Ausgabe 05/2014

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ÖHV
ÖHV
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Ausgabe: 5/Juni 2014, Jahrgang 3 • € 7,–
Das Fachjournal für die Medizinerin und den Mediziner
Offizielles Organ des Österreichischen Hausärzteverbandes
ISSN 2227-698X
DAM
ÖSTERREIC
HAUSÄRZTE
BewegungsapParat
Konservative Behandlung
der Sprunggelenksarthrose
Nahrungs­
ergänzungsmittel
Wirkungen und Wechselwirkungen
P.b.b. ❘ Retouren an PF555, 1008 Wien ❘ GZ 12Z039194M
Universimed CMC GmbH, Markgraf-Rüdiger-Straße 6–8, 1150 Wien
EDITORIAL
Daten sind kein Wissen
Dr. Peter
Pölzlbauer
Chefredakteur
A
ber wer wirft den ersten Stein? Macht sich nicht auch in der Medizin eine
Datensammelwut nie gekannten Ausmaßes breit? EbM als gesamtes Fachwissen – und was sonst?
Ursprünglich hatte eine Arzt-Patienten-Beziehung eine klare Struktur: zunächst
die subjektive Darstellung der Leiden durch den Patienten, dann die Objektivierung durch die Untersuchung des Arztes und zuletzt das Abgleichen der gewonnenen Erkenntnisse mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft.
Das hat sich gründlich geändert. Immer ausgeklügeltere Fragebogen werden ersonnen, die die Patientinnen und Patienten (die selbst gar nicht mehr zu Wort
kommen) in ein möglichst enges Schema pressen sollen. Schon die Aussage
„Wenn 3 von 10 Parametern erfüllt sind, ist … sehr wahrscheinlich, ab 5 so gut
wie sicher“ ist die exakte Beschreibung eines Holzwegs, der zwangsläufig in eine
hohle Gasse führen muss, aus der niemand mehr herauskommen wird.
Wer da meint, das Ausfüllen besagter Fragebogen könne getrost medizinischem
Personal überlassen werden, schließlich stehe ohnehin ein letztverantwortlicher
Arzt darüber, übersieht Wesentliches: das Tiefergehende der Arzt-Patienten-Beziehung!
Daran erkenn’ ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht!
Fachkurzinformation zu Inserat siehe Seite 36
Es ist natürlich Mephisto, der diese Verse spricht. Für uns werden sie bedrückende Realität. Immer weniger fühlen wir uns den Patientinnen und Patienten verpflichtet, immer mehr schielen wir nach dem Patientenanwalt. „Der Patient ist
restlos aufgeklärt“, steht geradezu triumphierend unter fast jeder Krankengeschichte, die ein Häuflein Elend dem Schoß der Familie überantwortet.
„Jetzt gehören die
Daten den Ärzten.
In Zukunft werden
die Daten dem Patienten zurückgegeben.
Der Patient soll
entscheiden, wer
auf Daten zugreifen kann.“ Also
sprach Gesundheits­
minister Stöger in
der „Presse“. Es hat
etwas Rührendes
und zugleich Berührendes, die oberste
Instanz des besten
Gesundheitswesens der Welt gegen
besseres Wissen
ankämpfen zu
sehen. Das kann
nur jemand, der
nicht weiß, dass er
nichts weiß.
(Medizinisches) Wissen ohne Nächstenliebe ist unmenschlich. Wir werden daran
zerbrechen.
Dr. Peter Pölzlbauer
Chefredakteur
E-Mail: [email protected]
5/14 Ausgabe
3
DAM
INHALT
HIV – späte Diagnose
Seite 9
Nahrungsergänzungsmittel
News
Fokus:
Bewegungsapparat
Medizin
Politik
6
Wissenschaft 7
Seite 20
HIV „late presentation“
Späte Diagnose, schlechte Prognose? 9
Menschliche Gehirne aus
Stammzellen12
Management von Patienten mit
Vorhofflimmern – wie und wo?
13
Kombiniert gegen das metabolische
Syndrom
15
Konservative Behandlung der
Arthrose des oberen Sprunggelenks 16
Fokus:
Ernährung & Adipositas
Nahrungsergänzungsmittel
Wirkungen und Wechselwirkungen
20
Interview
Reflux: Fragen und Antworten
25
Impressum
Herausgeber: Universimed Cross Media Content GmbH, Markgraf-Rüdiger-Straße 6–8, 1150 Wien. [email protected]. Telefon: +43/1/876 79 56-0. Fax: +43/1/876 79 56-20.
Geschäftsführung: Dr. Bartosz Chłap, MBA. Chefredaktion: Dr. Peter Pölzlbauer, Mag. Thomas Schindl. E-Mail: [email protected]. Redaktion: Mag. Sandra Winter-Toman. Projektleitung: Margit Botan. E-Mail: [email protected]. Grafik: Margit Schmid. Lektorat: DI Gerlinde Hinterhölzl, Dr. Patrizia Maurer, DDr. Silvia Stoller,
Mag. Sabine Wawerda. Produktion & Druck: AV + Astoria Druckzentrum GmbH, 1032 Wien. Gerichtsstand: Wien. Fotonachweis: fotolia, iStockphoto, Archiv.
Offenlegung
Herausgeber: Universimed Cross Media Content GmbH (100%ige Tochter der Universimed Holding GmbH). Eigentümer und Medieninhaber: Universimed Holding GmbH
Druckauflage 10.000
ÖAK-geprüft (2. HJ 2013)
DAM
4
Bezugsbedingungen Abonnement: Bestellung bei Universimed oder unter www.universimed.com. Jahresabo EUR 55,–, Einzelheft EUR 7,– inkl. MwSt. und Versand innerhalb von Österreich; im Ausland zzgl.
Versandspesen. ISSN 2227-698x. Das Medium DAM – Die AllgemeinMediziner ist für den persönlichen Nutzen des Lesers konzipiert und beinhaltet Informationen aus den Bereichen Expertenmeinung, wissenschaftliche Studien und Kongresse. Namentlich gekennzeichnete Artikel und sonstige Beiträge sind die persönliche und/oder wissenschaftliche Meinung des Verfassers und müssen daher nicht mit der Meinung der Redaktion und des Herausgebers übereinstimmen. Copyright: Alle Rechte liegen bei Universimed. Nachdruck oder Vervielfältigung – auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Geschlechterbezeichnung: Um die Lesbarkeit der Informationen zu erleichtern, wird bei Personenbezeichnungen in der Regel die männliche Form verwendet. Es sind jedoch jeweils männliche und weibliche Personen gemeint.
Ausgabe 5/14
INHALT
Sprunggelenksarthrose
Seite 16
Amlodipin/Atorvastatin
Die 2 in 1 Lösung
Amlodipin/Atorvastatin
ÖHV Aktuell
Eine Herzensangelegenheit.
Präsidentenbrief
27
Aktuell
ELGA kommt, der Hausarzt geht? 29
Amlodipin und Atorvastatin: Zwei Klassiker
zu umfassendem Schutz vereint.
E-Health
Elektronischer Zugang des mündigen
31
Patienten zu Gesundheitsdaten
Amlodipin/Atorvastatin
Die 2 in 1 Lösung
Amlodipin/Atorvastatin
33
Kommentar
Wir lassen uns gegeneinander
ausspielen!
34
Leserbrief
35
GRÜNE
BOX
Caduet®. Die Fixkombination zur Prävention kardiovaskulärer
Ereignisse, die gleichzeitig Blutdruck und Cholesterin senkt.
• Halbierung des koronaren Risikos* vs. Amlodipin Monotherapie1
• Bessere Therapietreue durch Kombination in einer Tablette2
5/14 Ausgabe
Pfizer Corporation
Austria Ges.m.b.H., Wien
*Kombinierter Endpunkt aus letaler KHK und nicht-letalem Myokardinfarkt.
1) Sever P et al; European Heart Journal 2006; 27: 2982-2988
2) Zamorano J et al; Integrated Blood Pressure Control 2011; 4: 55-71
CAD-002-14/1/29.1.2014
Recht
Vergabe des Kassenvertrags
Fachkurzinformation zu Inserat siehe Seite 36
JAMÖ
1st Vasco da Gama Exchange Forum 32
NEWS: POLITIK
Ärzteausbildung
„Reform überfällig“
Erfreut reagierte der Vizepräsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
und Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart, darauf, dass sich auch die Gesundheitsreferenten der Landesregierungen offiziell
für eine Reform der Ausbildung zum Arzt
für Allgemeinmedizin und für die öffentliche Finanzierung einer verpflichtenden
Lehrpraxis aussprechen. Im Rahmen der
Gesundheitsreferentenkonferenz hatten
die Vertreter der Länder einstimmig beschlossen, die ärztliche Ausbildung aktuellen und zukünftigen Anforderungen
anzupassen. „Die Reform ist schon lange
überfällig. Umso erfreulicher ist es, dass
die Politik nun endlich handeln und auch
die öffentliche Finanzierung sicherstellen
möchte“, sagte Steinhart in einer Aussendung.
Quelle: Presseaussendung ÖÄK, 16. Mai
ÄKW warnt
Fragwürdige
Hygieneüberprüfungen
Aus aktuellem Anlass informiert die Ärztekammer für Wien (ÄKW) über unseriöse Angebote für Hygieneüberprüfungen
in Ordinationen. Kolleginnen und Kollegen hätten in letzter Zeit vermehrt berichtet, dass sie von Firmen kontaktiert
worden seien, die Ordinationsüberprüfungen hinsichtlich der Hygiene- und
Qualitätssicherungsverordnung anböten.
„Wir können nicht genau beurteilen,
was diese Firmen tatsächlich überprüfen. Daher empfehlen wir Ihnen, diese
Angebote nicht in Anspruch zu nehmen,
sondern für eine Hygieneüberprüfung in
Ihrer Ordination stattdessen vom PeerProjekt der Ärztekammer Gebrauch zu
machen“, hieß es dazu seitens der ÄKW.
Die ausgebildeten Peer-Verifikatoren
sind selbst praktizierende Ärztinnen und
Ärzte, die außerdem gezielt auf dem Gebiet der gesetzlichen Vorgaben der Hygiene- und Qualitätssicherungsverordnung
geschult sind. Für die Begehungen der
Peer-Verifikatoren der Ärztekammer wird
ein Pauschalbetrag von 320 Euro verrechnet.
Quelle: ÄKW Kuriennews, 30. Mai
DAM
6
Höhere Tabaksteuer gefordert
ÖÄK: Steuer zweckgebunden verwenden
A
nlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai setzt sich die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) für
eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer ein. Ein Teil der Erträge aus der
Tabaksteuer müsse in die Prävention
und Therapie von großteils tabak­
assoziierten Erkrankungen fließen.
Eine medizinisch wichtige Maßnahme
in diesem Zusammenhang sei die Erweiterung der Vorsorgeuntersuchung
um einen Lungenfunktionstest, um
der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) Einhalt zu gebieten, reklamierte ÖÄK-Präsident Artur
Wechselberger in einer Aussendung.
Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hätten ergeben,
dass die Tabaksteuer so weit erhöht
werden müsse, bis der Zigarettenpreis
um 10% höher liege als bisher. Dies
könnte die Nachfrage in den westlichen Industrieländern um 4–5% senken. Vor allem Jugendliche würden
sensibler auf höhere Preise reagieren
und idealerweise gar nicht erst mit
dem Rauchen anfangen. „Bei einer
Raucherrate von über 35% bei den
17-jährigen Burschen und von über
30% bei den gleichaltrigen Mädchen
müssen wir jede Maßnahme ergreifen, die dazu beitragen kann, diese
erschreckenden Zahlen zu senken“,
betonte Wechselberger. Dass Maßnahmen notwendig seien, zeige das
Ergebnis der erst kürzlich publizierten
europäischen Tabak-Kontroll-Skala
2013, ergänzte ÖÄK-Vizepräsident
und Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart. „Von 34 Ländern, die nach konkreten Maßnahmen zur Verringerung
des Tabakkonsums untersucht wurden, ist Österreich Schlusslicht. Das
ist gesundheitspolitisch bedenklich,
blamabel und peinlich. Und es unterstreicht das Totalversäumnis der politisch Verantwortlichen“, kritisierte
Steinhart.
Quelle: Presseaussendung ÖÄK, 29. Mai
ÖÄK: Übergangsfristen
sind ausreichend
Anpassung an EU-konforme Arbeitszeiten für Ärzte
Ü
berrascht zeigt sich der Obmann
der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald
Mayer, darüber, dass die Politik im
Hinblick auf die Anpassung an EUkonforme Ärztearbeitszeiten mit
einer siebenjährigen Frist bis 2021
offenbar nicht das Auslangen finden wolle. Diese Frist sei sicherlich
ausreichend, sagte Mayer in einer
Aussendung. „Wir wissen seit dem
EU-Beitritt, dass die Arbeitszeiten
in den Spitälern an die EU-Richtlinie anzupassen sind“, betonte der
oberste Spitalsarzt. Die Politik habe
jahrelang verabsäumt zu handeln, so
Mayer, und wolle jetzt inakzeptable
Übergangslösungen. Der bestehende Ärztemangel und der zusätzliche,
durch die Einhaltung der EU-Arbeitszeitrichtlinie gegebene Ärztebedarf
würden durch längere Übergangsfristen keineswegs beseitigt.
Mayer: „Zusätzliche Ärzte wird man
nur durch attraktivere Arbeitsbedingungen bekommen. Das hätte eigentlich schon längst passieren sollen.“
Die Versäumnisse der vergangenen
Jahre würden sich nun bemerkbar
machen. „Jetzt können die Probleme
nicht mehr aufgeschoben werden,
sondern sind unverzüglich zu lösen“,
sagte Mayer abschließend.
Quelle: Presseaussendung ÖÄK, 3. Juni
Ausgabe 5/14
NEWS: WISSENSCHAFT
„Therapie statt Strafe“
Behandlung österreichischer Suchtkranker evaluiert
F
orscher der MedUni Wien, unter
der Leitung von Univ.-Prof. Dr.
Gabriele Fischer, Zentrum für Public Health und Universitätsklinik
für Psychiatrie und Psychotherapie,
haben Daten Opiatabhängiger untersucht, die aufgrund drogenbezogener Delikte zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden oder denen
gesundheitsbezogene Maßnahmen
(„Therapie statt Strafe“) verordnet
wurden. Demnach geben Gerichte
Suchtkranken, die leichtere Delikte
begangen haben, eher die Möglichkeit, eine weitere Kriminalisierung
durch Gefängnisstrafen zu vermeiden. „Besorgniserregend ist jedoch,
dass Suchtkranke im Entzug neben
der Opiatabhängigkeit vielfach an
schweren psychiatrischen Grunderkrankungen leiden, die nicht entsprechend erkannt werden“, so Fischer. Dabei handelt es sich unter
anderem um Depressionen (63%),
Angststörungen (58%) oder Sui-
zidgedanken (46%). Wird die psy­
chiatrische Grunderkrankung nicht
behandelt, kann auch die Sucht­
erkrankung nicht stabilisiert werden, kritisiert Fischer. Suchtkranken
würde es dadurch erschwert, aus
dem Kreis der Drogenkriminalität
auszubrechen.
Zudem hält Fischer Maßnahmen zur
Qualitätssicherung in der Erstellung
psychiatrischer Gerichtsgutachten
wie auch in der Umsetzung des Entzugs für dringend notwendig, um
den Betroffenen professionell und
frühzeitig helfen zu können. Dies
würde sich auch finanziell auszahlen: Die Kosten für die ambulante
medizinische Behandlung Opioidabhängiger betragen ca. 4.000 Euro
pro Patient und Jahr, während ein
suchtkranker Häftling die österreichischen Justizanstalten im Jahr
34.500 Euro kostet.
Kardiovaskuläres Risiko
„Das süße Gift“
Zucker beeinflusst nicht nur das Körpergewicht, sondern auch den Blutdruck
und die Serumlipidwerte. Zu diesem Ergebnis kam eine Metaanalyse verschiedener Studien von 1965 bis 2013, durchgeführt von Forschern der New Zealand’s
University of Otago. Dieser Effekt ist unabhängig von Auswirkungen des Zuckers
auf das Körpergewicht.
Für die Analyse wurden 39 aus 11.517
Studien ausgewählt. Bei 37 fand man
einen Zusammenhang zwischen dem
vermehrten Verzehr von Zucker und den
Blutfetten. Am deutlichsten wurde dieser laut Subgruppenanalyse in Studien,
die auf ein Energiegleichgewicht unter
gleichzeitiger Berücksichtigung von Gewichtsveränderungen achteten. 12 Studien berichteten von Auswirkungen auf
den Blutdruck.
Quelle: Te Morenga A et al: Dietary
sugars and cardiometabolic risk: systematic review and meta-analyses of randomized controlled trials of the effects
on blood pressure and lipids. Am J Clin
Nutr 2014 May 7; [Epub ahead of print]
Quelle: Presseaussendung MUW, 15. Mai
Schädel-Hirn-Trauma
Gesundes Essen beeinflusst COPD
Ernährung kann die Lungenfunktion verbessern
P
rogression und Entwicklung vieler Erkrankungen können durch
bewusste Ernährung beeinflusst werden. Forscher der Universitäten von
Nebraska, Maastricht, Edinburgh
und Liverpool fanden nun Hinweise
darauf, dass die Art der Ernährung
auch bei der Entwicklung und Ausprägung der COPD eine maßgebliche Rolle spielt. Sie analysierten
Daten von COPD-Patienten, die an
der ECLIPSE-Studie (Education of
COPD Longitudinally to Identify
Predictive Surrogate Endpoints) teilgenommen hatten.
Ziel war es, den Zusammenhang
zwischen den eingenommenen Mahlzeiten und der klinischen Charakteristik der COPD-Patienten zu evaluieren. 2.167 Patienten gaben im
Verlauf von drei Jahren zu acht ver-
5/14 Ausgabe
schiedenen Zeitpunkten Auskunft
über die eingenommenen Mahlzeiten
in den letzten 24 Stunden.
Das Ergebnis: Patienten, die kürzlich
als gesund geltende Nahrungsmittel
wie Fisch, Früchte und Molkereiprodukte zu sich genommen hatten,
wiesen demnach eine bessere Lungenfunktion, weniger Emphyseme,
bessere Ergebnisse beim 6-Minuten-Gehtest sowie einen Rückgang
verschiedener Entzündungsparameter auf.
Quelle: Hanson C et al: Dietary intake is associated with lung function in the Eclipse
cohort. Poster Board # A75; presented
May 21 at the 2014 American Thoracic
Society International Conference
Frauen genesen schneller
Einer neuen Studie zufolge genesen
Frauen nach einem leichten SchädelHirn-Trauma schneller als Männer. Zu
diesem Resultat kamen Wissenschaftler
der University of Pittsburgh, als sie geschlechtsspezifische Unterschiede bei
Prognose und Genesungszeit nach einer
traumatischen Gehirnverletzung untersuchten.
Insgesamt wurden DTI(„diffusion-tensor imaging“)-Bilder von 69 Patienten
(47 Männer, 22 Frauen) mit leichtem
Schädel-Hirn-Trauma und 21 gesunden
Kontrollpersonen (10 Männer, 11 Frauen) überprüft. Zusätzlich absolvierten die
Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma neurokognitive Tests. Männliche Patienten
hatten demnach signifikant erniedrigte
fraktionelle Anisotropiewerte im Fasciculus uncinatus und eine längere Zeit bis
zum Verschwinden der Symptome verglichen mit weiblichen Patienten.
Quelle: Fakhran S et al: Am J Clin Nutr
2014 May 7; [Epub ahead of print]
7
DAM
1
Performance,
die mehr bewegt.
STRIBILD®: Das Gesamtkonzept.
• Schnelle und robuste Wirksamkeit für ein breites Patientenspektrum 1–5
• Hohe Therapietreue aufgrund überzeugender Verträglichkeit 2–5
• Der neue STR-Standard für Ihre HIV-Patienten
LITERATUR
1. Fachinformation STRIBILD®; Stand September 2013.
2. DeJesus E, et al. Lancet 2012; 379 (9835): 2429–2438.
3. Sax P, et al. Lancet 2012; 379 (9835): 2439–2448.
4. Zolopa A, et al. J Acquir Immune Defic Syndr 2013; 63(1): 96–100.
5. Rockstroh JK, et al. J Acquir Immune Defic Syndr 2013 Jan 18.
[Epub ahead of print].
Fachkurzinformation zu
siehe
Seite
XX Seite 36
Fachkurzinformation
Inserat
siehe
Gilead Sciences GesmbH · Wagramer Straße 19 · 1220 Wien
Worauf bei der Verordnung von STRIBILD ® geachtet werden sollte:
1. Patienten, die bereits eine Behandlung mit TDF aufgrund von Nierentoxizität abgesetzt haben, dürfen nicht mit
STRIBILD® behandelt werden.
2. Bei Patienten sollte vor Beginn der Behandlung mit STRIBILD ® die Kreatinin Clearance berechnet und die
Glukose- und Proteinkonzentration im Urin bestimmt werden.
3. Bei Patienten mit einer Kreatinin Clearance unter 70 ml/min sollte keine Therapie mit STRIBILD ® eingeleitet
werden.
4. Kreatinin Clearance, Serumphosphat, Glukose- und Proteinkonzentration im Urin sollten alle 4 Wochen während des ersten Behandlungsjahres und danach alle 3 Monate überwacht werden.
Erstellt: April 2014; HIV1/AT/14-04/PM/1140a
5. Cobicistat hemmt die tubuläre Sekretion von Kreatinin und kann einen leichten Anstieg des Serumkreatinins und eine leichte Abnahme der Kreatinin Clearance bewirken, ohne die renale glomeruläre Funktion zu
beeinträchtigen. Patienten, bei denen ein gesicherter Anstieg des Serumkreatinins von mehr als 26,5 µmol/l
(0,3 mg/dl) gegenüber dem Ausgangswert vorliegt, sollten hinsichtlich der renalen Sicherheit engmaschig
überwacht werden.
6. Wenn eine Kreatinin Clearance von < 50 ml/min bestätigt ist oder der Serumphosphatspiegel auf < 0,32 mmol/l
(1,0 mg/dl) sinkt, sollte die Behandlung mit STRIBILD® abgesetzt werden.
7. STRIBILD® sollte aufgrund eines erhöhten Risikos renaler Nebenwirkungen (bedingt durch die TDF-Komponente in STRIBILD®) nicht gleichzeitig mit oder kurz nach nephrotoxischen Arzneimitteln angewendet werden.
MEDIZIN
HIV „late presentation“
Späte Diagnose,
schlechte Prognose?
Die antiretrovirale Therapie hat zu einem deutlichen Rückgang der HIVassoziierten Erkrankungen sowie der Aids-Todesfälle geführt. Der Nutzen hinsichtlich einer individuellen Risikosenkung ist dann am höchsten,
wenn eine Therapie früh begonnen wird, also noch bevor sich die für
die fortgeschrittene HIV-Erkrankung charakteristische Immundefizienz
ausgebildet hat. Aktuelle nationale und internationale Leitlinien tragen
dieser Erkenntnis Rechnung und empfehlen einen Therapiebeginn, spätestens bevor der Schwellenwert von 350 CD4-Zellen/µl unterschritten
wird. Um diesen Zeitpunkt im Einzelfall abzusehen, ist ein regelmäßiges
Monitoring der CD4-Zellen notwendig.
A. Zoufaly, Wien
Definition „late presentation“
Probleme der „late presentation“
Als großes Problem in europäischen Ländern wurde identifiziert, dass viele HIV-Patienten erst dann die HIV-Diagnose erhalten, wenn der Schwellenwert von 350 CD4Zellen/µl bereits unterschritten wurde oder bereits eine
Aids-definierende Erkrankung vorliegt. Jede Therapieeinleitung findet dann nicht mehr zum optimalen Zeitpunkt,
sondern verspätet statt. Dementsprechend werden diese
Patienten im Allgemeinen als „late presenters“ bezeichnet.
Nach einer europäischen Konsensusdefinition werden, um
dieses Phänomen zwischen den Ländern vergleichbar zu
machen und auch zeitliche Trends zu monitieren, „late
presenters“ (LP) und „presentation with advanced HIV
disease“ – also eine erstmalige Diagnose bzw. Vorstellung
im Behandlungszentrum, wenn bereits 200 CD4-Zellen/µl
unterschritten wurden oder Aids vorliegt – unterschieden.
Die Konsensusdefinition macht auch klar, dass „late presentation“ zum Zeitpunkt des Eintritts in eine medizinische
Versorgungseinrichtung gemeint ist. Eine alleinige Diagnose reicht nicht aus. Entscheidend ist die rechtzeitige Vorstellung bei einem Schwerpunktbehandler, in Österreich
also in einer spezialisierten Spitalsambulanz oder bei einem
niedergelassenen HIV-Behandler. Oft vergehen zwischen
erster Diagnose und Vorstellung beim HIV-Behandler nur
wenige Monate, sodass „late presentation“ zum Zeitpunkt
der Diagnose und zum Zeitpunkt der Behandlung nahe
beieinanderliegen. Manchmal allerdings können dazwischen
auch Jahre vergehen.
In mehreren Arbeiten konnte gezeigt werden, dass „late
presentation“ riskant ist. So war in einer kürzlich erschienenen Kohortenanalyse das Risiko für ein neues Aids-Ereignis oder Tod fast um den Faktor 6–13 erhöht. In einer
Analyse aus der österreichischen Kohortenstudie war die
Sterblichkeit bei „late presenters“ signifikant erhöht im
Vergleich zu Patienten, die ihre Diagnose mit höheren CD4Zellen erhielten (Abb. 1). Eindrucksvoll ist eine englische
Arbeit, die die verlorenen Lebensjahre, die durch eine HIVInfektion verursacht sind, untersucht hat. So hat eine 20-jährige Patientin mit „late presentation“ eine um bis zu 10
Jahre kürzere Lebenserwartung, verglichen mit einer
Nichtinfizierten. Liegen die CD4-Zellen bei Diagnosestellung
unter 200/µl, ist die Lebenserwartung statistisch um 20
Jahre verkürzt. Grundsätzlich ist eine frühe Diagnose wünschenswert, nicht nur aufgrund der Verhinderung eines
Progresses der HIV-Erkrankungen im Individuum, sondern
auch auf einer Populationsebene. So wird in Europa angenommen, dass 25–30% der HIV-Infektionen unentdeckt
sind und mehr als die Hälfte aller Neuinfektionen von
Menschen übertragen wird, die ihren positiven HIV-Status
nicht kennen. Eine frühere Diagnose und Therapie könnte
also auch zu einer Reduktion der Neuinfektionen führen.
Auch das Gesundheitssystem wird durch die Folgen einer
späten Diagnose belastet. So haben Patienten mit „late
presentation“ häufiger Erkrankungen, die einen stationären
Aufenthalt und spezifische Therapien erforderlich machen.
5/14 Ausgabe
9
DAM
MEDIZIN
Unter allen HIV-Infizierten werden 92% der
spitalsassoziierten Ressourcen und 68% der
gesamten Behand­lungskosten durch Patienten mit „late presentation“ verbraucht. Eine
frühere Diagnose und Therapie ist somit auf
lange Sicht gesehen kostengünstiger.
1,00
ohne späte Diagnose
0,95
Kumulatives Überleben
Risikofaktoren und Situation in
Österreich und Europa
Überleben nach HIV-Test 2001–2010 (Österreich)
Relation um Zeitpunkt der Diagnose
0,90
0,85
0,80
p<0,001
späte Diagnose
Höheres Alter, Migrationshintergrund, hete0,75
rosexueller Übertragungsweg und das männliche Geschlecht gelten als Risikofaktoren für
0,70
„late presentation“. Demzufolge hat ein äl0
1
2
3
4
5
6
7
8
terer Mann mit Migrationshintergrund hoch
Jahre nach der HIV-Diagnose
wahrscheinlich bereits eine fortgeschrittene
Immundefizienz, wenn eine HIV-Infektion Abb. 1: Überleben bei „late presentation“; Quelle: österreichische Kohortenstudie AHIVCOS
erstmalig festgestellt wird. Anders ist die
Situation bei homo- und bisexuellen MänCD4-Zellzahl bei Erstpräsentation
nern, der anteilsmäßig größten Gruppe, wie
60%
sich in einer Untersuchung aus Deutschland
50%
gezeigt hat. Obwohl sich die Zahl an Neudiagnosen seit 2001 verdreifacht hat, ist der
40%
Anteil der „late presenters“ seither zurückgegangen. Dies könnte auf ein zunehmendes
30%
Risikobewusstsein, kombiniert mit einer Bereitschaft für eine Testung, in dieser Risiko20%
gruppe hinweisen. In Europa geht man der10%
zeit von 40–60% „late presenters“ aus. Über
die Jahre scheint es einen leichten Rückgang
0%
des sehr hohen Anteils zu geben, was mögli2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
cherweise den Rückgang von LP unter den
homo- und bisexuellen Männern widerspie<50
50–199
200–349
gelt. Bei Migranten und Drogengebrauchern
ist aber ein Anstieg zu verzeichnen.2 Der Abb. 2: „Late presentation“ in Österreich; Quelle: österreichische Kohortenstudie AHIVCOS
Anteil der „late presenters“ unter den HIVInfizierten mit erstmaliger Diagnose in Österreich ist über boten sowie dezentrales Testen zu Hause mit einfach handdie Jahre konstant. So hatten etwa 40% der Infizierten 2001 habbaren Testkits erwähnt, die mit einer entsprechenden
bei Diagnose eine CD4-Zellzahl unter 350, im Jahr 2012 lag Aufklärung über Erkrankung und Betreuungseinrichtungen
dieser Wert bei leicht über 40% (Abb. 2).
versehen werden müssen, damit diese von positiv Getesteten
dann auch aufgesucht werden. Ein Opt-out-Screenen für
Hindernisse für eine frühere Diagnose
jedermann scheint wenig zielführend, da hier die falschen
Menschen oft auch mehrfach getestet werden. Zielführender
Als Hindernisse wurden aus früheren Untersuchungen die ist ein zielgruppenorientiertes Testen. Auch konnten in den
Stigmatisierung, Diskriminierung, mangelndes Wissen über letzten Jahren Indikatorerkrankungen mit erhöhter Wahrdie HIV-Infektion und Testmöglichkeiten sowie ein mangel- scheinlichkeit für eine zugrunde liegende HIV-Infektion
hafter Zugang zu Testmöglichkeiten diskutiert. Ein signifi- identifiziert werden.
kanter Anteil an HIV-Infizierten hatte bereits früheren
Kontakt zu Gesundheitseinrichtungen. Auf die Frage, war- Zusammenfassung
um bisher noch kein HIV-Test erfolgt war, gaben 27% der
Befragten einer amerikanischen Studie an: „Weil der Arzt „Late presentation“ bleibt eine Herausforderung in der
nie einen HIV-Test empfohlen hat.“ Häufigste Ursache für optimalen Versorgung von HIV-Infizierten und ein limitiedie verpasste Gelegenheit für einen HIV-Test war in dieser render Faktor hinsichtlich Gesundheit und Lebenserwartung.
Umfrage die Einschätzung, dass kein erhöhtes Risiko für Strategien, die auf eine frühere Diagnose abzielen, müssen
n
eine HIV-Übertragung vorliege. Eine bessere Information entwickelt, angewandt und weiter evaluiert werden.
über Risikogruppen und -verhalten in der Bevölkerung und
unter medizinischem Personal könnte also zu einer früheren
Autor: Dr. Alexander Zoufaly
Diagnose und damit zur Verbesserung der Prognose und
FA für Innere Medizin, Infektiologie
Lebenserwartung von HIV-Infizierten führen. Als weitere
Sozialmedizinisches Zentrum Süd – Kaiser-Franz-Josef-Spital
Möglichkeiten seien der Ausbau von anonymen Testangemit Gottfried von Preyer’schem Kinderspital, Wien
DAM 10
Ausgabe 5/14
Statistisch überlegene
Wirksamkeit in drei Studien1-3
Schnelle und anhaltende Wirksamkeit1-5
Hohe Resistenzbarriere1-5
Im Allgemeinen gut verträglich mit wenig
Therapieabbrüchen1-5
Einfach einmal täglich einzunehmen6*
Auswahl klinisch relevanter Sicherheitsinformationen zu Tivicay
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile;
gleichzeitige Einnahme von Dofetilid.
Nebenwirkungen: Die am häufigsten unter Dolutegravir berichteten unerwünschten
Arzneimittelwirkungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Gastrointestinale Nebenwirkungen.
Für eine vollständige Auflistung der Kontraindikationen, Warnhinweise und Nebenwirkungen siehe
Fachinformation.
*Für Patienten mit Resistenz gegen die Integraseklasse (dokumentiert oder klinisch vermutet) wird die Tivicay Einnahme einer 50 mg Tablette zweimal täglich empfohlen.6
References: 1. Walmsley S et al. N Engl J Med. 2013;369(19):1807-1818. 2. Raffi F et al. Lancet. 2013;381(9868):735-743. 3. Raffi F et al. Lancet Infect Dis. 2013;13(11):927-935. 4. Feinberg J
et al. ICAAC. September 10-13, 2013. Denver, Colorado. 5. Cahn P et al. Lancet. 2013;382(9893):700-708. 6. TIVICAY (dolutegravir) Summary of Product Characteristics, 11/2013.
AT/DLG/0024/14, Stand April 2014
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Fachkurzinformation
zu Inserat
Fachkurzinformation auf
Seite xxsiehe Seite 37
Warnhinweise: Auftreten eines Immun-Reaktivierungs-Syndroms; Auftreten von
Überempfindlichkeitsreaktionen; Vorliegen der Integrase-Mutation Q148 in Kombination mit mehr
als 2 der Sekundärmutationen G140A/C/S, E138A/K/T, L741; engmaschige Überwachung bei
gleichzeitiger Gabe von Metformin.
MEDIZIN
Menschliche Gehirne aus
Stammzellen
Noch vor Kurzem erinnerte die Vorstellung von gezüchteten menschlichen Organen
aus der Retorte an Science Fiction. Heute steht diese Methode mancherorts bereits
an der Schwelle zur klinischen Anwendung. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Knoblich erzeugt
menschliche „Gehirnorganoide“ aus Stammzellen, um an ihnen die Mechanismen
hirnspezifischer Erbkrankheiten zu erforschen, wie er anlässlich der Jahreshaupt­
versammlung 2014 der Gesellschaft der Ärzte in Wien ausführte.
„Stammzellen werden künftig dazu genutzt, menschliche
Organe zu erzeugen, die in der regenerativen Medizin
eingesetzt werden können, aber auch um die Wirksamkeit von Medikamenten zu testen“, zeigt sich Univ.-Prof.
Dr. Jürgen Knoblich vom Institute of Molecular Biotechnology der Österreichischen Akademie der Wissenschaften überzeugt. Zum derzeitigen Stand der Forschung wird mit sogenannten „Organoiden“, im Labor
gezüchteten Zellkulturen aus menschlichen Stammzellen, gearbeitet. Unter passenden Bedingungen ordnen
sich die Zellen selbstständig zu organähnlichen Gebilden
an und können sogar einige Funktionen eines echten
Organs ausüben. Menschliche Darmorganoide sind
bereits in der klinischen Phase angelangt und sollen bald
bei der Therapie von bestimmten Darmerkrankungen
wie Kolonkarzinomen eingesetzt werden. Sehr weit
fortgeschritten und in Tierversuchen erfolgreich erprobt
ist auch die Entwicklung von Retina-, Leber- und Nie­
rengewebe. Eine große Hürde besteht bisher noch in der
Bildung von Blutgefäßen in den Organoiden.
Einen wesentlichen Fortschritt in der Gewinnung
menschlicher Stammzellen zur Züchtung dieser Organoide stellt die nobelpreisgekrönte Technik des Japaners
Shinya Yamanaka dar. Dabei werden aus menschlichen
Fibroblasten durch gezielte Remodellierung bestimmter
Gene sogenannte „induzierte pluripotente Stammzellen“
(IPS) erzeugt, die in den meisten Eigenschaften den
embryonalen Stammzellen entsprechen. Es bedarf dafür
lediglich einer einfachen Hautbiopsie, beispielsweise
vom Oberarm eines Patienten. „Was diese Forschung
ermöglicht hat, ist einerseits, ethische Probleme im
Zusammenhang mit der Gewinnung von Stammzellen
zu vermeiden, zum anderen aber auch, IPS von jedem
Patienten herstellen zu können, und das in einer Geschwindigkeit, die für eine Therapie geeignet wäre“,
erklärt Knoblich.
DAM 12
Im Labor haben Knoblich und sein Team nun zum ersten
Mal Gehirnorganoide aus IPS erzeugt, die einen hohen
Grad an differenzierten Strukturen ausbilden. Hierbei
findet eine Spezifizierung statt, die bestimmten Gehirn­
arealen entspricht. So entdeckt man in den rund 4mm
großen Zellhaufen ventrikelähnliche Teile genauso wie
verschiedene Kortexareale und manchmal sogar retinales Pigmentepithel. Die Nervenzellen in diesen Organoiden sind elektrisch aktiv und stehen wahrscheinlich
sogar über Synapsen miteinander in Ver­bindung.
Weiters wurden bereits Hirnorganoide aus Hautzellen
eines an Mikrozephalie leidenden Patienten erzeugt und
dazu verwendet, um diese schwere menschliche Erbkrankheit, bei der ein sehr stark verringertes Kortexvolumen auftritt, im Modell nachzubauen. Da diese Organoide aus dem Genmaterial des individuellen Patienten
erzeugt wurden, weisen sie dieselben Defekte auf, wie
sie auch im echten Gehirn des Patienten zu finden sind.
Dies erlaubt eine genaue Untersuchung der patientenspezifischen Krankheitsmechanismen. Durch gezielte
Ausschaltung bestimmter Gene konnten dann bei nochmaliger Züchtung eine weitgehend normale Entwicklung
und Zelldifferenzierung erreicht werden.
Auch multigenetisch bedingte Erkrankungen mit höherer
Prävalenz wie beispielsweise die Schizophrenie könnten
in Zukunft auf diese Art genauer erforscht werden. Reif
für die Anwendung in der klinischen Praxis könnten
diese Technologien in den nächsten 5–10 Jahren sein.n
Quelle:
„Menschliche Organe aus Stammzellen – eine Revolution in der Hirnforschung?“, Vortrag im
Rahmen der Festveranstaltung zur Jahreshauptversammlung der Gesellschaft der Ärzte, 2. April
2014 im Wiener Billrothhaus
Bericht: Andrea Gipperich
Ausgabe 5/14
MEDIZIN
Management von Patienten mit
­Vorhofflimmern – wie und wo?
In Österreich leiden schätzungsweise 120.000 bis 180.000
Menschen (bis zu 2% der Bevölkerung) an Vorhofflimmern
(VHF), der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung.
Da VHF meist eine Erkrankung des höheren Lebensalters
ist, sind sogar ca. 6% der über 65-Jährigen und bis zu 20%
der über 80-Jährigen von dieser Rhythmusstörung betroffen.
Bis zum Jahr 2050 wird aufgrund des demografischen Wandels mit einer Verdopplung der VHF-Prävalenz gerechnet.
Risikofaktor Vorhofflimmern
Patienten mit VHF haben im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung unter anderem ein 5-fach erhöhtes Schlaganfall-/
Embolierisiko, eine erhöhte Hospitalisierungsrate und eine
verdoppelte Mortalitätsrate mit entsprechenden Kosten für
das Gesundheitssystem und individuellem Leid.
Definition des VHF
Vorhofflimmern neigt zur Progredienz. Der Dauer nach
unterscheidet man erstmals diagnostiziertes, paroxysmales
(meist kürzer als 48 Stunden dauernd), persistierendes (dauert entweder länger als 7 Tage oder wird medikamentös oder
elektrisch beendet), lang anhaltend persistierendes (Dauer
von einem Jahr oder länger, bevor die Entscheidung für einen
Konversionsversuch, meistens Ablationstherapie, getroffen
wird) und permanentes VHF (wird von Patient und Arzt
akzeptiert).
Behandlungsziele
Die Behandlung verfolgt primär drei Ziele:
1. Erleichterung von VHF-bedingten Symptomen
2. Behandlung der Arrhythmie per se
3. Prophylaxe thromboembolischer Komplikationen
Beschwerdesymptomatik
Patienten mit VHF berichten über variable Symptome, wie
z.B. Herzrasen, thorakalen Druck, Dyspnoe, Müdigkeit,
Übelkeit und Schwindel. Die subjektiv wahrgenommene
Beeinträchtigung wird mit dem EHRA-Score erfasst: keine
Symptome (EHRA I), leichte Symptome (EHRA II), schwere
5/14 Ausgabe
A. Spiel, Wien
H. Domanovits, Wien
Symptome mit Beeinträchtigung der Alltagstätigkeit (EHRA
III), massive Symptome, die Alltagstätigkeit kann nicht
durchgeführt werden (EHRA IV). Entsprechend erfolgt die
Arrhythmiebehandlung aggressiver (EHRA III/IV) oder zurückhaltender (EHRA I/II).
Arrhythmiebehandlung
Die Normalisierung der Kammerfrequenz ist das vordergründige Ziel. Dies erfolgt entweder durch versuchte Konversion
zum Sinusrhythmus – „Rhythmuskontrolle“ – oder durch
Belassen der Vorhof-Arrhythmie (Frequenz bis 600/min) und
Einstellung der Kammerfrequenz auf Werte in Ruhe von 80
bis 110/min – „Frequenzkontrolle“. Als Medikamente zur
Frequenzkontrolle stehen orale oder intravenöse Betablocker
(beta-1-selektiv bei COPD), Kalziumantagonisten vom Nichtdihydropyridintyp (Diltiazem und Verapamil) sowie Digitalispräparate zur Verfügung. Eine Rhythmuskontrolle kann
durch elektrische Maßnahmen (QRS-synchrone Kardioversion) oder medikamentös mit Klasse-I- und Klasse-III-Antiarrhythmika intravenös (i.v.) oder per os (p.o.) versucht
werden. Neuerdings wird für kurz dauerndes Vorhofflimmern auch der Multikanalblocker Vernakalant (Brinavess®)
i.v. empfohlen.
Thromboembolieprophylaxe
Als validierter Score zur Erfassung des Schlaganfallrisikos
bei Patienten mit Vorhofflimmern/-flattern wird der
CHA2DS2-VASc-Score (Tab. 1) empfohlen.
Bei allen Patienten mit einem CHA2DS2-VASc-Score ≥1 wird
eine präventive antithrombotische Therapie mit einem der
direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) Dabigatran,
13 DAM
MEDIZIN
Rivaroxaban, Apixaban oder mit Vitamin-K-Antagonisten
(VKA) empfohlen. Patienten mit valvulärem Vorhofflimmern
(signifikante Mitralklappenstenose) bzw. Patienten nach
mechanischem Herzklappenersatz und Vorhofflimmern sollten aufgrund der derzeitigen Datenlage weiterhin nur mit
Vitamin-K-Antagonisten behandelt werden. Bei Patienten
mit niedrigem Risiko – keine oder minimale strukturelle
Herzerkrankung („lone atrial fibrillation“) – und Alter <65
Jahren, einschließlich Frauen, wird keine Dauer-Antikoagulation empfohlen. Als Kontraindikationen einer therapeutischen Antikoagulation gelten Blutgerinnungsstörung, Zustand nach Hirnblutung und mangelnde Adhärenz. Bei
Patienten mit niedrigem Risiko bzw. bei Kontraindikationen
gegen eine orale Antikoagulation kann eine Kombination
von Acetylsalicylsäure (ASS) 100mg mit Clopidogrel 75mg
täglich mit besserer Evidenz als ASS allein zur Thromboembolieprophylaxe eingesetzt werden.
Diagnose, minimale Abklärung
Neben der Dokumentation mittels EKG wird in der täglichen
Praxis die Abklärung eines Patienten mit Vorhofflimmern im
Ausmaß sehr variabel ausfallen. Anamnese, Komorbiditäten
und Vorbefunde bestimmen die Auswahl der zu erhebenden
Laborbefunde. Bei Erstdiagnose und ausgeprägten Beschwerden (≥EHRA III) sind neben Echokardiografie und C/PRöntgen auch erweiterte Befunde wie Troponin T und
proBNP/BNP zur optimalen Therapieauswahl sinnvoll.
Management – wie und wo?
Die Beschwerdesymptomatik des Patienten und die hämodynamische Situation (instabil versus stabil) bestimmen einerseits die Dringlichkeit, andererseits den Ort der Behandlung und die Art der therapeutischen Maßnahmen. Beim
stabilen Patienten mit vorbekanntem chronischem VHF kann
eine Adaptierung der peroralen Dosis der frequenzregulierenden Therapie ausreichend sein. Bei hämodynamischer
Instabilität (Schocksymptomatik, akute Herzinsuffizienz,
myokardiale Ischämie) sollte nach Sauerstoffgabe, Monitoring und Anlage eines i.v. Zugangs so bald wie möglich eine
elektrische Kardioversion in Sedoanalgesie/Kurznarkose
durch ein notfall-/intensivmedizinisch erfahrenes Team erfolgen. Für Patienten ohne strukturelle Herzerkrankung mit
rezidivierenden Vorhofflimmerepisoden kann nach vorausgehender Austestung unter klinischen Bedingungen die „Pill
in the pocket“-Strategie zur Anwendung kommen: Der Patient nimmt bei nicht zu häufig auftretenden Vorhofflimmerepisoden entweder einmal 200–300mg Flecainid oder einmal
CHA2DS2-VASc-Score
(max. Score = 9)
C
Chronische Herzinsuffizienz oder linksventrikuläre Dysfunktion
H
Arterielle Hypertonie, auch behandelt
1
A2
Alter ≥75 Jahre
2
1
D
Diabetes mellitus
1
S2
Durchgemachter Schlaganfall oder TIA
2
V
Gefäßerkrankung (MCI, PAVK, Aortenplaques)
1
A
Alter 65–74 Jahre
1
Sc
Weibliches Geschlecht
1
Tab. 1: CHA2DS2-VASc-Score zur Schlaganfall-Risikostratifizierung
DAM 14
Abb. 1
600mg Propafenon selbstständig p.o. ein. Dieses Vorgehen
erspart eine Dauereinnahme von Antiarrhythmika zur Rezidivprophylaxe. Bei Patienten mit Vorhofflimmern von ≥48
Stunden Dauer oder bei unklarem Beginn der Arrhythmie
und indizierter Antikoagulation (CHA2DS2-VASc-Score ≥1)
sollte vor einem Kardioversionsversuch eine suffiziente Antikoagulation von zumindest drei Wochen durchgeführt
werden. Alternativ kann nach Ausschluss von intrakardialen
Thromben mittels transösophagealen Herzechos oder neuerdings kardialer Computertomografie eine Rhythmisierung
ohne Verzögerung angestrebt werden. Neben der elektrischen
Kardioversion stehen in Abhängigkeit vom Vorliegen bzw.
Ausmaß einer strukturellen Herzerkrankung mehrere Antiarrhythmika zur Auswahl (Abb. 1).
Die Behandlung von Begleiterkrankungen, Auslösern der
Arrhythmie und von Risikofaktoren wie Hypertonie, KHK
und Herzinsuffizienz ist essenziell und hilft, das Fortschreiten
der Erkrankung zu verzögern. Die Effektivität von Antiarrhythmika zur Rezidivprophylaxe (Amiodaron, Dronedaron,
Sotalol, Propafenon, Flecainid) ist begrenzt, sodass derzeit
andere Therapien wie Katheterablation/Pulmonalvenenisolation an Bedeutung gewinnen.
Fazit
Das Management der steigenden Zahl von Patienten mit
VHF bedarf individuell angepasster Therapiekonzepte, welche die Komorbiditäten, die Symptome, die hämodynamische
Beeinträchtigung und das thromboembolische Risiko berücksichtigen. Ein vom Patienten mitgeführter „VorhofflimmerPass“, der von allen beteiligten Behandlern stets aktualisiert
wird, könnte das Management transparenter und für die
n
Patienten effizienter machen.
Autoren:
Priv.-Doz. Dr. Alexander Spiel
Prof. Dr. Hans Domanovits
Universitätsklinik für Notfallmedizin, MUW
Ausgabe 5/14
MEDIZIN
Kombiniert gegen das
metabolische Syndrom
Patienten mit metabolischem Syndrom oder einfach einem erhöhten kardiovaskulären Risiko sind in der Regel von mehreren Risikofaktoren gleichzeitig
betroffen. Eine wirksame Therapie sollte alle diese Faktoren berücksichtigen.
G
CAD-012-14/1/20.05.2014
Mit freundlicher Unterstützung durch die Fa. Pfizer
Fachkurzinformation zu Bericht siehe Seite 36
emäß den Ergebnissen der epidemiologischen DETECTStudie1 mit 55.518 Patienten in 3.795 deutschen
Hausarztpraxen wiesen 35,5% der Patienten eine Hypertonie auf, 29,5% eine Hyperlipidämie und 14,1% einen
Diabetes mellitus. Bei 78% der Patienten wurden multiple
Risikofaktoren nachgewiesen. Die Behandlung mehrerer
Risikofaktoren führt – da die angestrebten Ziele allein mit
Lebensstilmodifikation oft nicht erreicht werden – bei
vielen Betroffenen zu einer erheblichen „pill burden“ samt
resultierenden Compliance-Pro­blemen.
Kombinationspräparate mit Vorteilen
Einen gangbaren und für die Patienten angenehmen Ausweg bietet der Einsatz von Kombinationspräparaten. So
wurde in der CARPE-M-Studie2 gezeigt, dass Patienten,
die eine Fixkombination des Lipidsenkers Atorvastatin und
des Kalziumantagonisten Amlodipin (Caduet®) einnahmen,
nach sechs Monaten zu 56,5% adhärent waren, während
die Therapietreue bei Patienten, die die Einzelkomponenten
bekamen, lediglich bei 21,4% lag. Dieser Vorteil schlug
sich auch im klinischen Ergebnis nieder, da unter der Fixkombination signifikant weniger kardiovaskuläre Ereignisse auftraten (HR=0,68; p=0,02). Die Amlodipin/Atorvastatin-Fixkombination kann aufgrund der langen
Wirkdauer beider Substanzen von über 24 Stunden einmal
täglich verabreicht werden, was sich zusätzlich günstig auf
die Adhärenz auswirken dürfte. Caduet® kann zu jeder
Tageszeit und unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Klinische Studien bestätigen Wirksamkeit
Die Wirksamkeit der beiden Einzelkomponenten von
Caduet® konnte in einer Reihe klinischer Studien in sehr
unterschiedlichen Patientenpopulationen nachgewiesen
werden. So zeigte die ASCOT-LLA-Studie mit Patienten
mit Hypertonie und mindestens drei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren eine zusätzliche Reduktion des
kardiovaskulären Risikos um 53% durch Zugabe von
Atorvastatin zu einer Therapie mit Amlodipin.3 In der
AVALON-Studie4 war überraschenderweise sogar die Wir-
5/14 Ausgabe
kung auf die Plasmalipide (LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und Apolipoprotein B) unter der Kombinationstherapie größer als unter der Therapie mit Atorvastatin
alleine. Caduet® wird dabei ebenso gut vertragen wie die
für ihr günstiges Nebenwirkungsprofil bekannten Einzelkomponenten.
In der 12-monatigen Langzeitstudie CRUCIAL5 konnte mit
der Amlodipin/Atorvastatin-Fixkombination 5/10mg bis
10/10mg das durchschnittliche absolute kardiovaskuläre
Risiko von Patienten mit Hypertonie nach dem Framingham-Risk-Score um 33,0% signifikant stärker gesenkt
werden als durch eine frei wählbare antihypertensive und
lipidsenkende Standardtherapie (–4,0%; p<0,001). Nach
52 Wochen erreichten in dieser Studie signifikant mehr
Patienten unter Therapie mit der Amlodipin/AtorvastatinFixkombination die JNC7-Blutdruckzielwerte (58% vs.
48%; p=0,001) und den NCEP-ATP-III-Zielwert für LDL-C
(83% vs. 53%; p<0,001). Es gelangte unter der Fixkombi­
nation auch ein signifikant größerer Anteil der Patienten
in beide Zielbereiche (50% vs. 27%; p<0,001).
Gemäß Zulassung ist Caduet® zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Hypertonie mit drei
weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren, normalem bis
leicht erhöhtem Cholesterinspiegel und ohne klinisch nachweisbare KHK indiziert. n
Literatur:
1
Wittchen HU et al: Curr Med Res Opin 2005; 21(4): 619-630
2
Chapman RH et al: BMC Cardiovasc Disord 2010; 10: 29
3
Sever P et al: Eur Heart J 2006; 27(24): 2982-2988
4
Messerli FH et al: J Clin Hypertens 2006; 8: 571-581
5
Zamorano J et al: Curr Med Res Opin 2011; 27: 821-833
Bericht: Reno Barth
15 DAM
FOKUS: Bewegungsapparat
Konservative Behandlung der
Arthrose des oberen Sprunggelenks
Es ist wenig Literatur über die konservative Behandlung der
OSG-Arthrose verfügbar. Zur konservativen Therapie der
Gonarthrose oder der rheumatoiden Arthritis existieren dagegen
deutlich mehr Studien. Vielfach müssen deshalb Ergebnisse aus
diesen Studien auf das Sprunggelenk übertragen werden.
I
n 50–70% der Fälle ist die OSG-Arthrose posttraumatisch
bedingt. Dies führt zu einem Patientenkollektiv mit einem
großen Anteil an jungen und aktiven Patienten. Die OSGArthrodese führt im Langzeitverlauf zu Anschlussgelenksarthrosen. Die OSG-Totalprothese soll diese verhindern, hat
jedoch den Nachteil einer geringeren Standzeit im Vergleich
zur Hüft- oder Knieendoprothetik. Aus diesen Gründen
haben in den letzten Jahren die gelenkserhaltenden Umstellungsosteotomien zunehmend Bedeutung erlangt. Diese können jedoch nur bei asymmetrischen, also medial oder lateral
betonten Arthrosen angewandt werden. Die Indikationen für
eine konservative Therapie der Sprunggelenksarthrose (Abb.
1) beinhalten folgende Überlegungen:
• Üblicherweise wird vor einer operativen Intervention bei
älteren Patienten zunächst ein konservativer Therapieversuch über mindestens 6 Monate durchgeführt.
• Bei jüngeren Patienten erfolgt die konservative Therapie
mit dem Ziel, eine OSG-Arthrodese oder -Prothese hinauszuzögern. Wichtig ist dabei, dass Patienten, welche sich für
eine gelenkserhaltende Operation qualifizieren, identifiziert
T. Schmid, Bern
werden, da das Ergebnis nach Umstellungsosteotomien mit
dem präoperativen Arthrosegrad korreliert und dementsprechend eine lang andauernde konservative Therapie mit
Fortschreiten der Arthrose den Erfolg einer solchen Operation gefährdet.
• Kontraindikationen sind schwere Vaskulopathie und Neuropathie, persistierende lokale Infektionen, instabiler
Weichteilmantel, aktive Charcot-Arthropathie oder systemische Kontraindikationen.
Knorpelpräparate/Viskosupplementation
Peroral eingenommene Glukosamine sollen als Substrat für
die Produktion von Chondroitinsulfat der extrazellularen
Knorpelmatrix dienen. Daneben sollen sie die Hyaluronsäureproduktion der Synovia stimulieren, ein Effekt, welcher
auch dem Chondroitinsulfat zugesprochen wird. Zwar zeigen
einzelne Studien einen positiven Effekt bei leicht bis mittelgradig ausgeprägter Gonarthrose. Ein Cochrane-Review über
20 Studien mit insgesamt 2.570 Patienten widerlegt diesen
OSG-Arthrose
Junger/aktiver Patient
Gelenkserhalt möglich
?
Alter/inaktiver Patient
Kontraindikation gegen
Operation
Gelenkserhalt möglich
?
Kontraindikation gegen
Operation
Ja
Nein
Ja
Nein
Korrekturosteotomie
(möglichst bald)
Konservative Therapie,
um Zeit zu gewinnen
Konservative Therapie
vs.
Korrekturosteotomie oder
Arthrodese/OSG-TP
Konservative Therapie
vs.
Arthrodese/OSG-TP
Konservative Therapie
Konservative Therapie
Abb. 1: Behandlungsalgorithmus der Sprunggelenksarthrose
DAM 16
Ausgabe 5/14
FOKUS: Bewegungsapparat
Effekt jedoch und kommt zum Schluss, dass sowohl Glukosamine als auch Chondroitinsulfat keinen positiven Einfluss
auf die Symptomatik bei Gonarthrose haben. Ähnlich stellt
sich die Situation bezüglich der intraartikularen Viskosupplementation mittels Hyaluronsäure dar. Diese soll antiinflammatorisch, anabol und analgetisch wirken. Gemäß einer
Metaanalyse, die 89 Studien mit 12.667 Patienten mit Gon­
arthrose umfasst, ist der positive Effekt jedoch irrelevant,
bei gleichzeitig erhöhtem Risiko für Komplikationen. Bezüglich des Einsatzes bei der Sprunggelenksarthrose zeigen
einzelne Injektionen keinen Effekt. Wiederholte Injektionen
im 3- oder 5-Wochen-Rhythmus scheinen einen positiven
Effekt zu haben. Eine neuere Untersuchung verglich wiederholte Injektionen im 3-Wochen-Rhythmus mit einer 6-wöchigen Physiotherapie. Nach 12 Monaten zeigte sich dabei
jedoch kein Unterschied beider Gruppen.
Steroidinfiltrationen
Im Rahmen der Gonarthrosetherapie zeigt sich ein Vorteil
von Steroidinfiltrationen gegenüber NSAR bezüglich Wirkstärke und Dauer, mit einer Besserung der Beschwerden über
4–6 Monate. Die wenigen Daten bezüglich des Einsatzes bei
der Sprunggelenksarthrose zeigen hier eine kürzere Wirkdauer – die Wirkung hält selten länger als 8 Wochen an. Dies
entspricht auch unseren Erfahrungen. Ein Vorteil ist der
zusätzliche diagnostische Effekt. Führt eine intraartikuläre
Infiltration zu einer deutlichen Beschwerdebesserung, so
kann davon ausgegangen werden, dass die Sprunggelenksarthrose die führende Ursache der Schmerzen ist. Wiederholte Steroidinfiltrationen scheinen keinen negativen Effekt
auf den Knorpel aufzuweisen. Aufgrund ihrer katabolen
Wirkung können sie jedoch Schaden am Weichteilmantel
verursachen, vor allem bei inkorrekter Technik. Zur sicheren
intraartikulären Applikation führen wir die OSG-Infiltration
deshalb unter Durchleuchtungskontrolle durch.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
NSAR helfen die Schmerzen im akuten Entzündungsschub
zu limitieren. Die Wirksamkeit ist dabei interindividuell sehr
unterschiedlich. Auch wenn es keine Literatur gibt, die spezifisch den Effekt auf die Sprunggelenksarthrose zeigt, haben
mehrere Level-1-Studien den positiven Wert von NSAR im
Rahmen der Arthrosetherapie nachgewiesen. Aufgrund der
Nebenwirkungen ist jedoch bei der Langzeitanwendung
Vorsicht geboten. Zudem zeigt sich im Verlauf der Behandlung meist ein Nachlassen der Wirksamkeit.
Platelet-rich Plasma (PRP)
Die Anwendung von PRP hat in den letzten Jahren eine
weite Verbreitung gefunden. Es wurde zur Beschleunigung
der Knochenheilung, Prävention und Behandlung von Infektionen, zur Behandlung von akuten oder chronischen Bandoder Sehnenverletzungen und auch zur Schmerzbehandlung
bei Arthrose eingesetzt. Im Gegensatz zur Hyaluronsäure
scheint PRP intraartikulär die Schmerzen und die Beweglichkeit des Kniegelenks positiv zu beeinflussen. Bezüglich
des Sprunggelenks gibt es hierzu bislang keine Literatur.
5/14 Ausgabe
Physiotherapie
Die Physiotherapie umfasst Muskelaufbau, Gelenksmobilisation, Gangschulung und lokale antientzündliche Maßnahmen. Sie kommt vor allem bei noch moderat ausgeprägter
Arthrose zum Einsatz. Hier sollen die Beweglichkeit sowie
die Kraft noch erhalten werden. Eine prospektiv randomisierte Studie konnte zeigen, dass ein moderates Physiotherapieprogramm zu einer Zunahme des Glukosamingehalts im
Knorpel (nachgewiesen mittels dGEMRIC-MRI-Sequenzen)
bei gleichzeitiger Verbesserung der Funktion und Verringerung der Schmerzen bei Kniearthrosepatienten führt. Die
Physiotherapie scheint somit auch als präventive Maßnahme
bei Patienten mit Arthroserisikofaktoren sinnvoll zu sein.
Aufgrund des progredienten Verlaufs der OSG-Arthrose führt
diese häufig zu relevanten Einschränkungen im Alltag sowie
im Arbeitsleben. Der Physiotherapeut kann hierbei einerseits
eine Gangschulung durchführen und andererseits bei der
Auswahl von geeigneten Orthesen behilflich sein. Lokale
Maßnahmen wie die Applikation von Wärme (Hot Packs,
Infrarotlichtbestrahlung, Ultraschall, Fangobäder etc.) oder
Kälte (Cold Packs, Eis) sind für den Patienten oft angenehm
und führen zu einer kurzfristigen Verbesserung der OSGBeweglichkeit sowie einem Lösen von Muskelspasmen. Ein
Langzeiteffekt konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen
werden. In Studien zeigte sich die Wärme/Kälte-Applikation
sinnvoll als flankierende Maßnahme, die alleinige Anwendung erwies sich jedoch als wenig wirksam. Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) werden Muskeln mittels Stromstößen aktiviert. Hierdurch wird einerseits
die Muskelkraft verbessert, hochfrequente und niederenergetische Stromimpulse sollen zudem über eine Aktivierung
von Schmerzfasern direkt die Schmerzempfindung beeinflussen. In verschiedenen randomisiert kontrollierten Studien
(RCT) zeigten sich jedoch keine konklusiven Ergebnisse. Bei
der Lasertherapie werden über fotochemische Reaktionen in
der Zelle die Schmerzen reduziert und somit die Funktion
verbessert. In drei RCT konnte durch eine Lasertherapie eine
signifikante Verbesserung der Gelenksbeweglichkeit erzielt
werden. Zwei weitere RCT zeigten eine mäßige Evidenz in
Bezug auf die Verbesserung der Beweglichkeit.
Orthesen/Schuhanpassung
Orthesen und Schuhanpassungen folgen verschiedenen biomechanischen Prinzipien: Es erfolgen eine Einschränkung der
schmerzhaften Gelenksbewegungen bei fortgeschrittener Arthrose sowie die äußere Schienung bei Rückfußinstabilität.
Eine Abrollrampe sorgt für zusätzliche Entlastung, indem sie
die sagittale Bewegung vom Sprunggelenk auf die Schuhsohle überträgt. Eine weiche Fersenbettung trägt zur Schockabsorption bei. Bei asymmetrischer Arthrose kann eine Entlastung des schwerer betroffenen Gelenksanteils durch
varisierende oder valgisierende Einlagen erzielt werden.
Diese können auch benutzt werden, um den Effekt einer
Korrekturosteotomie zu simulieren. Es konnte nachgewiesen
werden, dass Orthesen und Schuhanpassungen nach 3 Monaten zu einer signifikanten Schmerzreduktion, einer Vergrößerung der Schrittlänge und einer Reduktion des Energieaufwands beim Gehen führen. Maßangepasste Orthesen sind
17 DAM
FOKUS: Bewegungsapparat
einerseits teuer, andererseits ist oftmals
schwer abschätzbar, ob der Patient tatsächlich von dieser Behandlung profitiert. Aus
diesem Grund ist es sinnvoll, zunächst eine
deutlich billigere vorgefertigte Orthese zu
testen. Diese kann allenfalls modifiziert
werden, indem sie ausgeschnitten oder mit
Schaumstoffeinlagen versorgt wird. Sollte
sich eine Linderung der Beschwerden ergeben, kann eine maßangepasste Orthese
gefertigt werden. Um zu gewährleisten,
dass die Orthese auch tatsächlich getragen
wird, ist entscheidend, dass sie möglichst
wenig aufträgt, in normalem Schuhwerk
getragen werden kann und einfach anzulegen ist. Während es keine klinischen
Vergleichstests der einzelnen Orthesenmodelle gibt, haben biomechanische Studien
deren Effekt auf die Vor- und Rückfußmobilität untersucht. Abrollrampen haben
dabei zu einer Abnahme der OSG-Bewegung geführt und den Abrollmechanismus
während der Standphase unterstützt. In
einem Vergleich von drei verschiedenen
Schienendesigns (maßangepasste AFO =
Ankle-Foot Orthosis, rigide Rückfußorthese, Rückfußorthese mit Gelenk) wurde der
Einfluss auf die Vor- und Rückfußbeweglichkeit untersucht. Während die Rückfußorthese mit Gelenk keinerlei Einfluss zeigte, konnten die rigide Rückfußorthese und
die maßangepasste AFO (Abb. 2) die
OSG-Beweglichkeit reduzieren, wobei
Letztere noch eine Vorfußbeweglichkeit
zuließ. In unserer täglichen Praxis verwenden wir für wenig ausgeprägte Arthrosen
orthopädische Serienschuhe mit Einlagen
(Abb. 3), welche bei Vorliegen einer asymmetrischen Arthrose varisierend oder valgisierend (Abb. 4) sind. Bei fortgeschrittener Arthrose verschreiben wir einen hohen
Stabilschuh mit Fersenpuffer und Abrollrampe (Abb. 5). Maßangepasste Orthesen
oder orthopädische Maßschuhe lassen wir
nur bei ausgeprägter Deformität anpassen.
Zusammenfassung
Primäres Ziel der konservativen Therapie
der OSG-Arthrose ist die Schmerzreduktion. Bei wenig ausgeprägter Arthrose
kann dies durch Entlastung des schwerer
betroffenen Gelenksanteils erreicht werden. In dieser Situation sind der Erhalt
oder die Verbesserung der Sprunggelenksbeweglichkeit erwünscht und können
mittels Physiotherapie unterstützt werAbb. 2: Ankle-Foot-Orthese (AFO) zur Stabiden. Im Gegensatz dazu können im Fall
lisierung bei fortgeschrittener Arthrose
einer fortgeschrittenen Arthrose bereits
kleine Bewegungen Schmerzen verursachen. Hier ist das Ziel, diese Bewegungen
durch Orthesen und Schuhanpassung zu
reduzieren. Aber auch bei noch gering
ausgeprägter Arthrose kann eine
schmerzhafte Rückfußinstabilität eine
externe Schienung notwendig machen.
Die Indikationsstellung zur operativen
Intervention und zum Beenden der konservativen Therapie hängt vorwiegend ab
Abb. 3: Xelero-Serienschuh mit Abrollrampe
vom Alter des Patienten, von der Möglichkeit eines gelenkserhaltenden Eingriffs und von den Kontraindikationen
für Korrekturosteotomien, Arthrodese
oder Totalprothese. Daneben haben das
Ausmaß des exponierten subchondralen
Knochens sowie die Arthroseprogredienz
einen Einfluss. Viel freiliegender subchondraler Knochen und eine rasche
Abb. 4: Valgisierende Einlage mit lateralem
Entwicklung einer Arthrose, z.B. nach
Schaumstoffkeil
einem Trauma, zeigen erfahrungsgemäß
ein schlechteres Ansprechen auf eine
konservative Therapie. Eine Kombination
aus verschiedenen konservativen Methoden scheint besser zu wirken als eine
isolierte Behandlungsmethode. In unserer
Klinik verwenden wir die Kombination
von NSAR, Schuhanpassung/Orthesen
und Physiotherapie mit gutem Erfolg.
Gelegentlich führen wir zusätzlich Steroidinfiltrationen durch, weniger, um einen
akuten Entzündungsschub zu unterdrüAbb. 5: Künzli-Stabilschuh mit Abrollrampe
und Fersenpuffer
cken, sondern vor allem als diagnostiÜbergewicht
sches Mittel. Aufgrund der Datenlage,
welche aktuell keinen klar nachweisbaren Vorteil bezüglich
Übergewicht erhöht das Risiko für das Vorliegen einer Arth- der peroralen Knorpelpräparate, der intraartikularen Viskorose an Fuß- oder Sprunggelenk. Auch wenn es keine eindeu- supplementation oder der PRP-Infiltrationen zeigen, wenden
tigen Beweise für einen Zusammenhang von veränderter wir diese Behandlungen nicht an.
n
Biomechanik und Schäden am Bewegungsapparat mit Übergewicht gibt, so erscheint es doch in Anbetracht der multi- Literatur beim Erstautor
faktoriellen Genese der Arthrose wahrscheinlich, dass ÜberAutoren: Timo Schmid, Fabian Krause
gewicht zumindest zu einer Potenzierung von anderen
Risikofaktoren (wie z.B. Fehlstellungen) führt. Bei Patienten
Korrespondierender Autor:
mit Kniegelenksarthrose kann eine Schmerz­­reduktion durch
OA Timo Schmid
Gewichtsabnahme erreicht werden. MRI-Studien konnten
Klinik für Orthopädische Chirurgie
sogar nachweisen, dass es zu einer qualitativen und quantiInselspital, Universität Bern
E-Mail: [email protected]
tativen Verbesserung der Knorpelverhältnisse kommt.
DAM 18
Ausgabe 5/14
FOKUS: Bewegungsapparat
Kytta® Salbe
Die wirksame Schmerzsalbe mit Beinwell
Visite – eine Stunde nach der ersten Behandlung – war die
Schmerzintensität bereits um 33% reduziert (Vergleich:
nur –12% in der Placebogruppe).
Predel et al konnten zeigen, dass mit Verwendung der
Kytta® Salbe die Schmerzen einer Knöchelverstauchung
innerhalb von 7 Tagen um bis zu 81% gesenkt werden
können.1 An der randomisierten kontrollierten Studie
nahmen 164 Patienten teil. Eine Woche lang wurde die
verletzte Stelle (Verstauchung oder Zerrung) täglich entweder mit Kytta® Salbe oder einer synthetischen Schmerzsalbe mit dem Wirkstoff Diclofenac behandelt. n
Literatur:
1
Predel H-G et al: Phytomedicine 2005;
12: 707-14
2
Giannetti BM et al: Br J Sports Med 2010;
44: 637-41
KY-14/03-CH-20-D
Für die Kytta® Salbe sind rasche und starke Wirksamkeit
klinisch bestätigt. In den letzten Jahren wurde eine ganze
Reihe methodisch wertvoller Studien durchgeführt und
publiziert. Diese zeigen ein beachtliches Wirkpotenzial im
Vergleich zu Placebo2 und eine Gleichwertigkeit in der
Wirksamkeit gegenüber dem synthetischen Referenzwirkstoff Diclofenac.1
Auch bei Rückenschmerzen leistet die Kytta® Salbe nachweislich gute Dienste: In einer placebokontrollierten
doppelblinden Studie an Patienten mit akutem Rückenschmerz (n=120) konnte die Schmerzsalbe die Beschwerden bei Bewegung innerhalb von fünf Tagen um bis zu
95% senken (Vergleich: nur –38% in der Placebo­gruppe).2
Auch ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung eines
Arzneimittels: die rasche Wirksamkeit. Die Wirkung der
Kytta® Salbe setzt innerhalb 1einer
Stunde16:36
ein. Bei der
kytta-fachanz-219x155-0413-print.pdf
09.04.13
Die stark wirksame Schmerzsalbe1
Wirksamkeit klinisch bestätigt:
Schmerzreduktion nach 1 Stunde
90%
33 % weniger Rückenschmerzen nach 1 Stunde2
95 % weniger Rückenschmerzen nach 5 Tagen2
15 % weniger Druckschmerz als bei der
Behandlung mit Diclofenac3
78 % der Ärzte dokumentieren eine
ausgezeichnete oder gute Wirksamkeit3
88 %
85%
–33%
80%
VAS (SUM)
75%
70%
67%
65%
60%
55%
50%
Placebo
Kytta Salbe®
Bewiesene klinisch relevante Reduktion
der Rückenschmerzen nach 1 Stunde²
Wirkt rasch und sicher gegen den Schmerz1
1. Gianetti B.M., et al. Efficacy and safety of comfrey root extract ointment in the treatment of acute upper or lower back pain: results of a double blind, randomised, placebo controlled, multicentre trial. British
Journal of Sports Medicine 2010; 44: 637-641 2. Fallenstein Ch., Staiger Ch. Beinwell in der Therapie akuter Rückenschmerzen. Zeitschrift für Phytotherapie 2011; 32: 107–111 3. Predel H.-G., et al. Efficacy of a
Comfrey root extract ointment in comparison to a Diclofenac gel in the treatment of ankle distortions: Results of an observer-blind, randomized, multicenter study. Phytomedicine 2005; 12: 707–14
KY-12/11-CH-1-D
Fachkurzinformation zu Bericht siehe Seite 37
Promotion
Die Kytta® Salbe basiert auf der Beinwellwurzel, einem Phytoarzneimittel mit langer Anwendungserfahrung. Sie ist entzündungshemmend und schmerzlindernd und damit in einer ganzen Reihe
von Indika­tionsgebieten einsetzbar; sie lindert Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen ebenso
wie Be­schwerden bei Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen.
FOKUS: Ernährung & Adipositas
Nahrungsergänzungsmittel
Wirkungen und
Wechselwirkungen
Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) kann in
bestimmten Lebensphasen durchaus sinnvoll sein, jedoch sind
mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln zu bedenken. Für
manche NEM gibt es keinen Wirkungsnachweis – die Einnahme
kann mitunter sogar bedenklich sein.
Definition
NEM sind Lebensmittel, die dazu bestimmt sind, die
normale Ernährung zu ergänzen. Sie werden in dosierter
Form in Verkehr gebracht, d.h. in Form von Kapseln,
Pastillen, Tabletten, Pillen oder anderen ähnlichen Darreichungsformen (Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz). Die Hersteller von NEM müssen ihre
Präparate bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) registrieren lassen.
Studien über die Wirkung oder mögliche Nebenwirkungen
sind nicht erforderlich. Die Kennzeichnung und Aufmachung von NEM sowie die Werbung dafür dürfen keinen
Hinweis enthalten, mit dem behauptet oder der Eindruck
erweckt wird, dass bei einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung die Zufuhr angemessener Nährstoffmengen nicht möglich ist bzw. sie der Verhütung,
Behandlung oder Heilung einer Humanerkrankung dienen
(Kennzeichnung: „Dies ist kein Arzneimittel“). Ein Warnhinweis, dass die angegebene empfohlene Tagesdosis nicht
überschritten werden darf, muss angeführt werden.
EU-Richtlinie
Laut Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 10. Juni 2002 ist der Einsatz von 13
Vitaminen und 17 Mineralstoffen, Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung sowie
Pflanzen und Pflanzenteilen erlaubt (Tab. 1).
Österreichischer Ernährungsbericht
Dem Österreichischen Ernährungsbericht zufolge ist bei
den meisten Vitaminen und Mineralstoffen die Zufuhr
über die Nahrung ausreichend und deshalb für die gesunde Durchschnittsbevölkerung der Verzehr von NEM aus
DAM 20
R. Lemmens-Gruber,
Wien
ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht notwendig. Bei
bestimmten Personengruppen kann es aber zur Unterversorgung kommen. Zu den Risikonährstoffen zählen:
• Vitamin D
• Folsäure
• Vitamin A (grenzwertig bei älteren Personen)
• Vitamin C (grenzwertig bei älteren Personen)
• Kalzium
• Jod
• Selen
• Eisen (für Schulkinder und Frauen im gebärfähigen
Alter)
•M
agnesium (grenzwertig bei männlichen Erwachsenen
und älteren Menschen)
• Zink (grenzwertig bei älteren Personen)
Bei den Risikonährstoffen Vitamin D, Selen, Kalzium und
Zink liegen zwar erniedrigte Statuswerte vor, es besteht
aber keine Unterversorgung. Bei Folsäure liegt eine weitaus bessere Langzeitversorgung vor als bisher vermutet
(Österreichischer Ernährungsbericht 2012).
Vitamine, Mineralstoffe und Krebs:
Gibt es einen Zusammenhang?
Die Aufnahme von Antioxidanzien über die Nahrung ist
– außer in Entwicklungsländern – ausreichend. Da oxidativer Stress mit einer Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang steht, wird allgemein angenommen, dass
Supplemente mit antioxidativer Wirkung vor Krankheit
und Tod schützen können und – falls sie nichts nützen –
zumindest harmlos sind. Jedoch erachten verschiedene
Expertenkomitees und Organisationen die Annahme,
antioxidativ wirkende Supplemente könnten vor Krebs
schützen, als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Es gibt Berichte (Metaanalyse 53 randomisierter Studien,
Ausgabe 5/14
FOKUS: Ernährung & Adipositas
241.883 Teilnehmer), dass bei Einnahme hoher Dosen Wirkungsverstärkung die Schwere und Häufigkeit von
(über RDA [recommended daily allowance]) von Betaca- Nebenwirkungen zunehmen, andererseits kann es aber
rotin, Vitamin A und E die Mortalität ansteigt. In der auch zu einer verminderten Wirkung bestimmter ChemoATBC-Studie (Alpha-Tocopherol Beta-Carotene Cancer therapeutika kommen. Ein Beispiel wäre Vitamin K, das
Prevention Study) konnte das für männliche Raucher, die zur Wirkungsabschwächung von oralen Antikoagulanzien
Betacarotin-Supplemente einnahmen, gezeigt werden. Als vom Kumarin-Typ führen kann, wodurch die Gefahr für
mögliche Erklärung dafür wird eine Induktion der Cyto- thromboembolische Komplikationen steigt. Kalzium- und
chrom-P450-Enzyme angegeben. Abgesehen von den eisenhaltige Supplemente können zu einer Beeinträchtibekannten unerwünschten Wirkungen, die bei Überdo- gung der Resorption von Arzneistoffen führen (Tab. 2).
sierung fettlöslicher Vitamine auftreten können, gibt es Die Wechselwirkung von kalzium- und eisenhaltigen
auch Berichte darüber, dass das Risiko für Pankreaskar- Supplementen mit Tetrazyklinen und L-Thyroxin kann
zinome durch zu niedrige wie auch zu hohe Vitamin-D- leicht vermieden werden, indem ein mindestens 2-stündiSpiegel erhöht sein könnte. Da offenbar ein erhöhtes ger Abstand zwischen der Medikamenteneinnahme und
Risiko für bestimmte Krebserkrankungen bei niedrigem der Kalzium- bzw. Eisenaufnahme eingehalten wird.
Vitamin-D-Spiegel besteht, wurde angenommen, dass das
Risiko durch Vitamin-D-Supplementation gesenkt werden Stoffe mit ernährungsspezifischer oder
könnte. In der Folge wurde in manchen Studien aber auch physiologischer Wirkung
bei hohen Vitamin-D-Spiegeln ein erhöhtes Risiko für
Pankreaskarzinome gefunden. Die zum Teil widersprüch- Kieselerdepräparate
lichen Ergebnisse der Studien könnten dadurch bedingt Aufgrund von Überlieferungen und langjährigen Erfahsein, dass Polymorphismen in Genen, die in der Vitamin- rungen werden Kieselerdepräparate traditionell angewenD-Wirkung involviert sind, in diesem Zusammenhang det zur Vorbeugung von brüchigen Fingernägeln und
eine wichtige Rolle spielen. Ähnliches wurde von be- Haaren sowie zur Kräftigung des Bindegewebes. Kieselerstimmten Mineralstoffen und Mineralstoff-/Vitamin-Prä- de besteht hauptsächlich aus Kieselsäure bzw. Quarz oder
paraten berichtet. So wurde in der SELECT-Studie (Sele- Cris­tobalit (kristalline Formen von Si­liziumdioxid, SiO2).
nium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) ein In der Natur kommt Kieselerde als Bestandteil der Zellerhöhtes Risiko für Prostatakrebs gefunden. Nur in einer wände zahlreicher Pflanzen (Zwiebel, Kartoffel, Getreide,
Studie aus China wurde eine Reduktion der Mortalitäts- Wurzelgemüse) vor. Die in NEM eingesetzte Kieselerde
rate beobachtet. Allerdings wurde diese Studie in einem wird vor allem aus Kieselschalen abgestorbener Algen
Gebiet mit mangelnder Selen- und
Vitamin-E-Versorgung der BevölkeStoffe mit ernährungsspezifischer
Pflanzen und
Vitamine
Mineralstoffe
rung durchgeführt, wodurch der pooder physiologischer Wirkung
Pflanzenteile
sitive Effekt erklärbar wäre, denn bei
Vitamin A
Kalzium
Kieselerde
Knoblauchpulver
längerer Anwendung kehrte sich dieVitamin D
Magnesium
Omega-3-Fettsäuren
Bärlauchkraut
ser positive Effekt um. BemerkensVitamin E
Eisen
Alpha-Liponsäure
Aloe
wert ist die u-förmige Beziehung
zwischen Selen-Status und MortaliVitamin K
Kupfer
Bierhefe
Rooibostee
tätsrisiko. Während sich eine SuppleVitamin B1
Natrium
Lakto-Lykopen
Grüner Hafer
mentation bei Personen mit SelenVitamin B2
Kalium
Glukosamin und Chondroitin
Basilikumkraut
Unterversorgung präventiv auf die
Niacin
Zink
Soja-Isoflavone
Kümmel
Entstehung von Krebserkrankungen
auswirkt, wird das Risiko bei adPantothensäure
Mangan
Polyphenole, Bioflavonoide
Zitronenschale
äquatem oder hohem Selen-Status
Vitamin B6
Selen
Indol-3-Carbinol
Safran
erhöht. Insbesondere steigt dabei
Folsäure
Chrom (III)
Curcumin
Kürbissamen
auch das Risiko für Diabetes mellitus
Vitamin B12
Molybdän (VI)
Biopterin
Erdbeerblätter
Typ 2. Dabei dürften auch Polymorphismen bei Selenoproteinen (z.B.
Biotin
Fluor
Ubichinon-10 (Q-10)
Fucus (Tang)
Glutathionperoxidase), die einen
Vitamin C
Jod
Hyaluronsäure
Petersilienwurzel
Einfluss auf den Selen-Status und das
Phosphor
Kollagen
Thymian
Erkrankungsrisiko haben, eine Rolle
Chlor
L-Carnitin
Ginseng
spielen.
Vitamine, Mineralstoffe
und Wechselwirkungen mit
Arzneistoffen
Bor
Karnitin
Silizium
Taurin
Ginkgo
Kreatin
„Aminopeptide“
Beim Versuch, die Wirksamkeit einer
Chemotherapie durch Einnahme von
Vitaminen und Mineralstoffen zu unterstützen, können einerseits durch
5/14 Ausgabe
Glutamin
Phytosterole
Tab. 1: Überblick über Inhaltsstoffe in NEM
21 DAM
FOKUS: Ernährung & Adipositas
Vitamin/Mineralstoff
Wirkungsverstärkung
Wirkungsabschwächung
Vitamin A
Cisplatin, Cyclophosphamid,
Etoposid, Melphalan, Vincristin
Doxorubicin, 5-Fluorouracil
Vitamin C und Vitamin E
Cisplatin, Cyclophosphamid,
Vincristin, 5-Fluorouracil
Doxorubicin
Vitamin K
Phenprocoumon, Acenocoumarol
Kalzium
Tetracyclin, Doxycyclin,
Minocyclin, Tigecyclin,
L-Thyroxin (verminderte
Resorption)
Eisen
L-Thyroxin
(verminderte Resorption)
Selen
Cisplatin, Doxorubicin,
Etoposid, Irinotecan, 5-Fluorouracil, Oxaliplatin, Paclitaxel
Tab. 2: Interaktionen von Vitaminen und Mineralstoffen mit Arzneistoffen
gewonnen, weshalb die Möglichkeit allergischer Reaktionen zu bedenken ist. In der Lebensmitteltechnologie wird
Kieselerde als Trägerstoff von Emulgatoren, Farbstoffen
und Aromen verwendet sowie um das Verklumpen von
Lebensmitteln zu verhindern und somit pulvrige Produkte rieselfähig zu machen. Die Sinnhaftigkeit der Einnahme
von Kieselerdepräparaten ist zu hinterfragen, da nicht
geklärt ist, ob Silizium für den Menschen essenziell ist und
ob es über die Nahrung ohnehin aufgenommen wird (s.o.)
oder ob nicht der menschliche Organismus SiO2 weder
aufnehmen noch verwerten kann, sondern unverändert
ausscheidet. Es gibt keine wissenschaftlich belegte therapeutische Wirkung. Allerdings wird im „arznei-telegramm“ davor gewarnt, dass Kieselerde bei langdauernder
Anwendung die Niere schädigen könnte.
lichkeit wurde nicht gesenkt. Epidemiologische Studien
lieferten ebenfalls widersprüchliche Ergebnisse, was die
präventive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei Krebs
betrifft.
Glukosamin und Chondroitin
Glukosamin und Chondroitin sind Proteoglykane, die die
Grundsubstanz des Knorpels bilden. Erste Studien brachten vielversprechende Ergebnisse. In der GAIT(Glu­co­
samine/Chondroitin Arthritis Intervention Trial)-Studie
mit 1.600 Teilnehmern, die an Arthrose, Schmerz und
eingeschränkter Gelenkfunktion litten, war allerdings bei
Einnahme von Glukosamin allein oder in Kombination
mit Chondroitin kein Vorteil gegenüber Placebo zu erkennen. Nur in der Untergruppe von Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen trat eine leichte Verbesserung der Symptome auf. Da diese Stoffe in NEM in
geringerer Dosierung enthalten sind, ist keine Wirkung
zu erwarten.
Omega-3-Fettsäuren
Alpha-Linolensäure, Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure sind essenzielle Fettsäuren, die natürlich in
Pflanzenölen und Fisch vorkommen. Ihre Aufnahme über
die Nahrung hat eindeutig eine präventive Wirkung gegen Polyphenole, Flavonoide
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und Polyphenole sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe (z.B.
Depressionen. Für die Supplementierung werden aller- Blütenfarbstoffe, Geschmacksstoffe). Sie werden in NEM
dings widersprüchliche Ergebnisse
publiziert. So zeigte eine MetaanalyNatürliches
se von Studien mit insgesamt 68.680
Flavonoid
Wirkung
Vorkommen
Patienten kein verringertes Risiko für
Chrysin
Passionsblume,
o Aromatasehemmer (evtl. Anstieg des Testosteronspiegels)
kardiovaskuläre Erkrankungen durch
Propolis
o Hemmung von CYP1A2 (klinische Relevanz fraglich)
Einnahme von Omega-3-Fettsäuren,
o anxiolytisch (Tierversuch)
wohingegen eine weitere Metaanalyo geringe Bioverfügbarkeit durch Zusatz von Piperin
se von Studien mit insgesamt 15.348
(in schwarzem Pfeffer enthalten) verbessert
Patienten Hinweise auf eine protekEllagsäure
Walnüsse,
o in vitro antikanzerogen
tive Wirkung in Hinblick auf plötzGranatapfel,
lichen Herztod und Myokardinfarkt
Beeren (u.a. Goji),
Rotwein (Eichenholz)
bei jenen Patienten fand, die eine
Vorgeschichte mit kardiovaskulären
Catechin
Grüntee(-Extrakt)
o in Tees auch Koffein enthalten
Erkrankungen aufwiesen und Omeu.a. Teesorten,
o antioxidativ
ga-3-Fettsäuren in hohen Dosen eindiverse Obstsorten
nahmen. Diese protektive Wirkung
Naringin
Grapefruit
o starker Enzymhemmer (CYP3A4, CYP1A2, CYP2A6)
konnte jedoch nicht für das Auftreo prooxidativ
ten eines Schlaganfalls nachgewiesen
werden und auch die Gesamtsterb- Tab. 3: Spezielle Wirkungen einiger häufig in NEM enthaltener Flavonoide
DAM 22
Ausgabe 5/14
FOKUS: Ernährung & Adipositas
oft namentlich angeführt, wie Hesperidin, sind aber auch enthalten,
wenn als Inhaltsstoffe z.B. Pinienrinde, Traubenkern-, Grüntee-, Goji-,
Seetang- oder Granatapfel-Extrakt
angegeben sind. Polyphenole besitzen
eine Reihe von Wirkungen. Sie sind
Radikalfänger und wirken antioxidativ, antiviral, antibakteriell, antikarzinogen, antiinflammatorisch,
antiangiogen sowie antiöstrogen
oder auch östrogen. Unterschiede
zwischen In-vitro- und In-vivo-Ergebnissen sind hauptsächlich auf die
Pharmakokinetik dieser Stoffe zurückzuführen. Die geringe Bioverfügbarkeit ist bedingt durch rasche Metabolisierung im Darm, schlechte
Resorption und rasche Elimination.
Epidemiologische Studien zeigen bei
Konsum Flavonoid-reicher Nahrung
eine Reduktion des Risikos für
Krebserkrankungen, Herz-KreislaufErkrankungen und Osteoporose.
Nicht bewiesen ist allerdings, ob
durch Einnahme von Supplementen
gleiche Effekte zu erzielen sind.
NEM
Vorkommen/Aufnahme
Wirkung
Besonderheiten/
Anmerkungen
Biopterin
im Körper synthetisiert
Redox-Kofaktor
Kurkumin
gelber Lebens­mittelfarbstoff (E100)
Gelbwurz
Bestandteil von Curry
antikanzerogen
und chemoprotektiv
wird schlecht resorbiert,
daher als KurkuminPhospholipid-Komplex
eingesetzt →
Bioverfügbarkeit verbessert
Ubichinon-10
(Q-10, Koenzym
Q10)
z.T. über die Nahrung
aufgenommen,
z.T. im Körper produziert
Koenzym bei
oxidativer
Phosphorylierung
Wechselwirkung mit
Chemotherapeutika
(Tab. 5)
Indol-3-Karbinol
Kohlgemüse
in vitro und in
Tierversuchen
antikanzerogen
keine epidemiologischen
Studien
Phytosterole
(β-Sitosterin)
Zellwand von Pflanzen
kompetitive Hemmung
der Cholesterin­aufnahme im Darm
Vorsicht bei Phytosterin­
ämie (selten, rezessiv
vererbte Störung)
Karnosin
Fleisch
antioxidativ,
Radikalfänger u.v.m.
Beworbene Wirkungen
sind nicht ausreichend
belegt
Kollagen
für NEM meist aus
Schweinehaut
gewonnen
Peptide des oral
eingenommenen
hydrolysierten Kollagens
aktivieren Fibroblasten
Laut EFSA reichen die
vorliegenden Daten nicht
aus, um einen positiven
Effekt zu beweisen
Bierhefe
(Saccharomyces
cerevisiae)
Zusammensetzung
(Vitamine A, D, E, K,
B1, B2, B6, B12, Folsäure,
Niacin, Pantothen, Kalium,
Magnesium, Schwefel,
Zink, Eisen, Peptide)
kann variieren
keine unerwünschten
Wirkungen bekannt
Isoflavone
Die Isoflavone Genistein und Daidzein sind in der Sojabohne, Sojapro(Lakto-)Lykopen
Tomaten,
Antioxidans und
Resorption aus Nahrungsdukten und Rotklee enthalten. Sie
(Lykopin)
Wassermelonen,
Radikalfänger
mitteln wird mit Fett
Grapefruit, Marillen,
verbessert; Lakto-Lykopen
sind Phytoöstrogene und werden oft
Lebensmittelfarbstoff
ist Lykopen in Milchprozur Linderung menopausaler Be(E 160d)
tein gekapselt, dadurch
schwerden eingesetzt. Ihre Wirkung
bessere Resorption
variiert je nach endogenem Östroα-Liponsäure
endogen synthetisiert;
Koenzym
als Arzneistoff bei
genspiegel. Bei präpubertären und
(Thioctsäure)
Brokkoli, Spinat
mitochondrialer
diabetischer Polyneuropapostmenopausalen Frauen (niedriger
Multienzymkomplexe,
thie 300–600mg, in NEM
Östrogenspiegel) wirken sie leicht
Radikalfänger und
meist 200mg; MetallchelaAntioxidans
tor, daher Wechselwirkunöstrogen, während sie bei hohem
gen möglich (Tab. 5)
Östrogenspiegel durch Verdrängung
vom Rezeptor eine entgegengesetzte, Tab. 4: Diverse als NEM vertriebene Stoffe, die über die Nahrung in ausreichender Menge aufgenommen
antiöstrogene Wirkung zeigen kön- und/oder im Körper synthetisiert werden
nen. Zell- und Tierexperimente sowie
Humanstudien liefern uneinheitliche Ergebnisse, und es lenkflüssigkeit vor. Da es oral schlecht resorbiert wird,
ist nicht geklärt, ob Genistein und Daidzein – vor allem ist nur eine lokale Anwendung sinnvoll. In der Haut ist
bei prämenopausalen Frauen – vor Brustkrebs schützen es nach oraler Gabe nicht nachweisbar und in Knochen
oder dessen Entwicklung bei entsprechender Prädisposi- sind nur ca. 5% der oral verabreichten Dosis nach­
tion sogar fördern können. Regelmäßige Aufnahme von weisbar.
Soja in der Jugend scheint jedoch das Risiko für Brustkrebs im Erwachsenenalter zu verringern und auch das L-Carnitin
Risiko für Prostatakrebs scheint gesenkt zu werden. Es In NEM wird L-Carnitin zur Unterstützung der Fettversollte auch bedacht werden, dass Sojaproteine ein starkes brennung und Leistungssteigerung angepriesen. Das DiAllergen für den Menschen darstellen können. 0,3–0,4% peptid wird auch vom Körper selbst gebildet sowie
der Gesamtbevölkerung reagieren allergisch auf Soja.
hauptsächlich über Verzehr von rotem Fleisch aufgenommen. Überschüssiges L-Carnitin wird über den Urin
Hyaluronsäure
ausgeschieden. L-Carnitin wird zu Trimethylaminoxiden
Das Polysaccharid Hyaluronsäure hat eine große Was- abgebaut, die die Bildung arteriosklerotischer Plaques
serbindungskapazität; es kommt im Glaskörper des begünstigen, indem sie den Cholesterintransport aus der
Auges, im Gallertkern der Bandscheiben und in der Ge- Zelle erschweren und zu Ablagerungen in der Gefäßwand
5/14 Ausgabe
23 DAM
FOKUS: Ernährung & Adipositas
führen, wodurch ein höheres Ri­si­
­­ko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
entsteht. Es ist daher davon abzu­
raten, L-Carnitin-Präparate einzunehmen.
Taurin
Dieses wird hauptsächlich mit
Fleisch, Fisch und Milch aufgenommen. In Energy-Drinks liegt es immer
in Kombination mit Koffein vor.
Taurin wird auch endogen gebildet
und kommt in hohen Konzentrationen im Skelett- und Herzmuskel, im
ZNS und in der Retina vor. Taurinreserven sinken bei starker körperlicher Beanspruchung über einen
langen Zeitraum (etwa bei Extrem­
sportlern). Die Deutsche Gesellschaft
für Ernährung gibt jedoch keine Zufuhrempfehlung, da keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse
zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Taurinsubstitution vorliegen. Eine zusätzliche Gabe
wäre nur sinnvoll bei gestörter Eigensynthese und z.B. bei diabetischer
Retinopathie.
NEM
Wirkungsverstärkung
Kurkumin
Cyclophosphamid,
Doxorubicin, Irinotecan
Koenzym Q10
Cyclophosphamid, Doxorubicin,
Melphalan, Paclitaxel
Glutamin
Etoposid, Irinotecan
Ginseng
Cyclophosphamid,
Phenprocoumon, Acenocoumarol,
Thrombozytenaggregationshemmer
Ginkgo und
Knoblauch
Phenprocoumon, Acenocoumarol,
Thrombozytenaggregationshemmer
Doxorubicin, Methotrexat,
Paclitaxel, Vincristin
Phytosterole
fettlösliche Vitamine
(Aufnahme beeinträchtigt)
Carnitin
Chelatbildung mit Schwermetallen
(v.a. Kupfer und Zink)
AlphaLiponsäure
Cisplatin, Eisen, Magnesium,
Kalzium (Chelatbildung)
Flavonoide
(Apigenin,
Quercetin,
Kaempferol)
Paclitaxel, Digoxin, Statine, Benzodiazepine
(Hemmung von ABC-Transportern
(P-Glykoprotein, MRP1, MRP2, BCRP)
Bioverfügbarkeit erhöht
Naringin
Betablocker, Ca2+-Kanal-Blocker, Cyclosporin,
Statine, Benzodiazepine, Tacrolimus,
Tamoxifen u.a. (durch Enzymhemmung)
Fexofenadin und Etoposid
(Bioverfügbarkeit verringert)
Tab. 5: Interaktionen von NEM mit Arzneistoffen
Kreatin
Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die in Niere,
Leber, Pankreas synthetisiert und in der Skelettmuskulatur gespeichert wird. Kreatininquellen sind Fleisch und
Fisch. Überschüssiges Kreatin wird mit dem Urin ausgeschieden. Laut EFSA kommt es nur während kurzer, hoch
intensiver, sich wiederholender Übungen zu einer verbesserten körperlichen Leistung. Als Nebenwirkung ist bei
oraler Supplementation eine Gewichtszunahme zu bedenken, da Wasser zurückgehalten und somit eingelagert
wird.
„Aminopeptide“
Die Bezeichnung „Aminopeptid“ steht für ein Pentapeptid, das mit Palmitinsäure acyliert ist, wodurch eine
bessere Löslichkeit erzielt wird. Aus Sicht der Chemie gibt
es den Begriff nicht. Mit „Aminopeptiden“ soll die Bildung von Kollagen und Elastin gefördert werden, da sie
ein Stimulans für die Synthese der Peptidketten des Kollagens und des Elastins sein sollen. Pentapeptid-4 kann
deren Funktion nachahmen. In Cremen wird es meist
kombiniert mit Hyaluronsäure, oral als Kaseinhydrolysat
angewendet.
Glutamin
Dabei handelt es sich um eine nicht essenzielle Aminosäure, die im Körper gebildet und über die Nahrung
(Weizen, Milch) aufgenommen wird. Sie wird zur Steigerung des Muskelaufbaus eingesetzt. Das China-Restaurant-Syndrom mit Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit,
Hitze- und Engegefühl sowie Kribbeln im Halsbereich
DAM 24
Wirkungsabschwächung
kann bei mit dem Geschmacksverstärker L-Mononatrium­
glutamat auch nach Aufnahme von glutaminhaltigen
NEM auftreten. Zudem kann Glutamin die Wirkung von
Chemotherapeutika beeinflussen (Tab. 5).
Ginkgo, Ginseng, Knoblauch
Da Ginkgo, Ginseng und Knoblauch die Blutgerinnung
herabsetzen und so die Wirkung von oralen Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern verstärken können, entsteht ein erhöhtes Blutungsrisiko (Tab.
5). Die Präparate müssen wegen der erhöhten Gefahr von
Nachblutungen vor einer Operation abgesetzt werden. In
Tabelle 4 sind weitere häufig in NEM enthaltene Stoffe
aufgelistet, die z.T. über die Nahrung in ausreichender
Menge aufgenommen, z.T. im Körper produziert werden,
weswegen keine diesbezüglichen Mangelzustände bekannt
sind.
Interaktionen von Stoffen mit ernährungsspezifischer oder
physiologischer Wirkung mit Arzneistoffen
Es ist zu beachten, dass NEM die Wirkung mancher Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika und blutgerinnungshemmender Arzneistoffe, beeinflussen können
(Tab. 5). n
Literatur bei der Verfasserin
Autorin:
Univ.-Prof. Mag. Dr. Rosa Lemmens-Gruber
Department für Pharmakologie und Toxikologie
Universität Wien
Ausgabe 5/14
Interview
FOKUS: Ernährung & Adipositas
Reflux: Fragen und Antworten
Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist in den letzten Jahren stärker
ins allgemeine Bewusstsein getreten. Dies liegt sicherlich auch daran, dass be­stimmte
Fragen umso lieber gestellt werden, wenn die Antworten darauf schon gegeben
scheinen. Eine solche Konstellation wird durch die Verfügbarkeit von Protonen­
pumpenhemmern (PPI) zur Behandlung der GERD wahrscheinlich – sie scheinen
die Lösung für alle Probleme nit Reflux zu sein, sind es bei genauer Betrachtung
allerdings nicht. Ein Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer, Graz.
Herr Prof. Hammer, der Hausarzt, der einen Patienten mit
Reflux behandelt, erkennt den Verlust der anfänglichen,
auch diagnostisch wichtigen Wirksamkeit eines PPI und
fragt sich zwangsläufig nach den Ursachen dafür. Welche
Erklärungsansätze könnte es hier geben?
H. Hammer:Zunächst sei gesagt, dass die gastroösophageale Refluxerkrankung eine der häufigsten Erkrankungen in
den westlichen Industrieländern mit nach wie vor wachsenden Inzidenzraten ist. Hierfür gibt es verschiedenste Ursachen, allen voran das zunehmende Übergewicht.
Selbstmedikation hat aufgrund der Zeitlimitierung in den
Arztpraxen eine große Bedeutung. Viele medizinische Probleme werden von den Patienten und auch von den Ärzten
gar nicht angesprochen. In den wenigen Minuten, die ein
Hausarzt für den Patienten hat, geht es oft um scheinbar
wichtigere Themen. Bei den scheinbar unwichtigen Dingen
erkundigen sich die Patienten im Bekanntenkreis, in den
Medien und bei ihrem Apotheker, was sie tun können.
Wie so oft verbirgt sich hinter der Klarheit des ersten
Blickes ein anatomisch und funktionell hochkomplexes Problem. Wo sind die Angriffspunkte für
eine Erfolg versprechende Dauertherapie?
H. Hammer: Zu betonen, dass Reflux
nicht ein Zuviel an Säure ist, ist im
Gespräch mit den Patienten sehr
wichtig, da der landläufige Begriff
der Übersäuerung dies impliziert. Doch es handelt sich
nicht um ein Zuviel an Säure,
sie ist nur am falschen Platz.
Der Säurereflux tritt vor allem nach Mahlzeiten auf,
wenn der untere Ösophagussphinkter dem Druck
nicht mehr standhält,
5/14 Ausgabe
der sich im Magen aufbaut, zum Beispiel durch die Einnahme der Mahlzeit, beim Bücken, beim Husten und/oder
bei Übergewicht. Eine Hiatushernie kann dies begünstigen, aber es gibt auch Reflux ohne Hiatushernie, ebenso
wie nicht jeder Patient mit einer Hiatushernie auch einen
Reflux hat. Dadurch gelangt die Magensäure an den falschen Platz: in die untere Speiseröhre. In diesem Zusammenhang ist seit etwa zehn Jahren das Konzept der sogenannten „acid pocket“
bekannt. Bis dahin war
unklar, warum der
saure Reflux gerade
nach Mahlzeiten
auftritt, denn der
beste Puffer für
die Magensäure
ist die Mahlzeit.
So steigt der pHWert im Magen
nach dem
Interview
einer mechanischen Refluxbarriere. Das aus Algen gewonnene Mittel besteht aus einem Alginat, das Bikarbonat
enthält. Das Bikarbonat bildet im Kontakt mit der Magensäure Kohlendioxid und schwemmt das Alginat auf, das
wie ein Floß auf dem Speisebrei oberhalb der „acid pocket“
liegt. Auf diese Weise verhindert Gaviscon® wie ein Deckel
das Aufsteigen der Säure in die Speiseröhre.
Um noch einmal zur Diagnostik zu kommen: Welchen Stellenwert hat die Gastroskopie bei der Diagnose eines Refluxes?
H. Hammer, Graz
Essen von 2 auf bis zu 5 oder auch 7 an. Bei der „acid
pocket“ handelt es sich um einen Säuresee auf dem gepufferten Mageninhalt, der das Reservoir für den postpran­
dialen sauren Reflux darstellt.
Wie sinnvoll sind vor diesem Hintergrund bei Reflux die
altbekannten Medikamente, die rein die Säure neutralisieren, aber nicht gegen das Aufsteigen des sauren Mageninhalts wirken?
H. Hammer: P
rotonenpumpeninhibitoren (PPI) haben sich
bei den schweren Manifestationen – also auf der Spitze des
Eisberges – als sehr wirksam erwiesen. Sie können die Ösophagitis, die durch starken Säurereflux ausgelöst wird, sehr
gut bessern. In den letzten Jahren ist jedoch bekannt geworden, dass die Patienten mit der Zeit immer wieder beim Arzt
vorstellig werden, weil bei ihnen die Refluxsymptome auch
nach Abheilen der Entzündung persistieren können. So lassen sich bei etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen die typischen Beschwerden mit PPI nur unzureichend behandeln.
Antazida wiederum neutralisieren Säure, die bereits in die
Speiseröhre aufgestiegen ist. Sie unterstützen die Pufferwirkung des Speichels, doch das reicht bei Weitem nicht
aus, um den Inhalt des Magens zu neutralisieren. Zudem
kann der Magen auf diese Manipulation mit einem Rebound der Säureproduktion reagieren. H2-Antihistaminika spielen im Zusammenhang mit Reflux keine Rolle mehr,
da sie die Säureneubildung deutlich schlechter hemmen als
PPI – bei vergleichbarem Sicherheitsprofil, sodass es keinen
Grund gibt, das schwächere Prinzip einzusetzen. Zudem
sind sie nicht für die Dauertherapie geeignet, da sie aufgrund von Anpassungsmechanismen des Körpers mit der
Zeit ihre Wirksamkeit verlieren.
Mit Gaviscon steht in Österreich seit 2012 ein neues
Wirkprinzip zur Verfügung. Dieses Medikament ist zwar
in Österreich neu, aber zum Beispiel in den USA und England bereits lange verfügbar. Es wirkt über die Bildung
H. Hammer: W
enn sich in der Endoskopie eine Ösophagitis zeigt, steht in der Therapie zunächst ein PPI im Vordergrund. Die Gastroskopie ist wichtig, um jene Patienten zu
identifizieren, die infolge ihrer Refluxkrankheit einen Barrett-Ösophagus entwickelt haben und daher zur Karzinomvorsorge eine Überwachungsgastroskopie in dreijährigem
Intervall benötigen.
Wenn keine gastrointestinalen Warnsymptome – Bluterbrechen, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder nächtliche
Symptome – vorliegen, muss die Gastroskopie nach einer
einmal festgestellten Refluxösophagitis bei Auftreten von
Symptomrezidiven nicht wiederholt werden.
Welche weiteren Maßnahmen empfehlen Sie Patienten mit
Reflux?
H. Hammer: Ich empfehle kleine Mahlzeiten über den Tag
verteilt, um einen zu hohen Druckaufbau im Magen durch
große Mahlzeiten zu vermeiden. Zudem sollten übergewichtige Patienten abnehmen, aber das ist natürlich oft
leichter gesagt als getan. Auch sollten sich Betroffene nach
dem Essen nicht hinlegen: Wenn ein Verdauungsschläfchen
gemacht wird, dann in sitzender Position.
Lungenfachärzte, Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, natürlich Gastroenterologen und wohl auch Hausärzte setzen großzügig Protonenpumpenhemmer ein. Wie
stehen die Chancen der Patienten, von dieser Therapie
wieder loszukommen?
H. Hammer: A
bsetzversuche sind durchaus möglich. Wenn
man einen PPI absetzt, soll die Dosierung für eine Woche
halbiert werden (von 40 auf 20mg), bevor man den PPI
ganz absetzt. Das Absetzen kann durch Komedikation mit
Gaviscon® erleichtert werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
n
Die Fragen für DAM stellte Dr. Christian Euler
®
DAM 26
Unser Gesprächspartner:
Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer
Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Medizinische Universität Graz
Ausgabe 5/14
AKTUELL
Präsidentenbrief
Z
unächst konnten wir in der zweiten Jännerwoche der Diskussion um dieses
aberwitzige Projekt einen Raketenstart in die Medien verschaffen. In noch
nie da gewesener Intensität wurde der österreichischen Bevölkerung klargemacht, dass sie soeben ohne ihr Zutun für ELGA rekrutiert wurde. Die euphemistische Erklärung des Gesetzgebers, der bestmöglichen Gesundheitsversorgung wäre gegenüber der datenschutzrechtlichen Selbstbestimmung der Vorzug
gegeben worden, ist den meisten nicht bekannt. Das wundert umso weniger, als
vom Weg in eine bestmögliche Gesundheitsversorgung weit und breit nichts zu
sehen ist. Die verfassungsrechtlichen Bedenken gegenüber der Speicherung und
Verarbeitung von Gesundheitsdaten, ohne die persönliche Zustimmung jedes
einzelnen, ausreichend aufgeklärten Betroffenen, akzentuierte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger im April selbst mit seinem Studienergebnis,
das 90% der Befragten als in Bezug auf ELGA Unwissende auswies. Die derzeit
laufende millionenschwere Imagekampagne für das unbekannte, politisch aber
geliebte Datenmonster läuft auf Wahlwerbeniveau, wird also zur sachlichen
Aufklärung wenig beitragen. Außerdem diktierte das Akzeptanzmanagement
offensichtlich die aktuelle Fassung des ELGA-Gesetzes und beraubte es damit
der letzten Sinnhaftigkeit. ELGA-Daten dürfen nicht zur Planung und Steuerung im Gesundheitswesen, nicht für wissenschaftliche Zwecke und nicht für
Kontrollen verwendet werden. Das muss man ELGA-Befürwortern – sollte es
sie geben – erst einmal erklären.
Wir haben Österreichs unabhängigen und hoch kompetenten Datenschutzexperten Dr. Hans Zeger eine Bühne geboten, von der aus er seine Kritik mit
technischen Argumenten belegen konnte. Er ist aus der ELGA-Diskussion nicht
mehr wegzudenken. Auch Vertreter des Hausärzteverbandes wurden in diesem
Halbjahr vielerorts um ihre Meinung gefragt. Sie wird in eine Studie der Universität Göttingen einfließen, in einem internationalen IT-Branchenmagazin
Platz bekommen, findet Platz bei Diskussionen und in Referaten in prominent
besetzten Gesundheitskonferenzen. Nur dort, wo blinder politischer Eifer mehr
wiegt als Expertise, ist der ÖHV Feindbild, was uns durchaus ehrt.
Wir haben in diesem halben Jahr auch unseren Interessenvertretern Druck gemacht. Hohe Standesvertreter aus allen Bundesländern traten beispielgebend
für die von ihnen vertretene Ärzteschaft aus ELGA aus, zuletzt geschlossen das
Präsidium der Niederösterreichischen Ärztekammer. Deren Präsident gibt in
der Zeitschrift der NÖÄK (Consilium 5/2014) der Kollegenschaft mit dem Begriff „Klumpert“ einiges zu ELGA zu bedenken. Der Wiener und Bundeskurienobmann Dr. Johannes Steinhart war einer der Ersten, der in der von uns eröffneten ELGA-Diskussion deutliche Worte fand und sie immer noch findet.
ÖHV
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Geschätzte Kolleginnen,
geschätzte Kollegen!
Dr. Christian
Euler
ÖHV-Präsident
Es war eine
Journalistenanfrage,
die mir den Begriff
„Halbzeit“ in
Zusammenhang mit
ELGA aufdrängte.
Seit sechs Monaten
ist der Österreichische Hausärzteverband mit seiner
„Raus aus ELGA“Offensive aktiv.
Geht es nach dem
Willen der ELGABetreiber, ist 2014
das letzte Jahr ohne
Patientendaten­
speicherung. Dieses
Jahr wollten wir
nützen, um Patientinnen und Patienten
über die geplanten
elektronikgestützten
Fehlentwicklungen
im Gesundheits­
system aufzuklären.
Was also ist bisher
gelungen?
Durch die Offensive des Österreichischen Hausärzteverbandes haben die Bedenken gegenüber ELGA ein Gesicht bekommen. Wir haben uns festgelegt auf
unsere Kernaufgabe: die Kommunikation mit unseren Patienten mit dem Ziel,
5/14 Ausgabe
27 DAM
AKTUELL
Präsidentenbrief
Anti-ELGA-Broschüre:Layout 1 15.04.2014 12:32 Seite 1
ÖHV
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Für Ihr Wartezimmer: Exemplare
der Broschüre „Raus aus ELGA“ können
Sie nachbestellen bei Dr. Paul Reitmayr
(E-Mail: [email protected])
Raus aus ELGA
gefährliche Verläufe abzuwenden.
Diesem Ziel dient auch die Begegnung mit den politischen Spitzenrepräsentanten der österreichischen
Senioren im Radiokulturhaus Mitte
Juni. Es muss hinterfragt werden,
wieso man ELGA als hilfreich sieht
und zwei Drittel elektronikferner
Senioren – je älter, desto ferner, desto wahrscheinlicher krank – übersieht.
Die Mitglieder des Österreichischen
Hausärzteverbandes sind allesamt
Teil des primären Versorgungssystems im österreichischen Gesundheitswesen. Durch diese Arbeit und
die daraus gewonnene Erfahrung
sind sie den meisten politisch ermächtigten Gesundheitspolitikern
und deren Zuarbeitern an Wissen
und Kritikfähigkeit überlegen. Damit stehen wir einer Politik auf dem
Weg hin zur Ökonomisierung des
Gesundheitssystems und weg von
sozialer Kompetenz im Weg. Die
Mitglieder des Österreichischen Hausärzteverbandes bedienen als Bürgerinnen und Bürger die Staatsfinanzen
mit Einkommenssteuerleistungen in der höchsten Progressionsstufe. Daher stehen sie, zumal in Zeiten gebotener Sparsamkeit, unabsehbaren Kosten für einen absehbaren Misserfolg äußerst kritisch gegenüber.
Wer von der Elektronischen
Gesundheitsakte (ELGA)
wirklich profitiert
Wie Sie Ihre Gesundheitsdaten
in Sicherheit bringen
Warum Sie aus ELGA
austreten sollten
Ihr Dr. Christian Euler
Unsere „Raus aus ELGA“-Broschüre vermittelt unsere
Bedenken auf allgemein verständlichem Niveau. Sie
steht Ihnen für Ihr Wartezimmer zur Verfügung.
Wir haben in den vergangenen sechs Monaten neue
Mitglieder gewonnen. Ihnen allen sei für diese Ermutigung gedankt. Besonders danke ich auch und immer
wieder Dr. Wolfgang Geppert, der als Seele unserer
„Raus aus ELGA“-Offensive für deren Lebendigkeit
sorgt. Seine Energie wird auch für das zweite Halbjahr
n
2014 und darüber hinaus reichen.
DAM 28
Präsident des ÖHV
E-Mail: [email protected]
ÖHV
ÖHV
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Ausgabe 5/14
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
ÖHV
Alarm für Senioren:
ELGA kommt, der Hausarzt geht?
Der Österreichische Hausärzteverband veranstaltet am 17. Juni einen
Diskussionsabend über die höchst problematischen Konsequenzen von
ELGA und der Gesundheitsreform für ältere Menschen.
F
ür einen notwendigen Kurswechsel in der heimischen
Gesundheitspolitik ist es fünf Minuten nach zwölf, ist
man beim Österreichischen Hausärzteverband (ÖHV)
überzeugt. Innerhalb von drei Jahrzehnten halbierte sich
die Hausärztequote hierzulande auf nur mehr 9%.
Ärztliche Urfunktionen drohen in einer alles über­
wuchernden Gesundheitsbürokratie unterzugehen. Mit
der elektronischen Gesundheitsakte ELGA wurde ein
neuer Meilenstein auf dem Weg ins Desaster gesetzt. Statt
ausführliche Gespräche mit Patienten zu führen, vergeudet der Kassenallgemeinmediziner künftig die Zeit mit
der Suche nach alten, unsortierten ELGA-Befunden, so
der ÖHV. Genug Zündstoff also für einen spannenden
Diskussionsabend, der am 17. Juni vor allem den Folgen
dieser Entwicklung für die ältere Generation gewidmet
ist. Diese sind von der Misere in besonderem Maße betroffen. Laut Statistik besuchen mehr als 90% der Österreicherinnen und Österreicher über 60 Jahre regelmäßig
eine Hausarztpraxis, die Anzahl der Ordinationsbesuche
ist in dieser Altersgruppe mehr als doppelt so hoch wie
im Durchschnitt der Bevölkerung.
Senioren ohne Computererfahrung
„Der Bogen ist freilich weit gespannt. Da gibt es jene,
die mit Seniorenverbänden in hundertfacher Gesellschaft
5/14 Ausgabe
alljährlich komfortable Auslandsreisen unternehmen.
Und jene, die darunter leiden, dass die Sozialversicherung kein Fahrgeld zu medizinischen Einrichtungen in
die Bezirkshauptstadt mehr bezahlt“, betont ÖHVPräsident Dr. Christian Euler. „Wir Hausärzte sind
durch unsere tägliche Arbeit in diesem Bogen sehr
eindeutig positioniert, bei den politischen Senioren­
vertretern bin ich mir da nicht so sicher“, so Euler.
Selbst eine Zweidrittelmehrheit elektronik- und computerferner Seniorinnen und Senioren sei für diese nämlich
offenbar kein Anlass, die Sinnhaftigkeit einer elek­
tronischen Gesundheitsakte für ihre Klientel zu hinterfragen.
Um die eigenen Gesundheitsdaten künftig zu verwalten,
sind ein PC mit Internetanschluss, eine Bürgerkarte oder
Handysignatur zwingend notwendig. Nur eine absolute
Minderheit der älteren Menschen verfügt jedoch über
eine solche Ausstattung. Bedenkt man, dass nicht einmal
10% der Senioren E-Banking betreiben, erübrigt sich
die Diskussion über die Datenselbstverwaltung. Fast
noch ein Glück, wie ÖHV-Sprecher Dr. Wolfgang Gep­
pert meint, denn sonst müsse der Aufnahmearzt oft wie
ein Kriminalbeamter ausgeblendete oder gelöschte Befunde eruieren, die auf Diagnose und Therapie entscheidenden Einfluss haben könnten.
29 DAM
AKTUELL
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
ÖHV
Keinerlei Datensicherheit
Hausarzt oder Selbstbedienungsladen?
Zudem haben auch die Senioren längst erkannt, dass
ihnen in Sachen Datenschutz von den ELGA-Betreibern
Sand in die Augen gestreut wird. Seit dem Bekanntwerden des NSA-Skandals und dem BIFIE-Datenleck ahnt,
ja weiß man, dass bei 100.000 Zugriffsberechtigten ein
Datenmissbrauch nicht ausgeschlossen werden kann,
selbst wenn Strafe angedroht wird. „Besonders bedenklich bei ELGA ist die Zwangsverpflichtung aller Patienten“, betont Dr. Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten,
der darin eine glatte Verletzung der europäischen Datenschutzgrundsätze sieht: „Zustimmung setzt Information und die freiwillige Willenserklärung des Betroffenen
voraus.“
Seniorenrats-Präsident Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol lässt
im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Diskussionsabends wissen, dass für Österreichs Seniorinnen und
Senioren der Hausarzt von besonderer Bedeutung ist.
„Ihm vertrauen wir. Daher muss bis zur Jahresmitte das
Hausärzte-NEU-Paket der Bundesregierung erstellt und
sogleich umgesetzt werden. Dabei soll der Hausarzt zum
zentralen Angelpunkt der Patientenversorgung werden.“
ELGA diene, so Zeger, vielmehr als Projektionsfläche
zur Lösung zahlreicher Probleme im Gesundheitswesen:
überlastete Ärzte, lange Wartezeiten, verweigerte Behandlungen, unverständliche Therapien, zu wenig Kommunikation, Doppelgleisigkeiten. Solange aber von
ELGA nur millionenschwere Konzepte, vage Ideen und
Zukunftsprojektionen existieren, sollten Patienten davon
Abstand nehmen, Technikern und Bürokraten ein Feld
zum Experimentieren mit ihren Gesundheitsdaten zu
überlassen.
Die Hausärzte orten darin ein Lippenbekenntnis. „Das
heimische Gesundheitssystem ist in Wahrheit zum Selbstbedienungsladen verkommen. Herr und Frau Österreicher steuern nach Belieben Spitalsambulanzen und
niedergelassene Spezialisten an“, verdeutlicht Hausärzte-Sprecher Geppert. Die unkoordiniert durch das System stolpernden Patienten benötigen dringendst die
Koordination durch den Hausarzt und nicht durch
ständig wechselnde Ansprechpartner in „Gesundheitszentren“, durch Apotheker oder durch „Dr. Google“. Die Bestrebungen der Gesundheitsreform mit ihrer
Speerspitze ELGA zielen freilich massiv in die Gegenn
richtung.
Quelle: Presseaussendung ÖHV, 27. Mai 2014
Bewährte Statine von +pharma
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Atorv
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E-HEALTH
Alternativen zu ELGA, Teil 4
Patienteneigene IT-gestützte Dokumentation
ÖHV
Während Gesundheitspolitiker und Patientenanwälte uns allen einreden
wollen, dass Patientinnen und Patienten erst durch den orts- und zeitunabhängigen ELGA-Zugang zu ihren Gesundheitsdaten „selbstbestimmt
und mündig“ werden können, ist dieser Zugang auch heute schon, noch
lange vor Inbetriebnahme von ELGA, in viel größerem Umfang möglich,
als ELGA es auf absehbare Zeit bieten wird.
D
ie Mündigkeit unserer Mitbürger durch Kenntnis
ihrer eigenen Gesundheitsdaten, informative Selbstbestimmung unserer Patienten und letztlich dadurch auch
vielleicht eine durch bessere Information optimierte ärztliche Behandlung können durch elektronische Mittel
schon heute wesentlich unterstützt werden.
Fachkurzinformation zu Inserat siehe Seite 37
Grundvoraussetzung dafür ist (ebenso wie bei ELGA),
dass entsprechende Befunde überhaupt vorhanden sind.
Von Labor- und Röntgenfachärzten und -instituten werden diese bereits seit vielen Jahren routinemäßig rasch
verfasst und elektronisch den zuweisenden Ärzten zur
Verfügung gestellt. Bei vielen dieser Einrichtungen kann
sich auch der Patient selbst heute einen eigenen gesicherten elektronischen Zugang zu seinen Befunden geben
lassen.
Bei Befunden von Fachärzten, Ambulanzen und Krankenhäusern ist dies etwas schwieriger. Nicht alle niedergelassenen Fachärzte sind bereit und offenbar manchmal auch
noch immer nicht in der Lage, problemlos eine kurze
EDV-unterstützte Zusammenfassung ihrer Untersuchungsergebnisse und Anordnungen für den zuweisenden Hausarzt bzw. den Patienten selbst bereitzustellen und vielleicht auch noch an den Hausarzt über die bekannten,
gesicherten Netze (MedicalNet, DaMe) oder an den Patienten selbst kurzfristig zu übertragen. Noch viel seltener
geschieht dies, wie schon in meinen früheren Artikeln
erwähnt, in Spitalsambulanzen und mit Entlassungsbriefen nach stationären Aufenthalten. Das Schlusslicht
überhaupt stellen das Wiener AKH und die Einrichtungen
5/14 Ausgabe
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Der elektronische Zugang des
mündigen Patienten zu seinen
Gesundheitsdaten
C. Husek, Wien
der Wiener Gebietskrankenkasse dar, von denen ich noch
nie einen Befund elektronisch erhalten habe. Eine etwas
seltsame Beispielfunktion dieser Einrichtungen!
Als Alternative und Ergänzung zu bereits primär elektronisch übermittelten Dokumenten ist immer noch das
Einscannen wichtiger, auch älterer Dokumente möglich.
Jeder auch nur halbwegs im Umgang mit elektronischen
Hilfsmitteln versierte Bürger kann diese Dokumente auf
verschiedenste, ihm genehme Weise elektronisch speichern
und verwalten und bei Bedarf weiterbehandelnden Ärzten
zur Verfügung stellen bzw. dies auch für seine Angehörigen tun. Ich habe schon Patienten erlebt, die wesentliche
Befunde perfekt indiziert und geordnet auf dem i-Pad
mitbrachten, wo sie für mich rasch und problemlos einsehbar waren, und für mich wichtige Dokumente innerhalb von Sekunden an mich übertrugen. Der Fantasie und
Kreativität sind hier kaum technische Grenzen gesetzt.
Alle Patienten mit ausreichend eigenem Engagement,
Mitarbeit und Selbstverantwortung können und konnten
somit schon seit Jahren „ihre Rechte wahrnehmen“ und
„Selbstständigkeit und Unabhängigkeit bewahren“ und
ich sehe es auch als Aufgabe für uns Hausärzte, sie dabei
zu unterstützen.
Für alle anderen Patienten wird es in einigen Jahren ELGA
geben.
n
Dr. Christian Husek
31 DAM
KONGRESS
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
ÖHV
1st Vasco da Gama Exchange Forum
Im Februar 2014 fand in der katalanischen Hauptstadt Barcelona
das erste eigenständige Forum des Vasco da Gama Movement, der
„Jugendorganisation“ der WONCA Europe, statt: das Exchange
Forum. Mehr als 100 junge engagierte Allgemeinmedizinerinnen und
-mediziner aus ganz Europa waren der Einladung dorthin gefolgt. Aus
Österreich nahm eine fünfköpfige Delegation der JAMÖ daran teil.
D
as Programm war sehr abwechslungsreich und innovativ gestaltet. So wurde am Tag vor der Eröffnung ein
Satellitensymposium mit dem Titel „Health 2.0“ von der
gleichnamigen Organisation veranstaltet. Ziel von Health
2.0 ist es, durch das Abhalten von Konferenzen weltweit
die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologie in der Medizin auszuloten und Interessenten zu vermitteln. Heute ist dies ein essenzieller Teil der Gesundheitsversorgung, da sich nicht nur Medizinerinnen und
Mediziner, sondern vor allem auch Patientinnen und Patienten immer mehr mit den neueren Technologien auseinandersetzen. Nähere Informationen darüber findet man auf
www.health2con.com.
Am Freitagvormittag fand vor dem offiziellen Beginn der
Konferenz ein weiterer spannender Workshop statt: der
sogenannte Design Thinking Workshop. Die wirklich faszinierende Methode des „design thinking“ stammt eigentlich aus dem Bereich der Gestaltung und wird von Unternehmen weltweit zur Entwicklung von neuen Produkten,
Prozessen und Methoden eingesetzt. Die Herangehensweise, medizinische Fragestellungen in Teams durch Brainstorming und anschließende gezielte Filterung von Lösungsansätzen zu bearbeiten, war für die jungen Ärztinnen und
Ärzte völlig neu und eröffnete ihnen ungeahnte Möglichkeiten. Also ein neuer und sehr erfrischender Ansatz für die
Medizin bzw. die Gesundheitsversorgung!
Das Programm des anschließenden offiziellen Forums
war sehr breit gefächert. Die Themen der Sessions reichten von „mental health“ und „global health“ über alter­
native Methoden in der Allgemeinmedizin bis zu
„problem-based interviewing“ zum Training von Verhaltensweisen in der Kommunikation mit Patienten. Hervorzuheben ist allen voran die Session, in der zwei Patientinnen aus Großbritannien über ihren Leidensweg und
„Hindernisse“ in der „Spezialisten-Medizin“ berichteten.
Besonders berührend war, wie die beiden über ihre Erfahrungen mit der Allgemeinmedizin gesprochen haben
und wie sie bei dieser doch noch Gehör und Verständnis
finden konnten.
DAM 32
P. Reichel, St. Pölten
Die obligatorischen Posterpräsentationen spannten einen
thematischen Bogen von der allgemeinmedizinischen Ausbildung bereits im Medizinstudium bis hin zu in Mitteleuropa eher seltenen Krankheitsbildern und deren Behandlung
in der Allgemeinmedizin. Freitagabend konnten die Teilnehmer im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Konferenz
eine mitreißende Keynote Speech der gewählten künftigen
Präsidentin der WONCA World, Univ.-Prof. Dr. Amanda
Howe, Norwich/GB, hören. Howe fokussierte darin auf
Ungleichheiten in Europas Bevölkerung und die Frage, auf
welche Weise diese Einfluss auf Gesundheitsversorgung,
Patienten und Mitarbeiter im Gesundheitssystem haben.
Das Forum war in Kooperation mit SemFYC, der Spanischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin,
veranstaltet worden. Im Wesentlichen konnten dabei die
derzeit in Medien und Diskussionsforen im Vordergrund
stehende „patient-centered health care“ wie auch die zukünftige Rolle der elektronischen Medien in Medizin und
Patientenversorgung erörtert werden. Zwischen den einzelnen Sessions gab es für die jungen Allgemeinmedizinerinnen
und -mediziner ausreichend Gelegenheit, sich auszutauschen
und eventuell die eine oder andere Zusammenarbeit zu
planen. Und für die nie müde Werdenden unter den Teilnehmern begann der Ausklang mit einem speziellen SalsaKurs, es folgte eine Party in einer Location, die eine beeindruckende Sicht über Barcelona bot. Hier konnten die
erlernten Tanzschritte auch gleich ausprobiert werden.
Im Wesentlichen waren es wiederum die geteilte Leidenschaft für unsere Arbeit, die unglaubliche Motivation, die
Faszination und der Spirit der Mitglieder des Vasco Da
Gama Movement, die einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen haben. Nach solchen Veranstaltungen geht man mit
glänzenden Augen und voller Energie und Motivation für
die von uns allen so geliebte Allgemeinmedizin nach Hause
und fühlt sich bestärkt, die richtige Berufswahl getroffen
n
zu haben.
Dr. Patrick Reichel
Ausgabe 5/14
RECHT
Vergabe des Kassenvertrags
N
ach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs
gehören Gesamtverträge zwischen den Ärztekammern
und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger dem
Privatrecht zu. Die Ausübung des in einem solchen Gesamtvertrag vorgesehenen Vorschlagsrechts ist ebenfalls dem
Privatrecht zuzuzählen. Streitigkeiten um die Kassenarztauswahl und Kassenarztzulassung sind daher vor den ordentlichen Gerichten im Zivilrechtsweg auszutragen.
Es könnte strittig sein, ob Streitigkeiten um die Vergabe von
Kassenplanstellen nicht als Streitigkeiten aus dem kurativen
Einzelvertragsverhältnis anzusehen sind und damit vor die
Paritätischen Schiedskommissionen bzw. das Bundesverwaltungsgericht gehören. Der OGH hat nunmehr erneut
klargestellt – dies der Judikatur des Verfassungsgerichtshofs
folgend –, dass Streitigkeiten aus der Anbahnung des kurativen Einzelvertragsverhältnisses vor die ordentlichen Gerichte gehören.
Die Ärztekammern sind als Körperschaften öffentlichen
Rechts im Rahmen ihrer gesetzlich angeordneten Mitwirkung bei der Auswahl der Kandidaten für den Abschluss
des Einzelvertrags mit dem zuständigen Träger der Krankenversicherung im öffentlichen Interesse (§ 343 Abs 1
ASVG) privatrechtlich tätig und dabei an die Grundrechte,
insbesondere an den Gleichheitsgrundsatz, gebunden. Die
Vergabe eines Kassenvertrags und die dazu erstatteten Besetzungsvorschläge und die damit zugrunde liegenden
Richtlinien müssen daher auf objektiven und nachprüfbaren
Erwägungen beruhen, die transparent und sachlich gerechtfertigt sind. Zentrale Auswahlkriterien müssen nach der
Lehre jene der persönlichen und fachlichen Kompetenz des
Stellenwerbers sein, weil nur das der Absicht des Gesetzgebers, im Interesse der bestmöglichen Versorgung der Versicherten den bestqualifizierten Bewerber auszuwählen, entspreche. Welches Gewicht die einzelnen Auswahlkriterien
haben und zu wessen Gunsten im Einzelfall die Abwägung
ausfällt [ist im Einzelfall zu prüfen].
So hat der OGH in der Vergangenheit etwa eine Beachtung
des Umstands, ob der Ordinationsnachfolger mit dem Vor-
5/14 Ausgabe
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
Erneut hatte der Oberste Gerichtshof kürzlich Gelegenheit, seine seit
nunmehr 15 Jahren bestehende Rechtsprechung zu den Modalitäten der
Vergabe von Kassenverträgen durch Gebietskrankenkassen und Ärztekammern zu konkretisieren und zu festigen. In seiner Entscheidung vom
16. Dezember 2013, 6 Ob 221/2013p, hält der OGH nachstehende, von
ihm entwickelte Grundsätze aufrecht.
ÖHV
M. Lechner, Lochau
gänger eine Vereinbarung finanzieller Natur über die Ordinationsübernahme abgeschlossen hat oder nicht, als
sachlich nicht gerechtfertigtes Auswahlkriterium angesehen.
Auch das Auswahlkriterium der Nachfolge innerhalb der
Familie in direkter Linie ist als unsachlich zu qualifizieren.
Eine Bevorzugung von Kindern des Ordinationsvorgängers
wäre daher als rechtswidrig zu qualifizieren. Das Oberlandesgericht Wien hat hingegen die strittige Frage bejaht, ob
ein „örtlicher Bezug“ des Bewerbers um die Kassenplanstelle ein geeignetes Auswahlkriterium darstelle. Wenn ein
Vertragsarzt das Umfeld seiner zukünftigen Patienten genau
kenne, weil er in der betreffenden Region aufgewachsen sei,
so bringe dies wesentliche Vorteile bei der Patientenversorgung. Auch die genaue Kenntnis des nächstgelegenen Spitals
aus eigener Berufserfahrung sei für den niedergelassenen
Kassenarzt, der ständig mit diesem Spital zusammenarbeite, praktisch von großer Bedeutung. Am Grundsatz, dass
die Kassenplanstelle an den fachlich geeignetsten Bewerber
zu vergeben sei, wurde aber nicht gerüttelt.
[Es] ist weiterhin davon auszugehen, dass die unsachliche
Vergabe von Kassenverträgen rechtswidrig ist und einen
Anspruch auf das Erfüllungsinteresse begründen kann, nicht
aber auf tatsächlichen Abschluss eines Vertrags.
Der (zu Unrecht) übergangene Bewerber um eine Kassenplanstelle hat sohin keinen durchsetzbaren Rechtsanspruch
auf Abschluss eines kurativen Einzelvertrages. Weder kann
eine Kassenvertragsstelle doppelt (nämlich mit dem übergangenen und dem bevorzugten Bewerber) besetzt werden
noch könnte dem bevorzugten Bewerber der Kassenvertrag
wieder entzogen werden. Der übergangene Bewerber kann
daher lediglich Schadenersatzansprüche, und zwar sowohl
gegen die zuständige Ärztekammer als auch gegen die zuständige Gebietskrankenkasse, geltend machen, wenn er
tatsächlich zu Unrecht (etwa wegen Anwendung un­sach­
licher Reihungskriterien) die Kassenplanstelle nicht erhal­
n
­ten hat.
Mag. Markus Lechner
Nö. Ärzteanwalt
www.rechtsanwalt-lechner.at
33 DAM
KOMMENTAR
ÖSTERREICHISCHER
HAUSÄRZTEVERBAND
ÖHV
Wir lassen uns gegeneinander
ausspielen!
„Immer wird es Eskimos geben, die den Eingeborenen
von Belgisch-Kongo Verhaltensregeln für die Zeit der
großen Hitze geben werden.“
Stanisław J. Lec, polnischer Satiriker, 1909–1966
I
n Österreich gibt es zu viele Spitalsbetten. Genauer gesagt
– denkt man an den Pflegenotstand – zu viele falsch gewidmete Betten. Es kann nicht bestritten werden, dass eine
neue, sinnvolle Logistik der österreichweiten Verteilung
dieser Betten unumgänglich ist. Aber doch nicht schon
wieder im unsäglichen Kantönligeist der letzten Jahrzehnte, und schon gar nicht ohne Einbeziehen der Bediensteten
der Krankenanstalten selbst, die am besten wissen, was
man wo braucht! Vor allem jedoch darf das nur eingebettet in eine wirkliche, eine umfassende Reform des Gesundheitswesens geschehen. Die gibt es bis heute nicht!
Wir Ärzte finden leider so gut wie nie zu einer organisierten, geschlossenen Willensbildung. Schon gar nicht zu der
so wichtigen einhelligen Vermittlung gemeinsamer Interessen und Wünsche nach außen. Nein, jeder versucht
möglichst geheim an das heranzukommen, wovon er
glaubt, es haben zu müssen. Es gibt in den Krankenanstalten keine gemeinsamen, von allen Beteiligten getragenen
Budgetwünsche, keine im Kollegenkreis akkordierten
Wunschprogramme. Ganz im Gegenteil: Jeder versucht
den anderen auszutricksen.
Die wirtschaftlichen Geschäftsführungen der Spitäler sind
eigentlich recht froh, dass sie auf diese Weise den einen
gegen den anderen Arzt ausspielen und die Schuld an
Misswirtschaft den Ärzten in die Schuhe schieben können.
Obwohl jeder Mensch, der nur einen Funken von unternehmerischem Verstand hat, weiß, dass Unruhe und Konkurrenzneid innerhalb so sensibler Betriebe, wie eben
unserer Krankenhäuser, das Schlimmste sind, was man den
Patienten antun kann. Aber man finde einmal einen Ökonomen, der das begreift!
Den Gesundheits-Schrebergärtnern kann man es zwar
verübeln, dass sie ausschließlich ihr persönliches wirtschaftliches Interesse im Auge haben, letztlich tun sie aber
nur, was das Management von ihnen erwartet. Schließlich
ist strengstes Sparen der einzige und wahre Auftrag dieser
DAM 34
L. Popper, Oberwart
Krankenanstaltengesellschaften; allein dazu wurden sie
gegründet. Harte Sparprogramme der Politik durchzusetzen und ihr auch noch die Verantwortung dafür von den
Schultern zu nehmen, das ist ihre Aufgabe.
Die politisch Verantwortlichen, deren Wünschen sich die
Ökonomen gar nicht verschließen können, stellen sich
ahnungslos und waschen ihre Hände in Unschuld. Sie
haben mit ihren Krankenhausgesellschaften teure Schutzschilde zwischen sich, die Spitäler und das Wahlvolk gestellt, um die wahren Verantwortlichkeiten verschleiern
und sich hinter den Ökonomen verstecken zu können.
Die Krankenhausgesellschaften sind, im Klartext, Institutionen zur Entlastung jener Politiker, die gesundheitspolitische Fehlentscheidungen treffen und unsinnige Sparmaßnahmen anordnen. Ich habe das Entstehen dieser
Organisationsstrukturen im Burgenland hautnah miterlebt
und mit erlitten.
In Österreichs Politik ist ja grundsätzlich niemand bereit,
für etwas, das er angerichtet hat, persönlich Verantwortung zu übernehmen. Egal ob in Verwaltung, Bildung,
Infrastruktur, Justiz oder wo auch immer. Als Sündenböcke, Prügelknaben und institutionalisierte Schuldige sind
daher zahlreiche zusätzliche, gewaltig aufgeblähte Verwaltungsorgane geschaffen worden. Jedes für sich kostet mit
seiner überbordenden Bürokratie wahrscheinlich mehr als
all die dringlichen, seit Jahrzehnten anstehenden Reformen
zusammen.
So können sich die volksnahen Politiker vor jedem Wahlgang dem nichts ahnenden Wahlvolk gegenüber damit
ausreden, das Geld würden die bösen Gesellschaften verwalten. Sie, die armen Unschuldigen hingegen, so die zynische Message, würden sich Tag und Nacht für die
n
Menschen, ja für Österreich aufopfern.
Dr. Lutz Popper
Ausgabe 5/14
Kritik an klinisch-praktischem Jahr
Ich studiere Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien (MUW) und
möchte über einen nicht tragbaren Zustand in der Ausbildung der Mediziner
berichten. Unser Curriculum (N202) wurde Mitte 2012 auf das in der Schweiz und
Deutschland bereits etablierte „klinisch-praktische Jahr“ umgestellt. Dies bedeutet,
dass die Studenten im letzten Studienjahr 48 Wochen lang auf drei Abteilungen zu
je 35 Stunden pro Woche (hinzu kommen verpflichtende Nacht- und Wochenend­
dienste) mitarbeiten müssen, um das Studium zu beenden – ohne Bezahlung.
LESERBRIEF
LESERBRIEF
Ein unbezahltes Jahr KPJ – ohne Plätze
Aufgrund der neuen Studienordnung gibt es zwar nun ein verpflichtendes praktisches Jahr in Österreich, aber viel zu wenige Krankenhäuser, die Praktikumsplätze anbieten. In Wien sind es nur das AKH
und die Spitäler der AUVA (insgesamt 210 Plätze für 650 Studenten), während der KAV, die Vinzenz
Gruppe und das Hanusch-Krankenhaus nicht bereit sind, Plätze anzubieten, zumindest nicht ohne Bezahlung in der Höhe von 10.000 Euro pro Jahr und pro aufgenommenem Studenten. Die MUW hat die
Dringlichkeit des Problems offensichtlich nicht erkannt, denn das klinisch-praktische Jahr beginnt bereits am 4. August und nicht, wie auf der Homepage der MUW beschrieben, im Herbst. Auch meint sie,
es wären genug Plätze vorhanden (563 in ganz Österreich), doch alleine der 5. Jahrgang der MUW umfasst über 600 Studenten. Ein weiteres gravierendes Problem ist, dass die Studienvertretung nicht in die
Verhandlungen zwischen den Krankenhausträgern und der MUW miteinbezogen wurde.
Ausland – einzige Lösung?
Nun sehen sich viele Studenten gezwungen, ins Ausland zu gehen, um dort ihr verpflichtendes letztes
Studienjahr zu absolvieren. An dieser Stelle muss aber deutlich betont werden, dass es vielen Studenten,
sei es aus ökonomischen, familiären oder organisatorischen Gründen, nicht möglich ist, für ein ganzes
Jahr ins Ausland zu gehen. Schon aus sozialen Gründen müssen in der Universitätsstadt genügend Plätze
angeboten werden, da es sich viele Studierende nicht leisten können, neben ihrer Unterkunft in Wien
noch ein Quartier während eines Auslandspraktikums zu finanzieren. Gerade in Zeiten eines drohenden
Ärztemangels kann es kaum im Interesse der Versicherungsträger und der Spitäler sein – und schon gar
nicht im Interesse der Patienten –, angehende Ärzte ins Ausland zu zwingen. Und Letzteres buhlt um die
Mediziner: Die Schweiz bietet ca. 1.200 Euro pro Monat, für die Unterkunft wird auch gesorgt. Ein Absolvent kostet den Staat um die 180.000 Euro, und wenn ein Land Ärzte mit guten Konditionen anwerben kann, erhält es eine hoch qualifizierte Kraft, ohne diesen Betrag in deren Bildung investiert zu haben.
Es wird vor allem an Allgemeinmedizinern fehlen
Am ehesten sind die angehenden Allgemeinmediziner gefährdet. Es ist ihnen nicht erlaubt, den freien
Teil des KPJ in Lehrpraxen ihrer Wahl zu verrichten, sie werden von der Abteilung Allgemein- und Familienmedizin in jeweils 4-Wochen-Intervallen in unterschiedlichen Städten und Orten innerhalb Österreichs eingesetzt. Das Konzept sieht auch eine günstige Unterkunft für die Studierenden am jeweiligen
Ort vor, doch auch das ist noch nicht fixiert. Warum man nicht die Absolvierung in bereits anerkannten
Lehrpraxen bei Allgemeinmedizinern (v.a. in Wien) weiterführen kann, wurde nicht erklärt. Diese starren Vorgaben werden kaum dazu führen, dass sich junge Mediziner für Allgemeinmedizin interessieren,
obwohl Nachwuchs besonders in diesem Bereich gebraucht wird. Weniger junge Ärzte im Inland bedeuten weniger Fachärzte und die Situation in den ohnehin schon überfüllten Ambulanzen wird sich noch
weiter verschärfen. Ganz abgesehen davon, dass in der Peripherie schon jetzt Kassenstellen nicht mehr
nachbesetzt werden können. Angesichts der Prognosen von 3.000 bis 10.000 fehlenden Ärzten bis zum
Jahr 2030 kann man über die Vorgehensweisen der Krankenhausträger und der MUW nur den Kopf
schütteln. Leider sind die Konsequenzen durch die Entscheidungen der MUW so gravierend, dass ich
mich gezwungen sehe, den Weg in die Öffentlichkeit zu suchen, da kurzfristig mein rechtzeitiger
Studien­abschluss und langfristig die ärztliche Versorgung der österreichischen Bevölkerung ernsthaft
n
gefährdet sind.
Ein Medizinstudent
(Name ist der Redaktion bekannt)
5/14 Ausgabe
35 DAM
PHARMA-NEWS
Primärprophylaxe bei Vorhofflimmern
Auch in dieser Analyse gab es unter Rivaroxaban um
54% weniger tödliche Hirnblutungen als unter dem
Vitamin-K-Antagonisten, wodurch die Sicherheitsergebnisse der Gesamtstudie erneut bestätigt wurden.
n
* Rivaroxaban ist in Österreich unter dem Handelsnamen Xarelto® (Fa. Bayer) erhältlich.
Rivaroxaban ist auch in der Primärprophylaxe von
Schlaganfällen bei nicht valvulärem Vorhofflimmern
nachweislich wirksam. Den Ergebnissen einer prädefinierten Subgruppenanalyse2 der zulassungsrelevanten
*
Literatur:
Wolf PA et al: Stroke 1991; 22(8): 983-988
2
Hankey G et al: Lancet Neurology 2012; 11: 315-322
3
Camm AJ et al: Eur Heart J 2012; 33: 2719-2747
4
Patel MR et al: NEJM 2011; 365(10): 883-891
1
Fachkurzinformationen
Fachkurzinformation zu Inserat auf der Coverflappe
BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS: Seebri® Breezhaler® 44 Mikrogramm, Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede Kapsel enthält 63 Mikrogramm Glycopyrroniumbromid,
entsprechend 50 Mikrogramm Glycopyrronium. Jede abgegebene Dosis (d. h. die Dosis, die aus dem Mundstück des Inhalators abgegeben wird) enthält 55 Mikrogramm Glycopyrroniumbromid, entsprechend 44 Mikrogramm Glycopyrronium. Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Jede Kapsel enthält 23,6 mg Lactose (als Monohydrat). Liste der sonstigen Bestandteile: Inhalt der Kapsel: Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat (Ph. Eur.). Anwendungsgebiete: Seebri
Breezhaler ist für die bronchialerweiternde Erhaltungstherapie zur Symptomlinderung bei erwachsenen Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) angezeigt. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel bei obstruktiven Atemwegserkrankungen, Anticholinergika, ATC-Code: R03BB06. INHABER DER ZULASSUNG: Novartis Europharm
Limited; Wimblehurst Road; Horsham; West Sussex, RH12 5AB; Vereinigtes Königreich. VERSCHREIBUNGSPFLICHT/APOTHEKEN-PFLICHT: Rezept- und apothekenpflichtig. Informationen betreffend Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für
die Anwendung, Wechselwirkung mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekte sind den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Stand der Information: 09/2012.
Fachkurzinformation zu Inserat auf Seite 2
Irbepress 75 mg - Filmtabletten, Irbepress 150 mg - Filmtabletten, Irbepress 300 mg - Filmtabletten. Zusammensetzung: 75 mg: Jede Filmtablette Irbepress 75 mg enthält 75 mg Irbesartan. Jede Filmtablette Irbepress 75 mg enthält 16,03
mg Lactose. 150 mg: Jede Filmtablette Irbepress 150 mg enthält 150 mg Irbesartan. Jede Filmtablette Irbepress 150 mg enthält 32,06 mg Lactose. 300 mg: Jede Filmtablette Irbepress 300 mg enthält 300 mg Irbesartan. Jede Filmtablette
Irbepress 300 mg enthält 64,125 mg Lactose. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Cellactose 80 (enthält 75 % Lactose-Monohydrat und 25 % Cellulosepulver), Mikrokristalline Cellulose, Vorverkleisterte Maisstärke, Croscarmellose-Natrium,
Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Filmüberzug (Opadry YS-1 7003 weiß): Titandioxid (E171), Hypromellose, Macrogol 400, Polysorbat 80. Anwendungsgebiete: Irbesartan wird angewendet zur Behandlung der essentiellen
Hypertonie. Es ist auch indiziert zur Behandlung der Nierenerkrankung bei Patienten mit Hypertonie und Typ-2-Diabetes mellitus als Teil einer antihypertensiven Behandlung. Gegenanzeigen: • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder
einen der in der Fachinformation genannten sonstigen Bestandteile. • Zweites und drittes Schwangerschaftstrimester. Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten, rein. ATC-Code: C09CA04.
Inhaber der Zulassung: G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach. Rezeptpflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Packungsgrößen: 30 Stück. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung,
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen sowie Angaben über Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte den veröffentlichten Fachinformationen!
Telmicard 40 mg-Tabletten, Telmicard 80 mg-Tabletten, Zusammensetzung: 40 mg: 1 Tablette enthält 40 mg Telmisartan. 80 mg: 1 Tablette enthält 80 mg Telmisartan. Sonstige Bestandteile: Natriumhydroxid, Povidon, Mannitol, Maisstärke,
Carmellose-Calcium, Natriumstearylfuma-rat, Magnesiumstearat. Anwendungsgebiete: Hypertonie. Behandlung der essentiellen Hypertonie bei Erwachsenen. Kardiovaskuläre Prävention. Reduktion der kardiovaskulären Morbidität bei
Erwachsenen mit manifester atherothrombotischer kardiovaskulärer Erkrankung (koronare Herzerkrankung, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit in der Vorgeschichte) oder Diabetes mellitus Typ 2 mit dokumentiertem
Endorganschaden. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile,;zweites und drittes Schwangerschaftsdrittel, obstruktive Gallenfunktionsstörungen, ;stark eingeschränkte Leberfunktion.
Wirkstoffgruppe: Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-II-Antagonisten, rein. ATC-Code: C09CA07. Inhaber der Zulassung: G.L. Pharma GmbH, 8502 Lannach. Rezeptpflicht/ Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig.
Packungsgrößen: 30 Stück. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen
sowie Angaben über Gewöhnungseffekte entnehmen Sie bitte den veröffentlichten Fachinformationen!
Fachkurzinformation zu Inserat auf Seite 5 und Bericht auf Seite 15
Caduet 5 mg/10 mg Filmtabletten, Caduet 10 mg/10 mg Filmtabletten. Zusammensetzung: Jede Filmtablette enthält 5 mg (10 mg) Amlodipin (als Amlodipinbesilat) und 10 mg Atorvastatin (als Atorvastatin-Calcium-(Trihydrat)). Sonstige
Bestandteile: Tablettenkern: Calciumcarbonat, Croscarmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose, vorverkleisterte Maisstärke, Polysorbat 80, Hyprolose, kolloidales Siliziumdioxid (wasserfrei), Magnesiumstearat Filmüberzug: (Caduet 5 mg/10
mg): Weiß 85F28751: Polyvinylalkohol, Titandioxid (E 171), Macrogol 3000, Talkum (Caduet 10 mg/10 mg): Blau 85F10919: Polyvinylalkohol, Titandioxid (E 171), Macrogol 3000, Indigotin (E 132), Talkum Anwendungsgebiete: Caduet ist
angezeigt zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Hypertonie mit drei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren, normalem bis leicht erhöhtem Cholesterinspiegel, ohne klinisch nachweisbare KHK, bei denen eine Kombination von Amlodipin mit einer niedrigen Dosis von Atorvastatin als angemessen betrachtet wird, in Übereinstimmung mit den gültigen Behandlungsrichtlinien (siehe Abschnitt 5.1 der Fachinformation). Caduet sollte angewendet werden,
wenn Diät und andere nicht-pharmakologische Maßnahmen keine ausreichende Wirkung erbringen. Gegenanzeigen: Caduet darf nicht angewendet werden bei Patienten mit • bestehender Überempfindlichkeit gegen Dihydropyridine*,
gegen die Wirkstoffe Amlodipin und Atorvastatin oder einen der in Abschnitt 6.1 der Fachinformation genannten sonstigen Bestandteile • aktiven Lebererkrankungen oder unklaren, anhaltenden Erhöhungen der Serumtransaminasen auf
mehr als das 3fache des oberen Normwertes • bestehender Schwangerschaft und in der Stillzeit oder bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine geeignete Verhütungsmethode anwenden (siehe Abschnitt 4.6 der Fachinformation) • gleichzeitiger Therapie mit Itraconazol, Ketoconazol, Telithromycin (siehe Abschnitt 4.5 der Fachinformation) • schwerwiegender Hypotonie • Schock (einschließlich kardiogenem Schock) • Verschluss der Ausflussbahn der linken Herzkammer (z. B.
hochgradige Aortenstenose) • hämodynamisch instabiler Herzinsuffizienz nach akutem Myokardinfarkt * Amlodipin ist ein Calcium-kanalblocker vom Dihydropyridin-Typ. Name oder Firma und Anschrift des pharmazeutischen Unternehmers:
Pfizer Corporation Austria Ges.m.b.H., Wien Stand der Information: Juli 2013 Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung,
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.
Fachkurzinformation zu Inserat auf Seite 8
Stribild 150 mg/150 mg/200 mg/245 mg Filmtabletten. Pharmakotherapeutische Gruppe: Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung; antivirale Mittel zur Behandlung von HIV Infektionen, Kombinationen. ATC Code: J05AR09. Qualitative
und quantitative Zusammensetzung: Jede Filmtablette enthält 150 mg Elvitegravir, 150 mg Cobicistat, 200 mg Emtricitabin und 245 mg Tenofovirdisoproxil (entsprechend 300 mg Tenofovirdisoproxilfumarat bzw. 136 mg Tenofovir). Sonstige
Bestandteile mit bekannter Wirkung: Jede Tablette enthält 10,9 mg Lactose (als Monohydrat). Tablettenkern: Croscarmellose-Natrium, Hyprolose, Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat, Mikrokristalline Cellulose, Siliciumdioxid, Natriumdodecylsulfat; Filmüberzug: Indigocarmin Aluminiumsalz (E132), Macrogol, Poly(vinylalkohol), Talkum (E553b), Titandioxid (E171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E172). Anwendungsgebiete: Stribild wird zur Behandlung der Infektion mit dem
DAM 36
Ausgabe 5/14
Promotion
ROCKET-AF-Studie4 zufolge reduziert Rivaroxaban bei
Patienten, die zuvor noch keinen Schlaganfall erlitten
hatten, das Risiko für tödliche Schlaganfälle um 46%
und für Schlaganfälle mit schwerer Beeinträchtigung um
35% (vs. Vitamin-K-Antagonisten).
L.AT.04.2014.0349
Daher wird in den aktualisierten Richtlinien der europäischen Kardiologengesellschaft ESC zum Thema Vorhofflimmern3 für alle über 65-Jährigen ein gezieltes
Vorhofflimmern-Screening durch regelmäßige Pulsdiagnostik empfohlen. Zur Schlaganfallprophylaxe sollen
laut ESC-Richtlinien die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) bevorzugt eingesetzt werden. Sie sind dem
bisherigen Therapiestandard, den Vitamin-K-Antagonisten, in ihrer Wirksamkeit nicht unterlegen, weisen
jedoch ein deutlich besseres Sicherheitsprofil auf (z.B.
Reduktion der Hirnblutungen und tödlichen Blutungen).
Fachkurzinformation siehe Seite 37
Vorhofflimmern gilt als unabhängiger Risikofaktor für Schlaganfälle und andere
arterielle thromboembolische Ereignisse.1 Nach einem Schlaganfall steigt bei
Patienten mit Vorhofflimmern das Risiko für ein weiteres zerebrovaskuläres Ereignis
nochmals um das 2- bis 5-Fache an.2 Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer
wirksamen Primärprophylaxe.
FACHKURZINFORMATIONEN
Humanen Immundefizienzvirus 1 (HIV 1) bei Erwachsenen im Alter von 18 Jahren und darüber angewendet, die nicht antiretroviral vorbehandelt sind oder bei denen HIV 1 keine Mutationen aufweist, die bekanntermaßen mit Resistenzen
gegen einen der drei antiretroviralen Wirkstoffe von Stribild assoziiert sind. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile. Patienten, die bereits eine Behandlung mit Tenofovirdisoproxilfumarat aufgrund von Nierentoxizität abgesetzt haben, unabhängig von der Entwicklung der Nierenfunktion nach dem Absetzen. Die gleichzeitige Anwendung mit den folgenden Arzneimitteln, da sie potentiell zu schwerwiegenden und/oder
lebensbedrohlichen Ereignissen oder zum Verlust des virologischen Ansprechens und eventuell zur Resistenzentwicklung gegen Stribild führen kann: - Alpha-1-Adrenozeptor-Antagonisten: Alfuzosin; - Antiarrhythmika: Amiodaron, Chinidin;
- Antikonvulsiva: Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin; - Antimykobakterielle Wirkstoffe: Rifampicin; - Ergotaminderivate: Dihydroergotamin, Ergometrin, Ergotamin; - Wirkstoffe zur Verbesserung der gastrointestinalen Motilität: Cisaprid;
- Pflanzliche Präparate: Johanniskraut (Hypericum perforatum); - HMG-CoA-Reduktasehemmer: Lovastatin, Simvastatin; - Neuroleptika: Pimozid; - PDE-5-Hemmer: Sildenafil zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie; - Sedativa/
Hypnotika: oral angewendetes Midazolam, Triazolam. Inhaber der Zulassung: Gilead Sciences International Limited, Cambridge CB21 6GT, Vereinigtes Königreich. NR, apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, sowie Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Jeder
Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu Stribild ist zu melden an Gilead Sciences GesmbH, Fax-Nr.: +43 (0)1 260 83 99, E-Mail: [email protected], und/oder über das nationale Meldesystem an das Bundesamt für Sicherheit im
Gesundheitswesen, Institut Pharmakovigilanz, Traisengasse 5, A-1200 Wien, Fax: +43 (0) 50 555 36207, Website: www.basg.gv.at. Stand der Information: September 2013
Fachkurzinformation zu Inserat auf Seite 11
Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8 der Fachinformation. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS: Tivicay 50 mg Filmtabletten.QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG: Jede
Filmtablette enthält Dolutegravir-Natrium, entsprechend 50 mg Dolutegravir. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Mannitol (E421), Mikrokristalline Cellulose, Povidon K29/32, Poly(O-carboxymethyl)stärke-Natriumsalz, Natriumstearylfumarat
Filmüberzug:Poly(vinylalkohol), Titandioxid (E171), Macrogol, Talkum, Eisen(III)-hydroxid-oxid (E172).KLINISCHE ANGABEN: Pharmakotherapeutische Gruppe: Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung, andere antivirale Mittel, ATC-Code:
J05AX12. Anwendungsgebiete: Tivicay ist angezeigt in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) bei Erwachsenen und bei Jugendlichen im Alter
von über 12 Jahren. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 der Fachinformation genannten sonstigen Bestandteile. Die gleichzeitige Anwendung mit Dofetilid (siehe Abschnitt 4.5 der
Fachinformation). INHABER DER ZULASSUNG: ViiV Healthcare UK Limited, 980 Great West Road, Brentford, Middlesex, TW8 9GS Vereinigtes Königreich. ZULASSUNGSNUMMERN: EU/1/13/892/001; EU/1/13/892/002. Abgabe: NR, rezeptund apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen
entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur http://www.ema.europa.eu/ verfügbar. Hinweise zur Dosierung
und Art der Anwendung: Die empfohlene Dosis von Dolutegravir beträgt 50 mg (eine Tablette) einmal täglich für Therapienaive Patienten oder solche ohne dokumentierte Integrase Inhibitor Resistenz. Dolutegravir sollte von dieser Patientengruppe zweimal täglich eingenommen werden, wenn es gleichzeitig mit bestimmten Arzneimitteln (z.B. Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir/Ritonavir oder Rifampicin) angewendet wird. Tivicay kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen
werden. Bei vorliegen einer Integrase-Inhibitor-Resistenz sollte Tivicay zweimal täglich bevorzugt mit einer Mahlzeit eingenommen werden um die Exposition zu erhöhen. Die Patientensicherheit steht für GSK stets an oberster Stelle. Jeder
Verdacht auf eine unerwünschte Wirkung, die bei einem Patienten auftritt, ist dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen/ Medizinmarktaufsicht in Übereinstimmung mit dem nationalen Erfassungssystem für Spontanberichte zu
melden. Gerne steht Ihnen auch unsere Pharmakovigilanzabteilung für die Erfassung dieser Informationen zur Verfügung. Sie erreichen uns telefonisch unter 01 / 970 75 – 0 oder schriftlich unter [email protected].
Fachkurzinformation zu Bericht und Inserat auf Seite 19
Bezeichnung des Arzneimittels: Kytta Salbe. Qualitative und quantitative Zusammensetzung. 100 g Salbe enthalten: 35 g Flüssigextrakt aus frischer Beinwellwurzel (Symphyti radix recens, Droge-Extrakt-Verhältnis 1:2), Auszugsmittel: Ethanol
60 % (v/v). Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: 0,6 g Parabene (Butyl-, Ethyl-, Methyl-, Propyl-4-hydroxybenzoat, Phenoxyethanol, p-Hydroxybenzoesäureisobutylester), 14 g Erdnussöl, 6,1 g Cetylstearylalkohol, 0,341 g Benzylbenzoat. Anwendungsgebiete: Kytta Salbe ist ein pflanzliches Arzneimittel zur äußerlichen Behandlung von: - Gelenk- und Muskelschmerzen. - Schmerzen und Schwellungen bei Kniegelenksarthrose degenerativen Ursprungs. - akuten Myalgien
im Bereich des Rückens. - Verstauchungen, Prellungen und Zerrungen nach Sport- und Unfallverletzungen. Kytta Salbe wird angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 3 Jahren. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen
Beinwell, Erdnussöl, Soja, Parabene oder einen der sonstigen Bestandteile. Kytta Salbe darf nicht auf offene Wunden aufgetragen werden. Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere topische Mittel gegen Gelenk- und Muskelschmerzen.
ATC-Code: M02AX. Liste der sonstigen Bestandteile. Parabene (Butyl-, Ethyl-, Methyl-, Propyl-4-hydroxybenzoat, Phenoxyethanol, p-Hydroxybenzoesäureisobutylester), Erdnussöl, Cetylstearylalkohol, Benzylbenzoat, Glycerol-Monostearat,
Natriumdodecylsulfat, gereinigtes Wasser, Lavendelöl, Fichtennadelöl, Parfümöl Spezial. Inhaber der Zulassung: Merck GmbH, Zimbagasse 5, AT-1147 Wien. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezeptfrei, Apothekenpflichtig. Weitere
Informationen zu den Abschnitten Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen
entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation. Stand der Information: August 2013
Fachkurzinformation zu Inserat auf Seite 30
Qualitative und quantitative Zusammensetzung 10 mg Filmtabletten: Jede Filmtablette enthält 10 mg Atorvastatin (entspr. 10,36 mg Atorvastatin-Calcium). Qualitative und quantitative Zusammensetzung 20 mg Filmtabletten: Jede Filmtablette enthält 20 mg Atorvastatin (entspr. 20,73 mg Atorvastatin-Calcium). Qualitative und quantitative Zusammensetzung 40 mg Filmtabletten: Jede Filmtablette enthält 40 mg Atorvastatin (entspr. 41,45 mg Atorvastatin-Calcium). Qualitative und quantitative Zusammensetzung 80 mg Filmtabletten: Jede Filmtablette enthält 80 mg Atorvastatin (entspr. 82,90 mg Atorvastatin-Calcium).Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose; Natriumcarbonat; Maltose;
Croscarmellose-Natrium; Magnesiumstearat. Filmüberzug: Hypromellose (E 464); Hydroxypropylcellulose; Triethylcitrat (E 1505); Polysorbat 80; Titandioxid (E 171). Anwendungsgebiete: Hypercholesterinämie: Die Anwendung von Atorvastatin
+pharma ist zusätzlich zu einer Diät angezeigt zur Senkung erhöhter Gesamtcholesterin-, LDL-Cholesterin-, Apo-Lipoprotein-B- und Triglyzeridspiegel bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zehn Jahren mit primärer Hypercholesterinämie, einschließlich familiärer Hypercholesterinämie (heterozygote Variante) oder kombinierter (gemischter) Hyperlipidämie (entsprechend Typ IIa und IIb nach Fredrickson), wenn Diät und andere nicht pharmakologische Maßnahmen keine
ausreichende Wirkung erbringen. Atorvastatin +pharma ist auch zur Senkung von Gesamt- und LDL-Cholesterin bei Erwachsenen mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie angezeigt – entweder zusätzlich zu anderen lipidsenkenden
Maßnahmen (z. B. LDL-Apherese) oder falls solche Behandlungsmöglichkeiten nicht verfügbar sind. Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen: Zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten, deren Risiko für ein erstes kardiovaskuläres Ereignis als hoch eingestuft wird, zusätzlich zur Behandlung weiterer Risikofaktoren (siehe Abschnitt 5.1). Gegenanzeigen: Atorvastatin +pharma ist kontraindiziert bei Patienten: mit Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder
einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile; mit aktiver Lebererkrankung oder unklarer, dauerhafter Erhöhung der Serumtransaminasen auf mehr als das 3-fache des oberen Normwertes; in der Schwangerschaft, während
der Stillzeit und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine geeigneten Empfängnisverhütungsmethoden anwenden (siehe Abschnitt 4.6). Pharmakotherapeutische Gruppe: Arzneimittel zur Regulierung der Lipidwerte, HMG-CoA-ReduktaseHemmer. ATC-Code: C10AA05. Atorvastatin +pharma 10 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stk., Rezept- und apothekenpflichtig. Atorvastatin +pharma 20 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stk., Rezept- und apothekenpflichtig. Atorvastatin +pharma
40 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stk., Rezept- und apothekenpflichtig. Atorvastatin +pharma 80 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stk., Rezept- und apothekenpflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer: +pharma arzneimittel gmbh, A-8054 Graz,
E-Mail: [email protected]. Simvastatin +pharma 20 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält 20 mg Simvastatin. Sonstige Bestandteile: Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:
wasserfreie Lactose. Tablettenkern: Wasserfreie Lactose; mikrokristalline Cellulose; vorverkleisterte Stärke; Butylhydroxyanisol; Magnesiumstearat; Talkum. Tablettenüberzug: Hydroxypropylcellulose; Hypromellose; Talkum; Titandioxid (E 171).
Simvastatin +pharma 40 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält 40 mg Simvastatin. Sonstige Bestandteile: Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: wasserfreie Lactose. Tablettenkern:
Wasserfreie Lactose; mikrokristalline Cellulose; vorverkleisterte Stärke; Butylhydroxyanisol; Magnesiumstearat; Talkum. Tablettenüberzug: Hydroxypropylcellulose; Hypromellose; Talkum; Titandioxid (E 171). Simvastatin +pharma 80 mg Filmtabletten. Qualitative und quantitative Zusammensetzung:1 Filmtablette enthält 80 mg Simvastatin. Sonstige Bestandteile: Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: wasserfreie Lactose. Tablettenkern: Wasserfreie Lactose, mikrokristalline
Cellulose; vorverkleisterte Stärke; Butylhydroxyanisol; Magnesiumstearat; Talkum. Tablettenüberzug: Hydroxypropylcellulose; Hypromellose; Talkum; Titandioxid (E 171). Anwendungsgebiete: Hypercholesterinämie: Behandlung der primären
Hypercholesterinämie oder der gemischten Dyslipidämie als Zusatztherapie zur Diät, wenn das Ansprechen auf die Diät und andere nicht pharmakologische Behandlungen (z.B. körperliches Training, Gewichtsabnahme) unzureichend ist. Behandlung der homozygoten familiären Hypercholesterinämie als Zusatztherapie zur Diät und anderen lipidsenkenden Behandlungen (z.B. LDL-Apherese) oder wenn solche Behandlungen nicht geeignet sind. Kardiovaskuläre Prävention: Reduktion der kardiovaskulären Mortalität und Morbidität bei Patienten mit manifester atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder Diabetes mellitus und normalen oder erhöhten Cholesterinspiegeln, als Zusatztherapie zur Korrektur
anderer Risikofaktoren und zu anderen kardioprotektiven Therapien (siehe Abschnitt 5.1). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1. genannten sonstigen Bestandteile; Aktive Lebererkrankung
oder ungeklärte, anhaltende Erhöhung der Serum-Transaminasen; Schwangerschaft und Stillzeit (siehe Abschnitt 4.6); Gleichzeitige Anwendung von potenten CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, HIV-ProteaseInhibitoren (z.B. Nelfinavir), Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycin und Nefazodon) (siehe Abschnitte 4.4 und 4.5); Gleichzeitige Anwendung von Gemfibrozil, Ciclosporin oder Danazol (siehe Abschnitte 4.4 und 4.5). Pharmakotherapeutische Gruppe: HMG-CoA-Reduktase-Hemmer. ATC-Code: C10AA01. Simvastatin +pharma 20 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stück, Simvastatin +pharma 40 mg Filmtabletten, OP zu 30 Stück, Simvastatin +pharma 80 mg Filmtabletten, OP zu
30 Stück. Rezept- und apothekenpflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer: +pharma arzneimittel gmbh, A-8054 Graz, E-Mail: [email protected]. Weitere Angaben zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
oder sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Gewöhnungseffekten und zu den Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.
Fachkurzinformation zu Bericht auf Seite 36 und Inserat auf Seite 38
Xarelto 10 mg/15 mg/20 mg Filmtabletten (Vor Verschreibung bitte die Fachinformation beachten). Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über
die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8. Qualitative und Quantitative Zusammensetzung:
Wirkstoff: 10 mg/15 mg/20 mg Rivaroxaban. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Natriumdodecylsulfat, Magnesiumstearat; Filmüberzug: Macrogol
3350, Hypromellose, Titandioxid (E 171), Eisen(III)-oxid (E 172). Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Jede 10 mg/15 mg/20 mg Filmtablette enthält 26,51 mg/24,13 mg/ 21,76 mg Lactose (als Monohydrat). Pharmakotherapeutische
Gruppe: Direkte Faktor-Xa-Inhibitoren, ATC-Code: B01AF01. Anwendungsgebiete: 10 mg: Zur Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) bei erwachsenen Patienten nach elektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen. 15 mg/20 mg:
Prophylaxe von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und einem oder mehreren Risikofaktoren, wie kongestiver Herzinsuffizienz, Hypertonie, Alter ab 75 Jahren, Diabetes
mellitus, Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke in der Anamnese. Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE bei Erwachsenen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; akute, klinisch relevante Blutungen; Läsionen oder klinische Situationen mit einem signifikanten Risiko einer schweren Blutung; die gleichzeitige
Anwendung von anderen Antikoagulanzien, außer bei der Umstellung der Antikoagulationstherapie auf oder von Rivaroxaban (siehe Abschnitt 4.2) oder wenn UFH in Dosen gegeben wird, die notwendig sind, um die Durchgängigkeit
eines zentralvenösen oder arteriellen Katheters zu erhalten; Lebererkrankungen, die mit einer Koagulopathie und einem klinisch relevanten Blutungsrisiko, einschließlich zirrhotischer Patienten mit Child Pugh B und C, verbunden sind;
Schwangerschaft u. Stillzeit. Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen: Eine klinische Überwachung in Übereinstimmung mit der antikoagulatorischen Praxis wird während der gesamten Behandlungsdauer empfohlen. Die Gabe von Xarelto
sollte bei Auftreten einer schweren Blutung unterbrochen werden. Mit zunehmendem Alter kann sich das Blutungsrisiko erhöhen. Nicht empfohlen: bei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionseinschränkung (Kreatinin-Clearance < 15
ml/min); bei Patienten, die zeitgleich eine systemische Behandlung mit Wirkstoffen, die gleichzeitig stark CYP3A4 und P-gp inhibieren, z.B. Azol-Antimykotika oder HIV-Proteaseinhibitoren, erhalten; bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko;
bei Patienten, die gleichzeitig starke CYP3A4 Induktoren erhalten, es sei denn der Patient wird engmaschig auf Anzeichen oder Symptome einer Thrombose überwacht; Nicht empfohlen aufgrund des Fehlens von Daten: bei Patienten unter
18 Jahren; bei Patienten, die zeitgleich mit Dronedaron behandelt werden; 10 mg: Patienten, die sich einer Operation nach Hüftfraktur unterzogen haben; 15 mg/20 mg: bei Patienten mit künstlichen Herzklappen; bei Patienten mit einer
LE, die hämodynamisch instabil sind oder eine Thrombolyse oder pulmonale Embolektomie benötigen. Mit Vorsicht empfohlen: bei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 15 - 29 ml/min) oder mit einer
Nierenfunktionsstörung, wenn gleichzeitig andere Arzneimittel eingenommen werden, die zu erhöhten Rivaroxaban Plasmaspiegeln führen; bei Patienten, die gleichzeitig auf die Gerinnung wirkende Arzneimittel erhalten, 10 mg: bei der
Anwendung von neuraxialer Anästhesie oder Spinal/Epiduralanästhesie; 15 mg/20 mg: es gelten spezielle Dosisempfehlungen für Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Nierenfunktionsstörung und im Fall von Patienten mit einer
TVT/LE nur dann, deren abgeschätztes Blutungsrisiko das Risiko für eine rezidivierende TVT/LE überwiegt; bei Patienten mit dem Risiko einer ulzerativen gastrointestinalen Erkrankung kann eine prophylaktische Behandlung erwogen werden.
Obwohl die Behandlung mit Rivaroxaban keine Routineüberwachung der Exposition erfordert, können die mit einem kalibrierten quantitativen Anti-Faktor Xa-Test bestimmten Rivaroxaban-Spiegel in Ausnahmesituationen hilfreich sein. Xarelto enthält Lactose. Nebenwirkungen: Häufig: Anämie, Schwindel, Kopfschmerzen, Augeneinblutungen, Hypotonie, Hämatome, Epistaxis, Hämoptyse, Zahnfleischbluten, gastrointestinale Blutung, gastrointestinale und abdominale Schmerzen,
Dyspepsie, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Pruritus, Hautrötung, Ekchymose, kutane und subkutane Blutung, Schmerzen in den Extremitäten, Blutung im Urogenitaltrakt (einschließlich Hämaturie und Menorrhagie), Einschränkung
der Nierenfunktion, Fieber, periphere Ödeme, verminderte Leistungsfähigkeit, Transaminasenanstieg, Blutung nach einem Eingriff (einschl. postoperativer Anämie und Wundblutung), Bluterguss, Wundsekretion. Gelegentlich: Thrombozythämie, allergische Reaktion, allergische Dermatitis, zerebrale und intrakranielle Blutungen, Synkope, Tachykardie, trockener Mund, Leberfunktionsstörung, Urtikaria, Hämarthros, sich unwohl fühlen, kutane und subkutane Blutung, Anstieg von
Bilirubin, alkalischer Phosphatase, LDH, Lipase, Amylase und der GGT. Selten: Gelbsucht, Blutung in einen Muskel, lokale Ödeme, Anstieg von konjugiertem Bilirubin, vaskuläres Pseudoaneurysma. Nicht bekannt: Kompartmentsyndrom oder
(akutes) Nierenversagen als Folge einer Blutung, Angioödem und allergisches Ödem. Inhaber der Zulassung: Bayer Pharma AG, D-13342 Berlin, Deutschland. Verschreibungs-/ Apothekenpflicht: Rezeptpflichtig (NR), apothekenpflichtig. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit, Nebenwirkungen und Gewöhnungseffekten sind
den veröffentlichten Fachinformationen zu entnehmen. Stand der Information: April 2014. Falls Sie weitere Informationen über das Arzneimittel wünschen, setzen Sie sich bitte mit dem örtlichen Vertreter des pharmazeutischen Unternehmers
in Verbindung: Österreich, Bayer Austria Ges.m.b.H., Tel: +43-(0)1-711 460
5/14 Ausgabe
37 DAM
1 × täglich eine
in der Schlaganfallprophylaxe
bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern*
Weitere Informationen auf www.inside.bayer.at
* Details siehe FKI Seite 37
1312.0367.L.GM.Xarelto
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