Heinz Kurz GmbH - Gesundheitsindustrie BW

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https://www.gesundheitsindustriebw.de/de/fachbeitrag/aktuell/heinz-kurz-gmbhinnovationen-fuer-die-hno-chirurgie/
Heinz Kurz GmbH: Innovationen für die HNOChirurgie
Seit rund 30 Jahren versorgt die Dusslinger Heinz Kurz GmbH den Weltmarkt mit
Implantaten für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Das mittelständische Unternehmen setzt
bei seinen Neu- und Weiterentwicklungen auf hochwertige Materialien und einen intensiven
Dialog mit Anwendern. Europaweit marktführend ist das Unternehmen im Bereich
Mittelohrimplantate, für die es 2009 den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg
erhielt.
Der Zufall spielte auf dem Weg zur Firmengründung eine große Rolle: Der Zahntechniker Heinz
Kurz zählte in den 70-er Jahren einige HNO-Ärzte um Prof. Dr. Dietrich Plester, den damaligen
Chef der HNO-Klinik am Uniklinikum Tübingen (UKT), zu seinen Freunden. In privater Runde
wurden die Probleme mit den damals verfügbaren Paukenröhrchen diskutiert. Betroffen waren
vor allem Kinder. Die engen anatomischen Verhältnisse im Kinderohr führen häufig zu
Mittelohrinfektionen. Um in schweren Fällen eine Belüftung des Mittelohrs zu gewährleisten,
wurden Paukenröhren eingesetzt, die jedoch allzu oft nicht vertragen und abgestoßen wurden.
Da Kurz berufsbedingt ein Fachmann im Bereich Goldverarbeitung war, wurde er von seinen
Mediziner-Freunden angeregt, ein Paukenröhrchen aus Gold herzustellen.
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Traute Kurz-Butzki, die Tochter des Firmengründers, leitet heute das Unternehmen. (Foto: Heinz Kurz GmbH) ©
Heinz Kurz GmbH
Gesagt, getan - Kurz modellierte von Hand ein Paukenröhrchen, das aus Gold gegossen werden
konnte. Es brachte zunächst im Tierversuch und später dann am Patienten den Durchbruch.
Unverträglichkeiten waren damit praktisch passé. „Der Erfolg spornte meinen Vater an. Gold
setzte sich als Implantatmaterial durch, und einige Jahre später bot er auch Goldimplantate als
Ersatz für Hammer, Amboss und Steigbügel an. Später, in den 90-er Jahren, brachte die Heinz
Kurz GmbH weltweit als erster Hersteller Titanprothesen auf den Markt, die noch bessere
mechanisch-akustische Eigenschaften hatten", erzählt Traute Kurz-Butzki, die Tochter des
Firmengründers und heutige Geschäftsführerin des seit 1982 bestehenden Unternehmens. Sie
hatte wie ihr Vater eine Ausbildung zur Zahntechnikerin gemacht, wechselte aber danach
komplett ihr Betätigungsfeld und studierte Kunstgeschichte und Pädagogik. „Danach habe ich
mich aber doch entschlossen, in unserem Betrieb mitzuarbeiten. Ich war einige Jahre im
Zahnlabor tätig und habe dann das Marketing der Medizintechnik übernommen, bevor ich
Geschäftsführerin wurde", so Kurz-Butzki.
In bester Familientradition: Tochter setzt F&E-orientierte
Firmenpolitik fort
29 Mitarbeiter hat das mittelständische Unternehmen zurzeit, vier davon sind ausschließlich
mit der Neu- und Weiterentwicklung der Implantate befasst. Dabei werden sie von exzellenten
Klinik- und Universitäts-Partnern unterstützt. Einer davon ist Dr.-Ing. Albrecht Eiber vom
Institut für Technische und Numerische Mechanik an der Universität Stuttgart. Er hat sich auf
die Mittelohrmechanik spezialisiert und arbeitet eng mit dem Team der Firma Kurz zusammen,
um neue Implantat-Materialien und -Konstruktionen zu testen. „Gehörknöchelchen bewegen
sich unterschiedlich, wenn hohe oder niedrige Schallfrequenzen auftreten. Mit unseren
Prototypen untersucht er, ob sich das Implantat gut in die Mechanik einfügt“, erklärt KurzButzki.
Das prämierte Mittelohrimplantat im Größenvergleich. © Heinz Kurz GmbH
Mehr als 50 nationale und internationale Patente hat die Heinz Kurz GmbH bereits angemeldet
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und für einige Entwicklungen auch renommierte Preise erhalten. Der vorläufig letzte
Höhepunkt in Sachen Auszeichnung war die Verleihung des Innovationspreises des Landes
Baden-Württemberg im November 2009. Damit wurde die Entwicklung eines längenvariablen
Implantat-Systems aus Titan für die Mittelohrchirurgie honoriert. TTP-VARIAC, so die offizielle
Produktbezeichnung, wurde in Kooperation mit dem Team um Prof. Dr. Hans-Peter Zenner von
der HNO-Klinik des UKT entwickelt. Das System verhilft den Patienten zu maßgeschneiderten
Implantaten, erleichtert den Operateuren die Arbeit und spart zudem Kosten.
Ausgangsproblem war wiederum die Anatomie: Die anatomischen Größenverhältnisse im
Mittelohr variieren von Mensch zu Mensch. Ein Implantat zur Schallübertragung ans
Trommelfell muss eine Strecke zwischen 1,75 und 7 Millimetern zwischen beiden
Ankopplungspunkten überbrücken. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, musste bis dato eine
Vielzahl verschieden langer Varianten im OP bereit liegen.
Innovationspreis für Mittelohr-Implantat
Der damit verbundene Liefer- und Bereitstellungsaufwand ist nun obsolet. Wenn das neue
variable Kurz-System verwendet wird, müssen nur noch zwei Implantat-Typen vorgehalten
werden: ein Total- und ein Partialimplantat. „Das richtet sich nach Art und Umfang der
Schädigung. Bei einem Totalimplantat werden alle drei Gehörknöchelchen ersetzt. Am
anfälligsten ist der Amboss, er zersetzt sich am ehesten. Andere Bestandteile wie der
Steigbügel können aber noch intakt sein, dann kommt ein Partialimplantat zum Einsatz“,
erklärt Kurz-Butzki. Das Implantat ist maximal so groß wie ein Streichholzkopf. Es verfügt über
eine Titanplatte, die über einen Mikromechanismus nach dem Einpassen am Implantatschaft
fixiert wird - in der richtigen Position und Länge. Der Schaft kann bei Bedarf während der
Operation gebogen und damit der individuellen Anatomie noch besser angeglichen werden.
Uwe Steinhardt, Technischer Leiter, erklärt am FlexiBAL-Modell (Maßstab 1:20) die Funktion der PartialMittelohrprothese. © Heinz Kurz GmbH
Alle Anpassungen werden über ein multifunktionales Kunststoffbauteil, die „Sizer-Disk"
vermittelt. „Sie ist ein kostengünstiges Einmalprodukt, eine Art Dummy, mit dem der Arzt
abschätzt, wie lang das Implantat sein muss", ergänzt Kurz-Butzki. Die exakte Länge eines
Implantates ist für die akustische Übertragungsfunktion entscheidend. „Ist es zu lang, wird zu
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viel Spannung auf das Trommelfell übertragen, ist es zu kurz, bekommt es keinen Kontakt.
Darüber hinaus entscheidet die Passgenauigkeit auch mit über die Verweildauer der Prothese",
sagt Kurz-Butzki, „diese Mittelohrimplantate sind für lebenslang gedacht".
Natürlich hat das rührige Unternehmen noch weitere Innovationen in der
Entwicklungspipeline. Details nennt Kurz-Butzki aus patentrechtlichen Gründen nicht, verrät
aber, dass an neuartigen kleinen Gelenken gearbeitet wird, wobei diese Mikrogelenke bereits
in Partial- und Steigbügelprothesen zum Einsatz kommen. Insgesamt macht die Heinz Kurz
GmbH rund 80 Prozent ihres Umsatzes von derzeit rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr (2009) mit
Produkten für das Ohr. „Darunter sind allein Tausende von Paukenröhrchen", sagt Kurz-Butzki
und ergänzt: „Das Paukenröhrchen ist ein Produkt, das nicht weiter erklärungsbedürftig ist
und von jedem niedergelassenen Arzt eingesetzt werden kann. Deshalb vertreiben wir es auch
direkt, unsere Kunden sind vor allem HNO-Ärzte in Deutschland." Alle anderen Produkte darunter auch Oberlid- und Nasen-, Tracheal- und Stimmbandimplantate - werden über
exklusive Vertriebspartner weltweit vermarktet. „Deren Produktmanager werden bei uns
geschult, um den bestmöglichen Kundenservice zu gewährleisten", so Kurz-Butzki.
Fachbeitrag
26.03.2010
leh
BioRegio STERN
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen
Heinz Kurz GmbH ?MedizintechnikTraute Kurz-Butzke (Geschäftsführerin)Tübinger Straße 372144
DusslingenTel.: 07072 9179-0E-Mail: info(at)kurzmed.de
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