Gesellschaftliche und soziale Fragen der Suchtkrankheit

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Sucht-Krankheit
Geschichte der Sucht
Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass das Wort „Sucht“ vom Verb
„suchen“ abstamme, da die Sucht eine Suche nach Glück, Liebe, Anerkennung etc.
ist. Der Begriff der Sucht kommt vom gotischen siukan (=krank sein) und war bis zum
16. Jahrhundert die generelle Bezeichnung für Krankheit (entsprechend dem
lateinischen morbus). Die „fallende Sucht“ war dementsprechend nichts anderes als
die „Fall-Krankheit“ (Epilepsie), die „schwarze Sucht“ die „Schwarz-Krankheit“ (meist
die Cholera). Es gab viele weitere Arten der Sucht: die schwere, die böse, die leidige,
die giftige, die heiße, die kalte, die tobende, die schwindende, die gelbe, die rote, die
weiße, die bleiche, die ungarische, die neapolitanische und so weiter. Die Menschen
auf der ganzen Welt haben schon immer Drogen genommen, die ihr Bewusstsein
(d.h. ihre Stimmung, ihre Wahrnehmung und ihr Erleben) verändern. Sie haben diese
Stoffe zunächst unabsichtlich entdeckt, dann aber absichtlich konsumiert. Der
Rausch ist ebenso alt, wie auch allgemein verbreitet (und auch dokumentiert), dass
man meinen könnte, die Sucht habe es auch schon immer gegeben. Dies ist jedoch
nicht der Fall. Die Menschen haben fast immer ohne Sucht gelebt. Erst im Zeitalter
der Aufklärung und der Industrialisierung entstand die Sucht, was viele
Wissenschaftler auch „Erfindung der Sucht“ nennen.
Ende des 19. Jahrhunderts war de Elendsalkoholismus eines der brennendesten
gesellschaftlichen Probleme. In den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts sprach
man vom Wohlstandsalkoholismus. Der Beginn des Drogenmissbrauchs war am
Ende der Jugend und Studentenrevolution im Sommer 1969.
Wortwandel
Auf die Frage „Ist Sucht eine Krankheit?“ gibt der Ursprung des Begriffs „Sucht“
allerdings keine Antwort, denn die Abhängigkeit, die wir heute als Sucht bezeichnen,
gab es damals noch nicht. Praktisch wurde früher jede Krankheit als Sucht
bezeichnet – außer die Sucht selbst.
Die Trunksucht galt Jahrhunderte lang als eine unter vielen Lasten. Erst im 19.
Jahrhundert ändert sich ihre Bewertung in der Öffentlichkeit: Aus einer Last wurde
eine Krankheit, die von Medizinern beschrieben, erforscht und behandelt wurde.
Sprachgeschichtlich betrachtet wurde die Trunksucht damit zur Brücke für einen
weiteren generellen Bedeutungswandel des Wortes Sucht. Denn da sich zu der
Trunksucht andere Formen extremen Drogenkonsums gesellten, wurde Sucht zu
einem medizinischen Fachbegriff für die Hörigkeit gegenüber körperlich und/oder
seelisch abhängig machenden Substanzen. Dieser Abschnitt in der
Begriffsentwicklung begann im Jahre 1784, als der einflussreiche amerikanische
Mediziner und Sozialreformer Benjamin Rush den Alkoholismus in seiner
Untersuchung über die Wirkung des Branntweins auf den menschlichen Körper und
Geist erstmals als Krankheit definierte.
Der Begriff „Sucht“, der ursprünglich die generelle Bezeichnung für Krankheit
gewesen war, bezeichnet ab ca. 1950 nur noch eine einzige und ganz spezielle
Krankheit, nämlich die Abhängigkeit von Rausch- und Betäubungsmitteln.
Sucht im Allgemeinen
„Sucht“ bezeichnet zunächst eine körperliche Krankheit, die nicht auf Unfällen und
äußere Verletzung beruht.
Als Süchtiger glaubt man anfänglich, dass man den Verbrauch seines Suchtmittels
voll im Griff hat und „beweist“ anderen und sich selbst, dass er beispielsweise
Trinkpausen gut überstehen kann. Über längere Zeit gesehen stimmt dies jedoch
nicht. Das Suchtmittel übernimmt die uneingeschränkte Kontrolle über Geist und
Körper. Das heißt also, dass Süchtige ihr Suchtverhalten nicht bewusst steuern bzw.
kontrollieren können. Hinter Versprechen für eine Besserung stehen meist ernsthafte
Vorsätze, doch können diese, durch den medizinisch nachgewiesene Verlust der
Selbstkontrolle, oft nicht eingehalten werden. Einem Alkoholiker zu sagen, dass er
seine Trinkmenge reduzieren soll, bewirkt genauso soviel, wie einem Kurzsichtigen
zu sagen, er solle sich beim Sehen gefälligst besser anstrengen. Der ausbleibende
Erfolg, das Suchtverhalten willentlich zu beeinflussen, hat also nichts mit
Willensstärke oder –schwäche zu tun. Gerade das will der Abhängige jedoch nicht
wahr haben und verstrickt sich immer mehr in Selbsttäuschung. Folglich benimmt er
sich auch gegenüber Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen anders als
gewohnt. Er lügt (aus seiner Sicht sind es nur „Notlügen“), verspricht mehr, als er
halten kann und ist häufig sehr rechthaberisch. Bald drehen sich alle Gedanken nur
noch um das Suchtmittel: Ist genug Vorrat da? Was muss ich tun oder vorlügen, um
weiter ungehindert konsumieren zu können? ( Christiane F. ging anschaffen, um
genug Geld für ihr Suchtmittel zu haben und bewahrte sich immer ein Halbes für den
nächsten Morgen auf)
Hilfe für Süchtige
Die oder der Betroffene muss seine Sucht aus tiefster innerer Überzeugung zugeben
und akzeptieren. Er muss aufhören, sich zu verstecken und bereit sein, fremde Hilfe
anzunehmen. Diese Einsicht ist eine schwere persönliche Niederlage. Jeder
Suchtkranke sollte sich darüber im klaren sein, dass er sich unwissentlich für den
Tod entschieden hat und es liegt an ihm selbst, an seinem sozialen Umfeld (Familie,
Freunde, Arbeitskollegen) und an den Angeboten der Suchtkrankenhilfe, die Sucht
zu überwinden. Dafür gibt es Beratungstellen und Selbsthilfegruppen, in denen
meistens ausgebildete Suchtkrankenhelfer oder –berater ehrenamtlich zur Verfügung
stehen.
Gründe für den Drogenkonsum
Sucht hat immer etwas mit Selbstmanipulation zu tun. Jeder weiß natürlich, dass es
riskant ist Drogen zu nehmen. Wer mit sich und seinem Leben zufrieden ist, wird also
kaum zu Drogen greifen. Anfällig, süchtig zu werden, sind vor allem Menschen, die
bereits psychisch krank sind. Eine weitere Ursache ist die Umgebung, in der der
Mensch aufwäschst. Wächst jemand in einer Umgebung auf, in der viel getrunken
wird oder in der Drogenkonsum etwas Alltägliches ist, wird er weniger Hemmungen
haben, Drogen zu nehmen, als jemand, der in einer weitgehend suchtmittelfreien
Umwelt groß wird. Dabei sind Eltern und Geschwister ebenso wichtige Vorbilder wie
die Clique. ( Christianes Vater trank viel Alkohol) Da Sucht vor allem in sozial
schlechter gestellten Schichten ( Gropiusstadt) häufiger auftritt, sind Kinder, die in
solchen Vierteln aufwachsen, mehr gefährdet selbst süchtig zu werden. Der Süchtige
sucht oft nach Glück, Freiheit oder Liebe und will auf der Eigenverantwortung un der
Realität flüchten. Er hat Angst davor, sich seinen Problemen zu stellen und evtl. auch
ein geringes Selbstwertgefühl, weshalb er sich „Stärke“ durch äußere Mittel holt (
Christiane will Annerkennung haben und bewundert diejenigen, die stärkere Drogen
als sie nehmen)
Folgen
Seit einem Urteil des Bundessozialgerichtes vom 18.06.1968 ist Sucht als Krankheit
anerkannt. Die Gleichstellung mit anderen Krankheiten hatte weitreichende Folgen.
U.a. wird seitdem der Lohn im Krankheitsfall weiter gezahlt und der Suchtkranke hat
Ansprüche auf eine angemessene Behandlung. Inhaltlich unterscheidet man bei der
Sucht eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit.
Körperliche Abhängigkeit entsteht, weil der Körper sich auf die ständige „Vergiftung“,
z.B. durch Alkohol, einstellt. Alkohol z.B. macht müde und senkt die Aufmerksamkeit.
Bei jemandem, der ständig trinkt, steuert der Körper dagegen und stellt sich auf
einen Zustand „Wacher – aufmerksamer“ ein. Wird der Alkohol nun abgesetzt,
kommt es folglich zu Unruhe, Nervosität, zu erhöhter Empfindlichkeit für Außenreize
und zu Schlafstörung – also zu Entzugserscheinungen. Diese Entzugserscheinungen
sind typische Zeichen für eine körperliche Abhängigkeit. ( Christiane F.’s Körper
stellt sich auch auf die Drogen ein) Psychische Abhängigkeit beschreibt den nicht
kontrollierbaren häufigen Wunsch, Drogen du Alkohol einzunehmen. Sie ist genauso
schlimm wie die körperliche Abhängigkeit, weil sie ebenfalls dazu führt, dass der
Konsum mit allen Konsequenzen fortgeführt wird. Drogen stimulieren auf
unnatürliche Weise die Rezeptoren im Gehirn. Dabei kann es zu unerwünschten
Nebenwirkungen kommen. Eine mögliche Nebenwirkung sind Angst oder tiefe
Depressionen. Durch die Depressionen ist das Selbstwertgefühl angegriffen und die
Selbstmordrate ist deutlich erhöht. Viele Drogen zerstören darüber hinaus auch
Zellen des Nervensystems. Nervenzellen erholen sich nicht, wenn sie erst einmal
geschädigt sind. Es kommt zu einer Verminderung des geistigen
Leistungsvermögens. Viele Drogen schaden auch dem Körper selbst. Alkohol z.B.
schädigt die Leber, was bis zur Leberzirrhose führen kann. In diesem Stadium ist die
Leber geschrumpft, von Narben durchzogen und praktisch nicht mehr funktionsfähig.
Menschen mit einer Leberzirrhose sterben einen qualvollen Tod – sie verbluten
innerlich oder verblöden zunehmend ( Christiane F. lag einige Male wegen
Gelbsucht im Krankenhaus). Für Süchtige dreht sich das ganze Leben um ihr
Suchtmittel Es geht nur noch darum, sich Drogen oder Alkohol zu beschaffen und zu
konsumieren. Die Arbeit wird vernachlässigt; Fehler, Unpünktlichkeit und
Krankmeldung häufen sich ( Christiane F. schwänzte häufig die Schule und ging
dafür am Bahnhof Zoo anschaffen). Süchtige sind meistens sehr einsam, da sie
keine Beziehungen mehr haben bzw. nur noch zu anderen Süchtigen. ( C.F. hatte
keine Freundinnen mehr, und wenn dann waren sie selbst abhängig (Detlef, Stella,
Babsi,...)). Süchtige fühlen sich meistens schwach und hilflos, und in den
schlimmsten Fällen sehnen sich die Süchtigen nach dem Tod, als vermeintlichen
Ausweg, als Rettung vor einer unbequemen, bösen, feindlichen Welt. Das ist
besonders bei Menschen mit Alkoholismus und Rauschgiftproblemen der Fall. (
auch Chistiane F. wollte sich oft den „goldenen Schuß“ setzen). Weitere Punkte sind,
dass Süchtige oft Selbstmitleid haben, oder anderen (den Eltern, den Geschwistern,
der Gesellschaft, den Partnern, den Freunden,...) die Schuld an ihrer Abhängigkeit
geben. Auch wo es keinen Sinn mehr für ein Zusammenleben gibt, bietet sich der
Rausch als ein sogenannter „Alleskleber“ an. ( Christiane F. verstand sich am
Ende nicht mehr gut mit ihren Freunden, aber trotzdem blieben sie eine Clique)
Vom Genuss zur Abhängigkeit
Es gibt verschiedene Stufen zur Abhängigkeit. Der Genuss, die Gewohnheit, die
Sucht. Der Genuss setzt voraus, dass man sich Zeit für das Genießen nimmt, und
das der Konsum etwas Besonderes, also nicht alltäglich ist. Sobald sich Routine in
den Konsum einschleicht, spricht man von Gewohnheit. Zur Sucht ist es dann nur
noch ein kleiner Schritt So weit kommt es zum Glück viel seltener als befürchtet. Die
meisten Menschen, die merken, dass sie aus Gewohnheit zu viel konsumieren,
reagieren richtig und reduzieren ihren Konsum wieder.
Wonach kann man süchtig sein?
Süchtig werden kann man nicht nur nach Substanzen wir Alkohol oder Nikotin,
sondern auch nach bestimmten Verhaltensweisen. Im Prinzip kann eine Sucht nach
jedem menschlichen Verhalten entstehen. Süchte lassen sich einteilen in:
1. Substangebundene Süchte:
- Legale Stoffe, wie Alkohol, nikotin, Koffein, Teein, Schnüffelstoffe und
verordnete Medikamente
- Illegale Stoffe, wie Opate, Kokain, Crack, Cannabisprodukte, Halluzinogene,
Synthetische Drogen und nicht verordnete Medikamente.
2. nicht substanzgebundene Süchte
- Spielsucht,
Computersucht,
Internetsucht,
Sportsucht,
Kaufsucht,
Arbeitssucht, Esssucht, Magersucht
Alkoholismus
Alkohol zu trinken ist in der heutigen Gesellschaft eine allgemeine Gewohnheit. Wer
nicht mittrinkt, schließt sich fast schon selber aus. Wer dabei jedoch die Kontrolle
verliert, wird verachtet. Psychologen sind der Meinung, dass die Gesellschaft ihr
Schuldbewusstsein verdrängt und ihr schlechtes Gewissen auf den Suchtkranken,
der nun als willensschwach und asozial gilt, überträgt. Alkoholismus ist eine seit
Jahrzehnten anerkannte Krankheit, die, ebenso wie alle anderen Süchte, nur schwer
diagnostizierbar1 ist. Auch Ärzte und andere Fachkräfte sind häufig nicht in der Lage,
eine bestimmte Aussage zu treffen, ob jemand alkoholkrank ist oder nicht.
Alkoholismus ist weder, was viele Menschen glauben, ein Schicksalsschlag, der
einen wegen der falschen Gene trifft, noch eine hoffnungslose Sachen, bei der
sowieso niemand helfen kann. Die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren
schätzt in ihrem letzten Jahresbericht die Zahl der Alkoholkranken in Deutschland auf
2,5 Millionen. Es gibt heutzutage eine große Anzahl von professionellen
Möglichkeiten, um alkoholkranken Menschen zu helfen. Leider sind diese
Möglichkeiten, und auch das notwendige Wissen über die Krankheit selbst nur wenig
bekannt. Unwissenheit ist eine häufige Ursache, warum Betroffene und Angehörige
falsch oder gar nicht reagieren.
Quellen:
www.google.de - Stichwort: Suchtkrankheit, Drogenabhängigkeit, Sucht
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Christiane F. – Stern Buch
Bertelsmann Lexikon
1
Diagnostik = Wissenschaft von der Früherkennung von Krankheiten
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