Die Zeit, die vierte Dimension

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Die Zeit,
die vierte Dimension
Ulrich Mosel
Albert Einstein
„Seit die Mathematiker über die
Relativitätstheorie hergefallen sind,
verstehe ich sie selbst nicht mehr“
Weltbild der Physik um 1900



1865: Maxwell stellt die Grundgleichungen des Elektromagnetismus auf
1885: Röntgen weist in Giessen den
Maxwell‘schen Verschiebungsstrom
nach, Hertz findet Radiowellen
Licht als elektromagnetische Welle verstanden mit endlicher Geschwindigkeit
 c = 300.000 km/sec
Weltbild der Physik um 1900

Wellen:
• Wasserwellen im Wasser
• Schallwellen in Luft
• Elektromagnetische Wellen im Äther
Physik im Zug


Im gleichmäßig fahrenden Zug
(Geschwindigkeit v) kann man nach vorne
oder hinten gehen mit der Geschwindigkeit
w. Gegenüber dem Bahndamm geht man
dann mit Geschwindigkeit v § w.
Im gleichmäßig fahrenden Zug läßt sich
genauso Tischtennis spielen wie auf der
Wiese am Bahndamm
Galilei‘sches Relativitätsprinzip
Physik im Zug



Genauso läuft eine Welle in einem
Wasserbecken (w) im Zug (v) mit
v § w gegenüber dem Bahndamm
Eine Lichtwelle (Geschwindigkeit c)
hat dann die Geschwindigkeit
c´ = v § c gegenüber dem Bahndamm
Die Erde ist ein „Zug“: v ¼ 30 km/sec
Eine einfache Uhr

Zeit zwischen Ereignissen
• Im Zug:
 tz = 2 D/c
Einstein:
„Zeit ist, was man
auf der Uhr abliest“

Uhr im Zug

Zeit zwischen Ereignissen, vom
Bahndamm aus gesehen:
 tB 
v  t /2
v  t /2

r
³
´
v tB 

 D 
L


c0
c0
r
³
´
v
t
B
 D 

q
c v 
D

  tZ
c


Uhr im Zug
Vom Bahndamm aus gesehen
vom Bahndamm aus gesehen
Albert Einstein


1879: geboren in Ulm als Sohn
jüdischer Eltern, Vater Inhaber eines
Elektro-Geschäftes (‚high tech‘)
1888: katholisches Gymnasium in
München
1889
Albert Einstein
Albert Einstein


War ein guter Schüler, gut in den
Sprachen (Latein: 2, Griechisch: 2)
Einstein erinnert sich 1940:
• „Als ich in der 7. Klasse des LuitpoldGymnasiums war, ließ mich der Klassenlehrer
kommen und äußerte den Wunsch, ich möge
die Schule verlassen.“
 Als Grund wurde angegeben:
„Ihre bloße Anwesenheit verdirbt mir den
Respekt in der Klasse“.
Albert Einstein


1891: Albert (12 Jahre alt) liest
Kant, Humboldt, Darwin, beginnt sich
für Mathematik zu interessieren, die
Kunst der „Faulheitsrechnung“:
Was man nicht kennt, das nennt man
x, behandelt es so, als ob der
Zusammenhang bekannt wäre,
schreibt diesen Zusammenhang hin
und bestimmt das x dann hinterher.“
Albert Einstein



1891 (12 Jahre alt): Große „Liebe“:
ebene Geometrie, arbeitet ein Lehrbuch
(„mein heiliges Geometrie-Büchlein“)
durch, findet und kommentiert Fehler.
Albert sieht Mathematik als Ersatz für
Religion.
Albert erarbeitet sich die Mathematik bis
hin zur Differential- und Integralrechnung
Mit 13 beginnt Albert, Geige spielen zu
lernen.
Albert Einstein


1893: die Firma des Vaters geht
pleite, Eltern ziehen nach Mailand,
Pavia
1894: Albert (15) „schmeißt die
Schule“, folgt seinen Eltern nach
Italien (Wanderung durch die Alpen
mit einem Freund), mit einem Brief
seines Mathematik-Lehrers, daß er
den Stoff bis zum Abitur beherrsche
Albert Einstein



1895: Albert macht (ohne Abitur!) den
Aufnahmetest am Polytechnikum in
Zürich und fällt durch (wegen Sprachen
und Botanik)!
Albert geht auf die Kantonsschule in
Aarau, macht 1896 (mit knapp 17) die
Matura (Abitur) mit sehr guten, aber
nicht exzellenten Noten (nur in Mathe
1)
beginnt Studium in der „Schule für
Fachlehrer mathematischer und naturwissenschaftlicher Richtung“ in Zürich.
Albert Einstein


Mit 21 beendet Albert sein Studium,
wird Schweizer Bürger und ist
arbeitslos, gibt Privatstunden,
bewirbt sich um Assistentenstellen
an Unis, ohne Erfolg.
1902, mit 23, tritt er eine Stelle als
„Technischer Experte 3. Klasse“ am
Eidgenössischen Patentamt an.
Albert Einstein

1901 – 1904: Albert Einstein beginnt,
in Fachzeitschriften zu publizieren.
Einstein 1905
Konstanz der Lichtgeschwindigkeit
1886:
Michelson und Morley finden, dass
sich die Lichtgeschwindigkeit nicht
ändert zwischen dem ruhenden
Trägermedium ‚Äther‘ und der
bewegenden Erde (v ¼ 30 km/sec).
Ende des Äther‘s!
Elektromagnetische Wellen breiten sich
im Vakuum aus

Postulate der Relativitätstheorie
1.
2.
In gleichförmig bewegten (Inertial)
Systemen laufen alle physikalischen
Prozesse gleichartig ab (Galilei)
Die Lichtgeschwindigkeit hat in
allen Inertialsystemen den gleichen
Wert
c ¼ 300.000 km/sec
Konstanz der Lichtgeschwindigkeit
L
 tB 

c

c‘
=
c
r
´
v
t
B
 D 

r
³
c
³
´
v
t
B
 D 

c

D

 r
³ ´ c  r
³ ´   tZ
¡ vc
¡ vc
 °  tZ


Die Uhr im bewegten Zug geht langsamer!
Uhr im Zug
Bewegte Uhr geht langsamer !!
Zeit-Streckung im Zug

Die Uhr im Zug geht langsamer

 tB  q
tZ  °  tZ

¡
v=c



v = 100 km/h, v/c ¼ 10-7
!  ¼ 1 + 10-14
v = 150.000 km/sec, v/c = ½
!  ¼ 1,15
v = 290.000km/sec, v/c ¼ 0,967
!  ¼ 3,9
Beweis durch Muonen




Muonen entstehen in etwa
15 km Höhe durch Kollision
energiereicher Teilchen mit
der Atmosphäre. Sie
machen ca 80% der
Höhenstrahlung auf der
Erde aus.
Lebensdauer des ruhenden
Muons:  ~ 2.2 x 10 6 sec
Geschwindigkeit: ~ c
Weg des Muons:
s = c  = 0.7 km
Trotzdem erreichen Sie die Erde: ~200/(m2 sec)!
Zeit-Streckung
•Rakete fliegt mit v = 0.98 c ( ¼ 5) zu einem
Stern, der 20 Lichtjahre von der Erde
entfernt ist, und wieder zurück. Jeder Weg
dauert nach der Erduhr ca. 20 Jahre. Die
Rakete kommt also nach 40 Jahren (Erdzeit)
zurück.
•Die identische Uhr in der Rakete ‚tickt‘
langsamer: auf ihr vergehen zwischen Abflug
und Rückkehr nur 2 x 4 = 40/ = 8 Jahre.
Biologische Uhren
1. Zwilling bleibt auf der
Erde, der 2. Zwilling fliegt
mit der Rakete. Sie ist bei
der Rückkehr erst 8 Jahre
älter als bei Abflug, ihr
Bruder ist aber 40 Jahre
älter!
Biologische Uhr = Lichtuhr = mech. Uhr
Längenmessung

Bei einer Längenmessung müssen
die Positionen von Anfang und Ende
zur gleichen Zeit gemessen werden.
Uhren-Synchronisation
Gleichzeitigkeit


Lichtblitz wird vom
Ursprung ausgesendet. Uhr im Abstand r
wird auf t = r/c
gestellt.
Ereignisse an
verschiedenen Orten
sind gleichzeitig, wenn
die Uhren an diesen
Orten die gleiche Zeit
anzeigen.
Längenmessung
L
Länge der Markierung am B: L
Fahrzeit durch diese Markierung:
•vom Bahndamm:
t = L/v
•vom Zug:
tZ = LZ /v
•
tZ = 1/ t ! LZ = L/
Längenkontraktion
Gleichzeitigkeit

Ein Blitz schlägt vorne und hinten im Zug ein, als
gerade beide Beobachter sich passieren.
Gleichzeitigkeit


Beobachter am Bahndamm: ich stehe in der Mitte
beider Markierungen, die Blitze kommen gleichzeitig
an =>beide Einschläge waren gleichzeitig.
Beobachter im Zug: der Lichtblitz von vorne erreicht
mich früher als der von hinten. Beide Einschläge
waren also nicht gleichzeitig.
Gleichzeitigkeit hängt vom Bezugssystem ab
Gleichzeitigkeit

Laufzeit des vorderen Signals zum bewegten
Beobachter im Zug, gesehen vom
Bahndamm:
tv = (L/2 – v tv)/c

Laufzeit des hinteren Signals:
th = (L/2 + v th)/c

Laufzeitdifferenz
th – tv = L v/c2 2 =  tZ
Gleichzeitigkeit


Laufzeitdifferenz auf der Uhr im Zug:
TZ = (th – tv)/ = L v/c2 
Laufzeitdifferenz auf der Uhr am
Bahndamm:
T=0
Was am Bahndamm gleichzeitig stattfindet,
ist im Zug um TZ getrennt
Invarianz der Raum-Zeit

Raum-Zeit Abstand der Ereignisse

 


 ¡ c t   x  ¡  L
x
   
 
 
³
´
 xZ  ¡ 
cTZ   ° L ¡ c L°v=c  L



Raum-Zeit Abstand ist in beiden Systemen
(Bahndamm und Zug) gleich !
=> Beginn der nichteuklidischen Geometrie
Zeitstreckung und
Längenschrumpfung

„Zeitstreckungsfaktor“
° r


³ ´

¡ vc
zeigt, daß v = c maximal mögliche
Geschwindigkeit ist.
Aber:
Kraft = Masse x Beschleunigung (F = m a)
verhindert nicht Beschleunigung auf ÜberLichtgeschwindigkeit
E = m c2

Beschleunigung wird verhindert,
wenn die Masse mit v zunimmt:
m  m°
m
 r
³ ´
v
¡ c
E = m c2

Kinetische Energie K = ½ m v2
mc
° mc   q
¡ 
v=c
¼
 

mc  mv : : :

 mc K : : :
E
moc2 ist Energie
E = m c2



Ein ruhender Körper der Masse m
enthält die Energie E = mc2
Führt man einem Körper die Energie
E zu, so erhöht sich seine Masse um
E/c2.
Beispiel: 1 kg Materie enthält ca.
25 x TeraWh ¼ 10% der gesamten
Stromerzeugung in der EU im Jahr
E = m c2


Materie ist nur unter großem
Aufwand in Teilchen-Beschleunigern
vollständig zerstrahlbar.
Fusion in der Sonne oder Spaltung
im Reaktor setzen einige Tausendstel
der Masse in Energie um:
Sonnenenergie = Kernenergie
Albert Einstein




1905: vier berühmte Arbeiten
Photoelektrischer Effekt (Nobelpreis):
Licht als Teilchen, Quantenphysik
Diffusion in Flüssigkeiten zur Bestimmung
von Moleküldimensionen (Dr. Arbeit, 17
Seiten lang!), Statistische Mechanik
Brown‘sche Molekularbewegung, Atome
Elektrodynamik bewegter Körper, Spezielle
Relativitätstheorie
Albert Einstein




1906: Beförderung zum Technischen
Experten 2. Klasse am Patentamt
1907: „Relativitätstheorie“ wird auf
Physiker-Tagungen diskutiert
1907: Einstein reicht sein
Habilitationsgesuch an der Uni Bern
ein: abgelehnt!
1908: schließlich habilitiert
Albert Einstein



1909: a.o. Professor an der ETH Zürich (3
Studenten in seiner Vorlesung, davon 2
Gasthörer)
1911: ordentlicher Professor in Prag
1912: ordentlicher Professor an der ETH
Zürich: Professur ohne Lehrverpflichtung,
nur für Graduiertenausbildung.
Vorlesungen schlecht vorbereitet,
„rumgekorkst“, aber anspruchsvoll.
Albert Einstein




1913: Aufnahme in die Kgl. Preußische
Akademie der Wissenschaften
1916: Allgemeine Relativitätstheorie
(Grundlage der Kosmologie bis heute)
1917: Direktor Kaiser-Wilhelm Institut für
Physik
1918: Gravitationswellen vorausgesagt
(bis heute wird danach gesucht)
Albert Einstein
1931
Albert Einstein
Ab 1920 pazifistisches Engagement,
Völkerbund, erste Kontakte mit
Palästina
 1932: Politisches Engagement für die
Weimarer Republik
 1933: Machtübernahme der Nazis,
Einstein tritt aus der Preuss.
Akademie aus, geht in die USA

Albert Einstein
seine Hobbies
1933
1936
1941
Albert Einstein




1939: Einstein unterzeichnet Brief an
Roosevelt mit Hinweis auf Möglichkeit
einer Atombombe in deutscher Hand
1945: Brief gegen den Einsatz der
Atombombe
1947: Engagement für Rüstungskontrolle
und Weltregierung
1952: Einstein lehnt die angetragene
Präsidentschaft Israels ab
Albert Einstein
stirbt 1955 in Princeton, USA
Einstein‘s Arbeitszimmer
Albert Einstein

"Imagination is more important than
knowledge."
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