Erste Hilfe

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Erste Hilfe
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Grundsätze
Vorgangsweise an der Unglücksstelle
Maßnahmen bei Lebensbedrohung
o Lebensbedrohung durch Bewusstlosigkeit
o Lebensbedrohung durch Atemstillstand
o Lebensbedrohung durch Kreislaufstillstand
Schockbehandlung
Starke Blutung
Verletzungen und Erkrankungen
o Gesicht-, Schädel- und Halsbereich
o Brustkorbbereich
o Bauchraum
o diverse Notfälle
Hubschrauberrettung
Verschiedene Verbände
Inhalt einer Kursapotheke
Für den Inhalt verantwortlich:
Österreichisches Kuratorium für alpine Sicherheit
DDr. Martin Burtscher
Dr. Michael Philadelphy
Mag. Robert Scheiring
Grundsätze der Ersten Hilfe
Wer glaubt, Bergsteigen und Skifahren sind ungefährlich und Erste-Hilfe-Leistungen
beschränken sich auf die Behandlung von Blasen an Ferse und Zehen, irrt gewaltig.
Bergsteigen zählt ohne Zweifel zu den erlebnisreichsten und abenteuerlichsten Sportarten,
aber auch zu den gefährlichsten. Das Risiko beim Bergsteigen durch einen Unfall oder eine
Erkrankung zu sterben, ist rund 100 mal größer als zum Beispiel beim Schwimmen oder bei
Ballsportarten. Nahezu die Hälfte aller Österreicher sind Bergsteiger oder Skifahrer. Jährlich
sterben in Österreich ca. 250 bis 300 Menschen bei der Bergsportausübung. Daraus muß uns
allen die Verpflichtung bewußt werden, durch besonders gewissenhafte Vorbereitung auf
Bergtouren und Skilauf Unglücke zu vermeiden. Sollte sich dennoch ein Notfall ereignen,
können gezielte Erste-Hilfeleistungen in manchen Fällen zumindest das Schlimmste
verhindern und Angst und Schmerzen mildern. Zu dieser Hilfeleistung sind wir alle moralisch
und gesetzlich verpflichtet. Welche Maßnahmen in Notsituationen von jedem Bergsteiger und
Skifahrer beherrscht werden sollten, wird in der Folge dargestellt.
Hauptziel dieser Maßnahmen ist die Sicherung der Sauerstoffversorgung des Gehirns.
Wird das Gehirn, zum Beispiel bei einem Kreislaufstillstand, nicht mehr mit Sauerstoff
versorgt, tritt bereits nach 10 Sekunden Bewusstlosigkeit ein.
Schon nach 5 Minuten kann der Gehirntod eintreten.
nach 10 Sekunden: Bewusstlosigkeit
nach 3 Minuten: Teilschädigung
nach 5 Minuten: Gehirntod
Vorgangsweise an der Unglücksstelle
Befindet sich der Verletzte in einem unmittelbaren Gefahrenbereich (z.B. Steinschlag,
Absturzgefahr, unübersichtliche Stellen auf der Skipiste, fahrende Autos, etc.), so ist er
möglichst rasch und schonend an eine zur Durchführung der Ersten Hilfe geeignete Stelle zu
bringen.
Dazu dienen spezielle Transporttechniken.
Rautek-Griffe
Bei Verdacht auf Wirbelsäulen-Verletzung ist besondere Vorsicht geboten.
3 Hauptfragen gilt es, rasch zu beantworten
1. Besteht Bewusstlosigkeit?
2. Atmet der Betroffene?
3. Schlägt das Herz?
WICHTIG:
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Bewusstsein, Atmung und Herzkreislauffunktion sind lebensnotwendige Funktionen!
Fällt eine oder mehrere dieser Funktionen aus, besteht Lebensgefahr!
Lebensrettende Sofortmaßnahmen sind zu treffen!
Lebensbedrohung durch Bewusstlosigkeit
Im Zustand der Bewusstlosigkeit verliert der Betroffene die Verbindung mit der Umwelt und
dadurch die Möglichkeit, auf Gefahren zu reagieren.
Bei leichten Formen der Bewusstseinsstörung kann der Verunglückte durch Ansprechen oder
Rütteln an den Schultern geweckt werden. Der Bewusstlose hält die Augen geschlossen und
reagiert nur noch auf Schmerzreize. Bei tiefer Bewusstlosigkeit sind Schutzreflexe wie
Husten- und Schluckreflexe nicht mehr vorhanden. Deshalb kann jederzeit durch Verlegung
der Atemwege mit Erbrochenem, Blut oder Fremdkörpern Atem- und Kreislaufstillstand und
damit der Tod eintreten!
Wie wird das Bewusstsein beurteilt?
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Ist der Patient wach oder öffnet er auf Aufforderung die Augen?
Weiß er, wer er ist, wo er ist, was geschehen ist?
Wenn der Betroffene nicht weckbar ist und die Augen geschlossen bleiben, ist er
bewusstlos!
Für eine weitere Beurteilung einer bereits eingetretenen Schädigung des Gehirns
dienen
Pupillenweite und -reaktion:
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
Normalerweise sind die Pupillen bei durchschnittlicher Helligkeit mittelweit,
seitengleich und reagieren bei Lichteinfall mit Verengung.
Bereits 1 bis 3 Minuten nach Kreislaufstillstand sind die Pupillen weit und
reaktionslos.
Der Feststellung von Bewusstlosigkeit und Pupillenbeurteilung folgt sofort die
Überprüfung von Atmung und Kreislauf (siehe dort).
Ungleich weite Pupillen können eine Gehirnblutung anzeigen.
Sofortmaßnahmen bei Bewusstlosigkeit
Vorausgesetzt daß Atmung und Herzkreislauf funktionieren, werden bei Bewusstlosigkeit
folgende Maßnahmen gesetzt:

Stabile Seitenlagerung



Freimachen- und Freihalten der Atemwege durch leichtes Kopfbeugen nach hinten
(Entfernen von Erbrochenem, Blut, künstl. Gebiß etc.) aber: Vorsicht bei Verdacht auf
Wirbelsäulenverletzung
Dauernde Überwachung (Kontrolle von Atmung, Herztätigkeit, Schutz vor Absturz,
etc.)
Merke: Bewusstlos ist schutzlos!
Freimachen der Atemwege
Weitere Helfer (sofern anwesend) geben Alarm (Hilferufe, Alpines Notsignal) oder
verständigen eine Rettungsorganisation (z.B. nächstes Hüttentelefon, Pistendienst). Alpines
Notsignal und Telefonnummern von Rettungsorganisationen in Österreich siehe Anhang!
Lebensbedrohung durch Atemstillstand
Durch die Atmung wird unserem Körper der lebensnotwendige Sauerstoff (O2) zugeführt.
Fehlt die Sauerstoffversorgung, tritt rasch Bewusstlosigkeit ein. Das Gehirn reagiert auf
Sauerstoffmangel besonders empfindlich. Nach etwa 5 Minuten setzt auch die Herztätigkeit
aus.
Atemwege
Wie wird die Atmung beurteilt?

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
Sind Atemgeräusche und/oder Atembewegungen vorhanden?
Ist der Luftstrom vor Mund und Nase spürbar?
Wenn dies nicht der Fall ist, muss Atemstillstand angenommen werden. Damit
gekoppelt sind Bewusstlosigkeit und, nach einigen Minuten, auch Herzstillstand und
weite Pupillen.
Lebensrettende Sofortmaßnahmen bei Atemstillstand


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
Überstrecken des Kopfes
Mund- und Atemwege freimachen
Beatmen
Mund zu Mund oder Mund zu Nase:
2 mal langsam und tief beatmen; ca. 1 mal pro 5 Sekunden. Dann kontrollieren ob bereits
wieder die Eigenatmung eingetreten ist. Wenn dies nicht der Fall ist, weiterbeatmen. Kopf
überstrecken. Atemwege freimachen.
Da der Atemstillstand bereits nach wenigen Minuten zum Kreislaufstillstand führt, wird oft
eine kombinierte Wiederbelebung durch Atemspende und Herzdruckmassage notwendig.
Lebensbedrohung durch Kreislaufstillstand
Das Herz pumpt in 1 Minute ca. 5 Liter Blut durch die Gefäße in alle Organe unseres Körpers
und versorgt diese vor allem mit Sauerstoff. Pumpt das Herz nicht mehr oder nur ungenügend,
kommt es wiederum zu Sauerstoffmangel der Organe. Das Gehirn reagiert darauf am
empfindlichsten.
Puls fühlen
Anzeichen eines Kreislaufstillstandes
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


Fehlender Pulse (Unterarmarterie, Halsschlagader)
Bewusstlosigkeit (nach 10 Sekunden)
Atemstillstand (nach 1 Minute)
weite, lichtstarre Pupillen (nach 1 bis 3 Minuten)
fahle, blaße Hautfarbe
Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Herzdruckmassage:
Auf das untere Brustbeindrittel wird ein senkrechter Druck ausgeübt; möglichst auf harter
Unterlage.
Druckpunkt aufsuchen:
Mit einem Finger dem Rippenbogen entlang bis zum Schwertfortsatz des Brustbeines fahren
und unteres Drittel des Brustbeines suchen (3 Querfinger ober dem Schwertfortsatz). Dort
wird der Handballen der rechten (oder linken) Hand und auf deren Handgelenk der
Handballen der anderen Hand aufgesetzt. Die Finger werden nach oben weggehalten.
Druckpunkt aufsuchen
Wichtig ist, daß der Druck senkrecht über die gestreckten Arme erfolgt, wobei eine
Drucktiefe von 4 bis 5 cm beim Erwachsenen (beim Kind entsprechend weniger) erreicht
werden sollte. Druck- und Entlastungsphase sind gleich lang.
Handstellung
Da kurz nach dem Kreislaufstillstand Atemstillstand eintritt, ist die kombinierte
Wiederbelebung und deren Beherrschung (Wiederbelebungskurse!) von besonderer
Bedeutung:

Kombinierte Wiederbelebung:
Begonnen wird mit 2 Atemspenden (langsam und tief beatmen - ca. 1,5 Sekunden pro
Beatmung), dann folgt Herzdruckmassage und wieder Atemspende, etc.
o
Einhelfer-Methode:
Nach 2 mal beatmen folgt 15 mal Herzdruckmassage (die Geschwindigkeit sollte mindestens
8o Wiederholungen pro Minute entsprechen)
dann:
2 mal beatmen, 15 mal Herzdruckmassage, usw.
o
Zweihelfer-Methode: für geübte Ersthelfer
2 x beatmen dann: 5 x Herzdruckmassage (Geschwindigkeit entspricht 80 bis 100
Wiederholungen pro Minute)
1 x beatmen, 5 x Herzdruckmassage
1 x beatmen, 5 x Herzdruckmassage, usw.
Als weitere lebensbedrohliche Situationen müssen Schock und schwere Blutung angesehen
werden, da diese jederzeit zu Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand führen können.
Schockbehandlung
Im Schockzustand besteht ein Mißverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und
Sauerstoffangebot als Folge einer verminderten Durchblutung lebenswichtiger Organe
(Gehirn, Herz, Lunge, Leber, Niere).
Anzeichen:
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
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

kalte, schweißbedeckte, blaße Haut; die Hautdurchblutung (auch jene von Fettgewebe
und Muskulatur) wird zugunsten lebensnotwendiger Organe vermindert
rascher, schwacher Puls
Blutdruckabfall
Bewusstseinsveränderungen (Unruhe, Angst, Bewusstseinseintrübung)
beschleunigte Atmung
Maßnahmen:

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



Schocklagerung; stabile Seitenlagerung oder Kombination bei Bewusstlosigkeit (bei
herzbedingtem Schock und Schädel-Hirnverletzung Oberkörper erhöht lagern!)
falls möglich, beheben der Ursache (z.B. Blutstillung)
freimachen und freihalten der Atemwege
laufende Beobachtung und Kontrolle von Puls und Atmung
Schutz vor Auskühlung (zudecken!)
Beruhigung
auch in Seitenlage: bei Bewußtlosigkeit
Merke: Häufigste Ursache eines Schocks ist die Blutung nach innen oder außen!
Schocklagerung
Lagerung bei herzbedingtem Schock oder Schädel-Hirnverletzung
Starke Blutung
Der Mensch besitzt eine Blutmenge von etwa 9% seines Körpergewichtes. Mit Schockzeichen
ist ab einer Verminderung von 20% der Gesamtblutmenge zu rechnen (dies entspricht 1 Liter
bei 5 Liter Gesamtblutmenge).
Kennzeichen starken Blutverlustes


Schockzeichen!
Blutungen nach außen (z. B. Wunden, offene Knochenbrüche) sind leicht erkennbar
und in den meisten Fällen auch stillbar. Blutungen ins Körperinnere sind wesentlich
gefährlicher.
Welche Blutungsquellen kommen in Frage?

Nach innen:
o Leber- oder Milzrisse
o Lungenblutung
o Beckenbruch (bis 4 Liter Blutverlust)
o Oberschenkelbruch (bis 2,5 Liter Blutverlust)

Nach außen:
o Verletzungen von Gefäßen, besonders Arterien, durch Schnitt-, Stich- oder
Quetschwunden
o Amputation (Abriß) eines Gliedmaßenteiles
o Offene Knochenbrüche
Erstmaßnahmen bei innerer Blutung
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Schocklagerung
freimachen und freihalten der Atemwege
laufende Beobachtung und Kontrolle von Puls und Atmung
Schutz vor Auskühlung
Beruhigung
rasche ärztliche Hilfe!
Erstmaßnahmen bei Blutungen nach außen (sichtbare Blutungen)
Prinzipiell kann der Versuch unternommen werden, die Blutung durch Druck mit den Fingern
zu vermindern oder zu stoppen.
Arterielle Blutung (hellrote, spritzende Blutung):

Druckverband:
Die Wunde mit Verbandmaterial, z. B. sterilen Tupfern, bedecken. Darauf wird ein
Druckpolster gelegt (z. B. Verbandspäckchen) und mit Mullbinden kräftig angewickelt. Kann
die Blutung dadurch nicht gestillt werden, wird über den ersten Druckverband ein zweiter, mit
stärkerem Zug, angewickelt.

Abdrücken:
Mit den Fingern kann die Blutung durch Abdrücken der entsprechenden Arterie oberhalb der
Blutung vermindert oder gestoppt werden.
Abdrückpunkte an den Armen und am Kopf

Abbinden:
Nur wenn eine schwere arterielle Blutung durch die oben angeführten Maßnahmen nicht
beherrscht werden kann, sollte abgebunden werden.
Dazu eignet sich beispielsweise ein Dreiecktuch, das nicht zu schmal gefaltet wird. Damit
wird oberhalb der Blutung kräftig abgebunden.
Starke venöse Blutung (dunkelrot, rinnend; nicht spritzend):

Hochlagern der betroffenen Gliedmaße und Schutzverband anlegen.
Oberflächliche, leichte Blutung:

Schutzverband
Verletzungen und Erkrankungen
Absturz oder Steinschlag beim Bergsteigen und Kollisionen im alpinen Schilauf haben in den
vergangenen Jahren zu einer ständigen Zunahme der Schädelverletzungen geführt. Durch die
Vielzahl von Sinnesorganen, Nerven, Blutgefäßen, oberen Luft- und Verdauungswegen auf
engstem Raum können bereits geringe Verletzungen oder Erkrankungen zu ausgeprägten
Störungen wichtiger Funktionen führen. Die extrem gute Durchblutung und das lockere
Bindegewebe, das die Ausbreitung von Schwellung und Bluterguß stark begünstigt, verleihen
dem Verletzten rasch ein dramatisches Aussehen.
Starke Blutungen im Gesichts-, Nasen- oder Mundbereich, Schwellungen am Hals,
Fremdkörper wie gelockerte Zähne, Prothesen oder die Zunge können die oberen Luftwege
einengen und bedingen so eine akute Erstickungs- und Lebensgefahr.
Die folgenden speziellen Maßnahmen sollen im Unglücksfall lebenswichtige Funktionen
erhalten und schwere dauernde Gesundheitsschäden verhindern.
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

Gesicht-, Schädel- und Halsbereich
Brustkorbbereich
Bauchraum
diverse Notfälle
Verletzungen und Erkrankungen:
Gesicht,- Schädel- und Halsbereich
Schädelprellung
Zur Schädelprellung kommt es durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf.
Anzeichen:

Bewusstsein und Erinnerungsvermögen sind ungestört, an der betreffenden Stelle
entsteht rasch eine massive Schwellung.
Maßnahmen:

Kühlung ist ausreichend
Gehirnerschütterung
Anzeichen:





Kopfschmerz
Schwindelgefühl
Übelkeit, Erbrechen
fehlende Erinnerung an den Unfallhergang
Verwirrtheit
Das Vorliegen auch nur einzelner entsprechender Hinweise muß in jedem Fall
ernstgenommen werden, da dann schwere Schädel-Hirnverletzungen am Unfallort nicht
ausgeschlossen werden und sich unter Umständen auch noch Stunden nach dem Ereignis
entwickeln können.
Maßnahmen:



Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und Kopf
Ständige Beobachtung von Bewusstsein, Atmung und Puls
laufende Pupillenkontrolle (seitengleiche Größe und Reaktion auf Licht ), ärztliche
Untersuchung
Schwere Schädel-Hirnverletzung
Anzeichen:




Störungen des Bewusstseins bis zur Bewusstlosigkeit
Störungen der Pupillenreaktion
Störungen der Atmung bis zum Atemstillstand
Störungen des Herz - Kreislaufsystems bis zum Herzstillstand
Diese können sofort nach dem Unfall oder Stunden bis Tage nach einer Gehirnerschütterung
auftreten. Es besteht akute Lebensbedrohung!
Maßnahmen:

Seitenlagerung mit erhöhtem Oberkörper und Kopf (auch während des Transportes)


Beatmung und Herz - Kreislauf - Wiederbelebung
ehestmögliche Versorgung durch den Notartzt
Offene Wunden
Anzeichen:

Sehr starke Blutung
Maßnahmen:


Abdrücken an Abdrückpunkten (am Hals immer nur einseitig)
Verband, Kopfverband (Einengung des Halses vermeiden; Augen, Ohren, Mund und
Nase müssen frei bleiben)
Zahnverletzungen
Zahnverletzungen in Form von Abbrüchen, Lockerung und Ausschlagen von Zähnen werden
häufig nach Steinschlag oder Kollisionen auf Schipisten beobachtet, weil auch Helme
dagegen nur ungenügend Schutz bieten.
Maßnahmen:




Zähne oder Zahnteile sicherstellen
keine grobe mechanische oder chemische Reinigung
Transport der Zähne beim Wachen in der Mundhöhle, beim Bewusstlosen in Wasser
oder Milch
zahnärztliche Versorgung
Zahnschmerzen
Zahnschmerzen können durch Höhenaufenthalt oder körperliche Belastung ausgelöst oder
verstärkt werden.
Maßnahmen:


Kühlung und Spülungen mit Kamille oder Salbei bei Entzündungen
Nelkenkauen bei Schmerzen
Kieferbrüche
Anzeichen:

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
Wunden von außen oder innerhalb der Mundhöhle
Schmerzen beim Schlucken oder Kauen
Zähne von Ober- und Unterkiefer passen beim Zubeißen nicht mehr genau zueinander
Durch Bruchstücke von Zähnen oder Prothesen besteht vor allem bei Bewusstlosen akute
Erstickungsgefahr.
Bei mehrfachen Brüchen im Bereich des Unterkiefers kann auch bei wachen Personen die
Zunge in Rückenlage nach hinten sinken und die oberen Luftwege einengen.
Maßnahmen:


Reinigung der Mundhöhle von Zahn- und Prothesenbruchstücken
Ruhigstellung mit Verband nur bei wachen bewusstseinsklaren Personen

Vorziehen der Zungenspitze beim mehrfachem Unterkieferbruch, um Ersticken zu
verhindern
Jochbeinbrüche
Anzeichen:


Bluterguß rund ums Auge (blaues Auge)
unter Umständen Auftreten von Doppelbildern
Maßnahmen:

Abdecken des betroffenen Auges bei Auftreten von Doppelbildern
Gesichtsschädelzertrümmungen
Gesichtsschädelbrüche werden durch Absturz, Steinschlag oder Aufprall auf ein Hindernis
beim Schilauf mit hoher Geschwindigkeit verursacht.
Anzeichen:

massive Blutung aus Nase oder Mund
Maßnahmen:



sofortige Seitenlagerung (unter Umständen auch Bauchlagerung), um Ersticken an
massiver Blutung zu verhindern
Spatel-Kopfverband, um zertrümmerte Gesichtsanteile gegen den festen Schädel nach
oben zu pressen und Blutung einzudämmen
ehestmögliche notärztliche Versorgung
Nasenbluten
Nasenbluten tritt nach Unfällen mit Nasenbeinbrüchen oder bei bestimmten Personen auch
ohne erkennbare Ursache zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung auf.
Maßnahmen:

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

körperliche Ruhe
Lagerung in sitzender Position
Eis oder kühle Umschläge im Nacken
Nasenverband falls erforderlich
Nasenbeinbrüche
Anzeichen:

Druckschmerz und/oder Schwellung am Nasenrücken können von Nasenbluten
begleitet sein.
Maßnahmen:



Kühlung
Nasenverband bei Blutung
ärztliche Untersuchung und eventuell Behandlung
Augenentzündung
Die Augen sind am Berg vor allem durch die erhöhte UV-Bestrahlung gefährdet. Ohne
entsprechende Schutzbrillen können Entzündungen bis zur Schneeblindheit die Folge sein.
Vor allem im Schnee ist auch ohne direkte Sonne bei trübem Wetter mit hoher Strahlung zu
rechnen.
Anzeichen:
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Rötung
Tränen
Brennen, Reiben
starke Schmerzen
Maßnahmen:
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
Abdunkelung
entzündungshemmende Augentropfen
Reiben der Augen unbedingt vermeiden
Fremdkörper: Spülen oder leichtes Wischen zur Nase
Verätzungen: sofortiges gründliches Spülen und ärztliche Behandlung
Schwere Augenverletzungen: steriler Verband, rascheste ärztliche Versorgung
Ohren

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
Blutung aus dem Ohr ist ein Hinweis auf Schädelbasisbruch! Rascheste ärztliche
Versorgung!
Fremdkörper im Gehörgang: Ärztliche Behandlung wegen der Gefahr der
Trommelfellverletzung bei Entfernungsversuchen
Gehörgangsentzündung: Anzeichen sind Schmerzen am Ohr bei Druck und Zug.
Schmerzstillende Ohrentropfen, Schutz vor Zugluft, ärztliche Behandlung
Mittelohrentzündung: Oft durch Druckabfall in der Höhe ausgelöst oder verstärkt.
Festes Schneuzen vermeiden, Schutz vor Zugluft, ärztliche Behandlung
Verletzungen und Erkrankungen:
Brustkorbbereich
Rippen, Brustbein und Wirbelsäule bilden den knöchernen Mantel des Brustraumes, welcher
nach unten durch das Zwerchfell abgegrenzt wird. Im Inneren befinden sich lebenswichtige
Organe wie Herz, Lungen, große Blutgefäße, Luftröhre und Speiseröhre. Gewalteinwirkungen
bei einem Unfall können zu Verletzungen des knöchernen Mantels aber auch zu Verletzungen
dieser Organe führen. Nachdem dabei die Hauptorgane von Atmung und Kreislauf betroffen
sind, kann rasch Lebensbedrohung entstehen.
Anzeichen:
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Schmerzen beim Atmen
Wunden oder Zeichen einer Prellung am Brustkorb
Atemnot oder rasche oberflächliche Atmung, Blässe oder Blaufärbung der Haut durch
Sauerstoffmangel
eventuell Schockzeichen
Bei Rippenprellung oder Rippenbruch: Schmerzen beim Atmen und auf Druck an der
betroffenen Stelle.
Bei Verletzungen der inneren Organe sind es neben Schmerzen Atemnot und
Schockzeichen, die den Ernst der Lage anzeigen.
Maßnahmen:


Wenn keine Bewusstseinstrübung vorliegt, wird der Verunfallte mit erhöhtem
Oberkörper gelagert, ansonsten in stabiler Seitenlage (auf die verletzte Seite).
Offene Wunden werden mit einem sterilen Verband abgedeckt. Stecken Fremdkörper
im Brustkorb (Pfählungsverletzungen) werden diese belassen.
Weitere Maßnahmen:
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
beruhigen
verhindern von Auskühlung (Biwaksack, Folie, Überkleidung etc.)
laufende Kontrolle von Puls und Atmung
rasche Alarmierung der Rettung/Notarzt
Bei Rippenprellungen oder -brüchen kann ein straffer Verband mit elastischen Binden
um den Brustkorb Schmerzlinderung bringen.
Herzinfarkt
Wird die Blutversorgung (Sauerstoffversorgung) der Herzmuskulatur durch Verschluß eines
entsprechenden Gefäßes (Herzkranzgefäß) unterbrochen, geht Herzmuskulatur zugrunde =
Herzinfarkt.
Anzeichen:
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
anhaltender Schmerz hinter dem Brustbein, der in linke Schulter und Arm (eventuell
auch rechten Arm) ausstrahlt.
Angst und Unruhe
Atemnot
Übelkeit, Erbrechen
eventuell Schock
Maßnahmen:
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
lagern mit leicht erhöhtem Oberkörper
beruhigen und jede Anstrengung vermeiden
Puls und Atmung laufend kontrollieren und bei Aussetzen sofort Wiederbelebung
durchführen
vor Auskühlung schützen
rasch Rettung/Notarzt alarmieren
Merke: Die ersten Minuten (Stunden) sind für den Herzinfarktpatienten die
gefährlichsten!
Asthmaanfall
Die anfallsartig auftretende Atemnot wird durch Verengung der Atemwege hervorgerufen.
Meist weiß der Patient über sein Leiden Bescheid und führt auch Medikamente mit sich.
Anzeichen:
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immer stärker werdende Atemnot mit erschwerter (verlängerter) Ausatmung
blaue Hautverfärbung
nach anfänglich schnellem Puls langsamer Puls bis zur Bewusstlosigkeit
Maßnahmen:

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Lagerung mit erhöhtem Oberkörper
Beruhigung
den Betroffenen auffordern (sofern nicht schon zu häufig durchgeführt), 2 bis 3
Sprühstösse seines Medikamentes zu nehmen.
Verletzungen und Erkrankungen:
Bauchraum
Im Bereich des Bauches können mehrere Organe verletzt werden oder erkranken: Leber,
Milz, Magen, Bauchspeicheldrüse, Darm, Nieren, Blase, weibliche Geschlechtsorgane.
Bei den Verletzungen handelt es sich meist um geschlossene Verletzungen, wobei
Schädigungen von Leber und Milz im Vordergrund stehen.
Bauchverletzungen
Anzeichen:
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Bauchschmerzen; bei Leberriß unter dem rechten Rippenbogen, bei Milzriß unter dem
linken Rippenbogen
Wunden oder Prellungszeichen
harte Bauchdecke!
rasche, oberflächliche Atmung
Schockzeichen
Maßnahmen:
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
den wachen Patienten mit Unterlage unter beide Knie lagern
Schocklagerung bei Schockzeichen
stabile Seitenlagerung bei Bewusstlosigkeit
freimachen und freihalten der Atemwege
beruhigen
Auskühlung vermeiden
laufende Kontrolle von Puls und Atmung
Erkrankungen im Bauchraum
Starke Schmerzen im Bauchraum können durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen
werden und machen oft eine rasche Operation notwendig.
Beispiele von Erkrankungen im Bauchraum:
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Entzündung des Blinddarmfortsatzes
Magenblutung
Darmverschluß
Darmentzündung
Entzündung der Bauchspeicheldrüse
Gallenkolik, Nierenkolik
Anzeichen:
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starke Bauchschmerzen
zunehmend bei Entzündung
kolikartig (zu- und abnehmend) bei Gallen- und Nierenkoliken
harte Bauchdecke!
Übelkeit, Erbrechen
Blässe (Blutdruckabfall)
schneller Puls
Gliedmaßen
Gliedmaßen sind auch im Alpinsport häufig von Verletzungen, die von leichten Prellungen,
Abschürfungen, Wunden, Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen, Verrenkungen,
Knochenbrüchen bis zu Abtrennung (Amputation) von Gliedmaßen oder deren Teilen reichen,
betroffen.
Je nach Alpinsportart gibt es einzelne typische Verletzungen (z.B. Knieverletzungen im
Schilauf).
Erstmaßnahmen bei Gliedmaßenverletzungen:
Sind immer erforderlich, um weitere Schäden oder Zunahme von Schmerzen oder Schwellung
zu vermeiden:
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Schonung
Hochlagerung
enge Kleidungsstücke lockern, Schuhe öffnen aber nicht ausziehen, Ringe bei Finger-,
Hand- und Armverletzungen entfernen (verursacht bei Schwellung starke Schmerzen
und ist später kaum mehr möglich)
Ruhigstellung, Schienung (an gesunden Körperteil oder an Hilfsmittel wie Stock oder
Schi)
Kühlung (bei frischen Verletzungen immer Kälte!, Wärme nur bei chronischen
Leiden)
keine Einrenkung von Knochenbrüchen (Gefahr der Einklemmung von Gefäßen oder
Nerven)
Wunden, Bruchstellen, verletzte Gelenke bei Lagerung oder Transport nicht berühren
bei der Umlagerung leichter Zug an der verletzten Gliedmaße, jede Bewegung der
Bruchteile zueinander vermeiden
1. Schienung
2. Umlagerung
Offene Verletzungen
Maßnahmen:
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steriler Verband, keine Wundreinigung mit Desinfektionslösungen oder Wasser
bei starker Blutung, Blutzufuhr an Abdruckpunkten vermindern und Verband /
Druckverband anlegen
abbinden nur in seltensten Ausnahmefällen erforderlich (Gefahr von schweren
Schäden bei unsachgemäßer Durchführung)
Abtrennungen (Amputationen)
Maßnahmen:
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abgetrennte Teile unbedingt suchen und sicherstellen
kühl, steril, schonend verpacken und transportieren
rasche Versorgung durch den Notarzt, rascher Transport in die Spezialabteilung
Pfählungsverletzungen
Maßnahmen:
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Fremdkörper nicht entfernen – Stöpselwirkung!
Fremdkörper fixieren
schonender Abtransport
Wirbelsäule
Die Wirbelsäule, ein biegsamer Stab aus einzelnen Wirbeln, die durch
Zwischenwirbelscheiben miteinander verbunden sind stellt die zentrale Stütze des
menschlichen Skelettes dar.
In einem von den Wirbeln gebildeten Kanal verläuft das Rückenmark, das aus Nervenfasern
besteht, die das Gehirn mit den übrigen Körperabschnitten verbinden.
Die besondere Gefahr von Wirbelsäulenverletzungen besteht in einer möglichen Verletzung
des Rückenmarkes.
Massive Gewalteinwirkung auf den menschlichen Körper bei:
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Sturz oder Absturz aus großer Höhe
Einklemmung durch große Felsblöcke
Stauchung (z.B. Sprung in Mulde beim Schifahren)
Sturz auf Steißbein (z.B. Paragleiter)
kann zu Wirbelsäulenverletzungen in der Form von Wirbelbrüchen/Verrenkungen führen.
Besondere Gefahren bestehen bei älteren Personen (Osteoporose) und
Wirbelsäulenfehlbildungen, wo bereits geringere Kräfte zu Schädigungen führen können.
Bei Einklemmung oder Quetschung des Rückenmarkes kommt es unterhalb der Schädigung
zu Nervenstörungen oder Ausfällen auf die bei der Untersuchung geachtet werden muß:
Anzeichen:
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Bewegungsstörung (Lähmung, Kraftlosigkeit in den Beinen)
Gefühlsstörungen in Füßen oder Beinen (Kribbeln, Ameisenlaufen, kein Gefühl bei
Berührung, kein Schmerzempfinden)
Maßnahmen:
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Lagerung und Transport
auf extrem schonendes Vorgehen achten, weitere Bewegung der Wirbelsäule
vermeiden
mehrere Helfer erforderlich, einer nur für Kopf verantwortlich (gibt Kommando)
starre Unterlage (Brett, Türe, Vakuummatratze, Schaufeltrage) soll Durchbiegen der
Wirbelsäule vermeiden
Größte Gefahr besteht bei Verletzungen der Halswirbelsäule, da lebenswichtige Funktionen
(Herz- Kreislauf) bei Rückenmarksschädigung in diesem Bereich betroffen sind.

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Vorsicht bei Helmabnahme ! (Kopf stützen, keine Bewegung in der Halswirbelsäule)
Überstrecken und Drehen des Kopfes vermeiden!
erletzungen und Erkrankungen:
Diverse Notfälle
Verbrennungen, Sonnenbrand
Durch Sonne, heißes Wasser, Feuer, Herdplatte, u. a. können Haut und tiefere
Gewebeschichten geschädigt werden. Bei Verbrennungen von mehr als 15 % der Haut (bei
Kindern schon ab 10%) kann Schock beziehungsweise Lebensgefahr bestehen.
Anzeichen:
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I. Grades: Rötung, Schwellung, Schmerz
II. Grades: Rötung, Blasen, Schmerz, weiße Haut bei Verbrennung tieferer Schichten
III. Grades: weiße oder schwarze Haut, kein Schmerz
Maßnahmen:
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Kaltwasseranwendung für mindestens 20 Minuten
sterile Wundabdeckung (z.B. mit Metalline)
Verbrennungen größeren Ausmaßes:
Atemwege freimachen und freihalten
Schocklagerung, bei Bewusstlosen stabile Seitenlagerung
Merke: Der Sonnenbrand stellt die häufigste Verbrennung des Bergsteigers und Skifahrers
dar. Hier kann durch die regelmäßige Anwendung von Sonnencreme mit hohem
Lichtschutzfaktor vorgebeugt werden!
Hitzschlag
Diese Erkrankung entsteht, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist eine
Temperaturerhöhung, die durch Bewegung und äußere Wärme entsteht, auszugleichen.
Faktoren die einen Hitzestau fördern:
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
Sonneneinstrahlung (hohe Umgebungstemperatur)
Schwere körperliche Arbeit (rasches Gehtempo)
Behinderung der Wärmeabgabe durch luftundurchlässige Kleidung (z.B.
Kunststoffanzug), besonders bei Skitouren im Frühjahr!
Hohe Luftfeuchtigkeit (schwüle Witterung)
Anzeichen:



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
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Schwindelgefühl, Kopfschmerzen
Übelkeit, Erbrechen
rasche Atmung und rascher Puls
trockene, rote und heiße Haut
bis über 40 Grad erhöhte Körpertemperatur
eventuell Schockzeichen
Maßnahmen:
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Entfernung von luftundurchlässiger und beengender Kleidung
lagern an einem kühlen Ort, mit leichter Bein- und Kopfhochlagerung
kühlen durch kalte Umschläge, Waschungen mit kaltem Wasser, Wind erzeugen usw.
Sonnenstich
Der Sonnenstich ist eine Reizung der Hirnhäute durch Sonneneinstrahlung auf unbedeckten
Kopf und Nacken.
Anzeichen:
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Kopfschmerzen, Schwindel
Übelkeit, Brechreiz
Kopf heiß und rot
Nackenschmerzen wenn der Kopf nach vorne gebeugt wird
Diese Anzeichen treten oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne auf (z.B. nachts).
Maßnahmen:


Lagerung mit leicht erhobenem Oberkörper und Kopf an kühlem Ort.
abkühlen besonders des Kopfes durch Winderzeugung, kalte Umschläge usw.
Höhenkrankheit
Diese Erkrankung wird durch die Abnahme des Luftdruckes und damit des Sauerstoffes mit
zunehmender Höhe verursacht. Vor allem bei raschem Höhenanstieg (z. B. Seilbahn) kann es
durchaus schon ab ca. 2000 Meter zu Beschwerden kommen. Ebenfalls fördernd kann sich
körperliche Anstrengung auswirken.
Anzeichen:
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Bei leichteren Formen:
o Kopfschmerzen
o Übelkeit und Erbrechen
o Appetitlosigkeit
o Abnahme der Konzentrationsfähigkeit
o Schläfrigkeit
Bei schweren Formen kommen hinzu:
o Atemnot, auch nachts
o trockener Husten
o rascher Puls
o Gleichgewichtsstörungen
o Sehstörungen
Oder gar:
o schwere Bewusstseinsstörungen
o schaumiger Auswurf (Husten)
o Rasselgeräusche beim Atmen
o starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit
Maßnahmen:


Bei leichteren Formen:
o kein weiterer Aufstieg
o keine körperliche Anstrengung
o oder wenn möglich: Abstieg ins Tal
Bei schweren Formen:
o sofort Abstieg oder Abtransport
o Lagerung: mit erhöhtem Oberkörper und/oder stabile Seitenlage bei
Bewusstlosigkeit
Unterkühlung
Durch längeren Aufenthalt in kühler Umgebung und nicht ausreichendem Kälteschutz
(Kleidung, Windschutz), gelingt es dem Organismus nicht mehr, die normale
Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Begünstigende Faktoren sind Bewegungslosigkeit,
Wind, Alkoholgenuß. Daher ist jeder Verletzte vor Unterkühlung zu schützen. Unterkühlung
beginnt ab einer Körpertemperatur von 35 Grad Celsius (normal ca. 37 Grad).
Anzeichen:


Körpertemperatur bis 34 Grad abgesunken:
o Kältezittern
o Erregungszustand
o rascher Puls
o bläulich-blasse Haut
Körpertemperatur bis 30 Grad abgesunken:
o Schläfrigkeit
o Puls wird langsam
o unregelmässige Atmung
o Körpertemperatur bis 34 Grad abgesunken:
o Bewusstlosigkeit
o schwacher, langsamer Puls
o unregelmässige Atmung
o bis hin zu: Atemstillstand und Kreislaufstillstand
Maßnahmen:
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

Der Betroffene darf sich nicht bewegen und passiv nur vorsichtig bewegt oder
transportiert werden, um eine Vermischung des kalten Blutes nahe der
Körperoberfläche mit dem wärmeren des Körperkerns zu verhindern.
Einhüllen und vor weiterer Auskühlung schützen (Decken, Kleidung, Biwaksack,
Alufolie etc.)
Lagerung: Rückenlage beziehungsweise stabile Seitenlage,
Beobachtung und gegebenenfalls Wiederbelebung.
Abtransport veranlassen.
Erfrierungen
Lokale Schädigung durch Kälteeinwirkung. Besonders gefährdet sind: Finger, Zehen, Nase,
Wangen, Ohren, …
Fördernde Faktoren: Nackte Haut, Feuchtigkeit, Wind
Anzeichen:
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I. Grad: weiße Haut, Gefühllosigkeit
bei Erwärmung: stechender Schmerz, Rötung
II. Grad: Blasenbildung, Schwellung, blaurote Verfärbung, Schmerzen
III. Grad: weiße Haut, Gefühllosigkeit und später bläulich-schwarze Hautverfärbung
Maßnahmen:
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Schutz vor weiterer Kälteeinwirkung
in warme Umgebung bringen
langsames Aufwärmen z. B. im warmen Wasserbad
eventuell trockener, steriler Verband
nicht einreiben oder massieren!
Blitzschlag
Wie allgemein gilt hier besonders, daß eine Vermeidung des Unglücks im Vordergrund stehen
muß. Blitzunfälle ereignen sich hauptsächlich in den Sommermonaten und an Gewittertagen
ab den Mittagsstunden.
Vorbeugung:

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Wetterbericht abhorchen und entsprechende Tourenplanung;
bei Gewitteranzug sofort besonders gefährdete Stellen wie Gipfel, Grate, Rücken,
Kuppen oder eisenversicherte Steige sowie die Nähe alleinstehender Bäume oder
Bauten meiden.
Sichere Orte sind mit Blitzschutzanlagen versehene Häuser, Autos. Besteht keine
andere Möglichkeit: im Gelände Mulden aufsuchen und dort in Kauerstellung mit
geschlossenen Beinen möglichst auf isolierender Unterlage verharren.
Maßnahmen:
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
Bewusstsein, Atmung und Kreislauf überprüfen und gegebenenfalls Wiederbelebung
durchführen
Schockbehandlung wenn nötig
Beruhigung
Schutz vor Auskühlung und Absturz
Verbrennungen steril abdecken
Überwachen
Schlangenbiß
In unseren Bergen kommt hauptsächlich die Kreuzotter als Giftschlange vor. Ihr Biß ist selten
und normalerweise nicht lebensgefährlich.
Anzeichen:
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meist ausgeprägte Angst,
eventuell Übelkeit, Schwindel, Schockzeichen
Maßnahmen:
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

Zum Beispiel mit einem gefalteten Dreiecktuch herzwärts des Bisses leicht so
zubinden, daß der Rückfluß des Blutes gehemmt wird, die Pulse aber noch fühlbar
sind.
ruhigstellen und tieflagern der betroffenen Gliedmaße
Beruhigung
Arzt aufsuchen
Nicht einschneiden oder aussaugen!
Hubschrauberrettung
Bei der Überlegung, ob ein Rettungseinsatz aus der Luft notwendig ist, sind folgende Vorund Nachteile zu berücksichtigen:
Vorteile:
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rascher Antransport von Arzt, Bergrettung, Geräten und Lawinenhunden
erhebliche Zeitverkürzung eines Alpineinsatzes
rascher und schonender Abtransport unter ärztlicher Betreuung
Direkteinlieferung in eine entsprechende Klinik
Nachteile:
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Wetter-, Wind-, Tageszeitabhängigkeit des Rettungseinsatzes
Zeitverkürzung nur bei genauer, fachmännischer Alarmierung
alpine Hubschraubereinsätze (Taubergung) sind gefährlich
Bei Skipistenunfällen ist ein Hubschraubereinsatz nur in Ausnahmefällen (Schwerste
Verletzungen, lebensbedrohliche Zustände) sinnvoll!
Wie wird ein Hubschraubereinsatz angefordert?
Alarmierung der örtlichen Bergrettung oder Gendarmerie/Polizeidienststelle über
entsprechende Notrufnummern.
Genaue Angaben zum Unfall:
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Wer meldet?
Von wo?
Was ist wann geschehen? (Art der Verletzung? Wieviele Verletzte?)
Wo ist der Unfallort? (Landung möglich oder Taubergung? Wetter und Wind?)
Vorbereitung eines Hubschrauberlandeplatzes
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mind. 5 x 5 Meter großer waagrechter Landeplatz
im Umfeld von 50 Meter keine Hindernisse
Kuppen sind besser als Mulden
entfernen von beweglichen Gegenständen (Kleidungsstücke, Ski, Skistöcke etc.)
Verhalten beim Anflug des Hubschraubers

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Eine Person winkt in der Nähe des Landeplatzes mit einem farbigen Kleidungsstück.
Dann stellt sie sich in Yes-Position (Wir brauchen Hilfe!), mit dem Rücken zum Wind
an den Rand des Landeplatzes und bleibt dort unbewegt stehen, bis der Hubschrauber
aufgesetzt hat.
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Die Person in Yes-Position ist eine wichtige Orientierungshilfe bei der Landung.
Meist dreht der Pilot noch eine Orientierungsschleife, bevor er landet.
Vorsicht bei drehenden Rotorblättern: Nicht herumgehen!
Vorsicht bei Neuschnee: Auch wenn Schnee aufgewirbelt wird, muß die Person
unbewegt stehen bleiben!
Alpines Notsignal
Wenn man Hilfe benötigt:
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6 x pro Minute ein optisches oder akustisches Zeichen
1 Minute Pause
dann wiederholen.
Antwort auf ein Notsignal:
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3 x pro Minute ein optisches oder akustisches Zeichen
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1 Minute Pause
dann wiederholen.
Verschiedene Verbände
Inhalt einer Kursapotheke
Inhalt für einen Erste Hilfe-Koffer (Empfehlung des Österreichischen Jugendrotkreuzes, der
Schulärzteschaft und der AUVA):
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1 Taschen-Beatmungsmaske mit Hygieneventil
1 Alu-Rettungsdecke mindestens 140 cm x 220 cm
3 Dreiecktücher 90 cm x 90 cm x 127 cm aus Stoff (mindestens 33fadig)
2 Verbandpäckchen Gr. 3, steril, einzeln staubdicht verpackt, nicht auf der Wunde
klebende Wundauflage
1 Verbandpäckchen Gr. 4, steril, einzeln staubdicht verpackt, nicht auf der Wunde
klebende Wundauflage
2 Elastische Binden 8 cm x 5 cm
3 Elastische Verbandbinden 4 m x 8 cm, einzeln staubdicht verpackt
3 Elastische Verbandbinden 4 m x 4 cm, einzeln staubdicht verpackt
6 Wundkompressen 10 cm x 10 cm, steril, einzeln staubdicht verpackt, nicht auf der
Wunde klebende Wundauflage
1 Pflasterschnellverband 1 m x 6 cm
10 Pflasterstrips 6 cm x 5 cm
1 Spulenpflaster 5 m x 2,5 cm, hautfreundlich, in Schutzhülle
1 Betaisodona Lösung 15 ml (Breitband-Mikrobizid)
2 Kältepackungen
1 Fieberthermometer in Plastikhülse
10 Einmal-Schutzhandschuhe large aus Vinyl, nahtlos
1 Verbandschere Lister ca. 14,5 cm Kniegebogen, rostfrei
3 Einmal-Pinzetten, steril
2 Packungen Sicherheitsnadeln mindestens Größe 2 (24 Stück)
2 Erste Hilfe-Anleitungen
1 Inhaltsverzeichnis
Jeder Kurslehrer muss über eine tragbare Kleinapotheke verfügen, die er im Gelände benützen
können muss.
Eine solche Rucksackapotheke für Bergsteiger und Skifahrer soll mindestens folgenden Inhalt
umfassen (Empfehlung der AUVA):
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1 Beatmungsgerät für sichere Atemspende
1 Alu-Rettungsdecke 160 cm x 220 cm
1 Dreiecktuch 90 cm x 90 cm x 127 cm aus Stoff (mindestens 33fadig)
1 Verbandpäckchen Gr. 4, steril, einzeln staubdicht verpackt, nicht auf der Wunde
klebende Wundauflage
2 Verbandpäckchen Gr. 3, steril, einzeln staubdicht verpackt, nicht auf der Wunde
klebende Wundauflage
1 Elastische Binde 5 m x 8 cm
1 Elastische Mullbinde 4 m x 8 cm
3 Kompressen (Wundauflagen) 5 cm x 5 cm
1 Pflasterschnellverband 25 cm x 6 cm
3 Pflasterstreifen 10 cm x 6 cm
1 Pflastersortiment
1 Spulenpflaster 5 m x 2,5 cm, hautfreundlich, in Schutzhülle
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1 Betaisodona-Lösung 15 ml (Breitband-Mikrobizid)
5 Einmal-Schutzhandschuhe large aus Vinyl, nahtlos
1 Verbandschere Lister ca. 14,5 cm Kniegebogen, rostfrei
4 Einmal-Pinzetten, steril
1 Packung Sicherheitsnadeln (12 Stück)
1 Packung Traubenzucker
1 Erste Hilfe-Fibel
1 Inhaltsverzeichnis
Alpine Gefahren abseits der Piste
Ein Unfall darf nicht als etwas Schicksalhaftes hingenommen werden. Vielmehr soll versucht
werden, mittels Unfallanalysen, Gegenstrategien zu entwickeln. Um das Risiko möglichst
gering zu halten, bedarf es einer ständigen Lernbereitschaft und eines laufenden kritischen
Überprüfens seines "nächsten Schrittes".
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Unser Verstand allein reicht oft nicht aus, um uns in der Natur sicher zu behaupten.
Eine Erfahrung ist so stark wie die Gefühle, die mit ihr verbunden sind.
Betroffen sein und involviert werden bringt Erfahrungserweiterung. Nur
ganzheitliches Lernen bringt Begreifen und lässt auch ein Anwenden und Umsetzen in
die Praxis zu.
Beste Lernbeispiele bieten Unfallberichte, die möglichst unmittelbar als
Erfahrungswert anderer auf das eigene Handeln umgesetzt werden können.
Die Sicherheit abseits der Piste ist neben weiteren Faktoren vor allem von der
Lawinensituation abhängig. Nur eine verantwortungsvolle Beurteilung der Lawinengefahr
aufgrund genauer Analysen und dem daraus resultierenden Verhalten sowie der Routenwahl
kann weitgehende Sicherheit bringen.
Das Wetter ist der limitierende Faktor im Gebirge. Heute stehen uns erstklassige
Informationsquellen zur Verfügung: Teletext, Alpinwetterdienst, Flugwetter, stündliche
Radionachrichten etc. Je kurzfristiger eine Wettervorhersage ist, desto sicherer wird sie auch
zutreffen. Deshalb wird der Wetterbericht am Tag der Exkursion die größte Aussagekraft
besitzen.
In jedem Fall sollte man in der Lage sein, die zur Verfügung stehenden Wetterdaten auch
richtig zu interpretieren und in seine regionale Planung miteinzubeziehen.
Jedes Bewegen abseits der Pisten erfordert Planung und Vorbereitung. Bei Nebel und
schlechter Sicht kann man leicht die Orientierung verlieren, sich verirren und nur allzu leicht
in ein Gelände geraten; dessen Schwierigkeiten man nicht gewachsen ist.
Wer nicht weiß wohin er geht, ist in großer Gefahr. Niemals sollte man einer Skispur folgen,
ohne zu wissen in welches Gelände sie führt. Man stößt sonst leicht auf Hindernisse Schluchten, Steilabbrüche - die nicht zu überwinden sind. Wer trotzdem versucht, seinen Weg
fortzusetzen, riskiert einen folgenschweren Absturz.
Planung
Das Unfallrisiko kann gesenkt werden, wenn das Tourenziel erst nach Beantwortung dieser
Fragen festgelegt wird:
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Wie war das Wetter und wie sind die Lawinenverhältnisse?
Schneedeckenaufbau?
Derzeitige Wetterlage (Wind, Temperatur, Nebel, Niederschlag, Bewölkung)?
Geländebeurteilung aus der Karte: Steilheit, Exposition, Relief, Kammlage, Bewuchs,
Rückzugsvarianten?
Sind Informationen eingeholt (TV, Radio, Bergführer)?
Wer geht mit (Gruppengröße, Erfahrung, Kondition, Disziplin)?
Ist entsprechende Ausrüstung vorhanden?
Informationsmöglichkeiten
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Berg- und Skiführer
Lawinenlagebericht: Telefon: (Vorwahl der Landeshauptstadt) / 1588
Alpinwetterdienste
Rundfunkdurchsagen
Bergrettung, Gendarmerie, Tourismusverband
örtliche Lawinenwarnkommission
Bergbahnen
Skischule
Auszug aus:
Informationsfolder "Alpine Gefahren"
Andreas Puswald
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