Gruppendenken - Psychologie Lexikon der Argumente

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Psychologie Lexikon der Argumente
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Autor/Tit
el
> Janis,
Irving L.
Begriff
Zusammenfassung
Haslam I 182
Gruppendenken/Janis: Beispiel: Nach dem
Scheitern der Invasion in der Schweinebucht
1961, die von einer Gruppe hochintelligenter
Menschen geplant worden war, stellte sich die
Frage, wie dieses Scheitern möglich gewesen sei.
Janis These: Obwohl Janis zu dem Schluss kam,
dass die fehlerhafte Planung der CIA und der
Mangel an effektiver Kommunikation teilweise für
das Fiasko in der Bay of Pigs verantwortlich war,
diagnostizierte er das primäre Problem als Folge
sozialpsychologischer Prozesse, die innerhalb der
Kernberatungsgruppe des Präsidenten ablaufen.
(Janis; 1972(1), 1982(2)).
>
Psychologische Tradition: Anfang der 70er Jahre
Gruppendenken waren Theorie und Forschung zur Gruppen- und
Organisationsentscheidung von der
individualistischen subjektiven Nutzenlehre
dominiert (Kramer, 1998)(3), wonach die
subjektiven Bewertungen von Risiko und Ertrag
einer einzelnen Person ihre
Entscheidungsprozesse beeinflussen.
JanisVsTradition: betonte die Gruppendynamik,
die diesen Entscheidungen zugrunde liegt.
Insbesondere theoretisierte er
Haslam I 183
dass die Kohäsion der Gruppen ihre Mitglieder
motivieren könnte, Gruppenharmonie und
Einstimmigkeit über sorgfältige Überlegungen bei
Metadaten
Janis, Irving L.
Haslam I
S. Alexander
Haslam
Joanne R.
Smith
Social
Psychology.
Revisiting the
Classic
Studies
London 2017
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Begriff
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der Entscheidungsfindung zu stellen.
Haslam I 184
Def Gruppendenken/Janis: "Gruppendenken" [ist]
ein schneller und einfacher Weg, um auf eine
Denkweise hinzuweisen, die Menschen
anwenden, wenn sie tief in eine
zusammenhängende Gruppe eingebunden sind,
wenn das Streben der Mitglieder nach
Einstimmigkeit ihre Motivation, alternative
Handlungsoptionen realistisch zu bewerten,
übertönt. (Janis, 1972(1): 9)
Janis These: Eine bestimmte Reihe von
Vorbedingungen kann die Mitglieder einer Gruppe
dazu bringen, einen Konsens miteinander zu
suchen, anstatt sich an sorgfältigen
Entscheidungen zu beteiligen.
Gruppendenken-Modell/Janis:
(a) die vorhergehenden Bedingungen, von denen
erwartet wird, dass sie diese konsensorientierte
Psychologie hervorbringen,
(b) eine Reihe von beobachtbaren Symptomen,
die sich daraus ergeben sollten, was wiederum zu
(c) einer Reihe von fehlerhaften
Entscheidungsprozessen führt.
Das Modell deutet darauf hin, dass diese
fehlerhaften Prozesse in der Regel zu
suboptimalen kollektiven Entscheidungen führen.
Vorangestellte Bedingungen: hochrangige (z.B.
charismatische oder autoritäre) Führungskräfte,
begrenzte Informationssuche und Isolierung der
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Gruppe gegenüber Außenstehenden mit dem
notwendigen Fachwissen, um fundierte
Entscheidungen zu treffen.
Besonders wichtig: ein starkes Gefühl der
Gruppenkohäsion (d.h. eine starke kollektive
Bindung) und ein Kontext mit hohem Stress oder
Krisen, besonders wahrscheinlich bei komplexen
und folgerichtigen Entscheidungen.
Haslam I 185
Symptome für Gruppendenken: (Janis 1971)(3)
Überschätzung des Gruppenwertes:
1. Illusion der Unverwundbarkeit
2. Glaube an die Moral der Gruppe
Engstirnigkeit:
3. Kollektive Rationalisierung
4. Stereotype Ansichten von Outgroups
Druck auf Gleichmäßigkeit:
5. Selbstzensur
6. Illusion der Einstimmigkeit
7. Druck auf Abweichende ausgeübt
8. Mindguarding
Probleme: Entscheidungsziele werden
unzureichend diskutiert, nur wenige alternative
Haslam I 186
Lösungen werden unterhalten, ursprünglich
bevorzugte Lösungen werden nicht kritisch
geprüft, zunächst verworfene Lösungen werden
nicht erneut geprüft, Experten werden nicht
konsultiert, Ratschläge werden selektiv und
voreingenommen eingeholt, und die Gruppe
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entwickelt keine Notfallpläne.
Lösung/Janis: Gruppenleiter sollten alle
Gruppenmitglieder ermutigen, "kritische Bewerter"
zu sein, so dass sie in der Lage sind, Zweifel oder
Einwände frei zu äußern. Darüber hinaus sollten
Gruppenleiter vermeiden, ihre anfänglichen
Präferenzen zu Beginn eines jeden
Entscheidungsprozesses anzugeben (...).
Janis plädierte für die Bildung mehrerer
unabhängiger Gruppen, jede mit ihrem eigenen
Gruppenführer, um das gleiche Problem zu lösen.
(...) die Meinungen der Gruppenmitglieder sollten
häufig in Frage gestellt werden, entweder indem
man verschiedene externe Experten an den
Sitzungen teilnehmen lässt oder indem man
ausgewählte Mitglieder als vorübergehende
"Advokaten des Teufels" benennt. Schließlich
betonte Janis die Bedeutung von Treffen der
"zweiten Chance", bei denen
Gruppenentscheidungen ein letztes Mal überdacht
werden könnten, bevor sie beschlossen oder
veröffentlicht werden.
Haslam I 187
Beispiele für Gruppendenken: die Invasion
Nordkoreas, die Schweinebucht und die
Eskalation des Vietnamkriegs.
Beispiele, die kein Gruppendenken zeigen: der
Marshall-Plan und die Kubakrise.
Haslam I 189
Gruppen/Janis: These: Das einzige Ziel von
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Entscheidungsgruppen ist es, sich an einer
maßvollen Beratung zu beteiligen, um genaue und
logische Entscheidungen zu treffen.
VsJanis: Gruppen können andere Ziele im Sinn
haben, wie z.B. "Zufriedenheit mit und
Verpflichtung zur Entscheidung", "verbesserte
Umsetzung durch die Gruppenmitglieder" oder
sogar "diffuse Verantwortung für schlechte
Entscheidungen" (McCauley, 1998(4): 148).
>Gruppendenken/Psychologische Theorien.
KramerVsJanis: Roderick Kramer (1998)(5) schlug
vor, dass zumindest einige von Janis'
Fallbeispielen besser als fehlerhafte
Entscheidungen verstanden werden, die sich aus
politischem Denken und nicht aus Gruppendenken
ergeben.
Präsident Kennedy (...) versuchte, genaue
Entscheidungen darüber zu treffen, was die beste
politische Entscheidung war (z.B. würde sie im
Inland populär sein), zum Nachteil der
bestmöglichen militärischen Entscheidung. Mit
anderen Worten, eine sorgfältige Bewertung der
Entscheidungen.
Haslam I 190
(d.h. Nicht-Gruppendenken-Symptome) in einem
Bereich kann scheinbares Gruppendenken in
einem anderen erzeugen.
FullerVsJanis/AldagVsJanis: Sally Fuller und
Ramon Aldag (1998)(6) argumentieren, dass die
leichte Popularität des Modells Sozialpsychologen
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abgelenkt hat. Sie behaupten, dass sich die
Forscher darauf konzentrierten, die ursprünglichen
Parameter des Gruppendenken-Modells zu testen,
auf Kosten der breiteren Fragen zur
Gruppenentscheidung. (...) - ironischerweise
ergeben sich einige der besten Beweise für das
Gruppendenken-Modell aus der Untersuchung der
Art und Weise, wie die Forschung zu
Gruppendenken selbst durchgeführt wurde.
>Gruppendenken/Psychologische Theorien.
1. Janis, I.L. (1972) Victims of Groupthink. Boston:
Houghton Mifflin.
2. Janis, I.L. (1982) Groupthink: Psychological
Studies of Policy Decisions and Fiascoes. Boston:
Houghton Mifflin.
3. Janis, I.L. (1971) ‘Groupthink’, Psychology
Today, November, 43–6: 74–6.
4. McCauley, C. (1998) ‘Group dynamics in Janis’
theory of groupthink: Backward and forward’,
Organizational Behavior and Human Decision
Processes, 73: 146–62.
5. Kramer, R.M. (1998) ‘Revisiting the Bay of Pigs
and Vietnam decisions 25 years later: How well
has the groupthink hypothesis stood the test of
time?’, Organizational Behavior and Human
Decision Processes, 73: 236–71.
6. Fuller, S.R. and Aldag, R.J. (1998)
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‘Organizational Tonypandy: Lessons from a
quarter century of the groupthink phenomenon’,
Organizational Behavior and Human Decision
Processes, 73: 163–84.
Dominic J. Packer and Nick D. Ungson, „Group
Decision-Making. Revisiting Janis’ groupthink
studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander
Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting
the Classic studies. London: Sage Publications
_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben
die Quelle an, arabische Ziffern die
Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind
rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…):
Kommentar des Einsenders.
> Gegenargumente gegen Janis
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