Heiko Kleve - Webnetwork Nordwest

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Heiko Kleve
Postmodernes Wissen für die Soziale Arbeit
Soziale Arbeit im Lichte der Postmoderne Jean-François Lyotards
Das postmoderne Wissen ist nicht allein
das Instrument der Mächte. Es verfeinert
unsere Sensibilität für die Unterschiede
und verstärkt unsere Fähigkeit, das Inkommensurable zu ertragen. Es selbst findet
seinen Grund nicht in der Übereinstimmung
der Experten, sondern in der Paralogie
der Erfinder.
Jean-François Lyotard (1979, S. 16)
Einleitung
Die Postmoderne, ob als Philosophie, Geistes- und Sozialwissenschaft oder als kultureller
Ausdruck und künstlerische Haltung, ist in der deutschen Sozialen Arbeit bisher wenig
thematisiert worden;1 und dies, obwohl es für die Soziale Arbeit viele Anschlussstellen an
postmoderne Diskurse gibt. Denn das, was in der Debatte um die Postmoderne thematisiert
wird, lässt sich grundsätzlich auf die Soziale Arbeit beziehen, z.B. die Frage nach dem
Umgang mit sozialer Vielfalt, mit Pluralität. Gerade wenn man bedenkt, dass die Soziale
Arbeit klassischerweise die Funktion hat, die sozial markierte Differenz von Norm und
Abweichung zu bearbeiten, also abweichendes Verhalten zu normalisieren versucht, drängen
sich geradezu zwangsläufig postmoderne Fragen auf: Wie kann in einer immer pluraler
werdenden Gesellschaft eine klare Grenze zwischen Norm und Abweichung gezogen werden?
Ist es ethisch vertretbar, vermeintlich abweichende Verhaltensweisen zu renormalisieren?
Müsste die Soziale Arbeit nicht vielmehr dafür sorgen, dass soziale Differenzen anerkannt,
akzeptiert und nicht als zu normalisierende Devianzen stigmatisiert werden? Dies sind nur
einige Fragen, die mit Hilfe postmoderner Ansätze wenn nicht beantwortet, so doch
differenziert diskutiert werden könnten.
Weiterhin wäre auch daran zu denken, dass die Soziale Arbeit ihre Selbstreflexion
postmodern wendet. Denn das, was der Sozialen Arbeit seit jeher Probleme macht, nämlich
die Frage ihrer eigenen Identitätsbestimmung, ließe sich postmodern relativ gelassen angehen.
Denn die Postmoderne geht mit Identitäten spielerisch um, anerkennt beispielsweise auch
chamäleonhafte Identitäten, die zwischen unterschiedlichen Selbstbeschreibungen changieren,
so wie die Identitäten von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern (siehe weiterführend dazu
Kleve 2000).
1
Dies hat sicher auch damit zun tun, dass die postmoderne Debatte in der marxistisch bzw. klassisch linksintellektuell dominierten deutschen Geistes- und Sozialwissenschaft eher kritisch bis ablehnend als positiv oder
befürwortend aufgenommen wurde. Siehe ausführlich dazu Neumeister 2000.
1
Wenn wir nun etwas genauer schauen, was die Postmoderne für die Soziale Arbeit zu bieten
hat, dann fallen sehr schnell die philosophischen Angebote des 1924 geborenen und 1998
verstorbenen französischen Philosophen Jean-François Lyotard ins Auge. Denn Lyotard gilt
als Begründer der philosophischen Postmoderne (vgl. Welsch 1987, S. 169). Mit seinem
inzwischen zum Klassiker avancierten Buch Postmodernes Wissen (Lyotard 1979) hat er eine
soziologische und philosophische Debatte über postmoderne Philosophie und Wissenschaft, ja
generell über eine postmoderne Gesellschaft ausgelöst, die auch viele Anschlussstellen für die
Soziale Arbeit bietet. So lautet meine These, die ich im Weiteren verfolgen will, dass die
Soziale Arbeit von dem postmodernen Wissen Lyotards profitieren kann, dass, mit anderen
Worten, Reflexionsgewinne möglich sind, wenn die Soziale Arbeit ausgehend von der
postmodernen Philosophie Lyotards betrachtet wird.
Im Folgenden möchte ich daher vor allem zentrale Thesen aus Lyotards Buch Das
Postmoderne Wissen diskutieren, sie mit neueren theoretischen Ansätzen und aktuellen
praktischen Erfahrungen konfrontieren und schließlich immer auch auf Anschlussstellen für
die Reflexion der Sozialen Arbeit absuchen. Bevor ich jedoch dazu komme (siehe II.ff.), will
ich den philosophischen Kontext einführen, in dem Lyotard – insbesondere aus Sicht der
deutschen Geisteswissenschaft – verortet wird und darstellen, was der Begriff „Postmoderne“
für ihn überhaupt bedeutet.
I. Lyotard im philosophischen Kontext der Debatte um die Postmoderne
Wie ich bereits erwähnte, hat Lyotard 1979 Das postmoderne Wissen verfasst und damit eine
geistes- und sozialwissenschaftliche Debatte um die Postmoderne losgetreten. In diesem Buch
entwickelt er u.a. seine zentrale These vom Ende der großen Meta-Erzählungen der Moderne
(Dialektik des Geistes, Hermeneutik des Sinns, Emanzipation des vernünftigen und
arbeitenden Subjekts) sowie vom Zerfallen gesellschaftlicher und kultureller
Einheitstendenzen in einander entgegengesetzte, unüberwindlich differente Diskurse und
Sprachspiele. Darüber hinaus grenzt er sich entschieden von der Diskurstheorie und -ethik
eines Jürgen Habermas ab, in der der Konsens als letztes und zentrales Ziel von
Kommunikation behauptet wird. Lyotard räumt demgegenüber die Notwendigkeit eines
kommunikativen Gerechtigkeitskonzeptes ein, in dem das Aushalten von sozialer Vielfalt,
von Pluralität, d.h. von Differenzen und Dissensen, die die vermeintlichen Konsense
sprengen, möglich sein muss. Dieses Gerechtigkeitskonzept entwickelt er in seinem 1983
veröffentlichten philosophischen Hauptwerk Der Widerstreit (Lyotard 1983).
Der deutsche Streit um die postmoderne Philosophie Lyotards entbrannte nach einer Rede von
Habermas, Die Moderne – ein unvollendetes Projekt, die er 1980 anlässlich seiner Ehrung mit
dem Adorno-Preis in Frankfurt am Main hielt. In dieser Rede bewertete er die postmodernen
Tendenzen in der Philosophie als antimodern und neokonservativ. Habermas, der in seinen
Schriften (z.B. 1981) selbst gesellschaftliche oder kulturelle Differenzen und vor allem die
Differenz zwischen System und Lebenswelt beschreibt, plädiert – in Anlehnung an Albrecht
2
Wellmer – jedoch dafür zu versuchen, diese Differenzen, etwa zwischen den Diskursen der
Erkenntnis, der Ethik und der Politik wieder in Einheitserfahrungen zu überführen (vgl.
Habermas 1980, S. 190f.); und zwar mit Hilfe der modernen Kunst, mit Hilfe der ästhetischen
Erfahrung, die nämlich die Erfahrung der Versöhnung von Differenzen leisten könne. Für
Habermas ist die Kunst jene gesellschaftliche Sphäre, die die Moderne dort, wo sie zubersten
drohe, wieder zusammenführen könne: bei der radikalen Ausdifferenzierung von
gesellschaftlichen Spezialstrukturen und -semantiken.
Speziell auf diese These von Habermas reagiert Lyotard mit einem Aufsatz von 1982, der den
Titel trägt: Beantwortung der Frage: Was ist postmodern? Mit diesem Text versucht er eine
programmatische Bestimmung des Postmoderne-Konzeptes zu formulieren. Kennern der
Philosophiegeschichte wird der Titel von Lyotards Aufsatz an die programmatische Schrift
zur Aufklärung von Immanuel Kant (1724-1804) von 1783 erinnern: Beantwortung der
Frage: Was ist Aufklärung?. Für Wolfgang Welsch (1994, S. 30) deutet diese Anlehnung an
Kants Formulierung darauf hin, dass Lyotards Postmoderne-Konzept „eine aktuelle Version
von Aufklärung“ darstellt.
Interessant ist diese Deutung deshalb, weil die Postmoderne gerade von ihren Kritikern als
antiaufklärerische Strömung innerhalb der Philosophie bewertet wird (vgl. ausführlich dazu
Neumeister 2000). Lyotard reagiert mit seinem Aufsatz auf eine derartige Bewertung und
bezieht sich, wie erwähnt, insbesondere auf den Postmoderne-Kritiker Jürgen Habermas
(1980), mit dem er spätestens seit Ende der 1970er Jahre in Auseinandersetzung steht.
Entgegen Habermas sieht Lyotard in der modernen Kunst gerade nicht die Möglichkeit, die
Differenzen der Moderne zu versöhnen, vielmehr vertritt er eine entgegengesetzte Position,
dass nämlich – wie Welsch (1990, S. 95) ausführt – die postmoderne Philosophie aus dem
Geist der modernen Kunst geboren wurde: „Die postmoderne Philosophie artikuliert
diskursiv, was die moderne Kunst künstlerisch vorexerziert hat“.
Dies nun zeigt Lyotard in seinem Aufsatz in drei Schritten: in dem ersten Schritt setzt er dem
künstlerischen Realismus-Konzept ein Konzept der Reflexion bzw. des AvantgardistischExperimentellen entgegen; in dem zweiten Schritt stellt er dem Kunst-Konzept des ‚Schönen’
das bereits von Kant in der Kritik der Urteilskraft (1790) dargestellte (gewissermaßen
postmoderne) Konzept des ‚Erhabenen’ gegenüber, um schließlich nach der Beschäftigung
mit der modernen Kunst in einem dritten Schritt die Postmoderne auch als Philosophie
emporsteigen zu lassen.
I.1 Erster Schritt: Entgegensetzung von Realismus und Reflexion bzw. Experiment: Der
Realismus (in der Kunst wie in der Philosophie) suche nach der einen objektiven
Wirklichkeit, nach einer zentralen Verankerung, eben nach Realität, die es darzustellen gelte.
Es gehe dem Realismus weiterhin um Ordnung, Einheit, Identität, Sicherheit und um
Popularität (S. 36), anders gesagt: um das Beenden, das Liquidieren des Experimentellen, des
Avantgardistischen. Die Realität werde allerdings schon ausgehöhlt durch die Macht des
Kapitalismus, der „Gebrauchsgegenstände, Rollen des sozialen Lebens und Institutionen“ (S.
3
36) so zurichte, dass deren (‚realistische’) Darstellung „nur noch in Form von Sehnsucht oder
Spott“ (ebd.), nur noch „als Anlaß von Leiden [...denn...] als [...] Befriedigung“ (ebd.)
möglich sei. Denn wir leben nach Lyotard (S. 37) in einer Welt, „in der Wirklichkeit in einem
Maße destabilisiert ist, daß sie keinen Stoff mehr für Erfahrung gewährt, wohl aber für
Erkundung und Experiment“ (ebd.).
Auch wenn etwa Tendenzen der Fotografie oder des Films zu beobachten seien, die einem
großen Publikumsgeschmack entsprechend vorgeben, ‚Wirklichkeit’ darzustellen, handele es
sich hierbei lediglich um „Phantasmen des Realismus“ (S. 38), die sozusagen zum Trost und
zur Ablenkung Scheinwirklichkeiten produzieren. Den realistischen Tendenzen grundsätzlich
gegenläufig sei demgegenüber eine moderne Kunst, die sich reflexiv sich selbst zuwendet
(„Was macht Kunst zur Kunst [und Literatur zur Literatur]?“, S. 39) und ihre eigenen Regeln
permanent experimentell in Frage stellt, die mit Formen, Farben etc. experimentiert, die sich
weiterhin einem kapitalistischen Kunst-Konzept entgegenstellt, dessen Kunstproduktion sich
ausschließlich an den Bedürfnissen und der Kaufkraft derer ausrichtet, die diese Werke
konsumieren.
Dieses moderne Kunst-Konzept des Avantgardistisch-Experimentellen konkretisiert Lyotard
in dem nächsten Schritt weiter, indem er es präzisiert durch die Entgegensetzung von ‚schön’
und ‚erhaben’.
I.2 Zweiter Schritt: Entgegensetzung von ‚schön’ und ‚erhaben’: Die Moderne geht für
Lyotard aufgrund der Ausdifferenzierung verschiedenster Wirklichkeitsbereiche mit der
„Erschütterung des Glaubens“ (S. 42) an die eine Wirklichkeit einher. Die Moderne erlaube
die Entdeckung, „wie wenig wirklich die Wirklichkeit ist“ (ebd.). Diese Entdeckung sei
bereits im Kantschen Konzept des ‚Erhabenen’ präsent. Das Erhabene ist, um Kant zu
zitieren, die „Erweckung eines Gefühls eines übersinnlichen Vermögens in uns“ (z. n. Welsch
1990, S. 89), es ist damit nach Lyotard etwas, was sich einer Darstellung oder einer
Wirklichkeitswerdung entzieht. Das Erhabene sei weiterhin ein Gefühl, das entsteht, wenn
man an etwas denkt, das man zwar ideell erahnen oder denken, aber niemals fassen und
erfahren kann: etwa das Absolute, das Ganze, das Nicht-Mehr-Teilbare.
Demgegenüber beruhe das Konzept des Schönen, auf dem Fassbaren, dem begrifflich und
erfahrbar Darstellbaren, was geschmackliche und ästhetische Übereinkünfte erlaube. Das
Erhabene ist dagegen dasjenige, welches auf ein Anästhetisches (Welsch), ein
Nichtdarstellbares anspielt. Moderne Kunst ist für Lyotard nun jene Kunst, welche mittels
Formlosigkeit oder mittels der Vermeidung von allem Figurativen oder Abbildhaften zu
zeigen versucht, „daß es ein Nicht-Darstellbares gibt. Sichtbar zu machen, daß es etwas gibt,
das man denken, nicht aber sehen oder sichtbar machen kann: das ist der Einsatz der
modernen Malerei“ (S. 43).
Ausgehend von der Bestimmung der modernen Kunst als reflexives, experimentelles Projekt,
das nicht das Schöne, sondern das Erhabene, das eigentlich Nicht-Darstellbare im Sinn hat,
4
versucht Lyotard im letzten Schritt seines Aufsatzes zu zeigen, was Postmoderne bzw.
postmoderne Philosophie ist.
I.3 Dritter Schritt: Postmoderne Philosophie: Aufgrund Lyotards Ausführungen zur
Moderne, zur modernen Kunst erübrigt es sich fast zu sagen, dass er die Postmoderne nicht
eindeutig von der Moderne unterscheiden kann; vielmehr sieht er die Ideen der Moderne, der
modernen Kunst gerade durch die Postmoderne verwirklicht (S. 45). Der entscheidende
Unterschied, den er einführt und der einen modernen von einen postmodernen Geisteszustand
unterscheidet, ist nämlich, dass der moderne Geisteszustand trauert und der postmoderne
jubelt angesichts des Auflösens der einen Wirklichkeit und des Erblühens von vielen
Möglichkeiten der experimentellen „Erfindung neuer Spielregeln, bildnerischer oder
künstlerischer“ Art (S. 46). Die Moderne verweise zwar, z.B. in der Kunst, bereits auf ein
Nicht-Darstellbares, auf die Unfasslichkeit der Wirklichkeit als Ganzes, aber sie betrauert das
Verlorengegangene, das Entschwinden des Schönen in der Darstellung.
Demgegenüber ist das Postmoderne „dasjenige, das im Modernen in der Darstellung selbst
auf ein Nicht-Darstellbares anspielt; das sich dem Trost der guten Formen verweigert, dem
Konsensus eines Geschmacks, der ermöglicht, die Sehnsucht nach dem Unmöglichen
gemeinsam zu empfinden und zu teilen; das sich auf die Suche nach neuen Darstellungen
begibt, jedoch nicht, um sich an deren Genuß zu verzehren, sondern um das Gefühl dafür zu
schärfen, daß es ein Undarstellbares gibt“ (S. 47). In der postmodernen Philosophie gehe es
demnach darum zu zeigen, „daß es uns nicht zukommt, Wirklichkeit zu liefern, sondern
Anspielungen auf ein Denkbares zu finden, das nicht dargestellt werden kann“ (S. 48). Und
mit Kant plädiert Lyotard schließlich dafür zu sehen, welchen Terror die (Hegelsche) Illusion
der (sog. dialektischen) Aufhebung des Entgegengesetzten im Einen mit sich bringt. Für
diesen Terror des Einen, des Totalitären sei nämlich das 20. Jahrhundert (mit Phänomenen
wie Faschismus und Stalinismus) das beste Beispiel; insofern komme es heute darauf an, die
Differenzen vor allen einebnenden Tendenzen zu retten.
Postmoderne ist für Lyotard also „nicht das Ende der Moderne [...], sondern eine andere
Beziehung zur Moderne“ (Lyotard 1987, S. 121), ein „Gemüts- und Geisteszustand“ (Lyotard
1981, S. 97), vielleicht könnte man auch sagen eine Reflexionsfigur, die für dreierlei steht:
erstens für die Erfahrung und Anerkennung der Konstrukthaftigkeit der Wirklichkeit,
zweitens für die Erfahrung und Anerkennung von unüberwindlichen Differenzen in der Welt
des Persönlichen und Sozialen und drittens für den experimentellen Umgang mit den
Wirklichkeitskonstruktionen und Differenzen innerhalb unserer Wirklichkeiten.
*
Wenn wir angesichts von Lyotards Verständnis der Postmoderne fragen, wie die Soziale
Arbeit ausgehend von diesem Konzept betrachtet werden kann, dann lässt sich bereits sagen,
5
dass die Soziale Arbeit vor allem methodisch in eine postmoderne Richtung tendiert. In den
aktuellen Methodenströmungen, die beispielsweise mit den Attributen ‚lebensweltorientiert’
oder ‚systemisch’ versehen werden, finden wir die drei genannten groben
Bestimmungsmerkmale der postmodernen Gemüts- und Geisteshaltung wieder. Denn diese
Methoden anerkennen erstens die individuelle und soziale Konstrukthaftigkeit von
lebensweltlichen Wirklichkeiten, zweitens akzeptieren sie die Verschiedenartigkeit, die
Differenz beispielsweise zwischen den Wirklichkeitskonstruktionen der Sozialarbeiter und
jenen der Klienten und versuchen drittens mit diesen Differenzen spielerisch, experimentell
umzugehen, sie zu nutzen, um Problemlösungen der Klienten anzuregen, die zu deren
lebensweltlichen Kontexten passen.2 Methodischen Haltungen wie Allparteilichkeit und
Kontextsensibilität oder Verfahren wie zirkuläres Fragen und Reframing liegen genau diese
drei Bestimmungsmerkmale zugrunde.3
Sozialarbeiterinnen
und
Sozialarbeiter
sind
methodisch
daher
vor
allem
Kommunikationsexperten, die gemeinsam mit den Klienten etwas zu konstruieren haben, was
sich nicht mehr von selbst versteht, nämlich Wirklichkeitssichten über die Probleme, deren
Entstehungsbedingungen, über mögliche Ziele der Problemlösung und über mögliche
Handlungen zur Erreichung der Ziele (vgl. ausführlich Kleve 1996, S. 111ff.). Wenn sich die
Postmoderne durch eine zentrale Erfahrung auszeichnet, dann ist es genau diese: dass sich
eben nichts mehr von selbst versteht, dass die Aushandlung, der Dialog, die Kommunikation
an die Stelle der vormals vermeintlich harten Evidenz rückt.
Wie lässt sich nun der dargestellte postmoderne Gemüts- und Geisteszustand begründen? Um
dieser Frage nachzugehen, wenden wir uns im Folgenden explizit einigen zentralen Thesen
aus Lyotards Programmschrift Das postmoderne Wissen zu. In dieser Schrift wird zweierlei
geboten, zum einen beschreibt Lyotard die Transformation von der Moderne zur
Postmoderne, zum anderen skizziert er postmoderne Formen der Wissenschaft. Genau damit
stellt dieses Werk eine Begründung für die Notwendigkeit der postmodernen Gemüts- und
2
Hans Thiersch (1993), theoretischer Begründer der sozialarbeiterischen Lebensweltorientierung, versteht diese
methodische Richtung Sozialer Arbeit auch als Reaktion auf die gesellschaftliche Pluralisierung und
Invidualisierung der Lebenslagen. Lebenweltorientierung meint demnach: das Inistieren auf die „Eigensinnigkeit
lebensweltlicher Erfahrung der AdressatInnen“ Sozialer Arbeit, sie ist „Versuch und Instrument der Gegenwehr
zu den normalisierenden, disziplinierenden, stigmatisierenden und pathologisierenden Erwartungen, die die
gesellschaftliche Funktion der Sozialen Arbeit seit je zu dominieren drohen“ (ebd., S. 13). Mit der
Lebenweltorientierung wird der Versuch unternommen, dass klassische sozialarbeiterische Leitparadigma, das
sich an der Differenz Norm/Abweichung bzw. Konformität/Devianz orientiert, zu verabschieden, ja postmodern
zu überwinden. Bei einer genauen Betrachtung der aktuellen Diskurse in der Sozialen Arbeit fällt auf, dass
sozialarbeiterische Theorien und Methoden, allen voran die lebensweltorientierte und systemische Theorie und
Methodik von vier Strukturmerkmalen gekennzeichnet sind, die für eine postmoderne sozialarbeiterische
Perspektive sprechen: und zwar von der Betonung, erstens: der Kommunikation und des Dialogs, zweitens: der
Anerkennung von Differenz und Dissens, drittens: der Anerkennung der Grenzen des sozialarbeiterischen
Handelns, viertens: von Reflexionsnotwendigkeiten (vgl. ausführlich zu diesen Punkten Kleve 2000, S. 59ff.).
3
Diese methodischen Haltungen kommen aus der systemischen bzw. der systemisch-familientherapeutischen
Beratung und Therapie, die sich inzwischen explizit dem postmodernen Diskurs zuordnen lässt; und dies nicht
nur, weil es sowohl im postmodernen als auch im systemischen Diskurs um einen Abschied vom Prinzipiellen
und Absoluten hin zum Akzeptieren des Pluralen und Differenten geht (vgl. Schweitzer/Retzer/Fischer 1992).
6
Geisteszustände dar. Weiterhin ist die Schrift soziologisch und philosophisch zugleich – in
soziologischer Hinsicht beschreibt sie die sozialen Veränderungen, die zu einer Postmoderne
führen, in philosophischer Hinsicht diskutiert sie moderne und postmoderne
Legitimationsformen der Wissenschaft. Dies will ich nun etwas ausführlicher darstellen,
wobei ich mich eher auf die philosophische Seite beschränke und die Legitimationskrise der
modernen Wissenschaft beschreibe sowie postmoderne Auswege aus dieser Krise diskutiere,
um schließlich daraus Rückschlüsse für die Reflexion der Sozialen Arbeit zu ziehen.
II. Von der modernen zur postmodernen Natur des Wissens und der Wissenschaft
Die Basis der Argumentation von Lyotard ist seine These – die er bereits in der Einleitung
seines Buches Das postmoderne Wissen knapp erläutert (S. 13ff.) –, dass sich die
Legitimation des wissenschaftlichen Wissens drastisch verändert. Dieses Wissen kann nicht
mehr auf die sogenannten großen Erzählungen der Moderne zurückgreifen, es kann nicht
mehr vor ihren Hintergründen bestätigt werden, weil diese Erzählungen ihre Glaubwürdigkeit
verloren haben. Und das Paradoxe daran ist, dass die Wissenschaft selbst, die sich im Rahmen
dieser Erzählungen legitimiert, die Glaubwürdigkeit dieser Erzählungen infrage stellt. Denn:
„Die Wissenschaft ist von Beginn an in Konflikt mit den Erzählungen. Gemessen an ihren
eigenen Kriterien, erweisen sich die meisten als Fabeln“ (S. 13). Bevor dies deutlich wurde,
also vor „den Transformationen, welche die Regeln der Spiele der Wissenschaft, der Literatur
und Künste seit dem Ende des 19. Jahrhunderts getroffen haben“ (ebd.), griff die
Wissenschaft auf die großen Erzählungen zurück. Dies ist ihr aber immer weniger möglich,
und genau das ist mit postmoderner Kondition der Wissenschaft gemeint.
Welches sind nun die großen Erzählungen, die ihre Glaubwürdigkeit verlieren? Lyotard nennt
insbesondere drei Metaerzählungen – Dialektik des Geistes, Hermeneutik des Sinns sowie
Emanzipation des vernünftigen und arbeitenden Subjekts – , die ich etwas deutlicher heraus
stellen und auf die Soziale Arbeit beziehen möchte:
II.1 Dialektik des Geistes: Hiermit ist die Höherentwicklung des Geistes, des menschlichen
Bewusstseins nach zyklischen Gesetzmäßigkeiten gemeint, was insbesondere von Georg
Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) vertreten wurde. Demnach strebe die Geschichte des
Geistes einem Ziel, einem Absoluten zu, das sich durch die (dialektische) Bewegung, durch
den Dreisatz von These, Antithese und Synthese verwirkliche. „Alle Verwirklichung des
Absoluten, als Natur wie als Geist, und damit alle Geschichte dieser Verwirklichung
geschieht [...] dialektisch: Jedes gesetzte Stadium (Thesis) treibt seinen Gegensatz
(Antithesis) hervor, beide sind in der folgenden Synthesis ‚aufgehoben’, d.h. verneint,
bewahrt und erhöht zugleich – so wie jeder Begriff aus sich den Gegenbegriff erzeugt und
beide im Überbegriff aufgehoben sind“ (Müller/Halder 1958, S. 73f.).
Bekanntlich hat Karl Marx (1818-1883) dieses dialektische Denken vom Kopf auf die Füße
gestellt; für ihn geht es nicht mehr um die Höherentwicklung des Geistes, sondern um die
7
dialektische Verwirklichung der gesellschaftlichen Entwicklung, der materiellen
Produktionsverhältnisse. Demnach ist Geschichte eine Geschichte von Klassenantagonismen,
von Klassenkämpfen, die im Ausgang der Urgesellschaft in der Feudalhalterordnung sich
manifestieren und ihren Weg finden über unterschiedliche Klassenordnungen – vom
Feudalismus über den Kapitalismus bis hin zum Sozialismus – und sich schließlich
dialektisch aufheben in der klassenlosen Gesellschaft des Kommunismus.
Die Metaerzählung der Dialektik der Geschichte (des Geistes oder der Gesellschaft) gibt der
Geschichte also ein klares (objektives) Ziel. Diesem Ziel konnten sich auch die
Wissenschaften unterordnen. Und nichts anderes geschah ja auch beispielsweise in den
sogenannten real-sozialistischen Staaten, wo die zur Staatsideologie erklärte marxistische
Dialektik nicht nur das wissenschaftliche, sondern das gesamte soziale Leben zu
programmieren versuchte.
Aber auch die Soziale Arbeit der späten 1960er und der gesamten 1970er Jahre ist geprägt
von einer dialektischen, insbesondere marxistischen Sicht. Sozialarbeit unter kapitalistischen
Produktionsverhältnissen (Hollstein/Meinhold 1973) hieß das Programm einer Kritik, die
deutlich zu machen versuchte, dass Soziale Arbeit zwei Möglichkeiten habe: Im
Klassenkampf der antagonistischen Kräfte könne sie auf der einen Seite den Machthabern,
dem kapitalistischen Bürgertum behilflich sein, die Macht zu sichern, indem sie nämlich
daran mitarbeite, die Massen, das Proletariat durch die Almosen „Geld und gute Worte“
„ruhig zu stellen“. Auf der anderen Seite könne sie sich in dem historischen Prozess zur
Verwirklichung der Geschichte für das Proletariat entscheiden und es dabei unterstützen, –
wie in den real-sozialistischen Staaten leninistisch gesagt wurde – seine „historische
Mission“, die Errichtung einer klassenlosen Ordnung zu erfüllen.
Aus der heutigen Perspektive hören sich derartige Funktionsbestimmungen Sozialer Arbeit
reichlich anachronistisch an. Denn die Idee der dialektischen Bewegung der Geschichte des
Geistes oder der Gesellschaft scheint tatsächlich ihre Glaubwürdigkeit verloren zu haben
angesichts der Weltlage, die wir seit Ende der 1980er Jahre beobachten können. Vielmehr
scheinen Denker wie Friedrich Nietzsche (1844-1900), die die ewige Wiederkehr des
Gleichen voraussagten, glaubwürdiger als Dialektiker. Das Einzige, was sich vorwärts
bewegt, scheint die Wissenschaft und Technik zu sein mit immer neuen materiellen,
physikalischen und chemischen, aber auch biologischen Möglichkeiten der Naturveränderung,
was gleich zu bleiben scheint ist der menschliche Geist, das Bewusstsein und seine soziale
Lebensform, die Gesellschaft. Die alten Existenzängste sind nicht verschwunden, Armut,
Hunger und Not regieren immer noch große Teile der Welt, und inzwischen kommen mit den
Flutkatastrophen auch die alten Naturängste wieder, die vor Jahrtausenden der Antrieb waren,
die Wissenschaft und Technik zu entwickeln. Wissenschaft und Technik sollten die Menschen
erretten vor den Naturgewalten. Mittlerweile sehen wir, dass der wissenschaftlich-technische
Fortschritt selbst das auslöst, was er einstmals beseitigen sollte: menschenlebengefährdende
Naturereignisse.
8
Wir kommen zurück zum eigentlichen Thema: Die Dialektik verliert ihre Glaubwürdigkeit,
dies zeigt sich vor allem angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung. Aber auch
philosophisch liegen dafür Begründungen vor, die gar nicht so neu sind, eine der
bedeutendsten ist sicherlich Theodor W. Adornos Schrift Negative Dialektik (Adorno 1969),
in der nicht das dialektische Prinzip als Ganzes über Bord geworfen wird, sondern
ausschließlich die Synthesis. Eine Dialektik ohne Synthesis, die sich für die Widersprüche
interessiert, die Ambivalenzen analysiert, die Gegensätze als Gegensätze, eben das
Inkommensurable, wie Lyotard sagen würde, akzeptiert, ist offenbar mehr denn je gefordert.
Denn in postmoderner Zeit sind keine synthetischen Einheitsperspektiven gefragt, weil die
Wirklichkeit
sich
eben
nicht
einheitlich
zeigt.
Daher
scheint
keine
„Wirklichkeitsbeschreibung tragfähig zu sein, die nicht zugleich die Plausibilität der
Gegenthese verfolgt“ (Welsch 1990, S. 192), denn: „Ambivalenz ist das mindeste, womit man
bei den gegenwärtigen Weltverhältnissen rechnen muß“ (ebd.). Und dies gilt im besonderen
Maße auch für die Soziale Arbeit, so dass eine diesbezügliche Wissenschaft die
Ambivalenzreflexion als wichtige Methode zur Reflexion nutzen kann.4
II.2 Hermeneutik des Sinns: Hiermit ist das Verstehen von Sinn gemeint, etwa Sinn-Verstehen
von Texten, aber auch von gesprochenen Worten. Das Problem der Hermeneutik scheint
bereits im Begriff der Hermeneutik auf (vgl. Hörisch 1998, S. 13ff.). Denn Hermeneutik
verweist auf zweierlei Bedeutungen: zum einen auf die Botschaft, die aus Texten spricht und
die verstanden werden kann, die gewissermaßen von Hermes, dem Götterboten aus der
griechischen Mythologie überbracht wird. Zum anderen kann Hermeneutik aber nicht nur den
Prozess der Überbringung von Botschaften durch Hermes meinen, sondern auch etwas
Hermetisches, also etwas dicht Abgeschlossenes, aus dem nichts herausdringen kann.
Wenn wir diesen eher etymologischen Zugang zur Hermeneutik mitmachen, dann sehen wir,
dass Sinnverstehen als das Verstehen von abgeschlossenen Botschaften betrachtet werden
kann. Und so haben die Hermeneutiker der Theologie und Philosophie in den letzten
Jahrtausenden ja tatsächlich immer wieder versucht, die wahren Botschaften von Texten, etwa
aus der Bibel und anderen „heiligen Schriften“ oder von philosophischen Klassikern,
abschließend zu verstehen und sich darüber gestritten, wer denn nun tatsächlich das Verstehen
abschließen kann, weil er richtig verstanden hat.
Es kam sogar soweit, dass die Politik in den real-sozialistischen Ländern ein Bündnis mit
dieser Form von Hermeneutik geschlossen hat und ein für alle mal versuchte, die Botschaft
der Texte von Marx und Lenin abschließend zu deuten und als Grundlage für die Regelung
des gesamten sozialen Lebens zu nutzen. Was daraus geworden ist, haben wir in der jüngsten
Geschichte gesehen. Nur noch eines dazu: Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie diese
Form von Hermeneutik auch die Methode meiner Deutschlehrer in der DDR war. Wenn wir
4
Genau dies versuche ich in meinem Buch Postmoderne Sozialarbeit (Kleve 1999) vorzuführen. Ich komme
noch einmal darauf zurück (III.)
9
als Schüler aufgefordert wurden, über Erzählungen, Gedichte oder Romane zu diskutieren
und wir gefragt wurden, was der jeweilige Autor wohl gemeint haben mag mit seinen Sätzen,
dann wurde uns nach einer kurzen Diskussion die Antwort auf diese Frage vom Lehrer
präsentiert; er kannte die Botschaft der Texte, die abschließend dokumentiert und wieder
abgefragt werden konnte.
Mit einer solchen Form von Hermeneutik macht die Postmoderne ein Ende; vielmehr nimmt
sie die Erfahrung ernst, dass die Deutung und Interpretation von Texten niemals abschließbar
ist, es sei denn in der Form von Macht. Aber bei Deutungsversuchen jedoch, die sich jenseits
von totalitären Deutungsmächten vollziehen können, ist die Hermeneutik durch die Form der
différance gekennzeichnet.
Jecques Derrida (1988) bezeichnet mit diesem Begriff (den ich in diesem Zusammenhang
nicht näher erläutern kann) zweierlei, erstens dass jedes Sinnverstehen unabschließbar ist, auf
eine unerreichbare Zukunft hin aufgeschoben werden muss; denn es kann im nachhinein
immer wieder infrage gestellt und neu verstanden werden; zweitens ist Sinnverstehen
abhängig von Differenzen, von Unterschieden, z.B. von den Kontexten, in denen es erfolgt:
von den verschiedenen Personen, die jeweils verstehen wollen (Sozialdimension), von den
verschieden Zeiten, in denen zu verstehen versucht wird (Zeitdimension), von den
verschiedenen Erkenntnisinteressen, die Verstehen motivieren (Sachdimension).
Auch das Verstehen der gesprochenen Worte, das in der Sozialen Arbeit ja in jeder
Beratungssituation erfolgen soll, steht mit einer postmodern gewendeten Hermeneutik in
Frage, denn dafür gilt das Gleiche wie für das Textverstehen, es ist unabschließbar und
kontextabhängig.5
Die Kontextabhängigkeit von Verstehen scheint leicht ersichtlich und somit kaum
erklärungsbedürftig. Denn wir wissen nicht nur in der Sozialen Arbeit, sondern auch im
Alltag nur zu gut, dass unterschiedliche Personen unterschiedlich verstehen, dass Verstehen
davon abhängig ist, wann etwas verstanden wird und schließlich auch davon, was das
Verstehen motiviert. Aber auch die zunächst vielleicht schwerer nachvollziehbare These der
Unabschließbarkeit lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass es unmöglich ist,
die Gedanken von Personen durch Kommunikationen zu erreichen (In die Köpfe kann man
eben nicht hinein schauen!), erreichbar für die Kommunikation sind nur die gesprochenen
Worte, und diese müssen verstanden werden. Aber ob sie verstanden wurden, kann immer nur
im nachhinein überprüft werden, etwa durch ein Nachfragen. Für dieses Nachfragen gilt
wieder das Gleiche, es und die daraus folgenden möglichen Antworten müssen verstanden
werden. Aber ob sie verstanden wurden, kann nur im nachhinein überprüft werden usw. usf.
Wir kommen nicht heraus aus der Form der différance.
Dies sollte uns in der Sozialen Arbeit zu denken geben. Denn wie oft neigen wir dazu zu
glauben, schon verstanden zu haben, was die Klienten meinen oder wollen. Auch unsere
klassischen Methoden, z.B. die klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers
5
Dies ließe sich sehr genau systemtheoretisch zeigen, was ich hier jedoch nur erwähnen kann, siehe dazu etwa
Luhmann 1984 oder Fuchs 1993.
10
verführt uns dazu anzunehmen, wir würden schon verstehen, wenn wir empathisch, kongruent
und akzeptierend, annehmend kommunizieren. Dennoch: Wir sollten uns davor hüten zu
schnell zu glauben, verstanden zu haben. Vielmehr ist angesichts der postmodernen Kondition
hinsichtlich der Unabschließbarkeit und der Kontextabhängigkeit des Verstehens, die
Sensibilität für das Nicht-Verstehen, für die Unerreichbarkeit des ‚wirklichen’ Verstehens, für
den permanent mitlaufenden Dissens auszubauen.
II.3 Emanzipation des vernünftigen oder arbeitenden Subjekts: Hiermit sind genau genommen
zwei Philosophien bzw. Erzählungen gemeint: zum einen jene von Immanuel Kant, die die
Emanzipation des vernünftigen Subjekts anstrebt und die Jürgen Habermas in seiner Theorie
der vernünftigen (rationalen) Kommunikation beerbt hat und zum anderen Karl Marx’ Idee
der Emanzipation, der Befreiung des arbeitenden Subjekts aus der Unterdrückung durch nicht
produktiv arbeitende Besitzer der Mittel, mit denen die Arbeiter arbeiten, eben der
Produktionsmittel. Beide Erzählungen verlieren in der Postmoderne ihre Glaubwürdigkeit.
Vom Glaubwürdigkeitsverlust der Marxschen Anschauung, das die Geschichte auf ein
dialektisch sich einstellendes Ziel zustrebt, der Emanzipation der Arbeiter in der klassenlosen
Gesellschaft, habe ich oben bereits geschrieben. Deshalb soll hier die Emanzipation des
vernünftigen Subjekts problematisiert werden.
Immanuel Kant, als ein wichtiger Begründer der Aufklärung, erhebt mit seiner Philosophie
die Vernunft zum obersten Regulator der menschlichen Erkenntnis und des menschlichen
Zusammenlebens. Für ihn geht die Vernunft allen menschlichen Erkenntnismöglichkeiten (a
priori) voraus, sie bildet die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis, sie ist in diesem
Sinne transzendental. Obwohl Kant in der Kritik der reinen Vernunft etwas zeigt, was
Postmoderne und Konstruktivismus ebenfalls verdeutlichen, dass nämlich keine objektive
Erkenntnis möglich ist, dass Erkenntnis vielmehr nur Dinge, wie sie für uns sind und nicht
wie sie an sich sind, erkennen kann, ist seine Philosophie – im Gegensatz zu Postmoderne
und Konstruktivismus – zwar implizit, aber nicht explizit relativistisch (siehe dazu – mit einer
etwas anderen Deutung – Welsch 2000, S. 35f.). Denn Kant setzt die Erkenntnis zwar in
Relation, in Abhängigkeit zu den erkennenden Subjekten, zu den Menschen, aber er negiert
diese Relativität sogleich wieder, wenn er in allen vernünftigen, aufklärungsfähigen
menschlichen Subjekten die gleichen transzendentalen Prinzipien am Wirken sieht: zum einen
eben die Vernunft selber mit ihren Ordnungsbegriffen und Kategorien, zum anderen die
Anschauungsformen von Raum und Zeit. Erkenntnis bringe nach Kant zwar nur
selbstkonstruierte Erscheinungen hervor, aber diese Erscheinungen müssen aufgrund der
transzendentalen Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis bei allen mit Vernunft
ausgestatten menschlichen Wesen dieselben sein.
Eine Emanzipation des vernünftigen Subjekts bedeutet nun, dass das transzendentale, allen
Menschen zugängliche Prinzip der Vernunft auch das menschliche Zusammenleben als
praktisches Gesetz ordnen solle. Denn nur das verdiene allgemeine Anerkennung, z.B. als
Regel für den sozialen Verkehr, was vernünftigen Kriterien genüge, so z.B. der kategorische
11
Imperativ, der in unterschiedlicher Weise formuliert wird (zit. n. Ulfig 1999, S. 218): „Handle
so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen
Gesetzgebung gelten könne“. Oder: „Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner
Person als in der Person eines anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel
brauchst.“ Oder: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum
allgemeinen Naturgesetz werden sollte“.
Obwohl Kant mit seinen drei kritischen Schriften – Kritik der reinen Vernunft (1781/87),
Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Kritik der Urteilskraft (1790) – bereits andeutet,
dass es Vernunft nur im Plural gibt, wie dies der postmoderne Philosoph Wolfgang Welsch
(1996) in seinem grandiosen Werk zur transversalen Vernunft begründet, steht die
aufklärerische Moderne für das Prinzip der einen Vernunft. Vernunft im Singular – das ist das
Motto der Moderne. Nur ausgehend von diesem Motto ist das aufklärerische Streben nach
Wahrheit und Verständigung erklärbar. Dieses Streben führt schließlich zu zwei Ansichten:
erstens dass die menschlichen Existenzfragen beantwortbar sind, wenn die Antworten mit
Vernunft gesucht werden und zweitens dass alle, die die Antworten mit Vernunft, eben mit
dieser einen Vernunft, mit der Vernunft (im Singular) suchen, zu denselben Antworten
kommen müssten.
Die Fragen sind dann nur: Was passiert, wenn unterschiedliche Antworten gefunden werden?
Wer bestimmt bei einer Mehrzahl von unterschiedlichen Antworten, wer die vernünftige
Antwort hat? Unsere heutige Erfahrung kann uns lehren, dass solche Fragen in der Regel
durch Macht entschieden wurden. Aber damit wären wir bereits bei Michel Foucault (19261984) einem anderen Denker der Postmoderne, nach dem es nicht die Vernunft ist, die die
Bedingungen der Erkenntnis und des menschlichen Zusammenlebens bestimmt, sondern
Macht.
In der Postmoderne jedenfalls zerbrechen die Vorstellungen der einen Vernunft, auf die in
gewisser Weise auch Habermas’ Diskursethik basiert. Denn in dieser Ethik wird der rationale,
am Prinzip der kommunikativen Vernunft orientierte Konsens angestrebt, der geradezu
zwangsläufig sich einstellen würde, wenn die Diskursteilnehmer nach vernünftigen Regeln im
herrschaftsfreien Raum kommunizieren. Aus postmoderner Perspektive ist dies nicht
plausibel. Denn wie Lyotard (1979, S. 36ff.) mit Bezug auf Ludwig Wittgenstein (1989-1951)
hervorhebt, denken und kommunizieren wir in Form von Sprachspielen, von denen es eine
Vielfalt gibt, die nicht von einem ordnenden Meta-Sprachspiel, schon gar nicht von einer
obersten Vernunft bestimmt werden kann. Jedes Sprachspiel gehorcht eigenen begrenzten
Regeln, die für es, aber schon nicht mehr für andere Spiele gelten (müssen).
Wenn dies nun besonders offensichtlich für die Postmoderne gilt, dann ist Verständigung
unwahrscheinlich und Dissens, Unabschließbarkeit, wie ich oben bereits mit Bezug zur
Hermeneutik gesagt habe, alltägliche Erfahrung. Und meiner Ansicht nach ist dies auch in der
Sozialen Arbeit so.
Für uns Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter könnte das bedeuten, zur Einsicht zu gelangen,
dass wir uns nicht mit Hilfe von Vernunft oder rationaler Kommunikation aus den
12
Fallstricken der vielen Sprachspiele befreien, emanzipieren können, wir spielen diese Spiele
mit unseren Klienten wie mit unseren Kollegen. Wir sollten daher versuchen, eine für
Professionen typische Haltung, nämlich die Haltung des Besserwissens zu verabschieden und
uns öffnen für die vielfältigen Möglichkeiten der Erkenntnis und des menschlichen
Zusammenlebens. Freilich könnten wir angesichts der Unabschließbarkeit des Verstehens und
Erkennens, der Unerreichbarkeit oberster vernünftiger Prinzipien auch fatalistisch oder
zynisch werden, ich jedoch plädiere für eine ironische Gelassenheit. Eine ironische
Gelassenheit setzt paradox, ambivalent an: Sie weiß um die Beschränktheiten und
Unabschließbarkeiten des Verstehens, aber versucht es dennoch immer wieder, sie öffnet sich
gerade für die Möglichkeit des Nicht-Verstehens und des Nicht-Wissens, spielt mit Neugierde
und der Möglichkeit, das Verstehen und Wissen in Abhängigkeit von sozialen, zeitlichen und
sachlichen Bedingungen, Kontexten, immer wieder anders ausfallen kann; kurz: ironische
Gelassenheit ermöglich das, was man mit Kontingenzbewusstsein und Komplexitätstoleranz
zusammenfassen könnte.
*
Wie legitimiert sich nun die Wissenschaft in der Postmoderne, also nach dem
Unglaubwürdigwerden der drei großen Metaerzählungen und was könnte das für die Soziale
Arbeit heißen? Lyotard sieht zwei wissenschaftliche Legitimationen in der Postmoderne, die
m.E. auch unmittelbar die Soziale Arbeit tangieren, die Legitimierung durch die
Performativität und die Legitimierung durch die Paralogie.
II.4 Postmoderne Legitimierung durch Performativität: Vordergründig werde die
Wissenschaft nach dem Ende der großen Erzählungen durch Performativität, was man
vielleicht übersetzen könnte mit Leistungsfähigkeit, Machtvergrößerung, legitimiert (vgl.
Lyotard 1979, S. 123ff.). Lyotard macht mit dieser These etwas deutlich, was viele von uns
im Alltag ohnehin oft vermuten und was noch einmal vorführt, dass die Metaerzählungen, die
immer auch mit Wahrheitssuche verbunden waren, tatsächlich verebbt sind: Wissenschaft
habe nicht (mehr) das Ziel, Wahrheit zu finden, sondern Macht zu erhalten, ja zu vergrößern.
„Man kauft keine Gelehrten, Techniker und Apparate, um die Wahrheit zu erfahren, sondern
um die Macht zu erweitern“ (Lyotard 1979, S. 135). Wissenschaft wird zu einer
Produktivkraft, wird also kapitalisiert, ökonomisiert und ist, weil sie immer mehr auf teure
Technik angewiesen ist, geldabhängiger denn je. „Also kein Beweis, keine Verifizierung von
Aussagen und keine Wahrheit ohne Geld. Die wissenschaftlichen Sprachspiele werden Spiele
der Reichen werden, wo der Reichste die größte Chance hat, recht zu haben. Eine Gleichung
zwischen Reichtum, Effizienz und Wahrheit zeichnet sich ab“ (S. 131).
Wenn das Kriterium der Performativität, der Machtvergrößerung und Leistungsfähigkeit die
Entwicklung der Wissenschaft bestimmt, dann werden eben lediglich solche Wissenschaften
gefördert, die in diesem Sinne performativ sind. Damit bestimme schließlich auch das Geld,
13
was wahr ist und wer recht hat. Denn Wahrheit werde an der Realität gemessen und diese
werde über den Umweg der Technik von der Wissenschaft beeinflusst, so dass sich
rückwirkend das bestätigen könne, was von den Mächtigen über die Realität ausgesagt wurde.
Denn dies ist das, was nun auch die Wissenschaftler erkennen können. So legitimiere sich
Wissenschaft über den Umweg der Performativität und Leistungsfähigkeit durch Macht und
Geld. Wir können hier eine Zirkularität erkennen: Wissenschaft wird durch das Kriterium der
Performativität von der Macht, von denjenigen, die Einfluss und Geld haben, legitimiert, die
wiederum von der Wissenschaft legitimiert werden.
Wenn wir die derzeitige Situation der Sozialen Arbeit betrachten, können wir uns fragen, ob
wir nicht gerade Zeugen eines Prozesses sind, in dem uns genau dieses Prinzip der
Legitimierung durch Performativität vorgeführt wird; es könnte also nicht nur für die
Wissenschaft gelten, sondern im weiteren Sinne auch für wissenschaftlich sich begründende
Professionen. Denn die Performativität der Sozialen Arbeit scheint derzeit infrage zu stehen,
so dass das Argument der knappen öffentlichen Kassen dazu dient, drastische Kürzungen
vorzunehmen. In einem rasanten Tempo wird das Sprachspiel der Sozialen Arbeit, das wir
vielleicht mit den Unterscheidungen Helfen/Nicht-Helfen (vgl. Baecker 1994) oder
bedürftig/nicht bedürftig (Weber/Hillebrandt 1999) bezeichnen könnten, vom ökonomischen
Spiel der Effizienz überrollt. Und die Soziale Arbeit hat es schwer, sich dagegen zu wehren,
ihr fallen kaum Gegenargumente ein, wenn ihr Ineffizienz oder Ineffektivität, also die anderen
Seiten der Performativität vorgehalten werden. Vielleicht könnte die zweite postmoderne
Legitimationsgrundlage bei der Suche nach Gegenargumenten helfen: die Legitimierung
durch die Paralogie.
II.5 Postmoderne Legitimierung durch die Paralogie: Die Legitimierung durch die
Performativität ist zwar jene von der Politik und der Ökonomie favorisierte
Legitimationsform, die jedoch ebenfalls zunehmend in eine Krise gerät. Dies ist, wie Lyotard
(1979, S. 157) sagt, „die Krise [...] des Determinismus. Der Determinismus ist die Hypothese,
auf der die Legitimation durch die Performativität beruht: Da diese sich durch ein Verhältnis
Input/Output definiert, muß man annehmen, daß das System, in das man den Input einbringt,
in einem stabilen Zustand ist; es gehorcht einer regelmäßigen ‚Bahn’, wovon sich die stetige
und ableitbare Funktion erstellen läßt, die den Output entsprechend zu antizipieren erlauben
wird“ (ebd.). Lyotard spricht hier offenbar davon, dass die Legitimierung durch die
Performativtät das voraussetzt, was Heinz von Foerster (1988) eine triviale Maschine nennt;
eine solche Maschine lässt sich über den Input steuern, der Input bestimmt den Output.
Die Pragmatik des postmodernen Wissens hat jedoch wenig Affinität für solche Maschinen
(vgl. Lyotard 1979, S. 158), vielmehr ist sie gekennzeichnet von nicht-trivialen Prozessen,
von Prozessen, deren Output nicht durch den Input gesteuert werden kann, die eigenen
internen, nicht linearen Gesetzen gehorchen, die in ihren Reaktionen und Ergebnissen daher
unvorhersehbar sind. Genau solche Prozesse kennzeichnen die Soziale Arbeit, die sich daher
nur begrenzt durch Performativität, durch Effektivität und Effizienz legitimieren lässt.
14
Aber die Soziale Arbeit ist nur ein Beispiel für ein Praxisfeld und eine Wissenschaft, das von
hochkomplexen Prozessen, um mit Niklas Luhmann (1984) zu sprechen, von autopoietischen
Systemen durchzogen ist, die von außen nur begrenzt steuerbar und deren Verhalten
keinesfalls mit Hilfe des kausalen Determinismus erklärbar ist. Inzwischen beziehen sich
viele Wissenschaften auf derartige hochkomplexe Systeme. Lyotard (1979, S. 163) führt als
Beispiele die Quantentheorie und die Mikrophysik heran. Je komplexer die
Untersuchungsobjekte der Wissenschaften werden, desto deutlicher wird, dass Ziel und
Methode der Wissenschaft nicht mehr durch Performanz gekennzeichnet sind, sondern durch
die Paralogie.
Paralogie bedeutet, dass wissenschaftliches Wissen nicht logisch, sondern eben paralogisch
funktioniert und geordnet ist, und zwar aus zwei Gründen: erstens führt es genau genommen
nicht dazu, eine Ordnung zu sichern und zu legitimieren, sondern produziert permanent –
sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht – Neues, Unvorhersehbares,
Überraschungen, Unsicherheiten, Risiken und Chancen; genau dies legitimiert weitere
wissenschaftliche Forschung, für die das Gleiche gilt. Zweitens führt die Wissenschaft zur
Produktion von differenten bis antagonistisch sich gegenüberstehenden „Wahrheiten“, die
jeweils in sich selbst schlüssig, aber zueinander widersprüchlich sind. In einer Terminologie
von Peter Fuchs (1992) könnte man vielleicht sagen, dass die Wissenschaften
Polykontexturalität erzeugen, also in sich – auch aus logischen Gesichtspunkten – schlüssige,
aber zueinander in Widerspruch stehende Weltbeschreibungen.
Für die Sozialarbeit und für die auf sie bezogenen Wissenschaften lässt sich daraus vielleicht
lernen, dass die klassische Suche nach der Sozialarbeitswissenschaft erfolglos ist, wenn sie
intendiert, Sicherheit und Klarheit zu finden. Wenn Sozialarbeit ihre Wissenschaftlichkeit
ausbaut, dann kann sie jedoch zweierlei gewinnen: zum einen natürlich brauchbares, äußerst
nützliches, als durchaus performatives Wissen und zum anderen aber auch weitere Pluralität
und Unsicherheit – als Folge des Wissenszuwachses. Mit Lyotard (1979, S. 163) gesagt: „Es
ist nicht wahr, daß die Ungewißheit, das heißt das Fehlen von Kontrolle, sich in dem Maße
verringert, wie die Exaktheit wächst: Sie [die Ungewissheit; H.K.] wächst auch“.
III. Soziale Arbeit als postmoderne Profession und Disziplin
Es sollte deutlich geworden sein, dass die Soziale Arbeit im Lichte der postmodernen
Philosophie Lyotards reflektiert werden kann, ja dass dieses Konzept Auswirkungen auf die
Soziale Arbeit haben kann. Dies ist freilich nicht erstaunlich, ist die Soziale Arbeit als eine
sich wissenschaftlich orientierende Praxis und als theoretische Reflexion dieser Praxis freilich
genauso eingebunden in gesellschaftliche Transformationen, wie alle anderen
gesellschaftlichen Sphären auch. Dennoch scheint mir, dass die Soziale Arbeit ein ganz
besonderes Verhältnis zur Postmoderne, zur postmodernen Philosophie im Besonderen und
zur postmodernen Reflexion der Gesellschaft im Allgemeinen entwickeln könnte. Denn – wie
ich an anderen Stellen bereits ausführlicher gezeigt habe (vgl. Kleve 1999; 1999a; 2000;
15
2002): Die Soziale Arbeit ist bei genauerem Hinsehen sowohl hinsichtlich ihrer Geschichte
als auch hinsichtlich ihrer Praxis sowie ihrer Theorie seit ihrer professionellen
Ausdifferenzierung ein postmodernes Unternehmen – zumindest implizit. Diese These mag
erstaunen. Deshalb will ich sie erläutern, und damit gewissermaßen die implizite Postmoderne
der Sozialen Arbeit explizieren.
Die gesellschaftliche Ausdifferenzierung Sozialer Arbeit lässt sozio-historisch (III.1), strukturell (III.2) und wissenschaftlich (III.3) etwas aufscheinen, was mit Lyotard als ein
wesentliches Kriterium der Postmoderne angesehen werden kann, nämlich die Paralogie,
genauer: die Ambivalenz.
III.1 Sozio-historische Genese der Sozialen Arbeit: Sozio-historisch ist leicht zu sehen und in
Geschichtsbüchern zur Sozialen Arbeit immer wieder konstatiert sowie an unterschiedlichen
Beispielen beschrieben worden (vgl. etwa Wendt 1995; Hering/Münchmeier 2000), dass die
Soziale Arbeit als Profession, also als eine sich wissenschaftlich begründende und an
Ausbildungsinstitutionen erlernbare Praxis in der Zeit der Wende vom 19. zum 20.
Jahrhundert entstanden ist. Genau dies ist auch die Zeit, in der zum einen jene
Transformationen begannen, „welche die Regeln der Spiele der Wissenschaft, der Literatur
und der Künste [...] getroffen haben“, wie Lyotard (1979, S. 13) schreibt, und damit die Krise
der Meta-Erzählungen (damals noch eher versteckt) zum Ausdruck brachten.
Zum anderen ist das ausgehende 19. Jahrhundert eine Zeit, welche die Ambivalenz der
Moderne oder – mit Max Horkheimer und Theodor W. Adorno (1969) gesprochen – die
Dialektik der Aufklärung augenscheinlich werden ließ. Spätestens jetzt wurde nämlich der
moderne Januskopf offenbar, der sichtbar machen kann, dass der Fortschritt nicht nur
Reichtum, Wissen, Rationalität und Ordnung mit sich bringt, sondern zugleich auch zur
Steigerung von Armut, Unwissen, Irrationalität und Unordnung führt. Schließlich wissen wir
inzwischen, dass die Dialektik der Aufklärung, die Widersprüchlichkeit der Entwicklung der
Moderne neben der – seit dem 11. September 2001 geradezu inflationär konstatierten –
Zivilisation mit ihren Menschen- und Völkerrechten auch Faschismus und Stalinismus
hervorgebracht hat.
Zurück zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zu eben dieser Zeit, und zwar 1886 schrieb
ein sensibler philosophischer Geist, nämlich Friedrich Nietzsche (1844-1900) in Jenseits von
Gut und Böse: „Es wäre sogar noch möglich, daß was den Wert jener guten und verehrten
Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten
Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu
sein“. Auf genau diese Ambivalenz, dass das Gute, das Erstrebsame untrennbar, ja negativ
dialektisch (denn es lässt sich nicht synthetisieren) mit dem Schlechten, mit dem, was man
vermeiden will, verbunden ist, reagiert die Soziale Arbeit. Sie belichtet – allein schon durch
ihre gesellschaftliche Existenz – die anderen, die Schattenseiten des Fortschritts und des
Reichtums, des Wissens und der Ordnung, indem sie ihre Legitimation aus der Existenz der
Menschen bezieht, die aus welchen (sozialen, psychischen oder körperlichen) Gründen auch
16
immer nicht fortschrittlich sein könne, weil sie eben arm, ungebildet, ja – aus Sicht der
Postulate der Moderne – unordentlich sind. Der sozio-historische Ursprung der Sozialen
Arbeit ist also die Ambivalenz der Moderne selbst. Oder etwas ausführlicher und poetischer
zusammengefasst: Die Sozialarbeit entspringt dem maskierten Geist der Moderne, der nicht
das halten kann, was er versprach, demaskiert ihn und entblößt damit, was ihm ins Gesicht
geschrieben steht: das Vexierbild der Ambivalenz.
III.2 Sozio-strukturelle Ambivalenz der Sozialen Arbeit: Die Paralogie in Form der
Ambivalenz ist auch Markenzeichen der Profession Soziale Arbeit. Diskursive Reflexe für
diese Situation sind etwa die Klagen der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, dass sie
zwischen vielen unterschiedlichen Stühlen sitzen (vgl. exemplarisch dazu Petrov 2000),
beispielsweise sowohl (Klienten) helfen wollen als auch von gesellschaftlichen Institutionen
(z.B. dem Recht) angehalten werden, dieselben zu kontrollieren. Neben dieser wohl
prominentesten sozialarbeiterischen Ambivalenz habe ich an anderer Stelle versucht, weitere
solcher Ambivalenzen zu reflektieren (vgl. Kleve 1999, insb. S. 237ff.), die ich hier nur
nennen kann: Ambivalenz der Kontexte, in denen von Sozialarbeit zugleich oft sehr
Unterschiedliches und Widersprüchliches erwartet wird, Ambivalenz von Berufsarbeit und
Nächstenliebe, Ambivalenz von Macht und Ohnmacht, Ambivalenz von Hilfe und NichtHilfe, Ambivalenz von Problem und Lösung, Ambivalenz von Vergangenheit und Zukunft,
Ambivalenz von Ethik und Pragmatik.6
Die zahlreichen sozialarbeiterischen Struktur-Ambivalenzen führen schließlich dazu, dass
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter Schwierigkeiten haben, eine eindeutige und klare, eine
moderne Identität zu konstruieren. Mein These ist (vgl. Kleve 2000), dass sie dies auch nicht
müssen, wenn sie sich vom modernen hin zum postmodernen Gemüts- und Geisteszustand
bewegen. Dieser betrauert nämlich nicht, wie ich bereits oben bezüglich der These, dass die
postmoderne Philosophie aus dem Geist der modernen Kunst erwachsen ist, das Verebben
von Einheitserfahrungen, z.B. von klaren Identitätserfahrungen, sondern bejubelt die
Möglichkeiten, die bei Differenzerfahrungen entstehen, z.B. angesichts multipler bzw.
Patchwork-Identitäten. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Sozialarbeit die
bereits erwähnte und postulierte Haltung der ironischen Gelassenheit nur erlangen kann, wenn
sie sich von der modernen Identitätssuche verabschiedet und ihre ambivalente sozialstrukturelle Form annimmt, ihre offene Identität experimentell und spielerisch einsetzt.
III.3 Sozialarbeitswissenschaft als postmoderne, ambivalenzreflexive Wissenschaft:
Inzwischen zeigt sich wohl deutlicher denn je, dass auch die Wissenschaft der Sozialen Arbeit
aus mindestens zwei Gründen nur postmodern zu haben ist: erstens, weil sie – zumindest,
wenn sie sich nichts vormacht – kaum anderes kann (und damit ist viel gewonnen), als
6
Inzwischen liegen zwei Diplomarbeiten vor, die mit der von mir vorgeschlagenen Methode der
Ambivalenzreflexion unterschiedliche sozialarbeiterische Praxisfelder untersuchen, ja erforschen und meine
These der strukturellen Ambivalenz Sozialer Arbeit – zumindest für die erforschten Felder Fallarbeit (Geissler
2000) und parteiliche Soziale Arbeit mit Mädchen und Frauen (Ely 2002) – belegen können.
17
hochkomplexe Prozesse zu beschreiben und damit Instabilitäten, die die Praxis Sozialer
Arbeit kennzeichnen, zu konstatieren; zweitens, weil sie als wissenschaftliches Programm in
gewisser Weise auf das stößt, was die postmoderne Philosophie Vernunft im Plural nennt.
Beide Aspekte sollen noch etwas deutlicher heraus gestellt werden.
Wir haben bereits mehrfach erwähnt, dass es Soziale Arbeit, z.B. hinsichtlich des Verstehens,
mit Kontextabhängigkeit und Unabschließbarkeit zu tun hat. Auch eine
Sozialarbeitswissenschaft kann diese Situation nicht verändern, sie kann der Praxis nicht mehr
Sicherheiten geben, aber sie kann die Unsicherheiten, die Instabilitäten beschreiben, erklären
und als unausweichlich bewerten. Wenn dies der Sozialarbeitswissenschaft auf hohem
wissenschaftlichen Niveau plausibel gelingt, dann hätte sie bereits viel erreicht. Denn sie
könnte davon ausgehend etwa die politischen Ökonomisierungsansprüche abwehren, die die
Soziale Arbeit mit – vielleicht zu trivialen, aber kaum zu nicht trivialen Prozessen passenden
– Effektivitäts- und Effizienzansprüchen in die Enge treiben. Wissenschaftlich könnte in
dieser Hinsicht gezeigt werden, was es angesichts instabiler, hoch komplexer Systeme für
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern heißen könnte, effektiv und effizient zu arbeiten. Die
Forderung nach drei notwendigen Einstellungen, die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter
spätestens nach dem Studium auszeichnen sollte, dürfte dabei sicherlich nicht fehlen; diese
Einstellungen sind: Ambivalenztoleranz, Kontingenz- und Komplexitätsbewusstsein.
Schließlich ist die Sozialarbeitswissenschaft auch als strukturelle Größe, also als
wissenschaftliche Disziplin innerhalb von Hochschulen nicht modern zu haben, sondern
lediglich postmodern. Denn das Problem der wissenschaftlichen Sozialen Arbeit war ja schon
immer, dass sie für sich keinen klaren Kern, keinen reinen Gegenstandsbereich auffinden
konnte. Soziale Probleme, die man immer wieder als Themen, als Gegenstandsbereiche
Sozialer Arbeit bewertet, befinden sich nun wahrlich nicht in einem reinen Raum, der so
etwas wie professional purity erreichbar erscheinen lässt. Vielmehr sind soziale Probleme
politisch wie wissenschaftlich heiß umkämpfte soziale Sachverhalte, die erst durch mächtige
gesellschaftliche Deutungsprozesse (z.B. auch der Massenmedien) das werden, was sie aus
unterschiedlichen Sichten recht unterschiedlich sind: eben sozial relevante soziale, psychische
und körperliche Probleme.
Will die Wissenschaft der Sozialen Arbeit einen einigermaßen realitätsnahen Zugang zu den
sozialen Problemen ihrer Klienten finden, dann öffnet sie sich für die Pluralität der
diesbezüglichen wissenschaftlichen Deutungen und hört darauf, was aus den
sozialarbeiterischen Bezugswissenschaften Psychologie, Soziologie, Politologie, Jurisprudenz
oder Ökonomie zu vernehmen ist. Sozialarbeitswissenschaft wird, will sie ihr Thema, eben
soziale Probleme, adäquat beobachten, beschreiben, erklären und bewerten, etwas anstreben
müssen, was eine Paralogie, aus moderner Sicht: eine identitätslogische Unmöglichkeit ist: sie
muss zwischen den Identitäten der Psychologie, Soziologie, Politologie, Jurisprudenz oder
Ökonomie driften, temporal, je nach den Erfordernissen mal die eine Identität annehmen, mal
die andere (vgl. auch Kleve 1999b). Dabei kann ihr sicherlich die postmoderne Vernunftform
der Transversalität (vgl. Welsch 1996) behilflich sein. Die postmoderne Notwendigkeit der
18
Transversalität ist schließlich eine plausible Erklärung dafür, warum Sozialarbeitwissenschaft
heutzutage eigentlich nicht mehr anders zu denken ist als transdisziplinär.
19
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Autor:
Heiko Kleve, Dr. phil., Dipl.-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge, Sozialwissenschaftler, KonfliktMediator und systemischer Berater. Professor für Theorie und Geschichte Sozialer Arbeit an
der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Theorie,
Methodik und Geschichte Sozialer Arbeit, insbesondere aus postmodernen und
systemtheoretischen Perspektiven, http://www.asfh-berlin.de/hsl/kleve.
21
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