TüPASS

Werbung
Vom Zwischenfall zur Sicherheit:
„Von Fehlern und was ein Team daraus
Lernen kann"
Marcus Rall
TüPASS
Tübinger Patienten-Sicherheits- und Simulations-Zentrum
Klinik für Anaesthesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Tübingen
TüPASS seit > 10 Jahren:
Training und interdisziplinäre Forschung zu:
Fehlerentstehung und Vermeidung
Human Factors (CRM)
Simulatortraining
„Train together who work together“  Team-Training
„Train where you work“  mobiles „in-situ“ Training
Simulator Instruktorenkurse
Incident Reporting & Analyse (PaSIS / PaSOS)
TüPASS
Tübinger Patienten-Sicherheits- und Simulations-Zentrum
Universitätsklinik für Anaesthesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Tübingen
Wie wird
Patientensicherheit
erreicht ?
Wie wird
Patientensicherheit
gefährdet ?
M. Rall, TüPASS
Human
Factors
Systemversagen
• 70% der Fehlerursachen
• Nicht abgedeckt in medizinischer
Ausbildung, Weiterbildung oder
Training
•
•
•
•
Es ist nicht der „schlechte Arzt“
Komplex, verknüpft, kybernetisch
Latente „Fehler“
„unvorhersehbar“ aber zu erwarten
Inadäquates • Aktuelle Trainingsprogramme
reflektieren nicht die Probleme der
Training
nicht-idealen Realität im
Krankenhaus
M. Rall, TüPASS
Der Fall
Elaine
Bromiley
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
• Elektive Nasennebenhöhlen-OP
• Keine relevanten Vorerkrankungen
• 8:35 Narkoseeinleitung (LaMa)
• 1. LaMa geht nicht,
•
2. auch nicht
Lagerungsoptimierung,
Vertiefung Narkose
• Nach 2 Min.:
•
SpO2 75% fallend, Zyanose
Maskenbeatmung geht nicht
M. Rall, TüPASS
Der Fall
Elaine
Bromiley
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
• Intubationsversuche,
jetzt 3 FA anwesend
• Nach 4 Min.:
SpO2 40% (oder tiefer)
Herzfrequenz fallend
• Nach 6-8 Min.:
SpO2 40 % (oder tiefer)
Herzfrequenz ~ 40, Zyanose
HNO-Chirurg anwesend
• Nach 25 Min.:
SpO2 < 40% für > 20 min
M. Rall, TüPASS
Der Fall
Elaine
Bromiley
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
• Jetzt mit ITN-LaMa SpO2 90%
• Wieder ITN-Versuche mit SpO2< 80
• Transfer in Aufwachraum
• Spontanatmend
• FA macht nächste Narkose auf OPPlan, kann nicht in AWR kommen
• Nach 2 Stunden Verlegung in
•
•
•
Spontanatmung in anderes KH
Dort ITN, Beatmung, CT
Schwere Hirnschädigung
Elaine stirbt 13 Tage nach der
Narkose
Der Fall
Elaine
Bromiley
• 1. Anästh 16 J. im Beruf
•
•
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
- gilt als gut
2. Anästh: spezielles Diff-AWTraining
HNO-Chirurg 30 Jahre im Beruf
• Pflegekräfte (!)
– 2 Quicktrach in Einleitung gebracht
– ITS-Bett bestellt, wieder abbestellt
– AWR: mehrfach vergeblich 1. Anästh
angefordert wegen schlechtem Zustand
M. Rall, TüPASS
Der Fall
Elaine
Bromiley
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
• Ehemann Martin Bromiley
• Berufspilot
• Fragen:
– Wann findet Unfallanalyse statt ?
– Wer macht Bericht an
„clinical human factor group“
– Was ändert sich durch den Tod
meiner Frau ?
M. Rall, TüPASS
Der Fall
Elaine
Bromiley
37 Jahre
Mutter von 2 Kindern
4 Jahre und 6 Monate
Martin Bromiley:
• Veranlasst Untersuchung durch
•
•
unabhängige Kommission
Will dass Betroffene
weiterarbeiten
Gründet die erste
„clinical human factor group“ in England
www.chfg.org
M. Rall, TüPASS
CRM-Team-Training
im Simulator
M. Rall, TüPASS
Ziel: Patientensicherheit
• Erkennen der Hauptfehlerursachen
– Human Factors !
• Lernen & Anwenden von
Crisis Resource Management (CRM)
• Intensives Nutzen von
Incident Reporting Systemen
• Simulatortraining (initial & regelmäßig)
 Proaktive Sicherheitskultur
M. Rall, TüPASS
TüPASS
Tübinger Patienten-Sicherheits- und Simulations-Zentrum
F
B
Fehler
sind
1
U1
nicht
die
Ursache
U2
F
von
Zwischenfällen
!
U
3
B2
Reason/Maurino
M. Rall, TüPASS
Neue Sichtweise für Patientensicherheit: Holistischer Ansatz
„The current system
cannot do the job.
Trying harder
will not work“
A
B
Die Glühbirne ist nicht
eine kontinuierliche
Verbesserung der Kerze!
M. Rall, TüPASS
HRO – Prinzip zu
Patientensicherheit
Systeme sollten
Fehler-robust („resilient“)
sein,
nicht Fehler-frei .
M. Rall, TüPASS
Mangelnde Erhöhung der Sicherheit
durch zu stark vereinfachte
Unfall-Ursachenmodelle
Sicherheit ist nicht
etwas, was ein System
„hat“
Sicherheit ist etwas,
was ein System „tut“ !
The first
European Patient Safety
Course
Organised with the help of ESA Subcommittee „Patient Safety“
and with support of the ESA
Copenhagen May 2008
M. Rall, TüPASS
• Die Diagnose „Fehler in der Medizin“ ist
unter den 10 häufigsten Todesursachen
• Es gibt viele bewährte Verfahren &
Methoden, diese Zahl dramatische Zahl,
dramatisch zu reduzieren
• Einige Methoden werden bereits
angewandt...
– aber leider oft uneffektiv oder falsch...
M. Rall, TüPASS
Die Bedeutung der Human Factors
M. Rall, TüPASS
TüPASS
Tübinger Patienten-Sicherheits- und Simulations-Zentrum
Unbemerkte schwere Hypotension auf ITS
Fall aus PaSOS (www.pasos-ains):
• Patient mit schwerer Erkrankung und schlechtem
Allgemeinzustand
• Adrenalinperfusor
• Art. Blutdruck um 130 mmHg
• Über 20 min nach Schichtwechsel wird entdeckt,
daß der arterielle Druckaufnehmer abgefallen
und hinter dem Kopfteil am Boden lag
• Nach Anbringen in richtiger Höhe RR sys ~ 50 mmHg
• Massiver Katecholaminbedarf
…
Berufserfahrung: über 5 Jahre
M. Rall, TüPASS
Fehler der „Culture of Blame“
Die Tendenz, das Verhalten ohne Berücksichtigung der
Umgebungsbedingungen zu erklären, bezeichnet man
als „fundamentalen Attributionsfehler“
Verhalten ist nicht
das Spiegelbild einer festen Eigenschaft,
sondern eine adaptive Reaktion
auf die Umgebung.
M. Rall, TüPASS
G. Gigerenzer, 2007
CRM und
„Non-technical Skills“ (ANTS)
Definition
„Die Fähigkeit, das Wissen, was getan
werden muss, auch unter den ungünstigen
und unübersichtlichen Bedingungen der
Realität eines medizinischen Notfalls in
effektive Maßnahmen im Team
umzusetzen“
Nach David Gaba, Stanford
M. Rall, TüPASS
Komponenten von CRM
Individuelle,
kognitive Elemente
• Limitationen des Human
Factors (Kein Multitasking, “Allocation
of Attention”, Gedächtnisstützen,
Checklisten)
• Dynamic Decision Making
• Planung & Antizipation
• Ausnutzen aller verfügbaren
Informationen
• Fixierungsfehler
Team Management
und Kommunikation
•
•
•
•
•
•
Leadership & followership
“Assertiveness”
Effektive Kommunikation (!)
Verteilung der Arbeitsbelastung
Frühzeitiges Hilfe holen
Ausnutzung aller verfügbarer
Ressourcen
M. Rall, TüPASS
CRM Merksätze
Die 15 Kernaussagen des CRM
1.
Kenne Deine Arbeitsumgebung
(Technik und Organisation)
9.
2.
Antizipiere und plane voraus
3.
Fordere Hilfe an (lieber früh als
spät)
10. Habe Zweifel und überprüfe
genau
4.
Übernimm die Führungsrolle
oder sei ein gutes Teammitglied
5.
Verteile die Arbeitsbelastung
6.
Mobilisiere alle verfügbaren
Ressourcen (Personen und
Technik)
7.
Kommuniziere sicher und
effektiv
8.
Beachte und verwende alle
vorhandenen Informationen
Verhindere und erkenne
Fixierungsfehler
11. Verwende Merkhilfen und
schlage nach
12. Re-evaluiere die Situation
immer wieder
13. Achte auf gute Teamarbeit
14. Lenke Deine Aufmerksamkeit
bewußt
15. Setze Prioritäten dynamisch
Nach Rall, Gaba
in: Miller, Anesthesia
6th Edition (2005)
Team – Team – Team
Dream Teams
are made,
not born!
M. Rall, TüPASS
Simulation – ein Element zur Erhöhung
der Patientensicherheit
Mensch
Debriefing
& Video
Human Factors
CRM
Optimierung
Simulation
der Interaktionen
Technik
Organisation
M. Rall, TüPASS
TüPASS
„Train together who work together“
 Simulator-Team-Training
„Train where you work“
 mobiles „in-situ“ Simulator-Training
M. Rall, TüPASS
Der „Gelbes Kabel“-Test
Sir Liam Donaldson
WHO World Alliance for Patient Safety (2005):
Stellen Sie sich ein Linienflugzeug vor, in welchem sich ein für die
Sicherheit wichtiges gelbes Kabel befindet. Nun entdeckt irgendwo
auf der Welt ein Sicherheitsingenieur bei einer Prüfung, dass das
Kabel Fertigungsbedingt kritische Schwachstellen aufweist. Was
würde als nächstes passieren ? Ich denke wir kennen die Antwort:
Es ist sehr wahrscheinlich, dass fast alle Flugzeuge dieses Typs
weltweit - innerhalb weniger Tage - einer Inspektion des gelben
Kabels unterzogen würden und das Kabel, falls es den Defekt
aufweist, ausgetauscht würde.
Wann wird das Gesundheitssystem den „Gelbes Kabel“-Test
bestehen ?
Incident Reporting soll
Fenster in das System
öffnen
(„window to the system“)
... damit man Dinge
sieht, die man sonst
nicht gesehen hätte...
Incident Reporting soll
Fenster in das System
öffnen
(„window to the system“)
... damit man Dinge
sieht, die man sonst
nicht gesehen hätte...
www.PaSOS-ains.de
Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System
für Anästhesie, Intensivtherapie,
Notfallmedizin und Schmerztherapie
IRS
PaSOS mit externer Anonymisierung und Analyse
Klinik /
Institution
aktiver Leser
Melder
PaSOS
Analyse
Anonymisierer /
Deidentifizierer
Meldung eingeben
anonymisieren
Analyseteam /
Experten
M. Rall, TüPASS
Sicherheitsrelevante Ereignisse in IRS
Neu !
Todesfälle
Schwere
Zwischenfälle
Besonders
gute Lösungen
Leichte Zwischenfälle
und Komplikationen
Gelungene
Rettungsaktionen
Beinahe-Zwischenfälle
und Probleme ohne direkte Folgen
Tips und Tricks
Routine- oder Normalbetrieb ohne relevante Störungen
Aus guten Erfahrungen lernt man lieber und man kann
ohne Gefahr jurist. Konsequenzen darüber sprechen.
Lerntheorie: positive Verstärker besser als negative Sanktionen
M. Rall, TüPASS nach Dieckmann
PaSOS
PaSOS Kliniken
46 Kliniken
* PaSOS in A
PaSOS Version4 Informationen für die Benutzer
Feedback „Fälle lesen“ um Gefahren
zu erkennen, bevor etwas passiert
Sensibilisierung (!)
aller Mitarbeiter
durch Fälle lesen
(> 75.000 mal)
Fallberichte in PaSOS …
Kernfrage:
„Warum kann das bei uns
nicht passieren?
(Prof. Wehner, ETH Zürich)
n=
750
M. Rall, TüPASS
Wir haben keine Zeit …
M. Rall, TüPASS
Kontakt-Info
Dr. med. Marcus Rall
Tübinger Patienten-Sicherheits- und
Simulations-Zentrum TüPASS
marcus.rall @ med.uni-tuebingen.de
www.tupass.de
Hoppe-Seyler-Str. 3, D-72076
Tübingen
Tel.: +49 (0)7071 / 29 86733
Fax: +49 (0)7071 / 29 4943
Herunterladen