„Mission ist Gottes Sache

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-1„Mission ist Gottes Sache!“
Der Missionar Paulus in der Apostelgeschichte
I. Einleitung:
1. „Christ wird man nicht durch Geburt,
sondern durch Wiedergeburt.“
2. „Jeder Baptist ein Missionar“ :
Über den missionarischen Erwartungsdruck der Baptistengemeinden.
Wir sind keine ‚Nachwuchskirche’, in die die Kinder der Gemeindefamilien automatisch wie
durch die Säuglingstaufe, dazugehören. Wir sind von unserem Grundverständnis her
‚Missionsgemeinde’. Chance und Dilemma einer missionarischen Freikirche.
3. „Ich kann allen alles werden, um auf alle Fälle einige zu retten.“ Paulus1.Kor.9,22
Rückfragen an das Missionsverständnis des Apostel Paulus
1.Korinther 9, 19 – 23 Missionsprinzip des Apostel Paulus
19 Denn weil ich frei bin von allen,
habe ich mich selbst allen zum Knecht gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
20 So bin ich den Juden wie ein Jude,
um Juden zu gewinnen;
denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz, obwohl ich
selbst nicht unter dem Gesetz bin,
um die unter dem Gesetz zu gewinnen:
21 den Gesetzlosen bin ich wie einer ohne Gesetz,
obwohl ich nicht ohne Gesetz Gottes, sondern im Gesetz Christi bin,
um die Gesetzlosen zu gewinnen;
22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
um die Schwachen zu gewinnen.
Ich bin allen alles geworden,
um auf alle Weise einige zu retten.
23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm Anteil zu haben.
Ein Spitzensatz der Mission. Ja, so anpassungsfähig muss Mission, muss der Missionar
sein. So die einen. Eine ungeheuere Anmaßung des Paulus. Wenn das Mission ist,
Anpassung an alle und jeden, wer kann dann missionieren? So die anderen.
Auf alle Fälle, dies ist ein Spitzensatz des Paulus über seine Mission.
In ganz und gar konzentrierten, rhythmischen Sätzen formuliert er hier sein Prinzip von
Mission.
Der Apostel lässt sich auf Seinesgleichen, obwohl er sich schon verändert hat. Er
lässt sich auf Andere ein, obwohl er nicht so ist wie sie. Seine Freiheit im Evangelium
nimmt ihm die Angst auf den Anderen zuzugehen. Damit sie auf ihn hören, hört er auf sie.
Was ist dieses ‚Werden wie der Andere?’ Eine Simulation? Das Vortäuschen eines Seins, das
man in Wirklichkeit nicht ist, um die eigentlichen Motive zu verbergen?
„Frei von allen für alle.“ So kann man seine Hauptthese zuspitzend formulieren, die er
zwar aus seiner Praxis entfaltet, ohne sie uns an irgendeinem praktischen Beispiel
erzählend verständlich zu machen.
Man hat dies verstanden als die Suche nach dem „Anknüpfungspunkt“.
Wo und wie kann ich bei dem Anderen anknüpfen an sein Verständnis, sein Weltbild, um
ihm das Evangelium nahe zu bringen.
Es geht dabei um die Fähigkeit zum Dialog, ein gegenseitiges „Hören und Antworten“. Oder
einfach gesagt, um die Kommunikation, insbesondere über Gräben und Barrieren hinweg,
bis hin zu einem Solidarischwerden mit den Anderen.
Aber es gibt auch warnende Stimmen: Allen alles werden. Das liegt im Trend. Macht
es allen recht. Tretet niemanden auf die Füße. Redet allen nach dem Mund. Nach allen
Seiten hin offen. Meister der Anpassung. Will Paulus uns zu Chamäleon-Christen machen?
Paulus beschreibt hier, dass Begegnung mit dem Anderen einen Prozess der
Veränderung in Gang setzt, in die auch der Bote des Evangeliums eingeschlossen ist und
nicht alleine der Andere, den es zu „gewinnen“ gilt. Für diesen Prozess der Veränderung in
der Mission hat er die Freiheit.
Denn in dieser Begegnung wird das Evangelium nicht mehr so sein, wie das Evangelium am
Anfang in Jerusalem den Juden verkündigt wurde, das Halten der kulturellen Gesetze. Das
Evangelium löst sich immer aus den kulturellen Einbettungen des Boten, um in einer
anderen Kultur ebenso heimisch zu werden.
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II. Zu den Bibeltexten: Mission ist Gottes Sache
1 Die Missionsstrategie des Paulus in Philippi:
1. Paulus auf der Suche nach seinem Ort der Mission 16,6-10:
Nach der Trennung von Barnabas sucht Paulus mit seinen neuen Mitarbeitern seinen
neuen Ort der Mission. Eine merkwürdige, erfolglose Missionsreise kreuz und quer durch
Kleinasien bis zum Übergang nach Philippi, Mazedonien, beginnt.
‚Asia: Verwehrt durch den Geist.
Bythinien: der Geist Jesu lies es nicht zu.
Da eine Abweichung weder nach links (Asia) noch eine nach rechts (Bythinien) ihnen
möglich war, bleibt ihnen nur der Weg nach West bis an die Küste (Troas) übrig. Auf dieser
merkwürdigen Missionsreise, auf der ‚der Herr der Mission’ und ‚der Geist der Mission’
ihnen verweigernd den Weg versperrt, gelingt keine Gemeindegründung. So gelangen sie
nach Troas, ist das das Ende der Missionsreise?
Troas: Eine Erscheinung: Ein Mann aus Mazedonien: Komm herüber und hilf uns.
Troas, eine neue Berufung in die ganz und gar eigene Mission des Paulus: Griechenland.
„Gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte.“ 16,10 (Mazedonien, Heimat des Lukas?)
Erinnerung an die Berufung des Saulus: 9,15 „meinen Namen trage vor Heiden“.
2. Die Missionsstrategie des Paulus in Mazedonien, Philippi 16,11-15
Welchen Ort, Stadt, sucht Paulus aus für seine Mission?
Auswahl der Orte ist eine römische Kolonie an der Römerstraße (Via Egnatia), Philippi.
Ein strategischer Ort, der mit der Welt des römischen Reiches aufs engste verbunden ist.
Wo in der Stadt versammeln sich Menschen, bei denen Paulus Zugang finden könnte,
das Evangelium zu verkündigen?
Er sucht eine ‚Synagoge’, findet eine Gebetstätte, außerhalb der Stadt. Dort versammeln
sich Juden, Proselyten (zum Judentum übergetretene Heiden), Gottesfürchtige (vom
Monotheismus angezogene Heiden, die aber die rituellen Gesetze der Juden für sich
ablehnen, anders als die Proselyten).
Wem aus der Gebetsstätte der Juden ‚tat der Herr das Herz auf’?
Es war kein Mann, wie er im Traum gesehen hatte!
Einer Frau aus der jüdischen Gebetsstätte, Lydia, eine ‚Gottesfürchtige’, eine Händlerin
aus Thyatria.
Was mutet ihm die erste Christin aus Europa, Mazedonien, nun als Folge ihrer Taufe den
Männern zu? (Frage nach dem Prozess der Veränderung). 16,15 aus dem „Wir-Bericht“:
Lydia: “Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und
bleibt bei mir.“ Und sie nötigte uns.
Lydia, die Frau, fordert für sich von den Missionaren die Konsequenzen aus ihrer Taufe ein.
Galater 3,27-28: „Alle auf Christus getauft: Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave
noch Freier, nicht Mann noch Frau, alle allesamt einer in Christus.“
Sie fordert eine Hausgemeinde in ihrem Haus, in dem die Missionare Quartier nehmen.
Jeder Neugetaufte hat das Recht, die Konsequenzen seiner Taufe von der Gemeinde
einzufordern!
Zusammenfassung: ‚Strategie’
Die lange Suche nach der Gewissheit, am rechten Ort der Mission zu sein.
Die Frage nach dem Zugang: Zu welchem Milieu, sozialer Gruppe, Niveau von
Menschen hat Paulus Zugang?
Die Frage nach der Bereitschaft zur Veränderung: Jeder, ‚der zur Gemeinde
hinzugetan wird’, verändert die Gemeinde.
Fragen an uns:
Haben wir die Gewissheit an dem rechten Ort unserer Mission zu sein?
Zu welchem ‚Milieu’, zu welcher ‚sozialen Gruppe’ oder ‚Niveau’, zu welcher
‚Generation’ von Menschen habe ich, haben wir als Mitglieder der Gemeinde
Zugang?
Wie viel Bereitschaft zur Veränderung habe ich, haben wir, wenn Menschen, die wir
heute zum Glauben einladen, in unserer Gemeinde Gemeinschaft suchen?
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2 Die Missionsstrategie des Paulus in Athen 17,16-34
Bild: Athen, war immer noch ein Zentrum der griechischen Welt und Bildung.
Sollte das Evangelium in aller Welt verkündigt werden, musste es sich auch in der
Hochburg des menschlichen Geistes und der Wissenschaften bewähren.
Es gilt, für das Evangelium von Jesus eine Sprache und ein Denken zu finden, die
auch die Philosophen Griechenlands (die philosophisch Gebildeten) verstehen
können.
Bild: Athen, Apollontempel mit dem Orakel von Delphi
17,16 In Athen war Paulus empört, als er die Stadt voll von Götzenbildern sah.
Empörung über die Götter, Reaktion des Judentums auf das Griechentum.
Wird bei einer solchen Empörung eine Verständigung überhaupt möglich sein?
Bild: Blick auf das Gymnasion (links) und das Athena-Heiligtum
17,17 Er disputierte in der Synagoge mit Juden und Gottesfürchtigen,
auf dem Marktplatz jeden Tag mit denen, die gerade da waren…
Bezeichnend steht hier nicht „verkündigen“, sondern „disputieren“, ins Gespräch
kommen.
Paulus redet mit Juden, Gottesfürchtigen und Heiden (Marktplatz).
Disputieren in der Öffentlichkeit, eine Möglichkeit für die Christen?
Bild: Blick auf den Areopagfelsen Die Rede des Paulus auf dem Areopag
Die Philosophen nehmen den „Körnerpicker“ mit auf ihren „Diskussionshügel“,
Areopaghügel –felsen. Ist Paulus nur ein „Körnerpieker“, der philosophische
Brocken aufschnappt und seine Rede damit garniert?
Oder hat er wirklich einen „fremden – den Athenern fremden - Gott“ zu
verkündigen, weil er Jesus und die Auferstehung als gute Botschaft predigt?
Von dieser neuen Lehre wollten sie mehr hören!
Neu, war in Bezug auf die Gemeinde, war ein wichtiges Stichwort des Lukas.
Sie werden von den Juden „Anhänger des neuen Weges“ genannt,
geben sich in der römischen Weltstadt Antiochia einen neuen Namen „Christen“
und werden jetzt von den Gebildeten wegen der „neuen Lehre“ befragt.
Text im Bild: „Alle Athener und die dort wohnenden Fremden sind auf nichts
anderes aus als darauf, etwas Neues zu sagen oder zu hören.“ 17,21.
Der ‚neue Weg’ mit dem ‚neuen Namen’ und der ‚neuen Lehre’ passt wie geschaffen
für den Hellenismus! Wie nutzt Paulus die „Gunst der Stunde“? Wird er den
Philosophen ein Philosoph? (Lukas: Täglich auf dem Markt mit den Leuten reden,
wie Sokrates) Den entscheidenden Anknüpfungspunkt des Paulus sehen wir uns näher an.
Bild: Altar den unbekannten Göttern in Pergamon:
Den unbekannten Göttern (weiht) Kapiton, der Dadouchos, (den Altar).
In Pergamon, griechische Stadt an der Westküste der Türkei (Pergamonmuseum Berlin)
gefundener Altar den unbekannten Göttern. Hier der Plural. Bei Lukas im Singular.
Text mit Bild: Rede des Paulus:
„Athener, ich sehe, dass ihr in jeder Hinsicht überaus gottesfürchtig seid. Als ich
durch die Stadt ging, eure Heiligtümer sah, fand ich einen Altar, auf dem stand:
„Dem unbekannten Gott.“ Was ihr nun - ohne es zu kennen - verehrt,
dieses verkündige ich euch.
Was ist in dieser für die „Heidenmission“ des Lukas so wichtigen Rede passiert?
Die Anerkennung, dass die Adressaten ‚sehr gottesfürchtig’ sind und Gott, den
Paulus predigt, schon verehren, obwohl sie noch nicht alles über ihn wissen, ist
der entscheidende Ausgangspunkt zur Verkündigung an die Heiden in ihren
Religionen. Aus der Erfahrung der heutigen Weltmission nennen wir das so:
„Gott war schon vor Paulus in Athen“. Und auf Afrika bezogen:„Gott war schon
vor uns Missionaren in Afrika“
Wir hören einmal das Wesentliche dieser exemplarischen Rede, die den Menschen in
seinem Menschsein auf Erden und vor Gott voll und ganz respektiert und anerkennt:
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„Der Gott, der die Welt erschaffen hat, wohnt nicht in mit Händen gemachten
Tempeln. Auch wird er nicht von menschlichen Händen gepflegt…als ob er irgend
etwas bräuchte. Er selbst gibt allen Leben und Atem und alles.
damit sie Gott suchen, ob sie ihn wohl ertasten und finden würden. Er ist nicht
fern von einem jeden von uns. Denn in ihm leben wir, verändern wir uns, existieren
wir, wie auch eure Dichter formuliert haben: ‚Denn wir sind seines
Geschlechts.‘
„Gott hat über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen,
jetzt aber verkündigt ER den Menschen, dass alle überall umkehren.“
„ER hat einen Tag festgesetzt, an dem er die Welt richten wird mit Gerechtigkeit
durch einen Mann, den er bestimmt hat, den er für alle beglaubigt hat, indem
er ihn von den Toten auferweckt hat.“
Bevor wir auf die Reaktion achten, fragen wir noch einmal:
Was war das Besondere dieser exemplarischen Missionsrede an die Fremden?
Sie steht in der Mitte des eigenen Missionsgebietes des Paulus.
Am Anfang der Apg. 2 steht die exemplarische Pfingstpredigt des Petrus zu den
Juden (und allen die sich ihnen angeschlossen hatten).
Dort ist die Predigt des Petrus angefüllt mit Bibelstellen als Zitate der Worte Gottes.
Hier die Predigt in Athen vor den Gebildeten Griechenlands: Zitate ihrer
Philosophen und Dichter.
Jerusalem: ganz und gar „Sprache der biblischen Glaubensgedanken“.
Athen: ganz und gar „Sprache und Denken der Philosophie“.
Jerusalem: Petrus spricht von der Schuld und Sünde der Menschen in Jerusalem.
Athen: Paulus spricht über die Religion Griechenland als Zeit der Unwissenheit,
über die Gott hinwegsieht.
Jerusalem: Petrus spricht von Jesus, den Gott zum Christus gemacht hat.
Athen: Paulus spricht von einem Menschen, den Gott durch die Auferstehung
bestimmt hat, die Welt zu richten.
Noch mehr: Ihr Menschsein auf Erden und zu Gott hin wird ganz und gar
respektiert und anerkannt: Sie verehren Gott schon weil sie ihn suchen!
Paulus ist den Philosophen ein Philosoph geworden, um „einige zu gewinnen“.
Bild: Die Reaktion auf die Predigt:
Als sie aber „Auferstehung von den Toten“ hörten, spotten die einen, die anderen
sagten: Wir wollen dich ein andermal hören.
Paulus entfernte sich aus ihrer Mitte. Einige Männer hielten zu ihm, kamen zum
Glauben: Dionysios der Areopagit und eine Frau mit Namen Damaris.
Wegen der Auferstehung der Toten, spotten einige, wenden sich ab, andere sind
weiterhin „Interessierte“, doch einige halten zu ihm bis sie zum Glauben kommen:
Männer des Areopags (Philosoph) und eine Frau (mit Namen!).
Beobachtungen aus dem Text und Fragen für unser Gespräch
Mission setzt die Anerkennung des Anderen in seiner Andersheit voraus, mit seinem „Menschsein auf Erden“ –
seiner Kultur, Bildungsweg und Werten- und „seinem Menschsein vor Gott“ – seiner bisherigen Suche oder
Nichtsuche nach Gott.
Kann ich so wie Paulus, die Andersheit der Anderen in Fragen des Glaubens so anerkennen, dass diese
Andersheit mir zum Anknüpfungspunkt für das Evangelium wird?
In welchen anderen „Milieus“ der Bildung, Kultur oder Religionen bin ich so ‚zu Hause’ dass ich meinen
Glauben in die Sprache und im Denken dieser Anderen ausdrücken kann?
Kann ich heute in unserer immer säkularer werdenden Welt, so weltlich von Gott reden und doch so
überzeugend meinen Glauben leben, dass die, die heute nichts mehr wissen vom Glauben mich verstehen? Wie
müsste unser Gemeindeleben, unser Gottesdienst, Hauskreise usw. sein, um für Andere offen zu werden?
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