Rishikesh-Aufruf - PEACE through CULTURE

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DER RISHIKESH‐AUFRUF AN ALLE VÖLKER UND NATIONEN DER WELT anlässlich des INTERNATIONALEN KONGRESSES AUF DEM WEG ZU GEISTIGER GEMEINSAMKEIT in Rishikesh, Himalaya‐Indien, vom 6. bis 12. Dezember 1993 gefördert von der Internationalen Gesellschaft „FRIEDEN durch KULTUR“ Ges. FRIEDEN DURCH KULTUR e.V., Europa c/o KGS‐Service GmbH Postfach 337 4021 Linz/AUSTRIA Tel. +43‐732‐6103500 email: info@peace‐through‐culture.org Seite 1 von 7 Der Rishikesh‐Aufruf an alle Völker und Nationen der Welt Der folgende Aufruf hat seine Wurzeln im Weltkongress "Auf dem Weg zu geistiger Gemeinsamkeit", der im Oktober 1992 in Alma‐Ata, Kasachstan, stattfand und viele geistige Führer aus aller Welt anzog. Dieser Gedanke fand seine Fortsetzung vom 6. ‐ 12. Dezember 1993 im internationalen Kongress in Rishikesh/Indien, der als Meditative Arbeitswoche konzipiert war. Die Schirmherrschaft über die Zusammenkunft oblag unter anderem Seiner Heiligkeit, dem XIV. Dalai‐Lama, Mutter Teresa, Kanchi Sri Sankaracharya (religiöses Oberhaupt der Hindus) und im besonderen Dr. Paulos Mar Gregorius, Metropolit von Delhi, der nicht nur eine zentrale Rolle in der Organisation des Kongresses innehatte, sondern auch der Spiritus Rector dieses Aufrufs und das Herz der Veranstaltung war. Die Gesamtverantwortung für den Kongress lag bei der Internationalen Gesellschaft "Frieden durch Kultur", die diesen Kongress auch wesentlich förderte. I. Erfahrungshintergrund An den Ausläufern des erhabenen Himalaya, am Ufer des Heiligen Ganges, liegt das Vanaprastha Ashram der Stadt Rishikesh, in dem im Rahmen unserer Arbeitswoche der "Weg zu geistiger Gemeinsamkeit" seinen Ausgangspunkt nahm. Dieser Ort ist seit Tausenden von Jahren der intensiven Entwicklung des menschlichen Geistes durch indische Weise und Adepten geweiht. Mehr als 200 demütige Pilger des Geistes, aus allen Ländern und Himmelsrichtungen, fanden sich in Rishikesh ein – auf der Suche nach dem göttlichen Licht, nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Menschheitsfamilie. In den sieben Tagen, zwischen dem 6. und 12. Dezember, haben wir uns bewusst der intellektuellen Analyse und der Diskussion enthalten, um uns auf Gebet und Meditation, auf die Verehrung des Transzendenten zu konzentrieren. Form und Inhalt entnahmen wir mehr als einem Dutzend von verschiedenen religiösen und geistigen Traditionen der Menschheit. Wir haben den Frieden und die Freude göttlicher Anwesenheit erfahren; das transzendente Bewusstsein hat uns gestärkt und erneuert; großartige Meister und Meisterinnen des Geistes haben uns vielfältige Wege gezeigt, dem Göttlichen näherzukommen und daraus Kraft zu schöpfen. Wir haben viele Inspirationen und neue Einblicke empfangen; und unser Wissensstand wurde erweitert. Wir möchten nun in aller Demut unsere Erkenntnisse, die für uns so wichtig geworden sind und von denen wir hoffen, dass sie auch für andere von Wert sind, mit Euch teilen. II. Einsichten Sei es die wachsende Ungerechtigkeit oder Armut, der sich ausbreitende Militarismus oder roher Terrorismus, die alles durchdringende Gewalt oder ethnische Konflikte, der Niedergang der Familie, der Zerfall menschlicher Werte und die Zersetzung moralischen Verantwortungsbewusstseins, die Ausgrenzung und die Hilflosigkeit einfacher Menschen, die Ausbreitung von unheilbaren Krankheiten wie Krebs oder AIDS, die Zerstörung und Verschmutzung der Umwelt oder sogenannte "natürliche" Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Taifune und Tornados – all diese Probleme, davon sind wir überzeugt, haben ihre gemeinsame Ursache darin, dass die Menschheit von geistigem Verfall ergriffen wurde. Eine rein sozioökonomische Analyse kann diese Entwicklung nicht erklären; wir brauchen neue geistige Einsichten, um die Dimension des heute herrschenden, menschlichen Leids zu erkennen. Seite 2 von 7 III. Die Verdunkelung des Transzendenten Wir haben lange über die Wesensart dieser alles durchdringenden Zersetzung reflektiert und meditiert. Wir erkennen: mit uns als Menschheit ist etwas geschehen! Als Folge der Industriellen Revolution verflachten die menschlichen Beziehungen zu einer Handelsware; die Bedeutung von Religion und Tradition wurde in der Zeit der europäischen Aufklärung des 18. und 19. Jahrhunderts verworfen. Wir nennen diese Entwicklung DIE VERDUNKELUNG DES TRANSZENDENTEN IM LEBEN DER GEMEINSCHAFTEN. Es ist eine traurige Tatsache, dass die wissenschaftlich‐technologische, urban‐industrielle, weltliche und marktwirtschaftliche Zivilisation, die zunehmend die ganze Menschheit erfasst, von ihren Wurzeln her eine gottlose Zivilisation ist. Wenn Wissenschaftler die Entstehung und den Aufbau des Universums, dessen Bewohner wir sind, zu erklären versuchen, spielt dabei das Transzendente keine Rolle. Welches Paradigma sie auch verwenden, um die Realität zu erkennen und zu beschreiben – sei es der Urknall oder die kontinuierliche Schöpfung aus sich selbst heraus ‐, für sie ist es selbstverständlich, dass solch komplexe Gebilde wie zum Beispiel das menschliche Gehirn sich eigenständig entwickelt haben, gänzlich unabhängig von einer Transzendenten Kraft oder einer geistigen Komponente. Wie sehr würden wir uns wünschen, dass dem Transzendenten eine zentrale Rolle in den Bildungssystemen unserer Zivilisation zugestanden wird. Unseren Kindern wird in den Schulen vermittelt, dass jede Erscheinungsform der Realität ohne Bezug auf irgendein transzendentes Bewusstsein erklärt werden kann. Das Transzendente hat wenig bis gar keinen Platz in unseren Lehrplänen. Wo würden wir heute stehen, hätte man zumindest den Kindern die allen Religionen gemeinsame Wahrheit vermitteln können, dass die geoffenbarte Welt ihren Ursprung im Nichtgeoffenbarten hat und davon in jeder Beziehung abhängt. Welche Konsequenzen hätten sich daraus sowohl für unsere Taten als auch für unser Verständnis ergeben! Im Bereich der Medizin und des Gesundheitswesens stellt sich die Situation ähnlich dar. Die moderne medizinische Wissenschaft und Ausbildung hat Schwierigkeiten damit, ihren Diagnosen und Therapien ein umfassendes Bild des Menschen und seiner Beziehung zum Kosmos und dem Transzendenten zugrunde zu legen. Die Medizin des 19. und 20. Jahrhunderts sah den Körper als vom Bewusstsein völlig getrennt an, als in sich abgeschlossenes System, das weder zur Gesellschaft noch zur Umgebung sowie zum Transzendenten in Beziehung steht. Der Heilungsprozess wird oft allein auf den Einsatz von Arzneien oder die Wiederherstellung einzelner Körperteile zurückgeführt. Die vielbewiesene Rolle des Gebets und der spirituellen Kraft im Heilungsprozess wird von den meisten medizinischen Systemen nicht anerkannt, obwohl einige wenige der herausragenden Heiler bereits damit begonnen haben, in kleinen Gruppen eine ganzheitliche Medizin zu erforschen. Die großartigen Errungenschaften der modernen Medizin können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Behandlungsmethoden in einer Zeit entwickelt wurden, in welcher der transzendente Bereich, zumindest in den stark industrialisierten Ländern, bereits verdrängt und vergessen war. Auch unsere Physik und unsere Sozialwissenschaften nehmen niemals Bezug auf das Transzendente. In unserer primär materiell gepolten Gesellschaft schließen sowohl Politik und Wirtschaft als auch Regierungsinstitutionen die Bedeutung des Transzendenten für unser Leben in Theorie und Praxis aus. Auch im Bereich der menschlichen Kommunikation und des Informationsaustausches spielt die Ignoranz gegenüber dem Transzendenten eine verheerende Rolle. Die öffentlichen Medien machen im Zusammenwirken mit unserem kommerziellen System Information zur Ware, indem sie nur solche Informationen liefern, nach denen am Markt Nachfrage besteht, und uns andere, welche die Interessen der Wirtschafts‐ und Finanzwelt sowie der Regierung beeinträchtigen könnten, vorenthalten. Der Wahrheit begegnet man nur mehr zufällig, da die Medien primär dem Profit und der Macht verbunden sind. Wir ersticken an der durch Lügen verschmutzten Atmosphäre. Wir Seite 3 von 7 wissen, dass Regierungen ihre Bürger täuschen, indem sie wichtige Informationen zurückhalten. Der Durchschnittsbürger hat weder zur Wahrheit noch zur Gerechtigkeit Zugang. Unsere Medien versuchen uns vorzumachen, dass die wichtigsten Nachrichten jeden Morgen darin bestehen, was irgendein Regierungsmitglied getan oder gesagt hat oder was für Intrigen eine politische Partei wieder gesponnen hat. Aber wirklich wichtige Zeugnisse von Mut und Integrität, beeindruckende geistige Leistungen und Errungenschaften, beispielhaftes ethisches Verhalten – all dies hat als Neuigkeit keinen Wert. Durch diese einseitige Betonung des politischen Bereichs wird die Sicht des Menschen auf das wirklich Wesentliche und Entscheidende verstellt. Die Ursache allen Übels rührt von der Annahme her, dass die mit unseren Sinnen und Messinstrumenten erfassbare Welt die ganze Realität umfasst; damit Hand in Hand geht die grundlegende Weigerung, die kosmischen und die geistigen Dimensionen unseres Universums anzuerkennen – Dimensionen, die unser Leben stark beeinflussen. Wer sich weigert, in den transzendenten Bereich vorzudringen, bleibt ein Gefangener der Materie und der Begrenzung. Denn wenn das Transzendente keine Berücksichtigung findet, wird die Welt zu einem erschreckend beengenden Gefängnis. IV. Ethik und Spiritualität Nicht alle von uns sind sich über die kosmischen und geistigen Gesetze und Kräfte, die unser Universum bestimmen, einig. Manche sind der Meinung, dass die transzendente Quelle und die Ursache für Alles das Universum direkt und ohne Mittler regiert. Für andere tritt das transzendente Gesetz durch eine Vielfalt von Mittler und Boten in Kraft. Wir alle sind jedoch davon überzeugt, dass die moralischen und geistigen Gesetze des Lebens in die Struktur des Universums eingeprägt sind und wir durch die Übertretung dieser Gesetze uns und andere extrem gefährden. Wenn dem so ist, dann können wir diese moralischen und geistigen Gesetze oder Prinzipien nicht einfach nur auf simple ethische Grundsätze reduzieren. Ethik ist eine abgeleitete Disziplin. Alle ethischen Grundsätze haben ihre vielfältigen Wurzeln in unterschiedlichen geistigen und religiösen Traditionen. Trotz dieser Verwurzelung in unterschiedlichen Traditionen können kulturell verschiedenartige Gruppen ein Einvernehmen über bestimmte übergreifende Prinzipien oder gemeinsame Werte, die Leben, Gerechtigkeit und Frieden fördern, wie Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Demut, Eintracht, Ehrfurcht vor dem Leben und Schutz der Umwelt erzielen. Die Tatsache, dass zwischen verschiedenen Kulturen Übereinstimmung hinsichtlich dieser Axiome herrscht, darf uns nicht dazu verleiten zu übersehen, dass diese Prinzipien ursprünglich aus einem transzendenten, religiösen Nährboden hervorgegangen sind. Diese Axiome nutzen sich schließlich ab, sie verlieren ihre Kontur und ihre Klarheit, der ursprüngliche Inhalt kommt durch oftmaligen und gedankenlosen Gebrauch abhanden. Aufgrund neuer sozioökonomischer Entwicklungen werden die Axiome überholt, so dass man die alten Grundsätze neu formulieren muss. Die Menschen sehnen sich nach einer neuen Verkörperung der alten Werte, so wie Mahatma Gandhi. Nur durch Rückbesinnung auf die ursprünglichen, transzendenten und religiösen Wurzeln können wir unsere Axiome erneuern und neue Worte für das Altbewährte finden. Daher muss man ethische Werte in diesem Zusammenhang sehen; die geistigen und religiösen Wurzeln müssen gepflegt und erhalten werden. *** Seite 4 von 7 Unser eindringlicher Aufruf Aus unserem Ashram in Rishikesh, am Fuße des Himalaya, möge folgender Aufruf zu Euch vordringen: 1.
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Wir rufen all jene, die sich für das Wohlergehen der Menschheit einsetzen, auf, sich selbst zu erneuern, nicht nur in ethischer Hinsicht, sondern auch in Bezug auf ihre kulturellen, religiösen und geistigen Wurzeln. Einsicht muss immer bei uns selbst beginnen. Überall auf der Welt sollen sich Menschen in Gebet und Meditation demütig auf die göttliche Gnade besinnen, denn sie allein kann uns von der uns umgebenden Dunkelheit befreien. Daher müssen wir uns kontinuierlich durch Gebet und Meditation unserer inneren Dunkelheit entledigen, durch Andacht und Verehrung, durch regelmäßige geistige Übungen, damit es in uns selbst und in der Welt wieder Licht werden kann. Auch unsere Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen, in denen das Übel überhandgenommen hat, müssen wir reinigen. Das mag auf den ersten Blick unsere menschlichen Fähigkeiten übersteigen. Die Einflussnahme auf diese dekadenten und doch so mächtigen Institutionen und Strukturen scheint außerhalb unserer Reichweite zu liegen. Aber die Kraft des menschlichen Geistes liefert uns das nötige Rüstzeug, um das zu erreichen, was scheinbar unerreichbar ist. Institutionen wie die Familie, die Schule, das Gesundheitssystem und das Kommunikations‐ und Nachrichtensystem können grundlegend reformiert werden, wenn sich eine ausreichend große Gruppe von engagierten und spirituell gebildeten Menschen mit Herz und Verstand dieser Sache widmet. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von den vielen Formen des Bösen, die in Politik und Wirtschaft zu finden sind. Politische Prozesse sind in viel zu vielen Ländern von undemokratischen Maßnahmen wie Bestechung oder physischen Druckmitteln durchsetzt, um so Wahlen zu manipulieren, die als demokratisch deklariert werden. Viele Regierungen sind in unsaubere Aktivitäten wie Drogenhandel, die Produktion und den Handel mit unmenschlichen Waffen des Todes und der Zerstörung oder in die Machenschaften der Mafia verwickelt. Das Böse ist meist schlau und erscheint in der Maske des Guten. Manchmal ist es beherrschend und verbreitet Angst und Schrecken, manchmal erscheint es bis an die Zähne bewaffnet und bedrohlich aggressiv. Doch als Kinder des Göttlichen brauchen wir das Böse nicht zu fürchten. Wenn sich eine ausreichend große Anzahl von Menschen in jedem Land von ihrer Lethargie, ihrer Angst und ihrem Fatalismus befreit und sodann die Kraft des Guten furchtlos und geschickt gegen das Böse einsetzt, wird die Festung des Bösen vor der nahenden Macht des Guten fallen. Gewalt darf nicht mit Gewalt und Rassenhass nicht mit Rassenhass vergolten werden. Wir müssen mit der Kraft des Geistes und der spirituellen Macht des Guten kämpfen, um die Schranken, die Rassen, Religionen und Staaten voneinander trennen, zu durchbrechen. Die Gesichter hinter der gesichtslosen Macht des verkörperten und institutionalisierten Bösen wie Bestechung, Korruption, Erpressung und Terrorismus müssen enttarnt werden, nicht durch Gewalt und Terror, sondern durch die sanfte, aber nachhaltige Kraft der guten Tat, deren Fundament sich aus Gebet und Meditation zusammensetzt. Unsere Gebete und Meditationen dürfen nicht nur den Zweck der Selbstverwirklichung und persönlichen Erfüllung haben, sondern müssen auch dazu beitragen, unsere Staaten und andere institutionelle Strukturen von der Macht des Bösen zu befreien. Nur das Licht kann die Dunkelheit vertreiben. Wir rufen alle geistigen und religiösen Führer auf der ganzen Welt dazu auf, die Religion aus ihrer Ausgrenzung und dem privaten Rahmen, in den sie von der weltlich‐materiellen Kultur gedrängt wurde, zu befreien, damit sie wieder zu einem heilenden Balsam für die ganze Welt Seite 5 von 7 werden kann, und nicht nur für die Anhänger der eigenen Religion. Die Lehre jeder Religion muss sich von doktrinärer Ausschließlichkeit sowie von der Einstellung, dass nur die eigenen Anhänger zählen, befreien. Uneinigkeit unter Religionen und religiösen Führern hat schon allzu oft die Menschen schockiert und Religion entwertet. Die Menschen sind entmutigt, wenn sie moralische Laxheit und selbstsüchtige Macht‐ und Prestigekämpfe zwischen religiösen Führer mitansehen müssen. Wenn nicht einmal diese befolgen, was sie predigen, wie können ihnen die Menschen dann Respekt entgegenbringen? Ein einziger Mensch, der Frieden und Freude verbreitet, verändert mehr als 100 Ansprachen und Ermahnungen. Das haben wir auch hier in Rishikesh erfahren. Wir rufen alle Menschen auf, sich für die spirituelle Erneuerung der religiösen Führung einzusetzen und Ausbildungsstätten zu schaffen, an denen die Religionen ihre Vertreter toleranter und offener erziehen – frei von Beschränktheit und Engstirnigkeit. 6.
Schließlich richtet sich unser Appell an die Vereinten Nationen: Die UN‐Charta steht für die Hoffnung der Menschheit auf eine bessere, friedlichere und gerechte, vereinte Welt. Aufgrund mangelnder Wachsamkeit konnte es leider dazu kommen, dass die UNO ein Forum für Machtkämpfe und Ausbeutung wurde. Gedankenlos interveniert die UNO mit dem Anspruch auf friedliche Konfliktlösung in Krisenherden, erreicht jedoch tatsächlich meist nur die Errichtung ständiger, ausländischer Stützpunkte für die Armeen einiger Nationen. Die Vereinten Nationen müssen demokratisiert werden und den Interessen der ganzen Menschheit dienen, nicht nur den eigennützigen Zielen einzelner Nationen und Lobbys. Der Sicherheitsrat muss zu einem direkt gewählten, demokratischen Gremium werden, welches der Gemeinschaft aller Nationen verantwortlich ist. Die Vollversammlung sollte sich nach einem Zweikammersystem zusammensetzen, mit einer Staaten‐ und einer Volksversammlung, wobei letztere aus Vertretern bestehen würde, welche die Menschen aus allen Regionen gewählt haben. Innerhalb der Vereinten Nationen sollte unverzüglich ein spirituelles Gremium ins Leben gerufen werden, das sich aus geistig hochentwickelten Menschen aller Religionen und Kulturen zusammensetzt. Seine Aufgabe wäre es, gemeinsam zu beten und zu meditieren und Möglichkeiten der Heilung für die ganze Menschheit zu finden. Wir müssen das überholte Konzept nationaler Souveränität überwinden und die Grundlagen für eine Gemeinschaft der Nationen schaffen. Darin sollte jede Nation für ihre Aktionen der Gemeinschaft nicht nur verantwortlich sein, sondern sich auch für das Wohl der ganzen Menschheit und nicht nur der eigenen Staatsbürger einsetzen. Auch die Finanzierung der UNO muss demokratischen Prinzipien entsprechen, indem jedes Mitglied den gleichen, fixen Prozentsatz des Bruttosozialprodukts des vergangenen Jahres zahlt; dazu käme ein einheitlicher Steuersatz auf den vorjährigen Rüstungs‐ und Verteidigungsetat jeder Nation. Dieses Konzept soll – wie die Besteuerung von Tabakwaren oder Alkohol – einerseits dazu motivieren, die Verteidigungsausgaben zu senken und andererseits die Finanzierung der UNO demokratisch umlegen. Die Angestellten der UNO könnten mit etwas gutem Willen eine bescheidenere Lebensform pflegen, indem sie ihre Arbeit als großartige Möglichkeit ansehen, der Menschheit zu dienen und lebende Beispiele dafür werden, dass die Pflichten der Menschen ebenso wichtig sind wie die Menschenrechte. Zum Schluss richten wir einen demütigen und dringlichen Appell an all unsere Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt: Lasst uns alle mehr Disziplin aufbringen und regelmäßig beten, das Höchste verehren und meditieren – für das Heil der Menschheit! Lasst uns Gebet und Meditation in unseren Schulen und Spitälern, in unseren Gefängnissen und in den Ausbildungszentren für Polizei und Militär lehren. Lasst uns eine breite Basis von geistig entwickelten Menschen heranbilden, die sich dem Wohl der ganzen Menschheit verpflichtet fühlen. Lasst uns in Gärten und öffentlichen Parks Meditationszentren errichten und auch an anderen ruhigen und malerischen Orten. Lasst uns in jedem Land und in jeder Stadt multireligiöse Internationale Akademien schaffen, an denen die Menschen zu spirituellen Lehrern geschult werden, die sich dem Dienst an der ganzen Menschheit weihen. Lasst uns fordern, dass den Angestellten in jeder Schule und in jeder Klinik, in jedem Büro Seite 6 von 7 und in jeder Fabrik, in wissenschaftlichen Forschungszentren, in Institutionen für Business‐ und Management‐Training und auch innerhalb der UNO Zeit für eine stille Meditation zugestanden wird. Lasst uns versuchen, die Struktur der überall auf unserem Planeten vorhandenen Schwingungen zu verbessern, indem wir neue schöpferische Wellen spiritueller Energie in die Welt senden. Lasst uns auf der ganzen Welt übergreifende Netzwerke von geistig Suchenden und Pilgern ins Leben rufen. Möge unser demütiger Aufruf überall auf der Welt gelesen und bedacht werden. Möge er von weiseren Seelen ergänzt werden und vielen Menschen als Quelle für Visionen und Inspiration dienen! Wir wollen alle unsere Herzen in Vertrauen und Hoffnung dem Mitfühlenden Einen, dem Transzendenten, dem Barmherzigen zuwenden. Möge sich unser Denken und Handeln um die Heilung der Menschheit drehen. Segen und Gnade werden unsere menschliche Rasse erleuchten, und Frieden zusammen mit Gerechtigkeit und einer gesunden Umwelt wird das Ergebnis unseres Gebets und unserer intensiven Anstrengung sein. Wir grüßen Euch alle im Namen des Friedens und der Freude, im Namen des Heils für die ganze Menschheit. Wir senden Euch unseren ganzen Segen und wünschen Euch von Herzen viel Kraft. Mögen Friede und Gemeinsamkeit siegen! OM SHANTIH, SHANTIH, SHANTIH !!! Dr. Paulos Mar Gregorius Rishikesh, Himalaya, 12. Dezember 1993 Der Rishikesh‐Kongress stand unter der Schirmherrschaft: Seiner Heiligkeit Kanchi Sri Sankaracharya Seiner Heiligkeit, dem XIV. Dalai‐Lama Mutter Teresa Seiner Exzellenz Dr. Paulos Mar Gregorius, Metropolit von Delhi und ehemaliger Präsident des Weltkirchenrats ***** Seite 7 von 7 
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