Texte-Waldtiere

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Der Braunbär (Ursus arctos)
Braunbären sind die bekanntesten Vertreter aus der Familie der Bären.
Mit ihrem breiten Kopf, der langen Schnauze und den kleinen runden Ohren sehen
sie aus wie richtige Kuschel-Teddys. Aber Vorsicht: Sie gehören zu den Raubtieren!
Je nachdem, wo sie leben, sind sie klein oder riesengroß: Sie können zwischen zwei
und drei Metern lang sein und 150 bis 780 Kilogramm wiegen - fast so viel wie ein
kleines Auto.
Wahre Riesen unter den Braunbären findet man in Asien und Nordamerika: die
Grizzlybären und die zum Teil über 700 Kilogramm schweren Kodiak-Bären sind die
größten Landraubtiere der Erde.
Auch die Farbe ihres dicken Fells ist ziemlich verschieden: von rotblond über hellund dunkelbraun bis braun-schwarz. Manche, wie die Grizzlys, sind eher grau,
deshalb werden sie auch Graubären genannt.
Alle haben kurze, kräftige Beine mit großen Tatzen und langen Krallen, die sie nicht
einziehen können.
Braunbären haben nur einen winzigen Stummelschwanz. Er ist so klein, dass er in
dem dichten Fell völlig versteckt und nicht zu sehen ist.
Braunbären waren früher vom Westen Nordafrikas bis Europa (außer auf Island und
den Mittelmeerinseln), in Asien (bis Tibet) und in Nordamerika zu Hause. In vielen
Regionen wie Nordafrika und in Westeuropa wurden sie ausgerottet.
In manchen Gebieten Europas gibt es aber auch heute noch ein paar Tiere.
Die meisten Braunbären gibt es heute in Russland und Nordamerika. In Europa soll
es in Spanien, Russland, der Türkei, Skandinavien und Italien noch etwa 10.000
Braunbären geben. Braunbären wohnen am liebsten in großen, ausgedehnten Laubund Nadelwäldern. Weit im Norden leben sie aber auch in der Tundra.
Vom Braunbär gibt es viele verschiedene Unterarten, die sich in Größe und Farbe
stark voneinander unterscheiden: Europäische Braunbären leben in Mittel-, Süd-,
Nord- und Osteuropa. Die größten Braunbären findet man in Nordamerika:
Es sind der Grizzlybär und der Kodiak-Bär.
Der Kodiak-Bär ist der Riese unter den Braunbären und gilt als das mächtigste
Landraubtier der Erde: Die Männchen werden bis 800 Kilogramm schwer, manche
sogar bis 1000 Kilogramm, die Weibchen bis zu 500 Kilogramm.
Der Kodiak-Bär kommt nur auf der Kodiak-Insel – nach der er benannt wurde – sowie
einigen benachbarten Inseln vor der Südküste von Alaska vor. Die Lebensweise des
Kodiak-Bären entspricht der der übrigen Braunbären.
Braunbären werden bis zu 35 Jahre alt. Braunbären sind sowohl am Tag als auch in
der Nacht aktiv. Sie sind jedoch so scheu, dass sie in Gebieten, in denen sie oft
gestört werden, fast nur in der Nacht umherwandern. Überhaupt hat man kaum eine
Chance, in Europa einen Bären zu Gesicht zu bekommen.
Sie hören und riechen einen Menschen, lange bevor der auch nur ahnt, dass ein
Braunbär da sein könnte. Bären gehen Menschen immer aus dem Weg.
Gefährlich werden sie nur, wenn sie bedroht oder verletzt werden - oder wenn eine
Bärenmutter ihre Jungen verteidigt.
Meist laufen Braunbären auf allen vieren herum, wenn sie jedoch etwas wittern oder
einem Angreifer drohen, richten sie sich auf den Hinterbeinen auf - und dann sehen
sie wirklich riesengroß und bärenstark aus.
Bären sind ein bisschen anders als die übrigen Raubtiere: Es lässt sich nur ganz
schwer erkennen, ob sie verärgert oder friedlich sind.
Das liegt daran, dass sie keine Mimik haben; ihr Gesichts-Ausdruck ist fast immer
genau gleich, keine Bewegung ist erkennbar. Auch, wenn sie meist behäbig und
ruhig wirken: Auf kurzen Strecken können sie blitzschnell laufen. Grizzlys werden
dabei fast so schnell wie ein Pferd.
Den Winter verbringen Bären in Fels- oder Erdhöhlen, die sie mit Moos und Zweigen
auspolstern. Dort halten sie zwar keinen richtigen Winterschlaf, aber eine Winterruhe.
Sie schlafen die meiste Zeit und fressen nicht, sondern zehren von der dicken
Speckschicht, die sie sich das Jahr über angefressen haben.
Wenn sie im Frühjahr wieder aus ihrer Höhle kommen, haben sie fast ein Drittel ihres
Gewichts verloren. In diesem Winterquartier bringt die Bärin auch ihre Jungen zur
Welt.
Außer dem Menschen haben Bären keine Feinde. Den jungen Bären können
allerdings die erwachsenen Bären-Männchen gefährlich werden. Sobald Männchen
auftauchen, flüchten die Jungen oft hoch hinauf auf Bäume, weil ihnen die schweren
Männchen dorthin nicht folgen können.
Vor allem im Frühjahr, wenn sie noch nicht genug Kräuter, Beeren und kleine Tiere
wie Frösche oder Insekten finden, machen Bären auch Jagd auf große Tiere. Dann
erlegen sie schon mal Hirsche, Elche oder Schafe. Allerdings kommt das nur selten
vor.
Die Bärenhochzeit findet im Sommer statt. Nach der Paarung gehen Männchen und
Weibchen wieder getrennte Wege.
Etwa sieben bis acht Monate später bringt das Weibchen zwischen Mitte Dezember
und Mitte Januar zwei bis drei Junge zur Welt. Neugeborene Bären sind im Vergleich
zu ihrer Mutter winzig klein: Sie wiegen höchstens 500 Gramm, sind nackt und blind.
Nach vier oder fünf Wochen öffnen sie die Augen. Zunächst werden sie von der
Mutter gewärmt und bis zu vier Monate gesäugt.
Erst im Frühling, wenn sie ordentlich gewachsen sind, ein dickes Fell haben und es
draußen wärmer wird, verlassen sie zum ersten Mal die Höhle und folgen ihrer Mutter
Schritt für Schritt.
Bärinnen sind sehr wachsame Mütter und scheuen auch vor einem Kampf mit
großen Bärenmännchen nicht zurück, wenn es darum geht, ihre Jungen zu
verteidigen. Insgesamt bleibt die Bärenfamilie etwa zwei bis zweieinhalb Jahre
zusammen, bis die Jungen selbstständig werden und sich ein eigenes Revier
suchen.
Bären brummen. Sie können aber auch, wenn sie wütend sind und miteinander
kämpfen, laut schreien oder schnauben.
Obwohl Braunbären Raubtiere sind, fressen sie fast alles, was ihnen vor die
Schnauze kommt: Früchte, Beeren, junge Knospen und Wurzeln, Krebse, Fische,
Frösche oder Ameisen, Vogeleier und Honig. Auch vor Aas machen sie nicht halt.
Bären jagen nur selten große Tiere. Ihren dicken Winterspeck fressen sie sich vor
allem mit süßen Beeren und anderen Früchten an.
Der Luchs (Lynx lynx)
Luchse sind Raubtiere und gehören wie Löwen, Tiger und Hauskatzen zur Familie
der Katzenartigen (Felidae).
Sie sind die größten Raubkatzen, die es in Europa gibt. Ein Luchs wird etwa 80 bis
110 Zentimeter lang, 55 bis 65 Zentimeter hoch und 20 bis 22 Kilogramm schwer.
Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen, beide sehen aber gleich aus. Ihr
beige- bis rotbraunes, dunkel getupftes Fell ist so dicht, dass ihnen auch die
schlimmste Winterkälte nichts anhaben kann.
Durch ihre Zeichnung sind sie im dichten Wald zwischen den Bäumen perfekt
getarnt. Bauch und Kehle sind heller gefärbt.
Die Vorderbeine sind etwas kürzer als die Hinterbeine. Das ist ein Zeichen dafür,
dass der Luchs sehr gut sprinten und springen kann.
Ein Luchs lässt sich an den etwa vier Zentimeter langen "Pinseln" auf seinen Ohren
und an dem kurzen Stummelschwanz mit schwarzer Spitze leicht erkennen.
Die Pinsel auf den Ohren dienen dem Luchs vermutlich als eine Art Antenne - mit
ihrer Hilfe kann er feststellen, wo ein Geräusch herkommt.
Außerdem haben Luchse einen richtigen Backenbart, der wie eine kleine Mähne
aussieht. Für den Luchs ist diese Mähne so etwas wie ein Schalltrichter, mit dessen
Hilfe er besser hört.
Ihre Pfoten besitzen ein dichtes, breites Haarpolster. Beides hilft ihnen, auch im
Winter im Schnee gut laufen zu können.
Die Haarpolster wirken wie Schneeschuhe und verhindern, dass der Luchs in den
Schnee einsinkt.
Früher gab es Luchse in ganz Europa und Asien: von den Pyrenäen bis nach Sibirien
und zur Pazifikküste.
Bei uns wurden sie allerdings schon lange ausgerottet und leben heute nur noch in
Nord- und Osteuropa, auf dem Balkan und in den Pyrenäen.
Inzwischen hat man in der Schweiz und in einigen Regionen Deutschlands vor
einigen Jahren wieder Luchse angesiedelt.
Luchse lieben Wälder. Dort sind sie mit ihrem getupften Fell zwischen den Blättern
und Ästen so gut getarnt, dass man sie so gut wie nie zu sehen bekommt.
Es gibt vier Luchsarten, die manchmal noch in einige Unterarten untergliedert
werden: Der Europäische Luchs oder Nordluchs kommt in Europa und Asien vor, der
Pardell-Luchs in Spanien und Portugal, der Kanada-Luchs in Kanada und Alaska.
Der Rot-Luchs lebt in den USA und in Mexiko.
Luchse werden etwa fünf Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahren oder noch
älter.
Man sagt nicht umsonst von jemandem, der besonders gut hören und sehen kann:
Der hat Augen und Ohren wie ein Luchs. Luchse können im Dunkeln sechsmal so
gut sehen wie ein Mensch. Ein Kaninchen entdecken sie auf 300 Meter Entfernung.
Bevor wir einen Luchs entdecken, hat er uns längst gehört oder gesehen und ist
lautlos verschwunden. Luchse streifen als Einzelgänger durch die Wälder, meist sind
sie in der Dämmerung und nachts aktiv.
Ihre Reviere markieren die Luchse mit Urin, und diese Duftmarken sagen anderen
Luchsen: Hier wohne ich, und du hast hier nichts zu suchen.
Luchse benutzen - wie viele andere Tiere auch - in ihren Revieren immer wieder die
gleichen Wege, so genannte Wechsel. Zum Schlafen und Ausruhen am Tag ziehen
sie sich in Nischen und Höhlen zurück. Jeder Luchs hat in seinem Revier mehrere
Ruheplätze.
Wo es sie noch gibt, können Wolf, Vielfraß und Braunbär dem Luchs gefährlich
werden. Sein größter Feind ist jedoch der Mensch:
Jahrhunderte lang wurde der Luchs gejagt und war bei uns - bevor er wieder
angesiedelt wurde - ausgerottet.
Luchse jagen meist in der Dämmerung. Lautlos schleichen sie sich an ihre Beute an,
überraschen sie mit einem Sprung, packen sie mit den Vorderpfoten und töten sie mit
einem einzigen Biss in die Kehle oder das Genick.
Die Beute wird in ein Versteck im Unterholz geschleppt, damit sie vor anderen
hungrigen Tieren sicher ist. Oft decken Luchse den Rest ihrer Beute mit Laub oder
Schnee ab und kommen am nächsten Tag zurück, um weiter zu fressen.
Luchse jagen ihrer Beute nie nach. Wenn sie sie nicht beim ersten Sprung
erwischen, lassen sie sie entkommen und suchen sich ein neues Opfer.
Zwischen Februar und März ist bei den Luchsen Paarungszeit. Dann ziehen die
Männchen auf der Suche nach einer Partnerin weit umher. Es ist auch die einzige
Zeit im Jahr, in der man die Stimme der Luchse hören kann: Mit einem lauten Miauen
oder Heulen rufen die Männchen nach einem Weibchen.
Etwa 70 Tage nach der Paarung, zwischen Ende Mai bis Anfang Juni, kommen in
einem gut geschützten Versteck meist zwei oder drei, manchmal auch vier Junge zur
Welt. Ein neugeborener Luchs wiegt nur 250 bis 300 Gramm und ist noch blind. Erst
nach zwölf Tagen öffnen sich die Augen. Anfangs werden sie nur von der Mutter
gesäugt, aber schon mit sieben Wochen probieren sie auch feste Nahrung.
Mit sechs oder sieben Monaten unternehmen sie die ersten Jagdversuche und nach
dem ersten Winter bringen sie schon sieben bis zehn Kilogramm auf die Waage.
Wird die Höhle der Jungen entdeckt, packt sie die Mutter am Nacken und bringt sie in
ein neues Versteck.
Meist bleiben die Jungen ein Jahr bei der Mutter. Bekommt diese wieder Nachwuchs,
müssen die jungen Luchse das Revier der Mutter verlassen und selbstständig
werden.
Luchse miauen ähnlich wie unsere Hauskatzen. Zur Paarungszeit kann man von den
Männchen schon mal ein Knurren und Heulen hören.
Luchse haben viele Beutetiere:
Von Fröschen über Mäuse und Hasen bis zum Reh und Hirsch fressen sie alles.
Meist ernähren sie sich jedoch von Rehen und Gämsen.
Ein Luchs braucht pro Woche ein Reh, das sind etwa zehn Kilogramm Fleisch.
Der Siebenschläfer (Glis glis)
Der Siebenschläfer trägt seinen Namen, weil er sich im Winter für mindestens sieben
Monate zur Ruhe legt.
Siebenschläfer haben einen buschigen Schwanz und sehen ungefähr so aus wie
Mäuse, die zu groß geraten sind.
Ihr Körper kann fast 20 Zentimeter lang werden; ihr Schwanz rund 15 Zentimeter.
Große Siebenschläfer wiegen 100 bis 120 Gramm.
Den Rücken des Siebenschläfers bedecken graue Haare.
Am Bauch ist er heller gefärbt. An der Schnauze hat er lange Tasthaare, und um
seine Augen läuft ein dunkler Ring.
Kälte mag der Siebenschläfer nicht.
Deshalb kommt er nur in einigermaßen warmen Gegenden Europas vor:
Er lebt in den Wälder von Süd- und Mitteleuropa, ist aber in England und
Skandinavien nicht anzutreffen.
Am liebsten klettern Siebenschläfer auf Bäumen mit Blättern herum.
Deshalb bewohnen sie hauptsächlich Laub- und Mischwälder vom Tiefland bis ins
Mittelgebirge. Buchenwälder mag der Siebenschläfer am liebsten.
Aber er fühlt sich auch in der Nähe von Menschen wohl, zum Beispiel auf Dachböden
und in Gartenhäuschen.
Der Siebenschläfer ist ein Mitglied der Bilch-Familie, die zu den Nagetieren gehören.
Vom Siebenschläfer gibt es zahlreiche Unterarten, die nur in bestimmten Regionen
vorkommen. In Deutschland leben noch andere Bilche außer dem Siebenschläfer.
Dazu gehören die Haselmaus, der Gartenschläfer und der Baumschläfer.
Siebenschläfer werden fünf bis neun Jahre alt.
Tagsüber verkriecht sich der Siebenschläfer gerne in hohlen Bäumen und schläft.
Der eigentliche "Tag" des Siebenschläfers beginnt erst am Abend: dann geht er
nämlich auf Nahrungssuche.
Nur selten entfernt sich der Siebenschläfer mehr als 100 Meter von seinem
Schlafplatz.
Dafür wechselt er sein Versteck von Zeit zu Zeit.
Ende August überkommt den Siebenschläfer dann die große Müdigkeit - er zieht sich
zum Winterschlaf zurück und wacht erst im Mai wieder auf.
Freunde und FeindeWie alle kleinen Nagetiere gehören auch die Siebenschläfer zu
den Lieblingsspeisen von Greifvögeln und Landraubtieren.
Aber auch Marder, Katzen, Uhus und Waldkäuze zählen zu ihren Feinden.
Und auch die Menschen machen Jagd auf sie: Weil sie großen Schaden in
Obstplantagen anrichten können, weil sie ein dichtes Fell haben - und weil sie in
einigen Ländern sogar gegessen werden!
Im Juli beginnt die Paarungszeit. Das Männchen markiert sein Revier mit Duftmarken
und quiekt, um Weibchen anzulocken. Kommt ein Weibchen vorbei, dann rennt das
Männchen ihm hinterher und lässt nicht locker, bevor es sich mit ihm paaren darf.
Danach will das Männchen nichts mehr von dem Weibchen wissen und sucht nach
neuen Partnerinnen.
Das Weibchen beginnt mit dem Nestbau. Es trägt Moose, Farne und Gras an seine
Schlafstelle und polstert sie.
Nach vier bis fünf Wochen kommen dort zwei bis sechs junge Siebenschläfer zur
Welt. Die Jungtiere wiegen gerade einmal zwei Gramm. Sie sind noch nackt, blind
und taub. Sie verbringen mindestens die nächsten vier bis sechs Wochen im Nest.
Sie verlassen es nach knapp zwei Monaten.
Dann sind die jungen Siebenschläfer fast ausgewachsen. Sie müssen aber noch viel
fressen, um ein Gewicht von mindestens 70 Gramm zu erreichen. Nur so können sie
ihre erste lange Winterpause überstehen.
Im nächsten Frühjahr, wenn sie erwachen, sind die Jungen geschlechtsreif.
Wer jemals Siebenschläfer auf dem Dachboden gehabt hat weiß: Die putzigen Nager
können ordentlich Krach machen. Sie pfeifen, quieken, murren, meckern und
grummeln. Und sie tun es sehr oft.
Die Speisekarte der Siebenschläfer ist groß. Sie fressen Früchte, Eicheln,
Bucheckern, Nüsse, Beeren und Samen. Aber die Tiere nagen auch an der Rinde
von Weiden und Lärchen und verzehren die Knospen und Blätter von Buchen.
Allerdings mögen Siebenschläfer auch tierische Nahrung: Maikäfer und andere
Insekten schmecken ihnen ebenso gut wie junge Vögel und Vogeleier.
Siebenschläfer gelten als sehr gefräßig. Das liegt daran, dass die Tiere für den
Winter vorsorgen und sich eine Fettschicht anfressen.
Während des Winterschlafs zehren sie von diesem Fettpolster und verlieren
zwischen einem Viertel und der Hälfte ihres Gewichts.
Wie viele andere Nagetiere müssen sich auch Siebenschläfer viel bewegen und
dauernd nagen. Deshalb sind sie nicht als Haustiere geeignet.
Die Zecke (xodes ricinus)
Zecken gehören zur Familie der Schildzecken und damit zur Ordnung der Milben und
zur Klasse der Spinnentiere. Normalerweise sind Zecken nur ein bis zwei Millimeter
groß. Wenn sie sich jedoch mit Blut voll gesaugt haben, messen sie bis zu einem
Zentimeter. Die Weibchen sind meist größer als die Männchen.
Der Körper der Zecken ist eiförmig, rot bis hellbraun gefärbt und in zwei Teile
gegliedert: In den Körper und den winzigen Kopf mit den Mundwerkzeugen.
Auf dem Rücken tragen sie einen dunklen, festen Chitinschild, der ein typisches
Muster aus feinen Porenkanälen besitzt. Er ist bei den Männchen sehr viel größer als
bei den Weibchen, bei denen der Schild kaum zu erkennen ist.
An der Spitze des Körpers sitzt der dunkle, fast schwarze Kopf mit den winzigen
Mundwerkzeugen.
Sie sind zu perfekten Beiß- und Saugapparaten umgebildet: Mit scharfen Zähnchen
können die Tiere ein Loch in die Haut schneiden, durch das sie dann eine Art
Saugrohr einführen, mit dem sie Blut saugen.
Etwas unterhalb der Mundwerkzeuge sind vier winzige schwarze Beinpaare zu
erkennen. Weil Zecken zu den Spinnentieren gehören haben, haben sie acht Beine.
An der Körperunterseite zwischen den Beinpaaren befinden sich außerdem winzige
Öffnungen: Dies sind die sogenannten Tracheen, durch die die Zecken atmen.
Zecken sind praktisch auf der ganzen Welt verbreitet. Die bei uns heimischen Zecken
kommen vor allem in gemäßigten Klimazonen bis in 1000 Meter Höhe vor.
LebensraumZecken halten sich vor allem im hohen Gras und auf Sträuchern oder im
Laubstreu auf feuchtem Boden auf. Sie krabbeln jedoch nie auf Bäume, sondern sind
in maximal 80 Zentimeter Höhe über dem Boden zu finden.
Auf der ganzen Welt gibt es etwa 800 verschiedene Zeckenarten.
Zecken werden etwa zwei bis drei Jahre alt. Sowohl die Larven als auch erwachsene
Tiere können die kalte Winterszeit in einem Versteck überdauern.
Zecken werden auch Holzbock genannt. Siebesitzen raffinierte Sinnesorgane, mit
denen sie Tiere und Menschen aufspüren können, um an ihnen Blut zu saugen.
Nähert sich ein Lebewesen, merken die Zecken dies, weil sich die Temperatur in
ihrer Umgebung durch die relativ hohe Körpertemperatur von Menschen und Tieren
erhöht.
Spüren Zecken, dass ein Mensch oder Tiere nahe ist, lassen sie sich von
Grashalmen und Sträuchern auf ihn fallen. Sie suchen sich eine feucht-warme
Hautstelle, beißen sich dort fest und saugen Blut. Dabei geben sie eine Substanz in
die Wunde ab, die die Blutgerinnung hemmt, sodass sie besser saugen können.
Leider übertragen Zecken in manchen Gegenden beim Saugen Krankheitserreger.
Dazu zählen das FSME-Virus, das zu einer bestimmten Form der
Gehirnhautentzündung führt und ein Bakterium, das die Lyme-Borreliose auslöst.
Gegen den FSME-Virus man sich impfen lassen, gegen die Borreliose helfen
Antibiotika.
Meist merken wir es zunächst nicht, wenn uns eine Zecke gebissen und sich
festgesaugt hat. Das liegt daran, dass die Tiere beim Stechen eine schmerzstillende
Substanz in die Wunde abgeben.
Entdeckt man die Zecke solange sie noch in der Haut festsitzt, sollte man sie sofort
entfernen. Dazu verwendet man eine spezielle Zeckenzange, sodass das Tier nicht
gequetscht wird und nicht abreißt, sondern ganz aus der Haut gezogen wird. Zerreißt
man die Zecke beim Herausziehen, bleiben die Mundwerkzeuge in der Wunde
zurück und es kann zu Entzündungen kommen.
Am besten geht man zum Arzt, wenn man gestochen wurde.
Nach der Paarung sterben die Zecken-Männchen, die Weibchen leben noch bis nach
der Eiablage weiter.
Zecken-Weibchen können bis zu 5000 Eier in ihrem Körper produzieren, im
Durchschnitt sind es 2000.
Je mehr Blut sie saugen konnten, umso mehr Eier bilden sie. Die Eier der Zecken
sind sehr widerstandsfähig: Die Weibchen geben aus einer speziellen Drüse eine
wachsartige Substanz ab, die die Eier überzieht und so vor dem austrocknen
bewahrt. Aus den Eiern schlüpfen zunächst die Larven. Sie sind gerade mal einen
Millimeter groß und fast durchsichtig. Außerdem besitzen nur sechs Beine und nicht
acht wie die erwachsenen Zecken.
Die Larven machen mehrere Entwicklungsschritte durch: Dabei häuten sie sich und
es bildet sich das vierte Beinpaar. Die Larve wird jetzt Nymphe genannt. Auch sie ist
ungefärbt und fast durchsichtig.
Damit die Larven und Nymphen die einzelnen Entwicklungsschritte durchlaufen
können, brauchen sie jeweils eine "Blutmahlzeit".
Sie dauert bei den Larven zwei bis vier, bei den schon weiter entwickelten Nymphen
drei bis fünf Tage. Im dritten Entwicklungsschritt schließlich entsteht die erwachsene
Zecke.
Zecken ernähren sich ausschließlich vom Blut ihrer Wirtstiere. Dies ist notwendig,
damit sie sich von der Larve zum erwachsenen Tier entwickeln und später
fortpflanzen können.
Zu den Wirtstieren der Zecken zählen alle warmblütigen Tiere, also Säugetiere und
Vögel und außerdem auch der Mensch.
Taucht kein geeignetes Tier oder ein Mensch auf, an dem sie Blut saugen können,
sind Zecken in der Lage, bis zu einem Jahr auf ein Wirtstier zu warten.
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)
Eichhörnchen - entweder kommt der Name von dem indogermanischen Wort "aig"
und bedeutet, dass sich etwas heftig und schnell bewegt; oder er kommt von "aik",
was einfach Eiche bedeutet. Und die puscheligen Ohren sehen von weitem aus wie
kleine Hörnchen.
Besonders auffällig ist der buschige Schwanz des Eichhörnchens. Mit 17 bis 20
Zentimetern ist er fast so lang wie sein Körper, der eine Größe von 20 bis 25
Zentimetern erreichen kann.
Die 300 bis 500 Gramm schweren Eichhörnchen sind auf dem Bauch und auf der
Brust weiß. Der Rücken ist meist mit rotem Fell bedeckt; das Fell kann aber auch alle
anderen Farben von schwarz bis hellgelb haben.
Die Hinterpfoten des Eichhörnchens sind länger und kräftiger als seine Vorderpfoten.
Im Winter stehen oben auf den Ohren kleine Haarbüschel in die Höhe, die auch
Pinsel genannt werden.
Von ein paar Inseln im Mittelmeer abgesehen, gibt es Eichhörnchen in jeder
bewaldeten Region Europas und Asiens.
Eichhörnchen leben im Wald. Am liebsten leben sie in Wäldern, in denen hohe
Nadelbäume stehen.Aber auch in Laubwäldern und Parkanlagen fühlen sie sich wohl
- vorausgesetzt, sie finden genügend zu fressen.
Die Eichhörnchen gehören zu den Hörnchen, die mit 250 Arten eine große Familie
innerhalb der Nagetiere bilden.
Die Hörnchen unterteilen sich in Baumbewohner, Erdhörnchen und Flughörnchen.
Im gesamten Verbreitungsgebiet des Eichhörnchens gibt es rund 40 Unterarten.
Eichhörnchen können zwölf Jahre alt werden. Aber in der freien Natur erreichen sie
nur selten so ein hohes Alter.
Das Leben der Eichhörnchen spielt sich meist hoch oben in den Bäumen ab: Dort
klettern und turnen sie blitzschnell über die Äste.
Der Schwanz dient dabei als Balancierstange und bei ihren waghalsigen Sprüngen
von Baum zu Baum als Steuer.
An dieses Leben sind Eichhörnchen hervorragend angepasst: Sie können sehr gut
sehen und Entfernungen genau abschätzen.
Außerdem besitzen sie richtige Sensoren: Tasthaare am Kopf, an den Körperseiten.
an Vorder- und Hinterbeinen und am Schwanz helfen ihnen, immer den richtigen
Abstand zu halten und Äste und Zweige genau zu spüren.
Läuft ein Eichhörnchen auf dem Boden, ist es besonders vorsichtig: Es richtet sich
immer wieder auf und hält aufmerksam nach Gefahren Ausschau.
Eichhörnchen sind tagaktiv. Morgens verlassen sie ihre Schlafnester und machen
sich auf Nahrungssuche. Dabei bewegen sie sich in einem Umkreis von 10 bis 50
Hektar. Am Abend kehren sie in ihre Nester, die man auch Kobel nennt, zurück. Dort
verkriechen sie sich auch gerne für ein paar Tage, wenn es draußen zu sehr regnet
und stürmt. Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf - selbst bei Kälte und Schnee
kann man sie manchmal bei der Futtersuche beobachten.
Bei großer Kälte schlafen manchmal mehrere Eichhörnchen zusammen in einem
Nest - eng aneinander gekuschelt und warm zugedeckt mit ihren buschigen
Schwänzen.
Zu den Feinden der Eichhörnchen zählen, Greifvögel wie Habichte, Bussard und
Uhu, aber auch Baummarder und Zobel. Eichhörnchen können ebenso für andere
Tiere gefährlich werden, denn manchmal fressen sie Vogeleier und Jungvögel.
Ende Dezember beginnt die Paarungszeit der Eichhörnchen. Die Männchen jagen
die Weibchen. Dabei regt sich das Weibchen manchmal ziemlich auf. Das Männchen
versucht dann, das Weibchen zu beruhigen, indem es die Rufe junger Eichhörnchen
nachmacht. Es kann einige Tage dauern, bis das Weibchen schließlich
paarungsbereit ist.
Ziemlich genau 38 Tage nach der Paarung bringt das Weibchen zwei bis fünf nackte,
blinde Junge zur Welt. Die Neugeborenen wiegen gerade einmal zehn Gramm. Drei
Monate lang werden sie von der Mutter versorgt. Sie füttert die Jungen, verteidigt sie
und zieht mit ihnen sogar in ein anderes Nest um, wenn sie sich bedroht fühlt.
Danach können sich die Jungtiere selbst ernähren. Sie verlassen ihre Mutter etwa
einen Monat später.
Rund drei Viertel der Jungen sterben schon im ersten Lebensjahr, weil sie Feinden
zum Opfer fallen oder nicht genug zu fressen finden. Eichhörnchen können zweimal
im Jahr Nachwuchs bekommen. Die ersten Würfe finden im späten Januar statt, die
letzten im August.
Wenn Eichhörnchen aufgeregt sind, rufen sie "tjuk-tjuk-tjuk". Oft trommeln sie dabei
mit den Vorderfüßen auf dem Boden oder dem Baumstamm.
Eichhörnchen gehören zu den Allesfressern.
Auf ihrem Speiseplan stehen Pflanzenteile wie Samen, Knospen, Beeren und Blüten
von Bäumen. Allerdings fressen sie auch Insekten, Schnecken, junge Vögel und
Vogel-Eier.
Für magere Zeiten legen die Eichhörnchen mehrere Vorratslager mit Nahrung an.
Dazu vergraben oder verstecken sie hauptsächlich Nüsse und Eicheln. Bevorzugte
Plätze sind Baumhöhlen, Astgabeln und Erdlöcher an Baumwurzeln.
Die Eichhörnchen merken sich die Verstecke aber nicht. Wenn sie Hunger haben
und keine Nahrung finden, suchen sie bis sie eine Vorratskammer entdecken.
Auf diese Weise tragen Eichhörnchen dazu bei, dass die Samen von Bäumen und
Sträuchern an viele neue Plätze gebracht werden: Werden sie vom Eichhörnchen
nicht gefressen, können sie hier im nächsten Frühjahr keimen und zu einem neuen
Baum heranwachsen.
Das Wildschwein (Sus scrofa)
Wildschweine gehören zu den größten Tieren, die in Mitteleuropa noch in freier
Wildbahn vorkommen. Zu sehen sind sie aber selten, da sie sich gut im Unterholz
verstecken.
Wildschweine haben einen keilförmigen Kopf; die Schnauze selbst ist stumpf und
endet in einem Rüssel. Die Augen und Ohren sind recht klein.
Der Kopf geht fast ohne Hals in einen massigen Körper über, der mit einem braunschwarzen Borstenfell bedeckt ist. Hinten baumelt ein kurzer Schwanz.
Wildschweine können bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen und fast einen
Meter hoch werden.
Die Männchen, die Keiler genannt werden, sind leicht an ihren langen Zähnen zu
erkennen: Die Eckzähne ragen oben und unten aus dem Mund des Keilers.
Sie schleifen sich gegenseitig zu scharfen Waffen ab. Auch die Weibchen - die so
genannten Bachen - haben Eckzähne; diese Zähne sind aber kürzer als bei den
Männchen.
Das Wildschwein ist in ganz Europa verbreitet. Im Süden reicht seine Heimat bis
nach Nordafrika. Im Osten endet das Verbreitungsgebiet des Wildschweins in den
westlichen Regionen Asiens.
Zwei Dinge sind dem Wildschwein ganz besonders wichtig: Es muss sich verstecken
können und es liebt das Wasser. Ansonsten passen sich Wildschweine leicht an ihre
Umgebung an.
Sie leben an Seeufern, in Schilfgürteln, Sümpfen, Reisfeldern und Wäldern. Und sie
besiedeln sogar tropische Küsten oder Gebiete im Hochgebirge.
Das Wildschwein gehört - wie der Name sagt - zu den Schweinen.
Vor mehr als 5000 Jahren haben die Menschen das Wildschwein zum Haustier
gemacht.
Vom Wildschwein stammen die verschiedenen Rassen des Hausschweins ab. Seit
rund 200 Jahren werden Schweine gezüchtet, so dass viele neue Rassen
entstanden sind.
Wildschweine können in Gefangenschaft bis zu 30 Jahre alt werden. In Freiheit
erreichen sie aber oft nur ein Alter von acht bis zwölf Jahren.
Wildschweine sind richtige Kraftpakete, die schnell rennen und sich mit ihrem
keilförmigen Kopf und Körper leicht einen Weg durchs Dickicht bahnen können.
Manchmal legen sie auf ihren Streifzügen Strecken bis zu 20 Kilometern zurück.
Außerdem können sie kilometerweit schwimmen und besitzen ein gutes Gehör.
Zudem haben sie einen sehr feinen Geruchsinn. Damit können Wildschweine sogar
Trüffelpilze riechen, die tief in der Erde liegen.
Freunde und Feinde
Das Wildschwein hat kaum noch natürlich Feinde, weil der Mensch Tiere wie
Wolf, Bär und Luchs weitgehend ausgerottet hat.
Im November erkennt der Keiler am Geruch, dass die Bachen wieder paarungsbereit
sind. Er gesellt sich zur Rotte, dem Familienverband der Wildschweine, und trägt mit
gleich alten oder gleich starken Keilern heftige Kämpfe um die Bachen aus. Die
jüngeren Keiler verziehen sich lieber, oder sie werden verjagt.
Die Tragzeit der Bache dauert vier bis fünf Monate. Kurz vor der Geburt setzt sie sich
von der Rotte ab.
An einer geschützten Stelle wühlt sie eine Mulde in den Boden, die sie anschließend
auspolstert. Darin kommen dann drei bis zwölf Frischlinge zur Welt.
Die Jungtiere haben von Anfang an Haare und können auch schon sehen.
Sie wiegen zwischen 800 und 1.100 Gramm und werden etwa drei Monate lang
gesäugt.
Frischlinge sind leicht zu erkennen, weil sie anfangs eine besondere Zeichnung
tragen: Auf dem dunkelbraunen Fell ziehen sich mehrere hellbraune Längsstreifen
entlang.
Im Alter von etwa sechs Monaten verschwindet die Frischlingszeichnung.
Mit neun bis 18 Monaten werden die Tiere geschlechtsreif. Nach zwei bis fünf Jahren
sind sie ausgewachsen.
Wenn genug Nahrung vorhanden ist, können Bachen auch mehrmals in einem Jahr
trächtig werden.
Wenn Gefahr im Verzug ist, schnauben die Wildschweine; dieses Schnauben wird
auch "Blasen" genannt.
Bevor die Tiere fliehen, stoßen sie oft noch einen Schnaufer aus, der an das Bellen
von Hunden erinnert.
Ansonsten grunzen sie bei jeder Gelegenheit. Die kleinen Frischlinge dagegen
quieken, wenn ihnen etwas nicht passt.
Wildschweine sind Allesfresser. Im Herbst fressen sie Eicheln, Kastanien und Nüsse.
Im Frühjahr ernähren sie sich von Adlerfarn, Bärenklau und verschiedenen Gräsern.
Zudem wühlen sie im Boden, um etwas Abwechslung auf den Speiseplan zu bringen.
Dabei buddeln sie nach Wurzeln, Mäuse-Nestern und Engerlingen. Aber auch Pilze,
Knollen und Aas lassen die Wildschweine nicht liegen.
In anderen Regionen der Erde fressen Wildschweine auch Muscheln, Krebse, Fische
und Bananen.
Der Rotmilan (Milvus milvus)
Der Rotmilan gehört zu den bekanntesten Greifvögeln, weil er oft in der Nähe
besiedelter Gebiete lebt. Früher wurde er auch Gabelweihe genannt, da er einen tief
gegabelten Schwanz besitzt.
Der Rotmilan ist ein eleganter Greifvogel:
Seine Flügel sind lang, sein Gefieder ist rostfarben, die Flügelspitzen sind
schwärzlich und die Flügel-Unterseiten im vorderen Teil sind hell.
Der Kopf ist hellgrau oder grauweiß.
Rotmilane werden 60 bis 66 Zentimeter lang. Ihre Flügelspannweite beträgt zwischen
175 und 195 Zentimetern.
Männchen wiegen zwischen 0,7 und 1,3 Kilogramm, Weibchen etwa 0,9 bis 1,6
Kilogramm.
An ihrem gegabelten Schwanz und den im Flug oft angewinkelten Flügeln sind sie
auch aus großer Entfernung leicht zu erkennen.
Die Heimat des Rotmilans ist vor allem Mitteleuropa. Er kommt aber auch in
Großbritannien und von Frankreich bis Spanien und Nordafrika vor sowie in
Skandinavien und in Osteuropa. Der größte Teil der Milane lebt in Deutschland; hier
vor allem in Sachsen-Anhalt.
Der Rotmilan lebt vor allem in Landschaften mit Wäldern, an Waldrändern in der
Nähe von Feldern sowie am Rand von Siedlungen.
Er bevorzugt Gebiete, die in der Nähe eines Gewässers liegen. Manchmal tauchen
Rotmilane heute sogar in Großstädten auf. Die schönen Greifvögel meiden Gebirge
und Mittel-Gebirge.
Nah mit dem Rotmilan verwandt ist der Schwarzmilan. Er lebt im selben
Verbreitungsgebiet wie der Rotmilan, kommt aber zusätzlich auch im südlichen Afrika
und von Asien bis Nordaustralien vor. Er lebt bei uns immer in Wasser-Nähe, in den
Tropen auch in Städten und Dörfern.
Beide Arten lassen sich gut voneinander unterscheiden: Der Rotmilan hat eine viel
auffälligere Zeichnung, besitzt einen längeren Schwanz und hat größere Flügel als
der Schwarzmilan.
Neben diesen beiden Arten gibt es noch die Schneckenweihe in Amerika, die
Brahminenweihe, den Ägyptischen Schmarotzermilan und den Sibirischen
Schwarzmilan.
Rotmilane werden vermutlich bis zu 25 Jahre alt. In Gefangenschaft erreichte ein
Vogel sogar ein Alter von 33 Jahren. Andere Quellen berichten von einem Rotmilan,
der sogar ein Alter von 38 Jahren erreicht haben soll.
Ursprünglich sind Rotmilane Zugvögel, die im Winter in wärmere Gebiete in den
Mittelmeerraum ziehen.
Seit etwa 50 Jahren bleiben aber immer mehr Tiere auch in der kalten Jahreszeit bei
uns, weil sie hier leichter Nahrung finden - zum Beispiel Essens-Reste, die sie auf
Müllkippen suchen.
Während sie im Sommer paarweise leben, gesellen sie sich im Winter oft zu
größeren Gruppen zusammen, die gemeinsam an so genannten Winterschlafplätzen
übernachten.
Rotmilane sind geschickte Flieger. Mit langsamen Flügelschlägen gleiten sie durch
die Luft. Dabei schwenken und drehen sie oft ihren Schwanz, den sie als Steuer
benutzen.
Rotmilane legen Strecken von bis zu zwölf Kilometern zurück, wenn sie nach Beute
suchen.
Sie haben ungewöhnlich große Territorien von 2000 bis 3000 Hektar, über denen sie
bei ihren Jagdflügen kreisen.
Da Rotmilane so geschickte Flieger sind, haben sie kaum natürliche Feinde.
Jagd. Rotmilane sind gute Jäger. Größere Beutetiere töten sie mit einem heftigen
Hieb ihres Schnabels auf den Kopf.
Rotmilane bauen ihre Nester hoch oben in Laub- und Nadelbäumen. Meist bauen sie
selbst, manchmal ziehen sie aber auch in Nester anderer Vögel ein, zum Beispiel
Bussard- oder Krähen-Nester.
Bei der Innen-Ausstattung sind sie nicht wählerisch, das Nest wird mit allem
ausgepolstert, was ihnen in den Schnabel kommt: Von Plastiktüten, Stoff-Fetzen,
Papier und Fellresten bis zu Stroh wird alles verwendet. Ungefährlich ist das nicht:
Manchmal verheddern sich die Jungen in Schnüren oder Fasern, können sich nicht
befreien und sterben dann. Vor der Paarung vollführen Rotmilane besonders schöne
Balzflüge: Erst kreisen sie in großer Höhe, dann lassen sie sich im Sturzflug auf das
Nest hinunter fallen.
Gebrütet wird bei den Rotmilanen meist etwa Anfang Mai. Das Weibchen legt zwei
bis drei Eier, selten sind es mehr.
Jedes Ei wiegt etwa 60 Gramm und ist 45 bis 56 Millimeter groß. Die Eier können
sehr verschieden gefärbt sein. Von weiß über rötlich bis braunviolett gepunktet.
Sowohl Männchen als auch Weibchen brüten abwechselnd.
Nach 28 bis 32 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie bleiben 45 bis 50 Tage im Nest. In
den ersten zwei Wochen bringt meist das Männchen die Nahrung, während das
Weibchen die Jungen bewacht, danach werden die Kleinen von beiden Eltern mit
Futter versorgt. Nach der Zeit im Nest halten sich die Jungen noch etwa ein bis zwei
Wochen auf Ästen in der Nähe des Nestes auf, bevor sie richtig flügge werden.
Wenn sie nicht bei uns bleiben, ziehen sie anschließend gemeinsam in ihr
Winterquartier im Süden.
Rotmilane rufen "wiiuu" oder "djh wiu wiuu".
Rotmilane haben einen abwechslungsreichen Speiseplan: Dazu gehören viele kleine
Säugetiere von der Maus bis zum Feldhamster, aber auch Vögel, Fische, Reptilien
und Frösche, Regenwürmer, Insekten und Aas.
Manchmal jagen sie auch anderen Greifvögeln die Beute ab.
Manchmal werden Rotmilane in Falknereien gehalten und für die Jagd abgerichtet.
Die Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
Die Gottesanbeterin hat ihren Namen von ihrer Körperhaltung.
Sie hat ihre Vorderbeine oft angewinkelt; das sieht aus, als würde sie beten.
Der Körper der Gottesanbeterin ist 5 bis 7,5 Zentimeter lang und dünn. Am Hinterleib
hat sie vier dünne Beine, mit denen sie über Zweige und durchs Gebüsch krabbelt.
Die zwei Vorderbeine sind kräftiger und dienen als Fangbeine. Sie sind oft
zusammengefaltet und haben Dornen und Haken.
An ihrem dreieckigen Kopf fallen sofort die großen Facettenaugen auf: sie sitzen
seitlich am Kopf. Damit hat sie einen guten Überblick.
Zudem kann sie ihren Kopf sehr gut drehen und so ihre Beute mit den Augen
verfolgen. Die Gottesanbeterin kann grün, gelblich oder braun gefärbt sein. Die
Weibchen werden größer und dicker als die Männchen.
Die Gottesanbeterin lebt in bestimmten Gebieten in Mittel- und Südeuropa. In
Deutschland kommt sie nur noch in Baden-Württemberg, in der Gegend um den
Kaiserstuhl, vor.
In Österreich leben noch einige Fangschrecken am Neusiedler See. In Südeuropa wie z.B. in Italien, Kroatien oder der Türkei - sind sie aber stellenweise häufig
anzutreffen.
Die Gottesanbeterin bewohnt Büsche und Sträucher, aber man findet sie auch auf
dem Boden des Graslandes.
Sie liebt besonders sonnige Hänge und Waldränder. Dort krabbeln die erwachsenen
Tiere hauptsächlich von August bis Oktober herum.
Die Fangschrecken oder Gottesanbeterinnen teilen sich in acht Familien mit
insgesamt rund 2150 Arten auf. Damit bilden sie unter den Insekten, die fast eine
Million Arten umfassen, nur eine sehr kleine Gruppe.
Manche Fangschrecken in den Tropen sind bunt gefärbt. Sie sehen dann manchmal
aus wie Blütenblätter. Dadurch tarnen sie sich in einer Umgebung mit vielen Blumen
gut. Einige dieser Arten können bis zu 15 Zentimeter groß werden.
Die Gottesanbeterin lebt nur ein Jahr. Die Larven, die auch Nymphen heißen,
schlüpfen im Frühjahr. Die erwachsenen Tiere, die Imagines genannt werden,
sterben im Spätjahr, wenn die kalte Jahreszeit beginnt.
Gottesanbeterinnen fliegen nicht gerne und bewegen sich meistens auch sehr
langsam. Deshalb sitzen sie oft tagelang auf derselben Pflanze, manchmal sogar
immer auf demselben Zweig.
Dort beobachten sie ihre Umgebung und warten auf Beute. Denn Fangschrecken
sehen sehr gut.
Meist machen es sich die Fangschrecken bei der Jagd leicht. Sie sitzen, häufig mit
dem Kopf nach unten, bewegungslos auf einer Pflanze und warten darauf, dass sich
ein unvorsichtiges Insekt nähert. Dann klappen sie blitzschnell die gefalteten
Fangbeine aus und packen das Beutetier.
Dabei klappen sie die Fangbeine wie ein Taschenmesser zusammen. Weil die
Fangbeine Haken und Dornen haben, können die gefangenen Insekten nicht fliehen.
Die Fangschrecken lähmen ihre Beute dann mit einem Genickbiss und fressen sie
auf. Manchmal schleichen sich Gottesanbeterinnen auch ganz langsam an ihre
Beute heran. Dann gehen sie wie in Zeitlupe und nähern sich dem Beutetier mit
winzigen Schritten. Seltener bewegen sich Gottesanbeterinnen schnell bei der Jagd.
Doch sie können auch große Sprünge machen.
Die Paarung kann bei den Gottesanbeterinnen vom Sommer bis in den späten
Herbst stattfinden. Zur Paarung schleicht sich das Männchen von hinten an das
Weibchen heran. Dann springt es auf das Weibchen und hält es an den Flügeln fest.
Die Paarung dauert etwa zwei Stunden. Danach fressen die Weibchen ihre Partner
häufig auf.
Später legen die Weibchen 100 bis 300 Eier in Behältern ab, die auch Kokons
genannt werden.
Bis die Larven im Frühjahr schlüpfen, dauert es also mindestens zwei Monate.
Die jungen Larven sehen aus wie kleine Ausgaben der erwachsenen Tiere. Sie
bewegen sich sehr flink und gehen auch schon auf Beutefang wie ihre Eltern. Nach
sechs bis sieben Häutungen (die Männchen häuten sich einmal weniger als die
Weibchen) sind die Tiere erwachsen. Etwa zwei Wochen nach der letzten Häutung
werden sie geschlechtsreif.
Die Gottesanbeterin ist ein Räuber. Fliegen, Heuschrecken, Wespen, Bienen und
andere kleine Insekten stehen ganz oft auf ihrem Speisezettel.
Ab und zu fängt sie auch eine Spinne. Sie jagt Tiere, die kleiner sind als sie, aber
auch gleich große. Manchmal frisst sie sogar Artgenossen.
Wenn du eine Gottesanbeterin hältst, fütterst du sie mit Fliegen, Heimchen, Motten
oder Heuschrecken. Das Futter kannst du dir im Sommer draußen selbst fangen. Im
Winter musst du in der Zoohandlung Fliegenmaden kaufen. Wenn die Fliegen
geschlüpft sind, kannst du sie verfüttern.
Gottesanbeterinnen sind geschützt, deshalb darfst du sie nicht in der Natur fangen.
Es gibt viele verschiedene Arten von Gottesanbeterinnen. Sie brauchen alle ein
eigenes Terrarium oder Gefäß, weil sich die Fangschrecken gegenseitig als Futter
betrachten und fressen. Zur Haltung kannst du ein kleines Terrarium oder ein großes
Glas nehmen. Einmachgläser mit einem Inhalt von 1,5 bis 2 Liter eignen sich ganz
gut. Damit die Fangschrecke sich wohl fühlt, legst du am besten Zweige, Pflanzen
oder Holzwolle in das Gefäß. Darauf kann die Gottesanbeterin herumkrabbeln.
Wenn du willst, dass sich deine Fangschrecken paaren, musst du sie zusammen
bringen. Du kannst sie auf eine große Zimmerpflanze setzen oder auch an den
Vorhang.
Gottesanbeterinnen müssen einmal am Tag mit Wasser besprüht werden. Das geht
am besten mit einem Zerstäuber. Diese Behandlung ist nötig, damit die Tiere sich
leichter häuten können.
Wenn sie zu wenig Feuchtigkeit haben, kann es zu fehlerhaften Häutungen kommen.
Danach können die Fangbeine so verformt sein, dass die Fangschrecke damit keine
Beute fangen kann. Andere Fehlhäutungen führen zu verkrümmten Vorderleiben
oder dazu, dass die Gottesanbeterin gar nicht ganz aus der alten Haut herauskommt.
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