ZEUGNIS

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ZEUGNIS
„Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als
Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“
(Epheser 5,8)
Rev. Fr. Mesrop Parsamyan
Viele der heute hier Anwesenden werden bezeugen können, dass es im Leben jedes Menschen
eine Zeit der Finsternis gegeben hat, als wir Gott abgelehnt, seine Existenz bestritten oder
einfach ohne den Herrn und abseits von seiner Gegenwart gelebt haben.
Viele von uns hier können auch ihre einzigartige Bekehrungsgeschichte erzählen, ihre Pilgerreise
vom Dunkel zum Licht, vom Tod zum Leben und ihre Begegnung mit Christus.
Zwei Worte, die diese dritte Konferenz der europäischen Kirchen symbolisieren –
„Pilgerreise“ und „Licht“ oder vielleicht eher „Pilgerreise zum Licht“ – gehören zu den wichtigsten
Bestandteilen des geistlichen Lebens, welche die Gläubigen in die himmlischen Höhen führen.
Die Veranstalter haben diese Sitzung mit Zeugnissen im Anschluss an unsere Bibelarbeit
„Lebendige Briefe“ genannt. Deshalb möchte ich von meiner persönlichen Bekehrung Zeugnis
ablegen und von diesen beiden Realitäten von Licht und Pilgerreise in meinem geistlichen Leben
aufgrund des Geheimnisses im Epheserbrief des hlg. Paulus. Ich werde mein persönliches
Zeugnis vorstellen, das ich durch die Gnade Gottes erfahren habe – als einen lebendigen Brief,
der an meine Nächsten gerichtet ist:
Liebe Freunde!
Es gab eine Zeit, als ich im Dunkeln lebte, in der schneidenden Kälte einer Winternacht, während
der Sowjetherrschaft in Armenien geboren, als viele dort so lebten, als würde Gott gar nicht
existieren. Aber meine Erinnerung an diesen Tag ist mir noch lebendig wegen der Weise, auf die
das Licht Gottes meine Seele erleuchtete und mir Wärme schenkte. Gott sprach zu mir und
umhüllte mit seiner wärmespendenden Liebe das wieder freie und unabhängige armenische
Land, das von den Ketten des sowjetischen Atheismus befreit war.
Ich erinnere mich noch daran, als sei es heute – ein Samstagmorgen im Sommer, als ich noch
ein zwölfjähriges Kind war. Ich beschloss an diesem Tag, mit meinen Sportsbrüdern eine
Wanderung zum Kloster von Khor Virap zu unternehmen.
Nachdem wir 40 km unter der Hitze der Sommersonne gelaufen waren, erreichten wir endlich
nach Anbruch der Nacht das Kloster und beschlossen, die Nacht dort zu verbringen. Ich kann
mich nicht mehr genau erinnern, wie ich in dieser Nacht geschlafen habe, als aber im
Morgengrauen die Sonnenstrahlen langsam am Himmel hervortraten und den biblischen Berg
Ararat erleuchteten, weckten mich die Glocken der Kirche sofort. Ich hörte den Gesang der
Diakone des Klosters, die eines unserer beliebtesten mittelalterlichen Kirchenlieder anstimmten:
"Morgenlicht, Sonne der Gerechtigkeit, komm hervor und schenke mir Licht….“
Dieser Morgen war für mich ganz anders als alle anderen Tagesanbrüche und wird für immer
meiner Seele eingeprägt bleiben. Die Höhen und Tiefen der Melodie begleiteten unseren Weg
zur Kirche, wo wir an der Göttlichen Liturgie teilnahmen und den Herrn Jesus Christus in der
Kommunion empfingen. Die „Sonne“ der Gerechtigkeit mit ihren lebenspendenden Strahlen
spendete unseren Seelen Wärme und schenkte uns Leben. Sie öffnete die Augen unserer
Seelen, um den auferstandenen Heiland zu sehen, der für uns am heiligen Altar geopfert wurde.
Es war an diesem Ort, an den Hängen des Bergs Ararat, wo der Tradition nach Noah nach der
Sintflut dem Herrn einen Opfertisch bereitete. Es war auch der Ort, an dem der Erleuchter der
Armenier, der heilige Gregor, 13 Jahre gefangen war. Nach seiner Freilassung aus dem
Verlies kam er heraus und verbreitete das Licht Christi über ganz Armenien und an alle Armenier,
indem er predigte, lehrte und taufte im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
An diesem Morgen beteten und dankten wir auch zum ersten Mal am Fusse des Ararat, diesmal
als Überlebende der Flut des Atheismus, und mit dem Licht von der ewigen Lampe des
Erleuchters wurden unsere Seelen erwärmt und kehrten nach einer langen Zeit des Abdriftens in
den Schoss unsers Vaters zurück.
Am Ende der Liturgie fühlte ich, dass sich etwas Kleines, aber dennoch Wesentliches in meiner
Seele verändert hatte. Nach der ersten Begegnung zwischen dem Herrn und mir legte ich den
Schwur ab, dass ich alle Tages meines Lebens von nun an versuchen würde, in der Gegenwart
des Herrn zu leben, in seinem Licht und wie die Kinder des Lichts.
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Ich lobe und danke Gott, dass ich jetzt, beinahe vierzehn Jahre später, durch den Willen seiner
Vorsehung, die Gelegenheit habe, dieser Konferenz als Diener und Priester der armenischen
Kirche beizuwohnen und von der wärmsten väterlichen Liebe Zeugnis geben kann, die Gott mir
Bescheidenem und Unwürdigem erwiesen hat.
Liebe Freunde!
Wir sind hier in Rumänien aus verschiedenen europäischen Ländern versammelt, um in Einheit
der Welt gegenüber zu bezeugen, dass das Licht Christi über dem ganzen Planeten aufgeht und
dass alle, die an ihn glauben, nicht in Finsternis verloren sind. Wir bezeugen dies, damit all jene,
die weiterhin in Dunkelheit bleiben, den Weg zum Licht finden mögen, denn Gott „hat kein
Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am
Leben bleibt“ (Ezechiel 33,11).
Zu uns Christen, die wir im 21. Jahrhundert leben, spricht der hlg. Apostel Paulus und ermahnt
uns: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als
Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“
Wir Christen sind Kinder des Lichts. Wir haben nicht das Recht, in der Finsternis zu leben oder
zu arbeiten. Als Kinder des Lichts sollen unser Leben und unsere Werke, die auf den Früchten
des Lichts – Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – aufbauen, der ganzen Welt beweisen, dass
unseres Vaters Haus, die Kirche Christi, eins, heilig, allgemein und apostolisch ist und dass es
ein Haus des unaufhörlichen Gebets ist.
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