Totgeburten

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PRESSEKONFERENZ:
27. Oktober 2005
Fehl- oder Totgeburt:
Abschied am Beginn des
Lebens
Die Universitätskliniken Salzburg betreuen und behandeln betroffene Frauen und Paare
fürsorglich in medizinischer, psychologischer und seelsorgerischer Hinsicht.
Am Podium stehen Ihnen zur Verfügung:
Dr. Gerlinde Akmanlar-Hirscher
Frauenärztin an der Universitätsklinik für Gynäkologie
und Geburtshilfe – Pränatalambulanz
Mag. Gabriele Maierhofer
Klinische Psychologin im SJS Salzburger
Universitätskliniken – Sonderauftrag für
Psychosomatische Medizin, Institut für klinische
Psychologie
Mag. Elisabeth Sallinger-Leidenfrost
Krankenhausseelsorgerin im SJS Salzburger
Universitätskliniken
Valentine Wimmer
Betroffene Mutter und Initiatorin der Selbsthilfegruppe
„Windrad“ Salzburg – Selbsthilfegruppe für Eltern,
deren Baby vor, während oder nach der Geburt
verstorben ist
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Fehl- oder Totgeburt:
Abschied am Beginn des
Lebens
Die Universitätskliniken Salzburg betreuen und behandeln
betroffene Frauen und Paare fürsorglich in medizinischer,
psychologischer und seelsorgerischer Hinsicht
Im Zentrum jeder medizinischer Anstrengung steht es,
Menschen von ihren Schmerzen zu befreien, Krankheit zu
heilen und Leid zu lindern. Wenn der Tod am Ende aller
Bemühungen
unabwendbar
ist,
beginnt
für
die
Hinterbliebenen die schwere Zeit des Trauerns. Verstirbt
ein alter Mensch nach langem Leiden und einem erfüllten
Leben, fällt es bei allem Schmerz den Angehörigen meist
leichter, mit ihrer Trauer zurechtzukommen. Eltern, die ihr
ungeborenes Kind verlieren oder schon bei der Geburt
Abschied nehmen müssen, sehen sich einer Situation
ausgesetzt, die kaum vorstellbar oder nachfühlbar ist.
Deshalb
unterstützt
die
Universitätsklinik
für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Zusammenarbeit mit
der Psychosomatischen Ambulanz und der Seelsorge des
St.-Johanns-Spitals
Betroffene
in
einer
solchen
Krisensituation, sowohl bei und nach einer pränatalen
Diagnosestellung, während des Klinikaufenthaltes und
wenn nötig auch danach auf höchst sensible und
einfühlsame Weise.
„Meine Tochter Michaela starb am 12. März 2003 im Alter von
21 Monaten an einer Lungenentzündung in Folge einer sehr
seltenen Lungenfehlbildung, die mit dem Down-Syndrom und
einem Herzfehler in Zusammenhang gestanden haben dürfte.“
Die Mutter von Michaela Valentine Wimmer kennt die Trauer
aus leidvoller Erfahrung, weiß aber auch, dass der Schmerz
irgendwann ein Ende hat und das liebevolle Erinnern einsetzt.
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Wenn ein Baby stirbt, das die Familie kaum kennen lernen Den Tod eines Kindes zu
konnte, ist das Trauern unendlich schwer. Es gibt kaum verarbeiten ist unendlich
gemeinsame Erlebnisse oder Erinnerungen mit dem Kind – die schwer
Umwelt reagiert aus Unwissenheit oder Angst vielfach mit
Unverständnis. Umso wichtiger ist es, Müttern und Vätern von
totgeborenen Kindern umfassende Unterstützung zukommen
zu lassen. Mag. Gabriele Maierhofer berichtet, dass in diesen
ersten
Krisensituationen
vor
allem
der
aktuellen
Lebenssituation, aber auch wichtigen lebensgeschichtlichen
Ereignissen, Erfahrungen mit Krankheit und Tod und den
individuellen Bewältigungsmöglichkeiten Beachtung geschenkt
werden muss. „Es gibt keine richtige oder falsche Trauerarbeit,
sondern nur verschiedene Möglichkeiten, die für jede Mutter
und jeden Vater mit deren unterschiedlichen Bedürfnissen,
Erfahrungen und Grenzen anders sein können – und dabei
werden sie unterstützt und begleitet.“
In Salzburg sind rund 500 Mütter/Eltern pro Jahr von einem
Schwangerschaftsverlust betroffen: „Natürlich ist die pränatale
Diagnostik ein wichtiges Werkzeug, um Krankheiten des Feten
schon im Mutterleib zu erkennen und im Idealfall auch heilen zu
können. In manchen Fällen lässt uns das Wissen um den
Zustand des ungeborenen Kindes aber machtlos zurück und
die Nachricht vom Tod des Babys löst auch bei uns Ärztinnen
und Ärzten große Betroffenheit aus“, berichtet Dr. Gerlinde
Akmanlar-Hirscher von der Universitätsklinik für Gynäkologie
und Geburtshilfe Salzburg aus eigener klinischer Erfahrung.
„Ob wir dann eine Curettage in Vollnarkose durchführen
müssen oder das Kind auf natürlichem Weg geboren wird,
hängt von der Schwangerschaftsdauer und der Größe des
Kindes ab. Die Mütter werden jedenfalls nicht auf der
Wochenbettstation untergebracht und wir bemühen uns, die
Zeit im Kreissaal so kurz wie möglich zu halten. Jeder Schritt
wird mit den Eltern genau besprochen, damit zu dem Schmerz
nicht vermeidbare Unsicherheit kommt.“
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Der Gedanke an eine bevorstehende Geburt ist für viele Eine aktiv erlebte Geburt ist für
betroffene Mütter unvorstellbar. Die Angst vor Schmerzen, die die Verarbeitung der Gefühle
bei einem toten Kind nicht durch den ersten Schrei wieder besser als ein Kaiserschnitt
wettgemacht werden, vor Fehlbildungen und dem endgültigen
Loslassen betäubt alle anderen Gedanken.
Der Prozess der Geburt kann aber auch die nötige Zeit
gewähren, um den Abschied begreifbarer zu machen. „Nach
einer Kaiserschnittgeburt, wie sie bei Frühgeborenen notwendig
werden kann, wird manchmal das Geschehen wie ein Filmriss
empfunden und der postpartale Verlust des Kindes bekommt
dadurch
eine
noch
unwirklichere
Qualität“,
erklärt
die
Geburtshelferin.
Auch wenn die Eltern bei oder nach der Geburt nicht in der
Lage sind, sich vom Kind zu verabschieden, ist die Erinnerung
nicht unwiederbringlich verloren, wie Dr. Akmanlar-Hirscher
betont: „Im Kreissaal der Universitätsfrauenklinik fertigen die
betreuenden Hebammen von jedem Baby ein Foto an, das sich
Betroffene auch später noch abholen können. Auf Wunsch
kann zusätzlich eine Andenkenkarte mit dem Fußabdruck des
verstorbenen Kindes mitgenommen werden. Hebammen und
ÄrztInnen unterstützen bei der Geburt und im Wochenbett
Eltern dabei, geeignete Rituale für den Abschied zu finden.“
Mag.
Elisabeth
Sallinger-Leidenfrost
von
der
Krankenhausseelsorge der Salzburger Universitätskliniken hat
viele Mütter auf dem langen Weg hin zum Verarbeiten des
Erlebten begleitet: „Eltern fragen in dieser Situation nach
Möglichkeiten (nochmals) Abschied zu nehmen, wie es in einer
Segnungsfeier, bei einer Beerdigung oder bei Gedenkfeiern,
wie sie auch jährlich in der Taufkapelle der Frauenklinik
stattfinden, geschehen kann.“
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Die Dauer des Spitalsaufenthaltes nach der Geburt oder dem Trost und Hilfe in der Klinik,
medizinischen Eingriff wird von der Frau und ihrer körperlichen solange die Betroffene es
und seelischen Verfassung bestimmt. Die Klinik bietet für viele braucht
Betroffene und deren Angehörige einen geschützten Raum mit
raschem Zugriff auf psychologische Hilfe. Auch nach der
Entlassung nach Hause steht eine „Selbsthilfegruppe für
trauernde
Eltern“
mit
monatlichen
Treffen
in
der
Psychosomatischen Ambulanz als Anlaufstelle zur Verfügung
und PsychotherapeutInnen im niedergelassenen Bereich sind
mit dem Team in der Klinik im Rahmen der „Initiative zur
Begleitung trauernder Eltern“ vernetzt. Vor der Entlassung und
auch noch nach einigen Wochen sollte in jedem Fall ein
Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden
Ärztin stattfinden, bei dem alle offenen Fragen in Ruhe geklärt
werden und medizinische Befunde (nach)besprochen werden
können.
Auch
der
Hausarzt/die
Hausärztin
sollte
zur
Unterstützung aufgesucht werden – er/sie kann begleitende
Beschwerden wie Schlafstörungen, Infektanfälligkeit u.v.m.
behandeln.
Der klinischen Psychologin ist es sehr wichtig, den Kontakt zu
Frauen, die Hilfe benötigen, nicht zu verlieren. „Der natürliche
Trauerprozess kann nach so einem großen Verlust in eine
anhaltende depressive Verstimmung abrutschen, die dann
längerer, eventuell auch medikamentöser Behandlung bedarf.
Auch in Hinblick auf spätere Schwangerschaften bewährt sich
eine sorgfältige ganzheitliche Betreuung, um die Schwangere
dann emotional besser gestützt durch kritische Wochen
begleiten zu können. Hier wirkt sich die gute Zusammenarbeit
zwischen ÄrztInnen und PsychologInnen positiv aus.“
Hilfestellung bietet die Universitätsklinik auch bei rechtlichen Auch in rechtlicher Hinsicht
Fragen nach dem Tod des Kindes – Dr. Akmanlar-Hirscher unterstützt das Team der
erklärt wie: „Viele Frauen schmerzt die formale Sprache, mit der Universitätsklinik für
der Rechtsstaat und auch manchmal die Medizin den Tod ihres Frauenheilkunde und
Geburtshilfe Salzburg
Kindes beschreibt.
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Darum versuchen wir den Betroffenen die Termini zu erklären
und auch schriftlich in einer ,Begleitbroschüre für trauernde
Eltern’ darüber zu informieren.“
Wird ein Kind lebend geboren und verstirbt nach der Geburt,
haben die Mütter das Recht auf 8 bis12 Wochen Mutterschutz.
Außerdem besteht eine Bestattungspflicht für die Eltern. Wird
das Kind tot geboren oder kommt es zu einer Fehlgeburt, wenn
das Kind also in einer frühen Schwangerschaftswoche noch im
Mutterleib stirbt, besteht keine Bestattungspflicht und die Mutter
hat Anspruch auf entsprechenden Krankenstand, den der
Hausarzt nach Empfehlung der Klinik verschreiben und wenn
nötig verlängern kann.
Mit der Entlassung aus dem Krankenhaus ist der lange Weg, Nach der Entlassung beginnt
den Mütter, Väter und auch Geschwister zu gehen haben, aber die Trauerarbeit mit Hilfe von
noch nicht abgeschlossen, vieles hat noch gar nicht begonnen. Familie, PsychologInnen und
Die
Psychologin
Mag.
Gabriele
Maierhofer
spricht
aus Selbsthilfegruppen
Erfahrung: „Wenn die erste Benommenheit vorbei ist und die
Gefühle wiederkommen, versuchen Mütter das Unbegreifliche
zu ergründen und suchen nach Ursachen, die den Tod des
Kindes verschuldet haben könnten. Nichts ist so schwer zu
ertragen wie die Ungewissheit.“
In dieser Phase können auch Beziehungskonflikte entstehen.
Deshalb
ist
es
wichtig
alle
Gefühle
und
Phantasien
anzusprechen. Auch dafür kann manchmal professionelle Hilfe
nötig werden.
Einen Ort zum Reden hat nach dem Tod ihrer Tochter auch
Valentine Wimmer gesucht und Initiative ergriffen: „Im Winter
2003, als wir die schlimmste Trauer um den Verlust von
Michaela hinter uns hatten, suchte ich einen Weg, betroffene
Mütter und Väter aus dem Raum Salzburg zusammenzubringen
und gründete die Gruppe ,Windrad’.
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Die Erfahrung, wie gut es tut, mit anderen Betroffenen über das
Erlebte sprechen zu können, spornte uns dabei an.“
Inzwischen gestaltet die Gruppe halbjährliche Gedenkfeiern, die
zu wichtigen Fixpunkten im Jahreskreis der Gruppenmitglieder
wurden
und
bietet
monatliche
Gruppentreffen
an.
Das
Engagement geht manchmal aber auch über diese festen
Termine hinaus: „Manche Frauen besuchen mich zuhause, um
Literatur
auszuborgen
oder
weil
sie
dringend
einen
Gesprächspartner suchen. Wir haben auch schon Besuche im
Krankenhaus
gemacht
oder
bei
Bedarf
Kontakte
zu
SeelsorgerInnen oder TherapeutInnen hergestellt. Anderen
wieder genügen einige E-Mails oder Telefonate.“
Aber nicht nur die Mutter hat Trauerarbeit zu leisten, auch Väter Väter trauern anders
müssen lernen, mit dem Verlust umzugehen. Sie werden bei
der Klinikaufnahme ihrer Partnerin vom betreuenden Team
motiviert, sich als Begleitperson mit aufnehmen zu lassen, um
die Schwangere zu unterstützen. Aber auch die Begleitung
durch eine enge Freundin oder andere nahe Angehörige hat
sich bewährt.
„Väter und Mütter trauern verschieden – es hat sich gezeigt,
dass Männer in dieser schweren Zeit nach dem Verlust ihres
Kindes
sehr
von
der
Hilfe
in
Eltern-Selbsthilfegruppen
profitieren“, so die Psychologin.
Eine wichtige Erkenntnis zur Trauerarbeit hat auch Valentine Gedenkstätte für still geborene
Wimmer aus den Erfahrungen in der Gruppe Windrad gezogen: Kinder am Kommunalfriedhof
„Jede Familie hat ihren ganz persönlichen Weg zu trauern. Das Salzburg
kann ,miteinander darüber reden’, Musik hören, Tagebuch oder
Gedichte schreiben, trommeln, musizieren, malen und basteln
oder das Grab schmücken sein. Wichtig ist, diesen Weg
zusammen zu finden und das braucht Zeit.“ Neben der Zeit für
Trauer brauchen solche Gefühle auch einen Ort.
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Einem Ort wie der Gedenkstätte Kindergrabmal am Salzburger
Kommunalfriedhof, die auf Initiative von Eltern errichtet wurde,
fühlen sich Betroffene mit ihrem besonderen Schicksal nicht so
alleine. Sie können dort andere Eltern treffen und vor allem
wissen sie, wo ihr verstorbenes Kind bestattet ist. Mehrmals im
Jahr werden dort Verabschiedungsfeiern für die Eltern der
beigesetzten Kinder veranstaltet.
(www.stadt-salzburg.at/kindergrabmal)
Auch wenn keine Bestattungspflicht besteht, können Eltern ihre Ein eigener Name auch für
stillgeborene Kinder
verstorbenen Kinder auch in einem eigenen (Familien-)Grab
bestatten lassen und so ein kleines eigenes Denkmal setzen.
Die Seelsorgerin kennt die Bedürfnisse der Eltern: „Bei Totoder Fehlgeburten ist es für viele Eltern sehr befreiend, dem
Kind einen eigenen Namen zu geben, bewusst von ihm
Abschied zu nehmen und so das kurze Leben zu würdigen und
ihrer Liebe und Trauer einen Ausdruck zu geben.“
Alle Maßnahmen, die die Klinik, die Seelsorge, PsychologInnen
und ÄrztInnen oder auch Selbsthilfegruppen wie Windrad
anbieten
können,
sind
Hilfestellungen,
um
ein
positiv
gestaltetes Weiterleben nach einem so frühen Verlust zu
ermöglichen. Lebendige Trauer weist verstorbenen Kindern
dann den Platz zu, der ihnen in einer emotional gesunden
Familie entspricht.
Valentine Wimmer: „Zu akzeptieren, dass Trauer Zeit braucht,
ist schwer, es kann aber Jahre dauern, bis der Gedanke an das
Kind, das man nie kennen lernen durfte, nicht mehr schmerzt.“
Für weitere Fragen steht zur Verfügung:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin PR und Klinikmarketing, Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger Landesklinik Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0) 662 4482 -1007
Mobil: +43 (0) 699 1707 1007
Fax: +43 (0) 662 4482 -1009
[email protected]; [email protected]
www.salk.at
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