über die Zukunft einer Region der Freiheit, Sicherheit und
Gerechtigkeit, das einen besseren und regelmäßigeren Dialog zwischen europäischen und
nationalen Parlamentarier/inne/n etablieren sollte. Die erste Sitzung des gemeinsamen Treffens
beschäftigte sich mit der Rolle der Parlamente im globalen Ansatz der EU bezüglich der Migration,
mit dem Schwerpunkt des Entwurfs einer Direktive über Sanktionen gegen die Arbeitgeber/innen
von undokumentierten Arbeiter/inne/n. Der Schwerpunkt lag auf dem Kampf gegen die irreguläre
Einwanderung wie auch auf der Notwendigkeit einer umfasssenden Politik für eine geregelte
Migration von Arbeitskräften, während das Asyl nicht als Teil eines umfassenden Ansatzes
bezüglich der Migration erwähnt wurde. Der portugiesische Innenminister Rui Pereira betonte, dass
die Grenzen nicht geschlossen werden könnten, weil Europa Einwanderer benötigt, aber dass
Europa auch gegen die irreguläre Einwanderung vorgehen muss. Quelle: http://www.ecre.
org/topics/ intro_to_topics

Eine Sammelbewegung von europäischen Vereinigungen zur Verteidigung der Menschenrechte
haben eine Petition an MEPs eingeleitet, die gegen den Vorschlag einer Direktive zur Internierung
und Abschiebung von Einwanderern protestiert, der dem Europäischen Parlament am 29.
November vorgelegt wurde. Die vorgeschlagene Direktive ist die erste auf diesem Gebiet, die in
einem gemeinsamen Entscheidungsprozess mit dem Ministerrat vorgelegt wurde. Die
bedenklichsten Teile der Direktive sind: die Haftdauer, die auf 18 Monate erhöht werden könnte,
und die Einrichtung eines fünfjährigen Einreiseverbots nach Europa für all diejenigen, die
ausgewiesen werden. Quelle: http://www.outrageousdirective.org
PICUM Rundbrief Dezember 2007
Rat der Europäischen Union

In seiner Sitzung am 8. November begann der Rat für Justiz und Inneres Diskussionen über den
Vorschlag einer Ratsdirektive zu den Bedingungen für Einreise und Aufenthalt von
Drittstaatsangehörigen zum Zweck der hochqualifizierten Beschäftigung (“Blue Card”), und über
einen Vorschlag für eine Ratsdirektive für ein einheitliches Bewerbungsverfahren für eine
einheitliche Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Drittstaatsangehörige für das Gebiet eines
Mitgliedsstaates, und über gemeinsame Rechte für Beschäftigte aus Drittstaaten, die legal in einem
Mitgliedsstaat leben. Der Rat kam darüber überein, auf diese Vorschläge im Kontext eines
gemeinsamen Treffens mit den EU-Arbeitsministern im Dezember 2007 zurückzukommen. Quelle:
Presseaussendung, am 8.11.2007 diskutierte Punkte, vorläufige Version
<http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/ cms_Data/ docs/pressData/en/jha/97023.pdf> und
http://www.ecre.org/topics/ intro_to_topics ECRAN Weekly Update vom 9. November 2007.
Europarat

Die Europaratskonvention gegen Menschenhandel (CETS n° 197) wird am 1. Februar 2008 in Kraft
treten, nachdem Zypern sie als zehntes Land ratifiziert hat. Die Hauptpunkte der neuen Konvention
sind: verpflichtende Unterstützungsmaßnahmen und eine Erholungs- und Nachdenkphase für Opfer
des Menschenhandels von mindestens 30 Tagen; die Möglichkeit, den Opfern nicht nur aufgrund
der Zusammenarbeit mit den Exekutivbehörden Aufenthaltspapiere auszustellen, sondern auch aus
humanitären Gründen; die Möglichkeit, “die Kunden” strafrechtlich zu verfolgen; eine
Straffreiheitsklausel für Opfer des Menschenhandels; ein verstärktes internationales
Kooperationssystem und ein unabhängiger Überwachungsmechanismus, GRETA, der die richtige
Umsetzung der Konvention durch die Beteiligten überwachen wird. Quelle: Presseabteilung des
Europarates
4. Kinder ohne Papiere

Die Regionalregierung von Schottland bestätigte am 10. Oktober, dass sie London dazu drängen
würde, die Internierung von Familien mit Kindern zu beenden. Fiona Hyslop, Bildungsministerin in
Schottland, wird die Einführung einer alternativen Methode fordern, um über asylsuchende Familien
auf dem Laufenden zu bleiben, ähnlich dem Pilotprojekt, das derzeit in England läuft. Das letztere
beteiligt NGO-Mitarbeiter/innen, die mit Familien arbeiten, und soll die Zahl der Kinder in
Schubhaftzentren reduzieren und abgewiesene asylsuchende Familien dazu ermutigen, die
freiwillige und unterstützte Heimkehr zu akzeptieren. (Quelle: Migration Policy Group Migration
News Sheet, November 2007, e-mail: [email protected])

Die dänische Regierung kündigte an, dass 60 abgewiesene asylsuchende Familien die Erlaubnis
erhalten würden, aus staatlichen Flüchtlingszentren auszuziehen und in vom dänischen Roten
Kreuz geführte Zentren zu übersiedeln. Laut einer Stellungnahme von Regierungsvertretern vom
23. Oktober wurde diese Entscheidung hauptsächlich durch die Sorge über die Auswirkungen des
langen Aufenthalts in staatlichen Flüchtlingszentren auf die Kinder motiviert. Diese Auswirkungen
waren von Menschenrechtsgruppen verurteilt worden. (Quelle: Migration Policy Group Migration
News Sheet, November 2007, e-mail: [email protected])

Sir Al Aynsley-Green, der Kinderbeauftragte für England, erklärte in einem Brief an den
Einwanderungsminister Liam Byrne am 13. November, dass es “gravierende ethische Vorbehalte”
rund um die Pläne der Regierung, das Alter Minderjähriger durch Röntgenuntersuchungen zu
bestimmen, gäbe, sowie auch klare Grenzen, was die Effektivität dieses Verfahrens angehe. Junge
PICUM Rundbrief Dezember 2007
Menschen, die noch nie ein Röntgengerät gesehen hätten, würden verwirrt und ängstlich sein, aber
gezwungen sein, der Untersuchung zuzustimmen, da eine Ablehnung ihre Chancen auf einen
erfolgreichen Asylantrag verringern würde, warnte er.
http://www.guardian.co.uk/uk_news/story/0,,2209953,00.html

Der Bericht “Rassentrennung von Roma-Kindern im Bildungswesen – Einschreiten gegen
strukturelle Diskriminierung durch die Richtlinie zur Anwendung des
Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft” wurde
von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben und von Lilla Farkas im Auftrage des
europäischen Netzwerkes juristischer Expert/inn/en in Nicht-Diskriminierungs-Fragen formuliert. Er
stellt die Probleme dar, denen Roma-Kinder als Ergebnis struktureller Diskriminierung im
Bildungswesen in der EU ausgesetzt sind, und rechtfertigt Lösungen, die über den persönlichen
Bereich hinaus gehen.
http://ec.europa.eu/employment_social/publications/2007/ke7807289_en.pdf

Die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hat in einer bedeutsamen
Entscheidung für Roma in Europa, mit 13 zu 4 Stimmen, am 13. November entschieden, dass die
Rassentrennung von Roma-Schüler/inne/n in eigenen Schulen eine Form von unrechtmäßiger
Diskriminierung ist, die grundlegende Menschenrechte verletzt. Das Urteil erging im Fall D.H. und
andere gegen die Tschechische Republik, einem Fall, in dem 18 Roma-Kinder gegen die in Zentralund Osteuropa weit verbreitete Praxis, Roma-Schüler/innen in „spezielle“ Schulen für Kinder mit
Lernschwierigkeiten abzuschieben, geklagt hatten. Das Gericht befand, dass die Praxis der
Trennung im Bildungswesen aufgrund von „Rasse oder ethischer Herkunft“ Artikel 14 der
Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt, der Diskriminierung verbietet, zusammen mit
Artikel 2 Protokoll 1, der das Recht auf Bildung sichert. Das Gericht bemerkte, dass die
Tschechische Republik mit dieser Praxis nicht allein dasteht und dass derzeit in mehreren
europäischen Ländern im Bildungswesen diskriminierende Einschränkungen für Roma-Kinder
existieren. http://www.errc.org/cikk.php?cikk=2866

Jedes Jahr finden sich diverse unbegleitete Minderjährige im Alter von 4 bis 17 Jahren nach einer
langen und gefährlichen Reise in Griechenland wieder. Derzeit sind etwa 130 Kinder –
Afghan/inn/en, Türk/inn/en, Afrikaner/innen – auf den Inseln Lesbos, Samos und Kos interniert. An
anderen Orten ist die Situation ähnlich (Evros, Aspropyrgos, Volos). Einige der Kinder bleiben für
Monate in diesen „Gefängnissen“, wohingegen andere freigelassen werden, ohne an eine
schützende Institution weitergeleitet zu werden; sie laufen davon oder werden Opfer von
Ausbeutung. Der griechische Ombudsmann, der fünf Lager, wo Minderjährige interniert werden,
besuchte, sprach in einem Bericht über unterdurchschnittliche Aufenthaltsbedingungen und gab
schockierende Beschreibungen dieser Orte. (Ethnos, 11 November)
 Kyrill Buneanu hat den Rekord als jüngstes undokumentiertes Baby, das jemals in einem
Auffanglager in der Bretagne aufgenommen wurde, gebrochen. Das drei Wochen alte moldawische
Baby wurde mit seinen Eltern für zwei Tage festgehalten, bevor das Berufungsgereicht in SaintBrisson-sur-Loire (Loiret) aufgrund des zarten Alters des Babys und des großen psychologischen
Leidens der Eltern das Ende der “Haft” für die Familie beschloss. Siehe auch www.liberation.fr vom
6. November 2007.
5. Veranstaltungskalender

Solidar und die Take Part! Projektpartner organisieren vom 4.-5. Dezember 2007 in Brüssel den
„Marktplatz“, die Abschlussveranstaltung des Take Part! Projekts für einen EU-weiten Dialog zur
PICUM Rundbrief Dezember 2007
Integration. Auf dem Marktplatz werden Migrant/inn/en, NGOs, Gewerkschaften, ArbeitgeberOrganisationen, Wissenschafter/innen, kommunale Behörden und EU-Entscheidungsträger/innen
zusammenkommen, um zu diskutieren, wie sie bessere Integrationspolitiken fördern können.
Hauptempfehlungen, Verhaltensnormen für Migrant/inn/enorganisationen, und Best Practices aus
den fünf am Projekt teilnehmenden Ländern werden diskutiert.
http://www.dgroups.org/groups/SOLIDARWR/docs/Market_place_programme_and_invitation_16_11_07.pdf

Mitglieder der Gemeinschaft sind am 6. Dezember in Paris eingeladen, eine Arbeitsgruppe zum
sozialen Schutz von Ausländer/inne/n und von Menschen in unsicheren Situationen ins Leben zu
rufen. Der Tag wird aus einer Diskussion des Projekts und einem Rahmenprogramm mit wichtigen
aktuellen Themen bestehen. Unter den Organisator/inn/en sind Catherine Lévy vom Alert Network
on Inequality (RAI), Didier Maille von Comede und Antoine Math von Gisti. Kontakt:
[email protected] oder [email protected]

“Neue Migrationsdynamiken: reguläre und irreguläre Aktivitäten auf dem europäischen
Arbeitsmarkt” ist ein internationales Kolloquium, das von der Forschungseinheit für Migration und
Gesellschaft (URMIS) des National Center for Scientific Research (CNRS) und der Universität von
Nizza Sophia-Antipolis organisiert wird und von 6.-8. Dezember 2007 in Nizza stattfindet. Die
Konferenz wird neue Migrationstrends und ihre wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen auf
“Sender”- und “Empfänger”-Länder unter einem internationalen und multidisziplinären Ansatz
behandeln. http://www.unice.fr/urmis/spip.php?article115

Die International Law Practitioner’s Association (ILPA) und die London School of Economics (LSE)
organisieren eine Konferenz unter dem Titel “Migrant/inn/en und unfreiwillige Rückkehr, Artikel 3 der
Europäischen Menschenrechtskonvention” am 14. Dezember 2007 in London. Die Konferenz wird
versuchen, die Interpretation des Artikels 3 und des nicht derogierbaren Rechts, weder Folter noch
unmenschlicher oder degradierender Behandlung unterworfen zu werden, aus der Sicht von
Einwanderungsrechten zu prüfen. Hauptakteure, die die Entwicklung der Rechtsprechung zu Artikel
3 beeinflussen, werden zusammengebracht. http://www.ilpa.org.uk/DT1022conference.pdf

PICUM’s Veröffentlichung zu “Zugang zum Gesundheitswesen für undokumeniterte Migrant/inn/en
in Europa.“ (‘Access to Health Care for Undocumented Migrants in Europe”) wird in Großbritannien
während eines Treffens im Parlament des Vereinigten Königreichs am 11. Dezember veröffentlicht.
Die Veranstaltung wird Unterstützern der Kampagne die Möglichkeit geben, MPs zu treffen und die
Zukunft der Gesundheitsversorgung verletzlicher Migrant/inn/en zu diskutieren. Der GesundheitsWohlfahrtsverband, Medact, als Teil einer Koalition von Freiwilligengruppen, leitet eine Kampagne,
die das Ziel hat, die Rechte der verletztlichsten Migrant/inn/en, die Gesundheitsversorgung
benötigen, zu schützen. Die Kampagne befasst sich mit den Regierungsplänen, den Zugang zur
primären Gesundheitsversorgung durch den nationalen Gesundheitsdienst (NHS) zu beschränken.
Die Gruppe sammelt derzeit auch die Unterstützung von MPs für „Early Day Motion *220“.

Das Zentrum für Migrationsstudien (CMS) und die Internationale Organisation für Migration (IOM)
moderieren eine Konferenz mit dem Titel “Internationale Migration und Entwicklung: Fortsetzung
des Dialogs, rechtliche und politische Perspektiven” mit, die vom 17.-18. Januar 2008 in New York
stattfinden wird. Das Ziel ist es, informelle Diskussionen zu ermöglichen und aktuelle Entwicklungen
im Bereich kritisch zu bewerten, in Kenntnis des Dialogs auf höchster Ebene der Vereinten
Nationen zu Internationaler Migration und Entwicklung im September 2006. Mehr Informationen und
Registrierung: [email protected] oder [email protected]
PICUM Rundbrief Dezember 2007
 SMES-EUROPE (Social Exclusion Mental Health - „Sozialer Ausschluss, psychische Gesundheit “)
organisiert vom 23.-24. Januar eine Konferenz in Rom mit dem Titel “Die Härte von Armut und
Ausschluss: Resignation oder Herausforderung?” („Severity of Poverty and Exclusion: Resignation
or challenge?” Die Diskussion wird sich auf das Ausmaß von Armut und sozialem Ausschluss in
Europa konzentrieren und versuchen, Wege vorzuschlagen, um effektiv das Recht zu und den
Zugang zu Gesundheitsversorgung und Sozialfürsorge zu etablieren. http://www.smeseuropa.org/Rome2008_10conf_SMES_UK.htm
6. Veröffentlichungen

Undokumentierte Frauen, Männer und Kinder in Deutschland - Ihr Recht auf Gesundheit; ein
Bericht der Bundesarbeitsgruppe Gesundheit/Illegalität“ Der 2007 vom Deutschen Institut für
Menschenrechte veröffentlichte Bericht erörtert die mangelhafte Gesundheitsversorgung für
undokumentierte Migrant/inn/en in Deutschland. Er bezieht sich dabei auf die Berichte mehrerer
Ärzte, die belegen, dass undokumentierte Migrant/inn/en medizinische Hilfe entweder zu spät oder
gar nicht suchen. Ein Grund, warum undokumentierte Migrant/inn/en ihr Recht auf medizinische
Versorgung nur begrenzt wahrnehmen, ist das Aufenthaltsrecht, das von öffentlichen Ämtern
verlangt, die Ausländerbehörde über undokumentierte Migrant/inn/en zu informieren. Die
Arbeitsgruppe empfiehlt die Einrichtung eines bundesweiten Fonds für nichtversicherte Personen,
den offenen Zugang zu privaten Krankenversicherungen, geschützte Vermittlung von
Krankenscheinen und einen Ausbau lokaler Initiativen.
http://www.institut-fuer menschenrechte.de/webcom/show_shop.php?wc_c=488&wc_id=72

Das ACLU Women's Rights Project (ACLU Frauenrechte Projekt) der American Civil Liberties Union
(Amerikanische Bürgerrechte Vereinigung) und das Nationale Projekt Arbeitsrecht (NELP) haben
kürzlich ein Handbuch zum Thema “No Free Right to Harass: Protecting the Rights of
Undocumented Immigrant Women Workers in Sexual Harassment Cases“ („Kein Freifahrtsschein
für Belästigung: Schutz der Rechte undokumentierter Migrantenarbeiterinnen bei Fällen von
sexueller Belästigung“) herausgegeben, das sich besonders an Personen wendet, die sich mit
Prozessen zum Thema sexuelle Belästigung von eingewanderten weiblichen Arbeitskräften
befassen. Der Schwerpunkt liegt darauf, Rechtsanwälten und ihren Klient/inn/en dabei zu helfen,
erfolgreiche Strategien für undokumentierte weibliche Arbeitskräfte zu entwickeln. Das Handbuch
bietet Anleitungen beginnend vom ersten Interview bis zur Auswahl von Rechtstheorie und
Rechtsmitteln.
www.nelp.org/docUploads/no_free_pass%20final.pdf

“The 'Global Approach to Migration' rhetoric or reality?” (Der globale Ansatz zur Migration: Rhetorik
oder Realität?) ist ein Policy Brief des Europäischen Politikzentrums (EPC), verfasst von Elizabeth
Collet. Die Publikation diskutiert das, was als „Weltweite Vorgehensweise für Migration“ bekannt
geworden ist, die die Lösung des Migrationsproblems in Europa in Partnerschaftsabkommen und
Dialog mit Drittstaaten sieht. Der Policy Brief argumentiert, dass die Union derzeit weder die
Kompetenz noch den politischen Willen hat, ihr Mandat als ernstzunehmender Partner im Bereich
organisierter Migration gegenüber Drittstaaten zu erfüllen und jetzt handeln muss, wenn aus der
Rhetorik Wirklichkeit werden soll.
http://www.epc.eu/TEWN/pdf/339002765_Global%20Approach%20to%20Migration.pdf

Der Bericht “Racism in Europe: ENAR Shadow Report 2006”, veröffentlicht vom Europäischen
Netzwerk gegen Rassismus (ENAR), zeichnet ein düsteres Bild der Situation von Rassismus in
Europa. Betroffen sind laut dem Bericht vor allem Roma, Sinti und andere Fahrende sowie
Migrant/inn/en - einschließlich EU-Bürger/innen und Bürger/innen von Drittländern; im besonderen
undokumentierte Migrant/inn/en und Asylsuchende, jüdische und die muslimische Gemeinden. Der
PICUM Rundbrief Dezember 2007
Bericht weist darauf hin, dass Symptome von Rassismus in Europa weiterhin präsent sind und
kommt zu dem Schluss, dass einige Formen von Rassismus, besonders die Islamophobie,
zugenommen haben und es zu einer signifikanten Zunahme von rassistisch motivierter Gewalt und
Kriminalität gekommen ist. http://www.enareu.org/en/publication/shadow_reports/europe2006_EN.pdf

Die Ausgabe 2008 des “Guide for taking responsibility of medico-psycho-social needs of migrants/
foreigners in a precarious situation” (Leitlinie zur verantwortlichen Wahrnehmung der medizinischpsychischen Bedürfnisse von Migrant/innen/Ausländer/inne/n in unsicheren Situationen) wurde von
Comède als ein praktisches Handbuch für medizinisches Personal im sozialen und administrative
Bereich sowie für Organisationen, die Ausländer/innen und Migrant/inn/en unterstützen,
veröffentlicht. Die Publikation beabsichtigt ein besseres Verständnis für die Vielfältigkeit und
Komplexität der Situation zu vermitteln. Im Falle eines Hilfsgesuchs bei Gesundheitsversorgung,
Gesundheitschecks, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Rechtshilfe ist die Kenntnis
medizinischer, psychologischer, sozialer und administrativer Fragen entscheidend, um den
besonders gefährdeten Personen, darunter Exilant/inn/en, Flüchtlinge und undokumentierte
Migrant/inn/en, zu helfen. http://osi.bouake.free.fr/IMG/pdf/guide_comede.pdf

“Escape from Tripoli: Report on the Conditions of Migrants in Transit in Libya” ( Flucht aus Tripoli:
Bericht zur Lage von Transitmigrant/inn/en in Libyen) ist eine Publikation von Fortress Europe. Sie
belegt, dass tausende undokumentierte Migrant/inn/en und Flüchtlinge die südliche Grenze von
Libyen überqueren und einige von ihnen ihre Reise anschließend Richtung Italien fortsetzen. Der
Bericht enthält Augenzeugenberichte über die von Schleppern (passeurs), die die Reisen
organisieren, verübten Verbrechen und berichtet von Missbrauch, Belästigung, schlechter
Behandlung, willkürlichen Festnahmen, Verhaftungen ohne Strafprozess und Folter durch die
libyschen Justizorgane.
http://www.infinitoedizioni.it/fileadmin/InfinitoEdizioni/rapporti/REPORT_LIBYA.pdf

Eine Zusammenfassung des Seminars „Migration: die Menschenrechtsperspektive” ( “Migration: the
human rights perspective“), das vom 24.-26. Oktober 2007 in Genf stattfand, wurde vom
Berichterstatter Jeremy Corbyn vorgestellt. Das Seminar war von der interparlamentarischen Union
(IPU) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Büro des Hohen Kommissars der
Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) organisiert worden und wandte sich an
Mitglieder parlamentarischer Ausschüsse, die im Bereich Menschenrechte arbeiten sowie anderer
Ausschüsse, deren Arbeit im Zusammenhang mit Migration steht. Vorgeschlagen wurde unter
anderem eine Konfrontation der von den Medien verbreiteten Darstellung von Ausländer/inne/n als
„Kriminelle“ oder „Asylbetrüger“ , eine grundrechtsbezogene Herangegehsweise beim Erlass von
Gesetzen und Richtlinien zum Thema Immigration und des Vollzugs der letzteren, die Ratifikation
von internationalen Abkommen zur Migration und eventuell die Möglichkeit der Regularisierung von
undokumentierten Migrant/inn/en.

“Forbidden Journey: Foreigners in an irregular situation in prison” (Verbotene Reise: Irreguläre
Ausländer in Haft) ist der Titel einer 2007 Diplomarbeit von Virginie Brulet, Studentin an der EHESS
Marseille. Die Arbeit konzentriert sich auf irreguläre Migrant/inn/en in französischen
Strafvollzugsanstalten und beschreibt die Mechanismen der administrativen Überwachung und die
Art und Weise, in der das Strafsystem einen Status der Ausgrenzung durch Inhaftierung verursacht.
Brulet präsentiert Aussagen von Treffen mit irregulären Migrant/inn/en, die sich in Haft befinden,
und zeigt die Widersprüche der französischen Politik der Ausgrenzung. Die Examensarbeit wurde
vor kurzem in die Datenbank des wissenschaftlichen Netzwerks TERRA aufgenommen und kann im
Internet unter folgendem Link abgerufen werden:
PICUM Rundbrief Dezember 2007
http://terra.rezo.net/IMG/pdf/Virginie_BRULET_Parcours_defendus.pdf
7. PICUM-Nachrichten
PICUM-Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder haben in den vergangenen Wochen auf den folgenden
Veranstaltungen gesprochen

Treffen des Rates des europäischen Menschenrechtsbeauftragten, 7. November 2007,
Straßburg, Frankreich. PICUM-Vorsitzender Don Flynn war zum monatlichen Treffen des
Menschenrechtsbeauftragten eingeladen, das Legalisierungsprogramme thematisierte und sprach
dort über die PICUM-Position zur Situation undokumentierter Migrant/inn/en.

‘Grenzenlose Solidarität’: Ein Kongress zu irregulärer Migration und undokumentierten
Migrant/inn/en, 14. November 2007, Antwerpen, Belgien. Organisiert vom Zentrum für Migration
und Interkulturelle Studien der Universität Antwerpen. PICUM-Vorsitzender Don Flynn und PICUMVorstandsmitglied Franck Düvell sprachen zu diesem Thema und Vorstandsmitglied Didier
Vanderslycke war einer der Podiumsteilnehmer bei der Debatte zu dem ‘Spannungsfeld zwischen
Politik und Praxis’.

Internationale Ausgabe von Migration und Co-Entwicklung. 28.-30. November 2007, Teneriffa,
Kanarische Inseln. PICUM-Vorstandsmitglied Reyes Castillo vertrat PICUM bei dieser
Veranstaltung, die von der Bewegung für Frieden und Abrüstung und die Freiheit der Kanarischen
Inseln organisiert wurde. Sie gab eine Präsentation mit dem Titel „Die verletzten Rechte von
Migrant/inn/en“.
8. Verschiedenes

“Worte ohne Papiere” (Words without Papers), ein Comic, veröffentlicht von Delcour 2007 mit der
Unterstützung von Cimade und Migreurope, ist eine Zusammenstellung aus Beschreibungen von
Zeugenaussagen undokumentierter Migrant/inn/en durch 9 Autor/inn/en. Die Geschichten
skizzieren das Leben als undokumentierte/r Migrant/in und berühren dabei verschiedene Probleme,
wie etwa undokumentierte Prostitution, Überleben ohne Papiere und die Gründe von Migration. Das
Buch beinhaltet ein Vorwort von Emmanuelle Béart. http://www.cimade.org/publications/8

Der Dokumentarfilmer Nick Broomfield drehte für Amnesty International als Teil der AmnestyKampagne für das Ende der Verarmung undokumentierter Migrant/inn/en einen Kurzfilm, um die
Problematik mittelloser abgewiesener Asylbewerber/Innen in Großbritannien zu beleuchten.
http://www.amnesty.org.uk/content.asp?CategoryID=10398

Die Union für die Verteidigung von undokumentierten Migrant/inn/en (Union for the Defence of
Undocumented Migrants (UDEP)) organisierte am 3. November 2007 in Brüssel einen
Solidaritätsmarsch für undokumentierte Migrant/inn/en. Sie schlugen vor, undokumentierte
Migrant/inn/en mit einem Arbeitsangebot zu legalisieren, wenn sie sich mindestens seit dem 1.
Januar 2006 in Belgien aufgehalten hätten. Die Union drückte ihr Bedauern aus, dass momentan
eine Veränderung der klandestinen Lebenssituation lediglich anhand von ökonomischen Kriterien,
nicht aber anhand von humanitären oder moralischen Kriterien möglich ist. Sie verlangte ein
Abkommen über die negativen Behandlung, die Inhaftierung und die Abschiebung von
PICUM Rundbrief Dezember 2007
undokumentierten Migrant/inn/en in Belgien.
Kontakt: [email protected]

Ein internationales Treffen, organisiert von Migreurop zum Thema “Haft von Ausländer/inne/n in der
europäischen Union und außerhalb ihrer Grenzen, welche Formen der Intervention, welche
Aussichten auf das „Zugangsrecht“ in Inhaftierungscamps für Nicht-Staatsbürger?” (“Detention of
Foreigners in the European Union and outside its borders; what modes of intervention, what
prospects for a “right of access” in detention camps for non-nationals?”) fand am 23. November in
Paris statt. Die Veranstaltung ermöglichte es den Mitglieds- und Partnerorganisationen von
Migreurop, Informationen zu diesem Thema auszutauschen. Die Auseinandersetzung zielte darauf
ab, ein besseres gegenseitiges Verständnis der Interventionsmethoden der Organisationen in den
Internierungscamps zu erreichen, und sie verstärkte die Kooperation zwischen den Akteur/inn/en in
den verschiedenen Ländern. http://www.migreurop.org/article1226.html

Die 8. Ausgabe des Cimade-Festivals Voyages, regards croisés sur les migrations (“Reisen,
gekreuzte Blicke auf Migration”) fand vom 23.-27.November 2007 in Toulouse und anderen Städten
in Südwestfrankreich statt, wobei das Thema internationale Migration durch verschiedene
Kunstformen (Film, Fotografie, Theater, Konzerte) präsentiert wurde. Das Festival sollte Debatten,
Reflektionen und den Erfahrungsaustausch unterstützen und die Möglichkeit zu einer kritischen
Analyse von Wanderungsphänomenen bieten. Verschiedene Beiträge zu undokumentierten
Arbeitnehmerin/inn/en wurden präsentiert. Das Festival fand parallel zu dem einen Monat langen
Festival “Migrant/inn/enszene” (“Migrant’s Scene”) statt, das am 18. November begann, um die
Migration zu feiern. http://cimade.novelys.com/assets/0000/0233/ProgrammeInternet.pdf &
http://www.migrantscene.org/

Der europäische Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service (JRS)) hat einen Wettbewerb
für Journalismus-Studierende angeregt, der dazu einlädt, Artikel zum Thema “Zugang zu Asyl” zu
verfassen, die die Herausforderungen hervorheben, vor denen Migrant/inn/en stehen, wenn sie
versuchen, in Europa Asyl zu erhalten. Der Wettbewerb steht allen Studierenden und kürzlich
Graduierten aller höheren Bildungseinrichtungen in einem der 43 Mitgliedsstaaten des Europarates
offen. Artikel sollen nicht mehr als 1200 Wörter umfassen und müssen bis zum 22. Februar 2008
eingereicht werden. Weitere Informationen unter:
http://www.jrseurope.org/Competition/2007/journalistmainpage2-launch.htm
Besonderer Dank gilt Brita Pohl, Margret Müller, Andrea Grossmann, Anja Hartwig, Marc Goldoni, Birte
Homann, Johanna Wiese, und Susann Huscke für die Übersetzung des Rundbriefs ins Deutsche und
Brita Pohl für das Korrekturlesen.
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