Geht hinaus in alle Welt

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Matthäus 28 Die grosse Einladung
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14. April 2013; Pfr. B. Botschen
Matth.28,18-20 Die grosse Einladung
1. Etwas, das Gott am Herzen liegt
Wenn ich eine Predigt vorbereite, stelle ich mir automatisch auch die Frage: „Interessiert das
die Leute überhaupt? Ist das wirklich ein Thema, das sie beschäftigt?“ Beim heutigen Thema
war ich mir nicht so sicher. Denn wenn wir über den Glauben nachdenken, stellen wir oft
zunächst einmal die Frage: „Was bringt mir der Glaube? Wie kann mir Gott helfen, ein gutes
Leben zu führen? Wie kann ich Gott besser kennenlernen?“
In diesem Bibeltext aber fordert Jesus seine Jünger auf, allen Leuten von ihm zu erzählen.
Aber eben: Ist das etwas, was uns interessiert? Wie das andere Leute mit Gott halten,
interessiert uns nicht wirklich. Soll doch jeder mit seinem Leben machen, was er will!
Warum dann trotzdem so ein Thema? Ich denke, es gibt einen guten Grund dafür: Jesus
sagt einmal, das Wichtigste ist, dass wir Gott aus ganzem Herzen lieb haben. Es mag sein,
dass wir unser Leben als Christen vor allem mit der Frage beginnen: „Was kann Gott für
mich tun?“ Aber wenn wir Gott wirklich lieben, wird irgendwann auch die Frage auftauchen:
„Gott, was ist eigentlich dir wichtig?“
Stellt euch vor, Gott würde euch zu einem Spaziergang ins Wiesentäli einladen und bei
dieser Gelegenheit mit euch über sein Herz sprechen. Er würde sagen: „Weisst du, was mir
das Herz bricht?“ Natürlich wärt ihr ganz Ohr. Was beschäftigt Gott so sehr, dass er davon
spricht, dass ihm das Herz bricht? Was macht ihn so traurig? „Ich liebe die Menschen mit
meinem ganzen Herzen. Ich sehne mich danach, dass ich mit jedem von ihnen reden kann.
Ich möchte sie als ihr Vater mit meiner Liebe umgeben. Ich möchte ihnen begegnen.“
Und dann sieht Gott euch direkt ins Gesicht und sagt: „Aber weisst du, was mein Problem
ist?“ Ihr schüttelt nur den Kopf. Euch beeindruckt, wie tief die Gefühle von Gott gehen. Er
sagt: „Ich kann es ihnen nicht direkt sagen. Ich brauche Menschen dazu, die das für mich
übernehmen. Kannst du dir vorstellen, dieses Anliegen mit mir zu teilen?“
Dass Gott die Menschen liebt, durchzieht die ganze Bibel. Im Alten Testament sieht Gott auf
sein Volk und dann fällt dieser Satz: „Es bricht mir das Herz!“ (Jer.32,20). All das setzt Jesus
voraus, wenn er hier, am Ende seines Lebens auf der Erde, zu seinen Jüngern sagt: „Hört
einmal zu. Es geht nicht nur um euch. Es geht nicht nur darum, dass du dich in deinem
Glauben wohl fühlst. Teilt etwas vom Herzen Gottes. Erzählt den Menschen von ihm. Ladet
sie ein, auf die Suche nach Gott zu gehen.“
Das ist der Grund, warum ich heute doch über diesen Text rede. Vielleicht ist es nicht das,
was uns am meisten beschäftigt. Aber ich lade euch ein: Wenn ihr durch das Dorf geht und
all die Häuser und Menschen seht, dann macht euch bewusst: Jeden dieser Menschen liebt
Gott aus ganzem Herzen. Er wünscht sich sehnlich, dass sie ihn kennen lernen.
2. Etwas, das unser Leben reich macht
Eines ist also klar: Für Gott sind wir wichtig. Er möchte unbedingt, dass wir ihn kennen
lernen. Aber warum eigentlich? Im 1.Johannesbrief wird es auf den Punkt gebracht. Hier
steht: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das Leben; wer aber nicht an den Sohn glaubt, der
hat das Leben nicht.“ (1.Joh.5,12). Jesus selbst sagt es so: „Ich bringe allen, die zu mir
gehören, das Leben – und dies im Überfluss.“ (Joh.10,10).
Es gibt einen Spruch, den wir dann anbringen, wenn sich die Schwierigkeiten auftürmen und
uns alles zu viel wird. Wenn die eigene Mutter im Altersheim in die Pflegeabteilung verlegt
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wird, weil sie nicht mehr selber essen und aufstehen kann, wenn sie andauernd Schmerzen
hat und auch im Kopf nicht mehr so klar ist – dann sagt man: „Das ist doch kein Leben
mehr!“ Wenn plötzlich alles den Bach runtergeht, man gleichzeitig arbeitslos wird, die Ehe
scheitert und dann auch noch lästige Rückenbeschwerden dazukommen – dann sagt man
irgendwann: „So ist das kein Leben mehr!“
Ungefähr so sieht Jesus ein Leben, wenn es ohne jede Verbindung mit Gott gelebt wird. Er
sagt: „Das ist doch kein Leben!“ Deshalb schreibt Johannes hier: „Wer an den Sohn glaubt,
der hat das Leben; wer aber nicht an den Sohn glaubt, der hat das Leben nicht.“
Im Tessin habe ich einmal ein Auto bewundert. Es gehörte einem Mann, der selber eine
Garage führte. Ein leuchtend gelber Porsche stand da vor mir. Aber dann erfuhr ich das
Geheimnis dieses Autos. Unter der Fassade versteckte sich ein alter VW. Der Garagist hat
aus Spass einen VW mit einer Porsche-Hülle versehen. Nach aussen sah das Auto zwar top
aus. Aber man wusste genau: Die Kraft fehlt eigentlich. Da ist mehr Schein als Sein.
Wenn Jesus die Menschen gesehen hat, hatte er Mitleid mit ihnen. Manche von ihnen hatten
glänzende Kleider an und waren reich und angesehen. Trotzdem sieht Jesus unter ihre
Fassade auf die inneren Nöte und es heisst von ihm: „Als er die vielen Menschen sah, die
ihm nachliefen, hatte er grosses Mitleid mit ihnen. Sie waren hilflos und verängstigt, ohne
Ziel und ohne Hoffnung. Sie waren wie Schafe ohne ihren Hirten.“ (Matth.9,36).
Ist das nicht oft unsere Situation? Da kann das Leben rein äusserlich betrachtet eine
Erfolgsgeschichte sein. Man besitzt eine Eigentumswohnung an bester Lage, der sportliche
Audi steht in der Garage, im Beruf hat man es zu etwas gebracht. Aber Gott sieht hinter die
Fassade und sagt: „Das ist kein Leben so!“
Es fehlen die wichtigsten Dinge: Die Freude, die man spürt, wenn einem plötzlich einfällt:
„Gott ist bei mir!“ Der Trost, den er uns gibt, wenn wir verzweifelt nach Hilfe Ausschau halten.
Dieses tiefe Gefühl, dass er unserem Leben einen Sinn gibt. Die Kraft, die er uns gibt, um
auch schwierige Menschen lieben zu können. Jesus verspricht: „Ich bringe allen, die zu mir
gehören, das Leben – und dies im Überfluss.“
Wenn ihr also bisher nicht mit Gott unterwegs seid, stellt euch die Fragen: „Bin ich wirklich so
stark? Brauche ich Gott tatsächlich nicht? Kann ich auch ohne ihn zufrieden sein? Schaffe
ich es auch ohne ihn, andere zu lieben? Bin ich innerlich zur Ruhe gekommen?“
Wenn ihr eure Umgebung anseht und euch fragt: Interessieren sich diese Menschen
überhaupt für Gott? Brauchen sie Gott denn? Dann lade ich euch ein, die Brille von Jesus
aufzusetzen. Er hat in den Menschen das tiefe Bedürfnis nach Gott gesehen. Wo andere
Erfolg und eine glänzende Fassade sehen, da sieht er eine tiefe innere Not. Menschen
brauchen Gott, auch wenn man ihnen das nicht immer ansieht.
3. Etwas, das einen guten Rahmen braucht
Allerdings hat sich der Auftrag von Jesus, Menschen zu einem Glauben an Gott einzuladen,
für uns etwas verändert. Heute glauben auf der ganzen Welt Menschen an Gott. An vielen
Orten wird dieser Glaube intensiver gelebt, als bei uns. Deshalb verändert sich der
Schwerpunkt für uns und wir stehen mehr und mehr vor der Frage: Wie können wir
Menschen in unserem Umfeld, in unseren Dörfern helfen, den Weg zu Gott zu finden?
Stellt euch einmal Paul Geroldswiler vor. Er ist 50 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei
Kinder. So ein bisschen religiös war er immer schon. Aber plötzlich wird für ihn die Frage
nach Gott brennend. Er ist in einer tiefen Krise gelandet. Schon seit Jahren war da die ganz
leise Frage in seinem Inneren: „Wozu ist das ganze Leben überhaupt gut? Was ist eigentlich
der Sinn im Leben?“ Dann ist auch noch seine Frau schwer erkrankt. Plötzlich erwischt sich
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Paul, wie er immer wieder über Gott nachdenkt. Er fragt sich: „Gibt es Gott wirklich? Wie
kann ich mehr über ihn erfahren? Kann er mir helfen?“
Naheliegend wäre, in der Kirche nach Antworten zu suchen. Und so liest er zum ersten Mal
bewusst die Kirchgemeindezeitung. Da findet er etwas über Hauskreise. Da trifft man sich,
um gemeinsam die Bibel zu lesen und darüber zu diskutieren. Aber das wirkt etwas fremd
und einfach so in einen Hauskreis zu gehen, kommt für ihn nicht in Frage.
Ein paar Wochen später probiert er es mit einem Gottesdienst. Da ist nicht alles schlecht.
Aber ein paar Probleme tauchen auf. Erstens fühlt er sich mit so vielen fremden Leuten nicht
wirklich wohl und der Chilekafi kommt sowieso nicht in Frage. Zweitens werden die Fragen,
die er hat, im Gottesdienst nicht wirklich beantwortet. Da scheinen alle an Gott zu glauben,
während er sich fragt: „Hat Jesus überhaupt gelebt? Kann man der Bibel vertrauen? Wie
beginnt man eine Beziehung zu Gott?“
An einem Tag drückt ihm ein Nachbar, der auch in die Kirche geht, einen Flyer in die Hand.
Es ist die Einladung zu einem Glaubenskurs, wie er in vielen lebendigen Gemeinden
angeboten wird. Paul merkt schnell: Da geht es um ein paar Abende, an denen er mit
Gleichgesinnten über seine Fragen diskutieren könnte. Die Gruppe ist klein. Man lernt sich
schnell kennen und fühlt sich meistens schon am zweiten Abend wohl.
Ausserdem sieht Paul sofort den Vorteil dieses Kurses. Der hier dauert genau fünf Abende.
Paul möchte ja nur einmal hinein schnuppern. Sich fest zu irgend etwas zu verpflichten, das
kommt für ihn nicht in Frage. Deshalb ist ihm wichtig: Wenn ihm der Kurs nichts bringt, dann
ist die Sache automatisch fertig. Dieses offene Angebot passt gut zu ihm.
In den letzten Jahren sind Glaubenskurse in vielen Gemeinden ein unverzichtbarer
Bestandteil geworden. Natürlich spreche nicht ganz zufällig heute über dieses Thema. Als
ich vor 10 Jahren gekommen bin, haben wir über ein paar Jahre hinweg regelmässig die
sogenannten Alphalive-Kurse angeboten. In dieser Zeit haben wir einige Hauskreise neu
bilden können und es haben einige Leute neu Zugang zu unserer Gemeinde gefunden.
Danach haben wir über ein paar Jahre hinweg keine Glaubenskurse angeboten. Es hat uns
einfach die Kraft gefehlt. In diesen letzten Jahren hat uns wie ein Gefäss gefehlt, zu dem
man Interessierte einladen konnten.
Deshalb haben wir über den Verein Roman Schenk, unseren Jugendarbeiter, zu 10%
weiteren Prozent angestellt, damit er sich um diese Kurse kümmern kann. Im Moment sind
wir noch am Diskutieren, aber nächste Woche wollen wir entscheiden, auf welchen Kurs wir
in den nächsten Jahren setzen.
Aber schon jetzt möchte ich eine Hoffnung aussprechen. Ich hoffe, dass diese Kurse etwas
sein werden, das viele Menschen in unserer Kirchgemeinde mittragen. Das ist nichts, was
nur wir Pfarrer oder Roman machen können. Ich wünsche mir eine Gemeinde, die für diese
Kurse betet, damit Gott sie segnet. Ich wünsche mir, dass wir alle bereit sind, dafür zu beten,
dass interessierte Menschen sich für so einen Kurs anmelden. Ich wünsche mir die
Bereitschaft, zu jemandem zu sagen: „Ich lade dich zu diesem Kurs ein. Ich komme am
ersten Abend mit, damit du nicht alleine hingehen musst.“
Menschen sind für Gott wichtig. Wenn ihr also durch unsere Dörfer geht, dann seht all die
Häuser an und macht euch bewusst: „Gott liebt jeden einzelnen Menschen. Gott sehnt sich
nach Kontakt und nach einer Beziehung zu ihnen. Er möchte den Menschen ein reiches und
erfülltes Leben schenken.“ Wir wollen ganz neu mit Glaubenskursen anfangen. Wir wollen
sie sorgfältiger machen als je zuvor. Ich lade euch ein, dieses Anliegen in den nächsten
Monaten und Jahren mitzutragen. Denn wir vertrauen darauf, dass Menschen so einen guten
Rahmen finden, um in aller Ruhe Gott kennen zu lernen. AMEN.
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