Argumentation in der literarischen Problemarbeit generell Wir

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Argumentation in der literarischen Problemarbeit
generell
Struktur


Wir verwenden die Gegenwart (und die Vergangenheit als Vorzeit)!
Die These muss eine Aussage sein. Ein Schlagwort ist keine These. Eine Frage ist
keine These. („Troia verwandelt sich in eine Diktatur“  Verwandlung in eine
Diktatur  Warum wird Troia eine Diktatur?)
 „Buch“: materieller Gegenstand; es geht um den Inhalt; also „Text“, „Erzählung“,
„Geschichte“, „Handlung“, …
 Der Konjunktiv ist ein wichtiges Stilmittel der Distanzierung; konsequente und
sichere Unterscheidung zwischen Konjunktiv und Indikativ ist Voraussetzung für
eine „gute“ oder „sehr gute“ Bewertung einer Arbeit (Faschistische Parteien
behaupten, durch den Tod im Krieg kann / könne man zu einem Helden werden. )
Text: „Kassandra“
Ein konkretes Thema / ein thematischer Aspekt, z. B.
 Militarisierung, Kritik am Krieg
 Veränderung der troianischen Gesellschaft
 Manipulation
 Entwicklung Kassandras; Kassandras Persönlichkeit
 Die Frage nach Kassandras Mitschuld
 Die Spaltung der troianischen Gesellschaft
 Einschränkung auf ein konkretes Thema; Was nicht zum Thema passt, ist für
die Diskussion irrelevant
Diskussionsfrage = Kern der Aufgabenstellung
„Wie verändert sich die troianische Gesellschaft durch den 10jährigen Krieg gegen
die Griechen nach innen?“
 Weitere Einschränkung auf eine konkrete Diskussionsfrage; die
Diskussionsfrage bestimmt die Perspektive, aus der das Thema behandelt
werden soll
Thesen: Jede These ist eine Teilantwort auf die Fragestellung. Die logische Beziehung
zwischen Fragestellung und These muss für einen Leser erkennbar und
nachvollziehbar sein.
Beispiele:
 Troia verwandelt sich von einer offenen in eine patriotistische und
nationalistische Gesellschaft.
 Troia verwandelt sich von einer offenen und toleranten Gesellschaft in einen
totalitären Staat. Wer dem Kriegstreiben skeptisch gegenübersteht oder am
Sieg Troias zweifelt, muss mit Einschüchterung und Bespitzelung rechnen.
 Wer die Entscheidungen der Mächtigen (Eumelos, Priamos, Paris) kritisiert,
wird bestraft.
 Die Frauen verlieren ihr traditionelles Mitspracherecht. Sie werden an den
Rand der Gesellschaft gedrängt.

Der Mensch ist nur noch Mittel zum Zweck. Männer müssen im Kampf ihr
Leben riskieren. Frauen werden zum Kriegspfand und zur Kriegstrophäe.
Wichtig: Gesamtkomposition: Thesen sollten nicht einfach aneinandergereiht sein;
vielmehr sollte es eine „Kompositionslogik“ geben!
Beispielargument (Simon Nußbaumer, Schluss überarbeitet: ME)
These:
„Das menschliche Leben ist nichts mehr wert.“
Ausgebautes Argument:
Im Verlauf des Krieges verliert das menschliche Leben in Troia seinen Wert. Menschen werden
„geopfert“, wenn die Kriegslogik es erfordert.
„Achill das Vieh hat ihn, hat mich erstochen, verstümmelt, am Gehenk des Aias viele Male um die
Burg geschleift. Ich war lebend, was der tote Hektor wurde: ein Klumpen rohes Fleisch.“ („Kassandra“,
S. 129/5) Mit dieser Aussage Kassandras lässt sich die Veränderung in der troianischen Gesellschaft
gut beschreiben. Sie zeigt, wie sehr der Krieg die Menschen verändert und ethische Maßstäbe
verschiebt. Männer werden zu „ Bestien“, die skrupellos töten und selbst die Toten noch entehren
und schänden. Achilles‘ Triumpf ist total, als er die Leiche Hektors um die Burg schleift und so den
troianischen Machthabern demonstriert, mit welcher Abscheu er auf das troianische Volk blickt.
Achilles verletzt auch die sozialen Regeln und Tabus, die dem Krieg vielleicht noch einen Rest an
Kultur und Zivilisation lassen könnten. Und so wird auch Kassandras Hass auf Achilles („das Vieh“)
veständlich. Eine weitere Tabu-Verletzung begeht Achill, als er die Amazonenkönigin Penthesilea
nicht nur im Kampf tötet, sondern sich an ihrer Leiche nach ihrem Tod sexuell vergeht. „Achill der
Griechenheld schändet die tote Frau. Der Mann, unfähig die Lebendige zu lieben, wirft sich, weiter
tötend, auf das Opfer.“ (Kassandra, S. 137/27)
Dabei ist es immer weniger von Bedeutung, ob die Soldaten auf der Seite der Griechen oder auf der
Seite der Troier stehen. Hektor, der troianische Prinz, hätte sich niemals auf den Kampf gegen Achill
einlassen müssen, denn es ist klar, dass er gegen Achill keine Chance hat. Doch der „moralische
Druck“ auf Hektor und die patriotische Erwartung vieler Troianer lassen Hektor keine Chance: Er
muss den Tod seines Bruders Trojlos rächen. Er „muss“ sein eigenes Leben opfern, wenn er in Troia
nicht als Versager oder Feigling geächtet werden will. Zum Ausgleich wird er dann nach seinem Tod
zum Helden mythisiert. Der ethische Tiefpunkt ist erreicht, als Eumelos, Paris und Priamos
beschließen, Kassandras schöne Schwester Polyxena als Lockvogel zu benutzen, um Achilles endlich
töten zu können. Polyxena muss im Tempel auf Achilles warten, dem sie als „Kriegsbeute“
versprochen worden ist. Während Achilles über Polyxena herfällt, tötet Paris ihn aus dem Hinterhalt.
Damit zeigen die Troianer, die einst so stolz auf ihre „moralische Überlegenheit“ gegenüber den
Griechen gewesen sind, dass sie skrupelloser und brutaler als „das Vieh“ Achill sein können, wenn
es die Kriegslogik zu erfordern scheint: Polyxenas wird zum Köder; der „Krieger“ zum hinterhältigen
Mörder; der „heilige Ort“ des Tempelaltars zum Ort dieses feigen und hinterhältigen Mordes. Der
strategische Sieg über Achill wird zum moralischen Fiasko. Wer Krieg führt, kann sich ethische
Skrupel nicht leisten. Das ist Kassandras bittere Erkenntnis: „Der Anschlag war geglückt. Wäre es
nach mir gegangen, das Vieh wär noch am Leben. Wer Erfolg hat, behält recht. […] Sie hatten recht.
Und mein Teil war, nein zu sagen.“ („Kassandra“, S. 149
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