150318 - Jean-François Steiert

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DACHVERBAND
SCHWEIZERISCHER PATIENTENSTELLEN DVSP
Warum die VertrauensärztInnen für die
PatientInnen wichtig sind
Jean-François Steiert, Nationalrat,
Vize-Präsident Dachverband Schweizerischer Patientenstellen
Schweizerische Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte (SGV) –
Jahreskongress 2015, 18. / 19. März 2015, Freiburg
USA heute = CH 2132
2012
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2001
2000
1999
1998
1997
1996
1995
1994
1993
1992
1991
1990
Rahmenbedingungen I
Gesundheitskosten im Verhältnis zum BIP
18.0
16.0
14.0
12.0
10.0
8.0
6.0
4.0
2.0
0.0
2
Conditions-cadre II
Part privée aux dépenses de santé (OCDE / 2010)
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
3
Rahmenbedingungen III
• (De)regulatorische Fortschritte im Gesundheitssystem
sind in einem direktdemokratischen Staat nur mit sehr
qualifizierten parlamentarischen Mehrheiten zu
erreichen.
• Das hat in einem interessenvertreterdurchsetzten
Milizparlament zur Folge, dass wissenschaftliche
Erkenntnisse nicht unbedingt die Hauptgrundlage für
gesundheitspolitische Entscheide bilden.
• Voraussetzung für gesundheitspolitische
Reformschritte ist eine bessere Einbindung der
„Patienteninteressen“.
4
Rahmenbedingungen IV
Gemeinsame Zielsetzungen und gemeinsame
Forderungen aller Patientenvereinigungen in der Schweiz:
• Qualität / Zugangsgerechtigkeit: Optimaler
therapeutischer Mehrwert für alle Versicherten in der
Schweiz, soweit dieser erwiesen ist
• Möglichst gerechte Finanzierung, d.h. Vermeidung
übermässiger Belastung einzelner Haushaltskategorien
5
Patientenorganisationen und
Selbsthilfegruppen in der Schweiz
1. Patientenorganisationen im engen Sinn
2. Monopathologisch orientierte Organisationen,
Ligen, Selbsthilfegruppen (insbesondere auch
für seltene Krankheiten)
3. KonsumentInnenorganisationen
(patientenorientierte Dienstleistungen)
4. Unabhängige Patientenpublikationen
5. Behindertenorganisationen
6
Leistungen von Patientenorganisationen (I)
Prävention
Vorbereitung / Organisation / Umsetzung von
Präventionskampagnen
Beispiele:
• Gesundheitsligen zu den jeweiligen Pathologien
- allgemein präventiv (Krebs-/Lungenliga:
Raucherkampagnen)
- Spezifische Prävention (z.B. MammographieScreening-Programme)
• DVSP: Kampagne zu Nosokomialinfekten in Spitälern
7
Leistungen von Patientenorganisationen (II)
Individuelle Beratungen
• Patientenrechtliche Beratungen z.B. nach erwiesenen
oder supponierten Behandlungsfehlern, Unterstützung
bei aussergerichtlichen / gerichtlichen Verfahren
• Beratungen zur Entscheidhilfe zur Wahl des
Leistungserbringers, der pathologiespezifischen
Kompetenzbildung im allgemeinen sowie z.B. zu
therapeutischen Entscheidungen, usw.
• Versicherungsberatungen ex ante / ex post
8
Leistungen von Patientenorganisationen(III)
Leistungen autonom / im Verbund mit anderen
Leistungserbringern
• Medizinisch-pflegerische Leistungen
• Nichtmedizinische Pflege
• Vermittlung von Apparaten und entsprechende Beratung
• Soziale Aufgaben
• Unterstützung der pflegenden Angehörigen und Theorie
und Praxis
9
Leistungen von Patientenorganisationen(IV)
Interessenvertretung von PatientInnen und
insbesondere von chronisch Kranken (a)
• Interessenvertretung in institutionellen Prozessen
- Eidgenössische ausserparlamentarische
Kommissionen
- Nationale / regionale / kantonale Kommissionen und
Fachgruppen sowie gesundheitspolitisch tätige,
gemeinnützige Stiftungen
10
Quelle: Kocher/Oggier,
Gesundheitswesen Schweiz
11
Leistungen von Patientenorganisationen(V)
Interessenvertretung von PatientInnen und
insbesondere von chronisch Kranken (b)
• Politische Interessenvertretung von Patientinnen und
Patienten und insbesondere von chronisch Kranken
- Patientenrechte, individuell / kollektiv
- Gesundheitspolitische Anliegen
- Sozialversicherungs- und sozialrechtliche Anliegen
- gesundheitsrelevante Anliegen in anderen
Rechtsgebieten, auch präventiv (z.B. Umweltrecht,
Strassenverkehrsrecht, Lebensmittelrecht,
Haftpflichtrecht)
12
Leistungen von Patientenorganisationen (VI)
Diverse Leistungen
• Beiträge zur Forschung (z.B. Krebs- und andere
Register), diverse Formen der Zusammenarbeit im
Rahmen von Forschungsprojekten
• Verbesserungen von Interaktionen mit der Arbeitswelt,
insbesondere zur fortdauernden Integration bzw.
Reintegration in der Arbeitswelt
13
Stärken / Schwächen im internationalen
Vergleich
• Stärke / Unterstützung der Patientenorganisationen und
Selbsthilfegruppen: Schweiz im guten Mittelfeld mit
erheblichen Unterschieden nach Art der
Patientenorganisation
• Patientenrechte / Patienteninformation: Schweiz auf
dem 8. europäischen Rang (von 33) mit Ungarn,
Littauen und Norwegen
14
Gesellschaftliches Interesse an soliden
PatientInnenorganisationen
Wer hat den Nutzen der Patientenorganisationen
formell am klarsten anerkannt?
Die Pharmaindustrie, in Deutschland 2013 mit öffentlich
ausgewiesenen 5,6 Millionen Euro.
Objektive und legitime gemeinsame Interessenlage – bei
aller Transparenz auch mit Grenzen.
PatientInnenorganisationen und Selbsthilfegruppen
leisten viel für wenig Geld und kommen dabei an ihre
Grenzen.
Die Gesellschaft nutzt dieses Potential zu wenig.
15
Perspektiven
• Gesundheit 2020: gesundheitspolitische Ziele des
Bundesrates mit relevanten Zielen zur Stärkung der
Patienten und ihrer Organisationen. Schwerpunkte:
Patientenkompetenzen, Patientenverantwortung,
Patientenrechte.
• Parlamentarische Zeichen für Stärkung der Position
des Patienten im Gesundheitssystem.
16
Vertrauensärzte aus der Perspektive der
PatientInnen (I)
• Punktuelle Zusammenarbeit mit SGV mit Gesprächen
oder politischen Vorstössen
• Unabhängiger Austausch mit der Geschäftsstelle des
SGV für Einzelfallabklärungen
• SVG-Manual als Grundlage bei der Ausbildung unserer
MitarbeiterInnen
• Individuell: Ansatzpunkt für individuelle (negative)
Entscheide – und in diesem Fall meist entfernt
interagierend zwischen behandelndem Arzt und
Versicherer
17
Vertrauensärzte aus der Perspektive der
PatientInnen (I)
18
PatientInnen – VertrauensärztInnen:
aktuelle Fragen
• Vertrauensärzte im Fokus der Politik
• Aktuelle:
- Art. 71b KVV (olu – hors limitation)
- seltene Krankheiten im allgemeinen
- Verschiedene Einzelvergütungsfälle im
Partikularbereich
19
Perspektiven I
Die Schweiz und ihre Versicherten / PatientInnen
brauchen mehr Wirksamkeit, mehr Qualität und mehr
Wirtschaftlichkeit bei den Instrumenten für Wirksamkeit,
Qualität und Wirtschaftlichkeit
20
Perspektiven II
Hta-Prozesse und «Qualitätsinstitut»:
Keine ex nihilo-Schöpfungen
Auf Bestehendem aufbauen
Auf Kompetenzen aufbauen
21
Vorhandene Kompetenzen nutzen
22
Perspektiven III: Stärkung der VA
• Den VertrauensärztInnen wird im KVG eine
institutionnelle Rolle zugeteilt, die sie in der Praxis nur
teilweise erfüllen können.
• Mehr Kompetenzen für VertrauensärztInnen: formell
und informell (u.a. über mehr Kohärenz in Prozessen,
die den Gegensatz zwischen individueller
therapeutischer Logik und dem Postulat der
Zugangsgerechtigkeit zumindest teilweise überwinden
können)
23
Perspektiven IV: Stärkung der Glaubwürdigkeit
• «Der Vertrauensarzt steht strukturell auf der Seite des
Versicherers. […] Systemisch gesehen sind die
Vertrauensärzte Interessenvertreter der Versicherer.»
(Manual 2009, Kapitel 19)
• Das Zitat mag polemisch sein, aber: Mehr
Kompetenzen für VertrauensärztInnen setzt
Überlegungen zur Stärkung der systemischen und
subjektiv wahrgenommenen Glaubwürdigkeit der VA
voraus. (u.a. Postulat Heim 14.4192)
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Perspektiven V: PatientInnen implizieren
• Stärkung der individuellen und kollektiven
Patientenrechte im allgemeinen
• Einführung / Stärkung der Patientenperspektive in
gesundheitspolitisch relevanten Prozessen – auch dort,
wo gesundheitspolitische Weichenstellungen über die
Praxis geschehen (Parlamentarische Initiative T.
Hardegger 14.439)
25
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