Tagungsband - Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen

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14. Fortbildung Geflügel 2012
14. Fortbildungsveranstaltung
Diagnostik und Betreuung von Wirtschafts- und
Ziergeflügel
19.- 20.09.2012
Zusammenfassungen
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt,
Fachbereich 4 Veterinärmedizin Stendal
Tierärztekammer Sachsen- Anhalt
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„Diagnostik und Betreuung von Wirtschafts- und Ziergeflügel“
19.- 20.09.2012
14. Fortbildungsveranstaltung
des Landesamtes für Verbraucherschutz, Fachbereich Veterinärmedizin und
der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt
Tagungsort: Landratsamt Stendal, Hospitalstr. 1 - 2, 39576 Hansestadt Stendal
Mittwoch, 19.09.2012, 13.00 - 18.00 Uhr
„Arzneimittelsicherheit, Diagnostik, Geflügelkrankheiten“
Begrüßung Herr Dr. Reckling,
Fachbereichsleiter Veterinärmedizin
13.00 Uhr
Referent
Titel
Zeit
B.-A. Tenhagen
(Berlin)
Monitoring von MRSA und cephalosporinresistenten E. coli
in der Geflügelproduktion
13.10 Uhr
I. Emmerich
(Leipzig)
Neues zum nationalen Arzneimittelrecht
13.30 Uhr
M. Wolf-Reuter
(Lohne)
Möglichkeiten der Arzneimittelreduktion im Rahmen der
tierärztlichen Bestandsbetreuung von Puten
13.50 Uhr
J. Böhme
(Leipzig)
Therapie der Ornithose von Ziervögeln und Tauben mit
Doxycyclin
14.10 Uhr
V. Stanev
(Paris)
The use of decoquinate in anticoccidial rotation
programmes
14.30 Uhr
Diskussion 1.Block
14.50 Uhr
Kaffeepause
15.00 Uhr
G. Fritzsch
(Leipzig)
Molekulare Diagnostik beim Wirtschaftsgeflügel am
Beispiel der Infektion mit Influenza A Virus
15.45 Uhr
V. Herwig
(Stendal)
Diagnostik von Geflügelkrankheiten am Fachbereich
Veterinärmedizin des LAV Sachsen-Anhalt
16.05 Uhr
T. Eckert
(Stendal)
Untersuchung von Tieren besonders geschützter Arten
Organophosphatvergiftung bei Saatkrähen - ein Fallbericht
-
16.15 Uhr
I. Hasenbein
(Stendal)
Fallbericht aus der Zoovögelpopulation am Beispiel des
Maguaristorches
16.25 Uhr
A. Stamm
(Visbek)
Diagnostisch relevante Ergebnisse experimenteller
Salmonelleninfektionen bei der Pute
16.45 Uhr
Diskussion 2. Block
17.05 Uhr
Aktuelles aus der Praxis
C. Geißler
(Dresden)
Einsatz als Geflügelfachberater in China – ein
Erfahrungsbericht
Gemeinsames Abendessen im „Hotel am Bahnhof“, Bahnhofstrasse 30 in
Stendal
17.15 Uhr
17.30 Uhr
19.00 Uhr
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Donnerstag, 20.09.2012, 08.30 - 13.00 Uhr
„Geflügelseuchen, Zoonosen, Geflügelkrankheiten“
Referent
Titel
Zeit
T. Harder
(Greifswald)
Möglichkeiten phylogenetischer Untersuchungen bei
aviärer Influenza: H9N2 Infektionen bei Geflügel und
Wildvögeln in Deutschland
08.35 Uhr
R. Küblböck
(Penig)
Ausbreitung u. Bekämpfung der niedrigpathogenen
Aviären Influenza in Sachsen
08.55 Uhr
K. Albrecht
(Teltow)
Wildvogelmonitoring im Land Brandenburg zum Nachweis
aviärer Influenzaviren
09.15 Uhr
K.-P. Behr
(Cloppenburg)
Räumung großer Geflügelbestände: Rechtslage,
Konzepte, Verfahren
09.35 Uhr
Diskussion 3. Block
09.55 Uhr
Kaffeepause
10.00 Uhr
H. M. Hafez
(Berlin)
Bericht über das 9. Internationale Symposium über
Putenkrankheiten in Berlin
10.45 Uhr
U. Noack
(Stendal)
Stand der Bekämpfung von Zoonosen und ihrer Erreger
bei Wirtschaftsgeflügel in Sachsen-Anhalt
11.10 Uhr
P. Wefstaedt
(Cuxhaven)
AviPro Salmonella Duo, der erste bivalente Salmonella
Lebendimpfstoff für Hühner u. Enten
11.30 Uhr
I. Bräunig
(Cuxhaven)
Tränkwasserhygiene als Teil innovativer Tiergesundheitsstrategien
11.50 Uhr
L. Lauterbach
(Haldensleben)
Mineralisationsstörung und Minderwuchs in einem
Putenbestand – ein Fallbericht
12.10 Uhr
Diskussion 4. Block
12.30 Uhr
Schlusswort der Organisatoren
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Sponsoren/ Ausstellerverzeichnis
Microbiology Division - Oxoid und Remel Produkte Thermo Fisher Scientific
(M4)
Virbac (M5)
MSD Tiergesundheit Intervet Deutschland GmbH (M3)
Bayer Vital GmbH (M6)
Pfizer GmbH
Merial GmbH (M7)
ESTEVE GmbH
Albrecht GmbH (M8)
Lohmann Animal Health GmbH (M2)
Kesla Hygiene AG (M1)
Serumwerk Bernburg AG (M1)
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Monitoring von MRSA und cephalosporinresistenten E. coli in der
Geflügelproduktion
Katja Alt, Bernd-Alois Tenhagen, Andreas Schroeter, Beatriz Guerra, Alexandra
Fetsch, Bernd Appel und Annemarie Käsbohrer
Bundesinstitut für Risikobewertung, Max-Dohrn-Str. 8-10, 10589 Berlin
MRSA
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind Keime, die beim Menschen unter
anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege hervorrufen können und gegen
bestimmte Antibiotika resistent sind. Bestimmte MRSA-Stämme kommen aber auch bei
Lebensmittel liefernden Tieren, unter anderem bei Masthähnchen und Mastputen sowie
daraus gewonnenem Fleisch vor. Die Behörden des Bundes und der Länder untersuchen
seit 2009 systematisch im Rahmen des Zoonosen-Monitorings die Produktionsketten
„Masthähnchen“ und „Mastpute“ von der Primärproduktion, über den Schlachthof bis hin zum
Lebensmittel im Einzelhandel auf das Vorkommen von MRSA. Die Ergebnisse aus 2009 und
2010 zeigen, dass MRSA in den untersuchten Produktionsketten weit verbreitet sind. Die
Nachweisraten in Staub aus Geflügelbeständen lagen zwischen 0,7 % bei Masthähnchenund 19,6 % in Mastputenbetrieben. Die Nachweisraten bei der Fleischgewinnung
unterscheiden sich stark von der Situation in der Primärproduktion. Am häufigsten wurde
MRSA bei Proben von Putenkarkassen am Schlachthof (61,7 % in 2009 und 65,5 % in 2010)
nachgewiesen. Im Einzelhandel wurde Hähnchenfleisch und Putenfleisch untersucht. Die
höchste MRSA-Nachweisrate bei Lebensmitteln wies Putenfleisch in 2009 mit 43,4 % auf.
Hähnchenfleischproben waren zu 23,7 % MRSA-positiv. Das Resistenzspektrum der Isolate
ist breit. Isolate aus dem Zoonosen-Monitoring 2010 aus den unterschiedlichen
Lebensmittelstufen wiesen jeweils einen Anteil von über 80 % resistenter Isolate gegenüber
mindestens 5 Wirkstoffklassen auf. Die höchsten Raten wiesen Isolate aus Hähnchen- und
Putenfleisch (82,3 % bzw. 80,5 %) auf. Nach den ß-Laktamen waren die höchsten
Resistenzraten bei den meisten Herkünften gegenüber Tetrazyklin, Erythromycin und
Clindamycin festzustellen. Isolate aus der Lebensmittelkette Putenfleisch waren zudem
häufig (>50%) resistent gegen Quinupristin/Dalfopristin und Tiamulin. Über 30% der Isolate
aus der Putenfleischkette waren auch resistent gegen das getestete Fluorchinolon
Ciprofloxacin.
ESBL-Bildner
Extended Spectrum Betalaktamasen (ESBL)-bildende Bakterien sind gegen Cephalosporine
der 3. und 4. Generation resistent. Resistenzen gegen diese von der WHO als critically
important antimicrobials eingestuften Substanzen führen zu einer Verschlechterung der
Therapierbarkeit von Infektionen mit gramnegativen Keimen wie Escherichia coli,
Salmonellen und Klebsiellen. Das Vorkommen solcher Keime in der Lebensmittelkette steht
im Verdacht, zum Resistenzproblem in Einrichtungen des Gesundheitswesens beizutragen.
In welchem Umfang dies geschieht ist allerdings nicht klar.
In repräsentativen Erhebungen im Rahmen des Zoonosen-Monitorings in den Jahren 2009
und 2010 wurden bei Nutztieren und in Lebensmitteln auch ESBL-bildende Salmonellen und
kommensale E. coli nachgewiesen. Dabei wurde bei E. coli-Isolaten von Masthähnchen ein
Anstieg der Resistenz gegen Ceftazidim von 5,9 % in 2009 auf 13,5% in 2010 beobachtet.
Auch bei Hähnchenfleisch wurden bei 6,2 % der E. coli-Isolate in 2009 Resistenzen gegen
Ceftazidim, ein Cephalosporin der dritten Generation, nachgewiesen. Auch bei Legehennen,
Puten und Putenfleisch wurden solche Keime nachgewiesen, allerdings seltener als in der
Lebensmittelkette Hähnchenfleisch.
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Neues zum nationalen Arzneimittelrecht
Ilka Ute Emmerich
VETIDATA am Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie
Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig
An den Tierkliniken 15
04103 Leipzig
Seit November 2011 liegt die 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes im dritten Entwurf
(18.07.2012) vor. Ziel der Novellierung ist laut Vorblatt „den sorgfältigen Einsatz und
verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika zur Behandlung von erkrankten Tieren zu
fördern und zu verbessern, um das Risiko der Entstehung und Ausbreitung von
Antibiotikaresistenzen zu begrenzen sowie der Überwachung eine effektivere
Aufgabenwahrnehmung insbesondere im Tierhaltungsbetrieb zu ermöglichen“.
Der dritte Entwurf enthält zusätzlich ein an den Tierhalter gerichtetes verbindliches
Antibiotikaminimierungskonzept, das in der Agrarministerkonferenz am 27. April 2012
gefordert wurde.
Insgesamt werden mit dem Entwurf eine Reihe von Ermächtigungen geschaffen, um
folgende Regelungen treffen zu können:
1. Verbindliche Beachtung bestimmter Parameter der Packungsbeilagen von
Antibiotika (§ 56a Absatz 3 Nr. 2 AMG)
Um den verantwortungsvollen und zulassungskonformen Umgang mit Antibiotika zu
verbessern, soll die Therapiefreiheit des Tierarztes begrenzt werden. Geplant ist bei
Antibiotika in bestimmten Fällen einzelne Vorgaben der Packungsbeilagen verbindlich
vorzuschreiben.
2. Verpflichtung zur Erstellung eines Testes zur Bestimmung der Empfindlichkeit von
Erregern in bestimmten Fällen (§ 56a Absatz 3 Nr. 3 AMG)
Zur Optimierung der tierärztlichen Diagnostik, insbesondere zur nachhaltigen
Verbesserung der Behandlung von Tierbeständen, soll in bestimmten Fällen ein
Antibiogramm sowie die dazu notwendigen Verfahren vorgeschrieben werden.
3. Verbot der Abgabe von Antibiotika in bestimmten Fällen (§ 56a Absatz 3 Nr. 4b
Doppelbuchstabe cc AMG)
Bei wiederholter und erheblicher Überschreitung der Kennzahl der Therapiehäufigkeit
nach § 58a [siehe Nr. 7] soll vorgeschrieben werden, dass nur noch der Tierarzt
Antibiotika im landwirtschaftlichen Betrieb selbst anwenden darf. Damit dürften Tierhalter
Bestände, die mehrfach durch einen stark überdurchschnittlichen Antibiotikaverbrauch
aufgefallen sind, nicht mehr selbst antimikrobiell behandeln.
4. Einschränkungen der Umwidmung von in der Humanmedizin besonders
bedeutsamen Antibiotika (§ 56a Absatz 3 Nr. 5 AMG)
Um die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen insbesondere gegen Wirkstoffe der
für die Humanmedizin wichtigen Gruppen der Fluorchinolone und Cephalosporine zu
verhindern bzw. zu minimieren, wird geplant, die Umwidmung der genannten Antibiotika in
bestimmten Fällen generell zu verbieten.
5. Zusendung von Nachweisen an die zuständige Behörde durch Tierärzte in
bestimmten Fällen (§ 56a Absatz 3 Satz 3 AMG)
Für den Fall, dass der Überwachungsauftrag der Behörden mit anderen Überwachungsmaßnahmen in nicht ausreichendem und gleichmäßigen Maße erfüllt oder gesichert
werden kann, soll der Tierarzt durch die Behörde dazu verpflichtet werden können,
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Nachweise über Abgabe, Verschreibung und Anwendung bestimmter Arzneimittel der
zuständigen Behörde zusammengefasst zu übermitteln.
6. Nachweispflichten für bestimmte Tierhalter nicht Lebensmittel liefernder Tiere (§ 57
Absatz 3 AMG)
Da sich auch aus einer unsachgemäßen Anwendung verschreibungspflichtiger
Arzneimittel z. B. Antibiotika, bei Hunden oder Katzen Risiken wie die Ausbreitung von
Antibiotikaresistenzen bei Tieren und Menschen ergeben können, soll für Personen, die
Tiere in einem Tierheim oder gewerbsmäßig Wirbeltiere züchten oder halten,
vorgeschrieben werden können, dass sie Nachweise über den Erwerb
verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu führen haben. Mit dieser Regelung kann die
Überwachung dann nachvollziehen, ob die Anwendung verschreibungspflichtiger
Arzneimittel auf den Tierarzt zurückgeht, der das Tier kennt und behandelt hat oder ob
der Tierhalter verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Anwendung bei Tieren im Wege
des Internethandels erworben hat, ohne dass eine Verschreibung des behandelnden
Tierarztes vorlag.
7. Schaffung eines verbindlichen Antibiotikaminimierungskozepts (§§ 58a und b AMG)
Mit den neu eingefügten § 58a und § 58b AMG werden Reglungen für ein an Tierhalter,
die Geflügel, Rinder oder Schweine zu Mastzwecken halten, gerichtetes verbindliches
Antibiotikaminimierungskonzept getroffen. Dieses Konzept beinhaltet Regelungen über
die Ermittlung der tierhalterbezogenen monatlichen und jährlichen sowie der
bundesweiten Therapiehäufigkeit mittels einer Datenbank. Mithilfe der Daten soll der
quantitative Antibiotikaeinsatzes auf Betriebsebene beurteilt werden. Liegt die
tierhalterbezogene jährliche Therapiehäufigkeit über dem bundesdeutschen Durchschnitt,
muss der Tierhalter einen Tierarzt hinzuziehen und ein Antibiotikaminimierungskonzept
erstellen. Hält die zuständige Behörde die Bemühungen des Tierhalters für unzureichend,
kann sie (gestützt auf den Stand der veterinärmedizinischen Wissenschaft) Anordnungen
zur Anwendung der Antibiotika (Anwendung nur durch den Tierarzt [siehe Nr. 3]), und z.B.
zu Hygiene, Impfungen, Fütterung, Mastdauer und sogar zur Unterbringung der Tiere
treffen.
8. Übermittlung von Daten über Abgabemengen an Landes- und Bundesbehörden und
deren Nutzung zu Monitoringzwecken (§ 67a Absatz 3a AMG)
Mit dieser neu eingeführten Ermächtigung wird die Möglichkeit geschaffen, Regelungen
zur Übermittlung von personen- und betriebsbezogenen Daten durch das Deutsche
Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) an die zuständigen
Behörden des Bundes und der Länder zu treffen. Damit können dann die erhobenen
Daten auch zu Monitoringzwecken genutzt werden, um Risiken durch die Anwendung von
Antibiotika bei Tieren zu bewerten.
9. Im Einzelfall mögliche Übermittlung von Daten der Tierschutz- und
Lebensmittelüberwachungsbehörden an die Arzneimittelüberwachungsbehörden
(§ 69b AMG)
Zur Überprüfung der Plausibilität der Arzneimittelanwendungsdokumentation im Bestand
soll es für die Überwachungsbehörde zukünftig auch möglich sein, bestimmte
tierschutzrelevante oder hygienerelevante Daten heranzuziehen, um die Auswertung zu
verbessern.
Literatur:
Entwurf eines Sechzehnten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vom
18.07.2012
Ergebnisprotokoll der Agrarministerkonferenz am 27. April 2012 in Konstanz
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Möglichkeiten der Arzneimittelreduktion im Rahmen der
tierärztlichen Bestandsbetreuung von Puten
Dr. Martina Wolf-Reuter
Praxis am Bergweg, Bergweg 20, 49393 Lohne
Einleitung
In der gesellschaftspolitischen Diskussion über eine vermehrte Resistenzbildung von
humanpathogenen Keimen ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung in den Fokus der
Öffentlichkeit gelangt. Zum einen wird der mengenmäßig zu hohe Einsatz, zum anderen
eine unterdosierte oder zu kurze Applikation kritisiert.
Im nachfolgenden werden Einflüsse auf die gesundheitliche Situation von Putenbeständen
benannt und Maßnahmen zur Gesunderhaltung und zur Krankheitsprophylaxe aufgezeigt,
die auch zur Reduktion des Antibiotikaverbrauches beitragen können. Die genetischen
Voraussetzungen, der Status der Elterntiere und der Verlauf der Brut unterliegen nicht dem
Einfluss des Betriebsleiters. Auch das Futter sowie die standortspezifischen
Umweltbedingungen sind vom Landwirt kaum zu beeinflussen.
Dagegen bieten Maßnahmen aus den Bereichen Hygiene, Haltung, Immunprophylaxe,
alternativer Therapie, Nahrungsergänzung sowie Therapieoptimierung vielfältige
Verbesserungsmöglichkeiten.
Hygiene
Um den Eintrag von tier- und menschenpathogenen sowie Lebensmittel-relevanten Erregern
zu verhindern bzw. zu minimieren sind zunächst bauliche Voraussetzungen zu erfüllen.
Befestigte Vorplätze, intakte Boden-Wandanschlußbereiche sowie Bodenplatten erschweren
pathogenen Keimen und potentiellen Keimüberträgern den Rückzug und ermöglichen erst
eine ordentliche Reinigung und Desinfektion. In der Servicephase sind die
Reinigungsmaßnahmen
mit
Akribie
durchzuführen
und
die
nachfolgenden
Desinfektionsmaßnahmen an die eventuellen Krankheitsprobleme des Vordurchgangs und
die Jahreszeit anzupassen. Bei Befall muss eine Käferbekämpfung durchgeführt werden, da
sonst die Infektkette z.B. für Salmonellen, Mykoplasmen etc. nicht unterbrochen werden
kann. „Vergessene“ Stallgerätschaften und nur kurzfristig benutzte Einrichtungsgegenstände,
z.B. aus der Aufzuchtphase, im Stall genutzte Fahrzeuge sowie der Vorraum gehören in die
Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen.
Ein zentraler kritischer Punkt ist die Wasserhygiene. In der Servicephase sollen durch Spülund Desinfektionsmaßnahmen eine optimale Keimreduktion und Entfernung des Biofilmes
erreicht werden, die in der Belegungsphase durch geeignete Maßnahmen aufrecht erhalten
werden muss. Eine Kontrolle der Desinfektionsmaßnahmen in der Servicephase sowie des
hygienischen Status in der Belegungsphase über ein Screening schaffen Sicherheit.
Haltungsbedingungen
Kernpunkte bei der Optimierung der Haltungsumwelt sind die klimatischen Verhältnisse
(angepasst an die Lebensphase des Tieres), die Bodenverhältnisse und eine engagierte
Tierbetreuung. Auf Grund ihrer Herkunft benötigt die Pute eine sauerstoffreiche, staub- und
schadstoffarme sowie zugfreie Luft.
Hierbei sind die technischen Voraussetzungen, eine regelmäßige Kontrolle der Mess- und
Lüftungseinrichtungen sowie die Pflege der Bausubstanz essentiell.
Die Qualität der Einstreu beeinflusst das Stallklima sehr stark. Ebenso stellt eine feuchte
bzw. nasse sowie zu harte Einstreu eine Infektionsquelle für die Haut dar. Generell gilt so
trocken und weich wie möglich.
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Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Mensch. Eine engagierte Tier- und Technikkontrolle
ermöglicht eine frühzeitige Reaktion auf Störungen im Stall oder gesundheitliche Probleme.
Immunprophylaxe
Die frühzeitige Impfung gegen potentiell pathogene Viren und Bakterien kann nicht immer
eine Infektion verhindern, mildert aber den klinischen Verlauf erheblich. Aufbauend auf dem
maternalen Immunstatus des Putenkükens sollte ein weitergehendes, dem Betrieb und dem
Standort angepasstes Impfprogramm erstellt werden. Dies beinhaltet die Anwendung von
Lebendimpfstoffen, die über das Trinkwasser, Spray oder via eyedrop appliziert werden.
Zusätzlich kommen inaktivierte Adsorbatimpfstoffe per Injektion zum Einsatz. Neben
kommerziellen Inaktivat-Impfstoffen werden zunehmend stallspezifische Impfstoffe
verwendet. Hier kann auf die spezielle Situation eines Betriebes reagiert werden.
Voraussetzung ist eine umfassende Diagnostik der vorhergehenden Durchgänge, die den
Aufbau einer „Betriebsdatenbank“ ermöglicht. Eine zweifache Applikation von
Inaktivatvakzinen verbessert die Immunantwort gegenüber der einmaligen Impfung. Die
Applikation von Lebendimpfstoffen via eyedrop ergibt den gleichmäßigsten Impfschutz einer
Herde. Dies zeigt sich in verringerten Mortalitätsraten und Verwurfszahlen sowie
verbesserten Leistungsparametern wie Endgewichten, täglicher Zunahme und einem
verringerten Arzneimitteleinsatz.
Therapieoptimierung
Für den Einsatz von Medikamenten und Impfstoffen über das Tränkewasser ist die
Wasserqualität und Hygiene entscheidend. Regelmäßige Untersuchungen des Wassers und
des Tränkesystems bezüglich des Keimgehaltes, dem Vorkommen pathogener Keime sowie
chemischer und physikalischer Parameter sind Voraussetzung für eine exakte Applikation
mit optimaler Löslichkeit und Wirksamkeit des Medikamentes. Um Fehldosierungen und
damit Wirkungsverluste zu vermeiden, müssen die reelle Wasseraufnahme der Herde und
die Wasserkapazität der Dosiereinrichtungen bekannt sein. Nach Beendigung einer Therapie
müssen das gesamte Wassersystem inkl. Vorlaufbehälter bzw. Dosiereinrichtung gereinigt
und gespült werden. Nur so können ungewollte Arzneimittelablagerungen entfernt werden,
die zu einer unterdosierten Gabe von Arzneimittelresten führen würden.
Nahrungsergänzung und Therapiebegleitung
In bestimmten Lebensphasen kann die Ergänzung von bereits im Tierfutter enthaltenen
essentiellen Bausteinen, wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren
notwendig sein. Phytotherapeutika können je nach Schwere einer Erkrankung eine
allopathische Therapie ersetzen oder ergänzen. Zum Aufbau der Darmflora sowie bei
Dysbioseproblemen ist der frühzeitige und kontinuierliche Einsatz von Probiotika möglich.
Fazit
Durch eine optimale Haltungsumwelt, Hygiene und Ernährung sowie individuelle
Impfkonzepte kann der Einsatz von Antibiotika verringert werden.
Aber erkrankte Tiere haben das Recht auf eine angemessene Therapie und Tierärzte haben
die Aufgabe, Leiden und Krankheiten der Tiere zu verhüten, zu lindern und zu heilen.
Wenn behandelt werden muss, dann sollten alle Bedingungen so sein, dass eine Therapie
die Tiere optimal erreicht.
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Therapie der Ornithose von Ziervögeln und Tauben mit Doxycyclin
Julia Böhme, Josephine Stolze, Maria Elisabeth Krautwald-Junghanns
Klinik für Vögel und Reptilien, Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig
An den Tierkliniken 17, 04103 Leipzig
Einleitung
Die Ornithose ist auch unter den Synonymen Papageienkrankheit und Papageienpest
bekannt und wird durch das gramnegative Bakterium Chlamydia psittaci hervorgerufen,
welches weltweit verbreitet und höchstwahrscheinlich für alle Vogelarten infektiös ist. Dieses
Bakterium bildet eine infektiöse Form (Elementarkörperchen), die sich außerhalb der Zellen
befindet und in der Umwelt extrem widerstandsfähig ist und vor allem im Staub über mehrere
Monate hinweg ansteckend bleiben kann. Die nichtinfektiöse Form der Chlamydien stellen
die Retikularkörperchen dar, die sich zwecks der Vermehrung intrazellulär aufhalten.
Grundsätzlich ist eine Übertragung des Erregers vom Vogel auf den Menschen immer
möglich. Einer besonderen Gefährdung unterliegen hier Personen, die beruflich oder privat
ständigen Umgang mit Vögeln und Geflügel haben.
Der Erreger wird kontinuierlich oder intermittierend durch Sekrete und Exkrete infizierter
Tiere ausgeschieden. Die Übertragung bzw. Infektion erfolgt in der Regel aerogen durch
erregerhaltigen Staub und oral durch das Füttern von Nestlingen. Der Krankheitsverlauf und
die Symptomatik sind aufgrund verschiedener Serovare und vielfacher beeinflussender
Faktoren sehr variabel. Im Vordergrund stehen hierbei respiratorische, gastrointestinale
sowie allgemeine Symptome, wie Apathie und Leistungsdepression.
Bislang galt für das Vorkommen dieser Erkrankung bei Papageienvögeln (Psittakose) in
Deutschland eine Anzeige- und Bekämpfungspflichtpflicht nach der Psittakoseverordnung
sowie deren Ausführungshinweisen. Das Auftreten beim Hausgeflügel und allen anderen
Vogelarten (Ornithose) unterlag der Meldepflicht.
Im Juli 2011 wurde die Anzeigepflicht für die Psittakose aufgehoben. Seitdem wird die
Erkrankung nach einer Infektion mit Chlamydia psittaci einheitlich als Chlamydiose
bezeichnet und unterliegt der Meldepflicht. Im Zuge dessen wurde im April 2012 die
Psittakoseverordnung ebenfalls aufgehoben, sodass lediglich eine Meldung der Erkrankung
durch die Untersuchungseinrichtungen an die zuständige Behörde erfolgt. Die Auswahl eines
geeigneten Wirkstoffes zur Behandlung der Erkrankung und die Behandlungsdauer liegen
nun allein im Ermessen des betreuenden Tierarztes.
Diagnostik
Eine ausführliche Anamnese, die klinische Symptomatik, röntgenologische
pathologische Befunde können bereits hinweisend auf das Vorhandensein
Chlamydieninfektion sein. Eine endgültige Diagnose kann allerdings nur durch
Erreger- oder Genomnachweis gestellt werden. Als Ausgangsmaterial eignen sich
Dreifachtupfer
(Konjunktiva,
Rachen,
Kloake)
Kotproben,
Organproben
Abklatschpräparate.
sowie
einer
einen
hierfür
oder
Therapie der Chlamydiose
Im Erkrankungsfall haben sich bisher sowohl bei Papageienvögeln als auch bei Hausgeflügel
Doxycyclin, Chlortetrazyclin und Enrofloxacin als wirksam und gut verträglich erwiesen. Auch
wenn häufig lediglich Einzeltiere klinisch erkrankt und betroffen sind, sollte aufgrund des
hochinfektiösen Potentials und der hohen Tenazität der gesamte Bestand behandelt werden.
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Feldstudie zum Einsatz von Doxycyclin zur Behandlung der Ornithose bei Brief- und
Rassetauben
Trotz der Lockerung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Falle einer Chlamydiose, ist
diese Erkrankung in vielen Geflügelbeständen verbreitet und stellt jederzeit eine große
gesundheitliche Gefahr für den Menschen dar.
Insbesondere in offenen und staubreichen Systemen, wie bspw. der Taubenhaltung sind
eine weitläufige Verbreitung sowie eine Übertragung durch den engen Besitzer-Tier-Kontakt
zu erwarten.
Die Untersuchungen mehrerer Autoren lassen die Annahme eines erfolgreichen Einsatzes
von Doxycyclin zur Therapie der Chlamydiose bei Tauben vermuten. Doxycyclin ist bereits
für Brieftauben zur oralen Applikation über das Trinkwasser im Falle einer Infektion mit
Salmonella typhimurium zugelassen.
Nun sollte die klinische Wirksamkeit dieses Wirkstoffes in der für Brieftauben zugelassenen
Formulierung im Rahmen einer nationalen Indikationserweiterung unter Praxisbedingungen
in mit Chlamydia psittaci - erkrankten Taubenbeständen untersucht werden. Eine detaillierte
Darstellung des Versuchsaufbaues und der Durchführung erfolgt auf der Stendaler
Geflügeltagung am 19.09.2012.
Die Rekrutierung teilnehmender Bestände erfolgte deutschlandweit auf freiwilliger Basis
durch Aufrufe in einschlägigen Taubenzeitschriften sowie durch die Vermittlung die Bestands
betreuenden Tierärzte. Ausschlaggebend war das Vorliegen einer nachweisbaren Infektion
mit Chlamydia psittaci und einer klinischen Symptomatik.
In 42,6 % der untersuchten Bestände wurde eine Infektion mit Chlamydien nachgewiesen;
der überwiegende Anteil davon wies eine alleinige Infektion mit Chlamydia psittaci auf.
Dieser Nachweis wurde signifikant häufiger bei Jungtauben gestellt (60,9 %). Bei den
vorberichtlich
beschriebenen
Symptomen
dominierten
Probleme
des
Respirationstraktes (89,9 %) vor allgemeinen Symptomen (51,9 %) und gastrointestinalen
Störungen (22 %). Bei 61,5 % der teilgenommenen und behandelten Bestände handelte es
sich um Brieftauben- und bei 38,5 % um Rassetaubenbestände.
Der Wirkstoff Doxycyclin wurde den Tauben über einen Zeitraum von 25 Tagen vom Halter
mit dem Trinkwasser verabreicht. Über den gesamten Versuchszeitraum erfolgten drei
Bestandsbesuche, in denen jeweils 10 Tiere aus dem betroffenen Schlag nach dem
Zufallsprinzip klinisch untersucht wurden und eine Schlaguntersuchung erfolgte.
Der Behandlungserfolg wurde anhand von Dreifachtupfern zum molekularbiologischen
Nachweis von Chlamydia psittaci mittels PCR am letzten Tag der Behandlung und am
letzten Tag der Nachbeobachtungsphase überprüft.
Weder am letzten Tag der Behandlungsphase noch am letzten Tag der
Nachbeobachtungsphase konnte Chlamydia psittaci isoliert werden.
Demzufolge konnte durch die Behandlung mit Doxycyclin in einer Dosierung von
40 mg/kg Körpermasse und einer Behandlungsdauer von 25 Tagen eine Erregerfreiheit in
allen teilnehmenden Taubenbeständen erzielt werden
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The use of decoquinate in anticoccidial rotation programmes
Dieter Vancraeynest, Vasil Stanev
Pfizer Animal Health, 23-25 Avenue du Dr. Lannelongue, 75668 Paris Cedex 14, France
Email: [email protected]
Abstract
A broiler floor pen trial was set up to compare the effects of two chemical anticoccidials,
applied from day 0 until withdrawal time. A first group received decoquinate, which was never
used in the trial facility. A second group was supplemented with robenidine, which was
overused in the facility in the years preceding the trial. A control group, receiving blank feed,
was also included. Each group consisted of 6 replicates of 60 broilers each, raised until day
45. Parameters assessed were body weight (BW), feed conversion rate (FCR), coccidiosis
lesion scores, oocyst shedding and mortality. The group receiving decoquinate showed a
significantly lower FCR than the robenidine- and the control group (1.739, 1.787 and 1.794,
respectively) and led numerically to the highest final body weight (2994 g vs 2940 g and
2899 g, respectively).
Eimeria oocysts were collected in the trial facility to perform an anticoccidial sensitivity test
(AST). This test clearly demonstrated full sensitivity of the parasites to decoquinate, whereas
they had reduced sensitivity to robenidine. This was to be expected in view of the
anticoccidial history of the facility and offers an explanation for the differences in zootechnical
results. Both floor pen trial and AST also demonstrate the necessity of rotating anticoccidials
and shows the so-called ‘new chemical’ effect: a thorough coccidiosis clean-up when
introducing a new chemical anticoccidial compound in a poultry production unit.
Key words: decoquinate; broiler chicken; chemical anticoccidial
Introduction
Coccidiosis prevention in poultry is mostly performed using anticoccidial feed additives.
These feed additives can be categorized into ionophores or chemical anticoccidials, each
with their own characteristics. A big difference between both groups is that chemicals have
the potential to completely block Eimeria multiplication, whereas ionophores allow for a
limited excretion of oocysts known as coccidial leakage (Chapman 1984). At first sight, the
high activity of chemical anticoccidials against Eimeria might make them seem the product of
choice. Indeed, chemicals are hard to beat when it comes to reducing the infection pressure
in a poultry house, a strategy known as chemical clean-up. This strategy has its benefits for
zootechnical performance and a lot of poultry producers therefore use a chemical
anticoccidial at least once per year. But the high efficacy of chemicals also bears a danger: in
case part of the parasite population in a poultry house develops a reduced sensitivity to the
chemical anticoccidial, the high selection pressure exerted by the product leads to a fast
increase of the proportion of resistant Eimeria in the parasite population. Luckily, there are
ways to slow down the development of resistance and to recover the efficacy of chemicals in
case it would have decreased. One of the ways to do so is to perform correct rotation from
one type of anticoccidial to one with another mode of action.
The present trial describes a floor pen trial where a chemical anticoccidial (decoquinate) was
introduced for the first time ever in the trial facility and – by extension – in a large
geographical zone surrounding it. Therefore, the parasite population in the trial facility could
be considered as ‘naive’, meaning that there was no expected reduced sensitivity to the
product. In contrast therewith was a group receiving a chemical anticoccidial (robenidine)
that had been overused in the facility in the years preceding the trial (an almost continuous
use during two years, which is significantly longer than the advised 3 months in full
14
programme or 4.5 months in shuttle). Zootechnical and parasitological parameters were
followed. Also, the floor pen results were compared to the results of an AST that was
performed with the Eimeria isolate that was collected in the trial facility.
Materials and methods
A broiler floor pen trial was set up to compare the effects of two chemical anticoccidials,
applied from day 0 until withdrawal time (WDT). A first group received decoquinate (3 days
WDT), which was never used in the trial facility. A second group was supplemented with
robenidine (5 days WDT), which was overused in the facility in the years preceding the trial.
A control group, receiving blank feed, was also included. Each group consisted of 6
replicates of 60 broilers each, raised until day 45. Parameters assessed were body weight
(BW), feed conversion rate (FCR), coccidiosis lesion scores, oocyst shedding and mortality.
The AST was performed as described by Vancraeynest et al (2011).
Results and discussion
In the floor pen trial, the group receiving decoquinate showed a significantly lower FCR than
the robenidine- and the control group (1.739, 1.787 and 1.794, respectively) and led
numerically to the highest final body weight (2.994 kg vs 2.940 kg and 2.899 kg,
respectively). The coccidiosis lesion scores, oocyst shedding and mortality in the floor pen
trial were not significantly different between groups. Generally, lesion scores were low and
the coccidiosis infection pressure therefore was therefore considered to be mild. Therefore,
for the parasitological part, the AST proved a more interesting tool, since this test is based on
experimental inoculation with high numbers of parasites.
Both zootechnical and parasitological results in the AST demonstrated full sensitivity of the
parasites to decoquinate (FCR and weight gain being not significantly different from
uninfected untreated controls (UUC)), whereas they had reduced sensitivity to robenidine
(FCR and weight gain being not significantly different from infected untreated controls (IUC))
(Table 2). This was to be expected in view of the anticoccidial history of the facility and offers
an explanation for the differences in zootechnical results in the preceding floor pen trial,
although the infection pressure in the latter was lower, as stated above.
Conclusions
The present trial clearly shows the positive possible zootechnical impact of the first time use
of a particular chemical anticoccidial – in this case decoquinate - in a poultry facility. It also
demonstrates that overusing a particular chemical anticoccidial – in this case robenidine –
negatively impacts its performance. Chemical anticoccidials are very potent molecules but
should be used with care to avoid reduced sensitivity to the product. The standard advice for
chemical molecules is to use them for 3 months on feed mill level in a full programme or 4.5
months on feed mill level in a shuttle programme. This will correspond to one complete
broiler grow-out receiving the product when used in full, or two grow-outs receiving the
product when used in a shuttle programme.
Moreover, the present paper demonstrated a good correlation between the results obtained
in the floor pen facility and the ones obtained in the AST performed with the isolate
originating from that facility.
15
References
Chapman HD.1984. Drug resistance in avian coccidia (a review). Vet. Parasitol. 15: 11-27
Vancraeynest D, Marien M, Depondt W, Nérat F, Fort G, Naciri M, 2011. Efficacité du
décoquinate sur la coccidiose du poulet de chair, déterminée par les tests de sensibilité aux
coccidiostatiques. Journées de la Recherche Avicole, Tours, France.
Table 1. Zootechnical results in the floor pen trial from day 0-45
Treatment group control decoquinate robenidine lsd
P-value
P<0.05 P<0.05
Body weight, g
FCR
2899
2994
b
a
1.794 1.739
2940
b
1.786
118.6 0.254
0.0450 0.044
Table 2: Zootechnical performances (from D13 to D22) of broiler chickens medicated or not with
various anticoccidials and inoculated on day 15 with 249,000 E. acervulina sporulated oocysts isolated
in the Netherlands
Groups Products
1
3
3
Dose
BW (g, BW (g,
(mg/kg) D13)
D22)
2
3
WG
(g, D13-22)
4
Daily
WG (g,
D13-22)
4
Daily FI
(g, D1322)
4
FCR
(D13- 22)
A
UUC
462.3 a 1063.0 a² 600.7 a
66.8 a
103.4 a
1.55 b
B
IUC
462.8 a 904.3 b
441.6 c
49.1 b
95.4 a
1.95 a
66.4 a
103.8 a
1.56 b
C
Decoquinate 30
463.4 a 1061.0 a 597.6 a
5
D
Nic/nar
50/50
462.9 a 940.6 b
477.6 bc
53.1 b
96.0 a
1.81 a
E
Diclazuril
1
463.3 a 912.4 b
449.1 c
49.9 b
94.2 a
1.89 a
510.5 b
56.7 b
97.3 a
1.72 ab
F
Salinomycin 60
463.4 a 973.9 b
G
Robenidine 33
462.5 a 940.9 b
478.4 bc
53.2 b
96.6 a
1.82 a
H
Toltrazuril
7
463.3 a 909.3 b
443.8 c
48.4 b
91.3 a
1.88 a
1
Each group consisted of 18 male chickens (6 birds per cage, 3 replicates)
² Doses are in mg/kg of feed, except for toltrazuril where dose is in mg/kg of BW. Taking into account
an analytic error of + 20%, feed assay results from the “Institut Européen de l’Environnement de
Bordeaux” were in accordance with the target values
3
Mean BW and weight gain (WG) of surviving animals
4
Parameters (daily WG, feed intake (FI) and FCR) calculated per cage, including dead birds' weight or
excluded of individual performance analysis
5
A combination of nicarbazine and narasin, each included at 50 mg/kg feed
6
In a column, means not sharing a common letter differ significantly (p≤0.05)
16
17
Molekulare Diagnostik beim Wirtschaftsgeflügel am Beispiel der
Infektion mit Influenza A Virus
Guido Fritzsch1, Kathrin Wolf2, Lillian Roth2, Carsten Schroeder1, Jörg Gabert1
1
LDL-Labor Diagnostik GmbH Leipzig, Deutscher Platz 5b, 04103 Leipzig,
[email protected]
2
QIAGEN GmbH, Qiagen Straße 1, 40724 Hilden
Einleitung
Influenza A-Viren gehören zur Familie Orthomyxoviridae und sind weltweit verbreitet. Es
handelt sich um behüllte Viren mit einem einzelsträngigen RNA-Genom negativer Polarität.
Das segmentierte Genom (8 Segmente) begünstigt die Entstehung von Reassortanten, was
zur hohen genetischen Vielfalt und dem breiten Virulenzspektrum beiträgt. Influenza A Viren
werden in niedrig- und hochpathogene Stämme eingeteilt. Das natürliche Reservoir für
Influenza A-Viren sind aquatisch lebende Wildvögel. Hochpathogene, aviäre Influenzaviren
(AIV) der Subtypen H5 oder H7 rufen bei Wirtschaftsgeflügel die Klassische Geflügelpest
hervor, die zu hohen wirtschaftlichen Verlusten führen kann.
Arbeitsverfahren
Die molekulare Diagnostik von AIV beruht auf zwei Schritten: Isolierung von RNA (resp.
DNA) und Genomnachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR).
Die Isolierung von RNA kann manuell oder automatisiert durchgeführt werden, für den
Genomnachweis gibt es kommerziell erhältliche Kits wie das virotype Influenza A RTPCR Kit. Hier handelt es sich um eine real-time RT PCR zum Nachweis von Influenza Viren.
Das Kit enthält alle Reagenzien zum Nachweis von Influenza A Virus-RNA, eine Positiv- und
eine Negativkontrolle. Die Reverse Transkription (RT) der RNA und die anschließende
Amplifikation der cDNA erfolgen in einem Ansatz, so dass die Kontaminationsgefahr
minimiert ist. Die Reporter der Sonden emittiert Fluoreszenz proportional zur Menge des
gebildeten Amplifikats, wodurch die Reaktion in Echtzeit (real-time PCR) verfolgt werden
kann.
Das virotype Influenza A RT-PCR Kit verwendet jeweils eine Primer-Sonden-Kombination
spezifisch für die Virus-RNA (FAM-Fluoreszenz) sowie für die Kontroll-RNA (interne
Kontrolle, HEX-Fluoreszenz). Als interne Kontrolle des Tests wird mRNA des ß-ActinHousekeeping-Gens amplifiziert, die in jeder Blut- und Gewebeprobe enthalten ist. Damit ist
eine Kontrolle der Extraktion und der Amplifikation gewährleistet.
Ergebnisse
Für die Validierung des virotype Influenza A RT-PCR Kit wurden insgesamt 343 aviäre und
porcine Tupfer- und Zellkultur-Proben (186 positive und 157 negative RNA Proben) mit
bekanntem Influenza A Status getestet (Status überprüft mittels FLI-inhouse PCR: IAV-NP2(Nucleoproteingen)-PCR und IAV-M1.2-(Matrixgen)-PCR nach Spackman et al. 2002). In
diesem Test zeigte das virotype Influenza A RT-PCR Kit eine diagnostische Sensitivität von
96 %, eine diagnostische Spezifität von 100 % und eine diagnostische Effektivität von 98 %.
Die Nachweisgrenze liegt für die virotype Influenza A RT-PCR bei mindestens 10 Kopien pro
Probe. Dabei gibt es eine hohe Übereinstimmung zwischen der Zahl der RNA-Kopien und
den Ergebnissen der Amplifikation (Korrelationskoeffizient von 1,0 mit einer Effizienz von
104,7 % im virotype Protokoll).
Bei einem Vergleich des Referenz-Panels für aviäre Influenza des Friedrich-Loeffler-Instituts
(FLI), bestehend aus 16 HA und 9 NA Subtypen aviärer Influenza A-Viren, konnten mit der
18
virotype Influenza A RT-PCR (Ø Ct 21.08) alle bekannten Subtypen sensitiver als mit der
FLI-inhouse PCR IAV-NP2 (Ø Ct 24.01) nachgewiesen werden. Außerdem konnten mit dem
virotype Influenza A RT-PCR Kit zwei humane H1N1-Isolate der „Schweinegrippe“ von 2009
bis zu einer Verdünnung von 1:103 nachgewiesen werden. Es wurde keine Kreuzreaktion mit
New-Castle-Disease-Viren nachgewiesen.
Die Extraktion der Proben kann sowohl manuell (bei Oropharyngeal-, Tracheal- und
Kloakentupferproben mit dem QIAamp Viral RNA Mini Kit, bei Gewebeproben mit dem
RNeasy Kit oder dem RNeasy Fibrous Tissue Kit oder vergleichbaren, validierten Systemen)
als auch automatisiert (z.B. mit dem QIAamp cador Pathogen Mini Kit auf dem QIAcube oder
mit dem QIAamp Pathogen 96 Kit auf dem QIAxtractor) durchgeführt werden. Die PCR
erfolgt in einem real-time Cycler wie dem Rotor-Gene oder vergleichbaren Geräten.
Fazit
Durch seine hohe Sensitivität ermöglicht das virotype Influenza A RT-PCR Kit den sicheren
und frühzeitigen Nachweis des Erregers in Proben von Vögeln (und Schweinen) – auch den
des 2009 aufgetretenen Influenza A/H1N1 Virus. Gleichzeitig können in einem Cyclerlauf
z.B. neben Proben für Influenza A auch Proben auf Mg/Ms (virotype Mg/Ms PCR Kit)
untersucht werden.
Die Kombination der virotype® Influenza A RT-PCR mit den Extraktionsverfahren und
Analysegeräten der Firma QIAGEN erlaubt ein gut aufeinander abgestimmtes
Arbeitsverfahren.
19
Diagnostik von Geflügelkrankheiten am Fachbereich
Veterinärmedizin des LAV Sachsen - Anhalt
Volker Herwig
Virologische Tierseuchendiagnostik
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt
Haferbreiter Weg 132-135
39576 Stendal
Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt bietet verschiedenste Dienste an.
Dazu gehören:
Staatliche Überwachungsprogramme (Monitoring)
• Aviäre Influenza: Antikörpernachweis aus Serum (ELISA, HAH)
• Newcastle–Krankheit: Impfantikörper aus Eiern und Serum (HAH)
• Salmonellen (Typisierung): Bekämpfungsprogramm der Bundesrepublik
Untersuchung von Tierkörpern in das LAV
• Sektion und morphologische Untersuchung, Histologie, Immunhistochemie
• Elektronenmikroskopie
• Bakteriologie inkl. Resistenztest im Agardiffusionstest
• Virologie (Anzucht in der Zellkultur und Brutei, PCR)
• Parasitologie
1. Untersuchungsspektrum Atemwegserkrankungen
• Paramyxoviren (auch bei Durchfallerreger bzw. Leistungsdepressionen)
• Chlamydien (auch bei Durchfallerreger bzw. Leistungsdepressionen)
• Aviäre Influenza (auch bei Durchfallerreger)
• IBV
• ILTV
• Pockenviren (inkl. Kanarienpocken; auch bei Leistungsdepressionen)
• Mykoplasmen (Differenzierung Mp. gallisepticum, synoviae, meleagridis)
• Mykobakterien
• Pasteurellen
• Bordetellen
• Ornithobacter rhinotracheale (Pute)
• Parasiten des Respirationstraktes
• Pilzinfektionen (Aspergillose)
2. Untersuchungsspektrum Enteritis/ Durchfallerreger
• Parvoviren
• Reoviren
• Salmonellen
• Pathogene E. coli (Anzucht) ggf. Verotoxinbestimmung (PCR)
• Clostridium perfringens
• Thermophile Campylobacter
• Hefen (einschließlich Differenzierung)
• Endoparasiten
20
3. Untersuchungsspektrum Leistungsdepressionen/ Allgemeinerkrankungen
• IBD
• Reoviren
• Adenoviren
• Paramyxoviren
• Mareksche Krankheit
• Aviäre Leukose
• Mykoplasmen
• Geflügeltuberkulose
• Infektiöse Serositis (Riemerella anatipestifer bei der Ente)
• Ektoparasiten (Vogelmilben, Federlinge, Kalkbeinmilben, Trachealmilben)
• Trichomonaden (sog. „gelber Knopf“)
• Histomonaden (Schwarzkopfkrankheit der Puten)
Untersuchung von klinischem Material
1. Kotproben/ Kottupfer
• Influenzaviren
• Chlamydien
• Salmonellen
• Pathogene E. coli (Anzucht) ggf. Verotoxinbestimmung (PCR)
• Thermophile Campylobacter
• Endoparasiten, (Kokzidien, Spulwürmer)
2. Kropfabstriche/ Trachealabstriche
• Trichomonaden (sog. „gelber Knopf“)
• Mykoplasmen
• Hefen (einschließlich Differenzierung)
Untersuchung von EDTA- Blut bzw. Serum zum Antikörpernachweis
Neben Influenza, Paramyxoviren und Salmonellen
• Mp. gallisepticum (gemäß Richtlinie 2009/158/EG)
• Mp. meleagridis (gemäß Richtlinie 2009/158/EG)
• Mp. synoviae
• IB
• IBD
• ILT
21
Untersuchung von Tieren besonders geschützter Arten
Organophosphatvergiftung bei Saatkrähen
- Ein Fallbericht –
Tonia Eckert
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt- FB 4 Veterinärmedizin
Haferbreiter Weg 132 – 135, 39576 Stendal
Im Rahmen des diagnostischen Alltagsbetriebes kommt es auch immer wieder mal zur
Einsendung von Tieren besonders geschützter Arten. Die diagnostische Untersuchung zur
Feststellung der Todesursache dieser Tiere steht im öffentlichen Interesse, weshalb sie in
Sachsen-Anhalt über einen Erlass des MLU, zu letzt aktualisiert am 02.09.2011-Aktz.: 42.242011/1 geregelt wird. Einige Kernpunkte aus diesem Erlass sind:
- Die Untersuchung erfolgt gemäß dem Auftrag z.B. des Veterinäramtes. Besondere
Beachtung finden neben der Feststellung der Todesursache anzeigepflichtige Tierseuchen
und meldepflichtige Tierkrankheiten, Zoonosen, sowie Verstöße gegen den Tier- und
Naturschutz.
- Es erfolgt eine Bereitstellung von Untersuchungsmaterial für Untersuchungsleistungen
durch Dritte oder zur Magazinierung.
- Dieser Erlass enthält eine Kostenfreistellung, d.h. die am Fachbereich 4 des LAV
anfallenden Kosten trägt das LAV aus seinem Haushalt.
In diesem Zusammenhang kommt es regelmäßig zu Anfragen bezüglich des Verdachtes von
Fremdeinwirkungen wie Vergiftungen (Straftat). Am 10.11.2011 kam es zu einer Einsendung
von sechs Krähen vom Gelände einer Agrargesellschaft durch ein Veterinäramt.
Vorberichtlich war es dort zu einem plötzlichen Verenden von 50-60 Tieren gekommen, auch
zwei Schleiereulen waren betroffen.
Die Untersuchungen (Sektion, Histologie, Bakteriologie, Parasitologie und Virologie)
erbrachten zunächst nur unspezifische Befunde, wie Hinweise auf Herzkreislaufversagen mit
Stauungshyperämien der inneren Organe sowie Endoparasitennachweise. Bakterielle oder
virale Infektionserreger inklusive Salmonellen und aviäres Influenzavirus wurden
ausgeschlossen.
Bei der ausführlichen visuellen Untersuchung des Inhalts des Verdauungstraktes fielen im
Muskelmagen bei einigen Tieren vereinzelte, sehr dezent pink eingefärbte Weizenkörner auf.
Im Zusammenhang mit dem Vorbericht und den bislang unspezifischen Untersuchungsbefunden erhärtete sich der Verdacht auf eine Intoxikation mit neurotoxischen Substanzen,
z. B. Organophosphaten.
Der Mageninhalt der sechs Tiere wurde zur toxikologischen Untersuchung an das UMG
(Universitätsmedizin Göttingen) versendet. Diese Untersuchung identifizierte in allen Proben
Parathion „E 605“, Carboxin, Prochloraz, Trichloranilin und Stoffwechselprodukte dieser
Stoffe. Dabei handelt es sich um verschiedene Organophosphatverbindungen, die z.B. als
Insektizide, Akarizide oder Fungizide wirken. Parathion ist laut Gesetz seit 2002 in
Pflanzenschutzmitteln nicht mehr zugelassen. Es handelt sich um irreversible
Acetylcholinesterase-Hemmer, die eine Anreicherung von Acetylcholin (Transmitter) im
synaptischen Spalt von Synapsen des vegetatives NS und der motorischen Endplatte
bewirken. In Folge kommt es dann zu einer Dauerreizung der betroffenen Nerven.
Symptome sind z.B. Salivation, Miosis, Durchfall, Erbrechen, Erregung, Krämpfe/Zittern,
Zyanose, Dyspnoe, Lähmungen. Der Tod tritt durch Atemlähmung und akutes
Herzkreislaufversagen ein.
22
Nach Sichtung aktueller Berichte aus der Presse und Beiträgen des CVUA-Freiburg,
Abteilung Veterinärtoxikologie zeigt sich, dass die Vergiftung von Wildtieren, insbesondere
von Vögeln kein Einzelfall darstellt, sondern bundesweit eine hohe Brisanz besitzt.
23
Fallbericht aus der Zoovögelpopulation am Beispiel des
Maguaristorches
Hasenbein I. 1, Eckert T. 1 Grothmann P. 2
1 Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (Fachbereich 4 – Veterinärmedizin),
Haferbreiterweg 132-135, D-39576 Stendal
2 Zoologischer Garten Magdeburg, Zooallee 1, D-39124 Magdeburg
Im
Rahmen
der
pathologischen
Sektionsdiagnostik
des
Dezernates
für
Tierseuchendiagnostik des Landesamtes für Verbraucherschutz (Standort: Stendal) gelangte
ein weiblicher, 18 Monate alter Maguaristorch (Ciconia maguari) aus dem Zoologischen
Garten Magdeburg zur pathologisch-anatomischen Untersuchung.
Vorberichtlich fiel das Tier durch eine pumpende Atmung auf und verendete noch vor
Behandlungsbeginn 56 Tage nach Ankunft im Magdeburger Zoo. Die Aufzucht dieser
exotischen Storchenart erfolgte im Zoo Berlin.
Pathologie:
Als spezifischer, pathologischer Hauptbefund war bei dem Storch eine hochgradige,
chronische, eosinophile und hämorrhagische (blutige) Darmentzündung mit Nachweis
oberflächlicher Schleimhautnekrosen sowohl im Rahmen der Sektion als auch mittels der
pathohistologischen (mikroskopischen) Untersuchung festzustellen. Im Darmkanal waren
makroskopisch bereits zahlreiche, rundliche, 1-2 mm große, parasitäre Entwicklungsstadien
mit bloßem Auge zu erkennen. Als Nebenbefunde lagen des weiteren Entzündungsherde in
der Leber vor. Eine Aktivierung der Milz mit typischer Eosinophilie war gleichfalls
nachweisbar. Der Ernährungszustand des Tieres war deutlich reduziert.
Parasitologie:
Mittels der parasitologischen Untersuchung, die durch das Institut für Parasitologie der
Universität Leipzig durchgeführt worden ist, wurde ein starker Befall mit Saugwürmern
(Trematoden) der Gattung Tylodelphis festgestellt. Eine weitere Artbestimmung war nicht
möglich.
Weiterführende Untersuchungen:
Zum Ausschluss weiterer, insbesondere bakteriell bedingter Infektionserkrankungen ist eine
bakteriologische Untersuchung einzelner Organe durchgeführt worden, die mit negativem
Ergebnis verlaufen ist. So wurden u. a. die differentialdiagnostisch in Frage kommenden
Salmonellen sp. und Clostridien sp. als Auslöser der blutigen Enteritis ausgeschlossen.
Als zusammenfassende, pathologische Gesamtdiagnose lag bei dem eingesandten
Maguaristorch als offenbare Erkrankungs- und Todesursache eine Endoparasitose durch
einen starken Befall mit Saugwürmern (Trematoden) vor.
Gemäß den Literaturangaben werden infolge akademischer Einteilung zwei TrematodenSpezies der Gattung Tylodelphis unterschieden, die hauptsächlich in Europa als
Endoparasiten verbreitet sind. Dabei handelt es sich um a) Tylodelphis excavata und b)
Tylodelphis clavata. Die Morphologie beider Spezies ist sehr ähnlich. Die Saugwürmer sind
zirka 1,2 bis 2,4 mm lang und besitzen in der Seitenansicht eine pantoffelähnliche Gestalt.
Zum Wirtsspektrum dieser Saugwürmer, die im Darm parasitieren, gehören neben dem
24
heimischen Weiß- und Schwarzstorch noch weitere Wildvögel (u. a. Nachtreiher, Graureiher,
Mäusebussard und Schwarzer Milan). Der parasitologische Befall exotischer Vogelbestände
(z. B. des Maguaristorches) ist dagegen bisher nicht beschrieben. Beide Trematodenarten
zeichnen sich in ihrer Entwicklung typischerweise durch einen sogenannten Drei-WirteZyklus aus, bei dem Süßwasserschnecken (z. B. die Posthornschnecke) und der
Wasserfrosch als Zwischenwirte fungieren. In den oben aufgeführten Endwirten verfügen die
adulten Saugwürmer über eine Lebensdauer von etwa zwei Monaten. Als pathologische
Befunde sind tiefgreifende, schwere Entzündungserscheinungen am Dünndarm mit
nachfolgender Abmagerung festzustellen.
Die im vorliegenden Fall nachgewiesene Trematoden-Infektion stellt bei den betroffenen
Störchen, insbesondere Jungstörchen, eine der häufigsten Todesursachen dar. Neben ihrer
dominierenden Rolle in der heimischen Wildvögelpopulation gewinnt diese als sehr selten
auftretende, parasitäre Erkrankung bei verwandten Zoovögelbeständen gleichfalls an
Bedeutung.
25
Diagnostisch relevante Ergebnisse experimenteller
Salmonelleninfektionen bei der Pute
Andreas Stamm1*, Martina Hesse1, Dierk Rebeski2, Gerhard Glünder1 und Rita
Weber1
1
Klinik für Geflügel der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Bünteweg 17, 30559 Hannover
2
Lohmann Animal Health, Heinz-Lohmann-Straße 4, 27472 Cuxhaven
Einleitung
Geltende Lebensmittelkriterien für Salmonella (S.) Typhimurium und S. Enteritidis in frischem
Putenfleisch erfordern eine Senkung der Prävalenz bis hin zur Eradikation dieser ZoonoseErreger bereits auf Stufe der Primärproduktion. Gemäß VO (EU) Nr. 1086/2011 der
Kommission vom 27. Oktober 2011 zur Änderung des Anhangs II der Verordnung (EG) Nr.
2160/2003 sowie des Anhangs I der Verordnung (EG) Nr. 2073/2005 dürfen in 25 g frischem
Geflügelfleisch S. Typhimurium und S. Enteritidis nicht nachweisbar sein. Zur erfolgreichen
Bekämpfung dieser Serovare in der Primärproduktion sind Kenntnisse der Infektionsabläufe
sowie der Abwehrmechanismen des Wirtes Pute von grundlegender Bedeutung.
Experimentell reproduzierbare Infektionsmodelle liefern die grundlegenden Erkenntnisse
zum Infektionsverlauf und stellen ein Prüfmodell für mögliche Prophylaxemaßnahmen dar.
Bakteriologische Untersuchungen im Infektionsmodell
Ziel dieser Studie war daher die Entwicklung eines reproduzierbaren, experimentellen
Infektionsmodelles für S. Typhimurium und S. Enteritidis bei der kommerziellen Mastpute.
Mastputenhennen verschiedener Altersgruppen wurden definierte Infektionsdosen
Nalidixinsäureresistenz-markierter S. Typhimurium- bzw. S. Enteritidis-Stämme in den Kropf
appliziert. Anschließend konnte über einen Untersuchungszeitraum von drei Wochen die
Kolonisation des Zäkums bakteriologisch qualitativ und quantitativ untersucht und die
Ausscheidung über den Kot verfolgt werden. Daneben wurde die systemische Ausbreitung
des Erregers in Leber, Milz und Lunge geprüft. Des Weiteren ließ sich die
Gewichtsentwicklung der infizierten Tiere über diesen Zeitraum mit der nicht infizierter
Kontrolltiere desselben Schlupfes vergleichen.
Nachweis gruppenspezifischer Salmonella-Antikörper im Infektionsmodell
Eine serologische Untersuchung der Antikörperbildung nach beschriebener Infektion erfolgte
mittels eines kommerziell erhältlichen gruppenspezifischen ELISA. Als Referenz für die
erhobenen Parameter dienten stets Negativkontrollen des gleichen Schlupfes. In einem
weiteren Versuchsabschnitt wurde kommerziellen Mastputenküken am ersten Lebenstag
attenuierte Stämme von S. Typhimurium und S. Enteritidis inokuliert. Auch bei diesen Tieren
erfolgte die Messung gruppenspezifischer Salmonella-Antikörper mittels ELISA.
Ergebnisse über den bakteriologischen und serologischen Verlauf bei der Pute
Die standardisierten Untersuchungen an verschiedenen Altersgruppen kommerzieller
Mastputen zeigten den zeitlichen Verlauf der Infektion im Zäkum und den beschriebenen
inneren Organen. Vom Alter der Tiere bei Infektion abhängige Parameter waren neben der
minimalen infektiösen Dosis, die maximal in den untersuchten Organen erreichte Zahl
Kolonie bildender Einheiten (KbE), die Eliminationsgeschwindigkeit aus den Organen und die
Antikörperreaktion der Tiere: Mit steigendem Alter der Tiere stieg die minimale infektiöse
Dosis von 103 KbE/Tier bei einwöchigen Puten auf mehr als 105 KbE/Tier bei sechswöchigen
26
Puten. Dagegen sank die Zahl der nachweisbaren Salmonellen in den Organen bei
zunehmendem Alter der Tiere deutlich ab. Auch die Elimination der Salmonellen aus den
untersuchten Organen beschleunigte sich mit steigendem Alter der Tiere bei Infektion.
Zeitgleich konnte eine forcierte Antikörperproduktion eine mit dem Alter der Tiere
ausreifende Immunkompetenz aufzeigen. Untersuchungen zur Salmonella-Ausscheidung
zeigten eine Korrelation von der Salmonellenzahl im Zäkum und der Nachweishäufigkeit der
Salmonellen mittels Kloakentupfer. Unterhalb einer Keimzahl von 105 KbE/g Blinddarmkot
(S. Typhimurium) bzw. 106 KbE/g (S. Enteritidis) Blinddarmkot konnte eine
Salmonelleninfektion nicht zuverlässig mittels Ausscheidung nachgewiesen werden, sondern
erforderte eine Untersuchung von Blinddarminhalt um die Infektion
bakteriologisch
nachweisen zu können.
* Adresse des Autors:
Zentrallabor der PHW-Gruppe, Paul-Wesjohann-Str. 45, 49429 Visbek-Rechterfeld;
27
Studienergebnisse zur Pharmakokinetik von Amprolium (Eimeryl®)
bei Pute, Broiler und Legehenne und Schlussfolgerungen
für den praktischen Einsatz bei der Geflügelkokzidiose
Klaus Teich1 und Eric Bousquet2
1
Virbac Tierarzneimittel GmbH, Rögen 20, 23843 Bad Oldesloe
Virbac S.A., 1ère avenue 2065 m L.I.D. F-06516 Carros Cedex
2
Einleitung
Amprolium ist ein Thiamin (Vitamin B1) Analogon und konkurriert damit um die Thiamin
Transportmechanismen. Sein kompetetiver Antagonismus beruht auf seiner sterischen
Mimikry des Thiamins (Abb 1.) ohne eigene biologische Funktionalität im
Kohlenhydratstoffwechsel. Das Blockieren der Absorption von Thiamin (1) betrifft Wirts- wie
Parasitenzellen, weshalb eine langfristige (Wochen) Amprolium-Medikation auch zu ThiaminMangelerscheinungen beim Wirt führen würde. Allerdings ist die Sensibilität von Kokzidien
auf Amprolium ca. 50-mal höher (2), da hier Thiamin vor allem für den intensiven
Kohlenhydratstoffwechsel während der asexuellen Vermehrungsphase (Schizogonie)
benötigt wird.
Abb. 1: Molekülstruktur vergleichend: Amprolium und Thiamin
Following to data of Ruff et al., 1993
120
E . ma xima
E. ne ca trix
E . a ce rvulina
100
100
80
80
60
40
20
Following to data of Ruff et al., 1993
120
E. te ne lla
Sporulationrate [%]
Oocycst-Shedding [%]
E. a ce rvulina
Abb. 2: Oozystenwanddefekte nach AmproliumEinwirkung (3)
E . ma xima
E . ne ca trix
E . te ne lla
60
40
20
0
0
control
60 pp m
= 6 mg/kg bw*
120 pp m
= 12 mg/kg bw*
* water consumption of 1 litre/10 kg bw
Abb. 3: Oozystenausscheidung
240 ppm
= 24 mg/kg bw*
control
60 ppm
= 6 mg/kg bw*
120 ppm
240 ppm
= 12 mg/kg bw*
= 24 mg/kg bw*
* water consumption of 1 litre/10 kg bw
Abb. 4: Sporulationsrate
Amprolium zeigt daher seine höchste Aktivität am 3. Tag post infectionem innerhalb des
Lebenszyklus von E. tenella. Obwohl die Hauptwirkung auf die Schizonten besteht,
verhindert die Anwesenheit von Amprolium auch die Ausdifferenzierung der Merozoiten.
Untersuchungen haben auch Auswirkungen auf Phasen der Gamogonie zeigen können. So
kommt es in Folge von Amprolium-Einwirkung zur Beeinflussung der Oozystenwandbildung
(Abb. 2). Diese spielt eine entscheidende Rolle für die spätere Tenazität der Oozysten in der
28
Umwelt und ihrer dortigen Fähigkeit zur Sporulation. Die Abnormalitäten in der
Oozystenwand (3) führen zu herabgesetzten Sporulationsraten (Abb. 4) und damit zu einer
Reduktion der Infektiosität. Auf Herdenebene bedeutet dies neben der geringeren Menge
ausgeschiedener Oozysten (Abb. 3) in Folge der reduzierten Schizogonien, eine deutliche
Senkung des Infektionsdruckes.
Diese Effekte erwiesen sich in Wirksamkeitsstudien jedoch als Eimerien-Art-spezifisch und
abhängig von der eingesetzten Amprolium-Dosierung (4). Während Eimeria spp., wie E.
acervulina und E. maxima, die in den proximalen Darmabschnitten parasitieren, weniger
stark in Ihrer Oozystenausscheidung gehemmt wurden, zeigten distal parasitierende Eimeria
spp., wie E. tenella oder E. necatrix, schon bei sehr geringen Dosierungen eine vollständige
Oozystenausscheidungsreduktion.
Im Rahmen pharmakokinetischer Studien sollten neben rückstandsrelevanter
Fragestellungen auch mögliche Erklärungsansätze für das unterschiedliche Verhalten der
jeweiligen Eimeria spp. gefunden werden.
Material und Methode
Dazu wurden 4-5 Monate alte Hühner einer Broiler Zuchtlinie beiderlei Geschlechts mit
einem Amprolium 200 mg/ml Präparat (identisch mit Eimeryl® 200 mg/ml, Virbac) über das
Trinkwasser behandelt. Die 75 Hühner erhielten die Medikation in einer Dosierung von 30
mg/kg KGW über 7 Behandlungstage. Die höhere Dosierung als die sonst übliche
Dosierungsempfehlung von 20 mg/kg KGW erklärt sich aus dem Interesse, im Rahmen der
Rückstandsuntersuchungen, eine zusätzliche Sicherheitsspanne einzubauen.
Es wurden die Amprolium-Konzentrationen in den verschiedenen Darmabschnitten und im
Blutplasma ermittelt (bei der Studie handelt es sich um interne Daten von Veterinaria S.P.).
Ergebnisse
Es konnte gezeigt werden, dass Amprolium
mit Blutplasmaspiegeln von 0,096 – 0,605
µg/ml nur in Spuren enteral resorbiert wird.
Im Gegensatz dazu wurden im Darmlumen
der verschiedenen Darmabschnitte die
eigentlichen
Amprolium-Konzentrationen
gemessen (Abb. 5). Dabei wurden über
Duodenum, Jejunim, Ileum und Caecum
ansteigende
maximale
AmproliumKonzentrationen (Cssmax) mit Werten von
38,01 µg/g, 65,83 µg/g, 192,46 µg/g und
675,04 µg/g nach distal hin gemessen. Es
kommt demnach zu einer Kumulation von
Amprolium über die Darmpassage beim
Huhn. Die maximalen Wirkstoffspiegel
konnten bereits innerhalb von 24 Stunden
nach Beginn der Medikation gemessen
werden.
Broiler/ Layers
38,01 µg/g
Turkeys
Duodenum
E. acervulina
E. mivati
E. mitis
E. praecox
E. meleagrimits
65,83 µg/g
Small Intestine
E. necatrix
E. maxima
192,46 µg/g
Large Intestine
E. brunetti
675,04 µg/g
Caeca
E. tenella
Intestinal levels
of Amprolium
E. adenoides
Area of pararitism
Abb.5: Amproliumkonzentrationen in verschiedenen Darmabschnitten bei einer
Amprolium-Dosierung von 30 mg/kg KGW.
29
Schlussfolgerungen
Die niedrigen Amprolium-Blutplasmaspiegel sind Indiz dafür, dass der kokzidiostatische
Effekt von Amprolium nicht auf eine systemische Wirkweise zurückzuführen ist. Die sehr
niedrigen Blutplasmaspiegel zusammen mit der sehr kurzen Halbwertszeit von 23 Minuten
beim Geflügel, überschreiten zu keinem Zeitpunkt 20 % des ADI-Wertes (akzeptable tägliche
Aufnahmemenge) des Menschen in den essbaren Geweben (Fleisch, Ei). Für den CVMP
(Council of Veterinary Medicine Products) der EMA bestand daher keine Notwendigkeit,
einen MRL-Wertes (Maximum Residium Level) für Amprolium festzusetzen. Statt dessen
wird Amprolium Anhang II der EEC Nr. 2377/90 geführt (5). „Null Tage“ Wartezeit für
Eimeryl® 200 mg/g bedeutet demnach nicht, dass verbraucherrelevante Wirkstoffspiegel
nach einer Behandlung erst unterschritten werden müssten. Eimeryl® weist keinerlei
Wartezeit auf.
Die Kumulation von Amprolium über die Darmpassage lässt sich durch die Aufkonzentration
der Ingesta insgesamt über die Darmpassage erklären. Dieser Kumulationseffekt erklärt
wiederum die von Ruff et al. (1993) gemachten klinischen Beobachtungen, dass im Enddarm
parasitierende Eimeria spp. wie E. tenella und E. necatrix stärker von Amprolium in
niedrigeren Dosierungen in ihrer Oozystenausscheidung gehemmt werden, als die mehr
proximal parasitierende Eimeria acervulina (Abb. 2). Auch der von Pittilio et al. (1981)
beschriebene Oozystenwand-Deformationseffekt von Amprolum ist offensichtlich DosisWirkungs-abhängig und wird durch die Kumulation von Amprolium in den
Enddarmabschnitten eher als Sporulationshemmung messbar (Abb. 3).
Bei nachgewiesener E. acervulina Beteiligung sollte, aufgrund der hier vorgestellten
pharmakokinetischen Daten, in jedem Fall auf eine Ausdosierung geachtet werden. Die hohe
therapeutische
Breite
von
Amprolium,
sowie
die
vernachlässigbare
Verbraucherschutzrelevanz (s. Wartezeitbemessung), erlauben dabei dem Therapeuten bei
klinischem Bedarf die Dosierung großzügig zu sein.
Die ausgeprägte Wirkung von Amprolium gegen die weitaus pathogeneren EnddarmKokzidien, wie E. tenella, E. brunetti oder E. necatrix ermöglichen gerade beim Broiler durch
die nicht vorhandene Wartezeit erstmals die Kontrolle der ökonomisch bedeutsamsten
Kokzidiosen auch in der Endmast.
Gleichzeitig begünstigen gerade E. tenella-Kokzidiosen Clostridium perfringens Infektionen
in besonderem Maße (6). Eine E. tenella-Kontrolle stellt damit eine entscheidende
Maßnahme zur Minimierung von Antibiotika-Einsätzen in der Broilermast dar. Amprolium
selbst hat keinerlei antibiotische Eigenschaften, wie andere Kokzidiostatika.
Literatur
1. James, S. (1980): Thiamine uptake in isolated schizonts of Eimeria tenella and the
inhibitory effects of Amprolium. Parasitology, Vol 80, No. 2, 313-322
2. Ball, S.J., R.M Pittilo, C.C. Norton, L.P. Joyner (1987): Ultrastructural changes of the
effects of amprolium and dinitolmide on Eimeria acervulina macrogametes. Parasitol.
Res., 73, 293-297
3. Pittilo, R.M., S.J. Ball, L.P. Joyner, C.C. Norton (1981): Ultrastructural changes in the
macrogamete and early oocyst of Eimeria maxima resulting from drug treatment.
Parasitology; 83: 285-91
4. Ruff, M. D., R. Garcia, M. B. Chute and T. Tamas (1993): Effect of Amprolium on
Production, Sporulation, and Infectivity of Eimeria Oocysts. Avian Diseases, Vol. 37, No.
4, pp. 988-992
5. EMA (2009): www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Maximum_Residue_
Limits_-_Report/2009/11/WC500010566.pdf
6. Alnassan, A.A., M. Kotsch, M. Krüger, B. Bangoura, M. Lendner, A. Daugschies (2012):
Nekrotische Enteritis des Huhnes – Mischinfektionen verschiedener Eimerienarten mit
Clostridium perfringens. VetMedReport 05/2012; Proc. DVG Parasitol., Hannover, July
2012
30
31
Evaluation of sensitivity to tylvalosin in vitro for ORT strains
1
A. Schwarz, 1M. de Gussem, J. de Gussem and 2M. Metzner
1
2
3
Vetworks, Poulpharm, Ripac lab
2
Knokstraat 38, 9880 Poeke, Flanders, Belgium, Ninovestraat 7, 9420 Erpe-Mere, Flanders, Belgium
3
Am Mühlenberg 11, 14476 Potsdam-Golm Germany
1
In turkeys, respiratory disorders are a major problem leading to high economic losses in
Europe. One of the most important bacteria causing respiratory infections in turkeys is the
ubiquitous present gram-negative pleomorphic rod-shaped bacterium Ornithobacterium
rhinotracheale (ORT). The treatment of ORT infections with antibiotics can be very
challenging because of the varying sensitivity of different field ORT strains. Acquired
antibiotic resistance is unusually frequent in ORT and has been reported for several
antibiotics, making the choosing of the right antimicrobial difficult.
This study demonstrates the results of sensitivity testing of one novel macrolide
antimicrobial, tylvalosin (Aivlosin®) for field ORT strains, which were isolated from turkey,
using agar diffusion method and method of determination of Minimum Inhibitory
Concentrations (MIC). For agar diffusion method disks loaded with 10µg tylvalosin were
recently developed by Ripac Laboratory and validated in different European laboratories. 100
turkey field isolates were tested against the antimicrobial drugs that have been previously
commonly used on the market using newly developed sensitivity discs. 42 ORT isolates from
turkey, origin from Germany and Netherlands, were tested using MIC method.
Of five antimicrobial drugs tested using agar diffusion method (tylvalosin, amoxicillin,
penicillin, doxycycline and tylosin), tylvalosin (Aivlosin®) proved to be the only antimicrobial
to which more than 50% of the tested ORT field strains were sensitive. It has also shown to
be the drug to which the lowest MIC values compared to doxycycline, tylosin, tilmicosin and
amoxicillin were found (MIC50 = 2 µg/ml) together with enrofloxacin.
In conclusion, sensitivity discs has been developed and validated for tylvalosin, so the
sensitivity profile for tylvalosin in vitro can be easily compared now to other antibiotics. Our
in vitro test results demonstrate that compared to other antibiotics more than 50% of the ORT
field isolates are sensitive to Aivlosin®. So tylvalosin should definitely be considered as a
treatment option in case of an acute clinical ORT outbreak in turkeys.
32
33
Einsatz als Geflügelfachberater in China – ein Erfahrungsbericht
Dr. Claudia Geißler, Dresden
Ermittlung der Ursache der Sterblichkeit bei Gösseln und Erarbeitung von
Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierverluste bei Gösseln und zur Verbesserung der
Gänseproduktion im Governement Jixi
Es wurden 2 Betriebe mit Gänsemast aufgesucht und die Probleme erläutert.
Betrieb 1: Yu Xiang Goose Company
Dieser Betrieb ist im Aufbau befindlich mit Aufzucht, Mast, Stopfmast und Verarbeitung auf
einem Standort
Zum Zeitpunkt des Besuches waren ca. 4000 Mastgänse ca.70 – 80 Tage alt im Auslauf, die
weitere 15 – 18 Tage mittels “ Stopfen“ weiter gemästet werden. Danach erfolgt die
Schlachtung und Verarbeitung auf dem gleichen Standort zum Export der Fettlebern nach
Frankreich
Zustand der Anlage:
Katastrophale hygienische Bedingungen im gesamten Umfeld, keine befestigten Flächen
(zum Zeitpunkt der Besichtigung war eine Hitzeperiode, deshalb war der Untergrund
trocken). Der Betrieb hat 1800 Elterntiere und produziert ca.30 000 Gössel im Jahr. Die
Hauptverlustursache war die Parvovirusinfektion der Gössel. Die Präventionsmaßnahmen
wurden von mir erarbeitet und den Mitarbeitern in einem Meeting durch den zuständigen
Tierarzt erläutert und Fragen dazu beantwortet.
Betrieb 2: Gänsemast
Es wurden 3 Standorte besichtigt (ca. 2000 – 3000 Mastgänse).
An allen 3 Standorten waren die Haltungshygiene, aber vor allem die hygienischen
Bedingungen der Futter- und Wasserversorgung für unser Verständnis inakzeptabel. Am
ersten Standort hatten die Tiere zum Zeitpunkt des Besuches kein Futter und Wasser
(Tageszeit 10 Uhr). Nachdem ich diesen Zustand bemängelt habe wurde das Wasser
aufgedreht und Futter verabreicht. Ein Managementprogramm für die Versorgung und
Betreuung der Tiere gab es nicht. Zwei Standorte befanden sich an einem Wasserlauf, wobei
die jüngeren Tiere am unteren Teil des Wasserlaufes standen und das mit Kot verschmutzte
Wasser der älteren Tiere als Tränkwasser zur Verfügung hatten. Futtergefäße waren an
beiden Standorten nicht vorhanden, das Futter wurde in Bahnen auf dem Boden verteilt.
Vom zuständigen Tierarzt wurde vor Ort ein verendetes Tier geöffnet und die typischen
Krankheitserscheinungen erläutert.
Die Ursache für die Tierverluste – die Parvovirose – konnte den Verantwortlichen des
Betriebes erläutert werden. Ein Programm zur Verbesserung der Hygiene durch
entsprechendes Management im Tierbestand und zur Bekämpfung der Parvovirose mit
einem Impfprogramm für die Elterntiere wurde den Verantwortlichen Managern übergeben.
34
35
Möglichkeiten phylogenetischer Untersuchungen bei aviärer
Influenza: H9N2 Infektionen bei Geflügel und Wildvögeln
in Deutschland.
Timm Harder, Christian Grund
FA; OIE und Nationales Referenzlabor für Aviäre Influenza, Institut für Virusdiagnostik,
Friedrich-Loeffler Institut, Südufer 10, D-17493 Greifswald-Insel Riems
Hintergrund
Im laufenden Jahr traten vereinzelt Infektionen mit dem aviären Influenzavirus H9N2 in
Geflügelhaltungen in Deutschland auf. H9N2 Infektionen wurden auch bei Wildvögeln in
Europa und Deutschland in den vergangenen Jahren sporadisch nachgewiesen. In Asien
und jüngst auch in Nordafrika (Ägypten) verursacht der endemische Status dieses Virus in
den Geflügelpopulationen erhebliche wirtschaftliche Probleme, weshalb dort Impfungen
routinemäßig eingeführt werden.
Seit den 1990er Jahren haben sich H9N2 Viren vor allem in Asien in mehreren Linien
diversifiziert. Diese Linien sind auch antigenetisch unterscheidbar und haben zum Teil
Anpassungen der einzusetzenden Impfstoffe erforderlich gemacht. Einige Linien besitzen
offenbar auch Potential für eine speziesübergreifende Übertragung und haben klinisch
relevante Infektionen in Schweinen (China) und vereinzelt auch in Menschen (Hong Kong)
verursacht.
Fragestellung
Können die in Deutschland nachgewiesenen H9N2 Viren bestimmten phylogenetischen
Linien zugeordnet werden? Lässt eine solche Zuordnung Rückschlüsse zur Herkunft und zu
Eintragswegen dieser Viren zu?
Methoden
Die Hämagglutinin- und Neuraminidasegene von aktuellen und älteren H9N2 Isolaten aus
der Sammlung des FLI werden vollständig sequenziert. Die Sequenzen werden
phylogenetisch analysiert und in den Stammbaum der in Asien und Afrika auftretenden
Viruslinien eingepasst. Antigenetische Eigenschaften der in Deutschland detektierten Viren
werden mittels Hämagglutinationshemmtest untersucht.
Die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse erfolgt im Rahmen des Vortrags.
36
37
Ausbreitung und Bekämpfung der niedrigpathogenen Aviären
Influenza in Sachsen
Roland Küblböck
Sächsische Tierseuchenkasse
Brückenstraße 2
09322 Penig
Im Sommer 2011 kam es in einigen Geflügelhaltungen mehrerer Bundesländer zum
Nachweis von niedrigpathogenen Aviären Influenzaviren. Wie in der Geflügelpestverordnung
vom 18.10.2007 festgelegt, führte der Nachweis zur Bekämpfung durch die zuständigen
Behörden. Dabei wurden die betroffenen Betriebe gesperrt, Kontaktbetriebe ermittelt,
untersucht und alle Haltungen mit Virusnachweis geräumt.
Die ersten positiven Nachweise von LPAI H7/N7 wurden Ende Mai 2011 in NordrheinWestfalen bei verschiedenen Geflügelhaltungen festgestellt. Die betroffene Region in NRW
hat eine besonders hohe Geflügeldichte, wobei alle Produktionsrichtungen vertreten sind.
Darunter befinden sich auch verschiedene Aufzüchter und Geflügelhändler, die ihre Tiere
über Landesgrenzen verbringen und in andere Bundesländer verkaufen. In der Folge des
Geschehens wurde noch jeweils ein Fall von niedrigpathogener Aviärer Influenza in Bayern
und Baden-Württemberg festgestellt. Die zuständigen Behörden konnten durch
Bekämpfungsmaßnahmen in den betroffenen Betrieben eine weitere Ausbreitung der
Infektion auf andere Haltungen eingrenzen, so dass sich die Lage auf dem Geflügelsektor
wieder zu normalisieren schien.
In Sachsen wurden am 23.06.2011 bei einer Gruppe von 7 Puten erste klinische Anzeichen
einer Erkrankung festgestellt. Die Tiere zeigten Atembeschwerden und Rhinitis. Aufgrund der
Vorkommnisse in NRW wurden von allen Tieren Rachentupfer gezogen, die an der
Landesuntersuchungsanstalt Sachsen auf AI Virus untersucht wurden. Am 27.06.2011
wurde mitgeteilt, dass eine der Proben H7 positiv sei. Die betreffende Probe wurde zur
Typisierung an das nationale Referenzlabor für Aviäre Influenza des FLI weitergeleitet. Der
Befund wurde bestätigt und als das niedrigpathogene Influenzavirus H7/N7 identifiziert, das
auch schon in NRW festgestellt wurde.
In der Zwischenzeit wurden Kontaktbetriebe ermittelt. Die betroffenen Puten wurden von
einem lokalen Geflügelhändler bezogen, der diese wiederum von einem Geflügelhändler aus
Nordrhein-Westfalen erworben hatte. Die Untersuchung der beim Geflügelhändler
verbliebenen Puten, die jedoch klinisch unauffällig waren, ergab auch einen Nachweis von
H7/N7. Daraufhin wurden alle Kunden des Geflügelhändlers ermittelt, die in dem Zeitraum
von der Einstallung der Puten bis zum Nachweis der LPAI Geflügel erworben hatten. Dabei
gestaltete sich die Nachverfolgung in einigen Fällen sehr schwierig und zeitaufwändig, da
einzelne Käufer nur einen Teil der Tiere bei sich einstallten und einen anderen Teil wiederum
an andere Halter weitergaben. Es ergab sich dadurch eine weite Verzweigung, die nicht
dokumentiert war.
Der Fall zeigt deutlich die Probleme bei der Erfassung und Bekämpfung der
niedrigpathogenen Aviären Influenza auf. Einerseits können infizierte Herden ohne
Anzeichen einer Erkrankung durchseuchen, so dass das Virus, wie hier in Sachsen,
unbemerkt über den Geflügelhandel gestreut werden kann. Andererseits zeigte sich auch,
dass der „Geflügelhandel“ für Klein- und Hobbyhaltungen nur sehr schwer zu kontrollieren
ist, da es neben den ortsansässigen Händlern auch fahrende Händler gibt, die
Ländergrenzen überschreiten. Daneben können Tiere auch auf Märkten und
Geflügelschauen erworben oder zwischen Rassegeflügelzüchtern gehandelt werden.
38
39
Wildvogelmonitoring im Land Brandenburg
zum Nachweis aviärer Influenzaviren
Kerstin Albrecht
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
des Landes Brandenburg
14513 Teltow, OT Ruhlsdorf, Dorfstraße 1
Aviäre Influenzaviren (AIV) kommen weltweit bei Vögeln, verschiedenen Säugetierarten und
dem Menschen vor. Niedrigpathogene AIV (NPAIV) der Subtypen H5 und H7 können auf
Grund einer starken Mutationsneigung von Influenzaviren hochpathogene Eigenschaften
entwickeln. Von bestimmten Virusstämmen geht zudem ein zoonotisches Potential aus.
Infektionen mit dem hochpathogenen AIV (HPAIV) des Subtyps H5N1 führten so in den
letzten Jahren zu mehreren hundert Erkrankungen und Todesfällen beim Menschen. NPAIV
sind in der Wildvogelpopulation, insbesondere bei Wasservögeln, weit verbreitet. Jedoch
fanden sich seit dem Auftreten einer hochpathogenen Variante des Subtyps H5N1 seit 2005
auch bei Wildvögeln zahlreiche Infektionen bei unterschiedlicher Empfänglichkeit der
einzelnen Spezies. Von diesem Wirtsreservoir geht eine mögliche Gefahr für AIV-Infektionen
beim Nutzgeflügel mit der Folge von drastischen tierseuchenrechtlichen Maßnahmen und
immensen wirtschaftlichen Folgen aus, wenn auch die Rolle von Wildvögeln im Rahmen der
HPAI nach wie vor umstritten ist. Nicht nur HPAIV-Infektionen, sondern auch NPAIVInfektionen der Subtypen H5 und H7 sind europaweit bekämpfungspflichtig. Um Daten für
genauere Risikoabschätzungen zu gewinnen, wurden zunächst freiwillige und anschließend
rechtlich verbindliche Vorgaben zur Überwachung des Vorkommens von AIV bei Wildvögeln
erarbeitet. Entsprechend verfeinerter Risikoeinschätzungen wurden bestimmte Arten
insbesondere der Ordnungen Anseriformes und Charadriformes bevorzugt in das
Überwachungsprogramm einbezogen. In Umsetzung dieser Vorgaben fand in Brandenburg
ein Wildvogelmonitoring statt, welches in dieser Arbeit über einen Zeitraum von 2006-2010
ausgewertet wurde.
Insgesamt gelangten 8.290 Wildvögel aus 139 heimischen Arten und 43 Familien zur
Untersuchung, von denen Organe aus Tierkörpern, Rachen- und Kloakentupfer oder Kot auf
AIV getestet wurden. Den größten Anteil am Untersuchungsgut machten Entenvögel mit
mehr als 35% der Gesamtzahl aus. Bei 21 Vögeln, vorwiegend Schwänen, wurde eine
HPAIV H5N1-Infektion mit dem Stamm „Asia“ im Zusammenhang mit europaweiten
Ausbrüchen dieses Erregers bei Wildvögeln im Frühjahr 2006 festgestellt. Danach gab es in
Brandenburg keine weiteren Nachweise von HPAIV. In 90 Fällen konnten innerhalb eines
Zeitraumes von fünf Jahren von 2006-2010 NPAIV diagnostiziert werden, darunter auch AIV
der Subtypen H5 und H7. Die Stockente war die Spezies mit der höchsten Prävalenz gefolgt
von der Blessralle. Von NPAIV-Infektionen waren die Arten der Ordnungen Anseriformes
(Entenvögel), Podicipediformes (Lappentaucher), Gruiformes (Kranichvögel), Accipitriformes
(Greifvögel) und Strigiformes (Eulen) betroffen. Es zeigten sich deutliche Unterschiede im
Verteilungsmuster der NPAIV im Hinblick auf den zeitlichen Verlauf sowohl in den einzelnen
Monaten als auch zwischen den Jahren sowie in verschiedenen Regionen. Die meisten AIVInfektionen fanden sich von Spätsommer bis in den Winter hinein und insbesondere in dem
im Landkreis Spree-Neiße gelegenen Ramsargebiet Peitzer Teiche.
Ergänzt wurde das Wildvogelmonitoring durch Untersuchungen an Stockenten (Anas
plathyrhynchos), die über einen Zeitraum von Oktober 2008 bis Oktober 2010 in einer
Anlage am Felchowsee im Landkreis Uckermark bei ständigem Kontakt zu Wildvögeln der
dortigen Population gehalten wurden (Sentinel-Stockenten). Eine Beprobung der Sentinels
40
fand alle zwei Wochen (Tupfer für den AIV-Nachweis) bzw. alle vier Wochen (Blut für den AIAntikörpernachweis) statt. Es konnten bei einer wesentlich höheren Nachweisrate als im
flächendeckenden Wildvogelmonitoring zahlreiche AIV verschiedener Subtypen
nachgewiesen werden. AI-Antikörper wurden bereits zwei Wochen nach dem Einsetzen der
Stockenten festgestellt, deren Seroprävalenz zwei Wochen bis mehrere Monate anhielt.
Jedoch ließ sich nur bei einem Tier mittels Hämagglutinationshemmungstest die
Subtypspezifität der Antikörper (H7) bestimmen.
Insgesamt konnte durch das Wildvogelmonitoring ein Überblick über die im Land
Brandenburg vorkommenden AIV erzielt werden. Die Untersuchungszahlen reichten jedoch
bei bestimmten Spezies, in verschiedenen Monaten und Regionen nicht immer aus, um
Ausschlussbewertungen von AIV-Infektionen statistisch gesichert vornehmen zu können. Die
erzielten Daten zeigen, dass die Beprobung von verendeten Tierkörpern (passives
Monitoring) gegenüber der Untersuchung lebender Vögel (aktives Monitoring) bezüglich des
Nachweises von HPAIV in Wildvögeln klar überlegen ist. Das aktive Monitoring dient
dagegen vor allem der Detektion von NPAIV. Die Konzentration auf bestimmte Vogelarten
(Stockenten, Blessrallen), Regionen (Feuchtgebiete, hier: insbesondere Region der Peitzer
Teiche und Havelseen), Monate (September, Oktober und Januar bis März) und
Beprobungsmodi (Jagdstrecke Stockenten) könnte zu einer Erhöhung der Effektivität der
Überwachung führen. Zudem scheint das Betreiben von Sentinelanlagen im Hinblick auf
Erkenntnisse zum Verlauf von AIV-Infektionen einschließlich einer Serokonversion über
einen längeren Zeitraum in einem bestimmten Ökosystem als kostengünstige Alternative
zum sonstigen Monitoring sinnvoll.
41
Räumung großer Geflügelbestände: Rechtslage, Konzepte,
Verfahren
Dr. Klaus-Peter Behr, Fachtierarzt für Geflügel, Dipl ECPVS
GESEVO GmbH, Löninger Str. 66, 49661 Cloppenburg
Am 1. Januar 2013 tritt die Verordnung (EG) 1099/2009 über den Schutz von Tieren zum
Zeitpunkt der Tötung in Kraft. Diese VO verlangt in Art 18(1) einen Aktionsplan der
zuständigen Behörde für den Fall von Bestandsräumungen einschließlich geplanter
Betäubungs- und Tötungsverfahren, Standardarbeitsanweisungen und Notfallpläne. Über die
durchgeführten Aktivitäten ist der KOM bis Mitte des Folgejahres zu berichten, der Bericht ist
im Internet zu veröffentlichen (Art 18(4)).
In der Anlage zur VO werden die zulässigen Bestandsräumungsverfahren detailliert
aufgelistet. Da es sich hier um unmittelbar geltendes Recht handelt, ist eine nationale
Umsetzung nicht erforderlich. Nichtsdestotrotz wird in Deutschland die nationale TierschutzSchlacht-Verordnung aktuell novelliert, um auch an dieser Stelle den EU-Rechtsrahmen
einzuschränken.
Unabhängig von der Entwicklung der Rechtslage gibt es seit 2005 in Deutschland eine
Entwicklung zum Aufbau von Vorsorgesystemen für die tierschutzgerechte Räumung großer
Geflügelbestände in Tierseuchenfällen. Inzwischen werden diese Konzepte konkret auf den
Schweine- und Wiederkäuer-Bereich ausgedehnt. Entsprechend der föderalen Zuständigkeit
für die Tierseuchenbekämpfung werden dabei nebeneinander unterschiedlichste Modelle
entwickelt.
Gleichzeitig wächst seit der umfangreichen Bekämpfung der Klassischen Geflügelpest in den
Niederlanden 2003 EU-weit eine spezialisierte Dienstleistungsbranche.
Das Spektrum der zur Bestandsräumung in Tierseuchenfällen zulässigen Verfahren umfasst
neben mechanischen Tötungsverfahren insbesondere die Anwendung von elektrischem
Strom sowie Verfahren unter Anwendung von Gas.
Die bei der GESEVO GmbH aktuell etablierten Techniken und Kapazitäten zur
Bestandsräumung bei Geflügel werden dargestellt.
Neben Tierschutzgesichtspunkten finden in den GESEVO-Konzepten zu diesem Thema
Aspekte des Arbeitsschutzes und der Vermeidung der Seuchenverschleppung im Zuge der
Seuchenbekämpfung vermehrt Berücksichtigung. Die hierfür erforderlichen Konzepte der
Reduzierung des Personalbedarfes und der mobilen Schleusung von Personal und Gerät
werden ebenfalls dargestellt.
Darüber hinaus wird am Beispiel des Vorgehens in Niedersachsen und MecklenburgVorpommern dargelegt, wie standardisierte Vertrags- und Abrechnungsverfahren im
Tierseuchenfall die zügige und EU-rechtskonforme Abwicklung der Entschädigungen
beschleunigen und damit nicht nur die Veterinärverwaltungen entlasten, sondern auch die
EU-Kofinanzierungen beschleunigen.
42
Bericht über das 9. Internationale Symposium über
Putenkrankheiten in Berlin
Prof. H. M. Hafez
Berlin
43
Stand der Bekämpfung von Zoonosen u. ihrer Erreger bei
Wirtschaftsgeflügel in Sachsen-Anhalt
Ulrich Noack u. Annette Schliephake
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt - FB 4 Veterinärmedizin
Haferbreiter Weg 132 – 135, 39576 Stendal
1. Gesetzliche Bestimmungen, Leitlinien, Beihilfen
Gesetzliche Grundlage der Zoonosenbekämpfung bei Nutztieren in der Europäischen Union
sind die RL 99/2003/EG sowie die Verordnung 2160/2003/EG, beide Vorschriften wurden
vom EU Parlament verabschiedet. Überwachungspflichtige Zoonosen sind danach beim
Wirtschaftsgeflügel die Salmonellose und die Campylobacteriose und ihre Erreger. Daneben
wird auch das Vorkommen von MRSA in den Tierbeständen überwacht. Menschliche Salmonelloseerkrankungen konnten in den letzten Jahren deutlich reduziert worden, so wurden
2011 in Deutschland nur noch 24518 Krankheitsfälle gemeldet. Zugenommen haben jedoch
die Campylobacteriosen (2011: 71309 Fälle) und auch septikämische MRSA - Erkrankungen
(2011: 4226 Fälle). Die EU-Kommission hat eine Reihe von Verordnungen erlassen, die die
Gemeinschaftsziele zur Senkung der Prävalenz von Salmonella - Serotypen bei Zuchtherden
von Gallus gallus, bei Legehennen, bei Masthähnchen und bei Puten festlegen. Daneben
wurden in weiteren Verordnungen die spezifischen Bekämpfungsmethoden im Rahmen
nationaler Salmonellen-bekämpfungsprogramme sowie die Verfahrensweisen hinsichtlich
des Inverkehrbringens von Eiern aus Salmonellen infizierten Legehennenherden und für
frisches Geflügelfleisch festgelegt. In Deutschland spezifiziert die Hühner-SalmonellenVerordnung sowie nationale Programme für die einzelnen Geflügelarten und
Nutzungsrichtungen die Vorgehensweise bei der Bekämpfung von Salmonelleninfektionen.
Daneben regelt die Allgemeine Verwaltungs-vorschrift (AVV) Zoonosen Lebensmittelkette
die Durchführung von Zoonosenstichproben-plänen (AVV Zoonosenmonitoring) entlang der
Erzeuger- und Verabeitungsstufen sowie im Lebensmitteleinzelhandel durch die
Überwachungsbehörden der Länder.
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hat zur praktischen Umsetzung der
nationalen Programme Leitfäden zur Salmonellenbekämpfung bei Legehennen sowie in der
Hähnchen- und Putenhaltung erstellt. Die Empfehlungen des MLU Sachsen-Anhalt über
Biosicherheitsmaßnahmen und Frühwarnsysteme in Geflügelhaltungen wurden im
Ministerialblatt veröffentlicht. Beihilfen der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt erstatten den
Geflügelhaltern die Kosten der amtlich angeordneten Laboruntersuchungen auf Salmonellen
in Brütereien, Zucht- und Aufzuchtbetrieben, Legehennen- und Masthähnchenbetrieben und
entschädigen 50% des gemeinen Wertes von Zuchthühnern und Legehennen im Fall der
Schlachtung oder Tötung salmonelleninfizierter Bestände.
2. Durchführung und Stand der Zoonosenbekämpfung in Sachsen-Anhalt (ST)
Sämtliche Laboruntersuchungen im Rahmen der Amtlichen Zoonosenüberwachung der
Wirtschaftsgeflügelbestände werden am Fachbereich Veterinärmedizin des Landesamtes
für Verbraucherschutz durchgeführt. Zur Gewährleistung einer einheitlichen Vorgehensweise
der Überwachungsbehörden wurden vom Geflügelseuchenbekämpfungsdienst (GSBD)
spezielle Einsendeformulare für Untersuchungsmaterial sowie Merkblätter für amtliche
Probenehmer erstellt. Der GSBD wird bei den amtlichen Bestandskontrollen in den
Brütereien und Wirtschaftsgeflügelbeständen regelmäßig beteiligt und im Fall positiver
Befunde zur Unterstützung der Bekämpfungsmaßnahmen hinzugezogen.
44
Ergebnisse der Zoonosenüberwachung in Zuchthühnerherden
Bekämpfungspflichtig sind bei Zuchthühnerherden 5 Salmonellenserovare: S. Enteritidis, S.
Typhimurium, S. Hadar, S. Virchow u. S. Infantis (TOP 5 - Salmonellen). Im Jahr 2011
wurden 732 bakteriologische Untersuchungen (BU) aus 89 Zuchthühnerherden am
Fachbereich Veterinärmedizin durchgeführt und dabei keine Salmonellen nachgewiesen.
Das Gemeinschaftziel von < 1% TOP 5 - positiver Zuchthühnerherden wurde in der BR
Deutschland schon ab dem Jahr 2010 erreicht. Im Jahr 2011 erfolgte bundesweit nur bei 2
von 762 untersuchten Herden der Nachweis von S. Enteritidis (0,3%).
Ergebnisse der Zoonosenüberwachung in Legehennenherden
Bekämpfungspflichtig sind bei Legehennenherden 2 Salmonellenserovare: S. Enteritidis u.
S. Typhimurium (TOP 2 - Salmonellen). Im Jahr 2011 wurden 207 bakteriologische UnterUntersuchungen (BU) aus 63 Legehennenherden am Fachbereich Veterinärmedizin
durchgeführt und dabei 9 x S. Enteritidis nachgewiesen. Die Herdenprävalenz für TOP 2
betrug somit in Sachsen-Anhalt 11,1%. Im 1. Halbjahr 2012 erfolgte noch kein Salmonellennachweis! Das Gemeinschaftziel von < 2% TOP 2 - positiver Legehennenherden wurde in
Deutschland schon ab dem Jahr 2010 erreicht. Im Jahr 2011 erfolgte bundesweit bei 60 von
4993 untersuchten Herden der Nachweis von TOP 2 (47 x S. Enteritidis / 13 x S. Typhimurium) das entspricht einer Herdenprävalenz von 1,2%!
Im Rahmen der AVV Zoonosen Lebensmittelkette wurden im Jahr 2009 in einer von 15 im
Land ST untersuchten Herden Campylobacter Coli jedoch kein MRSA nachgewiesen!
In den Jahren 2008-2011 wurde der GSBD zur Salmonellenbekämpfung in 14 Legehennenbetrieben beteiligt! In 3 Farmen eines Betriebes wurde im Zeitraum 2009 - 2011 der gleiche
Phagentyp von S. Enteritidis, PT 4 nachgewiesen. In den betroffenen Betrieben wurden
Schwachstellenanalysen durchgeführt und Bekämpfungskonzepte erstellt!
Ergebnisse der Zoonosenüberwachung in Masthähnchenherden
Bekämpfungspflichtig sind auch bei Masthähnchenherden 2 Salmonellenserovare: S.
Enteritidis u. S. Typhimurium (TOP
2 - Salmonellen). Im Jahr 2011 wurden 43
bakteriologische Untersuchungen (BU) aus 19 Masthähnchenherden am Fachbereich
Veterinärmedizin durchgeführt und dabei 2 x S. Mbandaka nachgewiesen. Die
Herdenprävalenz für TOP 2 betrug somit in Sachsen-Anhalt 0%. Das Gemeinschaftziel von
1% TOP 2- positiver Masthähnchenherden wurde in Deutschland schon seit einigen Jahren
erreicht. Im Jahr 2011 erfolgte bundesweit bei 34 von 14696 untersuchten Herden der
Nachweis von TOP 2 (19 x S. Enteritidis / 15x S. Typhimurium) das entspricht einer
Herdenprävalenz von 0,2%! Im Rahmen der AVV Zoonosen Lebensmittelkette wurden im
Jahr 2009 in einer von 39 im Land ST untersuchten Herden Campylobacter Jejuni u.
Campylobacter Coli jedoch kein MRSA nachgewiesen!
Ergebnisse der Zoonosenüberwachung in Truthühnerherden
Bekämpfungspflichtig sind bei Zucht- und Mastputenherden 2 Salmonellenserovare: S.
Enteritidis u. S. Typhimurium (TOP 2 - Salmonellen). Im Jahr 2011 wurden 57 bakteriologische Untersuchungen (BU) aus 26 Mastputenherden am Fachbereich Veterinärmedizin
durchgeführt und dabei keine Salmonellen nachgewiesen. Die Herdenprävalenz für TOP 2
betrug somit in Sachsen-Anhalt 0%. Das Gemeinschaftziel von 1% TOP 2 - positiver Herden
wurde in Deutschland schon seit einigen Jahren erreicht. Im Jahr 2011 erfolgte bundesweit
bei 11 von 2723 untersuchten Herden der Nachweis von TOP 2 (11 x S. Typhimurium) das
entspricht einer Herdenprävalenz von 0,4%!
Im Rahmen der AVV Zoonosen Lebensmittel-kette wurden im Jahr 2010 in einer von 12 im
Land ST untersuchten Herden MRSA jedoch kein Campylobacter nachgewiesen! In diesem
Jahr wurde bisher in einer von 22 untersuchten Herden MRSA nachgewiesen.
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Ergebnisse der Zoonosenüberwachung bei Masthähnchenschlachtkörpern
Im Rahmen der bundesweiten Prävalenzerhebung für Salmonellen und Campylobacter spp.
bei geschlachteten Masthähnchen im Jahr 2008 wurden in ST 28 Schlachtchargen
untersucht (10 Blinddärme u. 1 Schlachtkörper je Schlachtcharge). Es waren 42,8% der
Zäkumchargen und 50% der Schlachtkörper positiv für Campylobacter spp. und 3,5% der
Schlachtkörper positiv für Salmonellen. Bundesweit wurden dagegen bei 54,9% der
Zäkumchargen und bei 62% der Schlachtkörper Campylobacter spp. und bei 17,6% der
Schlachtkörper Salmonellen nachgewiesen. Im Rahmen der bundesweiten Prävalenzerhebung für MRSA bei geschlachteten Masthähnchen im Jahr 2008 wurden in ST 10
Schlachtchargen (Halshautproben) untersucht und kein MRSA nachgewiesen. Im Jahr 2011
wurden dagegen im Rahmen des AVV Zoonosenmonitoring bei 4 von 23 Schlachtchargen
(17,4%) MRSA nachgewiesen.
Ergebnisse der Zoonosenüberwachung bei amtlichen Lebensmittelproben aus dem
Einzelhandel
Im Zeitraum 2008 -2011 wurden am Fachbereich 3 des LAV 102 Hähnchenfleischproben auf
MRSA untersucht, bei 19 Proben erfolgte ein MRSA-Nachweis (18,6%). Im gleichen
Zeitraum wurden 58 Putenfleischproben auf MRSA untersucht, bei 24 Proben erfolgte ein
MRSA-Nachweis (41,4%).
3. Fazit
Bei sämtlichen Nutzgeflügelarten, für die Salmonellenbekämpfungsprogamme aufgestellt
worden sind, wurden bundesweit bereits im Jahr 2010 die Gemeinschaftszielwerte für die
zulässigen Herdenprävalenzen erreicht. Dieser Erfolg spiegelt sich in kontinuierlichem
Rückgang der humanen Salmonelloseerkrankungen wieder. In Sachsen-Anhalt sind weitere
Anstrengungen erforderlich, um Salmonelleninfektionen in Legehennenbeständen zu
reduzieren. Im Ereignisfall sind Schwachstellenanalysen durchzuführen und Bekämpfungskonzepte aufzustellen. Bundesweite Erhebungen über das Auftreten anderer Zoonoseerreger in den Erzeugerbetrieben im Rahmen des AVV - Zoonosenmonitoring erfolgten bei den
verschiedenen Geflügelarten und Nutzungsrichtungen bisher überwiegend nur über den
Zeitraum von einem Jahr. Aufgrund von z.T. hohen Nachweisraten von Campylobacter spp.
und MRSA aus Hähnchenschlachtkörpern und Einzelhandelsproben von Hähnchen- und
Putenfleisch ist die Fortsetzung des Campylobacter- u. MRSA - Monitoring in den Hähnchenu. Putenmastbeständen erforderlich. Zur Eindämmung humaner Campylobacteriosen müssen die Campylobacterinfektionen in Masthähnchenbeständen reduziert werden!
Literatur:
Salmonella-Bekämpfungsprogramm gemäß Verordnung (EG) Nr. 2160/2003: Ergebnisse für
das Jahr 2011. Stellungnahme Nr. 029/2012 des BfR vom 13.06.2012
46
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AviPro Salmonella Duo, der erste bivalente Salmonella
Lebendimpfstoff für Hühner u. Enten
Patrick Wefstaedt, Daniel Windhorst, Hans-C. Philipp
Lohmann Animal Health GmbH, Heinz-Lohmann-Str.4, 27472 Cuxhaven
Neueste Studien in zahlreichen Ländern weltweit bestätigen das zunehmende Aufkommen
und die Ausbreitung monophasischer Salmonella Typhimurium Stämme bei Lebensmittel
liefernden Tieren, Haustieren und beim Menschen.
Mit AviPro Salmonella Duo steht erstmalig ein bivalenter Salmonella-Lebendimpfstoff für den
Gebrauch bei Enten und Hühnern zur Verfügung, der einen homologen Schutz gegen
Salmonella Enteritidis und Typhimurium sowie gegen monophasische Varianten von
Salmonella Typhimurium vermittelt. Durch die aktive Immunisierung mit AviPro Salmonella
Duo kann bei Hühnern die fäkale Ausscheidung und Besiedlung innerer Organe mit
Salmonella Enteritidis und Salmonella Typhimurium Feldstämmen sowie eine Besiedlung der
Eier mit Salmonella Typhimurium wirkungsvoll reduziert werden. Bei Enten dient die aktive
Immunisierung einer Reduktion der Besiedlung innerer Organe mit Salmonella Typhimurium.
Die erste Impfung erfolgt bei Hühnern vom ersten Tag an über das Trinkwasser.
Wiederholungsimpfungen sind nach 6-8 Wochen sowie in der 16. Lebenswoche vorgesehen.
Bei Mastenten erfolgt die einmalige Verabreichung des Impfstoffes in einfacher Dosis vom
ersten Tag an.
Die Selektionstrategien zur Entwicklung der AviPro Salmonellen-Impfstoffe beruhen auf dem
in bakteriellen Populationen natürlich vorkommenden Prozess der Entstehung von
metabolischen Driftmutationen (MDM, metabolic drift mutations). Diese Driftmutationen
zeichnen sich durch herabgesetzte metabolische Aktivitäten aus, die sich in einem
verlangsamten Wachstum und einer verlängerten Generationszeit auswirken. Gleichzeitig
sind derartige Bakterienstämme hinsichtlich ihrer Virulenz attenuiert und damit für eine
Anwendung als Impfstamm geeignet. Aufgrund der Lokalisation der genetischen
Veränderungen auf dem Bakterienchromosom sind die in AviPro Salmonella Duo
verwendeten Impfstämme genetisch stabil und sicher. Die Sicherheit von AviPro Salmonella
Duo konnte anhand einer Anwendung bei SPF-Eintagsküken in wiederholter einfacher
Dosierung, sowie einer einmaligen 10-fachen Dosierung des Impfstoffes und im Feldversuch
gezeigt werden.
Bei AviPro Salmonella Duo handelt es sich um einen vollständig neuentwickelten Impfstoff.
Durch das innovative Kofermentationsverfahren bei der Herstellung des Impfstoffs können
während aller Produktionsstufen gleiche Titer für beide im Impfstoff enthaltenen Impfstämme
gewährleistet werden. Dies stellt die gleichbleibende Qualität und Zusammensetzung des
ersten bivalenten Salmonella-Lebendimpfstoffs sicher und bildet damit die Voraussetzung
für die Induktion eines homologen Impfschutzes gegen Salmonella Enteritidis und
Salmonella Typhimurium.
Reduktion der Organkolonisierung nach Challengeinfektion mit S. Typhimurium und
S. Enteritidis beim Huhn
Hinsichtlich der Wirksamkeitsprüfung von AviPro Salmonella Duo gegen eine induzierte
Infektion von Hühnern mit Salmonella Typhimurium und Salmonella Enteritidis Feldstämmen
wurden mit AviPro Salmonella Duo geimpfte Hennen zu Beginn und zum Ende der
Legeperiode mit Salmonella Typhimurium und (in separaten Versuchen) mit Salmonella
Enteritidis Feldstämmen infiziert. In der Folge wurde die Organpersistenz der Erreger in
48
Leber und Blinddarm 7 Tage nach der jeweiligen Infektion bestimmt und mit den
Ergebnissen nicht geimpfter Kontrolltiere verglichen.
Die orale Vakzinierung der Tiere erfolgte entsprechend der Zulassungsvorschriften durch
Trinkwasserapplikation von AviPro Salmonella Duo am ersten Lebenstag sowie nach 6 und
16 Lebenswochen. Als Kontrollgruppe dienten ungeimpfte Legehennen. In der frühen
Legeperiode (22. Woche) sowie in der Spätphase der Legeperiode (62. Woche) erfolgte die
orale Applikation eines Salmonella Typhimurium Infektionsstamms. Die Infektion mit dem
Salmonella Enteritidis Feldstamm erfolgte in der 21. Und 68. Lebenswoche. Sieben Tage
nach den jeweiligen Infektionen erfolgte eine Keimzahlbestimmung aus Blinddarm- und
Leberproben von 10 Hennen jeder Gruppe sowie eine quantitative Auswertung der jeweiligen
Keimzahlreduktion.
Die Ergebnisse zeigen nach oraler Challenge-Infektion mit S. Typhimurium bzw. S.
Enteritidis im Falle einer vorangegangenen Impfung der Legehennen mit AviPro Salmonella
Duo eine im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich gesenkte Keimzahl beider Erreger in
Blinddarm und Leber sowohl in der frühen als auch in der späten Legeperiode. Im Falle einer
Infektion mit Salmonella Typhimurium bzw. Salmonella Enteritidis kann eine vorangehende
Impfung mit AviPro Salmonella Duo damit zu einer deutlichen Reduktion der Kolonisierung
der Leber sowie des Blinddarms, als Hauptorte der Erregerpersistenz, führen. In weiteren
Versuchen konnte nachgewiesen werden, dass der Impfstoff weder auf noch in die Eier
übertragen wird und dass es nach erfolgter Impfung zu einer lediglich beschränkten
Ausbreitung des Impfstoffstammes im Stall kommt.
Reduktion der Organkolonisierung mit S. Typhimurium bei der Ente
Die Wirksamkeit von AviPro Salmonella Duo zur Reduktion einer Organbesiedlung mit
Salmonella Typhimurium bei Mastenten wurde ebenfalls anhand von ChallengeInfektionsversuchen untersucht. Dazu wurde eine Gruppe Pekingenten am 1. Lebenstag mit
AviPro Salmonella Duo geimpft. Als Kontrollgruppe dienten ungeimpfte Tiere. Die orale
Infektion der Tiere beider Gruppen erfolgte am 22. und 43. Lebenstag mit 1 x 109 KBE eines
virulenten Salmonella Typhimurium Feldstamms.
Die bakteriologische Analyse von Leber und Blinddärmen konnte im Falle der mit AviPro
Salmonella Duo geimpften Pekingenten eine deutlich reduzierte Kolonisierung von Blinddarm
und Leber nach der Infektion mit Salmonella Typhimurium am 22. Und 43. Lebenstag zeigen.
Fazit
Mit AviPro Salmonella Duo steht ein hocheffektiver Impfstoff zur Verfügung der einen
homologen Schutz gegen Salmonella Enteritidis und Typhimurium bei Hühnern und
Mastenten bietet, indem die Organkolonisierung wirksam reduziert wird. Darüber hinaus
bietet AviPro Salmonella Duo einen zuverlässigen Schutz von Mastenten und Hühnern
gegen die für Infektionen des Menschen an Bedeutung gewinnenden monophasischen
Salmonella Typhimurium Stämme.
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Tränkwasserhygiene als Teil innovativer Tiergesundheitsstrategien
Dr. Ina Bräunig
Lohmann Animal Health GmbH, Heinz Lohmann Str. 4, 27472 Cuxhaven
Tränkwasser besitzt eine zentrale Funktion in der Aufzucht und Haltung von Geflügel. Dabei
spielt nicht nur die ausreichende Menge an Wasser eine Rolle, sondern auch dessen
Verwendung als Transport- und Lösungsmittel für nutritive, kurative und präventive Zwecke.
Obwohl in Deutschland der überwiegende Teil der Ställe über das öffentliche Netz mit
Wasser von Trinkwasserqualität versorgt wird, konnte nachgewiesen werden, dass Küken
eine hohe Anzahl Mikroorganismen mit dem Tränkwasser aufnehmen. Die Menge von
Mikroorganismen im aufgenommenen Wasser wird dabei wesentlich vom Management und
vom Alter der Tiere beeinflusst.
Diese Mikroorganismen befinden sich in der Fließphase im Wasser, sedimentieren aber
auch auf Oberflächen in Tränkwassersystemen und neigen dazu, Biofilme zu bilden. Das
Spektrum der in Tränkwasser nachweisbaren Mikroorganismen ist sehr breit. Neben
Enterokokken und Enterobakterien wurden auch Salmonellen spp. und Campylobacter spp.
in Tränkwasser und auf Oberflächen des Tränkwassersystems nachgewiesen. Damit stellt
das Tränkwassersystem ein Reservoir und eine Infektionsquelle dar.
Salmonellen spp. und Campylobacter spp. konnten vor allem aus Tränkelinien isoliert
werden, wo persistierende Probleme mit diesen Keimen in aufeinanderfolgenden
Durchgängen auftraten. Auch in Betrieben, in denen es in unregelmäßigen Abständen zum
Nachweis derselben Serovare von Salmonellen mittels Sockentupfer kam, konnte das
Tränksystem als Reservoir identifiziert werden. Dies trifft insbesondere für Betriebe zu, in
denen S. Paratyphi B d-tartrat positiv wiederholt nachweisbar war.
Neben dem Spektrum an Mikroorganismen zeigen auch die durchgeführten
Untersuchungen zum Resistenzmuster der Keime gegenüber üblichen Antibiotika für
Geflügel, dass die bestandsbetreuenden Tierärzte dem Tränkwassersysteme und der
Tränkwasserqualität verstärkt Beachtung schenken sollten.
Es konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass übliche Reinigungs- und
Desinfektionsmaßnahmen an dem Tränkwassersystem in der Serviceperiode oft nicht zu
dem gewünschten Erfolg führen. Trotz erfolgter Reinigung und Desinfektion konnte in den
Tränkwassersystemen an verschiedenen Messpunkten in unterschiedlichem Ausmaß eine
hohe Belastung mit unerwünschten Mikroorganismen nachgewiesen werden. Auch sind nach
diesen Maßnahmen nicht in jedem Fall alle Rückstände von Arzneimitteln entfernt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Verbesserung der Tränkwasserhygiene einen
wesentlichen Beitrag zur Risikominimierung in der Geflügelhaltung beiträgt. Hier sind
optimalere technische Lösungen die Tränklinien betreffend genauso erforderlich wie die
Entwicklung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln und –verfahren für die Tierhaltung als
auch das risikominimierte Management durch die Tierhalter mit Unterstützung der
betreuenden Tierärzte. Nicht zuletzt leistet der verantwortungsbewusste Umgang mit
jeglichen Tränkwasserzusätzen einen strategischen Beitrag zur modernen Haltung von
Geflügel in naher und ferner Zukunft.
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51
Mineralisationsstörungen und Minderwuchs in einem
Putenbestand – ein Fallbericht
Lutz Lauterbach, Ronald Günther
Heidemark Mästerkreis GmbH & Co. KG,
Veterinärlabor
Jacob-Uffrecht-Straße 20
39340 Haldensleben
Zusammenfassung:
In einer Jungputenherde traten zwischen der 2. bis 8. Lebenswoche unspezifische klinische
Symptome in Form von Apathie, verminderter Futteraufnahme, Lahmheit sowie zeitlich
verzögert Beinfehlstellungen und Knochenbrüchen auf. In Ställen mit Zufütterung von
hofeigenem Weizen zur Standardration zeigte sich gegenüber einer alleinigen Pelletfütterung
ein klinisch abgemildertes Bild bei verbesserter, wenngleich ebenfalls nicht normgerechter
Körpermasseentwicklung. Futteruntersuchungen bzgl. einer möglichen ursächlichen
Pilztoxinbelastung zeigten keine Abweichungen. Pathologisch-anatomisch konnten im Alter
von 6 Wochen Unregelmäßigkeiten im Bereich der Wachstumsplatten der proximalen
Tibiotarsi diagnostiziert werden, welche histologisch als rachitische Veränderungen bestätigt
werden konnten. Erneute Futtermittelanalysen mit Schwerpunkt auf Mineralstoffgehalt (Ca,
P) sowie Phytaseaktivität zeigten temporäre, z. T. außerhalb der futtermittelrechtlichen
Toleranz liegende Unterschreitungen im Bereich der P-Versorgung. Gravierendster Befund
war jedoch eine über mehrere Futterchargen/-phasen nachweisbare, signifikant reduzierte
Phytaseaktivität (SOLL 650 FTU/kg, IST z.T. <100 FTU/kg).
Produktionsform:
Der betroffene Betrieb zieht Puteneintagsküken beiderlei Geschlechtes selbst auf (Stall 1)
und stallt die Hähne im Alter von ca. 5 Wochen in 3 separate Hahnenmastställe (Stall 2-4)
um. Die Hennen verbleiben bis Mastende im Aufzuchtstall.
Klinische Erscheinungen:
Etwa ab Mitte der 2. Lebenswoche fiel die Herde durch anhaltende Klagelaute, Trägheit,
eingezogene Köpfe sowie anhaltendes Kotpicken/Strohfressen auf, in dessen Folge sowohl
Strohwickel im Magen als auch in verschiedenen Darmabschnitten zu beobachten waren.
Die Futteraufnahme war dabei anhaltend reduziert. Symptomatische Behandlungen zeigten
nur eine geringgradige Verbesserung des Allgemeinbefindens. Mit fortschreitender Zeit war
ein zunehmendes Auseinanderwachsen der Herde zu beobachten (siehe Tabelle1). In der 6.
Lebenswoche waren erste Beinfehlstellungen in Form von ein- und beidseitigen VarusValgusdeformationen sowie vereinzelt einseitige Tibiatorsion zu beobachten. Mit
fortschreitendem Verlauf verstärkten sich die Deformationen und es traten vermehrt
Knochenbrüche vorzugsweise des Femur aber auch des Tibiotarsus auf.
52
Tabelle 1: Soll- und IST-Gewichtsvergleich (20 Einzelwiegungen) zu verschiedenen Zeitpunkten der
Aufzucht
Alter
(LeWo)
Hennen
Hähne
Stall 1
Stall 2
Stall 3 + 4
IST (kg)
IST (kg)
IST (kg)
SOLL (kg)
SOLL (kg)
8
1,46
3,70
2,49
n.u.
4,73
12,5
4,40
8,07
5,80
7,50
11,09
Pathologische und histologische Befunde:
Die Sektion gefallener / gemerzter moribunder Tiere ergab bis auf sporadische Hinweise
keinerlei Anhaltspunkte für eine bakterielle Primärerkrankung. Hinweise auf eine virale
Genese in Form von Darmveränderungen bzw. Veränderungen an lymphatischen Organen
wurden ebenfalls nur sporadisch beobachtet.
Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf ergaben sich zunehmend Hinweise auf
Mineralisationsstörungen in Form eines weichen Anschnitts im Bereich des proximalen
Tibiotarsus, eines nur mäßig ausgebildeten Cortex, einer z. T. unregelmäßig verbreiterten
Wachstumsplatte sowie ca. 1-2 mm starke, unregelmäßige Einschmelzungen distal der
Wachstumsplatte im proximalen Tibiotarsus (Abb. 1). Histologisch konnte die Verbreiterung
der Wachstumsplatte auf eine deutliche Verbreiterung der hypertrophen Zone zurückgeführt
werden, wobei gleichzeitig die ungenügende Mineralisierung im Bereich der nur schwach
ausgeprägten Kompakta bestätigt wurde. Diese bestand überwiegend aus nicht
mineralisiertem Osteoid.
Labordiagnostische Befunde:
Futtermittelanalysen mit Schwerpunkt auf Mineralstoffgehalt (Ca, P) sowie Phytaseaktivität
zeigten temporäre, z. T. außerhalb der futtermittelrechtlichen Toleranz liegende
Unterschreitungen im Bereich der P-Versorgung. Gravierendster Befund war jedoch eine
über mehrere Futterchargen nachweisbare, signifikant reduzierte Phytaseaktivität (SOLL 650
FTU/kg, IST z.T. <100 FTU/kg). Die Gegenprüfung der Rückstellmuster beim
Futtermittelhersteller bestätigte den Phytasemangel im pelletierten Putenfutter.
53
3
a
b
Abb. 1: Links – schematische Darstellung Röhrenknochen (Günther 1997) mit den verschiedenen
Strukturbereichen, Rechts – Sektionsbefund Tibiotarsus (a – vergrößerter hypertropher Zone,
b – unregelmäßigen Einschmelzungen ca. 1,5 cm unterhalb der Wachstumsplatte)
Diskussion und Schlussfolgerungen:
Obwohl die Chargenprotokolle der Futtermühle den ordnungsgemäßen Zusatz der Phytase
während der Herstellung auswiesen, wurde ein z. T. deutlich abweichender tatsächlicher
Phytasegehalt im Alleinfutter festgestellt. Ursächlich für die gemessenen Abweichungen
könnten nicht dokumentierte Abweichungen im Rahmen des Pelletierungsprozesses sein.
Die geringere Ausprägung der Veränderungen in den Ställen mit Weizenbeifütterung zum
Alleinfutter lässt sich durch den zwar begrenzten, in diesem Fall aber mildernd wirkenden
Gehalt von Getreide-eigener Phytase erklären, welche im Zusammenhang mit dem Getreideeigenen
Phytinphosphor
einen
gewissen
substituierenden
Effekt
ausübte.
Differentialdiagnostisch sollte daher bei verminderter Futteraufnahme und einsetzenden
Mineralisierungsstörungen neben einer Untersuchung auf Kalzium und Phosphorgehalt eine
Ermittlung des Phytasegehaltes im Futter immer mit in Betracht gezogen werden.
Literatur:
Günther, R. (1997): Makroskopische, histologische und histometrische Untersuchungen zum Skelettwachstum
der Hintergliedmaßen von Hühnern einer Legelinie sowie Vergleich mit einer Mastlinie. Diss. FU-Berlin.
Spindler, B. (2007): Pathologisch-anatomische und histologische Untersuchungen an Gelenken und Fußballen
bei Puten der Linie B.U.T. 6 bei der Haltung mit und ohne Außenklimabereich. Diss. TiHo-Hannover.
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