Auf der Werkbank des Lebens findet die Wandlung

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Auf der Werkbank des Lebens findet die Wandlung statt
Alles in Raum und Zeit ist einer Wandlung unterworfen. Wenn der Beobachter in den
Jahreszeiten steht, dann erscheint dieser Wandel vor seinem Gesicht. Die
Vegetation erhebt sich mit dem Sonnenstand, lässt Blüten und Früchte entstehen
und fällt dann in eine Ruhe zurück. Ihr Geist schläft, bis ein neues
Wiederauferstehen dem Ruf des Lebens folgen kann. Der Kreislauf enthält in seinem
Zentrum die Dynamik des Lebens selbst. Vom Kern aus dehnt sich das Leben hinaus
in die irdische Welt und zeigt durch das Wirken sichtbar seine Vielfältigkeit. Doch
auch im Innern der Erde ist der Zyklus des Lebens bereit, im Kreislauf der Geburten
sich dem Leben ganz anzupassen. Selbst der Stein erfährt in sich das Kreisen in den
Wandlungsphasen und je nach dem, was sich erhebt, aus dem Schlaf in das Leben
tritt, um sich dann wieder niederzulegen, sind die Zeiten im verschiedenem Mass zu
berechnen.
Alles was sich wandelt verändert seine Form. Die Gestalt spendet sich der Erde
zurück und das, was zur Erde fällt, kann nicht mehr dasselbe sein. Auch der Stein
wandelt sich, gibt im Laufe der Zeit etwas von sich ab, was aus ihm herausgetreten
ist, um sich auf eine gewisse Weise abzusondern von ihm, wie als wäre es ein
welkes Blatt am Aste eines Baumes oder ein brechender Zweig am aufrechten
Stamm.
In den Wandlungsphasen zerfallen und zerbrechen die einst zusammen wirkenden
Teile eines Ganzen und verlieren sich. Doch diese Trennung hat einen Sinn. Sie
stehen als Zeichen für den Zerfall in einer äusseren Welt und vielleicht sind sie ein
Mahnmal für alles, was sich nicht durch die Kraft, die im Zentrum verborgen liegt,
erhält.
Jedoch in der Natur des Geistes geht nichts wirklich verloren. Alles, was gefallen ist,
getrennt und vom Ursprung entfernt, bindet sich ein in den Kreislauf des Lebens. Auf
diese Weise findet das welkende Blatt am Boden unter der mächtigen Krone eines
grossen Baumes wieder zurück in den Urgrund der Natur. Es verliert seine Konturen,
seinen ehemaligen Halt in der gewachsenen Form und spendet sich ganz, um sich
vielleicht in anderer Weise neu zu erheben. Der Kreislauf aller Formen und Gestalten
ist an das Rad der Zeit gebunden und in der Mitte webt der Geist durch sie.
Aber ganz ohne Hast und Zwang hat es zu geschehen. Im Sein ist der Geist für
immer verankert und weil er so still ist, bewegt er sich durch sie. Gemeinsam werden
sie ein Paar, der Geist und die Zeit, und erschaffen die Welt, in der sich die Gesichter
erheben und wieder schlafen gehen.
Die Zeit kennt kein Gewissen, weder für Aufbau noch für Zerfall hat sie je ein Ohr
gehabt. Aber vielleicht sehnt sie sich nach dem hinter dem Lärm liegenden Hort der
Stille, die dem Geist seine Heimat ist.
So wirkt die Zeit und die Mauer des Tones mit ihren Vielfältigkeiten trennt das sich
wandelnde Wesen ab und so hat sie sich auch ihren eigenen Raum erschaffen. Auf
der Werkbank der Lebens findet die Wandlung statt.
Alles, was die Werkstatt betritt, selbst ein harter Stein, der die Schwelle überwindet,
hat sich dem Kreislauf des Lebens hinzugeben und hat durch sich selbst eine
Wandlung zu sein. Wenn der Bildhauer in den Stein meisselt, dann fällt etwas von
ihm zu Boden und etwas findet im Stein eine andere Form. Das eine gewinnt, das
eine verliert. Die Zeit hat darüber bestimmt. Was zu Boden fällt und scheinbar keine
Bestimmung hat wird doch einst durch den Wandel wieder erhoben. Das, was nun in
der Form als etwas Besonderes erscheint, wird irgendwann in Raum und Zeit
dasselbe Schicksal erleiden, wie ein Teil des Steines, der zerfällt. Nichts kann die
Zeit daran hindern, in Seinem Auftrag zu wirken. Auch sie selbst kann es nicht. Erst,
wenn der Geist der Stille sie von ihrer Aufgabe befreit. Dann brechen die Mauern der
Vielfältigkeiten und mit ihr fällt der Ton, der nur ein irdisches Echo ist. Dann erhebt
die Zeit ihre Stimme und ein Gesang ertönt, den nur der Schöpfer zu erinnern
vermochte, denn das Lied der Zeit kam aus ihm und hatte sich durch das Sterben
der Mauer aller Vielfältigkeit aus dem Herzen der Zeit befreit.
Da war die Stimme unbegrenzt, und auch die Schönheit des Gesangs erfand für sich
keine Grenzen mehr. Wie der Ozean der Weisheit keine Grenzen kannte, so war
auch die Zeit durch die Formen und Vielfältigkeiten und ihrem Wandel befreit.
Mauern wurden errichtet, Mauern zerfielen im Laufe der Zeit. Ein jedes Wesen erhielt
im Laufe seines sich wandelnden Lebens eine Werkstatt, in der die Früchte die
Samen in den Boden trieben. Sie opferten sich, damit die Zukunft eine lichte
Möglichkeit hatte, im Sinne des Geistes zu gedeihen. So erschuf die Zeit durch IHN
einen Wirkungsmechanismus, in der sie lernen konnte, um zu begreifen, was sie
einst aus den Grenzen befreit.
So war die Werkstatt der fruchtbare Boden und sie selbst war der Samen, der sich in
die Zukunft legte, damit der Geist in ihr den Sinn aller Wandlung verstand. Wenn dies
dann geschah, war die Zeit aufgebrochen, wie als wäre sie die Schale eines
Samens, - gesprengt, um dem neuen sich erhebenden Leben die Freiheit zu geben.
Hör-Geschichte: Doris Richter
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