Palpitationen

Werbung
FAM Umbruch 2_2010_2-2010 28.05.10 11:06 Seite 16
16 FA M
INFO
Palpitationen
verfasst von
A. Teufel, B. Kirchner, R. Nömeyer, G. Stiendl, B. Eber
Abteilung für Innere Medizin II, Klinikum Wels-Grieskirchen
Unter Palpitationen verstehen wir jegliche
Form von Herzklopfen, welches als störend
empfunden wird.
Palpitationen sind ein sehr häufiges Symptom,
welches die Patienten meist sehr beunruhigt.
Mit dem Begriff Herzklopfen ist allerdings
noch gar nichts über das Vorhandensein einer allfälligen Rhythmusstörung impliziert.
Erst die genaue Anamnese erlaubt eine erste
Differenzierung und die korrekte Indikationsstellung zu allfälligen weiteren Abklärungsuntersuchungen mit technischen Methoden.
Symptombeschreibung
Störendes Herzklopfen kann sich aufgrund einer ungewohnten Heftigkeit, einer Unregelmässigkeit oder einer inadäquaten Frequenz
manifestieren. Diese Qualitäten sind also im
Anschluss an die ungehinderte Schilderung
durch den Patienten mit Nachfragen stets
noch so genau wie möglich zu erfragen.
Heftigkeit: Das Herz pocht unangenehm
oder «schleudert» in der Brust, jedoch mit
normaler Regelmässigkeit und normaler oder
höchstens leicht erhöhter Frequenz. Diese
Form des Herzklopfens gehört zu den am
häufigsten geäußerten Klagen und entspricht
einer subjektiv gestörten Perzeption einer an
sich physiologischen Herzaktion. Sie wird
meist besonders in körperlicher Ruhe wahrgenommen (vor dem Einschlafen). Vielfach
wird zunächst zwar ein Herzrasen oder -jagen
angegeben, das aber beim Nachfragen und
bei Imitation mit dem Finger eine höchstens
leicht erhöhte Frequenz (90–110/min) aufweist. Es handelt sich hierbei objektiv um
einen ungestörten Sinusrhythmus. Die chronotrope und v.a. die bathmotrope Aktivität
kann durch adrenerge Stimulation aus emotionaler Ursache erhöht sein.
Unregelmässigkeit: Kann man eine sporadische Unregelmässigkeit oder eine solche
mit System (jeder zweite, dritte oder x-te
Schlag fällt aus) erkennen, so handelt es sich
um mehr oder weniger häufige einzelne Extrasystolen (ES). Diese können sehr selten
auftreten oder aber in bestimmten Situationen (in Ruhe, unter Belastung, nach dem
Essen etc.) und auch ständig vorhanden sein.
Eine Unterscheidung zwischen supraventrikulären oder ventrikulären ES ist anamnestisch nicht möglich. Eine vollständige Regellosigkeit der Schlagfolge (absolute Arrhythmie) ist verdächtig auf ein Vorhofflimmern.
Frequenz: Die Geschwindigkeit der Herzaktion kann oft nur mangelhaft angegeben werden. Im subjektiven Empfinden wird die Frequenz meist überschätzt. Dies kann unter Umständen daran liegen, dass bei einer Tachyarrhythmie der periphere Puls abgeschwächt
oder defizitär ist (nicht alle Schläge erreichen als
Pulswelle das Handgelenk). Hilfreich ist neben
einer Zahlenangabe immer die Imitation der
Herzaktion mit dem Finger auf der Tischplatte
(wenn vom Patienten nicht spontan erhältlich,
sollten vom Arzt verschiedene Vorschläge zur
Auswahl angeboten werden). Dabei kann eine
grobe Einteilung in Frequenzen bis 100, um
150 oder gegen 200 vorgenommen werden.
Herzrhythmusstörungen
Welche Rhythmusstörung verursacht eigentlich welche Form von Palpitationen?
Palpitation ist in keiner Weise gleichbedeutend mit Arrhythmie.
Grundsätzlich gilt eine ziemlich inverse Beziehung zwischen Gefährlichkeit und subjektiver Störung! Während den häufigsten Klagen des verstärkten Herzpochens in der Regel keine Arrhythmie, sondern eine gestörte
Wahrnehmung der normalen Herzaktion zugrunde liegt, treten z. B. Kammertachykardien
und Kammerflimmern kaum je als Palpitationen in Erscheinung, sondern äußern sich unmittelbar als Synkope und Kreislaufstillstand.
Aufgrund der anamnestisch erhobenen Kriterien kann bereits recht gut zwischen den
möglichen zugrundeliegenden Formen der
Herzaktion unterschieden werden, so dass
nicht in jedem Fall von Herzklopfen eine aufwendige Abklärung notwendig ist
Abklärung
Basis
Vor dem Einsatz der technischen Hilfsuntersuchungen müssen unbedingt ein paar relevante anamnestische Kriterien erhoben werden.
Dazu gehören neben der genauen Beschreibung der Art auch die Dauer und die Häufigkeit des Auftretens der Störung, denn dies beeinflusst die Wahl der Dokumentation. Die
Grundfrage lautet hierbei: Liegt überhaupt eine Arrhythmie vor? Ein Ruhe-EKG wird in den
meisten Fällen gemacht; wirklich sinnvoll ist es,
wenn die Störung gerade in flagranti aufgezeichnet werden kann. Bei Verdacht auf
paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien
muss im Ruhe-EKG ein Präexzitationsyndrom
(WPW) gesucht werden. Im Übrigen kann das
EKG auch dazu dienen, eine allfällige strukturelle Herzerkrankung zu belegen oder auszuschließen. Diese Frage gehört immer mit zur Beurteilung von Palpitationen: Liegt eine strukturelle Kardiopathie vor oder nicht? Um die Frage zu beantworten, braucht man zusätzlich zur
Anamnese (Alter, Risikofaktoren, vorbekannte
Erkrankung, typische spezifische Symptome
wie Angina pectoris) die klinische Untersuchung (pathologische Befunde der Auskultation, Vitium) sowie die Hilfsuntersuchungen.
Wie bereits erwähnt, lässt u.U. ein abnormes
EKG (Infarktnarbe, Schenkelblock, Repolarisationsstörung) auf das Vorhandensein einer
FAM Umbruch 2_2010_2-2010 28.05.10 11:06 Seite 17
FA M
Herzkrankheit schließen. Je nach Fragestellung
kann ein Belastungs-EKG zum Nachweis einer
KHK sinnvoll sein, ganz besonders auch, wenn
Palpitationen unter Belastung vorkommen. Mit
dem Thoraxbild können die Herzgröße und
-form sowie die intrathorakalen Gefäße beurteilt werden. Schwierige Fragen können sich
ergeben, wenn es um den Ausschluss seltener
Erkrankungen geht wie z. B. arrhythmogene
rechtsventrikuläre Dysplasie, Brugada-Syndrom, Long-QT-Syndrom etc., welche mit relevanten Arrhythmien einhergehen, die sich aber
selten als Palpitationen manifestieren.
Nichtinvasive Methoden
des Spezialisten
In den Händen des Kardiologen ist das Echokardiogramm eine hervorragende nichtinvasive Methode zur Beurteilung von Struktur
und Funktion des Herzens. Es können mit dieser Methode zuverlässige Aussagen über die
Herzgröße, Myokarddicke, regionale und globale Kontraktilität bzw. Pumpfunktion sowie
über die Struktur und Funktion der Herzklappen gemacht werden. Zur Objektivierung von
vermuteten Rhythmusstörungen kommen
diverse Methoden in Frage. Bevor jedoch aufwendige Methoden zum Einsatz kommen,
sollte man sich daran erinnern, dass bei
seltenen Anfällen längerer Dauer (30 Min.)
die einfachste Methode der Dokumentation
noch immer im Aufzeichnen eines EKG in der
nächsten medizinischen Einrichtung besteht.
Die ambulante EKG-Aufzeichnung (LangzeitEKG, nach seinem Erfinder auch «Holter»-EKG
genannt) erlaubt eine lückenlose Aufzeichnung aller Herzschläge über 24–48 Stunden
und eine Korrelation von Symptomen mit allfälligen Arrhythmien, sofern diese während
der Registrierung auftreten. Ein «Holter»-EKG
bei einem nur alle vier Monate auftretenden
Anfall von Palpitationen zu machen, ist also
sinnlos. Länger dauernde Aufzeichnungen
über bis zu 10 Tagen sind mit sog. «Eventrecordern» möglich (Die Dauer der Symptomatik muss lange genug sein, um das Gerät
anzubringen.). Solche Geräte können über
Monate in Bereitschaft gehalten werden.
Invasive Methoden
Mittels Herzkatheter und elektrophysiologischerTestung können viele Rhythmusstörungen
provoziert, in ihrer Entstehung studiert und genauer charakterisiert werden. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eine kurative Behandlung in Aussicht steht, wie dies bei paroxysmalen supraventrikulären Tachykardien,
bei Vorhofflattern und zum Teil bei Vorhofflimmern der Fall ist. Bei sehr seltenen ungeklärten
und schwerwiegenden Symptomen wie Synkopen, bei denen eine Arrhythmie als auslösend
vermutet wird, kann deren Dokumentation
manchmal nur durch eine monatelange Überwachung mit einem implantierbaren «Loop-recorder» oder durch Provokation bei der elektrophysiologischen Untersuchung gelingen.
Behandlung
Es sollte nicht ein Symptom oder ein EKG-Befund, sondern eine allenfalls vorhandene
Grundkrankheit und deren Manifestation behandelt werden.
Als Regel darf gelten, dass Extrasystolen ohne
strukturelle Herzkrankheit keiner Therapie bedürfen, da sie keine oder höchstens eine geringe prognostische Bedeutung haben. In seltenen
Fällen kann es angebracht sein, mit einem Betablocker symptomatische Abhilfe zu schaffen.
Bei paroxysmalen supraventrikulären Tachykardien sollten als erste Therapiemaßnahme
die vagalen Stimulationsmanöver zur Anfallsbehandlung nicht vergessen werden. Wenn
diese nicht ausreichen, kann eine medikamentöse Anfallsbehandlung versucht werden
(«pill in the pocket»). Eine Dauerprophylaxe ist
nur bei sehr häufigen und anhaltenden Arrhythmieepisoden notwendig. Als Alternative zur
medikamentösen Langzeitbehandlung steht in
solchen Fällen heute die Katheter-Ablationsbehandlung zur Verfügung, welche insbesondere bei akzessorischer AV-Überleitung (z. B.
WPW) sehr erfolgreich ist. Das vielleicht häufigste Problem in der Praxis stellt das intermittierende Vorhofflimmern dar, welches besonders bei Jüngeren sehr oft ohne Grundkrankheit vorkommt und dennoch oder gerade in
diesen Fällen außerordentlich stark sympto-
INFO
matisch sein kann. Dabei gilt es zu beachten,
dass die eigentlichen kardialen Symptome vielfach durch Angst wesentlich überlagert und
verschlimmert werden und dass adäquat informierte Patienten oft viel besser mit einer
intermittierenen Symptomatik umgehen können. Bei einer Anfallsdauer von weniger als 30
Minuten mit spontaner Konversion ist jede
medikamentöse Intervention unnötig, weil der
Wirkungseintritt ohnehin zu spät kommt. Bei
längerer Dauer kann sich eine Anfallsbehandlung mit einem Betablocker oder bei fehlender
Herzerkrankung mit einem Antiarrhythmikum
der Klasse 1C (Flecainid oder Propafenon) als
wirksam erweisen. Die Elektrokardioversion
des intermittierenden Vorhofflimmerns ist nicht
angezeigt, sofern eine Spontankonversion üblich ist und innerhalb von Stunden bis Tagen erwartet werden kann. Eine Dauerprophylaxe mit
Medikamenten ist nur bei starker Häufung
sinnvoll (Faustregel: mehr als ein Anfall pro Woche).Die Katheterablationsbehandlung wird an
einigen Zentren durchgeführt und kann gerade
bei jungen Patienten die unter antiarhytmischer
Therapie nicht frei von VHF-Attacken sind den
entscheidenden Therapieansatz bringen.
Je nach Alter, Grundkrankheit und weiteren Risikofaktoren muss bei Vorhofflimmern die Indikation zur Gerinnungshemmung mit Kumarinderivaten gestellt werden, um das Risiko eines
Schlaganfalls zu reduzieren Da intermittierendes Vorhofflimmern häufig auch asymptomatisch vorkommt, wird in der Regel bei gegebener Indikation eine unbefristete Antikoagulation befürwortet.Auch eine EKG-Aufzeichnung
von 24 Stunden ohne das Vorkommen von Vorhofflimmern ist daher ein schlechtes Argument
zum Absetzen der Antikoagulation. Bei einer
Ziel-INR von 2–2,5 wiegen die Vorteile der Embolieprophylaxe auch im hohen Alter das leicht
erhöhte Blutungsrisiko bei weitem auf.
Komplexe ventrikuläre Rhythmusstörungen
sind oftmals asymptomatisch und ihre Behandlung muss im Rahmen der meist vorhandenen kardialen Grundkrankheit (KHK, Herzinsuffizienz) miteinbezogen werden. Als Grundregel gilt hierbei Zurückhaltung mit Antiarrhythmika der Klasse 1, in erster Linie kommen Betablocker und Amiodarone zum Einsatz.
17
FAM Umbruch 2_2010_2-2010 28.05.10 11:06 Seite 18
Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten
Zusammensetzung: Jede Filmtablette enthält 75 mg Clopidogrel (als Besilat). Sonstige Bestandteile: Jede Tablette enthält 3,80 mg hydriertes Rizinusöl. Anwendungsgebiete: Clopidogrel ist bei Erwachsenen indiziert zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei: Patienten mit Herzinfarkt (wenige Tage bis 35 Tage zurückliegend), mit ischämischem Schlaganfall (7 Tage bis 6 Monate zurückliegend) oder mit nachgewiesener peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Schwere Leberfunktionsstörungen. Akute pathologische Blutung, wie bei Magen-Darm-Geschwüren oder intrakraniellen Blutungen. Pharmakotherapeutische Gruppe: Thrombozytenaggregationshemmer, exkl. Heparin; ATC-Code: BO1AC04. Liste der sonstigen Bestandteile: Tablettenkern: Macrogol 6000, mikrokristalline Cellulose (E460), Crospovidon Typ A, hydriertes Rizinusöl; Filmüberzug: Macrogol 6000,
Ethylcellulose (E462), Titandioxid (E171). Art und Inhalt des Behältnisses: Alu/Alu-Blisterpackung mit 7, 14, 28, 30, 50, 84, 90 und 100 Filmtabletten in einer Faltschachtel. Es werden möglicherweise
nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht. Inhaber der Zulassung: Acino Pharma GmbH, Am Windfeld 35, 83714 Miesbach, Deutschland. Örtlicher Vertreter des Pharmazeutischen Unternehmers: ratiopharm Arzneimittel Vertriebs-GmbH, Tel: +43 1 97 007. Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig. Stand der Information: 11/2009. Ausführliche Informationen sind auf der Website der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) http://www.emea.europa.eu/ verfügbar. Weitere Hinweise zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln, Nebenwirkungen und zutreffendenfalls Angaben über die Gewöhnungseffekte sind der veröffentlichten Fachinformation zu entnehmen.
Seractil forte 400 mg - Filmtabletten
Zusammensetzung: Eine Filmtablette enthält 400 mg Dexibuprofen. Hilfsstoffe: Tablettenkern: Hypromellose, mikrokristalline Cellulose, Carmellose-Calcium, hochdisperses Siliciumdioxid, Talk.
Filmüberzug: Hypromellose, Titandioxid (E171), Glyceroltriacetat, Talk, Macrogol 6000. Anwendungsgebiete: Akute und chronische Arthritis, wie chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) und
andere; Arthrosen; entzündliche rheumatische Erkrankungen, wie Morbus Bechterew, Weichteilrheumatismus; zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen, schmerzhaften Schwellungen oder
Entzündungen, wie nach Verletzungen oder Operationen. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Dexibuprofen bzw. Ibuprofen oder gegen einen anderen der Bestandteile, hämorrhagische
Diathese, bestehende Magen-Darm-Ulzera, schwere Herzinsuffizienz. Pharmakotherapeutische Gruppe: Nichtsteroidale antiinflammatorische und antirheumatische Stoffe, Propionsäurederivate.ATCCode: M01AE14. Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig. Packungsgrößen: 10, 30, 50 Stück. Kassenstatus: 10, 50 Stück: Green Box, 30 Stück: No Box. Zulassungsinhaber: Gebro Pharma GmbH,
6391 Fieberbrunn. Stand: 26.11.2008. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sowie Gewöhnungseffekten entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.
Cenipres 10 mg/20 mg Tabletten
Zusammensetzung: 10 mg Enalaprilmaleat, 20 mg Nitrendipin. Hilfsstoffe: Natriumhydrogencarbonat, Lactose-Monohydrat, Mikrokristalline Cellulose, Maisstärke, Povidon, Natriumdodecylsulfat,
Magnesiumstearat. Anwendungsgebiete: Behandlung von essenzieller arterieller Hypertonie bei Patienten, deren Blutdruck mit Enalapril bzw. Nitrendipin als Monotherapie nicht hinreichend kontrolliert wird. Gegenanzeigen: Cenipres darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden: bei Überempfindlichkeit gegenüber Enalapril, Nitrendipin oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels, bei Patienten mit anamnestisch bekanntem angioneurotischem Ödem infolge einer früheren Therapie mit ACE-Hemmern (Angiotensin Converting Enzyme Inhibitors) sowie hereditärem/idiopathischem angioneurotischem Ödem, Zweites und drittes Trimester der Schwangerschaft, bei Patienten mit hämodynamisch instabilen Zuständen, insbesondere Herz-Kreislauf-Schock, akuter
Herzinsuffizienz, akutem Koronarsyndrom, akutem Schlaganfall, bei Patienten mit Nierenarterienstenose (beidseitig oder bei Einzelniere), bei Patienten mit hämodynamisch relevanter Aorten- oder Mitralklappenstenose und hypertropher Kardiomyopathie, bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 10 ml/min) und Hämodialyse-Patienten, bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung. Pharmakotherapeutische Gruppe: Angiotensin-Converting-Enzyme-(ACE-)Hemmer und Kalziumkanalblocker. ATC-Code: C09B B. Packungsgröße(n): Packung mit 30
Tabletten. Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig. Kassenstatus: Green Box. Zulassungsinhaber: FERRER INTERNACIONAL S.A., Gran Vía de Carlos III, 94, 08028 – Barcelona (Spanien). Stand
der Fachkurzinformation: November 2009. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen
Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sowie Gewöhnungseffekten entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.
Colidimin 200 mg - Filmtabletten
Zusammensetzung: 1 Filmtablette enthält: Rifaximin 200 mg. Hilfsstoffe: Carboxymethylstärke-Natrium, Glycerol(mono/di/tri)(palmitat/stearat), hochdisperses Siliciumdioxid, Talkum, mikrokristalline
Cellulose, Hypromellose, Titandioxid (E171), Natriumedetat, Propylenglycol, Eisenoxid (E 172). Anwendungsgebiete: - Kausale Behandlung von Erkrankungen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab
12 Jahren, die durch Rifaximin-sensitive Bakterien im Gastrointestinaltrakt verursacht, bzw. mitverursacht werden, wie z. B. gastrointestinale Infektionen, pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium
difficile, hepatische Encephalo-pathie, bakterielles Überwucherungs-Syndrom, Divertikelerkrankungen. - Präoperative Darmdekontamination. - Kausale Behandlung von Erkrankungen bei Kindern ab 2
Jahren, die durch Rifaximin-sensitive pathogene Bakterien im Gastrointestinaltrakt verursacht, bzw. mitverursacht werden, wie z. B. gastrointestinale Infektionen. Gegenanzeigen: Colidimin 200 mg
- Filmtabletten dürfen nicht angewendet werden: - bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Rifaximin und andere Rifamycin-Derivate sowie einen der sonstigen Bestandteile des Präparates. Pharmakotherapeutische Gruppe: Intestinale Antibiotika, Antibiotika (Rifaximin). ATC-Code: A07AA11. Packungsgrößen: 12 Stück, 36 Stück. Abgabe: Rezept- und apothekenpflichtig,
wiederholte Abgabe verboten. Kassenstatus: 12 Stück: Green Box, 36 Stück: Green Box. Zulassungsinhaber: Gebro Pharma GmbH, 6391 Fieberbrunn. Stand der Information: 01.04.2009. Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen sowie Gewöhnungseffekten entnehmen Sie bitte der veröffentlichten Fachinformation.
FAM Umbruch 2_2010_2-2010 28.05.10 11:06 Seite 19
FA M
Beim Nachweis von Kammertachykardien
und schwer eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion sollte die Implantation
eines Defibrillator-Schrittmachers diskutiert
werden, wenn dies aus prognostischer Sicht
sinnvoll scheint.
Prognose
Die allermeisten Rhythmusstörungen, die sich
als Palpitationen manifestieren, sind gutartig
und nicht Anzeichen einer strukturellen Herzerkrankung. Prognostisch relevante Arrhythmien kündigen sich kaum durch Herzklopfen
an! Eine Ausnahme bildet das unter Umständen für den Schlaganfall disponierende Vorhofflimmern, insbesondere beim älteren
Menschen. Wichtig ist in jedem Fall die möglichst genaue anamnestische und klinische
Beurteilung und der meist mit nichtinvasiven
Untersuchungsmethoden mögliche Ausschluss einer strukturellen Herzkrankheit.
Quintessenz
Als Palpitationen bezeichnen wir jede Art von
unangenehm festgestelltem Herzklopfen.
Palpitation ist nicht gleichbedeutend mit
Rhythmusstörung, umgekehrt verursacht aber
auch nicht jede Rhythmusstörung Herzklopfen.
Die in aller Regel kaum spürbare normale Herzschlagfolge kann subjektiv als störend empfunden werden, obwohl keine nennenswerte
Abweichung vorhanden ist. Demgegenüber
können aber lebensbedrohliche Arrhythmien
bis zuletzt asymptomatisch bleiben.
Zwischen diesen beiden häufigen und relevanten Problemen liegt das weite Feld der
Extrasystolen und Tachykardien, bei denen eine
spezifische Therapie zwar manchmal möglich
ist, deren Dokumentation jedoch wegen seltenem und kurzem Auftreten schwierig sein
kann. Umso wichtiger ist daher zunächst eine
INFO
präzise anamnestische Eingrenzung und
anschließend der gezielte Einsatz einer sinnvollen Hilfsuntersuchung wie z. B. des LangzeitEKG.
Extrasystolen und regelmässige Tachykardien
haben keine prognostische Bedeutung, wenn
eine strukturelle Anomalie des Herzens
ausgeschlossen ist, was mit nichtinvasiven
Methoden weitgehend möglich ist.
Die häufigste Form von Palpitationen, welchen eine Arrhythmie zugrunde liegt, ist in
der Praxis das Vorhofflimmern. Bei Personen
höheren Alters oder beim Vorhandensein von
weiteren Risikofaktoren ist hier eine gerinnungshemmende Therapie zur Prophylaxe
des embolischen Schlaganfalls indiziert, umso mehr, weil diese Rhythmusstörung nur selten vollständig unterdrückt werden kann und
sehr oft auch asymptomatisch vorkommt.
Synkope – ein Symptom
verfasst von
R. Nömeyer, B. Kirchner, G. Stiendl, A. Teufel, B. Eber
Abteilung für Innere Medizin II, Klinikum Wels-Grieskirchen
Einleitung
Synkope leitet sich von den beiden griechischen Worten „syn“(= mit) und „kopto“
(= ich unterbreche/schneide) ab. Es handelt
sich um ein Symptom, mit dem vorübergehenden Verlust des Bewusstseins verbunden, selbstlimitierend und ohne bleibenden
Schaden. Ursache ist eine cerebrale
Minderperfusion, deren Ursache wiederum
vielfältig sein kann.
Die Dauer der Bewusstlosigkeit liegt typischerweise nur bei wenigen Sekunden,
praktisch immer unter 20 sec. Bei genauer
Beobachtung werden bei bis zu 90 % aller
Betroffenen Myoklonien beobachtet, was
die Differentialdiagnose mitunter erschwert.
Etwa 40 % aller Menschen erleiden einmal
in ihrem Leben eine Synkope.
Wichtig bleibt, echte Synkopen von Stürzen,
psychogenen Anfällen, Hyperventilationen
oder Krampfanfällen zu unterscheiden.
In den USA sind bis zu 3 % aller Kontakte
in Notaufnahmen wegen Synkopen und
deren Folgen.
Übersicht
Das um und auf in der Diagnostik der Synkope ist die (Fremd)-Anamnese. Exakte
Beschreibungen des Ereignisses vorausgesetzt, lassen sich viele Formen der Synkope
ausschließen oder werden wahrscheinlich.
Eine mögliche Klassifikation :
• Reflex-Synkope (neurokardiogen):
- vasovagal
- Karotissinussyndrom (Kopf-/Halsbe
wegungen, Rasieren)
- Situative Synkope (Miktion, Husten,
Abdominalschmerz)
• Orthostase:
- autonome Neuropathie
- Exsikkose (Blutung, Addison)
• Arrhythmien:
- SSS (Sick Sinus Syndrom)
- AV-nodale Reizleitungsstörungen
- ventrikuläre/supraventrikuläre
Tachykardien
• Strukturelle Herz-/
Lungenerkrankungen:
- Klappenerkrankungen
- Pulmonalembolie
- Perikardtamponade
- obstruktive Kardiomyopathie
• cerbrovaskuläre Ursachen:
- steal-Phänomene
• medikamentös bedingt:
- z. B. alpha+beta-Blocker, Nitrate, long QT
19
FAM Umbruch 2_2010_2-2010 28.05.10 11:06 Seite 20
20 FA M
INFO
Ursachen Nicht-synkopaler Ereignisse
• Krampfanfälle
• Psychogene Anfälle
• TIA
• Metabolische Störungen
z. B. Hypoglycämie
Diagnostik
Der Kern der Diagnostik setzt sich aus folgenden drei Punkten zusammen: Anamnese/
Fremdanamnese, körperliche Untersuchung
und EKG. Untersuchungen aus den 90er-Jahren ergaben allein dadurch Trefferquoten von
50 % die Ursache der Synkope betreffend.
Die Anamnese umfasst dabei auch die
Begleitumstände, die zum Zeitpunkt des
Ereignisses bestanden, über Körperposition
des Patienten, Aktivität, bis hin zur Umgebungssituation und eventuell auffallende
Prodromi wie Schwitzen oder Schwindel.
Blutdruckmessungen im Sitzen und im
Stehen sollten als einfaches diagnostisches
Tool bei jedem Menschen mit Synkope in
der Anamnese durchgeführt werden.
Oft bleibt auch nach extensiver Untersuchung die Genese der Synkope unklar, muss
zweifelsfrei erkannt werden.
Viele, zum Teil sehr zeit-, personal- und
damit kostenintensive Untersuchungen
können bei fehlendem klinischem Hinweis
unterlassen werden. Ein unauffälliger neurologischer Status vorausgesetzt, kann
durch cerebrale Bildgebung, Duplexsonographie der hirnversorgenden extracraniellen
Hirngefäße oder EEG kaum Informationsgewinn erzielt werden.
Patienten mit vorbekannter kardialer Erkrankung sollten nach einer Synkope mit
einem 24-Stunden-EKG, einer Echokardiographie und einer Ergometrie untersucht
werden. Dabei sind ältere Patienten mit
Arrhythmien in der Vorgeschichte, mit strukturellen Herzerkrankungen oder Angina
pectoris unter stationären Bedingungen zu
versorgen. Die Diagnostik schließt in Abhängigkeit der Anamnese auch invasive
Methoden bis hin zur Koronarangiographie
und dem Rechtsherzkatheter mit ein.
Interessant ist, dass jene herzkranken
Patienten mit Synkope in der Anamnese
grundsätzlich eine höhere Einjahresmortalität aufweisen, unabhängig der Ursache
der Synkope. Die Herzerkrankung als solche
gilt somit als wesentlicher Risikofaktor, die
Mortalität betreffend.
Auch die Polypharmazie älterer Menschen
ist unbedingt als mögliche Genese der Synkope in Betracht zu ziehen. Vor allem die
Fülle an QT-Zeit verlängernden Medikamenten am Markt sollte einen exakten Blick
auf das EKG veranlassen (siehe auch
www.qtdrugs.org).
Auch Wechselwirkungsüberprüfungen mit einfachen Programmen sind hilfreiche und sinnvolle Hilfsmittel. Man geht von bis zu 15 % aller Synkopen aus, die mit Medikamenten assoziiert sind. Dabei zählen direkt kardiotoxische
Medikamente ebenso dazu, wie jene, die
Orthostasesyndrome provozieren (z. B.
Alphablocker).
Ein erstmaliges Ereignis bei jungen, herzgesunden Patienten, sollte auch bei nicht
primär zuordenbarer Genese der Synkope
nicht weiter evaluiert werden.
Bei Patienten ohne Hinweis auf Herzerkrankung, insbesondere jüngeren mit rezidivierenden Synkopen ist eine Kipptischuntersuchung in Erwägung zu ziehen, in
weiterer Folge auch die Implantation eines
LOOP-Recorders, eine elegante Methode
des Rhythmusmonitorings, wobei kontinuierlich ein EKG aufgezeichnet wird. Dieses Gerät kommt vor allem bei schwerwieSymptom/Anamnese
• Synkope in Verbindung mit Angst,
Schmerz, unangenehmen Erlebnissen
• Synkope nach langem Stehen
• Synkope bei Sportler nach Belastung
• Synkope bei Miktion, Husten, Schlucken
• Synkopebei Kopfrotation, Rasieren,
engem Hemdkragen
• Synkope unmittelbar nach dem Aufstehen
• Synkope und Kopfschmerz
• Patient verwirrt nach Synkope
• Synkope bei Belastung
• Synkope ohne Prodromi bei Herzkrankheit
• Synkope bei manueller Arbeit
genden Synkopen sonst herzgesunder Menschen zum Einsatz. Leider ist dafür ein kleiner, operativer Eingriff notwendig. Das 24-hEKG hilft bei dieser Gruppe mit normalem
Ruhe-EKG wenig weiter.
Die häufigste Ursache von Synkopen überhaupt ist die neurokardiogene Synkope, zu
der die vasovagale Synkope, (aber auch das
Karotis-Sinus-Syndrom) zählt. Diese Patienten berichten oft über Prodromi wie aufsteigendes Hitzegefühl, Übelkeit, Schweissausbruch oder Benommenheit.
Die neurokardiogene oder Reflexsynkope,
wird mit etwa 30 % aller Fälle gefolgt von
orthostatischen Synkopen.
Folgende klinische Hinweise können die
mögliche Ursache einer Synkope unter
Umständen gut zuordnen lassen. (Tab.1)
Zusammenfassung
Das Symptom Synkope sollte wie beschrieben einer möglichen Erkrankung bzw.
Ursache zugeordnet werden, wobei sich die
extensive Abklärung auf jene Menschen
beschränken sollte, die entweder mit einem
hohen Risiko arrhythmogener Ursachen behaftet sind oder aber durch den plötzlichen
Bewusstseinsverlust wiederholt in gefährliche Situationen geraten würden.
Einmalig aufgetretenen Synkopen darf man
bei fehlender, richtungsweisender Klinik
nicht mit extensivem diagnostischem Aufwand begegnen. Der Informationsgewinn
bleibt gering.
Mögliche Diagnose
• vasovagal
• vasovagal
• vasovagal
• situative Synkope
• Carotis-sinus-Syndrom
• orthostatisch
• Migräne
• Krampfanfall
• Aortenstenose, Mitralstenose, KHK
• Arrhythmie
• subclavian-steal
Tab.1
Herunterladen