Nationaltheater Mannheim – Spielzeitheft 2009/2010

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Spielzeit 2009/2010
Nationaltheater Mannheim
www.nationaltheater-mannheim.de
Spielzeit 2009/2010
Regula Gerber
Generalintendantin
Liebe Theaterbegeisterte,
verehrtes Publikum,
welche Farbe könnte besser für unser Theater­
schaffen stehen als das Rot?
Keine Kunst lebt so sehr aus der Gegenwart
wie das Theater – das aktuelle Erleben zwi­
schen Publikum und Bühnenmoment findet
nur und ausschließlich im Jetzt statt.
Als „Farbe der reinen Gegenwart“ bezeichnet
Ernst Jünger das Rot, und Goethe stufte es
in seiner Farbenlehre als höchste Steigerung
aller Farben ein: „Die Wirkung dieser Farbe
ist so einzig wie ihre Natur. Sie gibt einen
Eindruck sowohl von Ernst und Würde als
von Huld und Anmut“. Rot gilt als anspor­
nend und wärmend, als aggressiv und leiden­
schaftlich.
So ist also unsere Kunst: ganz nah und ge­
genwärtig, mutig und voller Lebenskraft.
Sie zeigt die Liebe genauso wie die Gewalt,
die Utopie genauso wie die Verzweiflung.
4
Die Bilder in unserem Spielzeitheft lassen
Sie eintauchen in all diese Möglichkeiten
der roten Farbe. Sie sind eine abstrakte poe­
tische Übersetzung dessen, was Sie auf der
Bühne im Theater erleben: Momente
menschlicher Existenz im Brennglas eines
szenischen Augenblickes, Momente der Aus­
einandersetzung, des Erkennens, aber auch
des Erleidens und des Glücks.
Mit seinem Reichtum an herausfordernden
Produktionen und seiner Kreativität leuchtet
das Nationaltheater mit der Farbe Rot in
die Stadt hinein und formt – gemeinsam mit
unserer Stadt – starke Identität und Unver­
wechselbarkeit nach außen.
Es gilt also, die Augen und Ohren und das
Denken zu öffnen – damit wir wahrneh­
mungsbereit und entdeckungsfähig werden,
denn jede Sparte wartet mit einem imposanten
Programm auf: mit zahlreichen Urauffüh­
rungen oder deutschen Erstaufführungen,
selten gespielten Kleinoden und neuen Sicht­
weisen auf das klassische Repertoire. Mit
jungen Talenten und ästhetischem Aufbruch;
aber auch mit Vergewisserung des eigenen
Standortes innerhalb einer kulturellen Tra­
dition. Gerade aus dieser Reibung zwischen
Neu und Alt und aus dem Wunsch, die Po­
tentiale – sozusagen das Edle unter der Patina
des Industriestaubs – zu entdecken, entsteht
in Mannheim eine unglaublich lebendige
Kraft. Diese Art der Reibung und diese Auf­
forderung zu bewusster Wahrnehmung ver­
folgen Oper, Schauspiel, Ballett, Schnawwl
und Junge Oper und auf ganz eigene Weise
der Mannheimer Mozartsommer 2010 in
der neuen Spielzeit.
nengeschehens. Nutzen Sie das Theater als
schöpferischen Ort, um kreative Impulse und
Wissen für sich zu entdecken. Wir brauchen
Ihre Neugier und all Ihre Sinne, um den Bil­
dern – ob auf der Bühne oder als assoziative
Welt in diesem Heft – Leben und Kraft ein­
zuhauchen.
Halten Sie Ausschau nach dem Rot in Ihrem
Leben – und im Nationaltheater!
Herzlich
Ihre
Regula Gerber
Wir freuen uns, wenn Sie gemeinsam mit
uns hinschauen, genießen, wahrnehmen,
weiterdenken und sich auseinandersetzen –
mit uns und all diesen Momenten des Büh­
5
Premieren
Schauspiel
Oper
Ballett
Johann Christian Bach Amadis des Gaules 17. Oktober 2009
Galt MacDermot Hair 7. November 2009
Georges Bizet Carmen 5. Dezember 2009
Gaetano Donizetti Roberto Devereux (Oper konzertant) 30. Januar 2010
Bernhard Lang Montezuma – Fallender Adler (UA) 26. März 2010
Giacomo Puccini Turandot 8. Mai 2010
Frederick Loewe My Fair Lady 11. Juni 2010
Wolfgang Amadeus Mozart La clemenza di Tito 18. Juli 2010
Junge Oper
Theo Loevendie Die Nachtigall April 2010
Mauricio Kagel Zählen und Erzählen III Juni / Juli 2010
6
Frank Wedekind Lulu 3. Oktober 2009
Marius von Mayenburg Freie Sicht (DSE) 7. Oktober 2009
John Cassavetes Ehemänner (UA) 8. Oktober 2009
Astrid Lindgren Ronja Räubertocher 18. Oktober 2009
Ewald Palmetshofer faust hat hunger und verschluckt sich
an einer grete (DE) November 2009
Theresia Walser Herrenbestatter (UA) 3. Dezember 2009
Anne Rabe Als ob schon morgen wär (UA) Januar 2010
Henrik Ibsen Peer Gynt 9. Januar 2010
Reto Finger Norma (UA) 6. Februar 2010
Bertolt Brecht / Kurt Weill Die Dreigroschenoper 27. Februar 2010
Gesine Danckwart Walgesänge von Menschen und Tieren (UA) Februar 2010
Heinrich von Kleist Amphitryon 27. März 2010
Friedrich Schiller Die Verschwörung des Fiesco zu Genua 24. April 2010
Lajos Talamonti Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat (UA) Mai 2010
Zentrale Intelligenz Agentur Auftragswerk: Lorem ipsum (UA) Mai 2010
William Shakespeare Was ihr wollt 12. Juni 2010
Ulrike Syha Ein neues Stück (UA) Juni 2010
Robert Glumbek, Luches Huddleston Jr., Kevin O’Day Full Bloom Oktober 2009
Dominique Dumais, Twyla Tharp Poetic Play 14. November 2009
Dominique Dumais Frida Kahlo (UA) 19. Februar 2010
Kevin O’Day Film noir (UA) 19. Mai 2010
Choreografische Werkstatt (UA) Juni 2010
Schnawwl
Peter Seligmann Tölpelhans 3. Oktober 2009
Hans Christian Andersen Das hässliche Entlein (DSE) 3. Oktober 2009
Astrid Lindgren Ronja Räubertochter 18. Oktober 2009
Herman van Baar / Harriët van Reek Riekchens Reise (DSE) 9. Januar 2010
Guus Kuijer Das Buch von allen Dingen 29. Januar 2010
John Retallack Risiko 27. Februar 2010
Pamela Koevoets Aschenputtel (DSE) 5. Juni 2010
7
Repertoire
Oper
Vincenzo Bellini Norma (Oper konzertant)
Pam Gems Marlene
Gottfried Greiffenhagen Die Comedian Harmonists II – Jetzt oder nie
Engelbert Humperdinck Hänsel und Gretel
Gian Francesco de Majo Alessandro
Jules Massenet Werther
Wolfgang Amadeus Mozart Così fan tutte
Wolfgang Amadeus Mozart Don Giovanni
Wolfgang Amadeus Mozart Die Entführung aus dem Serail
Wolfgang Amadeus Mozart Die Zauberflöte
Giacomo Puccini La Bohème
Giacomo Puccini Tosca
Salvatore Sciarrino Superflumina
Johann Strauß Die Fledermaus
Richard Strauss Ariadne auf Naxos
Richard Strauss Salome
Eberhard Streul Papageno spielt auf der Zauberflöte
Giuseppe Verdi Macbeth
Giuseppe Verdi Otello
Giuseppe Verdi Rigoletto
Giuseppe Verdi Un ballo in maschera (Ein Maskenball)
Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg
Richard Wagner Parsifal
Richard Wagner Tristan und Isolde
Richard Wagner Der Ring an 1 Abend
Richard Wagner Das Rheingold
Richard Wagner Die Walküre
Richard Wagner Siegfried
Richard Wagner Götterdämmerung
Junge Oper
Georges Aperghis Rotkäppchen
Jens Joneleit/Sophie Kassies Schneewitte
Sophie Kassies Schaf
Markus D. Reyhani/Thomas von Brömssen Die Geschichte vom kleinen Onkel
Robyn Schulkowsky/Sophie Kassies Das Kind der Seehundfrau
Gerhard Stäbler Riech mal wie das klingt
8
Schauspiel
Gesine Danckwart Und die Welt steht still (UA)
Dietmar Dath Waffenwetter (UA)
Friedrich Dürrenmatt Die Physiker
Giuseppe Ferrandino Pericle der Schwarze (UA)
Johann Wolfgang Goethe Faust – Der Tragödie erster Teil
Henrik Ibsen Baumeister Solness
nach Franz Kafka Amerika
Juliane Kann/Lorenz Langenegger/Philipp Löhle/Ewald Palmetshofer 4x4 (UA)
Tracy Letts Eine Familie: August Osage County (DSE)
Jan Neumann Königs Moment (UA)
Ewald Palmetshofer hamlet ist tot. keine schwerkraft (DE)
Friedrich Schiller Die Jungfrau von Orleans
Friedrich Schiller Maria Stuart
William Shakespeare Macbeth
William Shakespeare Romeo und Julia
Theresia Walser Monsun im April (UA)
Theresia Walser Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm (UA)
Ballett
Bridget Breiner/Robert Glumbek/Kevin O’Day Beethoven (UA)
Dominique Dumais Chansons (UA)
Kevin O’Day MA/NY for the love of it … (UA)
Kevin O’Day eine stunde zehn (UA)
Schnawwl
Roel Adam Alles für das Feuer (DSE)
Herman van Baar/Flora Verbrugge Kummer und Courage (DSE)
Ad de Bont Eine Odyssee
Ulrich Hub An der Arche um acht
Lutz Hübner Aussetzer
Alma Jongerius Müllmaus
Heinrich von Kleist Kohlhaas
Guus Kuijer Wir alle für immer zusammen
Christian Morgenstern Das große Lalula (UA)
Friedrich Karl Waechter Alle Freunde fliegen hoch (UA)
UA Uraufführung DSE Deutschsprachige Erstaufführung DE Deutsche Erstaufführung
9
Oper
Oper
Inhalt
Junges Nationaltheater
Vorwort 14
Premieren 16
Mannheimer Mozartsommer 27
Festliche Opernabende 30
Oper Extra 38
Repertoire Highlights 40
Kinderchor 124
Theaterkurse 125
Junges Theater im Delta 126
Ensemble & Personalia
Ensemblemitglieder 130
Personalia 138
Junge Oper
Vorwort 44
Premieren 46
Junge Oper Extra 48
Repertoire 50
Musikalische Akademie des Nationaltheaterorchesters 150
Service
Schauspiel
Vorwort 56
Premieren 58
Die neue Hausautorin Ulrike Syha 78
Repertoire 80
Ballett
Vorwort 90
Premieren 92
Ballett Extra 98
Repertoire 100
Schnawwl
Vorwort 104
Premieren 106
Schnawwl Extra 113
Repertoire 117
10
Akademiekonzerte
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Spielplan Dae.154
Lore prorese dicaborio magnihita pra­
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Die Freunde und Förderer des Nationaltheaters
Mannheim
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rum laut as plis voluptate idel eostento er­
Die
Stiftung
Nationaltheater
und
ihre
Stifter 166
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spero et minum esed quiaess ecerit aut od
dusam fugiae sunt, cores dit late laborep
maionestium explaborio moluptatia quiat
raeceritam ut estota saniendignis quas eatet
quiatur?
lantia perum excearcidel iun.
Susdaepta delessum, unt acerunt elescia ese
ne nimillam, nos dolupid magnam alitae in­
und Sitzpläne 170
Ihre
imped moleniet autasimusPreise
quos dolut
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Abonnements 175
vellest, velibusam ipsae sumquae
disci volu­
pit as doluptin periatu risquate
erero eatest
Vorverkauf
und Öffnungszeiten 190
modiani volores tiorpor sundi
unto
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Mannheimer Besucherring 191
Regula Gerber
quias earchil mostionsed excescia doles
Allgemeine
Geschäftsbedingungen 192
Generalintendantin
modi optataspit aut parumen
daescimpor
Spielstätten
und Anfahrt 194
sam consequat voluptis illuptasita
comni
quassus debis que reium cori
comni destisi
Stadtplan 196
od ut dolor aliqui dolestius, sunti omnim
qui berem res ad quiam volorem quam, si
Kontakt
Impressum 198
beate vent, odignate nectet
laborro/omniti­
Karten & Abonnements
11
Oper
Oper
Verehrtes Publikum!
Willkommen in der 231. Spielzeit des National­
theaters. Johann Christian Bach, der jüngste
Sohn des großen Johann Sebastian, war mit
drei Opernwerken einer der prägendsten Kom­
ponisten der Mannheimer Hofoper, die zu
ihrer Zeit die europäische Opernavantgarde
anführte. Mit seinem Amadis des Gaules
wollen wir diese große Zeit der Mannheimer
Schule wieder lebendig werden lassen.
Auch im 21. Jahrhundert will Mannheim
Forum für zeitgenössisches Musiktheater
sein, das unsere Hör- und Sehgewohnheiten
herausfordert und verändert. Mit der Urauf­
führung von Bernhard Langs Montezuma –
Fallender Adler können Sie erleben, dass die
Gattung Oper nach wie vor voller Leben und
Zukunft ist.
Und aus den drei Jahrhunderten, die zwischen
Bach und Lang liegen, haben wir für Sie
Meisterwerke ausgewählt, die das zentrale
14
Thema der Oper seit je auf exemplarische
Weise behandeln: Liebe. In immer neuen Fa­
cetten handeln diese Werke vom wilden und
verliebten Kampf der Geschlechter. Die Liebe
ist Glück und mehr noch Katastrophe. Ist es
Angst vor Carmens Liebe, die Don José nach
der Entlassung aus dem Gefängnis statt zu
Carmen auf die Straße treibt? Wissen wir
wirklich, was Carmen in Don José sieht?
Wir erleben nur, wie sie im Kartenspiel dem
Tod entgegensieht. Turandot verweigert die
Liebe zu den Männern aus Rache für die
Vergewaltigung ihrer Urahnin durch einen
Tartaren und tötet die Freier, die ihre Rätsel
nicht lösen können. Bis einer kommt, ein
Tartarenprinz, der ihre Rätsel löst. Aber ist der
Kampf damit zu Ende? Ist dieses Happy End
glaubwürdig? Misstraute vielleicht Puccini
dem im Libretto entworfenen Ende? Jeden­
falls hat er die Komposition nicht beenden
können. Auch in Amadis des Gaules sind es
gar nicht so sehr äußere Umstände wie Fa­
Prof. Dr. Klaus-Peter Kehr
Operndirektor
milienehre oder Blutrache, an denen die Lie­
benden scheitern. Es sind vielmehr Angst,
Misstrauen, unbewusster Verrat.
Montezuma – Fallender Adler handelt von
der Zerstörung der atztekischen Kultur
durch spanische Christen unter Cortez. War
es die Liebe zu Cortez, die die Dolmetscherin
Malintzin zur Verräterin an ihrem Volk werden
ließ und so den Christen zum Sieg verhalf?
Oder hielt sie Cortez wirklich für den Erlö­
ser? Die Rolle der Liebe bleibt rätselhaft.
Die Liebe ist auch politisches Instrument. In
Mozarts letzter Oper La clemenza di Tito
nutzt Vitellia die Liebe von Sextus hemmungs­
los für ihren Aufstieg aus, sie verführt ihn,
seinen Freund Titus zu beseitigen. Können
wir uns seine Verzweiflung über die eigene
Hörigkeit aus Liebe vorstellen, die seinen
Willen und Verstand gefangen hält? Wer mehr
liebt, ist der Schwächere. Nur die Milde des
Titus verhindert die Katastrophe. Mit dieser
Oper, der letzten Premiere der neuen Spiel­
zeit, wird der Mannheimer Mozartsommer
eröffnet.
Bei den beiden Erfolgsmusicals Hair und
My Fair Lady ist die Liebe leichter – oder sie
scheint leichter. Sie schmeckt bittersüß in
Hair, weil Flower Power letztlich doch vor
der Realität kapitulieren muss, und in der
Lady, weil Higgins am Ende doch gegen
Freddy verliert.
Ihr
Klaus-Peter Kehr
15
Musikalische Leitung Reinhard Goebel
Inszenierung Nicolas Brieger
Bühne Roland Aeschlimann
Kostüme Andrea Schmidt-Futterer / Anne Dehof
Licht Alexander Koppelmann
Dramaturgie Klaus-Peter Kehr / Regine Elzenheimer
Chor Tilman Michael
Hair
Oper
Amadis
des Gaules
Galt MacDermot
Premieren
Johann Christian Bach
In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel
Musikalische Leitung Michael Cook
Inszenierung Philipp Kochheim
Bühne Thomas Gruber
Kostüme Bernhard Hülfenhaus
Choreografie Alonso Barros
Dramaturgie Stephanie Winter / Anselm Dalferth
Premiere am 7. November 2009 im Opernhaus
Premiere am 17. Oktober 2009 im Opernhaus
Der diabolische Arcalaus hat sein Leben dem
Hass verschrieben: Im Zeichen der Rache führt
er einen Kampf gegen die Liebe und gegen
die ‚Schwachheit‘ des Gefühls. Seine Schwester
Arcabonne wird in diesen dämonischen Krieg
gegen Amor hineingerissen und geht daran
zugrunde, weil sie in Amadis unglücklich den
Mörder ihres anderen Bruders liebt.
Johann Christian Bachs Oper liegt ein Text
von Alphonse Denis Marie de Vismes nach
dem Libretto von Philippe Quinault für Lullys
Oper Amadis zugrunde. Der Stoff entstammt
dem im höfischen Frankreich ungeheuer popu­
lären Ritterroman Amadis von Gallien. Im
Fokus der Oper steht allerdings weniger die
Tapfer­keit des Helden, als vielmehr der Wi­
derstreit antiaufklärerisch-okkulter Kräfte
mit utopischen Ideen von Liebe und Freiheit,
deren Durchsetzung allerdings einer guten
Gottheit bedarf.
16
Als Bach 1778 / 79 an diesem Auftragswerk
für Paris schrieb, war er bereits in den letzten
Jahren eines kosmopolitischen Lebens. Der
jüngste Sohn Johann Sebastian Bachs war nach
seinem Durchbruch als Opern­komponist in
Italien nach London über­gesiedelt und zählte
auch den kurfürstlichen Mannheimer Hof
zu seinen Auftraggebern (Temistocle 1772
und Lucio Silla 1774). Von Mozart Zeit seines
Lebens sehr verehrt, findet sich in dessen Werk
der prägende Einfluss von Bachs Komposi­
tionsstil, und ein deutlicher Weg führt von
Amadis des Gaules zur Zauberflöte.
Mit Bachs letzter und zugleich einziger franzö­
sischer Oper steht in dieser Spielzeit wieder ein
kaum gespieltes und neu zu entdecken­des
Werk aus dem Kreis der Mannheimer Schule
auf dem Spielplan.
USA, Ende der 60er Jahre. Claude, der zum
Wehrdienst eingezogen werden soll, begeg­
net einer Gruppe von Hippies. Berger, der
Anführer, Sheila, die Studentin aus reichem
Hause, Hud, der Farbige, Ron, Woolf, Jeannie,
Crissy und der Rest der Gruppe suchen abseits
etablierter Bürgerlichkeit und in Opposition
zu einem skrupellosen Staatsapparat nach
einem anderen, friedvolleren Leben. In ein­
zelnen Szenen und Songs protestieren sie gegen
Krieg, Rassismus und Umweltzerstörung,
singen von Drogenrausch und Liebe und feiern
in Erwartung einer neuen Zeit im Sternzeichen
des Wassermanns mit Blumen, Räucherstäb­
chen, Kerzen und Friedenspfeifen das Leben.
Als Hair 1967 vom Off-Broadway an den
Broadway kam, war der Erfolg dieses Stückes
nicht mehr aufzuhalten. Zwei Jahre lang
hatten James Rado und Gerome Ragni
Notizen persönlicher Erlebnisse als Text­
grundlage zusammengetragen und so ein
Musical geschaffen, das wie kein anderes das
Lebensgefühl einer Generation aufgreift.
Authentische Musik der 68er Hippie-Gene­
ration setzte zudem der ehemalige Organist
und Kirchenmusiker Galt MacDermot dem
etablierten Musicalstil entgegen und läutete
so zugleich die Ära des Rockmusicals ein.
Nicht nur mit seinen nach wie vor populären
Songs wie „Hair“, „Aquarius“ oder „Let
the Sunshine in“, die heute längst Kultstatus
erreicht haben, sondern auch mit seiner
Sehnsucht nach Frieden, Liebe, Toleranz,
Mitmenschlichkeit und Freiheit hat Hair bis
heute nichts von seiner Anziehungskraft
verloren.
17
Georges Bizet
Premieren
Oper
Carmen
Musikalische Leitung Dan Ettinger
Inszenierung Gabriele Rech
Bühne Sandra Meurer
Kostüme Renée Listerdal
Dramaturgie Roland Quitt
Chor Tilman Michael
Premiere am 5. Dezember 2009 im Opernhaus
Der spanische Soldat José verfällt der Fabrik­
arbeiterin Carmen. Er gibt für sie sein bür­
gerliches Leben und seine Selbstachtung auf
und gerät in einen immer tieferen Strudel
der Abhängigkeit. Als sie ihn verlässt, bleibt
ihm nichts mehr. In rasender Verzweiflung
ersticht er sie.
Bizets Carmenfigur eröffnet die Liste eroti­
scher Frauengestalten, an denen seit dieser
Zeit männliche Opernhelden verglühen. Viel
weniger als Carmens spätere Geschwister
Salome und Lulu ist sie selbst dabei aber
bloßes Geschöpf aus dem Reich männlicher
Fantasien. Bizets Oper ist eine ausgefeilte
soziale Milieustudie mit Figuren von hoher
psychologischer Glaubwürdigkeit. Carmens
offensiver Umgang mit der Anziehung, die
sie auf Männer ausübt, ist ihre Waffe im
Kampf um das bisschen Lebensglück, das
sie dem Leben am unteren Rand der Gesell­
schaft für sich abzutrotzen versucht.
Das Publikum der Pariser Uraufführung
zeigte sich düpiert von Bizets realistischem
Porträt einer sozialen Schicht, in der roher
Lebenshunger herrscht, das Gesetz der Straße
regiert, Konflikte und Enttäuschungen nicht
anders als durch Gewalt ausgetragen werden.
Ein erster geringer Erfolg war seiner Carmen
wenige Monate später in Wien beschieden,
Bizet freilich erlebte ihn nicht mehr: An einem
Herzanfall war er nach den Querelen um
diese Oper gestorben.
19
Gaetano Donizetti
Roberto
Devereux
Oper konzertant
Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic
Chor Tilman Michael
Premiere am 30. Januar 2010 im Opernhaus
Mit Roberto Devereux wird der vor zwei
Spielzeiten mit Anna Bolena begonnene und
mit Maria Stuarda fortgesetzte Auffüh­
rungszyklus von Donizettis KöniginnenDramen komplettiert. Nur wenige Jahre
nach Maria Stuarda entstanden, ist Roberto
Devereux deren inhaltliche Fortsetzung: Er­
neut begegnet uns hier Elisabeth I. von Eng­
land, diesmal um einige Jahre gealtert und
bereits jenseits des Zenits ihrer Herrschaft.
Noch stärker konzentriert sich Donizetti
diesmal beinahe kammerspielartig auf die drei
Protagonisten um den wegen Hochverrats
angeklagten Roberto Devereux. Sein politi­
scher Fehltritt ist nur der Auslöser einer
ganz persönlichen Tragödie: Wieder muss
Elisabeth I. von einer Konkurrentin um den
Geliebten erfahren. Sara von Nottingham ist
jedoch nicht nur Elisabeths Vertraute, sondern
auch die Ehefrau des besten Freundes von
Roberto Devereux. Zwar entsagen Sara und
Roberto ihrer Liebe, doch Nottingham er­
20
fährt von der vermeintlichen Beziehung, und
Roberto verliert seinen letzten Fürsprecher.
Die Königin unterzeichnet – von Robertos
doppeltem Verrat enttäuscht – das Todesurteil.
Als es Sara endlich gelingt, Nottingham zu
entkommen, um der Königin einen Ring
Robertos zu überbringen, ist es bereits zu spät.
Rasend vor Zorn und Verzweiflung verurteilt
Elisabeth nun auch Sara und Nottingham.
Die Rächerin bleibt mit der blutigen Vision
des getöteten Geliebten allein zurück.
Roberto Devereux zählte zu Donizettis Leb­
zeiten zu seinen erfolgreichsten Werken.
Faszinieren doch damals wie heute die Figuren,
die sich – Opfer und Täter zugleich – jeder
eindeutigen moralischen Beurteilung wider­
setzen. Donizettis Musik zeichnet die Stufen
ihrer seelischen Befindlichkeiten geradezu
seismografisch nach. – Der Komponist nannte
Roberto Devereux die „Oper der Emotionen“.
Oper
Bernhard Lang
Premieren
Montezuma –
Fallender Adler
Uraufführung
Musikalische Leitung N. N.
Inszenierung und Bühne Peter Missotten
Kostüme Valentina Kempynck
Dramaturgie Regine Elzenheimer / Anselm Dalferth
Chor Tilman Michael
Premiere am 26. März 2010 im Opernhaus
Die Begegnung des spanischen Eroberers
Cortez mit dem aztekischen König Montezuma
und die zwielichtige Rolle der indianischen
Dolmetscherin Malinche (Malintzin), die
Cortez’ Geliebte wird, ist eine der Schlüssel­
szenen am Beginn der europäischen Neuzeit.
Die Zerstörung der aztekischen Kultur im
Zeichen von Christianisierung und Goldgier
kann als traumatisches Fundament neuzeit­
licher Welterweiterung gelten. Zugleich waren
das magische Denken und die archaischen,
naturbezogenen Rituale der Azteken unver­
einbar mit der Weltaneignung der Eroberer.
Bernhard Lang gestaltet in seinem Musik­
theater das Aufeinandertreffen dieser zwei
Welten als eine Dekonstruktion von Subjekt
und Erzählung. In Langs Komposition werden
Orte und Erzählperspektiven verschoben, ma­
gische Räume von Vorahnung des Untergangs
und Naturdeutung werden mit konkreten
22
Szenen von Gewalt, Zerstörung und Unter­
werfung konfrontiert. Montezuma und Cortez
stehen für die gegenseitige Nichtwahrneh­
mung des Anderen. So entsteht ein musik­
theatraler Durchgang durch verschiedene
Inseln und Brennpunkte der Wahrnehmung,
zuweilen gar ein „psychedelisches Theater“.
Letztlich handelt Montezuma – Fallender
Adler vom Verschwinden: Dem Verschwinden
einer Kultur im Zeichen des denkenden Sub­
jekts folgt das Verschwinden des Subjekts in den
unterschiedlichen Perspektiven des Denkens.
Bernhard Lang ist einer der interessantesten
Komponisten der Gegenwart, der das Musik­
theater durch Einbeziehung verschiedener
musikalischer Ausdrucksformen erneuert:
In der Auseinandersetzung mit elektronischer
und computergenerierter Musik, mit Jazz und
Turntablism entstehen neue, nicht-lineare
musiktheatrale Erzählweisen.
23
Turandot
Musikalische Leitung Dan Ettinger
Inszenierung Regula Gerber
Bühne Sandra Meurer
Dramaturgie Regine Elzenheimer
Chor Tilman Michael
Oper
Frederick Loewe
My Fair Lady
Premieren
Giacomo Puccini
Musikalische Leitung Michael Cook
Inszenierung Helmut Baumann / Jürg Burth
Bühne Katrin Kegler-Fritsch
Kostüme Uta Loher / Conny Lüders
Dramaturgie Julia Simon
Chor Tilman Michael
Premiere am 8. Mai 2010 im Opernhaus
Premiere am 11. Juni 2010 im Opernhaus
Niemals will die Prinzessin Turandot einem
Mann gehören. Allen Bewerbern gibt sie
deshalb Rätsel auf. Wer die Antwort nicht
findet, verfällt dem Henker. Als es dem Prinzen
Kalaf gelingt, ihre Rätsel zu lösen, ist
Turandot bestürzt. Sie müsste ihr Versprechen
nun einlösen und Kalaf heiraten. Unerwartet
macht ihr dieser ein Angebot: Er will den
Freitod wählen, wenn Turandot bis Sonnen­
aufgang seinen Namen herausfindet.
Die Geschichte der Turandot entstammt einer
Erzählung aus Häzâr-jak Rûz (Tausendund­
ein Tag), der persischen Entsprechung zu den
24
arabischen Märchen aus Tausendundeine
Nacht. Carlo Gozzi schrieb eine Drama­tisie­
rung, die schon Schiller und später auch
Brecht zu eigenen Bühnenfassungen inspi­
rierte, und die Puccini in einer Inszenierung
Max Reinhardts erlebte.
Turandot blieb Puccinis letzte Oper. Der
exotische Märchenstoff inspirierte ihn zu einer
Partitur mit einem ungewöhnlichen Reichtum
an Klangfarben. Puccini starb zu einem
Zeitpunkt, an dem er über ungelösten drama­
turgischen Problemen mit der Komposition
ins Stocken geraten war.
Henry Higgins hat ein feindseliges Verhältnis
zu Frauen – an seine Mutter reichte bislang
keine heran. Als dann doch eine andere Frau
in sein Leben tritt, setzt er alles daran, sie
nach seinem Ideal zu gestalten. „Eine Ro­
manze“ nannte George Bernard Shaw seine
Geschichte vom Blumenmädchen Eliza, das
zufällig zum Gegenstand einer Wette und so­
mit zum Opfer von Higgins’ berserkerhafter
Umerziehung wird. Elizas Geschichte ist die
ihrer Auflehnung und ihres Ringens um Selbst­­
behauptung. Fast beiläufig erzählt sie von
einer unmöglichen Liebe, die so alt ist wie das
abendländische Bewusstsein: der zwischen
Pygmalion und der von ihm erschaffenen
Statue Galatea.
Der Welterfolg von Pygmalion war bereits
verblichen, als das Schauspiel zum Musical
wurde. Witz und inhaltlicher Reichtum
Shaws lieferten die Inspiration zu einer Par­
titur mit einer ungewöhnlichen Fülle musi­
kalischer Ideen. Keinem anderen Musical
entstammen so viele Songs, die heute Klassiker
eigenen Rechts sind. Dass aus Pygmalion
und Galatea je ein ganz glückliches Paar
werden könnte, daran hatte Shaw nicht ge­
glaubt, und daran glaubten auch die Produ­
zenten von My Fair Lady nicht. Im angefüg­
ten Happy End, ohne welches das Stück 1956
am Broadway nicht denkbar war, schwingt
deshalb ein bittersüßes Fragezeichen mit.
25
La clemenza
di Tito
Mannheimer
Mozartsommer
Oper
Wolfgang Amadeus Mozart
Musikalische Leitung Dan Ettinger
Inszenierung Günter Krämer
Bühne Herbert Schäfer
Kostüme Falk Bauer
Dramaturgie Anselm Dalferth
Chor Tilman Michael
Premiere am 18. Juli 2010 im Rokokotheater Schwetzingen
Eröffnung des Mannheimer Mozartsommers
Vitellia, die Tochter des gestürzten Kaisers,
nötigt Sesto, der ihr in höriger Liebe erge­
ben ist, zur Planung eines Attentats auf den
amtierenden Kaiser Titus. Dieser hält Sesto
für seinen engsten Vertrauten und sieht sich
nicht nur politisch, sondern vor allem als
Freund verraten. Reagieren muss er jedoch
als Herrscher.
Als Mozart 1791 den Auftrag der böhmischen
Stände erhielt, eine Krönungsoper für Kaiser
Leopold auf ein fast 60 Jahre altes, bereits
vielfach vertontes Libretto Metastasios zu
schreiben, hatte er sich – nach der Komposi­
tion der Da Ponte-Trias und bereits auf dem
Weg zur Zauberflöte – von der metastasia­
nischen Tradition des Fürstenspiegels bereits
weit entfernt. Unter dem Zeichen des begin­
nenden bürgerlichen Zeitalters schien die
mahnende Verklärung des aufgeklärt-abso­
lutistischen Herrschers nicht mehr zeitgemäß.
Zusammen mit seinem Librettisten Mazzolà
26
verschiebt Mozart den Fokus: Nicht mehr
die Bekehrung des Kaisers zur politisch wirk­
samen Milde steht im Zentrum, sondern die
Einsamkeit der Macht. Mozarts Titus ist eine
einsame Herrscherfigur, zerrissen zwischen
politischen Pflichten und dem Anspruch, (füh­
lende) Privatperson zu sein. Eingebunden in
eine Konstellation deformierter Liebesbezie­
hungen ist seine „clemenza“, seine Milde,
nicht das Ziel, sondern das Problem. Bekehrt
wird in diesem Stück nicht der Herrscher, son­
dern die in ihrem Machtstreben, ihrem dynas­
tischen Stolz und ihrem Begehren gekränkte
Vitellia. Zwischen beiden zerrieben wird
Sesto. – An der historischen Schnittstelle
des postrevolutionären 18. Jahrhunderts ge­
staltete Mozart ein eindrückliches Drama
um Verwirrung und Manipulation der Emo­
tionen im Labyrinth eines durch Aufklärung,
Revolution und Empfindsamkeit veränderten
Machtbegriffs.
Vom 18. bis 25. Juli 2010 werden die
Mozart­städte Mannheim und Schwetzingen
wieder zum Schauplatz des Mannheimer
Mozartsommers. Im Juli, dem Monat, in
dem der junge Mozart 1763 zum ersten Mal
in Schwetzingen mit seiner Schwester vor dem
Kurfürsten Carl Theodor musiziert hat, be­
reitet das Nationaltheater ein Fest, das neue
und ungewöhnliche Perspektiven auf Leben
und Werk Mozarts eröffnet.
Mit der Neuproduktion von Mozarts La
clemenza di Tito in der Regie von Günter
Krämer im Zentrum bietet der Mannheimer
Mozartsommer ein Programm, das mit
namhaften Künstlern, mit Konzerten und
Gastspielen vom provokanten Umgang mit
den Gattungen über humorvolle und perfor­
mative Bearbeitungen bis zum zeitgenössi­
schen komponierten Kommentar reicht.
Kunstinstallationen, Soireen im sommerlichen
Ambiente, ein unterhaltsames Parkprogramm
für die ganze Familie, Künstlergespräche mit
den Protagonisten des Festivals sowie Ein­
führungen in die Inszenierungen bilden das
Rahmenprogramm. Das breitgefächerte
Stipendiatenprogramm MozartPrisma gibt
Studierenden aller Fachrichtungen die
Möglichkeit zum Austausch und zur Ausein­
andersetzung mit Mozarts Werken.
MozartPrisma wird in dieser Spielzeit von
der Deutsche Bank Stiftung unterstützt. Das
Programm des Mannheimer Mozartsommers
wird gesondert veröffentlicht.
27
Festliche
Opernabende
29
Festliche
Opernabende
15. November 2009
Richard Wagner Tristan und Isolde
mit Linda Watson, Robert Dean Smith und Franz Hawlata
Musikalische Leitung: Axel Kober
Tristan und Isolde
Komponist: Richard Wagner
Deutschland, 1865
20. Dezember 2009
Giuseppe Verdi Otello
mit Johan Botha und Falk Struckmann
Musikalische Leitung: Bertrand de Billy
16. Januar 2010
Vincenzo Bellini Norma (Oper konzertant)
mit Edita Gruberova
Musikalische Leitung: Andriy Yurkevych
28. März 2010
Jules Massenet Werther
mit Vesselina Kasarova und Marius Brenciu
Große Gefühle. Made in Germany.
Die Festlichen Opernabende.
11. April 2010
Richard Strauss Ariadne auf Naxos
mit Petra Lang, Anke Vondung und Klaus Florian Vogt
Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic
20. Juni 2010
Festliche Operngala
mit Thomas Hampson
Musikalische Leitung: Dan Ettinger
30
Mit freundlicher
Unterstützung der
Das traditionsreiche Nationaltheater Mannheim
repräsentiert die ganze Welt der modernen Oper –
sowohl mit klassischen Werten als auch mit zukunftsorientiertem Engagement. Die Landesbank Baden-
Württemberg unterstützt mit Begeisterung die Festlichen Opernabende. Freuen Sie sich auf internationale Opernstars und aufstrebende Talente. Weitere
Informationen unter www.LBBW.de
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31
Giuseppe Verdi
Tristan und Isolde
15. November 2009 im Opernhaus
Isolde Linda Watson
Tristan Robert Dean Smith
Marke Franz Hawlata
Einst hatte Isolde Tristan aus Liebe gesund­
gepflegt, obwohl er ihren Verlobten Morold
erschlagen hatte. Nun kehrt Tristan als Braut­
werber für König Marke zu Isolde zurück.
Auf der Fahrt zu ihrem zukünftigen Gatten
trinken die Liebenden statt des Todestrankes
einen Liebestrank. Einzige Möglichkeit für
ihre Liebe ist nun die gemeinsame Flucht aus
der Realität. Ziel dieser Flucht kann nur der
Tod sein.
Mit Linda Watson als Isolde steht eine der
weltweit erfolgreichsten Interpretinnen der
Partie auf der Bühne. Seit ihrem Rollendebüt
1998 verkörperte sie die Partie über 50 Mal
an den großen Opernhäusern, u. a. an der
New Yorker Met und an der Deutschen
Oper Berlin. Seit 1998 ist sie auch den Bay­
reuther Festspielen verbunden. Ferner liegt
zusammen mit Robert Dean Smith eine
CD-Einspielung vor.
Mit Robert Dean Smith als Tristan holt das
Nationaltheater ein ehemaliges Ensemble­
mitglied zurück nach Mannheim. Der ame­
rikanische Tenor war von 1995 bis 1999 am
Nationaltheater engagiert und zählt heute zu
den gefragtesten Heldentenören. Sein Re­
pertoire umfasst Partien unter­schied­lichster
Stilrichtungen von Verdi, Puccini über
32
Oper
Richard Wagner
Otello
20. Dezember 2009 im Opernhaus
Musikalische Leitung Axel Kober
Inszenierung Ulrich Schwab
Tschaikowski bis zu Beethoven. Seit seinem
Aufsehen erregenden Debüt 1997 bei den
Bayreuther Festspielen, wo er seit 2005 den
Tristan verkörpert, führten ihn seine WagnerInterpretationen an die international bedeu­
tendsten Opern- und Konzert­häuser.
Franz Hawlata wird die Partie des König
Marke übernehmen. Seine internationale
Karriere begann 1992 und brachte ihm u. a.
Engagements in Paris, Lyon, Pretoria und
San Francisco. Seit 1994 ist er an der Wiener
Staatsoper engagiert. Große Erfolge feierte er
mit seiner Interpretation des Baron Ochs in
Der Rosen­kavalier, den er auch in New
York und bei den Salzburger Festspielen
gab. Seit 2007 ist Franz Hawlata auch als
Hans Sachs in Bayreuth zu hören.
Axel Kober war nach einem Engagement als
Erster Kapellmeister und stellvertretender
Generalmusikdirektor in Dortmund von 2003
bis 2005 Erster Kapellmeister am National­
theater Mannheim. 2005 bis 2006 war er
stell­vertretender, 2006/2007 kommissari­
scher Generalmusikdirektor. Nach einem
Engagement als Musikdirektor der Oper
Leipzig ist er ab der Spielzeit 2009/2010
General­musik­direktor der Deutschen Oper
am Rhein Düsseldorf/Duisburg.
Otello Johan Botha
Jago Falk Struckmann
Die Intrige des trickreichen Jago, der sich für
eine Zurücksetzung durch Otello rächen will,
ist der Ausgangspunkt für Otellos Tragödie:
Jago entzweit Otello und Cassio und macht
Otello glauben, Cassio habe ein Verhältnis
mit seiner Frau Desdemona. Ein in Cassios
Hände gespieltes Taschentuch von Desdemona
scheint der Beweis. Auf Jagos Rat hin tötet
Otello seine Frau. Zu spät deckt Desdemonas
Vertraute Emilia die Intrige auf. Otello er­
dolcht sich.
Johan Botha war bereits in der Spielzeit
2007/2008 in der Titelpartie des Lohengrin
umjubelter Gast eines Festlichen Opern­
abends. Der südafrikanische Tenor ist heute
einer der wenigen dramatischen Tenöre, die
im deutschen wie im italienischen Fach glei­
chermaßen reüssieren. Seit seinem internatio­
nalen Durch­bruch gastiert Johan Botha u. a.
an der Mailänder Scala, an der Covent Garden
Opera in London, am Liceu in Barcelona, an
der New Yorker Met, an den Staatsopern in
Berlin, Hamburg, München und Wien sowie
bei den Salzburger Festspielen.
Musikalische Leitung Bertrand de Billy
Inszenierung Chris Alexander
Auch Falk Struckmann ist dem Mannheimer
Publikum seit seinem Auftritt als Telramund
bekannt. Er zählt bereits seit vielen Jahren
zu den gefragtesten Sängern seines Fachs
und ist zu Gast an allen großen Opernhäu­
sern wie z. B. den Staatsopern in Berlin,
Hamburg, München und Wien, an der Mai­
länder Scala, der Met und bei den Bay­
reuther und Salzburger Festspielen.
Bertrand de Billy ist Chefdirigent und künst­
lerischer Leiter des Radio Sinfonie Orchester
Wien. 1999 bis 2004 war er Chefdirigent des
Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Parallel
dazu entwickelte sich schnell seine internatio­
nale Karriere: Er gastierte unter anderem in
Berlin, Hamburg, München, Wien, London,
Brüssel, Paris, Los Angeles und an der Met,
wo er seit 1997 regelmäßig zu Gast ist.
Bertrand de Billy hat mit dem RSO Wien
zahlreiche CDs aufgenommen, zuletzt eine
von der Presse hochgelobte Einspielung von
Beethovens Eroica.
33
Norma
Jules Massenet
Werther
Oper konzertant
28. März 2010 im Opernhaus
16. Januar 2010 im Opernhaus
Charlotte Vesselina Kasarova
Werther Marius Brenciu
Norma Edita Gruberova
Inszenierung David Mouchtar-Samorai
Musikalische Leitung Andriy Yurkevych
Die politischen Spannungen zwischen den
Galliern und ihren römischen Unterdrückern
versucht Norma friedlich zu lösen – aus ganz
privatem Grund: Ein Aufstand würde ihren
Geliebten, den römischen Prokonsul Pollione,
mit dem Norma bereits zwei Kinder hat, in
Gefahr bringen. Dieser fühlt sich inzwischen
jedoch zur Novizin Adalgisa hingezogen.
toire der Kammersängerin nehmen Werke von
Donizetti und Bellini ein. 2006 gab sie ihr
umjubeltes Debüt als Norma an der Bayeri­
schen Staatsoper in München, von dem eine
DVD- und eine CD-Aufnahme vorliegt.
2009 feierte sie mit ihrem Rollen­debüt als
Lucrezia Borgia ebenfalls einen großen Er­
folg an der Bayerischen Staatsoper.
In der Partie der Norma wird Edita Gruberova
zu erleben sein, die seit über dreißig Jahren
zu den großen Konstanten der Opernszene
zählt. In Bratislava geboren, debütierte sie 1968
am Opernhaus ihrer Heimatstadt. Bereits
1970 war sie als Königin der Nacht an der
Wiener Staatsoper engagiert. Der internatio­
nale Durchbruch der fortan oft als „KoloraturWunder“ bezeichneten Sopranistin gelang
1976 mit der Partie der Zerbinetta in Strauss’
Ariadne auf Naxos. Seitdem ist sie an allen
großen internationalen Opernhäusern zu
Gast. Einen Schwerpunkt im Rollenreper­
Der in Zboriv (Ukraine) geborene Andriy
Yurkevych schloss sein Dirigierstudium an
der Musical Academy of Lviv (Lemberg,
Ukraine) ab und gewann u. a. den Nationalen
S. Tuchak Preis. Er leitet das Kammerorchester
Cluster und ist Generalmusikdirektor in
Odessa. Weitere Stationen waren unter an­
derem Brüssel, Santiago de Chile und die
Bayerische Staatsoper München. Einen großen
Erfolg feierte er mit Norma im Februar 2009
bei einer konzertanten Aufführung mit Edita
Gruberova in Berlin. An der Dresdner Semper­
oper wird er mit Lucrezia Borgia debütieren.
34
Oper
Vincenzo Bellini
Werther liebt Charlotte mit dem ganzen
Überschwang seiner Gefühle. Charlotte
wird jedoch einen anderen heiraten und rät
Werther, sie zu vergessen. Monate später
beginnt sie, ihre Gefühle für Werther zu
realisieren. Als Charlottes Ehemann sie
nach einem plötzlichen Zusammentreffen
mit dem zurückgekehrten Werther in großer
Verwirrung findet, schöpft er Verdacht. Auf
seine Veranlassung hin muss Charlotte
Werther die erbetenen Pistolen übergeben.
Werther erschießt sich. Erst dem Sterbenden
bekennt Charlotte ihre Liebe.
Für die Partie der Charlotte konnte Vesselina
Kasarova verpflichtet werden. Die bulgarische
Mezzosopranistin trat schon als Studentin an
der Nationaloper in Sofia auf. Nach einem
Engagement am Opernhaus Zürich gastierte
sie 1991 erstmals bei den Salzburger Fest­
spielen, kurz darauf folgte ihr Debüt an der
Wiener Staatsoper. Mit einem breiten Rollen­
repertoire, das Partien von Mozart, Rossini
oder Donizetti umfasst, überzeugte sie rasch
an den größten internationalen Opernhäusern
in Mailand, München, Berlin, London und
an der Metropolitan Opera New York. Neben
zahlreichen weiteren Einspielungen ist auch
ihre Interpretation der Charlotte auf CD zu
hören.
Der rumänische Tenor Marius Brenciu gewann
zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Ersten
Preis im Cardiff Singer of the World Wett­
bewerb 2001, sowohl in der Kategorie Oper
als auch in der Kategorie Lied. Er tritt regel­
mäßig in Opernhäusern wie der Opéra
National de Paris, an der Scala und an der
Wiener Staatsoper auf. Im Januar 2009 gab
er erfolgreich sein Debüt an der Met in La
Rondine.
35
Ariadne
auf Naxos
11. April 2010 im Opernhaus
Primadonna / Ariadne Petra Lang
Der Tenor / Bacchus Klaus Florian Vogt
Komponist Anke Vondung
Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic
Inszenierung Monique Wagemakers
Festliche
Opern­gala mit
Thomas Hampson
20. Juni 2010 im Opernhaus
Musikalische Leitung Dan Ettinger
Zwei Theatertruppen unterschiedlicher Her­
kunft müssen eine gemeinsame Theaterauf­
führung gestalten, obwohl die gegenseitige
Abneigung groß ist. Dazu muss der junge
Komponist seine Oper Ariadne auf Naxos
umarbeiten. Die Oper zeigt die von Theseus
verlassene Ariadne wartend auf den Tod.
Stattdessen be­gegnen Ariadne jedoch nicht
nur Zerbinetta und ihre Komödiantentruppe
sondern auch Bacchus. Er ist auf der Flucht
vor einer Frau und nun dem gesamten weib­
lichen Geschlecht gegenüber sehr kritisch
eingestellt.
Die aus Frankfurt stammende Mezzosopra­
nistin Petra Lang übernimmt die Rolle der
Ariadne. Einem Violinstudium schloss sie ein
Gesangsstudium an. Sie besuchte Meister­
kurse bei Hans Hotter, Brigitte Fassbaender
und Ingrid Bjoner. Nach Engagements am
Studio der Bayerischen Staatsoper München,
in Dortmund und Braunschweig begann ihre
internationale Karriere an den großen Opern­
häusern in Europa und den USA sowie bei
den Festspielen in Salzburg und Bayreuth.
36
Anke Vondung studierte bei Rudolf Piernay
an der Musikhochschule Mannheim. Die
vielfach ausgezeichnete Mezzosopranistin
verfügt über ein breitgefächertes Repertoire,
das sie an internationale Opernhäuser und
zu renommierten Festspielen führt. Erfolge
als Strauss-Interpretin feierte sie u. a. in der
Partie des Octavian in Der Rosen­kavalier,
den sie auch an der Opéra Bastille in Paris
gab. 2007 debütierte sie als Cherubino an
der Metropolitan Opera New York.
Klaus Florian Vogt war zunächst als Hornist
im Philharmonischen Staatsorchester Ham­
burg engagiert. Während­dessen studierte er
Gesang und erhielt 1997 sein erstes Engage­
ment in Flensburg. 1998 wechselte er an die
Dresdner Semperoper und ist seit 2003 frei­
schaffend tätig. Er war u. a. an den Opern­
häusern in Madrid, Hamburg, Brüssel,
Amsterdam, Köln und Tokio verpflichtet.
Seinem Debüt an der Metropolitan Opera
New York in der Titelpartie des Lohengrin
folgte 2007/2008 ein Engagement bei den Bay­
reuther Festspielen als Walther von Stolzing.
Thomas Hampson wird in der Spielzeit
2009/2010 die Festliche Operngala gestal­
ten, die inzwischen ein fester Bestandteil der
Festlichen Opernabende ist. Der amerikani­
sche Bariton kam 1980 nach Europa und
gehört seit über 25 Jahren zu den erfolg­
reichsten Sängern im Opernbetrieb, wobei
er immer wieder mit seiner Vielseitigkeit
überrascht. Er ist sowohl im Opern- wie im
Konzertbereich tätig und gilt als einer der
führenden Interpreten der Musik Gustav
Mahlers ebenso wie der Liedkompositionen
amerikanischer Komponisten. Sein Reper­
toire reicht von Mozartopern über die Titel­
partien in Guillaume Tell, Macbeth, Simon
Boccanegra, Eugen Onegin und Amfortas
im Parsifal bis zu Musiktheaterwerken des
20. Jahrhunderts, wie etwa Brittens Billy
Budd, Henzes Der Prinz von Homburg und
Friedrich Cerhas Der Riese vom Steinfeld.
Neben Gastspielen an allen großen interna­
tionalen Opernhäusern ist er der Metropoli­
tan Opera, der Opéra National de Paris,
dem Royal Opera House Covent Garden und
der Wiener Staatsoper besonders verbunden.
Seine stilistische Spannweite belegen auch
zahlreiche CD-Aufnahmen, wie etwa von
Monteverdis Marienvesper und Kantaten
Johann Sebastian Bachs, Felix Mendels­
sohns Oratorien Paulus und Elias, Werken
von Walton, Vaughan Williams bis hin zu
Operetten und Musicals.
Das Programm der Festlichen Operngala
wird gesondert bekannt­gegeben.
37
Oper
Richard Strauss
lungsreiches Konzertprogramm, das die
große Zeit der „Mannheimer Schule“ leben­
dig werden lässt.
38
einführungen sowie Publikumsgespräche an.
Die genauen Termine finden Sie auf unserer
Homepage und in unserem Monatsleporello.
Thomas Siffling’s Nightmoves
dem Nationaltheaterorchester unter der mu­
sikalischen Leitung von Günther Albers lädt
wieder große und kleine Zuschauer zu klin­
genden Abenteuern und akustischen Exkur­
sionen ein, die den Bogen vom klassischen
Repertoire bis zu Neuer Musik schlagen.
Zweimal im Monat verwandelt sich das
Theatercafé in einen Jazzclub. Thomas
Siffling, Mannheimer Ausnahmetrompeter,
Chef eines eigenen Jazzlabels und Kurator
der Reihe, holt auch in der neuen Spielzeit
regionale Jazzgrößen und international re­
nommierte Formationen und Musiker ans
Nationaltheater und präsentiert ein reich­
haltiges Spektrum an zeitgenössischem Jazz
aus dem Schmelztiegel aktueller Strömungen.
Café Concert
Hab8!
Die Kammermusikreihe Hab8! lädt Sie zu
musikalischen Erlebnissen und Entdeckun­
gen jenseits der Opernbühne und der großen
sinfonischen Literatur ein. Mitglieder von
Opernchor und Nationaltheaterorchester
stellen sich als Solisten und Kammermusiker
Einblicke in Neuproduktionen bieten die
Einführungsmatineen mit Beteiligten der
Produktion im Vorfeld der Premiere. Zu
ausgewählten Vorstellungen bieten wir Kurz­
Premiere am 21. Oktober 2009
Familienkonzerte
Welche Instrumente gibt es im Orchester und
wie können diese klingen? Können Töne
Geschichten erzählen und wie entsteht ei­
gentlich eine Komposition? Diesen und vielen
anderen Fragen widmen sich auch in dieser
Spielzeit die Familienkonzerte. Das bewährte
Team mit KiKa-Moderator Juri Tetzlaff und
Oper Extra
Einführungsmatineen und Kurzeinführungen
Sonderkonzert „Mannheimer Schule“
Solisten des Nationaltheater Mannheim und
das Nationaltheaterorchester präsentieren
mit Arien und Szenen u. a. von Wolfgang
Amadeus Mozart, Joseph Martin Kraus
und Johann Christian Bach ein abwechs­
Oper
Oper Extra
vor. Solisten des Opernensembles präsentie­
ren mit Liedprogrammen einen weiteren As­
pekt ihrer musikalischen Arbeit. Im Oberen
Foyer sind dabei Klassiker des Kammer­musik­
repertoires ebenso zu erleben wie unbekannte
Stücke und ungewöhnliche Besetzungen.
Von Oktober bis April bietet das National­
theater allen Freunden der Salonmusik ein
besonderes Programm: Bei Kaffee und Ku­
chen versüßt das Ensemble Salonissimo an
zwei Samstagen im Monat die kalte Jahres­
zeit mit Melodien aus Operette, Musical
oder Film.
39
Repertoire
Oper
Repertoire
Oper
Highlights
Gian Francesco de Majo
Salvatore Sciarrino
Superflumina
Alessandro
Der Schauplatz von Sciarrinos Musiktheater, das in der Spielzeit 2008/2009 als Auftrags­
werk für Mannheim entstanden ist, ist ein großer Bahnhof. Es ist ein Ort des Durchgangs
und der gestrandeten Existenzen, die Protagonistin ist eine scheinbar obdachlose, verlorene
Frau. Superflumina ist das Drama eines heimatlosen Menschen, der aus den sozialen Netzen
herausgefallen ist, der eine andere Sprache spricht als der Strom der Menschen, der achtlos
über ihn hinwegrollt. Im lyrischen Ausdruck der Frau, der mit den ökonomisierten Wahr­
nehmungsbedingungen der Umwelt kollidiert, lässt Sciarrinos Musik uns etwas ahnen von
ihren Verletzungen, von der Einsamkeit ihres Wahnsinns. Die kompositorischen Randgänge
zwischen Klang und Schweigen, die der menschlichen Stimme zugleich eine seismographi­
sche Aufmerksamkeit widmen, sind ästhetischer Einspruch gegen eine immer lauter, gleich­
förmiger und abgestumpfter werdende Welt.
Sein Eroberungsfeldzug führt den Makedonierkönig Alexander auch in das unbekannte Indien.
Der von ihm bekriegte König Poros jedoch fürchtet mehr noch als die militärische Niederlage
Alexander als Nebenbuhler bei seiner Geliebten Cleofide. Überhaupt bringt das Erscheinen
Alexanders nicht nur die politischen, sondern auch die Liebesverhältnisse durcheinander. –
Die Mischung aus Fürstenspiegel und komischem Eifersuchtsdrama in der 1766 uraufgeführ­
ten Mannheimer Hofoper ist uns heute in einer Partitur ohne Rezitative und einem Textbuch
in historischer Übersetzung erhalten und wurde am Nationaltheater in der Spielzeit 2007/2008
nach fast 250 Jahren zum ersten Mal wieder aufgeführt.
Günter Krämer hat in seiner erfolgreichen genreübergreifenden Inszenierung zwischen Bolly­
wood und Katakali eine lebendige Begegnung der von Mozart geschätzten frühklassischen
Musik mit Schauspiel, Tanz und indischer Musik geschaffen.
Im Herbst 2009 erscheint eine Aufnahme der Mannheimer Inszenierung als CD.
Musikalische Leitung Tito Ceccherini Inszenierung Andrea Schwalbach
Bühne Anne Neuser Kostüme Stephan von Wedel Choreografie Thomas McManus
Dramaturgie Regine Elzenheimer Chor Tilman Michael
Musikalische Leitung Tito Ceccherini Inszenierung Günter Krämer
Bühne Jürgen Bäckmann Kostüme Falk Bauer Dramaturgie Regine Elzenheimer
Chor Tilman Michael
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