UEbungStillePost

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Stille Post
Das Spiel „Stille Post“ dürfte den meisten Menschen in Deutschland bekannt sein. Es geht so:
Jemand übermittelt einem anderen eine Botschaft (verdeckt vor anderen Teilnehmern des Spiels).
Diese Person darf sich keine Notizen machen und muss die Botschaft an einer dritte Person
weitergeben, diese wiederum an eine vierte Person usw. Zum Schluss gibt dann der letzte
Empfänger dieser Botschaft diese offen an alle Spielteilnehmer zurück und der erste Verkünder
wiederholt noch einmal die tatsächliche ursprüngliche Botschaft. Man sollte mindestens etwa 10
Stationen haben.
Die Botschaft wird sich zwischenzeitlich sehr verändert haben. Das liegt an zweierlei Effekten. Zum
einen vergessen Teilnehmer, was sie gehört haben, so dass die Botschaft an Informationen verliert,
reduziert wird. Zum anderen aber werden gerade deshalb wieder Zuwächse entstehen, d.h. die
reduzierten (und damit vielleicht unsinnigen) Teile von Information werden neu „ausgestattet“, um
wieder sinnvoll zu sein, es werden neue Elemente hinzugefügt.
Mit diesem Spiel kann man verschiedene Zwecke verbinden.
 Es kann z.B. damit demonstriert werden, wie Gerüchte entstehen und sich entwickeln (dann
sollte in der Botschaft z.B. eine Aussage über eine allen Teilnehmern bekannte Person
enthalten sein, etwa so:
Martin hat neulich im Bus gesessen und ist aufgestanden, als eine Frau dort stehen
musste. Sie bedankte sich und schenkte ihm eine Apfelsine, die er später aß. Aber sie
schmeckte ihm nicht. Er hatte dann eine Magenverstimmung, obwohl er nicht glaubte,
dass sie von der Apfelsine verursacht war….. [Die Botschaft lässt sich noch etwas
fortsetzen.]

Es kann damit aber auch demonstriert und sogar erforscht werden, welche unterschiedlichen
Strategien des Merkens Menschen anwenden, d.h. wie sie Informationen aufnehmen und
behalten.
Wir hatten einmal bei diesem Spiel die folgende Situation: Jemand hatte versucht, sich
die Botschaft wortwörtlich zu merken. Er wollte dieses auswendig Gelernte an den
nächsten Teilnehmer, der aber gleich zu Anfang die Frage stellte, worum es nun gehe (er
wollte wohl erst einmal eine grundlegende Orientierung zu der betreffenden Botschaft
aufnehmen). Diese Frage verwirrte nun den Berichtenden dermaßen, dass er stammelte,
nun habe er das Gelernte vergessen.
Wer mit den Teilnehmern den gesamten Prozess hinterher genauer analysieren will, kann die
jeweiligen Übermittlungen der Botschaft auch mit einer Video- oder Digitalkamera dokumentieren.
Der folgende Text1 könnte z.B. für Abiturienten und Studierende geeignet sein, um mit ihnen
anschließend über unterschiedliches Lernverhalten zu sprechen:
1
Gekürzt aus: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4gung_%28Verhalten%29
(Zugriff am 22.1.2012)
Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens: Während eines
meist relativ kurzen, genetisch festgelegten Zeitabschnitts (sensible Phase) werden Reize der Umwelt
derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoire aufgenommen, dass sie später wie angeboren erscheinen.
Im Rahmen der Instinkttheorie wird das Phänomen Prägung gedeutet als die Aneignung eines
Schlüsselreizes durch Lernen.
• Lernen durch Prägung findet statt, ohne dass Belohnung oder Bestrafung eine Rolle spielen.
Lernen durch Prägung unterscheidet sich daher fundamental von einer Lernform wie dem Lernen
durch Erfahrung wie z.B. durch Versuch und Irrtum.
• Prägung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur in einer bestimmten Zeitspanne stattfinden
kann, die daher als sensible Lebensphase bezeichnet wird. Prägung ist also nicht nachholbar. In
welchem Alter diese Phase nachweisbar ist und wie lange sie dauert, kann je nach Tierart sehr
unterschiedlich sein.
• Prägung ist unwiderruflich, das durch sie Gelernte wird besonders schnell und effektiv gelernt
und auf Lebenszeit behalten; zumindest werden die durch Prägung erworbenen Auslöser
(„Schlüsselreize“) auf Dauer bevorzugt.
• Durch Prägung werden stets nur eng begrenzte Inhalte gelernt, also zum Beispiel eine bestimmte
Reaktion auf ein bestimmtes Objekt der Umwelt oder eine bestimmte, klar gegen andere
Verhaltensweisen abgrenzbare Verhaltensweise.
• Prägung kann in einer Zeitspanne stattfinden, in der die geprägte Verhaltensweise noch nicht
vollzogen werden kann.
Am bekanntesten ist die so genannte Nachfolgeprägung, speziell bei Gänsen. Die Küken der Gänse
müssen nach dem Schlüpfen erst lernen, wer ihre Mutter ist, sie verfügen also über kein
angeborenes Erscheinungsbild der Mutter. Sie nähern sich in den ersten Stunden nach dem
Schlüpfen vielmehr zunächst bevorzugt allen Objekten in ihrer Umgebung an, die sich bewegen und
regelmäßig Lautäußerungen von sich geben. Nach wenigen Minuten Aufenthalt in deren Nähe folgen
die Küken ihnen nahezu bedingungslos nach. In natürlicher Umgebung ist das jenes Tier, das die Eier
erbrütet hat und alle fremden Individuen vom Nest fernhält – also die Mutter. Im Experiment mit
Küken, die im Brutschrank auch von allen Geräuschen isoliert schlüpften, konnte man die jungen
Testtiere hingegen in Minutenschnelle auch auf einen Fußball oder auf eine Holzkiste prägen..
Bekannt geworden ist der spätere Nobelpreisträger Konrad Lorenz auch als „Vater der Graugänse“:
Lorenz sorgte wiederholt dafür, dass nur er selbst sich nach dem Schlüpfen von Küken in deren
unmittelbarer Nähe aufhielt. Dies hatte zur Folge, dass die Küken auf Lorenz geprägt wurden und ihm
nachfolgten, wohin auch immer er lief.
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