Einfuehrung-in-die-Rahmenbedingungen_SS03-APFb

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Einführung in die Rahmenbedingungen der Psychologie sowie in ihre
ethischen, wissenschaftstheoretischen, wissenschaftshistorischen
und methodologischen Grundlagen (vorgetragen von Rainer Maderthaner)
Dies ist ein auf Basis der in der Vorlesung gezeigten Overheadfolien beantworteter
Prüfungsfragenkotalog (Stand SS 03) ohne Anspruch auf Vollständigkeit...
(Der erste Prüfungstermin am 26.06.03 wurde im „multiple choice“-Format vorgegeben und war Hilfe
dieses Skriptum locker zu bewältigen!)
01. Begründen Sie die Sinnhaftigkeit einer wissenschaftskritischen Einführung
in die Psychologie.
Durch die Beschäftigung mit den wissenschaftstheoretischen Prinzipien und den
geschichtlichen Strömungen der Psychologie soll einerseits eine kritische Distanz
zum Fach geschaffen werden und andererseits auf die Gefahr einer
fortschrittshemmenden Dogmatisierung in dieser rasant aufstrebenden
Wissenschaft unterbunden werden.
02. Zur Plausibilität und Trivialität psychologischer Erkenntnisse
In einer Studie über die Genesungsdauer nach Unfällen wurde festgestellt, dass
verletzte Personen häufig dann eine längere Krankenhausaufenthaltsdauer hatten,
wenn sie glaubten, sie hätten den Unfall vermeiden können. Anschliessend wurde
einer Studentengruppe dieses Ergebnis präsentiert und einer anderen ein
falsches. In beiden Fällen behaupteten ca. 85% der Personen, sie hätten das
Ergebnis vorhersagen können. Daraus folgt: Wir neigen dazu, aufgetretne
Ereignisse im nachhinein als erwartbar und plausibel anzusehen!
03. Was versteht man unter „Populärpsychologie“ und auf welche
Themenbereiche bezieht sie sich?
„Populärpsychologie“ und „Lebenshilfe“ beziehen sich auf:






Glück, persönlicher Erfolg (Lebenssinn, positives Denken,...)
Wohlbefinden, Gesundheit, Leistung („Wellnes“, Entspannung, Meditation,..)
Liebe und Partnerschaft (Regeln für Kommunikation, sexuelle Befriedigung, richtige
Partnerwahl,...)
Elternschaft und Erziehung (Erziehungsprobleme, Erziehungsstile,...)
Menschenkenntnis (Charakterkunde, Graphologie, Ausdruckskunde,...)
Altern und Sterben (Lebenszufriedenheit, Generationskonflikte,...)
04. Zählen Sie bitte einige Lebensweisheiten auf, die eigentlich keine sind:





Aggression sollte abreagiert werden, wenn man sie los werden möchte.
Aus der Handschrift eines Menschen lässt sich sein Charakter ablesen.
Wenn man an Ängste nicht denkt, verliert man sie mit der Zeit.
Wenn gut gelernter Stoff sofort wiederholt wird („Überlernen“), kann er
länger gemerkt werden.
Nur wenn man die Ursachen einer psychischen Störung kennt, kann sie
auch geheilt werden.
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

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Das Grundwissen wissenschaftlicher Psychologie ist die Psychoanalyse.
Jeder Mensch kann hypnotisiert werden.
PsychologInnen können ihre Mitmenschen in relativ kurzer Zeit
durchschauen.
05. Welche Vorschläge enthält das Glückstraining von Fordyce (1983)








Freudvolle Aktivitäten in den Tagesablauf einbringen
Freundschaften reaktivieren, Einladungen organisieren
Persönlichen Ziele kritisch analysieren (z.B.: Mangel an Gegenwartsbezug oder
Überforderung erkennen)
Konzentration auf positive Lebensereignisse (z.B.: „positives Denken“)
„Zulassen“ negativer Lebenserfahrungen (z.B.: Vermeidung von Grübeleien)
Konkrete Planungen für einen längeren Zeitraum durchführen
Versuch, Beziehungs- und Berufsprobleme zu lösen
Sozialkontakte stärken und aufbauen
06. Begründen sie bitte anhand von Beispielen die Alltagsbezogenheit der
Psychologie







Wie werde ich glücklich?
Für welchen Beruf bin ich geeignet?
Welchen Menschen kann ich vertrauen?
Wie überwinde ich schwere Schicksalsschläge?
Auf welche Weise kann ich mit dem Rauchen aufhören?
Wie kann ich meine Fähigkeiten für Schule und Beruf optimal entwickeln?
Wie überwinde ich meine irrationalen Ängste?
07. Welche psychologischen Erklärungen können für die Entstehung von
Religiösität und Seelenvorstellungen gegeben werden?



Antopomorphisierung der Welt (Götter, Dämonen, Geister...) soll deren
Verstehbarkeit erhöhen und Handlungsbereitschaft schaffen
Überwindung von Todesfurcht (Unsterblichkeit der Seele, Weiterleben im Jenseits,
Seelenwanderung)
Vertrauen in eine gerechte Welt und eine faire Lebensordnung (Totengericht,
Paradies, Nirwana)





Gesellschaftliche und soziale Ordnungsfunktion (soziale Verbundenheit,
Machtsicherung)
Erlangung von Lebenssinn durch „Bündnis“ mit (einem) höheren idealen
Wesen
Körper-Seele-Dichotomie (Träume, Fieberdelirien, Ekstase, Drogenerfahrungen,
Schädelverletzungen)
„Bicameral Mind“ (Jaynes)
“Religion – eine List der Gene?” (Wilson)
08. Was versteht man unter „Bicameral Mind“ nach Julian Jaynes?

Julian Jaynes (Psychologieprofessor in Princeton) postuliert aufgrund antiker
Texte aus der Zeit von 3000 v. Chr. Bis etwa 700 v. Chr. (Sumer, Babylon,
Ägypten, Mayakulturen,...), dass Menschen aus dieser Zeit noch kaum über ein
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

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intospektives Bewusstsein verfügt hätten, sondern nur über eine
„bicamerale“ Psyche.
Unter „Bicameral Mind“ versteht Jaynes eine relativ unabhängige
Arbeitsweise beider Gehirnhälften, bei der die rechte Hälfte akustische oder
visuelle Halluzinationen in die linke Gehirnhälfte projiziert, welche als
„Stimmen“ oder „Erleuchtungen“ von Göttern interpretiert wurden.
Jaynes nennt die halluzinierten „Götterstimmen“ neurologische Imperative,
welche erzieherische und sittliche Anweisungen (soziale Kontrolle!) zum
Ausdruck gebracht hätten.
09. Schildern Sie die Vorstellungen einer „altgriechischen Seelenlehre“ in
kurzen Worten




Zu einem Körper gehört nur eine Seele (sie kann den Körper kurzzeitig verlassen:
Schlaf, Ekstase).
Seelenwanderung: Eine Seele kann nacheinander verschiedenen Körpern
angehören.
Unsterblichkeit: Die Seele existiert nach dem Tode des Körpers weiter.
Seelen können auch ohne Körper leben (z.B.: Auf der „Insel der Seeligen“).
10. Schildern sie die Vorstellungen „pythagoreischer Lebensführung“ in kurzen
Worten
Die Pythagoreer waren ein Männerbund, der ca. 530 v.Chr in
Klostergemeinschaften in Süditalien bestand. Grundgedanke war: „Die Seele
müsse zu Ordnung und Harmonie gelangen.“ Wege dazu gehen über:




Theorie (Astronomie, Mathematik)
Kunst (Musik)
Askese (Körper als Ballast und Gefängnis der Seele)
Freundschaft (Solidargemeinschaften)
11. Nennen sie die Hauptvertreter der „Attischen Philosophie“ und einige ihrer
Annahmen über die Seele



Sokrates (470-399 v.Chr.): „Vernünftiges Begreifen des menschlichen
Lebens und der Tugend, „sokratische Fragen“ als Reflexionsmethode,
„moralischer Intellektualismus“
Platon (427-347 v.Chr.): Idee – Ding : Urbild – Abbild; Dinge sind sinnlich
wahrnehmbar – Ideen nur durch Vernunft erkennbar („Höhlengleichnis“); die
unsterbliche Seele erinnert sich des wahren Wesens der Dinge;
Seelenanteile sind: Begehren, Mut, Vernunft
Aristoteles (384-322 v.Chr.): Schriften über Logik (Sylogismus),
Erkenntnistheorie, Naturphilosophie („Physika“, De Anima), Methaphysik, Ethik
(Nicomachea), Politik, Rhetorik und Kunst; erster „Empiriewissenschaftler“;
(„Peri psyches“, „De Anima“, „Über die Seele“) ; Körper sei das Werkzeug der
Seele, welche das Lebensprinzip („Entelechie“) in den Lebewesen wäre
(vegetative, animalische, denkende Seelenteile).
12. Charakterisieren sie die gegensätzlichen Strömungen des „Rationalismus“
und des „Empirismus“
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„Rationalismus”: Erkenntnistheoretische Richtung, die alleine das rationale
Denken als Erkenntnisquelle zulässt. (Duden)
 Decartes (1596 – 1650): „cogito ergo sum”
 Wolff (1670 – 1754): Psychologia rationalis – Psychologia empirica
„Empirismus“: Erkenntnistheoretische Richtung, die als Quelle der
Erkenntnis allein die Sinneserfahrung, die Beobachtung, das Experiment
gelten lässt. (Duden)
 Hume (1711 – 1776): Das „Ich“ als Bündel und Abfolge von
Erlebnisinhalten
Kant (1724 – 1804) „Transzententalphilosophie“: Hat mit seiner
Vermittlungsposition eine „kopernikanische Wende“ in der Erkenntnistheorie
eingeleitet, indem er nicht das, was erkannt werden soll zu analysieren
vorschlägt, sondern die Anschauungs- und Denkformen als Voraussetzungen
für die Erkenntnisse. Der Verstand kann nichts begreifen, was nicht bereits
zuvor in der sinnlichen Erfahrung gegeben war. Und die Sinne alleine können
ohne Verstand ebenfalls keine Erkenntnisse liefern.
13. Charakterisieren sie die gegensätzlichen Strömungen des „Idealismus“ und
des „Realismus“.


„Idealismus“: Philosophische Anschauung, die die Welt und das Sein als
Idee, Geist, Vernunft, Bewusstsein bestimmt und Materie als deren
Erscheinungsform versteht (Duden)
„Realismus“: Denkrichtung, nach der eine unabhängig vom Bewusstsein
existierende Wirklichkeit angenommen wird, zu deren Erkenntnis man
durch Wahrnehmung und Denken kommt. (Duden)
14. Charakterisieren sie die gegensätzlichen Strömungen des „Dogmatismus“
und des „Skeptizismus“.


„Dogmatismus“: Starkes, unkritisches Festhalten an Anschauungen,
Lehrmeinungen. (Duden)
„Skeptizismus“: Den Zweifel zum Prinzip des Denkens erhebende, die
Möglichkeit einer Erkenntnis der Wirklichkeit und der Wahrheit in Frage
stellende Richtung der Philosophie. (Duden)
15. Erläutern sie den Fachbegriff „Psyche“, und stellen Sie einen Bezug zum
Fachbegriff „Bewusstsein“ her.
Mandler (1979) definiert Psyche als komplexes, einem Individuum
zugeschriebenes Informationsverarbeitungssystem, „das Input verarbeitet
(einschliesslich dem Input aus seinen eigenen Handlungen und Erfahrungen) und Output an
die verschiedenen Subsysteme und die Aussenwelt abgibt. Bewusstsein ist
„Lupe“ für psychische Vorgänge.
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


6
Die Psyche ist in ihrer Komplexität „keiner direkten Betrachtung
zugänglich“. Als sogenannte „Hardware“ der Psyche ist das
Zentralnervensystem anzusehen.
Das Bewusstsein übt innerhalb der Psyche eine spezielle Funktion aus,
durch welche der „Output von verschiedenen Systemen integriert wird und
Transfer in Langzeitspeichersysteme stattfinden kann“.
Als eine der wichtigsten Funktionen fällt dem Bewusstsein „die Prüfung
potentieller Handlungsmöglichkeiten und Bewertungen der situativen
Gegebenheiten“ zu.
16. Nehmen Sie bitte Stellung zur Psychologiedefinition von Zimbardo und
Gerrig (1999): „Gegenstand der Psychologie sind Verhalten, Erleben und
Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebenspanne und
deren innere (im Individuum angesiedelte) und äussere (in der Umwelt
lokalisierte) Bedingungen und Ursachen.“




Introspektion - Hebt zusätzlich zum Verhalten auch Erleben und
Bewusstsein hervor
Entwicklungsperspektive - Ist nicht statisch
Interaktionistisch - Betont auch die inneren und äusseren
Rahmenbedingungen
Schränkt die Psychologie auf den Menschen ein
17. Besprechen sie kritisch die Psychologiedefinition von Rohracher (1960):
„Psychologie ist die Wissenschaft, welche die bewussten Vorgänge und
Zustände sowie deren Ursachen und Wirkungen untersucht.“



Stellt vor allem das Bewusstsein in den Vordergrund
Vernachlässigt (unbewusste) automatische Prozesse
Grenzt die Psychologie relativ klar zu anderen Wissenschaften ab
18. Was impliziert die Definition für Psychologie von Bourne & Ekstrand (1992)?




(Definition: „Psychologie ist die wissenschaftliche Erforschung von
Verhalten“)
Eine sehr breite, fast unspezifische Definition, die die meisten Phänomene
einschliesst, welche in Zusammenhang mit Lebewesen beobachtbar oder
erfahrbar sind
Betont Konkurrenz gegenüber Nachbardisziplinen (wie etwa der Physiologie,
Soziologie, Zoologie, Ethnologie und anderen Verhaltenswissenschaften)
Obwohl auch „inneres“ Verhalten gemeint ist (z.B.: Denken, Fühlen), scheint
beobachtbares Verhalten im Vordergrund zu stehen (Behaviorismus!)
19. Interpretieren Sie bitte die Definition der Psychologie von Dörner & Selg
(1996)

(Definition: „Gegenstand der Psychologie kann alles werden, was erlebbar
ist und/oder sich im Verhalten äussert“ ... „Was Psychologie ist weiss man
allenfalls, wenn man alle ihre Bereiche kennen gelernt hat; aber dann lässt
es sich nicht mehr knapp sagen!)
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


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Offene Definition, die sowohl die Introspektion als auch die Beobachtung
einschliesst
Gefahr von Methodenartefakten: Methode bestimmt den Gegenstand, nicht
umgekehrt
Gestattet aufgrund der pragmatischen Orientierung Interdisziplinarität und
Transdisziplinarität.
20. Ein “Kybernetisches Modell menschlicher Informationsverarbeitung”



Dörner & Selg (1996): Definition: Psychologie als „Wissenschaft von den
offenen oder variablen Regulationen“
Kybernetische Regelsysteme, die nicht bereits genetisch vorgegeben sind
(z.B.: Reflexe, AAM), sondern sich plastisch entwickeln können (z.B.: Lern- und
Denkvorgänge), sind für das psychologische Forschungsfeld kennzeichnend
Unterscheidung zwischen variablen und stabilen Regulationen (bzw. deren
Einfluss auf die variable Steuerung) ist bis heute nur unzufriedenstellend geklärt
(z.B.: Lernfähigkeit, Problemlösen)
21. Erläutern sie vier wichtige Funktionen des Bewusstseins:




Akzentuierngsfunktion: Es erfolgt eine Selektion bzw. Betonung
wahrgenommener und kognitiv erzeugter Informationen
Kombinierungsfunktion: Akzentuierte Bewusstseinsinhalte (= Weite des
Bewusstseins) werden miteinander in Beziehung gesetzt.
Speicherfunktion: Akzentuierte Bewusstseinsinhalte werden über eine
gewisse Zeitspanne präsent gehalten (Arbeitsspeicher, KZG)
Kontrollfunktion: Durch Sprache und durch Vorstellungsprozesse erfolgt
eine Verlagerung der Kontrolle der Informationsverarbeitung von aussen
nach innen.
22. Charakterisieren sie kurz die vier allgemeinen Ziele der wissenschaftlichen
Psychologie




Beschreiben (z.B.: Beobachtungen, Textanalysen, Befragungen,
Laboruntersuchungen, Tests)
Erklären (Hypothese, Gesetze, Simulationen)
Vorhersagen (z.B.: Entwicklung der Persönlichkeit, berufliche Leistungen,
Einstellungen)
Verändern (z.B.: Erziehungsmassnahmen, Therapien, Umschulungen, „Empowerment“)
23. Beschreiben sie möglichst präzise eines der vier Hauptziele der Psychologie
z.B.: Verändern durch...







Beobachtung (Hawthorne-Effekt!)
Kommunikation (z.B.: Partnerzentrierts Gespräch)
Bildung (z.B.: Psychologisches Grundlagenwissen, Stressbewältigung)
Beratung (z.B.: Lern-, Berufsberatung, Diagnistk)
Training (z.B.: Lerntechniken, betriebliche Kommunikation)
Therapie (z.B.: Verhaltens-, Gesprächstherapie)
Umweltgestaltung (z.B.: Wohnen, Siedeln, Arbeitsplatz, Versorgung, Mobilität)
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8
24. Zählen sie einige angeführte “Wissenschaftswissenschaften” auf

Methodologie der Wissenschaften (Wissenschaftsspezifische Untersuchungs-,
Mess- und Auswertungstechniken)

Philosophie der Wissenschaften (Ontologische, methaphysische und ethische
Problemstellungen)
Wissenschafts –
 Logik (Analyse der sprachlichen und formalen Aussagestrukturen)
 Psychologie (Psychische und psychosoziale Einflüsse auf die wissenschaftliche
Forschung)





Soziologie (Gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen der
Wissenschaften)
Geschichte (Stadien, Bedingungen und Tendenzen der Entwicklung von
Wissenschaften)
Ökonomie (Finanzielle Förderung der Forschung, ökonomische Verwertbarkeit der
Erkenntnisse)
Politologie (Standespolitik in der Öffentlichkeit, Einflüsse der Berufsverbände auf die
Ausbildung, parteipolitische Interessen an den Wissenschaftsresultaten)
Anthropologie (Auswirkungen der Wissenschaft auf das Menschenbild)
25. Erklären Sie den Begriff des wissenschaftlichen „Paradigmas” und erläutern
Sie kurz Paradigmen der Psychologie
Kuhn (1976): Wissenschaftsgemeinschaften einigen sich im wissenschaftlichen
Diskurs über die in einem Fach als gegenstandsadäquat anzusehenden
Heuristiken der Datengewinnung, Methoden der Auswertung von Daten und
theoretischen Positionen (Axiome).
Paradigmen in der Psychologie:



Behaviorismus
Psychoanalyse
Hermeneutik



Kybernetik
Kritische Psychologie
Kognitivismus
26. Welche Kriterien werden üblicherweise für Wissenschaftlichkeit gefordert?







Die Sachverhalte, über die die Aussagen gemacht werden, müssen wirklich
vorhanden (beobachtbar, erlebbar) sein.
Die Aussagen sollen Systeme bilden, welche nach wissenschaftsspezifisch
expliziten Regeln erzeugt werden.
Es müssen Regeln zur Definition von Fachausdrücken (Termini) vorhanden
sein.
Für das gegebene System von Aussagen müssen Ableitungsregeln gelten.
Das Aussagensystem muss widerspruchfrei sein.
Aussagesysteme mit empirischem Bezug (faktische Aussagen) dürfen sich
nicht nur auf die Aufzählung von Fakten beschränken, sondern müssen
auch Verallgemeinerungen enthalten.
Faktische Aussagen müssen intersubjektiv prüfbar sein
27. Erklären Sie bitte kurz, welche Bedeutungen den vier „Wahrheitskriterien“
für Erkenntnisse zukommt
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



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Konsistenz (interne und externe Widerspruchsfreiheit von Aussagen)
Korrespondenz (Inhaltliche Entsprechung von Aussagen mit entsprechenden
Beobachtungen „Operationalisierung“)
Pragmatik (Aussagen führen zu richtigen Prognosen im Alltag. Erfolgreiche
Handlungsanleitungen)
Konsensus (übereinstimmende Beurteilung einer Aussage durch die „scientific
community“)
28. Nennen sie einige „wissenschaftstheoretische Positionen“ und
charakterisieren sie diese anhand von Stichworten
z.B.:
Konstruktivismus





Theorien werden „konstruiert“ und „entstehen“ nicht aus Erfahrungen
Der Empirie gehen „theoretische Setzungen“ voraus
Herstellung („Realisation“) von Prüfbedingungen
„Exhaustion“
Extremposition: Radikaler Konstruktivismus
Phänomenologie



Lehre von „Erscheinungen“
„Zu den Sachen selbst!“ (Unvoreingenommenheit!)
Grundlage: Phänomene (sich originär aus Wahrnehmung, Fühlen und Denken
ergebende Eindrücke)

Ganzheitsorientierung
Dialektisch – Marxistische Wissenschaftstheorie



„Kritische“ – „Bürgerliche“ Psychologie
Keine Abstraktion von den konkreten historisch-gesellschaftlichen
Lebensbedingungen des Menschen
Gegen „Wertfreiheit“ in der Wissenschaft („Positivismusstreit“)
Evolutionäre Erkenntnistheorie




„Naturgeschichte menschlichen Erkennens“
Erkenntnisgewinn – Arterhaltung (Selektion)
Erkenntnisstrukturen sind Ergebnisse der Evolution (Erkenntnisse als
Überlebenshilfen)
Soziobiologie und Evolutionspsychologie
29. Erläutern sie bitte den Begriff „Erkenntnis” und beschreiben sie kurz den
Begriff „Erkenntnistheorie“

Erkennen ist „ein Prozess, in dem sich eine Struktur (Phänomen) des
Realsystems („Erkenntnisobjekt“) in einer anderen Struktur des Realsystems
(„Erkenntnissubjekt“) relativ dauerhaft abbildet!
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
Im Vergleich zu den Naturwissenschaften ist in der Psychologie und in den
Sozialwissenschaften auch mit bedingten oder nur temporär gültigen
Erkenntnissen zu rechnen!

Erkenntnistheorie ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit der
Frage nach den Bedingungen eines begründeten Wissens befasst. (Duden)
30. Mit welchen drei Grundbegriffen beschäftigt sich Erkenntnistheorie?



Erkenntnisursprung (Rationalismus – Transzententalismus – Empirismus)
Erkenntnisgeltung (Dogmatismus – Kritizismus – Skeptizismus)
Erkennisgegenstand (Idealismus – Kritischer Realismus – Realismus)
31. Beschreiben sie kurz die wichtigsten Entwicklungstedenzen der Psychologie
im 19. Jahrhundert
1860 – 1880: Positivismus: Mathematisierung und Physiolisierung






Helmholtz: „Handbuch der physiologischen Optik“
Darwin: „Der Ursprung der Arten“
Fechner: „Elemente der Psychophysik“
Wundt: „Grundzüge der physiologischen Psychologie“
Brentano: „Psychologie vom empirischen Standpunkte“
Wundt gründete das erste Institut für experimentelle Psychologie (Leipzig)
1880 – 1900: Strukturalismus, Introspektion, Funktionalismus,
Hemeneutik



James: „Principles of Psychology“
Ehrenfels: „Über Gestaltqualitäten“
Dilthey: „Ideen für eine beschreibende und zergliedernde Psychologie“
Gründung
 der „Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane“
 der American Psychologial Association (APA)
 von mehr als 40 Forschungs- und Lehreinrichtungen (Laboratorien,
Institute, Seminare) in Europa und America.
32. Weshalb wurde in der Zeit von 1900 bis 1940 von einer “Krise” der
Psychologie gesprochen?
Die Kontroversen um das Selbst- und Gegenstandsverständnis der Psychologie
im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts hat Karl Bühler in seiner Schrift „Die Krise
der Psychologie“ (1927) dargestellt; Bühler spricht darin von einem „rasch
erworbenen und noch unbewältigten Reichtum neuer Gedanken, neuer Ansätze
und Forschungsmöglichkeiten“, der „einen krisenartigen Zustand der Psychologie
heraufbeschworen“ habe.
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33. Die wissenschftlichen Strömungen innerhalb der Psychologie in den Jahren
1940 bis 1980
1940 - 1960: Humanistische Psychologie, Kybernetik, Statistik

Rohracher: „Einführung in die Psychologie”
Humanistische Psychologie:
 Maslow: „A theory of human motivation”
 Rogers: „Client-centered Therapy”
Kybernetik:
 Wiener: „Cybernetics“
 Ashby: „An Introduction to Cybernetics“
Informationsverabeitung:
 Shannon & Weaver: „The mathematical theory of communication“
Statistik:
 Mittenecker: „Planung statistischer Auswertung von Experimenten”



„Hixon-Symposion“ (Pasadena): Entstehung der Kognitionswissenschaften
Miller, Galanter & Pribram: „Plans and the Structure of Behavior“
„TOTE-Modell”
1960 – 1980: Kognitivismus, Konstruktivismus, Kritische Psychologie,
Evolutionäre Psychologie

Methodenstreit innerhalb deutschsprachiger Psychologen (Proponenten:
Mittenecker, Hofstätter, Lienert, Pawlik, u.a.)
Kognitivismus:
 Kognitive Wende: Gegenreaktion auf den Behaviorismus
 Neisser: „Cognitive Psychology“
 Gründung der Zeitschrift „Cognitive Science“
Evolutionäre Psychologie:
 Lorenz: „Das sogenannte Böse“
Konstruktivismus, Kritische Psychologie:
 Holzkamp: „Kritische Psychologie“
Informationsverarbeitung
 Lindsay & Norman: „Human Information Prozessing“


Guttmann: „Neuropsychologie“ EEG-Forschung
Fischer: „Einführung in die Theorie psychologischer Tests“
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34. Welche Strömungen kennzeichnen die Psychologie in den letzten 20
Jahren?
1980 – 2000: Konnektionismus, Cognitive Science, Formalisierung,
Pragmatismus
 An deutschsprachigen Universitäten Zuwachsraten für Studenten und
wissenschaftliches Personal zwischen 800 und 1000 Prozent
 Anderson: „Cognitive Science“
 Minsky: „The Society of Mind”
 Rumelhart & McClelland: „Parallel Distributed Processing”
 Opwis: „Kognitive Modellierung”
 Dörner: „Bauplan für eine Seele“
 Gründung des „Institutes für Theoretische Psychologie“ (Bamberg)
35. Die Studie über hervorragende PsychologInnen des 20. Jahrhunderts
Kriterien:
 Häufigkeit der Zitate in Fachjournalen (Freud, Piaget, Eysenk)
 Häufigkeit der Zitate in Einführungswerken (Freud, Skinner, Bandura)
 Befragung von Fachpsychologen (1725 APA-Mitglieder)
 Eponyme (von einer Person hergeleitete Namen)
 Ehrungen durch die APA
 Nationale wissenschaftliche Ehrungen (z.B.: Mitgliedschaften bei den nationalen
Akademien der Wissenschaften)
Ergebnisse (Rangliste):
 Skinner
 Piaget
 Freud
 Bandura
 Fesinger





Rogers
Schachter
Miller
Thorndike
Maslow
36. Beschreiben Sie kurz die folgenden drei kontroversiellen Standpunkte
innerhalb der wissenschaftlichen Psychologie: (z.B.: Leib – Seele, Anlage –
Umwelt, Vergangenheit – Gegenwart)
Leib – Seele:
Grundsätzlich nicht lösbare Fragestellung,
 ob es neben einer materiellen auch eine geistige Welt gibt (Monismus,


Dualismus, Wechselwirkungen),
ob alle Beobachtungen und Erlebnisse nur auf eine Wesenheit
(Materialismus, Idealismus) zurückzuführen sind oder,
ob Geistiges und Körperliches nur zwei Seiten ein und derselben
Wirklichkeit sind (Identitätslehre)
Anlage – Umwelt:
Frage, wie stark das Verhalten des Menschen
 durch seine Anlagen (endogen) oder
 durch seine Umwelt (exogen)
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beeinflusst wird, hat nicht nur wissenschaftliche, sondern auch praktische
Bedeutung (z.B.: Hinsichtlich des zu erwartenden Nutzens von pädagogischen
Massnahmen oder der Personalselektion in der Arbeitswelt).
Vergangenheit - Gegenwart
Werden die Einstellungen und der Charakter des Menschen
 durch vergangen Erfahrungen (z.B.: Durch Kindheitstraumen) bereits stabil
geprägt, oder
 kann er sich auf die gegenwärtigen Bedingungen und Anforderungen
weitgehend frei und flexibel einstellen?
37. Welche Schwerpunkte in der psychologischen Forschung lassen sich
unterscheiden (anhand der Fachgruppen der DGPs)?








Entwicklungspsychologie
Klinische Psychologie und
Psychotherapie
Biologische Psychologie
Arbeits- und
Organisationspsychologie
Rechtspsychologie
Sozialpsychologie
Pädagogische Psychologie
Geschichte der Psychologie







Differentielle Psychologie,
Persönlichkeitspsychologie,
und Diagnostik
Gesundheitspsychologie
Methoden und Evaluation
Umweltpsychologie
Allgemeine Psychologie
Verkehrspsychologie
Medienpsychologie
38. Hauptanwendungsgebiete der Psychologie in Österreich (anhand der
Sektionen des BÖP)




Forensische Psychologie
Kinder- und Jugend und
Familienpsychologie
Klinische und
Gesundheitspsychologie
Organisations-, Wirtschaftsund Arbeitspsychologie





Psychotherapie
Schulpsychologie
Umweltpsychologie
Verkehrspsychologie
Sportpsychologie
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