• • • • - Schattauer

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2 Untersuchung
keiten (z.B. Schuppen, Petechien u.Ä.). Verfärbungen der Haut können
z.B. Blauverfärbungen der Ohren oder ganzer Hautareale oder Blässe sein
(besonders bei Ferkeln oder Eisenmangelanämie; siehe Kap. 11.2).
Ferkel sollten niemals unter der Rotlichtlampe beurteilt werden, da hier natürlich
eine starke Veränderung der Hautfarbe erfolgt.
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Haare: Die Haare sollten glatt, glänzend und anliegend sein. Ein struppiges Haarkleid deutet auf ein chronisch erkranktes Tier hin.
Körperöffnungen: Untersuchen Sie die Körperöffnungen systematisch
(z.B. von vorne nach hinten). Achten Sie dabei auf Ausfluss und eventuelle Umfangsvermehrungen. Ein Augenausfluss kann ein Zeichen für
Atemwegserkrankungen sein. Gleichzeitig sollte möglichst die Kotkonsistenz beurteilt werden, was allerdings auch schon bei der Untersuchung
der Tiergruppe erfolgt sein kann.
Durchführung der Auskultation
Zur Auskultation im Schweinebestand muss unbedingt ein sehr hochwertiges Stethoskop verwendet werden. Es sollte einen Schallkopf wie zur
Untersuchung eines großen Hundes aufweisen. Große Schallköpfe wie zur
Auskultation von Rindern sind ungeeignet. Der Schlauch muss möglichst
dick und kurz sein, um eventuelle Störgeräusche und eine Verminderung
des Schalls zu reduzieren. Die Ohroliven müssen sehr dicht sitzen. Die
Auskultation ist beim Schwein zur Lösung von Bestandsproblemen selten
notwendig.
Auskultation der Lunge
Es gibt beim Schwein nur einen Auskultationspunkt, an dem eine gute
Beurteilung der Lunge möglich ist. Dieser liegt kaudodorsal des Ellbogenhöckers, d.h. unter diesem Punkt befindet sich die Bifurcatio tracheae.
• Nähern Sie sich dem Schwein möglichst ohne es zu berühren und damit
zu beunruhigen. Hier ist unbedingt Geduld gefragt.
• Eine Beurteilung sollte folgende Punkte umfassen:
– Frequenz,
– Abgesetztheit,
– Rhythmus,
– Tiefe,
– Nebengeräusche.
2.2 Untersuchung des Schweins
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Nebengeräusche
Es können sowohl feuchte als auch trockene Nebengeräusche festgestellt werden.
Feuchte Nebengeräusche werden durch Schleim und Eiter (aus Entzündungen)
verursacht, d.h. man kann z.B. das Platzen von Sekretbläschen hören. Trockene
Nebengeräusche werden durch ein sehr zähes, festes Sekret verursacht, so kann
das sog. Giemen (hohe pfeifende Töne) gehört werden. Ist ein Großteil der Lunge
bereits verändert und wird nicht mehr belüftet, kann ein sog. Röhrenatmen gehört
werden (weil es sich wie das Atmen durch ein Rohr anhört). Das kommt dadurch
zustande, dass nur noch die luftführenden Wege belüftet sind.
Auskultation des Herzens
• Den Auskultationspunkt des Herzens finden Sie, wenn Sie in einem
Winkel von 45° zum kaudalen Brustbeinende in kraniodorsaler Richtung
bis in die Höhe des Ellbogenhöckers vorgehen. Dort können die Herztöne sehr gut beurteilt werden.
• Es erfolgt eine Beurteilung wie bei anderen Tieren (Merkwort: FIRAN =
Frequenz, Intensität, Rhythmus, Abgesetztheit, Nebengeräusche). Die
Beurteilung der verschiedenen Klappen ist meist sehr schwierig.
Durchführung der Palpation
Auch hier ist es hilfreich, einem systematischen Schema zu folgen und die
Untersuchung von vorne nach hinten durchzuführen. Gerade größere
Schweine können beißen und dabei gefährliche Wunden verursachen.
Daher sollte eine Palpation des Kopfes von älteren Tieren (ab 30 kg) nur
sehr vorsichtig erfolgen oder die Tiere müssen hierfür fixiert werden (Oberkieferschlinge; siehe Kap. 3.1).
• Rüsselscheibe: Hier kann bei kleinen Ferkeln ein Ausstreichen von Sekret
aus der Nase versucht werden. Dabei streichen Sie mit dem Zeigefinger
und dem Daumen einer Hand vom Augenwinkel in Richtung Nase. Die
Finger gleiten dabei in einer fühlbaren Rinne.
Bei größeren Schweinen besteht hierbei Gefahr für den Untersucher!
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Stirn und Lider: Achten Sie hier besonders bei abgesetzten Ferkeln auf
Ödeme (Anzeichen für Enterotoxämie).
Sklera: Zur Beurteilung der Sklera führen Sie die Hand von hinten kommend über das Auge und ziehen mit dem Daumen das Oberlid nach
oben. Beurteilen Sie die Farbe die Episkleralgefäße (Abb. 2.5).
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2 Untersuchung
Konjunktiven: Wenden Sie den gleichen Griff wie zur Beurteilung der
Sklera an (Abb. 2.6). Zusätzlich führen Sie mit dem Daumen der anderen
Hand das Unterlid über den Augapfel und drücken dort in die Augenhöhle bis die Konjunktiven vorfallen.
Inguinallymphknoten: Zwar können beim Schwein verschiedene
Lymphknoten untersucht werden, jedoch ist in der Regel die
Untersuchung eines Lymphknotens ausreichend. Zum Auffinden des
Inguinallymphknotens greifen Sie von vorne in den Schenkelspalt und
können dort mit Zeigefinger und Daumen einer Hand einen Zangengriff
durchführen. Kleine Ferkel können dafür von einer Hilfsperson auf dem
Arm gehalten werden (Abb. 2.7).
Palpation der Gelenke: Auch hier gilt, dass theoretisch eine Untersuchung von verschiedenen Gelenken möglich ist. Meist ist es aber ausreichend, den Füllungszustand eines Gelenkes zu bestimmen, wenn nicht
sogar schon adspektorisch eine Füllung auffällig ist. Daher beschreiben
wir hier nur die Untersuchung des Tarsalgelenks (Abb. 2.8):
– Drücken Sie mit dem Mittelfinger der rechten Hand von medial in
den Gelenkspalt und mit dem Zeigefinger der rechten Hand zwischen
die langen Zehenstrecker in den Gelenkspalt.
– Der Daumen und der Zeigefinger Ihrer linken Hand drücken beidseits des Fersenbeinhöckers tief nach unten in den Gelenkspalt.
– Ziel dabei ist es, alle Flüssigkeit im Gelenk an einer Stelle zu sammeln.
Dann können Sie mit dem Daumen der linken Hand den Füllungszustand prüfen.
Temperaturmessung
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Zur Messung der Körperinnentemperatur führen Sie das Thermometer
rektal ein.
Es gelten folgende Referenzwerte (+/- 0,3 °C):
– Saugferkel: 39,2 °C,
– Aufzuchtferkel: 39,0 °C,
– Mastschweine: 38,8 °C,
– Zuchtsauen: 38,8 °C,
– Eber: 38,5 °C.
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