- Frida-Levy

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Gliederung
 Essgestörtes Verhalten
 Was sind Essstörungen?
 Die verschiedenen Formen der Essstörung und ihre Merkmale





Häufigkeit und Verbreitung der verschiedenen Formen
Die Merkmale der Magersucht
Die Merkmale der Ess-Brech-Sucht
Die Merkmale der Ess-Sucht
Sonstige, nicht näher bezeichnete Essstörungen
 Die Ursachen von Essstörung




Biologische Faktoren
Individuelle Faktoren
Soziokulturelle Faktoren
Familiäre Faktoren
 Die gängigen Therapieformen zur Behandlung von Essstörungen



Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Verhaltenstherapeutische Psychoanalyse
Systemische Psychotherapie/ Familientherapie
Essgestörtes Verhalten
 Essgestörte Verhaltensweisen (z.B. gezügeltes Essen, Diät halten, überzogenes Nacheifern der
Traumfigur) sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet und nehmen weiter zu.
 Moderne Lebensumstände machen geregelte Nahrungsaufnahme schwierig
 Zeitplan: Frühstück-Mittagessen-Abendessen gerät durcheinander
 Es steht immer und überall etwas zu Essen zur Verfügung
 Die Kontrolle geht verloren
 HIN und HER zwischen WOLLEN, MÜSSEN und NICHT-DÜRFEN, Essen bekommt emotionale
Funktion
 für viele Menschen hat Essen nichts mehr mit Genuss und Sättigung zu tun, sondern eher mit
Zwang und ist gefolgt von Scham- und Schuldgefühlen.
 Immer mehr Menschen eifern dem Wunsch nach ihrer Traumfigur nach, leben in ständiger
Angst vor der Gewichtszunahme, hören nicht mehr auf die eigenen Bedürfnisse und
Körpersignale und können nicht mehr entspannt essen und genießen.
 Das Essen verliert seine Normalität, Diäten, Fastenkuren, kontrolliertes Essen und exzessiver
Sport werden alltäglich.
 Wird der Druck groß genug und bringen Diäten nicht den gewünschten Erfolg werden
zusätzliche Methoden zur Gewichtsregulierung eingesetzt.
 Viele Menschen leben so ohne ernsthaft Schaden zu nehmen, dieses Verhalten kann jedoch
allmählich in eine manifeste Essstörung übergehen und beeinflusst dass Essverhalten der
Kinder maßgeblich.
 Die Auseinandersetzung mit dem Gewicht und der Figur ist längst kein Problem der
Erwachsenen mehr.
Was sind Essstörungen?
Essstörungen …
 … sind psychosomatische (seelisch-körperliche) Störungen
des Essverhaltens, die zu ernsthaften, langfristigen
Gesundheitsschäden und sogar zum Tod führen können.
 Zentral ist die andauernde Beschäftigung mit dem Essen.
 … können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische
Probleme, Ausdruck für stummen Protest oder Ablehnung,
sowie Ausweg, Flucht oder Ersatz für verdrängte Gefühle
und Bedürfnisse sein.
 … signalisieren Verweigerung und stehen zugleich für
Resignation oder Anpassung.
Die verschiedenen
Formen der
Essstörung und ihre
Merkmale
Wir unterscheiden vier medizinisch klassifizierte Formen:
 Die Magersucht (Anorexia nervosa)
 Die Ess-Brech-Sucht (Bulemia nervosa)
 Ess-Sucht (Adipositas, nicht konsistent mit
psychischen oder Verhaltensyndromen verknüpft)
 Atypische, Sonstige und nicht näher-bezeichnete
Essstörungen
Diese Formen können fließend ineinander übergehen
und sind nicht immer eindeutig voneinander abgrenzbar.
Häufigkeit und Verbreitung
Von Essstörungen betroffen sind in erster Linie Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 25
Jahren, sehr selten, etwa im Verhältnis 1:20 erkranken auch Jungen und junge Männer an
Essstörungen, jedoch mit steigender Tendenz.
In den letzen zwanzig Jahren wurde das Problem der Essstörungen immer deutlicher und die Zahl
der Essgestörten steigt immer noch rapide an.
Magersucht
Ess-Brech-Sucht
• weltweit schätzungsweise
0,5-1 % der Frauen in
dieser Altersgruppe
erkrankt
• häufigsten im Alter von 14
bis 18 Jahren
• zählt bei Mädchen und
jungen Frauen zu den
häufigsten Todesursachen
• gefährlichste psychische
Erkrankung des
Jugendalters, bis zu 15 %
der Betroffenen Sterben
daran
• Häufigste vertretene Form
der Essstörungen
• weltweit schätzungsweise
2–5 % der Frauen in dieser
Altersgruppe erkrankt
• In Deutschland
Häufigkeiten von 0,7 bis
1,3 % ermittelt
• Tritt häufig erst gegen
Ende des Jugendalters,
meist im Alter von 18 bis
20 Jahren auf
Ess-Sucht
• Internationale
Schätzungen gehen von 1
bis 3 Prozent aus
• erst seit 1994 als
eigenständige Essstörung
beschrieben, unter den
psychogenen
Essstörungen die am
wenigstens erforschte
Die Merkmale der Magersucht
(Anorexia nervosa)
 Extremer, absichtlich selbst
herbeigeführter Gewichtsverlust in
kurzer Zeit durch: Hungern, übertriebene
körperliche Aktivität, selbstinduziertes
Erbrechen, den Gebrauch von
Appetitzüglern, Abführmitteln oder
entwässernden Medikamenten
 Untergewicht, BMI von höchstens 17,5
 gestörte Körperwahrnehmung
 panische Angst vor
Gewichtszunahme,
übertriebene Sorge um
Körperform und Gewicht
 Zwanghafter Umgang mit
Nahrung
 Körper = Feind (darf keine
Bedürfnisse haben, muss
bekämpft werden)
 Kopf hat Kontrolle ->Gefühl
von Unabhängigkeit und
Selbstständigkeit
 Rückzug
 Schwarz-Weiß-Denken, depressive
Verstimmungen
 Fehlende Krankheitseinsicht
 Körperliche Folgen der
Unterversorgung: Frieren, Haarausfall,
Verstopfung, Müdigkeit, trockene Haut,
Herzrhythmusstörungen,
Kreislaufbeschwerden,
Konzentrationsstörungen, Ausbleiben der
Menstruation, Unfruchtbarkeit,
Wachstumsstörungen bei Kindern und
Jugendlichen
Die Merkmale der Ess-Brech-Sucht
(Bulimia Nervosa)
 Mindestens zwei Essanfälle pro
Woche, über mindestens drei
Monate, mit Kontrollverlust
(hinunterschlingen großer Mengen
kalorienreicher Nahrung, oft bis zu
15.000 kcal pro Anfall )
 Scham und Schuldgefühle
Selbstekel, das Gefühl
nicht normal zu sein
 Anschließende Gegenmaßnahmen:
Fasten, übermäßige körperliche
Aktivität, selbstinduziertes
Erbrechen, Missbrauch von
Laxantien (Abführmittel) und
Diuretika (Entwässerungsmedikamente)
 Körperschemastörung, übertriebene







Beschäftigung Kontrolle des Körpergewichts,
krankhafte Angst Gewichtszunahme
Sehr niedrige, genau festgelegte persönliche
Gewichtsgrenze
Meist normalgewichtig, äußerlich unauffällig
Nach außen hin funktioniert alles perfekt
„Essattacken“ verborgen, Essverhalten in der
Öffentlichkeit kontrolliert
Für „offizielle“ Mahlzeiten – die im Körper
bleiben –fettarme Produkte und Lightprodukte
Lebensmittel werden in erlaubt und verboten
getrennt
Für die Essanfälle werden große Mengen an
billigen, leicht essbaren Lebensmitteln gekauft
und gehortet, mit der gleichzeitigen Angst davor,
Lebensmittel zu Hause zu haben.
 Doppelleben -> Soziale Auffälligkeiten
 Zunehmende Vermeidung sozialer Kontakte
 Rückzug, Vernachlässigung von Interessen
 Depressionen, Gefühlsschwankungen,
Selbstverletzungshandlungen,
Selbstmordgedanken
 Stehlen, Verschuldung
 Körperliche Schäden: Zahnschäden,
Speiseröhrenverätzungen, Schwellung der
Speicheldrüsen Störungen im Magen und
Darm durch die großen Essmengen,
Nierenschäden, Herz-Rhythmus-Störungen,
Hormonstörungen, Herz-KreislaufStörungen, Haarausfall, Schwindel,
Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und
eigeschränkte Leistungsfähigkeit
Die Merkmale der Ess-Sucht
 Übergewicht, Fettleibigkeit





(Adipositas)
etwa zwei Essanfälle pro Woche über
mindestens drei Monate, mit Gefühl
von Kontrollverlust,
(hinunterschlingen enorm großer
Nahrungsmengen, als zwanghaft und
hemmungslos erlebt)
Manchmal ständiges Essen, Nahrung
kontinuierlich über Tag verteilt
aufgenommen, keine festen Mahlzeiten
Zwischen Essanfällen mal sehr
restriktives, dann wieder
unkontrolliertes Essen.
Schlingen, essen bis man „platzt“
Essen: keine Reaktion auf
Hungergefühl, sondern überwiegend
Befriedigung emotionaler Bedürfnisse
 Häufiges Diäthalten und





Abbruch von Diäten
Störung der Hunger- und
Sättigungswahrnehmung
Geringe körperliche Bewegung
und Aktivität, bevorzugen
bewegungsarme
Freizeitbeschäftigungen wie
Fernsehen und Computer
spielen
Verdrängung von Gefühlen
Scham, heimliches Essen
Körperliche Schäden: Diabetes,
Bluthochdruck, Herzprobleme,
Kreislaufbeschwerden,
Wirbelsäulenschäden,
Gelenkleiden, hormonelle
Störungen
Sonstige, nicht näher bezeichnete
Essstörungen
 alle Essstörungen, die sich nicht eindeutig der
Magersucht, der Bulimie oder der Ess-Sucht zuordnen
lassen, weil sie nicht alle Kriterien erfüllen
 Mischformen zwischen den klassischen Essstörungen
 Verharmlosen sollte man diese Essstörungen nicht, sie
haben genauso gravierende Folgen wie die klassischen
Störungen und müssen dringend professionell
behandelt werden.
Die Ursachen von
Essstörungen
 Bei Essstörungen handelt es sich um so genannte
multifaktoriell ausgelöste Krankheiten, die aus dem
Zusammenwirken biologischer, soziokultureller,
familiärer und individueller Faktoren entstehen .
 Der Hintergrund der Krankheit lässt sich nicht an einer
bestimmten Begebenheit, Eigenschaft oder einem
Erlebnis festmachen, sondern ist in der gesamten
Lebensgeschichte der Patienten zu finden.
 Grundsätzlich kann man Essstörungen als Verschiebung
vom Psychischen ins Körperliche verstehen, wobei der
eigene Körper zum Austragungsort seelischer Konflikte
wird.
Biologische Faktoren
 Untersuchungen zum Thema Genetik und Essstörungen
sind widersprüchlich ausgefallen
 Manche Studien schließen genetische Komponente aus,
andere besagen das Gegenteil
 Eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es noch
nicht
 Man kann davon ausgehen, dass Essstörungen keine rein
erblichen Krankheiten sind, wobei die Möglichkeit von
„begünstigenden“ genetischen Faktoren nicht
ausgeschlossen wird
 z. B. ist bei Bulimiepatientinnen häufig ein reduzierter Spiegel
von Botenstoffen des Gehirns (Serotonin) festgestellt worden,
die die Nahrungszufuhr steuern und Einfluss auf das Hungerund Sättigungsgefühl und die emotionale Befindlichkeit haben
Individuelle Faktoren
Individuelle Faktoren spielen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von
Essstörungen eine wichtige Rolle:
 Grundkonflikt: Suche nach der eigenen






Identität
innere Kämpfen zwischen Abhängigkeit
und Selbstbestimmung
Instabiles Selbstwertgefühl, Selbstzweifel
Liebe, Anerkennung durch Leistung oder
Anpassung
Übertriebener Perfektionismus, das
Gefühl sich anderen ständig beweisen zu
müssen
völlig übertriebene Ansprüche an sich
selbst
Erreichte Ziele werden verleugnet,
ignoriert oder durch neue, höhere ersetzt
 Verzerrte Wahrnehmung von Körpersignalen wie Hunger und




Sättigung
Konsequente Ablehnung des eigenen Körpers
Starker Vergleich mit Mädchen in den Medien
Schwierigkeit eigene Bedürfnisse zu erkennen und zu äußern
Große Verlust- und Trennungsängste
 Betroffene unterdrücken Gefühle und eigene Bedürfnisse und handeln
so, wie sie glauben, dass es von ihnen erwartet wird
 Starke Orientierung an der Meinung anderer.
 innere Spannungen zwischen „Wie ich sein will“ und „Wie ich bin“
 Erwecken den Eindruck sich nicht helfen lassen zu wollen
 Sucht ist das einzige worauf sie sich verlassen können (Gefühl
von Macht und Kontrolle)
 Problem mit Nähe und Distanz
 Haben nicht gelernt ihre Grenzen richtig wahrzunehmen
 Esssüchtige sagen meistens „Ja“, Bulimikerinnen „Ja, aber…“ und
Magersüchtige „Nein“
Soziokulturelle Faktoren
Auch die Gesellschaft hat starken Einfluss auf die Entstehung von Essstörungen.
 Schlankheitswahn: Schönheitsideal: schlank, durchtrainiert, fit,
makelloses Aussehen = glückliches, erfolgreiches Leben und
Anerkennung in der Gesellschaft
 zunehmend negatives Image von Übergewichtigkeit
 Übergewichtige fühlen sich abgewertet, verhöhnt, ignoriert
 Medien präsentieren untergewichtige Frauen
 normalgewichtige Frauen finden sich zu dick
 mangelndes Selbstbewusstsein vieler Frauen
 Nacheifern des Schlankheitsideals
 In manchen Berufen ist die Gewichtskontrolle obligatorisch,
attraktives Aussehen und Fitness gehört zu
Einstellungsbedingungen
 weite Verbreitung von Diäten, die oft "Einstiegsdroge" in die
Essstörung sind : versprechen oft sehr viel, Erfolge fallen spärlich
aus
 Zurückgreifen auf andere, ungesündere Maßnahmen zur
Gewichtsregulierung
Schlankheitswahn
 Veränderung der Geschlechterrolle: Perfekte Frau:
• Einerseits: liebevolle Mutter; Hausfrau; attraktive,
fürsorgliche Partnerin; Kindererziehung und
Verantwortung für den Haushalt übernehmen;
Sensibilität; Einfühlungsvermögen; Warmherzigkeit
• Andererseits: weiblicher Anspruch auf wirtschaftliche
Unabhängigkeit, Eigenständigkeit,
Durchsetzungsvermögen, Erfolg und Karriere
 Konflikt, großer Druck: Idealen nacheifern,
Erwartungen erfüllen, Vorstellungen der Familie,
Gesellschaft entsprechen
 Utopie vom Schlaraffenland ist Wirklichkeit geworden
Anforderungen der Gesellschaft an die moderne Frau
Familiäre Faktoren
Die jeweilige psychische Entwicklung innerhalb der Herkunftsfamilie ist ebenfalls von
großer Bedeutung.
 Große Bedeutung des Ess- und Diätverhaltes
der Eltern, insbesondere der Mutter
 Totschweigen von Konflikten und
Emotionen, nach außen hin perfekt, zur
Schau gestelltes Zusammengehörigkeitsgefühl
 Kinder können keine gesunde Individualität
und kein gesundes Selbstbewusstsein
entwickeln, sich nicht entfalten und
selbstständig werden
 Kleinkinder wissen nicht ob Nahrung =
Belohnung oder Bestrafung
 Verwirrung, Unfähigkeit verschiedene
Bedürfnisse zu unterscheiden
Magersucht
Ess-Brech-Sucht
Ess-Sucht
• Starkes Streben nach
Harmonie
• unterdrückte Konflikte,
Vermeidung von
Auseinandersetzungen
• Kein Raum für negative
Gefühle (Ärger,Wut)
• übergroße Liebe und Fürsorge
der Eltern, starke Bindung,
große Kontrolle
• wenig Distanz und
Eigenständigkeit zwischen
Familienmitgliedern
• Magern= einzige Möglichkeit,
wenigstens Kontrolle über den
eigenen Körper
• Magersucht=
Abgrenzungskampf gegen
Eltern
• Verwobene Mutter-TochterBeziehung,
• Versucht alle an sie gestellten
Anforderungen zu erfüllen;
• Kontrolle und
Konfliktvermeidung
• Bedürfnisse, Gefühle,
Meinungen werden nicht offen
geäußert
• Oft ist die Bindung zu Vater
oder Mutter unsicher.
• Das Überleben ist angesichts
der Konflikte nur möglich,
indem die eigenen Gefühle
kontrolliert werden.
• Gewichtskontrolle und Diäten
vermitteln ein Gefühl der
Sicherheit.
• müssen sehr früh
Verantwortung übernehmen
(z.B. Geschwister)
• große Bedürftigkeit selbst
etwas zu bekommen
• gelingt nur über den Umweg
des Gebens
• Umfeld bietet keine
Möglichkeit, Stärken und
Schwächen herauszufinden,
Grenzen zu testen, Bedürfnisse
wahrzunehmen und zu
vertreten ->Konflikte und
Streit können leicht als
bedrohlich erlebt werden
• keine anderen Muster gelernt,
damit umzugehen, als zu essen
• Essen ist in der Regel immer
verfügbar, damit können sie
sich bei Einsamkeit etwas
Gutes tun, ihre Langeweile
vertreiben und innere Leere
beseitigen.
•Auslöser können größeren Veränderungen des vertrauten Umfeldes oder traumatischer Erlebnisse
wie z.B.der Verlust eines Verwandten, Trennungssituationen, Abtrennung von der Familie wegen Arbeit oder
Studium, sowie Missbrauch sein
Der Teufelskreis der Essstörungen
Die gängigen
Therapieformen
zur Behandlung von
Essstörungen
Zitat: ,,Therapie heißt, die Sprache der Störung zu
verstehen und lernen, die zugrunde liegenden Konflikte
besser zu lösen.“ (Kliniken des Landkreises Freyung Grafenau gGmbH o. J. ,
http://www.psychosomatik-freyung.de/therapieansatz.php)
 Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
 Verhaltenstherapeutische Psychotherapie
 Systemische Psychotherapie/ Familientherapie
 Basieren auf unterschiedlichen Grundannahmen
 Schwierigkeit in der Behandlung von Essstörungen: Balance
zwischen Beachtung physischer Probleme und das was hinter
der Essstörung liegt, also psychischer Probleme, finden.
 Meist wird eine mehrdimensionale Therapie (mehrere
Therapieformen miteinander kombiniert) angestrebt
 Psychotherapeutische Interventionen (Behandlungen) können
alleine, in der Gruppe oder mit Familie erfolgen, gegenwärtig
überwiegen Kombinationsbehandlungen
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie:
 Krankheitseinsicht der Patientin
 Eingestehen der eigenen Unzulänglichkeit und Notwendigkeit
professioneller Hilfe von außen
 dazu bereit sein Hilfe anzunehmen und den Weg zur physischen
und psychischen Gesundheit selbst gehen wollen
 dazu bereit sein auf die vermeintlichen Vorteile der Essstörung
zu verzichten, ihre Krankheit aufzugeben
 Wie wirksam unterschiedliche Therapieansätze sind ist
angesichts von Einzelfällen nicht zu beurteilen.
 Die Wirksamkeit der Therapieverfahren hängt unter anderem
von…
 der Schwere der Krankheit,
 der Motivation und sozialen Situation der Patientin,
 der Qualifikation des Therapeuten,
 sowie der Beziehung zwischen Therapeut und Patientin ab.
Prognose und Therapieerfolge
Bulimie:
 Ca. die Hälfte der Behandelten wird wieder gesund.
 Bei 1/3 der Betroffenen bessert sich die Essstörung.
 Jeder 5. kann sich nicht aus der Sucht befreien.
 Die Rückfallquote liegt bei mindestens 30 Prozent.
Magersucht:
 Bei etwa 30 Prozent der Patientinnen zeigt sich eine vollständige
Besserung.
 Bei 35 Prozent lässt sich zwar eine Gewichtszunahme feststellen,
der Bereich des Normalgewichts wird allerdings nicht erreicht.
 Das Krankheitsbild bleibt bei ca. 25 Prozent der Betroffenen
chronisch bestehen.
Esssucht:
 Zu den Therapieerfolgen der Esssucht sind leider noch keine
Ergebnisse von Langzeituntersuchungen vorhanden.
Tiefenpsychologisch fundierte
Psychotherapie
Grundannahmen:
 Basiert auf den Grundannahmen der Psychoanalyse von Sigmund
Freud
 Essstörungen = Folge unbewusster Konflikte, die auf der seelischen
Ebene zurzeit nicht gelöst werden können, Essen= Ersatzfunktion
 Unbewusste Prozesse bestimmen menschliches Verhalten und Erleben
entscheidend mit
 Neurotische Symptome (z. B. neurotische Angst und Depression) =
Ausdruck unbewusster Konflikte, die durch aktuelle Situationen
reaktiviert werden
 Symptome neurotischer Konflikte= misslungene Lösungsversuche
 Lebensgeschichte der Betroffenen spielt große Rolle
 Mögliche Konfliktbereiche: Mutter-Kind-Bindung, Leistungs- und
Kontrollansprüche, starkes Harmoniebedürfnis und Vermeidung
jeglicher Auseinandersetzung, Regression und Fixierung
Die Therapie:
Ziel: Darstellung, Bewusstmachung und Lösung von unbewussten
Konflikten und intrapsychischen Vorgängen
• Bewusstmachung unbewusster Konflikte, so dass z.B. Angst aufgelöst
•
•
•
•
•
werden kann
Benennung unbewusste Beziehungsmuster, anschließende
Neuentwicklung von Beziehungsmustern -> Essen, kann von den
seelischen Problemen befreit werden
Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Therapeut und
Patientin, Therapeut -> Bezugsperson, akzeptiert und stützt Patientin in
ihrer subjektiven Unsicherheit -> Ermöglicht das Kennenlernen neuer
Beziehungsmuster
Typische Regeln zu Beginn der Therapie: Regeln einhalten müssen,
schlimm sein dürfen, einen eigenen Platz einnehmen dürfen
Auftreten von Angstgefühlen und Hilflosigkeit der Betroffenen
Emotionen sind wahrzunehmen, auszudrücken und zu verbalisieren,
sodass Zusammenhänge zwischen intrapsychischen Vorgängen und
sozialen Beziehungen bewusst werden
 Neben psychotherapeutischem Gespräch auch Imaginative
Verfahren
 z. B. körperorientierte Methoden wie konzentrative
Bewegungstherapie oder Tanztherapie -> direkter Zugriff auf die
Körperwahrnehmungsstörung und die körperbezogene Identität
 Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper auch durch
Rollenspiele (Psychodrama) ->Entfaltung einer dynamischen
Körpersprache -> Veränderung der Wahrnehmung des
Körperschemas
 Kreative Ausdruckstherapie, kann Patientinnen aus ihrer Enge,
Starrheit und Einsamkeit lösen ohne Abwehrhaltung zu verstärken
 Gefühle von Macht, Stärke und Wichtigkeit werden anders erlebbar
gemacht als vorher durch die Essstörung
 Ergotherapeutische Techniken zur Darstellung und
Bewusstmachung von Intrapsychischen Vorgängen
 Zuerst zweidimensional ( Zeichnungen), dann dreidimensional
(Handpuppen, Tonarbeiten)
 kommunikative Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt
Verhaltenstherapeutische
Psychoanalyse
Grundannahmen:
 Basiert auf den Grundannahmen der Lerntheorie, sowie
den Erkenntnissen der behavioristischen und
kognitiven Forschung:
 Menschen erlernen Verhalten und Erleben durch
Erfahrungen
 Verhalten = Alle Reaktionen ( Handlungen, Gedanken
Gefühle), die durch das Lernen beeinflusst werden können
 Jedes erlernte Verhaltensmuster kann wieder verlernt
werden
 Essstörung = Ersatz für fehlende Konzepte zur Lösung von
Problemen und Konflikten
Die Therapie:
• Ziel: Symptombehandlung, Überwinden von Ängsten, Lösung von
Konflikten
• Ängste sollen durch Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie
•
•
•
•
•
überwunden werden, Familie und Freunde werden mit einbezogen
Unerwünschtes Verhalten erkennen und Alternativen entwickeln
Analysieren unter welchen Bedingungen sich gestörtes Essverhalten
entwickelt hat und wodurch es aufrechterhalten wird
Erarbeiten von Konfliktlösungsstrategien -> Stabilisierung der
Fortschritte
Festlegen von kurz-, mittel, und langzeitzielen, erarbeiten Wie Ziele
erreichen
Entwickeln von Regeln, die zum Aufbau eines gesunden Essverhaltens
beitragen sollen, z. B. mit Hilfe von, von der Patientin geführten,
Selbstbeobachtungsprotokollen -> helfen Auslöser, Art und Schwere
der Erkrankung zu erkennen und Therapieziele zu kontrollieren
Systemische Psychotherapie/
Familientherapie
Grundannahmen:
 Beruht auf den Grundannahmen der systemischen
Theorie
 Essstörung = Symptom für Störung im Verhaltensund Kommunikationsmuster des Systems, d. h. in der
Familie oder auch im weiteren Umfeld
 Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist, erlebt
sich in seinem lebensgeschichtlichen Zusammenhang
und seinem sozialen Umfeld als ganzheitlich ->
Störungen an Leib und Seele ganzheitlich gesehen und
behandelt
Die Therapie:
 Ziel: Aufspüren, Bewusstmachung und nachhaltige Auflösung
der tiefenpsychologischen Hintergründe von Störungen und
Einschränkungen
 Betroffene sollen befähigt werden, neue Lebensperspektiven für





sich zu finden und entwickeln, innerlich zu wachsen und als
Persönlichkeit zu reifen
So findet jeder Mensch selbst den Weg zur Heilung
Nicht unbedingt Arbeit mit der ganzen Familie, sondern
Aufarbeitung familiärer Strukturen im Einzelkontakt zwischen
Klient und Therapeut
Systematische Familientherapie als Arbeit mit der ganzen
Familie hat in manchen Fällen jedoch Vorteile, z. B. bei
Patientinnen, die noch in ihrer Familie wohnen
Familie soll erkennen, wie sie auf das gestörte Essverhalten
der Patientin reagiert
Therapeut nimmt unter anderem an Mahlzeiten in der
Familie teil
Fazit
 Essgestörte Verhaltensweisen sind in unserer Gesellschaft,




erschreckender Weise sogar schon unter Kindern, weit verbreitet,
nehmen weiter zu und können in manifeste Essstörungen übergehen.
Essstörungen sind keine harmlosen Mode-Erscheinung, sondern
ernstzunehmende, psychische Erkrankungen, die zu gravierenden
Gesundheitsschäden und sogar zum Tod führen können und somit
unbedingt professionell behandelt werden müssen.
Die Gegebenheiten unserer modernen Gesellschaft führen dazu, dass
das Essen seine Normalität verliert, viele Menschen unter enormem
Druck und Konflikten leiden, sich in ihrem Körper unwohl fühlen und
ihrer Traumfigur um jeden Preis nacheifern. Sie tragen somit stark zur
Entstehung von Essstörungen bei.
Es ist wichtig, gut auf seine Mitmenschen zu achten und sie
aufmerksam zu beobachten. Man sollte sich gegenseitig nicht unter
Druck setzen, sondern unterstützen und helfen. Eltern sollten ihren
heranwachsenden Kindern genug Freiraum für Entwicklung,
Entfaltung und Erfahrungssammlung lassen, ihnen aber gleichzeitig
liebevoll und unterstützend zur Seite stehen.
Bei Anzeichen für eine Essstörung sollte man sofort professionelle
Hilfe in Anspruch nehmen und Betroffene dazu ermutigen sich
helfen zu lassen um die Krankheit zu besiegen.
Literaturverzeichnis
 Arbeitsblatt „Essstörungen- Erscheinungsformen,







Ursachen, Therapieformen“
Tafelbild vom 17.06.09
Meine Facharbeit zum Thema „Bulimie“
CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR
PSYCHOTHERAPIE 2001
Keppler, Cordula 1995, S.15
http://www.praxis-dr-muss.de/wordpress/?page_id=69
http://arbeitsblaetter.stangltaller.at/SUCHT/Essstoerungen.shtml#Das%20Essen
http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php
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