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PATHOLOGIE DES WACHSTUMS UND
DER ENTWICKLUNG
GESCHWULSTWACHSTUM
PATHOLOGIE DES WACHSTUMS UND
DER ENTWICKLUNG
GESCHWULSTWACHSTUM
1
PATHOLOGIE DES WACHSTUMS UND
DER ENTWICKLUNG
GESCHWULSTWACHSTUM
Maligne Tumoren – systematische Übersicht
1. Was sind Tumoren?
2. Eigenschaften u. Unterschiede gut- u.
bösartiger Tumorzellen
3. Einteilung u. Nomenklatur der
Tumoren
4. Häufigkeit bösartiger Tumoren
5. Entstehung von Tumoren
6. Diagnostik und Therapie
2
1. Was sind Tumoren ?
Bedeutung und Definition
a) Bedeutung:
• 400 von 100 000 Einwohner erkranken jährlich neu an einem
malignen Tumor
• zweithäufigste Todesursache (25 % aller Menschen)
b) Definition
Tumor (im weiteren Sinn)
= umschriebene Volumenzunahme eines Gewebes (viele Ursachen mögl.,
z.B. Entzündung: Calor, Rubor, Tumor, Dolor, Functio laesa)
Tumor (im engeren Sinn)
Syn.: Geschwulst, Neubildung, Neoplasie / Neoplasma
= abnorme Gewebsmasse, die auf ein autonomes, progressives,
überschiessendes Wachstum körpereigener, entarteter Zellen
(Tumorzellen) zurückgeht (Endung -om)
3
2. Eigenschaften und
Unterscheidungsmerkmale
gut- und bösartiger
Tumorzellen
Eigenschaften bösartiger
Tumorzellen
•
•
•
•
•
Wachstumsanarchie
Unsterblichkeit
Fehlende Seßhaftigkeit
Entfremdung
Zellvagabundismus
4
Dignität = biologisches Verhalten eines Tumors
wesentliches Unterscheidungskriterium
Benigne = gutartig
Beispiele:
Adenome, Papillome, Lipom, Chondrom, Fibrom, Osteom, Myom
Maligne = bösartig
Beispiele:
Karzinome, Sarkome, "Krebs" = maligner Tumor
Semimaligne
Tumoren, die lokal invasiv und destruktiv wachsen,
aber nicht metastasieren (z.B. Basaliom)
Klinische Kriterien der Dignität
(Anamnese, Untersuchung, bildgebende Diagnostik)
Wachstum
Begrenzung
Ausbreitung
Konsistenz
Bezug zu Nachbarstrukturen
Alter
Symptome
Therapie
Verlauf
Metastasen
Prognose
Benigner Tumor
langsam (Jahre)
Maligner Tumor
schnell (Wochen/Monate)
scharf, häufig gekapselt
expansiv, verdrängend
homogen
unscharf, meist ohne Kapsel
invasiv, destruierend
inhomogen (Nekrosen, Blutungen)
verschieblich, Kompression, Druckatrophie
betrifft auch junge Menschen
symptomarm
haftend, verwachsen
Invasion, Destruktion
Inzidenz nimmt im Alter zu
symptomreich (aber erst spät)
Chirurgische Entfernung
lang, i.d.R. nicht tödlich
Chirurgie, Radio-/Chemotherapie
kurz, oft tödlich
Rarität
meist Heilung
häufig
ungewiss (Rezidive, Metastasen)
5
Leiomyom des Corpus uteri: gutartige Geschwulst mit
verdrängendem, jedoch nicht invasivem Wachstum
Pathologisch-anatomische Kriterien der Dignität
(Makroskopie, Mikroskopie, Zusatzuntersuchungen)
Kapsel
Begrenzung
Schnittfläche
Zellgehalt
Mitosen
Zellgröße/-form
Kerne
Kern-Plasma
Chromatin
Nukleolen
Zellatypien
DNA-Gehalt
Beniger Tumor
vorhanden
rund
homogen
niedrig
Maligner Tumor
fehlt
häufig unscharf, strahlig
inhomogen, "bunt" (Nekrosen, Blutgn.)
hoch
fehlen
einheitlich
monomorph
häufig, auch atypische
unterschiedlich
polymorph
Relation regelrecht
Verteilung regelmäßig
regelrecht
zugunsten des Kerns verschoben
unregelmäßig (Heterochromasie)
verklumpt, vergrößert
fehlen
regelrecht, euploid
häufig
vermehrt, aneuploid
6
Tumorausbreitung
• Infiltration in Parenchym/subepitheliales Stroma (Durchbruch
der Basalmembran)
• Invasion in Lymph- und Blutgefäße
• Intraepitheliale Ausbreitung (z. B. beim Ca in situ, häufig auch
Begleitkomponente bei invasiven Karzinomen)
• Perineurale Ausbreitung (charakteristisch für das adenoidzystische Karzinom der Speicheldrüsen, auch bei Prostata-,
Mamma-, Magen- Pankreas-, Kolon-, Lungen-Karzinom u.a.)
• Kontaktausbreitung
• Reduktion der Zelladhäsion (bei Tumorzellen vermindert, z. B.
über negative Oberflächenladungen)
7
Metastasierung
Definition im engeren Sinn:
alle Prozesse, die an der Verschleppung maligner Zellen beteiligt
sind und ihr An- und Weiterwachsen in entfernteren Körperregionen verwirklichen
Definition im weiteren Sinn:
Verschleppung eines Krankheitsprozesses von einer Körperstelle an eine
andere; der am neuen Ort entstandene Krankheitsprozess wird Metastase
genannt (kann auch auf die Ausbreitung einer Entzündung angewandt
werden, z. B. "metastastische" Ausbreitung infektiöser Keime bei
bakterieller Endokarditis). Man spricht hier allerdings häufiger von
"embolischer" Bakterienverschleppung (häufig mit Ausbildung von
Mikroabszessen).
Metastasierungswege
Lymphogene Metastasierung
Def.: Einbruch in und Verschleppung von Tumorzellen auf dem Lymphweg:
• Lymphangiosis carcinomatosa
• Lymphonoduläre Metastasierung
• Fernmetastasen möglich durch Erreichen der Aorta über den Ductus thoracicus
("Virchow-Drüse")
Karzinome setzen zumeist erst lymphogene Metastase, während Sarkome nur selten
lymphogen metastasieren, statt dessen aber direkt hämatogen metastasieren können.
Hämatogene Metastasierung
Def.: Verschleppung von Tumorzellen auf dem Blutweg und An-/Weiterwachsen an
anderer Körperstelle
Phasen: Embolisation
→
Implantation
8
Lymphangiosis carcinomatosa
der Lunge, metast. Kolonkarzinom
(A 86/03)
Lymphangiosis carcinomatosa
der Lunge (A45/01)
9
Lymphknotenmetastase
(Pan-Zytokeratin-Nachweis)
Multiple Lebermetastasen
Metast. Mammakarzinom
(A 104/94)
10
Wirbelkörpermetastase eines
Mammakarzinoms (A 03/02)
Wirbelkörpermetastase eines
Plattenepithelkarzinoms (A46/01)
11
Hämangiosis carcinomatosa
Tumorinfiltration in Perineuralscheiden
12
Tumor
Nerv
Tumorinfiltration in Perineuralscheiden
(A 46/01)
13
Komplikationen durch Tumorwachstum
Lokale Komplikationen
Stenosierung (prästenostische Dilatation, Rückstau von Sekreten
und Exkrementen, durch Stase, Infektion im Stauungsgebiet)
Durchblutungsstörungen (v. a. venöse Abflussstörungen)
Gewebsnekrosen, z. B. durch Gefässkompression bei Stieldrehung
von Tumoren
Funktionsstörungen (ZNS-Tumoren: Lähmungen, Knochentumoren:
pathologische Frakturen)
Fisteln (durch Einwachsen des Tumors in Nachbarorgane)
Lokale Komplikationen des Tumorwachstums
14
Komplikationen durch Tumorwachstum
Systemische Auswirkungen
Hormonelle Überfunktionen (z. B. bei Tumoren endokrin aktiver Organe wie
Hypophysenadenomen, Schilddrüsenadenomen/-karzinomen,
Nebennierenadenomen/-karzinomen)
Paraneoplastische Syndrome (= Paraneoplasie):
Funktionsstörungen, die weder durch lokales oder metastatisches Tumorwachstum zu
erklären, jedoch kausal an das Vorhandensein eines Tumors gebunden sind, kommen
bei ca. 10-15 % aller Krebspatienten vor. Sie werden bedingt durch eine gestörte
Bildung und Abgabe von Wirkstoffen, die tumorfern ihre Wirkung entfalten.
Unterschieden werden paraneoplastische
• Endokrinopathien (z. B. Cushing-Syndrom, Karzinoid-Syndrom)
• neurologische und muskuläre Syndrome (z. B. Myasthenia gravis, Polyneuropathie)
• hämatologische Syndrome (z. B. Thrombosen, Polyglobulie)
• kutane Syndrome (z. B. Akanthosis nigrans)
Das Auftreten eines paraneoplastischen Syndroms bei einem Malignom ist häufig mit
einer schlechteren Prognose assoziiert.
Weitere mögliche systemische Folgen eines Tumorleidens
Tumorkachexie: allgemeiner Kräfteverfall des Patienten durch reduzierten Ernährungszustand
mit Abnahme der Körpermasse, mögliche Ursachen:
•Appetitlosigkeit
•Behinderung der Nahrungsaufnahme
•Behinderung der Verdauung
•Störung der intestinalen Absorption
•Paraneoplasie
Tumoranämie, bedingt durch
•Blutverlust durch Tumor, z. B. bei Ulzerationen, Gefässarrosion
•Mangel an Aufbaustoffen (Aminosäuren, Vitamine)
•vermehrte Hämolyse
•Verdrängung der Hämatopoese im Knochen durch Tumorwachstum (v. a. bei
Leukämien, auch bei massiver Knochenmetastasierung)
Tumorfieber, durch
•sekundäre Infektionen bei reduziertem Immunstatus
•als Resorptionsfieber durch Abbau von nekrotischem Tumorgewebe
Tumorsyntropie = gehäuftes Zusammentreffen von 2 oder mehreren, scheinbar voneinander
unabhängigen Krankheiten (simultane Syntropie versus sukzessive Syntropie)
15
3. Einteilung und
Nomenklatur der
Tumoren
Prinzipien der Tumorklassifikation
Klinisches u. biologisches
Verhalten (Dignität)
Ursprungsgewebe (Histogenese)
Ähnlichkeit zu ausgereiftem o.
Muttergewebe (Differenzierung)
Graduierung (Grading)
Staging (Ausbreitung, Stadium)
16
„Epitheliale“ Tumoren
benigne
maligne
Epitheliale Tumoren i.e.S.
Plattenepithel
Plattenepithel-Papillom
Plattenepithel-Karzinom
Basalzellen
Basaliom/Basalzell-Ca (semimaligne)
Übergangsepithel
Transitionalzell-Papillom
Transitionalzell-Karzinom
Drüsen
Adenome (Zystadenom,
Adeno-Karzinom
Fibroadenom, Papillom, u.a.)
Neuroendokrine Tumoren
endokrine Zellen in
NET (Neuroendokriner Tumor) NEC (neuroendokrine Karzinome)
verschiedenen Organen
(Karzinoide)
Nebennierenmark
Phäochromozytom
malignes Phäochromozytom
Nebennierenrinde
NNR-Adenom
NNR-Karzinom
Endokrines Pankreas
Insulinom
malignes Insulinom
Adenohypophyse
Hypophysen-Adenom
Hypophysenkarzinom (selten)
(z.B. Prolaktinom)
Neuroepitheliale Tumoren
a) ZNS-Tumoren
Gliazellen
“gutartige” Gliome
Astrozytom, Glioblastom
Ganglionzellen
Gangliogliom / -zytom
Zentrales Neurozytom / Neuroblastom
b) PNS-Tumoren (werden mit zu den Weichgewebs-Tumoren gerechnet)
Schwann-Zellen
Schwannom (=Neurinom)
malignes Neurinom (= neurogenes Sarkom)
perineuraler Fibrozyt
Neurofibrom
Neurogenes Sarkom
Melanozyten
Nävuszellnävus
malignes Melanom
Keimzelltumoren
Keimzellen
gutartige KZ-Tumoren
maligne KZ-Tumoren (Seminom/Dysgerminom,
(v.a. Hoden/Ovar)
(Teratom, Dermoidzyste)
Dottersack-T., embryonales, Terato-, Chorion-Ca)
Tumoren des embryonalen Gewebes
Nieren-Blastem
Nephroblastom (Wilms-Tumor)
NNM/Ganglien-Anlage
Neuroblastom
Retina
Retinoblastom
Leber
Hepatoblastom
Mesenchymale“ Tumoren
„
benigne
maligne
(Perizyten)
Mesothel
Fibrom
Lipom
Osteom
Chondrom
benignes Synoviom*
Leiomyom
Rhabdomyom (selten)
Hämangioendotheliom
Lymphangiom
Hämangioperizytom
benignes Mesotheliom
Fibro-Sarkom
Lipo-Sarkom (selten)
Osteo-Sarkom
Chondro-Sarkom
Synovialis-Sarkom
Leiomyo-Sarkom
Rhabdomyo-Sarkom
(Häm-) Angio-Sarkom
(Lymph-) Angio-Sarkom
malignes Hämangioperizytom
malignes Mesotheliom
Meningeom
Meningeom
malignes Meningeom
Weichgewebs-Tumoren
Bindegewebe (Fibrozyt)
Fettgewebe (Lipozyt)
Knochen (Osteoblast)
Knorpel (Chondroblast)
Synovialis (Histiozyt)
Muskatur (glatt)
(quergestreift)
Gefäße (Endothelien)
Hämatopoetisches und lymphproliferative Tumoren
Knochenmark
lymphatisches Gewebe
myeloische Leukämien
Plasmozytom (reif - intermediär - unreif)
Ewing-Sarkom
Hodgkin-Lymphome
Non-Hodgkin-Lymphome (niedrig/hochmaligne)
lymphatische Leukämien
* Synonyme: Fibröses Histiozytom, benigner Riesenzelltumor oder Xanthogranulom der Sehnenscheide
17
Rhabdomyosarkom der
Oberschenkelmuskulatur
Plattenepithelkarzinom der Cervix
uteri
Teratom des Ovars
Seminom des Hodens
18
Nierenzellkarzinome
Nierenbeckenkarzinom (Urothelkarzinom)
19
Lymphome
Non-Hodgkin Lymphome (NHL)
B-Zell
(90%)
>>
T-Zell
(10%)
Niedrig maligne
Hoch maligne
Hodgkin-Lymphome
(definiert über sogenannte Hodgkin-Zellen und Sternberg-Reed-Zellen)
Befallene(s) Organ(e):
Lymphknoten (nodale Lymphome)
Knochenmark, parenchymatöse Organe
(extranodale Lymphome), Sonderform: MALT-Lymphome (Mukosa-assoziierte lymphatische Tumoren)
Leukämien
B-Zell
Myeloisch
Lymphatisch
Akut
AML
ALL
Chronisch
CML
CLL
T-Zell
Befallene(s) Organ(e):
Knochenmark
Blut
Einschwemmung und Befall peripherer Organe,
z. B. Leber, Milz, Lymphknoten, Hirnhäute (Meningeosis leucaemica)
20
Non-Hodgkin-Lymphome
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
21
Klassifikation von Tumoren
• Wuchsform: exophytisch, endophytisch,
ulzerös, zystisch
• Phänotyp: Plattenepithelkarzinom, Urothelkarzinom, Adenokarzinom, undifferenziertes Karzinom, Mischtypen
• Verhältnis von Parenchym zu Stroma:
medullär, szirrhös, Carcinoma solidum
simplex
Makroskopische Wuchsformen von Tumoren
22
Zusammenhang von Differenzierungs- und
Malignitätsgrad bei Tumoren
Gradierung (Grading)
Einstufung des Malignitätsgrades eines Tumors anhand des
mikroskopischen Bildes unter Berücksichtung histologischer und
zytologischer Kriterien, dabei besonders wichtig:
• Kernatypien: Hyperchromasie, Polymorphie, Anisonukleose
• Mitosen:
Zahl, atypische Mitosen
• Differenzierungsgrad: Ähnlichkeit des Tumors zum Ursprungsgewebe
Grade:
G1
hoch differenziert (niedrig maligne)
G2
mittelgradig differenziert (mittelgradig maligne)
G3
wenig differenziert (hochmaligne)
G4
völlig entdifferenziert / undifferenziert anaplastisch
23
Staging
Teil der Tumorklassifikation, die das Tumorstadium, d.h. Ausmaß
und Ausbreitung eines Tumors festlegt. Kriterien sind
• Größe des Primärtumors (T),
• Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen (N)
• Nachweis hämatogener Metastasen (M).
Am weitesten verbreitet ist das TNM-System der UICC (Union
Internationale Contre le Cancer = Internationale Union gegen den
Krebs). Das Staging erfolgt sowohl klinisch (TNM-Stadium, präoperativ) als auch pathologisch anhand eines Operationspräparates
(post-chirurgisch = pTNM-Stadium).
4. Häufigkeit
bösartiger Tumoren
24
25
Inzidenz des Mammakarzinoms (nach GloboCan, IARC, Lyon,
1997)
26
Inzidenz des Leberzellkarzinoms (nach GloboCan, IARC, Lyon, 1997)
Altersbezogene Inzidenz verschiedener maligner
Tumoren
27
5. Entstehung von
Tumoren
•Formale Genese
•Kausale Genese
Morphologisch fassbare Stadien der Tumorprogression
Normalzelle / Normalgewebe
Hyperplasie (atypische Hyperplasie)
Metaplasie
Dysplasie (Präkanzerose, Präneoplasie)
Nicht-invasives Karzinom (= Carcinoma in situ)
Invasives Karzinom (Frühkarzinom, mikroinvasives Ca)
Lymphgefässinvasion
Blutgefässinvasion
Metastasiertes Karzinom
28
Schritte in der Tumorentstehung
Stammzelle
Normale Regeneration
Stimulus
Hyperplasie
„Genetic hits“
Metaplasie
Dysplasie
(Präneoplasie, Präkanzerose)
Tumorzelle
Neoplasie
Mögliche morphologische Zwischenstufen in der Karzinogenese
Normalzelle
Proliferation ↑, Apoptose ↓
Hyperplasie → atypische Hyperplasie
Dysplasie (Präkanzerose, Präneoplasie)
nicht-invasives Karzinom (= Carcinoma in situ)
Mikroinvasives Karzinom
Metastasierendes Karzinom
29
Normalbefund
Schwere cervikale intraepitheliale
Neoplasie (CIN III)
30
Typische Beispiele für Carcinoma in
situ
4Carcinoma in situ der Haut
4duktales u. lobuläres Carcinoma in situ
der Mamma
4intraepitheliale Neoplasie der Prostata (PIN)
4Carcinoma in situ der Cervix uteri
4intratubuläre Neoplasie des Hodens
4Melanoma in situ der Haut
Entwicklung des
Mammakarzinoms
Links: lobuläre Neoplasien
Rechts: duktale Neoplasien
31
Morphologisch fassbare Zwischenstufen eines malignen Tumors
Carcinoma in situ (= nicht-invasives Karzinom):
hochgradig atypisches Epithel ohne histologische Anhaltspunkte für ein infiltratives
Wachstum, statt dessen intraepitheliale Ausbreitung
Frühkarzinom ("early cancer"): Karzinom im Stadium der frühen Invasion (Begriff
wurde v.a. bei Karzinomen des Magens und des Uterus geprägt).
Mikroinvasives Karzinom: Karzinom, welches die Basalmembran durchbrochen hat,
aber nur maximal 3-5 mm invasiv gewachsen ist und die folgenden histologischen
Merkmale aufweist:
• Verlust der Zellkernpalisadenanordnung sowie Kernvergrößerung mit Nukleolenverklumpung an der Epithel-Stroma-Grenze
• Epithelfaltung ohne dazwischenliegendes Stroma
• Wurzelartig geformte Epithelsprossen ins Stroma ("Abtropfen" von Tumorzellen ins
Stroma)
• Desmoplastische Stromareaktion mit Faserneubildung
• unscharfe Epithel-Stroma-Grenze durch Entzündung und/oder Faserbildung
Mikroinvasive Karzinome kommen an den Schleimhäuten der Cervix, der Mundhöhle
und des Larynx vor, da sie hier früh auffallen (z. B. durch Heiserkeit beim Larynx-Ca)
oder im Rahmen einer Krebsvorsorgeuntersuchung (Cervix-Ca) können sie u. U. früh
erkannt werden .
K
P
Adenom-Adenokarzinom-Sequenz
P Adenom (Polyp), K Karzinom
32
Krebs ist eine (poly-) genetische Erkrankung
Mutagene Substanzen wirken häufig als Kanzerogene
Sonnenstrahlen
Hautkrebs
Ionisierende Strahlen
Leukämien, Schilddrüsenkrebs
Chemotherapeutika
Zweittumoren
Hereditäre Krebsformen
Xeroderma pigmentosum
Hautkrebs
Familiäre Adenomatosis coli
Dickdarm-Adenome
HNPCC
Dickdarmkarzinom
Li-Fraumeni Syndrom
verschiedene Sarkome/Karzinome
Tumorphänotyp determiniert durch genetische Veränderungen
Onkogene
Ras, c-myc, EGF, c-erbB2
Tumorsuppressor-Gene
Rb, p53, p16
Rudolf Virchow (1821-1902)
Zellularpathologie
• „Jede Krankheit beruht in
der Veränderung einer
kleineren oder grösseren
Summe zelliger Einheiten
des lebenden Körpers.“
(1858)
• „Das viel gesuchte Wesen
der Krankheit ist die
veränderte Zelle.“ (1858)
33
Krebs - Molekulare Basis
Exogene DNA schädigende
Agentien (erworben, Umwelt):
• Chemikalien
• Strahlung
• Viren
Normale Zelle (Stammzelle)
Keimbahn-Zelle
Erfolgreiche Reparatur
DNA-Schaden
Vererbte Mutationen in Genen, die
• DNA Reparatur bewirken
• Zellwachstum und
• Apoptose vermitteln
Fehlerhafte DNA
Reparatur
Mutationen im Genom
somatischer Zellen
Aktivierung von wachstumsfördernden Onkogenen
Alterationen von Genen,
die die Apoptose steuern
Inaktivierung von Krebssupprimierenden Genen
Expression veränderer Genprodukte
Verlust von regulatorischen Genprodukten
Klonale Expansion
Zusätzliche Mutationen (Progression)
Heterogenität (genetisch / morphologisch)
Maligner Tumor
Mehrschritt-Theorie der
Krebsentstehung
•
•
•
•
Transformation somatischer Zellen in
maligne Tumorzellen (Onkogenese)
Klonales Wachstum
Invasives Wachstum
Metastasierung
34
35
Tumorentstehung – kausale Genese
• Chemische Karzinogenese
• Strahlenbedingte Karzinogenese
• Virale Karzinogenese
• Onkogene, Tumorsuppressorgene,
Mutatorgene
Tumorentstehung durch
chemische Substanzen
36
1777, Sir Parcival Pott
Krebs der Skrotalhaut
der Schornsteinfeger
37
Chemische Kanzerogenese
• Initiation → Promotion → Transformation → klonale Expansion
• Mehrschritt-Theorie der Krebsentstehung
• Bioaktivierung von Kanzerogene:
Prokanzerogen → Kanzerogen (P450 Cytochrome Oxygenasen)
• Detoxifizierung von Kanzerogenen (Gluthathion-S-Transferase)
38
Tumorentstehung durch
Strahlen
Ionisierende Strahlen:
Prinzip: mutagene Wirkung
intrazellulär entstehender O2Radikale an der DNA
•Röntgenstrahlen
•Gammastrahlen (A-Bomben,
•stark onkogen
•Betastrahlen (wie RöS)
•Alphastrahlen (Radionuklide)
UV-Strahlen:
Marie Curie (1867-1934)
Basaliom, PE-Karzinom,
Malignes Melanom
39
Tumorentstehung durch
Viren
Für den Menschen onkogene DNA-Viren
Virus
Tumor
Humane Papilloma-Viren (HPV):
verschiedene Typen
benigne Hautwarzen
Typen 6, 8, 11
Zervixkondylom,
Larynxpapillom
Typen 16, 18, 31, 33
Zervixkarzinom
Herpesviren:
Epstein-Barr-Virus (EBV)
Burkitt-Lymphom (Afrika),
Nasopharynxkarzinom
Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ II
Zervixkarzinom (?)
Hepatitis-B-Virus (HBV)
hepatozelluläres Karzinom
40
Cervix uteri: In-situ-Hybridisierung mit HPVBreitband-Sonde
(B 3522/98)
Tumorentstehung durch
Onkogene,
Tumorsuppressorgene
und Mutatorgene
41
Zusammenfassung der für die Entstehung des Mammakarzinoms
bisher bekannten Onkogene und Tumorsuppressor-Gene
42
Mammakarzinom: Estrogenrezeptor-Nachweis
Mammakarzinom: EGF-Überexpression (Her2)
43
Nachweis von p53
44
Wirkung von Onkogenen und
Tumorsuppessorgenen
• Regulation des
Zellzyklus
• Apoptose
• Zellalterung –
Immortalisierung
• Ein- und Ausschaltung zelleigener
Repair-Mechanismen
6. Diagnostik und Therapie
45
Krebsvorsorge
alljährliche Untersuchung möglich für jede Frau über 20 Jahre und Männern über 45
Jahren zur Früherkennung von Karzinomen der
• Portio (Kolposkopie, Abstriche, zytologische Untersuchung)
• Mamma (Palpation, Mammographie)
• Enddarm (Rektale Untersuchung, Blut im Stuhl: Hämoccult-Test)
• Prostata (Rektale Untersuchung, PSA-Spiegel im Serum)
• Haut (Inspektion, Palpation, Sonographie)
• Niere (Palpation, Blut im Urin, zytologische Untersuchung des Urins, Sonographie)
• Harnwege (Blut im Urin, zytologische Untersuchung des Urins, Zystoskopie)
zusätzlich regelmäßige Untersuchungen bei Risikogruppen u. a. mit folgenden
Verfahren:
• Zytologie (Bürsten-/Spül-/Exfoliativzytologie)
• Feinnadelaspirations-Punktion (FNP) bei einem palpablen Tumor
Säulen der Tumortherapie
• Chirurgische Entfernung bzw.
Tumorreduktion, inkl. Metastasenchirurgie
• Tumorchemotherapie, inkl.
Hochdosistherapie mit Blutstammzellersatz;
Paradigmenwechsel durch „molekulare
Therapie“ (z. B. Herceptin, Imatinib)
• Strahlentherapie
• Kombination dieser Verfahren
46
Tumordiagnostik
• Konventionelle
Histologie: Hämatoxylin-Eosin-Standardfärbung
• Immunhistologie: Einsatz globaler und tumorspezifischer Tumormarker
globale Marker: positiv für Tumorgruppen, z.B.
- Cytokeratine: Karzinom-Marker
- Vimentin: Sarkom-Marker
tumorspezifische Marker, z. B.
- Thyreoglobulin bei Schilddrüsenkarzinomen
- PSA (Prostata-spezifisches Antigen) bei Prostatakarzinomen
- Immunglobuline (kappa/lambda) bei Plasmozytomen
•Gefrierschnitt-Technik zur intraoperativen Tumordiagnostik
•DNA-Zytometrie zur Abgrenzung von Borderline-Tumoren
47
Fortbildungswochenende der Landesapothekerkammer
Brandenburg, 14.-16. Mai 2004 in Bad Saarow
48
HELIOS Klinikum Bad Saarow
49
Blick auf den Scharmützelsee
50
51
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