Vorlesung 0 Sterne und ISM

Werbung
Sterbende Sterne und das
interstellare Medium
Das große Ganze zu Beginn
Der
Materiekreislauf
Das interstellare Medium
1. Entwicklung massenreicher Sterne

Was sind massenreiche Sterne?
→ M > 8 M‫!! סּ‬
→ Durchlaufen aller Brennphasen → Supernova
→ relativ kurze Lebensdauer, in Regionen mit jungen Sternen, z.B.
Spiralarme
Beispiel: Progenitor der SN 1987a in der Magellanschen Wolke: 20 M‫ סּ‬, Lebensdauer
107 Jahre
Sonne: 1 M‫סּ‬,, Lebensdauer 1010 Jahre
Nukleare Brennphasen
Wasserstoffbrennen
Heliumbrennen
Kohlenstoffbrennen
Neonbrennen
Sauerstoffbrennen
Siliziumbrennen
KOLLAPS
Wie erhält man die Leuchtkraft eines Sterns?


Zur Berechnung der Leuchtkraft L benötigt man:
 Scheinbare Helligkeit
(S)
 Entfernung zum Stern (R)
Denn:
L  4R  S
2
W
S   2
m
Scheinbare Helligkeit

Wird durch Energie des einfallenden Lichts definiert
 Mit Hilfe eines Photometers kann die Strahlungsleistung
pro Quadratmeter ermittelt werden
 Einführung einer relativen Skala mit Stern Wega als
Referenz
 Einheit der scheinbaren Helligkeit m: Magnitude (mag)
 Scheinbare Helligkeit ist definiert durch:
 S 
m  2,5 lg 10  W ega 
S

J
S  
m² s

Beispiele: Sonne m = -26,8 mag, Sirius m = -1,5 mag
Entfernungsbestimmung

Aus einer Winkelmessung – Parallaxe
p  1' ' ˆ 3,26Lj  1pc

Bis zu einer Entfernung von 1000pc möglich
Aus pulsationsveränderlichen Sternen – Cepheiden
 Grössenänderung → Helligkeitsänderung
 Tatsächliche Helligkeit proportional zu Pulsationsperiode
 Vergleich mit scheinbarer Helligkeit liefert Entfernung

Grundgleichungen der stabilen Sterne



Warum treten die Zustandsgrößen Leuchtkraft,
Temperatur, Radius, Masse, Helligkeit und Spektraltyp
nur in bestimmten Kombinationen auf?
Gleichgewichtsbedingungen: Hydrostatisches und
thermisches Gleichgewicht
Massenverteilung und Energietransport
Hydrostatisches Gleichgewicht
“Kampf“ gegen die Gravitation
 Entgegengesetzte Kraft muss Kollaps verhindern
→ Druck

dP
Mr
 G 2
dr
r
Thermisches Gleichgewicht


Energiefluss durch Sternoberfläche in Form von Strahlung
(Leuchtkraft)
Energieerhaltung: Energieverlust an der Sternoberfläche
muss gleich der Energieerzeugung im Sterninnern sein
R
L    (r )  (r )4r ² dr
0
dL(r )
  (r )  (r )4r ²
dr
J
  
g s
kg
   3
m
Massenverteilung


Beziehung zwischen Masse, Radius und Dichte eines
Sterns
Gibt an, wie sich die Masse mit dem Abstand zum
Sternenzentrum ändert
dV  4r ² dr
dM r   (4r ² dr )
dM r
 4r ² 
dr
Energietransport

3 Transportmechanismen
 Strahlung: Photonenabsorption und -emission
 Konvektion: Materialaustausch
 Wärmeleitung: Teilchenkollision
dT
3  Lr

dr
4ac T ³ 4r ²
T:
Temperatur
:
Rosseland Opazität
(Absorptionskoeffizient)
a:
Stefan-Boltzmann
Konstante
Energiequellen der Sterne



Leuchtkraft: L  3,85 10 W
Steinkohle: Brenndauer ungefähr 10000 Jahre
Gravitationspotential:
2
26
M
EG   E pot ( R)  G
R
 HK

Kernfusion:
1 EG
7

 3 10 Jahre
2 L
E N  0,008  Mc
2
EN
N 
 1011 Jahre
L
Kernfusion

Verschmelzung zweier Atomkerne
 Überwindung des Coulomb-Potentials durch
Tunneleffekt
Reaktionsrate ~ Maxwell-Boltzmann-Verteilung * Tunnelwahrscheinlichkeit
pp-Reaktion
Massendefekt / Bindungsenergie



Massendefekt: Masse eines Atomkerns ist stets kleiner,
als die Summe der Massen von N Neutronen und
Z Protonen
Energie bleibt durch Einsteins Masse-EnergieÄquivalenz E=mc² erhalten
Bindungsenergie:


B(Z , N )  Zmp  Nmn  m(Z , N ) c

2
Maximum der Bindungsenergie pro Nukleon liegt im
Periodensystem bei Eisen
Bethe-Weizsäcker-Formel
B
2
3
av A 

Volumenterm

 ac Z 2 A



as A

Oberflächenterm
2
CoulombTerm
A  1

 aA  Z   A  a p A

2




1
2
Paarungsterm
Asymmetrieterm
R~ A
1
3
1
3
R: Kernradius
A: Nukleonenzahl
PP-Kette
4 H  He  2e  2 e  2  26,2MeV
1
1


4
2
Startreaktionen:
p  p H  e  e  1,19MeV
2
1
2
1

H  p He    5,49MeV
3
2
p  n  e  e

(alle 1010 Jahre)
Hauptfolgereaktionen

3 Reaktionsketten
 PP-Reaktion I:

PP-Reaktion II:
3
2
3
2
He  He He  2 p  12,89MeV
3
2
4
2
7
4
Be  e  Li  e
7
3
PP-Reaktion III:
4
2
He  He  Be    1,59MeV
7
4

3
2

7
3
Li  p 2 He  17,35MeV
4
2
He  24He  47 Be    1,59MeV
7
4
Be  p58B    0,14MeV
8
5
8
4
B Be  e  e
8
4
Be 2 24He

CNO-Zyklus

Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff dienen als
Katalysator für Wasserstoffbrennen
Sternentwicklung

Nützliche Beziehungen, die sich aus Grundgleichungen
ergeben:

Masse-Leuchtkraft-Beziehung
L~M
72
 Massereiche Sterne strahlen
mehr Energie ab (sind heller)

Temperatur-Masse-Beziehung
M 

T ~ 
 M 

23
 Massereiche Sterne sind heißer
Lebensdauer-Masse-Beziehung
t Hauptreihe  10
10
M 
 
 M 
52
 Massereiche Sterne leben kürzer
Höhere Temperatur  größere Leuchtkraft  größer Masse  kürzere Lebensdauer
Sternentstehung




Gaswolke, die aufgrund ihrer eigenen Schwerkraft
kollabiert, erreicht Bedingungen, um Wasserstoffbrennen
zu zünden
 Kontraktion  Dichte
 freiwerdende Gravitationsenergie  Temperatur
Wasserstoffbrennen findet nur im Sternenzentrum statt
(wg. Bedingungen)
Sind ca. 10% des Wasserstoffs verbrannt, ist
Wasserstoffbrennphase beendet
Objekte unter 0,07 Sonnenmassen erreichen nicht die
nötige Temperatur, um Kernfusion zu zünden
Was passiert nach dem Wasserstoffbrennen?



Weitere Entwicklung ist massenabhängig
Stern kontrahiert  Energiegewinnung durch
Gravitationspotential  Bedingungen für Heliumbrennen
erfüllt ( Stern verlässt Hauptreihe  Roter Riese)
Bei massereichen Sternen kann nach Heliumbrennen
Kohlenstoff- bis Siliziumbrennen einsetzen
Spätphasen der Sternentwicklung




Durch Temperatur und Leistungsanstieg expandiert der
Stern zu einem roten Riesen
Äußere Hülle wird abgestoßen (Planetarischer Nebel);
Masse des Restkerns entscheidet über Endstadium
< 1,4 Sonnenmassen  Weißer Zwerg
> 1,4 Sonnenmassen  Supernova
 Restkern < 3 Sonnenmassen  Neutronenstern
 Restkern > 3 Sonnenmassen  Schwarzes Loch
Wasserstoffbrennen

Umwandlung H → He:
p-p- Prozess , CNO- Zyklus

pGravitation = ptherm.

Verbrauch des Wasserstoffs
pGravitation> ptherm.
Kontraktion und Erwärmung
(Virialtheorem: Ekin = 1/2 Epot)
Zünden des Heliumbrennens;
Aufblähen der Hülle;
Wasserstoffschicht brennt weiter
→ ROTER RIESE
Heliumbrennen

Umwandlung von He zu C im
Kern über den tripel- α- Prozess:
4
He  4 He8 Be  γ
(E  0,1MeV )
Be  4He 12C  
(E  7,4MeV )
8

Bildung von geringen Mengen O
C   16O  
12
(Resonanzen in der Nähe der
He- Brennenergien)

weiterhin H- Brennen in der
Schale um dem He- Kern
Tripel- alpha- Prozess
Übergang zwischen den hydrostatischen Brennphasen
Verbrauch des Brennstoffes
Überhandnehmen des Gravitationsdruckes
Kontraktion
Erwärmung, Druckanstieg
Zündung der nächsten Brennphase
Expansion
3. C -, Ne -, O - Brennen

Coulombbarriere bei C am
niedrigsten
→ Kohlenstoffbrennen zuerst:
C 12C  20Ne  
12
C 12C  23Na  p
12
C 12C  23Mg  n
12

Ne- Brennen:
20
Ne 4He24Mg  
20
Ne   4He 16O
Wie?
→ Photodesintegration!

O- Brennen:
Synthese von S, P, Mg, Si
Gegen Ende des O- Brennens: T9 = 2
4. Siliziumbrennen

Temperatur nicht groß genug für Si + Si → X
→ Photodesintegration:
T9 = 3: Zerstörung von Kernen durch 
(,p) (,n) (,α)
p / n / α + unzerstörter Kern → stabilerer Kern + 
28
Si    32S  
32
S    36Ar  
...
52
Fe    56Ni  
EBindung pro Nukleon maximal für Fe
→ Sukzessive Bildung von Fe

e   p  n  e
Schwache WW, z.B. Elektroneneinfang

→ Kühlung durch Neutrinos → schnelleres Brennen e  n  p  e
Lebenslauf eines Sterns mit 25 M‫סּ‬
Elementverteilung im Universum: (log. Skala!!):
„ Zwiebelschalenmodell“
2) Supernova vom Typ 2
Stabilität des Fe- Kerns
Stern vor Kollaps: M = 15M‫ סּ‬MKern = 1,5 M ‫ סּ‬T9 =8
ρ = 3,7*109 g/cm³

kein Brennen im Kern
→ Warum kein sofortiger Kollaps?
Gegendruck der Elektronen:
prel. 
1
4/3
(3 ²)1/ 3 ne
4
Unschärferelation + Pauli-Prinzip + großes ρ → Entartung

p durch EFermi bestimmt → abhängig von Elektronendichte ne

vorheriger Mechanismus funktioniert nicht mehr
Kollaps des Kerns


MKern > MChand → pGravit > pel
Beschleunigung des Kollaps:
M Chand  1,4 
  mp
 1,5  M Sonne
 3/ 2
1) Photodesintegration von Fe verringert ptherm der Elektronen
56
Fe  13He  124,4MeV
2) Elektroneneinfang an p und leichten Kernen → ne kleiner
→ pel kleiner
e   p  n  e
e   ZAX Z A1 X  e
3) Kühlung durch entweichende Neutrinos
→ sehr schnelle Kontraktion innerhalb von
Sekundenbruchteilen
→ Entkoppeln der Entwicklung des Kerns von der Hülle
Kollaps des Kerns
Geschwindigkeitsverteilung der einfallenden Materie:


vr
Innere Hälfte kollabiert homolog
Materie außerhalb des Schallpunktes mit v = vSchall kollabiert mit für
den freien Fall charakteristischen Geschwindigkeiten
Kollaps des Kerns
Neutrino- Trapping

ρ = 1011 g/cm³:
λNeutrino < rKern
→ Neutrinos „gefangen“, Bewegung mit einfallender Materie
→ Kollaps adiabatisch da keine Kühlung, S konstant

ρ = 1012 g/cm³:

Einstellen des Gleichgewichtes bzgl. der schwachen WW

ne konstant
p  e  n 

Keine weitere Veränderung der Zusammensetzung

Kontrahierendes Gas aus Elektronen, Neutronen, Neutrinos und Kernen
Rückstoß und Druckwelle
ρ0 = 2,7 * 1014 g/cm³
Auflösung der Kernstrukturen → „Riesenkern“
Keine weitere Kontraktion möglich
Rückstoß
(steife Feder)
Materie schwingt zurück
Zusammenstoß mit einfallender Materie
Schockwelle
Schockwelle
Schockwelle dissoziiert Fe- Kerne
Verlust von Energie → Abschwächung
Druckanstieg → Beschleunigung der einfallenden Materie
über Fluchtgeschwindigkeit
EXPLOSION
Neutrino- Heizung

Fe- Dissoziation → λNeutrino wieder größer
→ Neutrinos sammeln sich hinter Schockwelle

Falls Schock genug Energie
→ Ausbreitung bis zu Gebieten mit ρ < 1011 g/cm³
Plötzliches Freiwerden der Neutrinos
„Anheizen des Schocks“
Was bisher geschah:
1.
•
2.
•
•
•
•
3.
•
•
•
•
Durchlaufen aller Brennphasen:
H, He, C, Ne, O, Si, Elementsynthese bis Fe
Kollaps des Kerns:
Überwinden des pel
Beschleunigung durch Photodesintegration,
Elektroneneinfang, Neutrinokühlung
Neutrino- trapping, Übergang zum adiabatischen Kollaps
Rückstoß bei nuklearer Dichte
Schockwelle:
Abschwächung der Schockwelle im Fe- Kern
Heizen der Schockwelle durch Neutrinos
Supernovaexplosion durch Beschleunigen der Materie
Gravitationsenergie → Ekin, Eem (1%) und  (99%)
Explosives Brennen

Schockwelle läuft durch die verschiedenen Schichten der Hülle
→
Energieabgabe an Materie in den Schalen, Temperaturerhöhung
Modell: strahlende Blase, die die meiste Energie enthält
→ 500 keV in Siliziumschicht
→ 100 keV in O- Ne- Schicht
→ 10 keV in H- Schicht
TS  (3E0 / 4    a  r0 ³
1/ 4
→ Zünden in Ne-, O-, und Si- Schicht für einige Zehntelsekunden
→ Nachträgliche Modifikation der Elementhäufigkeit
...und danach?

Hülle: Materie wird in den interstellaren Raum geschleudert
→ Bildung neuer Sterne, Planeten... z.B. unsere Sonne

Restkern: Je nach Masse
1.
Neutronenstern (MKern < 8M‫)סּ‬
•
Bildung entarteter Neutronen
•
p  e  n  e
Freigesetzte Energie: Differenz der Bindungsenergie
ΔE ≈ 1053 ergs
3
1 1 
E pot  GM 0 ²  
5
 R R0 
Bsp.: R = 10 km, M0 = 2M‫ → סּ‬ΔM/M0 = 0,2
M
3 M
 G 0
M0
5 Rc ²
Schwarzes Loch (MKern > 8M‫)סּ‬
2.
•
Zusammenziehen der Masse auf Singularität
•
Schwarzschild- Radius R = 2GM/c²
Überrest
Von der Milchstraße zum Virgo-Galaxienhaufen
M51 – eine Spiralgalaxie
Sterne und Staubwolken
Entstehung
der Sterne
heiße O-, B-Sterne
junger
Stern
verhüllte Protosterne
Dunkelwolke
Dunkelwolke
HST 2004
Der Orion-Nebel
Sterne im Werden
Aus einer Wolke werden Sterne
Zuerst, etwas einfaches: Sterne
Druck balanziert Schwerkraft
Die Sonne
Massendefekt
Bei der Fusion zweier Teilchen zu einem dritten wird Bindungsenergie
in Form von Strahlung frei
E  m  c 2
Wasserstoffbrennen
in der Sonne
Massendefekt bei
Kernfusionsprozessen
beträgt weniger als
1% der Masse der
Ausgangskerne
Unsere Sonne
Neutrinos brauchen nur 2 sec
vom Inneren an die Oberfläche!
Neutrinos aus der Sonne
Kernfusion in der Sonne:
4p  4He + 2e+ + 2e + 27 MeV Energie
auf der Erde: 1011 solare Neutrinos / cm2 und Sekunde
Produktion:
100% als
„e-Pendel“
e ? ?
Davis (1970 -2000): e Nachweis auf der Erde
Ergebnis: nur 30% der erwarteten e
Bestätigung (1995)
Kamiokande
(Sonne live! im
„Neutrinolicht“)
Energiehaushalt
Verbrauchte
Energie
Freigesetzte
Energie
H
He
C
Fe
Nukleosynthese
Entwicklungszeiten für einen 15 M Stern
Verschm
.
Produkt
H
4He
107 Jahre
4He
12C
einige 106 Jahre 1 108 K
16O, 20Ne,
12C
20Ne
24Mg, 4He
+
16O
28Si
+
56Fe
16O, 24Mg
28Si, 32S
56Fe
Neutronen
Zeit
Temperatur
4 106 K
1000 Jahre
6 108 K
wenige Jahre
109 K
Ein jahr
2 109 K
Tage
3 109 K
< eine Sekunde
> 3 109 K
Supernova-Überrest CXO in Casseopeia A
Elementspedition Supernova – Just in Time …
Kosmischer Kreislauf
Herunterladen