Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung

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Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung
Einige Vorbemerkungen zur Q-Welle an Schulen
Seit kurzer Zeit hat eine eigentliche Q-Welle auch die Schulen erfasst. Sucht man
jedoch in der Fachliteratur nach der Definition von Schulqualität, so stösst man nur
auf einseitige, ungenügende oder sogar überhaupt keine zufriedenstellenden Erklärungen. Je nach Standpunkt haben verschiedene Personen ganz verschiedene Begriffe davon, und der eine oder andere Wissenschafter neigt dazu, nur „seinen“ Teilaspekt als Qualitätsfaktor anzusehen. Ein Blick auf Industrie und Wirtschaft zeigt zudem, dass hier die Situation sehr ähnlich ist. Dort, wo effektiv ein Produkt hergestellt
wird, für welches aussagekräftige Qualitätskriterien existieren, wo Qualität also quasi
messbar ist, lässt sich Qualität auch definieren. Wo aber, wie in der Schule, kein
messbares Produkt hergestellt wird, ist auch dort das Qualitätsverständnis von Betrieb zu Betrieb und von Person zu Person ein anderes. Es ist deshalb naheliegend,
dass verschiedenste Institutionen und Personen aus verschiedensten Bereichen versuchen, die zum Teil weder geklärten noch gesicherten Qualitätskriterien direkt der
Schule zu überstülpen. Dieser Gefahr muss mit Nachdruck entgegengetreten werden.
Zwei Beispiele aus unserem Kanton möchte ich hier erwähnen. Die Liste liesse sich
allerdings beliebig verlängern. In der Wirtschaft hat eine eigentliche Fusionswelle
eingesetzt. Wenn irgendwie möglich werden, angekündigt als so genannte Rationalisierungsmassnahmen, Bereiche, Abteilungen oder gar ganze Firmen zusammengelegt. Ich denke, die Welle hat ihren Höhepunkt allerdings bereits überschritten. Was
für einige Bereiche durchaus sinnvoll ist, erweist sich für andere als Flop. Die Kunden wandern ab, sie vermissen den direkten Kontakt mit den Verantwortlichen, die
Entscheidungswege werde länger und undurchsichtiger, die bestqualifizierten Angestellten und Mitarbeiter kehren der Firma zuerst den Rücken, sie finden sofort wieder
eine ihnen zusagende Stelle. Auf dem Schulsektor sind, vor allem aus politischen
Kreisen, ähnliche Bestrebungen festzustellen. Schul- und politische Gemeinden sollen beispielsweise zusammengelegt werden. Geht es hier den Verantwortlichen nicht
viel mehr um die Vergrösserung ihrer Machtansprüche als um Einsparungen und
Verbesserungen? Dort, wo verwaltungstechnisch die Ablaufwege vereinfacht werden
können, wo Synergien genutzt werden können, ist eine vermehrte Zusammenarbeit
eindeutig voranzutreiben. Aber muss es gleich eine Zusammenlegung sein? Als
Zweites möchte ich die Bestrebungen erwähnen, welche die Zusammenlegung der
Orientierungsstufen der einzelnen Gemeinden zu Orientierungsstufenzentren herbeiführen möchten. Bislang hat noch niemand sinnvoll erklären können, welche Vorteile
diese bringen sollen. Zudem gibt es auch keine erhärteten Zahlen über die so genannte Idealgrösse einer Schule. Die meist vordergründig genannten wirtschaftlichen
Vorteile sind bereits sehr schnell widerlegt worden. Zum Glück ist es engagierten
Personen in unserer Gemeinde gelungen, mit pädagogischen Argumenten die Bevölkerung und damit die Stimmberechtigten zu überzeugen. Unsere Behörden werden gut daran tun, das eindeutige Abstimmungsresultat zu anerkennen und für die
nächsten Jahre diese Pläne in den untersten Schubladen verschwinden zu lassen.
Doch nun zurück zur eigentlichen Schulqualität. Was stellen wir uns darunter vor?
Gute Schulqualität ist ein Ziel, das wir immer wieder neu anstreben müssen, wir alle
zusammen, alle an der Schule Beteiligten. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, und
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die Gemeinschaft kann den noch grösseren Teil leisten. Gute Schule beginnt meines
Erachtens halt schon bei der Lehrerausbildung, braucht im Schulteam ein grosses
gegenseitiges Vertrauen, verlangt nach der Bereitschaft, seine Schulzimmertüre zu
öffnen, sowie nach Mut und Willen zur Zusammenarbeit, und muss den einzelnen
Lehrpersonen trotzdem die nötigen Freiheiten lassen, neue Wege und Methoden zu
erproben. Diese Aufzählung nennt einige Merkmale, ist aber keinesfalls abschliessend. Den Lehrpersonen müssen zudem meist noch durch gezielte Weiterbildung die
entsprechenden Kompetenzen und Qualifikationen vermittelt werden.
Erste Ansätze von Qualitätsentwicklung für unsere Schule
In den letzten Jahren hat unsere Schulleitung versucht, sukzessive kleine Qualitätsentwicklungsschritte zu initiieren.
Im Wissen darum, dass offene Schulzimmertüren eine ideale Voraussetzung für Gespräche über Unterricht darstellen, haben wir versucht, unseren Lehrpersonen das
Hospitieren schmackhaft zu machen. Vorerst wurde diese Möglichkeit nur spärlich,
oder wenn überhaupt, bei einem Lehrerkollegen oder einer Lehrerkollegin, welche
möglichst weit entfernt unterrichtet, benutzt. Überzeugt von dieser Variante, haben
wir unsere Lehrkräfte dazu animiert, in der eigenen Gemeinde zu hospitieren. Weil
dies organisatorisch einfacher war, und weil jene Lehrpersonen, welche bereits von
dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hatten, auf den Geschmack gekommen waren, machten diesmal bereits mehr als die Hälfte mit. Dies genügte uns allerdings
nicht. Wir wollten die Quote steigern. Im nächsten Schuljahr mussten jene, welche
nicht hospitieren wollten, uns eine schriftliche Begründung für ihre Enthaltung abliefern. Es traf nur noch eine Erklärung ein. Dies war für uns das Signal, im nächsten
Schuljahr das Hospitieren als verbindlich zu erklären und gleichzeitig verlangten wir,
dass die Lehrkräfte auch die Zielsetzungen und vereinbarten Beobachtungsschwerpunkte schriftlich ablieferten.
Gegenwärtig sind wir daran, erste Erfahrungen mit Q-Gruppen oder Q-Tandems zu
sammeln. Es wurde jedem Team überlassen, auf welche Art die Gruppen oder Tandems zusammengestellt wurden. Während sich in zwei Teams die Gruppen selber
bildeten, hat sich ein Team sogar für eine Zusammenstellung durch das Los entschieden. Anschliessend wurde für das gesamte Team eine erste Weiterbildungsveranstaltung zum Thema Feedbackkultur durchgeführt. Aufgrund der erworbenen
Kenntnisse führten nun die Gruppen gegenseitige Unterrichtsbesuche durch und diskutierten anschliessend das Gesehene. An einer zweiten schulinternen Weiterbildungveranstaltung konnten die ersten Erfahrungen mit den externen Fachpersonen
besprochen werden. Nebst dem gegenseitigen Hospitieren werden innerhalb der
Gruppen auch weitere Möglichkeiten, wie Praxisberatung im Team, aktives und passives Zuhören usw. ausprobiert. Gewisse Probleme haben sich ergeben, weil auch
die Schulleitungsmitglieder in dieser Phase aktiv mitgemacht haben oder weil Junglehrer und ihre Berater wieder aufeinander trafen. Gleichzeitig hat sich auch gezeigt,
dass die Gruppenbildung und der gegenseitige Austausch in jenen Teams, welche
bereits über längere Teamentwicklungs-Prozesse verfügen, besser funktionieren. Wir
werden auch künftig versuchen, die gemachten Erfahrungen in der schulinternen Weiterbildung der gesamten Schule oder der einzelnen Teams entsprechend zu berücksichtigen.
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Für höhere Schulqualität ist aber auch in erster Linie höhere Unterrichtsqualität Voraussetzung. Wir sind deshalb ganz gezielt daran, sowohl in der gesamten Schule
Oberdorf, als auch in einzelnen Teams oder Stufen, Weiterbildung für verschiedene
Schulformen anzubieten. So durfte sich deshalb zum Beispiel das Orientierungsstufenteam kürzlich an einen Weiterbildungstag mit dem Didaktiklehrer des pädagogischen Institutes der Universität Freiburg, Dr. Alois Niggli, theoretisch und praktisch
mit den beiden Lernformen Gruppen-Puzzle und Gruppen-Ralley auseinander setzen. Oder das Primarteam setzt sich gegenwärtig mit der Problematik von hochbegabten Schülerinnen und Schülern auseinander. Zudem sind wir, wie vorne erwähnt,
einmal mehr daran, die Integration von langsameren, leistungsschwächeren, verhaltensauffälligen, fremdsprachigen etc. Schülerinnen und Schülern zu überdenken.
Vereinzelt haben wir uns auch schon mit verschiedenen Standard-Tests auseinander
gesetzt. Bei einem von Professor Richard Bessoth für Kaderleute in unserem Kanton
durchgeführten Kurs haben wir uns als Testschule zur Verfügung gestellt und dabei
Bekanntschaft mit seinen Tests über Unterrichts- und Organisationsklima gemacht.
(Bessoth R., 1993/1997).
Auch mit verschiedenen Angeboten von Selbstevaluation haben wir uns schon beschäftigt. Es ist für uns klar, dass wir auch hier einen ersten Schritt unternehmen
müssen. Die verschiedenen Angebote sind uns aber noch zu „schul-lastig“ und zu
zeitaufwändig. Wir sind auf der Suche nach einem Angebot, bei dem nicht immer die
gleichen Institutionen und Fachberater eine Rolle spielen.
Wir sind uns allerdings bewusst, das wir das Boot nicht überladen dürfen. Genau
deshalb sind wir der Meinung, dass wir unseren Kolleginnen und Kollegen nicht noch
mehr aufladen dürfen. Wenn wir die gesteckten Ziele erreichen wollen und bis zum
Beginn des Schuljahres 2003/2004 sowohl das Leitbild als auch das neue Schulleitungskonzept erarbeitet haben wollen, wenn wir zudem von unseren Lehrpersonen
die Mitarbeit in den verschiedensten bereits genannten Kommissionen erwarten,
dann denken wir, dürfen wir nicht noch zusätzliche grössere Projekte in Angriff nehmen. Sonst laufen wir Gefahr, dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen überfordern, dass sie nicht mehr mitmachen, und zudem würden wir uns dem berechtigten
Vorwurf aussetzen, dass wir Entwicklungen nur noch um der Entwicklungen willen in
Angriff nehmen und uns gar nicht mehr damit befassen, die angestrebten Veränderungen auch auf ihre Wirksamkeit hin zu untersuchen. Oder anders gesagt: Es bedeutet für uns auch Qualität, wenn wir nicht alles auf einmal erreichen wollen.
Reflexion der eigenen Führungsrolle
Mit dem Bereich Unterrichtsqualität beschäftigen wir uns erst seit relativ kurzer Zeit,
also innerhalb jener Zeitspanne, in der wir über eine Schulleitung verfügen. Wir
mussten schon bald einmal merken, dass die Verantwortung für verschiedenste Bereiche auf die einzelnen Mitglieder aufgeteilt werden musste. Sie liegt in diesem Bereich nicht bei mir. Ich sehe daher momentan meine Rolle diesbezüglich eher im Mitdenken, im Hinterfragen und im Geben von Impulsen, die ich in Kursen erhalte oder
in verschiedenster Literatur finde. Dabei staune ich oft über Veröffentlichungen, die
anscheinend (noch) nicht wahrgenommen haben, dass die personellen Ressourcen
für Qualitätssteigerung am Versiegen sind. Unterfangen, die zum Ziel haben, das
angeschlagene Image des Lehrerberufes zu verbessern und die darauf ausgehen,
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die Schule nicht ständig mit neuen Aufgaben, die eigentlich dem Elternhaus zustünden, zu versehen, hätten dabei für mich eine viel vorrangigere Bedeutung.
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