1 1. Akt (Wohnzimmer: Schrank, Kommode und Sessel die - mit Fernsteuerung - in verschiedenen Geschwindigkeiten hin -und her gefahren und deren Schubladen auf -und zugemacht werden können. 2 Türen ohne Türklinke die gleichfalls mit Fernsteuerung in verschiedenen Geschwindigkeiten auf -und zugemacht werden können. Jalousie; wenn diese geöffnet Blick auf futuristische Wolkenkratzerstadt. Eine Bar, ein Spiegel, Papierkorb, eine Plastikpflanze, römische Vase. Im Zimmer verstreut stehen Tastaturen. Personen benützen diese oder ihre persönlichen iPods. Auf einem Regal liegen Hüte, Perücken, Girlanden, Kastagnetten und eingerahmt ein großes Messer. 3 große Bilder von Linda Lind dominieren den Raum auf denen sie als Maria Stuart, Cleopatra und Brigitte Bardot zu sehen ist. Alle Personen tragen Perücken.) (Sehr laute, nerventötende futuristische "Quietschtür-Musik." (Vorhang) (FREDDY liegt auf dem Sofa. JANE tanzt mit Rücken zu Publikum und reißt sich dabei Schlitze in ihre Kleidung. Sie trägt schwarzen Minirock und schwarze Perücke.) (von hinter den Kulissen) Jane! Jane! (hereinkommend) Jane! Ich kann diesen Krach nicht länger aushalten! (LINDA LIND eilt zu einer Tastatur und tippt. Die Musik geht aus.) 2 LINDA LIND Ich kann diesen Krach nicht länger aushalten. Die ganze Wohnung dröhnt. Ich sagte, du machst dich fertig für `s Studio? JANE Ich bin fertig, Mutti. (LINDA LIND tippt. Die Jalousie geht auf. Aus großem Fenster sieht man Wolkenkratzerstadt.) LINDA LIND Was hast du denn da an? (zieht Brille auf) Jane! Ich sagte: hellblau und rosa? (JANE dreht sich. Publikum und LINDA LIND sehen zum Ersten Mal Jane `s pechschwarzes Make-up.) LINDA LIND (erschrickt) Ah. Jane, so kommst du mir nicht ins Studio. Was ist denn da passiert? Das ist ja alles ganz? zerrissen? (JANE reißt LINDA LIND Schlitz ins Kleid.) LINDA LIND Jane? Nein! Ah. JANE Das trägt man heute so, Mutti. (LINDA LIND begutachtet sich im Spiegel.) JANE Das steht dir. (JANE reißt LINDA LIND einen weiteren Schlitz ins Kleid.) LINDA LIND Jane? Nein! Schau mal was du angerichtet hast? JANE Ah, Mutti, du bist so altmodisch. (LINDA LIND begutachtet sich im Spiegel.) JANE Das steht dir. (reißt weiter) 3 LINDA LIND Jane!? Nein!? (JANE tippt. Die Musik geht an. Jane tanzt.) LINDA LIND Jane! (tippt, die Musik geht aus) JANE Ah, Mutti. LINDA Ja, Krach machen das kannst du. Hausverwaltung war schon wieder diesem Getöse. Was hast du denn angestellt? LIND Jemand von der hier. Heute Morgen. Wegen mit der Perücke JANE Die hab ich gefärbt? LINDA LIND Gefärbt? JANE Ja. Mit Batik Spray. LINDA LIND Mit? (langt die Perücke an) Ah. (während sie sich ihre Hände putzt) So kommt du mir nicht in `s Studio. (LINDA LIND nimmt JANE die Perücke vom Kopf.) JANE Au, das tut weh. LINDA LIND Nein, das tut nicht weh. JANE Au. LINDA LIND Jane. (legt die Perücke ab; schaut auf ihre Hände) Ah. (LINDA LIND putzt sich ihre Hände während JANE vor dem Spiegel ohne Musik tanzt.) 4 LINDA LIND Jane, bitte, deine Mutter fleht dich an: du machst dich jetzt fertig für `s Studio. JANE (weitertanzend) Ja, Mutti. LINDA LIND Und zwar augenblicklich. JANE (weitertanzend) Ja, Mutti. LINDA LIND Jane, du möchtest doch einmal eine erfolgreiche, berühmte Schauspielerin werden. So wie ich es einmal war. Das möchtest du doch? JANE Ja. Natürlich, Mutti. LINDA LIND Aber dann musst du auch tun was deine Mutti dir sagt. Du machst dich jetzt fertig für `s Studio. Du weißt was du zu tun hast: deine rosa Perücke und dein hellblaues Kleid. JANE Ah, Mutti. LINDA LIND Das passt gut zusammen und das steht dir. Und ich gehe jetzt ins Studio. (JANE begutachtet sich und tanzt vor Spiegel.) LINDA LIND Jane, ich sagte: ich gehe jetzt ins Studio. (hält Wange hin zum Kuss) JANE Ja, Mutti. Ah, ja, Mutti. (küsst) LINDA LIND Und du weißt was du zu tun hast. JANE (vor Spiegel tanzend) Ja, Mutti. 5 LINDA LIND Um genau 14.05 Uhr... JANE (einfallend) Ja, Mutti. LINDA LIND (nach Pause) Um genau 14.05 Uhr... JANE (einfallend) Ja, Mutti. LINDA LIND Jane?! Hörst du mir überhaupt zu?! JANE Redest du mit mir, Mutti? (tanzt weiter) LINDA LIND Jane? Du hast heute noch die ganze Presse vor dir? JANE Freddy! LINDA LIND Und lasse diesen Hund in Ruhe wenn ich mit dir rede. Und höre auf herum zu hampeln! Stil ist so wichtig. Und HerumHampelei hat nichts mit Stil zu tun! So, und jetzt sagst du mir: was machst du? Wenn du nun heut gleich bombardiert wirst? Von der Presse? Mit Fragen? Was machst du dann? Herum-Hampeln?! JANE Nein, Mutti. LINDA LIND Was machst du dann? JANE Ahm, LINDA LIND Das haben wir besprochen, Jane. Und geprobt. Seit Monaten schon. Lächeln, Kind. Lächeln. Aber nicht zu viel. Zum Lächeln darfst du den Mund aufmachen. 6 JANE Ah, ich werde nie eine so gute Schauspielerin wie du, Mutti. LINDA LIND Natürlich wirst du das. JANE Nein! LINDA LIND Doch. JANE Nein, Mutti. LINDA LIND Du bist so jung, so schön, (räuspert sich) JANE Hast du etwas, Mutti? LINDA LIND Nein. Nein, nein; so talentiert. Ich bin alt und unattraktiv und vergessen. Linda Lind: vergessen von der Welt. Vergessen von meinem Publikum. JANE Nein, Mutti, nein. LINDA LIND Doch, Kind. JANE Nein. LINDA LIND Wenn ich nur von weitem in den Spiegel schaue... (hält ein) JANE (nach kleiner Pause) Was machst du wenn du von weitem in den Spiegel schaust, Mutti? LINDA LIND Dann drehe ich das Licht etwas herunter. (tippt) (Die Jalousie schließt sich etwas.) 7 JANE Und was machst du wenn du von Nahem in den Spiegel schaust, Mutti? LINDA LIND Dann drehe ich das Licht noch etwas mehr herunter. (tippt) (Es wird dunkler. LINDA LIND begutachtet sich im Spiegel. Es haut die Jalousie zu und das Licht geht ganz aus.) LINDA LIND Jane? FREDDY Wauw. Wauw wauw wauw wauw wauw! LINDA LIND Hast du wieder damit herumgespielt? Was hast du wieder damit angestellt? JANE Nichts, Mutti. LINDA LIND Jane? Wie oft soll ich dir noch...! (LINDA LIND hält ein da das Licht wieder angeht. Sie tippt.) LINDA LIND So, und jetzt geht die Jalousie nicht mehr auf. JANE Dann mach doch einfach ein bisschen mehr Licht. LINDA LIND (will tippen, hält ein) Nein. Das machst du jetzt. JANE Ahm, (tippt) Eins. X. LINDA LIND (überschneidend) Nein! (Es haut die Türen auf und zu.) 8 FREDDY / JANE (gleichzeitig) Ah. Wauw wauw wauw wauw wauw!... LINDA LIND (zu Freddy) Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) JANE Wart mal. (haut mit Faust gegen die Jalousie) LINDA LIND Jane! Nein. (Die Jalousie geht auf.) LINDA LIND Über was habe ich jetzt geredet? Siehst du, du bringst sogar mich ganz... JANE (einfallend) Du bist so alt und so hässlich und so... LINDA LIND (unterbrechend) Danke Jane, das reicht. Jane, du wirst die neue Linda Lind. Du wirst Karriere machen. Du wirst einmal berühmt. Berühmter als ich es je war. (LINDA LIND streichelt JANE liebevoll.) LINDA LIND Du wirst Klassiker drehen. Du wirst eine Legende werden. (holt Taschentuch aus ihrer Handtasche und wischt sich die Augen) Eine richtige Legende. JANE Ah, Mutti. (LINDA LIND lässt Taschentuch in Handtasche verschwinden und schließt diese mit lauten Klick.) 9 LINDA LIND Und heute noch legst du den Grundstein zu deiner Karriere. Hast du deine kleine blaue genommen? JANE Ja, Mutti. Zwei sogar. LINDA LIND Dann nimm besser noch mal eine. JANE Möchtest du auch eine nehmen? LINDA LIND Nein. Der Arzt sagt, ich... ach, gib mir auch eine. Es gab eine Zeit, da habe ich ein halbes Dutzend davon genommen. JANE Nein! (übergibt Pille) LINDA LIND An einem Morgen. JANE Mutti? LINDA LIND Ja! (LINDA LIND und JANE lachen zusammen. LINDA LIND schluckt Pille und verzieht Gesicht und nimmt JANE die Pillendose aus der Hand.) LINDA LIND Jane? (zieht ihre Brille auf und liest) Jane? "Für Hunde und Katzen und kleine Säugetiere"? Du hast Freddy `s Pillen mit hier drin? Mit deinen Sachen zusammen? Ah. (liest) Mit Knoblauchwurstgeschmack. Jane? Ah. Und die kleinen roten? Die fahren einfach so hier herum? Wo ist denn die Schachtel dazu? (trinkt und gurgelt) JANE Ich weiß nicht. War plötzlich weg. LINDA LIND Die habe ich dir doch erst gestern gegeben? 10 JANE Ich bin schon so aufgeregt. LINDA LIND Du hast den Deckel mal wieder nicht richtig zugemacht. JANE Ich habe noch nie eine kleine rote genommen. LINDA LIND Jetzt tu die sofort hier rein. Und mache den Deckel richtig zu. Du bist so unordentlich. (räumt auf im Pillenkoffer) So: du weist was du zu tun hast und ich gehe jetzt ins Studio. JANE (vor Spiegel tanzend) Ja, Mutti. LINDA LIND Jane, ich sagte: JANE (einfallend) Ah ja, Mutti. (JANE will LINDA LIND küssen. Es "ding dongt." LINDA LIND entzieht sich dem Kuss und horcht. FREDDY verschwindet hinter/unter Sofa.) JANE Ahm Mutti, von den kleinen roten... LINDA LIND (unterbrechend) Ruhe, Jane. JANE Ja, Mutti. ... nehme ich da eine oder zwei? LINDA LIND Das wird wahrscheinlich wieder jemand von der Hausverwaltung sein. Du hast die ganze Technik ruiniert. Im ganzen Gebäude. JANE Nein, das habe ich nicht. LINDA LIND Doch. Das hast du. Wenn etwas nicht sofort funktioniert dann haust du einfach darauf. Das habe ich doch gerade 11 LINDA LIND (fortgesetzt) erst wieder gesehen? Die Müllentsorgung ist zusammengebrochen. Im ganzen Gebäude. JANE Das war nicht ich. LINDA LIND Doch, das warst du. JANE Im ganzen Gebäude, das war ich nicht. LINDA LIND Doch, das warst du. Überall haust du sofort drauf. JANE Ja aber nur hier in der Wohnung. Nicht im ganzen Gebäude. LINDA LIND Das hängt doch alles irgendwie zusammen? (horcht) JANE Ich habe nicht die Technik ruiniert im ganzen Gebäude. Und die Müllentsorgung hat noch nie richtig funktioniert. Ich habe mal was in die Müllentsorgung und dann ist das hier am Fenster geklebt. Von außen? Wir mussten jemanden kommen lassen. Kannst du dich daran erinnern? LINDA LIND Jane, bitte keinen Ton mehr von dir heute. JANE Nein, Mami. (Die Tür zur Küche öffnet sich. LINDA LIND und JANE schauen auf die Küchentür. MADELEINE erscheint.) JANE (erschrickt) Ah! MADELEINE Da is schon wieder so ´ne Type. LINDA LIND Vom Finanzamt? 12 MADELEINE Sieht mehr nach Polente aus. JANE Polente? LINDA LIND Jane, ich möchte nicht, dass du dir Madeleine `s Vokabular angewöhnst. "Die Polente." In meiner Wohnung. MADELEINE Sie meinen doch nicht etwa ich, ich hätte die Polente, ich hätte... (hält ein mit Augenaufschlag und über der Brust gefalteten Händen) LINDA LIND Du hast Schauspielunterricht genommen. Das kann ich sehen. Wie viele? MADELEINE Nur einer. LINDA LIND (während sie Madeleine die Visitenkarte aus der Hand nimmt) Nur einer? JANE Sie ist so hässlich. Ich erschrecke immer ganz vor ihr. LINDA LIND (während sie die Visitenkarte liest) Nein, Jane, Madeleine ist nicht hässlich. Madeleine hat innere Schönheit. Tonnenweise. Nicht wahr, Madeleine? Kommissar Fint. GDSPA? Was heißt das? JANE Sie trägt sogar ihre eigenen Haare. I! LINDA LIND Nein, das tut sie nicht. MADELEINE Er will Sie sehen. LINDA LIND (nach kurzem Nachdenken) Führe den Kommissar in mein -? Boudoir. Sage ihm, ich würde mich beeilen. Ich werde dem Kommissar dort eine Szene aus einem meiner größten Filme vorspielen. 13 (LINDA LIND tippt ausführlich.) JANE Funktioniert ´s jetzt? LINDA LIND Natürlich funktioniert `s. Man muss nur aufhören damit herumzuspielen! (MADELEINE geht ab. Küchentür schließt sich kurz danach.) JANE Mutti, von den kleinen roten... LINDA LIND (überschneidend) Mein Schleier? Du sitzt darauf. Die richtige Beleuchtung ist so wichtig. (legt Schleier an, tippt) (Die Jalousie geht zu. Es wird dunkler.) JANE ... nehme ich da eine oder zwei? LINDA LIND Jane, vor diesem Kommissar machst du den Mund nicht einmal auf. Solange der hier ist möchte ich keinen Ton von dir hören. JANE Nein, Mutti. Ja, Mutti. LINDA LIND Ah, wie ich aussehe? JANE Das steht dir, Mutti. Soll ich auch einen Schleier anziehn? LINDA LIND Und höre auf herum zu hampeln! Herum-Hampelei hat nichts mit Stil zu tun. Hier, schenke ich dir was: (knallt Ordner auf den Tisch) Die Gebrauchsanweisung für die ganze Wohnung. Und wenn du das bis heute Abend nicht alles auswendig aufsagen kannst, dann landest du mir heute noch in einem 4wöchigem Intensivlager. JANE Nein, Mutti. Bitte kein Intensivlager. 14 (Die Tür zur Küche öffnet sich.) LINDA LIND Und keinen Ton mehr von dir heute. JANE Nein, Mami. (MADELEINE erscheint mit Küchenmesser in der Hand.) JANE Ah!! (JANE rennt Richtung Madeleine, zeigt auf das Messer, rennt an Linda Lind vorbei in die entgegengesetzte Richtung. LINDA LIND lässt Schleier fallen und folgt Jane ruckartig mit dem Kopf.) LINDA LIND Jetzt bitte übertreib `s nicht. Das reicht. Und stelle dich nicht immer vor mich hin! JANE Nein, Mami. LINDA LIND (sehr ruhig und geduldig) Jane, Madeleine kommt aus einem Teil der Welt wo solche Utensilien noch benützt werden in der Küche. Du weißt wie sehr wir ihre Küche schätzen. MADELEINE Er will nicht in Ihr Boudoir. Er will Sie sehen. LINDA LIND Madeleine, bitte sage dem Kommissar: wir sind bereit ihn zu empfangen. (MADELEINE geht ab durch Küchentür die sich kurz danach schließt.) LINDA LIND Mein Schleier? Und jetzt stehst du darauf!? Und höre auf Herum zu Hampeln! Wie oft soll ich dir das noch sagen?! Jane, Beleuchtung, wichtig. Merke dir das. (tippt) (Rötlicheres Licht) 15 LINDA LIND (setzt ihre Brille auf) Wo ist der Ordner? JANE Welcher Ordner, Mutti? LINDA LIND Den, den ich dir gegeben habe? Die Gebrauchsanweisung für die ganze... (hält ein da sie Ordner sieht) (LINDA LIND blättert, tippt, Disco-Geflacker, Scheinwerfer auf LINDA LIND während JANE ihre schwarze Perücke aufzieht und sich danach ihre Hände an ihren Beinen putzt.) JANE Mutti, von den kleinen roten nehme ich da eine oder zwei? (Es klopft überschneidend an die Wohnzimmertür.) LINDA LIND Der Kommissar. (stellt sich in Pose) Öffne die Tür, Jane. JANE (nach kleiner Pause) Welchen Knopf, Mutti? LINDA LIND Den dritten von links unten rechts?! (LINDA LIND nimmt ihre Brille ab, rennt um diese abzulegen und rennt zurück in ihre Pose. Es klopft. JANE tippt ein Mal. Die Tür zur Diele öffnet sich halb.) LINDA LIND Zwei Mal. JANE (tippt) Eins. (Die Tür zur Diele geht auf. KOMMISSAR FINT will hereinkommen.) 16 JANE (tippt) Zwei. (Die Tür zur Diele geht halb zu.) KOMMISSAR FINT Ah. LINDA LIND Jane! JANE Du hast "zwei Mal" gesagt. LINDA LIND Lass mich machen. Weg da. (LINDA LIND tippt ein Mal. Die Tür zur Diele geht ganz zu. Sie tippt zwei Mal und rennt zurück in ihre Pose. Die Tür geht ganz auf.) LINDA LIND Bitte entschuldigen Sie, Herr Kommissar. Wir haben Probleme mit der Technik in dieser Wohnung. Bitte treten Sie ein. (KOMMISSAR FINT kommt herein. Er hält sich Taschentuch an seine Stirn.) JANE Soll ich die Tür wieder zumachen, Mutti? (tippt) (Grelles Licht) LINDA LIND (mit Händen vor dem Gesicht) Jane! JANE Mutti, ahm, ich... (schüttelt Tastatur) LINDA LIND Jane!? Nein! (Stockdunkle Nacht) LINDA LIND Jetzt machst du schon den dritten Kurs und bringst noch nich` mal die Tür auf!? 17 JANE Au. LINDA LIND Bist das du, Kind? (Die Tür zur Küche öffnet sich. Lichtstrahl. Madeleine erscheint mit Taschenlampe.) LINDA LIND Hier her, Madeleine. (MADELEINE beleuchtet mit Taschenlampe Tastatur. LINDA LIND tippt.) MADELEINE Nein. So. (tippt) Hier. Jetzt. (Helles Licht. LINDA LIND steht mir verrutschter Perücke da und hält Jane `s schwarze Perücke mit beiden Händen. KOMMISSR FINT taucht von hinter Sessel auf. Linda Lind `s Schleier hängt an ihm.) KOMMISSAR FINT Linda Lind. LINDA LIND Ja. Vor Ihnen steht Linda Lind. Es tut mir leid, wir haben... KOMMISSAR FINT (unterbrechend, legt Schleier ab) Probleme mit der Technik in dieser Wohnung. LINDA LIND (sieht sich im Spiegel) Ah. (will sich ihre verrutschte Perücke zurechtrücken, schaut auf die schwarze Perücke die sie mit beiden Händen hält) Ah. (legt Perücke zur Seite, schaut auf ihre Hände) Ah. (putzt sich ihre Hände und rückt sich dann Perücke zurecht) 18 KOMMISSAR FINT Ja, so steht es Ihnen besser. Kommissar Fint. GDSPA. (zeigt Ausweis) JANE (während sie ihre Perücke aufzieht) Entschuldigung. (LINDA LIND tippt zwei Mal. Die Tür zur Diele geht zu. Sie schaut auf ihren Finger, wischt sich nochmals die Hände und zeigt auf die Tastatur.) LINDA LIND Madeleine, bitte. (zu Kommissar Fint) GDSPA? (MADELEINE spukt in ein Tuch und putzt die Tastatur.) JANE Aber ich finde das alles so kompliziert. LINDA LIND (überschneidend) GDSPA? (Es haut die Schranktür auf und zu. KOMMISSAR FINT springt zur Seite.) JANE Ah. LINDA LIND Vorsicht, Madeleine. (MADELEINE spukt und putzt vorsichtiger.) JANE Ich finde das alles so kompliziert. LINDA LIND (überschneidend) Jane, was ich dich fragen wollte... (LINDA LIND drängt sich zwischen KOMMISSAR FINT und JANE.) LINDA LIND GDSPA? 19 KOMMISSAR FINT Geheimdienst. Spezialabteilung. Staatssicherheit. (MADELEINE putzt mit gleichem Tuch mit dem sie die Tastatur geputzt hat das Glas aus dem Linda Lind getrunken hat und staubt dann im Hintergrund ab.) LINDA LIND Ich habe mit einem weniger ranghohen Besuch gerechnet. KOMMISSAR FINT Sie haben mit überhaupt keinem Besuch gerechnet, Frau Lind. LINDA LIND Das stimmt nicht ganz. Die Hausverwaltung. Wir haben Probleme mit der Technik... KOMMISSAR FINT (unterbrechend) In dieser Wohnung; und im restlichen Gebäude. Die Müllentsorgung sei zusammengebrochen. Seit genau einer Woche. Die sanitären Einrichtungen funktionieren nur noch bedingt. Ihr Hausmeister. Er gibt der Hausverwaltung die Schuld. Man würde sich um nichts kümmern. Ein sehr ungerechtes Urteil. (liest ab von Blatt Papier) Die Hausverwaltung hat sich heute Morgen um genau 9.57 Uhr schon wieder einmal mit Ihnen in Verbindung gesetzt. Zum 6. Mal diese Woche. Ihr Hausmeister. Er macht seine Arbeit sehr gründlich. Ein Ausdruck aller Besuche, Mahnungen und gerichtlichen Drohungen. Und sogar der heutige Besuch schon vermerkt. Heute Morgen wurde der Krach beanstandet der aus Ihrer Wohnung käme. Diese "schrillen Töne" oder "dieses Getöse". Ihr Hausmeister. LINDA LIND Meine Tochter hat einen sehr eigenwilligen Geschmack. KOMMISSAR FINT Einen sehr lauten, eigenwilligen Geschmack. LINDA LIND Ja, das hat sie. Aber keinesfalls sind wir hier in dieser Wohnung für den Zusammenbruch der sanitären Einrichtungen im Gebäude verantwortlich. Oder für die Nichtfunktion der Müllentsorgung. 20 KOMMISSAR FINT Es gibt zwei Gründe dafür. (liest eine Pille vom Boden auf und denkt) LINDA LIND Und Grund Nummer zwei? Grund Nummer eins: meine Tochter. Laut Ihnen. Und Grund Nummer zwei? KOMMISSAR FINT Einen Augenblick, bitte. (will nach kurzem Umherschauen Pille in Jane `s Pillenköfferchen ablegen) JANE Nein, die kleinen roten hier rein. KOMMISSAR FINT "Die kleinen roten." Ihre Tochter hat heute einen Termin. (nimmt Ansichtskarte aus Pillenköfferchen in die Hand, beschaut diese und legt sie zurück.) JANE Ja. Ich habe heute meinen ersten Auftritt. LINDA LIND Jane? JANE Ich weiß nur noch nicht ob ich eine oder zwei nehmen soll. LINDA LIND (überschneidend) Jane? Ich dachte du wolltest dich umziehen? Madeleine, bitte. (MADELEINE geht ab durch die Tür zur Küche. Sie schaut durch offene Tür zurück ins Zimmer.) LINDA LIND Jane, und du machst dich fertig für ´s Studio. (tippt zwei Mal) (Die Tür zur Küche geht zu.) JANE Ich bin fertig, Mutti. LINDA LIND Nein, das bist du nicht. 21 JANE Ich ziehe nichts hellblaues an. Und rosa schon überhaupt nicht. LINDA LIND Jane... KOMMISSAR FINT (unterbrechend) Drogenmissbrauch. LINDA LIND Und darum sind Sie hier? KOMMISAR FINT Nein. Frau Lind, warum hatte ihre Köchin... LINDA LIND (einwerfend) Haushälterin und Köchin. JANE In diesem Hause schätzt man eine gute Küche. KOMMISSAR FINT Ja. Warum hatte Ihre Haushälterin und Köchin ein Messer in der Hand als sie mir die Wohnungstür geöffnet hat? LINDA LIND Herr Kommissar, Madeleine kommt aus einem Teil der Welt wo solche Utensilien noch benützt werden in der Küche. KOMMISSAR FINT Von wo genau kommt ihre Köchin? LINDA LIND Aus Frankreich, Paris. KOMMISSAR FINT (hält Teller in die Höhe) Ihre Köchin. LINDA LIND Ja. Bitte bedienen Sie sich. KOMMISSAR FINT Danke sehr. (hält Linda Lind Teller unter die Nase) Ich esse nicht gerne alleine. Und Sie sind auf einer Diät. 22 LINDA LIND Ja, das bin ich. Aber Ihnen zuliebe werde ich heute meine guten Vorsätze brechen. (bedient sich) (KOMMISSAR FINT hält Teller vor JANE.) LINDA LIND Jane. JANE Ich, ahm... LINDA LIND Jane bitte. JANE (bedient sich) Danke sehr. LINDA LIND Jane, schau, die Zeit. Dein Termin. (lässt Kuchen in ihrer Handtasche verschwinden) KOMMISSAR FINT Bitte bedienen Sie sich noch einmal. Ich bestehe. (JANE lässt Kuchen in ihrem Pillenköfferchen verschwinden während LINDA LIND sich nochmals bedient.) LINDA LIND Danke sehr. (isst allen Kuchen mit großer Selbstkontrolle) Auf Ihr Wohl. (LINDA LIND trinkt und schluckt während KOMMISSAR FINT JANE Liste zeigt.) KOMMISSAR FINT Sagen Ihnen diese Namen etwas? JANE Ich, ahm, (JANE schaut nach ihrer Mutter. LINDA LIND nimmt Jane die Liste aus der Hand) 23 LINDA LIND Natürlich sagen dir diese Namen etwas. Kind, also manchmal verstehe ich dich nicht. KOMMISSAR FINT Alles Angestellte von Ihnen während der letzten Jahre. Mikhail... JANE Mischa! KOMMISSAR FINT (weiterfahrend) Pietro Andrej Sergey Dimitrij Koloshinikov. (JANE reißt LINDA LIND Papier aus der Hand.) JANE Mischa. Er hat hier als... (hält ein und schaut Richtung LINDA LIND) KOMMISSAR FINT Ja? (LINDA LIND reißt JANE Papier aus der Hand.) LINDA LIND Herr Koloshinikov hat als Gärtner hier gearbeitet. KOMMISSAR FINT Als Gärtner. LINDA LIND Ja. KOMMISSAR FINT Hier in dieser Wohnung. LINDA LIND Ja. KOMMISSAR FINT Diese Pflanze? Die Idee Ihres Gärtners? LINDA LIND Ja. KOMMISSAR FINT (betastet Pflanze) Plastik. 24 LINDA LIND Kommissar Fint, ich glaube, ich verstehe; den Grund Ihres heutigen Besuches. (nimmt Armband ab) Für Sie. Ich trage nur echten Schmuck. KOMMISSAR FINT Ich weiß. (LINDA LIND hält KOMMISSAR FINT Schmuck hin. KOMMISSAR FINT greift nach Schmuck. LINDA LIND lässt Schmuck auf Boden fallen.) KOMMISSAR FINT Einpacken, bitte. LINDA LIND (zeigt auf Schmuck) Jane, bitte. JANE (hebt Schmuck auf, mit undefinierbarer Handbewegung) Soll ich? LINDA LIND Ja, Kind, bitte. In der oberen Schublade. JANE Ja, Mutti. Und was soll ich damit tun? LINDA LIND (kontrolliert ungehalten) Einpacken. KOMMISSAR FINT (begutachtet Bilder) Cleopatra; vergiftet. Selbstmord. Maria Stuart; hingerichtet. LINDA LIND Maria Stuarda. Einer meiner größten Erfolge. KOMMISSAR FINT Mit der Axt hingerichtet. Maria Stuarda. LINDA LIND Ja. Aber nach meiner Hinrichtung wurde ich vom Papst in Rom heiliggesprochen. Ein Ballett von... 25 KOMMISSAR FINT (unterbrechend) schätzungsweise 200 Engeln tanzt dabei im Hintergrund. Während Ihrer Heiligsprechung. Sie haben mir diese Szene gerade versucht vorzuspielen. In Ihrem Boudoir. Frau Lind, Sie sind eine faszinierende Frau. Eine seltsam faszinierende Frau. (JANE haut auf die Schublade zuerst kurz und vorsichtig und dann fortwährend.) LINDA LIND Also doch kein Kompliment. Kind? KOMMISSAR FINT Schlimm, sehr schlimm, Frau Lind. LINDA LIND Ich kann Ihnen nicht folgen. Jane? KOMMISSAR FINT All die vielen jungen Schauspielerinnen, Rivalinnen Ihrer Tochter, spurlos verschwunden, verschollen... LINDA LIND (einfallend) Nicht vor Jane, bitte. Meine Tochter ist ein sehr sensibles Kind. (horcht) Kind? (wendet sich) Jane? Du hast bis jetzt versucht die Schublade aufzumachen? JANE Ich finde das alles so kompliziert. LINDA LIND Das ist nicht kompliziert. Man muss nur aufhören damit herum zu spielen. (Kommode fängt zu vibrieren an.) Wauw? FREDDY (Kommode macht einen Satz.) FREDDY (wiederholend) Wauw wauw wauw wauw wauw! 26 LINDA LIND / JANE (erschrecken) Ah. LINDA LIND Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) KOMMISSAR FINT Mit Ihrer Erlaubnis. (tippt) (Kommode hört auf sich zu bewegen.) LINDA LIND Darf ich. Danke sehr. (tippt) (Die obere Schublade geht auf.) LINDA LIND Jane, und das du mir ja nicht die Schublade von Hand zumachst. JANE Nein, Mutti. LINDA LIND Du weißt was letztes Mal passiert ist? JANE Ja, Mutti. (JANE packt ein und "kämpft" dabei mit Klebeband.) LINDA LIND Entschuldigen Sie bitte. Unsere Wohnung ist auf dem... KOMMISSAR FINT Letzten technischen Stand. Ja. Eine Generation der talentiertesten Schauspielerinnen ausgelöscht. Ermordet. Und entsorgt. Von Ihnen; mit Hilfe Ihrer sogenannten Angestellten. Und ermordet auf eine oftmals bemerkenswert professionell und in einigen Fällen sogar leicht unterhaltsame Art und Weise: vergiftet, ertränkt, erwürgt, die Tiefkühltruhe; ah ja: das SäureBad. Aber was die Entsorgung Ihres letzten Opfers betrifft, darüber kann ich Ihnen kein Kompliment machen. Um was für eine Pflanze handelt es sich hier? 27 LINDA LIND Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Botanik ist nicht meine Stärke. KOMMISSAR FINT Sie hatten schon einmal Besuch; von uns; Geheimdienst, Spezialabteilung. Letzte Woche. Ein guter Kollege von mir. Aus meiner Abteilung. Er wurde ermordet. Hier in dieser Wohnung. Ermordet und dann entsorgt. Im MüllZerrkleinerer; hier in der Küche. Und nun komme ich zum zweiten Punkt meiner Annahme, dass nicht nur der Zusammenbruch der technisch -sondern gerade auch der Zusammenbruch der sanitären Einrichtungen dieses Gebäudes in Ihrer Wohnung seinen Ursprung hat. Müll-Zerrkleinerer privater Haushalte sind nur bedingt zur Entsorgung eines höheren Beamten benützbar. LINDA LIND (lässt weiteren Schmuck auf den Boden fallen.) Für Sie. KOMMISSAR FINT Danke sehr. Und Ihren Gatten haben Sie in die Kur geschickt. Eine Karte Ihres Gatten. An Ihre Tochter. Aus der Kur. (hält Karte aus Jane `s Pillenköfferchen und hält diese in die Höhe) Von Ihnen geschrieben. Genickschuss. Ihr Gatte. Wussten Sie das? LINDA LIND Ich habe darauf bestanden, dass mein Gatte nicht zu leiden hat. KOMMISSAR FINT Ja. Und dafür bezahlt. Wir wissen welche ausländische Agentur Sie benützen. Und auch ihre verschiedenen Finanzier-Wege. Aber er lebte noch, ihr Gatte, als er zur Fütterungszeit in einen Löwenkäfig geworfen wurde. Hier. Im Zoo. LINDA LIND (nach kurzer Pause) Nein. KOMMISSAR FINT Sie können einen Rabatt verlangen. LINDA LIND (lässt weiteren Schmuck auf Boden fallen) Jane, bitte. 28 JANE (mit undefinierbarer Handbewegung) Soll ich? LINDA LIND Ja, Kind, bitte. (JANE hebt Schmuck auf. KOMMISSAR FINT wartet bis JANE die Kommode wieder erreicht hat.) KOMMISSAR FINT Und wer wird Ihr nächstes Opfer. Wie heißt sie noch mal? Diese neue, talentierte Schauspielerin? Bitte helfen Sie mir. Wie war noch mal ihr Name? Ann Anderson. Nicht wahr? Ann Anderson. Ihr nächstes Opfer. (JANE schließt die Schublade manuell. Die Kommode beginnt zu wackeln an und fährt ein paar Meter an der Wand entlang. Jane erschrickt, tippt, der Schrank fährt an der Wand entlang. Die Tastaturen fangen an zu blinken und zu tuten.) KOMMISSAR FINT Ah, Entschuldigung. Nicht vor Ihrer Tochter. LINDA LIND Jane? Kind? Wo is` `n der Schrank hin?! JANE Mutti, ich habe nur... (undefinierbare Handbewegung) LINDA LIND Du hast die Schublade wieder mal von Hand zugemacht. Jane? So, ich erkläre die das jetzt zum Allerletzen Mal: - Ich weiß nicht was ich mit dir noch machen soll. - So geht `s auf; (tippt) (Obere Schublade geht auf.) LINDA LIND Und so geht `s zu. (tippt) (Obere Schublade geht zu.) 29 LINDA LIND Du hast vier Seiten; eins, zwei drei vier. Und sind dann jeweils nochmals unterteilt. Das hier ist vier, (tippt) Dann drei. und dann... (Untere Schublade geht auf.) LINDA LIND Nein, jetzt habe ich etwas falsch gemacht. (tippt) So. Jetzt. (Untere Schublade geht zu, obere geht auf und zu) LINDA LIND Und nun kannst du das alles speichern. JANE Ich finde das alles so kompliziert. LINDA LIND Das ist nicht kompliziert. Man muss nur aufhören damit herum zu spielen. (Obere Schublade geht auf) JANE (hält sich ihren Popo) Ah. LINDA LIND Jane? Um Gottes Willen. Du darfst keine blauen Flecken haben. Dein Termin. Lass mich sehen. (LINDA LIND nimmt JANE über ihr Knie und entblößt ihren Popo.) JANE Mutti, nein... LINDA LIND Was hast du denn...? (zieht ihre Brille auf) JANE Mutti, nein... 30 LINDA LIND Jane? Du hast dir ein Tattoo...? Du hast dir Mischas Namen...? Über deinen ganzen...? Hat er das...? JANE (zieht sich Rock über ihren Popo) Mutti, nein. KOMMISSAR FINT (entfernt Rock) Pietro Andrej Sergey Dmitrij... (JANE zieht sich an.) KOMMISSAR FINT In Großbuchstaben. Und in Farbe. In aggressiver Leuchtfarbe. Das kann gesundheitliche Folgen haben. Ich rate zu einer sofortig -ärztlichen Untersuchung. (JANE schließt die Schublade manuell. Sie bemerkt ihren Fehler und erschrickt.) JANE Mutti, ich ahm... (Die Tastaturen fangen an zu blinken und zu tuten. Die Kommode beginnt zu rumpeln.) LINDA LIND Vorsicht. Zur Seite! (Die Kommode und der Schrank fahren auf JANE zu. FREDDY schaut von unter dem Sofa hervor.) FREDDY (kontinuierlich) Wauw. Wauw wauw wauw wauw wauw. Wauw. JANE Mutti. (KOMMISSAR FINT zieht JANE in Sicherheit. Die Sessel stehen schief oder hängen von der Wand.) LINDA LIND Ruhe! 31 (FREDDY hört auf zu bellen und verschwindet unter Sofa. LINDA LIND geht vorsichtig zu einer Tastatur und tippt. Es rührt sich nichts. KOMMISSAR FINT schaut kurz unter das Sofa.) LINDA LIND So, Jane. Und jetzt muss ich schon wieder jemanden kommen lassen. Und wer weiß wie lange das wieder dauert. Jetzt können wir uns nirgendwo setzen und der Schrank steht mitten im Zimmer. (... hängt an der Decke) KOMMISSAR FINT Mit Ihrer Erlaubnis. (tippt) (Schrank, Sessel und Kommode fahren auf ihren Platz zurück.) KOMMISSAR FINT Ich darf mich verabschieden. LINDA LIND Einen Augenblick. (überreicht weiteres Päckchen) Ein lukrativ Besuch. KOMMISSAR FINT Danke sehr. Gern? Geschehen? (LINDA LIND tippt zwei Mal. Die Tür zur Diele geht auf.) LINDA LIND Adieu. KOMMISSAR FINT Auf Wiedersehen. Ah, Entschuldigung. Mit Ihrer Erlaubnis. (tippt, geht ab) (Die Jalousie geht auf.) LINDA LIND Er hat "Auf Wiedersehen" gesagt. JANE Wer, Mutti? LINDA LIND Warum? 32 JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Was will er? JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Ah, ich muss ins Bad. Hast du etwas davon gegessen? JANE Wer, Mutti? LINDA LIND Jane?! Du hast alles aufgegessen? Gerade eben? Ah. JANE Ja, Mutti, ich habe alles aufgegessen. LINDA LIND Und dir geht `s gut? Ah. JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Ah, ich muss ins Bad. (eilt ab durch die Tür zur Diele) (JANE holt Kuchen aus ihrem Pillenköfferchen. KOMMISSAR FINT erscheint durch die Tür zur Diele und beobachtet sie. JANE überlegt, wickelt Kuchen in Papier und versteckt eigepacktes im Papierkorb. Sie sieht Kommissar Fint.) JANE (erschrickt) Ah. KOMMISSAR FINT Ich hatte mich nicht korrekt bei Ihnen verabschiedet. Bitte entschuldigen Sie. Guten Tag. (JANE macht Knickschen.) KOMMISSAR FINT Ihre Mutter? 33 JANE Mutti musste ganz schnell ins Bad. KOMMISSAR FINT Ins Bad. Hier in der Diele? JANE Nein. In der Diele ist nur Freddy ´s Toilette. Ich habe mein eigenes Bad. Und Mutti hat auch ihr eigenes Bad. Auf die Hundetoilette gehen wir nicht. KOMMISSAR FINT Sie haben eine Hundetoilette, hier in der Diele. JANE Ja. Die Hundetoilette kann man auch als Gasttoilette benützen. Ich weiß ab er nicht wie das geht. Aber das muss in der Gebrauchsanweisung stehen. Wie man das macht. KOMMISSAR FINT Ja. Ihre Köchin? JANE Ahm, sie... (hält ein) KOMISSAR FINT Ja? JANE Sie kocht sehr gut. KOMMISSAR FINT Ja. JANE In diesem Hause schätzt man eine gute Küche. KOMMISSAR FINT Ja. Viel Erfolg bei Ihrem ersten Auftritt. JANE Danke sehr. KOMMISSAR FINT Und: Guten Appetit. (geht ab) 34 JANE Freddy? Freddy? (schaut unter das Sofa) Ach hier bist du. Du brauchst dich doch nicht zu verstecken. Freddy, jetzt komm sofort von unter dem Sofa rauf. Freddy: Fuß. (LINDA LIND kommt durch die Tür zur Diele zurück.) LINDA LIND Und du gehst mir so bald wie möglich in ein 4wöchiges Intensivlager. JANE Ich gehe in keines dieser blöden Lager mehr und lerne diesen blöden Blödsinn. LINDA LIND Jane? Du kannst noch nicht mal das Licht an -und ausmachen? Und die Tür bringst du auch weder auf noch zu? JANE Ich kann die Tür auf -und zumachen. LINDA LIND Nein. Das kannst du nicht. JANE Dann musst du eben jemand anstellen der das alles für mich tut. LINDA LIND Ach? Die kleine Prima Donna. JANE Du wolltest diesen blöden Blödsinn. Ich nicht. LINDA LIND Jane, ich gehe jetzt ins Studio. Und du weist was du zu tun hast. Der Mann ist gefährlich. JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Das merke ich. GDSPA. Staatssicherheit. JANE Ja, Mutti. 35 LINDA LIND Ich gehe jetzt ins Studio? JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Jane, ich sagte, ich gehe jetzt... JANE (einfallend) Wer, Mutti? Ah ja, Mutti. (küsst) LINDA LIND Und um genau 14.05 Uhr wird dich mein Chauffeur von hier abholen. Und im Studio kommst du sofort zu mir. Wir werden proben wie du in die Wanne steigst. Ah, ich muss mit Gregory reden. Ah, Jane, wie konntest du? (will noch mal nachschauen) JANE Nein, Mutti. LINDA LIND Und dann auch noch in den grellsten Farben. JANE Ich wollte zuerst nicht. LINDA LIND Kannst du deinen Text? JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Oder hast du das schon wieder alles vergessen? Sollen wir das nochmals durchgehen? JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Was sagst du wenn du nun gleich in der Wanne sitzt? JANE Wer, Mutti. LINDA LIND Jane?! Was sagst du wenn du nun gleich in der Wanne sitzt? 36 JANE Ich brauche einen... ahm? LINDA LIND Fast, Kind, fast. Ich brauche einen...? JANE Jetzt hast du mich ganz durch einander gebracht. LINDA LIND Ich brauche einen Schuss Ormus! JANE Ja und das wollte ich ja auch sagen. Und dann spritzen die ins Wasser oder auf mich? LINDA LIND Ich weiß es nicht. JANE Und wie viele spritzen da? LINDA LIND Jane, mit diesem Film heute legst du den Grundstein zu deiner Karriere. Du weißt nicht was du für ein Glück hast. Dieser - Badeschaum ist ein ganz neues Produkt. Ein Wahnsinnsbudget. Mit Abstand das größte Sanitärunternehmen der Welt. Das ist deine große Chance. Und so früh in deiner Karriere. Ich musste 20 Jahre warten. Es war fast schon zu spät. Jane? Die planen sogar eine eigene Parfümmarke für dich? Aber Kind: du kommst im Studio an und lächelst und sonst nichts. Ein bisschen mehr Profil. Aber nicht zu viel. Profil ist nicht deine Stärke. So: ich gehe jetzt ins Studio. Und um genau 14.05 Uhr... JANE (einfallend) Warum 14.05 Uhr? Warum nicht 14.00 Uhr? Nein, ich komme jetzt gleich mit dir mit. LINDA LIND Nein. Um genau 14.05 Uhr wird dich mein Chauffeur von hier abholen. (tippt) STIMME Studio Soll-Aria. JANE Warum? 37 LINDA LIND Linda Lind. Ich werde in genau 20 Minuten im Studio sein. JANE Warum kann ich nicht gleich mit dir mit? LINDA LIND Du kommst nach mir. Du bist unabhängig und selbstständig. Darum. Und hellblau und rosa. (LINDA LIND geht ab durch die Tür zur Diele.) JANE (nachrufend) Ich werde diesen Film heute nicht. drehen. LINDA LIND (kommt zurück, nach Pause) Ach? Möchtest du, das Ann Anderson, deinen Platz einnimmt? Dieses sogenannte neue Talent? JANE Sie sieht so gut aus. LINDA LIND Nein. Das tut sie nicht. JANE Und sie ist immer wahnsinnig nett zu mir. Ich würde sie gerne mal einladen. Sie war noch nie hier. Und ich war bei ihr auch noch nie. Wir könnten uns vielleicht ein Mal in der Woche treffen. Mal her und mal da; so hin und her. LINDA LIND Jane, du machst dich jetzt fertig für `s Studio. Jane? Diese Arbeit heute wird dir wenigstens einen Tarzanfilm einbringen. JANE Ich möchte aber keinen Tarzanfilm machen. Ich möchte Klassiker drehen so wie du. LINDA LIND Und das wirst du auch. Du bist so jung, so schön, so talentiert. Jane: professionell zu sein heißt hart zu arbeiten. Professionalität, darauf kommt es an. (hält Wang hin zum Kuss) Verabschiede dich von deiner Mutter. (JANE küsst LINDA LIND.) 38 LINDA LIND Und im Studio kommst du direkt zu mir. Bis dahin habe ich mit Gregory geredet; und ihm alles über dein Tattoo erzählt. JANE Ahm, Mutti. LINDA LIND Ja, Kind? JANE Ahm? Ich... LINDA LIND Ja? Jane? Hast du noch andere Tattoos? JANE Ahm, LINDA LIND Jane? JANE Nur noch eins. LINDA LIND Und wo? JANE Auf der anderen Seite. Das war nicht genügend Platz. Für seinen ganzen Namen. LINDA LIND Jane? Du hast dir -? Koloshinikov... (setzt sich, holt Luft, fängt sich, steht auf) Wir müssen ins Studio. Nein. Ich muss ins Studio. Nein. Ah, Jane. Ich muss mit Gregory reden. Oh Gott. Und auch in den grellsten Farben. Natürlich. JANE Mutti, ich ahm... LINDA LIND (einfallend, Handbewegung: Ruhe) Du kommst ins Studio. Wie geplant. Und im Studio kommst du sofort zu mir. Du wirst diesen Film heute drehen. Ich weiß nur noch nicht wie. Lächeln, Kind. Lächeln. Ah, Jane? Wie konntest du? 39 JANE Ich wollte zuerst nicht. LINDA LIND Und im Studio: kein Wort von dir hören. Das mache alles ich. Im Studio: keinen Ton von dir. Den ganzen Mittag. Außer deinem kleinen Satz. Da hast du genügend damit zu tun. - Und hellblau und rosa. JANE Oder wir nennen das einfach um - Diesen Bade... den Badeschaum - auf Koloshinikov. Und ich könnte dann ganz schwarzes Make-up tragen und diese Perücke. Und dann so aus der Wanne steigen und so ´n bisschen tanzen. (tanzt) LINDA LIND (nach Pause, mit Killerbetonung -und Augen) Hellblau und rosa. JANE Ja, Mutti. (stößt ausversehen Pillenköfferchen vom Tisch) Ah. Nein. Freddy, lass. Nein. Weg. LINDA LIND Was ist jetzt schon wieder? JANE Freddy nein lass. LINDA LIND Warum machst du den Deckel nie richtig zu? Und diese Dose hat einen Schraub-ver-schluss. JANE Freddy hat Pillen aufgeleckt. Freddy spuk aus. Ah, er folgt einfach nicht. Ah, jetzt hat er sogar eine kleine Rote... ah, jetzt hat er noch mal ein paar genommen. Wir müssen ins Krankenhaus. Freddy, lass. Wir müssen ihm den Magen auspumpen lassen. (LINDA LIND tippt.) JANE Schnell, rufe den Notarzt. Freddy. (MADELEINE erscheint mit Messer in der Hand.) LINDA LIND Madeleine, bitte kümmere dich um dieses Tier. 40 FREDDY (mit ganz tiefer Stimme) Wauw, wauw wauw wauw. JANE Ah. FREDDY (mit ganz hoher Stimme) Wauw, wauw wauw wauw. JANE Was ist los mit ihm? FREDDY (tief) Wauw, wauw wauw wauw. JANE Freddy? (MADELEINE trägt FREDDY ab in die Küche.) FREDDY Miau! JANE Freddy?! LINDA LIND Jane, bleibe hier. Bleibe hier! (Küchentür schließt sich.) LINDA LIND Ich werde nicht zulassen, dass dieses Tier zwischen dich und deine Karriere kommt, Professionalität, darauf kommt es an. Was musste ich nicht alles opfern. JANE Ich möchte sofort Freddy sehen. LINDA LIND Kind, deine Vitamine. (LINDA LIND haut JANE Spritze in den Arm.) JANE Au. LINDA LIND (während sie Spritze aus Jane `s Arm zieht) Und sag nicht immer "au". 41 JANE Au. LINDA LIND Jane. (hält Wange hin zum Kuss) JANE Ja, Mutti. (küsst) Ich brauche einen Schuss Ormus. Und im Studio komme ich sofort zu dir. LINDA LIND Und? JANE Lächeln. LINDA LIND Und deine kleine Rote? JANE Erst auf dem Weg ins Studio. LINDA LIND Und? JANE Und hellblau und rosa. LINDA LIND Gut, Kind. (geht ab aus der Tür zur Diele) JANE Ahm, Mami, von den kleinen roten... (Die Tür zur Diele schließt sich.) JANE ... nehme ich da eine oder zwei? (vor der Tür zur Küche) Madeleine, ich will sofort Freddy sehen,. Freddy? (JANE geht zu einer Tastatur, tippt zwei Mal, schaut auf die Küchentür, die Tür zur Diele geht auf. Sie tippt zwei Mal, schaut auf die Küchentür, die Tür zur Diele geht zu.. Sie tippt zwei Mal. Eine Schublade geht auf.) 42 JANE Ah. (tippt (Ein Sessel rumpelt und fährt vom Tisch.) JANE Ah. (JANE blättert in der Gebrauchsanweisung, tippt ein Mal, die Küchentür geht halb auf. JANE tippt ein Mal, die Küchentür geht ganz auf. JANE will abrennen. MADELEINE und ANN ANDERSON stehen im Türrahmen.) JANE Ah! MADELEINE Fräulein Jane, Ihre Rivalin: Ann Anderson. JANE Ann Anderson? Ich muss ins Studio. ANN ANDERSON Hallo, Jane. (MADELEINE tippt. Sessel fährt zurück und die Schublade geht zu.) ANN ANDERSON Auf dem Weg eine große Schauspielerin zu werden. Na, das mit dem Schreien klappt ja schon wunderbar. Ja, Schreien, das konntest du schon als du auf die Welt kamst. Und immer noch nichts dazu gelernt. (MADELEINE geht ab. Küchentür schließt sich kurz danach.) JANE Madeleine. Ann, es tut mir leid. Ich habe jetzt keine Zeit für dich. Ich muss ins Studio. Ich habe einen Termin. Und außerdem kann ich mich nicht erinnern dich eingeladen zu haben. Und ich habe noch mal ´ne kleine Neuigkeit für dich: ich habe auch nicht vor dich jemals einzuladen. ANN ANDERSON Jane, ich komme nur kurz um Auf Wiedersehen zu sagen. JANE Warum? Verreist du? 43 ANN ANDERSON Nein, ich nicht. Aber du. JANE (schenkt zwei Drinks ein) Ich verreise nicht. Aber ich habe heute einen Termin falls du das meinst. Mutti meint, diese Arbeit heute würde mir mindestens einen Tarzanfilm einbringen. Und ich bekomme sogar meine eigene Parfümmarke. Für dich. Cheers. (überreicht Drink) ANN ANDERSON Mh, die berühmte Sammlung der Linda Lind. Ein Museum möchte sie gründen, deine Mutter, für ihre Reliquien. JANE Wir haben noch viel mehr. (setzt Drink ab) ANN ANDERSON Noch mehr Plunder. Kastagnetten? Was hat sie mit denen getan? Sie konnte weder tanzen noch singen. Ja nicht mal Schauspielen. Ah. (hält Plastikpenis in die Höhe) Aus der Geheimsammlung, so nehme ich an. Wie kommt das hier her? Jugendsünden. Mh? JANE Mutti hat Filme gedreht die wirst du nie drehen. ANN ANDERSON Das hoffe ich von ganzem Herzen. Aber ich kam nicht um mich über die Filme deiner Mutter zu unterhalten. (Küchentür öffnet sich.) ANN ANDERSON Ich kam um Auf Wiedersehen zu sagen. (MADELEINE erscheint mit Küchenmesser in der Hand.) JANE Ann, es tut mir leid, ich habe jetzt keine Zeit. Ich muss ins Studio. Ich habe einen Termin. ANN ANDERSON Ein bisschen Zeit wirst du dir nehmen müssen. Aber keine Angst, es wird nicht lange dauern Es wird ganz schnell gehen. Das hängt natürlich auch von dir ab. Fange bitte jetzt nicht gleich an im Zimmer herumzurennen. 44 JANE Ann, du langweilst mich ja so. (nimmt Drink in die Hand) ANN Anderson Adieu. Oder: "C` fini", wie deine Mutter immer so schön sagt in ihren Filmen. (hämisch-ironisch; wie zu einem Kind) Du wirst nun gleich ermordet. JANE (nach kurzer Pause) Du könntest mich nicht umbringen? (setzt nach kurzer Pause Drink erschrocken auf Tisch zurück) ANN ANDERSON Es ist nichts in deinem Drink. Jetzt bitte sei nicht kindisch. Nein, ich könnte nicht. Aber Madeleine kann. Ich werde diesen Film heute drehen. Ich habe Talent. Nicht du. Du bist dumm. Dumm und kindisch. Du bist so richtig blöd. Deine Mutter hat dich blöd gemacht. Und hält dich blöd. Und was stopft sie alles in dich hinein? (öffnet Pillenköfferchen) Na schau mal: da ist ja alles da. Und sogar die kleinen roten. - Nein, ich könnte nicht. Ich könnte niemanden umbringen. Außer deiner Mutter vielleicht. JANE Mutti. (MADELEINE kommt mit erhobenem Messer näher.) ANN ANDERSON Aber Madeleine kann. JANE Madeleine. ANN ANDERSON Jetzt bitte mache keine große Szene. JANE (steht auf, geht rückwärts) Ah. ANN ANDERSON Nein, das lässt du dir nicht nehmen. JANE Madeleine will mich umbringen? 45 ANN ANDERSON Alles dauert immer ein bisschen länger bei dir, nicht wahr? JANE Und wie will sie es tun? ANN ANDERSON Schau sie dir gut an. Vielleicht entdeckst du einen kleinen Anhaltspunkt. (MADELEINE hält Messer in die Höhe.) JANE Ah. ANN ANDERSON Falls du dich von deiner Mutter verabschieden möchtest. Bitte. (zeigt auf eine Tastatur) JANE Mutti. ANN ANDERSON Den kleinen Knopf rechts unten links. Punkt Strich X. Aber vorher natürlich Drei Vier Fünf Punkt Vier Sechs. (JANE geht langsam auf die Tastatur zu und hämmert dann mit 10 Fingern darauf ein.) JANE Mutti! Hilfe! (Licht geht an und aus, Türen und Schubladen gehen auf und zu. FREDDY kommt aus der Küche. FREDDY Wauw. Wauw. Wauw. ... JANE Freddy! (JANE rennt zu FREDDY und nimmt ihn auf den Arm. MADELEINE tippt und bringt alles unter Kontrolle.) JANE Bitte Freddy nichts tun! Er kam heute fast schon einmal um! 46 ANN ANDERSON (zu Freddy) Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf. ANN Anderson tippt.) ANN ANDERSON Bitte verabschiede dich von deiner Mutter. Sag ihr wie lieb du sie gehabt hast. LINDA LIND (Stimme) Hallo? Jane? JANE Mutti, ich werde gleich umgebracht werden. Und dich will sie auch umbringen. LINDA LIND (Stimme) Jane? JANE Mutti. ANN ANDERSON (tippt, unterbricht die Leitung) OK, ich gehe und lasse euch drei nun allein. Ich muss ins Studio. Ich bin schließlich dein Ersatz. JANE Du bist was? ANN ANDERSON Ich habe keine Mutter wie du. Aber ich habe auch meine Beziehungen. (ANN ANDERSON geht ab durch die Tür zur Diele. MADELEINE geht ab durch die Tür zur Küche. FREDDY verschwindet unter Sofa.) LINDA LIND (leise Stimme) Jane? Jane? JANE Mutti. Ich kann dich kaum hören. LINDA LIND Tippe, Punkt Strich X! Aber vorher natürlich: Drei Vier Fünf Punkt Vier Punkt Strich. 47 JANE (tippt) Drei. LINDA LIND Vier Fünf Vier JANE Ja. LINDA LIND Punkt Strich! Strich X JANE Ja. LINDA LIND (mit überlauter Stimme) Jane? Was ist los? JANE (erschrickt) Ah. Mutti, die ahm... (hält ein und horcht) LINDA LIND (mit überlauter Stimme) Jane? (Schreie von hinter den Kulissen) ANN ANDERSON (von hinter den Kulissen) Nein! Ah! Madeleine! Nein! Ah...! LINDA LIND (mit überlauter Stimme) Jane? Jane?! (JANE rennt Richtung Tür zur Diele. MADELEINE kommt blutverschmiert durch die Tür zur Diele herein. Sie hat Gummihandschuhe an und hält das Messer in der Hand.) JANE Ah!! (rückwärts gehend) Nein. Ah. 48 LINDA LIND (mit überlauter Stimme) Jane?! Was ist los? Jane?! MADELEINE (tippt, unterbricht die Leitung, drohend ernst) Ich werde diesen Film heute drehen (weinend) Ich kann es genau so tun! Ich nehme seit zwei Wochen Schauspielunterricht! Und ich übe jeden Tag! Ich übe jeden Tag in der Küche! Ich kann auch ein Star sein! Die sagen alle ich hätte wahnsinnig Talent! (drohend ernst) Ich werde diesen Film heute drehen. JANE Ah. (fällt in Ohnmacht) FREDDY (bellt kontinuierlich) Wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw! ... (Vorhang) (FREDDY bellt - nachdem Vorhang gefallen und er kurz ruhig war - im letzten Rhythmus mit kurzen Unterbrechungen, cresendoartig - die ganze Pause über.) 49 2. AKT (Gleiches Bühnenbild wie 1. AKT. Kommode steht mit Schublade zur Wand. Schrank steht gefährlich schief oder hängt von der Decke. Jane wühlt in Papieren.) FREDDY Wauw. Wauw. Wauw. ... JANE (schaut auf Papiere und tippt) Ahm, eins. (tippt ein Mal, die Tür zur Diele geht halb auf.) Zwei. (tippt ein Mal, die Tür zur Diele geht ganz auf; sie tippt zwei Mal, die Tür geht zu; tippt zwei Mal die Tür geht auf.) (LINDA LIND steht im Türrahmen.) JANE (springt auf) Ah. LINDA LIND Jane? Was ist passiert? JANE Ich habe die ganze Zeit geübt, Mutti. (Es haut die Tür zur Diele zu mit einer Wucht, dass die Wand beschädigt wird. LINDA LIND springt zur Seite.) JANE Ah. LINDA LIND Was ist passiert? Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) JANE Ich werde jetzt jeden Tag üben, Mutti. Jeden Tag. LINDA LIND Wo ist Madeleine? 50 JANE Eins. (JANE will tippen, LINDA LIND hält ihre Hand.) LINDA LIND Jane? Jane?! JANE Ich kann jetzt schon die Tür aufmachen. LINDA LIND Jane? JANE Hellblau und Rosa. (LINDA LIND schüttelt JANE.) LINDA LIND Jane?! JANE Ah... die wollten mich umbringen. LINDA LIND Wer wollte dich umbringen? JANE Ich darf Madeleine nicht beim kochen stören. LINDA LIND Jane? Wer wollte dich umbringen? JANE Und sie will den Film heute drehen. Und Ann Anderson ist mein Ersatz. LINDA LIND Ann Anderson ist dein Ersatz? JANE Ich werde jetzt jeden Tag üben, Mutti. Jeden Tag. LINDA LIND Jane?! JANE Ah. 51 LINDA LIND Jane? Ann Anderson? Ist sein Ersatz? Für diese Arbeit heute? JANE Ja. Das hat sie gesagt. LINDA LIND Wer hat das gesagt? JANE Ann Anderson?! Sie war hier? LINDA LIND Sie war hier? JANE Ja?! Sie wollte mich umbringen. Und Madeleine wollte mich umbringen. Sie sagte, sie kann auch ein Star sein. LINDA LIND Wie? Beide? wollten dich umbringen? JANE Ja. Beide. Und sie will den Film heute drehen. LINDA LIND Wie? Beide wollten dich umbringen? Ann Anderson und Madelein. JANE Ja. Sie sagte, ich solle mich von dir verabschieden. LINDA LIND Wer sagte das? JANE Ann Anderson. Nein Madeleine. Nein Ann Anderson. Nein, beide. LINDA LIND Beide waren hier. Und beide wollten dich umbringen. JANE Ja. LINDA LIND Und beide sagten, du sollst dich von mir verabschieden. JANE Ja. 52 LINDA LIND Und mich im Studio anrufen. JANE Ja. LINDA LIND Und Ann Anderson ist dein Ersatz. JANE Sie sagte, ich soll dich anrufen. Aber ich habe dann einfach mit 10 Fingern, so einfach... (Handbewegung) LINDA LIND Ja. Natürlich. Die wollten mich aus dem Studio haben. Ann Anderson? Die sitzt jetzt wahrscheinlich schon in der Wanne? Mitten im Jungel? Den ich für dich arrangiert habe?! Wo ist Madeleine? JANE Ich werde jetzt jeden Tag üben, Mutti. Jeden Tag. Eins... (will tippen) (Jane will tippen. LINDA LIND hält ihre Hand.) LINDA LIND Was hast du denn hier...? Du hast alles aus dem Ordner raus? Die Gebrauchsanweisung für die ganze Wohnung? Und alles durcheinander? Ah, Jane? (sieht Kommode und dann den Schrank) Wie hast du das wieder fertig gebracht? (betastet die Kommode) (Die Kommode fängt an zu knarren und sich zu bewegen.) JANE Vorsicht. Ich habe probiert die Schublade aufzumachen. LINDA LIND Ja. Das kann ich sehen. JANE Mutti, ich ahm, als ich, ich ahm, (hält ein) LINDA LIND Ja? JANE Ich hatte einen Gedanken. 53 LINDA LIND Ja? Das muss ein großer Schock für dich gewesen sein. JANE Ich habe gedacht, dass, weil doch, weil die doch alle... (hält ein) LINDA LIND Ja? JANE Es wurden doch so viele Schauspielerinnen ermordet. LINDA LIND Ein oder zwei, ja. JANE Und ich habe plötzlich gedacht, dass Ann Anderson... Sie hat sie vielleicht alle umgebracht. Die vielen Schauspielerinnen. Sie ist vielleicht eine Mörderin? LINDA LIND Ja? Ja. Und da hast vielleicht sogar Recht. JANE Eine Massenmörderin. LINDA LIND Ja. Gut, Kind. Sehr gut. Und ich werde Madeleine nun etwas beim Kochen stören. (LINDA LIND schaut auf die Küchentür. Sie tippt zwei Mal. Die Tür öffnet sich. LINDA LIND geht ab.) JANE (nachrufend) Vorsicht Mutti. (schluckt Pille und schaut dann auf das Pillendöschen) Ah. Mutti. Mutti! (LINDA LIND kommt zurück gerannt.) JANE Jetzt habe ich die falsche Tablette genommen. LINDA LIND (zieht Brille auf und liest) Willst du drei Tage lang schlafen? 54 JANE Nein, Mutti. LINDA LIND Du hast einen Termin heute! Stecke dir den Finger in den Hals. JANE Mutti. Äh, äh... (bringt es fertig Tablette herauszuwürgen) Nein, Freddy lass. Nein Freddy spuk aus. (schüttelt Steiftierkopie von Freddy) Er ist tot. LINDA LIND Nein. Freddy ist nicht tot. (wirft Steiftierkopie hinter Sofa) Freddy wird nun 3 Tage lang schlafen. Vielleicht auch noch viel länger. (geht ab durch die Küchentür) (Küchentür schließt sich.) JANE Freddy (JANE holt FREDDY von hinter Sofa hervor) JANE Freddy, ah. (JANE streichelt FREDDY und legt ihn auf `s Sofa; schaut auf die Tür zur Diele, tippt zwei Mal, die Tür geht ganz auf, tippt zwei Mal, die Tür geht zu, tippt zwei Mal schnell, die Kommode fängt an durch das Zimmer zu fahren) JANE Nein. (JANE wird von der Kommode durch das Zimmer bis vor die Küchentür verfolgt, trommelt mit Fäusten gegen die Küchentür.) JANE Mutti! Hilfe! LINDA LIND (Stimme) Jane? 55 JANE (trommelt) Hilfe! LINDA LIND (Stimme) Höre auf an die Tür zu trommeln! (Es haut die Küchentür auf. LINDA LIND kommt hereingerannt. Es haut die Küchentür zu. Die Kommode fährt Richtung LINDA LIND.) JANE Mutti! (LINDA LIND springt auf die Kommode. Die Tür zur Diele öffnet sich. LINDA LIND fährt auf der Kommode sich festklammernd durch das Zimmer. Madeleine kommt durch die Tür zur Diele herein.) MADELEINE Madeleine! (JANE rennt zu einer Tastatur.) FREDDY Wauw. Wauw wauw wauw. Wauw. ... LINDA LIND Nein. Du gehst da weg! (JANE schüttelt die Tastatur.) LINDA LIND Höre auf das Ding zu schütteln! (Kommode fährt auf eine Wand zu. MADELEIN tippt.) LINDA LIND Ah! (Die Kommode stoppt kurz vor der Wand und fährt dann langsam auf ihren Platz zurück. LINDA LIND steigt ab.) LINDA LIND Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) 56 LINDA LIND Ein 4wöchiges Intensivlager. Mit militärischem Drill. JANE Nein Mutti, nein. Bitte, ich... LINDA LIND (einfallend) Das wird dein nächstes Geburtstagsgeschenk. JANE Nein, Mutti, ich ahm... LINDA LIND (einfallend) Jane, kannst du mir bitte einen Gefallen tun. Gehe doch bitte in die Küche und hole mir noch ein paar dieser köstlichen, kleinen, ahm? JANE Aber da ist doch noch ein ganzer Teller voll. LINDA LIND (hält Teller an ihre Brust) Die werde ich alle aufessen und noch mehr. Bitte, Jane. JANE Ja, Mutti. (LINDA LIND tippt zwei Mal. Die Tür zur Küche ruckelt und geht dann mit einem Ruck auf. JANE geht ab. LINDA LIND tippt zwei Mal. Die Tür zur Küche schließt sich.) LINDA LIND Und wie viel hat sie dir bezahlt? MADELEINE 5tausend. LINDA LIND 5tausend. Und für lächerliche 5tausend hast du dich bereit erklärt diese Szene vor meiner Tochter aufzuführen. MADELEINE Das war Ann Anderson `s Idee. Sie ist eine sehr gute Schauspielerin. Und sie ist sehr intelligent. Ann Anderson wusste, dass Sie sofort aus dem Studio rennen würden wenn Ihre Tochter sie anruft und sagte: "Mutti, ich werde gleich umgebracht werden." Sie wusste das. 57 LINDA LIND Mein Kompliment. Ihr habt es fertig gebracht, dass ich aus dem Studio gerast bin. Aber ich weiß was ich tun werde: ich werde augenblicklich ins Studio zurück rasen. Und dort werde ich Ann Anderson persönlich - aus der Wanne ziehen! MADELEINE Jetzt regen Sie sich nicht auf. Ich habe sie umgebracht. Ann Anderson. Ann Anderson? Ja? LINDA LIND Und wo? Hier in meiner Wohnung? MADELEINE Ja. Ich hab sie auf der Hundetoilette. Ich dachte, wenn sie schon hier ist. Hier kann ich sie gleich entsorgen. LINDA LIND Aber nicht im Müllzerkleinerer in der Küche. Die sanitären Einrichtungen seien zusammengebrochen. Im ganzen Gebäude. "Müllzerkleinerer privater Haushalte eignen sich nur bedingt zur Beseitigung eines höheren Beamten." JANE Die sanitären Einrichtungen sind wegen Ihrer Tochter zusammengebrochen. Ihre Tochter hat die gesamte Technik ruiniert. Im ganzen Gebäude. Wenn irgend was nicht funktioniert, dann haut sie einfach drauf. Ihre Tochter. Oder sie schüttelt einfach das ganze Ding. Das einzige das sie fertig bringt ist Krach zu machen. - Das dauert aber eine Woche. Bis ich sie entsorgt habe. LINDA LIND Warum eine Woche? Ann Anderson ist Größe 8. Dieser Steuerprüfer letzte Woche hatte Übergröße. MADELEINE Der Müllzerkleinerer arbeitet nur noch auf Stufe 1? Ihre Tochter hat die gesamte Technik ruiniert? In der ganzen Wohnung JANE (klopft an die Küchentür) Mami! LINDA LIND Jane? Du brauchst nicht an die Tür zu klopfen. Deine Mutti kann dich hören. JANE Ich kann nichts finden! 58 LINDA LIND Dann schaue bitte nochmal genau nach! Madeleine hat mir gesagt, da stehen wo welche ganz frisch! Und warum auf der Hundetoilette? MADELEINE Die Putzanlage funktioniert nur noch auf der Hundetoilette. Und auch da nicht mehr richtig. Und das ist alles nur wegen Ihrer Tochter. An Ihrer Stelle würde ich die in ein 6 monatiges Intensivlager stecken. Intensivlager mit Prügelstrafe. Das ist genau das richtige für die. LINDA LIND Du wusstest, dass das kein Steuerprüfer war. Dieser Mann letzte Woche. Der war Staatssicherheit. Spezialeinheit. Und das wusstest du? Aber zu mir sagtest du, der sei vom Finanzamt. MADLEINE Ich habe wirklich gedacht, dass der vom Finanzamt sei. LINDA LIND Du wusstest, dass ich schon zwei Steuerprüfer umgebracht habe. Du wusstest, dass ich so reagieren würde. MADELEINE Ich bin unschuldig. Ich schwöre. (kniet mit betenden Händen) LINDA LIND Madeleine, bist du Ann Anderson entsorgt hast wirst du hier als unsere Haushälterin und Köchin weiterarbeiten. Und dann wirst du uns verlassen. Sofort. Ich werde mich nicht von dir verabschieden. Was die 5tausend betrifft die du dir dazu verdient hast; gut, sehr gut. Ich habe nichts gegen Leute mit Geschäftssinn. Ich werde unsere Agentur nicht über deinen Nebenverdienst verständigen. Selbstverständlich kann ich diese, meine Entscheidung jederzeit rückgängig machen. (tippt) STIMME Studio Soll-Aria. Wie kann ich Ihnen helfen. LINDA LIND Linda Lind. Ich werde in genau 20 Minuten im Studio sein. Bitte verständigen Sie Gregory Rambold. JANE (von hinter den Kulissen) Ah...! Hilfe! Mutti! Hilfe! 59 LINDA LIND Jane? JANE (von hinter den Kulissen an die Küchentür trommelnd) Hilfe! STIMME Hallo? Studio Soll-Aria. Hallo? JANE (von hinter den Kulissen) Mutti! LINDA LIND Wo ist Ann Anderson? Du hast schon angefangen sie zu entsorgen? MADELEINE Ja. Aber ich hab sie unter die Spüle? Hinter dieses riesige Packet Hundefutter? Ich weiß nicht wie sie sie dort gefunden hat. (Es haut die Tür zur Diele auf. LINDA LIND rennt ab.) JANE (trommelt gegen die Tür) Mutti! (Die Tür zur Küche geht nach vorne auf. JANE läuft über die Tür ins Zimmer. Die Tür schließt sich hinter ihr.) JANE (schaut auf MADELEINE) Ah...! LINDA LIND (von hinter den Kulissen) Jane? Jane?! Stimme Studio Soll-Aria. Hallo? JANE Ich bin hier, Mutti! (pocht mit Faust gegen die Küchentür) Mutti! Mutti?! 60 FREDDY Wauw wauw wauw wauw. Wauw. Wauw. ... (LINDA LIND kommt außer Atem durch die Tür zur Diele hereingerannt.) JANE (trommelt gegen die Küchentür) Mutti! LINDA LIND Höre auf an die Tür zu trommeln! Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) LINDA LIND Wie kamst du hier rein? JANE Durch die Tür, Mutti. (LINDA LIND betastet die Küchentür. MADELEINE tippt zwei Mal. Die Tür zur Diele geht zu.) JANE Mutti, ahm, in der, unter der, nein ich meine, in der... LINDA LIND (einfallend) Jane, ich habe dir das Sprechen beigebracht. Ich kann mich genau daran erinnern. Es war harte Arbeit. JANE Ann Anderson... (hält ein) LINDA LIND Ja, Kind, ich weiß. JANE Sie fiel aus der Spüle. LINDA LIND Nein, sie fiel nicht aus der Spüle. Ah, wenn du wenigstens das Sprechen lernen könntest. Das war ein Unfall, Jane. Ein schrecklich, furchtbarer Unfall. Madeleine hat mir gerade alles erklärt. Jane, aber bitte, keinen Ton von dir darüber. Über diesen Unfall. Zu niemandem. JANE Auch nicht zur Polizei? 61 LINDA LIND Gerade nicht zur Polizei. Die würden uns nie glauben. So, und du ziehst dich jetzt um und machst dich fertig für `s Studio. JANE (verstört) Für `s Studio? LINDA LIND Ja, Kind. JANE Ahm, Mutti, ich ahm... LINDA LIND (überschneidend) Bitte, Jane. JANE Ja, Mutti. LINDA LIND Und hellblau und rosa? JANE (nicht verstört) Hellblau und rosa? LINDA LIND Das hast du mir versprochen, Jane. JANE Ja, Mutti. (will abgehen.) LINDA LIND Jane? Hast du nicht etwas vergessen? (LINDA LIND tippt seufzend zwei Mal. Die Tür zur Diele geht auf. JANE geht ab.) STIMME Studio Soll-Aria? Hallo? LINDA LIND Ah. Bitte entschuldigen Sie. Wir haben Probleme mit der Technik in dieser Wohnung. Ich werde in genau 20 Minuten im Studio sein. Bitte verständigen Sie Gregory Rambold. Ich muss sofort mit ihm reden. Es ist dringend. Es handelt sich um Jane. Hallo! Sagen Sie ihm bitte, Jane habe sich ein Tattoo machen lassen. 62 (LINDA LIND will abgehen. MADELEINE tippt. Die Tür zur Diele geht zu.) LINDA LIND Madeleine? Ich muss ins Studio? Bitte öffne die Tür. (MADELEINE rührt sich nicht. LINDA LIND geht zu einer Tastatur. Madeleine greift nach LINDA LIND `s Hand.) MADELEINE Nein. Sie bleiben hier. (LINDA LIND reißt sich los, tippt zwei Mal, dann verschiedene Male.) MADELEINE Ich hab `ne Sperre rein. (LINDA LIND holt Laser aus ihrer Handtasche.) LINDA LIND Ich warne dich. Das ist eine Laserpistole. Das neuste Modell. MADELEINE Und Sie wissen wie das funktioniert? Ja, das weiß ich. Und Müllzerkleinerer hier ich 3 Wochen lang Tag dich höchstpersönlich beginnen. LINDA LIND ich weiß auch wie der in der Küche funktioniert. Und wenn und Nacht arbeiten muss, ich werde entsorgen und heute noch damit MADELEINE (geht mit betenden Händen auf die Knie) Bitte, Madam, lassen Sie mich leben. Ich bin zu jung zum Sterben. Bitte befragen Sie Ihr Herz. LINDA LIND C`fini. Madeleine. (schießt.) MADELEINE Nicht geladen. (steht auf) Ich bin top professionell. (LINDA LIND holt iPot aus ihrer Handtasche, tippt und schaut auf die Türen.) 63 MADELEINE Ich hab `ne Sperre rein. In beide Türen. Sie sitzen fest. LINDA LIND Madeleine, wie viel? Was willst du? 5tausend? JANE (von hinter den Kulissen) Hallo? (pocht an die Tür zur Diele) Hallo? LINDA LIND Jane? JANE (von hinter den Kulissen) Mutti? (pocht an die Tür) Mutti, bei mir gehen alle Türen ganz schnell auf und zu! (trommelt gegen die Tür) Und die geht überhaupt nicht auf. LINDA LIND Probiere es mit deinem iPot! JANE (von hinter den Kulissen) Ich weiß nicht wie das geht! MADELEINE Ich hab `ne Sperre rein. JANE (von hinter den Kulissen) Mutti?! (trommelt gegen die Tür) MADELEINE Sie sitzen fest. JANE (von hinter den Kulissen) Mutti?! (trommelt gegen die Tür) (Die Tür zur Diele fliegt auf. JANE trägt rote Perücke.) LINDA LIND Jane? Ich sagte, du machst dich fertig für `s Studio. 64 JANE Ich bin fertig, Mutti. LINDA LIND Nein, das bist du nicht. JANE Ich ziehe nichts hellblaues an. LINDA LIND Jane, bitte höre mir einmal in deinem Leben gut zu; dieser Badeschaum ist naturrein. Und die möchten darum, dass du hellblau und rosa trägst. Ist das so schwierig zu verstehen? Und außerdem: so steht das im Skript und im Vertrag. JANE Dann streichen wir das hellblau und rosa einfach quer durch und schreiben: nicht akzeptiert. LINDA LIND Jane, ich weiß du kannst vernünftig sein. Du warst es bisher noch nie. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. JANE (überschneidend) Ich ziehe nichts hellblaues an. LINDA LIND Doch, Jane. Und warum? Warum wirst du etwas hellblaues anziehen? Weil du es mir versprochen hast. Oder nicht? Du hast mir versprochen heute hellblau und rosa zu tragen. JANE (einfallend) Ja. Aber nicht richtig. LINDA LIND Was heißt: "nicht richtig"? JANE Einfach, dass mir das nicht steht. LINDA LIND Jane, MADELEINE (überschneidend) Ich werde diesen Film heute drehen. Ich werde heute ins Studio gehen. 65 JANE Siehst du, das habe ich dir ja gesagt. Sie will den Film heute drehen. Ich hatte Recht. Du sagst immer ich höre dir nicht zu. Aber du bist noch viel schlimmer. Und das kann hundertmal naturrein sein. Ich ziehe nichts hellblaues an. Und rosa schon überhaupt nicht. LINDA LIND Du hast Schauspielunterricht genommen. MADELEINE Ja. Seit zwei Wochen schon. Und ich übe jeden Tag. Ich übe jeden Tag in der Küche in der Küche. Die sagen alle, ich hätte wahnsinnig Talent. Ich werde heute ins Studio gehen und diesen Film heute drehen. JANE Siehst du das habe ich dir ja gesagt? LINDA LIND Jane, bitte halte dich da raus. MADELEINE Sie werden mit Gregory Rambold reden. LINDA LIND Mit Gregory Rambold? Du bist gut informiert. Du hast uns ausspioniert. MADELEINE Sie werden mit ihm reden. Und ihm sagen, dass Jane aus gesundheitlichen Gründen heute nicht kann und das ich der Ersatz bin. LINDA LIND Und wenn ich es nicht tue? MADELEINE Dann haben Sie die arme Ann Anderson ermordet. LINDA LIND Ich glaube nicht, dass die Polizei zu diesem Schluss kommen wird. Ich habe die Mittel Kommissar Fint von meiner Unschuld zu überzeugen. MADELEINE Na dann mal los. (tippt) 66 KOMMISSAR FINT (Stimme) Hallo? Frau Lind? LINDA LIND Kommissar Fint, Linda Lind am Apparat. JANE Über was redet ihr? LINDA LIND (drückt mit einem Finger auf Tastatur) Jane, gehe bitte für einmal in deinem Leben (verliert die Beherrschung) für eine Sekunde niemanden auf die Nerven! (lässt los) Kommissar Fint, JANE Nein, Freddy lass. Weg. Er will immer an meine Pillen. LINDA LIND (drückt mit einem Finger aus Tastatur) Hast du den Hund nun unter Kontrolle? (lässt los) Kommissar Fint, MADELEINE Das Messer... (LINDA LIND drückt mit einem Finger auf Tastatur.) MADELEINE ... und die blutigen Handschuhe habe ich in eine Ihrer Handtaschen getan. LINDA LIND Wie melodramatisch. Aber es tut mir leid, Madeleine, ich kann dir diesbezüglich kein Kompliment machen, denn ich finde Melodrama langweilig und billig. (lässt los) Herr Kommissar, MADELEINE (überschneidend) Wenn ich mit dem Kommissar rede dann kommen Sie dieses Mal nicht so billig weg. (LINDA LIND drückt mit einem Finger auf Tastatur.) 67 MADELEINE Ne Leiche in der Küche, halbentsorgt, das wird Sie 30 oder 40 Millionen kosten. Da will der mehr als nur ein paar Ihrer Klunker. Sie wissen wir streng und wie, ahm... LINDA LIND (weiterhelfend) Wie streng, wie erbarmungslos und wie konsequent heutzutage gerade mit Mörderinnen verfahren wird. Ja Madeleine, ich weiß. Und darum warne ich dich. MADELEINE Und ich warne Sie. LINDA LIND Du hast Ann Anderson ermordet. Nicht ich. Ich habe noch nie jemanden ermordet. MADELEINE Außer diesem Steuerberater letzte Woche. LINDA LIND Steuerprüfer. Du wusstest, dass der Staatssicherheit war; und kein Steuerprüfer. MADELEINE Ja, das wusste ich. Der Typ letzte Woche der roch doch nach Bulle. Und Sie waren zu blöd um das zu sehn. Und jetzt sind Sie zu blöd um zu sehen wie gefährlich der ist. Der Fint. Und den Typ letzte Woche - diesen guten Kollegen von Kommissar Fint - den haben Sie schon angefangen zu entsorgen. (Krach von hinter den Kulissen. Türen fangen an zu knarren und sich leicht zu bewegen.) FREDDY Wauw. LINDA LIND (lässt los) Kommissar Fint, es tut mir leid, wir haben Probleme mit der Technik in dieser Wohnung. (tippt) JANE Die ist total verrückt. LINDA LIND Total. 68 JANE Bei mir im Zimmer war `s ganz schlimm. Bei mir geht alles ganz schnell auf und zu. Ich konnte mich gar nicht richtig umziehen. LINDA LIND Ach? Und was waren deine weiteren diesbezüglichen Pläne? JANE Ich habe gedacht... LINDA LIND (unterbrechend) Danke, Jane. Das darfst du deiner Mutti ein andermal erzählen. Madeleine, ich weiß du bist intelligent. Sehr intelligent. Und du wirst daher verstehen, dass ich nicht einfach im Studio aufkreuzen und ich in die Wanne setzen kann. Ich muss vorher mit Gregory, mit Gregory Rambold reden. Madeleine, ich werde mit Gregory Rambold reden. Ich werde ihn nun sofort anrufen. Im Studio. Ich werde ihm beschreiben wie du aussiehst und dann werde ich ihn bitten mit dir heute zu arbeiten. Aber wenn er ablehnt, dann wird Jane ins Studio gehen um diesen Film heute zu drehen. Einverstanden? Madeleine? MADELEINE Aber zuerst werden Sie mit ihm reden? LINDA LIND Ja aber natürlich, Madeleine. (tippt) STIMME Studio Soll-Aria. LINDA LIND Linda Lind. Gregory Rambold bitte. MADELEINE Er ist hier. LINDA LIND Wer? Gregory? (Mehr Krach von hinter den Kulissen. Türen fangen an sich zu bewegen.) FREDDY Wauw. STIMME Studio Soll-Aria. Hallo? 69 FREDDY (kontinuierlich, maschinen-pistolartig) Wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw! MADELEINE Ich hab ihn in Ihr Schlafzimmer eingeschlossen. (Türen fangen an langsam auf und zu zugehen. Eine Tür schlägt es zu mit Knall.) LINDA LIND Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) MADELEINE Er versucht Ihre Schlafzimmertür aufzubrechen. Sie können ihm sagen, Jane fühle sich heute nicht wohl. JANE Meine Mutter würde nie so etwas tun. LINDA LIND Bitte, Jane, halte dich da raus, (verliert die Beherrschung) Und dränge dich nicht immer überall dazwischen! MADELEINE Ich weiß, ich kann nie so ein Star sein wie Sie, gnädige Frau, oder wie das gnädige Fräulein einmal sein wird. Ich weiß, dass ich nie Klassiker drehen kann. (weinerlich) Dazu habe ich nicht die geringste Chance. Nicht die geringste. LINDA LIND Wenigstens ein Hoffnungsschimmer. STIMME Studio Soll-Aria. Hallo? MADELEINE Ich möchte nur einmal in meinem Leben in einem Studio arbeiten. Nur ein Mal. Bitte. (tippt) JANE (zeigt auf Madeleine) Mutti. MADELEINE Oder möchten Sie lieber mit dem Kommissar reden? 70 KOMMISSAR FINT (Stimme) Frau Lind? STIMME (mit chinesischem Akzent) Filmstudio Soll-Aria. Hallo? MADELEINE Oder soll ich mit ihm reden? (Krach von hinter den Kulissen. Türen fangen an sich schneller und schneller zu bewegen.) LINDA LIND Gregory. MADELEINE Er versucht die Tür aufzubrechen. Ich habe ihn in Ihr Schlafzimmer gesperrt. STIMME (amerikanischer Akzent) Linda? Hallo? Linda, wo bist du? STIMME (chinesischer Akzent) Frau Lind, ich bin der Geschäftsführer von "Baden Plus". Frau Lind, Sie werden augenblicklich bitte beginnen mit mir zu reden. (Türen fangen an brutal zuzuschlagen. Licht geht an und aus. Türen sprühen Funken. FREDDY fängt kontinuierlich an zu Bellen.) JANE Ah. STIMME (amerikanischer Akzent) Linda? KOMMISSAR FINT Frau Lind? LINDA LIND Madeleine, das reicht. STIMME (weiblich, deutsch, sanft) Frau Lind, wir machen uns Sorgen um Sie. 71 (MADELEINE tippt.) STIMME (amerikanischer Akzent) Linda? Was is` los? KOMMISSAR FINT Frau Lind? STIMME (chinesischer Akzent) Frau Lind, Sie werden mit mir zu reden beginnen. (Die Leitungen werden unterbrochen. Türen fangen an langsamer zu schwingen und sich dann zu schließen. Pause.) FREDDY Wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw! LINDA LIND (überschneidend) Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) LINDA LIND Ich werde diesen Hund noch einmal umbringen. (JANE gefriert und bleibt bewegungslos) LINDA LIND Madeleine, ich werde mit Gregory reden. Das habe ich dir versprochen. Und nun höre mir bitte noch einmal genau und gut zu. Ich möchte nicht, dass es zwischen uns beiden auch nur das kleinste Missverständnis gibt: ich werde mit Gregory reden. Ich werde ihn bitten mit dir heute zu arbeiten. Aber wenn er ablehnt, dann wird Jane ins Studio gehen um diesen Film heute zu drehen. Einverstanden? Madeleine? MADELEINE Aber zuerst werden Sie mit ihm reden LINDA LIND Aber natürlich. Und wenn du nun bitte so freundlich bist und ich um Gregory kümmerst. MADELEINE Ich soll ihn rein schicken? (Krach von hinter den Kulissen.) 72 LINDA LIND Ja bitte, Madeleine. (MADELEINE tippt etwas länger.) MADELEINE Es stimmt jetzt wieder alles. Ich hab die Sperre raus. LINDA LIND Danke sehr. Und wie? Die Sperre. Steht das in der Gebrauchsanweisung? MADELEINE Nein. Habe ich auf einem Fortbildungskurs gelernt. Drei Vier Fünf... JANE Mutti, LINDA LIND Augenblick. Das muss ich mir notieren. (notiert) MADELEINE Drei Vier Fünf Punkt Sieben Eins Sieben Acht Shift F Neun. LINDA LIND Danke sehr. (Tür öffnet sich. MADELEINE geht ab.) LINDA LIND Ich hoffe, Gregory richtet keinen allzu großen Schaden an. Es reicht, dass du an die Türen haust. JANE Sie kann es nicht tun. Ich habe mich schon so gefreut auf heute. LINDA LIND Jane, schau dich an. Du bist noch nicht mal fertig und hattest den ganzen Morgen. JANE Ich bin fertig. LINDA LIND Nein, das bist du nicht. Und wenn Gregory gleich hereingestürmt kommt kein Wort von dir. Keinen Ton. 73 JANE Gut. Aber nur unter einer Bedingung: nur wenn du mir versprichst, dass ich anziehen kann was ich will. (GREGORY kommt durch die Tür zur Diele hereingestürmt mit Teller in der Hand gefolgt nach Pause von MADELEINE.) LINDA LIND Gerry! Darling! GREGORY Deine Gourmet Köchin... (knallt Teller auf den Tisch) ... hat mich in dein Schlafzimmer eingeschlossen. Du, und ich kenne deine Schinken. Das Getanze von 500 Engeln. Kontinuierlich. Non-Stopp. Ich bin fast durchgedreht. Ich bin schon selber ein halber Engel. LINDA LIND 200. Es waren 200 Engel; die getanzt haben. Die restlichen wurden Computer simuliert. Und das hatte ich damals dir zu verdanken. GREGORY (nach kurzer Pause) Linda, was ist los? Die drehen durch im Studio? Linda? Du, die nahm mich in Würgegriff gerade? Deine Köchin? Und dann flog ich on ´ne Ecke. In deinem Schlafzimmer? Ich habe versucht die Tür aufzubrechen? Die hat mich eingeschlossen? Was ist hier los? (MADELEINE geht ab durch die Tür zur Diele. Die Tür schließt sich kurz danach.) LINDA LIND Du warst nicht eingeschlossen, Gregory. Wie kommst du nur auf solch eine Idee? GREGORY Du, das höchste Tier von denen ist im Studio? Der mit der Pieps-Stimme. (tippt) STIMME Studio Soll-Aria. Wie kann ich Ihnen... GREGORY (unterbrechend, ins Handy) Gregory Rambold. Linda Lind, Jane und ich werden in genau 20 Minuten im Studio sein. 74 GREGORY (fortgesetzt) Linda, komm. Jane. Und ausgemacht war hellblau und rosa? So steht das im Vertrag? Linda? Pieps-Stimme ist am Toben. Du, die Palmen müssen heute noch zurück? Und die Goldfische, die halten das nicht lange aus der Brühe? Wir haben schon die dritte Ladung rein? Wassertemperatur 38 Grad. 38 Grad Wassertemperatur halten Goldfische nicht länger als 20 Minuten aus. Und du weist wie streng die heutzutage mit dem Tierschutz sind? Was glaubst du was wir da unter Umständen blechen können? Bist du durchgedreht? Du warst doch sonst immer ein top Profi. Wenn du sonst nichts warst. Aber das warst du. So? Können wir jetzt gehen. LINDA LIND Einen Augenblick bitte, Gregory. GREGORY Was läuft hier ab? LINDA LIND Wenn uns jeglich -professioneller Sinn abgeht, warum hast du dann nicht die verlässliche Ann Anderson gerufen? GREGORY Auch die konnte nirgends gefunden werden. LINDA LIND Aber uns hast du gefunden. So, Ann Anderson ist Jane `s Ersatz. Warum wurde das vor mir geheim gehalten? GREGORY Linda, ich schwöre, es war Jane und nur Jane. So, können wir jetzt gehen? Sagt mal, seit ihr beide durchgedreht? LINDA LIND (melodramatisch) Gregory, in dieser schrecklich, kalten, unbarmherzigen Welt in der wir leben muss man oft Dinge tun und mit Mitteln arbeiten die einen im innersten, innersten Herzen... GREGORY (unterbrechend) Aus welchem deiner Schinken ist das, Linda? Wollt ihr mehr Geld? Noch mehr LINDA LIND Nein. Wir wollen nicht mehr Geld. Ich habe nie für Geld gearbeitet. Ich habe immer nur... 75 GREGORY (unterbrechend) Wenn du noch einmal aus deinen Schinken zitierst drehe! ich! durch! So? Was ist jetzt? Da steckt der dahinter. Dein Darling von einem Göttergatten. LINDA LIND (melodramatisch) Ach? Du meinst, du könntest über meinen Mann mit solch einer respektlosen Ironie reden. Du, der die Verantwortung einer tieferen Beziehung von jeher von sich gewiesen hat. Du, der du... GREGORY (unterbrechend) Schon wieder was aus deinen Schinken. Oder Klassikern, wie du dazu sagst. LINDA LIND Jane weiß was sie an ihrem Vater hat. Nicht wahr, Jane? JANE (mit Verspätung) Ja. LINDA LIND (melodramatisch) Mit zunehmender Reife, Gregory, ändert man nicht unbedingt seine Ansichten aber es wird einem vieles klarer. Und mir wurde vieles klarer. GREGORY Und auf wie viel Klarheit muss ich mich noch gefasst machen? LINDA LIND (melodramatisch) Meine neuen Einsichten sind wie eine Rüstung an der dein Spott abprallt. GREGORY Keine weiteren Klassiker, bitte. LINDA LIND Das war gerade aus einem meiner historischen Filme. GREGORY Historiker, Klassiker; ich will nichts mehr aus deinen Schinken hören! (GREGORY haut mit Faust auf Kommode. Kommode fängt an zu vibrieren.) 76 LINDA LIND Vorsicht. Bitte, Gregory. (melodramatisch) Warum müssen die Menschen so aggressiv sein? Das verstehe ich nicht. JANE Ich auch nicht, Mutti. GREGORY (Magenkrämpfe) Ah. LINDA LIND (melodramatisch) Siehst du, Gregory, deine Aggressivität schlägt zurück und dir auf den Magen. GREGORY Au. Ah. Aber mit diesem Film heute könnte Jane einen Grundstein legen für ihre Karriere. Bist du high? Ah. Was habt ihr heute schon wieder alles geschluckt? Warum verdammt noch mal...ah. (hält sich den Magen) LINDA LIND (melodramatisch) Diese Arbeit ist nicht gut genug für Jane. GREGORY Nicht gut genug? Ah... LINDA LIND (melodramatisch) Nicht gut genug. Jane, lasse dir das als Warnung gelten: durch aggressives Benehmen schadest du nicht nur anderen Menschen, sondern zuallererst gerade auch dir selber und einer Gesundheit. GREGORY Nein, das ist der Fraß eurer Köchin. JANE In diesem Hause schätzt man eine gute Küche. GREGORY Ah...Frisst der Hund eigentlich das Zeug? JANE Nein lass Freddy in Ruhe. 77 GREGORY Nein, das werden wir mal sehen. (GREGORY stopft FREDDY Kuchen in den Mund.) FREDDY Ah, äh... JANE Nein. Freddy! (GREGORY liegt mit Krämpfen auf Boden.) LINDA LIND Greg, hier, schnell, nimm eine von den kleinen Gelben. GREGORY Nein Danke. Ah. Ich krepiere ganz von selber. Dazu brauche ich nicht eure Hilfe. Das schaffe ich ganz alleine. Ah. JANE Das hatten wir auch alle schon ein paar Mal. Und Freddy ging `s auch mal ganz schlecht. (Tür zur Diele öffnet sich.) LINDA LIND Jane, ich sagte: kein Wort von dir. Gregory, du hast keinen Grund dich aufzuregen. Ich habe selbstverständlich jemand anderes mit dem du heute arbeiten kannst. GREGORY (nach kurzer Pause) Du willst den Film selber drehen. LINDA LIND Nein! GREGORY Du hast jemand anderes. (MADELEINE kommt nur von LINDA LIND bemerkt durch die Tür zur Diele herein. Sie trägt in hellblau und rosa kurzen Rock mit Schlitzen, hohe Schuhe und Perücke.) LINDA LIND (melodramatisch) Natürlich keine andere Jane. Eine andere Jane wirst du nie finden. So weit und lange du auch suchen wirst. 78 GREGORY So, und wo ist die andere? LINDA LIND Sie ist hier. GREGORY Hier? LINDA LIND Ja. Hier und startklar für `s Studio. GREGORY Also warum noch länger hier herumhängen. Wo ist sie? MADELEINE Ich bin hier. JANE Das ist meine Perücke. LINDA LIND Du hast sie Madeleine geschenkt. Erinnerst du dich nicht mehr? MADELEINE Ich werde heute mit Ihnen arbeiten. GREGORY (nach kurzer Pause) Jetzt sag was, Linda. Du darfst sogar aus deinen Schinken zitieren. LINDA LIND Du hast gehört was Madeleine gesagt hat. GREGORY Aber sie ist Eure Haushälterin?! LINDA LIND Köchin, Gregory, Köchin. Und das wissen wir. Darüber brauchst du uns nicht aufzuklären. GREGORY Frisst sie das Zeug eigentlich selber? Was ist das für ein Fraß? LINDA LIND Das ist ein petit-déjeuner. Haferschleim auf Toast. Eine Delikatesse. 79 GREGORY Eine Delikatesse? LINDA LIND Ja. Ich weiß, es ist viel verlangt von dir mit Madeleine heute zu arbeiten. Aber ich muss dich einfach um diesen Gefallen bitten. Ich übe Ich Die Und Ich MADELEINE nehme seit zwei Wochen Schauspielunterricht und ich jeden Tag. übe jeden Tag in der Küche. sagen alle, ich hätte wahnsinnig Talent. ich bin auf einer Diät. habe seit 3 Wochen nichts zugenommen. GREGORY Tschau, Linda. (will abgehen durch die Tür zur Diele.) (MADELEINE tippt. Die Tür zur Diele geht zu. GREGORY reagiert blitzschnell, tippt zwei Mal, dann verschiedene Male, die Tür zur Küche öffnet sich.) JANE Mutti, ahm, (GREGORY geht ab durch die Tür zur Küche.) LINDA LIND Greg! Darling! (eilt ab durch die Tür zur Küche) LINDA LIND (von hinter den Kulissen) Gregory, ich kann dir versichern... (GREGORY kommt durch die Küchentür herein.) GREGORY Ich habe nichts gesehen. LINDA LIND (von hinter den Kulissen) Gregory! (kommt herein durch Küchentür) GREGORY Ich habe nichts gesehen. 80 LINDA LIND Gregory. GREGORY Ich habe nichts gesehen... LINDA LIND Greg. GREGORY ... und du brauchst keine Erklärungen abzugeben. LINDA LIND Bitte, Greg, ich kann alles erklären. GREGORY Oh ja, das kannst du. LINDA LIND Du musst mir nur die Möglichkeit dazu geben. Ich möchte nicht, dass du zu falschen Schlüssen kommst. GREGORY Ich komme zu überhaupt keinen Schlüssen. LINDA LIND Greg. GREGORY Aber abserviert bleibt abserviert. LINDA LIND (melodramatisch) Das war ein Unfall. Ein furchtbar, schrecklicher Unfall. Nicht wahr, Jane? JANE (mit Verspätung) Ja. LINDA LIND Greg. GREGORY Thema abgeschlossen. Tschau. Und Guten Appetit. Bist du sicher, das ist Haferschleim? Ah. (GREGORY tippt verschiedene Male. Die Tür zur Diele geht auf. GREGORY will abgehen. MADELEINE verstellt ihm den Weg.) 81 MADELEINE (weinerlich) Ich kann es genau so tun. GREGORY Bitte sagt eurer Köchin sie solle mir nicht den Ausgang versperren. LINDA LIND Madeleine, Herr Rambold möchte bitte gehen. GREGORY Alleine. Ohne eure Köchin. LINDA LIND Madeleine, du hast gehört was Herr Rambold gesagt hat. (MADELEINE gibt traurig den Weg frei.) LINDA LIND Greg, gehe jetzt bitte direkt ins Studio und erwarte dort meinen Anruf. Jane und ich sind was diese Arbeit heute betrifft vielleicht zu einer zu kompromisslosen Entscheidung gelangt. Jane und ich werden uns nun gleich zusammensetzen und werden uns über diese heutige Arbeit nochmals ernsthaft unterhalten. Natürlich nur wenn dir das Recht ist, Jane? JANE Ahm; ja. LINDA LIND Gregory, mache dir aber bitte keine falschen Hoffnungen. Zuerst muss ich mich mit Jane unterhalten. Es geht schließlich um ihre Karriere. (GREGORY geht vorsichtig an Madeleine vorbei Richtung Tür zur Diele.) GREGORY Sollte ich lebend aus dieser Wohnung herauskommen gehe ich direkt ins Studio, Linda. Und dort werde ich genau null Minuten warten. JANE Und was willst du dann tun? GREGORY (nach kurzer Pause) Dann setze ich mich selber in die Wanne! 82 JANE Mutti? Ahm, LINDA LIND Gregory, ich verspreche dir, wir werden uns rasch entscheiden. Sehr rasch. GREGORY Tschau, Linda. (GREGORY will ab eilen. MADELEINE nimmt Messer von Regal und verstellt ihm den Weg.) MADELEINE Ich kann es genau so tun. JANE Sie kann ja nicht mal ihren Text! MADELEINE Ich werde meinen eigenen Text sagen: High Volks! Möchtet ihr euch mal so richtig wohl fühlen. Wollt ihr das neue Überall Gefühl. - Überall Gefühl, das finde ich toll. Dann braucht ihr Ormus. Ah... Und hier werde ich so richtig untertauchen. Vielleicht ganz unter dem Wasser verschwinden. LINDA LIND Wie ein Hippopotamus. Gute Idee. GREGORY Warum ganz unter dem Wasser verschwinden? MADELEINE Weil ich dann wieder auftauche. So ganz in rosa. (legt Messer zurück auf `s Regal) Mit rosa Perücke und mit rosa Make-up. Ich mach so auf Wellbeing und Wellness und happy. Mit `n bisschen Hollywood dazu. So meine ganz eigene Mischung. Die sagen alle, ich hätte wahnsinnig Talent. GREGORY Du, das ist nicht mal so schlecht. Make-up? Perücke? MADELEINE Schon alles fertig gepackt. (MADELEINE zieht Köfferchen von unter Sofa hervor auf dem Linda Lind sitzt) 83 GREGORY Du, da steckt power dahinter. Mal was anderes. Ist ja auch ein ganz neues Produkt. LINDA LIND Und was glaubst du was die von der BF sagen werden? GREGORY Die kannst du mir überlassen. Die waren sowieso nicht glücklich über diesen Quatsch mit Jane. Diese Badeschaumspritzerei. So was kann leicht missverstanden werden. LINDA LIND Das ist der ganz Sinn der Sache, dass das missverstanden wird! Ah. MADELEINE Und mit den Goldfischen werde ich so spielen. Die werde ich so ins Wasser fallen lassen. GREGORY Aber Vorsicht. Du weißt wie streng die heutzutage mit dem Tierschutz sind. Hat Jane noch andere Perücken? MADELEINE Ich weiß wo. Adieu, Fräulein Koloshinikov. GREGORY Was meint Sie? LINDA LIND Ah, nichts. (GREGORY und MADELEINE eilen ab durch die Tür zur Diele.) LINDA LIND Gregory? Gregory! Ich muss mit dir reden! JANE Die zieht nichts von mir an! Und ich habe ihr diese Perücke nicht geschenkt. Die hatte ich selber noch kein einziges Mal an. LINDA LIND Jane, bleibe hier. Jane! (JANE eilt ab durch die Tür zur Diele. LINDA LIND, mit den Nerven fertig, stützt sich mit Ellbogen aus Versehen auf eine Tastatur. Eine Schublade fliegt aus der Kommode.) 84 LINDA LIND Ah. (LINDA LIND liest Gegenstände auf die aus Schublade fielen und tut Schublade aus Versehen manuell zurück und merkt ihren Fehler da die Kommode zu rumpeln anfängt.) LINDA LIND Ah. (LINDA LIND tippt. Die Kommode hört nicht zu rumpeln auf. LINDA LIND will in der Gebrauchsanweisung nachschauen aber hat leeren Ordner in der Hand.) LINDA LIND Ah. (LINDA LIND haut mit Faust auf die Kommode. Die Kommode hört zu rumpeln auf.) KOMMISAR FINT (Stimme) Frau Lind? LINDA LIND Hallo? Kommissar Fint? KOMMISSAR FINT (Stimme) Frau Lind? Ihre Tochter ist bei bester Gesundheit? LINDA LIND Ja. Meiner Tochter geht es ausgezeichnet. Meine Tochter... (hält ein) Jane? Jane?! (Licht geht an und aus, Tastaturen fallen, Schrank wackelt, es haut die Tür zur Diele zu.) LINDA LIND Jane? FREDDY (verschwindet unter Sofa, kontinuierlich) Wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw wauw! ... 85 LINDA LIND Jane? (tippt, die Tür geht nicht auf, schaut auf ihr notiertes) KOMMISSAR FINT (Stimme) Frau Lind? LINDA LIND Jane! (haut verzweifelt mit Faust gegen die Tür zur Diele) Jane! (Die Tür zur Diele öffnet sich einen Spalt.) LINDA LIND Jane? (geht ab) KOMMISSAR FINT (Stimme) Frau Lind? Hallo? (Nach Pause Stimmen von hinter den Kulissen.) JANE (im Hereinkommen) Und dann war sie plötzlich weg. (JANE quetscht sich durch den Spalt der Tür zur Diele herein gefolgt von LINDA LIND.) LINDA LIND Ruhe! (FREDDY hört zu Bellen auf.) LINDA LIND Was heißt; "Und dann war sie plötzlich weg?" JANE Freddy, es ist nichts passiert. Es ist alles in Ordnung. LINDA LIND Jane? JANE Und als ich raus wollte ging die Tür nicht auf. Sie muss mich eingeschlossen haben. Ich habe wie verrückt überall gedrückt. (10 Finger Handbewegung) 86 JANE (fortgesetzt) Sie hat Kommissar Fint angerufen und gesagt wir hätten Ann Anderson ermordet. Du und ich. LINDA LIND Wir beide. JANE Ja. Das habe ich gehört. Freddy, jetzt komm sofort von unter dem Sofa rauf. LINDA LIND Hallo? Kommissar Fint? Hallo? Wo ist meine Handtasche. JANE Hier vor dir. LINDA LIND (öffnet Handtasche) Die Handschuhe? Und das Messer. Sie sagte: sie habe das Messer und die Handschuhe...? Madeleine? Die will uns verhaften lassen. Nein. Die will uns - die will uns total aus dem Weg schaffen. JANE Sie sagt, sie hätte wahnsinnig Talent. LINDA LIND Ja. Wahnsinnig. Sie wusste das ich schon einmal einen Steuerprüfer ermordet habe. Verstehst du? JANE (nach kleiner Pause, ohne Verständnis) Ja. Mutti. LINDA LIND Letzte Woche, sie wusste, dass der Staatssicherheit war? Aber sagte zu mir, dass das ein Steuerprüfer sei? Sie wusste, dass ich so reagieren würde. Verstehst du? JANE (ohne Verständnis) Ahm. Ja, Mutti. Ja. Die Und Ja. LINDA LIND Die will uns total aus dem Weg schaffen. will mich hinrichten lassen. dich mit. Das traue ich der zu. 87 JANE Mutti. LINDA LIND Das Messer? Und die Handschuhe? Sie sagt, sie habe das in eine meiner Handtaschen getan. JANE Sollen wir nachschauen? LINDA LIND (nach kurzer Pause) Ah, ich habe hunderte von Handtaschen?! Jane? Was hast du heute unter der Spüle gesucht? JANE Unter der Spüle? Ich, ahm, nichts. LINDA LIND Jane, was ist los? Das muss ich sofort wissen. JANE Ahm, ich, ich habe manchmal so Hunger, Mami. LINDA LIND Du hast von Freddy `s Hundefutter gegessen? JANE Ja. LINDA LIND Kind. (JANE und LINDA LIND umarmen sich.) LINDA LIND Ich habe auch von Freddy `s Hundefutter gegessen. JANE Du auch? LINDA LIND Ja. JANE Dann schmeckt dir Madeleine `s Essen auch nicht? LINDA LIND Nein, Kind. (JANE und LINDA LIND umarmen sich schluchzend.) 88 LINDA LIND Jane, Madeleine wird uns bald für immer verlassen. JANE Ja? LINDA LIND (melodramatisch) Jane, ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt. Ich wollte Madeleine in Schutz nehmen. Madeleine hat Ann Anderson ermordet. (nachdenklich, mehr zu sich selber) Und wir werden nun einen Mord melden. Und werden die Polizei anrufen. JANE Ich habe solche Angst. (LINDA LIND legt Finger auf Jane ´s Mund.) LINDA LIND Du brauchst keine Angst zu haben. Du kannst deiner Mutter vertrauen. (Küchentür öffnet sich.) LINDA LIND Jane, aber bitte... (hält ein und denkt) (KOMMISSAR Fint erscheint durch die Tür zur Küche.) FREDDY Wauw wauw wauw wauw wauw! LINDA LIND Ruhe! (FREDDY hört zu bellen auf.) LINDA LIND Vor der Polizei sagst du keinen Ton. Und auf keinen Fall etwas vor diesem Kommissar. Falls der auch wieder auftaucht. Der ist Geheimdienst. Staatssicherheit. Verstehst du? JANE Ja, Mutti. 89 LINDA LIND (nach kurzer Pause) Nein. Jane, falls dich irgendjemand etwas frägt - egal wer - dann fällst du sofort in Ohnmacht. JANE In Ohnmacht? Ja ahm, wie mache ich das. So ahhh... LINDA LIND Nein, Kind. JANE So: ahhh... LINDA LIND Nein. (JANE sieht KOMMISSAR FINT.) JANE Ah! (fällt in Ohnmacht) LINDA LIND Ja! Jane?! Toll! (lacht; sieht Kommissar Fint.) LINDA LIND Herr Kommissar. Was für eine Überraschung. (melodramatisch mit Handbewegung Richtung Küche) Dieser schreckliche, schreckliche Mord. KOMMISSAR FINT (nach Pause) Die hygienischen Verhältnisse in Ihrer Küche sind kriminell. Und nun werden Sie gleich beginnen mich von Ihrer Unschuld überzeugen zu wollen. LINDA LIND Was für eine gute Idee. (lässt Schmuck auf Boden fallen) Ein?packen? KOMMISSAR FINT Ich werde Ihnen großzügig Gelegenheit dazu geben. LINDA LIND (nach kurzer Pause) Wertsachen plus Schmuck in dieser Wohnung 25 Millionen. Und? Wurde es interessant für Sie? 90 KOMMISSAR FINT Noch nicht. LINDA LIND Ich habe weitere 5 Millionen flüssig. Was wollen Sie sonst noch? Ein Autogramm? Madeleine hat Sie auf mich gehetzt. KOMMISSAR FINT Nein. Falsch. Total falsch. LINDA LIND Letzte Woche, dieser Beamte, das war ein guter Kollege von Ihnen. KOMMISSAR FINT Ich konnte diesen Kollegen nie ausstehen. LINDA LIND Ach. Warum sind Sie hier? KOMMISSAR FINT Ich möchte Sie gerne näher kennen lernen. LINDA LIND Rein platonisch, so nehme ich an. KOMMISSAR FINT Nein. Nicht nur rein platonisch. LINDA LIND Ich verstehe. Sie wollen mich und meine Tochter sexuell belästigen. KOMMISSAR FINT Nein. Nur Sie. LINDA LIND Und auf welche Perversität stehen Sie? Vielleicht können wir uns arrangieren. KOMMISSAR FINT Ich glaube nicht. Der Fall ist abgeschlossen. Erfolgreich abgeschlossen. LINDA LIND Ich sehe, wir haben eine große Szene von Ihnen zu erwarten. Dann setzen wir uns lieber. (setzt sich) Bitte. 91 (KOMMISSAR FINT will abgehen.) LINDA LIND Wir haben uns auf eine große Szene von Ihnen eingestellt. KOMMISSAR FINT Es tut mir leid, Sie werden sich gedulden müssen. LINDA LIND Sie spannen mich auf die Folter. KOMMISSAR FINT Sie haben Menschenkenntnis. LINDA LIND Sie sind ein Sadist. KOMMISSAR FINT Ja, das haben Sie. LINDA LIND Ein Sadist und Verbrecher! KOMMISSAR FINT Aber nun müssen Sie mich bitte entschuldigen. Sie wissen warum? (KOMMISSAR FINT will abgehen, hält ein, geht durch Jane `s Pillenköfferchen und nimmt Pillendose in die Hand.) KOMMISSAR FINT Eine kleine Grüne? LINDA LIND Zwei bitte. (Vorhang) 92 3. AKT (KOMMODE steht nahe vor der Tür zur Diele. Schmuck und verpackte und halbverpackte Päckchen auf Kommode.) (LINDA LIND, JANE und FREDDY im Zimmer. Baulärm von hinter den Kulissen. LINDA LIND trägt ein Diadem und ein Collier, ein weises Kleid, die Haare lang und blond gelockt zusammengebunden. JANE trägt schwarzen Rock und rote Perücke mit großer gelber Rose. JANE packt Schmuck ein.) LINDA LIND Ah, Kind, dein ganzer Schmuck. JANE Mutti, ich habe nichts mehr von dem ahm. LINDA LIND Da muss noch was da sein? JANE Nein. Alles weg. LINDA LIND Und was ist das? JANE Wo? LINDA LIND Da, Kind. Hier vor dir. JANE Ah ja. (fängt an mit Klebeband zu kämpfen) LINDA LIND Siehst du, man muss nur richtig schauen. JANE Soll ich ihm auch meinen Modeschmuck einpacken? LINDA LIND Du hast keinen Modeschmuck. (zieht Brille auf und liest) Jane? Für 1.95? Von A&P. Jane? Ah. (Krach und Stimmen von hinter den Kulissen) 93 JANE Was machen die da draußen, Mutti? LINDA LIND Nichts. Überhaupt nichts. JANE Aber die bauen doch die ganze Diele um? Und da fliegen überall Hubschrauber? LINDA LIND Die Hubschrauber fliegen hier immer. JANE Nein? Die Hubschrauber fliegen sonst hier nicht. Ich habe noch nie einen Hubschrauber hier fliegen sehen. LINDA LIND Jane, das ist ein Brief von mir an dich, den du immer bei dir tragen wirst. JANE Mutti. LINDA LIND (nimmt Collier ab) Und packe das auch noch für ihn ein. (JANE packt ein.) LINDA LIND (nimmt Diadem ab und schaut auf dieses) Nein. Nicht mein Diadem. (setzt Diadem wieder auf und reißt dann Päckchen auf bis sie das Collier gefunden hat. Sie legt Collier wieder an und begutachtet sich im Spiegel.) Mein teuerstes Stück. Ich trug es in allen meinen Filmen. Ich möchte, dass du es von heute an trägst. (LINDA LIND nimmt Collier ab und legt es JANE an.) LINDA LIND Mein Diadem. (nimmt Diadem ab) JANE Nein. Nicht dein Diadem. (LINDA LIND setzt JANE wortlos Diadem auf.) 94 LINDA LIND Du wirst an deiner Karriere arbeiten. Verspreche es. Und hier, Jane, mein Testament. JANE Mutti? Ahm? (Tür zur Küche öffnet sich mit einem Schwung. Mehr Krach von hinter den Kulissen. GREGORY kommt herein und stößt fast mit der Kommode zusammen.) GREGORY Linda? LINDA LIND Vorsicht. JANE Soll ich alles wieder einpacken, Mutti? (GREGORY tippt. Die Tür zur Diele geht zu.) LINDA LIND Ja bitte, Kind. Sei so lieb. GREGORRY Linda, LINDA LIND (unterbrechend) Und? Wo ist Madeleine? Wo ist der große, neue Star? GREGORY Linda, (hält ein) LINDA LIND Ja? GREGORY Die nahmen Sie aus dem Studio. LINDA LIND Madeleine. GREGORY Ja. Die nahmen sie aus dem Studio. Aus der Wanne. Sie wird heute noch hingerichtet. Auf Kanal 12. Abendnachrichten. Das is ´ne ganz brutale Vertragsmörderin. Sagen Sie. 74 Morde in 3 1/2 Jahren? Und Ann Anderson. Das war Sie. Oder? Natürlich. 95 LINDA LIND (nach kurzer Pause, melodramatisch) Ah, Gregory, es war schrecklich. Meine eigene Köchin und Haushälterin, jemandem dem ich mein Vertrauen geschenkt habe, ermordet hier... GREGORY (unterbrechend) Linda. (GREGORY packt Linda LIND.) LINDA LIND (entzieht sich, melodramatisch) Ah, Gregory, es war schrecklich. Es war furchtbar. Es war ganz, ganz schlimm. Die arme Ann Anderson? Dieses junge, talentierte Mädchen, ermordet? Hier? In meiner eigenen Wohnung? GREGORY Linda, bitte. LINDA LIND (melodramatisch) Das, das, es klingt so unglaublich. GREGORY Linda. LINDA LIND (melodramatisch) Es fehlen mir die Worte. GREGORY Linda, das reicht. LINDA LIND (melodramatisch) Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal - unschuldig - in einen Mord verwickelt sein könnte. Dieser schreckliche, schreckliche Mord. Und auch noch hier? Vor Jane? Das arme Kind. Es war schrecklich, Jane? Nicht wahr? JANE (mit Verspätung) Ja. (GREGORY packt und schüttelt LINDA LIND.) GREGORY Linda! Kanal 12, die wollen heute nicht nur Madeleine abmurksen. Das gleiche haben die auch mit dir vor. Da 96 GREGORY (fortgesetzt) draußen wird schon die ganze Diele umgebaut. Von Kanal 12. Für deinen letzten Auftritt. Ja, Linda? Dich wollen sie heute auch noch abmurksen? Gleich nach Madeleine. Während der großen Abendnachrichten. Madeleine ist nur der Auftakt. Die kündigen ein großer Special an. Schon den ganzen Mittag Auf allen Kanälen: deine Exklusiv Hinrichtung. (LINDA LIND entwindet sich Gregory ´s Griff.) GREGORY Und das weißt du! Linda, jetzt höre mir einmal in deinem Leben gut zu: ich kann dich retten. LINDA LIND Retten? Von was redest du? GREGORY Linda? Schau mal da runter; was da los ist. Da haben se `ne ganze Straße gesperrt. Und `n Hubschrauberlandeplatz daraus gemacht. Da, schau mal. (GREGORY zieht LINDA LIND zum Fenster.) JANE Mutti! Die Hubschrauber fliegen ganz tief sonst könnten sie nicht landen. (LINDA LIND entwindet sich Gregory `s Griff.) LINDA LIND Jane, wir werden heute Abend ausgehen. In großem Stil. Wo willst du hin? Du wirst dein neues Diadem zum ersten Mal tragen. Wo sollen wir hin? JANE In eine Pizzeria. LINDA LIND In eine Pizzeria. GREGORY (überschneidend) Linda? JANE Und wo ist Madeleine jetzt? 97 LINDA LIND Wir haben uns gerade über Madeleine unterhalten. Kind, würdest du einmal in deinem Leben zuhören, dann würden sich viele deiner Fragen erübrigen. Madeleine wird heute noch hingerichtet. Du weißt, Sie ist eine Mörderin. Das habe ich dir zu erklären versucht. GREGORY (überschneidend) Linda, JANE Und wie wird sie...? (hält eint) LINDA LIND Wie wird Madeleine hingerichtet? GREGORY Wie soll ich das wissen? Ich rase schon den ganzen Tag hinter euch her?! LINDA LIND Das muss doch irgendwie bekanntgegeben worden sein? GREGORY Ja. Ja, ich weiß wie sie Madeleine abmurksen wollen. LINDA LIND Ja? Und wie? GREGORY Sie soll vergiftet werden. Und ich weiß auch wie sie dich abmurksen wollen. Linda, jetzt höre mir bitte für einmal in deinem Leben gut zu. (GREGORY packt Linda Lind mit beiden Händen.) GREGORY Linda? Kanal 12, die kündigen für heute Abend ein ganz großes Special an? Ein großes Special mit dir in der Hauptrolle. Sofort nach Madeleine bis du an der Reihe. Und dann planen sie Reportagen über dich? 4 Wochen lang. Für 4 Wochen lang füllen die den Kasten nur mit dir? Das wird schon den ganzen Mittag bekannt gegeben? Die haben die teuersten Slots überall? Weltweit? Da. Schau mal da runter. Die gesamte internationale Presse kommt angerückt. LINDA LIND Die internationale Presse? 98 GREGORY Ja?! Kanal 12, für deinen letzten Auftritt heute erwarten die die dritthöchste Einschaltquote. LINDA LIND Die dritt höchste. GREGORY Linda, LINDA LIND (einfallend) Gregory, bitte. Ich habe dir zugehört. Und nun wirst du bitte mir zuhören: Madeleine hat Ann Anderson ermordet. Ich habe nichts mit diesem Mord zu tun. Ich werde Kommissar Fint von meiner Unschuld überzeugen. Hier: mein Schmuck, der Schmuck meiner Tochter. (nimmt ausversehen Modeschmuck in die Hand) Ah. GREGORY Linda! LINDA LIND Und 35 Millionen habe ich ihm bereits zukommen lassen. Und das Geld kam nicht zurück. Und weist du was das heißt? GREGORY Linda, LINDA LIND Er hat es akzeptiert. Und ich kann das sogar beweisen. Und... GREGORY Linda, LINDA LIND (überschneidend) Und! was du vielleicht noch nicht weist: Kommissar Fint möchte mich gerne näher kennen lernen. Ja. Das hat er gesagt. Nichts romantisches natürlich. Irgendeine Perversion, stelle ich mir vor. Was weiß ich noch nicht. GREGORY Aber ich weiß es; Madeleine wird vergiftet... LINDA LIND (einwerfend) Vergiftet. Ja, ich weiß. 99 GREGORY Und dich wollen sie a` la Maria Stuart: Beil, Henker, rote Kapuze... als Anklang zu deinen historischen Filmen; ja, so wollen sie dich abmurksen. Während der großen Abendnachrichten. Kopf ab. Und deine Hinrichtung, das hat er sich ausgedacht. Kommst du jetzt endlich mit? Er ist bei jeder Hinrichtung immer dabei. Er steht immer daneben. Persönlich. Der ist total pervers. LINDA LIND Nein. Dieser Mensch ist ein Sadist. GREGORY Ja, da steht der drauf. LINDA LIND Ein Sadist und Verbrecher. GREGORY Linda, bleibe jetzt ganz ruhig. LINDA LIND Ja. GREGORY Du musst hier weg. LINDA LIND (verzweifelt) Ja. Aber wie? Ah... GREGORY Sofort nach der Ankündigung deiner Hinrichtung hat ein Fanclub vor dir einen Fluchtplan ausgearbeitet. Im ganzen Gebäude hier ist die Müllentsorgung zusammengebrochen. Vor jeder Tür stehen riesige Mülltonnen. Fünf Fans von dir haben sich als Müllentsorger verkleidet. Sie warten hinten in der Küche. Beim Dienst-Personal-Eingang. Mit einer Mülltonne. LINDA LIND Fünf? GREGORY Ja. Das is` `ne riesige Mülltonne und die sind alle schon weit über 90. LINDA LIND Passe ich da rein? In diese... (hält ein) 100 GREGORY Ja. Das sei so `ne Riesenmülltonne für Sondermüll. LINDA LIND Der Kommissar? GREGORY Der ist so geil auf dich. Der hat nichts bemerkt. LINDA LIND Wo ist er? GREGORY Das tut jetzt nichts zur Sache. LINDA LIND Wo ist er?! GREGORY Auf der Hundetoilette. LINDA LIND Auf der Hundetoilette? Warum ist der Kommissar auf der Hundetoilette? GREGORY Das tut jetzt nichts zur Sache. LINDA LIND Warum?! GREGORY Der Kommissar wichst auf der Hundetoilette. OK? Zufrieden? Weitere Details gewünscht? Ich habe dir doch gesagt, dass der schon ganz geil auf dich ist. LINDA LIND (verzweifelt) Ah... GREGORY Linda, in der Tiefgarage steht ein Sperrmüllwagen. Wir bringen dich direkt aus der Stadt zu deiner Privatmaschine. LINDA LIND In dieser Mülltonne. GREGORY Ja. Dein Flug-Team ist schon informiert. 101 LINDA (nimmt Gregory `s Hand) Ah, Gregory, gehe nicht von meiner Seite. GREGORY Nein. Ich bleibe hier. Du gehst allein. Ich muss ins Studio. LINDA LIND Ja. Natürlich. Jane, und du wirst mit Gregory ins Studio gehen. Heute noch. Sofort. Um diesen Film zu drehen. JANE Nein, ich, ahm, ich... LINDA LIND (überschneidend) Du kannst anziehen was du willst. Aber gehe mit ihm. Verspreche es. JANE Ich verspreche es, Mutti. GREGORY Die drehen durch im Studio. Das kannst du dir denken. Linda, schnell. LINDA LIND Ja. (GREGORY eilt mit LINDA LIND an der Hand zur Küchentür.) LINDA LIND Nein. GREGORY Linda, jetzt bitte mache kein Theater. LINDA LIND Nein. In einer Mülltonne. In einer Mülltonne! GREGORY Linda, komm. LINDA LIND (wehrt sich, weinend) Nein. GREGORY Linda, ich kann dich nicht ausstehen. Aber ich riskiere mein Leben für dich, 102 LINDA LIND (fängt sich) Aus Schinken zu zitieren ist mein Privileg, Gregory. GREGORY Linda. LINDA LIND Nein. (LINDA LIND tippt. Ein Altar kommt zum Vorschein mit verschiedenen religiösen Symbolen: Kreuz, Halbmond, eine Star War und eine Siegfried mit Drachen Statue und eine unbekannte Gestalt die alle anderen an Größe und Farbe dominiert. LINDA LIND wirft sich einen schwarzen Schleier über der sie ganz bedeckt und kniet vor Altar und macht Handbewegungen.) GREGORY Linda bitte. Wir sind hier nicht in einem deiner Schinken. LINDA LIND Ohm...! (steht auf und geht mit Schleier bedeckt durch das Zimmer) Jane, die letzte Karte die dir Vati geschrieben hat: (legt Schleier ab) JANE Ich habe sie immer bei mir. (wühlt im Pillenköfferchen. Pillendosen fallen heraus) LINDA LIND Ich habe diese Karte geschrieben. JANE Freddy, lass. LINDA LIND Ich habe... JANE (unterbrechend) Nein, spuk aus. LINDA LIND Ich habe diese Karte geschrieben. 103 JANE Die ist nicht von Vati? LINDA LIND Nein. Jane, deine Mutter ist eine - Mörderin. (fällt in sich zusammen, fängt sich) Deine Rivalinnen, es waren 8 oder 9, - ich habe manchmal etwas überreagiert - ich ließ sie alle ermorden; und diesen Beamten letzte Woche. (verzweifelnd flehend) Aber nur weil Madeleine sagte, dass das ein Steuerprüfer sei. Ja, ich habe diesen Mann erwürgt; hier in diesem Zimmer; zuerst betäubt und dann erwürgt; mit meinen eigenen Händen. (zeigt und schaut auf ihre Hände) Und ich fing auch schon an ihn zu entsorgen. Im Müllzerkleinerer in der Küche. GREGORY Hattest du da nicht Madeleine dazu? LINDA LIND Madeleine hatte an diesen Tag ihren freien Abend. Sie bestand darauf. Und heute weiß ich auch warum. Dieser Schauspielunterricht. Jane, dein Vater, er wollte nicht, dass du Karriere machst. JANE Ich habe sie gefunden. Vati schreibt aus der Kur. (zu Gregory) Vati ist zur Kur. LINDA LIND Dein Vater hat sich geweigert dein Talent zu erkennen. Eine Agentur hat sich um ihn gekümmert. Die gleiche Agentur die ich immer benütze. Es war Mischa. Mischa hat deinen Vater ermordet. JANE Mischa. (greift mit beiden Händen nach ihren Tattoos.) LINDA LIND Jane, dein Vater, er musste nicht leiden. Ah... (hält sich die Hände vor `s Gesicht) Ich hatte das zur Bedingung gemacht. 104 GREGORY Du musst hier weg, Linda. Jane, wir müssen deine Mutter in Sicherheit bringen. Linda? Du hast Millionen. Du kannst leicht untertauchen. LINDA LIND Untertauchen? Ich bin ein Star. Ich brauche mein Publikum. GREGORY Du wirst nicht vergessen sein. Im Gegenteil. Was glaubst du was du für Schlagzeilen machen wirst? Jahrelang? LINDA LIND Es ist nicht die Publizität die ich mir wünsche. Es ist nicht die Publizität für die ich gelebt und gearbeitet habe. Nein, ich möchte wirklichen Ruhm. Ich möchte die Welt als Legende verlassen. Klatschprogramme, Regenborgenpresse, nicht gut genug für mich, Gregory. GREGORY Mit allem Respekt, Linda, du hast es nie viel weiter gebracht. LINDA LIND Ich hatte immer einen Traum: ich wollte noch in Jahrhunderten zu meinem Publikum reden. Nein, nicht zu meinem Publikum, zu der ganzen Menschheit, zum ganzen Universum! Ich wollte meine Statuen in Kirchen und Moscheen und Tempeln sehen. Ich wollte den Menschen als Vorbild dienen, als Halt, als Stütze. Und was habe ich fertig gebracht? Ich werde eine Wachsfigur. In Madame Tussauds. (verzweifelt weinend) Im Horror Kabinett. GREGORY Linda, jetzt bitte sei vernünftig. Komm, die warten auf dich. (GREGORY nimmt LINDA LIND bei der Hand.) JANE (überschneidend) Mutti, vielleicht... GREGORY (überschneidend) Linda. LINDA LIND Nein. 105 (LINDA LIND nimmt JANE `S und GREGORY `S Hand.) LINDA LIND Heute ist ein spezieller Tag. Eine spezielle Stunde ist angebrochen. Mein letzter Auftritt. GREGORY Eine ganze Stunde lang, Linda? LINDA LIND Mein letzter Auftritt. GREGORY Sollen wir hinknien? (JANE kniet.) Noch einmal werde ich vor letzte, meine allerletzte abgeschlossen. Vor meiner Rede halten; mein letzter Chance. LINDA LIND Millionen erscheinen. Meine Chance. Der Fall ist Hinrichtungen werde ich eine Auftritt; meine allerletzte GREGORY Linda, jetzt bitte höre auf durchzudrehen. LINDA LIND Ich habe immer nur versagt. Als Künstlerin. Als Mutter. JANE Nein, Mutti. Nein. LINDA LIND Doch, Kind. Ich habe immer nur versagt. Aber ich habe noch eine Chance. JANE Mutti. GREGORY Linda? (Die Tür zur Diele öffnet sich.) LINDA LIND C` fini. (KOMMISSAR FINT erscheint mit Papieren in der Hand die Tür zur Diele. Er schaut auf diese Papiere und läuft darum in die vor der Tür stehende Kommode und lässt Papiere fallen.) 106 LINDA LIND Ja, ich habe ihn kennen gelernt. Aber nun wird er mich kennen lernen. Vorsicht, Kommissar Fint. Darf ich? (LINDA LIND wischt kurz an Kommissar ´s Kleidung und hebt dann die Papiere auf.) LINDA LIND Meine Tochter hat versucht die Schublade zu schließen. Oder aufzumachen. Technik ist nicht ihre Stärke. Und ich muss gestehen: auch nicht die meine. Ich hätte die Wohnung nicht auf den letzten technischen Stand bringen lassen sollen. Meine Tochter hatte Recht. Das ist alles viel zu kompliziert. Ich habe einen Fehler gemacht. (Es knallt die Tür zur Diele zu. KOMMISSAR FINT springt zur Seite.) LINDA LIND Sie sehen was ich meine. Bitte. (übergibt Papiere) Mein teurer Freund, Gregory, sagte ich solle flüchten. Aber ich sagte, Gregory sagte ich... (fängt sich) Und heute Abend werden wir ausgehen. Jane! (dreht sich im Kreis, zu Kommissar Fint) Nein, stellen Sie sich hier hin. KOMMISSAR FINT Sie erwarten eine große Szene von mir. LINDA LIND Wir erwarten eine große Szene. Aber nicht von Ihnen. JANE Mutti ist unschuldig! LINDA LIND Und auch nicht von dir, Kind. KOMMISSAR FINT Sie, Linda Lind, haben nicht nur Ann Anderson, Sie haben 14 angehende Schauspielerinnen ermorden lassen. LINDA LIND 14? Ich dachte immer es waren 8 oder 9. KOMMISSAR FINT 14 angehende Stars. Rivalinnen Ihrer Tochter. 107 LIDNA LIND Aus Schinken zu zitieren ist mein Privileg, Kommissar Fint. KOMMISSAR FINT Eine Generation der talentiertesten Schauspielerinnen ausgelöscht. Von Ihnen. Ein guter Kollege von mir, ein Steuerprüfer und sogar Ihr eigener Mann fiel des weiteren Ihrer Mordlust und Ihren Ambitionen zu Opfer. LINDA LIND Jane, mein Kind, ich habe es für dich getan. KOMMISSAR FINT Madeleine la Reine, laut Arbeitserlaubnis eine Haushaltshilfe und Köchin. In Wirklichkeit eine brutale Vertragsmörderin. Eine Ihrer sogenannten Angestellten die sobald ihr Auftrag erledigt wieder sicher im Ausland verschwunden sind. Aber Madeleine spielte ihre Rolle nicht wie geplant? Habe ich da Recht, Madam? Madeleine hatte nämlich einen Plan. Sie wollte ein Star werden. LINDA LIND (überschneidend) Das wissen wir bereits alles, Herr Kommissar. KOMMISSAR FINT Nicht alles. Ich habe noch eine kleine Überraschung für Sie: Madeleine legte sich einen Künstlernamen zu, einen französischen. Sie sagte, Sie komme Paris. In Wirklichkeit heißt Madeleine Kate Butcher und kommt aus Southsea, England, Great Britain. Sie, Frau Lind, haben 3 Wochen lang Englisches Essen serviert bekommen. Nein, ich korrigiere mich. Es war die klassisch englische Küche die Sie kennen lernen durften. Ihre Tochter sagte: "Mutti ging ins Bad." Sie gingen nicht, Frau Lind. Sie rannten. Sie wollten ihr eigenes Bad erreichen! aber hatten es nur bis in die Hundetoilette hier in der Diele geschafft. Gleich nach meinem ersten Besuch habe ich Nachforschungen in England anstellen lassen. Und wurde fündig. Kate Butcher: 75 Vertragsmorde in unter 3 Jahren. Ein Profi, die hier als Köchin und Mörderin ihr Unwesen getrieben hat. Aber möchten Sie wissen was ihr wirklicher Fehler war? LINDA LIND Ja bitte. Man lernt nie aus. KOMMISSAR FINT Sie haben kein Talent. Zum Mord, Frau Lind. Zum Mord. Gleich während meines ersten Besuches... 108 LINDA LIND (unterbrechend) Darf ich Sie hier unterbrechen. Sie haben sicherlich nichts dagegen wenn ich auch einmal zu Wort komme. Kommissar Fint, ich bin bereit. Mein letzter Auftritt. KOMMISSAR FINT Sie werden abgeholt... LINDA LIND (einwerfend) Von hier? KOMMISSAR FINT Ja. Ihre Hinrichtung: a `la Maria Stuart. Beil, Henker, rote Kapuze... wurde entschieden. LINDA LIND Von Ihnen. KOMMISAR FINT Ja. Als Anklang zu Ihren historischen Filmen. LINDA LIND Und das ist das Skript. (LINDA LIND nimmt KOMMISSAR FINT Skript aus der Hand. Sie zieht ihre Brille auf.) LINDA LIND (während sie durch das Skript geht) Sie lieben Ihren Beruf. KOMMISSAR FINT Ja. LINDA LIND Ihr Beruf befriedigt sie. KOMMISSAR FINT Ja. Sehr oft und regelmäßig. LINDA LIND Und auf der Hundetoilette. Ja. Sie sind ein Sadist. Ein Sadist und Verbrecher! (sucht im Skript) Und was trage ich? Nichts vermerkt. KOMMISSAR FINT Sie werden improvisieren müssen. 109 (KOMMISSAR FINT nimmt LINDA LIND Skript aus der Hand. LINDA LIND fängt mit schwarzem Schleier an zu improvisieren an und lässt sich dabei Zeit.) LINDA LIND Sie sagten, ich hätte zu improvisieren? JANE Ich werde dich nicht gehen lassen. LINDA LIND Kind. (LINDA LIND und JANE umarmen sich.) JANE Mutti. LINDA LIND Ich möchte bitte mit meiner Tochter reden. Alleine. Jane, du wirst nun gleich das allerletzte Mal mit deiner Mutter reden. Wenn Sie uns bitte entschuldigen. (KOMMISSAR FINT und GREGORY gehen ab durch die Tür zu Diele. LINDA LIND tippt zwei Mal. Die Tür bleibt auf. Sie schaut auf ihr notiertes, tippt, die Tür zur Diele geht zu.) LINDA LIND Kind. JANE Mutti. (LINDA LIND und JANE umarmen sich.) LINDA LIND Verspreche mir an deiner Karriere zu arbeiten. JANE Ich, ahm, ahm ich... LINDA LIND (einfallend) Verspreche es. Du hast Talent. Ja, ich glaube an dich. JANE Ich mache so viel falsch. 110 LINDA LIND Du hast deine Fehler. Gehörige Fehler. Aber die hatte ich auch; als ich jung war. Und heute noch gehst du mit Gregory ins Studio um diesen Film zu drehen. JANE Nein. Ich kann nicht. LINDA LIND Trage deine schwarze Perücke. Und dein schwarzes Make-up. Nicht nur dein Vater auch ich habe mich geweigert dein Talent zu erkennen. Ja, die sollen dieses Badeschaum in Koloshinikov umbenenne. Ja, das ist eine sehr gute Idee von dir. Ja, du hast Talent. Wir sind so anders. Und doch so gleich. Jane, du wirst die neue Linda Lind. JANE Nein. Ich kann nicht. LINDA LIND (während sie große, runde Ohrringe anlegt) Tue es mir zuliebe. Du hast es versprochen. Ich habe so viel falsch gemacht in deiner Erziehung. JANE Nein, Mutti, nein. (Die Tür zur Diele öffnet sich.) LINDA LIND Ich hätte so viel besser machen können. Ich mache mir solche Vorwürfe. (nimmt Ohrringe wieder ab) (EGON FRANZEN und EMILIO kommt mit Bahre herein.) EMILIO Wir kommen um sie abzuholen. LINDA LIND Ich bin bereit. (legt schnell nochmals die Ohrringe an) (Die Tür zur Diele knarrt und sprüht Funken.) LINDA LIND Vorsicht mit der Tür. JANE Vorsicht. 111 LINDA LIND Jane, mein Testament, es ist nochmals alles kopiert und hinterlegt. Es laufen noch 3 Verfahren gegen mich wegen Steuerhinterziehung... JANE (einwerfend) Aber du hast doch alle umgebracht? LINDA LIND Nicht alle. Offensichtlich. 450 Millionen liegen im Ausland. Das Geld ist sicher. Bleibe bei meinem Vermögensberater. Er ist teuer. Aber es lohnt sich. (nimmt Ohrringe wieder ab) Jane, bitte. (übergibt Ohrringe) Diesem Kommissar, dem gibst du deinen Modeschmuck und sonst nichts. Und falls er dir Schwierigkeiten machen will, dann soll sich meine Agentur um ihn kümmern. Alle diesbezüglichen Infos wird dir mein Vermögensberater zukommen lassen. Du wirst meine Arbeit weiterführen! (LINDA LIND legt sich auf die Bahre und wird von EMILIO und EGON FRANZEN Richtung Tür getragen.) JANE Warum holen die dich so? LINDA LIND Ich weiß nicht, Kind. EMILIO Sag mal, war das nicht `ne Leiche die wir abholen sollen? JANE Natürlich. Ihr kommt für Ann Anderson. Ann Anderson. Sie liegt in der Küche. EGON FRANZEN Ja das habe ich mir doch auch gleich gedacht. Das hier etwas nicht stimmt. (KOMMISSAR FINT und GREGORY kommt durch die Tür zur Diele herein.) KOMMISSAR FINT Absetzen. Wer von Ihnen ist der Verantwortliche? EGON FRANZEN Ich. 112 KOMMISSAR FINT Name. EGON FRANZEN Franzen. Egon Franzen. Staatlich geprüfter Mordleichen Entsorger. Es tut mir leid, da ist ein kleines Missverständnis aufgetreten; gerade eben. Aber es hat sich ja schon wieder alles in Wohlgefallen aufgelöst. KOMMISAR FINT Kommissar Fint. GDSPA. EGON FRANZEN Entschuldigung. Ich spreche kein Chinesisch. KOMMISSAR FINT Sie werden in der Küche warten und auf ein Zeichen mit der zu entsorgenden Leiche eine Minute vor Linda Lind die Wohnung verlassen. Zu Fuß, bis in die Eingangsebene. EGON FRANZEN Ja wie? Zu Fuß? 30 Stockwerke? Mit ´ner Leiche? Auf ´ner Bahre? KOMMISSAR FINT Gut. Sie haben verstanden. EGON FRANZEN Und warum nicht im Aufzug? EMILIO Wo ist diese Leiche bitte? KOMMISSAR FINT In der Küche. (tippt) (Die Tür zur Küche öffnet sich.) EGON FRANZEN Und wo bitte ist die Küche. EMILIO Hier. Komm. EGON FRANZEN Und warum hat man uns dann hier rein geschickt? Anstatt gleich in die Küche? EMILIO Hier. Komm. 113 EGON FRANZEN Nein jetzt werde ich zuerst mit dem reden. EMILIO Schnauze. EGON FRANZEN HERR GD noch mal was. Nur noch kurz ´ne Kleinigkeit. Der Ton kann Musik sein aber auch Krach. Und Ihr Ton ist Krach. EMILIO Komm. EGON FRANZEN Und Krach geht mir auf die Nerven. EMILIO Komm. Schnauze. EGON FRANZEN Also bitte einen Krach mehr machen vor mir heute. EMILIO Schnauze. EGON FRANZEN (während er abgeht) Nein. Es ist der Ton von dem. EMILIO Schnauze. Komm. (EGON FRANZEN und EMILIO gehen ab durch die Tür zur Küche. Tür fängt kurz danach zu ruckeln an und schließt sich dann mit lauten Knall.) LINDA LIND Sie sind ein Monster. Ja, das sind sie. Ein Monster. Ein Sadist und Verbrecher! KOMMISSAR FINT Ah, ich sehe. Sie proben auf Ihre letzte Rede. Kanal 12. Ein weltweites Publikum. Sie werden sagen ich sei ein Sadist. Ein Sadist und Verbrecher. Und sexuell pervers. Werden Sie vor Ihrem Publikum auch die Hundetoilette erwähnen? Ja? Nein? LINDA LIND In meiner letzten Rede werde ich meinem Publikum nichts von Ihnen erzählen. Ich werde Sie nicht einmal erwähnen. 114 KOMMISSAR FINT Ah. Sie denken an irgend ein Melodrama. Etwas aus Ihren Klassikern. LINDA LIND In meiner letzten großen Rede, vor meiner Hinrichtung, werde ich meinem Publikum von der Liebe erzählen. So wie ich es in meinen Filmen getan habe. KOMMISSAR FINT Sie haben ihre Liebhaber gewöhnlich zerstückelt. Haben Sie nicht einen sogar aufgegessen? LINDA LIND Auch die größte Schauspielerin muss Zugeständnisse machen - an den öffentlichen Geschmack. Und nicht nur heutzutage. Das war schon immer so. KOMMISSAR FINT Und was für eine Rede werden Sie Ihrem Gatten halten. JANE Vati. LINDA LIND Vati wird mir verzeihen, Kind. Ich kenne ihn. KOMMISSAR FINT Ah, Entschuldigung. (übergibt Schmuck) Für Sie. Ihr Schmuck. LINDA LIND Danke sehr. (fängt an Schmuck anzulegen) KOMMISSAR FINT Die 35 Millionen habe ich wohltätigen Organisationen spendiert. Altenhilfe, Tierheime... Ich bin unkorrumpierbar. LINDA LIND Was das materielle betrifft offensichtlich ja. (KOMMISSAR FINT tippt, die Tür zur Diele auf. Scheinwerfer.) KOMMISSAR FINT Bitte sehr. Nach Ihnen. 115 STIMME (von hinter den Kulissen) Sie kommt. LINDA LIND Dann bin ich jetzt gleich hier schon vor der Kamera. Ich muss zuerst das Script lesen. Ich brauche mindestens drei, vier Proben. (greift nach Script) KOMMISSAR FINT Ich werde nie mehr als einen Schritt von Ihnen entfernt sein. Ich werde Sie prompten. LINDA LIND Danke sehr. (LINDA LIND will abgehen, tippt, die Tür zur Diele geht zu. Sie reißt sich Schlitze in ihr Kleid und öffnet sich die Haare.) LINDA LIND Sie sagten, ich hätte zu improvisieren. (legt sich schwarzen Schleier um eine Schulter, tippt) (Die Tür zur Diele geht auf.) LINDA LIND Liebe, Kommissar Fint. (will abgehen) STIMME (von hinter den Kulissen) Sie kommt. JANE Ich werde dir eine Locke von Freddy `s Haare abschneiden. (JANE haut mit Faust auf eine Schublade der Kommode, die Schublade geht auf, Kommode fängt stärker und stärker zu vibrieren an.) LINDA LIND Jane! (JANE holt Schere aus Schublade und schneidet FREDDY eine Locke Haare ab. FREDDY knurrt und bellt.) LINDA LIND Nein, Jane, nein. 116 JANE Doch. LINDA LIND Nein, Jane, bitte. (JANE steht da mit abgeschnittenen Haaren.) LINDA LIND Freddy, bitte. (FREDDY hört zu bellen auf.) LINDA LIND Jane, nicht notwendig. Ich habe bereits genügend Haare von Freddy an meinem Kleid. (Schrank und Kommode fahren los und haben "Verkehrsunfall". Alle erschrecken und springen in Sicherheit außer Linda Lind die regungslos in gleicher Pose stehen blieb.) LINDA LIND Adieu. (will abgehen) STIMME (von hinter den Kulissen) Sie kommt. (LINDA LIND wendet sich kurz vor der Tür, tippt, die Tür zur Diele geht zu.) LINDA LIND Ich habe noch eine Bitte. Mein Diadem. JANE Ja. (nickt; versteht) Ah ja, Mutti. (JANE nimmt Diadem ab und überreicht es LINDA LIND die es sich aufsetzt.) JANE Und trage das auch. (nimmt Collier ab) LINDA LIND Nein, Kind. 117 JANE Doch. LINDA LIND Nein. (JANE legt LINDA LIND das Collier an.) LINDA LIND Jane?! (begutachtet sich im Spiegel, hält sich den Hals) Nein. Vielleicht besser nicht. JANE Und das auch, Mutti. LINDA LIND Nein, Jane. JANE Doch. Das schenke ich dir. (JANE legt LINDA LIND den Modeschmuck an während diese versucht sich das Collier abzunehmen.) LINDA LIND Jane. Bitte. (LINDA LIND bringt es fertig sich das Collier abzunehmen. Während sie JANE das Collier überreicht sieht sie sich im Spiegel und zieht ihre Brille auf.) LINDA LIND Jane?! Nein. Nehme mir dieses Ding ab! (LINDA LIND überreicht Collier Gregory und versucht sich dann den Modeschmuck abzunehmen.) GREGORY Wart mal. (holt Pinzette aus Jane `s Pillenköfferchen) JANE Ach, Mutti. LINDA LIND Kind, das steht deiner Mutti einfach nicht. Au, Vorsicht mit der Pinzette. 118 JANE Du blutest. (holt Wattebüschel aus Pillenköfferchen) LINDA LIND Nein. Lass. Ich muss improvisieren. Wenigstens werde ich nicht aus einem 30 Stock gestürzt. Man sieht so grässlich danach aus. KOMMISSAR FINT Nach Ihrer Hinrichtung - ohne Kopf und Frisur - werden sie auch nicht viel besser aussehen. LINDA LIND Nun haben sie sich verraten was für ein kaltes, billiges Monster Sie sind. KOMMISSAR FINT Ein grässlicher Anblick. Ein ganz neuer Anblick den Sie Ihrem Publikum bieten werden. Was sollen wir mit ihrem Haupt tun? Irgend ein besonderer Wunsch. Ein Museum? Vielleicht? Ihr Museum? Das Sie gründen wollen? Oder sind das nur Gerüchte? Ihr Haupt mumifiziert. In der Eingangshalle; von Ihrem Museum. LINDA LIND Sie fangen an mir leid zu tun. GREGORY Geht nicht, Linda. (LINDA LIND nimmt GREGORY die Pinzette aus der Hand und übergibt diese KOMMISSAR FINT.) LINDA LIND Herr Kommissar, bitte. (KOMMISSAR FINT nimmt LINDA LIND den Modeschmuck ab.) LINDA LIND Ah. (reibt sich den Hals) Danke sehr. (lässt Modeschmuck in den Papierkorb fallen und übergibt dann JANE das Collier) Bitte lege es an. (ohne sich zu wenden) Gregory, bitte überreiche dem Kommissar ein Hygienetuch. Und heute noch wirst du diesen Film drehen. 119 JANE (während sie das Collier anlegt) Ich, ahm, LINDA LIND Verspreche es. (GREGORY holt aus Jane `s Pillenköfferchen ein Papiertaschentuch. KOMMISSAR FINT putzt sich daran die Hände, schaut auf seine Hände und putzt diese dann an seiner Hose ab.) JANE Ich verspreche es. LINDA LIND (holt Modeschmuck aus Papierkorb) Entschuldigung. Bitte sei nicht böse mit deiner Mutti. Da. Das steht dir wunderbar. JANE Danke, Mutti. (legt Modeschmuck an) LINDA LIND Gregory, bitte kümmere dich um Jane. Sie ist ein Engel. Ich vertraue dir. GREGORY (gerührt) Linda. (LINDA LIND und GREGORRY umarmen sich. LINDA LIND tippt, schaut auf ihr notiertes, tippt, die Tür zur Diele geht, Scheinwerfer.) STIMME (von hinter den Kulissen) Sie kommt. GREGORY Ich habe dich ganz falsch eingeschätzt. LINDA LIND Du hast mich richtig eingeschätzt. Ich habe erst heute zu mir gefunden. Gregory, Jane und ich dachten es sei eine gute Idee diesen Badeschaum in Koloshinikov umzubenennen. Adieu. (will abgehen) GREGORY Koloshini... was? 120 JANE Nein! (rennt los) (JANE haut im Vorbeirennen die römische Vase vom Sockel.) LINDA LIND Jane! (LINDA LIND tippt, die Tür zur Diele geht zu.) JANE Du hast mir immer so schön vorgesungen. LINDA LIND Ja, Kind. GREGORY Linda? LINDA LIND Ich werde die Menschen aufrufen zu lieben! "Der Sohn der Liebe ist das Mitleid!" Liebe, Kommissar Fint. (tippt, die Tür geht nicht auf) Nehmen Sie sich meine Worte zu Herzen. GREGORY Linda, warum Koloshini was? (LINDA LIND tippt, die ruckelt.) LINDA LIND Jane. (hält Wange hin zum Kuss) (Während JANE küsst schaut LINDA LIND so unauffällig wie möglich in ihr notiertes, tippt, die Tür zur Diele geht auf.) STIMME (von hinter den Kulissen) Sie kommt. LINDA LIND (streichelt) Freddy, Adieu. Liebe, Kommissar Fint. (tritt in das Scheinwerferlicht) Ja, ich bin schuldig. 15 Rivalinnen meiner Tochter, ich ließ sie alle ermorden und... (hält ein) 121 LINDA LIND (fortgesetzt) ... vor meiner Hinrichtung werde ich eine Rede halten. Meine letzte große Rede. Eine Botschaft für mein Publikum. Die ausländische Presse? Wo? KOMMISSAR FINT Im Treppenhaus. Ganz runter. LINDA LIND Das heißt 30 Stockwerde. Zu Fuß. KOMMISSAR FINT Ja. Wir konnten sie sonst nirgendwo unterbringen. Mordleichenentsorger Egon Franzen und sein Assistent werden mit der Leiche von Ann Anderson vor Ihnen hergehen. Sie fahren mit Ihrem eigen Wagen. LINDA LIND Mit welchem? KOMMISSAR FINT Ich weiser Bentley. Ihr eigener Chauffeur. Sie fahren direkt zur Strafvollzugsanstalt. LINDA LIND Fahrtzeit. KOMMISSAR FINT 1 Stunde 35 Minuten. LINDA LIND Strafvollzugsanstalt Südwest. KOMMISASR FINT Ja. Kanal 12 meint dank Ihnen heute die dritthöchste Einschaltquote zu erreichen. LINDA LIND Ja. Die dritthöchste. Ich weiß. KOMMISSAR FINT Mein Beileid. LINDA LIND Mein Ruhm wird einmal nicht nach Einschaltquoten gemessen werden. Ah, ich hätte vorher das Script lesen sollen. (greift nach Script) 122 KOMMISSAR FINT Ich werde nie mehr wie einen Meter von Ihnen entfernt sein. Ich werde sie prompten LINDA LIND Danke sehr. (LINDA LIND und KOMMISSAR FINT wollen abgehen.) KOMMISSAR FINT (Magenkrämpfe) Ah... (LINDA LIND wendet sich nach KOMMISSAR FINT.) LINDA LIND Nein. (streckt die Hand aus) Halt. Stopp! (Die Tür zur Diele geht zu. Linda Lind `s schwarzer Schleier ist noch halb im Zimmer.) KOMMISSAR FINT (Magenkrämpfe) Ah... (Die Tür zur Diele geht auf. LINDA LIND zieht ihren schwarzen Schleier aus dem Zimmer.) LINDA LIND Nein. Stop! (Die Tür zur Diele schließt sich während LINDA LIND mit ausgestreckter Hand nach Kommissar Fint Luft holt um etwas zu sagen.) GREGORY Warum schauen Sie mich so an? Wir haben sie nicht vergiftet. Haben Sie etwas gegessen? Hier in der Wohnung? KOMMISSAR FINT Nein. Ich habe nur an etwas gerochen. Ah... JANE Das hatten wir auch alle schon ein paar Mal. KOMMISSAR FINT Haben Sie eine Toilette in der Küche. Ah... 123 GREGORY Habt ihr eine Toilette in der Küche?! JANE Nein. (KOMMISSAR FINT tippt. Die Tür zur Diele öffnet sich.) JANE Aber ich sah mal wie Madeleine... (JANE hält ein da KOMMISSAR FINT nach Papieren greift und abrennt. Jane `s Wahnsinnsscene beginnt: sie reißt sich ihren Modeschmuck vom Hals, nagt daran, setzt sich diesen als Kranz auf ´s Haar, holt Pillendose aus Pillenköfferchen, schüttelt Pillendose und lacht. Klassische Musik dann Kirchenglocken.) GREGORY (schaut in die Diele) Mach dich fertig. Deine Mutter geht gerade. (JANE zieht große Ohrringe an, Modeschmuck fällt ihr vom Kopf, sie tanzt und haut dabei blitzschnell Gregory ins Auge.) GREGORY Au! Jane? Vorsicht. JANE Ich werde eine große Schauspielerin werden. GREGORY Jane? (JANE summt die Melodie: "Guten Abend, Gute Nacht... nimmt weitere Pillen.) GREGORY (liest) "Für Hunde und Katzen und kleine Saugetiere". Jane? JANE (singt) Guten Abend, Gute Nacht... 124 GREGORY Jane, bitte, jetzt lass den Blödsinn. (begutachtet römische Vase, tippt) Du das war ´ne Römische Vase; 6000 Jahre alt; die du gerade zertrümmert hast. JANE Mutti. GREGORY Jane, deine Mutter, da kann man jetzt nichts mehr machen. Sie wollte es so. JANE Ja. (hört nicht auf zu nicken) GREGORY Sie will als Heilige die Welt verlassen, Verstehst du das? (tippt) Und was deine Mutter sich in den Kopf setzt... STIMME Studio Soll-Aria. GREGORY ... das tut sie auch. Linda bleibt Linda. Linda wird immer Linda bleiben. Und der Hund muss zum Arzt. Der sieht so richtig ramponiert aus. (ins Handy) Wir kommen. Jane und ich. Wir werden in genau 20 Minuten im Studio sein. Und sagen: wir kommen ganz sicher. Jane, komm. JANE Ich werde diesen Film heute nicht drehen. GREGORY Jane, du weist was du deiner Mutter versprochen hast? (JANE nimmt Tastatur in den Arm, spukt auf diese und putzt und wirft dann die Tastatur auf den Boden und stampft auf dieser herum.) JANE Ah. Ah. Ah... (Was vom Schrank und der Kommode noch vom "Verkehrsunfall" übrig geblieben ist fängt an zu ruckeln.) 125 GREGORY Vorsicht, Jane. (JANE schüttet sich Pillen in die Hand und schluckt und kaut.) GREGORY Jane? (JANE hebt Kette auf vom Boden und kaut daran.) GREGORRY Jane? Bist du verrückt geworden? (JANE fängt an ihre Tattoos zu reiben.) GREGORY Jane? Sind das Tattoos? (will nachschauen) JANE (aufheulend) Ah...! (GREGORY schaut nach Jane `s Tattoos.) GREGORY Koloshinikov. Mikail, Pietro... JANE (aufheulend, sich entziehend) Ah! GREGORY Steckt da deine Mutter dahinter? Koloshini... so wollte sie diesen Badeschaum umbenenne. Jane? Im Gottes Willen? War das die Idee deiner Mutter? Das ist alles naturrein?! Ihr seid wirklich durchgedreht. (entfernt sich rückwärtsgehend vorsichtig von Jane) JANE Du hast Madeleine mit ins Studio. Du hattest ein Verhältnis mit ihr! (nimmt Messer vom Regal in die Hand) GREGORY Ich hatte kein Verhältnis mit Madeleine. Jane, jetzt bitte bleib vernünftig. 126 (JANE rennt schreiend mit hochgehaltenem Messer auf GREGORRY zu.) JANE Ah...! GREGORY Jane. (GREGORY dreht sich, will flüchten, stolpert und fällt, wird von JANE erstochen) GREGORY Ah. (JANE summt: "Guten Abend, Gute Nacht...", fängt zu weinen an und schaut dann abrupt und stumm auf Publikum. EGON FRANZEN schaut aus der Küchentür herein.) EGON FRANZEN (in die Küche) Da hat jemand geschrien. Ich bin sicher. Mein Gehör ist noch ausgezeichnet. Nein, du bliebst hier und wartest auf das Zeichen. (JANE summt "Guten Abend, Gute Nacht..." und geht langsam mit blutverschmiertem Messer auf EGON FRANZEN zu.) JANE (singt) Ein Engel wacht... EGON FRANZEN (ängstlich, sich leicht Richtung Küche wendend) Emilio? (JANE hört zu singen auf und geht auf Egon Franzen zu.) EGON FRANZEN Guten Tag. (EMILIO schaut herein.) EGON FRANZEN Ah, da kommt mein guter Freund Emilio. 127 (EGON FRANZEN geht hinter EMILIO in Sicherheit.) JANE Ich bin eine große Schauspielerin. Das mit der Müllversorgung, das war nicht ich. EGON FRANZEN Nein. Natürlich nicht. JANE Freddy! (lässt Messer fallen und schaut unter Sofa) EMILIO Vorsicht. Die hat den abgestochen. EGON FRANZEN Um Gottes Willen. Und das ist was ich gehört habe. Diese Schreie. Diese schrecklichen, furchtbaren Schreie. Vielleicht lebt der noch. EMILIO (inspiziert) Nein. Mausetot. Vorsicht. JANE (greift unter Sofa) Freddy. EGON FRANZEN (schaut in die Diele) Ja sag mal? Wo sind die denn alle? Da ist niemand mehr da. Was ist denn hier los? Ich will sofort wissen was hier los ist? (JANE rennt ab in die Küche.) EGON FRANZEN Vorsicht. Ich werde dieses Messer sicherstellen. Hast du ein Taschentuch? Wegen der Fingerabdrücke. Ich habe das Gefühl wie müssen uns hier ganz korrekt benehmen. Wir werden diese mutmaßliche Mörderin verhaften und den zuständigen Behörden übergeben. EMILIO Dann verhafte du mal schön. EGON FRANZEN Nein, das machst du. Ich bin dein Vorgesetzter und habe diese Aufgabe an dich substioriert. Oder wie man da sagt. 128 EGON FRANZEN (fortgesetzt) Weitergeleitet. Emilio, du musst lernen Verantwortung übernehmen zu können. (EMILIO will Messer sicherstellen.) EGON FRANZEN Nein. Das Messer sicherstellen mache ich. Und du verhaftest die jetzt mal schön. (EMILIO gibt EGON FRANZEN ein Taschentuch. JANE singt von hinter den Kulissen: "Guten Abend, Gute Nacht". EGON FRANZEN horcht und hält mit dem Sicherstellen des Messers ein.) JANE (von hinter den Kulissen) Abendessen! EGON FRANZEN Was ruft sie da? EMILIO Abendessen. EGON FRANZEN Was? Abendessen? (JANE schleift Hundefutterpacket durch die Küchentür herein.) EGON FRANZEN Es tut mir leid, ich muss sie darüber verständigen, dass wir das Recht und die Pflicht haben; in außerordentlichen Umständen, nein Zuständen, nein Umständen, ahm, Sie stehen unter Verdacht... JANE (unterbrechend) Nein, Abendessen. (JANE teilt Hundefutter aus und rennt dann ab in die Küche. EMILIO lässt Hundefutter aus seiner Hand fallen.) EGON FRANZEN (mit Hundefutter im Taschentuch in der Hand) Aber das ist doch? Hundefutter. Das weiß ich. Weil wir hatten doch auch mal `nen Hund. Was ist denn hier los?! 129 (JANE schleift schwarzen Sack durch die Küchentür herein aus dem der Torso von ANN ANDERSON herausschaut.) EGON FRANZEN Halt. Stopp. Was machen Sie denn da? (JANE holt aus den Trümmern der Kommode Klebeband.) EMILIO Lass sie. JANE Einpacken. EGON FRANZEN Was sagt sie? (JANE umwickelt Torso von ANN ANDERSON mit Klebeband.) JANE Einpacken. EGON FRANZEN Nein! Stopp! (KOMMISSAR FINT kommt durch die Tür zur Diele herein.) KOMMISSAR FINT Was machen Sie hier? EGON FRANZEN Wer? Wir? KOMMISSAR FINT Herr stattliche geprüfter Mordleichenenstsorger: Sie sollten eine Minute vor Linda Lind diese Wohnung verlassen. Mit diesem Mordopfer auf einer Bahre. EGON FRANZEN Ja. 30 Stockwerke. Zu Fuß. Ich weiß. Aber wir haben auf das Zeichen gewartet. Und außerdem wären wir mit dem Aufzug gefahren. Ich bin ein staatlich geprüfter Mordleichenentsorger und kenne die Vorschriften: jedes Mordopfer hat mit Dekorum entsorgt zu werden. Und 30 Stockwerke zu Fuß, da geht mir das Dekorum aus. Soviel Dekorum habe ich nicht zur Verfügung. 130 KOMMISAR FINT Warum haben Sie dieses Mordopfer hier ins Wohnzimmer gebracht? EGON FRANZEN Wir haben dieses Mordopfer hier nicht ins Wohnzimmer gebracht. Und außerdem: wie hätte dieses Zeichen denn aussehen sollen? Rot, grün oder lila? (KOMMISSAR FINT sieht GREGORY RAMBOLD und bückt sich nach diesem.) KOMMISSAR FINT (sieht und beugt sich über Gregory Rambold) Erstochen? Von wem? EGON FRANZEN Das kann ich Ihnen alles erklären. Im Detail. Und Detail genau: Ich hatte Schreie gehört, schreckliche, furchtbare Schreie. Fürchterliche Schreie. Das ging mit so richtig durch Mark und Bein; wie man so sagt. Sie kennen diesen Ausspruch. Ich frage weil man benützt solche Aussprüche nicht mehr so viel wie ich das gewöhnt bin. Wir haben das alles noch in der Schule gelernt. Und dann ich habe sofort zu Emilio gesagt ob er auch was gehört hat. Das habe ich ihn sofort gefragt. Und dann bin ich sofort hier rein um sofort zu investieren. Und dieses Mordopfer hatten wir schon für den Abtransport fertig. Dieses Mordopfer - und das muss ich betonen und werde das auch vermerken - war schon teilweise entsorgt. Diesen Müllzerkleinerer in der Küche... das müssten Sie mal sehen. Das ist schokierend. KOMMISSAR FINT (Magenkrämpfe) Ah. EGON So etwas ist mir in meiner ganzen beruflichen Laufbahn noch nicht vorgekommen. Ist etwas nicht in Ordnung? KOMMISSAR FINT (ins Handy) Mit Linda Lind einen Umweg fahren. Ich komme nach. Sie soll eine längere Rede halten. Verlängern Sie ihre letzte Rede auf 7 Minuten. Das schaffe ich. (JANE nimmt von allen unbemerkt Messer in die Hand und bleibt damit regungs -und ausdruckslos stehen.) KOMMISSAR FINT Was haben Sie da in der Hand? 131 EGON FRANZEN Hundefutter. KOMMISSAR FINT Hundefutter? (JANE rennt mit langem, lauten Schrei auf KOMMISSAR FINT zu. Beide taumeln hinter das Sofa von wo man aus JANE ein paar Mal auftauchen und zustechen sieht. Blutfontäne. JANE taucht von hinter Sofa auf und geht langsam auf EGON FRANZEN zu.) JANE Ich bin eine berühmte Schauspielerin. (EGON FRANZEN lässt Hundefutter fallen und will durch die Tür zur Diele abrennen. Es haut die Tür vor ihm zu. JANE geht langsam auf EGON FRANZEN zu.) JANE Ich... (hält ein) EGON FRANZEN Oh ja, das machen Sie wunderbar. (JANE fängt zu tanzen an. EMILIO geht von hinten auf JANE zu. Er hält ihrem Arm. JANE lässt Messer fallen.) JANE Mutti, gehen wir jetzt ins Studio? EGON FRANZEN Oh Gott. (geht in die Knie) EMILIO Jetzt komm. Es ist doch nichts passiert. EGON FRANZEN Nichts passiert? Ja und der Kommissar? Abgestochen. Und da liegt noch mal einer. Und noch mal eine. Wie viele Leichen brauchst du denn noch? Ich werde dieses Messer sicherstellen. (schleicht sich Richtung Messer) Wo habe ich jetzt das Taschentuch? (JANE knallt eine Tastatur auf den Boden und stampft auf dieser herum.) 132 EMILIO Vorsicht. (JANE nimmt Tastatur tröstend und streichelnd in die Hand und lallt "quietschtürhaft" "Guten Abend, Gute Nacht... wühlt im Papierkorb, holt Kuchen und isst diesen.) EMILIO Vorsicht. JANE (schluckt Kuchen) äh. (stirbt.) EGON FRANZEN Vielleicht ist sie nur ohnmächtig. EMILIO (fühlt) Nein. EGON FRANZEN Aber sie ist eines natürlichen Todes gestorben. Und darum und sind wir nicht zuständig für sie. Mein Gott. Du das fing heute Morgen schon wieder mal so an und da wusste ich: das wird wieder einer dieser Tage werden heute. Du ist die auch wirklich...? EMILIO Ja. EGON FRANZEN Du, und das ist vielleicht auch besser so. Die hätten die doch nur auf dem Kanal..., weiß Gott was die mit ihr angestellt hätten. Wir schauen uns das ja nicht mehr an. Früher konnte man das sich anschauen aber heute, das wird so richtig abartig. Das ist nur noch Unterhaltung. Und auf die primitivste Art und Weise. Die ursprüngliche Idee... und das hat der wunderbar ausgedrückt, dieser... wie heißt er noch mal? Und darum werden wir den auch wählen nächstes Mal. Weil die die jetzt dran sind, die wissen ja überhaupt nicht mehr weiter. EMILIO Sag mal, hörst du irgendwann Mal auf zu quaken? Du ich weiß: du quakst sogar im Schlaf. Du quakst die ganze Nacht durch. Und darum bist du auch oft so KO morgens. Und nie ganz richtig da. Und immer so benebelt. 133 EGON FRANZEN Ha ha ha. Sehr lustig. Mein Kompliment. Jetzt muss ich aber lachen. Und wenn du dich anstrengst fällt dir vielleicht noch mal was ein. Und darf ich vielleicht noch mal lachen heute. Da freue ich mich aber schon darauf. EMILIO Weil du nie aufhörst zu quaken haben wir das Signal verpasst. EGON FRANZEN Es gab überhaupt kein Signal? Da ging was daneben. Die haben vergessen das Signal zu geben. Das wir das Signal nicht gehört haben, das ist weder deine noch meine noch unsere Schuld. So, hast du das verstanden? Jetzt wart mal: ich werde etablieren für wen wir zuständig sind und für wen nicht. Und für den Job heute werde ich Gefahrenzulage verlangen. 50% Aufschlag auf den Tagessatz. Weil da sehe ich nicht ein, dass die brav im Büro sitzen und wir riskieren hier unser Leben. Ah, das ist ein Gestank hier? Wie die die Bude haben verkommen lassen? Und schau dir das mal an. Das muss `n Kurzschluss gewesen sein. Ich sage immer: wenn man mit diesem Zeug nicht umgehen kann dann soll man sich das nicht anschaffen. Meine Frau will auch immer mehr und mehr Technik in der Wohnung. EMILIO Ja, ich weiß. EGON FRANZEN Und dann weiß sie nicht damit umzugehen. Und dann frägt sie mich. Und ich kenne mich ja erst recht nicht aus. EMILIO Ja, das weiß ich auch. EGON FRANZEN Ich meine, die Kinder, die kennen sich da aus. Die wachsen damit auf. Eine Tür ohne Türklinke, für die ist das normal. EMILIO Der ist Geheimdient, Staatssicherheit. Egon FRANZEN Was? Der? EMILIO Darum solltest du doch die Schnauze halten vor dem? 134 EGON FRANZEN Du, die Schnauze zu halten, dazu habe ich kein Talent. Das überlasse ich dir. Weil du das so gut kannst. Da mache dir keine Konkurrenz. Im Schnauze halten kann ich nicht mit dir mithalten. Da würde ich haushoch verlieren. Jetzt wart mal. Das muss ich mir notieren. Sonst verliere ich den Überblick. Wie heißt die noch mal? Wir haben doch den Namen irgendwo? Ich sage einfach Mordopfer 1. Nein. Wir haben doch den Namen irgendwo? EMILIO Ann Anderson. EGON FRANZEN Wo steht das? EMILIO Hier. EGON FRANZEN Wo? Ah ja. Tatsächlich. Da steht `s ja: Ann Anderson. Und der ist Geheimdienst, sagst du. Dann sind wir nicht für den zuständig. Wir würden uns sogar strafbar machen. Und diese Type, den haben wir doch mit dem zusammen gesehen. Und darum ist der bestimmt auch Staatssicherheit oder so was. Also sind wir für den auch nicht zuständig. Und die ist eines natürliches Todes gestorben. Und das werden wir ganz korrekt melden. Dann haben wir es wirklich nur mit einem wirklichen Mord zu tun hier für den wir zuständig sind. Das sah zuallererst nach mehr aus. EMILIO Augenblick. Ich muss mal kurz. EGON FRANZEN Wie heißt die noch mal? EMILIO Ann Anderson. EGON FRANZEN Und die? EMILIO Das muss irgend wo stehen. (geht ab durch die Tür zur Diele) (EGON FRANZEN tippt in seinen iPot und hat iPot dann verschiedene male gegen seinen Kopf. Hundegewimmer.) 135 EGON FRANZEN (schaut unter das Sofa) Ja wie? Wer bist denn du? Jetzt komm mal hier rauf. Du brauchst keine Angst zu haben. Wir tun dir doch nichts. (hält Teller hin) Hier Gute, Gute. Jetzt komme schon. Da: Leckerli. (EMILIO kommt zurück.) EMILIO Du, diese Hundetoilette ist sehenswert. EGON FRANZEN Wie? Was? EMILI Die Gebrauchsanweisung liegt auf der Hundetoilette. Benützt. Die Gebrauchsanweisung für die ganze Wohnung. EGON FRANZEN Und warum? Warum liegt die Gebrauchsanweisung auf der Hundetoilette? EMILIO Lesematerial. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. EGON FRANZEN (nach kurzer Pause) Wo ist diese Hundetoilette? EMILIO Erste Tür rechts. EGON FRANZEN Schau mal ob wir was mitnehmen können. Du und Vorsicht, da is` `n Hund unter dem Sofa. EMILIO Und Vorsicht, dass du nicht ausrutschst. (EGON FRANZEN geht nach kurzer Pause ab. EMILIO geht durch die Gegenstände auf dem Regal; er steckt den Plastikpenis ein. Hundegewimmer. Er schaut unter das Sofa.) EMILIO Und dich fress ich jetzt gleich auf. (holt Bahre aus Küche und inspiziert nochmals Gegenstände auf Regal) (EGON FRANZEN kommt zurück.) 136 EGON FRANZEN Mein Gott, und dann immer so tun. Nach außen hin hui aber in Wirklichkeit - das Gegenteil. Und dieses Sprichwort hat sich heute mal wieder bewahrheitet. Die Gebrauchsanweisung liegt auf der Hundetoilette. Benützt. (zeigt auf "Verkehrsunfall") Da brauchst du dich nicht wundern wenn die Schränke durch ´s Zimmer fahren. Du, weißt du was? Ich glaube, die haben versucht die Hundetoilette zu putzen. Aber die Putzanlage scheint nicht mehr richtig zu funktionieren. Das hat das alles nur noch mehr durcheinander geschmiert. EMILIO Und dann habe ich auch noch alles getauft? EGON FRANZEN Getauft? Emilio, Entschuldigung, das ist nicht meine Art von Humor. Bitte reiße dich etwas zusammen vor mir. Du ich sage dir was: auf diese Hundetoilette kann man keinen Hund lassen. Jetzt gibt man so viel Geld für den Tierschutz aus und nicht mal die Basis, nicht mal das Minimum ist da. EMILIO Ich finde die Küche noch schlimmer. Alles nur Plunder. EGON FRANZEN Du und etwas habe ich gelernt heute als ich da in Lebensgefahr geschwebt bin... EMILIO Bist du geschwebt oder geflogen? EGON FRANZEN Ich habe heute entschieden, ganz spontan, als ich gerade in Lebensgefahr war, EMILIO (einwerfend) Nein, du bist geschwebt. EGON FRANZEN Willst du jetzt wissen was ich entschieden habe. EMILIO Nein. EGON FRANZEN Gut. Ich werde es dir aber trotzdem sagen: ich habe heute entschieden, und ganz spontan und ohne lange nachzudenken, 137 EMILIO (einwerfend) Das kann ich glauben? EGON FRANZEN (nach kurzer Pause) ... ich habe heute entschieden, dass ich mit 80 in Pension gehen werde. Das habe ich heute gelernt. Ich werde nicht warten bis ich 85 bin. Weil diesen Stress, das kann ich einfach nicht mehr. Du, als ich vor fast 60 Jahren angefangen habe, da ist auch viel passiert. Da war die Welt auch nicht in Ordnung. Aber so abartig wie heute alles ist so war das damals nicht als ich angefangen habe. Du, jetzt krieg ich das nicht mehr aus. Und ein paar Mal heute ging `s auch nicht richtig an. (haut iPot an seine Stirn) Und das ist ganz neu? EMILIO (hält iPot an seine Stirn) Da bei mir klappt `s. An. Deine Gehirnfrequenz ist zu niedrig. Da. ich hab 4 Punkt 8. EGON FRANZEN Und ich? EMILIO 3 Punkt 4. Unter 3 Punkt 9 arbeiten die neuen Dinger nicht. 3 Punkt 9 ist das absolute Minimum. EGON FRANZEN (nach kurzer Pause) Ja, es wird Zeit das ich mich pensionieren lasse. Wenn ich schon nicht mal mehr meinen iPot anbekommen. EMILIO Meine Frequenz ist auch nicht besonders hoch. EGON FRANZEN (nach kurzer Pause) Aber um einen vollen Punkt höher als die meine. (hält Jane `s Modeschmuck in der Hand) Das muss was ganz wertvolles sein. Da bin ich ganz sicher. EMILIO Das ist doch schon ganz angenagt? EGON FRANZEN Nein. Schmuck, das war ihre Sache. Mensch wie heißt die denn noch mal? Da hängt sie doch riesig groß. Und so sah sie in jedem Film aus. Wie so ein Weihnachtsbaum. Das war sie als Cleopatra. Und das als Brigitte noch mal was. Sie 138 EGON FRANZEN (fortgesetzt) hat so biographische Filme gemacht über berühmte Frauen der Weltgeschichte. Also für mich war sie ja keine begnadete Schauspielerinn. Aber sie hatte etwas. Und der Hund, das ist bestimmt auch was ganz edles. Jetzt komm mal hier rauf. Du, ich glaube, ich komme jetzt erst richtig mit was hier los ist. Die haben die mit? Diese von der ich gerade geredet habe. Mensch, warum komme ich jetzt nicht auf den Namen von der? Dann haben die bestimmt ein Special heute Abend. Während der Abendnachrichten. Wir schauen uns das ja nicht mehr an. Außer in ganz außergewöhnlichen Zuständen. EMILIO Umständen. EGON FRANZEN Du weißt genau was ich meine. (EGON FRANZEN zieht FREDDY von unter Sofa hervor.) EMILIO Und was soll edel an dem sein? EGON FRANZEN Ja glaubst du, die hätten einfach so einen Primitivköder hier? EMILIO Der ist doch pot häßlich? EGON FRANZEN Gerade die ganz edlen und teuren Hunde sehen oft pot hässlich aus. Das is` heutzutage so. EMILIO OK. Ich nehme den Schmuck und du den Hund. EGON FRANZEN Nein. Ich nehme den Hund und den Schmuck teilen wir uns. Ich wollte schon immer mal wieder gerne so `n kleinen. (zu Freddy) Frauchen tot. Bei uns gibt es aber keine Hundetoilette. Bei uns wird immer noch Gassi gegangen. (zu Emilio) Sag mal, der will immer an die Pillen? Das ist vielleicht einer dieser drogensüchtigen Hunde von denen man immer hört. 139 EMILIO Dann würde ich den aber lieber hier lassen. So ´n klaffenden Köder. Und dann auch noch drogensüchtig. EGON FRANZEN (zu Freddy) Nein, da machen wir eine Entziehungskur. Außerdem hat der noch keinen Ton von sich gegeben seit wir hier sind. Der kann vielleicht gar nicht bellen. (zu Emilio) Komm, wir tun den in den Sack. Das der auf keine Kamera kommt. (EGON FRANZEN und EMILIO stecken FREDDY in den schwarzen Sack zu Ann Anderson.) EGON FRANZEN (zu Freddy) Keine Drogen. Und zuerst gibt es eine ärztliche Untersuchung. (zu Emilio) Ich weiß wo da machen die das ganz billig. (EGON FRANZEN und EMILIO gehen ab Bahre.) (Vorhang) 140 141 142 143 144