Satz - KonICT

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Wolfgang Herrlitz
ATLAS ZUR DEUTSCHEN GRAMMATIK
Duitse taal en cultuur
Universiteit Utrecht
2004
1
2
INHALTSVERZEICHNIS
0
Einleitung
4
1.0
Texte und Sätze
6
2.0
Analyse deutscher Sätze
8
2.1
2.2
2.3
2.4
2.5
2.6
2.7
2.8
2.9
2.10
2.11
2.12
8
10
12
14
16
20
24
26
28
30
32
34
3.0
4.0
Satzglieder
Wortarten
Flexion
Erster Ausflug: Groß- und Kleinschreibung
Wortstellung
Wertigkeit des Verbs
Art der Ergänzungen
Satzbaupläne
Präpositionen
Kongruenz
Zusammengesetzte Sätze
Zweiter Ausflug: Kommasetzung
Analyse deutscher Satzglieder
36
3.1 Kongruenz in Nominalphrasen
3.2 Rektion der Präpositionen
38
40
Analyse van Bedeutungen
42
4.1 Modalverben
42
3
0
Einleitung
Die Karten eines Atlas benutzt man, um sich in einem Land, einem Gebiet, einer Stadt zu orientieren: Ein
Atlas informiert über Landschaftsformen ebenso wie über Verkehrsverbindungen, menschliche Siedlungen,
Vegetation, Industrialisierung, Entfernungen, besondere Bauten usw. usw. Er erreicht diese Orientierung,
indem er mit Hilfe bestimmter Symbole ausgewählte Eigenschaften eines bestimmten Gebietes in ihrem
räumlichen Zusammenhang (man könnte auch sagen: in ihrer räumlichen Struktur) anschaulich darstellt.
Die 'besonderen Verdienste' eines Atlas werden deutlich, wenn man sich überlegt, was er nicht leistet:
beispielsweise sagt er einem nicht, wohin man reisen will.
Er gibt keinerlei Gebrauchsanweisungen fur die Durchführung einer Reise oder den Bau einer
Verkehrsverbindung.
Er veranschaulicht nur ausgewählte Aspekte und läßt alles Andere fort: es ist nicht möglich, eine
Weltwetterkarte mit einem Stadtplan von Chicago in einer Darstellung zu kombinieren.
Ein Atlas der deutschen Grammatik hat vergleichbare Eigenschaften und Aufgaben. Auch er orientiert
anschaulich über ausgewählte Merkmale der deutschen Sprache in ihrem grammatischen Zusammenhang; zur
Grammatik werden dabei vor allem der Aufbau der Sätze und der Aufbau der Wörter gezählt. Aber: Mit
einem Atlas allein lernt man nicht Auto fahren! Auch dieser Grammatikatlas gibt keine Anweisungen für das
Verfassen spannender Bücher; auch er ist kein Lehrbuch für des schnelle und leichte Erlernen der deutschen
Sprache. Aber: er hilft dabei. Er hilft, das unübersichtliche Gelände der Wörter und Sätze der deutschen
Sprache zu ordnen. Und er übt auf ausgewählten Gebieten der deutschen Grammatik eine Orientierungsfunktion aus: Wer z.B. Probleme mit der Deklination der attributiv gebrauchten Adjektive hat, dem
bietet er einen anschaulichen Einblick in die hier geltenden Regeln; und wer unsicher ist, was Begriffe wie
'Deklination', 'attributiv', 'Adjektiv' bedeuten, der erhält ebenfalls von ihm eine Auskunft.
Die Auswahl der dargestellten Gebiete muss sich nach den Bedürfnissen der Benutzer richten. Dieser Atlas
der deutschen Grammatik ist bestimmt für Niederländer, die nach vier bis fünf Jahren Schulunterricht im Fach
Deutsch mit dem Germanistikstudium beginnen. Eine Untersuchung geschriebener Texte dieser Studenten hat
ergeben, dass ihre Fehler sich im Durchschnitt folgendermaßen auf vier Hauptkategorien verteilen:
Grammatik
Semantik/Stil
Zeichensetzung
Rechtschreibung
38 %
24 %
25 %
14 %
Innerhalb der Hauptkategorie 'Grammatik' ist die Unterverteilung: Deklinationsfehler 31 %, Verstöße gegen
die Wertigkeit des Verbs 16 %, Genusfehler 11 %, Satzbaufehler 11 %. Der Atlas wird vor allem die Gebiete
darstellen, auf denen häufig Fehler gemacht werden, die also offenbar für niederländische Studenten des
Faches Deutsch besonders problematisch sind.
4
0
Einleitung
Ein Atlas enthält Landkarten und Stadtpläne in verschiedenen Maßstäben. Das Besondere dieses
Atlas der deutschen Grammatik besteht darin, dass er ausgewählte grammatische Problemgebiete nicht nur
erläutert, sondern auch in Zeichnungen bildlich darstellt. Er heißt auch Atlas, weil er
ebenfalls Karten enthält, aber nicht von Ländern und Erdteilen, sondern vom Aufbau von Sätzen und Wörtern.
Darüber hinaus erläutert er grammatische Begriffe (deutsch und niederländisch) und verweist auf
entsprechende Kapitel in wichtigen Handbüchern (Dudengrammatik, Schülerduden, Kompendium der
deutschen Grammatik). Auf diese Weise liefert er besonders anschaulich Einsichten in 'problematische'
Gebiete des Aufbaus von Sätzen und Wörtern, der Zeichensetzung, der Rechtschreibung und der
Bedeutungslehre und macht dadurch diese Problemgebiete besprechbar und analysierbar. Dieser indirekte
Weg über die Analyse der eigenen Schreibprobleme verspricht dann einen positiven Einfluss auf die eigene
Schreibfähigkeit.
5
1.0
Texte und Sätze
Genre
(Textsorte)
Text
Satz
Satz
Satz
Satz
Satz
Satz
Satz
6
1.0
Texte und Sätze
Sprachliche Äußerungen erhalten ihre Bedeutung in einem größeren Zusammenhang, den wir Text nennen:
Sie sind Frage oder Antwort in einem Dialog, Mitteilung in einem Bericht, Anrede oder Gruß in einem Brief,
Behauptung in einer Argumentation usw. Wir gebrauchen Sprache in Texten; und diese Texte können so lang
sein wie die zwei Bände eines Romans oder auch so kurz wie ein Witz.
Texte haben bestimmte Eigenschaften: Sie sind mündlich oder schriftlich, monologisch oder dialogisch,
haben einen bestimmten Aufbau und eine übliche Länge, sie haben auch inhaltliche Merkmale und verfolgen
bestimmte Ziele (z.B. wollen sie jemanden unterhalten, informieren oder überzeugen). Aufgrund dieser
Eigenschaften können sie in Gruppen eingeteilt werden, zu denen dann Texte mit denselben Merkmalen
zählen; diese Gruppen werden Textsorten (oder auch: Genres) genannt. Solche Textsorten sind Briefe,
Gedichte, Berichte, Komödien, Romane, Witze, wissenschaftliche Artikel, Kaufverträge, Gesetze usw. usw.
Man kann sagen: ein Text ist ein Exemplar einer Textsorte (eines Genres), deren Eigenschaften er aufweist.
Ein Text ist ein Witz, wenn er die Merkmale dieses Genres zeigt. Usw.
Der Vergleich von Texten und Häusern veranschaulicht vielleicht, was wir erklären wollen. Häuser haben
bestimmte Eigenschaften, aufgrund derer sie zu bestimmten Haustypen (Sorten, Genres) gehören:
Walmdachhäuser, Flachdachhäuser. Hochhäuser, Reihenhäuser usw. Jedes Haus gehört einem bestimmten
Typ an, dessen Eigenschaften es aufweist.
Unabhängig von ihrem Typ haben alle Häuser eine Eigenschaft gemeinsam: ob riesig oder winzig - sie
bestehen aus einzelnen Zimmern (mindestens aus einem). Vergleichbares können wir bei Texten sehen: sie
bestehen aus Sätzen (oft ganz vielen, aber mindestens aus einem), gleichgültig, zu welcher Textsorte sie
gehören. Ob Roman oder Sonett, Vertrag oder Witz, immer gilt: Texte sind aus Sätzen konstruiert.
Während nun Texte von ihrem Muster – der Textsorte, dem Genre – her organisiert werden, sind Sätze von
Regeln bestimmt, und diese Regeln können in einer Grammatik beschrieben werden. In der Grammatik finden
wir also die Regeln, die für die Sätze einer Sprache gelten.
7
2.0
Analyse deutscher Sätze
SATZBAU:
ZERLEGUNG IN SATZGLIEDER
der Herr mit dem Hut legt die ungeputzten Stiefel auf den Tisch
der Herr mit dem Hut
legt die ungeputzten Stiefel auf den Tisch
der Herr mit dem Hut
Legt
die ungeputzten Stiefel
Abstrakt:
SATZ
Nominalphrase nom
Verbalphrase
Verb fin
Nominalphrase akk
auf den Tisch
Präpositionalphrase
Schematisch:
S
NPn
VP
Vfin
Funktionen im Satz: Subjekt
NPa
Objekt
PP
adverbiale
Bestimmung
Prädikat
ERLÄUTERUNG
S
NPn
Npa
Vfin
PP
VP
Satz (Satzglied)
Nominalphrase im
Nominativ
Nominalphrase im
Akkusativ
finite Verbform
Präpositionalphrase
Verbalphrase
Subjekt
Onderwerp
Prädikat
Gezegde
Objekt
voorwerp
Zin (zinsdeel)
Naamwoordelijk deel
in de eerste naamval
Naamwoordelijk deel
in de vierde naamval
Persoonsvorm van het werkwoord
constituent met een voorzetsel
werkwoordelijk deel
Akkusativ Objekt
Lijdend voorwerp
Dativ Objekt
Meewerkend voorwerp
Genitiv Objekt
Voorwerp in de 2e naamval
Adverbiale Bestimmung
bijwoordelijke bepaling
8
2.0
Analyse deutscher Sätze
Wie die Sätze einer Sprache aus Wörtern und Wortgruppen zusammengesetzt sind, ist eine der
Kernfragen jeder Grammatik: Immerhin hängt die Korrektheit und Verständlichkeit sprachlicher Äußerungen
zu einem guten Teil davon ab, ob man diese Ordnung der Sätze beherrscht oder nicht.
Den Satzbau (man sagt auch: die Syntax) einer Sprache kann man unter drei Fragestellungen
beschreiben:
(a) Aus welchen Teilen (man sagt auch: Satzgliedern) besteht ein Satz?
(b) In welcher Reihenfolge sind die Satzglieder im Satz geordnet, welche Wortstellung gilt also in einer
Sprache?
(c) Welche Abhängigkeiten bestehen zwischen den Teilen des Satzes (also beispielsweise zwischen
einem bestimmten Verb und der Wahl der Objekte: 'Schlagen erfordert ein Akkusativobjekt')? In
den folgenden Abschnitten werden alle drei Fragen besprochen und im Grundsatz beantwortet.
2.1
Satzglieder
Sätze lassen sich durchgängig in zwei Teile einteilen:
einen Teil, dessen Kern von einem Nomen (wie Haus, Otto, Konzept) oder Pronomen (wie ich, sie,
diese, welcher) gebildet wird; dieser Teil wird Nominalphrase genannt und durch den Nominativ
(den ersten Fall) gekennzeichnet;
einen Teil, dessen Kern von der Personalform (der finiten Verbform) eines Verbs (wie sagt, rief,
kann, hatte) gebildet wird; dieser Teil wird Verbalphrase genannt.
Die Nominalphrase im Nominativ gilt als ein Satzglied, das neben seinem Kern eine ganze Reihe von
anderen Teilen enthalten kann: Artikel (der, ein), Attribute (ein altes Haus, der Hut meines Vaters), Relativsätze (der Wagen, der neu ist).
Die Verbalphrase dagegen kann aus mehreren Satzgliedern bestehen: Sie kann weitere
Nominalphrasen enthalten, etwa im Akkusativ (im vierten Fall: begrüßt den Freund), im Dativ (im dritten
Fall: hilft dem Fremden) und im Genitiv (im zweiten Fall: gedenkt der Schwester). Sie kann zudem auch
Präpositionalphrasen umfassen (also Nominalphrasen mit einer Präposition davor: geht nach Hause, an deren
Stelle auch ein Adverb treten kann: geht fort).
Die Nominalphrase im Nominativ spielt im Satz die Rolle des Subjekts (es hat die syntaktische
Funktion Subjekt). Die Nominalphrasen im Akkusativ, Dativ und Genitiv haben die Funktion von Objekten
des Satzes. Die Präpositionalphrasen und Adverbien haben die Funktion von adverbialen Bestimmungen.
Vom Standpunkt der Logik ist seit der Antike festgestellt worden, dass mit dem Subjekt von
Aussagesätzen auf den Gegenstand der Aussage verwiesen wird, während die Verbalphrase die Funktion des
Prädikats einnimmt, mit dem eine Aussage über den Gegenstand der Äußerung vollzogen wird.
DUDEN 4 (1998)
§§ 1095 ff.
§§ 1103 ff.
Der einfache Satz
Die Satzglieder
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 439 ff.
§§ 471 ff.
Einfache und zusammengesetzte Sätze
Die Satzglieder
9
2.2
Wortarten
S
NPn
VP
Vfin
Funktionen im Satz: Subjekt
NPa
PP
Objekt
adverbiale
Bestimmung
Prädikat
Der Herr mit dem Hut legt die ungeputzten Stiefel auf den Tisch
ERLÄUTERUNG
V
N
PRO
ART
ADJ
PRÄP
ADV
KONJ
Verb - werkwoord
Nomen (Substantiv) - zelfstandig naamwoord
Pronomen - voornaamwoord
Artikel - lidwoord
Adjektiv - bijvoegelijk naamwoord
Präposition - voorzetsel
Adverb - bijwoord
Konjunktion - voegwoord
10
2.2
Wortarten
Wörter sind Spezialisten. Im Satz erfüllen sie ganz bestimmte Aufgaben, und aufgrund dieser Aufgaben
werden sie (übrigens schon von den „alten Griechen“) in Gruppen eingeteilt: Wörter mit denselben Aufgaben
im Satz gehören derselben Wortart an, und diesen Aufgaben entsprechend haben die Wörter einer Wortart
auch bestimmte Merkmale gemeinsam.
Verben V bilden den Kern von Verbalphrasen. In jedem vollständigen Satz muss mindestens eine Verbform
vorkommen.
Nomina N (= Substantive) bilden den Kern von Nominalphrasen und ergänzen in dieser Rolle das Verb. Wie
viele Nomina in einem Satz stehen müssen, hängt von der Art des Verbs ab.
Pronomina PRO (er, der, dieser, jener, jeder, wer, welcher, usw.) können die Stelle eines Nomens einnehmen;
sie können auch Fragesätze und Relativsätze einleiten oder die Rolle eines Bestimmungswortes (= Artikel)
erfüllen.
Artikel ART (Bestimmungswörter) leiten eine Nominalphrase ein; diese Aufgabe kann auch durch ein
Pronomen übernommen werden.
Adjektive ADJ fügen einer Nominalphrase nähere Informationen hinzu (sie können dies tun, müssen es aber
nicht); sie können auch neben bestimmten Verben (wie sein) einen Teil der Verbalphrase bilden (prädikativ
gebrauchte Adjektive).
Adverbien ADV fügen der Verbalphrase nähere Informationen hinzu (auch sie können stehen, müssen aber
nicht).
Präpositionen PRÄP bilden den Kern einer Präpositionalphrase.
Konjunktionen KONJ leiten Sätze (Hauptsätze und Nebensätze) ein.
DUDEN (1998)
§§ 121 ff.
Die Wortarten
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 24 ff.
Wort- und Formenlehre
11
2.3
Flexion
Verben
Substantive
Adjektive
Partikel
12
2.3
Flexion
Im Deutschen sind – wie bei den anderen indogermanischen Sprachen auch – die Wörter der Wortarten Verb,
Nomen, Pronomen und Adjektiv veränderbar. Diese Veränderungen drücken inhaltliche Unterschiede aus –
z.B. Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) oder Präsens (Gegenwart) und Präteritum (Vergangenheit) -,
sie können aber auch für bestimmte Beziehungen im Satz stehen – z.B. 1. Person oder Dativ (3. Fall). Diese
Veränderung der Wörter nennt man Flexion; bei den Verben spricht man auch von Konjugation, bei den
Nomina, Pronomina und Adjektiven von Deklination.
Konjugation der Verben:
Personalformen (finite Formen): 1., 2. und 3. Person im Singular und im Plural
Nominale Formen (infinite Formen): Infinitiv, Partizip
Tempusformen (Zeitformen): Präsens und Präteritum (sowie zusammengesetzte Zeitformen)
Indikativ und Konjunktiv
Aktiv und Passiv (zusammengesetzt)
Deklination der Nomina und Pronomina:
Vier Fälle (Kasus) – 1. Nominativ, 2. Genitiv, 3. Dativ, 4. Akkusativ – in Singular und Plural
Deklination der Adjektive:
Vier Fälle – wie die Nomina, aber mit Doppelformen
Steigerung – Positiv, Komparativ, Superlativ
Die Wörter aller anderer Wortarten haben keine Flexion, sie sind also unveränderlich (deswegen werden sie
auch unter dem Begriff Partikel zusammengefasst).
DUDEN (1998)
§§ 121 ff.
Die Wortarten
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 24 ff.
Wort- und Formenlehre
13
2.4
Erster Ausflug: Groß- und Kleinschreibung
GROSSSCHREIBUNG DER SUBSTANTIVE
die ungeputzten Stiefel
NP
ART ADJ
Nominalphrase
N
Artikel
Adjektiv
GROSS
GROSS
der Herr mit dem Hut
NP
ART
N
PP
PRÄP
NP
ART
GROSS
N
GROSS
ERLÄUTERUNGEN
ADJ
Art
N
NP
PP
PRÄP
Nomen
Adjektiv - bijvoegelijk naamwoord
Artikel - lidwoord
Nomen, Substantiv - zelfstandig naamwoord, substantief
Nominalphrase - nominale constituent, naamwoordelijk deel
Präpositlonalphrase - constituent met een voorzetsel
Präposition - voorzetsel
14
2.4
Erster Ausflug: Groß- und Kleinschreibung
Die Großschreibung folgt im Deutschen drei Regeln:
Regel I
Das erste Wort eines Satzes wird groß geschrieben. Dies gilt auch für Satze, die einem Doppelpunkt folgen,
nicht jedoch für Teilsätze (Nebensätze) eines Satzgefüges oder für Sätze nach einem Semikolon ( ; ).
Regel II
Pronomina der Anrede Du, Dein, Sie, Ihr werden groß geschrieben.
Regel III
Das Nomen (= Substantiv) wird groß geschrieben.
Allein Regel III ist in einem breiten Grenzbereich undeutlich und bedarf daher einer Reihe von Erläuterungen:
-
Nomina als Kerne van Nominalphrasen, die von Wörtern aus anderen Wortarten abgeleitet sind,
werden ebenfalls groß geschrieben: das Gute, das Lesen, die Fortgeschrittenen, das Drum und Dran,
ohne Wenn und Aber.
-
Nomina, die nicht Kern von Nominalphrasen und deswegen in eine andere Wortart übergetreten
sind, werden klein geschrieben: anfangs, mitten, dienstags; dank seines Briefes, laut seiner Aussage.
DUDEN 4 (1998)
§§ 106 - 111
Großschreibung
DUDEN 1 (1980)
S. 30-35
Groß- und Kleinschreibung
15
2.5
Wortstellung
STELLUNGSMUSTER
Stellungsmuster I
KON
VERBfin
denn
I Vorfeld
Opa
II
schenkt
III Mittelfeld
Oma ein Buch zum Geburtstag
Oma
denkt
lange über Opa nach
Stellungsmuster II
KON
VERBfin
warum
denkt
Opa lange über Oma nach?
Opa Oma ein Buch zum Geburtstag
schenken?
will
hau
ab!
Stellungsmuster III
KON
VERBfin
weil
Opa Oma ein Buch zum Geburttag schenken
will
dass
Oma lange über Opa
nachdenkt
REIHENFOLGE DER SATZGLIEDER
(dass) Opa
(dass) Opa
Oma
über Oma
ein Buch
zum Ge- schenken
burtstag
16
nach
- denkt
will
2.5
Wortstellung
Die Stellung der Satzglieder im deutschen Satz orientiert sich an der Personalform des Verbs (= der finiten
Verbform); hier gibt es drei Grundmuster, die wieder mit den Satzarten 'Aussagesatz', 'Fragesatz', 'Ausrufesatz' und 'Nebensatz' zusammenhängen:
Stellungsmuster I: Die finite Verbform steht nach dem ersten Satzglied an zweiter Position; dieses
Muster findet man in Aussagesätzen als Hauptsätzen.
Stellungsmuster II: Die finite Verborm steht in der ersten Position des Satzes; dieses Muster findet
man in Fragesätzen und Ausrufesätzen.
Stellungsmuster III: Die finite Verbform steht in der letzten Position des Satzes; dieses Muster ist
kennzeichnend für Nebensätze, die von einer Konjunktion oder einem Pronomen eingeleitet werden.
Konjunktionen und Fragepronomina beanspruchen übrigens in diesen Mustern keine eigene Position: Sie
können vor die Muster I und II treten, ohne mitgezählt zu werden.
Das Deutsche kennt - anders als beispielsweise das Englische - keine feste Reihenfolge der
Satzglieder. Wohl aber gibt es eine Ordnung der Satzbestandteile zwischen den Polen 'ganz dicht bei der
finiten Verbform' und 'ganz weit weg van der finiten Verbform': Die trennbaren Partikel der Verben (wie in
aus-gießen, fort-laufen, nach-denken) steht ganz nah bei der finiten Verbform; die infiniten Verbformen (wie
in ist weggelaufen, wird gehen, muß verschwinden) stehen etwas weiter weg; dann folgen
Präpositionalobjekte (P. denkt an X) und vom Verb geforderte Ortsbestimmungen (P. fahrt nach Hamburg);
Akkusativobjekte nehmen eine Mittelposition ein, dann folgen etwas weiter weg Dativobjekte und schließlich
mit der größten Entfernung zum Verb Subjekte.
Diese Ordnung bestimmt die Stellung der Satzteile, und zwar van rechts nach links: ganz rechts im Satz
trennbare Verbpartikel, dann infinite Verbformen usw. In den drei Stellungsmustern sieht dies im Normalfall
so aus:
Stellungsmuster I
Opa will Oma ein Buch zum Geburtstag schenken
Oma denkt lange über Opa nach
Stellungsmuster II
Will Opa Oma ein Buch zum Geburtstag schenken?
Warum denkt Opa lange über Oma nach?
Stellungsmuster III
..., dass Opa Oma ein Buch zum Geburtstag schenken will
..., dass Oma lange über Opa nachdenkt
Van dieser Ordnung kann durchaus abgewichen werden (ein Buch will Opa Oma zum Geburtstag schenken);
solche Abweichungen führen in der Regel zur Hervorhebung des Satzteiles, der aus seiner normalen Position
nach links verschoben wurde; diese Hervorhebung muss vom Textzusammenhang her gerechtfertigt sein.
Dabei sind 'freie Angaben' relativ leicht ohne große Akzentveränderungen im Satz verschiebbar; dagegen
liegt die Stellung der finiten Verbformen so fest, wie dies in den drei Stellungsmustern angegeben ist.
DUDEN 4 (1989)
§§ 1390 ff.
Wortstellung im Satz
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 541 - 544
Zur Stellung der Satzglieder
17
2.5
Wortstellung
INVERSION
Der Vater schenkt seinem Sohn ein Buch zum Geburtstag
Ein Buch schenkt der Vater seinem Sohn zum Geburtstag.
Seinem Sohn schenkt der Vater ein Buch zum Geburtstag.
Zum Geburtstag schenkt der Vater seinem Sohn Bin Buch
I – Vorfeld
II
III – Mittelfeld
AUSKLAMMERUNG
Otto lädt Ottilie zu dem Fest, das sie so freudig erwartete, ein
Otto lädt Ottilie zu dem Fest ein, das sie so freudig erwartete
Otto lädt Ottilie ein zu dem Fest, das sie so freudig erwartete
____________VERBfin____________PARTverb/ VERBinfin usw.___________
Ausklammerung
I - Vorfeld
II
III - Mittelfeld
IV - Nachfeld
REIHENFOLGE DER INFINITIVE
.. .weil Emil singt
.. .weil Emil singen geht
.. .weil Emil singen gehen kann
.. .weil Emil singen gehen können muss
V1
V1- V2
V1 - V2 - V3
V1 - V2 - V3 - V4
Emil muss abends ein Lied singen gehen können
ERLÄUTERUNGEN
V
VERBfin
VERBinfin
PARTverb
Verb - werkwoord
finite Verbform (Personalform) - persoonsvorm van een werkwoord
infinite Verbform - werkwoord, onbepaalde wijs
trennbare Verbpartikel (Verbpräfix) - partikel bij een werkwoord
Infinitiv - werkwoord, onbepaalde wijs
Inversion - inversie
18
2.5
Wortstellung
Im Deutschen gilt als feste grammatische Regel: Im Vorfeld eines Satzes kann nur ein Satzglied stehen (dabei
werden Konjunktionen KONJ nicht mitgezählt). Wenn also ein anderes Satzglied als die NP im Nominativ
(das Subjekt) ins Vorfeld gesetzt wird, dann muss die NPn ins Mittelfeld rücken. Diese Vertauschung der
Plätze nennt man Inversion. Sie ist im Deutschen – wie im Niederländischen, aber anders als im Englischen obligatorisch.
Wenn am Anfang des Satzes (sozusagen ganz links) nicht des Subjekt, sondern ein Objekt (im Dativ oder
Akkusativ) steht, so entsteht für deutschlernende Ausländer häufiger ein Problem: Sie beginnen den Satz
trotzdem mit einem Nominativ, weil sie die Kasus van der normalen Ordnung der Satzteile abhängig machen
und nicht - wie unbedingt notwendig - von ihrer Funktion als Dativ- oder Akkusativobjekt.
Ein zweites Problem ist die Ausklammerung: Unter bestimmten Bedingungen ist es möglich, auch nach den
Verbteilen am Satzende noch andere Satzteile anzuschließen:
Otto lädt Ottilie ein zu dem Fest, das sie so freudig erwartete
Ein Satzteil wird sozusagen aus der Satzklammer herausgenommen und nachgestellt. Dies ist um so leichter
möglich, je umfangreicher und inhaltlich gewichtiger dieser Satzteil ist.
Ein drittes Problem bildet die unterschiedliche Stellung der Verbformen in Nebensätzen (Stellungsmuster III)
und in Hauptsätzen (Stellungsmuster I). In Hauptsätzen steht die Personalform des Verbs (VERBfinit)
zwingend an zweiter Position; in Nebensätzen stehen die Verbformen in der Reihenfolge ihrer Abhängigkeit
geordnet von rechts nach links, mit VERBfinit ganz rechts am Ende.
Die Verbformen sind wie die Häute einer Zwiebel um den Kern herum geordnet; die Verbform in der
äußersten Schale (= mit der höchsten Nummer) ist finit (= Personalform); in Hauptsätzen rückt sie in die Position II.
DUDEN 4 (1998)
§ 1399
§§ 1396 ff.
§ 1400
§§ 1401 ff.
Inversion ('Gegenstellung')
Satzklammer
Ausklammerung
Stellung der Prädikatsteile
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 541 ff.
Zur Stellung der Satzglieder
19
2.6
Wertigkeit des Verbs
VALENZ
PRÄP
KONJ
N
ART
NP
SATZ
VERBVALENZ
es
regnet
NPn
schlagen
NPn
gedenken
NPn
sein
schlafen
NPn
NPa
NPg
NPn
frieren
NPn
auflauern
NPn
denken
NPn
sein
NPa
anPP
ADJ
NPa
NPd
NPn
NPa
geben
NPn
hängen
PP
NPa
ERLÄUTERUNGEN
ADJ
Adjektiv - bijvoegelijk naamwoord
ART Artikel - lidwoord
KONJ Konjunktion - voegwoord
NPn
Nominalphrase im Nominativ - nominale constituent in de 1. naamval
NPg
im Genit1v - in de 2. naamval
NPd
im Dativ - in de 3. naamval
NPa
im Akkusativ - in de 4. naamval
PP
Prapositionalphrase - constituent met een voorzetsel
PRÄP Präposition - voorzetsel
N
Nomen, Substantiv - naamwoord
Valenz, Wertigkeit - valentie
Ergänzung - complement
20
2.6
Wertigkeit des Verbs
Verschiedene Satzteile sind van anderen abhängig: Wenn der eine Teil steht, muss auch der andere im selben
Satz vorkommen. Wenn z.B. ein Artikel steht, muss ein Nomen ihm folgen (der....N); jede Präposition
erfordert eine Nominalphrase (vor....NP). Die Logik dieser Abhängigkeit (Dependenz) ist: wenn a, dann b
(aber nicht umgekehrt!); man sagt dann: b ist abhängig von a, oder: a hat die Valenz b. Man sagt auch: a
regiert b.
Jedes Verb als Kern einer Verbalphrase bestimmt, welche Nominalphrasen oder Präpositionalphrasen im
selben Satz vorkommen müssen (NPn schlagen NPa). Anders als bei ART oder PRÄP kommt die Valenz
nicht der Wortart Verb zu (wenn V, dann ???), sondern dem einzelnen Verb, also: wenn schlagen, dann NPn
+ NPa.
In Anlehnung an eine Eigenschaft der chemischen Elemente spricht man von der Wertigkeit (oder auch: der
Valenz) eines Verbs. Diese Wertigkeit bestimmt die Zahl und die Art der Satzteile, die in einem Satz stehen
müssen, dessen Verbalphrase das betreffende Verb zum Kern hat. Einwertige Verben erfordern z.B. eine NP
(NP schläft); von zweiwertigen Verben sind zwei NPs abhängig (z.B. von schlagen); von dreiwertigen drei
(NPa gibt NPd
NPa). Diese Valenz des Kerns der Verbalphrase bestimmt das Grundgerüst eines jeden
Satzes.
Die Elemente, die vom Kern des Prädikats abhängig sind, nennt man Ergänzungen; die anderen, nicht durch
die Valenz gebundenen Teile eines Satzes heißen (freie) Angaben (NPn schläft sieben Tage wie ein Bär in
seinem Bette).
Die Valenz ist nicht für die Wortart Verb festgelegt. Sie ist nicht durch allgemeinere Regeln bestimmt,
sondern kommt dem spezifischen Verb zu: Sie ist also eine Eigenschaft, die man für jedes einzelne Verb im
Lexikon nachschlagen muss, wenn man sich über Zahl und Art der Ergänzungen im Unklaren ist. (In
größeren Wörterbüchern kann man an den Beispielsätzen sehen, welche Valenz ein Verb hat). Weil man die
Valenz jedes einzelnen Verbs beherrschen muss, gilt Deutsch als schwer zu erlernende Fremdsprache.
DUDEN 4 (1998)
§§ 189 ff.
Die Valenz der Verben
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 138 ff.
Vollverben
21
2.6
Wertigkeit des Verbs
ERGÄNZUNGEN: OBLIGATORISCH - FAKULTATIV
obligatorisch
NPn
NPa
obligatorisch
NPg
fakultativ
überführen
Der Sheriff überführt Killerkarle des Mordes
Der Sheriff überführt Killerkarle
*Der Sheriff überführt des Mordes
*Der Sheriff überführt
*überführt Killerkarle des Mordes
ERLÄUTERUNGEN
NPn
NPg
NPa
Nominalphrase im Nominativ - nominale constituent in de 1. naamval
im Genit1v - in de 2. naamval
im Akkusativ - in de 4. naamval
*XX
Unakzeptable Konstruktion – onacceptabel constructie
obligatorisch – verplicht
fakultativ – weg te laten
22
2.6
Wertigkeit des Verbs
Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Valenz keine Eigenschaft ist, die mit absoluter Notwendigkeit in
jedem Kontext verwirklicht werden muss: Es besteht durchaus die Möglichkeit, vom Verb geforderte
Ergänzungen fortzulassen:
Killerkarle gesteht dem Sheriff seinen Mord
Killerkarle gesteht seinen Mord
Killerkarle gesteht
Aber: *Killerkarle gesteht dem Sheriff
Oder: *gesteht dem Sheriff seinen Mord
Die mit einem * versehenen Beispiele sind nicht akzeptabel und dürfen daher nicht als grammatisch
beschrieben werden.
Die Ergänzungen, die nicht weggelassen werden dürfen, nennt man obligatorisch; dazu zählt immer die NPn
(das Subjekt). Bei gestehen darf NPa nur zusammen mit NPd weggelassen werden, es ist in dieser
Kombination also fakultativ; NPd ist immer fakultativ.
Auch diese Möglichkeit zu fakultativen (also weglassbaren) Ergänzungen müssen für jedes Verb im Lexikon
beschrieben werden, weil diese Weglassbarkeit nicht beliebig ist.
Noch eine Schwierigkeit: Viele Verben weisen verschiedene Spielarten (Varianten) auf, die sich in der
Valenz unterscheiden:
Killerkarle sitzt
Der Anzug sitzt
Killerkarle sitzt auf dem Schemel
Ottilie sitzt Otto auf dem Schoß
*Linda sitzt dem Fahrrad auf dem Sattel
Dieses Beispiel zeigt, dass die Valenz eng mit den spezifischen Bedeutungen verwoben ist, mit denen man ein
Verb verwenden kann. Die ersten beiden Beispielsätze kann man gut im Sinne von zwei sehr speziellen
Bedeutungen von sitzen verstehen. Aber gilt dies auch für die Beispiele drei und vier? Preisfrage: Warum
kann man den vorletzten Satz so sagen, den letzten aber nicht?
DUDEN 4 (1989)
§§ 1188 ff.
Die deutschen Satzbaupläne
23
2.7
Art der Ergänzungen
ERGÄNZUNGEN - KERNGRUPPE
Der Hund bellt
Otto erkennt den Onkel
Otto ist mein Onkel
Emilie ist bildhübsch
Paul hilft der Freundin
Paul denkt an Paulinchen
Köln liegt an der Donau
NPn
NPa
NPn
ADJade
NPd
PPobj
PPade
Subjekt
Akkusativobjekt
Gleichsetzungsnominativ
adverbiale Ergänzung
Dativobjekt
Präpositionalobjekt
adverbiale Ergänzung
NPg
NPa
NPa
NPd
NPa
Genitivobjekt
adverbiale Ergänzung
Gleichsetzungsakkusativ
Pertinenzdativ
Pertinenzakkusativ
ERGÄNZUNGEN - RANDGRUPPE
Paul gedenkt Paulinchens
Die Sitzung dauert drei Stunden
Otto nennt Emil einen Spinner
Er tritt dem Herrn auf die Zehen
Der Hund beißt ihn ins Bein
ADVERBIALE ERGÄNZUNGEN
Otto liegt auf der Ottomane
Otto legt sich auf die Ottomane
Der Winter dauert lange
Emil wohnt wundervoll
Der Mord geschah aus Geldmangel
PPade
PPade
ADV
ADJ
PPade
Ergänzung des Ortes Ergänzung der
Richtung Ergänzung der Zeit
Ergänzung der Art und Weise
Ergänzung des Grundes
Ergänzung des Grundes
ERLAUTERUNGEN
ADE
-
ADV
adverbiale Ergänzung - bijwoordelijk complement
des Ortes - van plaats
der Richtung - van richting
der Zeit - van tijd
der Art und Weise - van modaliteit
des Grundes - van causaliteit
Akkusativobjekt - lijdend voorwerp
Dativobjekt - meewerkend voorwerp
Gleichsetzungsnominativ - naamwoordelijk deel van het gezegde
Genitivobjekt - voorwerp in de 2e naamval
Präpositionalobjekt - voorzetselvoorwerp
Subjekt - onderwerp
Adverb - bijwoord
24
2.7
Art der Ergänzungen
Ergänzungen sind - im Unterschied zu den freien Angaben - Satzglieder, die von der Valenz des Verbs, das
den Kern der Verbalphrase bildet, gefordert werden. Dabei treten eine Reihe von Ergänzungen häufig auf, die
man Kerngruppe nennen kann:
Das spezifische Verb bestimmt, wie diese Ergänzungen zum Grundgerüst eines Satzes kombiniert werden vergleiche dazu das folgende Kapitel: Satzbaupläne. Der Unterschied zwischen Präpositionalobjekten und
adverbialen Ergänzungen wird in Kapitel 2.9 erklärt.
Neben der Kerngruppe gibt es eine Randgruppe van Ergänzungen, die von verhältnismäßig wenigen, selten
vorkommenden Verben gefordert werden.
Noch eine Bemerkung am Rande: Das Besondere an Pertinenzdativen und -akkusativen besteht darin, dass sie
durch ein Possessivpronomen ersetzt werden können: der Hund beißt mir/mich ins Bein steht neben der Hund
beißt in mein Bein.
Subjekte, Akkusativobjekte und adverbiale Ergänzungen können auch in der Form von Nebensätzen
auftreten: Man spricht dann van Subjektsätzen, Objektsätzen, Adverbialsätzen. Es gibt Verben, die einen
Objektsatz erfordern: Otto sagt, dass er Ottilie bewundert. In der Regel aber können Ergänzungen alternativ
als Nomina, als Pronomina oder als Sätze realisiert werden.
Adverbiale Ergänzungen lassen sich nach ihrem Inhalt weiter unterteilen:
Ergänzungen des Ortes und der Richtung
Ergänzungen der Zeit
Ergänzungen der Art und Weise
Ergänzungen des Grundes
Es gehört zur Valenz vieler Verben, dass sie eine inhaltlich bestimmte Untergruppe der adverbialen
Ergänzungen erfordern: Bewegungsverben machen eine Richtungsergänzung notwendig (der Zug fährt nach
Hamburg).
DUDEN 4 (1998)
§§ 1103 ff.
Satzglieder
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 471 ff.
Die Satzglieder
25
2.8
Satzbaupläne
PLÄNE I
S
NPn
VP
Otto schläft
V
PLÄNE II
S
NPn
Der Präsident begnadigt ihn
Otto denkt an Ottilie
Ottilie ist wundervoll
Der Zug fahrt nach Köln
Ottilie ist ein Luder
Killerkarle lauert ihm auf
VP
V
NPa
PPobj
ADJade
PPade
NPn
NPd
PLÄNE III
S
NPn
Otto verschenkte es an sie
Otto ist van Ottilie angetan
Ottilie schenkt Otto eine Rose
Er hängt ihn an ihn
Ottilie ist Otto egal
VP
V
NPa
PPobj
NPd
NPa
NPd
ERLÄUTERUNGEN
ADJade
Adjektiv als adverbiale Ergänzung - bijvoegelijk naamwoord als
bijwoordelijk complement
NPn
Nominalphrase im Nominativ - nominale constituent in de 1e naamval
NPd
Nominalphrase im Dativ - in de 3e naamval
NPa
Nominalphrase im Akkusativ - in de 4e naamval
PPade
Präpositionalphrase als adverbiale Ergänzung - constituent met een
voorzetsel als bijwoordelijk complement
PPobj
Präpositionalphrase als Präpositionalobjekt - als voorzetselvoorwerp
26
PPobj
ADJade
NPa
PPade
ADJade
2.8
Satzbaupläne
Nach ihrer Valenz lassen sich die Verben in Gruppen ordnen, die durch eine typische Kombination von
Ergänzungen charakterisiert sind. Solche typischen Kombinationen von Ergänzungen werden Satzbaupläne
genannt: diese Pläne entwerfen das Grundgerüst des Satzes, in dem ein bestimmtes Verb den Kern der
Verbalphrase bildet, Der Verbvalenz entsprechend, ist dieses Grundgerüst durch die Zahl, aber auch durch die
Art der Ergänzungen charakterisiert, Satzbaupläne werden im Lexikon für jedes Verb entworfen; verwandte
Verben erhalten identische Satzbaupläne.
Auf der Landkarte (auf der Seite links) werden die zwölf häufigsten Pläne aufgeführt, nämlich ein einwertiger
Plan (Pläne I), sechs zweiwertige Pläne (Pläne II) und fünf dreiwertige Pläne (Pläne III).
In all diesen Bauplänen kann eine NPn eine NPa und eine PPADE durch einen Nebensatz (= Subjektsatz,
Objektsatz, Adverbialsatz) ersetzt werden, Die Grundstruktur der Pläne wird dadurch nicht verändert, sondern
nur variiert.
Neben den von den Satzbauplänen geforderten Ergänzungen kann ein Satz auch freie Angaben enthalten;
diese werden nicht von der Valenz des jeweiligen Verbs gefordert, sondern auf der Grundlage allgemeiner
Regeln der Verbalphrase des Satzes hinzugefügt. Freie Angaben haben die Funktionen von adverbialen
Bestimmungen (die die Verbalphrase näher charakterisieren):
Otto schläft
unter dem Tisch
drei Stunden
fest
weil er müde ist
- Raumangabe
- Zeitangabe
- Angabe der Art und Weise
- Angabe des Grundes
Freie Angaben können die Form von Adjektiven/Adverbien, von Präpositionalphrasen oder von Nebensätzen
erhalten.
DUDEN 4 (1998)
§§ 1188 ff.
Die deutschen Satzbaupläne
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 471 ff.
Die Satzglieder
27
2.9
Präpositionen
TRENNBARES VERBPRÄFIX
_________ an - machen
Otto
macht
das Feuer
an
PRÄPOSITIONALOBJEKT
_________ denken
an
Emil
denkt
an
NPa
a
Emilie
PRÄPOSITIONALE ERGÄNZUNG
_________
fahren
Ottilie
PPade
fährt
an die See
PRÄPOSITIONALE ANGABE
PPada
an einem schönen Morgen
trinken
trinkt
Peter seinen Morgenkaffee
ERLÄUTERUNGEN
PPade
PPada
Verbpräfix, Verbpartikel - partikel bij een werkwoord
Präpositionalobjekt - voorzetselvoorwerp
Präpositionale Ergänzung - bijwoordelijk complement met voorzetsel
Präpositionale Angabe - bijwoordelijke bepaling met voorzetsel
28
2.9
Präpositionen
Präpositionen stellen ein besonderes Problemgebiet dar, weil sie auf vier unterschiedliche Weisen in Sätzen
verwendet werden; folgende Beispiele veranschaulichen diese vier Gebrauchsmuster:
Otto macht das Feuer an
Emil denkt an Emilie
Ottilie fahrt an dle See
An einem wunderschönen Morgen trinkt Peter seinen Morgenkaffee
Im ersten Beispiel ist an trennbares Präfix des Verbs anmachen; dieses an sieht aus wie eine Präposition, ist
aber tatsächlich Teil des (zusammengesetzten) Verbs.
Im zweiten Beispiel ist an Kern der Präpositionalphrase an Emilie; hier muss man also von einer Präposition
sprechen. Das Besondere an dieser Präpositionalphrase besteht darin, dass die spezifische Präposition an vom
Verb gefordert wird (denken.. .an) und nicht durch eine andere ersetzt werden kann (*denken unter, *denken
bei etc.). Diesen Typ der Präpositionalphrase nennt man Präpositionalobjekt.
Im dritten Beispiel ist die Präposition an Kern der Präpositionalphrase an die See. Im Unterschied zum
Präpositionalobjekt ist hier die Wahl der Präposition nicht durch das Verb eingeschränkt: Ottilie fährt nach
Hamburg, zum Strand, auf die Zugspitze, unter die Elbe etc. Diesen Typ der Präpositionalphrase nennt man
präpositionale Ergänzung. Ebenso wie bei den Präpositionalobjekten handelt es sich hier um Ergänzungen,
die von der Valenz des Verbs gefordert werden.
In Beispiel vier leitet die Präposition an eine Präpositionalphrase ein, die unabhängig von der Valenz des
zweiwertigen Verbs trinken ist; entsprechend nennt man diesen Typus präpositionale Angabe.
D UDEN 4 (1998)
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 796 ff.
Trennbare Verbpräfixe (Verbpartikel)
§§ 1139 ff.
Präpositionalobjekt, präpositionale Ergänzungen und
Angaben
§§ 64 f.
§§ 522 ff.
Feste und unfeste Zusammensetzungen
Präpositionalgruppen
29
2.10
Kongruenz
KONGRUENZ SUBJEKT - FINITE VERBFORM
ich______
1.Pers.Sg ..
sing e
die Männer
3.Pers.Pl.
sing en
KONGRUENZ DES GENUS
Paul
Mask
Friseur
Frieda
Fem
Vorsitzende
KONGRUENZ NOMEN - PRONOMEN
Otto
3.Pers.Sg.Mask
er
Emilie
3.Pers.Sg.Fem
sie
ERLÄUTERUNG
Pers
Sg
Pl
Mask
Fem
Neut
Person - persoon van de persoonsvorm
Singular - enkelvoud
Plural - meervoud
Maskulinum - manneljjk
Femininum - vrouwelijk
Neutrum - onzijdig
Kongruenz - congruentie
Genus - geslacht
Pronomen - voornaamwoord
Subjekt - gezegde
finite Verbform - persoonsvorm van het werkwoord
Nomen - naamwoord
30
2.10
Kongruenz
Das Verb, das als Kern einer Verbalphrase dient, muss konjugiert, d.h. als finite Verbform nach Tempus
(Zeit), Modus (Indikativ oder Konjunktiv/Wirklichkeits- oder Möglichkeitsform) , Person und Numerus
(Singular/Einzahl oder Plural/Mehrzahl) bestimmt werden. Dabei können Person und Numerus nur in
Übereinstimmung (in Kongruenz) mit dem Subjekt des Satzes gewählt werden: Peter liebt Petersilie.
Manchmal ist es schwierig, den Numerus des Subjekts zu bestimmen. Problemfälle sind
mehrteilige Subjekte: Aufzählungen ohne Konjunktion oder mit und, sowie gelten als Plural der Vorsitzende und sein Stellvertreter traten zurück.
Sammelbezeichnungen, bei denen eine inhaltliche Mehrzahl in der Form eines Singulars auftritt:
Hier ist die Form des Singular entscheidend - die Zuhörerschaft applaudierte, aber die Zuhörer
applaudierten.
Gleichsetzungsnominative, van denen einer im Singular und einer im Plural steht: Hier ist
immer - unabhängig van der Wortstellung - der Plural ausschlaggebend - die Spenden waren uns
eine große Hilfe, ihre einzige Freude sind die Tiere.
Subjekt mit Attribut: Attribute haben keinen Einfluß auf die Kongruenz: eine Reihe großer
Probleme kommt auf uns zu; 50% des Exports gehen ins Ausland.
Platzhalter-es, das neben dem 'eigentlichen' Subjekt im Satz vorkommt und dieses in der ersten
Position des Satzes als Platzhalter vertritt, beeinflusst die Kongruenz nicht: es lagen die alten
Germanen... . Dagegen ist das es als unpersönliches Subjekt für die Kongruenz ausschlaggebend: es gibt hier viele Germanen.
Kongruenz in Bezug aufs Genus (das grammatische Geschlecht) besteht in Gleichsetzungskonstruktionen:
Gleichsetzungsnominativ Ingrid ist Friseuse Gleichsetzungsakkusativ Otto schimpft Ottilie eine Betrügerin.
Kongruenz in Bezug auf Genus, Person und Numerus besteht zwischen einem Pronomen und dem Nomen,
auf das sich das Pronomen bezieht: Otto schämt sich seiner Untaten, er errötet.
DUDEN 4 (1998)
§§ 1282 ff.
Grammatische Kongruenz
31
2.11
Zusammengesetzte Sätze
SATZGEFÜGE
Gliedsatz:
S
NP
VP
V
weiß
Otto
Relativsatz:
S
dass sein Auto rostet
S
NP
VP
NP
das Auto
S
das alt ist
V
rostet
INHALTSSATZ
S
NP
VP
S
V
Dass Ottilie kommt, beruhigt Otto
NP
PPobj
S
Otto weiß, dass Ottilie kommt
S
Otto denkt daran, dass Ottilie kommt
ADVERBIALSATZ
S
NP
VP
V
Otto weint,
PPada
weil Ottilie ihm zürnt
ERLÄUTERUNGEN
Satzverbindung - nevenschikking
Satzgefüge - onderschikking
Hauptsatz - hoofdzin
Nebensatz, Gliedsatz - bijzin
Adverbialsatz - bijwoordelijke bijzin
Objektsatz - voorwerpszin
Subjektsatz - onderwerpszin
Relativsatz - betrekkelijke bijzin
32
2.11
Zusammengesetzte Sätze
Sätze können zu komplexeren Einheiten zusammengesetzt werden. Bei diesen zusammengesetzten Sätzen
unterscheidet man zwischen Satzverbindungen und Satzgefügen. Unter Satzverbindungen versteht man
lockerere Verknüpfungen van Sätzen, z.B. in Aufzählungen oder mit und koordinierten Reihen. Satzgefüge
dagegen stellen hierarchische Gebilde aus Überordnung und Unterordnung, aus Haupt- und Nebensätzen dar;
diese Unterordnung entsteht dadurch, dass ein Satz Teil eines anderen ist und dadurch zum Nebensatz (zum
Gliedsatz) wird.
Für den Aufbau van Satzgefügen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
Ein Nebensatz wird Teil der Nominalphrase eines übergeordneten Satzes und erläutert diese näher:
Das Auto, das alt ist, rostet. Diese Nebensatze nennt man Relativsätze. Sie haben die Funktion eines
Attributs.
Ein Nebensatz tritt an die Stelle der Nominalphrase eines übergeordneten Satzes: Otto weiß, dass
sein Auto rostet. Je nach der Funktion der ersetzten Nominalphrase nennt man diese Nebensatze
Subjektsätze, Objektsätze oder Adverbialsätze. Subjekt- und Objektsätze sind Teil des van der
Valenz des Verbs geforderten Grundgerüsts des Satzes; Adverbialsätze dagegen vertreten freie
Angaben.
Relativsatze werden typischerweise durch ein Relativpronomen (der, die, das; welcher, welche, welches; wer,
was) oder Relativpartikeln (wo, wie, wohin, woher, wodurch) eingeleitet; alle Relativpronomina kongruieren
in Genus und Numerus mit dem Nomen, für das sie stehen (vgl.2.10).
Subjekt- und Objektsätze ersetzen Nominalphrasen, die als valenzgebundene Ergänzungen zum Grundgerüst
des übergeordneten Satzes gehören; deswegen hat sich der Name Inha1tssatz eingebürgert. Nach der Form
lassen sich hier drei Typen unterscheiden:
Indirekte Fragesatze, die mit einem Fragepronomen oder -partikel eingeleitet werden: Otto fragt,
wann Ottilie komme.
Satze, die mit dass (oder auch wenn, als, wie) eingeleitet werden: Otto sagt, dass Ottilie kommt.
Infinitive mit und ohne zu: Otto bittet Ottilie zu kommen. Hierher gehören auch
Infinitivkonstruktionen, die traditionell als zusammengesetzte Verbformen angesehen werden: Emil
muss kommen, Emilie geht schwimmen.
Adverbialsätze ersetzen Nominalphrasen in Präpositionalphrasen, die als freie, also nicht valenzgebundene
Angaben im übergeordneten Satz fungieren. An die Stelle der Präposition tritt hier eine Konjunktion, die all
diese Satze einleitet und ein bestimmtes inhaltliches Verhältnis (des Raumes, der Zeit, der Art und Weise, des
Grundes im weiten Sinne) ausdrückt. Es ist üblich, Adverbialsätze nach der Bedeutung der einleitenden
Konjunktion in Gruppen einzuordnen.
DUDEN 4 (1998)
§§ 1315 ff.
§§ 1317 ff.
§§ 1321 ff.
§§ 1334 ff.
§§ 1364 ff.
Satzverbindungen und Satzgefüge
Typik der Nebensätze
Relativsätze
Inhaltssätze
Verhältnissätze
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 560 ff.
Der zusammengesetzte Satz
33
2.12
Zweiter Ausflug: Kommasetzung
AUFZÄHLUNGEN
Komma
Er ist in der Lage,
die Aufgabe zu lösen
Kein Komma
Er kann die Aufgabe
lösen
Er beschloss,
sich zu stellen
Er beschloss zu fliehen
Ich bitte Sie,
nicht zu reden
Sie haben den Mund
zu halten
Wir wollen versuchen,
dies zu erklären
Wir wollen dies zu
erklären versuchen
Der schönste Sieg ist,
sich selbst zu besiegen
Sich selbst zu besiegen
ist der schönste Sieg
Komma
ERLÄUTERUNGEN
Hauptsatz - hoofdzin
Hilfsverb - hulpwerkwoord
Infinitiv - werkwoord, onbepaalde wijs
Subjekt - onderwerp
34
2.12
Zweiter Ausflug: Kommasetzung
Aus dem Gebiet der Satzzeichen greifen wir die Kommasetzung als besonders fehlerträchtiges Gebiet heraus.
Es gibt zwei gute Gründe (und entsprechend zwei Grundregeln), ein Komma zu setzen:
Kommaregel I
Glieder von Aufzählungen, die nicht durch Konjunktion (wie und, oder) verbunden sind, werden
durch Komma abgetrennt.
Kommaregel II
Teilsätze werden durch Komma abgetrennt.
Diese einfachen Regeln werden dadurch schwierig, dass ihr Gebrauch bestimmten Einschränkungen
unterliegt.
Regel I gilt für alle Aufzählungen, unabhängig davon, ob es sich um Reihen von Wörtern, Wortgruppen,
Nebensätzen oder Hauptsätzen handelt. Manchmal allerdings ist undeutlich, ob eine Aufzählung vorliegt: ein
guter alter Freund. Darüber gibt der und -Test Aufschluss: Wenn und dazwischen stehen kann, liegt eine
Aufzählung vor (in unserem Beispiel verläuft dieser Test negativ).
Bei Regel II ist öfter mühsam zu bestimmen, was ein Teilsatz ist: Als Teilsätze im Sinne dieser Regel gelten
nicht nur Nebensätze, sondern auch Appositionen (Otto, der alte Gauner), erweiterte Partizipien (von hinten
getroffen, sank Otto...), erweiterte Infinitive mit zu (ich bitte dich, rasch zu gehen).
Dazu gelten noch eine Reihe van Ausnahmen, die hier am Beispiel des erweiterten Infinitivs mit zu
vorgeführt werden sollen:
Nur der Infinitiv mit zu gilt als Teilsatz, und zwar nur dann, wenn er erweitert ist (ein um, ohne,
anstatt genügt)
Erweiterte Infinitive mit zu stehen allerdings ohne Komma, wenn sie von den Hilfsverben sein und
haben oder von den hilfsverbähnlich gebrauchten Verben scheinen,_brauchen, pflegen, zum Teil
auch drohen, versprechen abhängen: Sie haben den Befehlen zu gehorchen, sie brauchen mir nicht zu
helfen.
Das Komma fehlt, wenn der erweiterte Infinitiv, in mehrere Teile gespalten, mit dem Hauptsatz
verschränkt wird oder wenn er als Ganzes in der Satzklammer steht: diesen Vorgang wollen wir zu
erklären versuchen, wir wollen dies zu erklären versuchen.
Ein Komma fehlt ebenfalls, wenn der erweiterte Infinitiv die Funktion des Subjekts im
übergeordneten Satz hat und am Satzanfang steht (beide Kriterien müssen erfüllt sein): Sich selbst zu
besiegen ist fein.
DUDEN 1 (1990)
S. 36-46 Kommasetzung
35
3.0
Analyse deutscher Satzglieder
NOMINALPHRASE
NP
ART ADJ
N
NPg
meines Vaters
der
Hut
PP
von meinem Vater
S
der meinem Vater gehört
alte
PRÄPOSITIONALPHRASE
PP
PRÄP
NP
ART ADJ
N
NPg
meines Vaters
der
Hut
PP
von meinem Vater
S
der meinem Vater gehört
alte
ERLÄUTERUNGEN
ADJ
ART
N
NP
PP
PRÄP
S
Adjektiv - bijvoegelijk naamwoord
Artikel - lidwoord
Nomen, Substantiv - naamwoord
Nominalphrase - nominale constituent
Präpositionalphrase - constituent met een voorzetsel
Präposition - voorzetsel
Satz - zin
Adjektivphrase - bijvoegelijk constituent
Konjunktjon - voegwoord
Genus - geslacht
Numerus - getal
Kasus - naamval
finites Verb - persoonsvorm van een werkwoord
infinite Verbform - werkwoord, onbepaalde wijs
36
3.0
Analyse deutscher Satzglieder
Satzglieder können ihrer Form nach in vier Gruppen eingeteilt werden:
in Nominalphrasen, deren Kern von einem Nomen oder Pronomen gebildet wird: der alte Hut meines
Vaters; der nominale Kern kann durch Artikel und andere Pronomina, Zahlwörter, Adjektive links
von sich und durch Genitivattribute, Präpositionalphrasen, Appositionen, Relativsätze rechts von
sich ergänzt werden;
in Präpositionalphrasen, in denen eine Präposition (meistens) links von einer Nominalphrase steht;
in Adjektivphrasen, deren Kern von einem Adjektiv gebildet werden: so groß wie ein Riese; der
Kern kann links durch Partikeln (wie so, sehr), andere Adjektive (furchtbar), Nominalphrasen (zwei
Meter) und rechts beispielsweise durch vergleichende Konstruktionen ergänzt werden;
in verbale Glieder, die entweder finit (singt) oder infinit (singen, singend, gesungen) sind.
Übrig bleiben dann Partikel wie Konjunktionen (denn, aber, weil,...) und Verneinung (nicht) , die sich auf den
ganzen Satz beziehen und deswegen weniger als seine Glieder angesehen werden können.
Vor allem wegen der Kongruenz von Genus, Numerus und Kasus bilden Nominalphrasen und
Präpositionalphrasen ein Problem, das im folgenden genauer besprochen werden soll.
DUDEN 4 (1998)
§§ 1158 ff.
Der Satzgliedinnenbau
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 545 ff.
Der Innenbau von Satzgliedern
37
3.1
Kongruenz in Nominalphrasen
SINGULAR
Typ 0
Typ 0
Typ 0
-es
- er
der
die alte
alte
Mann
Mensch des
Frau
-er
der alten
Frau
alten
Mannes
Menschen
dem alten
Mann
Menschen
den alten
Mann
Menschen
das alte
Kind
des alten
Kindes
- em
-em
-er
der alten
Frau
dem alten
Kind
die alte
das alte
Kind
-es
Frau
Typ I
Typ I
Typ I
PLURAL
Typ 0
-e
die alten
Männer
Frauen
Autos
der alten
Männer
Frauen
Autos
den alten
Männern
Frauen
Autos
die alten
Männer
Frauen
Autos
- er
- e
Typ I
ERLÄUTERUNGEN
Singular - enkelvoud
Plural - meervoud
Genus - geslacht
Numerus - getal
Kasus - naamval
Adjektiv - bijvoegelijk naamwoord
Pronomen - voornaamwoord
Nomen - naamwoord
Artikel - lidwoord
Deklination - verbuiging
38
3.1
Kongruenz in Nominalphrasen
In Nominalphrasen richten sich die veränderbaren (= flektierbaren) Elemente, die links vom Kern-Nomen
stehen, in Genus, Numerus und Kasus nach diesem Nomen; wenn man also Artikel, andere Pronomina und
Adjektive links vom Substantiv angemessen deklinieren will, dann muss man Genus, Numerus und Kasus
dieses Substantivs kennen, weil sich danach ihre Deklinationsendung bestimmt.
Das Genus (das grammatische Geschlecht) ist eine Eigenschaft, die im Lexikon für jedes einzelne Substantiv
angegeben ist: Man muss wissen (und kann es dem Wort nicht ansehen), welches Genus ein Substantiv hat
(allerdings gibt es ein paar Faustregeln: Nomina auf -ung sind Feminina etc.). Steht ein Nomen in einem
bestimmten Genus, so sind auch für die vorangehenden Artikel, Pronomina und Adjektive Formen dieses
Genus zu wählen: die alte Tante.
Der Numerus ist eine Frage der Entscheidung: Wähle ich für ein Nomen den Plural, so müssen auch
vorangehende Artikel, Pronomina und Adjektive im Plural stehen: die alten Tanten. Der Singular ist im
Deutschen nicht gekennzeichnet; der Plural wird durch bestimmte Endungen und/oder durch Umlaut
markiert: Tag - Tage, Gast-Gäste, Last - Lasten etc. (es gibt einige unmarkierte Plurale: Esel-Esel). Zu jedem
Substantiv ist im Lexikon verzeichnet, auf welche Weise es seinen Plural bildet; auch das muss man also
wissen und kann es dem Wort nicht ansehen.
Der Kasus wird dem Nomen von der Valenz des regierenden Verbs oder der regierenden Präposition auferlegt
(vgl. dazu Kap.2.6, 2.8 und 3.2). Die Valenz des Verbs oder die Rektion der Präposition muss man wissen oder im Lexikon nachschlagen; nach dem auferlegten Kasus richten sich dann die Endung des Nomens selbst
und die Endungen all der Elemente, die links von ihm stehen.
Die Deklinationsreihen der Artikel, Pronomina, Adjektive und Nomina zeigt jede Schulgrammatik. Die große
Schwierigkeit liegt aber nicht in diesen Reihen und Endungen selbst, sondern in deren Zusammenspiel in der
Nominalphrase: Das Adjektiv hat nämlich zwei Deklinationen, den Typ 0 und den Typ I; der Deklinationstyp
0 wird gebraucht, wenn kein Artikel/Pronomen mit Endung vorausgeht: junger Freund, ein alter Mann, welch
kalter Kaffee; der Deklinationstyp I wird gebraucht, wenn ein Artikel/Pronomen mit Endung vorausgeht: der
junge Freund, dieser alte Mann, jener kalte Kaffee.
Wenn also der bestimmte Artikel (der, die, das) oder die Pronomina dieser, welcher, jener, aller, beider,
folgender. mancher, sämtlicher, solcher vorangehen, gilt Typ I; sonst gilt Typ 0. Eine Mischung von 0 und I
tritt bei ein, mein, kein, irgendein auf, weil diese Wörter zum Teil keine Endung haben (also: Typ 0 – kein
alter Mann), zum Teil aber wohl (also: Typ I - keinem alten Mann).
DUDEN 4 (1998)
§§ 374 ff.
§§ 475 ff.
§§ 536 ff. und 577 ff.
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 148 ff.
§§ 200 ff.
§§ 267 ff.
Deklination des Substantivs
Deklination des Adjektivs
Artikel und Pronomen
Das Nomen
Pronomen und Artikel
Adjektiv
39
3.2
Rektion der Präpositionen
PRÄPOSITIONEN MIT EINEM KASUS
bis, durch, für, gegen, ohne, um
PRÄP
NPa
aus, bei, entsprechend, nach, seit, von, zu
PRÄP
NPd
statt, aufgrund, trotz, während, wegen
PRÄP
NPg
PRÄPOSITIONEN MIT ZWEI KASUS
Verb
Bewegung
an, auf, hinter, in, zwischen, neben, über, unter, vor
ERLÄUTERUNGEN
NPa
NPd
NPg
PRÄP
Kasus - naamval
Nominalphrase im Akkusativ - nominale constituent in de 4e naamval
im Dativ - ... in de 3e naamval
im Genitiv - ... in de 2e naamval
Präposition - voorzetsel
lokal – van plaats
direktional - van richting
40
3.2
Rektion der Präpositionen
Präpositionalphrasen sind Nominalphrasen mit einer Präposition davor; in ihnen herrscht also genau die
Kongruenz von Genus, Numerus und Kasus, wie wir sie in Kap. 3.1 besprochen haben. Als charakteristisches
Merkmal tritt hier die Kasusrektion der Präposition hinzu: Jede Präposition bestimmt (regiert) den Kasus des
Nomens, das als nominaler Kern mit ihr zusammen eine Präpositionalphrase bildet.
Man kann Präpositionen nach dem Kasus unterscheiden, den sie regieren:
Mit dem Akkusativ stehen vor allem bis, durch, für, gegen, ohne, urn.
Mit dem Dativ stehen vor allem aus, bei, entsprechend, nach, seit, von, zu.
Mit dem Genitiv stehen vor allem statt, aufgrund, trotz, während, wegen.
Eine Schwierigkeit bilden die (häufig gebrauchten) Präpositionen, die sowohl den Dativ als auch den
Akkusativ regieren: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen. Der Orientierung können hier zwei
Gebrauchsmuster dienen, in denen diese Präpositionen vorkommen:
Wenn diese Präpositionen in Ortsangaben (also lokal) benutzt werden, regieren sie den Dativ: auf
dem Hof, in dem Garten, hinter dem Haus.
Wenn dagegen die Präpositionen in Richtungsangaben (also direktional) benutzt werden, regieren sie
den Akkusativ: auf den Hof, in den Garten, hinter das Haus.
Wird die Präpositionalphrase von der Valenz des Verbs gefordert (ist diese Präpositionalphrase also eine
adverbiale Ergänzung des Ortes oder der Richtung) , so entscheidet letzten Endes das Verb über den Kasus
des Nomens in der Präpositionalphrase:
Bewegungsverben erfordern Richtungsergänzungen und damit such den Akkusativ: Otto fahrt auf
den Hof, in den Garten, hinter das Haus.
Lokale Zustandsverben erfordern Ortsergänzungen und damit auch den Dativ: Otto steht auf dem
Hof, im Garten, hinterm Haus.
Die Orientierung mithilfe des lokalen und des direktionalen Gebrauchsmusters versagt dort, wo diese
Präpositionen nicht mehr räumlich, sondern zeitlich oder ganz abstrakt benutzt werden: Otto kommt in zwei
Tagen; Emil denkt an die Liebe.
Bei nichträumlicher Bedeutung regieren an, in, neben, unter, vor und zwischen den Dativ (in fünf
Jahren, vor_drei Tagen,_ an langen Abenden), auf und über den Akkusativ (über zehn Jahre, auf
unterschiedliche Art).
Allerdings wird in Präpositionalobjekten häufiger von dieser Faustregel abgewichen, so dass man
hier - wie bei den anderen Objekten auch - die Valenz des Verbs kennen muss: denken an ihn,
bestehen auf seiner Entschuldigung.
DUDEN 4 (1998)
§§ 677 ff.
Präpositionen
SCHÜLERDUDEN (1998)
§§ 327 ff.
Die Präposition
41
4.1
Modalverben
BEDEUTUNG DER MODALVERBEN
notwendig
müssen
objektiv
Wille sollen
fremd
dürfen
subjektiv
können
möglich
ERLÄUTERUNGEN
Modalverb - modaal (hulp-)werkwoord
42
wollen Wille
eigen
4-0
Analyse von Bedeutungen
Wir wollen uns hier auf die Darstellung eines Problemgebietes beschränken, das niederländischen
Deutschlernern immer wiederkehrende Schwierigkeiten bereitet, nämlich auf die Analyse der Modalverben.
4.1
Modalverben
Die Verben müssen, können, sollen, dürfen, wollen und mögen werden immer in Verbindung mit dem Infinitiv
eines anderen Verbs benutzt: Otto muss gehen etc. Sie heißen Modalverben, weil sie etwas über den
'Wirklichkeitswert' des Sachverhaltes sagen, der im Infinitiv formuliert ist; sie drücken aus, ob der Sachverhalt
notwendig oder möglich, ob er gewollt, gewünscht oder erlaubt ist.
Die Bedeutung der Modalverben kann man (zunächst) in zwei Dimensionen näher bestimmen:
Die erste Dimension erstreckt sich zwischen den Polen der Notwendigkeit und der Möglichkeit. Hier
sind müssen und können anzusiedeln: Otto muss gehen - 'aus den objektiven Bedingungen ergibt sich
die Notwendigkeit, dass Otto geht'; Otto kann gehen - 'aus den objektiven Bedingungen (zu denen auch
die Fähigkeiten Ottos zählen) ergibt sich die Möglichkeit, dass Otto geht'.
Die zweite Dimension erstreckt sich zwischen den Polen des fremden und des eigenen Willens. Eine
Zwischenstellung zwischen diesen beiden Polen nimmt die Erlaubnis zu einer Handlung ein. Auf dieser
Dimension sind sollen, können und dürfen, wollen und mögen einzuordnen; alle diese Verben
modifizieren eine - im abhängigen Infinitiv ausgedrückte - Handlung: Otto soll gehen – ‚jemand anders
als der Handelnde Otto (= ein Fremder) will, dass Otto geht’; Otto darf/kann gehen – ‚jemand anders
gibt die Erlaubnis, dass Otto geht’; Otto möchte/will gehen – ‚der Handelnde selbst hat den Willen/den
Wunsch zu gehen’.
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Niederländische Deutschlerner neigen dazu, häufig dort sollen zu verwenden, wo eine objektive Notwendigkeit
und nicht ein. fremder Wille gegeben ist und deswegen allein müssen gebraucht werden kann. Vielleicht helfen
die folgenden Testsätze:
Es ist notwendig >>> müssen
Jemand will >>> sollen
Es ist möglich >>> können
Jemand erlaubt >>> dürfen
Der Handelnde will >>> wollen, mögen
Modalverben haben noch eine dritte Bedeutungsdimension, auf der sie die Einschätzung des
Sprechers/Schreibers von einem bestimmten Sachverhalt ausdrücken: Otto muss in Paris sein kann bedeuten,
dass es notwendig ist, dass Otto in Paris ist ( = objektive Notwendigkeit); es kann aber auch bedeuten, dass der
Sprecher/Schreiber es für notwendig gegeben hält, dass Otto in Paris ist ( = subjektive Notwendigkeit).
Entsprechendes gilt für können, sollen, dürfen (auch in den Konjunktivformen könnte, sollte, dürfte). In unserem
Diagramm haben diese Modalverben deswegen zwei Werte, entsprechend ihrer subjektiven und ihrer objektiven
Bedeutung
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