titel+web.indd 1 Ort | Town Telefonische Anfragen: +49 (0)30 254 89-100 Mo-Fr 10:00 bis 18:00 Uhr Fax +49 (0)30 254 89-230 [email protected] Kunden-Nr. | Customers No (falls vorhanden | if available) für Rückfragen | in case of queries: Telefon | Telephone No. Land | Country PLZ | Postcode Straße | Street Name Mit diesem Coupon können Sie Ihre Karten schriftlich bestellen. Für Ihre erfüllbaren Kartenwünsche erhalten Sie eine Bestätigung inkl. Überweisungsformular. Bitte bei Bestellung mit Kreditkarten-Angaben zu Ihrer Sicherheit den Coupon im verschlossenen Umschlag einsenden. Sie erhalten die Karten dann direkt zugeschickt. T h e a t e r u n d T a n z i m H a u s PRO d e r GR A MM OK T B e r l i n e r 20 0 5– F EB 20 0 F e s t s p i e l e 6 22.09.2005 14:35:14 Uhr 10719 Berlin Schaperstraße 24 Kartenbüro Berliner Festspiele www.berlinerfestspiele.de 4ANZUND4HEATERIM(AUSDER"ERLINER&ESTSPIELE n$EZEMBER 3IMON-C"URNEY#OMPLICITE ,ONDON -EASUREFOR-EASURE JUGENDTOUR 3EITE nUND*ANUAR (ANS0ETER,ITSCHER0ARIS %IN+ÊlGGINGEINEN6OGELFANGEN5! 3EITE n*ANUAR (OTEL0RO&ORMA+OPENHAGEN )CHBINNURSCHEINTOT 3EITE *ANUAR 'ILLES*OBIN'ENF 3TEAK(OUSE 3EITE n*ANUAR 3ARHAN2AYNAUD0OMMEREHN 0ARIS"ERLIN ,ESARTICULATIONSDELA2EINE 3EITE n&EBRUAR 4HE&ORSYTHE#OMPANY $RESDEN&RANKFURT-AIN 4HREE!TMOSPHERIC3TUDIES 3EITE 3EITE 6ORSCHAU/KTOBER #HRISTOPH-ARTHALER 3CHUTZVORDER:UKUNFT 3EITE +ARTEN)NFORMATIONEN 3EITE )MPRESSUM 3EITE +ALENDER"ESTELLCOUPON 3EITE 6OLKSBàHNEAM2OSA,UXEMBURG0LATZ Theater aus europäischen Netzwerken Mit ihrer Wintersaison spielzeiteuropa wollen die Berliner Festspiele ein Experimentierfeld des Nachdenkens über Europa mit den ästhetischen Mitteln des Theaters und des Tanzes schaffen. Jetzt, zur zweiten Ausgabe der spielzeiteuropa, hat sich das Gebilde «Europa» abermals problematisiert: Die Diskussion über den EU-Beitritt der Türkei hat sich verschärft. In der Ukraine hat es die friedliche «orangene Revolution» gegeben. Und die Referenden über die EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden haben ein eklatantes Missverhältnis zwischen dem politischen Europa und der Bevölkerung aufgedeckt. Europa lebt vom beständigen Wandel – und für diese Kontinuität des Wandels möchte spielzeiteuropa Resonanz- und Spielraum sein. Viele unserer Neu- und Koproduktionen entstehen in der Praxis internationaler Arbeitsbeziehungen und europäischer Netzwerke. Es geht dabei nicht nur um die Sicht von innen – wie sie Produktionen aus Frankreich, Dänemark oder Großbritannien zeigen –, sondern auch um den Blick auf Europa von den Rändern her. Passend zum türkischen Schwerpunkt der Berliner Festspiele in diesem Jahr präsentieren wir eine Uraufführung der Choreografin Aydin Teker aus Istanbul. Die außereuropäische Perspektive bringt das Theater X aus Tokio mit Jossi Wielers hochgelobter Inszenierung «Yotsua Ghost Story» mit. spielzeiteuropa macht aus dem Haus der Berliner Festspiele während der Wintermonate wieder ein regelmäßig bespieltes Theater. In den sechziger Jahren war die Freie Volksbühne unter ihrem Intendanten Erwin Piscator eine der avanciertesten Stätten des politisch-aufklärerischen Theaters, mit Uraufführungen von Peter Weiss, Rolf Hochhuth und Heinar Kipphardt. Wir wünschen uns, dass dieses Theater wieder eine feste Größe im kulturellen Stadtplan Berlins ist – und eine ständige Adresse des europäischen Theaters. Joachim Sartorius Intendant der Berliner Festspiele With its spielzeiteuropa winter season, Berliner Festspiele aims to create an experimental forum for discourse on Europe via the aesthetic means of theatre and dance. Europe thrives on constant change – and spielzeiteuropa would like to provide a stage and an echo chamber for this continuity of change. As well as inside perspectives – as seen in productions from France, Denmark and Great Britain – there are also views of Europe from the periphery. For three winter months, spielzeiteuropa will transform the Haus der Berliner Festspiele back into a theatre venue with regular performances – and a permanent address for European theatre. Der Körper erinnert… Zum Programm von spielzeiteuropa 05 | 06 spielzeiteuropa geht ins zweite Jahr und stellt elf Produktionen aus acht europäischen Ländern vor, dazu die radikale Neufassung eines traditionellen Kabuki-Geisterdramas durch den Schweizer Regisseur Jossi Wieler, in Tokio mit japanischen Schauspielern uraufgeführt und im Dezember als europäische Erstaufführung in Berlin präsentiert. Allen zwölf Produktionen ist eines gemeinsam: Sie sind unverwechselbare Zeugnisse einer persönlichen Handschrift ihrer «Autoren-Regisseure», die ihre Erzählung – Autorenfilmern vergleichbar – mit den Mitteln der Sprache, der Bewegung, der Musik und des Raums auf die Bühne bringen. Den Ukrainer Andriy Zholdak quälen, wie seinerzeit Kantor, Bilder, kurzzeitig erstarrte szenische Momentaufnahmen, die er in schier endloser Folge auf der Bühne abrollen lässt. Der französische Altmeister Claude Régy geht wie Jossi Wieler mit seinem Blick unter die Haut seiner Akteure und implantiert in der Innenwelt seiner Figuren die harte Realität der Außenwelt. Wunderbar leicht und ironisch spielt der Brite Simon McBurney auf der Klaviatur der mimischen und szenischen Fähigkeiten seiner Schauspieler; im Gegensatz dazu richtet Lloyd Newson in den Arbeiten des DV8 Physical Theatre das Augenmerk auf die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers, und William Forsythe erforscht die Balance zwischen Körper und Intellekt. spielzeiteuropa 05 | 06 setzt fort, was im letzten Jahr begonnen wurde: die theatralische Recherche der Theaterhandschrift, die sich nicht scheut, über persönliche Erfahrungen Mitteilung zu machen. Im Zentrum steht die Fokussierung auf zwei Dinge: den menschlichen Körper und die Erinnerung. Der Körper erinnert Dinge anders als der Geist. Manchmal unbeachtet, oft unmittelbarer als das Hirn. Mit einem Projekt, das Erinnerung zum Hauptthema macht, eröffnen wir Anfang November die Wintersaison in unserem Haus: mit Guy Cassiers’ vierteiliger Theater-Recherche nach Prousts «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit». Zwölf Regieautoren und -autorinnen sind auf ihrer Suche – und in diesem Winter in Berlin – angekommen. Markus Luchsinger Künstlerischer Leiter der spielzeiteuropa spielzeiteuropa enters its second year, presenting eleven productions from eight European countries, as well as the radical new version of a traditional kabuki ghost drama. spielzeiteuropa 05 | 06 carries on from last year, conducting further theatrical research into distinctive theatre that does not shrink from reporting back on personal experiences. All twelve productions bear the unmistakeable mark of their writer/directors who, like writer/directors in cinema, tell their story using the means of language, movement, music and space. Foto Sergej Sverdelov Andriy Zholdak Romeo und Julia. Das Fragment Shakespeare in der Version des ukrainischen Bilderzauberers Andriy Zholdak, des letzten existierenden «Surrealisten der Bühne» (Georges Banu). Zholdaks bisherige Arbeiten auf der Grundlage klassischer Stücke – von Shakespeare, Goldoni, Gogol, Tschechow oder Turgenjew – stellen eine traumhaft intensive Bilderwelt vor, in der die Zerrüttungen der jüngsten Geschichte und Gegenwart auf schmerzhaft poetische Weise verarbeitet sind. Die bekannten Figuren bewegen sich, oft streng choreografiert, in unbekannten Abgründen. Beim Neu-Schreiben der alten Stücke folgt der Regisseur keinem psychologischen, soziologischen oder historischen Muster – sein Theater ist total und daher Verdichtung und Auflösung, Poesie und Performance, Konzentration und Ausschweifung zugleich. Zholdaks Klassikervisionen mit ihrem posthumanistischen Menschenbild abseits aller Traditionen und Vertrautheiten haben von Barcelona bis Tallinn heftige Diskussionen ausgelöst. Wichtigstes Thema der Inszenierung «Romeo und Julia. Das Fragment» ist, laut Zholdak, das Thema Heimat, die Ukraine heute. Die Produktion wurde am ShevchenkoTheater, Zholdaks Theater in Charkiw, entwickelt. Als Koproduktion mit spielzeiteuropa wird sie nun im Rahmen einer Zholdak-Werkschau an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz uraufgeführt (gesamtes Programm siehe www.volksbuehne-berlin.de). Zholdak’s versions of the classics, with their post-humanist vision of man beyond anything traditional or familiar, have provoked controversial discussions from Barcelona to Tallinn. According to the Ukrainian director, the «main object of research» in «Romeo and Juliet. Fragment» is the theme of home, of Ukraine today. He devised the production with his ensemble at the Kharkiv State Academic Drama Theatre «T. Shevchenko». 22. + 23. Oktober | 19:30 Spielort: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Andriy Zholdak, 42, gilt als Enfant terrible des ukrainischen Theaters. Er studierte am staatlichen Institut für Film und Theater in Moskau, anschließend bei Anatolij Vasiljev in dessen Studio für Theaterregie; ab 1989 arbeitete er als freier Regisseur in der Ukraine, Russland und Rumänien. Seit zwei Jahren leitet Zholdak das traditionsreiche Shevchenko-Theater in Charkiw. Seine Arbeiten, darunter «Hamlet.Dreams» und «Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch», waren zu vielen internationalen Theaterfestivals eingeladen; 2004 erhielt er den UNESCO-Regiepreis. Uraufführung | Koproduktion Romeo und Julia. Das Fragment nach William Shakespeare Idee, Regie | Andriy Zholdak Bühne | Andriy Zholdak, Tatjana Dimowa Kostüme | Tatjana Dimowa Musik, Toninstallation | Alexander Schetynsky 5 mit Darstellern des Shevchenko-Theaters, Charkiw/Ukraine Dauer ca. 3h 30 | one Pause In ukrainischer Sprache mit deutschen Übertiteln Eine Koproduktion von Charkiw State Academic Drama Theatre «T. Shevchenko», «Agency Culture-Europe», Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Guy Cassiers Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Theater-Recherche nach Marcel Proust in vier Teilen Prousts großer Romanzyklus als Theaterereignis! Der flämische Regisseur Guy Cassiers begab sich auf theatralische Entdeckungsreise durch das unendliche Universum dieses Klassikers der Moderne. Sein monumentales vierteiliges Proust-Projekt von insgesamt mehr als acht Stunden Spieldauer entstand während der letzten drei Spielzeiten am ro theater in Rotterdam. Prousts Roman beschreibt den Eintritt eines jungen Mannes in die Welt der Liebe, der Kunst und der Aristokratie. Zugleich entwirft er ein vielschichtiges Panorama der Jahrzehnte des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts mit ihren tiefgreifenden gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Guy Cassiers fängt Prousts Erinnerungsstrom intensiv atmosphärisch auf. Erzähl- und Schauspielkunst verbinden sich mit visuellen Ausdrucksmitteln wie Film, (Live-)Video sowie mit (Live-) Musik. Nach dem dritten Teil im Januar dieses Jahres ist nun der Gesamtzyklus «Proust 1–4» im Haus der Berliner Festspiele zu sehen. Die einzelnen Teile erzählen in sich geschlossene Geschichten und können jeweils für sich betrachtet werden. Guy Cassiers, geb. 1960, ist einer der wichtigsten und innovativsten Regisseure der niederländisch-belgischen Theaterszene. Er studierte Grafik an der Antwerpener Kunstakademie und begann Anfang der achtziger Jahre zunächst mit freien Theaterproduktionen. Seit 1998 ist Cassiers künstlerischer Leiter des ro theater, Rotterdam. Seine Arbeiten, denen oft literarische Texte zugrunde liegen, erforschen sensibel und eigenwillig das Grenzgebiet zwischen Theater, bildender Kunst und Musik. Im Juni 2006 wird Cassiers die Leitung des Toneelhuis in Antwerpen übernehmen. The four-part theatre cycle «In Search of Lost Time», based on Marcel Proust’s masterpiece, is a grand and multifaceted project. The director Guy Cassiers works in a multimedial way: actors, storytelling, live music, video images and text projections represent the many layers in Proust’s rich novel. All parts of the Proust-cycle are completed stories and can be seen separately. 11. – 13. November (genaue Spieldaten auf den folgenden Seiten) Foto Andrea Stappert Koproduktion Guy Cassiers / ro theater, Rotterdam Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach Marcel Prousts Romanzyklus A la recherche du temps perdu 9 Textfassung | Guy Cassiers, Erwin Jans, Eric de Kuyper Übersetzung | Céline Linssen Regie | Guy Cassiers Dramaturgie | Erwin Jans Bühne | Marc Warning Kostüme | Valentine Kempynck (BELGAT) Lichtdesign | Enrico Bagnoli Video-Konzept | Marc Warning, Kantoor voor Bewegend Beeld (Eelko Ferwerda, Jasper Wessels) Video | Kantoor voor Bewegend Beeld Musikalische Leitung | Wim Selles (Proust 3) Sounddesign | Diederik De Cock (Proust 3+4) In niederländischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung Publikumsgespräch am 12. November um 18:30 «Swann’s Way» tells the story of young Marcel’s life in Combray. We meet three women: his mother, his childhood sweetheart, Gilberte, and Odette Swann, Gilberte’s mother. In contrast there is the story of the adult love between Swann and Odette: a great passion that changes into jealous agony and ends in indifference. 12. November | 20:00 Proust 3: De kant van Charlus – In Charlus’ Welt mit Katelijne Damen, Marlies Heuer, Joop Keesmaat, Paul R. Kooij, Eelco Smits, Fania Sorel, Steven Van Watermeulen, Tom Van Bauwel Joop Keesmaat, Paul R. Kooij, Eelco Smits, Fania Sorel und dem Kryptos Kwartet Dauer 2h 35 | eine Pause Proust 2: De kant van Albertine – In Albertines Welt Guy Der erwachsene Marcel trifft Albertine wieder, die er zum ersten Mal inmitten einer Schar junger Mädchen am Strand von Balbec gesehen hat. Ihre Liebesgeschichte wird von Anfang an von Eifersucht, Lügen und Misstrauen begleitet. Gleich Swann ist Marcel von dem Gedanken besessen, seine Geliebte könnte lesbische Beziehungen haben. Albertines heimlicher Einzug bei ihm verschlechtert ihr Verhältnis zusehends, er beginnt sie wie eine Gefangene zu halten… «In Albertines Welt» spiegelt die intime Gefühlswelt zweier Liebender in all ihrer Komplexität und ihren Verwirrungen wider. mit Marlies Heuer, Paul R. Kooij, Eelco Smits, Fania Sorel Dauer 1h 25 | keine Pause In Koproduktion mit dem KunstenFESTIVALdesArts, Brüssel iers The second episode «Albertine’s Way» is about the love between Marcel and Albertine. Jealousy, lies and a deep distrust mark their love more and more. Like Swann, Marcel is tortured by the idea that his beloved might have lesbian relationships. 11. November | 22:30 12. November | 16:30 Seitenbühne Proust 2: De kant van Albertine – In Albertines Welt «Charlus’ Way» relates how Marcel finds his way in the highest social circles of the Parisian aristocracy. His two guides are the charismatic military man Robert de SaintLoup and the homosexual Baron de Charlus. Cassiers shows a panorama of a society in moral decline, against the backdrop of the approaching World War I. Ca s 11. November | 18:30 Proust 1: De kant van Swann – In Swanns Welt mit Jacqueline Blom, Marc De Corte, Herman Gilis, Marlies Heuer, Marcel findet Einlass in die höchsten Kreise der Pariser Aristokratie. Zentrale Figuren sind der charismatische Militär Robert de Saint-Loup und der exzentrische homosexuelle Baron de Charlus. Der dritte Teil des Proust-Zyklus zeichnet das Panorama einer gesellschaftlichen Klasse, die geprägt ist von Heuchelei, hohler Etikette und Rassismus und die mit Beginn des Ersten Weltkrieges kollabiert. Der Einsatz visueller Mittel legt hier nicht nur den Blick auf die Gedankenwelt der Figuren frei, sondern funktioniert auch als Spiegelmetapher für die Dekadenz einer Gesellschaft, die von der Dynamik des sozialen Voyeurismus und Exhibitionismus lebt. Guy Der erste Teil erzählt von Marcels Kindheit und Jugend in Combray. Drei Frauen tauchen in seiner Erinnerung auf: seine Mutter, seine Jugendliebe Gilberte und deren Mutter, die geheimnisvolle Odette Swann. Die Frauen repräsentieren die verschiedenen Stufen in Marcels aufkeimendem Gefühlsleben. Im Kontrast dazu folgt die Schilderung der «erwachsenen» Liebesbeziehung zwischen Charles Swann und Odette, die sich 20 Jahre zuvor in Madame Verdurins Salon zum ersten Mal begegneten. Von Eifersucht geprägt, endet ihre leidenschaftliche Liebe in Gleichgültigkeit – ein Modell für viele andere Proust’sche Liebesgeschichten. sie siers rs Proust 3: De kant van Charlus – In Charlus’ Welt Ca s Proust 1: De kant van Swann – In Swanns Welt und dem Rotterdams Jongenskoor Leitung | Geert van den Dungen Dauer 2h 45 | eine Pause In Koproduktion mit KunstenFESTIVALdesArts, Brüssel und den Wiener Festwochen Proust 4: De kant van Marcel – In Marcels Welt Im letzten Teil zieht sich Proust in sein Zimmer zurück, um an seinem Romanwerk zu arbeiten. Die einzige Vertraute dieser letzten Lebensjahre ist seine Haushälterin Céleste Albaret, zugleich Sekretärin und Krankenschwester. Kein anderer Mensch kannte die Person des Schriftstellers so gut wie sie, sie war auch die erste Leserin seines Romans. Ihre 1973 mit über 80 Jahren niedergeschriebenen Erinnerungen sind eine wichtige Grundlage des vierten Teils. In den Gesprächen zwischen Proust und Céleste wechseln sich banale Alltagsprobleme ab mit tiefen Einsichten in das Erinnern und Vergessen und die Rolle der Kunst als Schöpferin einer Welt, die die Zeit transzendiert. In «Marcel’s Way», Proust retreats into his room to work on his book. His sole confidante is his housekeeper, Céleste Albaret. In their conversations, the banality of everyday life alternates with deep views on remembering and forgetting, and on the role of art in creating a world which transcends time. 13. November | 20:00 Proust 4: De kant van Marcel – In Marcels Welt zum Teil nach Céleste Albarets Monsieur Proust mit Marlies Heuer, Paul R. Kooij, Eelco Smits, Fania Sorel Dauer 1h 30 | keine Pause In Koproduktion mit spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Foto Ebru Ahunbay Aydin Teker aKabi «aKabi» lotet die Grenzen und Möglichkeiten von Tänzern aus, die in außergewöhnlichen Schuhen stecken. Das Ergebnis ist eine radikale Tanz-Performance, die sich ständig am Rande der Balance bewegt – ein Stück von verblüffender Schönheit, in dem die Körper zu Skulpturen werden. Aydin Tekers Arbeiten sind immer das Resultat eines langen Forschungs- und Probenprozesses. «Ich fange immer damit an, ein Problem zu entwerfen. Die restliche Zeit verbringe ich dann damit, dieses Problem zu lösen», sagt die Choreografin. «Ich arbeite am liebsten in der Atmosphäre eines Laboratoriums, in der ich meine eigenen Erkenntnisse mit denen der Tänzer austauschen kann. Wir erleben sehr reiche, intensive Arbeitsphasen zusammen. Es gibt keine vorbestimmten Meinungen darüber, was richtig ist und was falsch. Wir hören auf unseren Körper, erlauben ihm, die Lösung zu finden, die wir dann dem Zuschauer präsentieren.» Aydin Teker entwickelte ihr neues Stück «aKabi», das nun in Berlin uraufgeführt wird, in den Sommermonaten dieses Jahres in Lissabon, wo die Choreografin als Artist-inResidence des Alkantara-Festivals (Danças na Cidade) eingeladen war. «aKabi» is a work about the limits and possibilities created by the use of unconventional shoes. The result is an extremely rigorous performance on the very edge of balance, a piece of stunning sculptural beauty. Aydın Teker is currently the head of the Modern Dance Department of Mimar Sinan Fine Arts University, Istanbul. In July 2005 she got an artist in residency from Alkantara (Danças na Cidade) in Lisbon to work on her new piece «aKabi». 18. + 19. November | 20:00 Uraufführung | Koproduktion aKabi Aydin Teker ist eine wichtige Vermittlerin des zeitgenössischen Tanzes in ihrem Heimatland. Nach einem Studium am staatlichen Konservatorium in Ankara und Engagement im dortigen Staatsopern-Ballett ging sie 1976 an die Tisch School of the Arts, New York; 1993/94 erhielt sie ein Fulbright-Forschungsstipendium. Aydin Teker unterrichtet seit den achtziger Jahren Tanz und Improvisation in der Türkei, seit 1999 ist sie Professorin an der Mimar Sinan Universität der Künste in Istanbul. Ihre Choreografien wie «Aulos» und «Density» (2001) waren auf vielen Festivals in Europa und den USA zu sehen. Idee, Choreografie | Aydin Teker Musik | Manuel Mota, Margarida Garcia Kostüme | Aysegul Alev Schuhe | Punto Tänzer | Serap Meric, Ayse Orhon, Emre Olcay, Sebnem Yuksel, Aydan Turker Dauer ca. 1h | keine Pause Eine Koproduktion von Bimeras (Istanbul), Alkantara (Lissabon) und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Publikumsgespräch am 19. November im Anschluss an die Vorstellung 13 Claude Régy 4.48 Psychose «Um 4.48 Uhr, wenn die Verzweiflung mich überkommt, werde ich mich aufhängen», heißt es in dem fünften und letzten Theaterstück von Sarah Kane, das zugleich ihr Vermächtnis wurde. In ihm hat sich die britische Autorin am weitesten vom herkömmlichen Dramentext mit handelnden Personen und Regieanweisungen entfernt. Es ist eine Art Selbstgespräch in rhythmisch-poetischer Prosa – «nur Sprache und Bilder, wobei auch die Bilder lediglich Sprache sind.» (Sarah Kane) Isabelle Huppert ist die herausragende Interpretin in Claude Régys Inszenierung. Fast unbeweglich steht sie am Bühnenrand, allein, hochkonzentriert und überwach, kleinste Bewegungen genügen ihr zur Verdeutlichung der Worte, die sie millimetergenau in den Raum stellt. Der französische Regisseur überlässt die Bühne ganz seinem Star, lediglich in ein paar dialogischen Passagen taucht ein männlicher Gesprächspartner (Gérard Watkins) auf. Aus dem grandiosen Text Kanes wird ein vielstimmiger Monolog, der jenseits aller vordergründigen Emotionen der Trauer und dem Wissen um das Scheitern mit ungeheurer Intensität Ausdruck verleiht. Claude Régy, geb. 1923, ist einer der großen Meister des französischen Theaters. Kompromisslos hat er sich der zeitgenössischen Dramatik verschrieben, viele internationale Autoren wurden von ihm zum ersten Mal in Frankreich aufgeführt, darunter die Briten von Pinter, Bond, Sarah Kane bis David Harrower, aber auch Peter Handke, Botho Strauß oder in den letzten Jahren Jon Fosse. 1976 gründete Régy sein eigenes Ensemble, Les Ateliers Contemporains. Er arbeitet ebenso für die Comédie-Française und als Opernregisseur (Théâtre du Châtelet, Opéra Bastille). Foto Pascal Victor «At 4:48 when desperation visits I shall hang myself» – these words are from the fifth and final play by the British playwright Sarah Kane, which also defined her legacy. Isabelle Huppert is the outstanding actress in Claude Régy’s production; the French director leaves the stage entirely to his star. Kane’s magnificent text becomes a manyvoiced monologue that goes beyond superficial emotions to express mourning and the knowledge of failure with immense intensity. 15 23. – 26. November | 20:00 27. November | 17:00 Dauer 1h 50 | keine Pause In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln 4.48 Psychose von Sarah Kane Produktion | Les Ateliers Contemporains und Théâtre des Bouffes du Nord (CICT), Paris Regie | Claude Régy Übersetzung | Evelyne Pieiller Bühne | Daniel Jeanneteau Lichtdesign | Dominique Bruguière Sounddesign | Philippe Cachia Video | Erwan Huon Unterstützt von der Association Française d’Action Artistique (AFAA) und dem französischen Kulturministerium | In Partnerschaft mit Air France Spezieller Dank an Cartier mit Isabelle Huppert und Gérard Watkins Publikumsgespräch am 24. November im Anschluss an die Vorstellung Lloyd Newson / DV8 Physical Theatre Just for Show Lloyd Newson, 1957 in Albury/Australien geboren, leitet seit 1986 das von ihm mitbegründete DV8 Physical Theatre in London. Zuvor studierte er Psychologie und Tanz und war bei namhaften Compagnien als Tänzer engagiert. Seither 14 Bühnenproduktionen, davon 11 mit DV8, sowie vier Filme. Er wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet (zweimal Prix Italia, Emmy u.a.); die filmische Adaption von «The Cost of Living» (2004) erhielt soeben den Dance Screen Award 2005. «Um leben zu können, braucht man Illusionen.» Dieses Zitat des Freud-Schülers Otto Rank hat die Londoner Compagnie ihrem neuesten Projekt vorangestellt. In «Just for Show» geht es um Show und Selbstdarstellung in einer Welt, in der gut aussehen wichtiger geworden ist als gut sein. Wo Nach-Machen gleichbedeutend ist mit SelbstMachen, wo schöne Lügen eher schäbige Wahrheiten verbergen. Mit virtuellen Projektionen, visuellen Täuschungsmanövern und unverblümten Wortspielen untersucht die Truppe die Bedeutung von Sein und Schein in unserem Leben. Wenn die Wirklichkeit einem anderen Drehbuch folgt als dem in unseren Träumen, warum sollte man da nicht kleine Geschichten zur Selbsttäuschung erfinden? DV8 – der Name steht für «Dance Video 8», aber auch für «deviate» (von der Norm abweichen) – wollen in ihrer Arbeit sowohl physische wie ästhetische Risiken eingehen und die Grenzen zwischen Tanz und Theater einreißen, um ihre Themen klar und ungeschönt zum Ausdruck zu bringen. «Wir wollen dem Tanz wieder Inhalte zurückgeben, da wo er sie durch formalisierte Techniken verloren hat», so der Kopf der Truppe, Lloyd Newson. In Berlin waren sie zuletzt zu sehen mit «The Cost of Living», der fulminanten Eröffnung von Tanz im August 2003. Foto Fiona Cullen «To be able to live, one needs illusions» (Otto Rank) is the motto of Lloyd Newson’s, founder and Artistic Director of DV8 Physical Theatre, distinctive new stage production. «Just for Show» is a show about showing and showing off in a world where looking good has become more essential than being good; where faking it has become synonymous with making it, where beautiful lies hide grubby truths. 1. – 3. Dezember | 20:00 Dauer 1h 15 | keine Pause Koproduktion Just for Show Produktion | DV8 Physical Theatre In Koproduktion mit Romaeuropa Festival / Accademia Filarmonica Rom, National Theatre London, Théâtre de la Ville / Festival d’Automne Paris und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Im Auftrag des Brighton Festival Idee, Regie | Lloyd Newson Mitarbeit | Gabriel Castillo Bühne | Lloyd Newson, Naomi Wilkinson Musik | John Hardy, Simon Hunt Lichtdesign | Jack Thompson Kostüme | Christina Cunningham Videodesign | Niall Black Videokünstler | Oliver Manzi 21 Unterstützt von der Calouste Gulbenkian Foundation und dem British Council Gespräch mit Lloyd Newson am 2. Dezember vor der Vorstellung um 18:00 Jossi Wieler, geb. 1951 in Kreuzlingen/Schweiz, Theaterausbildung in Israel, arbeitet seit 1980 an verschiedenen Theatern Deutschlands und der Schweiz, seit 1994 auch als Opernregisseur u.a. in Stuttgart, Amsterdam und bei den Salzburger Festspielen. Wieler wurde mehrfach zum Theatertreffen eingeladen, so 1994 mit «Wolken. Heim» (Hamburger Schauspielhaus), in diesem Jahr mit «Mittagswende» (Münchner Kammerspiele). «Nachdenklichkeit, Zartheit und einen ganz leisen Humor» zeichneten, laut der Jury des Konrad-Wolf-Preises der Akademie der Künste Berlin (2002), seine Arbeitsweise aus. Jossi Wieler / Theater X (kai) Yotsuya Ghost Story Die Geschichte von Iemon, der seine Ehefrau wegen einer anderen verstößt und aus Rache dafür sein ganzes Leben lang von ihrem Geist verfolgt wird, kennt in Japan jeder. «Die Gespenstergeschichte von Yotsuya», 1825 uraufgeführt, steht bis heute auf den Sommerspielplänen der traditionellen Kabuki-Bühnen. Aber auch das Puppentheater oder der in Japan so beliebte Splatterfilm bedienen sich gerne dieses Stoffes. Jossi Wieler erarbeitete am Tokioer Theater X mit 12 japanischen Darstellern – darunter der Peter-Brook-Schauspieler Yoshi Oida – eine radikale Neufassung. Anreiz zur Aktualisierung ist der gesellschaftskritische Hintergrund des Stücks, das sehr realistisch von einer Gesellschaft an der Schwelle zur Moderne und dem mit der städtischen Entwurzelung verbundenen Verfall der moralischen Werte erzählt. Gier, Grausamkeit und Rachsucht bestimmen das Zusammenleben der Menschen, die Geister erscheinen als die nicht bewältigte Vergangenheit. «Wieler inszeniert das mit einer stupenden Mischung aus Leichtigkeit und Grauen – alles ist unheimlich…» (Renate Klett). Die Inszenierung wird bei spielzeiteuropa zum ersten Mal außerhalb Japans gezeigt. Im Frühjahr 2006 wird sie in verschiedenen europäischen Städten zu sehen sein. At Theatre X in Tokyo, the Swiss director devised a new version of the kabuki play, which gives a very realistic account of a society on the threshold to modernity and the associated decline of moral values. «Yotsuya Ghost Story» is part of the Germany in Japan 2005/2006 cultural programme. The performance at spielzeiteuropa is the first outside Japan. 8. – 10. Dezember | 20:00 10. + 11. Dezember | 15:00 Foto Andrea Stappert Europäische Erstaufführung | Koproduktion Yotsuya Ghost Story nach Tsuruya Nanboku Regie | Jossi Wieler Ausstattung | Kazuko Watanabe Bearbeitung, Dramaturgie | Andreas Regelsberger Musik- und Sounddesign | Biber Gullatz Lichtdesign | Sachiko Tajima In japanischer Sprache mit deutschen Übertiteln Produktion | Theater X (kai), Tokyo und Goethe-Institut, Tokyo In Zusammenarbeit mit Art Bureau München In Koproduktion mit Wiener Festwochen, Holland Festival und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Unterstützt von Agency for Cultural Affairs, Japan Foundation, The Saison Foundation, Society for Administration of Remuneration for Audio Home Recording und Asahibeer Arts Foundation Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes mit Kazuko Yoshiyuki, Yoshi Oida u. a. 23 Dauer 1h 40 | keine Pause Publikumsgespräch am 10. Dezember im Anschluss an die Abendvorstellung Simon McBurney / Complicite Measure for Measure Was passiert, wenn ein Herrscher die Macht an seinen Stellvertreter übergibt und dann inkognito durch die Straßen wandert, um zu beobachten, wie sich die Dinge entwickeln? Was, wenn eben dieser Stellvertreter, besessen davon, den sittlichen Verfall der Gesellschaft zu stoppen, selbst von erotischer Gier gepackt wird? Und was, wenn ein junger Mann wegen Unzucht zum Tode verurteilt wird und der Preis für sein Leben die Unschuld seiner Schwester sein soll, die kurz vor dem Eintritt ins Kloster steht? «Maß für Maß» ist eines von Shakespeares widersprüchlichsten und am wenigsten einzuordnenden Stücken – eine dunkle Komödie, voller ätzender Komik, unerträglicher Grobheiten, aber auch seltsamer Zartheit. Simon McBurney, der selbst die Rolle des Herzogs spielt, gelingt es, sowohl die Schwindel erregende Korruption der Macht wie die Gefühle von Menschen zu zeigen, die durch die unglücksselige Verbindung von Sex und Tod zerstört werden. Complicite sind in Berlin keine Unbekannten. Nach «The Three Lives of Lucie Cabrol» (1995) und «The Caucasian Chalk Circle» (1997) war im Haus der Berliner Festspiele 2001 ihr Schostakowitsch-Projekt «The Noise of Time» zu sehen. Foto Neil Libbert What happens when a Duke hands over his power to his second-in-command and wanders the streets in disguise to watch as events unfold? What if that second-incommand pursues his obsession to purify society of sexual corruption, yet finds himself caught up in his own erotic dream? «Never has Measure for Measure been so disturbing… Suddenly the play looks brutal, contradictory, unresolved: barbaric and Christian and modern.» (The Observer) Simon McBurney, geb. 1957 in Cambridge, Ausbildung an der Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris, ist weltweit einer der gefragtesten Theaterregisseure. Als Mitbegründer und künstlerischer Leiter von Complicite hat er seit 1983 bei mehr als 30 Complicite-Produktionen Regie geführt und/oder mitgespielt. Als Schauspieler war er in zahlreichen Kino- und TV-Filmen zu sehen, zuletzt u.a. in «Der Manchurian Kandidat» (Regie Jonathan Demme) und «Human Touch» (Paul Cox; beide 2004). 25 16. – 18. Dezember | 20:00 Dauer 2h 10 | keine Pause Simon McBurney / Complicite Measure for Measure (Maß für Maß) von William Shakespeare In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Regie | Simon McBurney Bühne | Tom Pye Kostüme | Christina Cunningham Lichtdesign | Paul Anderson Sound | Christopher Shutt Projektionen | Sven Ortel/mesmer Unterstützt von Orange, British Airways und dem British Council Eine Koproduktion von Complicite mit dem National Theatre London Publikumsgespräch am 17. Dezember im Anschluss an die Vorstellung Annäherungen an Kafkas Relativitätstheorie Am 24. Mai 1911 hörte Franz Kafka einen Vortrag Albert Einsteins über die Relativitätstheorie im physikalischen Institut der Karls-Universität in Prag. Kafka traf Einstein auch im Salon der Prager Apothekergattin Bertha Fanta, verkehrte mit dessen Schweizer Assistenten Ludwig Hopf und besuchte ihn in Berlin in seiner Wohnung in der Haberlandstraße. Aber nur wenige Kafka-Exegeten haben sich bisher dafür interessiert, ob und wie der Umgang mit Einstein und dessen Denken Kafkas Schreiben beeinflusst hat. Zu ihnen gehören Gilles Deleuze, Felix Guattari sowie Jan Kott … Auf deren Spuren untersucht Hans Peter Litscher Kafkas Schreiben anhand der Original-Manuskripte. In den labyrinthischen Gängen sowie auf Hinter- und Unterbühne des Hauses der Berliner Festspiele lässt er Kafkas ebenso wie Einsteins revolutionär bahnbrechende Entdeckungen über Raum und Zeit räumlich und zeitlich nachhallen. In «Echo-Kammern», in denen sich Realität und Fiktion vermischen, wird der Zuschauer mit sprechenden Dohlen und historischen Tondokumenten, mit Projektionen von handschriftlichen Fragmenten und Zeichnungen Kafkas sowie mit gelesenen Auszügen aus Kafkas Briefen, Tagebüchern und Notizheften konfrontiert. «Hans Peter Litscher ist Spezialist für das Obsessive und Ominöse, für die ganz intime Anekdote und die Wahrhaftigkeit des Dokuments.» (taz, 2001) May the contact with Einstein and his ideas have had an impact on Kafka’s writing? In «A Cage Went out to Catch a Bird» the Swiss curator, filmmaker, director and writer Hans Peter Litscher follows the footsteps of a few Kafka scholars and explored «Kafka’s theory of relativity» in «echo chambers» where the boundaries between reality and fiction are blurred. Hans Peter Litscher, geb. 1955 in der Schweiz, lebt als Ausstellungs- und Filmemacher, Regisseur und Autor in Paris. Er besuchte die Theaterschule von Jacques Lecoq sowie Seminare bei Gilles Deleuze, bevor er 1983 sein erstes Theaterprojekt präsentierte. Seither zahlreiche theatrale «Spurensuch-Projekte», so zuletzt u. a. am Hamburger Schauspielhaus («Die tausend Tode der Maria Magdalena Brettschneider», 2001), beim Festival Theater der Welt («Potemkinsche Dörfer», 2002) und am Theater am Neumarkt, Zürich («Cechows drei entfernte Cousinen»). in Planung 12. + 13. Januar | 22:00 14. Januar | 18:00 + 22:00 15., 20. + 21. Januar | 18:00 + 20:00 Unter- und Seitenbühne mit den Stimmen von Albert Einstein, Jan Kott, Gilles Deleuze, George Tabori, Ueli Jaeggi, Franz Schuh und Veruschka sowie mehreren sprechenden Prager Dohlen Dauer ca. 1h | keine Pause Uraufführung | Koproduktion Ein Käfig ging einen Vogel fangen Annäherungen an Kafkas Relativitätstheorie von Hans Peter Litscher 31 mit Klängen von Hans Jörn Brandenburg und Andres Bosshard In Koproduktion mit spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Publikumsgespräch am 15. Januar im Anschluss an die zweite Vorstellung in Planung Foto Zora von Westphal Hans Peter Litscher Ein Käfig ging einen Vogel fangen Foto Andrea Stappert Hotel Pro Forma Ich bin nur scheintot Hans Christian Andersen, dessen Werk weit über die weltbekannten Märchen hinausgeht und der gerade zu seinem 200. Geburtstag als bedeutender Schriftsteller seiner Epoche wiederentdeckt wird, gilt das Projekt von Hotel Pro Forma. Der Name steht für eine der wichtigsten experimentellen Theatergruppen Dänemarks, eine kleine Gruppe um die künstlerische Leiterin Kirsten Dehlholm, die sich für ihre Projekte jedes Mal andere Künstler einlädt und deren Theater in enger Beziehung zu zeitgenössischer bildender Kunst, Architektur und Musik entsteht. Der Titel «Ich bin nur scheintot» verweist auf jene handgeschriebenen Zettel, die Hans Christian Andersen auf seinen Nachtisch legte, aus Angst, lebendig begraben zu werden. Das Stück von Kirsten Dehlholm zeigt die düsteren Seiten des Dichters, seine Ängste und Obsessionen, die er in seinen Tagebüchern und Reisebeschreibungen festhielt und die direkt in sein Werk eingeflossen sind. Die Musik des Kölner Komponisten Manos Tsangaris für 12-stimmigen gemischten Chor a cappella, gesungen vom Dänischen Nationalchor, verwandelt die Texte in ein polyphon bewegtes Landschaftsbild. «I only appear to be dead» refers to the handwritten note Andersen placed on his bedside table, due to his fear of being buried alive. The performance focuses on the writer himself, using material from the comments of his diaries. The Andersen we find here is a completely different person from the celebrated writer. Obsessions and attacks of angst were the price of an imagination that led directly into the fairytales. Kirsten Dehlholm, geb. 1945, ist die künstlerische Leiterin von Hotel Pro Forma aus Kopenhagen. Sie entwirft und inszeniert alle Arbeiten der 1985 von ihr mitbegründeten Gruppe, die interdisziplinär zwischen bildender Kunst, Architektur, zeitgenössischer Musik und Performance angesiedelt ist. Seit ihrem Debüt mit «An Evening Piece» (1986) hat Hotel Pro Forma seine Produktionen – darunter «Operation: Orfeo» (1993) – nicht nur in Europa gezeigt, sondern auch in Mexiko, Japan, Australien und den USA. 33 12. – 14. Januar | 20:00 The Boy of Fortune | Ninna Steen Ich bin nur scheintot Dauer 1h 20 | keine Pause Konzept, Regie | Kirsten Dehlholm Musik | Manos Tsangaris Elektronische Bearbeitung | Simon Stockhausen Visuelle Dramaturgie | Ralf Richardt Strøbech Bühne | Maja Ravn, Ralf Richardt Strøbech, Kirsten Dehlholm Kostüme | Maja Ravn Lichtdesign | Jesper Kongshaug Dramaturgie | Claus Lynge Produktion | Hotel Pro Forma In Koproduktion mit dem Dänischen Nationalchor und dem Schauspiel Köln Darsteller | Mitglieder des Dänischen Nationalchors unter der Leitung von Kaare Hansen Unterstützt von H.C. Andersen 2005-Fonds, Danish Arts Council – Committee for the Performing Arts and Committee for Music, Kunststiftung NRW, Københavns Kulturfond, Wilhelm Hansen Fonden, Toyota-Fonden, Dansk Kapelmesterforening, Beckett Fonden, Dansk Korforbund and Overretssagfører L. Zeuthens Mindelegat und der Biennale di Venezia Publikumsgespräch am 13. Januar im Anschluss an die Vorstellung Gilles Jobin Steak House Zum Ausgangspunkt seines neuesten Projekts, das im Frühjahr 2005 in Lausanne Premiere hatte, nahm Gilles Jobin ein ganz normales Zimmer, mit Wänden und Möbeln, Decken und anderen Alltagsgegenständen. Sechs Menschen bewohnen diesen Raum, begegnen sich, teilen sich Dinge und interagieren mit der Umgebung. Nur auf den ersten Blick scheinen sich alltägliche Szenen abzuspielen. Die normalen Verhaltensregeln sind in diesem Raum außer Kraft gesetzt. Wie in einem Comic wird die Handlung immer surrealer, vorangetrieben durch einen Prozess, der dem Träumen ähnelt. «Die Logik des Absurden ist das Grundmuster des Stücks», sagt der Westschweizer Choreograf. «Dann folgt die Dekonstruktion des Raums, die Körper breiten sich im Raum aus … Wohin das führt, wird man sehen.» Zuletzt zeigte Gilles Jobin 2002 die Uraufführung seines Stücks «Under Construction» bei den Berliner Festspielen. As the point of departure for his latest project, the Swiss choreographer took a perfectly normal room, with walls and furniture, blankets and other everyday items. In this room, normal codes of behaviour are suspended. Like in a comic, the plot becomes increasingly surreal. «This logic of absurdity is certainly the path to be followed,» says Gilles Jobin. «Then the space is deconstructed, the bodies spread through the space. What this will lead to remains to be seen.» Foto Hugo Glendinning Gilles Jobin, geb. 1964 in Lausanne, ausgebildet als klassischer Tänzer, ist einer der innovativsten Choreografen der internationalen Tanzszene. Seit Beginn der neunziger Jahre hinterfragt er mit kompromisslosen Arbeiten den menschlichen Körper. Der Durchbruch gelang ihm mit Stücken wie «A+B=X» (1997), «Braindance» (1999) oder «The Moebius Strip» (2001). In den letzten Jahren arbeitete Jobin u.a. für das Ballet du Grand Théâtre de Genève und das Lissabonner Ballet Gulbenkian sowie regelmäßig am Théâtre Arsenic in Lausanne. 25. + 26. Januar | 19:30 Dauer 1h 10 | keine Pause Koproduktion Steak House Produktion | Gilles Jobin / Parano Fondation, Lausanne, Genf In Koproduktion mit Théâtre de la Ville (Paris), Teatro Comunale di Ferrara, Théâtre Arsenic (Lausanne), Danse à Aix (Aix en Provence), Tanzquartier Wien und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele Choreografie | Gilles Jobin Musik, Konzeption Musikmaschine Angus | Cristian Vogel Konstruktion Musikmaschine Angus | Simon Jobin Bühne | Sylvie Kleiber Kostüme | Karine Vintache Lichtdesign | Frédéric Richard 35 Tänzer | Jean-Pierre Bonomo, Niki Good, Marie-Caroline Hominal, Gilles Jobin, Susana Panadès Diaz, Rudi Van Der Merwe Unterstützt von Canton de Vaud, Ville de Lausanne, Ville de Genève, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, DIP de l’Etat de Genève, Binding Stiftung, Corodis und Migros-Kulturprozent Publikumsgespräch am 26. Januar im Anschluss an die Vorstellung Sarhan / Raynaud / Pommerehn Les articulations de la Reine In «Les articulations de la Reine» verbinden sich Live-Musik und Erzähltes, Puppenspiel und Bühneninstallation zu einer «Kammeroper für belebte Objekte». In einem absurden Kosmos stehen sich zwei Paare gegenüber: auf der einen Seite der Soldat und sein Hauptmann, auf der anderen König und Königin. Die Handlung wird weder durch erzählerische noch psychologische Gesetze bestimmt. Sie folgt vielmehr einem rein formalen Gestaltungswillen – und so darf man auch den Titel des Stücks begreifen: Mit «articulations» sind sowohl die Körpersprache der Königin als auch die Ausdrucksformen des Stücks selbst und die Sprache der Figuren gemeint. Man könnte es eine Oper nennen, wären da nicht die durch das «Orchester», ein bunt besetztes Ensemble, transportierte Ironie und die Reduktion der Mittel, die eher an Kabarett erinnern. Das von dem Komponisten François Sarhan gegründete Collectif CrWth ist eine Gruppe von Künstlern, die sich Sparten übergreifenden Inszenierungen verschrieben haben. Die gemeinsam entwickelten Projekte sind von der Lust am Experiment und der Suche nach atypischen Formen bestimmt. François Sarhan (links), Komponist, geb. 1972. Studien bei Brian Ferneyhough, James Harvey und Magnus Lindberg; erster Preis in Komposition am Pariser Conservatoire National. Seine Kompositionen wie «The Face in Ashes» (2002), «Kyrielle» (2003) wurden bei namhaften Festivals in Wien, Moskau oder Göteborg aufgeführt, 2004 erschien die CD «Hell (a Small Detail)». «Les articulations de la Reine» combines live music and narrative, puppetry and stage installation to create a piece of «studio opera for animated objects». The plot is shaped by neither narrative nor psychological rules; instead, it obeys a purely formal design. Collectif CrWth, the ensemble founded by composer François Sarhan, is a group of artists who have devoted themselves to productions spanning genre borders. Bertrand Raynaud (rechts), Autor, geb. 1971. Studierte Musik und Literaturwissenschaft und ist als Cellist Preisträger internationaler Wettbewerbe. Raynaud hat die Texte zu zwei weiteren Projekten des Collectif CrWth geschrieben: «Mammifères planisphères» (2000) und «Le Grand CRWTH» (Musik: François Sarhan, Tanz: Anja Hempel, Installation: Fred Pommerehn; 2002). 26. Januar | 21:30 27. + 28. Januar I 20:00 Seitenbühne Deutschsprachige Erstaufführung Koproduktion Les articulations de la Reine (Knochen und Zungen der Königin) Fred Pommerehn (unten), Bühnenbildner und Installationskünstler, geb. 1964 in Madison/Indiana; Studium an der North Carolina School of Arts; lebt seit 1987 in Berlin. Seine Bühnenbilder und Installationen waren in Theatern und Museen sowie bei internationalen Festivals zu sehen, u. a. Wiener Festwochen, Hebbel-Theater Berlin, Oper Leipzig, s EXPO 2000 Hannover und Arken Museum Kopenhagen. 37 Musik, Konzept | François Sarhan Bühne, Licht, Konzept | Fred Pommerehn Text | Bertrand Raynaud Puppenspiel | Paulo Duarte, Uta Gebert Erzählerin | Anja Hempel Musiker | Raphaël Godeau, Erwan Burban, Frédéric Daverio, Sylvain Lemêtre Dauer 1h 20 | keine Pause Produktion | Collectif CrWth In Koproduktion mit Muse en Circuit Paris, Centre André Malraux – Scène Nationale de Vandoeuvre-lès-Nancy, Festival Archipel Genf, Festival Perspectives Saarbrücken, Arsenal de Metz und spielzeiteuropa I Berliner Festspiele Unterstützt von Subsistances, Institut International de la Marionnette (Charleville-Mézières), SPEDIDAM, Association Beaumarchais, AFAA, Ministère de la Culture et de la Communication (DRAC Haute-Normandie) sowie vom Hauptstadtkulturfonds Berlin Publikumsgespräch am 27. Januar im Anschluss an die Vorstellung The Forsythe Company Three Atmospheric Studies Foto Stephan Floss «Three Atmospheric Studies», das erste Stück der neu gegründeten The Forsythe Company wurde bei seiner Premiere im April 2005 in Frankfurt/Main begeistert aufgenommen: «Der Forsythe Company ist etwas gelungen, was viele anstreben, aber nur wenige erreichen: eine aktuelle Bühnensprache zu finden, die genau den richtigen Ton trifft. Die gleichermaßen irritiert, amüsiert und erschüttert, die unseren heutigen abgeklärten Zynismus vorführt und den ebenso übergriffigen wie hilflosen Logos der Macher, die uns zum Lachen bringt und Empfindungsräume kreiert, die den Kopf nachhaltig beschäftigen.» (Gabriele Wittmann, Deutschlandradio) «In ‹Three Atmospheric Studies› lässt The Forsythe Company eine Welt erstehen, die in Querschnitten und Momentaufnahmen auftritt. Die Tänzer bilden eine Folge von Szenen, von Gesprächen, die die Spannungen innerhalb der energetischen Architektur des Krieges in den Raum skizzieren. Die Stimmen, verzerrt und verstärkt, dröhnen durch die Körper und zerreißen den Raum zu Klangtrümmern. Die Tänzer steuern rückwärts auf ein Ganzes zu und fluten den Raum mit der Menschenzeit des Körpers.» (Dana Caspersen) «In ‹Three Atmospheric Studies›, The Forsythe Company creates a world that appears in cross sections and glimpses. The dancers build a series of scenes, of conversations, which sketch into space the interior tensions of the energetic architecture of war. The voices, transformed and amplified, roll through the bodies, tearing the room into a wreckage of sound. The dancers navigate backward toward a whole, flooding the room with the body’s human time.» (Dana Caspersen) William Forsythe, geb. 1949 in New York, Choreograf und Tanz-Visionär von Weltrang, arbeitet seit 1973 in Deutschland; zunächst am Stuttgarter Ballett, dann als künstlerischer Leiter, später Intendant des Ballett Frankfurt (1984– 2004), wo wegweisende Produktionen wie «Gänge» (1982), «The Loss of Small Detail» (1991), «Eidos:Telos» (1995) oder «Kammer/Kammer» (2000) entstanden. Seine Choreografien wurden vielfach ausgezeichnet und gehören genauso zum Repertoire des New York City Ballet wie des Ballet de L’Opéra National de Paris. Ende 2004 gründetete er ein eigenes Ensemble: The Forsythe Company (Dresden und Frankfurt/Main). 2. – 4. Februar | 20:00 Three Atmospheric Studies A work from The Forsythe Company Musik | David Morrow (Teil I + II) Thom Willems (Teil II + III) Lichtinstallation | Spencer Finch Bühne, Licht | William Forsythe Kostüme | Sataru Choko, Dorothee Merg Sounddesign, Klangsynthese | Dietrich Krüger, Niels Lanz 43 Voice-Treatment, dsp-programming | Andreas Breitscheid, Manuel Poletti in Zusammenarbeit mit dem Forum Neues Musiktheater Staatsoper Stuttgart Tänzer | The Forsythe Company Dauer ca. 1h 45 | eine Pause Publikumsgespräch am 3. Februar im Anschluss an die Vorstellung Christian Schwarzwald | Zeichnungen Die Zeichnungen in dieser Programmbroschüre sind von Christian Schwarzwald. 1971 in Salzburg geboren, besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in Wien und lebt und arbeitet in Berlin. Schwarzwalds künstlerisches Medium ist die Zeichnung. Er verwendet verschiedenste Techniken und Bildquellen, die in der Zeichnung zu einer neuen Bildsprache formuliert werden. Seine meist raumfüllenden Zeichnungsinstallationen waren in Einzelausstellungen z.B. in Amsterdam, Berlin, New York und Wien zu sehen, zuletzt bei Galerie Krinzinger (Wien) und Galerie Eva Winkeler (Frankfurt/M.). The drawings in this program were made by Christian Schwarzwald. Born 1971 in Salzburg, he attended the Academy of Fine Arts Vienna and lives and works in Berlin. Schwarzwald’s artistic medium is drawing. He uses various techniques and sources that are put into drawing to formulate a «new language». His works have been shown internationally in Amsterdam, Berlin, New York and Vienna, most recently at Gallery Krinzinger, Vienna and Galerie Eva Winkeler, Frankfurt/M. 06 | 07 jugendtour Theaterbesuche, Workshops und Gespräche mit Künstlern für junge Menschen von 16 bis 23 Jahren Oktober 2006 Koproduktion Foto Frederic Lezmi Theater ist Kommunikation – kreativ, lebendig und unmittelbar. Seine facettenreiche Formensprache schärft unseren Blick für die Wirklichkeit. Auf der Bühne werden Fragen gestellt und Antworten erprobt, die neue Perspektiven auf individuelle und gesellschaftliche Entwicklungen möglich machen. spielzeiteuropa will jungen Menschen Lust machen, das Theatervokabular der Gegenwart kennen zu lernen. Im letzten Jahr wurde die jugendtour ins Leben gerufen, und die Neugier und das Interesse der Jugendlichen gaben dem Education-Programm der spielzeiteuropa recht: Mit großer Begeisterung besuchten die Jugendlichen gemeinsam die ausgewählten Produktionen, sprachen im Anschluss mit den Künstlern und vertieften ihre Eindrücke und Erfahrungen bei den Workshops mit Theaterexperten. Daneben nahmen zahlreiche Schulklassen das Angebot wahr, sich mit jeweils einem Stück intensiv auseinanderzusetzen – zu sehen, zu diskutieren und sogar selbst ein eigenes Stück zu schreiben. Die jugendtour 05 | 06 wird wieder sechs internationale Tanz- und Theaterproduktionen vorstellen. Folgende Stücke wurden ausgewählt: «Romeo und Julia. Das Fragment» (Ukraine), «Just for Show» (Großbritannien), «Yotsuya Ghost Story» (Japan), «Measure for Measure» (Großbritannien), «Ich bin nur scheintot» (Dänemark), «Les articulations de la Reine» (Frankreich, Deutschland). Auch Schulklassen können an der jugendtour 05 | 06 teilnehmen. Wir geben im Unterricht eine Einführung zu Stück und Thema, organisieren den Theaterbesuch und treffen die Schüler nach der Vorstellung zum Gespräch, zu dem wir auch Schauspieler einladen. jugendtour Theaterbesuche immer samstags, dramaturgische Workshops an den folgenden Sonntagnachmittagen. Kosten: 30,- für fünf Vorstellungen und fünf Workshops (alle weiteren Vorstellungen der spielzeiteuropa für die Teilnehmer der jugendtour zu 6,- erhältlich) Schulklassen: Eintritt pro Schüler 6,- Schutz vor der Zukunft Ein theatralisch-musikalisches Projekt von Christoph Marthaler Musik und künstlerische Mitarbeit | Markus Hinterhäuser Bühne | Duri Bischoff Kostüme | Sarah Schittek Dramaturgie | Stefanie Carp «Schutz vor der Zukunft» ist eine theatralisch-musikalische Recherche, die sich mit Ausgrenzung und Selektion beschäftigt – mit der Euthanasiepraxis der Nazis und der ideologischen Säuberung des Stalinismus als den beiden humanitätszerstörenden Selektionen des 20. Jahrhunderts. Es geht aber auch um Ausgrenzungen und Selektionen, die in der Zukunft noch stattfinden könnten, und um unsere Angst davor. «Kein Ton zynisch» in diesem «Kindertotenhaus», schrieb Gerhard Stadelmaier (FAZ) zur Wiener Uraufführung im Mai dieses Jahres. Christoph Marthaler zeige «eine Gesellschaft, die sich ihre Zukunft durch Bestialität und Bequemlichkeit schützt, die ihre Kinder ab- und ihre Alten aussondert, die Menschen nun wirklich und gemütlich wahrhaftig als Material begreift … Lauter stolze, tolle, grandiose, sture, menschgewordene Halbtöne, die sich ihr Lebensrecht erspielen, erkämpfen, ersingen und am Ende gegen alle Euthanasie, gegen allen unbegreiflichen bürokratischen Vernichtungsschrecken und alle gentechnisch begründbare kommende Selektion ihre Schönheit, ihre Würde, ihre Unzerstörbarkeit behaupten. Aktueller und bewegender kann Theater kaum sein.» Ausführliche Informationen + Anmeldung Telefon (030) 623 98 59 [email protected] In «Schutz vor der Zukunft» – «A Shield against the Future», Christoph Marthaler will embark on a site-specific theatrical-musical investigation concerned with exclusion and selection, especially with the euthanasia practiced by the National Socialists also in hospitals in Berlin. The project moreover addresses exclusion and selection processes that might still take place in the future as well as our fear of these. Die jugendtour ist ein Projekt der Berliner Festspiele und der JugendTheaterWerkstatt Spandau Leitung Hartmut Schaffrin www.jugendtheaterwerkstatt.de Produktion Wiener Festwochen | In Koproduktion mit Odéon – Théâtre de l’Europe Paris, Internationales Tschechow Theaterfestival Moskau, Goethe-Institut, NTGent und spielzeiteuropa | Berliner Festspiele 46 ����������������������� Karten / Informationen VORVERKAUF VERANSTALTUNGSORTE VERANSTALTER Vorverkauf schriftlich: ab sofort Berliner Festspiele / Kartenbüro Schaperstraße 24, 10719 Berlin [email protected] Haus der Berliner Festspiele Schaperstraße 24 10719 Berlin-Wilmersdorf U3 + U9 Spichernstraße Bus 204, 249 Berliner Festspiele Ein Geschäftsbereich der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH Vorverkauf an der Kasse, telefonisch oder online: ab 17. Oktober 2005 (ab sofort «Romeo und Julia. Das Fragment») Kasse im Haus der Berliner Festspiele Mo bis Sa 14 – 18 Uhr Kartentelefon (030) 254 89-100 Mo bis Fr 10 – 18 Uhr Abendkasse jeweils 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn Karten auch bei den bekannten Theaterkassen www.berlinerfestspiele.de Auch zur spielzeiteuropa 05 | 06 erscheint wieder monatlich eine Zeitung, insgesamt drei Ausgaben von Oktober/November bis Januar/Februar. Neben aktuellen Programminformationen und Hintergrundberichten zu den Stücken enthält die Zeitung ein ausführliches Interview mit dem «Regisseur des Monats», der von der Berliner Fotografin Andrea Stappert jeweils exklusiv porträtiert wird. spielzeiteuropa – die Zeitung können Sie kostenlos mit dem anhängenden Coupon abonnieren – oder bestellen unter: Tel. (030) 254 89-100 Fax (030) 254 89-230 [email protected] www.berlinerfestspiele.de «Romeo und Julia. Das Fragment» in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 10178 Berlin-Mitte S + U Alexanderplatz U2 Rosa-Luxemburg-Platz Bus 200, 240 | Tram M2, M8 Intendant Prof. Dr. Joachim Sartorius Kfm. Geschäftsführer Dr. Thomas Köstlin Kommunikation Leitung Kerstin Schilling Presse Jagoda Engelbrecht Telefon (030) 254 89-262 [email protected] Kartenbüro I Protokoll Peter Böhme, Michael Grimm, Heinz Bernd Kleinpaß Technik Leitung Andreas Weidmann Beleuchtung Carsten Meyer Ton Manfred Tiesler Berliner Festspiele Schaperstraße 24, 10719 Berlin Telefon (030) 254 89-0 Impressum Programmbroschüre spielzeiteuropa Herausgeber Berliner Festspiele Redaktion Giselind Rinn Übersetzungen Tradukas, Berlin Produktion Bernd Krüger Gestaltung granma | berlin werbeagentur Art Direktion Dirk Lebahn Herstellung enka-druck, Berlin Programmstand September 2005 Änderungen vorbehalten © Berliner Festspiele, 2005 spielzeiteuropa Georg Bugiel (Technische Leitung) | Edda von Gerlach (Projektkoordination) | Albrecht Grüß (Spielstättenbetreuung) | Thomas Irmer (Programmberatung, Redaktionelle Mitarbeit) | Juliane Kaul (Redaktionsassistenz) | Eva Kiefer (Programm-Mitarbeit) | Markus Luchsinger (Künstlerische Leitung) | Stella Maxeiner (Projektassistenz) | Giselind Rinn (Redaktion) | Hanka Rörig (Finanzen) | Hartmut Schaffrin (jugendtour) | Olaf Spaarmann (Projektassistenz) Wir danken