10_05_03_MVB

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Arbeitsgemeinschaft
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Presseinformation
Mayen, 03. Mai 2010
"Nimm Dein Leben selbst in die Hand"
Netzwerkarbeit der ARGE MYK: Durch Coachings werden individuelle gesundheitliche
Probleme angegangen
Kreis MYK. In der ARGE Mayen-Koblenz setzte sich schnell die Erkenntnis durch, dass die
individuellen Situationen der Kunden, die bei der Integration in den Arbeitsmarkt im Weg
stehen können, in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit nicht immer durch ein Fallmanagement
alleine bewältigt werden können. Zu verschieden sind die jeweiligen Problemfelder, die es
dabei zu bearbeiten gilt. Um dem zu begegnen wurde 2006 mit Unterstützung von
Landesarbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfond das "MYKnetz" gegründet,
woraus sich eine umfangreiche Netzwerkarbeit ergab, die bemüht ist, allen ARGE-Kunden
aus ihren jeweiligen Lebenssituationen herauszuhelfen, damit diese wieder selbstbestimmt
am Arbeitsleben teilnehmen können.
Arbeitslosigkeit macht krank
Zu dieser Netzwerkarbeit gehört auch die Einführung der sogenannten "MVB-Analyse"
(Motivations-Volitions-Belastungsfähigkeits-Analyse): Gemeinsam mit dem Fallmanagement
der ARGE Mayen-Koblenz wurde herausgearbeitet, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von
Menschen zwar über einen hohen Grad an beruflicher Erwerbsmotivation verfügen, jedoch
psychisch belastet sind. Durch solche individuelle psychische Belastung werden die
Bemühungen des Fallmanagements erschwert - eine nachhaltige Vermittlung in diesen
Fällen
ist
fast
ausgeschlossen.
Deswegen
vernetzte
sich
die
ARGE
mit
dem
Gesundheitssektor, um den Bedürfnissen dieser Menschen im Langzeitarbeitslosenbezug
gerecht zu werden. Denn eines ist gewiss: Arbeitslosigkeit kann krank machen - sowohl
physisch als auch psychisch.
Gemeinsam mit dem "Institut für Resilienz und Recovery" arbeiten die Netzwerker in diesem
Projekt bedarfsorientiert zusammen. Sollte ein geschulter Fallmanager bei einem Kunden
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ARGE MYK
Büro der Geschäftsführung, Marktplatz 24, 56727 Mayen
Tel. 02651/7055-501, Fax 02651/7055-121, Mail: [email protected]
eine
psychische
Belastung
feststellen,
wodurch
er
für
die
Bemühungen
des
Fallmanagements nicht erreichbar ist, kann ein Auftrag an die Netzwerker gehen. Solche
Kunden der ARGE, weiß man aus umfangreicher Erfahrung, "leben in einer Grauzone", wie
Christoph Kretschmer (Projektleitung "MYKnetz") und Gregor Hülpüsch (Geschäftsführer
Institut für Resilienz und Recovery) erläutern. Einfach ausgedrückt sind diese Menschen
oftmals zu gesund für eine Therapie, aber zu krank für eine Arbeitsvermittlung. Deswegen
musste eine gemeinsame Zugangslogik aufgebaut werden. Besonders wichtig dabei: Wer
sich darauf einlässt, befindet sich nicht in einer Therapie, sondern in einem "Coaching". Zu
schnell wird man in der Gesellschaft durch andere, aber auch durch sich selbst, aufgrund
haltloser Vorbehalte stigmatisiert, nimmt man an einer Therapie teil.
In einem ersten Gespräch geht es darum, die Motivation und die Willensbildung des
Einzelnen herauszuarbeiten. Das kann bei nicht allzu ausgeprägter Krankheitsbelastung
erfolgreich sein, hilft aber auch bei Depressionen. Hier gilt es, den Menschen so zu fördern,
dass er lernt, auch mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung am Arbeitsleben
teilzunehmen. Dazu muss man schließlich das suchen, was individuell helfen kann. Mit
anderen Worten: Ich erkenne durch den Coach, wo mein bisher nicht erkanntes Problem
liegt. Durch das Coaching bin ich wieder in der Lage, zu arbeiten, und soll durch Vermittlung
der ARGE Mayen-Koblenz die richtige Stelle entsprechend meines Profils erhalten. Bei
Bedarf und auf Wunsch erhalten sogar Arbeitgeber ein entsprechendes Coaching.
Nach dem ersten Schritt, dem Einzelcoaching, mit dem Ziel die Fähigkeiten zur
Selbstmotivation
herauszuarbeiten,
die
persönlichen
Fähigkeiten
und
Ressourcen
aufzudecken und nach dem Erkennen der persönlichen Problembereiche erste Lösungen zu
suchen, gibt es in einem zweiten Schritt das Angebot eines Gruppengesprächs. Hier steht
eine lösungsorientierte Unterstützung im Fokus. Stressmanagementstrategien werden
ebenso besprochen wie der erfolgreiche Umgang mit schwierigen Vorgesetzten und
Kollegen, die Bewältigung von Ängsten und die Überwindung von Erschöpfungszuständen.
Sollte sich beim Coaching herausstellen, dass die individuelle
Problematik doch auf
einer Erkrankung beruht, und der Betroffene wirklich nicht am Arbeitsleben teilhaben kann,
so besteht nun immerhin Klarheit, warum dieser Mensch zuvor nicht vermittelt werden
konnte und es können Wege beschritten werden, die vorrangig nichts mit einer Integration in
den Arbeitsmarkt zu tun haben. Nach einem eventuellen Zwischenschritt kann dann bei
Bedarf eine stationäre Therapie anstehen.
Damit zeigt sich zugleich, dass das MVB-Projekt (bundesweit gibt es erst fünf bekannte
Projekte dieser Art) nicht einzig ein Projekt zur Arbeitsmarktintegration ist. Ohne eine solche
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Maßnahme, gibt Netzwerker Christoph Kretschmer zu bedenken, wären die Kosten für die
Allgemeinheit ungleich höher. Die „MVB-Analyse“ wird zurzeit gefördert durch den
Europäischen Sozialfond, Landesmittel und Mittel der ARGE MYK. Durch erfolgreiche
Coachings kann vielen betroffenen Kunden der ARGE Mayen-Koblenz der Weg zurück in die
Selbstbestimmung geebnet werden. Gleichzeitig werden die Menschen von einem starken
Leidensdruck entlastet.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------(Teil 2 - Interview mit Teilnehmer eines Coachings)
"Dabei will ich doch arbeiten"
Im Gespräch mit Teilnehmern des MVB-Projekts
Arbeitslos zu sein macht krank. Was mittlerweile als erwiesen gilt, ist für die ARGE
Mayen-Koblenz schon lange Fakt. Daher startete sie bereits vor zwei Jahren mit
Unterstützung des Landesarbeitsministeriums und des Europäischen Sozialfonds das
MVB-Projekt. Dabei werden ARGE-Kunden, die zwar über einen hohen Grad an
Erwerbsmotivation verfügen, jedoch psychisch belastet sind, Coachings angeboten,
die helfen sollen, den psychischen Stress im Alltag zu bewältigen und somit wieder in
den Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden.
Wie sind sie zu diesem Coaching gekommen?
Coachingteilnehmer Markus S. (Namen sind redaktionell geändert): Ich erhielt von meiner
Fallmanagerin eine Einladung dazu. Mir wurde erklärt, wozu das sein soll. Darauf sagte ich:
Gut, das mache ich, und mir wurde ein Termin gegeben. So bin ich halt hier gelandet - zum
Glück!
Wieso "zum Glück"?
Coachingteilnehmer Markus S.: Hier sieht man, dass man nicht der Einzige ist.
In dieser Gruppe erzählen Sie sich auch gegenseitig von Ihren Problemen?
Coachingteilnehmer Sabine T.: Ich habe hier erst das Zuhören gelernt. Das konnte ich
vorher nicht. Jetzt, am Ende des Coachings, mache ich das auch im Alltag, wenn ich im Bus
sitze oder in einem Café höre ich anderen Leuten zu. Dadurch lerne ich immer wieder Neues
dazu. Das kannte ich vorher gar nicht.
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Coachingteilnehmer Markus S.: Bei mir gab es ein ganz anderes Problem. Ich konnte es
nicht leiden, wenn man mich anbrüllte, wenn mir jemand ohne Respekt begegnet ist.
Entweder habe ich dann zurückgebrüllt oder die Arbeit verweigert.
Dann sind Sie wieder bei der ARGE gelandet.
Coachingteilnehmer Markus S.: Ja, und unser Coach, Frau Sander hat mit mir daran
gearbeitet.
Wie oft sitzen Sie in diesem Coaching zusammen?
Elke Sander (Coach des Instituts für Resilienz und Recovery): Es sind acht Einheiten pro
Gruppe vorgesehen. Mittlerweile ist auch für jeden Teilnehmer die Fortsetzung in einem
weiteren Coaching möglich. Von den erfahreneren Teilnehmern profitieren die Neueinsteiger
zusätzlich.
Was macht ein solches Coaching aus?
Coach Elke Sander: Zunächst einmal ist es freiwillig. Dadurch hat keiner der Teilnehmer
das Gefühl, er müsse hier sein.
Wenn einer dem anderen zuhört, wird dann nicht vielleicht noch mehr als das
individuelle Problem gelöst?
Coach Elke Sander: In der Tat. Durch das einander Zuhören, durch das sich gegenseitig
Wertschätzen wird auch soziale Kompetenz erlernt. Die Teilnehmer des Coachings erleben
hier ein Miteinander und kämpfen gemeinsam um ihre Würde im Alltag.
Kann jemand seine Situation vor dem Coaching beschreiben?
Coachingteilnehmer Mike B.: Ich habe mich oft allein gelassen gefühlt. Da gab es nur
Druck von oben, Druck von außen, nur durch meinen Status als Arbeitsloser. Man wird
beschimpft "Geh doch mal arbeiten". Dabei will ich doch arbeiten. Man sitzt den ganzen Tag
zu Hause, hat nichts zu tun. Und Geld ausgeben kann man auch nicht, weil es gerade so
zum Leben reicht.
Das hört sich auch für einen Laien sehr nach psychischem Stress an.
Coach Elke Sander: Stress ist fast immer das Thema in der Runde. Aber die Auswirkungen
können physisch und psychisch sein. Viele sind oft krank, so krank, dass sie zum Teil auch
mit richtig starken Medikamenten behandelt werden müssen.
Jetzt nach acht Coaching-Einheiten: Wie fühlen Sie sich da? Glauben Sie, Sie sind
besser für den Alltag gerüstet?
Coachingteilnehmer Markus S.: Ich kann jedem, der solche Probleme hat, dringend dazu
raten, sich einem solchen Coaching anzuschließen, wenn er das Angebot von der ARGE
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kriegt. Frau Sander hat mir geholfen. Nur um andere davon zu überzeugen, dass es etwas
bringt, habe ich mich dazu bereit erklärt, an diesem Interview teilzunehmen.
Was tun Sie, wenn Sie draußen, außerhalb des Coachings in eine Situation kommen,
in der Sie wie früher wieder in Stress geraten könnten?
Coachingteilnehmer Markus S.: Wir haben die Tipps und Methoden, die wir im Coaching
erlernten, auch auf Papier, um sie immer nachlesen zu können. Das geht bei Atemübungen
los. Oder wenn es gerade passt, mal kurz rausgehen und dann wieder kommen. Wir haben
einiges über uns gelernt und wir haben erlernt, wie wir besser mit schwierigen Situationen im
Alltag umgehen können.
Vorschlag für Unterzeile
(Teilnehmer-Namen sollen nicht genannt werden!)
Niemand muss hier sein - das Coaching ist freiwillig, was von Beginn an das Arbeiten
erleichtert. Coach Elke Sander (mi.) während einer Sitzung mit zwei Teilnehmern, die im
Gebäude der ARGE Mayen-Koblenz in Andernach gecoacht werden.
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