SINN - WERTE – RELIGION

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SINN - WERTE – RELIGION
(QUASI-Fortbildung am 21.05. 2011)
krippenrelevante Themengebiete der Fortbildung sind:
Was ist moralisches Handeln?
Wie lernen Kinder „das Richtige“ zu tun??
Was ist Philosphie?
Warum mit kleinen Kindern philosophieren?
....diese Fragen lassen sich aus dem gültigen Bildungsplan herleiten;
der Bildungsplan hat grundsätzlich in sich den Aufbau:
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die physischen Grundlagen von Menschsein (Leiblichkeit)
→ sinnliche Auseinandersetzung mit Welt (Ästhetik)
→ Einfühlungsvermögen (Emotion)
→ Verstehen/Denken (Kognition)
→ Sprache (Kommunikation)
→ Handeln (Moral)
→ Orientierung / Sinn
Sich konkret aus dem Bildungsplan ableitende Zielformulierungen sind hierbei:
Förderung von Staunen, Nachdenklichkeit, Konstruktion (Ordnung).
Eine Orientierung geben hinsichtlich der großen / letzten / existentiellen
Fragen.
Oder (schlichter) durch Kant in den Kantschen Fragen formuliert:
Was soll ich tun?
Worauf darf ich hoffen?
Erfahrens-Dimension:
Erfahrung zu uns selbst,
Erfahrung hin zur Welt:
Die „Antennen“ der Körperlichkeit sind die Sinne (Ebene der sinnlichen Erfahrung; Ästhetik),
und das bewusste Gestalten der Sinneseindrücke und der Sinneswahrnehmung
führt zur Begriffsbildung:
Kleinkinder ergreifen die Welt:
„entziffern“ führt zu verstehen, greifen führt zum begreifen:
wir brauchen Begriffe, um uns und die Welt zu verstehen:
„Ah“ -- „Aha“: ich habe verstanden / begriffen.
Logik / Ordnung → Verstehen → Denken
.... und was ich verstanden habe, muss sich auswirken (können):
Handeln / Tun -- und dessen Konsequenzen (es liegt in unserer Verantwortung)
Moral
erwächst aus Gefühl (Mitgefühl / Empathie):
ich muss es (sinnlich) fühlen können, davon innerlich bewegt werden (Emotion).
Worauf ist letztlich moralisches Handeln ausgerichtet? → auf Sinn („gutes Leben“ / Glück)
Wenn wir (in sinnvollem Sinn) Kindern Orientierung geben,
kommen wir unausweichlich irgendwann zu den Fragen:
Wie gehe ich mit mir selbst um?
Wie gehe ich mit Welt und Umwelt um?
Hilfreich dabei sind (u.a.):
Staunen -- Nachdenklichkeit – Neugierde –
Forschen, Forschergeist (neugierig sein auf Zusammenhänge)
Lust auf die Fragen des Lebens
Kreativität
Weiterentwicklung der Kunst, die wesentlichen Fragen (die Fragen „dahinter“) zu
fragen: nach dem Grund der Welt, dem Ursprung der Welt, dem „Warum?“ von
Leben und Leid
......also im Grunde eine „Philosophiepädagogik“,
Philosophieren über Anfang / Ziel / Ende des menschlichen Lebens.
„Phil-e-in“: sich intensiv mit etwas auseinandersetzen
„sophon“: Wesen / Grundlage von allem
Philosophie ist eigentlich eine Methode, kein besonderes Themengebiet.
....schlichter gesagt ist Philosophie die Beschäftigung mit den Grundlagen:
Was ist das, was hinter allem steht?
Wie ist Erkennen, Erfahren, Wahrnehmen überhaupt möglich?
→ es ist ein Prozess: der Weg vom Staunen zum Denken
→ durch andauernde Auseinandersetzung
(und: es muss nicht auf jede Frage eine Antwort geben!)
„Alles“ ist Gegenstand des Philosophierens:
die Frage nach Ursprung und Grundlagen (meta) beginnt im Alltäglichen (konkret).
Alltagsthemen führen zu elementaren Fragen,
es entsteht quasi ein „Riss“ in der Alltagserfahrung,
Eine Erschütterung findet statt (Hoppla – Huch):
z.B. Warum regnet es? Warum ist der Baum grün?
Wege zum Philosphieren (wie?)
sehen → urteilen → handeln
Ausdifferenzierung der ästhetischen Ebene:
→ Erstauntsein, Staunen
→ Aufmerksamkeit, Achtsamkeit
→ sich wundern, Verwunderung
→ wahr-nehmen
→ er-fassen, be-greifen, hin-hören, er-sehen, er-schmecken, ein-atmen
→fühlen, nachfühlen
→ Durchdringen (Verstehen) → Einsehen (Erkennen) → Handeln
das eine geht in das andere über,
immer Konfrontation mit mir selbst!
Ich mache mir über mich selbst Gedanken („sich wundern“).
Ich reiche in diesem Moment „über mich hinaus“,
ich beziehe mich auf etwas zurück:
diese Frage sucht keine physikalische oder biologische Antwort,
sondern eine sinnhafte Antwort.......
Frage-Ebenen:
-- elementare Fragen
-- schwierige Fragen
-- große Fragen
Werte / Moral
„ Kinder begegnen der Welt … So wird das eigene Erleben, Denken, Urteilen
und Handeln zunehmend ausgeformt … Hierzu bedarf es eines Sinnhorizontes
und eines Wertegefüges, um ihre Lebenswelt strukturieren und ihrem Handeln nachhaltig
Orientierung geben zu können … “
Moral: (heute:) Umfang des von einem Einzelnen oder einer Gruppe von Menschen
akzeptierten Systems von Werten & Normen und des daraus resultierenden Verhaltens
ETHIK: betrachtende (theoretische) Auseinandersetzung mit Moral
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Was ist Moral?
Wie entsteht Moral? (Haben alle eine Moral? Gibt es eine Universalmoral?)
Wie lassen sich moralische Urteile / Entscheidungen begründen?
Welche Konsequenzen hat Moral / moralisches Verhalten für unser Leben?
Grundfragen der Moral:
Hat es einen Zweck brav zu sein, wenn es keiner sieht?
Warum soll ich mich an Regeln halten?
Muss ich das immer tun?
Warum darf ich nicht lügen?
Was ist eigentlich ein schlechtes Gewissen?
Wie verhalte ich mich richtig?
Verdirbt uns die Moral den Spaß am Leben oder kann sie uns das Leben
vereinfachen?
Menschen leben und entwickeln sich in
sozialen Systemen / Sozialisationsinstanzen
In jedem dieser Systeme (sowie in der Gesellschaft allgemein)
gibt es Normen und Regeln, damit das Zusammenleben funktioniert.
Normen sind konkrete Verhaltensregeln, die allgemein
akzeptiert werden und sich meist aus Werten ableiten lassen
Internalisierung moralischer Normen:
Internalisierte Normen werden von einer Person als ihre eigenen verpflichtenden
Normen akzeptiert. Wege dazu:
(1) argumentative Vermittlung,
(2) Vermittlung über Beispiele,
(3) Belohnung und Bestrafung von Handlungen oder Unterlassungen
Strafen: sind wenig wirksam, ermöglichen per se keine Einsicht in Normen,
wiegen Verstärkungseffekte fehlbaren Handelns selten auf.
•Identifikation und Beobachtung:
Identifikation mit Personen, die Macht haben, beliebt und / oder kompetent
sind etc. (Kinder lernen, welche Normen für wen und wie viel gelten, wie andere auf
Nichteinhaltung reagieren etc.)
•Familiäre Sozialisation (auch Krippe / Kindergarten / Schule):
•Machtausübender Erziehungsstil ist ungünstig. Internalisierung wird verhindert.
Induktiver (unterstützender) Erziehungsstil ist günstig,
er fördert die Integration der Norm in das Selbst.
Als Vermittlungsprozesse von Moral gelten:
• Klassische oder operante Konditionierung (Lob, Belohnung, Belohnungsentzug,
Strafe)
• Lernen aus Beobachtung - Identifikation, Imitation
• Normvermittlung durch Sozialisierung in unterschiedlichen Systemen und Kontexten (z. B.
Familie, Kindergarten, Gleichaltrige ...)
• Erfahrungen
! Konkret sind aus psychologischer Sicht wichtig:
-- Spielräume zur Verhandlung von Regeln und Konflikten,
-- Gelegenheiten zu Perspektivenübernahme,
-- induktives Erziehungsverhalten (mit Blick auf Handlungsfolgen)
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Hoffmann und Salzstein (1967) unterscheiden drei Grundformen der Erziehung:
1. Machtausübung, gekennzeichnet durch gewaltsame Durchsetzung von
Forderungen durch Befehl / Sanktionsdrohung, sowie materielle oder körperliche
Strafen.
2. Liebesentzug, z. B. durch Ausdruck der Enttäuschung, Unterbrechung des
Kontaktes zum Kind.
3. Induktion, die ruhige Erläuterungen von Geboten und Verboten durch Aufzeigen
der Folgen des Fehlverhaltens für sich selbst und andere.
Studien belegen, dass Machtausübung eine Internalisierung von Normen eher
verhindert als fördert:
•Viele Facetten internalisierter Moral (Schuldgefühle, Hilfsbereitschaft, Widerstand
gegen Versuchungen) haben einen negativen Zusammenhang mit Machtausübung.
•Verhaltensprobleme (Aggressivität, Aufsässigkeit) haben einen substantiellen
Zusammenhang mit elterlicher Bestrafung und Feindseligkeit.
-- Machtausübung ist Ausdruck fehlender Zuneigung. In einem solchen Klima ist
Identifikation mit den Erziehenden und ihren Anliegen und Werten kaum zu erwarten.
Zwang löst Reaktanz aus - Widerstand gegen sowie Ablehnung von Forderungen.
-- Strafen Erziehende fehlbares Verhalten eher als sie positives Handeln anregen
und unterstützen (z. B. durch Lob), wird sich dieses nicht entwickeln.
--Internalisierung von Normen kann erwartet werden, wenn normentsprechendes
Verhalten nicht erzwungen (external attribuiert) wird.
Bei Machtausübung bleibt die Regelbeachtung external
(nicht verinnerlicht, von außen aufgesetzt).
Humanistisch flexible Moral =
Reflektion über die Berechtigung einer Norm und angemessene Auslegung in gegebener
Situation unter Achtung humanistischer Werte.
Resultiert auch aus einer induktiven, unterstützenden Erziehung, in der je nach
Verständnis der Sinn von Forderungen
• erklärt,
• Konflikte zwischen Normen und Neigungen der Person angesprochen,
• verschiedene Lösungsmöglichkeiten erwogen,
• Entscheidungen begründet werden und
• die Folgen des Handelns für andere thematisiert werden.
Die Beachtung der Norm wird auf diese Weise zu einem Teil des Selbst und der eigenen
Identität.
Es wird Spielraum für eigene Entscheidungen und Argumentationen gewährt.
Die Beachtung von Normen kann als eigene Entscheidung erlebt werden und so wird sie
auch von den Erziehenden gewürdigt.
Moral umfasst zwei Dimensionen:
(1) Die kognitive (was ist richtig?)
(2) Die motivationale (warum soll man tun, was richtig ist?)
In der kognitiven Dimension geht es um Inhalte und den Geltungsbereich von Moral.
In der motivationalen Dimension geht es zum einen um die Intensität moralischer
Motivation, zum anderen um ihre Struktur
(aus welchen Gründen, werden Regeln befolgt).
Moralisches Urteilen aus der Sicht von Piaget -Zwei zentrale Stufen des moralischen Urteilens:
I Stadium der heteronomen Moral:
• Gehorsam gegenüber Autoritäten
• Starres Festhalten an übernommenen Regeln und Normen
• Unzureichende Berücksichtigung der Verhaltensintention bei moralischen Urteilen
(Absicht mit der gehandelt wurde)
II Stadium der autonomen Moral:
• Aushandelbarkeit und Veränderbarkeit von Regeln und Normen
• Berücksichtigung der Verhaltensintention bei moralischen Urteilen
Im Krippenalter können die Kinder in der Regel (noch) nicht die Absicht erkennen,
sie sehen nur die Folgen; in diesem Alter meist starres Festhalten an übernommenen Regeln
und Normen.
Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme muss sich erst entwickeln:
• Perspektivenübernahme setzt eine entsprechende kognitive Entwicklung voraus
• Moralentwicklung setzt eine entsprechende Perspektivenübernahmefähigkeit und kognitive
Entwicklung voraus
Moralisches Handeln ist wesentlich bestimmt durch moralische Motivation.
Diese Facette haben Piaget und Kohlberg vernachlässigt. (vgl. z. B. Nunner-Winkler, 1993)
•Bereits bei Vorschulkindern kann die innere Verpflichtung, moralische Regeln (nicht
stehlen, mit anderen teilen u. ä.) einzuhalten und egoistische Motive zurückzustellen,
beobachtet werden.
•Insofern ist die Annahme, 4-bis 8-jährige Kinder seien generell auf vormoralischem
Niveau (Kohlberg), falsch.
Indikatoren für moralische Motivation sind:
- Schuldgefühle (nach Normübertretung)
- Stolz, Befriedigung (nach Normeinhaltung)
Arbeitsaufträge für die Auseinandersetzung mit einem Bilderbuch
Welche Alltagserfahrung kann mit diesem BB für Kinder zur Sprache gebracht und
durch Betrachten und Erzählen des BBs zugleich reflektiert werden? Das Interesse an
welcher existentiellen Erfahrung könnte durch das BB geweckt werden?
Welche (genauere(n)) philosophische(n) Problemstellung(en) könnte(n) diesem BB
zugrunde liegen?
Halten Sie dieses BB für geeignet, die moralische Entwicklung eines Kindes zu
fördern? Aufgrund welcher Inhalte, hinsichtlich welcher Ebene von Moral, inwiefern, warum,
mit welchen Bearbeitungsideen?
Welche eigenen Erfahrungen haben Sie in der Arbeit mit Kindern mit der in diesem BB
angesprochenen Thematik? Helfen Ihnen das vorliegende BB und die Bearbeitungsaufgaben,
Ihre Arbeit an dieser Thematik zu vertiefen und weiterzuentwickeln?
Welche für Ihre Arbeit im Bildungsfeld Sinn-Werte-Religion wesentlichen Elemente sind
durch das BB bzw. seine Bearbeitung nicht (genügend) zur Sprache gekommen?
© H.B.Petermann
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