Spielzeit 2009/2010 Nationaltheater Mannheim www.nationaltheater-mannheim.de Spielzeit 2009/2010 Regula Gerber Generalintendantin Liebe Theaterbegeisterte, verehrtes Publikum, welche Farbe könnte besser für unser Theater­ schaffen stehen als das Rot? Keine Kunst lebt so sehr aus der Gegenwart wie das Theater – das aktuelle Erleben zwi­ schen Publikum und Bühnenmoment findet nur und ausschließlich im Jetzt statt. Als „Farbe der reinen Gegenwart“ bezeichnet Ernst Jünger das Rot, und Goethe stufte es in seiner Farbenlehre als höchste Steigerung aller Farben ein: „Die Wirkung dieser Farbe ist so einzig wie ihre Natur. Sie gibt einen Eindruck sowohl von Ernst und Würde als von Huld und Anmut“. Rot gilt als anspor­ nend und wärmend, als aggressiv und leiden­ schaftlich. So ist also unsere Kunst: ganz nah und ge­ genwärtig, mutig und voller Lebenskraft. Sie zeigt die Liebe genauso wie die Gewalt, die Utopie genauso wie die Verzweiflung. 4 Die Bilder in unserem Spielzeitheft lassen Sie eintauchen in all diese Möglichkeiten der roten Farbe. Sie sind eine abstrakte poe­ tische Übersetzung dessen, was Sie auf der Bühne im Theater erleben: Momente menschlicher Existenz im Brennglas eines szenischen Augenblickes, Momente der Aus­ einandersetzung, des Erkennens, aber auch des Erleidens und des Glücks. Mit seinem Reichtum an herausfordernden Produktionen und seiner Kreativität leuchtet das Nationaltheater mit der Farbe Rot in die Stadt hinein und formt – gemeinsam mit unserer Stadt – starke Identität und Unver­ wechselbarkeit nach außen. Es gilt also, die Augen und Ohren und das Denken zu öffnen – damit wir wahrneh­ mungsbereit und entdeckungsfähig werden, denn jede Sparte wartet mit einem imposanten Programm auf: mit zahlreichen Urauffüh­ rungen oder deutschen Erstaufführungen, selten gespielten Kleinoden und neuen Sicht­ weisen auf das klassische Repertoire. Mit jungen Talenten und ästhetischem Aufbruch; aber auch mit Vergewisserung des eigenen Standortes innerhalb einer kulturellen Tra­ dition. Gerade aus dieser Reibung zwischen Neu und Alt und aus dem Wunsch, die Po­ tentiale – sozusagen das Edle unter der Patina des Industriestaubs – zu entdecken, entsteht in Mannheim eine unglaublich lebendige Kraft. Diese Art der Reibung und diese Auf­ forderung zu bewusster Wahrnehmung ver­ folgen Oper, Schauspiel, Ballett, Schnawwl und Junge Oper und auf ganz eigene Weise der Mannheimer Mozartsommer 2010 in der neuen Spielzeit. nengeschehens. Nutzen Sie das Theater als schöpferischen Ort, um kreative Impulse und Wissen für sich zu entdecken. Wir brauchen Ihre Neugier und all Ihre Sinne, um den Bil­ dern – ob auf der Bühne oder als assoziative Welt in diesem Heft – Leben und Kraft ein­ zuhauchen. Halten Sie Ausschau nach dem Rot in Ihrem Leben – und im Nationaltheater! Herzlich Ihre Regula Gerber Wir freuen uns, wenn Sie gemeinsam mit uns hinschauen, genießen, wahrnehmen, weiterdenken und sich auseinandersetzen – mit uns und all diesen Momenten des Büh­ 5 Premieren Schauspiel Oper Ballett Johann Christian Bach Amadis des Gaules 17. Oktober 2009 Galt MacDermot Hair 7. November 2009 Georges Bizet Carmen 5. Dezember 2009 Gaetano Donizetti Roberto Devereux (Oper konzertant) 30. Januar 2010 Bernhard Lang Montezuma – Fallender Adler (UA) 26. März 2010 Giacomo Puccini Turandot 8. Mai 2010 Frederick Loewe My Fair Lady 11. Juni 2010 Wolfgang Amadeus Mozart La clemenza di Tito 18. Juli 2010 Junge Oper Theo Loevendie Die Nachtigall April 2010 Mauricio Kagel Zählen und Erzählen III Juni / Juli 2010 6 Frank Wedekind Lulu 3. Oktober 2009 Marius von Mayenburg Freie Sicht (DSE) 7. Oktober 2009 John Cassavetes Ehemänner (UA) 8. Oktober 2009 Astrid Lindgren Ronja Räubertocher 18. Oktober 2009 Ewald Palmetshofer faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete (DE) November 2009 Theresia Walser Herrenbestatter (UA) 3. Dezember 2009 Anne Rabe Als ob schon morgen wär (UA) Januar 2010 Henrik Ibsen Peer Gynt 9. Januar 2010 Reto Finger Norma (UA) 6. Februar 2010 Bertolt Brecht / Kurt Weill Die Dreigroschenoper 27. Februar 2010 Gesine Danckwart Walgesänge von Menschen und Tieren (UA) Februar 2010 Heinrich von Kleist Amphitryon 27. März 2010 Friedrich Schiller Die Verschwörung des Fiesco zu Genua 24. April 2010 Lajos Talamonti Im Kreis der Besten. Leben im Quadrat (UA) Mai 2010 Zentrale Intelligenz Agentur Auftragswerk: Lorem ipsum (UA) Mai 2010 William Shakespeare Was ihr wollt 12. Juni 2010 Ulrike Syha Ein neues Stück (UA) Juni 2010 Robert Glumbek, Luches Huddleston Jr., Kevin O’Day Full Bloom Oktober 2009 Dominique Dumais, Twyla Tharp Poetic Play 14. November 2009 Dominique Dumais Frida Kahlo (UA) 19. Februar 2010 Kevin O’Day Film noir (UA) 19. Mai 2010 Choreografische Werkstatt (UA) Juni 2010 Schnawwl Peter Seligmann Tölpelhans 3. Oktober 2009 Hans Christian Andersen Das hässliche Entlein (DSE) 3. Oktober 2009 Astrid Lindgren Ronja Räubertochter 18. Oktober 2009 Herman van Baar / Harriët van Reek Riekchens Reise (DSE) 9. Januar 2010 Guus Kuijer Das Buch von allen Dingen 29. Januar 2010 John Retallack Risiko 27. Februar 2010 Pamela Koevoets Aschenputtel (DSE) 5. Juni 2010 7 Repertoire Oper Vincenzo Bellini Norma (Oper konzertant) Pam Gems Marlene Gottfried Greiffenhagen Die Comedian Harmonists II – Jetzt oder nie Engelbert Humperdinck Hänsel und Gretel Gian Francesco de Majo Alessandro Jules Massenet Werther Wolfgang Amadeus Mozart Così fan tutte Wolfgang Amadeus Mozart Don Giovanni Wolfgang Amadeus Mozart Die Entführung aus dem Serail Wolfgang Amadeus Mozart Die Zauberflöte Giacomo Puccini La Bohème Giacomo Puccini Tosca Salvatore Sciarrino Superflumina Johann Strauß Die Fledermaus Richard Strauss Ariadne auf Naxos Richard Strauss Salome Eberhard Streul Papageno spielt auf der Zauberflöte Giuseppe Verdi Macbeth Giuseppe Verdi Otello Giuseppe Verdi Rigoletto Giuseppe Verdi Un ballo in maschera (Ein Maskenball) Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg Richard Wagner Parsifal Richard Wagner Tristan und Isolde Richard Wagner Der Ring an 1 Abend Richard Wagner Das Rheingold Richard Wagner Die Walküre Richard Wagner Siegfried Richard Wagner Götterdämmerung Junge Oper Georges Aperghis Rotkäppchen Jens Joneleit/Sophie Kassies Schneewitte Sophie Kassies Schaf Markus D. Reyhani/Thomas von Brömssen Die Geschichte vom kleinen Onkel Robyn Schulkowsky/Sophie Kassies Das Kind der Seehundfrau Gerhard Stäbler Riech mal wie das klingt 8 Schauspiel Gesine Danckwart Und die Welt steht still (UA) Dietmar Dath Waffenwetter (UA) Friedrich Dürrenmatt Die Physiker Giuseppe Ferrandino Pericle der Schwarze (UA) Johann Wolfgang Goethe Faust – Der Tragödie erster Teil Henrik Ibsen Baumeister Solness nach Franz Kafka Amerika Juliane Kann/Lorenz Langenegger/Philipp Löhle/Ewald Palmetshofer 4x4 (UA) Tracy Letts Eine Familie: August Osage County (DSE) Jan Neumann Königs Moment (UA) Ewald Palmetshofer hamlet ist tot. keine schwerkraft (DE) Friedrich Schiller Die Jungfrau von Orleans Friedrich Schiller Maria Stuart William Shakespeare Macbeth William Shakespeare Romeo und Julia Theresia Walser Monsun im April (UA) Theresia Walser Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm (UA) Ballett Bridget Breiner/Robert Glumbek/Kevin O’Day Beethoven (UA) Dominique Dumais Chansons (UA) Kevin O’Day MA/NY for the love of it … (UA) Kevin O’Day eine stunde zehn (UA) Schnawwl Roel Adam Alles für das Feuer (DSE) Herman van Baar/Flora Verbrugge Kummer und Courage (DSE) Ad de Bont Eine Odyssee Ulrich Hub An der Arche um acht Lutz Hübner Aussetzer Alma Jongerius Müllmaus Heinrich von Kleist Kohlhaas Guus Kuijer Wir alle für immer zusammen Christian Morgenstern Das große Lalula (UA) Friedrich Karl Waechter Alle Freunde fliegen hoch (UA) UA Uraufführung DSE Deutschsprachige Erstaufführung DE Deutsche Erstaufführung 9 Oper Oper Inhalt Junges Nationaltheater Vorwort 14 Premieren 16 Mannheimer Mozartsommer 27 Festliche Opernabende 30 Oper Extra 38 Repertoire Highlights 40 Kinderchor 124 Theaterkurse 125 Junges Theater im Delta 126 Ensemble & Personalia Ensemblemitglieder 130 Personalia 138 Junge Oper Vorwort 44 Premieren 46 Junge Oper Extra 48 Repertoire 50 Musikalische Akademie des Nationaltheaterorchesters 150 Service Schauspiel Vorwort 56 Premieren 58 Die neue Hausautorin Ulrike Syha 78 Repertoire 80 Ballett Vorwort 90 Premieren 92 Ballett Extra 98 Repertoire 100 Schnawwl Vorwort 104 Premieren 106 Schnawwl Extra 113 Repertoire 117 10 Akademiekonzerte unt. ad quo to voluptatus ventem exceptam re um den Spielplan Dae.154 Lore prorese dicaborio magnihita pra­ porecab illorro mossum etRund delitium re, to Angebote für Schulklassen 155dolupti beatia dolor sum nat eictat tur? Qui consed et eatiaturibus et est, sime eaquo assequissin162 prae volor reium quas et a simu­ odipis rem con corro esciis estorem eum hi­ Menschen Angebote für junge san dusam, necaectum si odis quis ratus. tatur? Aspieni testis comni commoditi de­ Die Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e.V. 164 Um, quaeprovit optaeperum nus, odis ellesti rum laut as plis voluptate idel eostento er­ Die Stiftung Nationaltheater und ihre Stifter 166 aturit ut que conseque nonsequi ipsum la spero et minum esed quiaess ecerit aut od dusam fugiae sunt, cores dit late laborep maionestium explaborio moluptatia quiat raeceritam ut estota saniendignis quas eatet quiatur? lantia perum excearcidel iun. Susdaepta delessum, unt acerunt elescia ese ne nimillam, nos dolupid magnam alitae in­ und Sitzpläne 170 Ihre imped moleniet autasimusPreise quos dolut ent Abonnements 175 vellest, velibusam ipsae sumquae disci volu­ pit as doluptin periatu risquate erero eatest Vorverkauf und Öffnungszeiten 190 modiani volores tiorpor sundi unto eum Mannheimer Besucherring 191 Regula Gerber quias earchil mostionsed excescia doles Allgemeine Geschäftsbedingungen 192 Generalintendantin modi optataspit aut parumen daescimpor Spielstätten und Anfahrt 194 sam consequat voluptis illuptasita comni quassus debis que reium cori comni destisi Stadtplan 196 od ut dolor aliqui dolestius, sunti omnim qui berem res ad quiam volorem quam, si Kontakt Impressum 198 beate vent, odignate nectet laborro/omniti­ Karten & Abonnements 11 Oper Oper Verehrtes Publikum! Willkommen in der 231. Spielzeit des National­ theaters. Johann Christian Bach, der jüngste Sohn des großen Johann Sebastian, war mit drei Opernwerken einer der prägendsten Kom­ ponisten der Mannheimer Hofoper, die zu ihrer Zeit die europäische Opernavantgarde anführte. Mit seinem Amadis des Gaules wollen wir diese große Zeit der Mannheimer Schule wieder lebendig werden lassen. Auch im 21. Jahrhundert will Mannheim Forum für zeitgenössisches Musiktheater sein, das unsere Hör- und Sehgewohnheiten herausfordert und verändert. Mit der Urauf­ führung von Bernhard Langs Montezuma – Fallender Adler können Sie erleben, dass die Gattung Oper nach wie vor voller Leben und Zukunft ist. Und aus den drei Jahrhunderten, die zwischen Bach und Lang liegen, haben wir für Sie Meisterwerke ausgewählt, die das zentrale 14 Thema der Oper seit je auf exemplarische Weise behandeln: Liebe. In immer neuen Fa­ cetten handeln diese Werke vom wilden und verliebten Kampf der Geschlechter. Die Liebe ist Glück und mehr noch Katastrophe. Ist es Angst vor Carmens Liebe, die Don José nach der Entlassung aus dem Gefängnis statt zu Carmen auf die Straße treibt? Wissen wir wirklich, was Carmen in Don José sieht? Wir erleben nur, wie sie im Kartenspiel dem Tod entgegensieht. Turandot verweigert die Liebe zu den Männern aus Rache für die Vergewaltigung ihrer Urahnin durch einen Tartaren und tötet die Freier, die ihre Rätsel nicht lösen können. Bis einer kommt, ein Tartarenprinz, der ihre Rätsel löst. Aber ist der Kampf damit zu Ende? Ist dieses Happy End glaubwürdig? Misstraute vielleicht Puccini dem im Libretto entworfenen Ende? Jeden­ falls hat er die Komposition nicht beenden können. Auch in Amadis des Gaules sind es gar nicht so sehr äußere Umstände wie Fa­ Prof. Dr. Klaus-Peter Kehr Operndirektor milienehre oder Blutrache, an denen die Lie­ benden scheitern. Es sind vielmehr Angst, Misstrauen, unbewusster Verrat. Montezuma – Fallender Adler handelt von der Zerstörung der atztekischen Kultur durch spanische Christen unter Cortez. War es die Liebe zu Cortez, die die Dolmetscherin Malintzin zur Verräterin an ihrem Volk werden ließ und so den Christen zum Sieg verhalf? Oder hielt sie Cortez wirklich für den Erlö­ ser? Die Rolle der Liebe bleibt rätselhaft. Die Liebe ist auch politisches Instrument. In Mozarts letzter Oper La clemenza di Tito nutzt Vitellia die Liebe von Sextus hemmungs­ los für ihren Aufstieg aus, sie verführt ihn, seinen Freund Titus zu beseitigen. Können wir uns seine Verzweiflung über die eigene Hörigkeit aus Liebe vorstellen, die seinen Willen und Verstand gefangen hält? Wer mehr liebt, ist der Schwächere. Nur die Milde des Titus verhindert die Katastrophe. Mit dieser Oper, der letzten Premiere der neuen Spiel­ zeit, wird der Mannheimer Mozartsommer eröffnet. Bei den beiden Erfolgsmusicals Hair und My Fair Lady ist die Liebe leichter – oder sie scheint leichter. Sie schmeckt bittersüß in Hair, weil Flower Power letztlich doch vor der Realität kapitulieren muss, und in der Lady, weil Higgins am Ende doch gegen Freddy verliert. Ihr Klaus-Peter Kehr 15 Musikalische Leitung Reinhard Goebel Inszenierung Nicolas Brieger Bühne Roland Aeschlimann Kostüme Andrea Schmidt-Futterer / Anne Dehof Licht Alexander Koppelmann Dramaturgie Klaus-Peter Kehr / Regine Elzenheimer Chor Tilman Michael Hair Oper Amadis des Gaules Galt MacDermot Premieren Johann Christian Bach In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel Musikalische Leitung Michael Cook Inszenierung Philipp Kochheim Bühne Thomas Gruber Kostüme Bernhard Hülfenhaus Choreografie Alonso Barros Dramaturgie Stephanie Winter / Anselm Dalferth Premiere am 7. November 2009 im Opernhaus Premiere am 17. Oktober 2009 im Opernhaus Der diabolische Arcalaus hat sein Leben dem Hass verschrieben: Im Zeichen der Rache führt er einen Kampf gegen die Liebe und gegen die ‚Schwachheit‘ des Gefühls. Seine Schwester Arcabonne wird in diesen dämonischen Krieg gegen Amor hineingerissen und geht daran zugrunde, weil sie in Amadis unglücklich den Mörder ihres anderen Bruders liebt. Johann Christian Bachs Oper liegt ein Text von Alphonse Denis Marie de Vismes nach dem Libretto von Philippe Quinault für Lullys Oper Amadis zugrunde. Der Stoff entstammt dem im höfischen Frankreich ungeheuer popu­ lären Ritterroman Amadis von Gallien. Im Fokus der Oper steht allerdings weniger die Tapfer­keit des Helden, als vielmehr der Wi­ derstreit antiaufklärerisch-okkulter Kräfte mit utopischen Ideen von Liebe und Freiheit, deren Durchsetzung allerdings einer guten Gottheit bedarf. 16 Als Bach 1778 / 79 an diesem Auftragswerk für Paris schrieb, war er bereits in den letzten Jahren eines kosmopolitischen Lebens. Der jüngste Sohn Johann Sebastian Bachs war nach seinem Durchbruch als Opern­komponist in Italien nach London über­gesiedelt und zählte auch den kurfürstlichen Mannheimer Hof zu seinen Auftraggebern (Temistocle 1772 und Lucio Silla 1774). Von Mozart Zeit seines Lebens sehr verehrt, findet sich in dessen Werk der prägende Einfluss von Bachs Komposi­ tionsstil, und ein deutlicher Weg führt von Amadis des Gaules zur Zauberflöte. Mit Bachs letzter und zugleich einziger franzö­ sischer Oper steht in dieser Spielzeit wieder ein kaum gespieltes und neu zu entdecken­des Werk aus dem Kreis der Mannheimer Schule auf dem Spielplan. USA, Ende der 60er Jahre. Claude, der zum Wehrdienst eingezogen werden soll, begeg­ net einer Gruppe von Hippies. Berger, der Anführer, Sheila, die Studentin aus reichem Hause, Hud, der Farbige, Ron, Woolf, Jeannie, Crissy und der Rest der Gruppe suchen abseits etablierter Bürgerlichkeit und in Opposition zu einem skrupellosen Staatsapparat nach einem anderen, friedvolleren Leben. In ein­ zelnen Szenen und Songs protestieren sie gegen Krieg, Rassismus und Umweltzerstörung, singen von Drogenrausch und Liebe und feiern in Erwartung einer neuen Zeit im Sternzeichen des Wassermanns mit Blumen, Räucherstäb­ chen, Kerzen und Friedenspfeifen das Leben. Als Hair 1967 vom Off-Broadway an den Broadway kam, war der Erfolg dieses Stückes nicht mehr aufzuhalten. Zwei Jahre lang hatten James Rado und Gerome Ragni Notizen persönlicher Erlebnisse als Text­ grundlage zusammengetragen und so ein Musical geschaffen, das wie kein anderes das Lebensgefühl einer Generation aufgreift. Authentische Musik der 68er Hippie-Gene­ ration setzte zudem der ehemalige Organist und Kirchenmusiker Galt MacDermot dem etablierten Musicalstil entgegen und läutete so zugleich die Ära des Rockmusicals ein. Nicht nur mit seinen nach wie vor populären Songs wie „Hair“, „Aquarius“ oder „Let the Sunshine in“, die heute längst Kultstatus erreicht haben, sondern auch mit seiner Sehnsucht nach Frieden, Liebe, Toleranz, Mitmenschlichkeit und Freiheit hat Hair bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. 17 Georges Bizet Premieren Oper Carmen Musikalische Leitung Dan Ettinger Inszenierung Gabriele Rech Bühne Sandra Meurer Kostüme Renée Listerdal Dramaturgie Roland Quitt Chor Tilman Michael Premiere am 5. Dezember 2009 im Opernhaus Der spanische Soldat José verfällt der Fabrik­ arbeiterin Carmen. Er gibt für sie sein bür­ gerliches Leben und seine Selbstachtung auf und gerät in einen immer tieferen Strudel der Abhängigkeit. Als sie ihn verlässt, bleibt ihm nichts mehr. In rasender Verzweiflung ersticht er sie. Bizets Carmenfigur eröffnet die Liste eroti­ scher Frauengestalten, an denen seit dieser Zeit männliche Opernhelden verglühen. Viel weniger als Carmens spätere Geschwister Salome und Lulu ist sie selbst dabei aber bloßes Geschöpf aus dem Reich männlicher Fantasien. Bizets Oper ist eine ausgefeilte soziale Milieustudie mit Figuren von hoher psychologischer Glaubwürdigkeit. Carmens offensiver Umgang mit der Anziehung, die sie auf Männer ausübt, ist ihre Waffe im Kampf um das bisschen Lebensglück, das sie dem Leben am unteren Rand der Gesell­ schaft für sich abzutrotzen versucht. Das Publikum der Pariser Uraufführung zeigte sich düpiert von Bizets realistischem Porträt einer sozialen Schicht, in der roher Lebenshunger herrscht, das Gesetz der Straße regiert, Konflikte und Enttäuschungen nicht anders als durch Gewalt ausgetragen werden. Ein erster geringer Erfolg war seiner Carmen wenige Monate später in Wien beschieden, Bizet freilich erlebte ihn nicht mehr: An einem Herzanfall war er nach den Querelen um diese Oper gestorben. 19 Gaetano Donizetti Roberto Devereux Oper konzertant Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Chor Tilman Michael Premiere am 30. Januar 2010 im Opernhaus Mit Roberto Devereux wird der vor zwei Spielzeiten mit Anna Bolena begonnene und mit Maria Stuarda fortgesetzte Auffüh­ rungszyklus von Donizettis KöniginnenDramen komplettiert. Nur wenige Jahre nach Maria Stuarda entstanden, ist Roberto Devereux deren inhaltliche Fortsetzung: Er­ neut begegnet uns hier Elisabeth I. von Eng­ land, diesmal um einige Jahre gealtert und bereits jenseits des Zenits ihrer Herrschaft. Noch stärker konzentriert sich Donizetti diesmal beinahe kammerspielartig auf die drei Protagonisten um den wegen Hochverrats angeklagten Roberto Devereux. Sein politi­ scher Fehltritt ist nur der Auslöser einer ganz persönlichen Tragödie: Wieder muss Elisabeth I. von einer Konkurrentin um den Geliebten erfahren. Sara von Nottingham ist jedoch nicht nur Elisabeths Vertraute, sondern auch die Ehefrau des besten Freundes von Roberto Devereux. Zwar entsagen Sara und Roberto ihrer Liebe, doch Nottingham er­ 20 fährt von der vermeintlichen Beziehung, und Roberto verliert seinen letzten Fürsprecher. Die Königin unterzeichnet – von Robertos doppeltem Verrat enttäuscht – das Todesurteil. Als es Sara endlich gelingt, Nottingham zu entkommen, um der Königin einen Ring Robertos zu überbringen, ist es bereits zu spät. Rasend vor Zorn und Verzweiflung verurteilt Elisabeth nun auch Sara und Nottingham. Die Rächerin bleibt mit der blutigen Vision des getöteten Geliebten allein zurück. Roberto Devereux zählte zu Donizettis Leb­ zeiten zu seinen erfolgreichsten Werken. Faszinieren doch damals wie heute die Figuren, die sich – Opfer und Täter zugleich – jeder eindeutigen moralischen Beurteilung wider­ setzen. Donizettis Musik zeichnet die Stufen ihrer seelischen Befindlichkeiten geradezu seismografisch nach. – Der Komponist nannte Roberto Devereux die „Oper der Emotionen“. Oper Bernhard Lang Premieren Montezuma – Fallender Adler Uraufführung Musikalische Leitung N. N. Inszenierung und Bühne Peter Missotten Kostüme Valentina Kempynck Dramaturgie Regine Elzenheimer / Anselm Dalferth Chor Tilman Michael Premiere am 26. März 2010 im Opernhaus Die Begegnung des spanischen Eroberers Cortez mit dem aztekischen König Montezuma und die zwielichtige Rolle der indianischen Dolmetscherin Malinche (Malintzin), die Cortez’ Geliebte wird, ist eine der Schlüssel­ szenen am Beginn der europäischen Neuzeit. Die Zerstörung der aztekischen Kultur im Zeichen von Christianisierung und Goldgier kann als traumatisches Fundament neuzeit­ licher Welterweiterung gelten. Zugleich waren das magische Denken und die archaischen, naturbezogenen Rituale der Azteken unver­ einbar mit der Weltaneignung der Eroberer. Bernhard Lang gestaltet in seinem Musik­ theater das Aufeinandertreffen dieser zwei Welten als eine Dekonstruktion von Subjekt und Erzählung. In Langs Komposition werden Orte und Erzählperspektiven verschoben, ma­ gische Räume von Vorahnung des Untergangs und Naturdeutung werden mit konkreten 22 Szenen von Gewalt, Zerstörung und Unter­ werfung konfrontiert. Montezuma und Cortez stehen für die gegenseitige Nichtwahrneh­ mung des Anderen. So entsteht ein musik­ theatraler Durchgang durch verschiedene Inseln und Brennpunkte der Wahrnehmung, zuweilen gar ein „psychedelisches Theater“. Letztlich handelt Montezuma – Fallender Adler vom Verschwinden: Dem Verschwinden einer Kultur im Zeichen des denkenden Sub­ jekts folgt das Verschwinden des Subjekts in den unterschiedlichen Perspektiven des Denkens. Bernhard Lang ist einer der interessantesten Komponisten der Gegenwart, der das Musik­ theater durch Einbeziehung verschiedener musikalischer Ausdrucksformen erneuert: In der Auseinandersetzung mit elektronischer und computergenerierter Musik, mit Jazz und Turntablism entstehen neue, nicht-lineare musiktheatrale Erzählweisen. 23 Turandot Musikalische Leitung Dan Ettinger Inszenierung Regula Gerber Bühne Sandra Meurer Dramaturgie Regine Elzenheimer Chor Tilman Michael Oper Frederick Loewe My Fair Lady Premieren Giacomo Puccini Musikalische Leitung Michael Cook Inszenierung Helmut Baumann / Jürg Burth Bühne Katrin Kegler-Fritsch Kostüme Uta Loher / Conny Lüders Dramaturgie Julia Simon Chor Tilman Michael Premiere am 8. Mai 2010 im Opernhaus Premiere am 11. Juni 2010 im Opernhaus Niemals will die Prinzessin Turandot einem Mann gehören. Allen Bewerbern gibt sie deshalb Rätsel auf. Wer die Antwort nicht findet, verfällt dem Henker. Als es dem Prinzen Kalaf gelingt, ihre Rätsel zu lösen, ist Turandot bestürzt. Sie müsste ihr Versprechen nun einlösen und Kalaf heiraten. Unerwartet macht ihr dieser ein Angebot: Er will den Freitod wählen, wenn Turandot bis Sonnen­ aufgang seinen Namen herausfindet. Die Geschichte der Turandot entstammt einer Erzählung aus Häzâr-jak Rûz (Tausendund­ ein Tag), der persischen Entsprechung zu den 24 arabischen Märchen aus Tausendundeine Nacht. Carlo Gozzi schrieb eine Drama­tisie­ rung, die schon Schiller und später auch Brecht zu eigenen Bühnenfassungen inspi­ rierte, und die Puccini in einer Inszenierung Max Reinhardts erlebte. Turandot blieb Puccinis letzte Oper. Der exotische Märchenstoff inspirierte ihn zu einer Partitur mit einem ungewöhnlichen Reichtum an Klangfarben. Puccini starb zu einem Zeitpunkt, an dem er über ungelösten drama­ turgischen Problemen mit der Komposition ins Stocken geraten war. Henry Higgins hat ein feindseliges Verhältnis zu Frauen – an seine Mutter reichte bislang keine heran. Als dann doch eine andere Frau in sein Leben tritt, setzt er alles daran, sie nach seinem Ideal zu gestalten. „Eine Ro­ manze“ nannte George Bernard Shaw seine Geschichte vom Blumenmädchen Eliza, das zufällig zum Gegenstand einer Wette und so­ mit zum Opfer von Higgins’ berserkerhafter Umerziehung wird. Elizas Geschichte ist die ihrer Auflehnung und ihres Ringens um Selbst­­ behauptung. Fast beiläufig erzählt sie von einer unmöglichen Liebe, die so alt ist wie das abendländische Bewusstsein: der zwischen Pygmalion und der von ihm erschaffenen Statue Galatea. Der Welterfolg von Pygmalion war bereits verblichen, als das Schauspiel zum Musical wurde. Witz und inhaltlicher Reichtum Shaws lieferten die Inspiration zu einer Par­ titur mit einer ungewöhnlichen Fülle musi­ kalischer Ideen. Keinem anderen Musical entstammen so viele Songs, die heute Klassiker eigenen Rechts sind. Dass aus Pygmalion und Galatea je ein ganz glückliches Paar werden könnte, daran hatte Shaw nicht ge­ glaubt, und daran glaubten auch die Produ­ zenten von My Fair Lady nicht. Im angefüg­ ten Happy End, ohne welches das Stück 1956 am Broadway nicht denkbar war, schwingt deshalb ein bittersüßes Fragezeichen mit. 25 La clemenza di Tito Mannheimer Mozartsommer Oper Wolfgang Amadeus Mozart Musikalische Leitung Dan Ettinger Inszenierung Günter Krämer Bühne Herbert Schäfer Kostüme Falk Bauer Dramaturgie Anselm Dalferth Chor Tilman Michael Premiere am 18. Juli 2010 im Rokokotheater Schwetzingen Eröffnung des Mannheimer Mozartsommers Vitellia, die Tochter des gestürzten Kaisers, nötigt Sesto, der ihr in höriger Liebe erge­ ben ist, zur Planung eines Attentats auf den amtierenden Kaiser Titus. Dieser hält Sesto für seinen engsten Vertrauten und sieht sich nicht nur politisch, sondern vor allem als Freund verraten. Reagieren muss er jedoch als Herrscher. Als Mozart 1791 den Auftrag der böhmischen Stände erhielt, eine Krönungsoper für Kaiser Leopold auf ein fast 60 Jahre altes, bereits vielfach vertontes Libretto Metastasios zu schreiben, hatte er sich – nach der Komposi­ tion der Da Ponte-Trias und bereits auf dem Weg zur Zauberflöte – von der metastasia­ nischen Tradition des Fürstenspiegels bereits weit entfernt. Unter dem Zeichen des begin­ nenden bürgerlichen Zeitalters schien die mahnende Verklärung des aufgeklärt-abso­ lutistischen Herrschers nicht mehr zeitgemäß. Zusammen mit seinem Librettisten Mazzolà 26 verschiebt Mozart den Fokus: Nicht mehr die Bekehrung des Kaisers zur politisch wirk­ samen Milde steht im Zentrum, sondern die Einsamkeit der Macht. Mozarts Titus ist eine einsame Herrscherfigur, zerrissen zwischen politischen Pflichten und dem Anspruch, (füh­ lende) Privatperson zu sein. Eingebunden in eine Konstellation deformierter Liebesbezie­ hungen ist seine „clemenza“, seine Milde, nicht das Ziel, sondern das Problem. Bekehrt wird in diesem Stück nicht der Herrscher, son­ dern die in ihrem Machtstreben, ihrem dynas­ tischen Stolz und ihrem Begehren gekränkte Vitellia. Zwischen beiden zerrieben wird Sesto. – An der historischen Schnittstelle des postrevolutionären 18. Jahrhunderts ge­ staltete Mozart ein eindrückliches Drama um Verwirrung und Manipulation der Emo­ tionen im Labyrinth eines durch Aufklärung, Revolution und Empfindsamkeit veränderten Machtbegriffs. Vom 18. bis 25. Juli 2010 werden die Mozart­städte Mannheim und Schwetzingen wieder zum Schauplatz des Mannheimer Mozartsommers. Im Juli, dem Monat, in dem der junge Mozart 1763 zum ersten Mal in Schwetzingen mit seiner Schwester vor dem Kurfürsten Carl Theodor musiziert hat, be­ reitet das Nationaltheater ein Fest, das neue und ungewöhnliche Perspektiven auf Leben und Werk Mozarts eröffnet. Mit der Neuproduktion von Mozarts La clemenza di Tito in der Regie von Günter Krämer im Zentrum bietet der Mannheimer Mozartsommer ein Programm, das mit namhaften Künstlern, mit Konzerten und Gastspielen vom provokanten Umgang mit den Gattungen über humorvolle und perfor­ mative Bearbeitungen bis zum zeitgenössi­ schen komponierten Kommentar reicht. Kunstinstallationen, Soireen im sommerlichen Ambiente, ein unterhaltsames Parkprogramm für die ganze Familie, Künstlergespräche mit den Protagonisten des Festivals sowie Ein­ führungen in die Inszenierungen bilden das Rahmenprogramm. Das breitgefächerte Stipendiatenprogramm MozartPrisma gibt Studierenden aller Fachrichtungen die Möglichkeit zum Austausch und zur Ausein­ andersetzung mit Mozarts Werken. MozartPrisma wird in dieser Spielzeit von der Deutsche Bank Stiftung unterstützt. Das Programm des Mannheimer Mozartsommers wird gesondert veröffentlicht. 27 Festliche Opernabende 29 Festliche Opernabende 15. November 2009 Richard Wagner Tristan und Isolde mit Linda Watson, Robert Dean Smith und Franz Hawlata Musikalische Leitung: Axel Kober Tristan und Isolde Komponist: Richard Wagner Deutschland, 1865 20. Dezember 2009 Giuseppe Verdi Otello mit Johan Botha und Falk Struckmann Musikalische Leitung: Bertrand de Billy 16. Januar 2010 Vincenzo Bellini Norma (Oper konzertant) mit Edita Gruberova Musikalische Leitung: Andriy Yurkevych 28. März 2010 Jules Massenet Werther mit Vesselina Kasarova und Marius Brenciu Große Gefühle. Made in Germany. Die Festlichen Opernabende. 11. April 2010 Richard Strauss Ariadne auf Naxos mit Petra Lang, Anke Vondung und Klaus Florian Vogt Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic 20. Juni 2010 Festliche Operngala mit Thomas Hampson Musikalische Leitung: Dan Ettinger 30 Mit freundlicher Unterstützung der Das traditionsreiche Nationaltheater Mannheim repräsentiert die ganze Welt der modernen Oper – sowohl mit klassischen Werten als auch mit zukunftsorientiertem Engagement. Die Landesbank Baden- Württemberg unterstützt mit Begeisterung die Festlichen Opernabende. Freuen Sie sich auf internationale Opernstars und aufstrebende Talente. Weitere Informationen unter www.LBBW.de Banking – Made in Germany. 31 Giuseppe Verdi Tristan und Isolde 15. November 2009 im Opernhaus Isolde Linda Watson Tristan Robert Dean Smith Marke Franz Hawlata Einst hatte Isolde Tristan aus Liebe gesund­ gepflegt, obwohl er ihren Verlobten Morold erschlagen hatte. Nun kehrt Tristan als Braut­ werber für König Marke zu Isolde zurück. Auf der Fahrt zu ihrem zukünftigen Gatten trinken die Liebenden statt des Todestrankes einen Liebestrank. Einzige Möglichkeit für ihre Liebe ist nun die gemeinsame Flucht aus der Realität. Ziel dieser Flucht kann nur der Tod sein. Mit Linda Watson als Isolde steht eine der weltweit erfolgreichsten Interpretinnen der Partie auf der Bühne. Seit ihrem Rollendebüt 1998 verkörperte sie die Partie über 50 Mal an den großen Opernhäusern, u. a. an der New Yorker Met und an der Deutschen Oper Berlin. Seit 1998 ist sie auch den Bay­ reuther Festspielen verbunden. Ferner liegt zusammen mit Robert Dean Smith eine CD-Einspielung vor. Mit Robert Dean Smith als Tristan holt das Nationaltheater ein ehemaliges Ensemble­ mitglied zurück nach Mannheim. Der ame­ rikanische Tenor war von 1995 bis 1999 am Nationaltheater engagiert und zählt heute zu den gefragtesten Heldentenören. Sein Re­ pertoire umfasst Partien unter­schied­lichster Stilrichtungen von Verdi, Puccini über 32 Oper Richard Wagner Otello 20. Dezember 2009 im Opernhaus Musikalische Leitung Axel Kober Inszenierung Ulrich Schwab Tschaikowski bis zu Beethoven. Seit seinem Aufsehen erregenden Debüt 1997 bei den Bayreuther Festspielen, wo er seit 2005 den Tristan verkörpert, führten ihn seine WagnerInterpretationen an die international bedeu­ tendsten Opern- und Konzert­häuser. Franz Hawlata wird die Partie des König Marke übernehmen. Seine internationale Karriere begann 1992 und brachte ihm u. a. Engagements in Paris, Lyon, Pretoria und San Francisco. Seit 1994 ist er an der Wiener Staatsoper engagiert. Große Erfolge feierte er mit seiner Interpretation des Baron Ochs in Der Rosen­kavalier, den er auch in New York und bei den Salzburger Festspielen gab. Seit 2007 ist Franz Hawlata auch als Hans Sachs in Bayreuth zu hören. Axel Kober war nach einem Engagement als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor in Dortmund von 2003 bis 2005 Erster Kapellmeister am National­ theater Mannheim. 2005 bis 2006 war er stell­vertretender, 2006/2007 kommissari­ scher Generalmusikdirektor. Nach einem Engagement als Musikdirektor der Oper Leipzig ist er ab der Spielzeit 2009/2010 General­musik­direktor der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Otello Johan Botha Jago Falk Struckmann Die Intrige des trickreichen Jago, der sich für eine Zurücksetzung durch Otello rächen will, ist der Ausgangspunkt für Otellos Tragödie: Jago entzweit Otello und Cassio und macht Otello glauben, Cassio habe ein Verhältnis mit seiner Frau Desdemona. Ein in Cassios Hände gespieltes Taschentuch von Desdemona scheint der Beweis. Auf Jagos Rat hin tötet Otello seine Frau. Zu spät deckt Desdemonas Vertraute Emilia die Intrige auf. Otello er­ dolcht sich. Johan Botha war bereits in der Spielzeit 2007/2008 in der Titelpartie des Lohengrin umjubelter Gast eines Festlichen Opern­ abends. Der südafrikanische Tenor ist heute einer der wenigen dramatischen Tenöre, die im deutschen wie im italienischen Fach glei­ chermaßen reüssieren. Seit seinem internatio­ nalen Durch­bruch gastiert Johan Botha u. a. an der Mailänder Scala, an der Covent Garden Opera in London, am Liceu in Barcelona, an der New Yorker Met, an den Staatsopern in Berlin, Hamburg, München und Wien sowie bei den Salzburger Festspielen. Musikalische Leitung Bertrand de Billy Inszenierung Chris Alexander Auch Falk Struckmann ist dem Mannheimer Publikum seit seinem Auftritt als Telramund bekannt. Er zählt bereits seit vielen Jahren zu den gefragtesten Sängern seines Fachs und ist zu Gast an allen großen Opernhäu­ sern wie z. B. den Staatsopern in Berlin, Hamburg, München und Wien, an der Mai­ länder Scala, der Met und bei den Bay­ reuther und Salzburger Festspielen. Bertrand de Billy ist Chefdirigent und künst­ lerischer Leiter des Radio Sinfonie Orchester Wien. 1999 bis 2004 war er Chefdirigent des Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Parallel dazu entwickelte sich schnell seine internatio­ nale Karriere: Er gastierte unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Wien, London, Brüssel, Paris, Los Angeles und an der Met, wo er seit 1997 regelmäßig zu Gast ist. Bertrand de Billy hat mit dem RSO Wien zahlreiche CDs aufgenommen, zuletzt eine von der Presse hochgelobte Einspielung von Beethovens Eroica. 33 Norma Jules Massenet Werther Oper konzertant 28. März 2010 im Opernhaus 16. Januar 2010 im Opernhaus Charlotte Vesselina Kasarova Werther Marius Brenciu Norma Edita Gruberova Inszenierung David Mouchtar-Samorai Musikalische Leitung Andriy Yurkevych Die politischen Spannungen zwischen den Galliern und ihren römischen Unterdrückern versucht Norma friedlich zu lösen – aus ganz privatem Grund: Ein Aufstand würde ihren Geliebten, den römischen Prokonsul Pollione, mit dem Norma bereits zwei Kinder hat, in Gefahr bringen. Dieser fühlt sich inzwischen jedoch zur Novizin Adalgisa hingezogen. toire der Kammersängerin nehmen Werke von Donizetti und Bellini ein. 2006 gab sie ihr umjubeltes Debüt als Norma an der Bayeri­ schen Staatsoper in München, von dem eine DVD- und eine CD-Aufnahme vorliegt. 2009 feierte sie mit ihrem Rollen­debüt als Lucrezia Borgia ebenfalls einen großen Er­ folg an der Bayerischen Staatsoper. In der Partie der Norma wird Edita Gruberova zu erleben sein, die seit über dreißig Jahren zu den großen Konstanten der Opernszene zählt. In Bratislava geboren, debütierte sie 1968 am Opernhaus ihrer Heimatstadt. Bereits 1970 war sie als Königin der Nacht an der Wiener Staatsoper engagiert. Der internatio­ nale Durchbruch der fortan oft als „KoloraturWunder“ bezeichneten Sopranistin gelang 1976 mit der Partie der Zerbinetta in Strauss’ Ariadne auf Naxos. Seitdem ist sie an allen großen internationalen Opernhäusern zu Gast. Einen Schwerpunkt im Rollenreper­ Der in Zboriv (Ukraine) geborene Andriy Yurkevych schloss sein Dirigierstudium an der Musical Academy of Lviv (Lemberg, Ukraine) ab und gewann u. a. den Nationalen S. Tuchak Preis. Er leitet das Kammerorchester Cluster und ist Generalmusikdirektor in Odessa. Weitere Stationen waren unter an­ derem Brüssel, Santiago de Chile und die Bayerische Staatsoper München. Einen großen Erfolg feierte er mit Norma im Februar 2009 bei einer konzertanten Aufführung mit Edita Gruberova in Berlin. An der Dresdner Semper­ oper wird er mit Lucrezia Borgia debütieren. 34 Oper Vincenzo Bellini Werther liebt Charlotte mit dem ganzen Überschwang seiner Gefühle. Charlotte wird jedoch einen anderen heiraten und rät Werther, sie zu vergessen. Monate später beginnt sie, ihre Gefühle für Werther zu realisieren. Als Charlottes Ehemann sie nach einem plötzlichen Zusammentreffen mit dem zurückgekehrten Werther in großer Verwirrung findet, schöpft er Verdacht. Auf seine Veranlassung hin muss Charlotte Werther die erbetenen Pistolen übergeben. Werther erschießt sich. Erst dem Sterbenden bekennt Charlotte ihre Liebe. Für die Partie der Charlotte konnte Vesselina Kasarova verpflichtet werden. Die bulgarische Mezzosopranistin trat schon als Studentin an der Nationaloper in Sofia auf. Nach einem Engagement am Opernhaus Zürich gastierte sie 1991 erstmals bei den Salzburger Fest­ spielen, kurz darauf folgte ihr Debüt an der Wiener Staatsoper. Mit einem breiten Rollen­ repertoire, das Partien von Mozart, Rossini oder Donizetti umfasst, überzeugte sie rasch an den größten internationalen Opernhäusern in Mailand, München, Berlin, London und an der Metropolitan Opera New York. Neben zahlreichen weiteren Einspielungen ist auch ihre Interpretation der Charlotte auf CD zu hören. Der rumänische Tenor Marius Brenciu gewann zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Ersten Preis im Cardiff Singer of the World Wett­ bewerb 2001, sowohl in der Kategorie Oper als auch in der Kategorie Lied. Er tritt regel­ mäßig in Opernhäusern wie der Opéra National de Paris, an der Scala und an der Wiener Staatsoper auf. Im Januar 2009 gab er erfolgreich sein Debüt an der Met in La Rondine. 35 Ariadne auf Naxos 11. April 2010 im Opernhaus Primadonna / Ariadne Petra Lang Der Tenor / Bacchus Klaus Florian Vogt Komponist Anke Vondung Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Inszenierung Monique Wagemakers Festliche Opern­gala mit Thomas Hampson 20. Juni 2010 im Opernhaus Musikalische Leitung Dan Ettinger Zwei Theatertruppen unterschiedlicher Her­ kunft müssen eine gemeinsame Theaterauf­ führung gestalten, obwohl die gegenseitige Abneigung groß ist. Dazu muss der junge Komponist seine Oper Ariadne auf Naxos umarbeiten. Die Oper zeigt die von Theseus verlassene Ariadne wartend auf den Tod. Stattdessen be­gegnen Ariadne jedoch nicht nur Zerbinetta und ihre Komödiantentruppe sondern auch Bacchus. Er ist auf der Flucht vor einer Frau und nun dem gesamten weib­ lichen Geschlecht gegenüber sehr kritisch eingestellt. Die aus Frankfurt stammende Mezzosopra­ nistin Petra Lang übernimmt die Rolle der Ariadne. Einem Violinstudium schloss sie ein Gesangsstudium an. Sie besuchte Meister­ kurse bei Hans Hotter, Brigitte Fassbaender und Ingrid Bjoner. Nach Engagements am Studio der Bayerischen Staatsoper München, in Dortmund und Braunschweig begann ihre internationale Karriere an den großen Opern­ häusern in Europa und den USA sowie bei den Festspielen in Salzburg und Bayreuth. 36 Anke Vondung studierte bei Rudolf Piernay an der Musikhochschule Mannheim. Die vielfach ausgezeichnete Mezzosopranistin verfügt über ein breitgefächertes Repertoire, das sie an internationale Opernhäuser und zu renommierten Festspielen führt. Erfolge als Strauss-Interpretin feierte sie u. a. in der Partie des Octavian in Der Rosen­kavalier, den sie auch an der Opéra Bastille in Paris gab. 2007 debütierte sie als Cherubino an der Metropolitan Opera New York. Klaus Florian Vogt war zunächst als Hornist im Philharmonischen Staatsorchester Ham­ burg engagiert. Während­dessen studierte er Gesang und erhielt 1997 sein erstes Engage­ ment in Flensburg. 1998 wechselte er an die Dresdner Semperoper und ist seit 2003 frei­ schaffend tätig. Er war u. a. an den Opern­ häusern in Madrid, Hamburg, Brüssel, Amsterdam, Köln und Tokio verpflichtet. Seinem Debüt an der Metropolitan Opera New York in der Titelpartie des Lohengrin folgte 2007/2008 ein Engagement bei den Bay­ reuther Festspielen als Walther von Stolzing. Thomas Hampson wird in der Spielzeit 2009/2010 die Festliche Operngala gestal­ ten, die inzwischen ein fester Bestandteil der Festlichen Opernabende ist. Der amerikani­ sche Bariton kam 1980 nach Europa und gehört seit über 25 Jahren zu den erfolg­ reichsten Sängern im Opernbetrieb, wobei er immer wieder mit seiner Vielseitigkeit überrascht. Er ist sowohl im Opern- wie im Konzertbereich tätig und gilt als einer der führenden Interpreten der Musik Gustav Mahlers ebenso wie der Liedkompositionen amerikanischer Komponisten. Sein Reper­ toire reicht von Mozartopern über die Titel­ partien in Guillaume Tell, Macbeth, Simon Boccanegra, Eugen Onegin und Amfortas im Parsifal bis zu Musiktheaterwerken des 20. Jahrhunderts, wie etwa Brittens Billy Budd, Henzes Der Prinz von Homburg und Friedrich Cerhas Der Riese vom Steinfeld. Neben Gastspielen an allen großen interna­ tionalen Opernhäusern ist er der Metropoli­ tan Opera, der Opéra National de Paris, dem Royal Opera House Covent Garden und der Wiener Staatsoper besonders verbunden. Seine stilistische Spannweite belegen auch zahlreiche CD-Aufnahmen, wie etwa von Monteverdis Marienvesper und Kantaten Johann Sebastian Bachs, Felix Mendels­ sohns Oratorien Paulus und Elias, Werken von Walton, Vaughan Williams bis hin zu Operetten und Musicals. Das Programm der Festlichen Operngala wird gesondert bekannt­gegeben. 37 Oper Richard Strauss lungsreiches Konzertprogramm, das die große Zeit der „Mannheimer Schule“ leben­ dig werden lässt. 38 einführungen sowie Publikumsgespräche an. Die genauen Termine finden Sie auf unserer Homepage und in unserem Monatsleporello. Thomas Siffling’s Nightmoves dem Nationaltheaterorchester unter der mu­ sikalischen Leitung von Günther Albers lädt wieder große und kleine Zuschauer zu klin­ genden Abenteuern und akustischen Exkur­ sionen ein, die den Bogen vom klassischen Repertoire bis zu Neuer Musik schlagen. Zweimal im Monat verwandelt sich das Theatercafé in einen Jazzclub. Thomas Siffling, Mannheimer Ausnahmetrompeter, Chef eines eigenen Jazzlabels und Kurator der Reihe, holt auch in der neuen Spielzeit regionale Jazzgrößen und international re­ nommierte Formationen und Musiker ans Nationaltheater und präsentiert ein reich­ haltiges Spektrum an zeitgenössischem Jazz aus dem Schmelztiegel aktueller Strömungen. Café Concert Hab8! Die Kammermusikreihe Hab8! lädt Sie zu musikalischen Erlebnissen und Entdeckun­ gen jenseits der Opernbühne und der großen sinfonischen Literatur ein. Mitglieder von Opernchor und Nationaltheaterorchester stellen sich als Solisten und Kammermusiker Einblicke in Neuproduktionen bieten die Einführungsmatineen mit Beteiligten der Produktion im Vorfeld der Premiere. Zu ausgewählten Vorstellungen bieten wir Kurz­ Premiere am 21. Oktober 2009 Familienkonzerte Welche Instrumente gibt es im Orchester und wie können diese klingen? Können Töne Geschichten erzählen und wie entsteht ei­ gentlich eine Komposition? Diesen und vielen anderen Fragen widmen sich auch in dieser Spielzeit die Familienkonzerte. Das bewährte Team mit KiKa-Moderator Juri Tetzlaff und Oper Extra Einführungsmatineen und Kurzeinführungen Sonderkonzert „Mannheimer Schule“ Solisten des Nationaltheater Mannheim und das Nationaltheaterorchester präsentieren mit Arien und Szenen u. a. von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Martin Kraus und Johann Christian Bach ein abwechs­ Oper Oper Extra vor. Solisten des Opernensembles präsentie­ ren mit Liedprogrammen einen weiteren As­ pekt ihrer musikalischen Arbeit. Im Oberen Foyer sind dabei Klassiker des Kammer­musik­ repertoires ebenso zu erleben wie unbekannte Stücke und ungewöhnliche Besetzungen. Von Oktober bis April bietet das National­ theater allen Freunden der Salonmusik ein besonderes Programm: Bei Kaffee und Ku­ chen versüßt das Ensemble Salonissimo an zwei Samstagen im Monat die kalte Jahres­ zeit mit Melodien aus Operette, Musical oder Film. 39 Repertoire Oper Repertoire Oper Highlights Gian Francesco de Majo Salvatore Sciarrino Superflumina Alessandro Der Schauplatz von Sciarrinos Musiktheater, das in der Spielzeit 2008/2009 als Auftrags­ werk für Mannheim entstanden ist, ist ein großer Bahnhof. Es ist ein Ort des Durchgangs und der gestrandeten Existenzen, die Protagonistin ist eine scheinbar obdachlose, verlorene Frau. Superflumina ist das Drama eines heimatlosen Menschen, der aus den sozialen Netzen herausgefallen ist, der eine andere Sprache spricht als der Strom der Menschen, der achtlos über ihn hinwegrollt. Im lyrischen Ausdruck der Frau, der mit den ökonomisierten Wahr­ nehmungsbedingungen der Umwelt kollidiert, lässt Sciarrinos Musik uns etwas ahnen von ihren Verletzungen, von der Einsamkeit ihres Wahnsinns. Die kompositorischen Randgänge zwischen Klang und Schweigen, die der menschlichen Stimme zugleich eine seismographi­ sche Aufmerksamkeit widmen, sind ästhetischer Einspruch gegen eine immer lauter, gleich­ förmiger und abgestumpfter werdende Welt. Sein Eroberungsfeldzug führt den Makedonierkönig Alexander auch in das unbekannte Indien. Der von ihm bekriegte König Poros jedoch fürchtet mehr noch als die militärische Niederlage Alexander als Nebenbuhler bei seiner Geliebten Cleofide. Überhaupt bringt das Erscheinen Alexanders nicht nur die politischen, sondern auch die Liebesverhältnisse durcheinander. – Die Mischung aus Fürstenspiegel und komischem Eifersuchtsdrama in der 1766 uraufgeführ­ ten Mannheimer Hofoper ist uns heute in einer Partitur ohne Rezitative und einem Textbuch in historischer Übersetzung erhalten und wurde am Nationaltheater in der Spielzeit 2007/2008 nach fast 250 Jahren zum ersten Mal wieder aufgeführt. Günter Krämer hat in seiner erfolgreichen genreübergreifenden Inszenierung zwischen Bolly­ wood und Katakali eine lebendige Begegnung der von Mozart geschätzten frühklassischen Musik mit Schauspiel, Tanz und indischer Musik geschaffen. Im Herbst 2009 erscheint eine Aufnahme der Mannheimer Inszenierung als CD. Musikalische Leitung Tito Ceccherini Inszenierung Andrea Schwalbach Bühne Anne Neuser Kostüme Stephan von Wedel Choreografie Thomas McManus Dramaturgie Regine Elzenheimer Chor Tilman Michael Musikalische Leitung Tito Ceccherini Inszenierung Günter Krämer Bühne Jürgen Bäckmann Kostüme Falk Bauer Dramaturgie Regine Elzenheimer Chor Tilman Michael 40 41