Kap. 2 Physiogeographische Grundlagen: Tektonik, Klima und

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V Blotevogel SS 2001 „Ost- und Südostasien“ Kap. 2
Kap. 2
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Physiogeographische Grundlagen: Tektonik, Klima und
Böden als Ressource und Restriktion menschlicher
Nutzung
Groß-Relief:
Großräumige Übersicht des asiatischen Kontinents: Hochasien – Tafelländer Nord- und NE-Asiens –
treppenförmige Abdachung Ostasiens – Tiefland – Randmeere – Inselbogen.
(1) Hochasien: größtes Gebirgssystem der Erde, geologisch-tektonisch aus sehr unterschiedlichen
Teilen bestehend:
(a) junges Faltengebirge Himalaya-Karakorum, Teil des insb. im Tertiär gebildeten alpidischen
Faltengürtels.
Plattentektonische Deutung: Subduktion der indischen Platte (Teil der indisch-australischen Platte) unter
die chinesische Platte (Teil der eurasischen Platte) infolge des „Aufprallens“ der indischen Platte auf die
eurasische Platte seit dem Tertiär vor ca. 50 Mio Jahren.
(Platten: Teile der festen Lithosphäre, bis ca. 60 km dick, darunter: plastische Asthenosphäre; die
Krustenplatten „schwimmen“ auf der plastischen Asthenosphäre. An den Subduktionszonen
(konvergente Plattengrenzen) sinkt eine Platte unter eine andere ab. Dabei bilden sich oft Tiefseegräben,
Faltengebirge und Vulkane.)
(b) nördliches Hochasien: System aus Hochländern und Becken mit Randgebirgen: Hochland von Tibet,
Tarim-Becken, Kunlun, Tienschan, Altai, Wüste Gobi.
Geologisch alt, d.h. ein Ergebnis paläozoischer und mesozoischer Faltungen an den Rändern alter
präkambrischer Tafeln, speziell am Rand zwischen eurasischer und chinesischer Platte (durch Erdbeben
bis heute aktive Plattengrenze). Faltengebirge wurden später teilweise eingerumpft.
Arides Klima: meist wüstenhaft und lebensfeindlich.
(2) Nord- und Nordost-Asien: alte Tafelländer, d.h. paläozoische oder gar päkambrische Faltenrümpfe, die seit dem Paläozoikum eingerumpft sind, Teile der großen eurasischen Platte wurden und
sich seitdem durch eine sehr geringe tektonische Aktivität auszeichnen.
Festland-Norden: Nordost-Asien ist lebensfeindlicher kalter Gebirgsraum, Hindernis für die
Erschließung waren die nach Norden mündenden Flüsse (abgesehen vom Amur);
(3) Ostasien: „getreppte Ost-Abdachung“ Hochasiens nach Osten
Schon Ferdinand. von RICHTHOFEN verglich das Relief Ostasiens mit einer riesigen Treppe:
a) Hochgebirge und hoch gelegene Becken Hochasiens,
b) Lössplateaus: Rotes Becken, am mittleren HuangHe zwischen Xian und Lanzhou, nördliche
Mandschurei (Löss: äolisches Sediment, bis zu 100 m mächtig, ausgeweht aus den zentralen ariden
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Becken); sehr fruchtbare Böden, aber stark erosionsgefährdet; alte, dicht besiedelte Kulturlandschaften
(im S Reis, im N Weizen);
c) Tiefland, Hügelländer und insb. Schwemmlandebenen. Für die Landesentwicklung besonders wichtig:
Schwemmlandebenen mit fruchtbaren Böden, aufgebaut durch die schwebstoffreichen Flüsse wie
HuangHe („Gelber Fluss“, in der „Großen Ebene“ mit umgelagerten Schwemmlöss, zahlreiche
Überschwemmungen), Jangtsekiang.
d) Randmeere (ca. 2.000 m tief) und Schelfmeere (200m):
Ochotskisches Meer und Japanisches Meer (Randmeere), Gelbes Meer, Ostchinesisches Meer
(Schelfmeere), Südchinesisches Meer (teils Rand-, teils Schelfmeer), teils flach (überfluteter
Kontinentalrand), starke Verlandungen durch schwebstoffreiche Flüsse mit Deltabildung: HuangHe,
Jangtse, Mekong usw.; teils Meeresbecken am Kontinentalrand.
e) Inselbogen: Halbinsel Kamtschatka/Aleuten - Kurilen - Japan - Nansei-Inseln (Ryukyu-I. mit
Okinawa) - Taiwan - Philippinen - Molukken/Sunda-Inseln - Java - Sumatra - Nikobaren u.
Andamanen (indisch)
= Teil des großen tertiären oder alpidischen Faltengürtels am Rand der großen kontinentalen
Krustenplatten, insb. der eurasisch-chinesischen Platte.
Entstehung: Subduktion der pazifischen, der philippinischen und indisch-australischen Platten (mit
unterschiedlichem Tempo) unter die eurasisch-chinesische Platte;
Theorie der Plattentektonik: Schalenaufbau der Erde am äußeren Rand:
1) starre alte kontinentale Krustenplatten (Festländer und Schelfmeersockel, bis 60 km mächtig) als
oberste Teile der Lithosphäre,
2) junge ozeanische Kruste; meist geringmächtig;
Lithosphäre insgesamt bis zu ca. 100 km mächtig; darunter:
3) zähflüssige Asthenosphäre (ca. 350 km mächtig).
Bewegung der Platten wird durch gewaltige Konvektionsströme im Erdkern und Erdmantel verursacht.
Entlang der mittelozeanischen Rücken (sog. Rift-Zonen) dringt partiell geschmolzenes Gestein aus dem
Erdmantel (Asthenosphäre) empor, erstarrt dort und bildet neue Lithosphäre (jungen ozeanischen
Boden). An diesen Rift-Zonen (divergente Plattengrenzen) driftet der Meeresboden auseinander
(Spreizung) und bildet neue Kruste. Wenn zwei Platten zusammenstoßen, schiebt sich meist der
Plattenrand einer leichteren Platte über den Rand der schwereren, die zum Abtauchen gezwungen wird
(„Subduktion“, konvergente Plattengrenzen) und letztlich im Erdmantel aufschmilzt. Im Verlauf der
Subduktion wird Magma mobilisiert, die aufsteigt und Vulkane speist. Vulkanketten, teils entlang der
Faltengebirge, teils untermeerisch, markieren den Verlauf der Subduktionszonen. Entlang der
Subduktionszonen entstehen typischerweise durch das Überschieben (teilweise gestauchte)
Faltengebirge sowie durch das Absinken Tiefseegräben. Plattengrenzen können auch Scherbewegungen
aufweisen. Erdbeben treten vor Allem in Subduktionszonen und Scherzonen auf. Folgen: Vulkanismus
(Kette aktiver Vulkane), Erdbeben, Tsunamis (s.u.).
f) Tiefseegräben: Japangraben (-10.554 m), Philippinengraben (-10.540 m), Sundagraben (-7.450 m);
weiter östl.: Marianengraben (-11.034 m): markieren die Subduktionszonen der ozeanischen
Krustenplatten.
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g) Tiefsee-Ozean, aufgebaut aus geringmächtigen ozeanischen Krustenplatten (Tiefe meist 4.000 bis
6.000 m) mit ozeanischen Rücken („seafloor-spreading“ = Seebodenspreizung, aufquellende
basaltische Magma, die neuen Ozeanboden bildet).
(4) Südostasien
Kleinräumiger gegliedert als Hoch- und Ostasien, aufgebaut durch Faltengebirge und Inseln.
Geologisch-tektonisch: Teil der chinesischen Platte, begrenzt durch alpidisch gefalteten Rand und
Tiefseegräben, die die Subduktionszonen markieren.
a) kontinentales SE-Asien: Mittelgebirgsraum mit Öffnung durch große Flüsse und großen
Beckenlandschaften; stark gegliedert; im Innern: mesozoische Faltengebirge, die durch die wirksame
tropische Verwitterung eingerumpft werden; SE-Asien und Borneo sind also nicht Teile des tertiären
Faltengürtels, sondern mesozoischer Faltenrümpfe!
b) südostasiatische Inselwelt (Sunda-Inseln, Malaiischer Archipel): stark gegliedert;
im Innern: Teil der chinesischen Platte mit Faltenrümpfen, teils Inseln (Borneo), teils malaiische
Halbinsel, teils vom Schelfmeer überflutet (im Pleistozän Landbrücke!);
am Rand: alpidisch gefaltete Inselkette, die den kontinentalen Krustenrand markiert: Philippinen, kleine
Sundainseln wie Java, Sumatra; davor: Tiefseegräben.
Neuguinea ist bereits Teil der australischen Platte: Molukken und Celebes sind durch Stauchungen der
Plattenränder im Übergangsbereich zwischen der eurasischen und australischen Platte entstanden.
Problem der „Raumenge“ in Japan
In Japan leben auf 377.000 qkm ca. 127 Mio Ew, d.h. 337 Ew/qkm (D: 230 Ew/qkm). Tatsächlich ist
aber ein großer Teil Japans nicht besiedelbares Gebirgsland. Besiedelbar sind nur die
Schwemmlandebenen und der Küstensaum, d.h. nutzbar ist höchsten ca. 1/3 der Landfläche. Die
Siedlungsdichte beträgt dort ca. 1.000 Ew/qkm, d.h. doppelt so hoch wie NRW!
(Historisch bedeutsam: geopolitische „Volk-ohne-Raum“-Denkfigur als Legitimation des Imperialismus
zwischen ca. 1890 und 1945!)
Folgen der „Raumenge“:
- Nutzungskonkurrenz zwischen Landwirtschaft (intensiver Reis- und Gemüsebau zur Selbstversorgung)
und Nutzung für Gewerbe, Wohnsiedlungen und Verkehr;
- hohe Bodenpreise;
- Gewinnung von Neuland durch Aufschüttungen, z.B. in der Tokio-Bucht und vor Osaka und Kobe.
Klima
NE-Asien: winterkalt, kontinental, niederschlagsarm, (Köppen: D-(Schnee-)Klima, kältester Monat <3o), einschl. Mandschurei, Nordkorea, Hokkaido, teilw. Nordchina (Raum Peking); starke
jahreszeitliche Temperaturschwankungen,
§ Sommer: SE-Monsun mit Regen und warmen Luftmassen,
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Winter: trockener kalter NE-Monsun führt zum weiten südlichen Vordringen des Dauerfrostbodens
bis 47o in der Mongolei und 52o am Ochotskischen Meer; Getreidegrenze liegt am Amur bei ca.
55o (im Vergleich zu 70o in Norwegen.
Ostasien: relativ kontinental und winterkalt (typisch für sog. Ostseiten-Klimate);
Köppen: C-Klima, d.h. warmgemäßigtes humides Klima (kältester Monat zwischen -3 und 18o); Japan
(Honshu, Kiushu und Shikoku) und südöstl. China: Cfa, (f = immerfeucht, a = wärmster Monat über
22o), nördl. u. zentrales China: Cwa (Wintertrockenheit).
§ Sommer: warm und niederschlagsreich durch Süd-Monsun;
§ Winter: trockener, kalter Nord-Monsun.
Mongolei und zentrale Becken: B-Klima: Trockenklima (Wüsten- und Steppenklima).
Hochland von Tibet und Hochgebirge: E-Klima: Hochgebirgs- bzw. Eisklima.
Südostasien: ganzjährig tropisches Klima mit hohen Temperaturen und hohen Niederschlägen; Köppen:
Af-Klima =Tropisches Klima, d.h. alle Monate >18o; f = alle Monate humid; Thailand und Vietnam:
Aw-Klima (tropisch, winterliche Trockenzeit; = Feuchtsavannen-Klima).
Für Ost-, SE- und S-Asien prägend: der Monsun
= kontinentales Land-Meer-Windsystem mit halbjährlichem Richtungswechsel; sowohl für Ost- als auch
Südost-Asien klimaprägend..
Entstehung früher einfach gedeutet aus der großräumigen Luftdruckverteilung Land-Meer:
§ Sommer: kontinentales Tiefdruckgebiet mit aufsteigenden Luftmassen infolge starker Erwärmung;
Südwest-, Süd- und Südost-Monsun als Regenbringer;
§ Winter: kontinentales Hochdruckgebiet aufgrund absinkender Luftmassen infolge starker Abkühlung; Nordost- und Nord-Monsun trocken.
§ Luftdruckausgleich erzeugt Monsunwinde mit halbjährlichem Wechsel.
Neuere dynamische Betrachtungsweise der Klimatologie hat dieses einfache statische Bild differenziert.
Das Grundprinzip wird zwar bestätigt: Der Monsun wird durch die große asiatische Landmasse bewirkt,
die zu einer Abweichung des Windsystems vom Grundmuster der planetarischen Windzirkulation führt.
Aber:
1) Dynamische Luftmassenbetrachtung: südasiatischer und ostasiatischer Sommermonsun sind ganz
unterschiedlich und werden durch die nach Zentralasien nach N verschobene innertropische
Konvergenzzone (ITC) getrennt; der süd- und südostasiatische Sommermonsun ist der nach N
verlängerte und nach NE umgelenkte SE-Passat der Südhalbkugel;
2) regionale Unterschiede der Niederschlagshäufigkeit, da die Bedeutung konvektiv bedingter
Niederschläge früher unterschätzt wurde. Insb.: großer Teil der Sommerregen ist nicht advektiv,
sondern konvektiv bedingt.
Böden
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Bodenkunde und Bodengeographie eigene Disziplinen, ohne einschlägige Vorkenntnisse nur schwer zu
vermitteln und zu verstehen. Böden entstehen durch das Zusammenspiel von Ausgangsgestein,
klimabedingter Verwitterung und Vegetation.
Nordostasien:
a) Dauerfrostboden (Gley, Podsolgley) der Tundra,
b) Podsolboden der Taiga (borealer Nadelwald) mit saurem Humushorizont und nährstoffarmem
Auswaschungshorizont (typische graue Farbe).
Westliches China: humusarme Skelettböden im Gebirge; in den ariden Becken Halbwüsten- und
Wüstenböden; sie sind zwar potenziell fruchtbar, aber Wasserarmut ist der begrenzende Faktor der
Vegetation und Bodennutzung.
Mandschurei, Korea, nördl. Japan: Braunerden unter Wald mit Humus- und Verwitterungshorizonten.
Nord- und Mittelchina:
Hochplateaus: Braunerden, regional teilweise mächtige Lössböden, sehr fruchtbar, aber teilweise sehr
erosionsgefährdet.
Tiefebenen: Schwemmlandböden (oft Schwemmlöss), sehr fruchtbar.
Südliches China, südl. Japan.
Bergländer: Rote und gelbe podsolierte Böden der subtropischen Feuchtwälder;
südlich des 25. Breitengrads: tropische Lateritböden, wenig fruchtbar (s.u.).
Südostasien: starke kleinräumige Gegensätze;
Vorherrschend sind tropische rote bis gelbe (eisenoxidhaltige) saure Lateritböden (ferrallitische Böden:
„Ferralsole“, „Acrisole“, d.h. überwiegend Eisen- und Aluminiumminerale, während Kalk- und
Siliziumminerale durch die intensive chemische Verwitterung und die hohen Niederschläge
ausgewaschen sind), nährstoffarm infolge geringer Sorptionsfähigkeit der Tonminerale; die üppige
Vegetation der Regenwälder beruht auf dem „kurzen“ Nährstoffkreislauf der Humusbildung und
Nährstoffaufnahme über die Baumwurzeln (mit Mykorrhiza) weitgehend ohne Beteiligung der
Bodenminerale. Bei angepasster Bodennutzung (insb. Baumkulturen wie Ölpalme) können jedoch gute
landwirtschaftliche Erträge erzielt werden.
Hingegen fruchtbare Böden:
a) junge Schwemmlandböden, z.B. Mekong-Delta,
b) vulkanische Böden („Andosole“, basisch, Tonmineralien mit Nährstoff-Speicherkapazität), i.d.R.
jüngere Böden, außerdem erfolgt in größeren Höhen aufgrund der niedrigeren Temperaturen die
Auswaschung der Mineralien mit hoher Speicherkapazität langsamer.
Naturrisiken
Bodenerosion, insb. in den chinesischen Lössplateaus, führt zu großflächigen „Badlands“.
Vulkane (an Plattenrändern, speziell an Subduktionszonen, d.h. entlang der Inselkette).
Erdbeben: insb. an sämtlichen Plattenrändern, also auch große Erdbeben in Japan:
1923 Kanto-Beben im Raum Tokio mit 143.000 Toten
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1995 Kobe-Beben mit über 5.000 Toten.
Spannungen an Nahtstellen der Platten, insb. bei Scherbewegungen und Subduktion. Vorhersage ist
schwierig; man versucht es mit dem Konzept der „seismischen Lücke“, d.h. Identifikation von Stellen,
an denen sich Plattenränder verhaken, so dass sich seismische Spannung aufbaut; oft erkennbar an
langer Erdbebenruhe trotz intensiver seismischer Dynamik.
„Tsunami“, das sind fälschlicherweise so genannte „Seebeben“, d.h. durch Erdbeben ausgelöste
Flutwellen. Treten besonders häufig an den Küsten des Pazifiks auf, da in dem großen Ozean häufig
Erdbeben stattfinden, die dann Flutwellen auslösen, die teilweise den gesamten Pazifik überqueren.
Über dem offenen Meer sind meist weder die Erdbeben noch die Wellen spürbar, aber vor Allem an
flachen Küsten laufen sie zu mehreren Metern hohen Flutwellen mit großer Zerstörungskraft auf.
Warnungen sind möglich, wenn das auslösende Erdbeben weit entfernt stattfand, da eine Welle für die
Überquerung des Pazifiks mehrere Stunden benötigt.
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