Fragenkatalog zur Vorlesung SS09 Allesch

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Wodurch unterscheiden sich wissenschaftliche Persönlichkeitstheorien von naiven
oder Alltagstheorien der Persönlichkeit?
in Bezug auf (1) Explizitheit, (2) empirische Verankerung (3) Widerspruchsfreiheit, (4) Prüfbarkeit, (5) Vollständigkeit
(naive Persönlichkeitstheorien erklären fast alles, aber auf Kosten der Widerspruchsfreiheit), (6) Sparsamkeit
(Verwendung einer begrenzten Anzahl von Konstrukten), (7) Produktivität (Alltagstheorien produzieren eine Vielzahl
von Fragestellungen, die aber nur bedingt miteinander vernetzbar sind), (8) Anwendbarkeit (Problem Theorie vs.
Praxis).
Können Sie die wichtigsten Merkmale der Persönlichkeits-Definitionen von Gordon
ALLPORT, Hans-Jürgen EYSENCK und Kurt LEWIN nennen?
Allport definierte „Persönlichkeit“ als „die dynamische Organisation jener psychophysischen Systeme innerhalb des
Individuums, die die einzigartige Art und Weise der Anpassung an ihre Umwelt bestimmen“.
Hans Jürgen EYSENCK (1970) bestimmt Persönlichkeit als … „mehr oder weniger stabile und
überdauernde“ Teilsysteme des Strebens (Charakter), des Affektverhaltens (Temperament), des kognitiven Verhaltens
(Intellekt) und der körperlichen und neuroendokrinen Ausstattung („physique“).
Kurt LEWIN (1936), die Persönlichkeit eng mit der Umwelt eng verbunden und definierte das Verhalten als Funktion
von Person und Umwelt: V = f (P, U).
Welche Aspekte des Persönlichkeitskonstrukts heben MISCHEL, SHODA und AYDUK
(2008) hervor?
MISCHEL, SHODA und AYDUK (2008) fassen die wesentlichsten Aspekte von „Persönlichkeit“ wie folgt zusammen:
� Persönlichkeit weist Kontinuität, Stabilität und Kohärenz auf.
� Persönlichkeit drückt sich in vielfältiger Weise aus – von offenem Verhalten bis hin zu Gedanken und Gefühlen.
� Persönlichkeit ist organisiert, wo nicht, ist dies Anzeichen einer Störung.
� Persönlichkeit ist eine Determinante, die das individuelle Verhältnis zur sozialen Welt beeinflusst.
� Persönlichkeit ist ein psychologisches Konstrukt, das mit den physischen, biologischen Merkmalen einer
Person zusammenhängt.
MISCHEL, SHODA und AYDUK (2008) schlagen einen „integrativen Ansatz“ der Persönlichkeitspsychologie vor, der
die unterschiedlichen Konzeptionen von „Persönlichkeit“ nicht als Ausdruck miteinander unvereinbarer Paradigmen
interpretiert, sondern als Hinweis darauf, dass „Persönlichkeit“ über unterschiedliche Analyseebenen erforscht
werden muss.
Was versteht man unter „differenziellem Entwicklungsverlauf“?
Da es alterstypische Veränderungen von Merkmalsausprägungen gibt („durchschnittlicher Entwicklungsverlauf“),
muss nach ASENDORPF zwischen individuellem und differenziellem Entwicklungsverlauf unterschieden werden:
Entwicklungsverläufe beziehen sich dabei auf Veränderungen relativ zur Population.
In welcher Weise kann man „Persönlichkeitspsychologie“ und „differenzielle
Psychologie“ voneinander abgrenzen?
In der traditionellen Verwendung des Begriffs umfasst die „Persönlichkeitspsychologie“ nicht nur die Lehre
von den interindividuellen Differenzen, sondern auch vom Wesen und von der Struktur der menschlichen
Persönlichkeit und verweist damit auf eine „allgemeine Psychologie der Persönlichkeit“.
Die Merkmale und Dimensionen, in denen sich interindividuelle Unterschiede manifestieren sind die Domäne der
Differentiellen Psychologie.
Was sind typische Aufgabenstellungen der Differenziellen Psychologie nach
AMELANG et al. (2006)?
Differenzialpsychologische Fragestellungen gelten
(1) der Beschaffenheit von Merkmalen, in denen es interindividuelle Differenzen oder Unterschiede gibt;
(2) dem Ausmaß dieser Differenzen,
(3) der wechselseitigen Abhängigkeiten solcher Merkmale,
(4) den Ursachen dieser Differenzen (darunter Erb- und Umweltfaktoren) sowie
(5) ihrer Beeinflussbarkeit durch Training, veränderte Anregungsbedingungen, Medikamente und andere Bedingungen.
Welche Typen unterscheidet die antike Temperamentenlehre des HIPPOKRATES und
worauf wurden die damit angesprochenen Temperaments- und
Charakterunterschiede in dieser Theorie zurückgeführt?
vier Typen: Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker
die Mischung der Körpersäfte
Woher kommt der Begriff „Person“ und welche Bedeutungszuschreibungen gibt es in
der Geschichte zu diesem Begriff?
Begriff „Person“ vom lateinischen persona ab, das zunächst die Theatermaske, später aber auch den Schauspieler
und die von ihm dargestellte Charaktergestalt bezeichnete. (PONGRATZ)
Im juridischen Sprachgebrauch bedeutete das Wort persona „Rechtsträger“; handlungs- und entscheidungsbefugter,
freier Mensch im Unterschied zu den als Sache (res) betrachteten Sklaven oder auch Tieren. Am Beginn des
Mittelalters definierte BOETHIUS persona als „naturae rationalis individua substantia“ (die individuelle Grundlage der
geistigen Natur des Menschen). Rationalität, Individualität und Substantialität bilden damit in der weiteren
philosophischen Tradition die Merkmale von „personalitas“ (Personalität). Von diesem Begriff leitet sich wiederum der
deutsche Begriff „Persönlichkeit“ ab.
Was versteht man unter „Physiognomik“?
Physiognomik als Lehre vom menschlichen Ausdruck, Schluss aus der Kopfform auf den Charakter.
„Modewissenschaft“ des 18. Jhdts. Zusammenhänge zwischen Körpermerkmalen und Charaktereigenschaften.
Was versteht man unter „Phrenologie“?
Schädellehre; Franz J. GALL. Aus der Schädelform auf die Entwicklung der darunter liegenden Hirnareale schließen
und daraus Schlüsse auf Charakter und Fähigkeiten ziehen.
In hohem Maße popularisiert und für leichtfertige Charakterdeutungen missbraucht. Allerdings erhielt sie durch die
Entdeckung von Hirnzentren (BROCA, WERNICKE) Auftrieb.
Welche Formen der Ausdrucks- und Persönlichkeitspsychologie entwickelten sich in
der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts?
Carl Gustav CARUS : Leib als Ausdruck des Seelischen
Entwicklung der so genannten Ausdruckspsychologie. Er sah das Unbewusste als Schlüssel zur Erkenntnis vom
Wesen des bewussten Seelenlebens an und nahm damit Kerngedanken der Tiefenpsychologie vorweg.
Physiognomik: Theodor PIDERIT, aus Ausdrucksbewegungen auf die Persönlichkeit schließen
Jean H. MICHON: Graphologie als wichtigen Zweig der Ausdruckspsychologie
Charakterologie: selbständigen psychologischen Ansatz, doch hat diese Disziplin erst mit den Beiträgen zur
Charakterologie (1867) von Julius BAHNSEN einen wesentlichen Stellenwert erhalten
Nach welchen Kriterien hat Eduard SPRANGER seine Persönlichkeitstypen
unterschieden?
Weimarer Republik, NS-Zeit und in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg
Charakterologie: Werteinstellungstypen
Können Sie einige seiner Typen benennen?
theoretischer, ökonomischer, ästhetischer, sozialer, politischer und religiöser Typus
Welche Konstitutionstypen unterschied Ernst KRETSCHMER und in welcher Weise
werden diese Typen mit psychischen Krankheiten in Beziehung gesetzt?
Körperbautypen „leptosom“, „athletisch“ und „pyknisch“ und den Temperamentsformen „schizothym“, „viskös“ und
„zyklothym“ aus
Worin besteht der historische Beitrag von Francis GALTON und Alfred BINET zur
Differenziellen Psychologie?
Entwicklung der methodologischen Voraussetzungen der differenziellen Psychologie und der Psychodiagnostik: Sir
Francis GALTON, der bereits im 19. Jhdt. Theorien über die Verteilung physischer und psychischer Merkmale in der
Bevölkerung entwickelt und damit die statistischen Grundlagen der psychologischen Testtheorie geschaffen hat.
Bedeutsam waren auch die Arbeiten von Alfred BINET, der die Modelle von GALTON auf die Intelligenzmessung
angewandt und die ersten brauchbaren Testreihen dafür entwickelt hat. Er verglich auch die Intelligenzleistungen
unterschiedlicher Altersstufen und entwickelte den Begriff des „Intelligenzalters“. William STERN setzte diesen später
mit dem Lebensalter in Beziehung und gelangte so zum Begriff des „Intelligenzquotienten“.
Welche Merkmale kennzeichnen nach der Auffassung von William STERN die
menschliche Person und in welcher Weise unterscheidet er zwischen „Person“ und
„Persönlichkeit“?
Jede Person ist nach STERN:
(a) „als Ganzes Substanz, d.h. etwas selbständig Existierendes“;
(b) „als Ganzes Kausalität, d.h. etwas von innen heraus Wirkendes“;
(c) „als Ganzes Individualität, d.h. etwas, das nach Wesenheit und Bedeutung sich der Welt gegenüber
absondert“.
Die Person wird zur Persönlichkeit, indem sie Werte „introzipiert“ (sich aneignet). „Person“ ist auch das Tier,
„Persönlichkeit“ kann nur der Mensch erlangen. Ähnlich wie bei STERN hat der Begriff „Persönlichkeit“ auch bei
anderen Autoren des 20. Jhdts. einen stark wertenden, normativen Charakter;
Welche grundlegenden Forschungsansätze der Differenziellen Psychologie
unterschied William STERN und wie hängen diese Gebiete miteinander zusammen?
Die grundlegenden Forschungsansätze der Differenziellen Psychologie ergeben sich nach STERN aus einem
elementaren Datenschema mit den Dimensionen „Personen“ und „Merkmale“, in dem den Individuen
Merkmalsausprägungen zugeordnet werden.
Im variablenorientierten Ansatz stehen Persönlichkeitsmerkmale im Zentrum: Er umfasst die Variationsforschung
(Frage nach der Variabilität von Merkmalen in der Population) und die Korrelationsforschung (Frage nach dem
Zusammenhang zwischen mehreren Merkmalen).
Im personenorientierten Ansatz unterschied STERN Psychographie (Beschreibung eines Individuums durch seine
Merkmalsausprägungen) und Komparationsforschung (Vergleich von Individuen in Bezug auf ihre
Merkmalsausprägungen).
Können Sie einige Personen nennen, die entscheidend zur Entwicklung der
Testtheorie und der statistischen Grundlagen der Differenziellen Psychologie
beigetragen haben?
Charles E. SPEARMAN
Raymond B. CATTELL
Alfred BINET
Francis GALTON
Welche Dimensionen setzt der „CATTELLsche Datenquader“ miteinander in
Verbindung und wie viele Korrelationstechniken ergeben sich daraus? Können Sie
Beispiele für die einzelnen Techniken angeben?
beiden Dimensionen: Merkmale und Individuen, als dritte Dimension die Variabilität der Situationen
sechs mögliche Korrelationstechniken
R: Vergleich von Merkmalen über Personen (Lügen und Stehlen, Schulleistungen in Mathematik und Sport…)
Q: Vergleich von Personen über Merkmale (Ähnlichkeit von Schülern bezüglich des Abschneidens in unterschiedlichen
Schulfächern, Ähnlichkeit von Patienten bezüglich verschiedenster körperlicher und psychischer Beschwerden)
O: Vergleich von Situationen über Merkmale …
Worin besteht der wesentliche Beitrag von Gordon W. ALLPORT zur Entwicklung der
amerikanischen Persönlichkeitspsychologie?
Erweiterung des behavioristischen S-R-Modells zum S-O-R-Modell gefordert, wobei „O“ für den Organismus steht, den
ALLPORT nicht als reaktives, sondern als aktives Handlungszentrum sah. Mit dem Begriff der „funktionellen
Autonomie“ des Menschen näherte er sich später dem Denken der „Humanistischen Psychologie“ an.
Wie konzipierten Henry Murray, Kurt LEWIN und George KELLY die menschliche
Persönlichkeit?
Murray: Menschliche Persönlichkeit einerseits durch charakteristische (innere) Bedürfnisse (needs) bestimmt und
andererseits bestimmten (äußeren) presses ausgesetzt. Um diese needs und presses zu bestimmen, entwickelte er
den Thematischen Apperzeptionstest (TAT), ein projektives Verfahren.
Die Feldtheorie Kurt LEWINs stellt eine Weiterentwicklung der Gestaltpsychologie dar. LEWIN betont vor allem
die Verflechtung von Person und Umwelt: Person und (persönliche) Umwelt bilden den Lebensraum des Individuums
und können daher nicht voneinander abstrahiert werden. Das Verhalten stellt sich in diesem System als
Funktion von Person und Umwelt dar: V = f (P, U), und P und U sind in dieser Formel wechselseitig abhängige
Größen.
Auf dem Denken der kognitiven Wende beruht das Persönlichkeitsmodell von George KELLY, das auf die
Beschreibung der Persönlichkeit durch die mentalen Konstrukte abzielt, durch die sie ihren Alltag strukturiert und
bewältigt. KELLY interpretiert dabei das Alltagsverhalten des Menschen in Analogie zum Wissenschaftler, der
Hypothesen über die Wirklichkeit bildet und prüft und auf diese Weise seine persönliche Wirklichkeitsauffassung
konstruiert.
Worum ging es im Streit zwischen „Traitisten“ und „Situationisten“ und wie kann
dieser paradigmatische Konflikt überbrückt werden?
individuelle Handeln primär durch Persönlichkeitszüge („traits“) oder durch situationsspezifische Reaktionen bestimmt
sei. Der „situationistische“ Standpunkt wurde dabei vor allem durch die Behavioristen vertreten.
Walter MISCHEL (1968) hat als Kompromiss einen „interaktionistischen“ Ansatz vorgeschlagen, dem zufolge erst die
Interaktion zwischen Persönlichkeit und Situationsvariablen individuelle Verhaltensreaktionen erklären kann. Diese
Auffassung hat sich inzwischen weitgehend durchgesetzt.
Was bedeutet „idiographisches“ und „nomothetisches“ Vorgehen in der
Persönlichkeitsforschung und wie kann dieser Gegensatz überbrückt werden?
Bei der zweiten Streitfrage ging es darum, ob Persönlichkeitstheorie auf allgemeingültige „Gesetzmäßigkeiten“ der
menschlichen Persönlichkeit abzielen solle oder auf die Beschreibung ihrer individuellen Eigenart. In diesem Streit
hat bereits Gordon ALLPORT eine vermittelnde Position eingenommen. James LAMIELL hat in den 1980er Jahren
einen Kompromissvorschlag erarbeitet, der von „idiothetischem“ Vorgehen spricht und stärker auf die intraindividuelle
Kohärenz des Verhaltens abzielt als auf interindividuell gültige Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen.
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Forschungsmethoden der Differenziellen Psychologie
Welche Hauptgütekriterien gibt es bei psychologischen Tests und wie kann man
deren Erfüllung kontrollieren?
Objektivität (Unabhängigkeit des Testergebnisses von jener Person, die den Test durchführt -> Durchführung,
Auswertung und Interpretation.),
Reliabilität (Messgenauigkeit, Reliabilitätskoeffizient: Werte von 0 bis 1. Retestmethode (Messwiederholung),
Paralleltestmethode (wird kaum noch verwendet), Halbierungsmethode (split-half) und Prüfung der internen
Konsistenz )
und Validität (inhaltliche Güte; Inhaltsvalidität, Kriteriumsvalidität, Konstruktvalidität; Inhaltsvalidität und
Kriteriumsvalidität stellen in diesem Sinne spezielle Aspekte der Konstruktvalidität dar)
Welche Arten von Daten kann man nach CATTELL unterscheiden? Können Sie
Beispiele dafür angeben?
Q-Daten (questionnaire data; Daten aus Selbstberichten und Fragebögen),
T-Daten (Testdaten; Beobachtungsdaten über Reaktionen in kontrollierten Testsituationen) und
L-Daten (Lebenslaufdaten)
Welche Arten von Selbstberichtdaten finden in der Persönlichkeitspsychologie
Verwendung?
„quasi-simultane“ Erlebnisberichte oder retrospektive Erlebnisberichte (Reproduktion aus dem autobiografischen
Gedächtnis).
Gebräuchliche Methoden sind: Fragebogen, Selbsteinschätzung auf Adjektivlisten und Ratingskalen,
Erlebnisprotokolle, Q-Sort-Techniken und Interviews.
Was sind die Vor- und Nachteile von Fragebogenverfahren?
Selbstbeurteilungen in Form normierter Fragebögen: Vorteil liegt in der leichten Durchführbarkeit, im geringen
personellen und damit auch finanziellen Aufwand, ihrer hohen Objektivität und in der Möglichkeit eines Vergleichs der
Testergebnisse mit Normwerten. Die hohe Reliabilität und Objektivität gewährleistet aber nicht zwangsläufig eine
ausreichende Validität der einzelnen Skalen.
Können Sie das typische Vorgehen bei der Konstruktion eines Fragebogens
darstellen?
- das zu erfassende Konstrukt aus einer Theorie oder empirischen Befunden ableiten
- große Anzahl von Items konstruieren und testen, wobei auch die Form der Beantwortung (zB. „ja/nein“,
„stimmt/stimmt nicht“) festgelegt wird
- Items mit zu hohem oder zu niedrigem Schwierigkeitsgrad und zu geringer Trennschärfe werden ausgeschieden
- Test in Bezug auf die klassischen Testgütekriterien überprüfen (Oby., Reliab., Validit., Standardisierung,
Quantifizierbarkeit)
Welche typischen Probleme treten bei der Anwendung von Persönlichkeitsfragebogen auf?
• Reaktivität: Die ProbandInnen. können ihr Antwortverhalten kontrollieren (zB. Verfälschen im Sinne
von Simulation oder Dissimulation; absichtliche Zufallsantworten);
• Reaktionstendenz im Sinne sozialer Erwünschtheit (bewusst oder unbewusst);
Gegenstrategie: Kontrollskalen, „Lügenskalen“;
• Abhängigkeit vom Sprachrepertoire der Pbn.;
• Positionseffekte, Effekte der Formulierungsrichtung;
• Ja-Sage-Tendenze (acquiescence).
Was versteht man unter der Q-Sort-Technik und wofür kann man sie verwenden?
Die Q-Sort-Technik ist ein Verfahren zur Erhebung von Selbst- und Fremdbeurteilungen.
Karten, die verschiedene Eigenschaften nennen, in Stapel sortiert werden, je nach dem, wie sehr diese Eigenschaften
auf die eigene Person bzw. auf eine andere Person zutreffen. Man kann mit dieser Technik auch ein „IdealSelbst“ oder retrospektiv das Selbstbild einer zurückliegenden Lebensphase erheben.
Welche Formen bzw. Kategorien von Interviews kann man unterscheiden?
Interviewformen unterscheiden sich voneinander durch die Zahl der beteiligten Personen, die Dauer, den
Strukturiertheitsgrad (unstrukturiert; Leitfadeninterview; hochstrukturierte Interviews mit vorgegebenen Detailfragen)
und die Art der Datendokumentation (Kategorisierung; Rating nach vorgegebenen Beschreibungskategorien;
Einzelurteile über bestimmte Merkmale, ausführliche Gutachten über globale Merkmale bzw. die
„Gesamtpersönlichkeit“).
In welcher Weise können die „klassischen“ testtheoretischen Gütekriterien auf
Interviewtechniken angewandt werden?
Interviews sind objektiv, wenn das Ergebnis unabhängig vom Interviewer, von der Durchführung und von der
Auswertung ist. Sie sind reliabel, wenn die Ergebnisse verschiedener Gespräche zu unterschiedlichen Zeitpunkten
übereinstimmen, und sie sind valide, wenn die Interviewdaten die dargestellten Fakten bzw. das daraus vorhergesagte
Verhalten hinreichend abbilden. Als weitere Gütekriterien werden Ökonomie, Fairness und Akzeptanz genannt.
Welche empirischen Befunde gibt es im Hinblick auf Gütekriterien bei Interviews?
Bezüglich der Beurteilerübereinstimmung bestehen äußerst heterogene Befunde; daher ist keine globale Bewertung
möglich. Grundsätzlich können aber „verhaltensnahe“ Daten objektiver erhoben werden als abgeleitete Konstrukte,
und bei strukturierten Interviews ist die Beurteiler-Übereinstimmung in der Regel höher als bei unstrukturierten. Hohe
Reliabilität gibt es vor allem bei eignungsdiagnostischen Interviews, heterogene Befunde dagegen bei klinischen
Interviews. Die inhaltliche Gültigkeit (Übereinstimmung mit den abgefragten Fakten) ist umso höher, je genauer
die Interview-Situation Ausschnitte aus der allgemeinen Arbeits- oder Lebenssituation repräsentiert. Die prädiktive
Validität von Interviews ist eher gering.
Welche spezifischen methodischen Probleme gibt es bei Interviews?
in spezifischen Einflüssen des Befragungsinstruments (zB. Reihenfolge der Fragen in Interviewleitfäden)
und des Interviewers (wechselseitige Personwahrnehmung, Geschlecht, Alter).
Welche Quellen gibt es für biografische Daten?
vor allem Interviews bzw. biografische Anamnesen und biografische Fragebogenverfahren, aber auch schriftliche
Quellen wie Tagebücher, Briefe oder Selbstdarstellungen.
An welchen Analyseeinheiten setzt psychologische Biografieforschung an und in
welchen unterschiedlichen Forschungsabsichten kann sie betrieben werden?
Psychologische Biografik setzt dabei an der Analyse von dem Zeitumfang nach recht unterschiedlichen
Analyseeinheiten an, die von isolierbaren Handlungsepisoden über Tagesläufe bis zu Lebensläufen reichen.
Zwecke : deskriptive Orientierung: lediglich beschreibende Erfassung von biografischen Merkmalen, nosologische
Orientierung: Zuordnung zu pathologischen Entwicklungsmodellen, ätiologische Orientierung: Frage nach Erklärungen
für derartige pathologische Entwicklungen.
Was versteht man unter „critical life events“ und worauf zielen an diesem Begriff
orientierte Erhebungsverfahren ab?
Lebensereignisse, die in besonderer Weise eine Neuorientierung der Persönlichkeit oder spezifische
Bewältigungsmechanismen erfordern.
Auf diesem Konzept aufbauende Erhebungstechniken zielen zunächst auf die Identifikation derartiger Ereignisse in
individuellen Biografien ab, darüber hinaus aber auch oft auf die dabei eingesetzten Coping-Mechanismen.
Was sind die generellen Vor- und Nachteile von Selbstberichtverfahren?
Sie sind in der Regel ökonomisch und für die Testpersonen angenehm, da willkürlich beeinflussbar. Sie erfordern
allerdings kognitive Prozesse wie Wahrnehmen, Erinnern und Urteilen, die bei manchen Testpersonen (zB. alten
Menschen) eingeschränkt sein können. Emotionen können das Urteil über die eigene Person beeinflussen.
Selbsteinschätzungen sind subjektiv und geben daher auch kein objektives Bild von Merkmalsausprägungen wieder. In
sensiblen Bereichen (Kriminalität, Drogengebrauch, Sexualität) ist keine offene Selbstdarstellung zu erwarten.
Welche Varianten bzw. Kategorien der Verhaltensbeobachtung kann man
unterscheiden (zB. nach Renner, 2005)?
(1) unsystematische vs. systematische Beobachtung;
(2) Labor- vs. Feldbeobachtung;
(3) teilnehmende vs. nicht teilnehmende Beobachtung (aktiv-teilnehmend: BeobachterIn interagiert mit den
Beobachteten; passiv-teilnehmend: BeobachterIn für Beobachtete wahrnehmbar, aber keine Interaktion);
(4) offene vs. verdeckte Beobachtung;
(5) vermittelte vs. Unvermittelte Beobachtung (vermittelte Beobachtung: Ratings anhand von Videoaufzeichnungen);
(6) Selbst- vs. Fremdbeobachtung.
RENNER (2005) unterscheidet (im Anschluss an Mees, 1977) isomorphe Deskription,
reduktive Deskription und reduktive Einschätzung als Methoden der systematischen
Verhaltensbeobachtung. Was bedeuten diese Begriffe?
(1) isomorphe Deskription (Versuch einer möglichst vollständigen und genauen Beschreibung des Verhaltens; vgl.
Methode der „dichten Beschreibung“ nach Clifford GEERTZ);
(2) reduktive Deskription (Beschreibung beschränkt sich auf ausgewählte Verhaltensklassen und
Beobachtungskategorien)
(3) reduktive Einschätzung (Beobachtung beschränkt sich auf ausgewählte Verhaltensmerkmale, zielt aber nicht auf
Beschreibung, sondern auf Einschätzung der Intensität des beobachteten Verhaltens ab).
Können Sie den Unterschied zwischen Zeitstichproben und Ereignisstichproben
erläutern?
Bei Ereignisstichprobenplänen folgt die Beobachtung nicht festgelegten Zeitstrukturen, sondern orientiert
sich an vorher festgelegten Ereignissen in der Beobachtungssituation.
Zeitstichprobenpläne legen dagegen Beobachtungstermine, -zeiträume und -intervalle fest.
In welcher Weise können die „klassischen“ testtheoretischen Gütekriterien auf
Verfahren der Verhaltensbeobachtung angewandt werden?
Die psychometrischen Gütekriterien der „klassischen“ Testdiagnostik sind grundsätzlich auch auf die Verfahren der
Verhaltensbeobachtung anzuwenden.
Entscheidende Kriterien:
Mit Objektivität der Codierung ist das Ausmaß gemeint, in dem zwei oder mehrere Beobachter dasselbe Verhalten in
derselben Weise codieren.
Die Repräsentativität der Verhaltensstichprobe drückt sich aus
(1) in der Reliabilität, dh. dem Ausmaß, in dem sich die Ergebnisse auf das Verhalten in einer vergleichbaren Situation
übertragen lassen und
(2) der Validität (dem Ausmaß der Übertragbarkeit auf das Verhalten in einer anderen Situation.
(3) „ökologische Validität“; damit ist das Ausmaß gemeint, in dem die Ergebnisse auf das Verhalten in natürlichen
(Alltags-)Situationen verallgemeinerbar sind.
Welche speziellen Fehlerquellen muss man bei der Verhaltensbeobachtung
beachten?
zB. Reaktivitätseffekte, Antworttendenzen oder Effekte der „Beobachterdrift“.
Reaktivität: Frequenz und/oder Intensität des Verhaltens durch den Einfluss der Beobachtung bzw. das Wissen der
Beobachteten um die Beobachtung verändert.
Wie entsprechende Antworttendenzen in Fragebögen können auch Verhaltenstendenzen im Sinne sozialer
Erwünschtheit auftreten.
Unter „Beobachterdrift“ versteht man Veränderungen der Genauigkeit der Codierung, die bei länger dauernden
Beobachtungssituationen auftreten können.
Was sind die Vor- und Nachteile von Fremdbeurteilungsverfahren und wozu werden
sie eingesetzt?
Vorteil: Vielfalt an Anwendungsbereichen, wichtige Ergänzung zu Selbstbeurteilungsverfahren.
Grenzen: wichtige Phänomene (zB. Stimmungen) nur der Selbstbeurteilung zugänglich. Interraterreliabilität ist oft
unbefriedigend, da etwa im klinischen Bereich Symptome durch verschiedene Beurteiler unterschiedlich gewichtet und
bewertet werden.
Qualitative oder quantitative Beurteilung von Verhaltensweisen aufgrund festgelegter Kriterien. Fremdratings stellen
nach STIGLITZ (2000) neben den Selbstbeurteilungsverfahren die meistverwendete Verfahrensgruppe in der klinischpsychologischen bzw. psychiatrischen Diagnostik dar.
Im klinischen Bereich unterscheidet man Verfahren, die auf spezielle Symptome fokussieren, und solche, die ein
breiteres Spektrum klinisch relevanter Syndrome abbilden (mehrdimensionale Verfahren)
Fremdbeurteilungen können dabei auf unterschiedlichen Datenquellen beruhen
Welche Formen der Beobachtung nonverbalen Verhaltens kann man unterscheiden
und welche Parameter des nonverbalen Verhaltens werden in der Persönlichkeitsforschung einbezogen?
WALLBOTT (2001):
- kontrollierte vs. nicht kontrollierte Beobachtung;
- direkte vs. indirekte Beobachtung (Verhaltensbeobachtung vs. Analyse von Verhaltensprodukten wie Schrift,
Zeichnungen etc.);
- teilnehmende vs. nicht teilnehmende Beobachtung;
- wissentliche vs. unwissentliche Beobachtung (auf Seiten der beobachteten Person);
- unvermittelte vs. vermittelter Beobachtung (Zwischenschaltung technischer Medien wie Videoaufzeichnungen).
Vokales (von Stimm- und Sprechwerkzeugen hervorgebrachtes bzw. abhängiges)Verhalten: zeitabhängige (zB.
Sprechdauer), stimmabhängige (zB. Stimmqualität) und kontinuitätsabhängige (zB. Versprecher) Aspekte
Nonvokales (von Stimm- und Sprechwerkz. unabh.) Verhalten: motorische, physiochemische oder ökologische Kanäle
Was ist das am häufigsten verwendete Verfahren zur Codierung von mimischem
Ausdruck und worauf beruht es?
Facial Action Coding System (FACS; Ekman & Friesen, 1978).
Es geht von 44 „minimalen Komponenten“ (action units) aus, die als Grundrepertoire des mimischen Ausdrucks
angesehen werden. Grundlegende Beobachtungsansätze im diesem Bereich bilden
(1) Kodierungstechniken, dh. phänomenale Beschreibungen oder Klassifikationen mittels expliziter, operationalisierter
Beschreibungskategorien durch menschliche Beobachter in der Beobachtungssituation;
(2) Analyse von Videoaufzeichnungen und
(3) vollständige Objektivierung, z.B. Automatische Ermittlung von Weg-Zeit-Graphen (zB. durch Leuchtdioden an
relevanten Körperpartien; motion tracking)
Welche Vor- und Nachteile weist die Beobachtung von nonverbalem Verhalten im
Vergleich zu anderen Techniken auf?
Der Vorteil der Ausdrucksbeobachtung: unmittelbarerer Zugang zu Befindlichkeit und Affekten als zB. eine Befragung.
Nachteile: komplizierte Technik und hoher zeitlicher, personeller und technischer Aufwand. Beobachterübereinstimmung nur in geringem Maß gegeben und schwer zu erreichen.
Welche Verfahren zur Erhebung von T-Daten (Test-Daten) kann man nach LARSEN
und BUSS (2008) unterscheiden?
- mechanische Aufzeichnungen von Verhaltensdaten,
- Erhebung physiologischer Daten,
- projektive Verfahren.
Was bedeuten die Begriffe „differenzielle Anatomie“ und „differenzielle
Physiologie“ und womit beschäftigen sich diese Disziplinen?
Die differenzielle Anatomie befasst sich mit Unterschieden im Körperbau und in der Feinstruktur von Körpergeweben
(zB. im Gehirn).
Die differenzielle Physiologie befasst sich u.a. mit Unterschieden in der Aktivität des zentralen, peripheren und
vegetativen Nervensystems sowie des Immunsystems. Persönlichkeitsunterschiede, die sich im manifesten Verhalten
zeigen, haben vielfach Ursachen in derartigen anatomisch-physiologischen Unterschieden. Die UrsacheWirkungsbeziehung ist aber nicht einseitig: Vor allem Immunreaktionen haben auch eine individuelle „Lerngeschichte“.
Welche Parameter und Messverfahren verwendet man in der biopsychologischen
Persönlichkeitsforschung?
Als Messparameter dienen vor allem Indikatoren der Hirnaktivität, als wichtigste Messinstrumente das
Elektroenzephalogramm (EEG), die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und das Functional Magnetic Resonance
Imaging (FMRI).
Die wichtigsten kardiovaskulären Indikatoren sind Herzfrequenz und Blutdruck.
Weitere Indikatoren betreffen die hormonale Steuerung (Cortisol, Sexualhormone) und den elektrischen
Hautwiderstand.
Auf welche möglichen Ursachen können die niedrigen Korrelationen zwischen
biologischen und psychologischen Variablen zurückgeführt werden?
(1) geringe Stabilität physiologischer Messwerte;
(2) geringe Validität von Persönlichkeitsfragebogen in Bezug auf biobehaviorale Systeme;
(3) „Indikatorproblem“ (physiologische Variablen bilden mehrere psychobiologische Systeme ab);
(4) individualspezifische Reaktionen
(5) Überbewertung von Persönlichkeitseinflüssen gegenüber Situationseinflüssen („Personismus“).
Was sind „projektive Verfahren“? Welche Typen derartiger Verfahren kann man
unterscheiden? Können Sie Beispiele dafür angeben?
Projektive Techniken gehen davon aus, dass Menschen bei der Deutung von Bildern oder formalen Strukturen
Aspekte ihrer Persönlichkeit in die Deutungen „projizieren“.
Formdeuteverfahren wie der bekannte „Rorschach-Test“ gehen davon aus, dass zufällige Reizmuster (Klecksfiguren)
persönlichkeitsabhängig unterschiedlich gedeutet werden. Bewertet wird dabei insbesondere, ob die Deutung von der
Gesamtstruktur oder von Details ausgeht und ob die bei einigen Figuren verwendete Farbe spezielle Deutungen
auslöst. Heute werden diese Verfahren eher skeptisch betrachtet und in der Forschung kaum verwendet, wohl aber in
manchen Praxisfeldern.
Thematische Apperzeptionstests konfrontieren die Testpersonen mit Bildern von sozialen Situationen, zu denen
„dramatische“ Geschichten erfunden werden müssen. Die Interpretation geht hier davon aus, welche Motive und
Zukunftserwartungen dabei in die dargestellten Figuren „projiziert“ werden. Derartige Tests wurden etwa zur
Untersuchung von Leistungsmotivation verwendet; ihre Validität in Bezug auf eine globale Persönlichkeitsdiagnostik
wird eher skeptisch beurteilt. Eine Weiterentwicklung des klassischen TAT-Verfahrens von MURRAY (1943) stellt der
Thematische Gestaltungstest (Salzburg) dar (Revers & Widauer, 1985; Revers & Allesch, 1985). TAT-Verfahren
wurden insbesondere auch für spezielle Anwendungsbereiche entwickelt, zB. der Leistungsmotivations-TAT von
HECKHAUSEN (1963) und der Aggressions-TAT von KORNADT (1982).
Als problematisch werden auch die meisten zeichnerischen Gestaltungsverfahren angesehen. Dazu zählen
etwa der „Draw-a-person“-Test, der zur Erfassung des Selbst- und Körperbildes eingesetzt wird, der Test „Familie in
Tieren“, bei dem Familienmitglieder als Tiere dargestellt werden müssen, sowie der „Baum- Test“. Bei dem zuletzt
genannten Test ist ein Baum zu zeichnen, wobei aus Wuchs und Raumverteilung auf Persönlichkeitsmerkmale
geschlossen wird; gerade dieses Verfahren ist äußerst umstritten.
Was versteht man unter „Lebenslaufdaten“ (L-data) und wie ist ihre Verlässlichkeit
einzuschätzen?
Information, die aus den Ereignissen, Tätigkeiten und Handlungsfolgen im Leben einer Person gesammelt werden
können, soweit diese öffentlicher Nachforschung zugänglich sind.
Nach HENSS handelt es sich dabei „im Idealfall um Verhalten, das ohne die Mitwirkung eines Versuchsleiters bewertet
werden kann (z.B. Anzahl der Autounfälle innerhalb von 20 Jahren, Zahl der Vereinsmitgliedschaften, Schulzensuren)“.
Derartige „harte Daten“ sind jedoch nach HENSS schwer zu bekommen, so dass der Psychologe seine L-Daten
gewöhnlich „aus zweiter Hand“ erhält, also von jemandem, der die betreffende Person gut kennt.
Oftmals sind L-Daten eng verknüpft mit psychologisch relevanten Variablen (bestimmte Persönlichkeitszüge
korrelieren eng mit kriminellem Verhalten; ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen ist notwendig zum erfolgreichen
Absolvieren eines Studiums; manche Persönlichkeitszüge sind eng verbunden mit psychischer oder physischer
Gesundheit, ...).
Die meisten Dinge im Leben werden durch sehr, sehr viele verschiedene Faktoren beeinflusst. L-Daten können daher
unter Umständen sehr wenig über die Persönlichkeit eines Individuums aussagen. Die Vorhersage eines L-Datums
(z.B. beruflicher Erfolg) durch Persönlichkeitsvariablen (z.B. Intelligenz, Gewissenhaftigkeit) ist oftmals nur in sehr
begrenztem Umfang möglich. Viele Dinge im Leben werden stärker durch situative Faktoren beeinflußt als durch
Persönlichkeitsvariablen.
3
Methoden der Datenanalyse
Wie ist eine Standardnormalverteilung definiert und welchen Vorteil bringt es,
Messwerte in z-Werte zu transformieren?
Standardnormalverteilung mit dem Mittelwert 0 und der Varianz 1 transformieren. Dadurch werden aus den
konkreten Skalenwerten z-Werte, die der Formel zi = (xi – Mx) / sx entsprechen. Durch die Transformation in z-Werte
werden im Vergleich zum Mittelwert „niedrige“ bzw. „hohe“ Werte unmittelbar zum Ausdruck gebracht.
Unter welcher Voraussetzung können die Varianzen von Merkmalsverteilungen
addiert werden und in welcher Hinsicht macht sich die differenzialpsychologische
Forschung diesen Sachverhalt der „Varianzadditivität“ zunutze?
Dies setzt voraus, dass die Merkmale voneinander unabhängig sind, dh. ihre Kovarianz 0 beträgt:
st2 = sx2 + sy2 + 2 cov(x,y),
(wobei st2 die Varianz der gesamten Testleistung, sx2 und sy2 die Varianzen der Teilleistungen und cov(x,y)
die Kovarianz der beiden Teilleistungen wiedergibt).
Um umgekehrt die Gesamtvarianz eines Merkmals in Varianzanteile unterschiedlicher Herkunft zu zerlegen. So
hat man etwa versucht, die Gesamtvarianz des Merkmals „Intelligenz“ in einen ererbten und einen durch
Umwelteinflüsse erworbenen Anteil zu zerlegen: sIQ2 = sE2+sU2. Tatsächlich sind aber genetische und
Umwelteinflüsse nicht voneinander unabhängig.
Welche Möglichkeiten gibt es, den Zusammenhang zwischen zwei Variablen
statistisch zu beschreiben?
Bivariate Merkmalsverteilungen: Das Ausmaß des Zusammenhangs zwischen zwei Variablen (ihre Korrelation)
wird durch verschiedene Arten von Korrelationskoeffizienten wiedergegeben. Eine weitere Möglichkeit
ist die Beschreibung durch Regressionsgleichungen, die angeben, in welcher Weise Werte einer
Variablen aus den Werten der anderen Variable vorhergesagt werden können.
Wodurch entstehen „Scheinkorrelationen“ und auf welche Weise kann man sie
aufklären?
Vermutung dass x1 und x2 von einem dritten Merkmal x3 oder weiteren Merkmalen beeinflusst werden. Dann spricht
man auch von einer „Scheinkorrelation“ zwischen x1 und x2
Die Zerlegung eines Korrelationszusammenhangs in Partialkorrelationen kann dazu beitragen, Scheinkorrelationen
Aufzuklären.
erster Schritt: Regressionsgleichungen bestimmen, mit denen Schätzwerte von X1 bzw X2 aus X3
abgeleitet werden. Im zweiten Schritt berechnet man den Varianzanteil, der durch diese Regressionsgleichungen
nicht erklärt werden kann („Regressionsresiduen“). Die Korrelation zwischen den Regressionsresiduen
entspricht der Partialkorrelation zwischen X1 und X2, bei der der Einfluss von X3 „herauspartialisiert“
wurde.
Was versteht man unter einer „Pfadanalyse“?
Durch Partialregressionen erhält man Pfadkoeffizienten, die angeben, wie viel vom Einfluss
einer Hintergrundvariablen „direkt“ oder „indirekt“ (über die Beeinflussung vermittelnder Variablen) auf die
Kriteriumsvariable einwirkt. Dieses Verfahren nennt man Pfadanalyse: Sie ermöglicht es, den Beitrag der
„direkten Pfade“ und der „indirekten Pfade“ zum Wert der abhängigen Variablen zu ermitteln. Gibt es mehrere
miteinander korrelierende Prädiktoren, so kann mit Hilfe der Pfadanalyse der direkte Einfluss einzelner Prädiktoren
bestimmt werden, sofern deren Einflüsse getrennt analysiert werden können.
Was ist das Ziel einer Faktorenanalyse?
Der Begriff „Faktorenanalyse“ bezeichnet eine Gruppe statistischer Verfahren, deren Ziel es ist, eine relativ geringe
Anzahl von Faktoren zu identifizieren, die die Kovariation einer relativ großen Zahl voneinander abhängiger Variablen
erklären können.
Wodurch unterscheidet sich eine exploratorische Faktorenanalyse von einer
konfirmatorischen Faktorenanalyse?
Bei der exploratorischen Faktorenanalyse geht es um die Suche nach einer Erklärungsstruktur: Wie viele
interpretierbare Faktoren aus einer Korrelationsmatrix extrahiert werden, ergibt sich aus dem Modell.
Bei der konfirmatorischen Faktorenanalyse werden vor der Anwendung des Verfahrens Annahmen über die
Faktorenstruktur gemacht; die Faktorenanalyse dient der Überprüfung dieser Hypothesen.
Welche Daten bilden das Ausgangsmaterial einer Faktorenanalyse?
Korrelationsmatrix, deren Werte die Korrelation jeder einzelnen Variablen mit jeder anderen Variable wiedergeben
Können Sie die einzelnen Glieder der Strukturgleichung des linear-additiven Modells
der Faktorenanalyse erklären?
xmi = fm1.ai1 + fm2.ai2 + ... + fmq.aiq (+ Rest emi) oder allgemein xmi = Σ fmj.aij (+ Rest).
xmi = die jeweils beobachtete Merkmalsausprägung,
fmj = die spezifische Ausprägung des jeweiligen Faktors bei der betreffenden Person (also ihren individuellen
Messwert oder Faktorwert in Bezug auf diesen Faktor)
aij = die (personunabhängige) Bedeutung des betreffenden Faktors für die gemessene Variable („Faktorladung“).
Die durch das Modell nicht erklärte Restvarianz kann als Einfluss eines aufgabenspezifischen Faktors U mit dem
Gewicht aq+1 oder als Fehlervarianz e2 gedeutet werden.
Können Sie insbesondere angeben, welche Elemente individuelle Merkmale von
Personen darstellen und welche Elemente sich auf abstrakte Eigenschaften von
Faktoren beziehen?
fmj = die spezifische Ausprägung des jeweiligen Faktors bei der betreffenden Person (also ihren individuellen
Messwert oder Faktorwert in Bezug auf diesen Faktor)
aij = die (personunabhängige) Bedeutung des betreffenden Faktors für die gemessene Variable
Können Sie die grundsätzliche Vorgangsweise und die einzelnen Schritte einer
Faktorenanalyse erklären?
Gesucht wird eine möglichst geringe Anzahl an Faktoren, die von einander unabhängig sind und sukzessiv
maximale Varianz erklären, d.h.: Es wird zunächst angenommen, dass sich die in der Korrelationsmatrix
enthaltenen Korrelationen durch einen gemeinsamen Faktor (weitgehend) erklären lassen. Die errechnete
Faktorladung aij gibt das Ausmaß an, in dem der betreffende Faktor Fj die beobachtete Variable Xi beeinflusst; sie
entspricht der Korrelation zwischen der Variablen Xi und dem Faktor Fj. Die Korrelation zwischen
zwei manifesten Variablen X1 und X2 entspricht in diesem Fall (nur ein Faktor) dem Produkt der Gewichte
des gemeinsamen Faktor F auf diesen Variablen: r(X1, X2)=a1*a2 (bei mehreren Faktoren der Summe
dieser Produkte)
Können Sie folgende Begriffe erklären: Faktorwert, Faktorladung, Kommunalität,
Eigenwert?
individueller Messwert oder Faktorwert in Bezug auf best. Faktor: spezifische Ausprägung des jeweiligen Faktors bei
der betreffenden Person
Faktorladung: personunabhängige Bedeutung des betreffenden Faktors für die gemessene Variable.
Der Eigenwert eines Faktors gibt an, wie viel von der Gesamtvarianz der Variablen durch diese Faktor erklärt wird.
Man kann auch für die einzelnen Variable bestimmten, in welchem Ausmaß ihre Varianz durch die gewählten Faktoren
aufgeklärt wird. Dieser Wert ergibt sich aus der Summe der quadrierten Faktorenladungen auf dieser Variable (über
alle errechneten Faktoren hinweg) und wird als Kommunalität hi2 dieser Variablen bezeichnet. Die Kommunalität
kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen; hi2=1 würde bedeuten, dass die angenommenen Faktoren die Varianz der
betreffenden Merkmalsvariable zur Gänze aufklären.
Können Sie das Ausmaß der Korrelationen von Merkmalsvariablen interpretieren,
wenn diese als Vektoren dargestellt sind? Was bedeutet es zB. hinsichtlich der
Abhängigkeit der Merkmalsvariablen voneinander, wenn deren Vektoren senkrecht
aufeinander stehen?
Multivariate Merkmalszusammenhänge können auch geometrisch interpretiert werden, indem man die in die
Faktorenanalyse eingehenden Variablen als Vektoren in einem n-dimensionalen Personenraum darstellt. Die
Endpunkte der Vektoren werden dabei durch die Messwerte der einzelnen Vpn. in Bezug auf die betreffende Variable
definiert. Die als Vektoren dargestellten Variablen liegen dabei in diesem „Versuchspersonenraum“ umso näher
beisammen, je stärker sie korrelieren, dh. Je stärker sie über eine größere Zahl von Versuchspersonen hinweg
vergleichbare Messwerte liefern. Variablen bzw. Faktoren, die voneinander unabhängig sind, bilden sich in dieser
Darstellung als rechtwinkelig aufeinander stehende Vektoren ab. Das Modell wird allerdings bereits ab der 4.
Versuchsperson unanschaulich und kann nur rechnerisch umgesetzt werden.
Was ist das Ziel einer „Rotation“ von Faktoren?
Die ermittelten Faktoren sind nur dann inhaltlich interpretierbar, wenn sie möglichst nahe mit inhaltlich definierten
Merkmalsvariablen zusammenfallen bzw. sich von inhaltlich anders zu interpretierenden Faktoren möglichst klar
unterscheiden. Das kann man erreichen, indem man die ermittelten Faktoren „rotiert.
. Ziel dieser Rotation ist es also, auf einem Teil der Variablen möglichst hohe, auf den anderen möglichst niedrige
Faktorladungen zu erzielen. Durch die Rotation ändern sich allerdings auch die Faktorladungen und die Eigenwerte,
wobei der Verlust an Eigenwert bei einzelnen Faktoren durch den Gewinn an Interpretierbarkeit des Gesamtmodells
aufgewogen wird.
An Hand welcher Kriterien kann man entscheiden, ob man eine Faktorenanalyse
abbricht oder weitere Faktoren extrahiert?
Üblicherweise werden zwei Regeln genannt, um die Zahl der zu extrahierenden Faktoren festzulegen:
(1) die Zahl der Eigenwerte, die größer/gleich 1 sind, wird als Zahl der zu extrahierenden Faktoren festgelegt oder
(2) es wird der „Scree-Test“ durchgeführt.
Können Sie den Scree-Test an einem einfachen Beispiel einer Eigenwerttabelle
durchführen?
Beim Scree-Test werden die Eigenwerte der Merkmalsvariablen der Größe nach in ein Koordinatensystem
übertragen (Abszisse: die extrahierten Faktoren, nach Eigenwert geordnet; Ordinate: die dazu gehörigen 5
Eigenwerte. Wo die dadurch entstehende Kurve in eine Gerade übergeht, wird die Extraktion von Faktoren
abgebrochen.
Wie geht man bei der inhaltlichen Interpretation der extrahierten Faktoren vor?
Man wählt dazu einzelne Items (Merkmale) mit besonders hohen Ladungen des betreffenden Faktors aus und
versucht, aus den gemeinsamen Inhalten dieser Items (Merkmale) die inhaltliche Bedeutung der extrahierten Faktoren
zu erschließen.
Welche Vor- und Nachteile bringt eine schiefwinkelige Rotation gegenüber einer
orthogonalen?
Bei den in der VO dargestellten Beispielen wurde von einer orthogonalen Rotation ausgegangen. Das bedeutet, dass
die Unabhängigkeit der betrachteten Faktoren erhalten bleibt und deren Kovarianz außer Acht gelassen werden kann.
Manche Variablensysteme können aber durch schiefwinkelige („oblique“) Faktorenlösungen besser erklärt werden.
Dieser Vorteil wird aber durch erheblich kompliziertere Modellannahmen erkauft.
Wie kann man die Ähnlichkeit von Merkmalsprofilen von Versuchspersonen
berechnen, wenn es sich um dichotome, nominalskalierte Merkmale handelt?
Ähnlichkeit der beiden Merkmalsprofile durch einen Ähnlichkeitskoeffizienten wiedergeben, der sich
aus einem Vierfelderschema (Personen x Merkmalsausprägungen) ergibt.
Wie kann man die Ähnlichkeit von Merkmalsprofilen von Versuchspersonen
berechnen, wenn es sich um intervallskalierte Merkmale handelt?
Bei intervallskalierten Merkmalen wird die Ähnlichkeit (bzw. Unähnlichkeit) von Personen üblicherweise durch das
euklidische Abstandsmaß angegeben, das der Entfernung der Position der Person in einem Koordinatensystem
entspricht, das durch die gemessenen Variablen aufgespannt wird.
Wodurch unterscheiden sich Korrelationen und Distanzmaße?
Korrelationen zwischen Merkmalsprofilen geben die Ähnlichkeit der Verlaufsgestalt wieder, berücksichtigen
aber nicht die Profilhöhe, während in das Distanzmaß auch die unterschiedliche Profilhöhe eingeht.
Parallel verlaufende Leistungsprofile auf unterschiedlichem Niveau würden also maximal korrelieren,
das Distanzmaß gibt dagegen auch den Unterschied des Profilniveaus wieder.
Können Sie aus den Messwerten mehrerer Vpn. in Bezug auf zwei
Merkmalsvariablen ein Streudiagramm erstellen und daraus Aussagen über die
Distanz zwischen einzelnen Versuchspersonen ablesen oder errechnen?
Was ist das Ziel einer Clusteranalyse?
Im personorientierten Ansatz geht es um die Klassifikation von Personen nach ihren Eigenschaften. Dies geschieht
durch Ähnlichkeits- und Distanzmaße und in weiterer Folge durch die Clusteranalyse. Personen oder
Personengruppen können also aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Bezug auf bestimmte Merkmale zu Gruppen
(„Clustern“) zusammengefasst werden. Die Clusteranalyse ist ein Verfahren, um Personen (oder Personengruppen)
mit ähnlichen Reaktionsmustern in Bezug auf bestimmte zu „Clustern“ zusammenzufassen.
Welches Kriterium zieht man bei der Ward-Methode heran, um zu entscheiden,
welche Personen oder Personengruppen man in sinnvoller Weise zu Clustern
zusammenfassen kann?
ähnlich wie die Hauptkomponentenanalyse der Faktorenanalyse hierarchisches Vorgehen, dh. es werden Schritt für
Schritt jeweils die ähnlichsten Objekte, Personen (oder Personengruppen) zu Clustern bzw. Cluster zu übergeordneten
Clustern zusammengefasst. Die dadurch entstehende Abweichung der ursprünglichen Merkmalsausprägungen vom
neuen Mittelwert des gemeinsamen Clusters stellt einen Fehlerwert dar; die (gewichtete) Summe dieser
quadrierten Abweichungen bildet die Fehlerquadratsumme ΔQSFehler. Diese gilt als Maß für den Genauigkeitsverlust, der durch die Clusterbildung eintritt. Er ist umso kleiner, je geringer die Distanz zwischen den zusammengefassten Clusterelementen ist. Jeder Schritt wird so gewählt wird, dass sich die gesamte Fehlerquadratsumme so
wenig wie möglich erhöht.
Wodurch unterscheiden sich hierarchische und nicht-hierarchische Verfahren der
Clusteranalyse in ihrer Vorgangsweise?
Hierarchische Verfahren: zunächst jedes Objekt ein eigenes Cluster, dann paarweise Distanzen zwischen allen
Objekten berechnen und schließlich schrittweise die jeweils ähnlichsten Objekte fusionierten.
Nicht-hierarchischen Verfahren: man gibt Startcluster vor und versucht, durch Verschiebung von Objekten zwischen
den Cluster das Gesamtmodell zu verbessern.
Können Sie ein einfaches Dendrogramm bzw. Struktogramm interpretieren bzw. ein
vorgegebenes Dendrogramm als Struktogramm darstellen?
Die Wirksamkeit der Clusterbildung kann durch ein Dendrogramm veranschaulicht werden. Dieses gibt einerseits die
stufenweise Vereinfachung der Datenstruktur wieder, andererseits die dadurch bewirkten Verluste an realitätsgetreuer
Abbildung. Eine weitere Form der Darstellung ist das „Struktogramm“, das in Analogie zum „Scree-Test“ bei der
Faktorenanalyse die wachsenden Fehlerwerte als Ordinatenwerte in einem Koordinatensystem sichtbar macht und
einen Hinweis darauf gibt, wann es sinnvoll ist, auf die Bildung weiterer Cluster zu verzichten.
4.
Eigenschaftstheoretische Ansätze und ihre Weiterentwicklung
Wodurch sind wissenschaftliche Paradigmen gekennzeichnet?
Wissenschaftliche Paradigmen sind gekennzeichnet durch: (1) ein bestimmtes Menschenbild, (2) eine bestimmte
Auffassung vom Forschungsgegenstand, (3) daraus resultierende spezifische methodische Präferenzen, (4) ein
bestimmtes Begriffsvokabular und (5) (in manchen Fällen) eine Traditionsbildung über Lehrer-Schüler-Verhältnisse.
Welche Analyseebenen unterscheiden MISCHEL et al. in der Persönlichkeitspsychologie?
sechs „Analyseebenen“:
(1) die Ebene der Eigenschaften und Dispositionen (= Einstellung/ triat),
(2) die biologische Analyseebene,
(3) die Ebene der Psychodynamik und der Motivation,
(4) die Ebene der Verhaltenskonditionierung,
(5) die phänomenologisch- humanistische Ebene und
(6) die sozial-kognitive Ebene.
Was sind charakteristische Forschungsfragen des „Eigenschaftsparadigmas“?
• In welcher Hinsicht unterscheiden sich Individuen voneinander in ihren Gefühlen, ihrem Denken und ihrem
Verhalten? Wie viele unterschiedliche Eigenschaften braucht man, um diese Persönlichkeitsunterschiede adäquat
zu beschreiben?
• Weist jede Person eine einzigartige Konfiguration von Persönlichkeitseigenschaften auf oder ist es möglich,
eine Gruppe von Eigenschaften zu identifizieren, die universell ist und als Taxonomie individueller Unterschiede
dienen kann?
• Falls Individuen durch ihre charakteristischen Eigenschaften beschrieben werden können: Wie lassen sich
Verhaltensunterschiede über Messzeitpunkte und Situationen hinweg erklären?
Wodurch unterscheidet sich ein kausalistisches von einem deskriptiven Verständnis
des Eigenschaftskonstrukts? Können Sie Beispiele dafür angeben?
Kausalistisch: Manche Eigenschaftstheorien sehen traits als „innere Kausalität“ an: Jemand zeigt ein bestimmtes
Verhalten, weil er eine bestimmte Persönlichkeitsdisposition aufweist. traits : überwiegend rein deskriptive Konstrukte.
Man verwendet demnach bestimmte Eigenschaftsbegriffe wie „Extraversion“ als Sammelbegriff, um die damit
verbundenen Verhaltensdispositionen zu erfassen, ohne etwas über ihre Ursachen auszusagen.
Ein Beispiel: ALLPORT sah also in traits nicht bloß gedankliche Abstraktionen, sondern reale Strukturen des
psychophysischen Systems; für ihn waren „Personen“ ebenso wie ihre Eigenschaften „real beings“.
Ein Beispiel für eine deskriptive Auffassung ist der von BUSS und CRAIK propagierte act frequency approach, in dem
traits als Beschreibungskategorien für Verhaltenstendenzen aufgefasst werden. Daraus wird auf die Varianz dieses
Merkmals in der Population geschlossen.
Was versteht man unter dem act frequency approach?
in dem traits als Beschreibungskategorien für Verhaltenstendenzen aufgefasst werden, deren Erforschung sich in drei
Schritten vollzieht:
(1) act nomination: für bestimmte Kategorien (zB. „Dominanz“) werden typische Verhaltensbeschreibungen gesucht;
(2) prototypicality judgement: Rater beurteilen, wie typisch bestimmte Verhaltensweisen ür bestimmte Kategorien sind;
(3) recording of act performance: es wird untersucht, wie häufig die betreffenden erhaltensweisen bei verschiedenen
Vpn. auftreten.
Daraus wird auf die Varianz dieses Merkmals in der Population geschlossen.
Petra NETTER (2006) nennt als wesentliche Merkmale von Eigenschaften Konstanz,
Generalität und Universalität. Was ist darunter zu verstehen?
„Konstanz“: damit verbundenen Verhaltensmerkmale über die Zeit oder verschiedene gleichartige Situationen sind
wiederholt beobachtbar; „Generalität“: gewisse Generalisierbarkeit der mit einer „Eigenschaft“ verbundenen
Verhaltenstendenz; sie umfasst damit auch durchaus verschiedene, aber ähnliche Verhaltensweisen.
„Universalität“: derartige generalisierbare Verhaltensweisen müssen grundsätzlich bei allen Individuen beobachtbar
sein, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß.
Welche Arten von Konstanz kann man nach CATTELL unterscheiden?
Konstanz über die Zeit hinweg in identischen Situationen („Stabililität“) und Konstanz über Situationen hinweg
(„transsituative Konstanz“).
Welche hierarchischen Ebenen von „traits“ bzw. „dispositions“ unterschied Gordon
ALLPORT? Können Sie Beispiele für diese Ebenen anführen?
Nach ihrer hierarchischen Position im Eigenschaftsgefüge des Menschen unterschied ALLPORT
(1) cardinal traits/dispositions, die praktisch alle Verhaltensbereiche durchdringen
(2) weniger generalisierte central traits/dispositions, die bei den meisten Menschen die prägende Merkmalsebene
bilden
(3) die eher engen, hoch spezifizierten secondary dispositions oder „attitudes“.
Er postulierte damit eine individuelle Hierarchie von Persönlichkeits- eigenschaften, die selbst ein differenzierendes
Merkmal zwischen Individuen darstellt.
Was versteht man unter der „psycholexikalischen Methode“?
im lexikalischen Ansatz werden typische Eigenschaftskonstrukte aus der Alltagssprache abgeleitet.
Aus Webster‘s New International Dictionary listeten ALLPORT und ODBERT 17.953 Wörter auf, die
Persönlichkeitsdispositionen bezeichnen, und ordneten sie in vier Kategorien: „personal traits“, „passing activities
and temporary moods“, Wertungen und eine Restkategorie. Aus den ersten beiden Kategorien wurden 171 Variablen
(zumeist in Form von Gegensatzpaaren) abgeleitet, die als Items für Fremdbeurteilungen verwendet wurden.
Auf der Basis dieser Studie wurden später, insbesondere durch R. B. CATTELL, durch Faktorenanalyse
Persönlichkeitsfaktoren extrahiert.
Welche faktorenanalytisch fundierten Eigenschaftsmodelle wurden im 20.
Jahrhundert entwickelt?
- das Faktorensystem von Jay GUILFORD (Personality, 1959);
- das System von R. B. CATTELL (Personality: A systematical theoretical and factual study, 1950);
- das Drei-Faktoren-Modell von H. J. EYSENCK (The structure of personality, 1953);
- das Fünf-Faktoren-Modell („Big Five”).
Wie wird „Persönlichkeit“ bei Jay P. GUILFORD definiert und wie wird dabei das
Konstrukt „trait“ aufgefasst?
Jay GUILFORD (Personality, 1959) definiert die „Persönlichkeit” eines Individuums als „his unique pattern of traits”.
Der Begriff „trait“ verweist dabei in seiner einfachsten Bedeutung auf „beliebige, unterscheidbare, relativ überdauernde
Unterschiede zwischen dem Verhalten oder Merkmalen von zwei oder mehr Personen“ und kann daher eine
Einstellung ebenso bedeuten wie jedes beliebige körperliche oder seelische Merkmal.
GUILFORD formulierte Anforderungen an Trait-Modelle: traits sollten auf nachweisbare und klar definierte Merkmale
im Kontext eines persönlichkeitstheoretischen Modells verweisen, und dieses Modell sollte einerseits die beobachtete
Merkmalsstruktur möglichst vollständig abbilden, aber andererseits keine unnötigen Strukturelemente annehmen.
Weiters forderte GUILFORD, einen möglichst weitgehenden Konsens über derartige Modelle anzustreben, war sich
aber dessen bewusst, dass dies eine praktisch unerfüllbare Forderung wäre.
Welche Anforderungen hat GUILFORD an Trait-Modelle gestellt?
traits sollten auf nachweisbare und klar definierte Merkmale im Kontext eines persönlichkeitstheoretischen Modells
verweisen, und dieses Modell sollte einerseits die beobachtete Merkmalsstruktur möglichst vollständig abbilden, aber
andererseits keine unnötigen Strukturelemente annehmen. Weiters forderte GUILFORD, einen möglichst
weitgehenden Konsens über derartige Modelle anzustreben, war sich aber dessen bewusst, dass dies eine praktisch
unerfüllbare Forderung wäre.
Welche Merkmalsbereiche und Hierarchieebenen umfasst GUILFORDs
hierarchisches Persönlichkeitsmodell?
GUILFORD unterschied auf der deskriptiven Ebene 7 Merkmalsbereiche, die sich wiederum in vier Gruppen
zusammenfassen lassen: somatische Merkmale, motivationale Merkmale, Temperamentsfaktoren und
Eignungsdimensionen.
intrapersonal konsistente Verhaltenstendenzen („Hexis“-Niveau“; „hexis“ bedeutet „Zusammenhang“) von eher
geringem situationalem Generalisierungsgrad. Beispiele für Traits auf dem „Hexis“-Niveau sind etwa:
- gern gesellschaftlichen Zusammenkünften beiwohnen;
- lieber mit anderen zusammenarbeiten als allein arbeiten;
- gern mit Fremden eine Unterhaltung beginnen;
- sich mit Vorliebe unter Menschenansammlungen mischen.
übergeordnete „primary traits“ abgeleitet und eigene Verfahren zur Messung. Beispiele für „primary traits“ sind etwa:
Geselligkeit (S: shyness, sociability); Selbstbehauptung (A: ascendance)
Nahm GUILFORD Unabhängigkeit seiner Persönlichkeitsfaktoren an? Wurde diese
Unabhängigkeit empirisch bestätigt? Welche Konsequenz zog GUILFORD aus den
Ergebnissen dieser empirischen Untersuchungen?
Ausgehend von vorhandenen Skalen und Merkmalsdimensionen ermittelte GUILFORD durch Faktorenanalyse
zunächst 13 Faktoren, die er als unabhängig voneinander ansah. Tatsächlich korrelierten aber vier Skalen sehr hoch
(0,70-0,85) miteinander und wurden daher von GUILFORD zu einer neuen Skala „emotional stability“ zusammengefasst.
Welches Messverfahren wurde zur Messung der GUILFORD-Faktoren entwickelt und
wie viele Faktoren (primary traits) umfasst dieses Modell?
Auf diesem revidierten Modell (10 Faktoren) beruht das Guilford-Zimmermann-Temperament-Survey (1976).
Es umfasst die Skalen: G General Activity; R Restraint; A Ascendance (Durchsetzungsfähigkeit); S Sociability; E
Emotional Stability; O Objectivity; F Friendliness; T Thoughtfulness; P Personal Relations; M Masculinity
Welche Arten von Daten hat R. B. CATTELL unterschieden und zur Entwicklung
seiner Persönlichkeitsfaktoren herangezogen?
CATTELL versuchte seine Eigenschaftsdimensionen nicht nur auf Fragebogen-Daten, sondern auf eine möglichst
breite Datenbasis zu stützen. Er unterschied dabei: (1) Q-Daten (questionnaire data; Daten aus Selbstberichten und
Fragebögen); (2) T-Daten (Testdaten; Beobachtungsdaten über Reaktionen in kontrollierten Testsituationen);(3) LDaten (Lebensdaten).
CATTELL unterschied (ähnlich wie ALLPORT) einerseits – nach der Generalisierbarkeit in Bezug auf die Population –
allgemeine von individualpezifischen traits, andererseits – im Sinne einer Hierarchie – Oberflächenwesenszüge
(surface traits), die auch in manifesten Verhaltensweisen sichtbar werden, von übergeordneten bzw. Grundwesenszügen (source traits), die nur durch die Faktorenanalyse erschlossen werden können.
Welches konkrete Persönlichkeitstestverfahren leitet sich aus dem Modell von
CATTELL ab und wie viele Faktoren umfasst es? Wie viele davon sind
Sekundärfaktoren und auf welcher Datenbasis kamen diese zustande? Konnten
weitere Faktoren abgeleitet werden?
Auf der Basis dieser Primärfaktoren entwickelte CATTELL seinen 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test (16-PF).
Zusätzlich zu den ursprünglichen Merkmalsdimensionen (Primärfaktoren =12) bezog CATTELL dabei
Fragebogendaten (Sekundärfaktoren:Q-Daten, Q1 bis Q4) ein.
Durch weitere Faktorenanalysen konnten fünf zusätzliche „Globalfaktoren“ abgeleitet werden: Extraversion,
Unabhängigkeit, Ängstlichkeit, Selbstkontrolle, Unnachgiebigkeit. Insgesamt erfasst der Fragebogen 16
Primärdimensionen der Erwachsenenpersönlichkeit sowie diese fünf Globalfaktoren.
Welche Komponenten umfasst EYSENCKs Definition von „Persönlichkeit“?
Persönlichkeit als mehr oder weniger stabile und überdauernde Organisation des Charakters, des Temperaments, des
Intellekts und der physischen Beschaffenheit eines Menschen, die seine individuelle Anpassung an die Umwelt
bestimmt.
Welche Daten bildeten die Grundlage für EYSENCKs Persönlichkeitsmodell?
Die Datengrundlage für das Persönlichkeitsmodell EYSENCKs bildeten Persönlichkeitsdaten von 700 als „neurotisch“
diagnostizierten Soldaten, die EYSENCK einer Faktorenanalyse unterzog. Von den vier extrahierten Faktoren
erwiesen sich zwei als voneinander unabhängige, sehr allgemeine Merkmalsdimensionen, nämlich:
- „Neurotizismus“ im Sinne von „mangelhafter Persönlichkeitsintegration“ und
- eine bipolare Dimension mit den Polen „ängstlich, depressiv, zwanghaft“ und „hysterisch, distanzlos“, die
EYSENCK in Anlehnung an C. G. JUNG als „Introversion/Extraversion“ benannte.
Wie viele Persönlichkeitsdimensionen umfasst das Modell von EYSENCK und
welche?
Drei: Neurotizismus, Extroversion, Psychotizismus
Können Sie die durch die einzelnen Dimensionen gemessenen Merkmale oder
Verhaltenstendenzen beschreiben?
Diese drei Merkmalsdimensionen können durch folgende Eigenschaftsbegriffe charakterisiert werden:
- Extraversion: gesellig, lebhaft, aktiv, durchsetzungsfähig, „sensation-seeking“, sorglos, dominant, ausdrucksfreudig,
abenteuerlustig;
- Neurotizismus: ängstlich, niedergeschlagen, Schuldgefühle, niedriges Selbstwertgefühl, angespannt, irrational,
schüchtern, launisch, emotional;
- Psychotizismus: aggressiv, kalt, egozentrisch, unpersönlich, impulsiv, antisozial, wenig einfühlsam, kreativ,
hartherzig („tough-minded“).
In welcher Weise setzte EYSENCK die Dimensionen seines Persönlichkeitsmodells
mit den hippokratischen Typen in Beziehung?
hippokratischen Temperamentenlehre und seinen beiden Grunddimensionen „extravertiert vs. introvertiert“ und „stabil
vs. neurotisch“. das Individuum allerdings durch Anteile an allen Dimensionen bestimmt sieht. (Zur wechselseitigen
Zuordnung der einzelnen Typen siehe die grafische Darstellung in der Präsentation zur VO vom 21.4
Können Sie einige Verfahren angeben, die von EYSENCK zur Messung dieser
Persönlichkeitsdimensionen entwickelt wurden?
Dimensionen „Extraversion“ (E), „Neurotizismus“ (N) und „Psychotizismus“ (P) umfassen
einzelne dieser Verfahren auch eine „Lügenskala“ (L):
- MMQ: Maudsley Medical Questionaire (N, L); es wurde primär für den klinischen Gebrauch entwickelt und
beschränkt sich auf die Dimension „Neurotizismus“.
- MPI: Maudsley Personality Inventory (E, N); zielt auf den Normalbereich ab; die E-Skala besteht vor allem
aus Items aus den Guilford-Skalen „Soziabilität“ und „Impulsivität“.
- EPI: Eysenck Personality Inventory (E, N, L); eine verbesserte Variante des MPI (E und N unabhängig), von
der auch zwei Parallelformen existieren;
- EPQ: Eysenck Personality Questionaire (E, N, P, L); eine Weiterentwicklung des EPI, die nun auch die Dimension
„Psychotizismus“ einschließt;
- EPQ-R: Revidiertes Eysenck Personality Questionaire (E, N, P, L); eine verbesserte Variante des EPQ.
Was versteht man unter einer „Lügenskala“ und warum verwendet man solche
Skalen innerhalb von Persönlichkeitstests?
„Lügenskala“ (L): „Verlieren Sie ab und zu die Geduld und werden wütend?“
Man versucht zu beurteilen, in wieweit eine Testperson seine Antwort nach sozialer Erwünschtheit richtet.
Welche Dimensionen umfasst das „Big-Five-Modell“ und wie kam dieses Modell
zustande? Können Sie einige typische Merkmalsbeschreibungen für die einzelnen
Faktoren angeben?
Der „Big Five“-Ansatz: Der „Big Five“-Ansatz beruht wie auch andere Eigenschaftstheorien der Persönlichkeit
auf der bereits dargestellten psycholexikalischen Studie von G. ALLPORT und H. ODBERT, die auch R. B. CATTELL
bei der Erstellung seines Persönlichkeitsmodells als Ausgangspunkt gedient hatte. Er reduzierte die
Begriffe auf 35 Cluster mit jeweils 6 bis 12 Elementen. Darauf aufbauende Faktorenanalysen von Donald FISKE
(1949) zeigten, dass diese Merkmalsbeschreibungen auf fünf Faktoren zurückgeführt werden konnten. In den 60er
Jahren wurden auf der Basis des CATTELLschen Datensatzes mehrere Studien durchgeführt, die fast durchwegs
diese Faktorenstruktur bestätigten.
Die dabei gefundenen fünf Faktoren wurden von Lewis R. GOLDBERG (1981) als „Big Five“ bezeichnet.
Eigenschaftsbeschreibungen:
- Faktor N („Neurotizismus“; „emotional labil vs. emotional stabil“): ausgeglichen vs. nervös; entspannt vs. ängstlich;
gelassen vs. erregbar; körperlich stabil vs. wehleidig;
- Faktor E (Extraversion; extravertiert vs. introvertiert): gesprächig vs. schweigsam; freimütig vs. verschlossen;
unternehmungslustig vs. zurückhaltend; gesellig vs. zurückgezogen;
- Faktor O (Offenheit für Erfahrung; offen vs. verschlossen): kunstverständig vs. kunstunverständig; intellektuell vs.
ungebildet; kultiviert vs. ungeschliffen; phantasievoll vs. phantasielos;
- Faktor A (soziale Verträglichkeit, agreeableness; sozial verträglich vs. sozial unverträglich): gutmütig vs. grantig;
wohlwollend vs. missgünstig; freundlich vs. starrköpfig; kooperativ vs. feindselig;
- Faktor C (Gewissenhaftigkeit; conscientousness; gewissenhaft vs. impulsiv): sorgfältig vs. nachlässig; zuverlässig vs.
unzuverlässig; genau vs. ungenau; beharrlich vs. sprunghaft.
Mit welchen Verfahren kann man die „Big-Five“-Dimensionen messen?
Fragebogen-verfahren zum „Big Five“-Modell:
NEO-Personality-Inventory, das die heutigen fünf Big-Five- Faktoren umfasst.
gebräuchliche Kurzform: „NEO Five Factor Inventory“
Wieweit haben sich die Big-Five-Faktoren im interkulturellen Vergleich bewährt?
Ein Drei-Faktoren-Modell, das aus Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit besteht, ist im Kulturvergleich
besser replizierbar als das Big-Five-Modell, kann aber wegen der geringeren Faktorenzahl weniger Persönlichkeitsunterschiede erklären. Im angloamerikanischen und nordeuropäischen Raum sind die Big Five gut replizierbar und
gelten daher als „optimale Antwort auf die Frage, wie man alltagstypologisch beschriebene Persönlichkeitsunterschiede mit möglichst wenig Dimensionen differenziert beschreiben kann“ (Asendorpf, 2007, S. 155).
Welche gemeinsamen Merkmale weisen die klassischen Trait-Modelle auf und was
unterscheidet sie voneinander?
gemeinsame Merkmale der Eigenschaftstheorien:
- Traittheorien sehen „traits“ als überdauernde, stabile Dispositionen von Personen an, die die Konsistenz ihres
Verhaltens begründen. „States“ verweisen dagegen auf Zustände, die von kurzer Dauer sind und äußeren Ursachen
zugeschrieben werden können.
- Es wird in der Regel zwischen eher oberflächlichen und spezifischen und eher grundlegenden und generalisierten
„traits“ unterschieden.
- Auf der traittheoretischen Analyseebene versucht man, die Position von Individuen auf einer oder mehreren
Verhaltensbereitschaftsdimensionen zu identifizieren und zu messen.
- Um grundlegende „traits“ zu entdecken, werden psychometrische Vorgangsweisen benutzt, um die Reaktionen
von großen Personenkollektiven zu sammeln, zu quantifizieren und zu vergleichen.
- Um die Stabilität der angenommenen „traits“ zu prüfen, wird das Verhalten von Individuen über viele unterschiedliche
Situationen hinweg registriert.
Unterschiede:
- insbesondere in der Zahl der angenommenen Merkmalsdimensionen
- Einige davon sehen “traits” als Ursache und Erklärung für Verhalten an, andere sehen darin lediglich einen
Sammelbegriff für Verhaltenstendenzen.
Wie ist die zeitliche Stabilität von „traits“ im Allgemeinen zu beurteilen?
Situationsabhängigkeit des Verhaltens, doch Persönlichkeitseigenschaften von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter
erstaunlich konstant.
nicht nur „angeborene“ Eigenschaften, sondern auch Lernerfahrungen, die bestehende Charakteranlagen verstärken
und festigen. Stabilität von Eigenschaftsmessungen umso höher, je generellere traits gemessen werden.
In welcher Weise hat Gordon ALLPORT die faktorenanalytische Bestimmung von
traits kritisiert?
Künstlichkeit der gewonnenen Faktoren: lediglich eine Mixtur aus sehr vielen Testwerten, in denen die Identität des
einzelnen getesteten Individuums verloren geht.
die einzelnen isolierten Werte sagen weder etwas über die individuumsspezifische Färbung noch die Struktur von
aufeinander wirkenden persönlichen Dispositionen aus.
Welche Einwände kann man gegen die Messung von Eigenschaftsausprägungen mit
Fragebogen vorbringen?
Die Ausprägung eines bestimmten Merkmals bei Testperson (zB. „Aggressivität“) wird aus der Häufigkeit erschlossen,
mit der diese Person das Vorliegen von Verhaltensweisen berichtet, die als Indikator für den zugrunde liegenden
„trait“ angesehen werden.
Diese Angewiesenheit auf die Verlässlichkeit von Angaben der Person über sich selbst ist oft als Problem dieses
Ansatzes kritisiert worden.
Was versteht man unter „transsituativer Konsistenz“ und unter „transpersonaler
Konsistenz“ von Merkmalsdimensionen?
Transsituative Konsistenz: wenn aus Verhaltensunterschieden in einer Situation auf Verhaltensunterschiede in einer
anderen Situation geschlossen werden kann.
Transpersonale Konsisten: wenn aus dem Reaktionsmuster einer Person auf das Reaktionsmuster anderer Personen
geschlossen werden kann.
Können Sie die Begriffe „Personismus“, „Situationismus“, „Interaktonismus“ und
„Dispositionismus“ erklären bzw. voneinander abgrenzen?
paradigmatische Modelle für Vorhersage von Verhalten aus Person- und Situationsvariablen:
(1) „Personismus“: Verhalten (V) einer Person i in der Situation j resultiert aus einer Eigenschaft P der Person i:
Vij = f(Pi);
(2) „Situationismus“: Verhalten (V) einer Person i in der Situation j resultiert aus einer Eigenschaft S der Situation j:
Vij = f(Sj);
(3) „Interaktionismus“: Verhalten wird nicht nur durch Person und Situation, sondern auch durch die Interaktion
zwischen P und S determiniert: Vij = f(Pi , Sj , Pi x Sj);
(4) „Dispositionismus“: sagt Verhalten aus situations-spezifischen Dispositionen der Person vorher: Vij = f(Pii , Sj),
wobei Pij = [Sj → Vj]i (die situationsspezifische Reaktion ist hier also auch von der Person abhängig)
Was ist das Ziel interaktionistischer Ansätze in der Persönlichkeitsforschung?
Durch Verbindung von „situationistischen“ und „traitorientierten“ Erklärungen individuellen Verhaltens finden.
Verhalten = Interaktion zwischen Person und Situation (P x S).
Verhaltenswirksam ist demnach nicht die Situation an sich, sondern die Situation, so wie sie von der Person
aufgrund ihrer individuellen Eigenschaften wahrgenommen wird.
Welche Formen von Mensch-Umwelt-Interaktionen unterscheiden LARSON und
BUSS (2008) und in welcher Weise stehen diese mit den Formen der GenomUmwelt- Kovarianz nach PLOMIN et al. (1977) in Verbindung?
(1) Situationswahl (situation selection): Menschen wählen ihre Lebenssituationen zumindest teilweise gezielt aus
(„aktive Genom-Umwelt-Kovarianz“ nach PLOMIN, et al.);
(2) Evokation (evocation): Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale evozieren mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ein
bestimmtes Verhalten der Umwelt („reaktive Genom-Umwelt-Kovarianz“);
(3) Manipulation: bewusste Beeinflussung von Umweltfaktoren.
In welcher Weise hat der „dynamisch-interaktionistische“ Ansatz (ASENDORPF) das
traditionelle interaktionistische Modell weiterentwickelt?
Grundannahmen:
(1) Die Organisation des Verhaltens einer Person und die Organisation ihrer Umwelt sind mittelfristig konstant.
(2) Person und Umwelt können sich aber langfristig ändern.
(3) Diese Änderungen beruhen auf Veränderungsprozessen innerhalb der Person und der Umwelt und auf Einflüssen
der Umwelt auf die Person und umgekehrt.
Welche Arten von Veränderungsprozessen werden im dynamischinteraktionistischen Modell als mögliche Ursachen von Persönlichkeitsentwicklung
angesehen?
(1) Veränderungsprozesse in der Person, (2) Veränderungsprozesse in der Umwelt,
(3) Einflüsse der Umwelt auf die Person, (4) Einflüsse der Person auf die Umwelt.
Wodurch unterscheidet sich das Konzept der „dynamischen Interaktion“ vom
statistischen Interaktionsbegriff?
„dynamischen Interaktion“ geht dabei über den Begriff der statistischen Interaktion hinaus: nicht nur korrelativen
Zusammenhang zum Ausdruck, sondern Wechselwirkung zwischen Variablen über die Zeit hinweg
Was versteht man unter einer „differenziellen Entwicklungsfunktion“?
Bezugspunkte im Zeitverlauf: Individuelle Veränderungen von Merkmalsausprägungen bezogen auf die Veränderung
der Merkmale in der Population selbst. Z.b.: individuelle Entwicklungsveränderungen relativ zur Altersgruppe…
Was sind die zentralen Annahmen „dynamisch-interaktionistischer“ Modelle?
- Persönlichkeitsentwicklung findet im Kontext der Umwelt statt: Mit der Persönlichkeit entwickelt sich auch die
individualtypische Umwelt, beschreibbar durch differenzielle Umweltentwicklungsfunktionen.
- Im dynamisch-interaktionistischen Modell lassen sich auch Einflüsse der Person auf die Umwelt adäquat abbilden.
-> nicht nur Hypothesen über intraindividuelle Prozesse, sondern auch Hypothesen über Umweltmerkmale,
die relevant für diese Prozesse sind.
Welche speziellen Methoden erfordern interaktionistische Ansätze und welche
Probleme sind damit verbunden?
zielt vielfach auf „natürliche Experimente“ ab, da sich Person-Umwelt-Interaktionen schwer experimentell erfassen
lassen. -> kausale Beziehungen nicht so eindeutig ableitbar wie bei „echten“ Experimenten. Vielfach nur korrelative
Beziehungen erfasst, keine eindeutigen kausalen Zusammenhänge.
Person-Umwelt-Interaktionen = Prozesse im Zeitverlauf, daher nur durch Längsschnittstudien über längere Zeiträume
erfassbar. dynamisch-interaktionistische Studien von Person-Umwelt-Komplexen methodisch sehr aufwändig, wegen
dieses Aufwands empirisch selten verwendet.
Wie kann man Wechselwirkungen zwischen Person- und Unweltvariablen statistisch
erfassen und analysieren?
In derartigen Längsschnittstudien können die wechselseitigen Einflüsse von Person- und Umweltvariablen durch
Kreuzkorrelationen dargestellt werden. Um die tatsächliche „Fortpflanzung“ von Einflüssen im Zeitverlauf sichtbar
zu machen, sind Pfadanalysen erforderlich.
5
Die biologische Analyseebene
Welche Fragen stellen sich auf der biologischen Analyseebene der Persönlichkeit?
Nach CERVONE und PERVIN (2008:
- Kommen Kinder mit angeborenen Temperamentsunterschieden zur Welt? wenn ja: Auf welchen biologischen
Grundlagen beruhen diese Unterschiede?
- Inwiefern kann die Erforschung der menschlichen Evolution zum Verständnis der Persönlichkeit heute lebender
Menschen beitragen?
- Welche Rolle spielen die Gene bei der Formung der Persönlichkeit und in welcher Weise interagieren sie mit
der Umwelt in der Persönlichkeitsentfaltung?
- Welche Beziehung besteht zwischen Hirnprozesse und Persönlichkeitsprozessen?
Können Sie Beispiele für biologisch fundierte Persönlichkeitstheorien bzw. –
konstrukte nennen?
- die Persönlichkeitstheorie von Hans J. EYSENCK,
- die Theorie der Verhaltenssteuerung von Jeffrey A. GRAY,
- die Temperamentstheorien von Ivan PAVLOV und Jan STRELAU,
- das Sensation-Seeking-Konzept von Marvin ZUCKERMAN,
- die Temperament-Charakter-Theorie von C. Robert CLONINGER.
Was sind die zentralen Annahmen von EYSENCKs Temperamentstheorie?
alle wesentlichen Temperamentseigenschaften können durch 2 von einander unabhängigen Dimensionen
„Extraversion vs. Introversion“ und „emotional stabil vs. emotional labil“ abgebildet werden.
Interindividuelle Unterschiede zwischen „Extravert.“ und „Introvert.“ bzw. zwischen em. stabilen und labilen Personen
können durch genetisch bedingte Unterschiede in der Intensität bestimmter hirnphysiologischer Aktivierungsprozesse
erklärt werden.
Auf welche neurobiologische Ursache führt H. J. EYSENCK die Variabilität der
Merkmalsdimension „Extraversion vs. Introversion“ zurück?
nach EYSENCK durch Unterschiede in kortikalen Erregungs- Hemmungsprozessen, dh. durch interindividuell
unterschiedliche „Erregungsschwellen“ im aufsteigenden retikulären Aktivierungssystem (ARAS) erklärbar.
Welche psychophysiologische Begründung bringt EYSENCK dafür vor, dass
Introvertierte und Extravertierte ein unterschiedliches Maß an Stimulation bevorzugen?
Extravertierte“: nur schwache exzitatorische, aber rasch einsetzende, intensive und langsam abklingende inhibitorische
Potenziale aus. -> bevorzugen höheres Maß an Stimulation.
„Introvertierte“: starke exzitatorische, aber nur langsam einsetzende, schwache und rasch abklingende inhibitorische
Potenziale aus. -> bevorzugen niedrigeres Maß an Stimulation.
Welcher Zusammenhang lässt sich aus der Theorie EYSENCKs zwischen der
Dimension „Extraversion vs. Introversion“ und der Sensitivität für sensorische
Stimulation herstellen und wieweit hat sich dies empirisch bestätigt?
EYSENCKs Extraversionstheorie: sensorische Reize lösen bei Introvertierten eine subjektiv intensivere
Reizempfindung aus.
Tatsächlich lässt sich z.b. eine größere Lärmempfindlichkeit bei Introvertierten nachweisen. Nicht alle Studien lieferten
theoriekonformes Ergebnis. Die Befundlage ist insgesamt widersprüchlich.
Welcher Zusammenhang lässt sich aus der Theorie EYSENCKs zwischen der
Dimension „Extraversion vs. Introversion“ und Aufmerksamkeit herstellen und wieweit
hat sich dies empirisch bestätigt?
Introvertierte weisen in Situationen mit geringer Stimulation ein größeres Maß an Arousal auf als Extrovertierte, sollten
also auch bei Aufmerksamkeitsleistungen besser sein.
aktuelle Studie (Schmidt et al., 2004): bessere Vigilanzleistungen bei Introvertierten. Auch hier widersprüchliche
Studien. Die Befundlage spricht insgesamt für EYSENCKs Annahmen.
Wieweit konnte die Theorie EYSENCKs zur Dimension „Extraversion vs.
Introversion“ auf psychophysiologischer Ebene empirisch bestätigt werden?
Extravertierte: bei Leistungsaufgaben ein geringeres Arousal -> höhere Alpha-Aktivität im EEG.
Zusammenhang in einigen Studien bestätigt, in der Mehrzahl der Untersuchungen jedoch nicht.
MYRTEK untersuchte Zusammenhang zwischen Extraversion / Neurotizismus und mehreren psychophysiolog.
Variablen in verschiedenen Situationen -> keine signifikanten Korrelationen.
Uneinheitliche Befundlage -> Zweifel an der psychophysiologischen Begründung der Extraversionstheorie
EYSENCKs.
Welche Hypothesen zur Wirkung von Psychopharmaka können aus der Theorie
EYSENCKs zur Dimension „Extraversion vs. Introversion“ abgeleitet werden, und
inwieweit konnten diese empirisch bestätigt werden?
Die Theorie EYSENCKs erklärt Extraversion/ Introversion als Folge kortikalen Arousals. Durch Pharmaka induziertes
Arousal vergleichbare Verhaltensreaktionen hervorrufen: Beruhigungsmittel bei Extravertierten (ohnehin geringeres
Arousal) -> stärkere Leistungsminderung.
Auch für diese Annahme gab es nur vereinzelt bestätigende Befunde.
Wie begründet H. J. EYSENCK die Variabilität der Merkmalsdimension „Emotionale
Stabilität vs. Labilität“?
klinischen Beobachtungen: grundlegenden Beziehung zwischen der (psychologischen) Merkmalsdimension
„emotionale Stabilität vs. Labilität“ und der (physiologischen) Merkmalsdimension „Stabilität vs. Labilität vegetativer
Reaktionen“ aus. Ursache: die beide Merkmale beeinflussende Steuerung durch das Limbische System.
„Neurotizismus“: starke Reaktivität des autonom. Nervensystems auf äußere Reize.
Welche kritischen Einwände werden gegen EYSENCKs Neurotizismus-Konzept
vorgebracht?
• Ein „pseudophysiologisches Konzept“: Die neurophysiologischen Korrelate angesichts der neuroanatomischen
und funktionellen Komplexität des Limbischen Systems kaum nachweisbar.
• Annahme einer globalen Eigenschaft „physiologische Reaktivität“ bzw. „vegetative Labilität“ empirisch nicht haltbar.
• Annahme einer Unabhängigkeit von Extroversion und Neurotizismus nicht sinnvoll, ARAS und limbisches System
miteinander koordiniert.
• EYSENCKs Neurotizismus-Items messen charakteristischen Stil der körperlichen Selbstwahrnehmung, nicht
objektive „Symptome“, denen auch objektive psychophysiologische Korrelate zugeordnet werden könnten.
Welche Verhaltenssysteme unterscheidet die Theorie von Jeffrey A. GRAY und
worauf reagieren diese Systeme?
(1) Das Verhaltens-Hemmungs-System (BIS) reagiert auf Signale für Strafe oder Nichtbelohnung mit Verhaltenshemmung, erhöhter Erregung und erhöhter Aufmerksamkeit,
(2) Das Verhaltens- Aktivierungs-System (BAS) reagiert auf Signale für Nichtbestrafung oder Belohnung mit
Annäherung und Zuwendung,
(3) die Fluchtreaktion reagiert auf eingetretene Strafe bzw. Nichtbelohnung mit Flucht oder defensiver Aggression.
Inwieweit hat sich GRAYs Ansatz empirisch bewährt?
BIS korreliert hoch mit Neurotizismus und BAS hoch mit Extraversion; über eine diskriminante Validität (wie weit
BIS/BAS etwas anderes messen als Extraversion/Introversion) ist noch nichts bekannt.
ASENDORPF: Schüchternheit“ (soziale Gehemmtheit) korreliert entspr. der Vorhersage GRAYs gleich hoch positiv mit
Neurotizismus und Introversion. Zusammenhang zwischen BIS und Angst vor unvertrauten Situationen / vor Strafe
konnte bestätigt werden.
Insgesamt besser bestätigt als EYSENCKs Aktivierungsmodell. Allerdings postulierte physiologische Korrelate seiner
Merkmalsdimensionen ebenso schwer nachweisbar wie für EYSENCKs Dimensionen E und N.
In welchen „Grundeigenschaften des Nervensystems“ unterscheiden sich Menschen
nach der Theorie von Ivan PAVLOV und in welcher Weise kann man die daraus
entstehenden Typen mit den hippokratischen Temperamentstypen in Verbindung
bringen?
• die „Stärke“ des Nervensystems (im Hinblick auf Erregungsprozesse),
• die „Balance“ der nervlichen Prozesse,
• die „Mobilität“ der nervlichen Prozesse.
Je nach Ausprägung dieser Eigenschaften lassen sich Individuen nach PAVLOV „Temperamentstypen“ zuordnen,
die einen direkten Bezug zu den hippokratischen Typen ermöglichen
Durch wen wurde dieser Ansatz weiterentwickelt?
Warschauer Psychologe Jan STRELAU
Welche Temperamentseigenschaften unterscheidet man nach S TRELAU und wie
werden diese Eigenschaften definiert?
Ausmaß der Reaktivität: Verhältnis von Reaktionsstärke zu Reizintensität („Reizverarbeitungskoeffizient“, RVK).
„Aktivität“: Ausmaß, in dem ein Individuum eine Situation so reguliert, dass sein Bedürfnis nach Stimulation befriedigt
wird.
Welche Dimensionen umfasst das Pavlov Temperament Survey von STRELAU et al.
Und wie sind diese Persönlichkeitsmerkmale definiert?
• Stärke der Exzitation (SE): erforderliche Stärke der Stimulation (hohe SE = geringe Reaktivität!);
• Stärke der Inhibition (SI): Leichtigkeit, mit der konditionierte Hemmungen ausgebildet und erhalten werden;
• Mobilität nervlicher Prozesse (M): Fähigkeit, schnell auf Änderungen der Situation reagieren zu können;
Was besagt das Konstrukt „sensation seeking“ von Marvin ZUCKERMAN?
SS= Neigung, neue, verschiedenartige, komplexe und intensive Erfahrungen zu machen und dafür auch Risiken in Kauf zu
nehmen.
-> biologisch verankertes Bedürfnis nach einem bestimmten Maß an Stimulation, um bestimmten optimalen
„hedonischen Tonus“ zu erreichen. Dieser Tonus wie auch das erforderliche Maß an Stimulation sind interindividuell
verschieden.
Welche Faktorenstruktur vermutet man in Bezug auf dieses Konstrukt und mit
welchen anderen Persönlichkeitsmerkmalen kann man es in Verbindung bringen?
Wie ist seine theoretische und empirische Bewährung zu beurteilen?
• Thrill and Adventure Seeking (Bedürfnis nach Spannung und Abenteuer d. riskante Aktivitäten);
• Experience Seeking (Neigung, ungewöhnliche Erfahrungen zu machen);
• Disinhibition (Bedürfnis nach Enthemmung und Stimulation durch soziale Aktivitäten);
• Boredom Susceptibility (Intoleranz gegenüber Routinearbeiten und langweiligen Kontakten).
EYSENCKschen Persönlichkeitsfaktoren:
• Alle vier SS-Skalen: relativ hohe Korrelationen mit dem EYSENCKschen Psychotizismus-Faktor;
• Zwei Faktoren (TAS, Dis): deutliche Korrelationen mit dem Merkmal „Extraversion“.
• „Sensation seeking“ kann am stärksten mit „Impulsivität“ in Zusammenhang
Zwischen „sensation seeking“ und anderen Persönlichkeitsvariablen konnten zahlreiche Zusammenhänge
nachgewiesen werden
Nach welchem Kriterium unterscheidet C. R. CLONINGER zwischen Temperament und
Charakter?
„Temperament“ ist vorwiegend genetisch determiniert, „Charakter“ vorwiegend soziokulturell geprägt.
Können Sie Beispiele für Temperamentseigenschaften und Charaktermerkmalen im Sinne CLONINGERs angeben?
Temperamentseigenschaften: „novelty seeking“, „harm avoidance“
Charaktermerkmalen: „responsibility“, „coperativeness“, „empathy“
Welches Instrument hat er zur Messung der damit verbundenen
Merkmalsdimensionen entwickelt?
ein umfangreiches Selbstbeschreibungsinventar (Temperament and Character Inventory (TCI)
Was sind spezielle Merkmale des „Informationsverarbeitungsparadigmas“ in der
Persönlichkeitspsychologie?
psychische Prozesse = vor allem Informationsverarbeitungsprozesse. Versuch einer Erklärung individueller
Verhaltensunterschiede auf der Basis neurobiologischer Modelle. interindividuelle Unterschiede werden in Bezug auf
Verhaltenstendenzen primär auf Unterschiede in der Verarbeitung von Reizinformationen zurückgeführt.
Das informationsverarbeitende System weist zwar bei allen Menschen die gleiche grundlegende Architektur auf, es
gibt aber interindividuelle Unterschiede in Bezug auf folgende Parameter:
(1) anatomische Feinstruktur des Gehirns, (2) Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, (3) Wahrnehmungsund Aufmerksamkeitsschwellen, (4) deklaratives und prozedurales Wissen und (5) explizites und implizites
Wissen.
In welcher Weise unterscheiden sich neuere Modelle der Informationsverarbeitung
von klassischen Modellen?
Klassische Modelle: sequenzielle, computeranaloge Informationsverarbeitung.
Das ACT-Modell von ANDERSON (adaptive control of thoughts model; 1983/93): zusätzlich Aktivierung lokaler
Netzwerkbereiche, in denen deklaratives Wissen als propositionales Netzwerk repräsentiert ist.
Neuere konnektionistische Modelle: Informationsverarbeitung = Leistung des Gesamtsystems. Verarbeitung durch
Aktivierungsausbreitung entlang erregender und hemmender Verbindungen zwischen weit auseinander liegenden
Einheiten. Neuronale Netze = funktionale, nicht räumliche Aktivitätsmuster. Informationsverarbeitung wird dabei im
Wesentlichen durch unbewusste Prozesse geleistet.
Welche Prozesse der Informationsverarbeitung unterscheidet das Modell von S TRACK
und DEUTSCH (2004) und worauf werden in diesem Modell Persönlichkeitsunterschiede zurückgeführt?
- Impulsive Prozesse nutzen assoziative Strukturen und führen zu automatischen Verhaltensimpulsen (arbeitet ständig)
- Reflektive Prozesse führen zu rationaler Analyse und zu willentlichen, intendierten Handlungstendenzen (wird
phasenweise „zugeschaltet“)
laufen parallel ab.
Individuelle Unterschiede in Bezug auf Verhaltenstendenzen = individuelle Unterschiede in der
Beteiligung der beiden Systeme. Zusammenspiel bewusster und unbewusster Prozesse macht einen wesentlichen
Aspekt von „Persönlichkeit“ aus.
individuelles Wissen: wesentliche Determinante der Persönlichkeit, da Langzeitgedächtnis nahezu alle
Verarbeitungsprozesse beeinflusst.
Welche Möglichkeiten gibt es, um individuelle Unterschiede im deklarativen,
prozeduralen und impliziten Wissen zu erfassen?
Deklaratives Wissen: direkte Erfassung durch Wissensinventaren.
Prozedurales und implizites Wissen: indirekte Erfassung durch seinen Einfluss auf die Informationsverarbeitung:
insbesondere explizite und implizite Einstellungen. Einstellungsfragebögen können nur explizite Einstellungen messen,
(das, was von tatsächlich vorhandenen (impliziten) Einstellungen zum Ausdruck gebracht wird).
Explizite Einstellungen = Produkt aus impliziten Einstellungen und individuellen Antworttendenzen.
Implizite Einstellungen : Priming-Technik. Dabei wird aus Reaktionsverzögerungen auf die Wirksamkeit von impliziten
Einstellungen geschlossen, die mit dem jeweiligen Teststimulus unvereinbar sind.
Auf welchen Annahmen beruht der „Implizite Assoziationstest“ und wofür wird er
eingesetzt?
Zur Erfassung interindividueller Unterschiede in impliziten Einstellungen und Selbstkonzepten.
Er erfasst diese Konstrukte über die Assoziationsstärke zwischen Objektpaaren (zB. ich/andere) und Attributpaaren
(feig/tapfer).
Auf dem Bildschirm gezeigte Objekte oder Attribute durch Tastendruck bestimmten Kategorien und Kombinationen von
Kategorien möglichst rasch und fehlerfrei zuordnen. Es wird angenommen, dass die Reaktionszeit kürzer ist, wenn
individuell assoziierte Begriffe (zB. ich, schüchtern) derselben Taste zugeordnet sind.
Welche Vorteile bietet das Informationsverarbeitungsparadigma und welche Kritik
kann man daran anbringen?
Strategien der Informationsverarbeitung können kognitiv modelliert und mit individuellen Strategien verglichen werden.
-> individuelle Mängel im prozeduralen Wissen und fehlerhafte Lösungsstrategien identifizierbar.
ASENDORPF bewertet Informationsverarbeitungsansatz insgesamt positiv, kritisiert aber, dass Stabilität und
Konsistenz von Messungen der Lösungsqualität bei komplexen Problemlösungen oft sehr niedrig ist.
Was ist das Ziel des „neurowissenschaftlichen“ Paradigmas (ASENDORPF) in der
Persönlichkeitsforschung und welche Forschungsebenen schließt es ein?
versucht, Unterschiede im menschlichen Verhalten und Erleben neurowissenschaftlich zu beschreiben und zu erklären.
Erklärungsansätze: das Nervensystem selbst, Persönlichkeitskorrelate im Herz-Kreislauf-System, im hormonellen
System und im Immunsystem. Das (darüber hinaus gehende) „biologische Paradigma“ schließt dagegen auch die
Rückführung auf die genetische Ebene und auf evolutionäre Prozesse ein.
Können Sie Beispiele für Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und
interindividuellen Unterschieden auf der Ebene der Neurotransmitter angeben?
(1) Serotonin: Zusammenhänge mit Merkmalen wie Impulsivität, Aggressivität und Depressivität;
(2) Dopamin: Dämpfung depressiver Zustände; Zusammenhang mit Extraversion;
(3) Noradrenalin: unbefriedigende Beweislage; vermutlich Wechselwirkungen mit Serotonin- und Dopaminhaushalt
A.: einfache Zuordnung von Neurotransmittern und Hormonen zu bestimmten Funktionen nicht möglich, da diese
Substanzen an komplexen Regelkreisen beteiligt sind.
Welche Zusammenhänge konnte man zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem
endokrinen System (Hormonhaushalt) nachweisen?
(1) Cortisol: Anstieg als Indikator für Stressempfindlichkeit, aber auch für erfolgreiche Gegenreaktion; geringe Werte
bei Stressresistenz, aber auch bei Erschöpfung;
(2) Testosteron: komplexe Befundlage, aber grundsätzlicher Zusammenhang mit Aggressivität, Dominanz,
Extraversion;
(3) Katecholamine: Beziehung zu Ängstlichkeit; geringe Basiswerte bei Depressiven
A.: Verhalten und hormonelle Steuerung in Wechselwirkung zueinander. Die biologische Ausstattung daher keine
hinreichende kausale „Erklärung“ des Verhaltens.
Welche Zusammenhänge lassen sich zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der
Aktivität des Immunsystems nachweisen?
Immunologische Aktivierbarkeit negativ mit Neurotizismus korreliert.
Stärkere Emotionskontrolle mit erhöhter sympathischer Reagibilität und damit mit starken immunologischen Effekten
korreliert.
Zusammenhang zwischen immunologischer Reagibilität und Stresserleben, z.B. zwischen subjektiver Belastung und
Infektionsrisiko. Immunsystem steht in Wechselwirkung mit dem ZNS; starke lerngeschichtliche Komponente, nicht rein
genetisch fixiert.
Können Sie den Begriff des „biologischen Ich“ im Sinne von G. R. BURGIO erläutern?
Manche biologische Merkmale des Menschen sind individuell einzigartig oder (statistisch) quasi-einzigartig: zB. DNACode. Unverwechselbare Merkmale dienen zur Identifikation: Gebiss, Papillarlinien, Iris.
Giuseppe R. Burgio: „biologisches Ich“, setzte dieses insbesondere mit der individuellen immunologischen Ausstattung
und darauf aufbauenden biologischen „Lernprozessen“ in Verbindung.
Welche Kategorien biopsychologischer (somatischer) Individualität kann man nach
FAHRENBERG unterscheiden?
(1) morphologisch-anatomische Identität: äußere und innere Morphologie;
(2) physiologisch-adaptive Identität: kardiovasculäre Regulationen, hormonale Steuerung (diesen Bereich untersucht
die differenzielle Psychophysiologie);
(3) biochemisch-immunologische Identität: Frage nach der „individuellen Körperchemie“
Was ist die Aufgabenstellung der „differenziellen Psychophysiologie“?
Die explizit inter-individuelle Unterschiede in Bezug auf psychophysiologische Abläufe, Reaktionen und
Reaktionsbereitschaften zu beschreiben und theoretisch zu erklären. Primär Korrelationsforschung, die
Zusammenhänge von psychologischen und physiologischen Merkmalen beschreiben will.
Wie ist das „neurowissenschaftliche“ Paradigma nach ASENDORPF zu bewerten?
Paradigma „noch weit davon entfernt, das inhaltliche Verständnis von Persönlichkeitseigenschaften wesentlich zu
verbessern“. Persönlichkeit hat mit individuellem Bewusstsein zu tun. Dieses ist eine „emergente“ Eigenschaft des
Nervensystems, die sich nicht ausschließlich physiologisch erklären lässt. Trotz der Fortschritte der Neurowissenschaften ist das Verständnis neuronaler und hormoneller Systeme noch zu bruchstückhaft, um deren
interindividuelle Variation zu erklären.
Was ist die Aufgabe der Verhaltensgenetik insgesamt und womit beschäftigen sich
im Speziellen die quantitative und die molekulare Verhaltensgenetik?
Genetische Determinanten psychologischer Merkmale Für die Differenzielle Psychologie : genetischen Determinanten
individueller Unterschiede von Interesse.
Die quantitative Verhaltensgenetik führt individuelle Differenzen in Verhaltensmerkmalen (dh. die phänotypische
Varianz) auf genetische und Umwelteinflüsse zurück und schätzt deren relative Bedeutung am Zustandekommen der
beobachteten Unterschiede.
Die molekulare Verhaltensgenetik versucht, spezifische Gene zu identifizieren, die den genetischen Einflüssen
zu Grunde liegen.
Was bedeuten die Begriffe „Gen“ und „Allel“? Sind genetisch bedingte
Persönlichkeitsunterschiede auf Unterschiede in der Genstruktur oder im Allelmuster
zurückzuführen?
„Gene“ = lokale Abschnitte der Erbinformation, die für die Steuerung bestimmter Funktionen verantwortlich sind. Das
menschliche Genom besteht aus der Gesamtheit der DNA, d.h. aus ca. 30.000–40.000 Genen. In Bezug auf diese
Genstruktur unterscheiden sich Menschen untereinander und von höheren Säugetiere nur unwesentlich.
Allel: unterschiedliche Varianten von Genen. In Bezug auf das Allelmuster unterscheiden sich Menschen erheblich
voneinander, und diese Unterschiede bestimmen auch den genetisch bedingten Varianzanteil der phänotypischen
Varianz.
Derartige genetische Unterschiede können eine Voraussetzung für Persönlichkeitsunterschiede bilden, determinieren
aber die Entwicklung nie vollständig.
Was bedeuten die Begriffe „Genotyp“ und „Phänotyp“?
Genotyp eines Organismus = seine exakte genetische Ausstattung, also den individuellen Satz von Genen, den er im
Zellkern in sich trägt (dh. das individuele Allelmuster).
Phänotyp = die tatsächliche Erscheinung eines Individuums, dh. seine körperlichen Merkmale. Auch Individuen
identischen Genotyps unterscheiden sich gewöhnlich in ihrem Phänotyp. Verantwortlich dafür sind „epigenetische
Mechanismen“, d.h. identische Gene können in verschiedenen Individuen verschieden „exprimiert“ werden.
Welche methodischen Vorgangsweisen gibt es, um Merkmalsvariationen in genetisch
bedingte und umweltbedingte Varianzanteile aufzuschlüsseln?
Zwillingsstudien: eineiige Zwillinge (EZ) stimmen in ihren Erbanlagen zu 100% überein, zweieiige Zwillinge (ZZ)
dagegen im Durchschnitt nur zu 50%.
Umweltbedingte Varianz von Merkmalen bei EZ und ZZ annähernd gleich groß, wenn sie gemeinsam aufwachsen.
-> Unterschied der Korrelation von Merkmalen bei EZ und bei ZZ -> Schluss auf genetisch bedingten Varianzanteil.
Adoptionsstudien
In welcher Größenordnung liegt der geschätzte genetisch bedingte Varianzanteil von
Intelligenz und „Big Five“-Variablen in Zwillingsstudien und in Adoptionsstudien?
genetisch bedingte und umweltbedingte Varianzanteile etwa gleich stark: Der genetische Einfluss erklärt im Mittel 45%
der Merkmalsvarianz; Umwelteinflüsse erklären etwa 40%, der Rest entfällt auf die Fehlervarianz.
Erhebliche umweltbedingte als auch eine erhebliche genetisch bedingte Varianz von Persönlichkeitseigenschaften
(einschließlich der Intelligenz) zu.
Der genetisch bedingte Varianzanteil ist allerdings bei Intelligenz und Bildungsfaktoren etwas höher als bei den
meisten „Big Five“-Faktoren.
Worauf beruhen Persönlichkeitsunterschiede aus der Sicht des evolutionspsychologischen Paradigmas?
Evolutionsprozess formt „nicht nur die arttypischen Merkmale, sondern auch die Variationsbreite diese Merkmale“. Die
Evolutionstheorie nimmt an, dass sich das menschliche Erleben und Verhalten als Resultat der genetischen
Anpassung an die jeweils vorherrschenden Lebensbedingungen erklären lassen.
Mechanismen: natürlichen Auslese, fitness, Intra- und intersexuelle Selektion
Wie kann man auf der Basis evolutionstheoretischer Überlegung das
Persönlichkeitsmerkmal „Altruismus“ erklären?
Inclusive Fitness: HAMILTON (1964) postulierte, dass der Reproduktionserfolg der eigenen Gene indirekt auch durch
den Reproduktionserfolg genetisch nahe Verwandter gefördert wird („inclusive fitness“). Opfert man sich z.B. für
mehrere Geschwister auf, so ist die Wahrscheinlichkeit für das Überleben eigener Genkomponenten höher als die
durch die eigene „Fitness“ bedingte. Man hat daher versucht, die evolutionäre Entwicklung von altruistischen
Verhaltensweisen auf dieser Basis zu erklären.
Wie lautet die evolutionspsychologische Erklärung der „Big Five“-Faktoren von BUSS?
„Anpassung“: kennzeichnet biologische Strukturen, Prozesse oder Verhaltensweisen, die es den Individuen einer Art
ermöglichen, unter wechselnden Umweltbedingungen zu überleben. BUSS: Leben in sozialen Gruppen arttypisch für
den Menschen, da Überlebensvorteil für die Spezies. Individuelle Eigenschaften, die dem sozialen Zusammenhalt
förderlich sind, stellen daher positive Adaptionen dar. Nach LARSEN und BUSS spiegeln auch die „Big Five“ generell
Dimensionen von Anpassungsfähigkeit wider.
Welche Verhaltensbereiche beruhen nach LARSEN und BUSS (2008) vermutlich auf
evolvierten psychologischen Mechanismen?
(1) Bedürfnis nach Zugehörigkeit;
(2) helfendes Verhalten und Altruismus;
(3) Emotion und Emotionsausdruck sowie
(4) Geschlechtsunterschiede im Verhalten (zB. Aggression, Eifersucht, Bereitschaft zum Partnerwechsel,
Partnerpräferenzen).
Wie beurteilt ASENDORPF (2007) die empirische Bewährung des evolutionspsychologischen Ansatzes in der Persönlichkeitsforschung?
Evolutionspsychologische Persönlichkeitsforschung noch zu jung, um ihre empirische Bewährung einschätzen zu
können. Die Frage nach dem ultimaten Nutzen von Persönlichkeitsvarianten stellt aber eine neue Herausforderung an
persönlichkeitspsychologische Konstrukte dar. Problem: schlechte empirische Testbarkeit evolutionspsychologischer
Annahmen und Gefahr von Scheinerklärungen.
6.
Die „psychodynamisch- motivationale“ Analyseebene
Was sind die Kernannahmen des psychoanalytischen (psychodynamischen)
Paradigmas und durch welche Merkmale ist das Menschenbild der FREUDschen
Psychoanalyse bestimmt?
unbewusste (bzw. vorbewusste) Anteile der Persönlichkeit
Verhalten durch unbewusste Antriebe gesteuert
(1) Der Mensch = Energiesystem, dem begrenzte Menge an psychischer Energie zur Verfügung steht.
(2) Psychische Energie des Menschen („Libido“) stammt aus dem angeborenen Sexualtrieb. (Später antagonistischer
Todes- bzw. Aggressionstrieb)
(3) Alles Verhalten ist durch Triebimpulse determiniert.
(4) Allem Verhalten liegt eine Tendenz zu Lustgewinn durch Spannungsreduktion zugrunde („Lustprinzip“).
Was besagt das „topographische Modell“ der Persönlichkeit nach FREUD?
Ebenen des Bewussten, des Vorbewussten und des Unbewussten; verknüpft mit Strukturmodell
Was besagt das „Strukturmodell“ der Persönlichkeit nach FREUD?
Es, Ich und Über-Ich als psychische „Instanzen“. In unterschiedlichem Ausmaß in der bewussten, vorbewussten und
unbewussten Region der Psyche lokalisiert.
Welche Rolle spielen die Abwehrmechanismen in der Persönlichkeitsdynamik?
Die „Dynamik“ des personalen Geschehens: vor allem die Notwendigkeit, Triebansprüche & äußere Einflüsse, die mit
Realitätsprinzip des Ich und den Forderungen des Über-Ich unvereinbar sind, abzuwehren.
Das Konzept der Abwehrmechanismen: weitere zentrale Kernannahme. Als wichtigster Abwehrmechanismus ist die
Verdrängung anzusehen.
In welcher Weise wirken die psychosexuellen Entwicklungsstufen nach F REUD
charakterbildend?
psychosexuelle Entwicklung
Phasen: orale, anale, phallische, Latenz- und genitale Phase;
Weiterwirken der (in diesen Phasen vorherrschenden) Form der Triebbefriedigung kann durch „Fixierung“ den
Charakter der Persönlichkeit bestimmen.
Inwiefern unterscheiden sich neuere psychoanalytische Persönlichkeitskonzepte vom
klassischen Modell FREUDS?
„neoanalytischen Konzepte“: Persönlichkeit als nicht mehr so sehr durch frühkindliche Einflüsse
und psychosexuelle Entwicklung bestimmt, sondern stärkeres Gewicht auf soziokulturelle Einflüsse der späteren
Lebensentwicklung.
 eigenständige Entwicklung des Ich gegenüber der Determination durch das Es und die Instinkte
Wodurch sind die persönlichkeitspsychologischen Konzepte von Alfred A DLER und C.
G. JUNG charakterisiert?
ADLER: Erlebnis der Unterlegenheit gegenüber den Erwachsenen beim Kind führt zu tiefgreifendem Gefühl der
Minderwertigkeit.
 Kompensation bzw. Überkompensation dieses Minderwertigkeitsgefühls = zentrales Motiv der
Persönlichkeitsbildung; individuelle Kompensationsdynamik prägt individuellen Lebensstil.
 Sinnvolle Anpassung an die Lebensrealität oder Fehlanpassung -> „integrierter“ oder ein „neurotischer“
Lebensstil.
Mensche als soziales Wesen, das durch kulturelle Einflüsse und persönliche Beziehungen stärker beeinflusst wird als
durch sexuelle Instinkte.
Ich nicht als „Instanz“, sondern als der Pers. Ziel gebendes Prinzip; die Analyse psychische Störungen: nicht nur eine
kausale, sondern auch eine finale Betrachtungsweise.
Stellung in der Geschwisterreihe einen Einfluss auf die Persönlichkeit. (Diese Theorie wird durch empirische Befunde
nur teilweise gestützt)
JUNG: neben einem persönlichen Unbewussten auch ein „kollektives Unbewusstes“.
Das Konzept der beiden „Einstellungsformen“: „introvertiert“ und „extravertiert“ und Verbindung dieser mit vier
„Grundfunktionen“ Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren zu einer acht Typen umfassenden Typologie
In welcher Weise hat Erik ERIKSON FREUDs Modell der Persönlichkeitsentwicklung
erweitert?
psychosoziale Entwicklung (und nicht primär psychosexuelle). Er ordnete den FREUDschen Phasen Stufen der
Identitätsentwicklung zu
Was sind die wesentlichen Merkmale der Persönlichkeitstheorie von Henry M URRAY
und welches spezifische Testverfahren hat er im Rahmen dieser Theorie entwickelt?
Persönlichkeit als System von „needs“ und „presses“;
Persönlichkeit: einerseits Struktur (-> FREUDsche Strukturtheorie), andererseits Prozess, was eine
entwicklungsunabhängige Diagnostik unmöglich macht; Basis einer Persönlichkeitsinterpretation ist immer der
Lebenslauf.
Als Analyseinstrument dafür entwickelte er den Thematischer Apperzeptionstest (TAT), ein projektives Verfahren.
Welche speziellen Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung werden von den
„Objektbeziehungstheorien“ in besonderer Weise betont, und wer waren die
bedeutendsten Theoretiker dieses Ansatzes?
-> die Entwicklung des Selbstbildes, des Selbstwertgefühls und der „frühen Objektbeziehungen“.
späterer Charakter und spätere soziale Beziehungsfähigkeit zurückgeführt auf Internalisierung dieser frühen Objektbez.
Otto KERNBERG und Heinz KOHUT
Wie ist die empirische Bewährung der psychoanalytischen Persönlichkeitstheorien zu
beurteilen?
ASENDORPF: Tragfähigkeit des psychoanalytischen Paradigmas kritisch.
FREUDs Annahmen: entweder „empirisch nicht prüfbar“ in Bezug auf zentrale Annahmen widerlegt.
Zentrales Erklärungsmodell: frühkindliche Erlebnisse. kaum verlässliche Nachweise zu erwarten.
Psychoanalytische Methodik: „selbsterfüllende Vorhersagen“, übt suggestive Wirkung aus.
Einzelne Konzepte des psychoanalytischen Paradigmas (unbewusste Motive, Abwehrmechanismen, frühe
Objektbeziehungen) hätten sich aber als fruchtbar erwiesen, wenn sie prüfbar operationalisiert wurden
7.
Das „behavioristische“ Paradigma
Was sind die Kernannahmen des behavioristischen (lerntheoretischen) Paradigmas?
„Individualität“ nicht Ausdruck von „Persönlichkeit“, sondern Ergebnis unterschiedlicher Lernprozesse, durch die
unterschiedliche habits, dh. Verhaltensbereitschaften, aufgebaut werden.
Persönlichkeit nicht durch „traits“, sondern durch Anpassung an die Umwelt geprägt,
Verhalten kann aus Situationsmerkmalen besser vorhergesagt werden als aus hypothetischen
Persönlichkeitseigenschaften.
Können Sie Beispiele für lerntheoretische Persönlichkeitsmodelle nennen?
- Grundlagen der Lerntheorie: Ivan P. PAVLOV: stabile Reiz- Reaktionbeziehungen auch durch Lernprozesse
- Begründer des Behaviorismus, J. B. WATSON: Persönlichkeitsentwicklung durch Lernprogramme so stark zu
beeinflussen, dass aus jedem „gesunden“ Kind jeder beliebige Charakter „erzeugt“ werden könnte
- Ansatz von John DOLLARD und Neal E. MILLER
- Persönlichkeitsmodell von B. F. SKINNER
Inwiefern baut der Ansatz von DOLLARD und MILLER auf dem psychoanalytischen
Modell auf und in welcher Weise hat er dessen Begriffssystem neu interpretiert? Wie
werden etwa neurotische Ängste in diesem Modell interpretiert?
Übertragung psychoanalytische Konzepte wie „Triebe“, oder „Schlüsselreize“ in Konzepte der modernen
Laborpsychologie.
-> angeborene Triebe Motivationsgrundlage menschlichen Verhaltens, interpretierten die individuelle Entwicklung
lerntheoretisch:
Verhaltensunterschiede durch individuelle Lernerfahrungen in Bezug auf Triebreduktion und Verstärkungserfahrungen.
Die vier zentralen Konzepte: Triebe (Motivation), Schlüsselreize (Wahrnehmung); Reaktionen (Handlungen oder
Gedanken) und Verstärkung (Handlungserfolg).
Neurotische Ängste: „erlernte Triebe“, die durch den Widerspruch zwischen primären (z.B. sexuellen) Antrieben und
erlernten Hemmungstendenzen entstehen;
„Verdrängung“ = erlernte Denkhemmung, die mit bestimmten Gedanken verbundene Ängste verhindern soll.
Neurotische Symptome durch die damit verbundene Angstreduktion verstärkt;
-> durch sie bedingten mangelhaften Realitätsanpassung -> auf längere Sicht neue Konflikte, Ängste und
Schuldgefühle.
Wie erklärt der lerntheoretische Ansatz von SKINNER Persönlichkeitsunterschiede?
„Persönlichkeit“ als „organisiertes System von Verhaltensweisen“, die von vorangegangenen Lernerfahrungen
abhängig sind.
Auftrittswahrscheinlichkeit wird durch (positive oder negative) Verstärkung beeinflusst. Unterschiede im Verhalten von
Personen werden also zurückgeführt auf (1) Unterschiede in der genetischen Ausstattung,
(2) Unterschiede in der individuellen Lerngeschichte und
(3) Unterschiede in den aktuell wirksamen situativen Bedingungen
Wie ist die empirische Bewährung des lerntheoretischen Ansatzes zu beurteilen?
Von ASENDORPF kritisch beurteilt. Versuche, die individuelle Lerngeschichte zu rekonstruieren, hätten sich als
methodisch nahezu undurchführbar erwiesen und viele Lerneffekte als wenig stabil.
Zentrale Annahmen haben sich als falsch erwiesen, etwa die Vernachlässigung der genetischen Anlagen und der
generalisierte, situationsunspezifische Lernbegriff.
In welcher Weise wurde der behavioristische Ansatz weiterentwickelt?
„Kognitive Wende“: theoretischen Grundlagen des Behaviorismus weitgehend in Frage gestellt.
Zahlreiche Forscher, durch den lerntheoretischen Ansatz angeregt, scheiterten empirisch an den Widersprüchen eines
reinen Reiz- Reaktions- Ansatzes.
Sozieler Charakter von Lernsituationen: Stärkere Berücksichtigung mentaler Prozesse -> Synthese zwischen
lerntheoretischer und kognitiver Betrachtungsweise -> neue, sozial-kognitive Analyseebene.
8.
Die „phänomenologisch-humanistische“ Analyseebene
Was kennzeichnet Persönlichkeitsmodelle, die auf der „phänomenologischen“ Analyseebene ansetzen, und welchen historischen Wurzeln entspringen sie?
unmittelbare individuelle Erfahrungswelt und die individuellen Konstrukte sowie deren Streben nach Selbstentfaltung
und Selbstverwirklichung
„die bewusste, unmittelbare Erfahrung, wie sie von einem Individuum erlebt wird“, im Mittelpunkt.
-> Es geht nicht um abgeleitete Konstrukte wie „Eigenschaften“ oder dahinter stehende „Triebe“ oder „Motive“,
sondern um existenzielle Erfahrung.
Kernannahmen (nach Rammsayer, 2006):
- Jedes Individuum nimmt die Realität auf seine ganz persönliche Art und Weise wahr und damit auch anders
als seine Mitmenschen.
- Diese subjektive Wahrnehmung und Interpretation der Realität beeinflusst das Denken und Handeln des Individuums.
- Das Erleben und Verhalten einer anderen Person kann man nur dann wirklich verstehen, wenn man die Welt
durch deren „Brille“ sieht.
- Daher kann jeglicher Zugang zur Realität nur über subjektive Wahrnehmungen erfolgen.
phänomenologisch- humanistischen Persönlichkeitspsychologie:
- Phänomenologie, die sich als Wissenschaft von den „unmittelbaren Gegebenheiten des menschlichen
Bewusstseins“ versteht
- Strömungen wie dem Existenzialismus (Philosophie der menschlichen Existenz)
„Humanistischen Wende“, die sich um die Mitte des 20. Jhdts. als „Dritter Weg“ des Selbst- und
Gegenstandsverständnisses der Psychologie in Abgrenzung von Psychoanalyse und Behaviorismus entwickelt.
- Alfred ADLER und seine Individualpsychologie
- Methode wurzelt in der „deskriptiven Psychologie“ Franz BRENTANOs
Was ist das Ziel der phänomenologischen Methode?
vorurteilsfreie Beschreibung dessen, was sich im Bewusstsein zeigt. „Vorurteilsfrei“ bedeutet dabei, sich von speziellen
Sichtweisen zu lösen, die die Anwendung bestimmter Theorien oder die Verwendung von durch diese Theorie
geprägten Begriffen mit sich bringt
Aus welchem Grund sollte man die auf der „phänomenologisch-humanistischen“
Analyseebene (nach MISCHEL) beruhenden Theorien eher als „subjektzentrierte“
Ansätze bezeichnen statt als „phänomenologische“?
„Phänomenologie“ bedeutet wörtlich „Lehre von den Erscheinungen“. Dersubjetktve Blickwinkel spielt ene
übergeordnete Rolle.
Was kennzeichnet das Menschenbild des „existenzialistischen“ Ansatzes in der
Persönlichkeitspsychologie und welche Forscherpersönlichkeiten kann man diesem
Ansatz zuordnen?
betont das Selbstverwirklichungspotenzial des Menschen.
-> Tradition des philosophischen Existenzialismus (KIERKEGAARD, HEIDEGGER, SARTRE, CAMUS
-> klinisch-psychologische Tradition der „Existenzanalyse“ (BINSWANGER, BOSS).
Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Mensch
- auf seine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, angewiesen ist,
- fähig ist, sein Leben in freier Entscheidung selbst zu gestalten,
- für seine Entscheidungen verantwortlich ist und die Folgen dieser Entscheidungen zu tragen hat.
SARTRE und CAMUS: Betonen die Verantwortung des Menschen für sein eigenes Schicksal auch
angesichts der Absurdität des menschlichen Daseins.
Was unterscheidet das Menschenbild der „Humanistischen Psychologie“ von dem
der damals vorherrschenden Strömungen in der Psychologie und gegen welche
Ansätze richtete es sich vor allem?
1960er Jahren: die „Humanistische Psychologie“ als „Dritte Kraft“ gegenüber der Psychoanalyse und der
behavioristischen Verhaltenstherapie.
-> Eigenverantwortlichkeit der Persönlichkeit im Gegensatz zum Denken in „Triebschicksalen“ und gegen das
„Reparaturdenken“ der lerntheoretischen Verfahren.
Wichtige VertreterInnen: Charlotte BÜHLER, Abraham MASLOW und Carl R. ROGERS.
Was versteht Gordon ALLPORT unter der „funktionellen Autonomie“ des Menschen
und weshalb rückt ihn dies in die Nähe „phänomenologischer“ bzw.
„existenzialistischer“ Theorien der menschlichen Persönlichkeit?
„funktionelle Autonomie“: Der Mensch ist nicht „Gefangener“ seiner Triebanlagen, sondern hat die Möglichkeit, seine
Motivationen selbstgestaltend zu verändern.
-> Selbstbestimmtheit
Auf welchen Grundgedanken beruht der humanistische Ansatz von Erich FROMM?
„Dialektischen Humanismus“: Die Dialektik besteht in der Überwindung der inneren (Triebe) und äußeren
Determination (Gesellschaft) des Menschen durch Stärkung der bewussten und kreativen Persönlichkeit.
Was kennzeichnet den persönlichkeitstheoretischen Ansatz von Carl ROGERS und
worin besteht die phänomenologische Orientierung dieses Ansatzes?
Ausgangspunkt: konkreten Ängste, Hoffnungen, Gefühle und Leidenschaften, denen er in der therapeutischen Praxis
begegnete.
Wissenschaft = Umsetzung subjektiver Erfahrungen in objektive, überprüfbare Gesetzmäßigkeiten.
Die Subjektivität der Erfahrung -> „phänomenales Feld“. Darunter verstand er die Art und Weise, wie das Individuum
seine Umwelt wahrnimmt und erlebt.
Persönlichkeit werden verbunden mit Entwicklung von Authentizität: Selbsterleben und Verhalten mit rationalen
Selbstkonzept im Einklang.
Der Mensch von Natur aus motiviert und darauf angelegt, neue Erfahrungen zu machen und angeborenes seelisches
Wachstumspotenzial zu realisieren.
ROGERS unterschied zwischen subjektivem (eigene Person) und objektivem Wissen (die Beobachtung Anderer).
-> Wissens ergänzt durch interpersonales Wissen = „phänomenologisches Wissen“, mit dem wir uns auf
empathische Weise in die Wahrnehmungswelt anderer Menschen zu versetzen suchen. = nicht nur eine allgemeine
menschliche Fähigkeit, sondern auch wichtige Methode der wissenschaftlichen Psychologie.
Zentrales Konstrukt = das Selbst: Das Selbst-Konzept repräsentiert eigene Person, Umwelt und soziale Bezüge.
Das Selbst umfasst das reale Selbst und ein ideales Selbst (Selbstideal).
Zur Messung des Selbstkonzepts wie auch des Idealselbst : Q- Sort- Technik, semantische Differenziale.
Wodurch entstehen nach Auffassung von ROGERS psychische Störungen und was ist
daher nach seiner Auffassung das primäre Ziel von Psychotherapie?
Weiteres zentrales Konstrukt: Selbstkonsistenz bzw. Kongruenz der Persönlichkeit: Wenn Selbstkonzept und
Selbstwahrnehmung einer Person in Widerspruch (Inkongruenz) geraten, kommt es zu psychischen Störungen.
Die „klientenzentrierte Therapie“: zentrale Aufgabe von Psychotherapie, die ursprüngliche Kongruenz der
Persönlichkeit wieder herzustellen.
Welche Grundgedanken vertritt Abraham MASLOW in seiner Persönlichkeitstheorie?
Mensch verfügt über grundlegendes Potenzial zur Selbstverwirklichung.
Psychische Störungen resultieren nach seiner Auffassung aus der Frustration des Bedürfnisses nach
Selbstverwirklichung durch gesellschaftliche Restriktionen. Wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel: den Menschen
mehr Möglichkeiten zu geben, ihre Bedürfnisse zu äußern und ihre persönlichen Ziele zu verfolgen.
Hierarchie menschlicher Bedürfnisse: 1. elementare biologische Bedürfnisse, 2. Sicherheit, 3. Zugehörigkeit und Liebe,
4. Achtung und Anerkennung, 5. Selbstverwirklichung.
Bedürfnisse sind angeboren, aber Bedürfnisse einer höheren Stufe können sich erst entwickeln, wenn die darunter
liegenden Bedürfnisse befriedigt sind. -> Höhere Bedürfnisse erst im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung.
Was kennzeichnet den Ansatz der „Positiven Psychologie“ und welche Autoren sind
diesem Ansatz zuzurechnen?
Die Bewegung der „Positiven Psychologie“: Idee von Martin SELIGMAN, die Aufgabe der
Psychotherapie weniger in der Beseitigung negativer Zustände als vielmehr in der Verstärkung positiver
Eigenschaften von Menschen.
Sie richtet ihr Augenmerk daher stärker auf die individuellen Fähigkeiten, die Stärken der eigenen Persönlichkeit zu
erkennen und zu verstärken.
Ähnliche Auffassung: Mihály CSIKSZENTMIHÁLYI, Übereinstimmung von wahrgenommenen eigenen Fähigkeiten und
Anforderungen der Umwelt führt zu spezifischen Glückserlebnissen („Flow-Effekt“).
Worin besteht der Beitrag von Karl JASPERS zur phänomenologischen
Persönlichkeitstheorie?
In der Psychopathologie und Psychiatrie:
Der Philosoph und Psychiater Karl JASPERS entwickelte die phänomenologische Beschreibung als Methode der
Psychopathologie.
„Persönlichkeit“ als „das individuell verschiedene und charakteristische Ganze der verständlichen Zusammenhänge
des Seelenlebens“.
Auch detaillierte phänomenologische Beschreibungen von Persönlichkeitsveränderungen im Zuge
psychopathologischer Prozesse.
Was versteht Ludwig BINSWANGER unter der „psychologischen Person“ und wodurch
unterscheidet sich das daseinsanalytische Person-Konzept von jenem der
Psychoanalyse?
Theoretischen Grundlagen der „Daseinsanalyse“: sucht psychopathologische Phänomene nicht ätiologisch
(ursachenorientiert) zu erklären, sondern durch phänomenologische Erfassung des immanenten existentiellen
Sinngehalts der Erkrankung.
Sie wendet sich vom deterministischen Konzept FREUDs ab und betont den Freiheitsraum, der dem
Menschen bei seinen subjektiven Weltentwürfen offen steht.
Begriff der „psychologischen Person“: die Person, so wie sie sich als „anschauliche Wirklichkeit“ in der alltäglichen
Lebenswelt wie auch in ihren krankhaften Entwicklungen in der psychiatrischen Praxis darbietet.
Die „psychologische Person“ ist ebenso wenig wie das Gehirn ‚die Seele’ und daher weder durch
naturwissenschaftliche Darstellung der Lebensfunktionen noch durch geisteswissenschaftliche Betrachtung vollständig
erfassbar. Der Zugang zur Individualität führt über die phänomenologische Beschreibung.
9.
Die kognitive bzw. sozial-kognitive Analyseebene
Was versteht man unter „Feldabhängigkeit“ bzw. „Feldunabhängigkeit“? Mit welchen
Testverfahren wurde diese Dimension gemessen?
„Feldabhängige“ werden in ihrer Wahrnehmung stärker vom Kontext beeinflusst (hohe Abhängigkeit von externen
Bezugssystemen; geht einerseits oft mit einer geringen psychischen Differenziertheit, andererseits mit hoher sozialer
Kompetenz einher);
„Feldunabhängige“ urteilen stärker analytisch, sind weniger beeinflussbar und besitzen eine höhere Fähigkeit zur
kognitiven Umstrukturierung. Heute sieht man das Konstrukt „Feldabhängigkeit“ als kognitive Stildimension an.
(sehr aufwendige) „Tilting Room Tilting Chair“- Technik,
„Rod and Frame“-Technik (kontextabhängige Beurteilung von senkrechten Linien im Dunkelraum)
Embedded-Figures-Test (EFP) misst die Fähigkeit, wesentliche von unwesentlichen Reizen zu differenzieren
bzw. bei der Informationsverarbeitung entweder analytisch oder global vorzugehen
Wer hat den Embedded-Figures-Test entwickelt und auf welchen älteren
Theorieansatz geht dieses Verfahren zurück?
Er geht auf die von dem Gestaltpsychologen Kurt GOTTSCHALDT (1926) entwickelten Wahrnehmungsaufgaben
zurück und wurde 1950 von Herman A. WITKIN entwickelt.
Welche empirischen Befunde gibt es zum Zusammenhang von
„Feldabhängigkeit“ bzw. „Feldunabhängigkeit“ mit Leistungsmerkmalen?
- Bei Feldabhängigen ist die Behaltensleistung sehr viel stärker von Kontextmerkmalen bei der Informationsaufnahme
abhängig als bei Feldunabhängigen.
- Feldunabhängige nutzen Lern- und Gedächtnisstrategien flexibler als Feldabhängige.
- Feldunabhängige nutzen beim Textlernen textrelevantes Vorwissen wesentlich erfolgreicher als Feldabhängige;
der Effekt verschwindet aber bei statistischer Kontrolle der verbalen Intelligenz. Es liegt daher der Schluss
nahe, dass „Feldabhängigkeit“ „eher intelligenzverwandte Fähigkeiten als individuelle Präferenzen der
Informationsverarbeitung repräsentiert“
Wie beurteilt man in der neueren Literatur den Stellenwert des Konstrukts
„Feldabhängigkeit / Feldunabhängigkeit“?
TIEDEMANN (1995): hohe Attraktivität der Dimension „Feldabhängigkeit“ vor allem begründet „auf der
gelungenen Kombination eines viel versprechenden Konzepts in Form einer persönlichkeits- und
entwicklungsbezogenen Prozessdimension in Verbindung mit einer zuverlässigen, effektstarken Operationalisierung in
Form des EFT“. Gerade der Prozess der Lösungsfindung im EFT sei aber bislang nicht eindeutig geklärt.
AMELANG, BARTUSSEK, STEMMLER und HAGEMANN (2006) sprechen der Dimension vor allem „heuristischen
Wert“ zu, meinen aber, es handle sich bei „Feldabhängigkeit“ nicht um eine neue Persönlichkeitsdimension, sondern
um neue Operationalisierungen bekannter Intelligenz- und Verhaltensdimensionen.
Was versteht man unter „kognitiven Stilen“? Können Sie Beispiele dafür angeben?
Individuelle Unterschiede in der Art der Informationsverarbeitung.
MESSICK: enge Verflechtung von kognitiven Stilen mit affektiven, temperamentsbezogenen und motivationalen
Aspekten der Persönlichkeitsstruktur.
-> Bipolare Merkmalsdimensionen bzw. Präferenzen, die auf verschiedene Möglichkeiten verweisen, den
Informationsverarbeitungsprozess zu organisieren und zu kontrollieren, z.B. cognitive complexity vs. simplicity, field
independence vs. dependence, leveling vs. sharpening, scanning vs. focussing oder converging vs. diverging.
Was versteht man unter der kognitiven Stildimension „Reflexivität vs. Impulsivität“?
Mit welcher Methode kann diese Dimension gemessen werden und welche Probleme
sind mit diesem Messverfahren verbunden?
Ausmaß, in dem Personen angesichts von Unsicherheit bei der Lösung von Aufgaben mögliche Lösungen reflektieren.
Messmethode: Matching- Familiar-Figures-Test (MFFT). -> bildliche Darstellungen identifizieren,
die einer Vorlage genau entsprechen. „Impulsivität“ -> geringe Latenzzeit bei hohem Fehler-Score,
„Reflexivität“ -> hohe Latenzzeit bei niedrigem Fehler-Score.
Das Ausmaß der Impulsivität sinkt im Laufe des Kindes- und Jugendalters ab.
Probleme: geringe Retest-Reliabilität (Typus-Wechsel bei Messwiederholung möglich); mangelhafte Konstruktvalidität:
Typen sind nicht komplementär (schnell+richtig; langsam+ fehlerhaft ist möglich, kann aber nicht zugeordnet werden);
Hohe Kovariation mit Intelligenzbefunden; daher Frage nach der Unabhängigkeit des Konstrukts.
Von welchen Grundannahmen geht der persönlichkeitspsychologische Ansatz von
George KELLY aus?
Denken der kognitiven Wende: erforschen, wie die Person Erfahrungen auf ihren eigenen Dimensionen einordnet.
Er wollte daher Persönlichkeit durch ihre eigenen mentalen Konstrukte beschreiben, durch die sie ihren Alltag
strukturiert und bewältigt
„konstruktiven Alternativismus“: Wissenschaftler wie alle Menschen verschieden -> mehrere alternative Theorien von
„Persönlichkeit“. „Messbarkeit“ darf nicht das vorherrschende Methodenideal sein -> gegen die Eigenschaftstheoretiker.
Persönlichkeitspsychologie muss sich auf klinische Erfahrung stützen und auch in der Lage sein, gesellschaftliche
Probleme zu erklären und zu ihrer Lösung beizutragen. Mit POPPER teilte er die Auffassung, dass sich Theorie nie als
endgültig, betrachten dürften, sondern die Möglichkeit ihrer Modifikation oder Widerlegung einschließen müssten.
Theoretische Sichtweise der menschlichen Person: Menschen gehen in ihrem Alltagsverständnis nicht anders vor als
Wissenschaftler: Bilden auf Grund ihrer Erfahrungen Hypothesen und prüfen diese, um neue Erfahrung zu gewinnen.
 individuelle, überdauernde Annahmen über die Wirklichkeit: die persönlichen Konstrukte.
Jede Person kann durch ihre persönlichen Konstrukte charakterisiert werden, sogar besser als durch ihre quantitative
Ausprägung auf generalisierten Eigenschaften.
Das „Grundpostulat“ von KELLY lautet: „A person‘s processes are psychologically channelized by the ways in
which he anticipates events“. Daraus leitete KELLY eine Reihe von Folgesätzen (corollaries) ab.
Mit welchem Verfahren misst man „personale Konstrukte“ im Sinne KELLYs? Können
Sie die grundsätzliche Vorgangsweise bei diesem Verfahren darstellen?
„Rollenkonstrukt-Repertoire-Test“ („Rep-Test“), um persönliche Konstrukte eines Individuums zu erfassen.
Personen angeben, die einem besonders wichtig sind (die eigene Person eingeschlossen). Jeweils drei Personen
vorgegeben, angeben, was jeweils zwei dieser Personen ähnlich macht und was sie von der dritten Person
unterscheidet. -> Ähnlichkeitskonstrukte und Gegensatzkonstrukte, die die Art und Weise charakterisieren, wie
diese Person ihre soziale Umwelt strukturiert.
-> einzelnen Personen und Objekten des sozialen Umfelds individualspezifische Rollen- bzw. Bedeutungskonstrukte
zuordnen. Auch Beziehungen zwischen Objekten und Situationen.
Was sind die Kernannahmen sozial-kognitiv orientierter Ansätze in der
Persönlichkeitspsychologie?
Können Sie typische Beispiele für Konstrukte innerhalb dieses Paradigmas nennen?
kognitive Persönlichkeitstheorie durch Betonung der sozialen Dimension kognitiver Prozesse ergänzt und erweitert.
Verständnis der kognitiven, affektiven und sozialen Prozesse, die für eine bestimmte Person charakteristisch
sind. Mentale Repräsentationen und die kognitive Verarbeitung von Reizen und Situationen entscheiden darüber, wie
Individuen auf Reizsituationen reagieren.
Beispiele für derartige Ansätze sind die Theorie sozialer Lernprozesse von BANDURA und das Kognitiv-affektive
Persönlichkeitssystem (CAPS) von MISCHEL und SHODA.
Welches lerntheoretische Konstrukt spielt nach Albert BANDURA eine zentrale Rolle
bei der Persönlichkeitsbildung?
Nach BANDURA trägt Beobachtungslernen wesentlich zur Persönlichkeitsbildung bei.
Was versteht Albert BANDURA unter „self-efficacy“, wie lautet die korrekte deutsche
Übersetzung dieses Begriffs und welche Rolle spielt dieses Konstrukt bei der
Vorhersage von Verhalten?
Selbst- Wirksamkeits- Erwartungen
Einschätzung der Fähigkeit zur effizienten Umsetzung von Kompetenzen in Verhalten in bestimmten Situationen.
BANDURA selbst definiert „self-efficacy“ als „the belief in one’s capabilities to organize and execute the sources of
action required to manage prospective situations”
Mit Hilfe von Selbst-Wirksamkeits-Erwartungen lässt sich Verhalten oft besser vorhersagen als durch andere Variablen,
da die individuellen Verhaltensmöglichkeiten so erfasst werden, wie sie von der Person selbst in Bezug auf
die konkrete Situation wahrgenommen werden.
Welche Erfahrungen tragen nach BANDURA zur Entstehung von Selbst-WirksamkeitsErwartungen bei?
Erfahrungsquellen von self-efficacy:
- eigene Wirksamkeitserfahrungen (mastery experience);
- Erwartungen, die sich aus effizientem Verhalten anderer ableiten (vicarious experience);
- verbale Informationen aus dem sozialen Umfeld (social persuasion);
- Rückmeldungen über physiologische Befindlichkeiten (z.B. Erregung, Erschöpfung; physiological states).
Was versteht Julian ROTTER in seiner „sozialen Lerntheorie der Persönlichkeit“ unter
„Verhaltenspotential“ und durch welche Faktoren wird es bestimmt?
Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer bestimmten Verhaltensweise x in einer bestimmten Situation s, die eine
bestimmte Verstärkung v erwarten lässt, bezeichnet ROTTER als Verhaltenspotenzial VPxsv.
Dieses Verhaltenspotenzial ist einerseits von der Erwartung (E) des Individuums abhängig, dass das Verhalten x in der
Situation s zur Verstärkung v führt, andererseits aber auch vom Verstärkungswert (VW), den die Verstärkung v in der
Situation s für das Individuum hat:
VPxsv = f (Exsv x VWsv)
Was versteht ROTTER unter „locus of control of reinforcement“ und wie lautet die
gängige deutsche Bezeichnung dieses Konstrukts?
Kontrollüberzeugungen: Ausmaß, in dem Person Ereignisse als Konsequenz ihres eigenen Verhaltens erlebt (internale
Kontrollüberzeugung) bzw. auf Schicksals- und Zufallsumstände zurückführt, auf die sie keinen Einfluss hat (externale
Kontrollüberzeugung).
ROTTER nimmt an, dass Kontrollüberzeugungen aus der individuellen Lerngeschichte erklärbar sind.
In welcher Weise bestimmen Kontrollüberzeugungen die Erwartung, dass ein
bestimmter Verstärker als Folge des eigenen Verhaltens auftreten wird und in
welcher Weise hängt dies mit Merkmalen der Situation zusammen?
- Die Erwartung, dass in bestimmter Situation bestimmter Verstärker als Folge des eigenen Verhaltens
auftreten wird, ist von der Neigung der Person abhängig, eher interne als externe Kontrolle anzunehmen.
- Die aktuelle Erwartung wird umso stärker durch generelle Kontrollüberzeugungen gesteuert, je unbekannter
und mehrdeutiger die Situation ist.
- Umgekehrt dominieren durch situations-spezifische Erfahrungen aufgebaute Erwartungen umso stärker, je
genauer die Situation diesen Erfahrungen entspricht.
Können Sie Beispiele für spezielle Verfahren zur Messung von Kontrollüberzeugungen?
ROTTER: Fragebogen zur Erfassung von Kontrollüberzeugungen.
Hanna LEVENSON „IPC-Skalen“
„Handlungstheoretische Partialmodell der Persönlichkeit“ von Günter KRAMPEN (Weiterentwicklung)
Wieweit wird in solchen Verfahren das „locus of control“-Konstrukt in Teilkonstrukte
aufgegliedert?
ROTTER: Fragebogen. Zwischen zwei Statements zu wählen, von denen eines für einen internalen, das andere für
einen externalen Locus of Control of Reinforcement steht
Hanna LEVENSON „IPC-Skalen“ , das folgende Faktoren umfasst:
- I: internal control orientation (Erwartung internaler Kontrolle),
- P: powerful others external control orientation (Erwartung externaler Kontrolle durch mächtigere Personen)
- C: chance-control orientation (Erwartung externaler Kontrolle, weil – extrem ausgedrückt – im Leben nichts
vorhersagbar, alles für Zufall, Glück oder Schicksal gehalten wird).
Welche Faktoren beeinflussen nach dem „Handlungstheoretischen Partialmodell der
Persönlichkeit“ von KRAMPEN Handlungen bzw. Handlungserwartungen?
„Handlungstheoretische Partialmodell der Persönlichkeit“ von Günter KRAMPEN
Handlungen und darauf bezogenen Handlungserwartungen nicht nur auf Kontrollüberzeugungen/ daraus resultierende
Kontrollerwartungen zurückgeführt, sondern auch auf Situations-Ereigniserwartungen, Kompetenzerwartungen
(Selbstkonzept eigener Fähigkeiten) und Instrumentalitätserwartungen ( Erwartungen in Bezug auf die
„technische“ Umsetzbarkeit von Handlungserwartungen), Vertrauen und grundsätzliche Wertorientierungen.
Können Sie Beispiele für Zusammenhänge zwischen dem „locus of control“ und
anderen Persönlichkeitsmerkmalen nennen?
- Strategien der Informationsverarbeitung: Internale konzentrieren sich auf relevante Hinweisreize, lassen
sich weniger leicht beirren;
- Soziale Interaktion: Internale bevorzugen positive Beeinflussungsstrategien, Externale eher Sanktionen;
- Umgang mit Stress: Externale neigen stärker zu Angst und erleben Situationen leichter als Stress auslösend.
Internale neigen eher zu Selbstmodifikation, Externale suchen eher externe Hilfe.
- Die soziale Beeinflussung und Normgebundenheit ist bei Externalen höher als bei Internalen.
Wodurch wird die Ausbildung internaler Kontrollüberzeugungen in der
Kindheitsentwicklung begünstigt?
Ein warmer, positiver, konsistenter, akzeptierender und wenig kontrollierender Erziehungsstil
Wie definiert ROTTER sein Konstrukt „Interpersonales Vertrauen“? Welcher von den
„Big Five“-Faktoren steht in unmittelbarem Zusammenhang mit „interpersonalem
Vertrauen“?
ROTTER versteht darunter „die generalisierte Erwartung, sich auf Worte und Versprechungen anderer Personen
verlassen zu können“
„Zwischenmenschliches Vertrauen“ = Beschreibungskategorie des „Big Five“-Faktors „Verträglichkeit“ (Agreeableness)
In Bezug auf welche anderen Konstrukte besteht ein empirisch gesicherter
Zusammenhang mit „interpersonalem Vertrauen“?
- Altersabhängigkeit wird vermutet, aber empirisch noch nicht abgeklärt; möglicherweise teilweise Kohorteneffekte:
Langfristig: Absinken der IPT-Werte in der Bevölkerung.
- In den USA durchschnittlich niedrigere IPT-Werte bei Farbigen.
- West-Ost-Gefälle in Deutschland nach Wiedervereinigung inzwischen durch stärkeres Absinken im Westen teilweise
ausgeglichen.
- Nach ROTTER: mittleres Ausmaß an interpersonalem Vertrauen eine optimale Anpassung an die soziale Umgebung.
- Personen mit hoher Vertrauensbereitschaft nehmen andere Personen weniger differenziert wahr, aber sensibler für
nonverbale Hinweisreize.
- Psychisch belastende Ereignisse werden von vertrauensvollen Personen besser verarbeitet.
- Effekt der Geschwisterfolge: Jüngste Kinder haben geringeres Vertrauen als zuvor Geborene.
Welche Persönlichkeitsdimensionen umfasst das Persönlichkeitsmodell von Walter
MISCHEL?
(1) Encodings,
(2) Erwartungen und Überzeugungen,
(3) Affekte,
(4) Ziele und Wertvorstellungen,
(5) Kompetenzen und Selbststeuerungspläne
Können Sie das Modell des „kognitiv-affektiven Persönlichkeitssystems“ (CAPS)
charakterisieren? Was ist die grundsätzliche Intention dieses Modells?
versucht zu erklären, wie diese Persönlichkeitsdimensionen innerhalb des Individuums organisiert und wirksam sind:
Wesentliche Aussagen dieser Theorie sind:
(1) Individuelle Unterschiede spiegeln einerseits Unterschiede in der Zugänglichkeit von Persönlichkeitsdimensionen
über die Zeit hinweg wider, andererseits Unterschiede in ihrer Organisation.
(2) Person und Situation beeinflussen einander wechselseitig.
(3) Die Persönlichkeitsstruktur drückt sich in zeitlich stabilen Wenn-dann-Beziehungen aus, die als distinkte
Verhaltensmuster sichtbar werden.
-> spezifischen Interaktionen zwischen situativen Bedingungen und den damit verbundenen Kognitionen und
Verhaltensweisen, die für eine Person charakteristisch sind
Was versteht MISCHEL unter dem Konstrukt „Belohnungsaufschub“ und welche
Merkmalsvariablen korrelieren positiv mit diesem Konstrukt?
Interindividuell variierende Präferenzentscheidung zwischen weniger wertvollen, sofort verfügbaren und höherwertigen,
aber erst später verfügbaren Objekten -> „Belohnungsaufschub“ (delay of gratification)
soziale Verantwortung; persönliche Anpassung; Alter und Reife; Intelligenz; „Widerstand gegen Versuchungen“.
Besteht zwischen Belohnungsaufschub und Intelligenz ein Zusammenhang und wie
kann man diesen erklären?
Fähigkeit zum Belohnungsaufschub und die damit korrelierenden Intelligenzmerkmale als Teilkomponenten
des übergeordneten Konstrukts „soziale Intelligenz“ anzusehen.
Kritik!
10.
Intelligenz – „klassische“ Konzepte und neuere Ansätze; testtheoretische
Aspekte.
Welche „Fähigkeitsdimensionen“ unterscheidet ASENDORPF (2007) und wie wird
dabei der Begriff „Fähigkeit“ definiert?
Intelligenz, soziale Kompetenzen, emotionale Kompetenzen und Kreativität.
Fähigkeiten sind „Persönlichkeitseigenschaften, die Leistungen ermöglichen, d.h. Ergebnisse von Handlungen, die
nach einem Gütemaßstab bewertbar sind“.
Was unterscheidet die Konstrukte „Fähigkeit“ und „Begabung“ und warum vermeidet
die aktuelle Persönlichkeitspsychologie den Begriff „Begabung“?
„Begabung“ = alltagspsychologisches Konstrukt, das in der Wissenschaft nur unscharf definiert ist.
Im künstlerischen Bereich „Begabung“ (i.S. eines angeborenen „Talents“) - „Expertise“ (i.S. einer durch Schulung und
Übung erworbenen Kompetenz).
Insofern konnotiert der Begabungsbegriff die Vorstellung angeborener Fähigkeiten, während der
„Fähigkeiten“ hinsichtlich der Anlage-Umwelt-Thematik neutral ist.
Welche Ebenen des Intelligenzkonstrukts unterscheidet EYSENCK?
biologische Intelligenz, psychometrische Intelligenz, soziale Intelligenz
Welche Merkmale von Intelligenz werden von Laien am häufigsten genannt und wie
gut stimmen diese Auffassungen mit Expertenmeinungen überein?
relativ einheitliche Fähigkeit, intellektuelle Leistungen zu vollbringen“. Was darunter verstanden wird, ist aber eher
willkürlich. Dies führt zwangsläufig zu einer Vielfalt von Intelligenz-Konstrukten, die nicht notwendig dasselbe
ausdrücken.
STERNBERG, CONWAY, KETRON und BERNSTEIN:
- Laienurteile und Expertenurteile stimmten gut überein;
- Laien- wie Expertenurteile können auf drei Faktoren zurückgeführt werden: praktische Problemlösefähigkeit;
verbale Fähigkeiten und soziale Kompetenz.
Wer entwickelte den ersten Intelligenztest und worin bestand das Grundprinzip
dieses Tests?
Der erste „Intelligenztest“ im engeren Sinn wurde von Alfred BINET und Théodore SIMON (1905) entwickelt.
Prinzip: Vergleich der Leistungen des Kindes mit „alterstypischen Leistungen“:
Können Sie aus einem konkreten Lösungsbeispiel des B INET-SIMON-Tests das
Intelligenzalter bestimmen?
IA(Monate) = GA(Monate) + 12(k/n),
k = Zahl der zusätzlich gelösten Aufgaben und n = Zahl der Aufgaben pro Altersstufe (vgl. Rechenbeispiel
in der Präsentation zur Vorlesung vom 19.5.).
Altersstufe
Aufgabe
1
2
3
4
5
6
7 8 9 10
11
+
+
+
+
+
+
+
+
+
-
+
+
+
-
+
+
-
+
-
IA(Monate) = GA(Monate) + 12(k/n),
k = Zahl der zusätzlich gelösten Aufgaben; n = Zahl der Aufgaben pro Altersstufe.
Hier: GA=72, k=10, n=5; IA= 96 Monate = 8 Jahre
Wie ist der „Intelligenzquotient“ nach William STERN definiert?
Intelligenzalter in Bezug zum Lebensalter => altersunabhängiger „Intelligenzquotient“:
IQ = 100 * IA / LA.
Wie wird der „Intelligenzquotient“ seit W ECHSLER definiert und wodurch unterscheidet
sich dieses Konstrukt von dem William STERNs?
STERNs Formel setzt voraus, dass Intelligenzleistungen mit dem Lebensalter linear ansteigen. Dies ist aber nicht der
Fall.
Wechsler: individuelle Intelligenzmaße als Abweichungsquotienten darzustellen. Demnach wird der „Intelligenzquotient“ folgendermaßen bestimmt:
- Aus der Zahl der richtig gelösten Aufgaben wird ein Rohwert bestimmt.
- Dieser Wert wird in Beziehung zur Verteilung einer Normstichprobe gesetzt, und zwar mittels der Formel
IQ = 100 + 15 * (x-M) / SD,
x = Testwert, M = Mittelwert der Referenzgruppe, SD = Standardabweichung der Rohwerte der Referenzgruppe.
Die empirische Verteilung des nach dieser Formel berechneten IQ entspricht einer Normalverteilung
Können Sie einige konkrete Aufgabengruppen nennen, die der Intelligenztest nach
WECHSLER umfasst?
„Verbale Intelligenz“: Allgemeines Wissen, Zahlen nachsprechen, Allgemeines Verständnis, Rechnerisches Denken,
Gemeinsamkeiten finden, Wortschatz.
„Handlungsintelligenz“ / „Praktische Intelligenz“: Bilder ergänzen, Bilder ordnen, Mosaiktest, Figurenlegen,
Zahlensymboltest
Auf welchen Annahmen beruht das Intelligenzmodell von S PEARMAN? Konnte seine
Annahme, dass die spezifischen Intelligenzfaktoren voneinander unabhängig seien,
empirisch bestätigt werden?
Allen Intelligenzleistungen liegen ein genereller Intelligenzfaktor (g-factor) und ein aufgabenspezifischer Faktor
zugrunde. Man spricht deshalb auch von einer „Zwei-Faktoren-Theorie der Intelligenz“.
Diese Annahme konnte empirisch nicht gestützt werden: Gruppen von Testleistungen korrelieren mitunter höher, als
dies aus der Korrelation mit dem g-factor vorhergesagt wird.
Können Sie einige wesentliche Merkmale des hierarchischen Persönlichkeitsmodells
von VERNON angeben?
Es wurde dabei zunächst ein sehr allgemeiner Faktor gesucht, der etwa SPEARMANs g-Faktor entspricht. Für den
Rest an gemeinsamer Varianz wurden schrittweise erklärende Faktoren gesucht, die immer speziellere
Intelligenzleistungen repräsentieren.
general factor (g-factor)
major group factors
minor group factors, Übergeordnete Zusammenhänge
specific factors (s-Faktoren), charakterisieren nur einen bestimmten Aufgabentyp
Auf welchen Grundannahmen beruht das Intelligenzmodell von T HURSTONE? Können
Sie einige der von ihm ermittelten „primary abilities“ nennen?
Konkrete Intelligenzleistungen müssen immer durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklärt werden.
Nicht ein dominierender g-factor, sondern eine begrenzte Anzahl von primary mental abilities bildet damit Erklärungsgrundlage für interindividuelle Unterschiede in der Intelligenzstruktur.
(1) verbal comprehension (Begriffsverständnis),
(2) word fluency (assoziative Wortproduktion, zB. Reime, Wörter mit bestimmten Buchstaben),
(3) number (einfache Rechenoperationen),
(4) space (Raumvorstellung, räumliche Perspektive),
(5) memory (Kurzzeitgedächtnis),
(6) perceptual speed (visuelle Konfigurationen erkennen und unterscheiden),
(7) reasoning (schlussfolgerndes Denken, Regelerkennen).
Welche gebräuchlichen deutschsprachigen Intelligenztests beruhen auf dem
Intelligenzmodell THURSTONEs?
Intelligenz-Struktur-Test (IST) von AMTHAUER. Weiterentwicklungen des PMA (Test of Primary Mental Abilities)
stellen das Leistungs-Prüf-System (LPS, Horn) und Prüfsystem für Schul- und Bildungsberatung (PSB, Horn) dar.
Auf welchen Grundannahmen beruht das Intelligenzmodell R. B. CATTELLs? Warum
nimmt CATTELL eine dritte Faktorenebene an?
Kompromiss zwischen SPEARMANs Zwei-Faktoren-Theorie und den mehrfaktoriellen Modellen.
-> Größeren Anzahl von „Primärfaktoren“ im Sinne THURSTONEs, und übergeordnete „Sekundärfaktoren“, die eher
generelle Intelligenzmerkmale repräsentieren.
Die beiden wichtigsten sind:
- „fluid general intelligence“ (Fähigkeit zur Anpassung an neue Probleme) und
- „crystallized general intelligence“ (Fertigkeiten auf Grund vorangegangener Lernerfahrungen).
„Fluide“ Intelligenz: Erkennen figuraler Beziehungen, Gedächtnisspanne und induktives Schließen;
„kristallisierte“ Intelligenz korreliert auffallend hoch mit Faktoren: „verbales Verständnis“, „erfahrungsgeleitete
Bewertung“ und „Erfassen semantischer Beziehungen“.
Mehrere Primärfaktoren laden sowohl auf gf (fluide I.) als auch auf gc (kristallisierte I.) und die beiden
Sekundärfaktoren korrelieren im Ausmaß von etwa r = .50 -> dritte Faktorenebene.
Zwei weitere übergeordnete Faktoren, nämlich gf(h) („frühe“ fluide Intelligenz; entspricht weitgehend
SPEARMANs g-factor) und einen „schulisch-bildungs-bezogenen Effektivitätsfaktor“.
Welche Annahmen bestehen hinsichtlich der Altersabhängigkeit von „fluider“ und
„kristallisierter“ Intelligenz und welche empirischen Befunde gibt es dazu?
HORN und CATTELL: unterschiedliche Altersabhängigkeit der Sekundärfaktoren: gf nimmt während des Lebens
kontinuierlich ab, gc kontinuierlich zu.
Empirisch belegt: Entwicklung von gf kommt um das 14. bis 15. Lj. zum Stillstand und gc erreicht im Allgemeinen um
das 20. Lj. einen Höhepunkt (bei besonders Leistungsfähigen noch später).
Eine kontinuierliche gegenläufige Entwicklung von gf und gc jedoch empirisch nicht hinreichend bestätigt.
Welche konkreten Testverfahren wurden auf der Basis der Theorie CATTELLs
entwickelt?
Die Unterscheidung von (eher kulturunabhängiger) fluid intelligence und (eher kulturabhängiger) crystallized
intelligence hat zur Entwicklung von „culture fair tests“ Anstoß gegeben.
Am bekanntesten ist der „progressive matrices“- Test von John C. RAVEN. Die PM-Tests wurden zur sprachfreien
Erfassung des allgemeinen Intelligenzpotenzials entwickelt.
„CFT“ oder auch „Grundintelligenztest“ durch Rudolf H. WEISS.
Der Grundintelligenztest (CFT 3) nach CATTELL-WEISS erfasst die Grundintelligenz im Sinne der CATTELLschen
general fluid intelligencem, für Jugendliche (ab 14 J.) und Erwachsene geeignet. „bei Personengruppen mit schlechten
Sprachkenntnissen und mangelhaften Kulturtechniken“ -> „gerechtere Intelligenzdiagnose“.
Die verwandten Verfahren CFT 1 und CFT 2 sind für Kinder und jüngere Jugendliche geeignet.
Können Sie die wesentlichen Merkmale des Intelligenzmodells von J. P. G UILFORD
darstellen? Welche Variablengruppen umfasst es? Können Sie einige Beispiele für
die Merkmalsdimensionen innerhalb dieser Variablengruppen angeben?
Informationsverarbeitungsmodell und unterscheidet demnach Input-, Output- und Operationsvariablen. -> 150
mögliche Kombinationen, die jeweils für bestimmte, theoretisch unterscheidbare Verarbeitungsprozesse stehen.
Auf der Inputseite folgende Arten der Information („contents“):
- figural (F): konkrete auditive oder visuelle Inhalte;
- symbolisch (S): Zeichen (Buchstaben, Zahlen, Musiknoten etc.)
- semantisch (M): Begriffe oder ideelle Konstrukte;
- Verhalten (B): Interaktionsmuster, die auf Einstellungen, Bedürfnisse, Absichten oder Gedanken anderer hinweisen.
Auf der Outputseite folgende Arten der Information („products“):
- Einheiten (U): abgrenzbare Elemente der Information;
- Klassen (C): Begriffe, die eine Ordnung von Information nach Merkmalen ermöglichen;
- Beziehungen (R): Verbindungen zwischen Informationen;
- Systeme (S): Organisierte Cluster von Informationen;
- Transformationen (T): definierte Veränderungen der Struktur von Information;
Auf der operativen Ebene folgende Arten der Information:
- Kognition (C): bewusstes Wahrnehmen, Erkennen und Wiedererkennen;
- Gedächtnis (M): Fixierung neuer Information (nicht Langzeitgedächtnis!);
- „divergente Produktion“ (D): Entwickeln logischer Alternativen aus gegebener Information;
- „konvergente Produktion“ (N): Entwickeln von (Standard-)Schlussfolgerungen aus gegebener Information;
- Evaluation (E): Ziel-Ergebnis-Vergleiche (Korrektheit, Identität, Konsistenz etc.).
Welche kritischen Einwände kann man gegen das Modell GUILFORDs vorbringen?
Skepsis herrscht hinsichtlich der Sinnhaftigkeit der Annahme einer derart hohen Zahl an Einzelfaktoren (120; zum
Vergleich: SPEARMAN 2, THURSTONE 7). Es wird auch kritisiert, dass die einzelnen Faktoren kaum noch
unterscheidbar sind: 76% der 48.140 Korrelationskoeffizienten sind positiv. Das Modell kann vermutlich auf eine
geringe Zahl an Dimensionen reduziert werden.
Welche Dimensionen der Intelligenz nimmt das „Berliner Intelligenzstrukturmodell“ von Adolf O. JÄGER an, wie wurde es entwickelt und welche Operationsklassen unterscheidet es?
Katalogisierung der bis dahin in der Literatur dargestellten Aufgabenarten zur Messung von Intelligenz und Kreativität.
-> ca. 2.000 Itemtypen wurden auf ca. 100 reduziert und gemeinsam mit Persönlichkeits- und Interessenstests an
einer Stichprobe von 545 AbiturientInnen durchgeführt.
-> auf faktorenanalytischem Weg zunächst sechs „Hauptdimensionen“ der Intelligenz:
(1) anschauungsgebundenes Denken;
(2) Einfallsreichtum und Produktivität;
(3) Konzentrationskraft und Tempomotivation;
(4) Verarbeitungskapazität, formallogisches Denken und Urteilsfähigkeit;
(5) zahlengebundenes Denken;
(6) sprachgebundenes Denken.
-> daraus vier „generelle, durch ihre „operative Eigenart“ charakterisierte „Leistungsklassen“:
(1) Bearbeitungsgeschwindigkeit; (2) Gedächtnis; (3) Einfallsreichtum; (4) Verarbeitungskapazität.
Mit drei inhaltlichen Kategorien (figural, numerisch, verbal) verbunden. -> Matrix mit 12 Feldern, in denen jeweils
multifaktoriell bedingte Leistungen stehen.
Mit welchem Verfahren kann man die Dimensionen dieses Modells messen und
welche Arten von Fähigkeiten werden dabei unterschieden?
Der „Berliner Intelligenzstruktur-Test“, 45 verschiedenen Aufgabentypen, große Breite von Intelligenzleistungen
(1) die operativen Fähigkeiten: Verarbeitungskapazität (K), Einfallsreichtum (E), Bearbeitungsgeschwindigkeit (B) und
Merkfähigkeit (M),
(2) die inhaltsgebundenen Fähigkeiten: sprachgebundenes Denken (V), zahlengebundenes Denken (N),
anschauungsgebundenes, figural-bildhaftes Denken (F)
(3) als deren Integral die allgemeine Intelligenz AI.
Was kann man gegen die faktorenanalytischen Intelligenzmodelle kritisch einwenden
und welche Gegeneinwände gibt es dazu?
- Welche Faktoren extrahiert werden können, hängt von der Breite der gemessenen Merkmale in der Stichprobe ab.
- Entscheidung für eine „Einfachstruktur“ oder für hierarchische Lösungen -> Willkür.
- Korrelationen (Ausgangsmaterial von Faktorenanalysen) sind Kennwerte zur Beschreibung der Gegebenheiten in
Gruppen -> Übertragung auf den Einzelfall grundsätzlich nicht möglich.
Gegeneinwand von AMELANG, BARTUSSEK, STEMMLER und HAGEMANN (2006):
- Trotz unterschiedlicher Methodenansätze zeigen sich gewisse „Invarianten“, zB. Hinweise auf einen „Generalfaktor“.
Was versteht man unter „Prozessanalysen“ der Intelligenz und welche Intelligenzbereiche sind bisher diesbezüglich am besten untersucht? Können Sie ein Beispiel
angeben?
Frage nach den Prozessen, die das Zustandekommen von Intelligenzleistungen ermöglichen.
-> Andere Verfahren als die (in den klassischen Intelligenzmodellen verwendeten) korrelationsstatistischen Ansätze.
Entstammen (allgemeinpsychologischen) Modellen der Informationsverarbeitung, die erst sekundär auf differenziellpsychologische Fragestellungen übertragen wurden.
Bereiche „verbale Geschicklichkeit“, Umgang mit Zahlen, induktives Denken, deduktives Denken und Lernen.
STERNBERG fand, dass Personen mit hohen Punktewerten für induktives Denken im Vergleich mit Personen mit
niedrigen Werten weniger Zeit für Merkmalsentdeckung, Merkmalsvergleich und Merkmalsbeurteilung benötigen, aber
mehr Zeit für die Enkodierung.
-> Höhere Leistung geht auf höhere Sorgfalt bei der Problembearbeitung zurück.
Wovon hängt die Stabilität von Intelligenzmessungen ab? Welcher Zusammenhang
besteht mit dem Lebensalter? Besteht ein Unterschied zwischen Verbal- und
Handlungs- IQ in Bezug auf die Altersstabilität, und wenn ja: welcher? Wodurch
können die niedrigen Stabilitätswerte im Kleinkindalter erklärt werden?
Stabilität und Validität: Retestwerte gebräuchlicher Intelligenztests bei Erwachsenen in der Regel um rtt = 0,90, bei
längeren Intervallen deutlich niedriger.
Je niedriger das Lebensalter der Vpn., umso geringer die Stabilität der Messwerte.
Handlungs- und Verbalteil des Wechsler-Tests korrelieren hoch miteinander (zwischen 0,74 und 0,82), aber
Unterschiede im Verlauf: Der „Handlungs-IQ“ im Alter stärker und früher abgebaut. In Längsschnittstudien Altersabfall
nicht oder nur teilweise. Möglicherweise Kohorteneffekte, die die Annahme eines generellen Altersabfalls fragwürdig
erscheinen lassen.
Je jünger Vpn. ist, umso geringer auch die Stabilität der Messwerte.
 Probleme der IQMessung im Kleinkindalter (zB. Einfluss der Motivation),
 Dynamik der Entwicklungsvorgänge in diesem Alter.
Was besagt das „Überlappungsmodell“ von ANDERSON?
Intelligenz-Testwerte über bestimmtes Intervall hinweg umso besser vergleichbar, je höher dieses Intervall im
Lebensalter liegt. „Überlappungs-Modell“: die zu einem späteren Messzeitpunkt feststellbare Leistung = Summe der
bei früheren Anlässen gemessenen Leistung + inzwischen erfolgter Neuerwerb.
Gibt es interindividuelle Unterschiede in Bezug auf die Stabilität der Intelligenz, und
wenn ja: welche?
Hinweise: Intelligentere Personen können im Längsschnitt höhere Zuwächse erreichen. ≈ Beobachtung, dass die
Varianz von Intelligenzwerten mit dem Lebensalter leicht zunimmt.
AMELANG et al.: das in früheren Stadien der Entwicklung Erworbene = Voraussetzung für den späteren Erwerb
weiterer Kenntnisse und Fähigkeiten, -> größerer Fundus ist günstige Voraussetzung für größeren Zugewinn.
Gibt es Hinweise auf eine langfristige Veränderung von Intelligenzmaßen in der
Population?
40er Jahre: in den USA eine langfristige Erhöhung des mittleren IQ -> Verbesserungen der ökonomischen und
kulturellen Umfelds und verbesserte Bildung.
Metaanalyse von FLYNN: Vergleich von 73 Studien eine Steigerung des IQ der amerikanischen Bevölkerung um 13,8
Punkte im Zeitraum 1932 bis 1978, durchschnittliche Testwert im Scholastic Aptitude Test nahm aber deutlich ab.
Neuere Studie bestätigte diesen Effekt auch im Kulturvergleich.
Unterschiede nicht als Unterschiede zwischen Personen zu interpretieren, sondern als Kohorten- bzw.
Generationenunterschiede: Items werden „leichter“, da im Laufe der Kulturentwicklung immer mehr Inhalte zu
Allgemeinwissen werden.
Welche Parameter werden zur Validierung von Intelligenzmaßen herangezogen?
Schulerfolg
Berufserfolg: Intelligenz korreliert relativ hoch (ca. 0,70) mit dem Bildungsniveau (höchster erreichter Schulabschluss).
Wie hoch korreliert Intelligenz mit Schulerfolg?
Korrelation mit Grundschulleistungen im Durchschnitt bei r = 0,50. Schulspezifische Aufgabenstellung (wie etwa im
LPS, PSB) kann diese Korrelation bis r = 0,70 erhöhen.
Insgesamt korrelieren verbale Tests stärker mit Schulerfolg als nicht-verbale.
Was besagt das „Schwellenmodell“ in Bezug auf den Zusammenhang von Intelligenz
und Berufserfolg?
Erreichen eines bestimmten Mindestniveaus entscheidend für den Zugang zu bestimmten Berufsgruppen, nicht
aber das Ausmaß an Überschreitung dieses Niveaus.
Unklar: Intelligenz selbst den entscheidenden Auslesefaktor, oder intelligenzkorrelierte Indikatoren wie schulische
Zeugnisse und andere Zertifikate.
11
Intelligenz – Alternativen zum klassischen Intelligenzkonstrukt
Können Sie die wesentlichen Aspekte der Kritik von Ulric NEISSER am Konstrukt der
„akademischen Intelligenz“ wiedergeben?
Intelligenztests messen nur „akademische Intelligenz“, dh. sie stellen Aufgaben, die
- von anderen Personen formuliert wurden,
- für die Getesteten kaum von intrinsischem Interesse sind,
- ausschließlich auf verfügbaren Informationen beruhen und
- von den allgemeinen Erfahrungen weitgehend abgehoben sind.
Sie erfassen daher kaum intelligentes Verhalten in „natürlichen Settings“. Diesen Typus von Intelligenz bezeichnet
man vielfach auch als „praktische Intelligenz“.
Welche Fähigkeiten umfasst der Intelligenzbegriff von STERNBERG?
- analytische („akademische“) Fähigkeiten: Probleme analysieren, Lösungsschritte zu entwickeln;
- kreative Fähigkeiten: Erfahrungen nutzen -> Einsicht in Probleme verbessern;
- praktische Fähigkeiten: Kontexte des täglichen Lebens erfassen und sich daran anpassen.
Welche Subtheorien umfasst die Intelligenztheorie von R. J. STERNBERG und was ist
der Erklärungsanspruch dieser Subtheorien?
- „innere Welt der Informationsverarbeitung“: Componential subtheory: Aussagen über Struktur und Mechanismen,
die intelligentem Verhalten zu Grunde liegen; Drei Komponenten intelligenten Verhaltens:
(1) Metakomponenten (Lösungsentwurf und Bewertung der Problemlösungsschritte);
(2) Ausführungskomponenten (Umsetzung von Handlungsplänen in Verhalten);
(3) Wissenserwerbskomponenten (Auswahl und Kombination von Informationen).
- Aspekte des Wissens und der Erfahrung: Experiential subtheory: Die für intelligentes Handeln erforderliche
Erfahrungsbildung durch Prozessanalysen beschreiben.
Intelligentes Verhalten: wieweit bezieht es sich auf vertraute Aufgaben und Situationen?
-> Einfluss der Vertrautheit bzw. Neuheit von Situationen, Automatisierbarkeit intelligenten Verhaltens. Intelligenz =
Fähigkeit zum Denken und Lernen im Rahmen neuer begrifflicher Systeme, die auf bereits erworbenem Wissen
aufbauen.
- Umweltbezüge: Contextual subtheory: Intelligentes Verhalten bestimmt durch den soziokulturellen Kontext,
Verhaltensaspekte = Anpassung a.d. Umwelt (psychometrische Tests, lerntheoretische bzw. kognitive Modelle), Wahl
günstiger Umweltkontexte, gezielte Veränderungen der Umwelt erfasst.
Welche alternativen Konstrukte zum traditionellen Intelligenzkonzept wurden im
20.Jhdt. entwickelt?
Alternative Konzepte zur „akademischen Intelligenz“: Konstrukte „soziale Intelligenz“ (Fähigkeiten im Umgang mit
anderen Personen -> Schlussfolgern in sozialen Situationen & „soziales Wissen“), „Kreativität“ und „operative
Intelligenz“ (Fähigkeit, mit komplexen Problemlöseszenarien umzugehen), neuerdings „emotionale Int.“ (Fähigkeiten
der Selbstregulation emotionaler Zustände) dar.
Was versteht man unter „sozialer Intelligenz“ und seit wann gibt es dieses Konstrukt?
Der Begriff „soziale Intelligenz“ wurde bereits 1920 von Edward L. THORNDIKE (Intelligence and ist uses) gebraucht,
und zwar im Sinne der „Fähigkeit, andere zu verstehen und in zwischen-menschlichen Situationen klug zu agieren“.
Welche neueren Konzepte wurden zum Konstrukt „soziale Intelligenz“ entwickelt?
80er: AMELANG. CANTOR und HARLOW (1994).
Anwendunsorientierter Ansatz wurde von Karl ALBRECHT („the ability to get along well with others, and to get them to
co-operate with you“. 5 „social skills“: Spacial Awareness, Presence, Authenticity, Clarity, Empathy; Merkwort
„S.P.A.C.E.“), populärwissenschaftliche Darstellung von Daniel GOLEMAN (2006).
AMELANG, BARTUSSEK, STEMMLER und HAGEMANN „soziale Intelligenz“ mit Stichworten: Menschenkenntnis,
Anpassungsfähigkeit, Einsicht in komplizierte soziale Situationen, Fähigkeit, mit Menschen umzugehen und deren
Verhalten vorhersagen und beeinflussen zu können, Fähigkeit zur Übernahme fremder
Perspektiven und Kenntnisse von sozialen Regeln.
Welche Fähigkeiten gehören zum Alltagsverständnis von sozialer Kompetenz?
FORD und MIURAs Komponenten: (1) prosoziale Fähigkeiten; (2) sozial-instrumentelle Fähigkeiten; (3) soziale
Anpassungsfähigkeit und (4) Selbstwirksamkeit (self-efficacy).
Eine neuere Studie von KOSMITZKY und JOHN (1) kognitive Fähigkeiten (Handlungsverstehen, Regelerfassung); (2)
verhaltensbezogene Aspekte (mit Menschen umgehen und sich anpassen können) sowie (3) empathische Fähigkeiten.
Können Sie Beispiele für Verfahren zur Messung von sozialer Intelligenz nennen und
einige Merkmalsdimensionen angeben, die durch diese Verfahren gemessen werden?
Der George Washington Social Intelligence Test: folgende Subtests: (1) Judgment in Social Situations; (2) Memory for
Names and Faces; (3) Observation of Human Behavior; (4) Recognition of the Mental States Behind Words;
(5) Recognition of Mental States from Facial Expression; (6) Social Information; (7) Sense of Humor
Der Six-Factor-Test of Social Intelligence (O’SULLIVAN, GUILFORD) beruht auf dem „behavioral intelligence“Konstrukt von GUILFORD.
- Cognition of behavioral units: the ability to identify the internal mental states of individuals;
- Cognition of behavioral classes: the ability to group together other people's mental states on the basis of similarity;
- Cognition of behavioral relations: the ability to interpret meaningful connections among behavioral acts;
- Cognition of behavioral systems: the ability to interpret sequences of social behavior;
- Cognition of behavioral transformations: the ability to respond flexibly in interpreting changes in social behavior;
- Cognition of behavioral implications: the ability to predict what will happen in an interpersonal situation.
Von wem stammt das Konstrukt der „emotionalen Intelligenz“ und wie wurde es von
den Autoren definiert? Durch wen wurde dieses Konstrukt popularisiert?
SALOVEY und MAYER (1990) betrachten die emotionale Intelligenz als eine Teilkomponente der sozialen Intelligenz,
die sich auf die Wahrnehmung von und den Umgang mit emotionalen Zuständen richtet. Sie definieren emotionale
Intelligenz als „the ability to monitor one’s own and others’ feelings and emotions, to discriminate among them,
and to use this information to guide one’s thinking and actions“.
Das Konzept wurde 1995 durch die Publikation des Wissenschaftsjournalisten Daniel GOLEMAN popularisiert.
GOLEMAN betrachtet die emotionale Intelligenz als eine „Metafähigkeit“, von der es abhängt, wie gut wir unsere
sonstigen Fähigkeiten, darunter auch den reinen Intellekt, zu nutzen verstehen.
Wodurch unterscheiden sich „emotional intelligentere“ Personen von Personen mit
geringerer emotionaler Intelligenz?
Nach SALOVEY und MAYER zeichnen sich „emotional intelligentere“ Personen dadurch aus, dass sie
(1) Emotionen schneller und genauer wahrnehmen und daher darauf schneller und angemessener reagieren können
(2) Emotionen anderen gegenüber gezielter zum Ausdruck bringen können und daher
(3) mit einem sozial angepassteren Verhalten darauf reagieren,
(4) Emotionen bei sich und anderen gut regulieren und daher soziale Situationen beeinflussen können
(5) ihre eigenen Emotionen für die Lösung verschiedener Problemsituationen besser nutzen können.
Welche „Fähigkeitsbereiche“ umfasst das Konstrukt „emotionale Intelligenz“ in der
revidierten Fassung (Salovey & Mayer, 1997)? Können Sie einige Beispiele für die
damit verbundenen Fähigkeiten anführen?
vier Fähigkeitsbereiche:
(1) Wahrnehmen, Bewertung und Ausdruck von Emotionen (E. bei sich selbst auf Basis von körperlichen Zuständen,
Stimmungen, Gedanken erkennen; E. die von anderen Menschen bzw. in Figuren, Bildern usw. auf Grundlage von Sprache,
Klang, Erscheinung und Verhaltensweisen erkennen; E. & Bedürfn. richtig ausdrücken; zwischen zutreffenden/
unzutreffenden oder ehrlichen/ unehrlichen Gefühlsausdrücken differenzieren.)
(2) emotionale Förderung des Denkens (Lenkung der Aufmerksamkeit auf wichtige Infos; Förderung von Urteilen und
Entscheidungen; Differenzierung von Urteilen und Entscheidungen durch Stimmungsschwankungen; Differenzierte
Förderung des schlussfolgernden Denkens und …durch unterschiedliche e. Zustände.)
(3) Verstehen und Analysieren von Emotionen und Anwendung emotionalen Wissens (Benennung von E. und Erkennen
von Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen E.; Interpretation der Bedeutung von E. in sozialen Beziehungen; Komplexe
Gefühle verstehen; Gefühlsschwankungen und -übergänge bei sich und anderen
verstehen.)
(4) reflektierte Regulation von Emotionen im Interesse der Förderung emotionalen und intellektuellen Wachstums.
(sowohl für angenehme als auch unangenehme Gefühle offen sein; sich aufgrund rationaler Erwägungen auf E. einlassen
oder sich von ihnen lösen; E. unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten; Emotionen bei sich und anderen regulieren
können.)
Können Sie einige Beispiele für Verfahren anführen, durch die das Konstrukt
„emotionale Intelligenz“ bzw. die damit verbundenen konkreten Fähigkeiten
gemessen werden können?
NEUBAUER und FREUDENTHALER folgende diagnostische Zugänge:
(1) Selbstbeschreibungsmethoden: zB.
(a) „Alexithymie“-Skalen, Trait Meta Mood Scale: Erfassung der Sensitivität für eigene Emotionen;
(b) Empathie-Skala, Questionnaire Measure of Emotional Empathy: Erfassung der Sensitivität für Emotionen bei
Anderen.
(c) Affective Communication Test., Emotional Expressivity Scale, Berkeley Expressivity Questionnaire: Erfassung der
emotionalen Expressivität.
(2) Performanzmaße: z.B.
a) Levels of Emotional Awareness Scale: Erfassung der Sensitivität für eigene Emotionen;
(b) Chapin Social Insight Test; Communcation of Affect Receiving Ability Test, Profile of Nonverbal Sensibility:
Erfassung der Sensitivität für Emotionen bei Anderen;
(c) Beurteilung der „Genauigkeit“ einer nonverbal vermittelten Emotion durch „Empfänger“ (Expressivität wird bei
Frauen zumeist höher eingeschätzt!)
Welche Aspekte von Intelligenz unterscheidet die „Theorie der multiplen
Intelligenzen“ von Howard GARDNER?
7 voneinander unabhängige „Intelligenzen“, die allen Menschen im Sinne eines anthropologischen Merkmals
gemeinsam sind. Jeder Mensch unterschiedliches Profil in Bezug auf diese Intelligenzen.
(1) sprachliche Intelligenz,
(2) musikalische Intelligenz,
(3) logisch- mathematische Intelligenz,
(4) räumliche Intelligenz,
(5) körperlich-kinästhetische Intelligenz,
(6) intrapersonale Intelligenz,
(7) interpersonale Intelligenz.
Ab etwa 1995 erweiterte GARDNER sein Modell
(8) „naturorientierte“ Intelligenz (naturalist intelligence),
(9) „existentielle Intelligenz“, zog aber selbst in Zweifel
Welche wissenschaftlich-pädagogischen Forschungsprojekte wurden auf der Basis
der Theorie GARDNERs realisiert und in welcher Form wurden in diesen Projekten die
Intelligenzdimensionen gemessen?
Project Zero: Forschungsprojekt an der Harvard Graduate School of Education: Untersuchung der Entwicklung
von Lernprozessen bei Kindern, Erwachsenen und Organisationen.
Teilprojekt von Project Zero: Projekt Spectrum. Alternativen zur herkömmlichen Leistungsmessung entwickelt.
-> „prozess- und interventionsbezogenes“ Verfahren zur Erfassung der „multiplen Intelligenzen“, das nicht auf eine
abstrakte Erfassung von Intelligenz abzielt, sondern auf eine Optimierung von Fördermaßnahmen:
Mittels einer Ratingskala wurden die Leistungen von Kindern bei insgesamt 15 Tätigkeiten in den Bereichen Sprache,
Mathematik, Musik, Kunst, soziales Verständnis, mechanisches Verständnis und Bewegung über einen längeren
Zeitraum eingeschätzt;
Damit tritt die fortgesetzte Beobachtung an die Stelle einer punktuellen „Diagnose“ der Intelligenz.
Wie wird das Modell GARDNERs in der aktuellen Diskussion bewertet?
ASENDORPF: GARDNERs Betonung von im Alltag relevanten Fähigkeiten als „verdienstvoll“, ebenso seine
„Sammlung neurophysiologischer, pathologischer, evolutionsbiologischer und entwicklungspsychologischer
Argumente“.
wirft ihm aber vor, seine Hypothesen „nie einer ernsthaften empirischen Prüfung unterworfen“ zu haben.
Tatsächlich beruhen Schlüsse vorwiegend auf der Interpretation deskriptiver Befunde, aber kaum auf
hypothesenprüfender Forschung.
WEBER und WESTMEYER (2001) charakterisieren Ansatz als „anregend“, wenden aber kritisch ein, dass sich „die
multiplen Intelligenzen so, wie GARDNER sie beschreibt, letztlich nur durch lebenslanges Inventarisieren von
Verhalten erfassen, kaum aber jemals testen lassen“.
EYSENCK spricht von einer „kuriosen Zusammenstellung“ von Intelligenzfaktoren.
Bekannte Korrelationen zwischen den angeführten Fähigkeiten -> unseriös, von voneinander unabhängigen
Intelligenzen zu sprechen. stütze sich „durchwegs auf anekdotisches Material“ und könne
„auch nicht den Schatten eines empirischen Beweises für seine esoterischen und absolut unrealistischen
Begriffsgespinste vorlegen“.
12
Kreativität, komplexes Problemlösen, Assessment Center
Seit wann gibt es das Konstrukt „Kreativität“ als Forschungsgegenstand der
Persönlichkeitspsychologie und in welcher Weise hat sich das Verständnis dieses
Konstrukts seither gewandelt?
Erste Ansätze der Kreativitätsforschung: Francis GALTON 1869; Einen wesentlichen Anstoß gab GUILFORDS Vortrag
vor der APA 1950: verstärkte Erforschung und Förderung von Kreativität im nationalen Interesse der USA.
Längere Zeit überwogen eigenschaftstheoretische Konzepte. Neuere systemtheoretische Konzepte sehen
„Kreativität“ eher als gesellschaftliches Konstrukt.
Welche Facetten des Kreativitätsbegriffs unterscheiden SCHULER und GÖRLICH und
auf welche berufsbezogenen Anwendungsmöglichkeiten verweisen sie?
(1) Kreativität als Anforderung und Ziel -> Auswahl kreativer Mitarbeiter und Manager
(2) Kreativität als Produkt, -> Förderung der Kreativität durch Trainings
(3) Kreativität als Eigenschaft -> Förderung der Kreativität durch Arbeitsgestaltung
(4) Kreativität als Prozess -> Förderung der Kreativität durch Interaktion/Führung
Welche Formen kreativer Produktion unterscheidet Paul TORRANCE?
(1) Ausdruckskreativität (zB. Kinderzeichungen),
(2) produktive Kreativität (zB. Kunstwerke und wissenschaftliche Produkte),
(3) erfinderische Kreativität (zB. Technische Neuheiten),
(4) innovative Kreativität (neue gedankliche Konzepte)
(5) „emergenative“ Kreativität (Schaffung neuer Paradigmen, die neue Entwicklungen ermöglichen).
Welche Merkmale kreativer Persönlichkeiten werden in der Literatur angegeben
(Beispiele)?
BARRON und HARRINGTON: ästhetische Werte, breite Interessen, positive Bewertung von Komplexität, hohe
Energie, unabhängiges Urteil, Autonomie, Intuition und Selbstvertrauen.
MANSFIELD und BUSSE: überdurchschnittliche Intelligenz, breite Ausbildung, gute emotionale Regulation, Autonomie,
Flexibilität und Offenheit, Bedürfnis nach Originalität & nach beruflicher Anerkennung.
Wie sah GUILFORD das Verhältnis von Intelligenz und Kreativität und mit welchen
Merkmalsdimensionen seines eigenen Persönlichkeitsmodells setzt er diese beiden
Konstrukte in Verbindung?
GUILFORD: „Intelligenz“ -> „konvergentes“ und „Kreativität“ -> „divergentes“ Denken; Unterschied zwischen den
beiden Konstrukten eher auf der Operationsebene.
„Schwellenmodell“ der Intelligenz: Demnach setzt hohe Kreativität überdurchschnittliche Intelligenz voraus.
Umgekehrt ist hohe Intelligenz nicht zwangsläufig mit hoher Kreativität verbunden.
Welche definierte STERNBERG „Kreativität“ und welche Komponenten von Kreativität
unterscheidet er?
Drei Komponenten („Facetten“) der Kreativität:
- die „intellektuelle“ Komponente (entspricht der psychometrischen Definition von „Intelligenz“);
- die „persönliche“ Komponente (umfasst insbesondere motivationale und Antriebsaspekte);
- die „Stilkomponente“ (hat zu tun mit: Überschreiten gedanklicher Grenzen, neue gedankliche Strukturen bilden…)
Was verstehen STERNBERG und LUBART unter der „investment theory“ der Kreativität?
-> kreative Menschen „buy low and sell high in the world of ideas“ Sie greifen von anderen wenig beachtete
Ressourcen (Wissen, Erfahrungen, Denkstile) auf und formen daraus neue Produkte, die von der Öffentlichkeit als
Innovationen aufgefasst werden.
Mit welchem „Big Five“-Faktor steht Kreativität in Zusammenhang?
Zusammenhang mit dem Faktor „Offenheit“ (Unkonventionalität) der „Big Fife“.
Aus welchen Gründen kann man die Messbarkeit von Kreativität bezweifeln?
„Kreativität“ wurde oft mit unverwechselbaren, einmaligen Fähigkeiten in Verbindung gebracht. Daher wurde bezweifelt,
ob „Kreativität“ überhaupt als Merkmal generalisierbar bzw. mit einem „nomothetischen“ Ansatz erfassbar sei.
Systemtheoretische Betrachtungsweise: Auffassung von Kreativität als „kontinuierliche, normal verteilte Variable, die
als Qualität allen Personen zukommt und in unterschiedlicher Ausprägung bei jedem gemessen werden kann“,
grundsätzlich problematisch.
Wie kann man die Entwicklung kreativer Fähigkeiten evolutionstheoretisch
begründen?
Erfolgreiche Anpassung an eine komplexe Umwelt besteht nicht in einer festen Verknüpfung von Reiz und Reaktion,
sondern erfordert ein flexibles „Experimentieren“ mit Reaktionsmöglichkeiten. Dies entspricht dem Konstrukt der
„divergenten Intelligenz“.
Welche neurobiologische Grundlage vermutet EYSENCK für das Merkmal Kreativität?
- EYSENCK sieht die neurobiologische Grundlage von Kreativität in verminderter kognitiver Hemmung aufgrund
unterschiedlicher Reizverarbeitung im Hippocampus: Dopamin beeinflusst Kreativität positiv, Serotonin negativ.
Welche Phasen kreativer Prozesse hat GUILFORD unterschieden und welche neueren
Überlegungen gibt es dazu?
(1) Erfassung des zu lösenden Problems;
(2) Produktion einer Vielfalt von problemrelevanten Ideen;
(3) Evaluation der Problemlösungen und Auswahl der effektivsten Lösung;
(4) problembezogenes Schlussfolgern. Auf allen diesen Ebenen sind Unterschiede zwischen „kreativen“ und
„weniger kreativen“ Personen zu erwarten.
BASADUR: Problemfinden, Problemlösen und Lösungsumsetzen.
SCHULER und GÖRLICH erweitern dieses Schema: (1) Problementdeckung, (2) Informationssuche, -aufnahme
und -bewertung, (3) Kombination von Konzepten, (4) Ideenfindung, (5) Ausarbeitung und Entwicklung des
Lösungsansatzes, (6) Ideenbewertung, (7) Anpassung und Umsetzung, (8) Implementierung.
Welche Typen von Verfahren zur Messung von Kreativität kann man nach N EUBAUER
und FINK (2006) unterscheiden?
(1) psychometrische Tests (einschl. Einstellungs- Interessens- und Persönlichkeitstests;
(2) biografische Methoden (Historiometrik, Einzelfallanalyse)
(3) experimentelle Studien.
Welche Aspekte des kreativen Verhaltens decken die „GUILFORD-Tests“ ab und wie
ist ihre Validität zu bewerten? Können Sie weitere Beispiele für Verfahren zur
Messung von Kreativität angeben?
Modul des „divergenten Denkens“ enthalten.
Problemsensitivität, „Flüssigkeit“ (rasche Produktion von Ideen, Symbolen und Vorstellungen), Flexibilität im Denken,
Fähigkeit zur Um- und Neuinterpretation bekannter Objekte und Funktionen, Elaboration unscharfer Konzepte im Sinne von
Realisierbarkeit und Praktikabilität, Originalität der Gedankenführung.
Der Versuch, mit derartigen Tests Berufserfolg vorherzusagen, führte aber nur zu unbefriedigenden Ergebnissen, Die
Validität derartiger Verfahren wird als gering angesehen.
Torrance (auch: Minnesota) Test of Creative Thinking
Verbaler Kreativitätstest
Wie wird „Kreativität“ im Rahmen psychoanalytischer Modelle interpretiert?
-> unbewusst ablaufende, vorbegriffliche Assoziationsvorgänge („Primärprozesse“) für kreatives Denken verantwortlich.
Wird im Alltag weitgehend durch das abstrakte, logische und realitätsorientierte Denken („Sekundärprozesse“)
unterdrückt.
=> Kreativität durch „regressive“ Prozesse gekennzeichnet. Silvano ARIETI unterscheidet zusätzlich das „tertiäre
Denken“ als Integrationsprozess primärer und sekundärer Denkvorgänge
Was versteht man im Sinne von DEBONO unter „lateralem Denken“?
Laterales Denken als Spielart der Kreativität, die im Unterschied zum „vertikalen Denken“ in der Lage ist, seine
Richtung zu ändern. „Laterales Denken“ weist u.a. folgende Merkmale auf:
- „richness“ statt „rightness“: Betonung der Reichhaltigkeit, des kreativen Überschusses gegenüber der logischen
Folgerichtigkeit des Denkens;
- „generative“ statt „selective“: kreative Vermehrung statt selektiver Einschränkung der Denkalternativen;
- permanente Neubestimmung der Richtung des Denkens statt Bewegung des Denkens in eine einzige Richtung;
- Provokation statt Analyse.
Wie wird „Kreativität“ im Rahmen des „humanistischen Ansatzes“ interpretiert?
Kreativität beruht auf einer Interaktion von unbewussten und bewussten Prozessen; kreatives Denken und Handeln
wird durch Abbau von Bewusstseinsschranken und Zulassen der natürlichen Selbstentfaltung des Denkens gefördert.
Der Psychiater
Timothy LEARY wollte diese Entfaltung zusätzlich durch psychedelische Drogen (LSD) verstärken; diese Effekte
konnten aber empirisch nicht bestätigt werden.
Können Sie das systemtheoretische Konzept von Kreativität von CSIKSZENTMIHÁLYI
charakterisieren?
Drei „formierende Kräfte“ für die Entstehung von Kreativität: das Individuum, der spezifische Bereich („Domäne“) und
die soziale Umgebung.
Kreativität ist für ihn „das kulturelle Gegenstück zum genetischen Veränderungsprozess, der die biologische Evolution
bewirkt“. -> Kreativität als mehrstellige Relation begriffen werden, die neben der Person und ihren Produkten auch das
Feld und die Domäne mit einbezieht.
Kreativität nicht als isolierbare Eigenschaft speziell begabter Individuen anzusehen, sondern als Merkmal von
Personen, Ideen und Gegenständen, das erst in der Nutzung und Bewertung durch gesellschaftliche Gruppen
Sinn erhält.
Welche Folgen für das Verständnis des Konstrukts „Kreativität“ ergeben sich aus den
systemtheoretischen Ansätzen (zB. nach Westmeyer, 2001)?
Neues Kreativitätskonstrukt -> Kreativität weder als Eigenschaft von Produkten, noch als Merkmal von Personen, noch
als Charakteristik bestimmter Problemlöseprozesse definiert und daher auch nicht mit Hilfe von „Kreativitätstests“ erfassbar.
In diesem Konzept wird Kreativität ähnlich wie bei CSIKSZENTMIHÁLYI als „sozial definierter Begriff“ verstanden, der
nur interdisziplinär erfasst werden kann und nur durch eine „interdisziplinäre Operationalisierung“ auch quantitativ
erfasst wird.
Was sind nach Hartmut VON HENTIG die Vorzüge und Schwächen des
Kreativitätskonstrukts?
Er kritisiert die „Beliebigkeit, Inflation und Verlogenheit“, mit der das „Heilswort Kreativität“ allenthalben gebraucht wird,
interpretiert aber andererseits Kreativität als „Gegenmittel, als notwendiges Korrektiv in Gesellschaften, die dazu
neigen, alles durchzurationalisieren, die die Spontaneität, die Irregularität und damit Humanität unterdrücken, um das
Primat von Ökonomie und Ordnung einzuhalten“.
Können Sie die wesentlichen Merkmale des Modells „Lohhausen“ von D ÖRNER et al.
beschreiben?
Das „Lohhausen“-Modell stellt Vpn. vor die Aufgabe, in einer fingierten Kleinstadt („Lohhausen“) strukturell
relevante Entscheidungen (Bau- und Verkehrsmaßnahmen, Industrieansiedlung, Entsorgung etc.) zu treffen.
Die Entwicklung dieser virtuellen Stadt hängt dabei von ca. 2000 Variablen ab, die von den Vpn. beeinflusst werden
können.
Wodurch kann die Komplexität von Problemen bedingt sein und wodurch können
interindividuelle Unterschiede in Bezug auf die Fähigkeit zum Lösen komplexer
Probleme bedingt sein?
(1) die Anzahl der implementierten Variablen,
(2) die Anzahl der Verknüpfungen zwischen ihnen
(3) die Art dieser Verknüpfungen.
Interindividuelle Unterschiede:
(1) spezifische Sensibilität in Bezug auf diese unterschiedlichen Komplexitätskomponenten,
(2) Unterschiede im spezifischen individuellen Vorwissen
(3) Unterschiede in der Fähigkeit, während der Lösung der Aufgabe gemachte Erfahrungen zu nutzen.
Welche Phasen unterscheidet man im Prozess des Lösens komplexer Aufgaben und
welche Anforderungen ergeben sich dabei in den einzelnen Phasen an das
Individuum?
(1) Phase der Datensammlung: Fähigkeit, aktiv nach relevanten Daten zu suchen, um ein adäquates Bild der
Problemsituation zu erhalten;
(2) Phase der Zielfindung und Zielbalancierung: das Erkennen von Widersprüchen zwischen Teilzielen und ein
Abwägen des Ressourceneinsatzes in Bezug auf die Erreichung dieser Ziele;
(3) Phase der Planung und des Umgangs mit Absichten: Koordination von Entscheidungen in Bezug auf
widersprechende Absichten.
(4) Phase der Verarbeitung von Rückmeldungen: Fähigkeit, auf sich ändernde Erfolgswahrscheinlichkeiten
einzugehen.
Welche Determinanten der Fähigkeit zum Lösen komplexer Probleme werden in der
Forschungsliteratur üblicherweise angegeben?
Intelligenz, Wissensunterschiede, „heuristische Kompetenz“ und „kognitive Komplexität“
Welcher Zusammenhang zeigte sich in der „Lohhausen-Studie“ zwischen der
Fähigkeit zum komplexen Problemlösen und der Intelligenz, und welche Ursachen
werden dafür angenommen, dass individuelle Unterschiede in Bezug auf die
Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, nur begrenzt auf das Konstrukt
„Intelligenz“ zurückgeführt werden?
Lohhausen-Studie: Erfolg bei der Bewältigung komplexer Problemsituationen korrelierte nicht mit der Intelligenz.
Dagegen fanden sich Zusammenhänge mit sich selbst zugeschriebenen Eigenschaften wie Selbstsicherheit und
Kompetenz.
Ursachen: (1) Intelligenz misst Leistung unter transparenten Bedingungen; (2) allgemeine Intelligenzmaße sind zu
global; (3) Kriterien zur Bewertung von Problemlöse-Leistungen sind nicht ausreichend valide.
Was versteht DÖRNER unter „heuristischer Kompetenz“ und wie unterscheiden sich
heuristisch Hochkompetente von Personen mit niedriger heuristischer Kompetenz?
- „heuristische Kompetenz“ (allgemeine Kompetenz für die Bewältigung von Unbestimmtheit und Komplexität)
- auf spezifische Erfahrungsbereiche gerichteten „epistemischen Kompetenz“
Personen, die eine niedrige heuristische Kompetenz aufweisen, greifen bei Problembearbeitungen rasch auf intuitive
bzw. emotional gesteuerte Strategien zurück.
Heuristisch Hochkompetente versuchen dagegen länger und erfolgreicher, durch rationale Problembearbeitung und
Selbstreflexion neue Problemzugänge und neue Strategien der Problembewältigung zu entwickeln.
Was bedeutet „kognitive Komplexität“ und wodurch kann man Personen mit hoher
kognitiver Komplexität identifizieren?
Anzahl und Eigenschaften der Dimensionen, die Individuen zur kognitiven Strukturierung von Gegenstandsbereichen
verwenden.
Hochkomplexe Personen: vielfältige Aspekte in ihrer Planung berücksichtigen, Entscheidungen so koordiniert bzw.
integriert realisieren, dass mit ihnen das Erreichen aktueller oder erst in der Zukunft relevanter Ziele ermöglicht wird.
Was ist ein Assessment Center und in welchen Anwendungsbereichen wird es
primär eingesetzt?
ASENDORPF: Sequenz aus Einzel- und Gruppensituationen, die diverse Fähigkeiten, zum Zweck der internen oder
externen Personalauswahl erfassen soll.
Der Begriff „Assessment Center“ bezeichnet kein einheitliches Verfahren, sondern eine heterogene Klasse
diagnostischer Vorgangsweisen.
(1) arbeitsbezogene Fähigkeiten (zB. durch Organisations-, Planungs-, Entscheidungs-, Controlling- und
Analyseaufgaben),
(2) soziale Kompetenzen (durch Beobachtung in Gruppendiskussionen, Präsentationen und Rollenspielen),
(3) berufsspezifische Leistungstest und
(4)biographische Fragebögen zur bisherigen Ausbildung und Berufserfahrung.
Wie ist die prädiktive Validität von Assessment Centers zu bewerten?
Metastudie THORNTON, GAUGLER, ROSENTHAL & BENTSON: prädiktive Validität im Mittel über alle Studien = 0,37,
variiert aber zu stark über die einzelnen Studien, um aussagekräftig zu sein.
Besonders hoch, wenn Vorgesetztenurteil über Leistungspotenzial vorhergesagt wird. Besonders gering bei
Routineverfahren zur Entscheidung über Beförderungen.
Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Leistung in Assessment Centers und
anderen Persönlichkeitsvariablen, und welche Schlüsse kann man daraus
hinsichtlich der inkrementellen Validität dieser Verfahren gegenüber Intelligenz- und
Persönlichkeitstests ableiten?
Deutliche Korrelation zwischen AC-Ergebnissen und IQ bzw. sozialer Kompetenz.
SCHULER, FUNKE, MOSER und DONAT (1995): hohe Korrelation (0,46) zwischen einer Kombination von Intelligenzund Persönlichkeitstest und dem Vorgesetztenurteil. Die Hinzunahme von AC-Ergebnissen erhöht diesen Wert auf
0,58; die inkrementelle Validität ist also nur mäßig. Andere Studien kommen zu noch niedrigeren Werten.
ASENDORPF schließt daraus, dass das AC zwar einen zusätzlichen Beitrag liefert, der allerdings „nicht dramatisch“
ist und „angesichts des hohen Aufwands nur gerechtfertigt erscheint, wenn die Kosten einer Fehlplacierung hoch sind“.
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