Lerntheorien 2014

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Einführung in die
Verhaltenstherapie:
Vertiefung Lerntheorien
(Klassisches/operantes Konditionieren/ Verhaltensanalyse/
Symptomanalyse/funktionale Bedingungsanalyse)
6.September 2014
Seminar 2: Lerntheorien Tim
Bölling-Graf von Bassewitz
1
Klassische Konditionierung
unbedingter vs. bedingter Reflex
natürlicher vs. erlernter Reflex
UCR vs. CR
1. UCS > UCR
2. UCS & NS > UCR
NS = CS
3. CS > CR
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Seminar 2: Lerntheorien Tim
Bölling-Graf von Bassewitz
2
Gesetz der (Aus-)Wirkung (law of effect): Wird in einer
bestimmten Situation eine bestimmte Reaktion von
befriedigenden Konsequenzen (Belohnung) gefolgt, dann
wird die Assoziation zwischen der Situation (den
anwesenden Reizen / Stimuli) und der Reaktion gefestigt
bzw. verstärkt. Kommt der Organismus erneut in diese
oder eine ähnliche Reizsituation, wird er die Reaktion mit
einer größeren Wahrscheinlichkeit als zuvor zeigen.

Negative Law of Effect bezeichnet: Wird ein Verhalten in
einer bestimmten Situation von negativen (aversiven)
Konsequenzen
gefolgt,
sinkt
die
Auftretenswahrscheinlichkeit dieser Reaktion in der Situation.

6.September 2014
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Begründer des (klassischen) Behaviorismus:






'Psychologie sollte sich mit von außen beobachtbarem Verhalten
beschäftigen. Dazu gehören motorische Reaktionen, aber auch
das, was Menschen sagen'.
Verhalten besteht aus Reflexen, d.h. Reiz-Reaktions-Assoziationen
(Verbindungen)
Reize sind außerhalb des Organismus liegende Objekte und
Veränderungen innerhalb des Organismus (Blasendehnung,..)
Jeder Reaktion kann prinzipiell ein sie auslösender Reiz
zugeordnet werden.
Reize und Reaktionen werden über Pawlowsches Konditionieren
assoziiert.
Gefühle und Gedanken sind nicht von außen beobachtbar. Deshalb
sind sie nicht Gegenstand wissenschaftlicher Psychologie
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Begründer des Neobehaviorismus:
Verfeinerung von Watsons Klassischem Behaviorismus über Reiz-ReaktionsKetten, die durch Klassische Konditionierung entstehen (sogenannte S-RPsychologie).
Die von Hull begründete Theorie wird systemische Verhaltenstheorie genannt
und enthielt auch Annahmen über nicht direkt beobachtbare hypothetische
Konstrukte wie z. B. einen allgemeinen Antrieb (D), in dem alle im
Organismus zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Energien
zusammengefasst wurden.
Zu Hulls bedeutendsten Schülern gehörten Kenneth W. Spence, John Dollard
und Neil E. Miller, der Erfinder des Biofeedback.
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5

Vertreter des Neobehaviorismus
Tolmans Lerntheorie wird als kognitiv bezeichnet. Er
führte angenommene, innere Vorgänge als
intervenierende Variablen zwischen stimulus und
response ein.


Wegbereiter des Kognitivismus gelten.
Arbeiten über das Lernen räumlicher
Zusammenhänge (sog. Ortslernen) bei Ratten in
Labyrinthen. Cognitive maps in rats and men (1948)

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6

1953: 'Science and Human Behavior'
Im Gegensatz zu Watson und dem methodologischen Behaviorismus schloss Skinner im
sogenannten "radikalen" Behaviorismus innerpsychische Prozesse bei der Erforschung von
Verhalten nicht aus. Aussagen über "mentale" oder "psychische" Vorgänge könnten jedoch nie von
Außenstehenden, also unabhängigen Beobachtern getroffen werden, sondern allenfalls vom sich
selbst beobachtenden Individuum.

Operantes Konditionieren:
S>R>C

1957: 'Verbal Behavior' (Beginn kognitive Wende)

Methodologischer vs. Radikaler Behaviorismus
Im Gegenteil besteht das Radikale am Radikalen Behaviorismus darin, private Ereignisse als
verdecktes Verhalten aufzufassen und damit einer wissenschaftlichen Analyse zuzuführen. Skinner
sieht in diesem Zusammenhang, dass er von den Verhaltensgesetzen, die anhand beobachtbaren
Verhaltens gewonnen werden, auf nicht direkt beobachtbare Verhaltensweisen extrapoliert, er
erklärt diese Extrapolation aber für nützlicher als den umgekehrten, traditionellen Weg, auf dem von
Gedanken und Gefühlen auf Verhalten geschlossen wird.

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Phobien kommen durch eine Kombination von klassischer
und operanter Konditionierung zustande.
Ein unkonditionierter Stimulus werde in Kombination mit
einer
unkonditionierten
Reaktion
zu
einem
konditionierten Stimulus, also zum Angstauslöser.
Dieser werde durch eine operante Konditionierung
verstärkt, wobei der Betroffene lernt, die Angst durch
Vermeidung des Stimulus zu schwächen.
So kann etwa ein Bienenstich zu Angst vor Bienen führen
(klassisches Konditionieren). Im Folgenden führe das
ständige Vermeiden von Bienen zu einer Verstärkung
und Aufrechterhaltung der Angst und somit zu einer
konstanten Phobie (operante Konditionierung).
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1958 'Psychotherapy by reciprocal inhibition'

Systematischen Desensibilisierung: schrittweise

Konfrontation mit angstauslösenden Stimuli
Wichtig: Reizhierarchie (wegen Reizgeneralisierung)

Einübung von angstantagonistischem Verhalten (z.B. PMR)

Falls bei der Vorstellung eines Reizes Angst auftritt, wird dabei

die Vorstellung sofort abgebrochen und zur Entspannung
übergegangen. Hat sich der Patient daran gewöhnt, ist er also
desensibilisiert, so kann er die nächste Stufe in Angriff nehmen
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In a somewhat related instance, another child refused to accept
any candy when we offered it around one evening (free of
tokens). I knew she liked the candy, so I asked her why she
declined. She said, “Because you just want to control me.” ...

Weggefährte Banduras

Zentrales Werk: Cognition & Behavior Modification (1974)

Lieblingsfeind von Skinner der Kognitionen für eine
unwissenschaftliche Sackgasse hielt

Später vehementer Vertreter des Konstruktivismus

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Der menschliche Organismus reagiert v.a. auf die kognitive
Repräsentation, also auf die Darstellung der Umgebung
und nicht auf die Umgebung selbst ('The map is not the
territory')
Diese kognitiven Repräsentationen sind funktional mit den
Lernprozessen verbunden.
Menschliches Lernen ist zum Großteil kognitiv vermittelt.
Gedanken, Gefühle und Verhalten sind interaktiv, sie
bedingen einander.
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Vater der Kognitiven Verhaltenstherapie
Denkfehler
Willkürliches Schlussfolgern / Selektives Verallgemeinern /
Übergeneralisieren / Maximieren und Minimieren /
Personalisieren / Verabsolutiertes / dichotomes Denken
Automatische Gedanken
schnell ablaufende, blitzartig auftretende, subjektiv plausibel
erscheinende und sich unfreiwillig einstellende Kognitionen,
die zwischen einem Ereignis (externaler oder internaler Art)
und einem emotionalen Erleben (Konsequenz) liegen
Depressiogene Grundannahmen
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RE(V)T:
Rational-emotive Verhaltenstherapie
ABC:
activating event > belief system > emotional consequence
Irrationale Überzeugungen

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Jeder muß mich lieben
Ich muß perfekt sein
Alles muß klappen
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
Reflex




unwillkürlich (nicht steuerbar)
schnell
vorwiegend physiologisch
Operant



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willkürlich steuerbar
langsam
vorwiegend behavioral
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Veränderung der Stimulusqualität
>Konfrontations- und
Bewältigungsverfahren
Veränderung von Schemata
>Kognitive Ansätze
Direkte
Übernahme
Verhaltensmuster
komplexer
>Modellernen
Veränderung der
Kontingenzbed.
>Operante Verfahren
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

Konfrontations und Bewältigungsverfahren

Systematische Desens.ibilisierung

Konfrontation & Reaktionsverhinderung

(Flooding / Graduierte Löschung)

(Angstbewältigungstraining,
Selbstsicherheitstraining)
Operante Verfahren

Aufbau: Shaping, Chaining, Prompting, Fading

Abbau: Bestrafung, Löschung, Response Cost,
Time out, Sättigung

Stabilisierung: Token economy, Kontingenzman.
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

Techniken des Modellernens

Beobachtungslerneffekt (Gruppe, Therapeut, nat.
Umgebung, Medien)
Kognitive Verfahren

Verdeckte Verfahren (Verdeckte Sensibilisierung
(NLP), verdecktes Modellernen)

RE(VT)

Kognitive Therapie nach Beck

Kognitive Umstrukturierung

Sokratischer Dialog

Problemlösetraining
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




S = Stimulus
O = Organismus (Pläne, Oberpläne,
Grundbedürfnisse>>vertikale V.analyse)
R = Reaktion (Problemverhalten)

kognitiv, emotional, behavioral, physio.
K = Kontingenz
C = Konsequenz

positiv / negativ

kurzfristig / langfristig
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>Deprimierende Lebensereignisse &
Bewältigungsversuche
Faktor 1 = Klassische Konditionierung:
UCS = Trauerfall, Schicksalsschlag, Unfall/Erkrankung
UCR = Trauer, Schmerz (Depressionen)
CS = Gedanken und Erinnerungen an Ereignis sowie
Erwartungen und Befürchtungen, dass erneut etwas
Schreckliches passieren könnte
CR = Trauer, Schmerz („Erwartungs-Depressionen“)
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Faktor 2 = Operante Konditionierung:
SD = Immer wenn CS + CR: Immer wenn Erinnerungen /
Befürcht. bzgl. trauriger Anlässe auftreten
O = evtl. sensibilisierten frühere Verlusterfahrungen?
R = dann tritt Vermeidung ein (Trauer und Schmerz
werden vermieden durch z. B. Ablenkung durch
Überarbeitung, Betäubung mit Alkohol und Drogen,
Flucht in Illusionen, Unterdrückung der Gefühle,
Verkrampfung).
K = unbekannt / meist irrelevant
C kurzfristig = C- = Ablenkung von Trauer +
Verzweiflung
C langfristig = C- = Psychosomatische Beschwerden &
weiterbestehende Depression
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



spezifisch versus generalisiert
Stärke des Vermeidungsverhalten
(Agoraphobie?)
Erwerb: Klassisch konditioniert
Aufrechterhaltung: Operant konditioniert
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



Funktion: Lust (C+) oder Frust (C-) ?
Lerngeschichte: Modellernen
Persönlichkeit: Frustrationstoleranz /
Belohnungsaufschub (Mischel)
Komorbidität: Sozialphobie /
Depression / Angst / Zwang / Psychose
/ Persönlichkeitsstörungen
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Welche der folgenden Aussagen treffen auf das operante
Konditionieren zu?
Wählen Sie zwei Antworten!
a. Beim operanten Konditionieren beschränkt man sich auf das
Setzen positiver Konsequenzen.
b. Löschung wird erreicht, indem der gelernten Reaktion nicht
mehr die positive Konsequenz folgt.
c. Beim operanten Konditionieren wird eine Reaktion durch einen
vorausgehenden Reiz ausgelöst oder kontrolliert.
d. Die operante Konditionierung dient ausschließlich dem
Verhaltensaufbau.
e. Folgt einer Reaktion eine positive Konsequenz, erhöht sich
deren Auftretenswahrscheinlichkeit.
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Welche der folgenden Aussagen treffen nicht auf die klassische
Konditionierung zu?
Wählen Sie zwei Antworten!
a. Ein unbedingter Reiz löst eine unbedingte Reaktion aus.
b. Klassisches Konditionieren wird auch instrumentelles Lernen
genannt.
c. Durch mehrmaliges Darbieten des zunächst neutralen Reizes
mit dem unkonditionierten Reiz löst die alleinige Darbietung
des konditionierten Reizes eine konditionierte Reaktion aus.
d. Die wiederholte Darbietung des konditionierten Reizes allein
schwächt die konditionierte Reaktion ab.
e. Nur durch das wiederholte Darbieten des neutralen Reizes
gemeinsam mit dem unkonditionierten Reiz löst die alleinige
Darbietung des unkonditionierten Reizes eine
unkonditionierte Reaktion aus.
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Welche der folgenden Begriffe sind am ehesten den kognitiven
Lernmodellen zuzuordnen? Wählen Sie drei Antworten!
a. Attribution
b. Preparedness
c. Erlernte Hilflosigkeit
d. Diskriminationslernen
e. Selbstwirksamkeit
f. Sensibilisierung
6.September 2014
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25
Welcher lerntheoretische Begriff bezeichnet das
Miteinanderauftreten bzw. die Häufigkeit des gemeinsamen
Auftretens zweier Reize oder Ereignisse, z. B. in welchem
Häufigkeitsverhältnis eine Konsequenz auf eine Reaktion
erfolgt?
6.September 2014
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26
Mit welchem der folgenden Begriffe wird die Verringerung der
Reaktionsrate auf einen wiederholt dargebotenen Reiz
bezeichnet? Wählen Sie eine Antwort!
a. Effektorermüdung
b. Löschung
c. Habituation
d. Verstärkung
e. Adaption
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Welche der folgenden Aussagen zum Modell der Preparedness
sind nicht richtig? Wählen Sie zwei Antworten!
a. Das Modell der Preparedness liefert Erklärungsansätze für die
Entstehung von Angststörungen.
b. Das Konzept des vorbereiteten Lernens geht von der
Äquipotenzialität auslösender Reize aus.
c. Es besteht eine biologische Prädisposition, auf bestimmte
Reize besonders empfindlich zu reagieren und diese schnell
mit einem unkonditionierten Reiz zu verbinden.
d. Das Modell der Preparedness stützt sich auf das Gesetz der
Kontiguität.
e. Welche Reiz-Reaktions-Verbindungen besonders leicht gelernt
werden, ist artspezifisch.
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Welche der folgenden Aussagen über den Prozess der
Habituation sind nicht zutreffend? Wählen Sie eine Antwort!
a. Durch einen Zustand extrem hoher Aktivierung verlangsamt
sich die Habituation.
b. Die subjektive Bedeutsamkeit des Reizens steht in
Zusammenhang mit der Habituationsgeschwindigkeit.
c. Durch stimulierende Drogen wird eine Habituation erschwert.
d. Bei hoher Reizintensität steigt die
Habituationsgeschwindigkeit.
6.September 2014
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29
Welche Veränderungen zum menschlichen Immunsystem treffen
zu?
Wählen Sie drei Antworten!
a. Immunreaktionen sind konditionierbar.
b. Mit dem Alter sinkt die Kompetenz des Immunsystems und
steigt die Krankheitsanfälligkeit.
c. Kurzfristiger Stress führt zu einem Abfall der
Immunkompetenz.
d. Langfristiger Stress führt zu einem Anstieg der
Immunkompetenz.
e. Soziale Isolation, Trennung und Partnerverlust beeinträchtigen
das Immunsystem.
f. Kurzfristiger Stress führt durch Aktivierung der HypothalamusHypophysen-Nebennierenrinden-Achse zur Ausschüttung von
Glukokortikoiden.
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Ein 8-jähriger hyperaktiver Junge wird bei ruhigem,
konzentrierten Mitarbeiten vom seinem Lehrer verbal gelobt
und bekommt zusätzlich eine lachende Sonne in sein
Hausaufgabenheft gemalt. Welche Formen von Verstärkung
können hier am ehesten identifiziert werden?
Wählen Sie zwei Antworten!
a. Primäre Verstärkung
b. Premack-Prinzip
c. Soziale Verstärkung
d. Prompting
e. Sekundäre Verstärkung
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31
Welche der folgenden Aussagen entspricht dem Konzept der
Löschung? Ein bereits gelerntes Verhalten wird gelöscht…
Wählen Sie eine Antwort!
a. durch Entfernung positiver Verstärkung, durch die das
Verhalten aufrechterhalten wurde.
b. durch Anwendung von Fading.
c. durch die Technik des Chaining.
d. durch Entfernen einer negativen Konsequenz.
e. durch kontingentes Darbieten einer positiven Konsequenz.
6.September 2014
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Es soll ein bereits aufgebautes Verhalten mit Hilfe eines
Verstärkungsplans stabilisiert werden, der vorsieht, in
unterschiedlichen Zeitabständen (durchschnittlich 5 min) eine
positive Konsequenz zu setzen. Welche Art des
Verstärkerplans wird hier angewandt?
Wählen sie eine
Antwort!
a. Kontinuierliche Verstärkung mit fixem Zeitplan
b. Intermittierende Verstärkung mit variablem Quotenplan
c. Intermittierende Verstärkung mit variablem Zeitplan
d. Kontinuierliche Verstärkung mit variablem Zeitplan
e. Partielle Verstärkung mit variablem Zeitplan
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Die von Wolpe (1958) entwickelte Methode der systematischen
Desensibilisierung zeichnet sich durch drei Teilschritte aus.
Welche der folgenden Interventionen entsprechen diesen
Teilschritten am ehesten? Wählen Sie drei Antworten!
a. Durchführung einer massierten Konfrontation
b. Erstellen einer individuellen Hierarchie angstauslösender
Situationen
c. Erarbeiten von Selbstverbalisation zur Angstbewältigung
d. Durchführung einer graduierten Konfrontation
e. Einüben eines Entspannungsverfahrens
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Es gibt vielfältige operante Methoden zum Aufbau von Verhalten
bzw. nicht vorhandenem Verhalten. Welche Methoden gehören
nicht dazu? Wählen Sie zwei Antworten!
a. Shaping
b. Chaining
c. Flooding
d. Fading und Prompting
e. Positive Verstärkung
f. Implosion
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
Stimulus S = Umweltstimulus

Stimulus S* = biologisch bedeuts. Reiz (Futter, Schock, Sex etc.)

Reaktion R = Reaktion, Verhalten
Klassische Konditionierung

S-S* - Lernen

Signallernen oder Stimulus-Stimulus-Lernen
Operante Konditionierung

R-S* - Lernen

Reaktionslernen
6.September 2014
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S-S*-Lernprozesse sind extrem relevant für die Anpassung des
Organismus an die Umwelt, zahlreiche physiologische
Reaktionen können an Stimuli gekoppelt werden
(Immunreaktionen, Muskelreflexe, viszerale Reflexe usw.)

Die Reaktion CR auf das Signal S (CS) kann sehr anders sein
als die sichtbare Reaktion (UR) auf den unbedingten Reiz
(R*/US) (Bsp. Toleranzentwicklung)

S-S*-Lernen bereitet den Organismus optimal auf die
Verarbeitung des erwarteten S* vor

6.September 2014
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37
Pawlows Hund: Speichelfluss verbessert Nahrungsverwertung
(vermutlich nur „Spitze des Eisbergs“ verschiedenster viszeraler
Reaktionen!)


Lidschlusskonditionierung: Lidschluss verhindert
schädigenden Luftstoß auf Cornea
Geschmacksaversionslernen: Künftiges Vermeiden potenziell
giftiger Nahrung

Bsp.: Woods & Strubbe (1994, Psychonom. Bull. & Rev.): Tiere
mit angekündigten Mahlzeiten verdauten diese effizienter

6.September 2014
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38
Blaue Guramis in versch. Hälften eines

Aquariums mit Sichtblende
Bei Entfernung der Sichtblende zeigen männliche Fische

Revierverteidigung (Kampf), wenn anderes Männchen zugegen

Balzverhalten, wenn Weibchen zugegen
Je einer Hälfte von Fischen wurde das andere Tier durch einen
Lichtreiz (CS) angekündigt

Effekt: Konditionierte Fische produzieren mehr
Nachkommen als nicht konditionierte!

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39

Skinner glaubte, KK und OR wären vollkommen
unterschiedliche Lernprozesse

Beide Lernformen scheinen aber nahezu immer
gemeinsam aufzutreten

Bei der klassischen Konditionierung wird der
Organismus optimal auf den US vorbereitet
([negative] Verstärkung der CR)
6.September 2014
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40
S-S* und R-S*-Lernen weisen zahllose Gemeinsamkeiten auf
und lassen sich in termini des evolutionären Anpassungswertes
interpretieren

Beide Lernformen machen das Verhalten deutlich flexibler als
reine Instinkthandlungen und modulieren diese.

Offenbar ist die Flexibilität aber durch Instinkte und biologische
Bereitschaften sinnvoll eingeschränkt: Es werden nicht beliebige
Reize mit beliebigen anderen assoziiert

Biologische Bereitschaften in der klassischen Konditionierung
gibt es auch beim Menschen (Geschmacksaversion,
Furchtkonditionierung- [Arten von Phobien])

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41
Weder die Häufigkeit der Koppelungen von S und S* noch die
Stärke von S* bestimmen den Konditionierungserfolg

Der S muss Information über das auftreten des S* vermitteln,
damit eine Konditionierung stattfindet

Die Ergebnisse lassen sich am besten damit beschreiben, dass
eine Erwartung über das Auftreten von S* gegeben S gelernt
wird.

Positive Abweichungen führen zu exzitatorischer, negative zu
inhibitorischer Konditionierung.

Formales Modell: Rescorla-Wagner-Theorie (s. Bouton, 2007)

6.September 2014
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42
Der Informationsgehalt den ein Reiz (S) über
das Auftreten eines S* bietet entscheidet über
die Konditionierungsstärke!
(nicht die Häufigkeit der Paarung)
6.September 2014
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43
Konfrontationstherapie bei Phobien wird als Extinktion
interpretiert. Wenn diese kontextabhängig ist, solle KT in
mehreren Kontexten durchgeführt werden, um generelle
Wirksamkeit zu entfalten

Erneuerungseffekte durch Kontextwechsel wurden demonstriert
bei: Spinnenangst /Alkohol-Cues / Zigaretten-Cues /
Drogenkonsum bei Ratten

Die Kontextabhängigkeit des Vergessens und der beschleunigte
Wiedererwerb sind auch in der Gedächtnispsychologie (mit
verbalem Material) gut bestätigte Phänomene.

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44
„Auf den ersten Blick ist Drogenkonsum operant erlernt: Die

pharmakologische Wirkung (Rausch, Anästhesie,
Spannungsreduktion, Enthemmung etc.) wirkt als Verstärker für
den Konsum selbst. (Wirkung vieler Drogen über N. accumbens)
Gleichzeitig zu beobachten bei häufigem Gebrauch:
Toleranzentwicklung

Die Toleranzentwicklung ist vermutlich eine kompensatorische
Reaktion des Organismus zur Aufrechterhaltung der Homöostase

Diese kompensatorische Reaktion könnte auf Umgebungsreize
(Räume, Personen, Rituale) klassisch konditioniert werden

Vohersage: Drogentoleranz ist z.T. situationsabhängig!

6.September 2014
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Siegel et al., 1982, Science
Phase 1
(Toleranzentw.)
Phase 2
% tot
EG
1
15 x Heroin in
Raum A
Überdosis in
Raum A
32 %
EG
2
15 x Heroin in
Raum A
Überdosis in
Raum B
64 %
KG
----
Überdosis in
Raum A
96 %
6.September 2014
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Behavioraler Ansatz in Betrachtung der KlientenTherapeuten-Interaktion
Beobachtung: Größte Therapiefortschritte bei intensiver
Beziehung!
Enge Anlehnung an Skinners radikalen Behaviorismus (im
Sinne von Wurzel nicht von extrem)
d.h. Funktionales Zusammenhänge zwischen
Verhaltensweisen und vorausgehende und nachfolgende
Umweltbedingungen sind wichtiger als das 'was' des
Verhaltens
Interesse an der Verstärkungsgeschichte und am Kontext
in dem Verhalten auftritt
Kontextunabhängige mentale Entitäten werden abgelehnt

6.September 2014
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47
Im Hier und Jetzt das Problem des Klienten evozieren und
bestimmen, was es hervorgerufen hat
Denn: die Therapeutische Beziehung ist ein sozialer
Kontext (nutzt ihn!)
Im direkten Dialog erfährt man allerdings eher nur die
subjektiven Theorien des Klienten, das drumherum ist
manchmal wichtiger (Tür-und-Angel-Gespräche,
Versprecher, Umgang mit Verspätung, Ausfallhonorar,
etc.)
Bsp. Wenn ein Klient Probleme hat enge Beziehungen zu
knüpfen, hat er es wohl auch mit dem Therapeuten...

6.September 2014
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48
Verbesserungen innerhalb der Therapiestunde
(und deren Kontingenzen!)
Bsp. Ein Klient mit Schwierigkeiten seine Meinung zu
äussern, sagt dem Therapeuten, dass es ihn stört, wenn
dieser ihn unterbricht.
Antwort a. 'Das ist großartig, dass Sie mir das sagen. Es
freut mich, wie sie mir ihre Frustration über mich mitteilen.
Sie machen riesige Fortschritte! '
Antwort b. 'Entschuldigung, ich werde in Zukunft darauf
achten!'
6.September 2014
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49
= Die Interpretationen, die Klienten ihrem
eigenen Verhalten geben.
werden als unabhängig von der
tatsächlichen Bedingtheit gesehen (Theorie
der kognitiven Dissonanzreduktion)

werden darauf untersucht, ob sie einer
Verbesserung dienlich sind

6.September 2014
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50
1. Achte auf CRB's
2. Evoziere CRB's
3. Verstärke CRB2's
4. Beobachte den potentiell verstärkenden
Effekt des Therapeutenverhaltens
5. Gib eine Interpretation über die Variablen,
die das Klientenverhalten beeinflussen
6.September 2014
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51






6.September 2014
Bouton, M. E. (2007). Learning and Behavior.
A contemporary synthesis. Sunderland, MA:
Sinauer.
Flowers 50 Fehler: KLVT Homepage
Fink & Tritschler (2011): Prüfungsfragen
Psychotherapie, Springer Verlag
Historisches Literaturverzeichnis: Hermann
Wendt Homepage
Spada, H. (1990). Allgemeine Psychologie.
Hans Huber
Irvin Yalom . Der Panamahut oder was einen
guten Therapeuten ausmacht. btb
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Tim Bölling-Graf von Bassewitz
52

Anwendung der Lerntheorien auf Therapie:

Kohlenberg, R.J. & Tsai, M. (1991), Functional
Analytic Psychotherapy: Creating Intense and
Curative Therapeutic Relationships



6.September 2014
Funktionale Bedingungsmodelle am Beispiel der
Depression: Hermann Wendt Homepage
Arbeitsblätter zur Verhaltensanalyse: Hermann
Wendt Homepage
Deutsche Gesellschaft f. Verhaltenstherapie
(Hrsg.) (1986): Verhaltenstherapie, Theorien und
Methoden, Tübingen: dgvt
Seminar 2: Lerntheorien
Tim Bölling-Graf von Bassewitz
53
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