Gottesdienst am 12. Juli 2009 Lk 5:1

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Gottesdienst am 12. Juli 2009
Lk 5:1-11 / Fischzug des Petrus
Johannes Beyerhaus
Liebe Gemeinde,
bis auf den heutigen Tag hat das, was damals dem Fischer Petrus am See Genezareth passiert ist, Spuren
hinterlassen. Zumindest in der Anglerwelt.
Menschen, die Fliegen als Hobby haben, wünschen sich aus unerfindlichen Gründen "Holm- und
Rippenbruch“. Abgewandelt kennen wir das in der Umgangssprache als „Hals- und Beinbruch“. Der nicht
weniger rätselhafte Seglergruß heißt "Mast und Schotenbruch".
Angler aber wünschen sich nicht irgendwelche zerbrochenen Dinge, sondern sie wünschen sich Heil. Und
zwar das Heil des Petrus - "Petri Heil".
Worin besteht dieses Heil?
Zunächst mal natürlich in den vielen Fischen. So einen gigantischen Fang auf einmal ins Netz zu
bekommen, wie weiland der Schutzpatron der Fischer: Davon träumt doch bis heute jeder, der diesen
Beruf mit den gleichen einfachen Mitteln ausüben muss. Ohne Echolot und Sonargeräte - einfach nur mit
Instinkt, Boot und Netz.
Aber zum Heil des Petrus gehören eben nicht nur diese vielen Fische, sondern seine Begegnung mit
Jesus. Eine Begegnung, die nicht zuletzt auch mit einem heilsamen Schrecken zu tun hat. Die Geschichte
vom Fischzug des Petrus ist darum auch etwas für diejenigen unter uns, die mit Fischen überhaupt nichts
am Hut haben. Sie ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sich unser Leben verändern kann, wenn es zu
einer echten Begegnung mit Jesus kommt.
Aber schauen wir uns erst mal diesen Petrus genauer an.
Ein Mann, der seinen Beruf und sein Boot beherrschte.
Das war übrigens auch nötig, denn der See Genezareth mit seinen tückischen und unberechenbaren
Winden ist bis heute eine Herausforderung, die dort mit dem Boot unterwegs sind - auch für Segler und
Surfer. Hier haben nur Profis etwas verloren. So wie Petrus halt, der sein Geld mit Fischen verdiente.
Und es gab für ihn eigentlich auch keinen Grund, über irgendeinen anderen Job auch nur nachzudenken.
Im See Genezareth gab es so viele Fische - hier konnten er und seine Familie gut leben. Die reichten
sogar noch für seine Pension. Ein sicherer Job, ein eigenes Boot, flexible Arbeitszeiten, sein eigener Chef
sein - und dann noch um sich herum eine Landschaft wie aus dem Urlaubskatalog: Palmenkronen,
immergrüne Zypressen, azurblauer Himmel.
Was wollte Petrus also mehr?
Was brauchte er noch?
Aber dann erscheint auf einmal Jesus auf der Bildfläche und greift in sein Leben ein.
Zunächst allerdings gewinnt man den Eindruck, sich Petrus gar nicht so übermäßig für Jesus interessiert.
Obwohl er ihn schon kennengelernt hatte als jemanden, der Wunder tun kann. In der Geschichte zuvor
wird nämlich erzählt, dass Jesus immerhin seine fieberkranke Schwiegermutter geheilt hatte.
Und jetzt findet am Ufer des Sees ein Riesenevent statt. Kirche im Grünen mit einer Rekordzahl von
Besuchern. Die Menschen schieben und schubsen nur so, um einen Platz möglichst weit vorne zu
bekommen. Alle wollen diesen berühmten Jesus von Nahem erleben. Und sie drücken ihn in ihrer
Begeisterung beinahe ins Wasser.
"Die Menge drängte sich zu ihm, um das Wort Gottes zu hören" heißt es in Vers 1
Und was macht Petrus?
Ihn scheint das Ganze wenig zu berühren. Geistesabwesend zupft der den Seetang aus seinem Netz. Sein
eigenes Geschäft ist ihm offensichtlich wichtiger. Allerdings wird Petrus an diesem Morgen auch kaum
besonders gut drauf gewesen sein. Die ganze Nacht hindurch hatte er mit seinen Fischerkollegen das Netz
ausgeworfen, immer und immer wieder, aber die blöden Fische haben ihn ein ums andere Mal ausgetrickst
und ihn aussehen lassen wie einen Anfänger. Und jetzt war er gefrustet, hungrig und natürlich
hundemüde. Kein Wunder, dass er in dieser Verfassung wenig Lust auf Gottesdienst hatte. Nur noch die
Netze fertigmachen und dann ab ins Bett.
Aber: Petrus hatte seine Rechnung ohne Jesus gemacht. Und die Geschichte zeigt : Auch wenn wir
eigentlich nur noch die Decke über den Kopf ziehen wollen, weil wieder mal alles gründlich schief gelaufen
ist, auch wenn wir mit Gott und der Welt fertig sind - Jesus ist trotzdem noch da. Und er will trotzdem
noch mit uns reden und hat trotzdem noch mit uns etwas vor.
Und so hält auch der Frust des Petrus Jesus in keiner Weise davon ab, sich ausgerechnet ihm
zuzuwenden und sich ausgerechnet ihn für seine weiteren Pläne auszusuchen.
Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Petrus nicht gerade begeistert war, als Jesus geradewegs auf ihn
zusteuert und sagt: "Hej du da, ich bräuchte mal ein Boot. Und deins liegt hier gerade so geschickt. Und
einen Ruderer bräuchte ich auch gleich dazu. Das machst du doch sicher für mich, oder? Auf, lass uns
rausfahren!
Vom Wasser aus können mich die Leute besser hören."
Jetzt kam aber auch wirklich alles zusammen: Die Arbeit nicht fertig, der Bauch leer, die Stimmung im
Keller und dann noch eine lange Predigt. Super! Auch seine Kollegen, die mit im Boot saßen, werden
begeistert gewesen sein!
Aber: Petrus tut es. Wegen der Sache mit der Schwiegermutter konnte er schlecht nein sagen. Und so
atmet der arme Mann tief durch, wirft die Netze auf einen Haufen, schiebt das Boot ins Wasser und rudert
Jesus raus.
Liebe Gemeinde, diese Geschichte zeigt uns, dass es in unserem Leben nicht so wichtig ist, ob wir zu
etwas Lust haben oder nicht. Wenn Jesus etwas mit uns vorhat, wenn er mit uns reden und uns
gebrauchen will, selbst wenn es überhaupt nicht in unsere Pläne hineinpasst - dann sollten wir an Petrus
denken und sagen: OK. .Hier bin ich!
Denn wenn Jesus uns in den Dienst nimmt, dann geschieht das auf längere Sicht immer auch zu unserem
Heil. Sicher nicht immer so prompt und offensichtlich wie in dieser Geschichte. Aber: Auf die Stimme von
Jesus zu hören ist immer und in jedem Fall die bessere Entscheidung. Ob seine Stimme aus der Bibel
heraus zu uns spricht, oder durch unser Gewissen, eine plötzlicher Eingebung oder auch in der Begegnung
mit anderen Menschen. Jesus hat nicht nur damals geredet, er tut es auch heute noch. Er spricht zu Ihnen,
er spricht zu mir.
Weil er auch mit uns etwas vorhat.
Doch schauen wir jetzt mal, wie es im Fall des Petrus weitergeht.
Als Jesus aufgehört hatte, zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze
zum Fang aus! Vermutlich hatte Petrus dazu nun erst recht keine Lust.
So etwas Sinnloses, wo - wenn überhaupt, die Fische nur nachts an die Oberfläche kommen - tagsüber
aber immer in der Tiefe verschwinden. "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen"
Aber dann gibt er sich doch wieder einen Ruck: auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und liebe
Gemeinde, genau das ist der Punkt: "Auf dein Wort hin ". Petrus sagt nicht etwa: Auf meinen Glauben hin
- oder: Auf meine plötzlich wiedererwachte Lust hin - nein: "Auf dein Wort hin tue ich es!"
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie
winkten ihren Gefährten, die im andern Bott waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie ...
füllten beide Boote ..., so dass sie fast sanken.
Darauf zu hören, was Jesus sagt, ist allemal eine solidere Grundlage für unser Tun, als das wir gerade
glauben oder auch nicht glauben oder was wir gerade fühlen oder auch nicht fühlen. "Wenn ich auch gleich
nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.
Petrus wird auf einmal von einem Jenseitsschrecken ergriffen - er spürt die heilige Gegenwart Gottes in
diesem Jesus. Und mit einem Schlag erkennt er, wie es mit seinem Leben im Licht Gottes bestellt ist.
"Herr geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Genau das aber hat Jesus nicht vor, sondern ganz im
Gegenteil - er möchte im Leben des Petrus noch eine viel größere Rolle spielen und ihn viel dichter in
seine Gemeinschaft hineinziehen.
Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Mit mir. An meiner Seite.
Liebe Gemeinde, und genau das ist auch der Auftrag, den wir als Gemeinde haben und an dem wir auch
als Einzelne Anteil haben. Letztes Wochenende hatten wir eine Gemeindefreizeit auf Burg Wernfels, wo es
darum ging, die Spuren Gottes in unserem Leben zu entdecken und dann zu überlegen, wie wir uns selber
daran beteiligen können, das Netz auszuwerfen, um auch andere mit hineinzuziehen in die Gemeinschaft
Jesu. Und Anteil zu haben an dem Heil, das er uns schenkt. Erfülltes Leben, Leben mit einem Ziel, mit
Zukunft.
Der 5. Leitsatz unserer Gemeinde lautet:
"Wir möchten eine Kirche bauen, die Menschen durch Weitergabe des Evangeliums zu Jesus und zu
seiner Gemeinde führt."
Was können wir aus dieser Geschichte mit Blick auf diesen Auftrag lernen?
1. Erste Priorität: Was Jesus von uns möchte. Von Misserfolgen nicht abschrecken lassen.
Herausforderungen und harte Zeiten in unserem Leben als Test Gottes, wie es um unser Herz bestellt ist,
um unseren Gehorsam, um unsere Bereitwilligkeit, ihm zu dienen.
2. Gott hat uns so viel Gutes getan, dass es immer nur darum gehen kann ein kleines bisschen
zurückzugeben. => Petrus Schwiegermutter.
3. Begegnung mit Jesus: Führt zur heilsamen Selbsterkenntnis und zur Buße, Demut.
4. Um alle Fische, die Gott für uns vorgesehen hat, an Land ziehen zu können, brauchen wir alle
verfügbaren Boote. Nicht Konkurrenz, sondern miteinander. Grundlage "auf dein Wort hin". Alle
verfügbaren Hände.
5. Gott wird unseren Gehorsam reichlich lohnen.
Amen
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