Erfahrungsbericht vom 13

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Erfahrungsbericht vom 13. Juni 2006 für das Internationale Büro des'BMBF „Das Lied der Erde"
Projekt Nr. DPA 06/326
„Piesn Ziem"
Ein Dreijahresprojekt - gefördert von der Robert Bosch Stiftung zwischen dem
Gabriele- von- Bülow- Gymnasien/ Berlin und dem Aleksander Fredro Lyzeum/ Breslau,
verbunden in enger Partnerschaft seit 1994
„Das dritte Jahr" - Die Abschlusspräsentation - gefordert von dem Auswärtigen Amt im
Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres 2005/2006
Kreisau/ Kryzowa : l. - 8. April 2006, Fontäne- Haus/ Reinickendorf: 23.- 30. April 2006
Zusammenfassung zum Projekt
Nach drei Jahren intensiver gemeinsamer Projektarbeit, die interdisziplinär schwerpunktmäßig in den
Bereichen Bildende Kunst, Musik, Literatur, Geschichte und Ökologie angesiedelt war, haben 100
Beteiligte- zehn Pädagogen und 90 Schüler und Schülerinnen beider Partner - im letzten Abschnitt
zum „Lied der Erde" als besonderen Beitrag zum Deutsch- Polnischen Jahr 2006 eine großartig
angelegte Präsentation konzipiert, die die Ergebnisse der Begegnungsarbeit zum Inhalt haben sollte.
Dank der großzügigen Hilfe durch das Auswärtige Amt brachten deutsche und polnische jugendliche
Darsteller ( Die Gruppe wurde Jahrgangsübergreifend von der 7. Klasse bis zum 4. Semester
zusammengestellt) am Samstag, dem 7. April 2006, ein farbenprächtiges Spektakel aus heiteren und
auch ernsteren Sequenzen auf die Bühne der in der Nähe von Breslau gelegenen Europäischen
Jugendbegegnungsstätte Kreisau/ Kryzowa zur Uraufführung und im Zuge des Gegenbesuches in
Berlin am 29. April 2006 zur Endpräsentation im Fontäne-Haus/ Reinickendorf. Im Vorfeld zu dieser
außergewöhnlichen Begegnung waren in den vorangegangenen Projekten zum „Lied der Erde", wie
Perlen zu einer Kette, einzelne Teilergebnisse entstanden, die zu fünf Themenbereichen gegliedert
werden konnten:
„ Natur pur und Stadtstruktur ", „ Krieg und Frieden ", „ Zeit und Raum ", „ Liebe und Freundschaft
" sowie „ Spiel und Spaß ".
Das zweisprachig aufgebaute Programm zeigte einen Querschnitt der Arbeit aus diesen vergangenen
Austauschbegegnungen: ein Stabpuppentheater mit Percussioninstrumenten, Theaterszenen,
Rezitationen eigener und fremder Gedichte, Tanzauflührungen sowie Pantomimen und Performance
mit selbst hergestellten Körperobjekten, Orchesterstücke. Es wurde aber auch eine neue, dem
Aufführungsort Kreisau angemessene. Bühnenszene mit dem Titel " Kreisauer Kreis und Solidamosc"
einstudiert, die von älteren Schülerinnen vorbereitet, gleichzeitig Unterrichtung der jüngeren
deutschen und polnischen Schüler und Schülerinnen über Widerstandsbewegungen darstellte. Die
verschiedenen Teile wurden im Sinne burlesken Straßentheaters zu musikalischen Variationen des
Orffschen Tanzes „Uf dem Anger" von Clowns pantomimisch eingeleitet, die ein Rad drehen, dessen
Flügel jeweils einen der fünf Themenbereiche symbolisieren. Die zu dem Bühnengeschehen im
Hintergrund eingespielten Licht- und Videoinstallationen sowie kunstvoll zusammengestellten
Filmsequenzen boten einen Leitfaden und verbanden Vergangenheit und Gegenwart.
Bericht
Spezieller Beitrag zur Deutsch-Polnischer Zusammenarbeit mit Beteiligung junger
Akteure
Ein derartig vielfältiges Programm aus einzelnen Puzzlesteinen zu einer in sich geschlossenen
Präsentation auf die Bühnenbretter des großen Saals der Jugendbegegnungsstätte Kreisau zu bringen,
stellte eine einzigartige Herausforderung für alle Schülerinnen und Schüler und die beteiligten
Pädagogen unterschiedlicher Fachrichtungen dar, zumal deutsche und polnische Teilnehmer in ihrer
jeweiligen Tradition, in ihren kulturellen Voraussetzungen, in der jeweiligen Sprache zu zum Teil
kontroversen, aber fairen Auseinandersetzungen bereit sein mussten.
Die gemeinsame Arbeit wurde von starkem Engagement, von Begeisterungsfähigkeit und
überströmender Fantasie, von der Fähigkeit, sich Zufällen zu stellen, getragen, Flexibilität und eine
zum Teil unendliche Einsatzbereitschaft und Disziplin jedem einzelnen abverlangt. So hielten z. B.
alle Beteiligten im Fontäne-Haus, Reinickendorf, bei der Umsetzung des Spektakels „Das Lied der
Erde" auf eine professionelle Bühne in einem Saal von 700 Sitzplätzen einen 9-stündigen Probentag
aus, der dann zu einer glanzvollen Präsentation bei fast vollbesetzten Hause führte und somit einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich war. In einer zweieinhalbstündigen farbigen Vision vom „Lied der
Erde" und in wechselnden bewegenden Bildern der überwiegend gemischten deutsch- polnischen
Gruppen entwickelte sich spannungsvoll das Programm auf der Bühne und begeisterte die Zuschauer.
Viele Schülerinnen und Schüler empfanden diese Präsentation als ein herausragendes Ereignis, das zu
einer persönlichen Selbsterfahrung geführt hat. Pressestimmen, z. B. im Tagesspiegel vom 9. Mai auf
der Seite „Schule " belegen diese Begeisterung.
Zurück zu den Anfängen in der Jugendbegegnungsstätte Kreisau/Kryzowa. Mit einem
Doppeldeckerbus mit Anhänger, in denen sich Requisiten, Orchesterinstrumente, Körperobjekte,
Materialkisten, eine ausladende Blattsammlung aus dem Botanischen Garten und technisches
Equipment stapelten, im Oberdeck 45 aufgeregte Schülerinnen und Schüler aus Berlin, nach einer
abenteuerlichen Fahrt über Schlaglöcher und Sandpisten in Kreisau angekommen, trafen sich die
Beteiligten mit den ebenso aufgeregten und hochmotivierten Teilnehmern aus Breslau.
In den Köpfen sah es zum Teil ebenso abenteuerlich aus.
Wie sollte aus den einzelnen Bruchstücken, Sequenzen, Filmabschnitten, einstudierten
Tänzen oder geprobten Theaterszenen ein gemeinsames „Lied der Erde" entstehen?
Es war bald klar, dass der Weg das Ziel sein musste. In der abgeschlossenen Atmosphäre der
Begegnungsstätte, in einer wunderbar beruhigenden Landschaft bietet Kreisau mit den
unterschiedlichen Seminarräumen im Schloss, der Bildnerischen Werkstatt, mit den Musikräumen und
der Sporthalle reichhaltige Möglichkeiten sich partnerschaftlich aufeinander einzulassen und
miteinander zu arbeiten, kurz Integration/ Integracja zu bewirken.
Deutsche und polnische Betreuer sorgten dankenswerter Weise für Integrations- und Sprachspiele,
ebenso für einen landeskundlichen Besuch in Schweidnitz/ Swidnica, der die Friedenskirche mit
einschloss.
Jeden Morgen begann der Arbeits- und Probentag zum Aufwärmen mit dem gemeinsamen Tanz
„Night- Fieber", der später den Abschluss der Präsentation bilden sollte. Dann folgte die Arbeit in den
Gruppen.
Im Schnittpunkt von vielen Unterrichtsfächern und eher Vernachlässigung der jeweiligen
Fachsystematik wurde in der Gruppenarbeit auf Selbstorganisation und soziales Lernen Wert gelegt,
wobei das Ziel einer gemeinsamen Präsentation vom „Lied der Erde" nicht aus den Augen verloren
gehen durfte. Es wurden folgende Werkstätten angeboten:
Orchester des Bülow- Gymnasiums und Chor des Fredro Lyzeums
Percussion und Improvisation
Historische Tänze
Standard Tänze ' - Rezitation eigener schriftstellerischer Leistungen und Texten
professioneller
Schriftsteller, wobei der Sprache der jeweiligen Kultur besondere Bedeutung
zugemessen wurde.
Aufarbeitung der Widerstandsbewegungen „ Kreisauer Kreis und Solidarnosc "
- Bildnerische Werkstatt zur Aufarbeitung und Herstellung von Körperobjekten aus Natur- und
Verpackungsmaterial
Bildnerische Werkstatt zur Erarbeitung von Materialcollagen mit Fundstücken aus Kreisau
- Performance mit Stabpuppen und Körperobjekten
- Technik und Equipment zur Sicherstellung der Filmsequenzen und der Licht- und
Videoinstallationen
- Bildnerische Werkstatt zur Vorbereitung einer begleitenden Ausstellung:
Gezeigt wurden u. a. im Foyer des Saales in Kreisau und im Fontäne-Haus in Berlin selbst hergestellte
Percussioninstrumente, Stabpuppen, Fotodokumentationen vergangener Austauschbegegnungen.
Die Gruppen entstanden nach dem Prinzip der Freiwilligkeit, es wurde jedoch darauf geachtet, dass sie
sich binational zusammensetzten. Besonders beeindruckend war die Gruppe „Historische Tänze". Dort
führten polnische Jungen deutsche Mädchen zum Tanze. Die Gruppenarbeit bot den Partnern die
Möglichkeit, sich kennen zu lernen, schließlich sollten beim Gegenbesuch in Berlin die polnischen
Akteure in Gastfamilien eingeladen werden.
Tatsächlich wurden Zweidrittel der polnischen Beteiligten beim Gegenbesuch in Berliner Gastfamilien
aufgenommen. Nutzen für beteiligte Partner
In den Gruppen wurden vielfältige Erfahrungen inhaltlicher aber auch persönlicher Art gemacht, z. B.
einerseits sich selbst darzustellen, andererseits sich auch auf eine andersartige - Interpretation z. B.
eines Gedichtes einzulassen. Später wurden einige Beiträge in „polnischer" und „deutscher" Version
geboten. Gegenseitige Akzeptanz des jeweils anderen wurde geübt. Dabei hatten Lehrer und
Lehrerinnen positiv gesehen- laut einer nachträglichen Befragung-eher die Rolle des Beraters. So
bestätigten alle Teilnehmer, dass die Gruppenarbeit Spaß gemacht hat und die Beteiligten ihre eigenen
Ideen umsetzen konnten. Sie haben außerdem die gemeinsame Arbeit als Kontaktaufnahme zur
deutsch- polnischen Verständigung verstanden, als Ort, um Vorurteile abzubauen, und dieses als
wichtigstes Ziel der Austauschbegegnungen erkannt. Alle Schülerinnen und Schüler würden wieder an
einem Austausch mit Polen teilnehmen.
Die in den Gruppen erarbeiteten Beiträge wurden mit Hilfe der Filmsequenzen, die das Programm
begleitend steuerten, schließlich in gemeinsamer täglicher Absprache, auch zwischen Schülerinnen
und Schülern und den Pädagogen, zu einem „Lied der Erde" ganz besonderer Art zusammengestellt.
Unterstützt wurde „Das Lied der Erde" sowohl in Kreisau als auch in Berlin durch
gegenseitige Kollegenbesuche an beiden Orten. Das Interesse der begleitenden Kollegen und
Kolleginnen an den gemeinsamen Auftritten lässt auf eine Erweiterung der Austauscharbeit
hoffen.
Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit
„Das Lied der Erde" ist in folgender Presse angezeigt und vorgestellt worden:
am l. April 2006 in „Die Dorfzeitung", am 26. April im „Berliner Abendblatt", am 27. April
in „Der Nordberliner", am 29. April in „Der Tagesspiegel".
Außerdem erschien ein Bericht im Regional Femsehen Breslau, eine Projektbeschreibung in
der Broschüre „Berlin Partner" mit dem Titel Berlin - Breslau/Wrodaw - Berlin und eine
Präsentation auf der Bildungsmesse „AVANTI" im Roten Rathaus Berlin.
Einige Personen der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit haben besonders an der
Austauschbegegnung in Kreisau regen Anteil genommen und das Projekt auch finanziell
unterstützt.
So sei Dank gesagt:
- der Bezirksbürgermeisterin von ReinickendorfFrau Marlies Wanjura, die in Ihrer Festrede den
historischen Ort Kreisau als Ort des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus als bedeutungsvoll
für das Deutsch- Polnische Verhältnis der letzten zehn Jahre unterstrich. Ihrem Engagement und der
Vermittlung der Frau Direktorin Spalka ist es zu verdanken, dass begleitend in einem Gespräch im
Rathaus Breslau mit dem Vizepräsidenten eine freundschaftliche Annäherung der Stadtverwaltungen
verabredet wurde.
- Frau Lila Jaron, der Direktorin der Abteilung für Bildung in Breslau, die in der Festrede die
besondere Bedeutung in der Zusammenfühmng der Jugendlichen sah,
- dem Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau Herrn Dr. Helmut Schöps für die
Festrede und Herrn Konsul Ralf Nitz für die Einladungen und den Empfang im großen Saal von
Kreisau,
- dem Stadtrat für Personal, Schule und Finanzen von Reinickendorf Herrn Uwe Ewers für die
finanzielle Unterstützung und die Bereitstellung des Fontäne-Hauses,
- dem Bundestagsabgeordneten Herrn Detlef Dzembritzki für das Gespräch mit allen Teilnehmern im
Bundestag und im Reichstag,
- dem Chef der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom Herrn Michael Ruperts, der alle Teilnehmer auf
den Femsehturm Berlin eingeladen hat.
Das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Dreijahresprojekt „Das Lied der Erde" hat insgesamt zu
einer Bereicherung und zu einer durchgehenden, von Akzeptanz und Freundschaft geprägten
Teamarbeit beider Partner gerührt. Die Abschlussbegegnung in Kreisau/Kryzowa zum Deutsch Polnischen Jahr 2005/2006 hat die Intensität der Zusammenarbeit der Art gesteigert, dass
nachfolgende Projektbegegnungen selbstverständlich erscheinen: geplant ist ein weiterer Austausch im
Juni 2006 zu Wasseruntersuchungen in Wrodaw/Breslau, für 2007 ist eine gemeinsame
Begegnungsfahrt nach Krakau mit dem Titel „Auf den Reisespuren des Papstes Benedikt XVI
2006"angedacht.
Zum Schluss sei ein persönliches Wort gestattet: Wenn wir, die beteiligten Pädagogen, an diesen
sonnigen Frühlingstagen im Gespräch vertieft in den Pausen einen Spaziergang auf den Kapellenberg
von Kreisau/Kryzowa machten, empfanden wir den Ort und die Landschaft wie es Freya von Moltke
in ihren Erinnerungen beschreibt: „Es war beglückend ... .Immer wieder durch die friedliche
Landschaft zu wandern, über Äcker und Wiesen und durch den Busch, wie die Schlesier die kleinen
zwischen den Feldern liegenden Waldstücke nannten. Wie herrlich war zum Beispiel der Duft der
frisch gepflügten Erde und der Maiglöckchen im Wald!" Ein Hauch von Versöhnung wehte uns an.
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