Erprobung Hosentaschen-Skript

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PROJEKTARBEIT - HOSENTASCHENSKRIPT
Projekt zur Erprobung des Hosentaschenskripts im regulären Unterricht
Esra Otto, Elias Hoferichter, Archsayan Karunairatnam, Felix Stündel, Marie Niagne
Klasse/Kurs
fachspezifisch
Q 2 – 2. Hj.
fachübergreifend
fächerverbindend
ja
altershomogen
altersheterogen
ja
Fach: Katholische Religionslehre
Schuljahr 2014/2015
Thema: „Ich muss mir ein begründetes Urteil bilden!“ Zum Umgang mit
ethischen Herausforderungen der Gegenwart
Gewählte Themenschwerpunkte der Gruppen und Produkte:
1. Genforschung am Menschen – diskursiv-argumentative Vorbereitung einer
Podiumsdiskussion
2. Klonierung: Saviour siblings – unterschiedliche Zugänge zu einem weniger bekannten ethischen
Problem: schulinterne Befragung, Filmanalyse und Erstellung einer Karikatur
3. Todesstrafe – didaktische Planung einer Unterrichtsstunde von Schülern für Schüler
4. Prostitution – von Schülerexperten geleitete Gruppenarbeit mit Abschlussdiskussion
5. Sterbehilfe – Planung, Durchführung und Auswertung einer Umfrage– PowerPoint - Präsentation
6. Ethische Dilemmata – Analyse von Fallbeispielen
1. Genforschung am Menschen - Übersicht
1.1 Therapeutisches Klonen
1.2 Die „Drei-Eltern-IVF“ – Methode (pronuklearer Transfer)
1.3 Social Freezing
1.4. Zur Arbeit mit dem Hosentaschenskript
1. Genforschung am Menschen
Dieses Themengebiet beinhaltet eine große Menge an Themen, bei denen es sich lohnt mal
einen näheren Blick auf ethische Fragen zu werfen: social freezing, „3-Eltern-Kinder, PID (
Präimplatationsdiagnostik), Eugenik, Gentechnik bei Pflanzen und Tieren, reproduktives
Klonen...
1.1 Therapeutisches Klonen
Da es einfach utopisch schien alle Themen sachgerecht zu bearbeiten und eine einfache
universelle Antwort zu finden, beschlossen wir, dass wir uns mit dem Thema therapeutisches
Klonen genauer auseinander setzen wollten.
Was ist das?
Therapeutisches Klonen ist eine Form des Klonens, welche im Gegensatz zum reproduktiven
Klonen (Dolly) medizinischen Zwecken dient. Man hofft durch Genforschung an
embryonalen Stammzellen ganz gezielt Gewebe herstellen zu können, welches Patienten dann
verabreicht werden könnte. Im Gegensatz zu pluripotenten ( „zu Vielem fähigen“) adulten
Stammzellen sind embryonale Stammzellen totipotent ( „zu Allem fähig“).
Um das gewünschte Gewebe herstellen zu können, muss dem Embryonen der Zellkern
entnommen werden und durch den Zellkern der gewünschten Gewebeart ersetzt werden. Bei
der Entnahme der Stammzellen stirbt der jeweilige Embryo. Die biologischen Details sind
hier zu vernachlässigen, da wir uns auf die ethische Problematik konzentrieren wollen.
Wie lässt sich dieses Problem gemäß der Folgenethik bzw. dem Utilitarismus bewerten?
Positive Folgen des therapeutischen Klonens sind, dass bei Erfolg viele Menschen geheilt
werden können. Außerdem können Krankheiten komplett ausgemerzt werden, die
Lebensqualität von vielen Menschen könnte verbessert werden, das Leid reduziert werden.
Die negative Folge des Verfahrens ist, dass es noch nicht weit erforscht ist und dass man
eben langfristige Folgen gar nicht abschätzen kann, außerdem können so Eingriffe leicht
missbraucht werden. Auch könnte es dazu führen, dass sich praktisch reiche Menschen
Gesundheit ,,erkaufen“ können, therapeutisches Klonen also ein Privileg wird. Außerdem
spricht gegen das Verfahren, dass Embryonen vernichtet werden, die zu dem Zeitpunkt des
Klonens aber nicht mehr als nur ein Verband weniger Zellen sind. Man kann also sehr klar
abwägen und man kommt zu dem Schluss, dass die positiven Folgen überwiegen, da das
Leben Vieler verbessert werden kann, während „nur“ Embryonen sterben.
Schon hier beginnt eine ganz andere Fragestellung, die bei den nächsten Untersuchungen
noch deutlicher wird, nämlich: Was ist der Wert eines Embryos?
Zunächst aber zur Pflichtethik nach Kant. Wie soll man handeln, wenn man nach diesen
ethischen Maßstäben zu entscheiden hat?
Maxime: „Jeder darf Embryonen zu Forschungszwecken benutzen und damit töten.“
Allgemeines Problem: Ab wann beginnt menschliches Leben? → Ab wann gilt die
unabdingbare Würde des Menschen?
Problem am Problem: Es besteht ein Verlust an Embryonen und es kann zum Missbrauch
kommen, wenn weitere Forschungen am Menschen erlaubt werden würden.
Szenario 1:
Ginge man nun also davon aus, dass der Embryo noch nicht als Mensch behandelt wird, hätte
es ja, der Pflichtethik nach, zur Folge, dass jeder, um das Leben eines anderen zu
verbessern/zu retten, Embryonen benutzen dürfte. Dies würde, unserer Meinung nach,
höchstwahrscheinlich zu einer hohen Tötungsrate an Embryonen führen, und auch ein
Missbrauch ist auf keinen Fall auszuschließen. Es würde einfach unglaublich viel
„potentielles Leben“ benutzt werden. Allerdings wäre es, wieder vorausgesetzt ein Embryo ist
noch kein Mensch, dann legitim, Genforschung zu betreiben und alle damit verbundenen
Prozesse wie Klonen etc.
Szenario 2:
Ginge man davon aus, dass der Embryo bereits ein Mensch ist und so versucht, die Maxime
zu einem allgemeinen Gesetz zu machen, ist uns aufgefallen, dass diese ethische
Herangehensweise an gegebene Herausforderung nicht funktioniert bzw. sie ist unpassend, da
der Mensch ein Selbstzweck an sich selbst ist, so Kant.
Durch die Verzweckung beim therapeutischen Klonen wird diesem Grundsatz aber
widersprochen, man sollte also nicht an Stammzellen forschen, da der Mensch dann eben
nicht um des Menschen Willen existiert, sondern für eine Sache gebraucht wird und also nur
,,benutzt“ wird. Und wenn man trotz dieses Einwands das allgemeine Gesetz formuliert, wäre
dieses ja praktisch eine Erlaubnis zum Töten, was dann natürlich nicht legitim wäre,
Genforschung bzw. eher Genmanipulation und Klonen wären damit nicht erlaubt.

Die beiden Szenarien verdeutlichen, dass wir bei der Behandlung der ethischen
Fragestellung immer wieder zu der Frage kommen, wann menschliches Leben
beginnt.
Eine letzte Perspektive bei der Frage nach dem richtigen Handeln möchten wir noch
untersuchen, die christliche Ethik.
Zumindest hier gibt es eine klare Antwort darauf, ob am Menschen geforscht werden darf:
Nein. Der christliche Standpunkt in dieser Situation ist, dass in menschliches Leben
eingegriffen wird und dass es getötet wird. Gemäß der Gottesebenbildlichkeit des Menschen
und dem daraus resultierenden absolutem Schutz des Menschen ist jegliches Töten von
Embryonen verwerflich. Eine ähnliche Argumentation findet sich beim Thema Abtreibung,
das wir jetzt aber nicht näher beleuchten wollen.
Auch hier kommt also die bereits gestellte Frage auf: Sind erste embryonale Zellen das
gleiche wie ein Fötus bzw. haben sie den gleichen Wert?
In diesem Sinne ist auch unsere eigene Bewertung dieser Problematik nicht vollständig. Sieht
man Embryonen im ersten Stadium nur als Ansammlung von Zellen an, die mal ein Mensch
werden könnten, so ist es auch für uns nachvollziehbar die Forschung voranzutreiben um
vielen Menschen Heilung zu ermöglichen. Gilt andererseits der Leitsatz, dass auch
Embryonen schon Menschen sind und somit des im Grundgesetz festgehaltenen Schutzes
bedürfen, ist die Frage komplizierter. Dann scheint es nämlich auch bedenklich die
utilitaristische Argumentation gelten zu lassen.
Unsere weitere Recherche konzentrierte sich also auf die Frage:
Ab wann spricht man von menschlichem Leben und was macht es aus?
Wie bereits mehrfach erklärt, ist dies die grundlegende Frage, die beantwortet werden muss,
wenn man Stammzellenforschung rechtfertigen oder verurteilen will.
1)
Heiß diskutiert wird sie, da die Folgen weitreichend sind. Beginnen möchten wir die
Darstellung der verschiedenen Standpunkte, die versuchen zu definieren, wann ein
menschliches Leben beginnt, mit dem, was im Embryonenschutzgesetz steht: „ Als Embryo
im Sinne dieses Gesetzes gilt bereits die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle
vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem Embryo entnommene
totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu
teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag. Dem menschlichen Embryo kommt
Menschenwürde und Schutz der Lebensrechte zu.“
Laut Gesetz ist die Befruchtung also der Zeitpunkt, ab dem man von einem
Mensch
sprechen kann. Dies hat zur Folge, dass Stammzellenforschung verboten ist, da Embryonen
im frühesten Stadion schon Menschenwürde besitzen. Andererseits ist die Abtreibung bis zum
12. Monat nach Befruchtung straffrei und die „Pille danach“ soll demnächst rezeptfrei
erhältlich sein. Die Interpretation des Gesetzes ist also auch nicht eindeutig und wegweisend.
Wobei hier natürlich auch zwischen Forschung und konkreten Lebenssituationen von
Menschen unterschieden werden muss.
2)
Ähnlich argumentieren auch die Naturwissenschaften, die eigentlich versuchen
losgelöst von politischer, juristischer, religiös oder ethischer Perspektive, Antworten zu
finden: Hier gilt, dass der diploide Chromosomensatz mit der DNA beider Eltern und
totipotenten Stammzellen die Möglichkeit haben, Mensch werden zu können und daher auch
als solcher gilt, also wäre der Beginn des Lebens die Verschmelzung der Ei-und Samenzelle.
Auch die christliche Religion hat (meistens) diese Auffassung.
3)
Andere argumentieren, das menschliche Leben beginne mit der Nidation - Also der
Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut, da auch eine
Schwangerschaft erst ab diesem Zeitpunkt erkennbar ist.
4)
Es gibt auch eine Theorie, die besagt, dass das menschliche Leben unmittelbar mit
dem Gehirn zusammen hängt, also auch der Beginn des Lebens durch die Entwicklung des
Gehirns festgelegt wird. Daran haben wir jedoch direkt kritisert, dass ja dann Menschen erst
im 20. Lebensalter oder später wirklich Mensch ist, da sich das Gehirn ja ständig entwickelt.
Außerdem hieße das auch, dass geistig behinderte Menschen keine Menschen sind.
Persönliches Fazit/Kommentar
Um diesem Thema gerecht zu werden, hätte man wahrscheinlich Jahre lang recherchieren,
evaluieren und forschen müssen, deswegen schon einmal die kleine Anmerkung, dass wir mit
unserem Versuch, uns ein Urteil zu bilden, wahrscheinlich längst nicht alle Faktoren
betrachtet haben und wir noch wesentlich tiefer in vor allem die Ethik eintauchen hätten
können. Aber in dem gegeben Zeitrahmen ist dies unser Urteil zum Thema therapeutisches
Klonen:
Ob es jetzt eine einzige richtige Theorie gibt und welche diese ist, ist schwer zu sagen. Für
uns war die Auffassung, dass das Leben beim Zeitpunkt der Verschmelzung stattfindet,
plausibel, wobei auch die Theorie, die besagt, dass das Leben zum Zeitpunkt der Nidation
beginnt, für uns nachvollziehbar ist. Abgewendet haben wir uns von Theorien, die behaupten,
der Mensch sei erst nach der Geburt oder mit dem 20. Lebensjahr Mensch. Deswegen ist es
auch so schwierig, ein Urteil über unser gesamtes Thema zu fällen, der Genforschung an
Menschen.
Geht man wirklich von Anfang an davon aus, dass das menschliche Leben schon beginnt,
wenn die Eizelle befruchtet wird, ist es klar, dass zumindest die Stammzellenentnahme und
alle Prozesse, wie auch das therapeutische Klonen, bei dem ein Embryo stirbt, verboten
werden müssten.
Allerdings hat sich bei uns im Arbeitsverlauf ergeben, dass auf jeden Fall, auch wenn der
Mensch als Embryo noch kein Mensch ist, ein hoher Verlust an Embryonen und ein
Missbrauch nicht erlaubt sein sollte. So könnte man allgemein auf jeden Fall sagen, dass wir
eher kritisch zum Thema therapeutischem Klonen und Genforschung stehen, da der Mensch
sich einfach zu sehr das Recht nimmt, das Leben eines anderen Menschen zu beeinflussen und
das Menschliche, die Individualität und der Wert des Menschen, einfach verloren geht. Wie
schon Aldous Huxleys dystopischer Roman ,,Brave New World“, auf Deutsch „Schöne neue
Welt“, gezeigt hat, kann Genmanipulation nicht nur zu einem gesunden, ,,perfekten“
Menschen führen, sondern eben auch zu einer komplett gesteuerten und oberflächlichen
Gesellschaft, künstlich hergestellten Intelligenzstadien, Verlust an Emotionen, etc. Natürlich
schildert der Roman die Folgen sehr übertrieben und negativ, jedoch ist es gar nicht so
unrealistisch, dass dies vom reinen therapeutischen Klonen zu Designer Babys und schließlich
diesem Identitätsverlust führen kann. Denn die Grenze zwischen Gesundheit und Ästhetik ist
teilweise überlappend. Natürlich wäre es schön, Erbkrankheiten grundsätzlich auslöschen zu
können, allerdings müssten dann die Regulationen und Gesetze der Durchführung sehr streng
eingehalten werden, und ich bezweifle, dass man therapeutisches Klonen kontrolliert ablaufen
lassen kann, zumal ja auch immer noch, zum wiederholten Mal, die Frage aufkommt, ob
therapeutisches Klonen nicht im Grunde genommen Mord ist. Allgemein gesagt sind wir also
gegen therapeutisches Klonen.
Abgesehen von der reinen Abwägung kam während der Diskussionen und Recherchen auch
die Frage auf, ob dies alles überhaupt nötig ist. Muss der Mensch soweit seine Welt formen,
muss er über jeden Prozess die Macht haben?
Klar ist, dass der Mensch das intelligenteste Wesen dieser Welt ist und praktisch Macht
ausübt auf alles, was „unter ihm steht“ (Tiere, Pflanzen, Technik…). Allerdings ist doch das
menschliche Wissen im Vergleich zu zum Beispiel den Weiten des Universums so
erschreckend klein, dass man sagen könnte, dass man mit so Dingen wie Genmanipulation in
Gebiete eingreift, die sowieso noch sehr unerforscht sind und nur theoretisch funktionieren,
und wo man einfach eigentlich mit dem Hintergrund des ganzen Universums überhaupt keine
Ahnung von hat. Während ich hier diese Auswertung geschrieben habe, ist mir eingefallen,
dass wir im Religionsunterricht mal den Text ,,Die letzten sieben Tage der Erde“ von Jörg
Zink lesen sollten. Auch wenn der Bezug zur Apokalyptik jetzt erstmal merkwürdig erscheint,
geht es in dem Text darum, dass der Mensch die Welt, die ihm gegeben wurde, zerstört, da er
sich dauerhaft in (natürliche) Prozesse einmischt. Deswegen auch meine Assoziation - wenn
ich, nachdem ich nun doch relativ viele Informationen über das Thema therapeutisches
Klonen gesammelt habe und auch viele mögliche Folgen abgewogen habe, darüber
nachdenke, wozu der Mensch heutzutage fähig ist, habe ich ehrlich gesagt schon ein wenig
Angst, wo das ganze hinführt. Auch wenn man nicht an (den christlichen) Gott glaubt, ist
doch der Gedanke, dass der Mensch sich praktisch diese Aufgabe zuschreibt, beängstigend,
denn wie gesagt, was weiß der Mensch schon über ,,das große Ganze“.
,,Fehlschläge in mechanischen Konstruktionen verschrotten wir. Sollen wir dasselbe mit den
Fehlschlägen biologischer Rekonstruktion tun? Unser ganzes Verhältnis zu menschlichem
Unglück und den davon Geschlagenen würde sich im antihumanen Sinn ändern“ - Hans Jonas
___________________________________________________________________________
1.2 Die „Drei-Eltern-IVF“-Methode (pronuklearer Transfer)
Ein weitere Methode, mit der wir uns neben dem Therapeutischen Klonen und Social
Freezing befasst haben, ist die ,,Drei-Eltern-IVF“-Methode.
So funktioniert die Methode:
- Einer Frau, die unter einer mitochondrialen Krankheit leidet und ein Kind bekommen
möchte, werden Eizellen entnommen. Im Labor wird aus einer Zelle das Kern-Erbgut isoliert.
- Eine zweite gesunde Frau, spendet ebenfalls Eizellen. Eine Zelle wird entkernt. Sie enthält
also noch die Mitochondrien, aber nicht mehr das im Zellkern vorhandene Erbgut
- Der im ersten Schritt isolierte Zellkern wird in die Eizelle der Spenderin übertragen
- Die Eizelle wird mit einem Spermium des gewünschten Vaters befruchtet
- Der Embryo kann einer Frau eingepflanzt werden- wie bei jeder künstlichen Befruchtung
-
Bisherige Versuche nur bei Affen, waren allerdings erfolgreich
Anglikanische Kirche
Angst vor Designerbabys
andere Erbprobleme)
Wissenschaft
Verhinderung von Erbkrankheiten (Muskelschwäche, Blindheit,
Unzureichende Studien
Eingriff in die Schöpfung
im Zellkern
Kind hat nur DNA von 2 Eltern, da komplette Erbinformationen
Die Abstimmung in Großbritannien
Das parlamentarische Unterhaus stimmte mit überwiegender Mehrheit für das Projekt (382 zu
128 Stimmen). In vielen anderen Ländern sowie in Deutschland ist das Verfahren weiterhin
verboten. Befürworter des Verfahrens argumentieren, die künstliche Befruchtung (die in
Deutschland mittlerweile erlaubt und angesehen ist) sei zunächst ähnlich kritisch betrachtet
worden.
Deontologische Betrachtung
Die Deontologie, die Pflichtethik, die sich mit dem rationalen Bestimmungsgrund des
Handelns a priori beschäftigt, würde zu der Maxime kommen, dass das menschliche Leben als
Selbstzweck niemals missachtet werden darf. Dennoch erscheint die Komplexität dieses
ethischen Problems mit diesem Begründungsprinzip nur bedingt fassbar, da die beteiligten
Personen in einen Schnittmengenbereich geraten. Isoliert betrachtet wird die Lebensqualität
des Kindes verbessert, da einer Erbkrankheit vorgebeugt werden kann. Es bleibt jedoch das
Risiko des Misslingens und eine mögliche Verzerrung des Menschenbildes und damit seiner
Würde.
Teleologische Betrachtung
In der Teleologie beschäftigt man sich hauptsächlich mit den Folgen einer Handlung. Diese
können positiv oder negativ sein und werden nach dem größtmöglichen Nutzen für die
größtmögliche Zahl der von der Handlung Betroffenen abgewogen. Eine positive Folge wäre
zum Beispiel die Verbesserung der Lebensqualität eines Menschen. Eine negative Folge wäre
der Schritt zum juristischen Zugang in Richtung Designer-Babys. Darüber hinaus kann man
die psychischen Auswirkungen auf die Betroffenen nur sehr schwer abschätzen.
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1.3 GENTECHNIK- Social Freezing
Was ist Social Freezing?
Social Freezing bezeichnet das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne
medizinischen Grund. Dieses Verfahren ermöglicht Frauen, die ihren Kinderwunsch
momentan nicht erfüllen können – zum Beispiel weil ihnen der passende Partner fehlt oder sie
zunächst ihre Karriere vorantreiben möchten – größere Chancen auf eine Schwangerschaft
jenseits der 35 Jahre.
Ursprünglich war das Einfrieren von Eizellen für junge Krebspatientinnen gedacht, die sich
einer Chemotherapie unterziehen müssen. Die Eizellenkonservierung ist bei Frauen, die eine
belastende Behandlung vor sich haben, die einzige Chance auf ein leibliches Kind.
Warum ist es im Alter von über 35 Jahren schwieriger schwanger zu werden?
Eizellen werden nicht immer wieder neu gebildet, sondern sind schon vor der Geburt in den
Eierstöcken angelegt. Ein neugeborenes Mädchen hat zwei Millionen Eizellen, bis zur
Pubertät sind es nur noch 400 000 Eizellen, danach verliert eine Frau pro Monat weitere 1000
Eizellen. Im Alter von 20 bis 25 Jahren ist die weibliche Fruchtbarkeit am höchsten, danach
sinkt sie genauso rapide wie die Zahl der Eizellen.
Hinzu kommt, dass die „Qualität“ der Eizellen mit zunehmendem Alter abnimmt. Je jünger
eine Frau, desto höher sind die Chancen auf Eizellen mit gesundem Erbmaterial, je älter eine
Frau, desto höher steigt das Risiko, ein Kind mit Behinderung zu empfangen.
Die Methode des Social Freezing
Zunächst untersucht der Arzt die potentielle Patientin, die ihre Eizellen einfrieren lassen
möchte, ob diese gesundheitlich in Frage kommt, das heißt ob überhaupt genügend Eizellen
entnommen werden können. Die Laboranalyse von Blut und Hormonwerten der Patientin
erlaubt eine Vorhersage der Zellzahl pro Behandlungszyklus. Das Alter der Patientin ist nicht
festgelegt, Ärzte empfehlen jedoch das Einfrieren der Eizellen vor dem 35. Lebensjahr. Nach
der Betrachtung der Laboranalyse erklärt der Arzt der Patientin, warum sie für das Verfahren
geeignet ist oder nicht, Möglichkeiten und Grenzen des Social Freezing werden deutlich
gemacht. Letztendlich entscheidet der zuständige Arzt/die zuständige Ärztin, ob er/sie den
Eingriff vornimmt oder nicht. Zehn bis vierzehn Tage vor der Entnahme der Eizellen muss die
Patientin Hormone einnehmen, die die Eierstöcke stimulieren. Erst dann erfolgt die Entnahme
der Eizellen über die Scheide in fünf- bis zehnminütiger Narkose. Optimal ist die Entnahme
von 15 Eizellen, mehr Eizellen erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft. Wenn
weniger Eizellen entnommen werden, wird der Behandlungszyklus wiederholt, so lange bis
genügend Eizellen entnommen worden sind. Nach der Entnahme folgt die Vitrifizierung: Das
ultraschnelle Einfrieren der Eizellen bei -196° in flüssigem Stickstoff verhindert die
Beschädigung der Zellen und konserviert diese. Im Labor werden diese Eizellen gelagert und
können nach einem Tag oder erst nach Jahrzehnten wieder aufgetaut werden. Wenn man
unbefruchtete Eizellen einfriert, überleben statistisch 80 bis 90 Prozent diesen Prozess. Diese
überlebenden Eizellen werden dann zu einem Zeitpunkt, den die Frau selbst bestimmt, wieder
aufgetaut und mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent erfolgreich mit Spermien
künstlich im Reagenzglas befruchtet. Dann erfolgt die Rückgabe mehrerer befruchteter
Eizellen jeweils nacheinander in den Mutterleib. Die Schwangerschaftschance pro Eizelle
liegt bei ca. 8-10 Prozent. Je jünger die Patientin bei der Entnahme der Eizellen, desto
wahrscheinlicher ist die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung und Schwangerschaft.
Die Kosten In Deutschland liegen die Kosten des Social Freezing bei bis zu 3000 Euro pro
Behandlungszyklus, die Kosten muss eine Frau selbst tragen, denn die Krankenkasse
übernimmt keinen Kostenanteil. Hinzu kommen jährlich bis zu 300 Euro Lagerungskosten.
Ist Social Freezing gesetzlich erlaubt? In Deutschland ist Social Freezing ohne
Einschränkungen erlaubt, es gibt auch keine Altersgrenze für die Befruchtung mit eigenen
Eizellen. Allerdings ist das Spenden von Eizellen in Deutschland verboten.
Aktuelles.
Im
Oktober
2014
wurde
eine
repräsentative
Umfrage
des
Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid veröffentlicht, welche zu dem Ergebnis kam, dass
37 % der befragten Deutschen Social Freezing als Angebot für grundsätzlich richtig halten.
Bei den 14- bis 29-Jährigen sprachen sich 53 % für diese Möglichkeit aus, bei den über 60Jährigen waren es 20 %. (Quelle: Wikipedia )
Facebook und Apple tragen die Kosten für Social Freezing. Die IT-Konzerne mit Hauptsitz in
Kalifornien zahlen ihren Mitarbeiterinnen bis zu 20 000 US-Dollar für das Einfrieren ihrer
Eizellen, damit sie sich ganz auf Beruf und Karriere konzentrieren können, dies ist bekannt
seit Januar 2015. Auch weitere große Konzerne in den USA unterstützten ihre
Mitarbeiterinnen finanziell beim Social Freezing.
„Ich muss mir ein Urteil bilden zum Umgang mit ethischen Herausforderungen der
Gegenwart: Genforschung.“
Um „Social Freezing“ angemessen beurteilen zu können, muss man sich mit den Folgen und
mit dem rationalen Bestimmungsgrund des Handelns a priori auseinandersetzen.
Teleologische Betrachtung
Mögliche positive Folgen – Argumente pro Social Freezing
Kein „Vereinbarungsproblem“ mehr zwischen Karriere und Kind: Man hat die
Chance, die Karriere zunächst ungehindert ohne Nachwuchs voranzutreiben
Kinderwunsch wird planbar, Frauen werden ihrem „biologischen Schicksal“ entrissen
(scheinbar)
-
Mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt?
Neben der Pille ist Social Freezing ein weiterer Schritt zur Kontrolle der
Fortpflanzung
-
„Freiheitsversprechen“ für gut ausgebildete, ökonomisch selbstständige Frauen
„Das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung“(Hannah Wilhelm, Süddeutsche
Zeitung)
-
Social Freezing erlaubt, den Zeitpunkt der Befruchtung frei zu bestimmen
-
Unabhängigkeit der Frau soll gefördert werden
Teleologische Betrachtung: Negative Folgen – Argumente gegen Social Freezing
Risiken und Folgen: Wie zuverlässig ist Social Freezing? Und welche negativen
Auswirkungen hat diese Methode auf Frauen und Kinder?
Diane Tober, medizinische Anthropologin, Universität San Francisco, beschäftigt sich mit
dem Thema assistierte Fortpflanzung und allgemein mit bioethischen Fragen. Sie arbeitet an
einer Studie über Eizellenspenderinnen. (Das Spenden von Eizellen ist in den USA und vielen
weiteren Staaten erlaubt.)
1. Komplikationen bei der medikamentösen Stimulation der Eierstöcke treten bei weniger als
1 Prozent der Frauen, die sich Eizellen entnehmen lassen, auf. Die Komplikationen sind
folgende: Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) mit unterschiedlichen
Auswirkungen:
Blähungen,
Völlegefühl,
Übelkeit,
zweiwöchige
Bettruhe,
Krankenhausaufenthalte um Flüssigkeiten aus dem Bauchraum abzupumpen, Erkrankung der
Gebärmutterschleimhaut, Gebärmutterhalskrebs, Nierenversagen
„Vielen Frauen ist nicht klar, dass eine Eizellenentnahme größere Ähnlichkeit mit einer
Nieren- als mit einer Samenspende hat.“ (Diane Tober)
„Keine Gruppe hat eine höhere Müttersterblichkeitsrate, als Frauen, denen Eizellen
entnommen wurden.“ (Adam Balen, britischer Reproduktionsmediziner)
2. Die kurz- und langfristigen Folgen des Eingriffes sind nicht ausreichend erforscht. Es
gibt nicht ausreichend Berichte über die Erfolgsquote des Eingriffes.
„Die Methode des Social Freezing ist zu wenig erforscht, um als massentaugliches und
sicheres Instrument zur Vertagung des Kinderwunsches in medizinisch nicht indizierten
Fällen vermarktet zu werden.“ (Diane Tober)
ASRM (Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin) stuft das Einfrieren von
Eiern seit 2012 nicht mehr als Experiment ein. Trotzdem empfiehlt ASRM den Eingriff nicht,
weil Effizienz, Sicherheits- aber auch die emotionalen Risiken nicht ausreichend untersucht
wurden. ASRM warnte, die Technologie als Instrument zur Vertagung des Kinderwunsches
zu vermarkten, da dies falsche Hoffnungen erwecken kann.
3. Social Freezing ist keine Garantie für eine spätere Schwangerschaft
- Unterschied zwischen frischen und aufgetauten Eizellen
- Social Freezing suggeriert, dass Frauen ihren Kinderwunsch getrost nach hinten verschieben
können, aber niemand kann eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit garantieren
4. Auswirkungen auf die Kinder
- Ältere Mütter haben weniger Energiereserven, ein Kind aufzuziehen wird mit dem Alter
anstrengender
- Man weiß noch nicht, welche langfristigen Folgen solche Eingriffe auf die Kinder haben
5. Mehr Druck statt Freiheit für Frauen
- Angebot der Vertagung des Kinderwunsches übt subtilen Druck auf Mitarbeiterinnen aus,
ein ständiger Druck der Selbstoptimierung
- Angebot erzeugt den Druck, der Arbeit Vorrang gegenüber der Familie zu gewähren
- „Mit dem Social Freezing verschiebt sich die Debatte um Gleichberechtigung weg vom
sozialen Problem- den Arbeitsbedingungen- hin zu einem biologischen Problem.“
(Politikwissenschaftlerin Kathrin Braun)
6. Profit der Reproduktionsmedizin/ der Konzerne
-„Unabhängigkeit
der
Frau“
als
Werbeslogan
der
Geschäftemacher
im
Reproduktionsgewerbe: Die Reproduktionsmedizin profitiert vom Social Freezing; 1,6
Milliarden US-Dollar Umsatz in der Fruchtbarkeitsbranche im Jahr 2014
- Facebook/Apple sagen die finanzielle Unterstützung sei eines von vielen Angeboten für
Familien; doch eigentlich profitieren die Firmen, sie wollen, dass die Frauen in ihren
effizientesten Jahren für den Konzern arbeiten und nicht wegen einer Schwangerschaft
plötzlich ausfallen.
(Ginge es den Konzernen wirklich um die Familien, könnten sie flexible Arbeitszeitmodelle
entwickeln, damit Familie und Job besser vereinbart werden können, oder die
Kinderbetreuung ausbauen.)
Deontologische Betrachtung
Maximen:
a) Der Arbeitgeber darf sich nicht in die Familienplanung der Arbeitnehmer einmischen, da
die Würde der beteiligten Personen nicht missachtet werden darf
b) Aufgrund der (noch) nicht vollständig vorhersehbaren Folgen für Mutter und Kind darf das
Risiko der Eizellenkonservierung nicht eingegangen werden
c) Der Mensch darf nicht einfach so in die Natur eingreifen, die natürliche biologische
Entwicklung der Frau darf nicht manipuliert werden
d) unter hermeneutischem Blickwinkel (Schockenhoff) sind die antizipierten Folgen der
Pflicht zur Wahrung der Menschenwürde nachzuordnen – Prinzip der Güterabwägung
Position der katholischen Kirche
Kardinal Reinhard Marx kritisiert Social Freezing.
Bei der Eizellenkonservierung gehe es nicht um die Freiheit des Einzelnen, sondern
um ökonomische Nützlichkeit
Die Umsetzung aller technischen Möglichkeiten, die finanziellen Gewinn bringen,
könne zur Zerstörung des Menschen führen
Humanität, die nicht nach Interessen und persönlichen Vorteilen fragt, sei ohne
Religion schwer vorstellbar
Es sei fraglich, ob der Begriff der Menschenwürde ohne spirituell- religiöse
Begründung Bestand haben könne
Katholische Wirtschafts- und Unternehmerverbände üben scharfe Kritik an Apple
-
Social Freezing missachte die Natur des Menschen
-
Kinder seien keine Manövriermasse der Personalpolitik
-
Der Mensch stehe nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Wirtschaft
FAZIT: Die einen bejubeln Social Freezing als weiteren Schritt der Emanzipation und der
Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in der modernen Arbeitswelt, die anderen
kritisieren den Eingriff in die Natur und die Schwäche der menschlichen Bemühungen, die
biologische Uhr mit Hilfe modernster Technik anzuhalten.
Fakt ist, dass die seit gut zwei Jahren angewandte Methode noch kaum einzuschätzen ist im
Blick auf langfristige Folgen, und dass mit der Finanzierung des Social Freezing durch
Konzerne wie Apple eine „Emanzipationspropaganda“ zugunsten der Wirtschaft betrieben
wird. Meine Meinung lautet: Menschliches Leben sollte immer höher geschätzt werden als die
Karriere, und deswegen spreche ich mich gegen Social Freezing aus.
Zum Verständnis der jeweiligen Beteiligung der Gruppenmitglieder: Wir haben mihilfe
des Hosentaschenskripts gemeinsam recherchiert, diskutiert, Ergebnisse ausgewertet.
Der Anteil in dieser Verschriftlichung der einzelnen Gruppenmitglieder ist nicht
unbedingt repräsentativ für die gesamte Projektarbeit.
Quellen:
Esras dickes Buch („Medizin und Menschenwürde“ von Ulrich Eibach)
http://www.welt.de/print-welt/article270070/Wann-beginnt-menschliches-Leben.html
http://www.svss-uspda.ch/pdf/Lebensbeginn-aus-juristischer-sicht.pdf
Wikipedia
1.4 Zur Arbeit mit dem Hosentaschenskript
Das Hosentaschenskript, eine Handreichung zur Projektarbeit, wurde dieses Jahr von Herrn
Janknecht erarbeitet und vorgestellt. Wir, die Schüler seines Religionskurses der Q2, hatten
nun das Vergnügen, es als erste zu testen und bei einem Projekt zu ethischen
Herausforderungen der Gegenwart anzuwenden.
Genanntes Schreiben versucht Projektarbeit zu systematisieren und ihr eine klare Struktur zu
geben. Außerdem ist gewollt, dass es in der Schullaufbahn kontinuierlich angewendet wird
und somit Übung entsteht. Am Anfang des Skriptes wird erläutert, was ein Projekt ist und
warum es wichtig ist, so etwas zu lernen. So wird noch einmal verdeutlicht, dass diese Form
des Arbeitens für Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit darstellt, eigenständig und
selbstbestimmt zu arbeiten. Des Weiteren ist Projektarbeit in einem ganz anderen Sinne von
großer Bedeutung, als dass sie nämlich auf das Leben nach der Schule vorbereitet, wo jeder
für sich verantwortlich ist. Genau wie bei Projekten, in denen der Lehrer immer mehr die
Rolle des Ratgebers einnimmt und der Schüler verantwortlich für den eigenen Lernfortschritt
ist.
Jetzt aber mal ganz konkret zur Durchführung. Hier gibt das Hosentaschenskript viele
anregende Fragen und versucht den Schüler so Schritt für Schritt zu gelingender Projektarbeit
zu führen.
Als erstes geht es um die Themenfindung. Auch hier zeigt sich wieder ein großer Vorteil:
Schüler haben die Chance an Themen zu arbeiten, wo wahres Interesse herrscht! Die
Motivation, aus der gearbeitet wird, ist also eine ganz andere und unserer Meinung nach eine
viel lohnendere, da man hier arbeiten kann um wirklich zu lernen, statt oftmals den
Notendruck als Motivation im Hinterkopf zu haben.
In unserer Kleingruppe gab es Interesse, das Thema „Genforschung“ zu behandeln, und
zunächst erstellten wir eine Mind Map, wie es auch im Skript nahegelegt wird. Dies half um
einen Überblick über die Perspektiven und Unterthemen zu bekommen. So ergab es sich dann
auch automatisch, dass sich Untergruppen bildeten, die hier nach eigenem Interesse zu Stande
kamen therapeutisches Klonen drei Eltern und social freezing.
Der nächste Schritt im Ablauf eines Projekts, die Planung und Organisation, ist einer, der
gerne schon mal vernachlässigt wird bzw. nicht so ernst genommen wird. So ist vorgesehen,
dass ein Evau-Projektordner angelegt wird. Dieser sollte anfangs Thema, Leitfrage und zu
erwartendes Ergebnis enthalten. Noch wesentlich wichtiger für unsere Gruppe war, dass Zeitund Arbeitsplanung festgehalten wurden. Dazu findet man eine Tabelle mit den Fragen: Wer?
Mit wem? Macht was? Bis wann? Wo? und Wer muss informiert werden? Es war durchaus
hilfreich diese Fragen immer gegen Ende der Arbeitsphase einzutragen, sich abzusprechen
und ganz wichtig: Verbindlichkeiten zu schaffen. Durch das schriftliche Festhalten kann man
gezielt kontrollieren, was geschafft wurde und was ganz konkret noch zu tun ist. Zusätzlich zu
dieser Tabelle liefert das Hosentaschenskript noch einen Protokollbogen, der versucht
Projektarbeit zu beschreiben und zu bewerten. Man soll über den Arbeitsprozess und die
Gruppendynamik nachdenken, was sicherlich eine hohe Bedeutung für ein Gelingen hat.
Generell war Selbstreflexion und die daraus gegebenenfalls entstandene neue Zielsetzung bei
uns ein großes Thema, so dass der Austausch innerhalb der Gruppe, aber auch mit dem
Lehrenden wichtig war. Auch dies ist ein Punkt, der im Skript genannt wird, der aber einfach
so funktionierte. Es folgt noch das Thema Evaluation, zu dem wir aber zum jetzigen
Zeitpunkt wenig schreiben können, da wir uns noch in der Arbeitsphase befinden.
Dies sind soweit die Punkte, die relevant für Schüler sind, die ein Projekt durchführen wollen.
Es folgt noch Material zu unterschiedlichen Projektformen wie beispielsweise
fächerverbindendes Arbeiten, welches aber in unserem Fall nicht so wichtig war für eine
konkrete Projektplanung der Schüler. Schließlich handelte es sich um ein
fachüberschreitendes Projekt, in dem zwar die Grenze zum Fach Biologie überschritten, aber
kein Biologielehrer einbezogen wurde. Außerdem bietet das Hosentaschenskript eben nicht
nur einen einzigen Weg, zum Beispiel Aufgaben zu verteilen, sondern ist eher eine Sammlung
verschiedener Methoden und Orientierungshilfen.
Alles in Allem war das Hosentaschenskript für uns schon eine Hilfe, gerade da es dazu
beiträgt, klare Rahmenbedingungen und eine Struktur zu bilden, und aus einer freien
Gruppenarbeit, wo es erfahrungsgemäß oftmals vorkommt, dass man ohne genauen Plan mehr
oder weniger ,,ins Leere“ arbeitet, eine wirkliche Projektarbeit gemacht wird, die immer noch
frei, aber mit Inhalt abläuft. Außerdem regt es zur Dokumentation von Absprachen an, was
man ansonsten gerne mal verdrängt, obwohl es für uns eine gute Hilfestellung war. Auch hat
uns das strukturierte Arbeiten erst wirklich die Komplexität unseres Themas realisieren
lassen, da wir immer schrittweise weitere Probleme in unserer Fragestellung entdeckt und
dann bearbeitet haben.
Mit Blick auf unsere Vorerfahrungen waren für uns die meisten Ablaufschritte des
Hosentaschenskripts logisch. Vereinzelt haben wir intuitiv etwas getan und erst im
Nachhinein geguckt, ob wir so gearbeitet hatten, wir es vorgeschlagen wird. Daher zeigte sich
für uns, dass dieses Schreiben eine besondere Hilfe für die Schüler ist, die in das projektartige
Arbeiten einsteigen oder die noch unsicher mit dieser Arbeitsform sind. Man sollte das
Hosentaschenskript also bestenfalls am Anfang der Schullaufbahn vorstellen und es
regelmäßig nutzen, um schließlich im Laufe der Zeit zu einer Projektarbeit zu gelangen, die
im hohen Maße autonom ist und vom Schülerinteresse gesteuert wird. Ohne groß auftragen zu
wollen, können wir zumindest von unserer Kleingruppe sagen, dass wir ehrliche Neugier
zeigten und dass dadurch eine andere, leider oft unbekannte Art des Arbeitens entstand. Es
kam sogar soweit, dass wir freiwillig in der eigenen Freizeit zu unserem Thema
recherchierten und weiterarbeiteten. Das machte für uns nochmal die ganz andere Dimension
der Projektarbeit deutlich.
„Tua res agitur! Es geht um deine Sache!“, um noch einmal das Skript zu zitieren.
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