Makroökonomik - Universität Passau

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Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff
Universität Passau
WS 2012/13
y,
s.y
y*
4. Geld und Inflation
c*
f(k)
(n+d)k
s.f(k)
s.y*
k*
Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff
k
Folie 84
Pflichtlektüre:
Mankiw, N. G. (2003), Macroeconomics. 5. Aufl. S. 75108; 524-525.
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• Inflation
Unter Inflation, p, versteht man eine Situation, in der die Lebenshaltungskosten
in einer Volkswirtschaft ansteigen. Deflation bezeichnet dagegen die
gegenteilige Situation sinkender Lebenshaltungskosten. Die
Lebenshaltungskosten sind ein Maß für die gesamten Kosten der Güter und
Dienste, welche von einem typischen Konsumenten gekauft werden. Ein Anstieg
der Lebenshaltungskosten bedeutet, dass ein typischer Konsument mehr Euro
ausgeben muss, um den Lebensstandard zu halten. Das Statistische Bundesamt
stellt hierfür monatliche Daten zur Verfügung. Diese erlauben es, die zeitliche
Veränderung der Lebenshaltungskosten zu verfolgen.
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• Verbraucherpreisindex
Die Lebenshaltungskosten werden auch „Verbraucherpreisindex“ genannt und
im Folgenden mit P gekennzeichnet. Zur Bestimmung der Lebenshaltungskosten
muss zunächst ein Warenkorb bestimmt werden.
• Warenkorb
Der Warenkorb enthält die wichtigsten Güter eines typischen Konsumenten. Mit
Hilfe von Befragungen von Haushalten werden in periodischen Abständen die
passenden Gewichte der einzelnen Güter bestimmt. Haushalte werden hierzu
seitens des Statistischen Bundesamtes aufgefordert, ein Jahr lang über ihre
Einnahmen und Ausgaben Buch zu führen.
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• Messung der Inflation
Zu den Gütern des Warenkorbes werden regelmäßig die Preise
zusammengetragen. Hiermit können dann die gesamten Kosten des Warenkorbes
zu unterschiedlichen Zeitpunkten bestimmt werden. Ein Jahr wird als Basisjahr
festgelegt und die Ergebnisse anderer Jahre mit denen des Basisjahres
verglichen. Die Inflationsrate, p, im Jahre 2012, beispielsweise, ergibt sich
gemäß:
𝑃2012 − 𝑃2011
𝜋2012 =
× 100
𝑃2011
• Bias in der Messung
Der Verbraucherpreisindex ist ein akkurates Maß für das Preisniveau des
ausgewählten Warenkorbes, aber er ist kein perfektes Abbild der
Lebenshaltungskosten.
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1. Substitutionsbias
Veränderungen relativer Preise bewirken eine Veränderung des Warenkorbes hin
zu preiswerteren Produkten. Durch diese Substitutionseffekte wird der gesamte
Warenkorb günstiger. Der Index unterstellt einen konstanten Warenkorb,
vernachlässigt also diesen Substitutionseffekt. Hierdurch überschätzt der Index
die Inflationsrate.
2. Einführung neuer Produkte
Der Warenkorb vernachlässigt die veränderte Kaufkraft, welche durch die
Einführung neuer Produkte entsteht. Neue Produkte erhöhen die
Wahlmöglichkeiten eines Konsumenten. Dies macht jeden Euro wertvoller.
Konsumenten brauchen weniger Euro, um den gleichen Lebensstandard zu
erreichen. Der Verbraucherpreisindex vernachlässigt dies und überschätzt daher
die Inflationsrate.
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3. Vernachlässigte Qualitätsverbesserungen
Wenn sich die Qualität eines Gutes über die Jahre verbessert, erhöht sich der
Wert eines hierfür ausgegebenen Euro, ohne dass sich das Preisniveau des Gutes
verändert. Sofern im Mittel eher Qualitätsverbesserungen auftreten, kommt es
dazu, dass der Verbraucherpreisindex die Inflationsrate überschätzt.
• Überschätzung der Lebenshaltungskosten
Aufgrund der drei genannten Gründe werden die Lebenshaltungskosten
überschätzt. Schätzungen ergeben, dass die gemessene Inflation den
tatsächlichen Anstieg der Lebenshaltungskosten um ca. einen Prozentpunkt pro
Jahr überzeichnet. Dies kann problematisch sein, sofern ein Inflationsausgleich
bei staatlichen Programmen oder in Tarifverhandlungen festgelegt wird (dies
wird auch „Indexierung“ genannt. Eine solche Indexierung ist in Deutschland
rechtlich aber nur eingeschränkt möglich).
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Interaktives
• Inflation
Haben Sie Sorge, dass in der Zukunft die Inflation ansteigen könnte?
o Ja
Nein
Gesetzt den Fall, die Inflation würde tatsächlich ansteigen, hätten Sie Sorge,
dass dies negative Auswirkungen hätte?
o Ja
Nein
Welche negative Auswirkung würden Ihnen am meisten Sorge bereiten?
o Meine Ersparnisse und Vermögen sind weniger wert.
o Ich kann mir von meinem jährlichen Einkommen weniger leisten.
o Die Wirtschaft wird instabil weil keiner mehr Preisschwankungen
versteht.
o Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer.
o Andere Gründe.
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Die Kosten der Inflation
 Inflation bei konstantem nominalen Lohneinkommen reduziert die
Kaufkraft der Lohnempfänger. Wird mit diesem Argument bereits auf die
Kosten der Inflation verwiesen?
 Nein. Konstanter nominaler Lohn kann mit steigendem Selbstständigenoder Gewinneinkommen einhergehen, denn Produzenten verdienen
nominal mehr bei steigenden Preisen. Damit findet eine (evtl.
unerwünschte) Umverteilung statt, nicht aber ein allgemeines Sinken des
Lebensstandards.
 Welche Kosten lassen sich klarer identifizieren?
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1. Schuhlederkosten
Menschen versuchen, ihre Geldhaltung bei hoher Inflation zu reduzieren. Dies
impliziert ein häufigeres Aufsuchen der Bank zum Zweck der Abhebung von
zinstragenden Vermögensanlagen. Hierbei entstehen Kosten für die involvierte
Zeit und Unannehmlichkeiten.
2. Menukosten
Preislisten und Aushängeschilder müssen häufiger aktualisiert werden. Die
Bestimmung neuer Preise erfordert kostspielige Informationen,
Entscheidungsprozesse, Verhandlungen und Kommunikation. Hierbei werden
Ressourcen verbraucht, die ansonsten im Produktionsprozess sinnvoller
verwendet werden könnten.
Wird hingegen auf häufige Preisanpassungen verzichtet und stattdessen starke
Preiserhöhungen relativ selten durchgeführt, dann beeinflusst Inflation die
relativen Preise. Dies bewirkt allokative Verzerrungen.
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3. Konfusion und Unbequemlichkeit
Mit Inflation sind reale Werte schwerer über die Zeit zu vergleichen. Geld
verliert teilweise seine Bedeutung als Recheneinheit. Eine realistische
Darstellung von Kosten, Profiten und Erträgen einer Firma wird so erschwert.
Investoren haben größere Schwierigkeiten, erfolgreiche von erfolglosen
Firmen zu unterscheiden. Der Kapitalmarkt wird behindert.
4. Willkürliche Umverteilung
Die bisher erwähnten Kosten ergeben sich auch bei einer konstant hohen
Inflationsrate. Weitere Kosten ergeben sich bei einer unerwarteten Inflation.
Bezieher eines nominal fixierten Lohneinkommens werden benachteiligt.
Ebenso werden Kreditgeber von einer unerwarteten Inflation benachteiligt, da
zumeist in Kreditverträgen die Nominalzinsen fixiert sind. Kreditnehmer
werden von Inflation begünstigt, da ihre Tilgung real günstiger wird.
Vermögen wird somit willkürlich umgeschichtet. Hierdurch ergeben sich
Verteilungsprobleme, evtl. auch eine abnehmende Bereitschaft, mit regulärer
Arbeit Einkommen zu erzielen.
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Interaktives
• Inflation
Ihr Vorgesetzter kommt in Ihr Büro, teilt Ihnen mit, dass Ihr Lohn steigt und
beglückwünscht Sie dazu. Beachten Sie die weitere Beschreibung auf Ihrem
mobilen Endgerät! Wie schätzen Sie die Auswirkung dieser Nachricht auf Ihre
Arbeitsmotivation ein? Die Arbeitsmotivation würde sich
verbessern 1 | 2 | 3 | 4 | 5 verschlechtern
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Der Nutzen der Inflation
1. Vermeidung von Unterbeschäftigung
Die Erfahrung lehrt, dass sich Inflation nur durch einen Produktionseinbruch und
Unterbeschäftigung reduzieren lässt. Gemäß Schätzungen ist zur Reduzierung
der Inflation um einen Prozentpunkt ein temporärer Produktionseinbruch zu
erwarten. Aggregiert über den Anpassungszeitraum beläuft sich der Einbruch auf
5 Prozent des Inlandsprodukts (z.B. in den ersten beiden Jahren jeweils 2
Prozent und im dritten Jahr 1 Prozent). Ein temporärer Produktionseinbruch
kann auch länger anhaltende nachteilige Folgen haben. Eine Rezession kann
Investoren abschrecken. Damit sinkt der Kapitalstock und temporär die
Produktivität. Temporäre Arbeitslosigkeit kann auch Humankapital vernichten,
weil Erfahrungswissen verloren geht. Fortwährende Inflation vermeidet auch
diese Kosten.
2. Besteuerung von Geldvermögen
Inflation wirkt wie eine Besteuerung von Geldvermögen und verschafft der
Zentralbank und damit dem Staat zusätzliche Einnahmen (Inflationssteuer). In
Ländern, in denen das Steuersystem nicht gut funktioniert, kann dies eine
effiziente Form der Finanzierung öffentlicher Aufgaben darstellen.
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3. Verbesserte Anpassung der realen Löhne
Nominale Löhne sind teilweise nach unten starr, z.B. weil Gewerkschaften
gegen Lohnsenkungen Streiks organisieren können. Bei einer schleichenden
realen Entwertung der Löhne durch Inflation bleiben Streiks aber zumeist aus.
Dies ist kompatibel mit Umfrageergebnissen: Eine Reduzierung des
Nominallohnes bei Nullinflation wird als unfair eingeschätzt, ein konstanter
Lohn bei Inflation aber nicht. Dieses Verhalten wird auch als „Geldillusion“
bezeichnet. Eine moderate und konstante Inflation kann daher die notwendige
Anpassung der realen Löhne in Krisenbranchen ermöglichen. Dies kann auch
langfristig die Produktion eines Landes erhöhen.
4. Verringertes Deflationsrisiko
Höhere Inflation verringert das Risiko, dass eine Krise zu Deflation, also einem
sinkenden Preisniveau, führt. Warum diese besonders gefährlich ist, wird in
Abschnitt 10 gezeigt.
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Interaktives
• Inflation
Welche Inflationsrate, gemessen mit dem VPI, würden Sie für Deutschland
bevorzugen?
o 0%
o 1%
o 2%
o 3%
o 4% oder mehr
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• Optimale Inflation
In Abwägung der Vor- und Nachteile der Inflation sollte bedacht werden, dass
eine Inflation von Null übermäßig restriktiv wirkt. Aufgrund des
Substitutionsbias ist eine Inflationsrate von 1% als Preisniveaustabilität zu
werten. Darüber hinaus kann aus den genannten Nutzenerwägungen ein wenig
Inflation zugelassen werden. Die EZB hat sich daher ein Inflationsziel von
zwischen 1% und 2% gesetzt. Andere Zentralbanken, wie die Norwegens, haben
höhere Inflationsziele von 2,5%.
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Geld
Unter Geld verstehen wir alles, was zur Bezahlung von Gütern und
Dienstleistungen oder zur Abdeckung wirtschaftlicher Verpflichtungen
akzeptiert wird. Die konkrete Erscheinungsform ist evtl. Änderungen
unterworfen. Auch knappe Güter wie Zigaretten oder Butter sind als Geld
verwendet worden. Definiert wird Geld insbesondere durch die Funktionen, die
es erfüllt.
1. Tauschmittelfunktion (Wertübertragungsfunktion).
Naturaltausch ist kaum zu organisieren, da eine doppelte Übereinstimmung der
Bedürfnisse oder eine Kette von Tauschtransaktionen organisiert werden muss.
Dies würde hohe Suchkosten implizieren. Geld hilft dabei, den Tausch in Kauf
und Verkauf aufzuspalten.
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2. Recheneinheit; allgemeines Wertausdrucksmittel.
Der Wert aller Güter, Forderungen und Verbindlichkeiten wird in Einheiten ein
und derselben Bezugsgröße ausgedrückt. Werden 200 Güter gegeneinander
getauscht, müssten (n(n-1))/2=19900 Austauschverhältnisse bekannt sein. Ist ein
Gut davon eine Recheneinheit, so reduziert sich die Anzahl der
Austauschverhältnisse auf 199. Dies bewirkt eine Einsparung an
Informationskosten.
3. Wertaufbewahrungsfunktion; Wertspeicher.
Oftmals liegt eine zeitliche Trennung von Kauf und Verkauf vor. Geld
ermöglicht es, Kaufkraft zu „lagern“. Geld hat hierbei allerdings den Nachteil,
dass es keine Zinsen abwirft. Andere Formen der Vermögensanlage
(Sparguthaben, Wertpapiere oder Sachvermögen) bringen Zinsen, Dividenden,
Pacht oder Mieten hervor. Außerdem partizipieren diese u.U. an
Preissteigerungen. Dafür ist Geld allerdings risikolos (keine
Kursschwankungen).
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• Geldnachfrage
Die drei Funktionen implizieren, dass Wirtschaftssubjekte Geld zu halten
wünschen. Insgesamt wird um so mehr Geld nachgefragt, je mehr
Gütertransaktionen in einer Volkswirtschaft getätigt werden, je höher also das
reale Inlandsprodukt ist. Zudem wird bei einem Anstieg des Preisniveaus eine
erhöhte Geldhaltung erforderlich. Wird die Geldnachfrage hingegen durch den
Verbraucherpreisindex, P, dividiert, so sprechen wir von der „realen“
Geldnachfrage.
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• Geldnachfrage und Zinssatz
Geld hat im Vergleich zu anderen Vermögensanlagen den Nachteil, keine
Zinsen oder Dividenden zu erbringen. Daher werden Wirtschaftssubjekte um
so weniger Geld zu halten wünschen, je höher der (nominale) Zinssatz ist.
 Hierzu können wir uns die Abwägung eines Wirtschaftssubjekts
zwischen dem Halten von Geld und dem Halten von
festverzinslichen Staatsanleihen (Bonds) vorstellen.
 Die Geldnachfrage und die Bondnachfrage sind voneinander
abhängig. Steigt der Zinssatz, so werden Bonds attraktiver.
 Wirtschaftssubjekte reduzieren dann die Geldhaltung, um verstärkt
die zinstragenden Staatsanleihen zu halten. Bei der knappen
Geldausstattung müssen sie für die täglichen Güterkäufe häufiger
zur Bank gehen und einen geringen Betrag Bargeld abheben. Bonds
werden häufig ge- und verkauft um den Saldo des Girokontos gering
zu halten.
 Bei niedrigen Zinsen wird hingegen mehr Geld gehalten und die
häufigen Käufe und Verkäufe von Bonds lohnen sich nicht.
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• Reale Geldnachfrage
Das nominale Zinsniveau und das reale Inlandsprodukt bestimmen somit die
reale Geldnachfrage, Lr.
𝐿𝑟 = 𝐿 𝑌, 𝑖 , mit 𝑑𝐿𝑟 𝑑𝑌 > 0; 𝑑𝐿𝑟 𝑑𝑖 < 0,
Bei einer Verdoppelung des Verbraucherpreisindex, P, wird sich die nominale
Geldnachfrage ebenfalls verdoppeln. Für alle Güterkäufe ist die doppelte Kasse
für Transaktionszwecke notwendig. Daher resultiert für die nominale
Geldnachfrage, Ln:
𝐿𝑛 = 𝑃 ∙ 𝐿 𝑌, 𝑖
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i
Lr(Y,i)
i
Lr
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Lr
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• Kausalität
Die Kurve für die Geldnachfrage erlaubt zwei verschiedene Lesarten. Bei
einem vorgegebenen Zins zeigt sich, in welcher Höhe die Geldnachfrage
resultiert. Es kann aber auch von einer vorgegebenen Geldmenge
ausgegangen werden. In diesem Fall bestimmt die Kurve die Höhe des
nominalen Zinssatzes. Welche Variante anzuwenden ist, hängt von der
Politik der Zentralbank ab.
• Verschiebung der Geldnachfragekurve
Zwei Variablen können die Geldnachfragekurve nach rechts verschieben:
ein höheres Inlandsprodukt und ein exogener Anstieg. Wenn z.B. Bonds als
riskant eingestuft werden, wollen Anleger lieber risikoloses Geld halten
und erhöhen autonom die Geldnachfrage.
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Fallstudie
III. Fallstudie Goldstandard
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Fallstudie
•
Zentralbanken garantieren einen Preis zwischen
ausgegebenen Banknoten (und Münzen) und Gold. Sie
verpflichten sich, ausgegebene Banknoten gegen Gold zu
konvertieren.
•
Zentralbanken sind damit in der Höhe der ausgegebenen
Banknoten beschränkt.
•
Die Geldmenge wird durch die Höhe der Goldreserven
begrenzt.
•
Die Höhe der Zinsen resultiert bei fixierter Geldmenge
aus der Geldnachfragekurve.
•
Sofern Zentralbanken untereinander ihre Zahlungen in
Gold abwickeln und Staaten den internationalen,
privatwirtschaftlichen Transfer von Gold erlauben, spricht
man von einem internationalen Goldstandard.
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Nachteil: Die Höhe der Geldmenge ist fixiert und
bestimmt damit den Zinssatz. Damit kann die Höhe der
Zinsen nicht mehr den Bedürfnissen der lokalen
Wirtschaft angepasst werden. In einer wachsenden
Wirtschaft erhöht sich permanent die Geldnachfrage. Ein
Zinsanstieg ist nur durch stetige Deflation zu vermeiden.
•
Vorteil: Staaten können nicht eine unsolide
Budgetplanung durch Gelddrucken finanzieren.
Fallstudie
•
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Fallstudie
• 1833: Per Gesetz wird die Bank of England verpflichtet,
ausgegebene Noten in Gold zu konvertieren.
• 1870-1914: Der Goldstandard setzt sich gegen Silber
international durch. Zentralbanken schließen sich
Großbritannien an und begründen einen internationalen
Goldstandard.
• 1919-1931: Währungen werden vereinzelt wieder an Gold
gebunden.
• 1944: Auf der Konferenz von Bretton Woods wird der
Dollar an Gold gebunden und andere Währungen an den
Dollar, mit der Möglichkeit der Abwertung.
• 1971: Präsident Nixon beendet Bindung des Dollar an Gold.
Damit können US-Dollar unbegrenzt emittiert werden.
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17 ab. 2011
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Folie 112
• Organisation
Die Durchführung der Geldpolitik wird vom EZB-Rat
vorgenommen. Der EZB-Rat
besteht aus dem Direktorium
mit dem Präsidenten, dem
Vizepräsidenten und vier
weiteren Mitgliedern sowie den
Präsidenten der nationalen
Zentralbanken.
• Grundsätzlich beschließt der
EZB-Rat (wie auch das
Direktorium) mit einfacher
Mehrheit, wobei im Falle der Stimmengleichheit die Stimme des
Präsidenten den Ausschlag gibt. Das Direktorium ist für die Umsetzung der
Entscheidungen des EZB-Rats verantwortlich. Die Ausführung der
Beschlüsse obliegt den Nationalen Zentralbanken auf Weisung des
Direktoriums.
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Folie 113
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Geldmengenaggregate der Europäischen Zentralbank
Stand: März 2012
• Bargeldumlauf im Nichtbankensektor (843)
• Sichteinlagen der Nichtbanken bei den
Geschäftsbanken (3941)
• Einlagen der Nichtbanken bei den
Geschäftsbanken mit vereinbarter Laufzeit von
bis zu zwei Jahren sowie mit vereinbarter
Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten (3836)
• Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und
Geldmarktpapiere, Schuldverschreibungen bis
zwei Jahre von Nichtbanken (1138)
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M1
M2
M3
Folie 115
• Moderne Zentralbankpolitik
Während im Goldstandard die Höhe der Geldmenge fest vorgegeben war, gibt es
eine solche Beschränkung für die EZB nicht. Die EZB gibt vielmehr die Höhe
der Zinsen vor. Die Höhe der Geldmenge wird dann durch die Geldnachfrage
bestimmt.
• Monopol bei der Notenemission
Die beherrschende Stellung der Zentralbank bei der Bestimmung des
Zinsniveaus ergibt sich aus ihrem Recht zur Emission von Banknoten und der
Kontrolle des Bankensystems. Genauso bestimmt die EZB über das
Ausgabevolumen an Münzen.
• Kreditvergabe der EZB an Geschäftsbanken
Haushalte und Unternehmen wünschen Geld teilweise in Form von Bargeld zu
halten. Wenn Banken Kredite an Unternehmen vergeben, so müssen sie sich für
die Auszahlung teilweise Bargeld verschaffen. Hierbei sind sie auf die
Zentralbank angewiesen. Die Banken müssen sich zur Versorgung mit
Bargeld bei der Zentralbank verschulden. Hierfür bestimmt die Zentralbank die
Höhe der zu zahlenden Zinsen.
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Folie 116
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Folie 117
2012W11
2011W43
2011W23
2011W03
2010W35
2010W15
2009W48
2009W28
2009W08
2008W40
2008W20
2007W52
2007W32
2007W12
2006W44
2006W24
2006W04
2005W36
2005W16
2004W49
2004W29
2004W09
2003W41
2003W21
2003W01
2002W33
2002W13
2001W45
2001W25
2001W05
2000W37
2000W17
1999W49
1999W29
1999W09
1000000
Banknotenumlauf
800000
Kredite der EZB an
Geschäftsbanken
600000
400000
200000
0
• Mindestreserve
Die Zentralbank hat weitere Möglichkeiten, die Kosten der Kreditvergabe der
Banken, und damit die von Unternehmen zu bezahlenden Zinsen, zu
beeinflussen. Derzeit müssen die Banken eine verpflichtende Einlage
(Mindestreserve) in Höhe von (nur) 1 % der Sichteinlagen, bezogen auf die
Girokonten von Haushalten und Unternehmen bei Banken, bei der EZB halten.
Vergibt z.B. eine Bank einen Kredit i.H.v. 1000 €, so wird der Kreditnehmer
(Unternehmer) hiermit Zahlungen durchführen, die bei Empfängern (z.B.
Haushalte) zu Sichteinlagen führen. Dann werden aber 20 € Mindestreserven
fällig. In dieser Höhe müssten die Banken Kredite bei der Zentralbank
aufnehmen. Je höher die Mindestreserve, desto stärker müssen sich
Geschäftsbanken bei der Zentralbank verschulden.
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Folie 118
• Arten der Kreditvergabe an die Geschäftsbanken
 Die Kredite der EZB haben derzeit Laufzeiten von einer Woche
(Hauptrefinanzierungsfazilität, Mindestbietungssatz seit Juli 2012:
0,75%)
 oder drei Monaten (längerfristige Refinanzierungsfazilität).
 Daneben gewährt die Zentralbank eine unbegrenzte
Spitzenrefinanzierungsfazilität zu einem höheren Zinssatz von 1,50%
(Stand Juli 2012).
 Umgekehrt gewährt die EZB den Geschäftsbanken auch die
Möglichkeit, überschüssige Mittel bei der EZB zu halten
(Einlagenfazilität) und bezahlt den Banken hierfür Zinsen von derzeit
allerding 0,00% (Stand Juli 2012).
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Folie 119
• Einfluss der Zentralbankzinsen
 Die Zentralbank beeinflusst die Höhe, mit der sich Banken
untereinander Geld leihen (gemessen mit dem EONIA; Euro
OverNight Index Average). Dies lässt sich insbesondere mit
Arbitragegeschäften erklären.
 So kann der EONIA nie über die Spitzenrefinanzierungsfazilität
steigen, da sich Banken sonst günstiger über die EZB finanzieren
können. Genauso kann der Zinssatz nicht unter das Niveau der
Einlagenfazilität sinken, da Banken sonst überschüssige Mittel eher
bei der EZB anlegen als diese anderen zur Verfügung zu stellen.
 Je höher die Zentralbankzinsen und je höher der EONIA, desto
kostspieliger ist für Banken die Kreditvergabe. Diese Kosten werden
von den Banken durch höhere Zinsen weitergereicht.
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Folie 120
5
1999-01
1999-04
1999-07
1999-10
2000-01
2000-04
2000-07
2000-10
2001-01
2001-04
2001-07
2001-10
2002-01
2002-04
2002-07
2002-10
2003-01
2003-04
2003-07
2003-10
2004-01
2004-04
2004-07
2004-10
2005-01
2005-04
2005-07
2005-10
2006-01
2006-04
2006-07
2006-10
2007-01
2007-04
2007-07
2007-10
2008-01
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2008-07
2008-10
2009-01
2009-04
2009-07
2009-10
2010-01
2010-04
2010-07
2010-10
2011-01
2011-04
2011-07
2011-10
2012-01
2012-04
2012-07
6
Zinssatz Einlagefazilität
Zinssatz Spitzenrefinanzierungsfazilität
Zinssatz Hauptrefinanzierungsgeschäfte
Geldmarktsätze: EONIA
(Monatsdurchschnitt)
4
3
2
1
0
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Folie 121
• Die Quantitätstheorie
Welches Verhältnis besteht zwischen Inflation und Zentralbankpolitik? Eine
einfache und klassische Verbindung wurde bereits von dem englischen
Philosophen John Locke im 17. Jhdt. formuliert, die Quantitätstheorie.
• Eine einfache Faustformel
Die Menge an Gütern einer Volkswirtschaft, Y, könnte proportional zur Höhe der
realen Geldmenge, M/P, sein. Ist die reale Geldmenge zu hoch, so sollten
langfristig zum Ausgleich die Preise steigen. Dies wird auch als „Neutralität des
Geldes“ bezeichnet: Ein Anstieg der Geldmenge beeinflusst nicht die Höhe des
realen Inlandsprodukts, sondern nur die Preise.
• Umlaufgeschwindigkeit
Die genannte Proportionalität impliziert, dass die Umlaufgeschwindigkeit des
Geldes konstant ist, also bildlich gesprochen die Schnelligkeit, mit der ein Euro
in der Wirtschaft von einer Geldbörse zur anderen wandert.
Umlaufgeschwindigkeit=P.Y/M
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Folie 122
Geld und Preise in der Hyperinflation
c) Deutschland
Index (Jan.
1921 = 100)
100 Bill.
Preisniveau
1 Bill.
10 Mrd.
Geldangebot
100 Mill.
1 Mill.
10,000
100
1921
1922
1923
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1924
1925
Folie 123
Nominales BIP, Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit
10000
8
9000
7
8000
6
Mrd. DM (ab 1999 €)
7000
5
6000
5000
4
4000
3
3000
2
2000
1
1000
0
2009
2007
2005
2003
2001
1999
1997
1995
1993
1991
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1987
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1983
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1979
1977
1975
1973
1971
1969
1967
1965
1963
1961
1959
1957
0
BIP, Eurozone
Geldmenge M1, Eurozone
Geldmenge M1, Deutschland
BIP, Deutschland
Umlaufgeschwindigkeit, M1
Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff
Folie 124
• Zur Brauchbarkeit der Quantitätsgleichung
 Die Faustformel funktioniert relativ gut bei Hyperinflation, also einer
Inflation, welche einen Wert von 50 v.H. im Monat übersteigt.
 In Zeiten moderater Inflation ist die Umlaufgeschwindigkeit aber
nicht konstant.
 Die Umlaufgeschwindigkeit sinkt bei niedrigen Zinsen, da Haushalte
und Unternehmen dann mehr Geld zu halten wünschen.
 Insgesamt wird dieser Faustformel in der Zentralbankpolitik
heutzutage keine herausragende Bedeutung mehr beigemessen.
 Wir werden den Zusammenhang zwischen Zentralbankpolitik und
Inflation noch genauer untersuchen.
Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff
Folie 125
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