Fleisch liefert Eisen

Werbung
Quelle
Seite
Ressort
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG vom 14. 04. 2008
0
RA
Fleisch liefert Eisen
VON KERSTIN METZE Zum Fleisch
hatten die Verbraucher zurückliegend
häufig ein zwiespältiges Verhältnis. Berichte über Tierseuchen oder Gammelfleischskandale verdarben ihnen den
Appetit gewaltig. Dabei trägt Fleisch als
hochwertiges Lebensmittel aus ernährungsphysiologischer Sicht durchaus zur
gesunden und abwechslungsreichen Ernährung bei. Allerdings ist Fleisch nicht
gleich Fleisch. "Unterschieden wird rotes Fleisch (von Rind, Schwein, Kalb,
Lamm) von weißem (Geflügel, Fisch).
"Der Unterschied in der Farbe rührt
vom Gehalt an Myoglobin (roter Farbstoff) in der Muskulatur her", erklärt
Professor Klaus Eder, Ernährungswissenschaftler an der Universität Halle.
Weil Myoglobin Eisen enthält, habe rotes Fleisch höhere Eisengehalte als weißes Fleisch. "Myoglobin ist notwendig
für die Speicherung von Sauerstoff im
Muskel, für die Arbeit des Muskels",
betont Eder. Ernährungsphysiologisch
ist Fleisch weder nur positiv noch nur
negativ einzustufen. "Fleisch hat günstige und ungünstige Seiten", sagt Klaus
Eder. Einerseits sei das Tierprodukt
reich an biologisch hochwertigem Eiweiß, verschiedenen Spurenelementen
wie Eisen, Zink und Kupfer sowie einigen Vitaminen (besonders B12, B1,
Panthotensäure und Nikotinsäure). "Die
Nährstoffe aus Fleisch, besonders Spurenelemente, sind für den Körper gut
verwertbar", merkt der Wissenschaftler
an, "weil sie in einer günstigen Bindungsform vorliegen." Gute Verwertung
Am Wertvollsten im Fleisch sei aber
das Eisen: "Während alle anderen genannten Nährstoffe auch über andere
Lebensmittel bezogen werden können zum Beispiel Eiweiß und Vitamin B12
aus Milchprodukten oder Eiern, Vitamin
B1 aus Getreideprodukten -, kann die
Versorgung mit Eisen aus anderen Nahrungsmitteln nur schwierig realisiert
werden", sagt Professor Eder. Besonders rotes Fleisch enthalte so viel Eisen
wie kaum ein anderes Nahrungsmittel
und zudem "in einer besonders günstigen Form", die der Körper sehr gut verwerten könne. Vorsicht: Fett Einen besonders hohen Eisenbedarf haben Eder
zufolge Kinder und Jugendliche wegen
ihres Wachstums und Frauen vor den
Wechseljahren wegen der Eisenverluste
durch die Monatsblutung. Eder empfiehlt Frauen, Kindern und Jugendlichen, drei- bis viermal pro Woche eine
Portion Fleisch zu je etwa 150 Gramm.
Für Männer reichten zwei Portionen pro
Woche, um ihren Eisenbedarf zu
decken. Die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung hält 300 bis 600 Gramm
Wurst und Fleisch je Woche für einen
Erwachsenen ebenfalls für ausreichend.
Als ungünstige Seite beim Fleisch betrachtet Klaus Eder den mehr oder weniger hohen Fettgehalt. Während reines
Muskelfleisch, zum Beispiel ein
Schweineschnitzel, etwa sieben Prozent
Fett aufweist, können seinen Angaben
zufolge verschiedene Teilstücke mit 20
bis 30 Prozent zu Buche schlagen, beispielsweise Suppenfleisch oder Schwei-
nebraten. Auch Rindfleisch bestehe oft
zu zehn bis 20 Prozent aus Fett; manche
Wurstsorte käme gar auf einen Fettanteil von 45 Prozent. Der Fachmann
warnt davor besonders mit Blick auf
den hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren: "Das wirkt sich generell ungünstig auf den Stoffwechsel, besonders auf
den Cholesterinspiegel aus." Was ist
dran an der Behauptung, hoher Verzehr
von rotem Fleisch befördere die Entstehung von Dickdarmkrebs? Eine großangelegte europäische Studie zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen
Ernährung und Krebs hatte ergeben,
dass eine Steigerung des Fleischverzehrs um 100 Gramm täglich das Risiko
für Dickdarmkrebs um etwa 50 Prozent
erhöht. "Die Ursache für das erhöhte Risiko ist nicht ganz klar", sagt Professor
Klaus Eder. Es werde vermutet, dass der
hohe Eisengehalt im Fleisch die Krebsentstehung begünstige oder dass während der Zubereitung krebserregende
Stoffe entstünden. Zufuhr in Grenzen
"Vielleicht ist es aber auch nur die Tatsache, dass Menschen, die viel Fleisch
essen, meist weniger Gemüse zu sich
nehmen", sagt Eder. Er empfiehlt, die
Fleischzufuhr in Grenzen zu halten und
reichlich Obst und Gemüse zu essen.
© 2008 PMG Presse-Monitor GmbH
1
Herunterladen