Crashkurs: Theoretische Grundfragen der Soziologie (WS 2012)

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Crashkurs:
Theoretische Grundfragen der Soziologie
(SS 2014)
Katrin Kreismayr | Katrin Walch | Ines Wiesinger
Studienvertretung Soziologie - [email protected]
16.06.2014
Crashkurs "Theoretische Grundfragen der
Soziologie" - SS14
1
Was wird passieren…
1. Vorstellung
2. Wie lern' ich Theorie – Tipps und Tricks
3. Überblick der Theoretiker
1. Die Formung der sozialen Welt
2. Stellenwert von Handlung und Struktur
4. Klausurfragen Beispiele
5. Abschließende Fragerunde
16.06.2014
Crashkurs "Theoretische Grundfragen der
Soziologie" - SS14
2
…und wenn ihr was nicht versteht:
FRAGEN, FRAGEN, FRAGEN…..
 Es gibt keine dummen Fragen 
16.06.2014
Crashkurs "Theoretische Grundfragen der
Soziologie" - SS14
3
„Soziologie ist die Kunst, eine Sache, die jeder
versteht und die jeden interessiert, so
auszudrücken, dass sie keiner mehr versteht
und sie keinen mehr interessiert.“
Hans-Joachim Schoeps
deutscher Historiker und Religionswissenschaftler
(1909 - 1980)
16.06.2014
Crashkurs "Theoretische Grundfragen der
Soziologie" - SS14
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Wie lern ich Theorie?
 Lesen, lesen, lesen…
 Ja, das muss sein – da hilft leider nix 
 Nachdenken
 Reflektieren
 Vergleichen
 Darüber reden, diskutieren, sich gegenseitig erklären…
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Soziologie" - SS14
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I. Die Frage nach
der Formung der sozialen Welt
 Welche Dynamiken stehen
hinter der historischen
Entwicklung von Gesellschaft?
 Hat Geschichte eine Richtung
oder folgt sie einer Logik?
 Welche Kräfte wirken hier?
 zentrale Fragen der frühen Soziologie im 19. Jhd.
 Soziologie als Wissenschaft war gerade im Entstehen
 Ziel: ein Naturgesetz der Geschichte und somit auch der
gesellschaftlichen Entwicklung zu entdecken
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Soziologie" - SS14
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Historische Hintergründe
 Wissenschaft
 Fülle an naturwissenschaftlichen Entdeckungen im 17. Jhd.
 Faszination für die naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten
 der „göttlichen“ Ordnung auf die Spur kommen
 Darwin'sche Evolutionstheorie
 Gesellschaft
 Zerfall der mittelalterlichen Weltordnung (Gott & Kaiser)
 Französische Revolution (Freiheit – Gleichheit –
Brüderlichkeit)  neues Konzept von Gesellschaft
 Entwicklung des Bürgertums
 Einsetzen der Industrialisierung
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Soziologie" - SS14
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Auguste Comte (1798-1857)
 Drei-Stadien-Gesetz:
 Comte verband die geschichtliche Entwicklung mit der
geistigen Entwicklung der Menschen (Wissen und
Wissensgewinn)
 Jedes Stadium ist durch eine spezifische Form von Naturkenntnis
gekennzeichnet, welche sich immer mehr von der Unterordnung unter
Phantasie und Spekulation löst und der exakten Beobachtung folgt 
positiv wird
 I) theologisch-fiktives Stadium
 II) methapysisch-abtraktes Stadium
 III) wissenschaftlich-positives Stadium
 Ablauf erfolgt zwingend gesetzmäßig!
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Herbert Spencer (1820-1903)
 Fortschritt ist der Wandel von unzusammenhängender Homogenität
zu zusammenhängender Heterogenität
 Gesellschaftliche Evolution  soziale Ausdifferenzierung
 primitiver Gesellschaftstyp
 Gesellschaft besteht aus kleinen, in sich geschlossenen homogenen
Einheiten, die voneinander unabhängig sind.
 militärischer Gesellschaftstyp
 Einheiten beginnen sich intern auszudifferenzieren und treten
miteinander in Verbindung (meist durch Krieg & Eroberungen)
 industrieller Gesellschaftstyp
 Heterogene Einheiten leben friedlich miteinander  Kooperationen
untereinander erfolgen freiwillig
 Kein zwangsläufiger Prozess  durch Kriege kann der industrielle
wieder zum militärischen Gesellschaftstyp werden.
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II. Karl Marx
„Nicht das Bewusstsein
bestimmt das Leben,
sondern das Leben
bestimmt das Bewusstsein.“
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Historischer Materialismus
 Alle existierenden Dinge sind Resultate und Ausgangspunkt zugleich
 Dialektik  Gesetz des Denkens
 These – Antithese – Synthese
 Hitze – Kälte – Temperatur
 Motor der gesellschaftlichen Entwicklung
 Hegel  Ideen, der absolute Geist
 Marx  Produktion des materiellen Lebens
 Hegel idealistische Geschichtsauffassung
 Marx materialistische Geschichtsauffassung
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Produktion bei Marx –
Die erste geschichtliche Tat
 Gesellschaftliche Aneignung von Natur
 Mensch bildet und formt sich in der Auseinandersetzung mit der Natur
 Produktion ist ein Verhalten zum Mitmenschen
 Arbeit ist gesellschaftlich organisiert
 Produktion ist die materielle Basis
 Produktivkräfte
 Effektivität der Naturaneignung
 Produktionsverhältnisse
 Wer verfügt über die Produktionsmittel?
 Politik, Religion, etc. als ideologischer Überbau der materiellen Basis
 Überbau wird von der Basis bestimmt und ist daher von ihr abhängig.
 Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
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Die Geschichte der Gesellschaft als eine
Geschichte von Klassenkämpfen
 In der Geschichte standen sich immer Klassen mit unterschiedlichen
ökonomischen Interessen gegenüber
 Klassen verfügen über eine gemeinsame ökonomische sowie soziale Lage
 Urgesellschaft
 Keine Klassen
 Sklavenhaltergesellschaft
 SklavenhalterInnen vs. Sklaven und Sklavinnen
 Feudalismus
 FeudalherrInnen vs. Leibeigene
 Kapitalismus
 KapitalistInnen vs. ProletarierInnen
 Diktatur des Proletariats  Klassenlose Gesellschaft
 Durch den Untergang einer Klasse erlangt eine neue Klasse Macht und
verändert somit die Gesellschaft
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III. Max Weber und der „Geist des
Kapitalismus
„Das Selbstverständliche
wird am wenigsten gedacht.“
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14
III. Max Weber und der „Geist des
Kapitalismus
Frage nach Entstehung
des Kaptialismus
 Anderer Denkansatz als bei Marx
 Weber: Kulturelle Bedeutung des Kapitalismus
Marx
Weber
Ökonomische Erklärung;
Kulturelle Bedeutung des Kapitalismus
streng materialistische Argumentation
Frage nach Entstehung der rationalen
Lebensführung
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Entstehung des Kapitalismus bei Weber
 Rational-kapitalistische Organisation der freien Arbeit
 Voraussetzung:
 Rationales Recht
 Rationale Verwaltung
 Internalisierung des methodisch-rationalen Handels
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16
Kontext von Webers Theorie
 19. Jhd.
 Deutschland
 Aufgeklärtes deutsches Bürgertum
 Deutschland entwickelte sich zum Nationalstaat
 Webers Blick auf Rationalisierung der Lebensführung
verdrängte den dynamisch, politischen Klassenbezug
marxscher Theorien.
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Ausgangsfragen von Weber
populärstes Werk Webers „Die protestantische Ethik und
der Geist des Kapitalismus“ (1920)
 Warum ist der Kapitalismus gerade im europäischen
Westen entstanden?
 Neue Wirtschaftsgesinnung
 Kapitalismus entwickelte sich vor allem in
protestantischen Ländern (z.B. England, Niederlanden)
sehr stark
 „Geist des Kapitalismus“ hat religiösen Ursprung
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Wirtschaftsgesinnung des Kapitalismus
 Gewinn des Gewinnes Willen
 Rationale Organisation der freien Arbeit
 Systematischer Arbeitslauf
 Bestmögliche Ausnützung der menschlichen Arbeitskraft
 Trennung von Betrieb und Haushalt
 Zweckrationale Handlungsorientierung
 Rationalisierung in Verwaltung und Recht
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Calvinismus
Protestantische Strömung Weber hebt 2 Punkte hervor:
 Menschen sind Gottes Werkzeug auf Erden
 Tüchtigkeit im Beruf
 Prädestinationslehre:
 Tüchtiges Leben ist Zeichen für „Eintritt in Himmelreich“
 Erfolg im Beruf,Verzicht auf Genuss, Zeit nicht Verschwenden
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Fazit zu Webers Calvinismus
 Kritik an Weber:
 Calvinismus ist an vielen Orten jünger als Kapitalismus
 Weber bringt Ursache und Wirkung durcheinander
 Fruchtbares der Weber-Analyse
 Webers-Kritik am Messen des „Wert der Arbeit“ im
Kapitalismus
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Rationalisierungsthese
 Prozess der Rationalisierung greift auf alle Lebensbereiche
über
 Rationalisierung: mittel-zweck-orientierte, kalkulierte,
systematische geplante Handlungsform
 Auch in Recht und Verwaltung - Bürokratie
 Weber: „kaltes unmenschliches Gehäuse der Hörigkeit“
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IV. Norbert Elias
„Menschen sind nicht in der Lage,
den Tod abzuschaffen.
Aber sie sind ganz gewiß [sic!]
in der Lage, das gegenseitige
Töten abzuschaffen.“
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IV. Norbert Elias

Keine „normale“ akademische Laufbahn
Interesse liegt nicht nur auf den Veränderungen, sondern
auch auf den Strukturen des sozialen Wandels

Zentrale Begriffe





Prozessmodell – Synthese bei Untersuchungen von sozialen
Phänomenen
Figuration – wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den
Menschen
Gegen historischen Determinismus
„Die höfische Gesellschaft“
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Prozess der Zivilisation I

Zivilisationsprozess


Psychognese


Langfristigen Verhaltensänderungen der Individuen und der
gesellschaftlichen Beziehungsgeflechte
Körperliche, physische, soziale Entwicklungen der Individuen
Soziogenese

Gesellschaftliche Hierarchien und Machtverhältnisse
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Prozess der Zivilisation II

Übergang von mittelalterlichen feudalen System in
Westeuropa zum System des absolutistischen
Nationalstaates

Wandel der Figurationsstrukturen


Differenzierung und Verlängerung der Interdependenzketten
Wandel in den individuellen Strukturen


Triebe und Affekte kontrollieren
Fremdzwang wird zu Selbstzwang
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V. Kritische Theorie
„Je simpler die offizielle Ideologie,
um so komplizierter heute ihre
Ableitung. Diese Einsicht besagt,
daß [sic!] das Denken aus der
Mode kommt.“
(Max Horkheimer)
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Horkheimer
Traditionelle und kritische Theorie I
 Theorie als Form der gesellschaftlichen Praxis
 Traditionelle Theorie
 autonom und unabhängig von gesellschaftlicher Wirklichkeit 
Theorie ist von ihrem Objekt getrennt
 Die Umwelt (Produktionsweise, Arbeitsteilung) wird als gegeben
hingenommen.
 Kritische Theorie
 Wissenschaftliche Aussagen sind nicht unabhängig von der
Gesellschaft  sind selbst gesellschaftliche Tatsachen
 Theorie als eine Form von gesellschaftlicher Praxis ist in der Lage
gesellschaftliche Wirklichkeit zu verändern
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Horkheimer
Traditionelle und kritische Theorie II
 Das Verhältnis von Sein und Sollen
 Traditionelle Theorie
 trennt zwischen Feststellung von sozialen Fakten und den normativen
Aspekten der Anwendung  PolitikerInnen sind dafür verantwortlich
 Kritische Theorie
 Zielt auf Emanzipation und Aufklärung ab
 Weist über das bloß Faktische hinaus  alle Gesellschaftsgruppen
(auch die Wissenschaft) sollen an ökonomischen und politischen
Prozessen teilnehmen
 Traditionelle Theorie ist distanziert und objektivierend.
 Kritische Theorie ist engagiert und selbstreflexiv.
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Herbert Marcuse
Das Denken von Marx und Freud
 Wie wirken sich gesellschaftliche Verhältnisse auf die
psychische Struktur aus?
 Lustprinzip vs. Realitätsprinzip
 Menschliche Urhorde: patriarchalistisches Gesetz
 Triebunterdrückung durch Kultur
 Kulturfeindschaft des Menschen als historische Tatsache
 grundlegende vs. zusätzliche Unterdrückung
 Herrschende Klasse: wenig Arbeit  grundlegende
Unterdrückung
 Unterdrückte Klasse: mehr Arbeit  zusätzliche
Unterdrückung
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Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns
 Wir beziehen uns in drei Modi auf die Welt und erheben dabei
unterschiedliche Geltungsansprüche
 Auf die objektive Welt der Tatsachen mit dem Anspruch auf Wahrheit
 Auf die soziale Welt mit dem Anspruch auf normative Richtigkeit
 Auf die subjektive Welt mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit
 Handlungstypen nach Habermas
Handlungssituation
Handlungsorientierung
nicht-sozial
erfolgsorientiert
verständigungsorientiert
instrumentelles Handeln
sozial
strategisches Handeln
kommunikatives Handeln
 Ideale Sprechsituation
 Zwangloser Zwang des besseren Argumentes
31
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Jürgen Habermas
Die Kolonialisierung der Lebenswelt
 System vs. Lebenswelt
Aus di fferenzi erung i n
Berei che
Steuerungs medi um zur
Handl ungs koordi nati on
Ges el l s chafts s ys tem
Lebens wel t
Wi rts chaft, Staat
Pri vats phäre,
Öffentl i chkei t
Gel d, Macht
Sprache, Interakti on
 System und Lebenswelt entwickeln sich konflikthaft zueinander
 Kolonialisierung der Lebenswelt
 fortschreitender Prozess der Versachlichung der Gesellschaft
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Crashkurs "Theoretische Grundfragen der
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VI. Die Frage nach dem Stellenwert von
Handlung und Struktur
„Inwieweit sind wir kreative Akteure, die die Bedingungen für ihr eigenes
Leben aktiv kontrollieren? Oder ist das meiste von dem, was wir tun, das
Ergebnis allgemeiner sozialer Kräfte jenseits unserer Kontrolle?“
(Anthony Giddens)
Struktur
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Handlung
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Charles Lemert – Struktur
 Soziale Strukturen sind oftmals unmerkbar wirksame soziale Tatsachen, die
einer Anzahl von anderen sozialen Dingen eine Ordnung geben, die über
eine gewisse Zeit hinweg andauert.
 Somit verfügen sie über drei Eigenschaften:
 1) Schaffen Ordnung
 II) Bringen Dauerhaftigkeit in sozialen Beziehungen
 III) Sind nicht unmittelbar sichtbar. Wir erkennen sie erst an den Konsequenzen
 3 Arten von Sozialen Strukturen:
 I) Strukturen des Prestiges
 Verteilt Ansehen und Wohlstand an unterschiedliche soziale Gruppen und ihre
Mitglieder.
 II) Struktur der Autorität
 Stellen Gehorsam und Anpassung her. Wird meist erst bei Verstoß sichtbar.
 III) Klassenstrukturen
 Organisieren die sozialen Möglichkeiten, regeln den Zugang zu knappen Ressourcen.
16.06.2014
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Robert. K. Merton – Struktur
 Strukturen haben zwei Funktionen
 Manifeste Funktionen
 Folgen sind bekannt und beabsichtigt  subjektiv angestrebte Ziele
stimmen mit den objektiven Folgen überein
 Latente Funktionen
 Folgen sind nicht bekannt bzw. nicht bewusst  objektive Folgen
weichen von den subjektiv angestrebten Zielen ab
16.06.2014
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Max Weber – Handlung
 Soziologie  Wissenschaft, die soziales Handeln deutend verstehen will
 Rückt somit das individuelle Handeln in den Mittelpunkt
 Verstehen
 aktuelles Verstehen (was?)
 motivationsmäßiges Verstehen (warum?)
 zweckrational – wertrational – affektuell – traditional
 Handeln  Tun, mit welchem ein subjektiver Sinn verbunden ist;
unterscheidet sich vom „Sich-Verhalten“
 Soziales Handeln  der gemeinte Sinn der Handlung ist auf das Verhalten
anderer bezogen
 Webers Handlungsbegriff ist vor allem auf das Fremdverstehen
ausgerichtet.
 Wie der subjektive Sinn bei den Handelnden selbst gebildet wird und
handlungswirksam wird bleibt sekundär.
16.06.2014
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Alfred Schütz – Handlung
 Wie erzeugen Handelnde den Sinn ihres Tuns selbst?
 Schütz stellt somit die Perspektive des Akteurs in den
Mittelpunkt.
 Auslöser einer Handlung  Handlungsentwurf
 die Antizipationen eines zukünftigen Zustandes
 Motive
 Um-zu-Motive  verweisen auf die Zukunft
 Weil-Motive  verweisen auf die Vergangenheit
16.06.2014
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VII. Anfänge der Soziologie in den USA
16.06.2014
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VII. Anfänge der Soziologie in den USA I

Historische Bedingungen





Einwanderungsgesellschaft
Individualismus
Keine fixen Grenze
Fortschrittsoptimismus
Pragmatismus


Philosophische Richtung
Denken und Handeln vom Standpunkt des praktischen Nutzen
16.06.2014
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Die ersten Vertreter der amerikanischen
Soziologie

William G. Sumner


Gesellschaft als natürlicher Evolutionsprozess
4 Grundmotive menschlicher Handlungen


Lester F. Ward


Hunger | Sexualität | Eitelkeit | Furcht
Gesellschaft als ein Evoluationsprozess der auf
wissenschaftliche fundierte Zivilisation hinausläuft.
Charles H. Cooley

Menschliche „Natur“ ist Produkt der Kommuniakation
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VII. George Herbert Mead (1863–1931)
"Nicht die Dinge selbst
beunruhigen die Menschen,
sondern die Vorstellungen
von den Dingen."
16.06.2014
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VII. George Herbert Mead

Wissenschaft als selbstreflexive Form von Erkenntnis

Ausgangspunkt = „social act“ = Gruppenaktivität

Im Mittelpunkt steht die Kommunikation

Soziale Persönlichkeit durch Prozess von Interaktion und
Kommunikation

Individuation und Sozialisation als Prozess
16.06.2014
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„Das Individuum ist ein Andere, bevor
es es Selbst ist“ I

Symbol = Zeichen


Symbolisches Denken


Wichtigste Symbolsystem ist die Sprache
Können kommunizieren, auch wenn die Dinge nicht
wahrnehmbar oder abwesend sind
Signifikante Symbole

Rufen bei beiden Akteur_Innen gleiche Interpretation/Reaktion
hervor
16.06.2014
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„Das Individuum ist ein Andere, bevor
es es Selbst ist“ II

Rollen und Rollenübernahmen


Sich-Selbst-Zum-Objekt-Machen


Antizipation des Verhalten des Anderen
Das Individuum brauch ein Gegenüber um sich selbst zu
erkennen.
Entstehung des Selbst ist ein sozialer Lernprozess


Play = Rollenspiel des Kindes
Game = Gruppenspiel
16.06.2014
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„Das Individuum ist ein Andere, bevor
es es Selbst ist“ III

I, Me und Self

I


Me


Bezieht sich auf das Spontane, das Unkontrollierbar im
Individuum
Gesellschaftlich geformte, „vergesellschaftete“ Seite des
Individuums
Self

Identität, Wechselspiel zwischen I und Me
16.06.2014
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Chicago School of Sociology I

1892 gegründet

Verbindung wissenschaftlicher Analyse und sozialer
Reform

Charakteristika der Chicago School
–
Interesse an der Nutzung der Soziologie
•
•
–
Interesse am Alltag der Mensch
•
–
16.06.2014
Settlement Bewegung
2 Erkenntniswege: Reformer und Reporter
Ethnographie
Interesse an konkreten sozialen Problemen
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Symbolischer Interaktionismus

Herbert Blumer

3 Grundprämissen

Menschen handeln Dingen gegenüber auf der Grundlage der
Bedeutung, die diese Dinge für sie haben

Bedeutung der Dinge entsteht aus sozialen Interaktionen, die
man mit seinen Mitmenschen eingeht

Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozess, den die
Personen in ihrer Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden
Dingen benutzt und abgeändert
16.06.2014
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IX. Emile Durkheim
„Wir sind erst sicher,
wenn wir sicher sind,
daß [sic!] wir nicht allein
sicher sind.“
16.06.2014
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IX. Emile Durkheim
Frankreich 1858 - 1917
 Verlor Sohn im WK1
 Zentrale Stellung in öffentlichen Auseinandersetzungen
 Gymnasiallehrer
 Deutschlandaufenthalt (trifft auf
Tönnies)
 1887 Universität von Bourdeaux
 1896 Lehrstuhl für Pädagogik und Sozialwissenschaften
 Begriff „Sozialisation“
16.06.2014
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Emile Durkheim und der Zwang der „sozialen
Tatbestände“
Faktoren, welche Freiheit des Handelns begrenzen
Betont die Bedeutung und Macht der Strukturen
Geben dem Handeln eine Richtung, sind
Orientierungen
Vater des strukturalistischen Denkens
Versteht Soziale Realität als „Soziale Tatsache“
(Struktur)
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Studie zur Arbeitsteilung
 Solidarität: existiert, wenn gesellschaftliche Organisation und
die Ausprägung des Moralsystem übereinstimmen
16.06.2014
Segmentierte Gesellschaft
Arbeitsteilige Gesellschaft
Organisation in Clans, Horden
Großen Märkten und Städten
Mechanische Solidarität
Organische Solidarität
Repressive Recht, Sühne
„wiederherstellendes Recht:
Wiedergutmachung
Resozialisierung
Starker Kollektivbewusstsein
Eigeninitiative und Reflexion
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51
Sozialer Tatbestand
 Zentraler Gegenstand der Soziologie
 Pflichten als Schwester, sind äußerlich: selbst nicht
erschaffen sondern erworben
 Erscheinung, welche von außen entgegen treten
 Soziales wird durch Soziales erklärt
52
16.06.2014
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52
Studie zum Selbstmord
 Soziale und kulturelle Faktoren haben Einfluss auf
Suizidverhalten
 Ausgangspunkt: erstaunlich konstante Selbstmordraten in
verschiedenen Regionen
 Betrachtungsweise:
- Selbstmord als abhängige Variable von bestimmten
Kollektivzuständen
- soziale Tatsachen wie soziale Situation sind unabhängige
Variable
16.06.2014
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53
Studie zum Selbstmord
Selbstmordtyp
Ursache
Tritt häufig auf
Egoistischer Selbstmord
Individuelle starkes Ich
Bei Ledigen
Altruistischer Selbstmord
Ich gehört nicht sich selbst
Militär
Anomischer Selbstmord
Regel und Normlosigkeit
Wirtschaftliche Krise
16.06.2014
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54
X. Anthony Giddens und die „Dualität von
Handlung und Struktur“
„Man hat keine Wahl,
außer zu wählen.“
16.06.2014
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55
X. Anthony Giddens und die „Dualität von
Handlung und Struktur“
 Bisherige Theorienansätze:
Homo oeconomicus
Homo sociologicus
Kosten- und NutzenAbwägung
Gesellschaft ist Gefüge aus
sozialen Rollen
 Weder „Handlung“ noch „Strukutr“
 Zwei Seiten einer Medaille
 Für emprische Forschung fruchtbare Sozialtheorie
16.06.2014
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Zentrale Begriffe bei Giddens
 Soziale Pratiken
 Handlungsstrom
 Soziale Ordnung
16.06.2014
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57
Dimensionen des Handelns
 1 These: soziale Praxis ist an menschliches Verhalten
gebunden; Bewusstseinsfähige Steuerung ist möglich
 2 These: Handeln ist nicht immer mit klaren Motiven und
bewussten Intentionen verbunden;




„Dezentierung“ des Subjekts
Routinehandeln
Praktisches Bewusstsein
Diskursives Bewusstsein
16.06.2014
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58
Dimension der Struktur
 Strukturen: Können „modulieren“
Interaktion
Mein Vortrag
(Modalität)
Normen,
Regeln
Struktur
16.06.2014
Umgang mit Wissen
auf Universität
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Fazit zu Giddens
 Struktur und Handlung sind unzertrennlich
 Aber nicht auf einander reduzierbar
 Struktur: Oberbegriff von Regeln und Ressourcen
16.06.2014
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60
XI. Pierre Bourdieu und der Habitus
"Die Logik kann nur deshalb
überall sein, weil sie in
Wirklichkeit nirgendwo ist."
16.06.2014
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Soziologie" - SS14
61
XI. Pierre Bourdieu und der Habitus

Habitus




Habitus als „generatives Prinzip“


Sind Denk-, Warhnehmungs-,Verhaltens- und
Beurteilungsschemata eines Individuums
Beruht auf Erfahrungen
Wird im sozialen Kontext
des Individuums wirksam
Möglichkeit der Subjekte, Äußerungen zu entwickeln, mit denen
auf eine Situation reagiert werden kann
Habitus als „innere Grammatik“

Nicht angeboren, sondern aus Erfahrungen entstanden
16.06.2014
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Bourdieu und Strukturkategorien I

Soziale Klasse




Bezieht sich auf die vertikale soziale Ungleichheit
Kritik an Marx
Klassenlage strukturiert die Lebensführung eines Individuums
Ausdifferenzierung des Kapitalbegriffs:




16.06.2014
Ökonomisches Kapital
Kulturelles Kapital
Soziales Kapital
Symbolisches Kapital
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Bourdieu und Strukturkategorien II

Soziales Feld



Funktional, differenzierte, arbeitsteilige Gliederung
Spezifischer Einsatz in den Feldern
Geschlecht


Arbeitsteilung von Mann und Frau
Strukturierungsprinzip und Herrschaftsverhältnis.
16.06.2014
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Soziologie" - SS14
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Beispielfrage 1
 Welcher der folgenden Theoretiker konnte keine
traditionelle akademische Laufbahn einschlagen?
 (a) Emile Durkheim
 (b) Norbert Elias
 (c) Anthony Giddens
 (d) Pierre Bourdieu
 Antwort (b)
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Beispielfrage 2
 Karl Marx bezieht sich in seinen Überlegungen auf die Dialektik von Hegel,
entwickelt diesen Begriff aber weiter. Welche Aussage dazu ist richtig?
 (a) Im Gegensatz zu Hegel ist Marx der Ansicht, dass Ideen den
materiellen Veränderungen folgen bzw. auf diese reagieren.
 (b) Marx löst Hegels Dialektik aus seinem materialistischen
Zusammenhang und stellt es auf eine idealistische Grundlage.
 (c) Marx sieht im Gegensatz zu Hegel die Religion und die Kultur
verantwortlich für gesellschaftliche Entwicklung.
 (d) Marx und Hegel sehen Arbeit und Wirtschaft als Basis jeder
gesellschaftlichen Entwickelung.
 Antwort (a)
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Beispielfrage 3
 In Max Webers Handlungstheorie kommt das – aus seiner Sicht –
anzustrebende Ziel der Soziologie zur Sprache. Welches Ziel führt er für die
Soziologie an?
 (a) Die Soziologie soll sich zum Ziel setzen, soziales Handeln zu verstehen und
kausal zu erklären.
 (b) Das Ziel der Soziologie soll laut Weber sein, Handlungen der Individuen
mithilfe struktureller Faktoren zu kategorisieren und zu bewerten.
 (c) Die Unterscheidung von „aktuellem Verstehen“ und „motivationsmäßigem
Verstehen“ als Idealtypen bildet den Mittelpunkt der Soziologie bei Weber.
 (d) Das Ziel der Soziologie besteht darin, beobachtbares Handeln auf die
Persönlichkeitsstruktur von Individuen zurückzuführen.
 Antwort (a)
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„Es gibt nichts Praktischeres als eine
gute Theorie.“
Kurt Lewin, Sozialpsychologe
(1890-1947)
Danke für eure Aufmerksamkeit und viel Glück für die Klausur!
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