Leitung Medizin-Transparent.at - Donau

Werbung
Kürbiskerne bei Prostatabeschwerden wirkungslos
Wissenschaftliche Studienlage widerspricht Nutzen bei gutartiger
Prostatavergrößerung
(06.04.17): Kürbiskerne gelten als traditionelles Heilmittel bei
Prostatabeschwerden. Zu Unrecht, wie eine Zusammenfassung der
wissenschaftlichen Studienlage durch die unabhängige Gesundheitsplattform
www.Medizin-Transparent.at an der Donau-Universität Krems zeigt. Demnach
können Kürbiskerne die Symptome einer gutartigen Prostatavergrößerung
wahrscheinlich nicht bessern.
Auch wenn Apotheken und Drogerien sie als pflanzliche Lösung für belastende
Beschwerden bei einer gutartigen Prostatavergrößerung anpreisen: KürbiskernPräparate können diese wahrscheinlich nicht lindern. Das zeigen die einzigen beiden
relevanten Studien, die das wissenschaftliche Team von Medizin-Transparent.at in
einer umfassenden Literaturrecherche finden konnte. Dazu hatten die Teammitglieder
zwei große Forschungsdatenbanken mit über
27 Millionen Publikationen durchforstet.
Keine merkbare Linderung
An den beiden Studien hatten insgesamt rund 1400 Männer teilgenommen, die sich
durch ihre gutartig vergrößerte Prostata deutlich beeinträchtigt fühlten. Per Los waren
sie einer von zwei Versuchsgruppen zugeteilt worden. Während die Teilnehmer der
einen Gruppe ein Jahr lang täglich Kapseln mit dem Extrakt aus Kürbiskernen
schluckten, nahmen die Männer der anderen Gruppe Scheinpräparat-Kapseln ohne
Wirkstoff ein.
Am Ende der beiden einjährigen Studien stuften die Teilnehmer der KürbiskernGruppen ihre Beschwerden nicht als merkbar besser ein als jene der ScheinpräparatGruppen. In der aussagekräftigeren der beiden Untersuchungen mit 956 Teilnehmern
konnten die Untersuchungsleiter gar keinen Unterschied feststellen. Bei der
Auswertung der Daten der zweiten Studie waren die Unterschiede so klein, dass ihn
die Teilnehmer selbst nicht bemerken konnten. „Die Ergebnisse sprechen gegen eine
Besserung der Beschwerden“, analysiert Bernd Kerschner, wissenschaftlicher
Projektleiter von Medizin-Transparent.at. „Dass Kürbiskerne bei
Prostatabeschwerden helfen, ist aufgrund dieser Daten ein widerlegter Mythos.“
Eine vergrößerte Prostata ist meist harmlos, aber weit verbreitet: Im Alter zwischen
50 und 60 ist jeder fünfte Mann betroffen, mit fortschreitendem Alter werden die
Beschwerden noch häufiger. Die Hauptprobleme bei einer gutartigen
Prostatavergrößerung sind Schwierigkeiten beim Wasserlassen, das Gefühl, dass die
Blase nie ganz leer, wird und häufiger Harndrang – auch nachts.
Da Medikamente gegen diese Beschwerden oft Nebenwirkungen haben, suchen viele
Betroffene nach alternativen Heilmitteln. Eines davon sind Kürbiskerne. Immerhin
zeigen die gefundenen Studien, dass Kürbiskern-Präparate kaum Nebenwirkungen
verursachen. In Einzelfällen könnten die Kapseln mit dem Extrakt eventuell MagenDarm-Beschwerden verursachen.
Mythos rund um Volksheilmittel
Die aromatisch-nussigen Kerne des Gartenkürbis haben nicht nur in der heimischen
Küche einen besonderen Stellenwert, wo sie zu Öl gepresst, geschrotet oder im
Ganzen zum Einsatz kommen. Im Volksglauben wird ihnen auch eine Heilwirkung bei
Prostatabeschwerden zugeschrieben.
Tatsächlich enthalten Kürbiskerne eine Verbindung namens Beta-Sitosterin. Von
dieser Substanz vermuten Fachleute seit langem, dass er die Umwandlung des
männlichen Geschlechtshormons Testosteron in einen anderen Stoff hemmen kann,
der das gutartige Wachstum der Prostata fördert.
„Einzelne wissenschaftliche Untersuchungen scheinen die Vermutung zu
unterstützen, dass Beta-Sitosterin eine positive Wirkung auf die Prostata haben
könnte“, so Bernd Kerschner, „aber diese Daten sind nicht gut abgesichert.“
Hingegen zeigen die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien deutlich,
dass Präparate aus der Beta-Sitosterin-hältigen Sägepalme die Beschwerden einer
gutartigen Postatavergrößerung nicht bessern können.
Weitere Informationen: www.medizin-transparent.at/kuerbiskerne-prostata
Über Medizin-Transparent.at
Der unabhängige Online-Service Medizin-Transparent.at beantwortet seit 2011
Anfragen von Leserinnen und Lesern zu Gesundheitsbehauptungen, die auf ihren
wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt hin untersucht werden. Oberstes Ziel ist es, eine
wissenschaftlich fundierte, von Interessenvertretungen unbeeinflusste
Informationsquelle zu Gesundheitsfragen zu bieten. Medizin-Transparent.at ist ein
Projekt von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems, einer Zweigstelle
der internationalen Non-Profit-Vereinigung unabhängiger, kritischer MedizinerInnen.
Gefördert wird das Projekt vom Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds
sowie der Bundesgesundheitsagentur.
Bild
MMag. Bernd Kerschner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für
Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems
und leitet das Online-Sevice-Projekt Medizin-Transparent.at.
(Foto: Donau-Universität Krems, Andrea Reischer)
Das Bild ausschließlich in redaktionellen Medienberichten über die Donau-Universität Krems verwendet
werden. Die Veröffentlichung ist unter Angabe des Fotonachweises honorarfrei.
Rückfragen
MMag. Bernd Kerschner
Leitung Medizin-Transparent.at
Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie
Donau-Universität Krems
Tel. +43 (0)2732 893-2922
[email protected]
Herunterladen